Sfantu (03.11.2021, 19:35):
Eine würdige Werkseinführung kann ich vor der Hand noch nicht bieten.
Entweder hole ich das zu gegebener Zeit nach. Oder jemand übernimmt das, der/die vertraut ist mit dem Stück. Allemal zu schade fände ich es, den Beitrag im "Was höre ich gerade jetzt"-Faden dem baldigen Verschwinden und Vergessen zu überlassen. Ich schildere vorläufig meinen ersten, noch frischen Eindruck.
@Andréjo
kürzlich erwähntest Du (wo und wann - ich hab`s nicht mehr finden können) Petterssons zweites Violinkonzert. Das weckte (nicht zum ersten Mal) meine Neugierde. Petterson auf Vinyl zu ergattern ist dem Trüffel-Suchen ähnlich. Diese Platte stand seit Jahr und Tag bei einem Spezialisten, der keinen Zoll von seinen gesalzenen und gepfefferten Preisen abrückt. Das Exemplar ist wie neu. Es kommt selten vor, daß ich für eine gebrauchte LP knapp 30 Franken auf den Ladentisch lege. Jetzt hab ich`s getan.
Allan Pettersson
Violinkonzert Nr. 2
Ida Haendel,
Radiosymfonikerna Stockholm - Herbert Blomstedt
(LP, caprice, 1980)
Seite A - bis Ziffer 76: 25`58
Seite B - ab Ziffer 77: 28`46
Die von den Sinfonien bekannte Herausforderung (was heißt bekannt? Ich habe gerade mal drei Einspielungen - eine auf CD, zwei auf Platte) stellt sich auch hier: volle Breitseite aus den Lautsprechern machen das Hören - zumindest in der Erstbegegnung - sehr bald anstrengend. Emotionsgeladener Dauerdruck kennzeichnet das Konzert während der ersten Hälfte. Petterson sprach vom Aufschrei des Individuums gegen die leidvollen Umstände, die das Leben darstellt. Nun gut - tut Pettersson das nicht in all seiner Musik? Den Ausführenden wird jedenfalls hohe physische und seelische Anspannung abverlangt. Im zweiten Teil ergibt sich dann glücklicherweise nach und nach eine Aufhellung. Das Orchester erhält ein klangliches Relief, das mehr Farbe und Kontraste bietet als der blockhafte, wie ein Saurier pulsiernder Riesenorganismus des Beginns. Merkmale dieser allmählichen Entspannung sind unter anderem fast liebliche, zarte kleine Soli im Holz. Solistin und Ensemble dürfen beinahe harmonische, wohlklingende Passagen spielen. Am Ende läßt sich so etwas wie Friede, Versöhnung oder Ergebenheit erahnen. Das Konzert schwingt sanft in der Solostimme aus. Das Motiv der Geige erscheint mir hier wie ein Abschiedsgruß: drei Sekundschritte hinauf, eine Sekund hinab, dann noch eine fallende Terz - ich trau´s mich fast nicht, zu schreiben: das ist beinahe schon schön.
Widmungsträgerin Ida Haendel taucht kopfüber mit jeder Faser und üppig sanglichem Ton in ihr Konzert ein. Das wackere RSO wird von Blomstedt sicher durch seinen Knochenjob manövriert. Kein überragender aber ordentlicher Stereo-Klang. Gute Solo-Tutti-Balance.
Ein Erstkontakt ist gemacht. Das wird noch ein Stück Arbeit.