András Schiff - Tanz auf den Tasten

Daniel Behrendt (09.04.2006, 09:33):
Liebe Forianer,

an dieser Stelle möchte ich die Diskussion über einen von mir hochverehrten Pianisten eröffnen. Er ist der Ungar

András Schiff

Was mir an ihm gefällt?

-Seine rhythmische Flexibilität - sein Bachspiel ist der beste Beweis, wie man Strenge und ein frei atmendes Zeitmaß miteinander verbinden kann.
-Sein wunderbar kantabler, absolut unverwechselbarer Ton
-Sein kultivierter Geschmack (zu beginn seiner Karriere war sein Spiel fast zu feinsinnig, zu zärtlich)
- Seine stilistische Versiertheit (bewegt sich souverän zwischen Bach und Bartók, macht auch als Kammermusiker und Liedbegleiter eine glänzende Figur)

Seine schönsten Interpretationen?

Er hat für mein Empfinden bislang noch keine einzige Scheibe in den Sand gesetzt. Unter den vielen tollen Aufnahmen ragen die Goldberg-Variationen (die zweite Aufnahme bei ECM) und das Schumann-Live-Doppelalbum (auch ECM) für meinen Geschmack ein wenig heraus.

Eines ist sicher: Sein Name wird über sein Ableben hinaus Bestand haben!

Wie geht es euch? Zählt ihr ihn auch zu den ganz Großen?

LG!
Daniel
Rolf Scheiwiller (09.04.2006, 11:00):
Hallo Daniel.
Ueber Andras Schiff kann ich nur soviel sagen, dass ich ihn schon über 20 Jahre in meiner Diskothek habe. Als ihn in Westeuropa noch niemand kannte, hat er mit D. Ranki auf Hungaroton eine schöne Schubert CD herausgebracht. (anderes nat. auch).
Ansonsten gibt es viel bei mir. Bach Klavierkonzerte, Mozart Sonaten und Variat. "Ah vous dirai... " etc. Sowie die 5 Beethoven mit Haitink.
Leider war der Absatz seiner Produktionen für die DECCA anscheinend nicht ihren Erwartungen entsprechend. Denn sonst wäre er noch dabei.

Gruss.
R.
Jeremias (09.04.2006, 13:02):
Selbstverständlich gehört Schiff zu den ganz großen. Er gehört zu den wenigen Pianisten, die heutzutage noch Zyklen aufführen. Erlebt habe ich ihn mit einem Auszug seiner Beethoven-Sonaten im vergangenen Jahr, welche mich genauso fasziniert haben wie sein bereits oben angesprochenes Schumann-Recital, welches ich 1999 live in Mülheim hören durfte. Aber ich denke, ihn verbindet man mit dem Namen J.S.Bach wie keinen anderen Pianisten der Gegenwart, vielleicht noch Angela Hewitt. Ich hatte bereits viermal das Vergnügen, ihn mit Bach live zu hören. Der erste Abend war 1999 eine Darbietung der Englischen Suiten in Köln. Es war mein Zugang zu der Welt dieses Komponisten. Bereits eine Woche später war ich wieder in Köln, als er das WTK 2 interpretierte. Seit der vergangenen Spielzeit gibt er jenen Bach-Zyklus wieder in Essen. Mit Siamek erlebte ich bereits die Goldberg-Variationen sowie die 6 Partiten. Es waren perfekte Darbietungen, eine persönliche Verneigung vor dem großen Bach. Schiff spielte nahezu ohne Pedal, er hat eine Unabhängigkeit der Hände wie vielleicht kein zweiter, die Interpretationen sind von einer derartigen Tiefe, wie ich sie wohl nie zuvor erlebt hatte.
Rachmaninov (09.04.2006, 14:01):
Hallo Daniel,

sicherlich ist Schiff ein großartiger Pianist.

Ich besitze die letzte Aufnahme seiner GBV. Jedoch empfinde ich seine Spielweise machmal doch ein wenig 'Überkorrekt und Klavierlehrerhaft'.
Da fehlt mir etwas die Begeisterung im Spiel.

Grandios ist allerdings seine Aufnahme der Werke für Klavier und Cello zusammen mit Perenyi



Für mich bei deisen Werken konkurenzlos gut...... :down :down
Jeremias (09.04.2006, 14:11):
Ich habe die beiden mit 4 dieser Sonaten live erlebt.... ich denke, die CD wird genauso gut sein!
AcomA (09.04.2006, 18:32):
hallo,

andras schiff ! als 16 jähriger hörte ich im rundfunk erstmalig diesen pianisten mit meinem bruder zusammen mit mozarts a-dur sonate kv 331. wir hörten seine tänzerisch veranlagten triller und wunderten uns , wer denn dieser pianist sei. 1982 schließlich schnitt ich im rundfunk seinen auftritt bei den wiener festwochen mit den bachschen goldberg-variationen mit. seitdem bin ich ein großer verehrer dieses künstlers. seine 'zweite' aufnahme der goldberg-variationen fanden wir, wie Jeremias erzählte, bei seinem live-auftritt (2005) in der essener philharmonie bestätigt. genauso schließe ich mich Jeremias für die partiten an.

gruß, siamak :)
Jeremias (09.04.2006, 18:38):
am 7.1.07 wird er die Englischen Suiten darbieten! Bist Du wieder mit dabei? Ich hoffe nicht, dass Ihr da in Teheran seid!
AcomA (09.04.2006, 19:12):
lieber Jeremias,

ich bin dabei, teheran wird sich dem anpassen.

gruß, siamak :)
Jeremias (09.04.2006, 20:18):
Da wird sich sicher Deine Frau freuen.... wegen einer Bach-Matinee früher zurückfliegen.... aber Schiff ist es wert! Solange sie nicht mit muss.... :D
Carola (09.04.2006, 21:32):
Original von Rachmaninov

Grandios ist allerdings seine Aufnahme der Werke für Klavier und Cello zusammen mit Perenyi



Für mich bei deisen Werken konkurenzlos gut...... :down :down


Spielt Schiff hier auf einem Hammerklavier oder auf einem modernen Flügel?

fragt Carola
Rachmaninov (09.04.2006, 21:33):
Original von Carola

Spielt Schiff hier auf einem Hammerklavier oder auf einem modernen Flügel?



moderner Flügel!
Carola (09.04.2006, 22:55):
Hm, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet.

Na gut, ich kann nicht länger widerstehen und probiere jetzt mal Amazon-Marketplace aus.


Eure sparsame Carola
AcomA (10.04.2006, 00:00):
liebe Carola,

ich bestätige damit die vorschreiber, ich versichere dir, dass es sich bei dieser gesamtaufnahme der beethovenschen werke für klavier und v'cello um eine doppelsternstunde handelt. das liegt nicht nur an den überragenden instrumentellen und musikalischen fähigkeiten der beiden, der aufnahmetechnik, sondern es spiegelt sich darin eine jahrelange tiefe freundschaft wieder ! ich zumindest ziehe sie anderen eindeutig vor (barenboim/du pre, richter/rostropowitsch, serkin/casals, argerich/maisky, perl/schiefen).

gruß, siamak :)
Walter (10.04.2006, 07:55):
@Carola

ich kann nur bestätigen was Siamak schreibt (ich würde das nie so schön hinkriegen) aber der Schiff liefert hier sein absolutes Meisterstück! :down :down

Walter
Daniel Behrendt (10.04.2006, 11:35):
Ich habe vor ein paar Tagen 2nd Hand eine Hungaroton-Scheibe mit Scarlatti-Sonaten (1977) erworben - Sie zeigt, was man ohnehin schon geahnt hat: Schiff hatte es von Anfang an drauf! Eine andere Rarität ist eine kaum später entstandene Bartók-Einspielung von Denon - hier offenbaren sich schon im vollen Umfang Schiffs filigrane Technik und sein atemberaubendes Rhythmusgefühl. Eine andere, schon lange vom Markt verschwundene Scheibe ist das erste Tschaikowsky-Konzert mit Solti - Natürlich: Schiff donnert nicht hemmungslos drauf los - aber sein Spiel hat Rasse, Eleganz und Poesie - so kann man Tschaikowsky auch machen!
Noch schöner: Das erste Brahms-Konzert (auch mit Solti): Die Zärtlichkeit mit der er den Dialog mit dem Orchester aufnimmt, ist unübertroffen - schöner steigt kein Pianist in die ersten Takte seines Parts ein...

LG!
Daniel
Daniel Behrendt (10.04.2006, 15:27):
Liebe Klassiker,

Gerade eben läuft im Hintergrung das frisch erschienene Vol. 2 (Opp. 10 & op. 13) von Schiffs langsam heranwachsender Beethoven-Gesamtschau. Ich muss sagen - leider, wie auch bei Teil 1 - ich bin auf hohem Niveau enttäuscht. Schiff macht eigentlich überhaupt nichts falsch: Pianistisch ist alles ohne Fehl und Tadel, er gestaltet jede Note, sein Anschlag ist, wie stets, wunderbar flexibel. So schön das im Einzelnen auch ist: Unterm Strich fehlt mir die Dringlichkeit, das Unverkrampfte, die Selbstverständlichkeit. Dieser Beethoven klingt mir zu bustabiert, zu erfummelt. Schiff hat irgendwie eine Bremse, eine Feinsinnigkeitsbarriere im Kopf - kaum geht die Post mal andeutungsweise ab, drosselt er die Energiezufuhr auch schon wieder und beginnt, Phrase um Phrase bedeutungsschwer zu überformen oder unendlich wohllautend in die Tasten zu kneten - Nein, irgendwie deckt sich dieser sehr galante, etwas lispelnde Ansatz nicht mit meinem Beethoven-Bild... Wenn ich nur an die Beethoven-Projekte der jüngeren Vergangenheit denke, z.B. an Kovacevich (Emi), kann ich bislang noch nicht sehen, dass Schiff eine neue Referenzmarke setzen wird - aber er hat ja noch ein bisschen Zeit.

LG!
Daniel
Rachmaninov (13.02.2007, 08:34):
In letzter Zeit hörte ich immer wieder Werke von A. Schiff aus dieser Aufnahmesammlung der bei Decca erschienenen Aufnahmen mit Werken von J.S.Bach.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7848287.jpg

Irgendwie passiert bei mir wenn ich seine Aufnahmen höre.
Zunächst höre ich einen Pianisten, der sch offensichtlich große Gedanken um die Interpretation des Werkes macht und diese in eine wohlüberlegte Interpretation umsetzt.
Dies finde ich meist recht interessant anfänglich.

Jedoch stellt sich beim Hören seiner Interpretationen meist nach eine gewissen Fortschreiten beim Hören irgendwie eine erhebliche Ermüdung / Langeweile ein.

Irgendwie kommt es mir vor wie auf dem "Finanzamt"!
Alles irgendwie sehr korrekt und "richtig" aber so richtig Freude kommt da auf dauer nicht auf!

Geht es euch bei A. Schiff ähnlich?
cellodil (13.02.2007, 18:41):
Original von Rachmaninov
Jedoch stellt sich beim Hören seiner Interpretationen meist nach eine gewissen Fortschreiten beim Hören irgendwie eine erhebliche Ermüdung / Langeweile ein.

Irgendwie kommt es mir vor wie auf dem "Finanzamt"!
Alles irgendwie sehr korrekt und "richtig" aber so richtig Freude kommt da auf dauer nicht auf!

Geht es euch bei A. Schiff ähnlich?

Lieber Rachmaninov,

ich finde, das hast Du sehr treffend auf den Punkt gebracht. Mir zumindest geht es ebenso.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (18.02.2007, 22:49):
Mir gefällt A. Schiff einfach nicht. Sein Ton finde ich so seltsam "blechern" (in Kontrast zu "silbrig"). Seine rhythmische Gestaltung ist mir völlig fremd (womöglich derm Sprachduktuts des Umgarischen entsprechend???), (vielleicht meint Daniel Behrendt das mit der fehlenden "Selbstverständlichkeit"). Bei den Kammermusikaufnahmen mit seiner Ex-Frau liegt die Güte noch meilenweit hinter jenen von ASMutter und ihrer unglücklichen Partnerwahl. Wenigstens ist es bei seinen Interpretationen nicht so schlimm wie mit seinen Interviews: diese stoßen mich richtiggehend ab.
Rachmaninov (19.02.2007, 06:26):
Original von ab
Mir gefällt A. Schiff einfach nicht. Sein Ton finde ich so seltsam "blechern" (in Kontrast zu "silbrig").

Denke dies hängt auch maßgeblich mit der Wahl seiner Instrumente ab!
ab (19.02.2007, 11:48):
Original von Rachmaninov
Original von ab
Mir gefällt A. Schiff einfach nicht. Sein Ton finde ich so seltsam "blechern" (in Kontrast zu "silbrig").

Denke dies hängt auch maßgeblich mit der Wahl seiner Instrumente ab!

Das bezweifle ich, soweit ich bislang Aufnahmen von ihm durch die Jahre und Labels hindurch gehört habe. Ich meine, dies ist sein Klangempfinden.
Ganong (19.02.2007, 16:56):
Lieber R ,
lieber ab !

Schiff ist vor allem in all den Jahren seiner vor sich hinplätschernden Karriere eines gewesen : D e r grosse Langweiler . Seine "Goldberg-Variatuionen" geben davon ebenso ein Beispiel wie seine Beethoveninterpretationen . Deren Ausdrucklosigkeit haben in dem gleichzeitig gestalteten Zyklus von Paul Lewis ( u d vor enigen Jahren von R. Buchbinder ) eine traurige Parallele .

Nicht kaufen !

Grüse,

Frank
Daniel Behrendt (09.04.2006, 09:33):
Liebe Forianer,

an dieser Stelle möchte ich die Diskussion über einen von mir hochverehrten Pianisten eröffnen. Er ist der Ungar

András Schiff

Was mir an ihm gefällt?

-Seine rhythmische Flexibilität - sein Bachspiel ist der beste Beweis, wie man Strenge und ein frei atmendes Zeitmaß miteinander verbinden kann.
-Sein wunderbar kantabler, absolut unverwechselbarer Ton
-Sein kultivierter Geschmack (zu beginn seiner Karriere war sein Spiel fast zu feinsinnig, zu zärtlich)
- Seine stilistische Versiertheit (bewegt sich souverän zwischen Bach und Bartók, macht auch als Kammermusiker und Liedbegleiter eine glänzende Figur)

Seine schönsten Interpretationen?

Er hat für mein Empfinden bislang noch keine einzige Scheibe in den Sand gesetzt. Unter den vielen tollen Aufnahmen ragen die Goldberg-Variationen (die zweite Aufnahme bei ECM) und das Schumann-Live-Doppelalbum (auch ECM) für meinen Geschmack ein wenig heraus.

Eines ist sicher: Sein Name wird über sein Ableben hinaus Bestand haben!

Wie geht es euch? Zählt ihr ihn auch zu den ganz Großen?

LG!
Daniel
Rolf Scheiwiller (09.04.2006, 11:00):
Hallo Daniel.
Ueber Andras Schiff kann ich nur soviel sagen, dass ich ihn schon über 20 Jahre in meiner Diskothek habe. Als ihn in Westeuropa noch niemand kannte, hat er mit D. Ranki auf Hungaroton eine schöne Schubert CD herausgebracht. (anderes nat. auch).
Ansonsten gibt es viel bei mir. Bach Klavierkonzerte, Mozart Sonaten und Variat. "Ah vous dirai... " etc. Sowie die 5 Beethoven mit Haitink.
Leider war der Absatz seiner Produktionen für die DECCA anscheinend nicht ihren Erwartungen entsprechend. Denn sonst wäre er noch dabei.

Gruss.
R.
Jeremias (09.04.2006, 13:02):
Selbstverständlich gehört Schiff zu den ganz großen. Er gehört zu den wenigen Pianisten, die heutzutage noch Zyklen aufführen. Erlebt habe ich ihn mit einem Auszug seiner Beethoven-Sonaten im vergangenen Jahr, welche mich genauso fasziniert haben wie sein bereits oben angesprochenes Schumann-Recital, welches ich 1999 live in Mülheim hören durfte. Aber ich denke, ihn verbindet man mit dem Namen J.S.Bach wie keinen anderen Pianisten der Gegenwart, vielleicht noch Angela Hewitt. Ich hatte bereits viermal das Vergnügen, ihn mit Bach live zu hören. Der erste Abend war 1999 eine Darbietung der Englischen Suiten in Köln. Es war mein Zugang zu der Welt dieses Komponisten. Bereits eine Woche später war ich wieder in Köln, als er das WTK 2 interpretierte. Seit der vergangenen Spielzeit gibt er jenen Bach-Zyklus wieder in Essen. Mit Siamek erlebte ich bereits die Goldberg-Variationen sowie die 6 Partiten. Es waren perfekte Darbietungen, eine persönliche Verneigung vor dem großen Bach. Schiff spielte nahezu ohne Pedal, er hat eine Unabhängigkeit der Hände wie vielleicht kein zweiter, die Interpretationen sind von einer derartigen Tiefe, wie ich sie wohl nie zuvor erlebt hatte.
Rachmaninov (09.04.2006, 14:01):
Hallo Daniel,

sicherlich ist Schiff ein großartiger Pianist.

Ich besitze die letzte Aufnahme seiner GBV. Jedoch empfinde ich seine Spielweise machmal doch ein wenig 'Überkorrekt und Klavierlehrerhaft'.
Da fehlt mir etwas die Begeisterung im Spiel.

Grandios ist allerdings seine Aufnahme der Werke für Klavier und Cello zusammen mit Perenyi



Für mich bei deisen Werken konkurenzlos gut...... :down :down
Jeremias (09.04.2006, 14:11):
Ich habe die beiden mit 4 dieser Sonaten live erlebt.... ich denke, die CD wird genauso gut sein!
AcomA (09.04.2006, 18:32):
hallo,

andras schiff ! als 16 jähriger hörte ich im rundfunk erstmalig diesen pianisten mit meinem bruder zusammen mit mozarts a-dur sonate kv 331. wir hörten seine tänzerisch veranlagten triller und wunderten uns , wer denn dieser pianist sei. 1982 schließlich schnitt ich im rundfunk seinen auftritt bei den wiener festwochen mit den bachschen goldberg-variationen mit. seitdem bin ich ein großer verehrer dieses künstlers. seine 'zweite' aufnahme der goldberg-variationen fanden wir, wie Jeremias erzählte, bei seinem live-auftritt (2005) in der essener philharmonie bestätigt. genauso schließe ich mich Jeremias für die partiten an.

gruß, siamak :)
Jeremias (09.04.2006, 18:38):
am 7.1.07 wird er die Englischen Suiten darbieten! Bist Du wieder mit dabei? Ich hoffe nicht, dass Ihr da in Teheran seid!
AcomA (09.04.2006, 19:12):
lieber Jeremias,

ich bin dabei, teheran wird sich dem anpassen.

gruß, siamak :)
Jeremias (09.04.2006, 20:18):
Da wird sich sicher Deine Frau freuen.... wegen einer Bach-Matinee früher zurückfliegen.... aber Schiff ist es wert! Solange sie nicht mit muss.... :D
Carola (09.04.2006, 21:32):
Original von Rachmaninov

Grandios ist allerdings seine Aufnahme der Werke für Klavier und Cello zusammen mit Perenyi



Für mich bei deisen Werken konkurenzlos gut...... :down :down


Spielt Schiff hier auf einem Hammerklavier oder auf einem modernen Flügel?

fragt Carola
Rachmaninov (09.04.2006, 21:33):
Original von Carola

Spielt Schiff hier auf einem Hammerklavier oder auf einem modernen Flügel?



moderner Flügel!
Carola (09.04.2006, 22:55):
Hm, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet.

Na gut, ich kann nicht länger widerstehen und probiere jetzt mal Amazon-Marketplace aus.


Eure sparsame Carola
AcomA (10.04.2006, 00:00):
liebe Carola,

ich bestätige damit die vorschreiber, ich versichere dir, dass es sich bei dieser gesamtaufnahme der beethovenschen werke für klavier und v'cello um eine doppelsternstunde handelt. das liegt nicht nur an den überragenden instrumentellen und musikalischen fähigkeiten der beiden, der aufnahmetechnik, sondern es spiegelt sich darin eine jahrelange tiefe freundschaft wieder ! ich zumindest ziehe sie anderen eindeutig vor (barenboim/du pre, richter/rostropowitsch, serkin/casals, argerich/maisky, perl/schiefen).

gruß, siamak :)
Walter (10.04.2006, 07:55):
@Carola

ich kann nur bestätigen was Siamak schreibt (ich würde das nie so schön hinkriegen) aber der Schiff liefert hier sein absolutes Meisterstück! :down :down

Walter
Daniel Behrendt (10.04.2006, 11:35):
Ich habe vor ein paar Tagen 2nd Hand eine Hungaroton-Scheibe mit Scarlatti-Sonaten (1977) erworben - Sie zeigt, was man ohnehin schon geahnt hat: Schiff hatte es von Anfang an drauf! Eine andere Rarität ist eine kaum später entstandene Bartók-Einspielung von Denon - hier offenbaren sich schon im vollen Umfang Schiffs filigrane Technik und sein atemberaubendes Rhythmusgefühl. Eine andere, schon lange vom Markt verschwundene Scheibe ist das erste Tschaikowsky-Konzert mit Solti - Natürlich: Schiff donnert nicht hemmungslos drauf los - aber sein Spiel hat Rasse, Eleganz und Poesie - so kann man Tschaikowsky auch machen!
Noch schöner: Das erste Brahms-Konzert (auch mit Solti): Die Zärtlichkeit mit der er den Dialog mit dem Orchester aufnimmt, ist unübertroffen - schöner steigt kein Pianist in die ersten Takte seines Parts ein...

LG!
Daniel
Daniel Behrendt (10.04.2006, 15:27):
Liebe Klassiker,

Gerade eben läuft im Hintergrung das frisch erschienene Vol. 2 (Opp. 10 & op. 13) von Schiffs langsam heranwachsender Beethoven-Gesamtschau. Ich muss sagen - leider, wie auch bei Teil 1 - ich bin auf hohem Niveau enttäuscht. Schiff macht eigentlich überhaupt nichts falsch: Pianistisch ist alles ohne Fehl und Tadel, er gestaltet jede Note, sein Anschlag ist, wie stets, wunderbar flexibel. So schön das im Einzelnen auch ist: Unterm Strich fehlt mir die Dringlichkeit, das Unverkrampfte, die Selbstverständlichkeit. Dieser Beethoven klingt mir zu bustabiert, zu erfummelt. Schiff hat irgendwie eine Bremse, eine Feinsinnigkeitsbarriere im Kopf - kaum geht die Post mal andeutungsweise ab, drosselt er die Energiezufuhr auch schon wieder und beginnt, Phrase um Phrase bedeutungsschwer zu überformen oder unendlich wohllautend in die Tasten zu kneten - Nein, irgendwie deckt sich dieser sehr galante, etwas lispelnde Ansatz nicht mit meinem Beethoven-Bild... Wenn ich nur an die Beethoven-Projekte der jüngeren Vergangenheit denke, z.B. an Kovacevich (Emi), kann ich bislang noch nicht sehen, dass Schiff eine neue Referenzmarke setzen wird - aber er hat ja noch ein bisschen Zeit.

LG!
Daniel
Rachmaninov (13.02.2007, 08:34):
In letzter Zeit hörte ich immer wieder Werke von A. Schiff aus dieser Aufnahmesammlung der bei Decca erschienenen Aufnahmen mit Werken von J.S.Bach.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7848287.jpg

Irgendwie passiert bei mir wenn ich seine Aufnahmen höre.
Zunächst höre ich einen Pianisten, der sch offensichtlich große Gedanken um die Interpretation des Werkes macht und diese in eine wohlüberlegte Interpretation umsetzt.
Dies finde ich meist recht interessant anfänglich.

Jedoch stellt sich beim Hören seiner Interpretationen meist nach eine gewissen Fortschreiten beim Hören irgendwie eine erhebliche Ermüdung / Langeweile ein.

Irgendwie kommt es mir vor wie auf dem "Finanzamt"!
Alles irgendwie sehr korrekt und "richtig" aber so richtig Freude kommt da auf dauer nicht auf!

Geht es euch bei A. Schiff ähnlich?
cellodil (13.02.2007, 18:41):
Original von Rachmaninov
Jedoch stellt sich beim Hören seiner Interpretationen meist nach eine gewissen Fortschreiten beim Hören irgendwie eine erhebliche Ermüdung / Langeweile ein.

Irgendwie kommt es mir vor wie auf dem "Finanzamt"!
Alles irgendwie sehr korrekt und "richtig" aber so richtig Freude kommt da auf dauer nicht auf!

Geht es euch bei A. Schiff ähnlich?

Lieber Rachmaninov,

ich finde, das hast Du sehr treffend auf den Punkt gebracht. Mir zumindest geht es ebenso.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (18.02.2007, 22:49):
Mir gefällt A. Schiff einfach nicht. Sein Ton finde ich so seltsam "blechern" (in Kontrast zu "silbrig"). Seine rhythmische Gestaltung ist mir völlig fremd (womöglich derm Sprachduktuts des Umgarischen entsprechend???), (vielleicht meint Daniel Behrendt das mit der fehlenden "Selbstverständlichkeit"). Bei den Kammermusikaufnahmen mit seiner Ex-Frau liegt die Güte noch meilenweit hinter jenen von ASMutter und ihrer unglücklichen Partnerwahl. Wenigstens ist es bei seinen Interpretationen nicht so schlimm wie mit seinen Interviews: diese stoßen mich richtiggehend ab.
Rachmaninov (19.02.2007, 06:26):
Original von ab
Mir gefällt A. Schiff einfach nicht. Sein Ton finde ich so seltsam "blechern" (in Kontrast zu "silbrig").

Denke dies hängt auch maßgeblich mit der Wahl seiner Instrumente ab!
ab (19.02.2007, 11:48):
Original von Rachmaninov
Original von ab
Mir gefällt A. Schiff einfach nicht. Sein Ton finde ich so seltsam "blechern" (in Kontrast zu "silbrig").

Denke dies hängt auch maßgeblich mit der Wahl seiner Instrumente ab!

Das bezweifle ich, soweit ich bislang Aufnahmen von ihm durch die Jahre und Labels hindurch gehört habe. Ich meine, dies ist sein Klangempfinden.
Ganong (19.02.2007, 16:56):
Lieber R ,
lieber ab !

Schiff ist vor allem in all den Jahren seiner vor sich hinplätschernden Karriere eines gewesen : D e r grosse Langweiler . Seine "Goldberg-Variatuionen" geben davon ebenso ein Beispiel wie seine Beethoveninterpretationen . Deren Ausdrucklosigkeit haben in dem gleichzeitig gestalteten Zyklus von Paul Lewis ( u d vor enigen Jahren von R. Buchbinder ) eine traurige Parallele .

Nicht kaufen !

Grüse,

Frank
Rachmaninov (09.01.2009, 09:12):
Original von Gamaheh
Schiff mochte ich gar nicht, seit ich vor langer Zeit seine Goldberg-Variationen gehört habe. Inzwischen habe ich ihn als Interpreten der romantischen Komponisten (Schumann!) zu schätzen gelernt.


Ging mir interessanterweise auch so.
Respekt ja, Begeisterung nein.

Derzeit höre ich aber mit wachsender Begeisterung seine Bach-Aufnahmen, die ich in diesem Thread einst negativ "bewertete".
Gamaheh (09.01.2009, 18:20):
Original von Rachmaninov
Original von Gamaheh
Schiff mochte ich gar nicht, seit ich vor langer Zeit seine Goldberg-Variationen gehört habe. Inzwischen habe ich ihn als Interpreten der romantischen Komponisten (Schumann!) zu schätzen gelernt.


Ging mir interessanterweise auch so.
Respekt ja, Begeisterung nein.

Derzeit höre ich aber mit wachsender Begeisterung seine Bach-Aufnahmen, die ich in diesem Thread einst negativ "bewertete".

Ja, das ist interessant - vielleicht sollte ich ihm mit Bach und genügendem Abstand auch noch mal eine Chance geben. Was ich von seinen Beethoven-Sonaten gehört habe, hat mich allerdings auch nicht so wirklich entzückt, wobei ich - wie Du - seine Vorstellungen respektieren kann; sicherlich nicht einer, der leichtfertig irgend etwas spielt. Vielleicht kriege ich es hin, am 21. hier in sein Recital zu gehen, wo er Schumann und Beethoven spielt.

Grüße,
Gamaheh
Rachmaninov (09.01.2009, 18:43):
@Gamaheh,

bei seinem Beethoven überlege ich derzeit ob ich nicht zumindestens eine Aufnahme kaufe. Vielleicht die mit der Hammerklaviersonate (statt Uchida?).

Bin gespannt was Du berichtest!
ab (09.01.2009, 19:40):
Original von Rachmaninov
@Gamaheh,

bei seinem Beethoven überlege ich derzeit ob ich nicht zumindestens eine Aufnahme kaufe. Vielleicht die mit der Hammerklaviersonate (statt Uchida?).

Bin gespannt was Du berichtest!

Dann bitte gleich viel lieber Solomon bei EMI!
Amadé (09.01.2009, 20:54):
Nee, beide!
Gamaheh (21.01.2009, 19:30):
Original von Rachmaninov
@Gamaheh,
Bin gespannt was Du berichtest!

Hier!

Grüße,
Gamaheh
kreisler (21.01.2009, 20:09):
Ich habe auch mal ein Schiff-Solo Abend im Münchner Herkulessaal -nur mit Hayden- gehört .Gut irgendwann wurde es etwas eintönig :D aber sein Spiel kann man nicht wirklich als Langweilig betrachten, auch wenn er vielleicht sich nicht als "großer" Virtuose gibt. Muss man nicht und ist auch gut wenn man es nicht macht. Allerdings ist das bei mir ähnlich: Respekt ja, Begeisterung nein.

Ich habe kaum jemanden ruhiger und überlegter Klavierspielen sehen als ihn. Und dass er einen Bösendörfer spielte fand ich sehr gut. Ich mag den Sound von diesen Konzert-Steinways eigentlich nict so gern, wenn ichs mir überlege. Zum glück gibt es noch Fazioli, spielt nur kaum jemand...

euer kreisler
Heike (21.01.2009, 21:18):
Ich habe ihn im letzten Jahr auch zweimal live im Konzert mit Beethoven-Sonaten gesehen.

Mir hatte es sehr gut gefallen, sehr feinsinnig. Obwohl ich viel Gefühl und auch Dramatik im Spiel oft recht gerne mag, gefiel mir dieses ganz unaufgeregte und konzentrierte Spiel sehr gut. Ich habe mich richtig vertieft, darin versonnen. Von Langeweile konnte keine Rede sein. Besonders die Hammerklaviersonate habe ich live noch nie so virtuos gehört.

Mich haben diese Konzerte ganz angenehm überrascht. Auf CD kenne ich nur ganz wenig von ihm, ich hatte nicht erwartet, dass er mich im Konzert so überzeugt.
Heike
Heike (11.07.2012, 18:13):
Mehrere Jahre später bin ich inzwischen ein begeisterter Schiff- Anhänger geworden und schätze sein Spiel außerordentlich.

Ich habe ihn seit 2008 noch 3x live gehört, da hat er mich jedesmal absolut überzeugt

Einmal mit den Goldberg-Variationen, die er kurzerhand ein zweites Mal um 22 Uhr spielte, weil der Saal 20 Uhr mehr als ausverkauft war und es so viele Kartenanfragen gab - und er deklarierte das kurzfristig angesetzte Konzert damals als Benefizveranstaltung gegen Spende (für Erdbebenopfer in Haitii). Phantastisch, das war 2010, aber ich erinnere mich immer noch sehr genau an dieses Erlebnis. Ganz ohne Pedal, überhaupt nicht akademisch, traumwandlerisch schön.

Dann zweimal 2011 mit einem Schubert, Beethoven, Bartok und Janacek - Recital im Kammermusiksaal und am Jahresende mit einem Variationen-Programm im Schillertheater, Beethovens Diabellivar. und dann noch Variationen von Schumann, Mozart, Haydn, Mendelssohn. Ich muss sagen, die Abende gehören zu den großen Klavierabenden, die ich gehört hatte. Er spielt mit einer Intensität und v.a. Folgerichtigkeit, dass es mich ungeheuer fasziniert. Bei beiden Konzerten 2011 brach er übrigens (wegen lautem Husten im Publikum) ab und begann nach einer Pause von vorn - was sicher dazu beitrug, dass es dann ganz leise war und sehr ungestörten Musikgenuss ermöglichte.

Ich habe inzwischen auch diverse CDs von ihm, nicht nur sein Bach ist super, auch die Haydn-Sonaten und sein Schumann sind sehr schön - und zur Zeit höre ich mich gerade durch diverse Beethovensonaten, die er in den letzten Jahren aufnahm.

Mal sehen, was in der nächsten Saison die neue Reihe im Kammermusiksaal bringt, da spielt er Schumann, solistisch und als Begleiter zu Liedern (mit wechselnden Sängern). Da freue ich ich schon sehr drauf.

Heike

P.s. ich habe auch eine DVD, wo er die Goldbergvariationen ganz wunderbar drauf spielt, das ist (neben Glenn Gould natürlich) für mich der Maßstab bei diesem Werk:
Mario (09.08.2012, 16:36):
Andras Schiff ist : einer der musikalischsten Pianisten der Gegenwart.
Gewiss nicht vom Format eines Sokolov oder Lupu, aber mir hundert Mal
lieber als clowneske Tastenschleifer wie Lang Lang. Was die Rhythmik anbetrifft gibts ein vortreffliches Beispiel von Andras Schiff, nämlich den
letzten Satz der Schubert-Sonate D 894.
Unerreicht wird ohnehin wohl für immer, jener auf Deinem Bild bleiben!
:( :(
Heike (10.08.2012, 00:27):
Gewiss nicht vom Format eines Sokolov oder Lupu
Mmmh darüber könnte man ja jetzt mal trefflich diskutieren! Sokolov spielt auch für mich (vor allem wegen seiner unvergleichlich schönen Klangfarben) außer Konkurrenz, was seine live-Auftritte angeht. Lupu schätze ich auch sehr, aber ich wäre mir nicht sicher, wer von beiden mir besser gefällt, Lupu oder Schiff. Ich finde sie viel zu sehr verschieden, um überhaupt zu vergleichen.
Heike
Karolus Minus (16.08.2012, 19:50):
Original von Heike
Bei beiden Konzerten 2011 brach er übrigens (wegen lautem Husten im Publikum) ab und begann nach einer Pause von vorn - was sicher dazu beitrug, dass es dann ganz leise war und sehr ungestörten Musikgenuss ermöglichte.



Im Verlangen nach Konzentration im Publikum erinnert mich Schiff immer ein bißchen an Brendel, und auch sonst - beide eher introvertiert, unauffällig und sich auf das Wesentliche in der Musik konzentrierend.

Wobei Schiff mit seinen Programmen z.T. wirklich an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit geht, zumal, wenn es ein normaler Werktag ist.

ich habe einmal Folgendes erlebt: beim SHMF waren an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die 6 letzten Beethoven-Sopnaten angesagt, beide Konzerte etwas eng im Pgrogrammheft auf eine Seite gequetscht, es fehlte also die übliche Angabe, wann die Pause ist.
Gut, man denkt sich nichts dabei und hat nach op. 90 und op. 101 geistig schon den Hintern hoch... worauf die Hammerklaviersonate folgte, OHNE Pause - und als Zugabe die komplette op. 109, nach der er mit erhoben drohender Faust aufsprang, weil in die Schlußakkorde ein Handy bimmelte...

Letztes Jahr habe ich zwei Konzerte mit Schubert in Schwarzenberg gehört (ebenfalls auf einem Bösendorfer). Zum einen drei Sonaten, zum anderen mit Robert Holl in der Winterreise, traumhaft schön; Schiff als Begleiter sollte man auch gehört haben.

Karolus Minus
Karolus Minus
Heike (16.08.2012, 20:08):
Schiff als Begleiter gibt es ja bald in Berlin :-)
Dass er oft einen Bösendorfer spielt bw. auch seinen Steinway sehr individuell technisch aufrüstet, gefällt mir. Ich mag diesen Klang abseits vom Einheitsklang gerne.
Was den Brendel-Vergleich angeht: Brendel langweilt mich meist. Er erreichte mich nie in dieser Intensität, wie es Schiff kann.
Heike
Karolus Minus (16.08.2012, 20:53):
Original von Heike
Schiff als Begleiter gibt es ja bald in Berlin :-)
Dass er oft einen Bösendorfer spielt bw. auch seinen Steinway sehr individuell technisch aufrüstet, gefällt mir. Ich mag diesen Klang abseits vom Einheitsklang gerne.
Was den Brendel-Vergleich angeht: Brendel langweilt mich meist. Er erreichte mich nie in dieser Intensität, wie es Schiff kann.
Heike

bei den älteren Brendel-Einspielungen geb ich Dir recht, aber live war das schon auch was Feines (und auch ihn mal mit der Winterreise zusammen mit Goerne).
Lg
Karolus Minus
Heike (05.12.2012, 14:31):
Einmal mehr bin ich von einem Solo- Abend mit András Schiff begeistert! Eigentlich sollte es ein kombinierter Schumann- Klavierwerke + Liederabend werden, aber der Sänger (Robert Holl) war krank und Schiff machte ein Recital draus:

4.12.12. Berlin Kammermusiksaal
Schumann: Papillons und Klaviersonate Nr. 1
LvB Klaviersonate D Dur op.10/3 und Mondscheinsonate

Ich kenne die Beethoven-CDs von Schiff, also war ich nicht allzu überrascht von einigen Details, die man meist anders hört (er spielt z.B. den ersten Satz der Mondscheinsonate wie einen bewegten Trauermarsch und mit durchgängig ca. halb getretenem rechten Pedal). Ich mag die CDs außerordentlich gern. Aber diese hohe musikalische Intensität, die er live bei mir erreicht, kann kaum eine CD vermitteln. Für mich war Beethovens D Dur Sonate gestern das highlight. Ein verstörend zerbrochenes, grabestrauriges Largo, das war überwältigend. Er kann blitzschnell Stimmungen wechseln, es folgte ohne Pause ein zart aufblühendes Menuett. Seine - mit Risikobereitschaft eingesetzten - beeindruckenden manuellen Fähigkeiten sind faszinierend, er hat Bachsche Klarheit in den Stimmen, verfällt auch in langen leisen Kaskaden nicht in Lautstärkeschwankungen und kann Klänge feinst differenziert in den Raum stellen. Da klingt ein Lamento wie aus einer anderen Welt, denn er singt es aus.
Schumann hat mich auch sehr fasziniert, eine spannungsreiche, jugendlich aufgeladene große Sonate am Ende und zu Beginn die verspielten, tanzenden, flatternden Papillons. 2 Zugaben, Bach (wie immer völlig blank, mit weit neben den Pedalen stehenden Füßen) und Beethoven. Ein sehr diszipliniertes, gefesseltes Publikum (eigentlich einen Liederabend erwartend, vielleicht deshalb konzentriertes Zuhören gewöhnt) Ich glaube, man hat es Schiff angemerkt, dass ihn das zu noch mehr Innigkeit und Innenspannung anregte - er braucht diese aufmerksame Ruhe, wie man weiß. Ich freue mich auf die Fortsetzung des Schumann-Programms im nächsten Konzert.
Heike