Amanda Maier Röntgen: Eine schwedische Geigerin und Komponistin in Leipzig

Toni Bernet (19.12.2020, 17:20):
Gerade 22 Jahre alt war Amanda Maier, als sie ihr Violinkonzert schrieb. Bereits mit 20 schloss sie in Stockholm ihr Geigenstudium mit sensationell guten Noten ab und ging dann zum Weiterstudium in die Musikstadt Leipzig, wo noch immer das Erbe von Mendelssohn und Schumann zu spüren war. Sie studierte Geige bei Engelbert Röntgen, Vater ihres späteren Gemahls, und Komposition bei Carl Reinecke und Ernst Friedrich Richter. Ihr Violinkonzert schrieb sie für sich selbst und ihre bald einsetzenden Tourneen als Geigerin durch Schweden und Norwegen. Als sie 1880 den Komponisten und Pianisten Julius Röntgen heiratete, hörte sie auf, auf Tourneen zu gehen und öffentlich aufzutreten. Sie komponierte allerdings weiter und führte in Amsterdam einen Salon, wo berühmte Gäste wie etwa Eduard Grieg, Josef Joachim und Johannes Brahms vorbeikamen. Früh wurde sie krank, schrieb noch 3 Jahre vor ihrem Tod ein bemerkenswertes Piano-Quartett in e-moll. Sie starb in ihrem 41. Lebensjahr. Das frühe Violinkonzert der damaligen Ausnahme-Geigerin zeugt von grossem Selbstbewusstsein und reiht sich stilistisch in die Nachfolge der Violinkonzerte von Beethoven, Mendelssohn und Schumann ein. Leider ist nur ein Satz erhalten, Amanda Maier scheint noch zwei weitere Sätze komponiert zu haben, aber Aufführungsprogramme belegen, dass sie auch nur diesen knapp 20 Minuten dauernden ersten Satz separat aufgeführt hat.

Mehr über ihr Violinkonzert: Vgl. www.unbekannte-violinkonzerte.jimdofree.com

Lieber Gruss an alle im Klassikforum
Toni