Alexis Weissenberg verstorben

Jeremias (11.01.2012, 17:23):
Aus Klassik-heute.com:

Im Alter von 82 Jahren ist am 8. Januar 2012 der bulgarisch-französische Pianist Alexis Weissenberg in Lugano verstorben. Geboren am 29.7.1929 in Sofia, gehörte Weissenberg viele Jahrzehnte zu den gefeierten Pianisten seiner Generation und war darüber hinaus als Dozent in den USA und Europa aktiv. Während des Zweiten Weltkriegs flüchtete er 1943 nach Palenstina, wo er seine in Sofia begonnenen Studien in Jerusalem fortsetzte. 1946-47 perfektionierte er sich an der New Yorker Juilliard School bei Olga Samaroff und nahm Unterricht bei Artur Schnabel und Wanda Landowska. Der Gewinn des Leventritt-Wettbewerbs 1947 und sein Debüt beim Philadelphia Orchestra unter George Szell in der New Yorker Carnegie Hall waren der Beginn einer außergewöhnlichen internationalen Karriere. Nach einer längeren Auszeit engagierte ihn 1967 Herbert von Karajan, mit dem er u.a. auch alle Beethoven-Konzerte einspielte und ermöglichte ihm damit eine Comeback in Europa. Sein musikalisches Vermächtnis ist auf zahlreichen Tonträgern dokumentiert. Seine letzten Lebensjahr vebrachte Weissenberg in der Schweiz.
Heike (11.01.2012, 17:53):
Das ist eine traurige Nachricht. Auch wenn man in den letzten Jahren nicht mehr viel von ihm gehört hat, war er sicherlich einer der großen Pianisten des 20. Jahrhunderts und viele CDs werden immer an ihn erinnern.
Ich weiß, dass ich auf jeden Fall die Chopin-Konzerte mit ihm habe, wahrscheinlich auch noch die eine oder andere Soloaufnahme.
Schade, ich habe ihn nie live erleben können.
Heike
Amadé (11.01.2012, 20:37):
Ich habe Weissenberg im Jahre 1972 in Marburg gehört. Er spielte Bachs 4.Partita D-dur, dann Schumanns Sinfonische Etüden incl. der 5 nachgelassenen, nach der Pause Chopins 3.Sonate in h-moll.
Zu dieser Zeit ging dem Pianisten schon der Ruf voraus eines kühlen Virtuosen. Das Konzert hat mich angenehm überrascht, sein Spiel kann man nicht vergleichen mit der Innerlichkeit eines Curzon, der nicht nur in jungen Jahren als ausgesprochener Virtuose gehandelt wurde, oder eines Arrau. Trotzdem hatte ich den Eindruck, Weissenberg spielt nicht an den Werken vorbei. Sein Vortragsstil erinnert mich eher an das eines Gieseking oder auch Backhaus. Repertoire-Schwerpunkte, soweit ich das überblicke, waren vor allem russische Komponisten, Chopin, Ravel und weitere Romantiker,dazu J.S.Bach.

Einen Überblick gab vor Jahren eine 4 CD-Box der französischen EMI:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DN6S7XQ9L._SL500_AA300_.jpg

Eine seiner besten CDs ist m.E. diese:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/519-F5r4EyL._SL500_AA300_.jpg

EMI hat letztens diese ICON-ZUsammenstellung auf den Markt gebracht:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/513zm1f%2BHtL._SL500_AA300_.jpg

Für mich merkwürdig ist, dass er Brahms 1.KK zweimal eingespielt hat, also ein Repertoire, das man nicht unbedingt mit seinem Namen verbindet, mit Giulini und Muti:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51VaY9R1bgL._SL500_AA300_.jpg

Ich hätte ihn gern noch einmal wiedergehört.
Gruß Amadé
Heike (11.01.2012, 21:05):
Original von Amadé
Eine seiner besten CDs ist m.E. diese:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/519-F5r4EyL._SL500_AA300_.jpg


Stimmt, die CD habe ich auch! Das war, wenn ich mich richtig erinnere, sogar die erste CD, mit der mir Rachmaninoff gefiel (später folgten noch andere). Ich werde sie gleich mal einlegen.
Heike
Lucanuscervus (11.01.2012, 22:11):
...ich liebe seine Interpretation der Appassionata !

leider hat er nur 3 Beethoven Sonaten eingespielt -
und ich habe nur die alte, knisternde LP davon !

Weiß jemand, ob es diese Beethoven Sonaten auf CD gibt ?

:hello
AcomA (11.01.2012, 22:41):
Hallo,

ich habe gerade diese Nachricht gelesen und bin auch traurig !

Es gab eine Zeit, da war ich ein echter Weissenberg-Fan. Ich war in der Oberstufe und begeistert von seinen EMI-Aufnahmen ( auch heute noch):

Rachmaninows 2. Konzert und Francks Symph. Variationen mit Karajan, Rach 3 mit Bernstein, Brahms 1 mit Muti . Spaeter bei der DG noch die beiden Rachmaninov-Sonaten, eine Scarlatti-Platte und eine Debussy-Platte. Dann die sportlichen Bach-Aufnahmen bei EMI: Partiten, Franz. Ouvertüre, Chrom. Fantasie und Fuge, Golberg-Var..

Live hoerte ich ihn 1981 in Neuss:

Bachs 4. Partita. Schumanns C-Dur Fantasie und Liszts h-moll Sonate.

Dann erkrankte er leider an Parkinson. Er war uebrigens auch Mathematiker und beherrschte 7 Sprachen.

LG, Siamak
Heike (11.01.2012, 22:44):
ein schöner Nachruf aus der FAZ:
http://www.faz.net/aktuell/zum-tode-alexis-weissenbergs-die-spinnweben-der-madame-sand-11600183.html

falls der Artikel ins FAZ-Archiv rutscht, dieses Zitat hier als Hommage an ihn:

"Glenn Gould in seinem Essay „Streisand as Schwarzkopf“: „Ich hatte immer das Gefühl, ohne die Klavierkonzerte Chopins leben zu können, und habe das auch geschafft - bis Alexis Weissenberg sich daran machte, die Spinnweben aus dem Salon von Madame Sand zu wischen und diese Werke zu einer zeitgenössischen Erfahrung zu machen.“

Heike
Jeremias (12.01.2012, 10:39):
Er war sicherlich einer der großen Meister des 20. Jahrhunderts. Mit ihm lernte ich Beethovens 3. und 4. Konzert (EMI / Karajan) kennen. Zunächst faszinierte er mich mit diesen Werken. Dann hörte ich jedoch andere Interpreten und verlor schnell das Interesse an ihm. Irgendwie lässt er mich seither kalt.... ?(
AcomA (12.01.2012, 21:27):
Hallo und Danke an heike für den link zur FAZ,

er beherrschte sogar 8 Sprachen. Und richtig, er hat auch komponiert:

seine Jazz-Sonate und Arrangement von 6 Chansons nach Charles Trenet nahm Hamelin auf. Wirklich tolle Werke !

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571176567.jpg

LG, Siamak
Lucanuscervus (13.01.2012, 12:39):
wo gibts seine Beethoven Sonaten auf CD ??? :I