Arthur Rubinstein - mehr als nur Erinnerungen

Jeremias (18.09.2006, 20:14):
Arthur Rubinstein's Autobiografie ist mehr als nur eine Erinnerung an einen der größten Musiker aller Zeiten. Kein anderer Musiker hat wohl in dieser Ausführlichkeit sein eigenes Leben geschildert. Aber es ist vor allem die Musik, mit welcher Rubinstein in einzigartiger Weise die Nachwelt bereichert hat.

Arthur Rubinstein wurde am 28.1.1887 in Lodz geboren und starb am 20.12.1982 in Genf. Er gehört zu den bedeutendsten und gefeiertsten Pianisten des 20. Jahrhunderts und erhielt seinen ersten Unterricht in seiner Heimatstadt, wo er bereits 1894 erstmals öffentlich auftrat, gefolgt von Studien am Warschauer Konservatorium. 1897 ging er nach Berlin, wo prominente Lehrer wie der Brahms-Freund Joseph Joachim, Max Bruch und Heinrich Barth seine Ausbildung übernahmen. Dem Berliner Publikum stellte er sich erstmals 1900 mit Mozarts Konzert KV 488 u.a. vor. 1904 debütierte er in Paris, wo er sich kurz darauf niederließ. 2 Jahre später folgte die erste Amerika-Tournee. Es folgten Auftritte in Österreich, Italien und Russlan sowie sein Debüt in London 1912. Dort war er auch erstmals als Partner von Pablo Casals zu hören. Zu Beginn des 1. Weltkrieges leistete Rubinstein einen Eid, dass er nie mehr in Deutschland auftreten werde. Diesem Eid folgte er bis an sein Lebensende, jedoch betrat er auch später noch deutschen Boden, u.a. Hamburg, wo er Instrumente bei Steinway ausprobierte. Während des Krieges lebte er v.a. in London und musizierte häufig mit Ysaye. Inspiriert durch Konzertreisen nach Südamerika und Spanien (1916/17) beschäftigte er sich vermehrt mit Komponisten wie Albeniz, de Falla, Granados und Villa-Lobos, für deren Werke er sich verstärkt einsetzte. Während der 1920-er jahre konzentrierte er sich vorwiegend auf Europa. 1932 heiratete Rubinstein, was einen gravierenden Einschnitt in seine künstlerische Laufbahn bedeutete. Hatte er nach eigenem Geständnis bis dato einen ausgesprochen exzessiven, allen leiblichen Genüssen frönenden Lebenswandel geführt, nur wenig Lust und Disziplin zum Üben aufgebracht und sich bei seinen Auftritten v.a. auf sein Talent und seine Musikalität verlassen, so nutzte er eine folgende Kreativpause zu gründlichem, vertiefendem Studium und Training. dank dessen konnte er 1937 seine nunmehr 3. Amerika-Tournee absolvieren, mit der er sich im Alter von bereits 50 jahren als Pianist von Weltrang etablierte. 1946 nahm er schließlich die amerikanische Staatsbürgerschaft an und neben weltweiten Konzerttätigkeiten folgte eine große kammermusikalische Schaffensphase. Zu seinen Partnern gehörten u.a. Heifetz, Feuermann, Szeryng und Piatigorsky. 1958 trat er erstmals nach 30 Jahren wieder in Polen auf, 1975 in seiner Geburtsstadt Lodz. Sein Abschiedsrezital gab er 1976 in der Londoner Wigmore Hall. Rubinstein wird seit jeher v.a. als DER Interpret des Werkes Chopins in verbindung gebracht, seine lyrische und musikalische Darstellung der Werke seines Landsmannes ist bis heute unerreicht
Ganong (19.09.2006, 17:23):
Lieber Jeremias ,

ganz besonders hervorheben sollten wir bei den sehr vielen Aufnahmen durch Rubinstein dessen Interpretationen sog. spanischer Musik ! Hier hat er einen einsamen Gipfel erreicht ( weit mehr als bei Chopin ) und den Werken von Saint-Saens .

Unter den Chopinaufnahmen ragen für mich harus :

die späte Aufnahme der Nocturnes ,
die Mazurken ,
die b-Moll-Klaviersonate und die
4 Scherzi ( The Piano Library ) .

Grüsse ,

Frank
AcomA (24.09.2006, 16:40):
hallo,

maurice ravel
valses nobles et sentimentales
forlane
la vallee des cloches

francis poulenc
mouvements perpetuels
zwei intermezzi

gabriel faure
nocturne op.33 nr.3

emanuel chabrier
scherzo-valse

claude debussy*
la soiree dans grenade
jardins sous la pluie
hommage a rameau
reflets dans l'eau
la plus que lente
poissons d'or

arthur rubinstein, piano

rca, AAD*/ADD, aufn. 1945*/1961

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2357249.jpg

arthur rubinsteins biographie ist mit den hier versammelten werken französischer meister auf das engste verknüpft. diese werke spielte dieser großartige mensch seit seiner jugend. ravel und poulenc kannte er persönlich. 1918 gab er zum gedenken an debussy einen reinen debussy-abend. sein sonorer ton und seine delikate phrasierung prädestinieren ihn für die französische musik. niemals habe ich die forlane so traurig-schön wie bei rubinstein gehört. und man muss das glücksgefühl erleben, das sich beim spielen von poulencs stücken überträgt. ganz nebenbei kann man feststellen, dass der reife rubinstein sehr starke und voneinander unabhängige hände besitzt mit einer hochkarätigen technik, welche sich niemals aufdrängt. ja, ich gestehe, dass ich ein absoluter rubinstein-fan bin. rubinsteins spiel hat mich seit meiner jugend geprägt und ich behaupte: die hier versammelten aufnahmen werden auch in 200 jahren konkurrenzlos bleiben. er vermittelt diese musik quasi als zeitzeuge !

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (09.10.2006, 07:54):
Unbedingt kennen sollte man ganz sicher seine Aufnahme von Rachmaninov's Paganini Rhapsody.



Für mich bis heute eine der großartigsten Interpretationen des Werks überhaupt.
Orfeo (15.12.2006, 20:42):
Rubinstein wird ja des öffteren auch mit Beethovens drittem Klavierkonzert genannt. Weiß jemand welche der unzähligen Aufnahmen da gemeint ist?

Es gibt ja mindestens mit Toscanini, Leinsdorf, Krips, Barenboim.....
Jeremias (18.09.2006, 20:14):
Arthur Rubinstein's Autobiografie ist mehr als nur eine Erinnerung an einen der größten Musiker aller Zeiten. Kein anderer Musiker hat wohl in dieser Ausführlichkeit sein eigenes Leben geschildert. Aber es ist vor allem die Musik, mit welcher Rubinstein in einzigartiger Weise die Nachwelt bereichert hat.

Arthur Rubinstein wurde am 28.1.1887 in Lodz geboren und starb am 20.12.1982 in Genf. Er gehört zu den bedeutendsten und gefeiertsten Pianisten des 20. Jahrhunderts und erhielt seinen ersten Unterricht in seiner Heimatstadt, wo er bereits 1894 erstmals öffentlich auftrat, gefolgt von Studien am Warschauer Konservatorium. 1897 ging er nach Berlin, wo prominente Lehrer wie der Brahms-Freund Joseph Joachim, Max Bruch und Heinrich Barth seine Ausbildung übernahmen. Dem Berliner Publikum stellte er sich erstmals 1900 mit Mozarts Konzert KV 488 u.a. vor. 1904 debütierte er in Paris, wo er sich kurz darauf niederließ. 2 Jahre später folgte die erste Amerika-Tournee. Es folgten Auftritte in Österreich, Italien und Russlan sowie sein Debüt in London 1912. Dort war er auch erstmals als Partner von Pablo Casals zu hören. Zu Beginn des 1. Weltkrieges leistete Rubinstein einen Eid, dass er nie mehr in Deutschland auftreten werde. Diesem Eid folgte er bis an sein Lebensende, jedoch betrat er auch später noch deutschen Boden, u.a. Hamburg, wo er Instrumente bei Steinway ausprobierte. Während des Krieges lebte er v.a. in London und musizierte häufig mit Ysaye. Inspiriert durch Konzertreisen nach Südamerika und Spanien (1916/17) beschäftigte er sich vermehrt mit Komponisten wie Albeniz, de Falla, Granados und Villa-Lobos, für deren Werke er sich verstärkt einsetzte. Während der 1920-er jahre konzentrierte er sich vorwiegend auf Europa. 1932 heiratete Rubinstein, was einen gravierenden Einschnitt in seine künstlerische Laufbahn bedeutete. Hatte er nach eigenem Geständnis bis dato einen ausgesprochen exzessiven, allen leiblichen Genüssen frönenden Lebenswandel geführt, nur wenig Lust und Disziplin zum Üben aufgebracht und sich bei seinen Auftritten v.a. auf sein Talent und seine Musikalität verlassen, so nutzte er eine folgende Kreativpause zu gründlichem, vertiefendem Studium und Training. dank dessen konnte er 1937 seine nunmehr 3. Amerika-Tournee absolvieren, mit der er sich im Alter von bereits 50 jahren als Pianist von Weltrang etablierte. 1946 nahm er schließlich die amerikanische Staatsbürgerschaft an und neben weltweiten Konzerttätigkeiten folgte eine große kammermusikalische Schaffensphase. Zu seinen Partnern gehörten u.a. Heifetz, Feuermann, Szeryng und Piatigorsky. 1958 trat er erstmals nach 30 Jahren wieder in Polen auf, 1975 in seiner Geburtsstadt Lodz. Sein Abschiedsrezital gab er 1976 in der Londoner Wigmore Hall. Rubinstein wird seit jeher v.a. als DER Interpret des Werkes Chopins in verbindung gebracht, seine lyrische und musikalische Darstellung der Werke seines Landsmannes ist bis heute unerreicht
Ganong (19.09.2006, 17:23):
Lieber Jeremias ,

ganz besonders hervorheben sollten wir bei den sehr vielen Aufnahmen durch Rubinstein dessen Interpretationen sog. spanischer Musik ! Hier hat er einen einsamen Gipfel erreicht ( weit mehr als bei Chopin ) und den Werken von Saint-Saens .

Unter den Chopinaufnahmen ragen für mich harus :

die späte Aufnahme der Nocturnes ,
die Mazurken ,
die b-Moll-Klaviersonate und die
4 Scherzi ( The Piano Library ) .

Grüsse ,

Frank
AcomA (24.09.2006, 16:40):
hallo,

maurice ravel
valses nobles et sentimentales
forlane
la vallee des cloches

francis poulenc
mouvements perpetuels
zwei intermezzi

gabriel faure
nocturne op.33 nr.3

emanuel chabrier
scherzo-valse

claude debussy*
la soiree dans grenade
jardins sous la pluie
hommage a rameau
reflets dans l'eau
la plus que lente
poissons d'or

arthur rubinstein, piano

rca, AAD*/ADD, aufn. 1945*/1961

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2357249.jpg

arthur rubinsteins biographie ist mit den hier versammelten werken französischer meister auf das engste verknüpft. diese werke spielte dieser großartige mensch seit seiner jugend. ravel und poulenc kannte er persönlich. 1918 gab er zum gedenken an debussy einen reinen debussy-abend. sein sonorer ton und seine delikate phrasierung prädestinieren ihn für die französische musik. niemals habe ich die forlane so traurig-schön wie bei rubinstein gehört. und man muss das glücksgefühl erleben, das sich beim spielen von poulencs stücken überträgt. ganz nebenbei kann man feststellen, dass der reife rubinstein sehr starke und voneinander unabhängige hände besitzt mit einer hochkarätigen technik, welche sich niemals aufdrängt. ja, ich gestehe, dass ich ein absoluter rubinstein-fan bin. rubinsteins spiel hat mich seit meiner jugend geprägt und ich behaupte: die hier versammelten aufnahmen werden auch in 200 jahren konkurrenzlos bleiben. er vermittelt diese musik quasi als zeitzeuge !

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (09.10.2006, 07:54):
Unbedingt kennen sollte man ganz sicher seine Aufnahme von Rachmaninov's Paganini Rhapsody.



Für mich bis heute eine der großartigsten Interpretationen des Werks überhaupt.
Orfeo (15.12.2006, 20:42):
Rubinstein wird ja des öffteren auch mit Beethovens drittem Klavierkonzert genannt. Weiß jemand welche der unzähligen Aufnahmen da gemeint ist?

Es gibt ja mindestens mit Toscanini, Leinsdorf, Krips, Barenboim.....
sahrapa92 (26.05.2014, 15:05):
er war ein skrupelloser schummler in seinen jungen jahren. einmal hat er demonstriert, wie er die winterwindetude op 25,11 gespielt hat. in der linken hand sehr akzentuiert und rechts irgendwas. alle seine fruehen aufnahmen sind feurig aber voller falscher noten.
ihn an seinen famosen einspielungen zu messen, wird ihm nicht gerecht. er war ein genialer livespieler, mit dem draht zum publikum, manche konzerte sollen im wortsinne einmalig gewesen sein.
seit den 40ziger jahren gewoehnte er sich an eiserne übungsdisziplin, die er auch im hohen alter noch durchhielt. ein freund von mir, der neben ihm wohnte, berichtete mir, dass er jeden tag mindestens 8 stunden übte.
sein chopin ist, wie er sein sollte, virtuos, beseelt, aber sein tempo rubato ist immer eine leichte verzögerung der rechten hand und nicht kaugummimusik.
seine poetischen einspielungen der mazurken und nocturnes sind auch heute noch unübertroffen. einfach ein musiker , der die musik liebte.
auch schubert spielte er einfach als gute musik, ohne rückungen und romantische schluchzer.
mir fällt die einspielung der wandererfantasie ein, besonders der langsame satz, unspektakulär und deshalb ergreifend.
er ist nie der gefahr erlegen, schöne musik noch schöner machen zu wollen, hat damit oft genau den nerv getroffen.
die chopin-etuden hat er gemieden, weil ihm einige im tempo einfach zu schwer waren, wie er einmal freimütig bekannte.
im zweiten brahms-konzert die üblichen schummlertricks, aber da befindet er sich in guter gesellschaft.
rubinstein war ein (zuweilen virtuoser ) jehrhundertmusiker am klavier.