Zelenka (10.06.2006, 14:46): Ich hatte ursprünglich vor, auf einen Schlag für mehrere italienische, englische, französische und deutsche Barockopern erste CD-Vorschläge für Einsteiger zu machen. Jeff hatte um solche Vorschläge gebeten, und sein Wunsch soll natürlich erfüllt werden. Ich habe das Konzept geändert und werde in einzelnen Postings CDs empfehlen. Ich bitte gleichzeitig herzlichst um die Mitarbeit der wirklichen Opernexperten im Forum, sei es um Gegenvorschläge zu meinen Empfehlungen zu machen, sei es um selbst Tips für ein Basisrépertoire zu geben. Jeff soll ordentlich verwirrt werden! Gerade auf dem Gebiet der Oper sind die Geschmäcker doch sehr verschieden, und die Meinungen oft recht unversöhnlich. Zuletzt vielleicht noch die Bitte, ein wenig auf das berühmte Preis/Leistungsverhältnis zu achten ...
Gruß,
Zelenka
Zelenka (10.06.2006, 16:35): Die erste Empfehlung dieses Fadens soll für eine der ersten Opern überhaupt sein: Monteverdis L'Orfeo von 1607. (9 Jahre früher war die erste vollständig erhaltene Oper, Jacopo Peri's Dafne, uraufgeführt worden.)
Für mich insgesamt die überzeugendste Einspielung der Favola in musica ohne wirkliche Schwachpunkte. (Ian Bostridge ist ein solcher Schwachpunkt in einer nicht uninteressanten neueren Produktion unter Emmanuelle Haim (Virgin).) Ein Problem ist mittlerweile die die Lieferbarkeit der Einspielung, aber Amazon kann für etwa EUR 25 z.B. immer noch weiterhelfen. Vielleicht gibt es in den Läden auch noch Reste der vor ein paar Jahren herausgekommenen billigen Katalog-Ausgabe (allerdings ohne Libretto).
Sehenswert ist auch eine DVD im selben Preisbereich:
Es handelt sich um eine Aufnahme aus Barcelona, musikalische Leitung Jordi Savall. Daß seine Frau, Montserrat Figueras, als Musica agiert, als ob sie den Verkehr auf einer befahrenen Kreuzung lenken würde, tut dem Vergnügen weiter keinen Abbruch.
Gruß,
Zelenka
Jimi (10.06.2006, 20:52): Hallo Zelenka und Jeff,
bei Barockopern habe ich (noch) nicht den wahnsinns Überblick, die eine oder andere Aufnahme kann ich aber guten Gewissens empfehlen, auch wenn ich nicht, wie bei anderen Opern mehrere Aufnahmen zum Vergleich kenne.
Als erstes möchte ich die rel. unbekannte deutsche Barockoper Croesus von Heinrich Keiser empfehlen:
Soweit mir bekannt ist gibt es nur diese eine Aufnahme die sehr gut gelungen ist.
Schon ein rezitatives Zwiegespräch zwischen Croesus und seinen Berater Solon, am Anfang der Oper, gerät spannend wie man es bei Rezitativen selten erlebt. Das kann man eigentlich über die gesamte Aufnahme sagen, denn unter der kompetenten Leitung von Rene Jacobs spielt die „Akademie für alte Musik“ so engagiert, dass keine Sekunde Langeweile aufkommt.
Die Hauptrollen sind allesamt sehr gut besetzt. Herausragend ist Dorothea Röschmann als Prinzessin Elmira, ausdrucksstark in getragen Stücken wie „Fühlst du noch der Liebe Kerzen“ und hochvirtuos in Koloraturarien. Das einige Sänger/innen in Nebenrollen sind nicht ganz so überzeugend sind, kann den Gesamteindruck kaum beeinträchtigen.
Viele Grüße
Jimi
Zelenka (12.06.2006, 17:08): Hallo Jimi:
Ganz herzlichen Dank für Deine Empfehlung! (Wenn die WM vorbei ist, wird vielleicht auch Jeff hier mal in "seinen" Faden reinschauen :D.) Ich werde heute eine Vivaldi-Oper aus dem Jahre 1735 empfehlen, die teilweise erst rekonstruiert werden mußte, ehe sie aufgeführt werden konnte:
Im Cast der Tatarenkhan Tamerlano, der osmanische Sultan Bajazet, der von Tamerlano gefangen gehalten wird, zusätzliches weibliches Personal, das für Liebesverwicklungen sorgt. Mordpläne, Gift, Selbstmord, was will man mehr? Das Ganze wird mit Verve gesungen, Langweile sollte nicht aufkommen. Die Aufnahmequalität der Einspielung aus dem letzten Jahr ist hervorragend, und man braucht offenbar noch nicht mal viel für das Vergnügen zu bezahlen: neu unter EUR 12 (+ Porto) im Internet.
Gruß,
Zelenka
Jimi (12.06.2006, 18:22): Hallo Zelenka,
Vielen Dank für den Tipp. Die Aufnahme hatte ich auch schon im Visier, war mir aber zu teuer. Das schaut jetzt natürlich mit 12 € schon ganz anders aus. Ich hab in das Teil mal kurz reingehört, hat wirklich einen sehr guten Eindruck gemacht. Die Besetzung ist ja auch wirklich ausgezeichnet.
Jeff Klein (16.06.2006, 00:28): Original von Zelenka Jeff soll ordentlich verwirrt werden!
:D Lieber Zelenka,
ich möchte dir herzlich für den Thread danken.Sobald ich Zeit und Geld habe werde ich mir die eine oder andere Aufnahme besorgen und dann berichten!Viel dank auch an Jimi! :thanks
Gruss, Jeff :hello
Engelbert (16.06.2006, 07:45): Johann Georg Conradi (1645-1699) Ariadne
Die schöne und getreue Ariadne, Oper in drei Akten Uraufführung im Theater am Gänsemarkt in Hamburg 1691
Ein Ensemble aus Boston beschert uns die Oper eines deutschen Komponisten, der in der Landesprache und nicht in italienisch komponierte. Musikgeschichtlich von erheblicher Bedeutung, darf Conradi in keiner Sammlung von Barockopern fehlen.
Etwas umständlich erzählt die Oper, wie sich die Geschichte im Labyrinth damals zugetragen hat und wie übel Theseus der Ariadne, die ihm mit einer pfiffigen Idee das Leben gerettet hat, mitgespielt hat – er hat sie sitzen lassen.
Offenbar war sich der Komponist bewusst, dass die Hamburger des 17. Jahrhunderts nicht geneigt waren, sich drei Stunden lang mit Mythologie vollstopfen zu lassen. Deshalb fügte er die Figur des Scherenschleifers Pamphilius ein, der ohne Rücksicht auf Zeiten und Zonen zwischendurch am Hamburger Fischmarkt – Verzeihung: Gänsemarkt – auftaucht und die Scherenschleifer-Ballade vorträgt:
Der König schleiffet seinen Raht, Der Raht die armen Schreiber, Und wenn man nichts zu schleiffen hat, So schleiffet man die Weiber.
Auch Ariadne selbst hält guten Rat feil:
Liebe muß beständig seyn, Wann gleich alle Wetter dreuen, Muss kein treues Hertze scheuen, Selbst den Tod zu gehen ein. Liebe muss beständig seyn.
Die kanadische Sängerin Karina Gauvin setzt sich mit dem Hamburger Dialekt auseinander. Bei ihr heißt es also nicht: verschtändig, sondern: versständig, was aus ihrem Mund sehr lustig klingt.
Die Gepflogenheiten der frühen deutschsprachigen Barockoper, vom Thema abzuschweifen, kommen dem heutigen Opernhörer merkwürdig vor - ebenso die manchmal recht derbe Ausdrucksweise. Aber es lohnt sich wirklich, sich diese Conradi-Oper etappenweise geduldig anzuhören und den Text, der akustisch weitgehend verständlich gesungen wird, auch mitzulesen. Wie die Szenenphotos im Begleitheft zeigen, war die Inszenierung dieser Entdeckung sehr aufwendig. Pompöse Helme mit farbigen Textilquasten auf dem Kopf, so wie Marilyn Horne sie gern trägt, dominieren in der Ausstattung. Wenn man sich dazu noch die monumentalen barocken Bühnenbilder vorstellt und einen Schuss Humor auf Lager hat, ist das Hören dieser Oper ein Genuss.
Nun will ich aber auch erzählen, wie das Konzept meiner Sammlung der Frühgeschichte deutscher Opern vor der Händel-Zeit aussieht, ohne im Detail zu berichten.
Nachstehende Opern besitze ich bereits auf CD
01. Sigmund T. Staden: SEELEWIG (Label: CPO) 02. Heinrich Ignaz Franz Biber: ARMINIO (LABEL: CPO) 03. Reinhard Keiser: CROESUS (LABEL: Harmonia mundi) 04. Johann Georg Conradi: ARIADNE (CPO) 05. Georg Philipp Telemann: DAMON (CPO)
Zwei LPs, von mir nach wie vor wertgeschätzt, schließen sich an:
06. Reinhard Keiser: DIE GROSSMÜTIGE TOMYRIS (EMI) 07. Georg Philipp Telemann: PIMPINONE (Telefunken)
Geplant sind noch folgende Anschaffungen
08. Johann Joseph Fux: DAFNE IN LAURA (Nuovo Era) 09. Reinhard Keiser: DER GELIEBTE ADONIS (CPO) 10. Georg Philipp Telemann: DER GEDULDIGE SOKRATES (HUNGARTON)
Das wären die wichtigsten zehn Opern des deutschen Kulturraums aus den Anfängen der Musikgeschichte. Das Kräfteverhältnis kann sich verschieben, wenn weitere Tonträger auf den Markgeworfen werden. Von Keiser gibt es ein sehr schönes Komponisten-Porträt.
Alle genannten Einspielungen haben den Stellenwert eines Tondokumentes. Ob die einzelne Oper gefällt, hängt vom Konsumenten ab und zwar
von dem Vorschuss-Bonus, den er dem Komponisten gibt von der Bereitschaft, sich musikgeschichtlich zu informieren von der Geduld, die er dem Studium des Werkes entgegenbringt von der Zeit, die ihm zur Verfügung steht von der Taktik, sie er sich aneignet, sich die Komposition einzuverleiben von der Distanz, die er Kritikern entgegenbringt, welche loben oder mäkeln
Die Kompetenz der ausführenden Künstler sollte sehr hoch eingeschätzt werden!
X(
Zeitlich würden sich als nächstes die Händel- und die Hasse-Ära anschließen.
Hasse und – um zur Vorklassik überzuleiten - Gluck kann ich besprechen. Händel muss mir jemand abnehmen, weil ich das gesamte Volumen seiner Opern, etwa 80 cm, noch nicht im Regal stehen habe.
Gruß Engelbert :engel
Jimi (04.08.2006, 22:05): Hallo Zelenka,
Original von Zelenka Zuletzt vielleicht noch die Bitte, ein wenig auf das berühmte Preis/Leistungsverhältnis zu achten ...
in diesem Sinne heute bei 2001 für 12,99!!!! gekauft: :W
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7484715.jpg
Im Internet wird das gute Stück zum Teil noch für deutlich über 30 € angeboten. Bin gerade beim reinhören, klingt sehr überzeugend.
Viele Grüße,
Jimi
Janina (14.08.2006, 22:56): Once agein: Die Inszenierung von Händels "Giulio Cesare in Egitto" von Peter Sellars kann ich immernoch empfehlen! :D Aber man sollte sich vorher in jedem Fall mit dem Inhalt vertraut machen, damit man kein falsches Bild von der Oper bekommt... :wink
Zelenka (10.06.2006, 14:46): Ich hatte ursprünglich vor, auf einen Schlag für mehrere italienische, englische, französische und deutsche Barockopern erste CD-Vorschläge für Einsteiger zu machen. Jeff hatte um solche Vorschläge gebeten, und sein Wunsch soll natürlich erfüllt werden. Ich habe das Konzept geändert und werde in einzelnen Postings CDs empfehlen. Ich bitte gleichzeitig herzlichst um die Mitarbeit der wirklichen Opernexperten im Forum, sei es um Gegenvorschläge zu meinen Empfehlungen zu machen, sei es um selbst Tips für ein Basisrépertoire zu geben. Jeff soll ordentlich verwirrt werden! Gerade auf dem Gebiet der Oper sind die Geschmäcker doch sehr verschieden, und die Meinungen oft recht unversöhnlich. Zuletzt vielleicht noch die Bitte, ein wenig auf das berühmte Preis/Leistungsverhältnis zu achten ...
Gruß,
Zelenka
Zelenka (10.06.2006, 16:35): Die erste Empfehlung dieses Fadens soll für eine der ersten Opern überhaupt sein: Monteverdis L'Orfeo von 1607. (9 Jahre früher war die erste vollständig erhaltene Oper, Jacopo Peri's Dafne, uraufgeführt worden.)
Für mich insgesamt die überzeugendste Einspielung der Favola in musica ohne wirkliche Schwachpunkte. (Ian Bostridge ist ein solcher Schwachpunkt in einer nicht uninteressanten neueren Produktion unter Emmanuelle Haim (Virgin).) Ein Problem ist mittlerweile die die Lieferbarkeit der Einspielung, aber Amazon kann für etwa EUR 25 z.B. immer noch weiterhelfen. Vielleicht gibt es in den Läden auch noch Reste der vor ein paar Jahren herausgekommenen billigen Katalog-Ausgabe (allerdings ohne Libretto).
Sehenswert ist auch eine DVD im selben Preisbereich:
Es handelt sich um eine Aufnahme aus Barcelona, musikalische Leitung Jordi Savall. Daß seine Frau, Montserrat Figueras, als Musica agiert, als ob sie den Verkehr auf einer befahrenen Kreuzung lenken würde, tut dem Vergnügen weiter keinen Abbruch.
Gruß,
Zelenka
Jimi (10.06.2006, 20:52): Hallo Zelenka und Jeff,
bei Barockopern habe ich (noch) nicht den wahnsinns Überblick, die eine oder andere Aufnahme kann ich aber guten Gewissens empfehlen, auch wenn ich nicht, wie bei anderen Opern mehrere Aufnahmen zum Vergleich kenne.
Als erstes möchte ich die rel. unbekannte deutsche Barockoper Croesus von Heinrich Keiser empfehlen:
Soweit mir bekannt ist gibt es nur diese eine Aufnahme die sehr gut gelungen ist.
Schon ein rezitatives Zwiegespräch zwischen Croesus und seinen Berater Solon, am Anfang der Oper, gerät spannend wie man es bei Rezitativen selten erlebt. Das kann man eigentlich über die gesamte Aufnahme sagen, denn unter der kompetenten Leitung von Rene Jacobs spielt die „Akademie für alte Musik“ so engagiert, dass keine Sekunde Langeweile aufkommt.
Die Hauptrollen sind allesamt sehr gut besetzt. Herausragend ist Dorothea Röschmann als Prinzessin Elmira, ausdrucksstark in getragen Stücken wie „Fühlst du noch der Liebe Kerzen“ und hochvirtuos in Koloraturarien. Das einige Sänger/innen in Nebenrollen sind nicht ganz so überzeugend sind, kann den Gesamteindruck kaum beeinträchtigen.
Viele Grüße
Jimi
Zelenka (12.06.2006, 17:08): Hallo Jimi:
Ganz herzlichen Dank für Deine Empfehlung! (Wenn die WM vorbei ist, wird vielleicht auch Jeff hier mal in "seinen" Faden reinschauen :D.) Ich werde heute eine Vivaldi-Oper aus dem Jahre 1735 empfehlen, die teilweise erst rekonstruiert werden mußte, ehe sie aufgeführt werden konnte:
Im Cast der Tatarenkhan Tamerlano, der osmanische Sultan Bajazet, der von Tamerlano gefangen gehalten wird, zusätzliches weibliches Personal, das für Liebesverwicklungen sorgt. Mordpläne, Gift, Selbstmord, was will man mehr? Das Ganze wird mit Verve gesungen, Langweile sollte nicht aufkommen. Die Aufnahmequalität der Einspielung aus dem letzten Jahr ist hervorragend, und man braucht offenbar noch nicht mal viel für das Vergnügen zu bezahlen: neu unter EUR 12 (+ Porto) im Internet.
Gruß,
Zelenka
Jimi (12.06.2006, 18:22): Hallo Zelenka,
Vielen Dank für den Tipp. Die Aufnahme hatte ich auch schon im Visier, war mir aber zu teuer. Das schaut jetzt natürlich mit 12 € schon ganz anders aus. Ich hab in das Teil mal kurz reingehört, hat wirklich einen sehr guten Eindruck gemacht. Die Besetzung ist ja auch wirklich ausgezeichnet.
Jeff Klein (16.06.2006, 00:28): Original von Zelenka Jeff soll ordentlich verwirrt werden!
:D Lieber Zelenka,
ich möchte dir herzlich für den Thread danken.Sobald ich Zeit und Geld habe werde ich mir die eine oder andere Aufnahme besorgen und dann berichten!Viel dank auch an Jimi! :thanks
Gruss, Jeff :hello
Engelbert (16.06.2006, 07:45): Johann Georg Conradi (1645-1699) Ariadne
Die schöne und getreue Ariadne, Oper in drei Akten Uraufführung im Theater am Gänsemarkt in Hamburg 1691
Ein Ensemble aus Boston beschert uns die Oper eines deutschen Komponisten, der in der Landesprache und nicht in italienisch komponierte. Musikgeschichtlich von erheblicher Bedeutung, darf Conradi in keiner Sammlung von Barockopern fehlen.
Etwas umständlich erzählt die Oper, wie sich die Geschichte im Labyrinth damals zugetragen hat und wie übel Theseus der Ariadne, die ihm mit einer pfiffigen Idee das Leben gerettet hat, mitgespielt hat – er hat sie sitzen lassen.
Offenbar war sich der Komponist bewusst, dass die Hamburger des 17. Jahrhunderts nicht geneigt waren, sich drei Stunden lang mit Mythologie vollstopfen zu lassen. Deshalb fügte er die Figur des Scherenschleifers Pamphilius ein, der ohne Rücksicht auf Zeiten und Zonen zwischendurch am Hamburger Fischmarkt – Verzeihung: Gänsemarkt – auftaucht und die Scherenschleifer-Ballade vorträgt:
Der König schleiffet seinen Raht, Der Raht die armen Schreiber, Und wenn man nichts zu schleiffen hat, So schleiffet man die Weiber.
Auch Ariadne selbst hält guten Rat feil:
Liebe muß beständig seyn, Wann gleich alle Wetter dreuen, Muss kein treues Hertze scheuen, Selbst den Tod zu gehen ein. Liebe muss beständig seyn.
Die kanadische Sängerin Karina Gauvin setzt sich mit dem Hamburger Dialekt auseinander. Bei ihr heißt es also nicht: verschtändig, sondern: versständig, was aus ihrem Mund sehr lustig klingt.
Die Gepflogenheiten der frühen deutschsprachigen Barockoper, vom Thema abzuschweifen, kommen dem heutigen Opernhörer merkwürdig vor - ebenso die manchmal recht derbe Ausdrucksweise. Aber es lohnt sich wirklich, sich diese Conradi-Oper etappenweise geduldig anzuhören und den Text, der akustisch weitgehend verständlich gesungen wird, auch mitzulesen. Wie die Szenenphotos im Begleitheft zeigen, war die Inszenierung dieser Entdeckung sehr aufwendig. Pompöse Helme mit farbigen Textilquasten auf dem Kopf, so wie Marilyn Horne sie gern trägt, dominieren in der Ausstattung. Wenn man sich dazu noch die monumentalen barocken Bühnenbilder vorstellt und einen Schuss Humor auf Lager hat, ist das Hören dieser Oper ein Genuss.
Nun will ich aber auch erzählen, wie das Konzept meiner Sammlung der Frühgeschichte deutscher Opern vor der Händel-Zeit aussieht, ohne im Detail zu berichten.
Nachstehende Opern besitze ich bereits auf CD
01. Sigmund T. Staden: SEELEWIG (Label: CPO) 02. Heinrich Ignaz Franz Biber: ARMINIO (LABEL: CPO) 03. Reinhard Keiser: CROESUS (LABEL: Harmonia mundi) 04. Johann Georg Conradi: ARIADNE (CPO) 05. Georg Philipp Telemann: DAMON (CPO)
Zwei LPs, von mir nach wie vor wertgeschätzt, schließen sich an:
06. Reinhard Keiser: DIE GROSSMÜTIGE TOMYRIS (EMI) 07. Georg Philipp Telemann: PIMPINONE (Telefunken)
Geplant sind noch folgende Anschaffungen
08. Johann Joseph Fux: DAFNE IN LAURA (Nuovo Era) 09. Reinhard Keiser: DER GELIEBTE ADONIS (CPO) 10. Georg Philipp Telemann: DER GEDULDIGE SOKRATES (HUNGARTON)
Das wären die wichtigsten zehn Opern des deutschen Kulturraums aus den Anfängen der Musikgeschichte. Das Kräfteverhältnis kann sich verschieben, wenn weitere Tonträger auf den Markgeworfen werden. Von Keiser gibt es ein sehr schönes Komponisten-Porträt.
Alle genannten Einspielungen haben den Stellenwert eines Tondokumentes. Ob die einzelne Oper gefällt, hängt vom Konsumenten ab und zwar
von dem Vorschuss-Bonus, den er dem Komponisten gibt von der Bereitschaft, sich musikgeschichtlich zu informieren von der Geduld, die er dem Studium des Werkes entgegenbringt von der Zeit, die ihm zur Verfügung steht von der Taktik, sie er sich aneignet, sich die Komposition einzuverleiben von der Distanz, die er Kritikern entgegenbringt, welche loben oder mäkeln
Die Kompetenz der ausführenden Künstler sollte sehr hoch eingeschätzt werden!
X(
Zeitlich würden sich als nächstes die Händel- und die Hasse-Ära anschließen.
Hasse und – um zur Vorklassik überzuleiten - Gluck kann ich besprechen. Händel muss mir jemand abnehmen, weil ich das gesamte Volumen seiner Opern, etwa 80 cm, noch nicht im Regal stehen habe.
Gruß Engelbert :engel
Jimi (04.08.2006, 22:05): Hallo Zelenka,
Original von Zelenka Zuletzt vielleicht noch die Bitte, ein wenig auf das berühmte Preis/Leistungsverhältnis zu achten ...
in diesem Sinne heute bei 2001 für 12,99!!!! gekauft: :W
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7484715.jpg
Im Internet wird das gute Stück zum Teil noch für deutlich über 30 € angeboten. Bin gerade beim reinhören, klingt sehr überzeugend.
Viele Grüße,
Jimi
Janina (14.08.2006, 22:56): Once agein: Die Inszenierung von Händels "Giulio Cesare in Egitto" von Peter Sellars kann ich immernoch empfehlen! :D Aber man sollte sich vorher in jedem Fall mit dem Inhalt vertraut machen, damit man kein falsches Bild von der Oper bekommt... :wink
Zefira (17.02.2010, 00:35): Hallo liebes Forum, die oben genannte Aufnahme von Bajazet (Europa Galante / Biondi) wollte ich mir dieser Tage bestellen, ich kann von den Filmschnipseln auf youtube nicht genug bekommen ... Nun sehe ich mit Staunen, dass Mitte März eine erheblich preisgünstigere Ausgabe erscheinen soll.
Bajazet - 2CDs
Kann mir vielleicht jemand sagen, ob da nur die Bonus-DVD abgespeckt wurde oder noch mehr? Auf die Filmchen könnt ich notfalls verzichten, auf die Musik schwerlich ... :leb
.... mein erster Beitrag hier, guten Tag und musikalischen Gruß in die Runde.
Zefira
Armin70 (19.02.2010, 07:28): Hallo Zafira,
zunächst mal ein herzliches Willkommen im Klassik-Forum.
Wenn ich das richtig sehe, handelt es sich um folgende Version dieser Aufnahme
um eine reine Audio-CD + einer Daten-CD mit dem Libretto und einer Inhaltszusammenfassung.
Die andere Version dieser Aufnahme
beinhaltet neben der Audio-CD eine DVD mit verschiedenen Filmausschnitten.
Wenn es Dir nur auf die Musik ankommt, dann könnte Dir die günstigere Version genügen, welche übrigens bei dem Internetversandhaus, das mit dem "A" beginnt, etwas günstiger angeboten wird.
Viele Grüße :hello Armin
Zefira (19.02.2010, 11:04): Hallo Armin, schönen Dank. Inzwischen habe ich auch beim We..ild-Versand eine Vorankündigung erblickt. Allerdings - hat meine liebe Familie mir gestern gesteckt - ist die Box mit DVD anscheinend schon auf dem Weg zu mir :rofl
Ist mir schon mal passiert: noch während Mutti überlegt, ob sie bestellen soll, erledigt das jemand anders für sie.
Ich freu mich schon sehr darauf. Scheint genau mein Beuteschema zu sein.
Lieben Gruß und danke für das Willkommen Zefira (mit e, bitte )
Zefira (12.03.2010, 17:38): Hallo zusammen,
heute ist das Box-Set eingetroffen: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41nnvkQUBJL._SL500_AA300_.jpg
Das Set enthält 2 CDs - die zweite enthält das Libretto und einige Infos samt Inhaltszusammenfassung als pdf-Datei - und auch die Bonus-DVD, was mich besonders gefreut hat, denn damit habe ich nicht gerechnet! :leb
Die DVD habe ich mir schon angesehen - beeindruckend! (Und lustig, wie Herr d'Arcangelo innerhalb einer Arie viermal die Oberbekleidung wechselt ... )
Jetzt freue ich mich aufs Anhören und hoffe, dabei auch hinter die Verwicklungen der Handlung zu steigen ...
schönen Gruß Zefira
Fairy Queen (12.03.2010, 21:59): Liebe Zefira, das ist ja eine absoulte Star-Besetzung!!!! Und ich muss dabei peinlicherweise gestehen, diese Oper ncihtmal zu kennen.... schäm.... Viel Spass und erzähl mal was davon!
fürst igor (13.03.2010, 13:19): Original von Zelenka Zuletzt vielleicht noch die Bitte, ein wenig auf das berühmte Preis/Leistungsverhältnis zu achten ... Zelenka
Leider wird bei den zahlreichen Meldungen nicht auf den Preis eingegangen, was -im weitesten Sinne- durchaus sinnvoll wäre. ?(
Ihr wißt ja, "Jäger und Sammler". Was in der Barock-Szene nicht Niet-und Nagelfest ist ............
Würde mich über die Angabe von Supersonderangeboten sehr freuen !
Rotkäppchen (07.06.2015, 11:20): Original von Zelenka Ich hatte ursprünglich vor, auf einen Schlag für mehrere italienische, englische, französische und deutsche Barockopern erste CD-Vorschläge für Einsteiger zu machen. Zuletzt vielleicht noch die Bitte, ein wenig auf das berühmte Preis/Leistungsverhältnis zu achten ...
Hallo zusammen,
ich grabe diesen Thread, den ich erst vor wenigen Tagen bei der Erstellung des Opern-Inhaltsverzeichnisses entdeckt hatte, aus, um, inspiriert durch die tolle Dokumentation über Jean-Philippe Rameau, die gestern auf ARTE lief und z. Zt. auch noch in der Mediathek verfügbar ist, auf weitere Online-Angebote von ARTE Concert hinzuweisen:
Dort hat man im Moment die Möglichkeiten, gleich drei Rameau-Opern online in HD anzusehen:
...so, Severinas Anstoß hat gewirkt, jetzt mach' ich ernst und nehme die Rameaus durch und fange an mit dem Galanten Indienn (UA 1735). Gemeint ist nicht Indien im engeren Sinne, vielmehr erzählt die Oper vier ganz verschiedene amouröse Abendteuer in diversen exotischen Gefilden (plus ein Prolog). Habe mir gerade Prolog und das erste Abendteuer angesehen und, obwohl das Ganze ganz schön sinnfrei daherkommt, muss ich sagen: WOW :down :down :down, eine Wohltat für Auge und Ohr. Phanatasievoll, ästhetisch, spritzig-witzig in Szene gesetzt. Sehr schöne Ballett-Einlagen (das Stück nennt sich Ballettoper, das liebten die barocken Franzosen halt :D), obwohl ich wahrhaftig nichts von Ballett halte. Außerdem: zwar keine Da-Capo-Arien, aber sehr originelle überraschende Instrumentierung; Rameau hatte wirklich raffinierte Ideen, Bravissimo!!
Aufzüge 2-4 vielleicht morgen...
Der Mega-Kracher "Forêts paisibles" (den kannte ich schon länger), der kommt erst im letzten Akt und den höre ich mir gerade in Endlosschleife in diesen beiden Versionen an:
Heavy-Metal-Version unter Marc Minkowski :cool
Galante Version unter Emmanuelle Haïm :engel
Jedes auf seine Weise: :times10
:beer :down :hello Bonne nuit! Rk
Rotkäppchen (21.06.2015, 10:35): Original von Rotkäppchen Platée in einer Inszenierung von Laurent Pelly
Rameaus Platée würde ich, da es hier ja um Einstiegsopern gehen soll, fast den Vorzug vor den vorher besprochenen Indes Galantes geben, z.B., da die Dichte eingängiger, fetziger, virtuoser Passagen höher zu sein scheint und die Story kompakter ist. Dass das Ganze grotesk komisch daherkommt (aber speziell in der Arbeit von Laurent Pelly wirklich gekonnt umgesetzt wurde) darf einen hier nicht stören. Wirklich herausragend, sowohl sängerisch als auch darstellerisch, fand ich die Leistungen von Paul Agnew in der Titelrolle und von Mireille Delunsch als La Folia -- schon allein deshalb: klare Empfehlung!
LG, Rk :hello
Peter Brixius (21.06.2015, 12:44): Liebes Rotkäppchen,
"Cast" Paul Agnew, Barbara Bonney, Anders J Dahlin, Sophie Daneman, Veronique Gens, Topi Lehtipuu, Laurent Naouri, Danielle de Niese, Anna Maria Panzarella, Nicolas Rivenq
"Dance ensembles" La LaLa, Human Steps
"Orchestras" Les Talens Lyriques, Les Arts florissants, Opera national de Paris, The Drottningholm Theatre Orchestra
"Conductors" William Christie, Christophe Rousset
und an Untertitel: EN, DE, FR, ES (Les boréades) EN, FR, DE, ES, IT, NE (Castor et Pollux) EN, FR, DE, ES, IT (Il Convetendo, Les Indes galantes, Les paladins, Zoroastre)
Meine Empfehlung, solange es die Box noch so preiswert gibt.
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (21.06.2015, 12:59): Original von Peter Brixius "Cast" Paul Agnew, Barbara Bonney, Anders J Dahlin, Sophie Daneman, Veronique Gens, Topi Lehtipuu, Laurent Naouri, Danielle de Niese, Anna Maria Panzarella, Nicolas Rivenq
Ich kenne zwar weder dieses Werk noch diese Einspielung, aber wenn Barbara Bonney mitsingt, dann würde ich es auch blind empfehlen ;)
LG, Hosenrolle1
Peter Brixius (21.06.2015, 13:30): Es ist eine begeisternde Produktion, die mir damals half, mich mit Rameau als Opernkomponisten mehr als anzufreunden. Bei den - ja nicht immer zuverlässigen - Amazon-Laienkritiken findet man die absolut zutreffende:
Es gibt aber keine Schwachpunkte, alle Rollen sind ausgeprochen typadäquat besetzt und umgesetzt.
Von der orchestralen Seite wird exemplarisch farbstarkes Spiel geboten. Absolut begeisternd.
Dazu ein Bilderrausch für die visuell Interssierten. Und preiswert dazu!
Liebe grüße Peter
Rotkäppchen (21.06.2015, 16:24): Lieber Peter,
danke für die Empfehlung -- ich schiele schon seit einiger Zeit nach dieser Box. Da zwei der enthaltenen Opern, Les Indes Galantes und Les Paladins, ja im Moment online auf Arte Concert verfügbar sind, dachte ich, dass ich die beiden zunächst teste. Erstere hat ja den Test schon bestanden, siehe weiter oben, Les Paladins kommen in Kürze dran. Dann ist die Box, fürchte ich, fällig :D. Der Zoroastre wurde 2006 im Drottingholms Slottsteater gefilmt, den hab' ich live gesehen, bin aber damals noch kein Rameau-Fan geworden (... da dieser Opernbesuch innerhalb meiner Hochzeitsreise stattfand, ist das vielleicht verständlich ... was hat man da nicht alles im Sinn :engel). Das wäre natürlich spannend, den Zoroastre vom heutigen Standpunkt aus wieder zu sehen/hören. Wenn Platée auch noch in der Box dabei wäre, schiene es mir ganz perfekt, aber man soll nicht zuviel verlangen...
Viele Grüße, Rk
Peter Brixius (21.06.2015, 17:20): Liebes Rotkäppchen,
das mit der Platée kann ich gut verstehen. Es hat mich weniger berührt, weil ich die Oper schon hatte. Das sind wohl zwei Vertriebsfirmen, die man nicht zusammen gebracht hat, denn logisch wäre es schon, wenn auch Platée in der großen Kassette wäre.
Es ist schon ein ganz anderes Barock, das von Rameau im Unterschied zu dem Händel. Ist das nicht schön, dass es beides gibt?
Liebe Grüße Peter
Rotkäppchen (21.06.2015, 17:55): Original von Peter Brixius Es ist schon ein ganz anderes Barock, das von Rameau im Unterschied zu dem Händel. Ist das nicht schön, dass es beides gibt?
Auf jeden Fall!! Es lohnt auch nicht, die beiden Stile gegeneinander auszuspielen (habe ich in meinem Innersten allerdings früher gemacht, Händel war der Sieger...). Wenn man ungefähr weiß, was einen erwartet und man sich voll darauf einlässt, können beide äußerst beglückende Opernerlebnisse bescheren :beer.