Andreas Staier - Originalklangspezialist

Cosima (13.06.2006, 16:36):
Andreas Staier wurde 1955 in Göttingen geboren. :) Er studierte Klavier und Cembalo in Hannover und Amsterdam. Zwischen 1983 und 1986 Cembalist des Ensembles Musica Antiqua Köln, wandte er sich anschließend der freien Solisten-Laufbahn zu und erwarb sich hier bald einen hervorragenden Ruf als Interpret an Cembalo und Hammerklavier. Von 1987 bis 1996 war er Dozent für Cembalo an der Schola Cantorum Basiliensis.

http://images.warner.de/images-artists/klassik/Andreas_Staier/74292/128488.jpg

Als Solist gibt Andreas Staier regelmäßig Konzerte mit Concerto Köln, dem Freiburger Barockorchester, der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Orchestre des Champs-Elysées Paris u.a. Neben seiner solistischen Tätigkeit bestehen im kammermusikalischen Bereich fruchtbare musikalische Partnerschaften mit anderen international bekannten Interpreten wie z.B. Christoph Prégardien, Anne Sofie von Otter, Pedro Memelsdorff, Fabio Biondi, Tatiana Grindenko, René Jacobs, Alexej Lubimov. Als feststehendes Trio wirkt er mit Daniel Sepec (Violine) und Jean-Guihen Queyras (Violoncello) zusammen.

(Quelle: Musikdatenbank, Alte Musik Köln)

Ich kam auf diesen Thread durch eine kürzlich auf Deutschlands Wühltischen erbeutete CD mit vierhändiger Klaviermusik des Duos Staier / Lubimov. Obgleich es sich bei den Schubert-Divertissements um Werke mit nicht allzu hohem Anspruch handelt, sind sie doch von den beiden Künstlern hier so brillant interpretiert, dass sie ihrer wörtlichen Übersetzung (Unterhaltung, Belustigung) allerhöchste Ehre machen. Das ist einfach schöne Musik, die große Freude bereitet!

http://www.wom.de/image/cover/front/0/8300137.jpg

Ich kenne zwar nicht allzu viel von Andreas Staier, aber jede seiner Aufnahmen, die ich bisher hörte, begeisterte mich sehr! Ich halte ihn für einen großen Künstler - technisch brillant und temperamentvoll im Ausdruck!

Hört Ihr ihn gerne? Welche Aufnahmen mögt Ihr empfehlen?

Gruß, Cosima
Zelenka (13.06.2006, 17:35):
Da hat Cosima einen schönen Faden begonnen! Andreas Staier ist einer meiner größten Favoriten, der mich über die Jahre einiges Geld gekostet hat.

Cosima hat natürlich Glück gehabt, die Divertissements-CD auf einem Wühltisch gefunden zu haben, ein schönes Schnäppchen! Eine Platte, die unweigerlich gute Laune schafft. Cosima hätte vielleicht auch noch den "Janitscharenzug" erwähnen können, der an dem gespielten Hammerklavier angebracht ist und türkische Klangeffekte zaubert. Ein herrlicher Klamauk! Spaß muß sein!

Ich werde in mehreren Beiträgen weitere Platten vorstellen (in der Reihenfolge, wie sie sich im Plattenschrank gerade finden werde). Heute der Hinweis auf eine neuere Produktion, die ich ohne Echo schon vor einiger Zeit in "Was höre ich gerade jetzt?" kurz vorgestellt habe:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000BM3MI4.01.LZZZZZZZ.jpg

Telemann, Mattheson, Buxtehude, Händel, Böhm, Weckmann, Scheidemann


U.a. spielt Staier für das Cembalo umgeschriebene Teile von Telemanns "Alster-Ouverture" incl. der konzertierenden Frösche und Krähen. Meisterliche Charakterisierungskunst von Staier! Und zuletzt dann "Nachts auf der Reeperbahn" auf dem sehr voll klingenden Cembalo.

Gruß,

Zelenka
Cosima (13.06.2006, 20:33):
Original von Zelenka
Cosima hätte vielleicht auch noch den "Janitscharenzug" erwähnen können, der an dem gespielten Hammerklavier angebracht ist und türkische Klangeffekte zaubert.

Lieber Zelenka,

Cosima hätte sicher auf den Janitscharenzug hingewiesen, wenn sie diese seltsamen Klänge (Trommel, Glöckchen, Becken) überhaupt selbigem hätte zuordnen können. Leider war sie bis eben auch nicht so klug, im Booklet einige Seiten weiter zu blättern und dort den separaten Abschnitt über das Instrument nachzulesen. Nun ist sie im Bilde.

Die CD ist richtig stark, nicht wahr?! Ich könnte sie immer wieder hören! Ein Heidenspaß, ich bin ganz vernarrt!

Ich freue mich auf Deine/Eure weiteren Vorstellungen der Staier-Aufnahmen. Mit diesem Künstler möchte ich mich ganz dringend näher beschäftigen. Er ist großartig! :down Ich werde auch meine vorliegenden Aufnahmen noch einmal querhören.

Gruß, Cosima
Zelenka (15.06.2006, 17:16):
Ich weiß nicht, ob Andreas Staier auf seiner Reise vom Barock aus schon über Brahms hinausgekommen ist. Seine Einspielung des Klavierkonzerts von Schumann ist jedenfalls der lobenswerte und eigentlich hier sehr überzeugend gelungene Versuch, das Konzert so zu spielen, wie es zu Lebzeiten des Komponisten geklungen haben könnte. Staier spielt auf einem Flügel der Zeit, das Orchester auf Originalinstrumenten.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00005B6RU.01.LZZZZZZZ.jpg


Gruß,

Zelenka
Cosima (15.06.2006, 18:08):
Original von Zelenka
Seine Einspielung des Klavierkonzerts von Schumann ist jedenfalls der lobenswerte und eigentlich hier sehr überzeugend gelungene Versuch, das Konzert so zu spielen, wie es zu Lebzeiten des Komponisten geklungen haben könnte. Staier spielt auf einem Flügel der Zeit, das Orchester auf Originalinstrumenten.


Huch, den Höreindruck stelle ich mir sehr ungewohnt vor! Aber sicher interessant. Ich werde versuchen, einmal hinein zu hören.

Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (15.06.2006, 18:08):
Andreas Staier schätze ich auch sehr.

Seine Aufnahme der Haydn Klavierkonzerte mit den Freiburger Barockorchester unter Gottfried von der Goltz ist was die pianistische Leistung angeht top.
Auch insgesamt macht die Aufnahme einen recht guten Eindruck :D



Staier spiel ein Pianoforte Monika May (Marburg 196) das einen Walter Nachbau (1785) darstellt!
AcomA (15.06.2006, 22:00):
hallo,

ich schätze und verehre andreas staier auch sehr ! ich hörte ihn mit einem geiger und dem cellisten queyras im klaviertrio live im düsseldorfer robert-schumann-saal. sie spielten unter anderem schuberts trio b-dur. staier auf dem fortepiano war top of the top.

seine clementi-scheibe ist ebenfalls ein topscorer. die variationen über 'au claire de la lune' kann ich stundenlang hören !

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3025994.jpg

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (15.06.2006, 22:59):
Original von AcomA
seine clementi-scheibe ist ebenfalls ein topscorer.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3025994.jpg


Das freut mich! Die Aufnahme ist bereits seit einige Zeit bei mir bestellt!

Jetzt steigt bei mir die Vorfreude auf :rofl
ab (16.06.2006, 10:58):
Danke für diesen Hinweis auf die Schuamnnkonzerteinspielung Staiers. Ich dachte, die wäre immer noch zum Vollpreis erhältlich!
Carola (16.06.2006, 18:36):
Ich besitze zwei CD´s mit Andreas Staier.

Einmal diese hier mit zwei Klavierkonzerten Mozarts:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004Y31B.03.LZZZZZZZ.jpg


Dass ich diese Aufnahme nicht mag, habe ich ja hier im Forum schon mehrfach geäußert. Die Amazon-Redaktion und viele andere sind da allerdings völlig anderer Meinung. Auch für mich ist nicht so sehr Staiers Spiel das Problem als der dünne Klang seines Instruments - hinzu kommt: Concerto Köln mag ich generell nicht.

Sehr viel besser klingt aber schon der Flügel von 1825 in dieser Aufnahme der Winterreise, bei der Staier sich als hervorragender Partner von Christoph Prégardien erweist:

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/8169071.jpg


Mit Gruß von Carola
Zelenka (18.06.2006, 08:29):
Ich bitte Carola um Vergebung, aber es sei hier eine weitere CD kurz vorgestellt, auf der Staier mit Concerto Köln zusammenarbeitet: Konzerte von Mendelssohn aus seinen Teenager-Jahren.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000JHI7.03.LZZZZZZZ.jpg

Concerto Köln, das ja historisch sehr informiert musiziert, ist vielleicht nicht für jede Stimmungslage anzuraten. Ich habe auch Alternativen in meinem Plattenschrank: für das Klavierkonzert Cyprien Katsaris mit dem Franz-Liszt-Kammerorchester (Teldec) und für das Doppelkonzert Gidon Kremer und Marta Argerich mit dem Orpheus Chamber Orchestra. Aber ich fürchte, ich höre die Staier-Platte öfter ...

Gruß,

Zelenka
Carola (18.06.2006, 09:04):
Original von Zelenka
Ich bitte Carola um Vergebung, aber es sei hier eine weitere CD kurz vorgestellt, auf der Staier mit Concerto Köln zusammenarbeitet: ...

Gruß,

Zelenka

Lieber Zelenka,

das macht mir gar nichts! Solange ich es nicht hören muss...

Mit Gruß von Carola
nikolaus (18.06.2006, 12:48):
@ Carola

hinzu kommt: Concerto Köln mag ich generell nicht.

Mich würde interessieren, warum du Concerto Köln nicht magst.

Ich habe mir kürzlich eine CD mit Streichersinfonien von Mendelssohn mit Concerto Köln gekauft, mit der ich nicht ganz glücklich bin. Wenn ich sie länger höre, bin ich leicht "angenervt". Ich weiß allerdings nicht genau, ob das an Mendelssohn oder an Concerto Köln liegt.

Gruß, Nikolaus.

P.S.: Sorry, daß das jetzt etwas off-topic ist!
Carola (18.06.2006, 13:37):
Original von nikolaus
@ Carola

... Mich würde interessieren, warum du Concerto Köln nicht magst.

.....

Gruß, Nikolaus.

P.S.: Sorry, daß das jetzt etwas off-topic ist!

Hallo Nikolaus,

Concerto Köln ist nach meinem Eindruck in sehr extremer Weise dem historisierenden Ansatz verpflichtet und der gefällt mir (in der Klassik) nun mal nicht. Vor allem bei Mozart scheint man nach dem Motto vorzugehen: Dieser Musik muss doch der Schönklang irgendwie auszutreiben sein. Also wird Mozarts Musik künstlich gegen den Strich gebürstet. Das Orchester spielt für meinen Geschmack viel zu schnell und ruppig, die Instrumente, vor allem die Bläser, klingen einfach grauenhaft, alles irgendwie dünn und "schlank" - Fitnessstudio eben.

Im Radio habe ich auch mal eine Beethoven-Sinfonie mit dem Concerto Köln gehört - es war einfach nur grässlich. Sollte es vor 200 oder 230 Jahren tatsächlich so oder so ähnlich geklungen haben, kann ich nur sagen: Herzliches Beileid! Und was für ein Segen, dass es heute bessere Instrumente und eine andere Spielweise gibt.

Mit Gruß von Carola, punktuell stockkonservativ
nikolaus (18.06.2006, 14:11):
Hallo Carola!

punktuell stockkonservativ

Also das finde ich nun überhaupt nicht schlimm!!
Mein alter Chef sagt immer: "Never change a winning team."

Das Orchester spielt für meinen Geschmack viel zu schnell und ruppig...

Ja, ich glaube, auch für meinen Geschmack spielen sie zu ruppig, das kann ich auf die Dauer nicht ertragen. Gerade Mendelssohn in meinem Beispiel verträgt das nicht so gut, es gehört für mich immer etwas leichtes, flirrendes dazu...

Danke für deine Meinung!!

Nikolaus.
Zelenka (18.06.2006, 16:50):
Original von Carola
Original von Zelenka
Ich bitte Carola um Vergebung, aber es sei hier eine weitere CD kurz vorgestellt, auf der Staier mit Concerto Köln zusammenarbeitet: ...

Gruß,

Zelenka

Lieber Zelenka,

das macht mir gar nichts! Solange ich es nicht hören muss...

Mit Gruß von Carola

Liebe Carola:

Dann bin ich so frei und stelle auch die zweite CD Staiers mit Mozart-Konzerten hier noch einmal hinein:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000000SR0.08.LZZZZZZZ.jpg

Ich halte mich immer für stockkonservativ, aber ich scheine meine progressiven Seiten zu haben, wenn ich Concerto Köln mag.

Jungdynamisch,

Zelenka
Jack Bristow (18.06.2006, 23:06):
D'accord zu den Mozart-Konzerten (und auch Haydn mit den Freiburgern). Die mit Abstand besten HIP-Aufnahmen dieser Stücke, die ich kenne (zugegeben besteht mein Vergleich hauptsächlich in Gardiner/Bilson) und so farbige und alerte Beiträge des Orchesters wird man auch bei kaum einer traditionellen Interpretation finden. Mir wirklich unverständlich, was man daran aussetzen sollte!
Noch nicht erwähnt, aber ebenfalls erstklassig sind die 4 Schubertsonaten (D 845, 958-960), die drei Haydn-CDs (harmonia mundi) und Scarlatti (Cembalo, mehrere CDs).
Und er spielt das Cembalo im 5. Brandenburgischen Konzert mit MusicaAntiquaKöln :down


viele Grüße

J. Bristow
Zelenka (18.06.2006, 23:10):
Original von Jack Bristow
Noch nicht erwähnt, aber ebenfalls erstklassig sind die 4 Schubertsonaten (D 845, 958-960), die drei Haydn-CDs (harmonia mundi) und Scarlatti (Cembalo, mehrere CDs).
Und er spielt das Cembalo im 5. Brandenburgischen Konzert mit MusicaAntiquaKöln :down


viele Grüße

J. Bristow

Thanks Jack, Du bist mir zuvorgekommen! Ich hatte die Vorstellungen ein wenig strecken wollen :D. No problem!

Zelenka
Cosima (24.06.2006, 20:30):
Hallo allerseits,

auf Anregung Zelenkas und weil ich eh Staier sehr liebe, legte ich mir die CD „Hamburg 1734“ zu (Cover siehe oben). Was soll ich sagen? Sie ist köstlich! Umwerfend originell in der Zusammenstellung, ganz zu schweigen von Staiers virtuosem Können! Ich las, dass er ein ganz besonderes Instrument spielte: Einen Nachbau nach H. A. Hass (Cembalobauer aus Hamburg – deshalb der Titel) aus dem Jahr 1734. Für meinen Geschmack klingt es ausgesprochen gut, ich stimme Zelenka zu.

Über „Die concertierenden Frösche und Krähen“, eine Transkription aus Telemanns “Alster-Ouvertüre“ musste ich sehr schmunzeln – das Stück klingt in dieser Version vollkommen chaotisch. Aber die ganze CD ist eigentlich ein Muss für die Anhänger von Cembalo-Musik. Mich hat sie regelrecht aus den Puschen gehauen!
Unbedingt anhören, sagenhaft gut! :down

Gruß, Cosima
Zelenka (26.06.2006, 15:56):
Es freut mich natürlich riesig, wenn Hamburg 1734 auch in Göttingen Plaisir verschafft!!!

Jack Bristow hat sie schon weiter oben kurz erwähnt, Staiers Einspielung der späten Schubert-Sonaten (D 958-60) auf dem Hammerklavier. Sie soll hier auch noch mit Bild vorgestellt werden, denn das hat sie sicher verdient:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000005BZT.03.LZZZZZZZ.gif

Eine völlig andere Klangwelt tut sich hier auf verglichen mit Aufnahmen auf dem modernen Flügel. Staier kann Klangeffekte zaubern, die auf einem heutigen Steinway garnicht möglich sind. Man muß sich natürlich ein wenig einhören, lohnend ist das hier allemal.

Die Doppel-CD scheint zur Zeit vergriffen zu sein, innerhalb der Warner-Elatus-Reihe gibt es allerdings eine CD mit D 958-9.

Gruß,

Zelenka
Cosima (26.06.2006, 16:20):
Hallo,

ich glaube fast, dass es gar keine schlechten CDs von Andreas Staier gibt, aber eines der Highlights ist für mich die Themen-CD „Variaciones del Fandango Español“.

Eigentlich müßig, weiter darauf hinzuweisen, weil sie wahrscheinlich eh schon jeder kennt. Für alle anderen empfehle ich dringend, in Staiers Bearbeitung des Fandango-Satzes aus Boccherinis Gitarrenquintett hinein zu hören! Es ist bearbeitet für zwei Cembali (mit Christine Schornsheim) und Kastagnetten und unglaublich temperamentvoll! Lustvolleres Musizieren ist für mich kaum denkbar.

http://www.wom.de/image/cover/front/0/9627235.jpg

Gruß, Cosima
Zelenka (26.06.2006, 20:30):
Auch schon weiter oben von Jack Bristow kurz erwähnt: Staiers drei Scarlatti-CDs:



http://images-eu.amazon.com/images/P/B0007AC1GE.03.LZZZZZZZ.jpg

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000005BZR.03.LZZZZZZZ.gif



Die erste Abbildung zeigt die Box mit den zwei CDs, die Staier für die Deutsche Harmonia Mundi aufgenommen hat, die dritte CD ist dann bei Teldec erschienen. (Letztere scheint in Deutschland vergriffen zu sein, ist aber über die üblichen Kanäle erhältlich.)

Auch hier wie sonst das farbige, lebhafte Spiel Staiers, das gerade auch die spanischen Elemente der Sonaten voll auskostet.

Gruß,

Zelenka
ab (26.06.2006, 21:08):
Original von Zelenka
IKonzerte von Mendelssohn aus seinen Teenager-Jahren.





Viel mehr Spaß beim "Doppelkonzert" hat mir stets die Aufnahme bei BIS gemacht:
Isabelle van Keulen, violin, Ronald Brautigam, piano, Amsterdam Sinfonietta, Lev Markiz
ab (26.06.2006, 21:18):
Original von nikolaus
Ich habe mir kürzlich eine CD mit Streichersinfonien von Mendelssohn mit Concerto Köln gekauft, mit der ich nicht ganz glücklich bin. Wenn ich sie länger höre, bin ich leicht "angenervt". Ich weiß allerdings nicht genau, ob das an Mendelssohn oder an Concerto Köln liegt.


Hallo Nikolaus,

Mir ging es mit der Streichersinfonien-Aufnahme genauso und bin mir sicher, dass dies am Ensemble liegt: Versuche, Dir einmal jene von Marriner (DECCA) anzuhören! (den ich sonst ja weniger schätze, aber hier passt diese englische Unbekümmertheit und Marriners (im besten Sinne) naive Spielfreude.)
ab (26.06.2006, 21:21):
Original von Zelenka




Eine völlig andere Klangwelt tut sich hier auf verglichen mit Aufnahmen auf dem modernen Flügel. Staier kann Klangeffekte zaubern, die auf einem heutigen Steinway garnicht möglich sind.

Hallo Zelenka,

vergiß bitte hier nicht das ganz, ganz vorzügliche Instrument, das er hier spielen darf! Bei seiner anderen Schubert-Aufnahme (inzwischen bei Apex, glaube ich), hört man, dass nicht alles an Staier liegt...
nikolaus (26.06.2006, 21:34):
@ ab,

vielen Dank für deine Meinung und den Tipp. Bei nächster Gelegenheit werde ich mir die Marriner-Aufnahme mal anhören.

:thanks Nikolaus.
Zelenka (27.06.2006, 15:31):
http://www.andreas-staier.de/medien/bilder/a1.JPG



Staier-Interessierte seien auch noch die Website des Künstlers verwiesen. U.a. finden sich dort natürlich die obligate (wohl vollständige) Diskographie (http://www.andreas-staier.de/discotabelle.htm) und ein Konzertkalender (http://www.andreas-staier.de/kaltab.htm). Derzeit z.B. gibt es Beethoven-Trios, Mozart-Violinsonaten (mit Isabelle Faust) und sogar Solo-Schumann im Angebot. Darf man auf entsprechende CDs hoffen?

Gruß,

Zelenka
Zelenka (27.06.2006, 15:49):
Original von ab
Original von Zelenka




Eine völlig andere Klangwelt tut sich hier auf verglichen mit Aufnahmen auf dem modernen Flügel. Staier kann Klangeffekte zaubern, die auf einem heutigen Steinway garnicht möglich sind.

Hallo Zelenka,

vergiß bitte hier nicht das ganz, ganz vorzügliche Instrument, das er hier spielen darf! Bei seiner anderen Schubert-Aufnahme (inzwischen bei Apex, glaube ich), hört man, dass nicht alles an Staier liegt...


Lieber ab:

Nach Aussage der Booklets spielt Staier dasselbe Instrument sowohl im Falle der späten Sonaten als auch im Falle von D 845 (Teldec): ein Hammerklavier von Johann Fritz (Wien, ca. 1825) aus der niederländischen Sammlung Beunk & Wennink. Ich halte das für glaubhaft. Vielleicht denkst Du an das Remake von D 845, das ich leider nicht besitze und kenne:


http://images-eu.amazon.com/images/P/B0002LGW40.01.LZZZZZZZ.jpg


Bei dieser Aufnahme sind die Mikrophone wohl anders plaziert, sehr wahrscheinlich handelt es sich auch um ein anderes Instrument, vgl. http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=8627.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (29.06.2006, 09:52):
Seit einigen Tagen besitze ich nun die Aufnahme mit Werken für das Hammerklavier von M. Clementi.



Eine vorzügliche Aufnahme bei der lediglich ein klein wenig die Geräusche der Mechanik des Hammerklaviers stören.

Ansonsten vorzügliches Spiel und vom Repertoire her hoch interessant :down
Cosima (13.06.2006, 16:36):
Andreas Staier wurde 1955 in Göttingen geboren. :) Er studierte Klavier und Cembalo in Hannover und Amsterdam. Zwischen 1983 und 1986 Cembalist des Ensembles Musica Antiqua Köln, wandte er sich anschließend der freien Solisten-Laufbahn zu und erwarb sich hier bald einen hervorragenden Ruf als Interpret an Cembalo und Hammerklavier. Von 1987 bis 1996 war er Dozent für Cembalo an der Schola Cantorum Basiliensis.

http://images.warner.de/images-artists/klassik/Andreas_Staier/74292/128488.jpg

Als Solist gibt Andreas Staier regelmäßig Konzerte mit Concerto Köln, dem Freiburger Barockorchester, der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Orchestre des Champs-Elysées Paris u.a. Neben seiner solistischen Tätigkeit bestehen im kammermusikalischen Bereich fruchtbare musikalische Partnerschaften mit anderen international bekannten Interpreten wie z.B. Christoph Prégardien, Anne Sofie von Otter, Pedro Memelsdorff, Fabio Biondi, Tatiana Grindenko, René Jacobs, Alexej Lubimov. Als feststehendes Trio wirkt er mit Daniel Sepec (Violine) und Jean-Guihen Queyras (Violoncello) zusammen.

(Quelle: Musikdatenbank, Alte Musik Köln)

Ich kam auf diesen Thread durch eine kürzlich auf Deutschlands Wühltischen erbeutete CD mit vierhändiger Klaviermusik des Duos Staier / Lubimov. Obgleich es sich bei den Schubert-Divertissements um Werke mit nicht allzu hohem Anspruch handelt, sind sie doch von den beiden Künstlern hier so brillant interpretiert, dass sie ihrer wörtlichen Übersetzung (Unterhaltung, Belustigung) allerhöchste Ehre machen. Das ist einfach schöne Musik, die große Freude bereitet!

http://www.wom.de/image/cover/front/0/8300137.jpg

Ich kenne zwar nicht allzu viel von Andreas Staier, aber jede seiner Aufnahmen, die ich bisher hörte, begeisterte mich sehr! Ich halte ihn für einen großen Künstler - technisch brillant und temperamentvoll im Ausdruck!

Hört Ihr ihn gerne? Welche Aufnahmen mögt Ihr empfehlen?

Gruß, Cosima
Zelenka (13.06.2006, 17:35):
Da hat Cosima einen schönen Faden begonnen! Andreas Staier ist einer meiner größten Favoriten, der mich über die Jahre einiges Geld gekostet hat.

Cosima hat natürlich Glück gehabt, die Divertissements-CD auf einem Wühltisch gefunden zu haben, ein schönes Schnäppchen! Eine Platte, die unweigerlich gute Laune schafft. Cosima hätte vielleicht auch noch den "Janitscharenzug" erwähnen können, der an dem gespielten Hammerklavier angebracht ist und türkische Klangeffekte zaubert. Ein herrlicher Klamauk! Spaß muß sein!

Ich werde in mehreren Beiträgen weitere Platten vorstellen (in der Reihenfolge, wie sie sich im Plattenschrank gerade finden werde). Heute der Hinweis auf eine neuere Produktion, die ich ohne Echo schon vor einiger Zeit in "Was höre ich gerade jetzt?" kurz vorgestellt habe:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000BM3MI4.01.LZZZZZZZ.jpg

Telemann, Mattheson, Buxtehude, Händel, Böhm, Weckmann, Scheidemann


U.a. spielt Staier für das Cembalo umgeschriebene Teile von Telemanns "Alster-Ouverture" incl. der konzertierenden Frösche und Krähen. Meisterliche Charakterisierungskunst von Staier! Und zuletzt dann "Nachts auf der Reeperbahn" auf dem sehr voll klingenden Cembalo.

Gruß,

Zelenka
Cosima (13.06.2006, 20:33):
Original von Zelenka
Cosima hätte vielleicht auch noch den "Janitscharenzug" erwähnen können, der an dem gespielten Hammerklavier angebracht ist und türkische Klangeffekte zaubert.

Lieber Zelenka,

Cosima hätte sicher auf den Janitscharenzug hingewiesen, wenn sie diese seltsamen Klänge (Trommel, Glöckchen, Becken) überhaupt selbigem hätte zuordnen können. Leider war sie bis eben auch nicht so klug, im Booklet einige Seiten weiter zu blättern und dort den separaten Abschnitt über das Instrument nachzulesen. Nun ist sie im Bilde.

Die CD ist richtig stark, nicht wahr?! Ich könnte sie immer wieder hören! Ein Heidenspaß, ich bin ganz vernarrt!

Ich freue mich auf Deine/Eure weiteren Vorstellungen der Staier-Aufnahmen. Mit diesem Künstler möchte ich mich ganz dringend näher beschäftigen. Er ist großartig! :down Ich werde auch meine vorliegenden Aufnahmen noch einmal querhören.

Gruß, Cosima
Zelenka (15.06.2006, 17:16):
Ich weiß nicht, ob Andreas Staier auf seiner Reise vom Barock aus schon über Brahms hinausgekommen ist. Seine Einspielung des Klavierkonzerts von Schumann ist jedenfalls der lobenswerte und eigentlich hier sehr überzeugend gelungene Versuch, das Konzert so zu spielen, wie es zu Lebzeiten des Komponisten geklungen haben könnte. Staier spielt auf einem Flügel der Zeit, das Orchester auf Originalinstrumenten.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00005B6RU.01.LZZZZZZZ.jpg


Gruß,

Zelenka
Cosima (15.06.2006, 18:08):
Original von Zelenka
Seine Einspielung des Klavierkonzerts von Schumann ist jedenfalls der lobenswerte und eigentlich hier sehr überzeugend gelungene Versuch, das Konzert so zu spielen, wie es zu Lebzeiten des Komponisten geklungen haben könnte. Staier spielt auf einem Flügel der Zeit, das Orchester auf Originalinstrumenten.


Huch, den Höreindruck stelle ich mir sehr ungewohnt vor! Aber sicher interessant. Ich werde versuchen, einmal hinein zu hören.

Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (15.06.2006, 18:08):
Andreas Staier schätze ich auch sehr.

Seine Aufnahme der Haydn Klavierkonzerte mit den Freiburger Barockorchester unter Gottfried von der Goltz ist was die pianistische Leistung angeht top.
Auch insgesamt macht die Aufnahme einen recht guten Eindruck :D



Staier spiel ein Pianoforte Monika May (Marburg 196) das einen Walter Nachbau (1785) darstellt!
AcomA (15.06.2006, 22:00):
hallo,

ich schätze und verehre andreas staier auch sehr ! ich hörte ihn mit einem geiger und dem cellisten queyras im klaviertrio live im düsseldorfer robert-schumann-saal. sie spielten unter anderem schuberts trio b-dur. staier auf dem fortepiano war top of the top.

seine clementi-scheibe ist ebenfalls ein topscorer. die variationen über 'au claire de la lune' kann ich stundenlang hören !

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3025994.jpg

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (15.06.2006, 22:59):
Original von AcomA
seine clementi-scheibe ist ebenfalls ein topscorer.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3025994.jpg


Das freut mich! Die Aufnahme ist bereits seit einige Zeit bei mir bestellt!

Jetzt steigt bei mir die Vorfreude auf :rofl
ab (16.06.2006, 10:58):
Danke für diesen Hinweis auf die Schuamnnkonzerteinspielung Staiers. Ich dachte, die wäre immer noch zum Vollpreis erhältlich!
Carola (16.06.2006, 18:36):
Ich besitze zwei CD´s mit Andreas Staier.

Einmal diese hier mit zwei Klavierkonzerten Mozarts:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004Y31B.03.LZZZZZZZ.jpg


Dass ich diese Aufnahme nicht mag, habe ich ja hier im Forum schon mehrfach geäußert. Die Amazon-Redaktion und viele andere sind da allerdings völlig anderer Meinung. Auch für mich ist nicht so sehr Staiers Spiel das Problem als der dünne Klang seines Instruments - hinzu kommt: Concerto Köln mag ich generell nicht.

Sehr viel besser klingt aber schon der Flügel von 1825 in dieser Aufnahme der Winterreise, bei der Staier sich als hervorragender Partner von Christoph Prégardien erweist:

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/8169071.jpg


Mit Gruß von Carola
Zelenka (18.06.2006, 08:29):
Ich bitte Carola um Vergebung, aber es sei hier eine weitere CD kurz vorgestellt, auf der Staier mit Concerto Köln zusammenarbeitet: Konzerte von Mendelssohn aus seinen Teenager-Jahren.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000JHI7.03.LZZZZZZZ.jpg

Concerto Köln, das ja historisch sehr informiert musiziert, ist vielleicht nicht für jede Stimmungslage anzuraten. Ich habe auch Alternativen in meinem Plattenschrank: für das Klavierkonzert Cyprien Katsaris mit dem Franz-Liszt-Kammerorchester (Teldec) und für das Doppelkonzert Gidon Kremer und Marta Argerich mit dem Orpheus Chamber Orchestra. Aber ich fürchte, ich höre die Staier-Platte öfter ...

Gruß,

Zelenka
Carola (18.06.2006, 09:04):
Original von Zelenka
Ich bitte Carola um Vergebung, aber es sei hier eine weitere CD kurz vorgestellt, auf der Staier mit Concerto Köln zusammenarbeitet: ...

Gruß,

Zelenka

Lieber Zelenka,

das macht mir gar nichts! Solange ich es nicht hören muss...

Mit Gruß von Carola
nikolaus (18.06.2006, 12:48):
@ Carola

hinzu kommt: Concerto Köln mag ich generell nicht.

Mich würde interessieren, warum du Concerto Köln nicht magst.

Ich habe mir kürzlich eine CD mit Streichersinfonien von Mendelssohn mit Concerto Köln gekauft, mit der ich nicht ganz glücklich bin. Wenn ich sie länger höre, bin ich leicht "angenervt". Ich weiß allerdings nicht genau, ob das an Mendelssohn oder an Concerto Köln liegt.

Gruß, Nikolaus.

P.S.: Sorry, daß das jetzt etwas off-topic ist!
Carola (18.06.2006, 13:37):
Original von nikolaus
@ Carola

... Mich würde interessieren, warum du Concerto Köln nicht magst.

.....

Gruß, Nikolaus.

P.S.: Sorry, daß das jetzt etwas off-topic ist!

Hallo Nikolaus,

Concerto Köln ist nach meinem Eindruck in sehr extremer Weise dem historisierenden Ansatz verpflichtet und der gefällt mir (in der Klassik) nun mal nicht. Vor allem bei Mozart scheint man nach dem Motto vorzugehen: Dieser Musik muss doch der Schönklang irgendwie auszutreiben sein. Also wird Mozarts Musik künstlich gegen den Strich gebürstet. Das Orchester spielt für meinen Geschmack viel zu schnell und ruppig, die Instrumente, vor allem die Bläser, klingen einfach grauenhaft, alles irgendwie dünn und "schlank" - Fitnessstudio eben.

Im Radio habe ich auch mal eine Beethoven-Sinfonie mit dem Concerto Köln gehört - es war einfach nur grässlich. Sollte es vor 200 oder 230 Jahren tatsächlich so oder so ähnlich geklungen haben, kann ich nur sagen: Herzliches Beileid! Und was für ein Segen, dass es heute bessere Instrumente und eine andere Spielweise gibt.

Mit Gruß von Carola, punktuell stockkonservativ
nikolaus (18.06.2006, 14:11):
Hallo Carola!

punktuell stockkonservativ

Also das finde ich nun überhaupt nicht schlimm!!
Mein alter Chef sagt immer: "Never change a winning team."

Das Orchester spielt für meinen Geschmack viel zu schnell und ruppig...

Ja, ich glaube, auch für meinen Geschmack spielen sie zu ruppig, das kann ich auf die Dauer nicht ertragen. Gerade Mendelssohn in meinem Beispiel verträgt das nicht so gut, es gehört für mich immer etwas leichtes, flirrendes dazu...

Danke für deine Meinung!!

Nikolaus.
Zelenka (18.06.2006, 16:50):
Original von Carola
Original von Zelenka
Ich bitte Carola um Vergebung, aber es sei hier eine weitere CD kurz vorgestellt, auf der Staier mit Concerto Köln zusammenarbeitet: ...

Gruß,

Zelenka

Lieber Zelenka,

das macht mir gar nichts! Solange ich es nicht hören muss...

Mit Gruß von Carola

Liebe Carola:

Dann bin ich so frei und stelle auch die zweite CD Staiers mit Mozart-Konzerten hier noch einmal hinein:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000000SR0.08.LZZZZZZZ.jpg

Ich halte mich immer für stockkonservativ, aber ich scheine meine progressiven Seiten zu haben, wenn ich Concerto Köln mag.

Jungdynamisch,

Zelenka
Jack Bristow (18.06.2006, 23:06):
D'accord zu den Mozart-Konzerten (und auch Haydn mit den Freiburgern). Die mit Abstand besten HIP-Aufnahmen dieser Stücke, die ich kenne (zugegeben besteht mein Vergleich hauptsächlich in Gardiner/Bilson) und so farbige und alerte Beiträge des Orchesters wird man auch bei kaum einer traditionellen Interpretation finden. Mir wirklich unverständlich, was man daran aussetzen sollte!
Noch nicht erwähnt, aber ebenfalls erstklassig sind die 4 Schubertsonaten (D 845, 958-960), die drei Haydn-CDs (harmonia mundi) und Scarlatti (Cembalo, mehrere CDs).
Und er spielt das Cembalo im 5. Brandenburgischen Konzert mit MusicaAntiquaKöln :down


viele Grüße

J. Bristow
Zelenka (18.06.2006, 23:10):
Original von Jack Bristow
Noch nicht erwähnt, aber ebenfalls erstklassig sind die 4 Schubertsonaten (D 845, 958-960), die drei Haydn-CDs (harmonia mundi) und Scarlatti (Cembalo, mehrere CDs).
Und er spielt das Cembalo im 5. Brandenburgischen Konzert mit MusicaAntiquaKöln :down


viele Grüße

J. Bristow

Thanks Jack, Du bist mir zuvorgekommen! Ich hatte die Vorstellungen ein wenig strecken wollen :D. No problem!

Zelenka
Cosima (24.06.2006, 20:30):
Hallo allerseits,

auf Anregung Zelenkas und weil ich eh Staier sehr liebe, legte ich mir die CD „Hamburg 1734“ zu (Cover siehe oben). Was soll ich sagen? Sie ist köstlich! Umwerfend originell in der Zusammenstellung, ganz zu schweigen von Staiers virtuosem Können! Ich las, dass er ein ganz besonderes Instrument spielte: Einen Nachbau nach H. A. Hass (Cembalobauer aus Hamburg – deshalb der Titel) aus dem Jahr 1734. Für meinen Geschmack klingt es ausgesprochen gut, ich stimme Zelenka zu.

Über „Die concertierenden Frösche und Krähen“, eine Transkription aus Telemanns “Alster-Ouvertüre“ musste ich sehr schmunzeln – das Stück klingt in dieser Version vollkommen chaotisch. Aber die ganze CD ist eigentlich ein Muss für die Anhänger von Cembalo-Musik. Mich hat sie regelrecht aus den Puschen gehauen!
Unbedingt anhören, sagenhaft gut! :down

Gruß, Cosima
Zelenka (26.06.2006, 15:56):
Es freut mich natürlich riesig, wenn Hamburg 1734 auch in Göttingen Plaisir verschafft!!!

Jack Bristow hat sie schon weiter oben kurz erwähnt, Staiers Einspielung der späten Schubert-Sonaten (D 958-60) auf dem Hammerklavier. Sie soll hier auch noch mit Bild vorgestellt werden, denn das hat sie sicher verdient:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000005BZT.03.LZZZZZZZ.gif

Eine völlig andere Klangwelt tut sich hier auf verglichen mit Aufnahmen auf dem modernen Flügel. Staier kann Klangeffekte zaubern, die auf einem heutigen Steinway garnicht möglich sind. Man muß sich natürlich ein wenig einhören, lohnend ist das hier allemal.

Die Doppel-CD scheint zur Zeit vergriffen zu sein, innerhalb der Warner-Elatus-Reihe gibt es allerdings eine CD mit D 958-9.

Gruß,

Zelenka
Cosima (26.06.2006, 16:20):
Hallo,

ich glaube fast, dass es gar keine schlechten CDs von Andreas Staier gibt, aber eines der Highlights ist für mich die Themen-CD „Variaciones del Fandango Español“.

Eigentlich müßig, weiter darauf hinzuweisen, weil sie wahrscheinlich eh schon jeder kennt. Für alle anderen empfehle ich dringend, in Staiers Bearbeitung des Fandango-Satzes aus Boccherinis Gitarrenquintett hinein zu hören! Es ist bearbeitet für zwei Cembali (mit Christine Schornsheim) und Kastagnetten und unglaublich temperamentvoll! Lustvolleres Musizieren ist für mich kaum denkbar.

http://www.wom.de/image/cover/front/0/9627235.jpg

Gruß, Cosima
Zelenka (26.06.2006, 20:30):
Auch schon weiter oben von Jack Bristow kurz erwähnt: Staiers drei Scarlatti-CDs:



http://images-eu.amazon.com/images/P/B0007AC1GE.03.LZZZZZZZ.jpg

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000005BZR.03.LZZZZZZZ.gif



Die erste Abbildung zeigt die Box mit den zwei CDs, die Staier für die Deutsche Harmonia Mundi aufgenommen hat, die dritte CD ist dann bei Teldec erschienen. (Letztere scheint in Deutschland vergriffen zu sein, ist aber über die üblichen Kanäle erhältlich.)

Auch hier wie sonst das farbige, lebhafte Spiel Staiers, das gerade auch die spanischen Elemente der Sonaten voll auskostet.

Gruß,

Zelenka
ab (26.06.2006, 21:08):
Original von Zelenka
IKonzerte von Mendelssohn aus seinen Teenager-Jahren.





Viel mehr Spaß beim "Doppelkonzert" hat mir stets die Aufnahme bei BIS gemacht:
Isabelle van Keulen, violin, Ronald Brautigam, piano, Amsterdam Sinfonietta, Lev Markiz
ab (26.06.2006, 21:18):
Original von nikolaus
Ich habe mir kürzlich eine CD mit Streichersinfonien von Mendelssohn mit Concerto Köln gekauft, mit der ich nicht ganz glücklich bin. Wenn ich sie länger höre, bin ich leicht "angenervt". Ich weiß allerdings nicht genau, ob das an Mendelssohn oder an Concerto Köln liegt.


Hallo Nikolaus,

Mir ging es mit der Streichersinfonien-Aufnahme genauso und bin mir sicher, dass dies am Ensemble liegt: Versuche, Dir einmal jene von Marriner (DECCA) anzuhören! (den ich sonst ja weniger schätze, aber hier passt diese englische Unbekümmertheit und Marriners (im besten Sinne) naive Spielfreude.)
ab (26.06.2006, 21:21):
Original von Zelenka




Eine völlig andere Klangwelt tut sich hier auf verglichen mit Aufnahmen auf dem modernen Flügel. Staier kann Klangeffekte zaubern, die auf einem heutigen Steinway garnicht möglich sind.

Hallo Zelenka,

vergiß bitte hier nicht das ganz, ganz vorzügliche Instrument, das er hier spielen darf! Bei seiner anderen Schubert-Aufnahme (inzwischen bei Apex, glaube ich), hört man, dass nicht alles an Staier liegt...
nikolaus (26.06.2006, 21:34):
@ ab,

vielen Dank für deine Meinung und den Tipp. Bei nächster Gelegenheit werde ich mir die Marriner-Aufnahme mal anhören.

:thanks Nikolaus.
Zelenka (27.06.2006, 15:31):
http://www.andreas-staier.de/medien/bilder/a1.JPG



Staier-Interessierte seien auch noch die Website des Künstlers verwiesen. U.a. finden sich dort natürlich die obligate (wohl vollständige) Diskographie (http://www.andreas-staier.de/discotabelle.htm) und ein Konzertkalender (http://www.andreas-staier.de/kaltab.htm). Derzeit z.B. gibt es Beethoven-Trios, Mozart-Violinsonaten (mit Isabelle Faust) und sogar Solo-Schumann im Angebot. Darf man auf entsprechende CDs hoffen?

Gruß,

Zelenka
Zelenka (27.06.2006, 15:49):
Original von ab
Original von Zelenka




Eine völlig andere Klangwelt tut sich hier auf verglichen mit Aufnahmen auf dem modernen Flügel. Staier kann Klangeffekte zaubern, die auf einem heutigen Steinway garnicht möglich sind.

Hallo Zelenka,

vergiß bitte hier nicht das ganz, ganz vorzügliche Instrument, das er hier spielen darf! Bei seiner anderen Schubert-Aufnahme (inzwischen bei Apex, glaube ich), hört man, dass nicht alles an Staier liegt...


Lieber ab:

Nach Aussage der Booklets spielt Staier dasselbe Instrument sowohl im Falle der späten Sonaten als auch im Falle von D 845 (Teldec): ein Hammerklavier von Johann Fritz (Wien, ca. 1825) aus der niederländischen Sammlung Beunk & Wennink. Ich halte das für glaubhaft. Vielleicht denkst Du an das Remake von D 845, das ich leider nicht besitze und kenne:


http://images-eu.amazon.com/images/P/B0002LGW40.01.LZZZZZZZ.jpg


Bei dieser Aufnahme sind die Mikrophone wohl anders plaziert, sehr wahrscheinlich handelt es sich auch um ein anderes Instrument, vgl. http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=8627.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (29.06.2006, 09:52):
Seit einigen Tagen besitze ich nun die Aufnahme mit Werken für das Hammerklavier von M. Clementi.



Eine vorzügliche Aufnahme bei der lediglich ein klein wenig die Geräusche der Mechanik des Hammerklaviers stören.

Ansonsten vorzügliches Spiel und vom Repertoire her hoch interessant :down