Beethoven: Violinkonzert op. 61

Zelenka (13.05.2006, 17:55):
Am Tag vor Heiligabend 1806 hatte es in Wien Premiere, der Erfolg war über Jahre erst einmal eher bescheiden: Beethovens meist heiteres einziges Violinkonzert, das vielleicht ein wenig zu repetitiv und symphonisch für manchen sein mag. Ohne den Umweg über Konzertführer etc. soll es hier gleich in die Diskographie gehen. Auch wenn man das Werk nicht unbedingt heiß und innig lieben mag, man wird es wohl zumindest kennen und respektieren und Einspielungen davon besitzen. (Wenn ich nach den Einträgen in "Was höre ich gerade jetzt?" gehen kann, dann wird Beethoven ohnehin eher mehr respektiert als tatsächlich gehört. Ich weiß gar nicht, ob jemand in letzter Zeit zugegeben hat, Beethovens 5. Symphonie aufgelegt zu haben. Aber der Eindruck mag täuschen, man meldet vielleicht nicht unbedingt derlei Grundbausteine des Répertoire, sondern eher das Besondere.)

Anlaß für die Einrichtung dieses Fadens ist das Erscheinen einer Arte Nova-Aufnahme mit Christian Tetzlaff als Solisten. Zusammen mit dieser Neuerscheinung besitze ich zur Zeit 10 Aufnahmen des Konzerts. Das mag erst einmal nach ziemlich viel klingen, aber wie vielleicht deutlich werden wird, habe ich möglicherweise gar nicht so viel Grund zufrieden zu sein. U.a. herrschen bei mir eindeutig ältere Aufnahmen vor. (Das eine oder andere ist, wie oft beim Sammeln, eher zufällig "zugelaufen", z.B. Wolfsthal und Oistrakh in Boxen, die ich wegen anderer Bestandteile gekauft habe.)

Wolfsthal, BPO, Gurlitt (1929) DG Complete Beethoven Edition 4538042

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001GZN.01.LZZZZZZZ.jpg

Kulenkampff, BPO, Schmidt-Isserstedt (1936) Dutton Essential Archive CDEA5018

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000009Q0S.01.MZZZZZZZ.jpg

Heifetz, NBC Symphony O, Toscanini (1940) RCA Victor Gold Seal The Heifetz Collection (vol. 5) 09026617362

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000003FII.01.LZZZZZZZ.jpg

Schneiderhan, BPO, Furtwängler (1953) DG eloquence Dokumente 4747282

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000AXM2W.01.LZZZZZZZ.jpg

Schneiderhan, BPO, van Kempen (1953) DG Original Masters 002894775263

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00067GKGA.01.LZZZZZZZ.jpg

Oistrakh, O of the Stockholm Festival, Ehrling (1954) EMI 724358684124

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0007LCNQG.01.LZZZZZZZ.jpg

Heifetz, Boston Symphony O, Munch (1955) RCA Victor Red Seal 9026617422

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000003FIO.01._SCMZZZZZZZ_.jpg

Schneiderhan, BPO, Jochum (1961) DG 2CD 4594032

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001GQ0.03.LZZZZZZZ.jpg

oder

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000024572.01.LZZZZZZZ.jpg

Kremer, Chamber O of Europe, Harnoncourt (1992) Teldec 9031748812

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000000SG9.01.LZZZZZZZ.jpg

Tetzlaff, Tonhalle O, Zinman (2005) Arte Nova 82876769942

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS4JRK.03.LZZZZZZZ.jpg



Gleich meine erste Aufnahme ist schon ein erster Höhepunkt, auch wenn in Punkto Aufnahmequalität eine Menge Verständnis aufzubringen ist. Josef Wolfsthal, der bald schon in recht jungen Jahren verstorben ist, muß ein hochgradiges Talent gewesen sein, das über eine sehr sichere Technik und musterhafte Intonation verfügen konnte. Leichtigkeit (auch hier schon "entschlackter" Beethoven wie noch heute immer wieder) und sehr viel Emotion charakterisieren sein Spiel. Ähnliches gilt durchaus auch für Georg Kulenkampff in einer Telefunken-Aufnahme von 1936 (erstaunlicherweise mit Kreisler-Kadenz), einen weiteren Großen. Die Version ist einem Transfer von Michael Dutton recht gut anhörbar.

Eine große Überraschung war für mich die erste Heifetz-Aufnahme des Konzerts von 1940. Ich hatte die CD jahrelang nicht gehört, weil ich ein wenig von Heifetz abgekommen bin und kein Bewunderer von Toscanini bin. Überraschend ein sehr warmes, kooperatives Spiel von Heifetz und ein Dirigent, der es nicht wie oft in jeder Hinsicht reichlich übertreibt. Für die Zeit ist die Aufnahmetechnik durchaus sehr akzeptabel, beim Transfer sind allerdings auch stellenweise die bei Überspielungen von 78ern charakteristischen Schabegeräusche dazugekommen.

Dann gleich, immer noch in der Mono-Zeit, zweimal früher Schneiderhan von 1953, einmal live mit den Berliner Philharmonikern unter Furtwängler, einmal im Studio unter van Kempen. In der Live-Aufnahme wirkt Schneiderhan eher steif und ehrfürchtig vor dem Dirigenten, der seine eigenen Wege zu gehen scheint. Anders in der Studioaufnahme, in der man einen sehr lebhaften Schneiderhan wiedertrifft. (Anders als in seiner Aufnahme von 1961 spielt er hier die Joachim-Kadenzen.) Für mich ist es die beste Schneiderhan-Version und meine beste Aufnahme überhaupt. Die Aufnahmetechnik ist sehr akzeptabel für die Zeit.

Oistrakh ist in Stockholm 1954 vielleicht ein wenig zu unverbindlich gebremst heiter, was vielleicht auch an der eher durchschnittlichen Begleitung liegen mag, die eben nur begleitet und in keinen echten Dialog eintritt. Insgesamt sicher eine durchaus hörenswerte Aufnahme in akzeptabler Technik.

Mit Heifetz' zweiter Aufnahme beginnt hier endlich das Stereo-Zeitalter. Ich habe das Konzert über diese Aufnahme überhaupt kennengelernt, sie lässt mich heute absolut kalt. Es mag alles perfekt sein, und Heifetz war immer mindestens 99% perfekt, aber diese Perfektion scheint nur Selbstzweck zu sein. Die technische Qualität der Aufnahme ist eher durchschnittlich, ich besitze allerdings einen älteren Transfer, heutzutage würde man hierzu greifen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000006OPI.01.LZZZZZZZ.jpg

Zum letzten Mal Schneiderhan, 8 Jahre nach seiner Mono-Einspielung für DG und mit anderer Kadenz auf der Grundlage der von Beethoven selbst für die Klavierkonzert-Fassung geschriebenen: Meiner Meinung etwas gebremster als sein jüngeres Ich, vielleicht auch etwas weniger bereit zum Dialog mit dem Orchester, insgesamt aber sicher zu Recht eine Aufnahme mit klassischem Status. Aufnahmequalität: 6 oder 7 von 10 Punkten.

Nur zwei meiner Versionen stammen aus dem digitalen Zeitalter. Von den beiden ist Kremers Live-Einspielung unter Harnoncourt sicher ein weiterer diskographischer Höhepunkt, auch wenn man sich über die lange (überlange?) Beethoven/Kremer-Kadenz erst einmal etwas wundern oder ärgern mag, für die auch ein Flügel auf die Bühne gefahren wird. Eine letztendlich durchaus sehr heitere (auch Harnoncourt kann heiter sein), dynamische und vorwärtsstrebende Version in sehr guter Aufnahmequalität.

Eher eine Enttäuschung ist für mich die letzte hier zu besprechende Version aus Zürich, die mich nach mehrmaligen Hören immer noch ein wenig kalt läßt. Das Kältegefühl mag vielleicht schon mit den schwächlichen Pauken ganz am Anfang einsetzen (es werden hier "historische" Paukenschlegel eingesetzt). Das Tonhallen-Orchester ist zumindest in diesem Fall ein Kammerorchester, dem ein wenig Durchlagkraft fehlt, dafür aber an Transparenz gewinnt. Tetzlaffs Beitrag ist weiter nicht zu kritisieren, seinen Geigenton finde ich vielleicht ein wenig zu schlank.

Eine Aufnahme, die ich kenne, aber nicht besitze, ist die mit Grumiaux unter Colin Davis, sicher auch ein Klassiker, aber letztlich doch eher unterhalb von Schneiderhan anzusiedeln.

Kreislers, Szigetis und Hubermans Versionen kenne ich leider nicht oder nur vom Hörensagen. Und vieles, das viel später kommt, auch nicht. Es wird Zeit, daß das Forum eingreift und mir auf die Sprünge hilft. Was habt Ihr, was würdet Ihr empfehlen? Gibt es Aufnahmen mit historischen Instrumenten, die Ihr empfehlen könnt? Vor ein paar Jahren hat in "Building a Library" (BBC) diese Aufnahme mit historischen Instrument den Spitzenplatz vor Heifetz belegt:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000023ZEM.01.LZZZZZZZ.jpg

Ein Fehlurteil? Etc. etc. Your turn!

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (13.05.2006, 18:28):
@Zelenka,

schön das Du diesen Thread gestartet hast und gleich mit so einer tollen Einleitung!!!! :down

Original von Zelenka
Auch wenn man das Werk nicht unbedingt heiß und innig lieben mag, man wird es wohl zumindest kennen und respektieren und Einspielungen davon besitzen.


Denke, zu eben jener Gruppe von Klassikliebhabern gehöre ich.

Im grunde mag ich das Konzert, allerdings höre ich es relativ selten wenn ich meine Hörgewohnheiten so betrachte! Da ziehe ich doch eher Mendelssohn, Tchaikovsky und andere aus dem Regal!

Dennoch, sinfonischer Charakter des Konzertes hin oder her, es ist ein der ganz großen Violinenkonzerte und viele große Geiger haben sich hier "versucht"!

In meinem Bestand:

Mullova - Philips
Oistrach - Brilliant
Milstein - EMI
Heifetz/Munch - RCA
Schneiderhan - DG
und
Heifetz (1945 A. Rodzinski)

bisher erst einmal gehört die Aufnahme mit H. Hahn.

Desweiteren besitze ich einen Radiomitschnitt mit Vladimir Khachatryan!

Werde nach und nach hier berichten :D
Zelenka (13.05.2006, 18:40):
@Rachmaninov

Bin gerade auf Deine Mullova-Wertung sehr gespannt!

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (13.05.2006, 18:44):
Original von Zelenka
@Rachmaninov

Bin gerade auf Deine Mullova-Wertung sehr gespannt!



Habe ich mir gedacht und starte eben aus diesem Grund mit eben dieser Aufnahme!
Rachmaninov (13.05.2006, 19:40):
Hallo,

V. Mullova's Aufnahme des Konzerts mit dem Orchestre Revolutionnaire
et Romantique unter John Eliot Gardiner besticht für mich durch eine sehr ausgewogene rangehensweise. Solist sowie das vozüglich geleitete Orchester spielen beide auf hohem Niveau. Dadurch gelingt eine richtig gute Aufnahme, die zusätzlich durch eine sehr gute Aufnahmetechnik sowie richtig guten Klang begeistert.

In der Kadenz zeigt Mullova ihre Klasse!


Sehr stark und überzeugend ist für mich wie Gardiner hier die Feinheiten im Orchesterpart rausarbeitet :)

Sicherlich eine der großen Aufnahmen der "neueren" Zeit!
Zelenka (13.05.2006, 20:09):
Original von Rachmaninov
Hallo,

V. Mullova's Aufnahme des Konzerts mit dem Orchestre Revolutionnaire
et Romantique unter John Eliot Gardiner besticht für mich durch eine sehr ausgewogene rangehensweise. Solist sowie das vozüglich geleitete Orchester spielen beide auf hohem Niveau. Dadurch gelingt eine richtig gute Aufnahme, die zusätzlich durch eine sehr gute Aufnahmetechnik sowie richtig guten Klang begeistert.

In der Kadenz zeigt Mullova ihre Klasse!


Sehr stark und überzeugend ist für mich wie Gardiner hier die Feinheiten im Orchesterpart rausarbeitet :)

Sicherlich eine der großen Aufnahmen der "neueren" Zeit!



Werde die CD auf die Merkliste setzen, auch wenn ich Abfälliges über den Mendelssohn gelesen habe.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (13.05.2006, 20:10):
Original von Zelenka
Werde die CD auf die Merkliste setzen, auch wenn ich Abfälliges über den Mendelssohn gelesen habe.


Höre einfach mal rein und bilde Dir eine Meinung :engel
Zelenka (13.05.2006, 20:12):
Original von Rachmaninov
Original von Zelenka
Werde die CD auf die Merkliste setzen, auch wenn ich Abfälliges über den Mendelssohn gelesen habe.


Höre einfach mal rein und bilde Dir eine Meinung :engel

Mach ich! Und selbst hören ist immer noch am besten. David Hurwitz hat nicht immer recht ...

Gruß,

Zelenka
embe (14.05.2006, 01:00):
Hallo,
darf ich auch am Faden mitweben ?(
Meine Aufnahmen des Konzertes:
Die älteste mit Perlman und Giulini, philharmonisch gewichtig, Perlman kostet den schönen Ton voll aus...

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000024396.03.LZZZZZZZ.gif

Tetzlaff und Gielen, frisch entstaubt, schon recht originalklänglerisch,
Tetzlaff lässt Funken sprühen....

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000025LHL.03.LZZZZZZZ.gif

Chung und Kondrashin, sehr gediegen und zahm...

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000E422.03.LZZZZZZZ.jpg

Kremer und Harnocourt, sehr originell, recht frisch, drahtiges Orchester,
Kremer ist perfekt...

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000000SG9.01.LZZZZZZZ.jpg

Lautenbacher und Reichert, hmpf...hab ich mir nie angehört :haha
vielleichtirgendwann mal. Meine Disc hat ein anderes Cover,aus ner Serie
Grosse Komponisten mit Begleitheft..

http://www.arkivmusic.com/graphics/covers/non-muze/full/126529.jpg

Hm...blöderweise funzen einige Bildchen nicht ?( ?(
Bitte Links anklicken :wink

Gruß
embe
Carola (14.05.2006, 11:38):
Ich höre das Violinkonzert von Beethoven oft und gerne, es hat so gar nichts heroisch-pathetisches an sich sondern wirkt eher kontemplativ auf mich.

Besonders gerne höre ich das Konzert in der schon von Zelenka erwähnten Aufnahme mit Schneiderhan/Berliner Philharmoniker von 1962.

Dann habe ich noch eine Aufnahme mit Zimmermann/English Chamber Orchestra von 1988, die mir aber im Vergleich zu Schneiderhan recht blass und langweilig erscheint.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00092712O.01.LZZZZZZZ.jpg


Noch eine Frage: Beethoven hat das Konzert später eigenhändig für Klavier und Orchester bearbeitet, sagt eins meiner schlauen Bücher. Kennt jemand diese Bearbeitung?


Mit Gruß von Carola
Zelenka (14.05.2006, 12:16):
Original von Carola
Ich höre das Violinkonzert von Beethoven oft und gerne, es hat so gar nichts heroisch-pathetisches an sich sondern wirkt eher kontemplativ auf mich.

Besonders gerne höre ich das Konzert in der schon von Zelenka erwähnten Aufnahme mit Schneiderhan/Berliner Philharmoniker von 1962.

Dann habe ich noch eine Aufnahme mit Zimmermann/English Chamber Orchestra von 1988, die mir aber im Vergleich zu Schneiderhan recht blass und langweilig erscheint.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00092712O.01.LZZZZZZZ.jpg


Noch eine Frage: Beethoven hat das Konzert später eigenhändig für Klavier und Orchester bearbeitet, sagt eins meiner schlauen Bücher. Kennt jemand diese Bearbeitung?


Mit Gruß von Carola

Liebe Carola:

Um vielleicht ein Mißverständnis auszuräumen, das meine Eröffnung nahelegen könnte: Ich selbst höre das Beethoven-Konzert auch sehr gern. Immer schon. Aber ich weiß, daß viele Leute Vorbehalte haben. - Die Fassung für Klavier habe ich leider nie gehört und das, was ich von ihr weiß, ist nur aus zweiter bis dritter Hand. Angeregt bzw. bestellt worden ist sie von Muzio Clementi. Sie soll "unpianistisch" sein. Aber immerhin hat Beethoven für die Klavierfassung Kadenzen geschrieben, die u.a. auch auf Deiner Schneiderhan-Aufnahme modifiziert auftauchen. Greifbar ist die Klavier-Fassung op. 61a u.a. bei Naxos:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000DH4T.01.LZZZZZZZ.jpg

Zu Tate: Möglicherweise hast Du mit der Zimmermann-Aufnahme ähnliche Probleme wie ich mit der Tetzlaff-Aufnahme. Ein Kammerorchester hat in der Regel einfach nicht genug Durchschlagskraft. 1988 ist aber die Aufnahme im Gramaphone durchaus auch gelobt worden und u.a. Frau Mutter vorgezogen worden.

Gruß,

Zelenka
Cosima (14.05.2006, 13:07):
Um mein Versprechen an Zelenka einzulösen, meine vorhandenen Aufnahmen nebst Kurzkommentaren:

Francescatti / Walter / Columbia Symphony Orchestra (1961): Entrückte, klare, schnörkellose, klassisch-zeitlose Aufnahme, Klang gut – sehr empfehlenswert.

Schneiderhan / Furtwängler / Berliner Philharmoniker (1964): Beseelte, leidenschaftliche Orchesterbegleitung; interessant dazu im Verhältnis Schneiderhans klassisches, eher strenges, bodenständiges Violinspiel – empfehlenswert.

Röhn / Furtwängler / Berliner Philharmoniker (1944): Orchester ähnlich wie oben, Röhn besitzt jedoch nicht Schneiderhans Klasse, Klang unterirdisch – keine Empfehlung.

Oistrakh / Ehrling / Orchestre du Festival de Stockholm (1954): Oistrakh warm, brillant und leidenschaftlich, Orchesterbegleitung unter dem Niveau des Solisten – bedingt empfehlenswert.

Heifetz / Barbirolli / London Philharmonic Orchestra (1934): Klangqualität unterirdisch, auch ansonsten kein Highlight – keine Empfehlung.

Repin / Gergiev / Kirov Orchestra (Live-Mitschnitt 2003, nicht auf Tonträger erhältlich): Warmes, erdiges, volles Violinspiel von Repin; Orchesterbegleitung leidenschaftlich, jedoch nicht pathetisch, gutes Zusammenspiel von Solist und Klangkörper – empfehlenswert.


Fazit: Mit der Francescatti-Aufnahme bin ich sehr zufrieden. Sollte ich mir dennoch einmal eine weitere Einspielung zulegen wollen, so müsste es eine neuere sein mit guter Klangqualität, da die Alternativen alle recht alten Datums sind.

Ich höre das Violinkonzert zwar gerne, tendiere aber mittlerweile eher zu Beethovens eigenem Arrangement des Konzertes für Klavier (op. 61 a). Ich besitze eine schöne Aufnahme mit Berezovsky unter Dausgaard, gekoppelt mit dem 4. Klavierkonzert (Simax).

Gruß, Cosima
Carola (14.05.2006, 13:18):
Lieber Zelenka,

ich hatte das auch nicht so verstanden, dass Du das Werk nicht magst - sonst hättest Du wohl kaum 10 Aufnahmen davon.

Was die Aufnahme mit Zimmermann und dem English Chamber Orchestra angeht, könntest Du recht haben - so ein Kammerorchester klingt mir jedenfalls einfach nicht voll und saftig genug. Und wo andere "schlank" und unprätentiös" sagen und hören, muss ich nun mal eher an Knäckebrot denken - bei Gidon Kremer geht es mir so ähnlich.

Danke für den Hinweis auf die Naxos-Aufnahme mit der Klavierkonzertfassung. Die kommt auf jeden Fall auf meine Merkliste.

Mit Gruß von Carola
Jeremias (14.05.2006, 13:30):
Ich würde bzgl. der Klavierkonzertfassung nicht unbedingt Jando nehmen. Es gibt bei der DG eine schöne Aufnahme mit Barenboim, zudem eine mit Pollini oder auch mit Duchable. Diese sind doch lebhafter...
Zelenka (14.05.2006, 13:36):
Original von Carola
Lieber Zelenka,

ich hatte das auch nicht so verstanden, dass Du das Werk nicht magst - sonst hättest Du wohl kaum 10 Aufnahmen davon.

Was die Aufnahme mit Zimmermann und dem English Chamber Orchestra angeht, könntest Du recht haben - so ein Kammerorchester klingt mir jedenfalls einfach nicht voll und saftig genug. Und wo andere "schlank" und unprätentiös" sagen und hören, muss ich nun mal eher an Knäckebrot denken - bei Gidon Kremer geht es mir so ähnlich.

Danke für den Hinweis auf die Naxos-Aufnahme mit der Klavierkonzertfassung. Die kommt auf jeden Fall auf meine Merkliste.

Mit Gruß von Carola

Liebe Carola:

In Sachen Klavierfassung ist wohl eher Cosimas heißem Tip zu folgen. Auch wenn für mich die Fährte erst einmal kalt geworden ist: Bei amazon.de habe ich die von ihr erwähnte CD nicht finden können.

Gruß,

Zelenka
Mime (14.05.2006, 13:44):
Hallo miteinander,

auch wenn die Künstlerin in anderen Foren zur Zeit recht unfein runtergeputzt wird,finde ich die Aufnahme mit Anne Sophie Mutter immer noch beachtenswert und ich höre sie auch sehr gern.
Aber auch Hilary Hahn spielt das Konzert virtuos.
Und Frank Peter Zimmermann . :down :down :down
Zelenka (14.05.2006, 13:48):
Original von Zelenka

In Sachen Klavierfassung ist wohl eher Cosimas heißem Tip zu folgen. Auch wenn für mich die Fährte erst einmal kalt geworden ist: Bei amazon.de habe ich die von ihr erwähnte CD nicht finden können.

Gruß,

Zelenka


jpc bietet die CD noch an (18.99), aber sie scheint bei Simax gestrichen zu sein. Nicht auf der Simax Website zu finden.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (14.05.2006, 13:56):
Original von Zelenka
jpc bietet die CD noch an (18.99), aber sie scheint bei Simax gestrichen zu sein. Nicht auf der Simax Website zu finden.

Gruß,

Zelenka

Wundert mich sehr, hatte die Aufnahme noch vor kurzem im 2006 Katalog gesehen und sie ist doch "frisch" auf dem markt ?(
Cosima (14.05.2006, 14:14):
Original von Zelenka
In Sachen Klavierfassung ist wohl eher Cosimas heißem Tip zu folgen. Auch wenn für mich die Fährte erst einmal kalt geworden ist: Bei amazon.de habe ich die von ihr erwähnte CD nicht finden können.


Aber Achtung: Ich kenne nur diese eine Fassung. Außerdem ist sie vielleicht nicht jedermanns Sache, weil das Orchester (Swedish Chamber Orchestra Örebro) mit 38 Mann eher klein besetzt ist, was dem Ganzen einen intimeren, fast kammermusikalischen Charakter gibt. Dem angepasst klingt das Klavier etwas "dünner" als gewohnt, Berezovsky spielt m.E. jedoch sehr erfrischend und innig. M.E. eine sehr schöne Aufnahme, die aber bereits aus 2001 ist, also nicht mehr frisch auf dem Markt. Einmal eine andere Sicht auf Beethoven, die mir sehr gut gefällt. Unserem "Freund" Hurwitz übrigens auch. :D

Gruß, Cosima
Zelenka (14.05.2006, 14:18):
Original von Rachmaninov
Original von Zelenka
jpc bietet die CD noch an (18.99), aber sie scheint bei Simax gestrichen zu sein. Nicht auf der Simax Website zu finden.

Gruß,

Zelenka

Wundert mich sehr, hatte die Aufnahme noch vor kurzem im 2006 Katalog gesehen und sie ist doch "frisch" auf dem markt ?(


http://images-eu.amazon.com/images/P/B000BM3MMU.01.LZZZZZZZ.jpg


Und amazon.co.uk behauptet, die Aufnahme käme morgen (15.5.) raus ... Ich glaube, das alles übersteigt meine Verstandeskräfte.

Gruß,

Zelenka
Carola (14.05.2006, 15:08):
Ich sehe schon, das ist wieder eher ein Fall für´s Probehören bei Saturn. Jedenfalls vielen Dank erstmal für die vielen Tips.

sagt Carola
Rachmaninov (14.05.2006, 16:09):
Original von Zelenka

Und amazon.co.uk behauptet, die Aufnahme käme morgen (15.5.) raus ... Ich glaube, das alles übersteigt meine Verstandeskräfte.



Nö, absolut üblich das zwischen den VO's hier und in UK Wochen, gar Monate liegen können!
AcomA (15.05.2006, 13:31):
hallo,

von den obengenannten aufnahmen zu diesem edlen konzert bevorzuge ich derzeit die wiederaufgelegte einspielung mit w. schneiderhan, den berl. Ph. und e. jochum. ich bin damals jedoch durch folgende aufnahme geprägt worden, und heute noch finde ich nicht entsprechendes. der geigenton ist extrem betörend. wahrer geigenolymp:

pinchas zukerman/ chicago symphony orch./ d. barenboim

dgg, aufn. 1975

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8402514.jpg

und dann kenne ich noch die LP meiner eltern, die ich auch sehr gut finde:

christian ferras/ berliner philh./ H. v.Karajan

dgg, aufn. 60er jahre

IMO kommt es bei diesem konzert auf eine blitzsaubere intonation und die verwendung von eher zügigen tempi an.

die klavierfassung, ich sehe das ähnlich wie Cosima, hat ihre besondere reize. hier noch eine sehr empfehlenswerte aufnahme des op. 61a gekoppelt mit dem 2. klavierkonzert:

francois-rene duchable, piano

sinfonia warsovia unter yehudi menuhin

emi, DDD, aufn. 90er jahre


der klavierpart ist sehr luzide. pianistischer gipfelpunkt natürlich in den kadenzen. das reizvolle daran ist die tatsache, dass yehudi menuhin dirigiert, der ein leben lang als solist dieses konzert dargestellt hatte. ich finde diese interpretation 'adäquater' phrasiert als bei berezovsky, dessen frisches spiel ich jedoch auch sehr schätze. die aufnahmequalität des berezovsky ist überragend.


gruß, siamak :engel
Ganong (15.05.2006, 18:34):
Lieber Siamak ,

von den zahlreichen Aufnahmen mit Nathan Milstein gefallen mir die mit Wiloiam Steinberg ( EMI ) und Sir Adrian Boult ( BBC Legends ) am besten .

Die Christian - Ferras - Aufnahme mit von HvK zähle ich zu den
"TOP TEN Aufnahmen der DGG " aller Zeiten !

Von den im besten Sinne klassischen Interpretationen sind meine Favoriten die Aufnahmen mit Zino Francescatti , einem grossen Geiger , und die mit Perlman / Giulini .

Die Aufnahme mit dem Pianisten Duachable , den ich sehr schätze , ist schon spektakulär .

Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (15.05.2006, 19:02):
vor wenigen Stunden hörte ich, erstmals, die DG Aufnahme mit Schneiderhan/Jochum.



Mein erster Eindruck: Schneiderhan's Geigenton gefällt mir auf dieser Aufnahme gar nicht! Viel zu "scharf" und "überspitzt" und dadurch insb. bei den hohen Tönen viel zu grell.

Mal gespannt wie mein zweiter Eindruck sein wird.

Wahrscheinlich habe ich mich gerade unbeliebt gemacht :ignore ?(
Zelenka (15.05.2006, 19:06):
Original von Rachmaninov

vor wenigen Stunden hörte ich, erstmals, die DG Aufnahme mit
Mein erster Eindruck: Schneiderhan's Geigenton gefällt mir auf dieser Aufnahme gar nicht! Viel zu "scharf" und "überspitzt" und dadurch insb. bei den hohen Tönen viel zu grell.

Mal gespannt wie mein zweiter Eindruck sein wird.

Wahrscheinlich habe ich mich gerade unbeliebt gemacht :ignore ?(

Hast Du! Schäm Dich!

:D,

Zelenka
Rachmaninov (15.05.2006, 19:08):
Original von Zelenka

Hast Du! Schäm Dich!

:D,

Zelenka

Nö!

Aber ich sprach vom ersten Eindruck :D
Cosima (15.05.2006, 19:14):
Original von Ganong
Die Aufnahme mit dem Pianisten Duachable , den ich sehr schätze , ist schon spektakulär .


Und die gute Nachricht ist: Sie wäre sogar noch erhältlich! Ich werde mal kurz in mich gehen...

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000026D5P.03.LZZZZZZZ.jpg

Gruß, Cosima
AcomA (15.05.2006, 22:50):
lieber Frank,

ich freue mich, dass hier jemand den großartigen musiker und violinisten christian ferras hier noch kennt !

http://www.thirteen.org/publicarts/violin/images/ferras_01.jpg

ich kenne noch seine aufnahmen des konzertes von brahms und tschaikowsky mit den berliner philh. unter HvK, ebenfalls sehr beseelte interpretationen. leider ging er an der alkoholkrankheit zugrunde und verstarb 1982 als 'vergessener' künstler. das beethoven-konzert mit ihm und den o.g. partnern ist wirklich sensationell !

ich wollte nochmals auf die kadenzen des beethovenschen violinkonzertes zu sprechen kommen. welche kennt ihr und welche zieht ihr vor ?

gruß, siamak :)
Ganong (16.05.2006, 12:49):
Lieber Siamak ,

zunächst : ich habe die Funddstelle aus dem "Deutschen Ärzteblatt" für Dich wegen des angeblich bei Mozart vorliegenden "Chronisch subduralen Hämatoms" als Todesursache nicht vergessen . Du warst seinerzeit ja in I./P. .

ich kann nicht beurteuilen , ob es "so etwas" gibt .

Zufällig ist hier in D. vorigen Februar ( 2005 ) ein damals 61jähriger Mann mit allen Risikofaktoren ausgestattet "plötzlich" verstorben , bei dem der V. a. ein chron. subdutales Hämaton n i c h t auszuschliessen war . Er ist obduziert worden aus forensischen Gründen . Die Angehörigen meinten , dass er an einem "herzinfarkt " verstorben sei . Faktum est , dass er lange Zeit immer wieder gestürzt ist und auch kurz vor seinem Exitus noch erneut auf den Kopf gefallen war . Herr G. war gar nicht mehr in der Lage richtig zu gehen und sein motorisches Sptachzentrum war auch stark gestört . Seine Feinmotorik völlig aufgehoben ( zwei Jahre zuvor konnte er noch filigranste handwerkliche Leistungen ausüben ) .

Leider gibt es keine Möglichkeit , das Obduktionsprotokoll ( Uni Düsseldorf ) einzusehen oder anzufordern .

Zu den Kadenzen : ich meine , dass man in aller regekl die kadenzen des Komponisten nehmen sollte als Interpret . Manche Solisten nehmen bei Beethoven die Kadenz von Kreisler , andere haben ihre eigenen . Ich kenne bei Geigern keine Litertaurstelle , warum der eine sich so , der andere sich anders entscheidet .

Christian Ferras hat das Sibelius - Konzert noch aufgenommen und eine sehr , sehr romantische Sicht der 3 Violinsonaten von Brahms aufgenommen . Leider sind in Deutschland die meisten seiner Aufnahmen gestrichen worden . Skandalös , wenn wir lesen , was alles von wem aufgenommen wird ! Wer , bite , ist eine Janine Jansen ???

Ähnliche wie für ferras gilt für Michael Rabin und Mischa Elman ! ! D a s war grösstes Virtuosentum und mindestens in demselben Masse grosse Interpretationskunst .

W o sind heute diese Künstler ???

Beste Grüsse , Frank

PS.: ich wollte es schon in 2005 schreiben . Es gab / gibt in Essen ( früher UFK ) einen Priv-Doz. M o a y e r , der ein glänzneder Operateur war , bei uns Studneten waegen seiness Verständnisses und und seiner Praxisnähe in der Gyn. äusserst beliebt gewesen ist . kennst du ihn noch ? F.
Zelenka (16.05.2006, 13:18):
In meiner Einführung hatte ich nur unvollständig auf die jeweils verwendteten Kadenzen hingewiesen. Hätte ich vielleicht konsequenter tun sollen. In einer besseren Welt würden vielleicht bei jeder Aufführung des Konzerts mehr oder weniger spontan vom Solisten Kadenzen improvisiert. Sicher zu riskant für die meisten, auch zu risikobehaftet später für die Zwecke der Plattenindustrie. Einigen Stunk hat es gegeben, als Gidon Kremer eine Weile lang von Schnittke komponierte Kadenzen gespielt hat. Sie sind wohl auch auf seiner ersten Aufnahme des Konzerts zu hören und wurden überwiegend stark angefeindet. Ein ernster Verstoß gegen die Hörerwartung des Publikums und allein schon ein Grund, auch die CD abzuwerten (die ich leider nicht kenne). Soweit ich gehört habe, sollen die Schnittke-Kadenzen durchaus recht kongenial an Beethoven anknüpfen. In Kremers späterer Aufnahme unter Harnoncourt wird, wie weiter oben gesagt, auf die Kadenzen der Klavierfassung zurückgegeriffen, die wohl wirklich von Beethoven stammen (im Falle der Umschreibung auf Klavier solo weiß man das ja nicht so genau). Hier stört mich das Klavier wirklich sehr (ich habe sonst nichts gegen Klaviere, aber bitte nicht im Violinkonzert). Und das alles dauert einfach zu lang. Schneiderhan (1961) hat es ohne Klavier, aber mit Pauken, am Ende vielleicht doch besser gemacht. Etwas dröge ist das Ganze leider schon. Kreisler oder Joachim dann? Wieder sicher auch Gewohnheitssache, aber ich würde Kreisler vorziehen.

Gruß,

Zelenka
AcomA (16.05.2006, 14:17):
lieber Frank,

es könnte tatsächlich sein, dass der 61-jährige an den folgen eines chronisch-subduralen haematoms verstorben ist. in der regel, gerade bei älteren (aber auch alkoholikern) führt ein eher leichter stoß des kopfes zur entwicklung eines CSDH. es kann dann über wochen zur extremen raumforderung werden. wenn erst mal lähmungserscheinungen auftauchen, dann kann innerhalb weniger tage sich eine 'einklemmung' entwickeln. im zusammenhang mit mozart halte ich das schon sehr abwegig. dann schon eher die ruptur aus einem 'mykotischen' hirnarterienaneurysma bei endokarditis (rheumatisches fieber).

lieber Jan Dismas,

ja, die kremer-interpretation mit den schnittke-kadenzen kenne ich. eine vorzügliche interpretation hinsichtlich tempo und eben diesen IMO gelungenen kadenzen. die spätere aufnahme mit harnoncourt finde ich aufnahmetechnisch schlecht. die beethovenschen klavierkadenzen werden dann ausgerechnet mit einem pianoforte gespielt. furchtbar !

meine lieblingskadenz ist/sind die kreislerschen. elegant, wiener charme und exzellentes aufgreifen des thematischen materials.

gruß, siamak :)
Zelenka (16.05.2006, 14:19):
Original von AcomA
lieber Frank,

es könnte tatsächlich sein, dass der 61-jährige an den folgen eines chronisch-subduralen haematoms verstorben ist. in der regel, gerade bei älteren (aber auch alkoholikern) führt ein eher leichter stoß des kopfes zur entwicklung eines CSDH. es kann dann über wochen zur extremen raumforderung werden. wenn erst mal lähmungserscheinungen auftauchen, dann kann innerhalb weniger tage sich eine 'einklemmung' entwickeln. im zusammenhang mit mozart halte ich das schon sehr abwegig. dann schon eher die ruptur aus einem 'mykotischen' hirnarterienaneurysma bei endokarditis (rheumatisches fieber).


gruß, siamak :)

Und das nach dem Mittagessen ...

X(,

Zelenka
AcomA (16.05.2006, 15:51):
hallo Jan Dismas,

so schlimm ist es eigentlich nicht, nämlich dann, wenn der arzt frühzeitig daran denkt und die diagnostik einleitet. denn die CSDH sind minimal-invasiv sehr gut behandelbar ! beim mykotischen aneurysma sieht das schon anders aus.

gruß, siamak :)
Zelenka (16.05.2006, 16:03):
Original von AcomA
hallo Jan Dismas,

so schlimm ist es eigentlich nicht, nämlich dann, wenn der arzt frühzeitig daran denkt und die diagnostik einleitet. denn die CSDH sind minimal-invasiv sehr gut behandelbar ! beim mykotischen aneurysma sieht das schon anders aus.

gruß, siamak :)

Lieber Siamak:

Danke für Deine beruhigenden Worte!

Gruß,

Zelenka
fohlenfanatiker (16.05.2006, 17:13):
Vielleicht sollte man eine Plauderecke für ärztliche Kollegen einrichten :haha

Bezüglich des Konzertes muss ich sagen, dass ich noch nicht die Aufnahme gefunden habe, die ich wirklich als "meine Aufnahme" bezeichnen würde.
Ich besitze es zweimal von Frau Mutter (mit Karajan und recht neu mit Mazur) Habe letztgenannte Aufnahme neulich gehört und kann ihr nicht viel neues abgewinnen, ich finde sie etwas zu langsam und fast schon langweilig. Die Karajanversion find ich ehrlich gesagt schon besser.

-Harnoncout/Kremer wurde schon einiges drüber gesagt. Das Klavier irritierte mich beim ersten mal Hören schon irgendwie. Ist für mich nicht die Referenzaufnahme.

-Schneiderhahn/Jochum wurde hier viel gelobt. Ich habe sie nur einmal gehört und mich sprach sie nicht an. Das darauf folgende Mozartkonzert hingegen fand ich richtig gut, woraus ich schloss, dass Schneiderhahn wohl besser zu Mozart als zu Beethoven passt. Auch unter der Gefahr, mich wie Richard unbeliebt zu machen schließe ich mich seiner Meinung an. Ich find den Geigenton auch zu schrill, der macht mich richtig nervös.

Heifetz (Stereo) wie immer technisch perfekt, hab ich lange nicht gehört.

Wie sind denn die Tempi bei Ferras/Karajan? Ihr habt mich jetzt ganz neugierig gemacht. Ich find die Tempi bei Karajan/Mutter auch eher etwas langsam.
Gruß
Jack Bristow (16.05.2006, 18:19):
Original von fohlenfanatiker
-Schneiderhahn/Jochum wurde hier viel gelobt. Ich habe sie nur einmal gehört und mich sprach sie nicht an. Das darauf folgende Mozartkonzert hingegen fand ich richtig gut, woraus ich schloss, dass Schneiderhahn wohl besser zu Mozart als zu Beethoven passt. Auch unter der Gefahr, mich wie Richard unbeliebt zu machen schließe ich mich seiner Meinung an. Ich find den Geigenton auch zu schrill, der macht mich richtig nervös.


Ist der Ton bei Mozart weniger schrill, oder macht es dich da nur nicht nervös?
Ich habe unlängst eine ältere Mono-Aufn. des 4. Mozart-Konzertes mit Schneiderhan/Rosbaud gehört und hatte zunächst denselben Eindruck eines aggressiv, fast schneidenden Tons; abgesehen davon fand ich dei Interpretation ziemlich gut. Aber das läßt mich bei Schneiderhan nun auch zögern...


Heifetz (Stereo) wie immer technisch perfekt, hab ich lange nicht gehört.


Lohnt evtl. das Wiederhören; ich teile die Abneigung mancher gegen diese Aufnahme nicht.

viele Grüße

J. Bristow
fohlenfanatiker (16.05.2006, 20:43):
Ist der Ton bei Mozart weniger schrill, oder macht es dich da nur nicht nervös?
Nein, er ist genauso schrill. Das ist natürlich nicht Schneiderhahns Schuld. Aber deshalb höre ich auch eher selten die Mozartkonzerte mit ihm, obwohl sie mir musikalisch gut gefallen.
Ich habe vorhin nochmal das Beethovenkonzert mit Schneiderhahn gehört. Es ist nicht nur der schrille Ton. Ich finde er spielt es irgendwie "korrekt", sauber, Ton für Ton. Aber mir fehlt die Leichtigkeit. Anders kann ich es im Moment nicht erklären.
Das Dirigat von Jochum find ich wiederum ausgezeichnet.
Den Heifetz werde ich bald mal wieder hören. Eine Abneigung hab ich auch nie gehabt.
Gruß
AcomA (16.05.2006, 23:10):
hallo fohlenfanatiker,

die tempi bei ferras/karajan sind vergleichbar mit zukerman/barenboim. also geringfügig langsamer als bei heifetz, aber schneller als bei mutter oder stern.

eine weitere perle bei der interpretation dieses konzertes ist ein live-mitschnitt yehudi menuhins aus moskau ende der 40er jahre. sein verständnis für die 'natürliche phrasierung dieses konzertes ist frappierend. einer der größten musiker, fürwahr ! :down aber dafür grottenschlechte aufnahmequalität. diese interpretation ist umso erstaunlicher, als man ihr das körperliche leid nicht anhört, unter welchem menuhin nach seinen 'kriegseinsätzen' laborierte.

gruß, siamak :)
ab (17.05.2006, 22:11):
Hallo Zelenka,
schöner Beitrag! Ich liebe dieses Violinkonzert!

Gleich vorweg: meine Lieblingsaufnahme ist die von Dir als letztes angeführte mit Thomas Zehetmair. Das mag erstaunen, weil Koopman ja gewöhnlich sehr stehend interpretiert und Zehetmair bekannt ist, drängend jeder musikalische Nuance, sozusagen, hinterher zu hetzen. Dennoch, diese beiden finden hier wundersam und wunderbar zusammen. Der historische Klang des Orchesters ist gepaart mit der „modernen“ Stradivari Zehetmairs, Mullova/Gardiner was ich ja mehr schätze als etwa nur historisches Material wie bei Beths mit der Tafelmusik und Weil (Sony)]. Die Tempi sind zügig, aber das rückt diese Aufnahme ja in die Näher zur Zeit Hubermanns, mit dessen Aufnahme sie übrigens durchaus (wie ich einmal in einem Geschäft kurz auf den ersten Eindruck hören konnte, als die Restauration historischer Klangdokumente noch brennteuer und so gut wie klanglich unerträglich war) zu vergleichen ist!!!

Deine Vermutung zu Grumiaux vs. Schneiderhan würde ich bestätigen. Grumiaux’ Konzertauffassung hätte ich eigentlich nicht romantisch, sondern klassisch erwartet. Klassisch sind dafür die Romanzen gehalten. Diese finde ich schöner, auch wenn meine Lieblingsaufnahme bei diesen belanglosen Nettigkeiten jene von Hanoncourt mit Kremer (Reihenfolge ist hier absichtlich!) ist (wo beide ja durchaus – wenn auch nicht so enthusiastisch wie bei den Mozart-Konzerten – zusammen musizieren, was ja nicht immer der Fall ist, wie zB die Brahms-Violinkonzert-Aufnahme belegt). Diese Kremer-Aufnahme halte ich übrigens für die gelungenste, verglichen mit jener ganz frühe aus den 70ern bei EMI (gabs die jemals auf CD?) und jener mit der grotesken Schnittke-Kadenz bei Philips aus seiner groben Rupfer-Zeit aus den 80ern. Dennoch fehlt mir letztlich auch bei Kremer/Harnoncour der überspannende Zusammenhalt.

Schneiderhan betreffend, schätze ich die letzte Aufnahme mit Jochum am meisten. Die mit Kempen kommt mir so steril vor, und zwar sowohl als Schallplatte als auch nach dem neuen, leider aufgefetteten Remastering in der schönen Box. Furtwängler und er finden jedenfalls nicht im Geringsten auch nur irgendwie zusammen.

Um auf Franks Hinweise einzugehen: Milstein mit Steinberg finde ich sehr geglückt. Ferras kenne ich leider (immer) noch nicht, muss ich gestehen, leider... Francescatti empfinde ich – anders offensichtlich als Cosima und auch Frank – eher etwas als oberflächlich und – nebenbei – gar nicht als klassisch, sondern eher als virtuos.
Als den geradezu paradigmatisch klassischen Zugang schlechthin halte ich eher Menuhin, sofern man bereit ist, die technischen Mängel hinzunehmen. (Ist es eigentlich Zufall, dass er gewöhnlich mit "Der Humanist" statt "Der Geiger" apostrophiert wird?)

Bei Perlman fehlt es mir im langsamen Satz an Ausdruckstiefe – wie bei allem, was ich von ihm kenne. Außerdem widerspricht leider diese spätromantische Interpretation mit dem Dorthy-Delay-Einheits-Vibrato-Ton meinem musikalischen Empfinden. Was er jedoch bietet, ist der überspannende Zusammenhalt, den ich sonst so oft – auch bei Mullova, deren gläserne Kühle mir wenig behagt – vermisse. Guilini ist tadellos...

Zuckermann mit Barenboim waren zu dieser Zeit als Duo-Gespann eindeutig besser als in Konzerten – und Zuckermann hatt(e) einen selten wunderschönen Geigenklang! Auf eine Mischa Elman-Aufnahme warte ich noch sehnsüchtig: das war ein Klang! Wunderbar! Kein Wunder, dass seine Platten Bestseller waren, und das bei den damals enormen Preisen!

Für unbedingt erwähnenswert halte ich die Aufnahme mit Shlomo Mintz (DG), bei der einige Puristen die Nase rümpfen werden. Mintz – obwohl ganz und gar nicht mein subjektiver Geschmack – war wohl nicht nur technisch, sondern vor allem musikalisch einer der begabtesten Geiger in den 80ern (schade dass er diese Inspiration so völlig verloren zu haben scheint!). So durchgehend beseelt und intensiv ist dieses Werk wohl selten von einem Solisten gespielt worden! Zwei Wermutstropfen: Der dumpfe Klang und das desaströse Dirigat Sinopolis! Mintz ist überhaupt jener Geiger gewesen, bei dem meine Wertschätzung und mein persönlicher Geschmack am aller weitesten auseinander klaffen.

Aus einer der jüngsten Einspielungen derzeit, nämlich der von Vengerov & Rostropowitsch, bin ich leider nicht schlau geworden. Diese langsamen, spannungslosen Tempi, aber ohne dafür eine Räumlichkeit aufzuspannen oder dem Schönklang als solchem zu frönen, verstehe ich einfach nicht. Ich glaube, mir ist der „Witz“ dieser Aufnahme trotz vielfachen Versuchs einfach verborgen geblieben, ich weiß nicht, worum es den beiden da geht. Die Romanzen finde ich jenseits der Grenze zu Kitsch, wie inzwischen Vengerov immer öfters. Womöglich liegt das aber an mir...

Nigel Kenedy scheint mir noch sehr erwähnenswert, weil er der erste war, der das heutige Pop-Feeling herein brachte, sprich am Puls der Zeit rotzfrech spielte, ohne je peinlich zu wirken. Leider steht das Dirigat zurück...

Henryk Szeryng und Josef Wolfsthal sowie Josef Suk oder Michael Rabin habe ich nie angehört, genausowenig Julian Sitkovetsky (den Vater von Dmitri (matter Beethoven mit mattem Marriner) mit der so wunderbare ausgeglichenen Stradivari) muss ich nun doch einmal nachholen...

Von Leonid Kogan, (sollte da nicht demnächst sogar eine BrilliantClassics-Box erscheinen?) kenne ich eine russisch-bedrückend-ernste Aufnahme, die es einmal bei EMI USA gab.

Enttäuschend fand ich leider die von Stern / Bernstein, aber das mag dem hohen Alter des Geigers geschuldet sein.

Wer nicht glaubt, dass man dieses Violinkonzert auch im frühromantischen Sinne interpretieren kann, dem sei die abwechslungsreiche, ungestüme Version von Adolf Busch, vom Bruder in N.Y. begleitet, anempfohlen. So etwas sollte man auch einmal gehört haben! – Insbesondere wenn man immer von einer „deutschen Tradition“ spricht und damit akademische Trockenheit im Sinn hat...

Mir fällt auf, dass da Franzosen fehlen. Wieso?

Mehr fällt mir gerade nicht ein (und die deutsche Riege von Zimmermann über Hoelscher bis Tetzlaff scheint mir in einer „Liga“ wie Ughi oder Accardo aber auch Znaider oder Bell zu sein).
ab (17.05.2006, 23:17):
Wo bleiben eigentlich die Frauen bei diesem Konzert?

Das großartigste Konzerterlebnis mit Beethovens Violinkonzert hatte ich mit ASMutter, begleitet – hurra!!! – von ihrem Ehemann und nicht von diesem unsäglichen Masur! Ein Jammer, dass sie das Konzert nicht mit Previn und seinem Orchester aufgenommen hat! Manieriert im allerbesten Sinne zaubert sie einen abwechslungsreichen Klangfarbenreichtum mit schneidend sauberer Intonation und unbändigem Gestaltungswillen. Großartig! Leider nicht die Aufnahme...

Wer kennt die Aufnahme von Ginette Neveu (die ein ganz besonders wunderbares Sibelius-Konzert hinterlassen hat!)? Wie ist die?

Wer kennt die Aufnahme von delikaten Lola Bobesco mit Doneux ?

Wie gefällt euch die jugendliche Unbekümmertheit Hilary Hahns?

Wer kennt die Wienerin Karin Adam mit dem Polish National SO und Wit ?

Wer kann mir etwas zu Katrin Scholz, Kammerorchester Berlin, Michael Sanderling sagen ?

Wer hat schon einmal etwas von Camilla Wicks oder Gioconda de Vito gehört?

Wer hörte bereits Ida Haendel, Philharmonia Orchestra, Kubelik?

Wie spielt es Kyung-Wha Chung?
Cosima (18.05.2006, 17:20):
Hallo,

inzwischen habe ich die Duchable/Menuhin-Aufnahme des op. 61 a gehört. Sie ist sehr gut, dennoch würde ihr nicht eindeutig den Vorzug vor Berezovsky/Dausgaard geben. Ich bin zwiegespalten, da - aufgrund der unterschiedlichen Ansätze – die eine Interpretation nicht als eine Steigerung der anderen betrachtet werden kann. Dausgaard lässt zügiger und frischer spielen, nicht nur wegen der kleineren Besetzung auch transparenter. Berezovskys Klavierspiel ist frech und voller Spielfreude, wiederum spielt Duchable wirklich betörend. Über Menuhins Dirigat bin ich mir noch nicht im Klaren, stellenweise klingt das Orchester etwas schwerfällig. Ich liebe beide Aufnahmen.

Gruß, Cosima
ab (18.05.2006, 22:01):
hallo Siamak,

wer dirigierte den da bei diesem Menuhin-Abend? Wieviele Aufnahmen hat eigentlich Menuhin hinterlassen? Welche sind davon empfehlenswert?
Ganong (19.05.2006, 17:08):
Lieber ab ,

die Aufnahmen von G. Neveu und von I. Haendel gehören sicherlich zu den wichtigen Aufnahmen des Konzerte s.

Bei "Testament" , soviel Werbung darf sein , gab es vor Jahren fast alle Aufnahmen von I. H. !

Grüsse , Frank

PS.: Hilary Hahn ist eine gropssartige Geigerin ! Sie ist , auf eine andere Art , eine Spitzengeigerin wie ASM . Hilary hahn ist vor allem sehr viel mehr als ein Technikwunder ; sie hat Persönlichkeit , Intellekt , Gefühl , Emotionen und ist doch so unglaublich "offen" in ihren eigenne Anmerkungen , die sie selber verfasst ! Vgl.: Hahns Hompage . F.
ab (19.05.2006, 17:26):
Lieber Frank,

ich kann leider Deine Begeisterung für Hilary Hahn nicht so teilen, wobei ich sie nie im Konzert erleben konnte. Aber die Konzertmitschnitte, die wiederholt im Radio gespielt wurden, konnten mich nicht wirklich begeistern, am ehesten noch der des Beethovenkonzerts aus Wien.

Selbst ihre Mozartsonaten, von Dir so gepriesen, hinterlassen bei mir einen etwas schalen Geschmack, trotz ihrer wirklich beeindruckend naiven-jugendlichen Unbekümmertheit.

Jedenfalls stimme ich Dir zu, dass sie nicht bloß "ein Technikwunder" ist, sondern dass sie Persönlichkeit und Intellekt hat und so unglaublich "offen" in ihren eigenen Anmerkungen ist, die sie selber verfasst !"

Ich bin schon sehr gespannt auf ihre musikalische Entwicklung, technisch muss da ja nichst mehr sein. Was ich an ihr wirklich schätze, ist, dass sie einen ganz eigenen Ton hat, was aus den USA ja nicht üblich ist.
Zelenka (23.05.2006, 15:54):
Ich hatte gestern Gelegenheit, nach Intervention von freundlicher Seite :D, zum ersten Mal in meinem Leben die Klavierfassung des op. 61 zu hören (ich habe die Version dann gleich dreimal hintereinander gehört):

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000BM3MMU.01.LZZZZZZZ.jpg

Ich kann nur schwärmen! Erst einmal ist das recht kleine schwedische Kammerorchester (weniger als 40 Mitglieder) für mich eine Entdeckung: ein warmes, expressives Spiel, mit dem das Tonhallen-Orchester in der oben erwähnten Tetzlaff-Aufnahme überhaupt nicht mithalten kann. Auf mich macht die Zürcher Aufnahme im Vergleich eher den Eindruck einer akademischen Pflichtübung. Das schwedische Spiel geht natürlich auch auf das Konto des Dirigenten. Ich vermisse hier nichts, was mir bei Jochum in der Schneiderhan-Aufnahme gefällt. Und Berezovsky erweckt den Eindruck, tatsächlich von der Klavierfassung überzeugt zu sein. Ein ungeheuer flexibles Spiel, zusätzlich scheint er über die Jahre an expressiver Wärme gewonnen zu haben. Habe ich irgendetwas zu meckern? Vielleicht könnten die Pauken etwas saftiger sein ... Nein, die CD ist wirklich ein Ereignis!

Gruß,

Zelenka
AcomA (23.05.2006, 16:22):
hallo Jan Dismas,

ja sie ist ein ereignis. dennoch sollte und kann man dies nicht mit der originalen sprich violinfassung vergleichen. alleine schon violine und klavier als solo-instrumente fallen klanglich und von der phrasierung höchst unterschiedlich aus. ich behaupte mal, die interpretation der schweden mit dem violin-solo-part, klanglich unangenehm !

gruß, siamak :)
Zelenka (23.05.2006, 16:40):
Original von AcomA
hallo Jan Dismas,

ja sie ist ein ereignis. dennoch sollte und kann man dies nicht mit der originalen sprich violinfassung vergleichen. alleine schon violine und klavier als solo-instrumente fallen klanglich und von der phrasierung höchst unterschiedlich aus. ich behaupte mal, die interpretation der schweden mit dem violin-solo-part, klanglich unangenehm !

gruß, siamak :)

Lieber Siamak:

Du hast natürlich recht, man muß Äpfel und Birnen getrennt halten. Es ging mir nur ganz pauschal um das warme Spiel des erstaunlichen kleinen Orchesters. In der Geigenfassung müßte im einzelnen sicher vieles anders aussehen.

Gruß,

J.D.Z.
Zelenka (23.05.2006, 17:05):
Und wenn jemand die Klarinettenfassung (nicht von Meister Beethoven eingerichtet) im Plattenschrank haben sollte, wäre ein Kommentar erwünscht:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004SDNZ.03.LZZZZZZZ.gif

Gruß,

Zelenka
Cosima (23.05.2006, 21:01):
Original von Zelenka
Ich kann nur schwärmen!

Lieber Zelenka,

ich freue mich, dass mein Tipp so gut bei Dir ankommt! Das 4. Beethoven-Konzert ist aber auch schön, nicht wahr?

Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (23.05.2006, 22:08):
Hallo,

die Aufnahme von Milstein Pittsburgh Symphony Orchestra unter W. Steinberg gehört ganz ohne Zweifel zu den TOP Aufnahmen des Konzerts und wurde absolut zurecht bereits mehrfach hier im Thread genannt!

Milsteins Geigenton passt hervorragend zum Charakter des Konzerts und sein packender dynamischer Geigenton läßt das Konzert in einem wunderbar karftvollen Ton erklingen.



Gehört IMO in jede Sammlung :down
Zelenka (24.05.2006, 12:38):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Ich kann nur schwärmen!

Lieber Zelenka,

ich freue mich, dass mein Tipp so gut bei Dir ankommt! Das 4. Beethoven-Konzert ist aber auch schön, nicht wahr?

Gruß, Cosima :)

Doch, das 4. ist genauso schön gespielt!!! Beim "6." kam eben die Entdeckerfreude noch hinzu.

Gruß,

Zelenka :)
Zelenka (06.06.2006, 14:32):
Seit der Eröffnung dieses Fadens hat sich die Zahl meiner Aufnahmen des Konzerts von 10 auf 13 erhöht. Hinzugekommen sind:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS43RQ.08.LZZZZZZZ.jpg

Kogan, O de la Société des Concerts du Conservatoire, Vandernoot (1957) EMI Les Introuvables 094635192223

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000041AE.03.LZZZZZZZ.jpg

Krebbers, Concertgebouw O, Haitink (1974) Philips Duo 4425802

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000419A.03.LZZZZZZZ.gif

Grumiaux, Concertgebouw O, C. Davis (1974) Philips Duo 4422872


Kogan ist bei aller Bewunderung für sein perfektes Spiel und seinen schönen Ton ein wenig zu ernst und unflexibel. Ich würde eigentlich normalerweise ungern vom Gesichtsausdruck auf den Charakter schließen (im Kogan-Faden ist es schon getan worden), aber in diesem Falle ist etwas dran. (Als KGB-Bösewicht wäre Kogan in einem Bond-Film nicht fehlbesetzt gewesen.)

Eine andere Aufnahme mit Kogan unter Sinvestri scheint derzeit unerreichbar. Sie wurde zuletzt wohl als Teil dieser Ausgabe gesehen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000002SC6.01.LZZZZZZZ.jpg

Krebbers/Haitink: Insgesamt überzeugendes Spiel des vormaligen Konzertmeisters des Concertgebouw-Orchesters, gute Unterstützung durch Haitink. Das letzte und entscheidende Gran solistischer Initiative und Spontaneität fehlt bei Krebbers leider.

Grumiaux/C.Davis: Das Wiederhören hat Freude gemacht, was den Solisten angeht, weniger allerdings was den Dirigenten. Mir scheint die Begleitung zu humorlos, unflexibel und stellenweise schlicht zu monumental. Eine andere Einspielung des Konzerts durch Grumiaux unter Galliera (ebenfalls Philips) kenne ich leider nicht.

Gruß,

Zelenka
Jeremias (06.06.2006, 20:25):
Heute via Ebay gekommen:

http://images.amazon.com/images/P/B00000E2NO.03._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

Einerseits ist die Kadenz von Schnittke natürlich mal was anderes, andererseits frage ich mich: Muss das denn sein? Beethoven nahezu verunstaltet, irgendwelche Fetzen aus dem Brahms-Konzert.... nein danke, die Herren Kremer und Schnittke!
AcomA (06.06.2006, 21:21):
lieber Jeremias,

sei doch nicht so nörglerisch. dies ist IMO eine top-interpretation. die schnittke-kadenz ist mal etwas anderes. nicht immer diese kreisler oder gar joachim-kadenzen.

gruß, siamak :)
Jeremias (06.06.2006, 23:27):
Es ist ja auch eine sehr gute Aufnahme, das bestreite ich auch nicht. Aber ich finde einfach, dass die Kadenz nicht zu dem Werk passt. Bei Kremer's Brahms-Aufnahme unter Bernstein sehe ich das zum Beispiel anders, da finde ich den Einschub von Reger höchst interessant und passend, aber hier nunmal nicht....
ab (07.06.2006, 00:06):
Original von Jeremias
Es ist ja auch eine sehr gute Aufnahme, das bestreite ich auch nicht. Aber ich finde einfach, dass die Kadenz nicht zu dem Werk passt. .

So sehr ich Schnittke schätze - und mir die Kadenz für sich auch gefällt -, ich finde ebenfalls, dass diese Kadenz die Einheit des Konzerts zerstört und völlig herausfällt. (Ich finde übrigens nicht, dass es sich um eine sehr gute Aufnahme handelt, weder von Kremer, noch von Beethovens Konzert - gut ist sie aber schon.)
ab (16.08.2006, 01:01):
Original von Ganong

Von den im besten Sinne klassischen Interpretationen sind meine Favoriten die Aufnahmen mit Zino Francescatti , einem grossen Geiger
Lieber Frank,

Meinst Du dabei die Aufnahme mit Bruno Walter (Sony) oder aber jene mit dem Philadelphia Orchestra
und Eugene Ormandy vom 5 November 1950 (Biddulph)?

Vielen Dank!
ab (01.09.2006, 15:42):
Original von Rachmaninov
Mein erster Eindruck: Schneiderhan's Geigenton gefällt mir auf dieser Aufnahme gar nicht! Viel zu "scharf" und "überspitzt" und dadurch insb. bei den hohen Tönen viel zu grell.

Wohl auch eine jittrig klingend Scheibe erwischt? Mir geht es genauso: Ich kenne die Aufnahme aus Kinderzeiten von Schallplatte sowie von der ersten CD-Ausgabe gemeinsam mit Oistrachs Romanzen. Dann kaufte ich sie mir selbst in der Originals-Aufnahme (in der Hoffnung auf Klangsteigerung), die ich mir kaum anhöre, wegen ebendieser Charakterisierung, die aber definitiv nicht am Ton Schneiderhans liegt!
Ganong (01.09.2006, 19:12):
Lieber ab ,

Ida Haendel gehört sicherlich zu den interessantesten Geigern / Geigerinnen überhaupt .

Miss Hahn ist in ihrer "jugendlichen Unbekümmertheit" ( reicht dies ? ) so geigerisch - technisch wie intellektuell analytisch so hervorzuheben , dass eigentlich ein Liebhaber dieses Konzertes wie der Kunst von JMiss Hahn die Aufnahme besitzen sollte . Hilary hahns "Homepage" ist richtig erfrischend , spannend und hochinformativ . Endlich eine Künstlerin , die nicht zu zwei Berliner Fotografen reist / reisen jmuss , sich halbnackt oder in garedezu lächerlichem "outfit" präsentieren muss , um aufzufallen . ( Die Fotografen mit ihrem "Polaroid" - Tick sind auf jeden Fall überwältigende Narzissten ! ) .

Kein weiter Kommentar zu Nagano , dem "mit geschlossenen Augen wachen (K)lang lang ", einem der Kunden der beiden fotografen .

Grüssse ,

Frank

PS.: Wenn ich solchen PR - Unsinn ( unter grösster Mitbeteiligung der DGG ! ) morgend um 6 Uhr hören muss WDR , 3. Hörfunkprogramm ; Indendant : Frit Pleit(g)e(n) , *** ) , dann weiss ich reflexartig wie es um das "InnenSTERBEN" des WDR seit zig Jahren bestellt ist ! F.
Amadé (14.10.2006, 20:45):
Hallo Rachmaninov,

ich finde auch, dass die Kadenz verstört und irgendwie nicht passt. Interessant ist sie schon, da Schnittke hier in musikgeschichtliches Fenster zu Brahms' Violinkonzert öffnet, konsequenterweise hätte er auch eine zu op.77 komponieren müssen, rückblickend zu op.61, das hätte gut zu Brahms gepasst.

Gruß Bernd
Cosima (28.08.2007, 22:35):
Mich begeistert die Aufnahme! Und ich liebe The Prague Philharmonia unter Jirí Belohlávek! Sie spielen herrlich homogen, klar und fein ausbalanciert. Ich würde sogar sagen, dass dies – berücksichtige ich nur die Orchesterleistung – meine liebste Aufnahme des Violinkonzertes ist. Selten habe ich ein Orchester gehört, das solch geschmeidigen Wohlklang erzeugt.

Isabelle Fausts Geigenspiel harmoniert sehr gut mit dem sinfonischen Gegenüber. Das ist alles eine runde Sache, sehr natürlich und frisch musiziert. Sie spielt übrigens die Stradivari „Dornröschen“.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg

Gruß, Cosima
nikolaus (28.08.2007, 22:52):
Original von Cosima
... Das ist alles eine runde Sache, sehr natürlich und frisch musiziert. ...
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg

Gruß, Cosima

Hallo Cosima!

Den Eindruck hatte ich beim Probehören des ersten Satzes auch. Wenn du so davon schwärmst, werde ich sie mir wohl auch zulegen...

:thanks Nikolaus.
ab (14.09.2007, 14:23):
Original von Cosima
Mich begeistert die Aufnahme! Und ich liebe The Prague Philharmonia unter Jirí Belohlávek! Sie spielen herrlich homogen, klar und fein ausbalanciert. Ich würde sogar sagen, dass dies – berücksichtige ich nur die Orchesterleistung – meine liebste Aufnahme des Violinkonzertes ist. Selten habe ich ein Orchester gehört, das solch geschmeidigen Wohlklang erzeugt.

Isabelle Fausts Geigenspiel harmoniert sehr gut mit dem sinfonischen Gegenüber. Das ist alles eine runde Sache, sehr natürlich und frisch musiziert. Sie spielt übrigens die Stradivari „Dornröschen“.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg

Gruß, Cosima

Soeben hörte ich Satz zwei und drei im Radio vorgestellt und ich muss gestehen, dieser Beethoven hat mich gefesselt. Dies ist sicher die erfreulicheste Aufnahme dieses Konzerts seit Zehetmair, die mir untergekommen ist. Der langsame Satz ist zwar ganz im Trend der Zeit sehr langsam genommen. Aber Orchester und Solistin halten die Sapnnung. Das Finale wirkt nicht gerade sehr schnell, was ich durchaus schätze. Die Gestaltung ist sehr schön, der Klang eher auf der schlanken Seite. Die Auffassung nicht dramatisch-kräftig, sondern eher lyrisch, wie ich Beethovens Orchesterwerke besonders mag. Das Zusammenspiel geht weit über das übliche Begleiten hinaus. Der letzte Übergang zum Geigenanstieg beim Ende finde ich überragend gelöst!
Keine andere Aufnahme von Isabelle Faust hat mich bislang so überzeugt.

Mir kommt sie irgendwie vor, wie Schneiderhahn, nur zeitgemäß abgeschlackt. Neue Einsichte (sehe ich vom Ende ab) habe ich keine gewonnen. Aber was wirklich zählt, ist, dass sie Musik machen, und nicht nur Noten spielen!

Gratulation Frau Faust!
:thanks
Zelenka (14.09.2007, 14:44):
Original von ab
Original von Cosima

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg



Soeben hörte ich Satz zwei und drei im Radio vorgestellt und ich muss gestehen, dieser Beethoven hat mich gefesselt. Dies ist sicher die erfreulicheste Aufnahme dieses Konzerts seit Zehetmair, die mir untergekommen ist. Der langsame Satz ist zwar ganz im Trend der Zeit sehr langsam genommen. Aber Orchester und Solistin halten die Sapnnung. Das Finale wirkt nicht gerade sehr schnell, was ich durchaus schätze. Die Gestaltung ist sehr schön, der Klang eher auf der schlanken Seite. Die Auffassung nicht dramatisch-kräftig, sondern eher lyrisch, wie ich Beethovens Orchesterwerke besonders mag. Das Zusammenspiel geht weit über das übliche Begleiten hinaus. Der letzte Übergang zum Geigenanstieg beim Ende finde ich überragend gelöst!
Keine andere Aufnahme von Isabelle Faust hat mich bislang so überzeugt.

Mir kommt sie irgendwie vor, wie Schneiderhahn, nur zeitgemäß abgeschlackt. Neue Einsichte (sehe ich vom Ende ab) habe ich keine gewonnen. Aber was wirklich zählt, ist, dass sie Musik machen, und nicht nur Noten spielen!

Gratulation Frau Faust!
:thanks

Ich bin leider weiterhin in der unglücklichen Lage, nur Fausts Larghetto zur Verfügung zu haben, das mir in jeder Hinsicht, gerade auch was das Zusammenspiel von Solistin und Orchester angeht, bestens gefallen hat und gefällt. 8 Min 57 Sek. sind zwar relativ lang, aber nicht so lang wie die 9 Min. 51 Sek., die Huberman sich 1944 (Arbiter) genehmigte. Das hält nicht mehr zusammen.

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (25.09.2007, 05:37):
Original von ab
Original von Cosima
Mich begeistert die Aufnahme! Und ich liebe The Prague Philharmonia unter Jirí Belohlávek! Sie spielen herrlich homogen, klar und fein ausbalanciert. Ich würde sogar sagen, dass dies – berücksichtige ich nur die Orchesterleistung – meine liebste Aufnahme des Violinkonzertes ist. Selten habe ich ein Orchester gehört, das solch geschmeidigen Wohlklang erzeugt.

Isabelle Fausts Geigenspiel harmoniert sehr gut mit dem sinfonischen Gegenüber. Das ist alles eine runde Sache, sehr natürlich und frisch musiziert. Sie spielt übrigens die Stradivari „Dornröschen“.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg

Gruß, Cosima

Soeben hörte ich Satz zwei und drei im Radio vorgestellt und ich muss gestehen, dieser Beethoven hat mich gefesselt. Dies ist sicher die erfreulicheste Aufnahme dieses Konzerts seit Zehetmair, die mir untergekommen ist. Der langsame Satz ist zwar ganz im Trend der Zeit sehr langsam genommen. Aber Orchester und Solistin halten die Sapnnung. Das Finale wirkt nicht gerade sehr schnell, was ich durchaus schätze. Die Gestaltung ist sehr schön, der Klang eher auf der schlanken Seite. Die Auffassung nicht dramatisch-kräftig, sondern eher lyrisch, wie ich Beethovens Orchesterwerke besonders mag. Das Zusammenspiel geht weit über das übliche Begleiten hinaus. Der letzte Übergang zum Geigenanstieg beim Ende finde ich überragend gelöst!
Keine andere Aufnahme von Isabelle Faust hat mich bislang so überzeugt.

Mir kommt sie irgendwie vor, wie Schneiderhahn, nur zeitgemäß abgeschlackt. Neue Einsichte (sehe ich vom Ende ab) habe ich keine gewonnen. Aber was wirklich zählt, ist, dass sie Musik machen, und nicht nur Noten spielen!

Gratulation Frau Faust!
:thanks

@ab, @Cosima,

in euren Beiträgen entdecke ich Vieles, was mit bei Hören auch positiv aufgefallen ist.
Die Orchesterleistung, sowie das Zusammenspiel mit Frau Faust gefällt mir ebenfalls richtig gut. Während die Klangtechnick I. Faust gut eingefangen hat empfinde ich allerdings das das Orchester doch etwas "plakativ" wirkt insb. bei vollem Orchestralen-Einsatz. Das fehlt mir doch die räumliche Abbildung!

Insg. empfinde ich die Aufnahme als gut was die künstlerische Leistung angeht. Zu einer Spitzenaufnahme reicht es IMO dann aber doch nicht. Vir allem in Schlusssatz fehlte mir doch das leichte, das spielerische bei I. Faust und gerade dies ist in Schlusssatz wichtig. Hier darf es ruhig etwas "feuriger" sein. Da empfinde ich andere Aufnahmen und vor allem Solisten zwingende. Auch in Satz 1 und 2.

Interpretation: 8
Klang: 8

P.S.: Bin gespannt was Zelenka schreibt sofern er die Aufnahme ganz zu hören bekommt!
teleton (27.09.2007, 14:38):
Hallo Zelenka,

dein Einführungsbeitrag enthält ja schon eine Menge Aufnahmen die wirklich interessant sind und Dich als Beethoven-Violinlonzert-Kenner ausweisen.

Mein jahrelanger Favorit war die CBS-Aufnahme mit Bruno Walter und Zino Francescatti, Violine.
Die reichte mir, denn so oft höre ich das Werk nun auch nicht.

Durch Empfehlung habe ich mir auch die Tetzlaff/Zinmann-Aufnahme (ARTE) zugelegt und war begeistert.
Du sprichst im ersten Beitrag zwar von "schwächlichen Pauken" am Anfang, die durch die offenbar historischen Schlägel ausgelöst werden - das stimmt und das ist, wie so oft bei Beethoven und Zinmann, ungewohnt.
Doch kenne ich keine Aufnahme in der die Pauken im weiteren geschehen so prägnant zu hören sind. Auch Tetzlaffs Violinspiel fastziniert mich, sodaß ich diese Aufnahme als die Beeidruckenste bezeichnen würde und erhebe sie zu meiner Favoritenaufnahme.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS4JRK.03.LZZZZZZZ.jpg
ARTE


Im Rahmen der hervorragenden GA der Beethoven-Sinfonien mit Bernstein / New Yorker PH (SONY) ist in dieser CD-Box auch das Violinkonzert mit Stern / Bernstein enthalten.
Da habe ich bisher mal kurz reingehört - hörte sich "normal" an ohne das ich irgendwelche herausfallenden Hörerlebnisse schilden könnte; der Klang war allerdings nicht übermäßig gut.
Ich muß diese Aufnahme aber mal ganz hören und werde berichten.

Die CBS-Aufnahme Oistrach/Ormandy habe ich auch noch - lange nicht gehört.
Aber das ist auch eine der referenzwürdigsten Einspielungen, die nur wegen des Aufnahmedatums 60er, klanglich nicht so toll ist.
Rachmaninov (27.09.2007, 14:40):
@Wolfgang,

sehr schöner erster Beitrag!
Ein herzliches Willkommen :hello

Richard
Poztupimi (27.09.2007, 23:19):
Hallo Wolfgang,

auch von mir herzlich willkommen hier :hello

Original von teleton
Hallo Zelenka,



Durch Empfehlung habe ich mir auch die Tetzlaff/Zinmann-Aufnahme (ARTE) zugelegt und war begeistert.
Du sprichst im ersten Beitrag zwar von "schwächlichen Pauken" am Anfang, die durch die offenbar historischen Schlägel ausgelöst werden - das stimmt und das ist, wie so oft bei Beethoven und Zinmann, ungewohnt.
Doch kenne ich keine Aufnahme in der die Pauken im weiteren geschehen so prägnant zu hören sind. Auch Tetzlaffs Violinspiel fastziniert mich, sodaß ich diese Aufnahme als die Beeidruckenste bezeichnen würde und erhebe sie zu meiner Favoritenaufnahme.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS4JRK.03.LZZZZZZZ.jpg
ARTE



Diese Aufnahme schätze ich bisher auch durchaus, neben der von Mullova oder Zehetmair bspw.

Da ich inzwischen auch meine Aufnahme mit Isabelle Faust erhalten habe sowie als Rückgabe aus der Verwandschaft auch wieder die mit Menuhin unter Furtwängler von 1947 (Lucerne Festival Orchester), hoffe ich, daß ich es dieses Wochenende endlich mal schaffe, in die von Zelenka zitierten Aufnahmen aus dem Classica-Artikel (sowohl die Endauswahl als auch die Vorauswahl) zumindest reinzuhören. Und dann hoffentlich auch noch in der Lage bin, meinen Eindruck zu schildern.

Grüße,
Wolfgang

PS:
ich wollte eigentlich Links direkt auf zwei Beiträge einfügen, aber irgendwie lande ich immer nur am Top einer Seite des entsprechenden Threads, also belasse ich es dabei.
HenningKolf (28.09.2007, 00:30):
@ Wolfgang


schön dass Du den Weg in dieses Forum gefunden hast


Henning
Zelenka (29.09.2007, 10:01):
Original von teleton
Hallo Zelenka,

dein Einführungsbeitrag enthält ja schon eine Menge Aufnahmen die wirklich interessant sind und Dich als Beethoven-Violinlonzert-Kenner ausweisen.

Mein jahrelanger Favorit war die CBS-Aufnahme mit Bruno Walter und Zino Francescatti, Violine.
Die reichte mir, denn so oft höre ich das Werk nun auch nicht.

Durch Empfehlung habe ich mir auch die Tetzlaff/Zinmann-Aufnahme (ARTE) zugelegt und war begeistert.
Du sprichst im ersten Beitrag zwar von "schwächlichen Pauken" am Anfang, die durch die offenbar historischen Schlägel ausgelöst werden - das stimmt und das ist, wie so oft bei Beethoven und Zinmann, ungewohnt.
Doch kenne ich keine Aufnahme in der die Pauken im weiteren geschehen so prägnant zu hören sind. Auch Tetzlaffs Violinspiel fastziniert mich, sodaß ich diese Aufnahme als die Beeidruckenste bezeichnen würde und erhebe sie zu meiner Favoritenaufnahme.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS4JRK.03.LZZZZZZZ.jpg
ARTE


Im Rahmen der hervorragenden GA der Beethoven-Sinfonien mit Bernstein / New Yorker PH (SONY) ist in dieser CD-Box auch das Violinkonzert mit Stern / Bernstein enthalten.
Da habe ich bisher mal kurz reingehört - hörte sich "normal" an ohne das ich irgendwelche herausfallenden Hörerlebnisse schilden könnte; der Klang war allerdings nicht übermäßig gut.
Ich muß diese Aufnahme aber mal ganz hören und werde berichten.

Die CBS-Aufnahme Oistrach/Ormandy habe ich auch noch - lange nicht gehört.
Aber das ist auch eine der referenzwürdigsten Einspielungen, die nur wegen des Aufnahmedatums 60er, klanglich nicht so toll ist.

Lieber Wolfgang:

Leider etwas verspätet ein "Herzliches Willkommen" auch von mir! Der Name "Teleton" ist mir keinesfalls unbekannt.

Wenn wir die Pauken einmal beiseite lassen, habe ich Tetzlaffs Einspielung ja nicht weiter gerupft, aber ich bin bis heute nicht warm mit ihr geworden. Ich hoffe, hier in nächster Zeit zu mehreren Versionen noch Stellung zu nehmen, u.a. zu Zehetmair, Faust und Francescatti unter Walter. Ansonsten bringt dieser Herbst noch wenigstens zwei vielleicht sehr interessante Aufnahmen: Repin unter Muti und Schneiderhan unter Kertesz (1964, BBC Legends). Ich bin schon gespannt auf diese Versionen!

Gruß, Zelenka
ab (17.10.2007, 22:56):
Es gibt eine Neuaufnahme, nämlich das DG-Debut von Vadim Repin, den Wiener Philharmonikern und Riccardo Muti.

Die Zeiten sind wie folgt:
1. Allegro ma non troppo 25:28
2. Larghetto - 10:01
3. Rondo (Allegro) 10:20

Wer kann schon davon berichten?

http://cover.universal-music.de/classics/graphics/200/00028947765967.jpg
daniel5993 (18.10.2007, 07:57):
Guten Morgen!

Der Admin kann davon berichten. Hab in Erinnerung, dass er sich genau diese CD gekauft hat!

Gruß
Daniel
Zelenka (21.10.2007, 08:56):
Original von ab
Es gibt eine Neuaufnahme, nämlich das DG-Debut von Vadim Repin, den Wiener Philharmonikern und Riccardo Muti.

Die Zeiten sind wie folgt:
1. Allegro ma non troppo 25:28
2. Larghetto - 10:01
3. Rondo (Allegro) 10:20

Wer kann schon davon berichten?

http://cover.universal-music.de/classics/graphics/200/00028947765967.jpg

Ich habe nur einen kurzen Ausschnitt aus Repins Version während einer Besprechung in "CD Review" (BBC Radio 3, Sendung von gestern) gehört, in der auch Fausts Aufnahme gewürdigt wurde, die schon ein wenig länger auf dem Markt ist. Das Fazit war, daß Repin "weiblicher", romantischer, mit süßerem Ton spiele, Faust "männlicher", zupackender. (In der jeweils gekoppelten Kreutzer-Sonate seien dann Repin/Argerich die energischeren ...)

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (23.10.2007, 17:27):
Hallo,

nun meine Meinung zur neuen Repin mit dem Beethoven VK mit den Wiener Philharmonikern unter Ricardo Muti.

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/4049797.jpg

Noch bevor ich die aufnahme hört las ich in der FF das Interview mit Vadim Repin zu genau dieser Aufnahme.
Hoch interessant zu erfahren, daß er sich zu dem Konzert intensiv mit Y. Menuhin ausgetauscht hat und er sich jetzt erst überhaupt in der Lage fühlt sich diesem Konzert zu widmen.
Aus dem Interview geht hervor, daß er gerade die Wiener Philharmoniker mit Muti als idealen Partner vorgestellt hatte.

Nun, dies machte mich natürlich, neben der Tasache das ich Repin äußerst schätze, höchst neugierig auf die Aufnahme :W

Auch der Beginn des zweiten Satzes! Tiefes Atmen, ruhig fließende Kraft und dann ....... Repin's Einsatz ......... "brutal" schön :I

Direkt nach einigen Klängen wird einiges ziemlich offensichtlich.
Repin hat für dieses Konzert fast einen neuen Klang entwickelt. Als weiblich wie im Posting von Zelenka würde ich ihn nicht beschreiben, aber so eine gewisse "Süße" bringt er in sein Spiel. Wahre Meisterschaft, grandioses Geigenspiel, was für ein Klang, was für eine Deutung jeder Note, jedes Aspekts des Werk, zu tiefst intelektuell durchdacht. Da zeigt sich die Auseinandersetzung, auch mit Menuhin, und die Reife bis hin zur Auseinandersetzung mit dem Werk und der jetztigen Aufnahme. Da wo andere mit ihrer Deutung beginnen fängt sie bei Repin erst an. Und dabei spannt er einen wunderbaren Bogen. Große Kunst..... ein Erlebnis.

Letztlich schrieb "ab", daß ihm aufällt, daß das Konzert im Gegensatz zu den Sinfonien eher zurückhaltend dirigiert wird, und die Sinfonien eher packend. (soweit meine Erinnerung).
Und was macht Muti mit den Wienern?
Er läßt die Wiener brodeln, das ist packend, das ist Kraft. Aber es brodelt "nur", nicht "kocht über". Das wirkt fast konträr zu Repin's Spiel, aber passt irgendwie und ergibt ein grandioses Ganzes.
Man höre nur die Streicher im ersten Satz ........ da höre ich Facetten, die Muit ausarbeitet, die mir teilweise vorher kaum aufgefallen sind.
Eine recht erfreuliche "neue" Sichtweise.

Man muss einfach mal die Kadenz hören! Wer osnst außer Repin verfügt über derartige Fähigkeiten alles "technische" wie ein "Witz" erscheinen zu lassen und nur Musik zu entfalten :down

Eine, oder die Referenz vorher, war immer Heifetz. Aber auch er vermochte es nicht unbedingt mich zum großen Liebhaber dieses VK zu machen, aber Repin und Muti mit den Wienern bringt mich mehr und mehr dazu es zu lieben.

Grandios, unheimliche packelnd, kraft voll und der größte lebende Geiger demonstriert hier sein können. EIn Sitz im Olymp der Geiger bei Heifetz und Kogan ist sicher.

Der Klan ist okay, wirkt aber durchaus "düster"! Hier fehlen mir schön die Höhen irgendwie

:times10 :times10 :times10 :times10 :times10 :times10 :times10
ab (23.10.2007, 21:13):
Wow, was für ein Überschwang! Das habe ich in diesem Forum von Dir noch nicht erlebt.
:W
Rachmaninov (24.10.2007, 07:09):
Original von ab
Wow, was für ein Überschwang! Das habe ich in diesem Forum von Dir noch nicht erlebt.
:W

@ab,
naja, noch nicht, aber doch eher selten.
IMO ein klasse Aufnahme sofern man einen kraftvollen Beethoven schätzt.
Zelenka (24.10.2007, 12:34):
Original von Rachmaninov
Original von ab
Wow, was für ein Überschwang! Das habe ich in diesem Forum von Dir noch nicht erlebt.
:W

@ab,
naja, noch nicht, aber doch eher selten.
IMO ein klasse Aufnahme sofern man einen kraftvollen Beethoven schätzt.

Ich war auch sehr überrascht von Rachmaninovs Enthusiasmus! Aber es muß dann wohl etwas dran sein an Repins Spiel!

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (24.10.2007, 12:35):
Original von Zelenka
Original von Rachmaninov
Original von ab
Wow, was für ein Überschwang! Das habe ich in diesem Forum von Dir noch nicht erlebt.
:W

@ab,
naja, noch nicht, aber doch eher selten.
IMO ein klasse Aufnahme sofern man einen kraftvollen Beethoven schätzt.

Ich war auch sehr überrascht von Rachmaninovs Enthusiasmus! Aber es muß dann wohl etwas dran sein an Repins Spiel!

Gruß, Zelenka

Es ist MEINE Einschätzung. Denke, die Aufnahme hat Potential zu polarisieren.... :D
ab (29.10.2007, 09:13):
am Freitag hörte ich sie im Laden an
http://cover.universal-music.de/classics/graphics/200/00028947765967.jpg
und heute lese ich an anderer Stelle dieses Forums:

Schön, technisch oberste Liga, schöner voller Ton in allen Lagen, in den Höhen fein, aber manchmal etwas verhuscht. Die Begleitung durch die Wiener finde ich persönlich teilweise etwas behäbig bis schwerfällig. Im Tempo sicher eher im Mittelfeld, weit entfernt von den Extrema eines Vengerow oder Heifetz. Aber für mein Geschmack nicht nur im Tempo im Mittelfeld, eigentlich finde ich die gesamte Aufnahme nett zu hören, aber dabei leider ohne den spezifischen Reiz z. B. von Mullova oder Zehetmair. Nichts stellt diese Aufnahme nach meiner Auffassung z. B. über die von Faust, Znaider, Tetzlaff, Scholz, Bell oder Hahn - um mal einige der Aufnahmen aus den letzten Jahren zu nennen, die ich kenne.

Ich komme zu eine ähnlichen Einschätzung. Auch ich fand beim ersten Höre das Orchester etwas behäbig bis schwerfällig, was aber definitiv nicht heißt, dass ich die Begleitung als solche so finde. Es ist halt typisch Muti, einerseits leuchtende italienische Leichtigkeitsleuchten, gepaart mit ein bißchen fien-de-siècle-Schwermütigkeit. Die Tempi fand ich eigentlich durchwegs zu langsam für meinen Geschmack und subjektiv eher schon nahe bei Vengerov. Auch ich finde ich die gesamte Aufnahme nett zu hören. Ich halte sie auch für eine der sehr guten Einspielungen der letzten Jahre und insbesondere für ein sehr gutes DG-Debut. Der Ton ist russisch-virtuos. Eine klassische Aufnahme findet man hier nicht, sondern es präsentiert sich eher ein romantischer Kunstfetzen. "Verhuscht" kam mir gar nichts vor, sondern die dynamisch leisen Stellen eher der extremen Gestaltung geschuldet: Die Gestaltung ist sehr extrem und bringt Repin deutlich näher an ASMutter (aber auch Zehetmair) als an Faust oder Hahn. Etwas enttäsucht war ich über die monochromen Farben. Einzelne Linien fand ich dafür ganz besonders schön gezogen, einzelne Übergänge überragend. An zwei Stellen war ich sogar berührt, sonst - wie gesagt - empfinde ich sie als eher künstlich.

Aber alle Mal würde ich diese Aufnhame über die genannten von Znaider, Tetzlaff, Scholz, Bell oder Hahn stellen! Musikalisch aber nicht über die von Faust - so von meinen kurzen Höreindrücken -, obwohl Repin gestalterisch und technisch weit überlegen ist.

Polarisieren dürfte diese Aufnahme wohl deswegen, weil sie technisch und manual unbestreitbar zu den Einstpielungen ganz, ganz oben gehört. Auch schien mir, dass die Einheitlichkeit gewahrt ist. - Der Rest betrifft dann wohl Fragen, ob man dies für authentischen Beethoven hält oder vor allem, wie es mit dem Geschmack zusammenpasst....
Rachmaninov (29.10.2007, 11:51):
Original von ab

Aber alle Mal würde ich diese Aufnhame über die genannten von Znaider, Tetzlaff, Scholz, Bell oder Hahn stellen! Musikalisch aber nicht über die von Faust - so von meinen kurzen Höreindrücken -, obwohl Repin gestalterisch und technisch weit überlegen ist.

Polarisieren dürfte diese Aufnahme wohl deswegen, weil sie technisch und manual unbestreitbar zu den Einstpielungen ganz, ganz oben gehört. Auch schien mir, dass die Einheitlichkeit gewahrt ist. - Der Rest betrifft dann wohl Fragen, ob man dies für authentischen Beethoven hält oder vor allem, wie es mit dem Geschmack zusammenpasst....

@ab,

das hast Du sehr treffend formuliert!

Es gab wohl kaum Geiger, die gestalterisch und technisch auf diesem Niveau Beethoven's Vk gespielt haben. Und dies ist IMO wie von Dir geschrieben sehr deutlich. Wenn man Repin's Spiel hört fällt einem ersteinmal auf wo viele "froh sind" die Noten zu spielen.

Letztendlich muss man, sofern man die Aussagen Repin's in der FF in Betracht zieht, feststellen das es zumindestens auch seine Sicht ist. Und letztendlich kann man sich damit anfreunden oder nicht. IMO sollte man sich durchaus diesem Intellekt und den wohl größten aller lebenden Geiger durchaus anvertrauen und sich darauf "einlassen".
Poztupimi (30.10.2007, 22:01):
Hallo ab,

Original von ab
am Freitag hörte ich sie im Laden an
http://cover.universal-music.de/classics/graphics/200/00028947765967.jpg
und heute lese ich an anderer Stelle dieses Forums:



Ich komme zu eine ähnlichen Einschätzung. Auch ich fand beim ersten Höre das Orchester etwas behäbig bis schwerfällig, was aber definitiv nicht heißt, dass ich die Begleitung als solche so finde. Es ist halt typisch Muti, einerseits leuchtende italienische Leichtigkeitsleuchten, gepaart mit ein bißchen fien-de-siècle-Schwermütigkeit. Die Tempi fand ich eigentlich durchwegs zu langsam für meinen Geschmack und subjektiv eher schon nahe bei Vengerov. Auch ich finde ich die gesamte Aufnahme nett zu hören. Ich halte sie auch für eine der sehr guten Einspielungen der letzten Jahre und insbesondere für ein sehr gutes DG-Debut. Der Ton ist russisch-virtuos. Eine klassische Aufnahme findet man hier nicht, sondern es präsentiert sich eher ein romantischer Kunstfetzen. "Verhuscht" kam mir gar nichts vor, sondern die dynamisch leisen Stellen eher der extremen Gestaltung geschuldet: Die Gestaltung ist sehr extrem und bringt Repin deutlich näher an ASMutter (aber auch Zehetmair) als an Faust oder Hahn. Etwas enttäsucht war ich über die monochromen Farben. Einzelne Linien fand ich dafür ganz besonders schön gezogen, einzelne Übergänge überragend. An zwei Stellen war ich sogar berührt, sonst - wie gesagt - empfinde ich sie als eher künstlich.

Aber alle Mal würde ich diese Aufnhame über die genannten von Znaider, Tetzlaff, Scholz, Bell oder Hahn stellen! Musikalisch aber nicht über die von Faust - so von meinen kurzen Höreindrücken -, obwohl Repin gestalterisch und technisch weit überlegen ist.

Polarisieren dürfte diese Aufnahme wohl deswegen, weil sie technisch und manual unbestreitbar zu den Einstpielungen ganz, ganz oben gehört. Auch schien mir, dass die Einheitlichkeit gewahrt ist. - Der Rest betrifft dann wohl Fragen, ob man dies für authentischen Beethoven hält oder vor allem, wie es mit dem Geschmack zusammenpasst....

gerade läuft die Aufnahme noch einmal bei mir. Ich war mir bei der Wahl des Begriffs "verhuscht" nicht ganz sicher, vielleicht trifft es eher eine Formulierung wie "wenig strahlend und blaß". Und was das Tempo betrifft, muß ich sagen, daß mir die etwas flottere Gangart bei diesem Konzert meistens etwas besser gefällt. Ich kann mit seiner Tempowahl aber noch leben, eher jedenfalls als z. B. als mit der Vengerovs oder dem Tempo von Mutter/Masur.
Und da gerade der zweite Satz läuft: das ist mir im Orchester doch teilweise zuviel Legato-Seligkeit, dies gefällt mir schon bei Ferras/Karajan überhaupt nicht. Aber hier wird zumindest die von Dir angedeutete extreme Gestaltung wesentlich deutlicher - ich finde wenn überhaupt, dann nur hier.
Womit wir dann beim entscheidenden Punkt sind, der des eigenen Geschmacks. Insgesamt sehr schön, aber für meinen Geschmack eben nicht über die von mir genannten oder einige andere zu stellen - die noch alle auf meinem demnächst-hören-Stapel liegen.

Viele Grüße,
Wolfgang
Poztupimi (12.11.2007, 22:41):
Hallo Daniel,

hat jetzt etwas gedauert - musste zumindest mal ansatzweise in Kubrick/2001 reinschauen. :D

Original von daniel5993



http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6470575.jpg

Yehudi Menuhin
Otto Klemperer

Philharmonia Orchestra

Beethoven Violinkonzert op. 61

Eine Sehr schwere Aufnahme :down, sehr schwer :down, sehr tiefgehend :down, Gewaltig :down, von allen anderen Menuhin - Beethoven

- Aufnahmen die langsamste :down, die gefühlvollste :down voller Wärme :down und Romantik pur :down! Der Absolute Wahnsinn

:engel! :down :down :down :down :down
Seine Beste Aufnahme :down!!! Auch der Klang ist der Beste :down, sehr grollend tief und Bassreich :down!



Guten Abend Wolfgang! :hello

Jedes Wort ist genau überlegt und trifft jedenfalls für mich auf die Aufnahme voll zu! Du kannst mich also beim Wort nehmen!

Die Zeiten sind:

1. Satz 24.24
2. Satz 10.23
3. Satz 10.07


Die Aufnahme hört sich echt langsam, aber wohl überlegt an und diese Action, die durch die Langsamkeit verloren geht, wird durch das Kraftvolle "grollen" und "Beben" des Orchesters ersetzt!Und dann diese Genauigkeit! Besser zusammengefasst: "Langsam aber monumental"!

Ich hab die Aufnahme heut zum ersten mal richtig und ganz bei Sinnen gehört und ich bin hin und weg! Ich mag Musik gern etwas langsamer, oft hab ich erlebt, das die Aufnahme viel mehr von sich preisgibt, es wird viel weniger Überspielt!

Gruß
Daniel


Zunächst mal vielen Dank für die Zeitangabe.

Es sind möglicherweise einige Details, die Dir gefallen, die mich aber gerade stören. Ich will mal versuchen, es zu formulieren.
Vorweg nur dies: ich empfinde meine LP nicht als so grollen tief und baßreich. Gut, die tiefen Streicher sorgen schon für eine ordentliches Fundament, ich muß mal darauf achten ob z.B. in anderen Aufnahmen so wie hier eine Weile vor dem Einsatz der Solovioline (T.43 ff; leider gibt meine LP keine Zeiten her; die Angabe entstammt meiner recht alten Philharmonia-Taschenpartitur von 1960) die Kontrabässe ihr Pizzicato so markant hören lassen. Vielleicht ist der Transfer und das Remastering ein bißchen üppig geraten.

Ich bin weit davon entfernt, vom Solisten ein strenges Kleben am Metrum zu fordern, aber teilweise empfinde ich ihn als sehr frei gestaltend. Und mitnichten genau. Keineswegs immer mit dem Orchester zusammen, nicht immer kann ich entscheiden, ob er jetzt die notierten Achtel-Triolen spielt oder doch schon wieder Sechzentel, es geraten ihm auch schon mal ohne Bindebogen notierte Achtel zu etwas wie zwei "Legato-Viertel". Pausen werden manchmal nahezu verschluckt. Er forciert für meine Empfinden manchmal so, daß ich darin keinen Sinn erkennen kann, was aber - wieder für mein Empfinden - nur den Effekt hat, daß er sich selber in Schwierigkeiten bringt. Denn gerade in schnellen Passagen macht er dann den Eindruck, den man von seinem vollen und und ausdrucksstarken Ton hat, wieder kapputt. Er wird unpräzise und wirkt auf mich bemüht - bloß schnell durch. Auf der anderen Seite Ritardandi, wo ich sie nicht sehe, allenfalls eine Fermate auf der Pause, aber nicht anderthalb Takte vorher schon das Tempo rausnehmen.

Insgesamt kann ich im Gesamtergebnis die Entscheidung der Classica-Radaktion, von den vier Menuhin-Aufnahmen, die mir jedenfalls vorliegen, die von 1947 mit dem Lucerne Festival Orchestra unter Furtwängler auszuwählen, voll und ganz nachvollziehen. Nebenbei bemerkt, mit 24:02/10:52/10:04 ist sie auch gefühlt nicht soviel länger. Und wenn Du mal einen wirklich langsamen ersten Satz hören möchtest, solltes Du versuchen, in die Vengerov Aufnahme reinzuhören (27:20) oder Mutter/Masur (27:09). Womit ich aber - ganz ausdrücklich meine ganz persönliche Meinung![/u) - keine Kaufempfehlung aussprechen möchte. Ich weiß, manch einer mag auch gerade diese beiden Aufnahmen.

Fazit:
ich habe nichts gegen Menuhin, aber das Violinkonzert von Beethoven ist für mich in der Klemperer-Aufnahme eher nicht die Aufnahme meiner Wahl. Aber das liegt vielleicht auch daran, daß für mich dieses Violinkonzert eben nicht ein romantisch-gefühlvoll überbordendes, wuchtiges Werk ist. So sind halt die Geschmäcker verschieden.

Viele Grüße,
Wolfgang
ab (09.01.2008, 09:43):
Wer kennt eigentlich die Aufnahme von Wolfgang Schneiderhan, die er zusammen mit dem London SO unter Istvan Kertesz 1956 aufgenommen hat, was beim Label: BBC-Lebends veröffetnlich wurde?

Wie ist die im Vergleich zu den drei DG-Aufnahmen?

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0684911421729.jpg
Amadé (09.01.2008, 15:48):
Hallo ab,

m.E. die zweitbeste der vier mir bekannten Aufnahmen.
1. Sch - Paul van Kempen, klassisch mit viel Atmosphäre ( also auch ein wenig romantisch)
2. Sch - Kertesz, Konzertsaalatmospäre gut eingefangen
3. Sch - Jochum, dieser ist nicht so streng wie PvK
4. Sch - Furtwängler, Aufnahme leidet unter Intonationsproblemen

Grüße Amadé
ab (09.01.2008, 16:36):
Original von Amadé
Hallo ab,

m.E. die zweitbeste der vier mir bekannten Aufnahmen.
1. Sch - Paul van Kempen, klassisch mit viel Atmosphäre ( also auch ein wenig romantisch)
2. Sch - Kertesz, Konzertsaalatmospäre gut eingefangen
3. Sch - Jochum, dieser ist nicht so streng wie PvK
4. Sch - Furtwängler, Aufnahme leidet unter Intonationsproblemen

Grüße Amadé

Danke für Deine Einschätzung!
Ich ziehe die Jochum- der Kempe-Aufnahme vor, weil sich mir die Strenge Kempes zu sehr auch auf den Solisten überträgt: Ich höre da zuwenig Atmoshäre (wobei dies womöglich auch dem Remastering bei der Box geschuldet sein mag). Beim Konzertmitschnitt mit Furtwängler spielen beide, finde ich, völlig aneinander vorbei.
Amadé (09.01.2008, 20:11):
@ ab

Deine Erwiderung irritiert mich ein wenig :B, Du schreibst
Ich ziehe die Jochum- der Kempe-Aufnahme vor, weil sich mir die Strenge Kempes zu sehr auch auf den Solisten überträgt
ich möchte da leise :ignoreerwähnen, dass es zwei Dirigenten mit ähnlich klingendem Namen gibt: Paul vanKempen und Rudolf Kempe.
Von Paul van Kempen, holländischer Nationalität, sein Wirkungskreis lag eher in Deutschland, existieren leider nicht viele Aufnahmen, die meisten jedoch sind hochkarätig, er hat viel mit Schneiderhan und Wilhelm Kempff zusammen gearbeitet.
Beim später geborenen Rudolf Kempe ist die Schallplattenhinterlassenschaft jedoch riesig. Er tritt auch bei Beethovens Violinkonzert auf, mit Yehudi Menuhin und den Berliner Philharmonikern 1957 EMI.

Grüße Amadé
:hello
ab (09.01.2008, 20:58):
Original von daniel5993
Eigentlich will ich nur sagen, es gibt keine schlechten Aufnahmen, sie sind nur alle anders!


Hallo Daniel,

ich bin da ganz auf Deiner Seite; nur: Deinem letzten Satz kann ich wirklich nicht zustimmen. Natürlich gibt es auch schlechte Aufnahmen oder, genauer gesagt: alles was in einer Hinsicht gut ist, mag zugleich, nämlich in einer anderen Hinsicht, schlecht sein. Natürlich mag man etwas in einer Hinsicht schlecht finden, es aber dennoch gerne hören. Qualitätsurteil und Geschmacksurteil sind nun einmal zweierlei.

Wer Musik nicht nur genießt, sondern auch viel vergleicht und versucht, die Eindrücke in Worte zu fassen, die oder der kommt nicht umhin, solche Hinsichten zu entdecken. Darüber kann man, wenn man gemeinsame Worte dafür findet, dann diskutieren, und Urteile fällen, ob die erklingende Musik in genannter Hinsicht genau richtig, zuviel oder zuwenig entspricht. Liegt großes Zuviel und Zuwenig vor, sprechen wir nun einmal davon, dass die Aufnahme weniger oder gar nicht gut ist. Oder?

Ob uns die Aufnahme dann auch anspricht, sie uns gefällt, ist dann eine ganz andere Frage: De gustibus non est disputandum. Aber dadurch lernen wir jene Hinsichten kennen, in denen uns Musikinterpretationen (in der Regel) gefallen - und richtig: ganz gleichgültig, was der Komponist oder die Komponistin auch immer wollte.
ab (09.01.2008, 21:00):
Original von Amadé
Paul vanKempen und Rudolf Kempe.


sorry :ignore ich dachte tatsächlich stets, Dirigent sei Kempe....
daniel5993 (09.01.2008, 22:02):
Abend ab,

ich bin da ganz auf Deiner Seite; nur: Deinem letzten Satz kann ich wirklich nicht zustimmen. Natürlich gibt es auch schlechte Aufnahmen oder, genauer gesagt: alles was in einer Hinsicht gut ist, mag zugleich, nämlich in einer anderen Hinsicht, schlecht sein. Natürlich mag man etwas in einer Hinsicht schlecht finden, es aber dennoch gerne hören. Qualitätsurteil und Geschmacksurteil sind nun einmal zweierlei.


daniel's Original: Eigentlich will ich nur sagen, es gibt keine schlechten Aufnahmen, sie sind nur alle anders!

Diesen (meinen Satz, oben) möchte ich wenn er so verstanden wird auch nicht so stehen lassen! Ich meinte das ehrlich gesagt ganz Oberflächlich und einfach.
An was ich gedacht habe ist, dass jede entstandene Aufnahme "Respekt" verdient, es wurde ernsthaft und mit Liebe musiziert und nur, weil etwas sagen wir besonders "aus der reihe tanzt", "Gewöhnungsbedürftig" "Eigenwillig" gestaltet, musiziert wurde, ist die Aufnahme doch nicht gleich "schlecht" (Wir drücken es heut freundlich aus)! Selbst wenn wirklich das ein oder andere mal daneben gegriffen wird. In einer Sendung wo es um Artur Schnabel ging, sagte er (Artur), dass das Technische (früher) nicht den "Raum" eines Pianisten eingenommen hat. Fehlgriffe seien durchaus üblich gewesen und führten nicht zu erheblichen Wertminderungen des Konzertabends. Heut entwickelt sich alles auf Technik und Genauigkeit. ab ( :wink)und zu bekommt man ja mit, dass frechdreist die ein oder andere Aufnahme in der Luft zerrissen wird. Mit welchem Recht?
Ob ich diese Aufnahme dann auch mag, ist was anderes. Da kann ich sehr wohl unterscheiden!


Liegt großes Zuviel und Zuwenig vor, sprechen wir nun einmal davon, dass die Aufnahme weniger oder gar nicht gut ist. Oder?
Richtig! Und an dieser Stelle kurz angemerkt: Nachdem ich mir meinen Beitrag oben noch einmal von ferne durchgelesen habe, möcht ich klarstellen, dass die Aussage von Potztumi nur der Auslöser für den Beitrag war, danach hat sich das eher an das gerichtet, was ich irgentwo schon gelesen und mich darüber geärgert habe. Beiträge die man Aufschnappt und nicht vergisst. Dass hat sich dann im Effekt in mehrere Richtungen hin entladen.

Gruß
Daniel
Mime (10.01.2008, 11:37):
Original von Zelenka
Und wenn jemand die Klarinettenfassung (nicht von Meister Beethoven eingerichtet) im Plattenschrank haben sollte, wäre ein Kommentar erwünscht:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004SDNZ.03.LZZZZZZZ.gif

Gruß,

Zelenka

Hallo Zelenka,
ich hab den Beitrag erst heute entdeckt, sonst hätte ich schon früher reagiert.
Die Klarinettenfassung von Beethovens op.61 habe ich und sie ist für den Freund dieses warmen Blasinstrumentes auch nett anzuhören. Doch wie bei vielen Bearbeitungen gilt auch hier: Original ist eben Original. Man hört bei aller Virtuosität des Solisten, daß dieses Werk nicht für die Klarinette komponiert worden ist. Deshalb ist der Besitz dieser Scheibe kein Muß.
:hello
Mime (10.01.2008, 11:55):
Hallo,

anläßlich einer Aufführung des Beethoven-Konzerts vom Okt. 2006 in der Philharmonie Essen schrieb Gerhard Menzel über die Solistin Julia Fischer folgendes:

Die Melodienseeligkeit und Sanglichkeit der Instrumentalstimme wurde in der Interpretation von Julia Fischer ganz besonders deutlich hervorgehoben. Unterstützt wird dieser Eindruck vor allem durch den ungeheuer warmen und weichen, dabei aber immer transparenten und klar konturierten Klang ihrer Violine, einem Instrument von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1750. Allerdings wird dieses edle und wunderbare Timbre nur auf Grund ihrer außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten auch wirklich hörbar, wobei es nicht allein auf eine präzise Spieltechnik ankommt, die viele andere auch besitzen, sondern auf die ganz besondere Art der Tonerzeugung, eben der Bogenbeherrschung und des Fingerspitzengefühls. Bogen, Saiten und Finger bilden bei ihr nicht drei Welten, die aufeinander treffen, sondern eine imaginäre Einheit, aus der heraus die Töne und der jeweils ersonnene Klang strömen.

Abgesehen davon überzeugt Julia Fischer durch ihre musikalisch äußerst feinfühlige Interpretation. Wo großer Ausdruck gefragt ist, gestaltet sie die Musik in herrlich geschwungenen Bögen. Ist Virtuosität gefordert, brennt sie ein funkelndes und strahlendes Feuerwerk ab, das alle Brillanz und Schönheiten aufzeigt, aber niemals die technischen Schwierigkeiten oder Grenzen erkennen lässt. Außerdem wirkt ihre Präsentation nie aufgesetzt oder künstlich, sondern natürlich und immer darauf bedacht, im Kontakt mit den Mitmusizierenden zu stehen. Aus diesem Grund gehört Julia Fischer ganz zu Recht weltweit zu den größten musikalischen Begabungen und Interpretinnen.

Da ich den Namen dieser großartigen Künstlerin hier bisher vermißt habe, bitte ich um Eure Einschätzungen. Wer von Euch hat Frau Fischer schon auf der Konzertbühne erlebt?
:hello
Zelenka (10.01.2008, 16:43):
Original von Mime
Original von Zelenka
Und wenn jemand die Klarinettenfassung (nicht von Meister Beethoven eingerichtet) im Plattenschrank haben sollte, wäre ein Kommentar erwünscht:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004SDNZ.03.LZZZZZZZ.gif

Gruß,

Zelenka

Hallo Zelenka,
ich hab den Beitrag erst heute entdeckt, sonst hätte ich schon früher reagiert.
Die Klarinettenfassung von Beethovens op.61 habe ich und sie ist für den Freund dieses warmen Blasinstrumentes auch nett anzuhören. Doch wie bei vielen Bearbeitungen gilt auch hier: Original ist eben Original. Man hört bei aller Virtuosität des Solisten, daß dieses Werk nicht für die Klarinette komponiert worden ist. Deshalb ist der Besitz dieser Scheibe kein Muß.
:hello

Lieber Mime:

Ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Also eher etwas für ernsthafte Klarinettenfans ...

Gruß, Zelenka
Amadé (10.01.2008, 19:40):
@ Mime
Die Klarinettenfassung von Beethovens op.61 habe ich und sie ist für den Freund dieses warmen Blasinstrumentes auch nett anzuhören. Doch wie bei vielen Bearbeitungen gilt auch hier: Original ist eben Original. Man hört bei aller Virtuosität des Solisten, daß dieses Werk nicht für die Klarinette komponiert worden ist. Deshalb ist der Besitz dieser Scheibe kein Muß.

Ich habe die CD auch seit ca.1 Jahr und bin wie Du der Meinung, dass sie recht intertessant ist, die Transkription für Klarinette besorgte übrigens M. Pletnjew selbst, aber ein Muss für die etwas größere Sammlung, nein.

Wesentlich wichtiger ist jedoch die "Rückseite" der CD: Mozarts Klarinettenkonzert mit M. Collins gehört in die Spitzenklasse der KV 622-Interpretationen!

Nun zu Deiner Frage bzgl. Julia Fischer.
Ich hörte sie vor ca.3 Jahren in Dortmund mit dem Dvorak-Konzert op.53 und war von ihrem Spiel und der Gestaltung sehr angetan, bestens unterstützt wurde sie vom Gewandhausorchester unter der umsichtigen Leitung von Herbert Blomstedt.
Schade dass man das Konzert so selten hören kann.

Grüße Amadé
daniel5993 (10.01.2008, 23:34):
Hallo Wolfgang,

Insgesamt kann ich im Gesamtergebnis die Entscheidung der Classica-Radaktion, von den vier Menuhin-Aufnahmen, die mir jedenfalls vorliegen, die von 1947 mit dem Lucerne Festival Orchestra unter Furtwängler auszuwählen, voll und ganz nachvollziehen
Werd mich mal auf die Suche machen, bisher kenn ich "nur" die Aufnahme von September 53, mit Furtwängler (eine meiner ersten CD's, hab sie noch nie Intensiv gehört :( aber das hol ich nach).

Du hattest doch mal einen Beethoven Violinkonzert-maraton gestartet, welcher sich über einige Tage hinzog. Willst du uns das Ergebnis vorenthalten?

Gruß
Daniel
Poztupimi (11.01.2008, 20:40):
Hallo Daniel,

Original von daniel5993
Hallo Wolfgang,



Du hattest doch mal einen Beethoven Violinkonzert-maraton gestartet, welcher sich über einige Tage hinzog. Willst du uns das Ergebnis vorenthalten?

Gruß
Daniel

Nein, hatte nur in der letzten Zeit etwas wenig Zeit, so intensiv zu hören wie ich das gerne möchte und wie ich das auch tun sollte, um der Sache gerecht zu werden. Oder ich war zu wenig zuhause. Der Marathon ist nur unterbrochen, ich habe das Thema aber keineswegs abgeschrieben.

Grüße,
Wolfgang
Zelenka (13.05.2006, 17:55):
Am Tag vor Heiligabend 1806 hatte es in Wien Premiere, der Erfolg war über Jahre erst einmal eher bescheiden: Beethovens meist heiteres einziges Violinkonzert, das vielleicht ein wenig zu repetitiv und symphonisch für manchen sein mag. Ohne den Umweg über Konzertführer etc. soll es hier gleich in die Diskographie gehen. Auch wenn man das Werk nicht unbedingt heiß und innig lieben mag, man wird es wohl zumindest kennen und respektieren und Einspielungen davon besitzen. (Wenn ich nach den Einträgen in "Was höre ich gerade jetzt?" gehen kann, dann wird Beethoven ohnehin eher mehr respektiert als tatsächlich gehört. Ich weiß gar nicht, ob jemand in letzter Zeit zugegeben hat, Beethovens 5. Symphonie aufgelegt zu haben. Aber der Eindruck mag täuschen, man meldet vielleicht nicht unbedingt derlei Grundbausteine des Répertoire, sondern eher das Besondere.)

Anlaß für die Einrichtung dieses Fadens ist das Erscheinen einer Arte Nova-Aufnahme mit Christian Tetzlaff als Solisten. Zusammen mit dieser Neuerscheinung besitze ich zur Zeit 10 Aufnahmen des Konzerts. Das mag erst einmal nach ziemlich viel klingen, aber wie vielleicht deutlich werden wird, habe ich möglicherweise gar nicht so viel Grund zufrieden zu sein. U.a. herrschen bei mir eindeutig ältere Aufnahmen vor. (Das eine oder andere ist, wie oft beim Sammeln, eher zufällig "zugelaufen", z.B. Wolfsthal und Oistrakh in Boxen, die ich wegen anderer Bestandteile gekauft habe.)

Wolfsthal, BPO, Gurlitt (1929) DG Complete Beethoven Edition 4538042

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001GZN.01.LZZZZZZZ.jpg

Kulenkampff, BPO, Schmidt-Isserstedt (1936) Dutton Essential Archive CDEA5018

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000009Q0S.01.MZZZZZZZ.jpg

Heifetz, NBC Symphony O, Toscanini (1940) RCA Victor Gold Seal The Heifetz Collection (vol. 5) 09026617362

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000003FII.01.LZZZZZZZ.jpg

Schneiderhan, BPO, Furtwängler (1953) DG eloquence Dokumente 4747282

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000AXM2W.01.LZZZZZZZ.jpg

Schneiderhan, BPO, van Kempen (1953) DG Original Masters 002894775263

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00067GKGA.01.LZZZZZZZ.jpg

Oistrakh, O of the Stockholm Festival, Ehrling (1954) EMI 724358684124

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0007LCNQG.01.LZZZZZZZ.jpg

Heifetz, Boston Symphony O, Munch (1955) RCA Victor Red Seal 9026617422

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000003FIO.01._SCMZZZZZZZ_.jpg

Schneiderhan, BPO, Jochum (1961) DG 2CD 4594032

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001GQ0.03.LZZZZZZZ.jpg

oder

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000024572.01.LZZZZZZZ.jpg

Kremer, Chamber O of Europe, Harnoncourt (1992) Teldec 9031748812

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000000SG9.01.LZZZZZZZ.jpg

Tetzlaff, Tonhalle O, Zinman (2005) Arte Nova 82876769942

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS4JRK.03.LZZZZZZZ.jpg



Gleich meine erste Aufnahme ist schon ein erster Höhepunkt, auch wenn in Punkto Aufnahmequalität eine Menge Verständnis aufzubringen ist. Josef Wolfsthal, der bald schon in recht jungen Jahren verstorben ist, muß ein hochgradiges Talent gewesen sein, das über eine sehr sichere Technik und musterhafte Intonation verfügen konnte. Leichtigkeit (auch hier schon "entschlackter" Beethoven wie noch heute immer wieder) und sehr viel Emotion charakterisieren sein Spiel. Ähnliches gilt durchaus auch für Georg Kulenkampff in einer Telefunken-Aufnahme von 1936 (erstaunlicherweise mit Kreisler-Kadenz), einen weiteren Großen. Die Version ist einem Transfer von Michael Dutton recht gut anhörbar.

Eine große Überraschung war für mich die erste Heifetz-Aufnahme des Konzerts von 1940. Ich hatte die CD jahrelang nicht gehört, weil ich ein wenig von Heifetz abgekommen bin und kein Bewunderer von Toscanini bin. Überraschend ein sehr warmes, kooperatives Spiel von Heifetz und ein Dirigent, der es nicht wie oft in jeder Hinsicht reichlich übertreibt. Für die Zeit ist die Aufnahmetechnik durchaus sehr akzeptabel, beim Transfer sind allerdings auch stellenweise die bei Überspielungen von 78ern charakteristischen Schabegeräusche dazugekommen.

Dann gleich, immer noch in der Mono-Zeit, zweimal früher Schneiderhan von 1953, einmal live mit den Berliner Philharmonikern unter Furtwängler, einmal im Studio unter van Kempen. In der Live-Aufnahme wirkt Schneiderhan eher steif und ehrfürchtig vor dem Dirigenten, der seine eigenen Wege zu gehen scheint. Anders in der Studioaufnahme, in der man einen sehr lebhaften Schneiderhan wiedertrifft. (Anders als in seiner Aufnahme von 1961 spielt er hier die Joachim-Kadenzen.) Für mich ist es die beste Schneiderhan-Version und meine beste Aufnahme überhaupt. Die Aufnahmetechnik ist sehr akzeptabel für die Zeit.

Oistrakh ist in Stockholm 1954 vielleicht ein wenig zu unverbindlich gebremst heiter, was vielleicht auch an der eher durchschnittlichen Begleitung liegen mag, die eben nur begleitet und in keinen echten Dialog eintritt. Insgesamt sicher eine durchaus hörenswerte Aufnahme in akzeptabler Technik.

Mit Heifetz' zweiter Aufnahme beginnt hier endlich das Stereo-Zeitalter. Ich habe das Konzert über diese Aufnahme überhaupt kennengelernt, sie lässt mich heute absolut kalt. Es mag alles perfekt sein, und Heifetz war immer mindestens 99% perfekt, aber diese Perfektion scheint nur Selbstzweck zu sein. Die technische Qualität der Aufnahme ist eher durchschnittlich, ich besitze allerdings einen älteren Transfer, heutzutage würde man hierzu greifen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000006OPI.01.LZZZZZZZ.jpg

Zum letzten Mal Schneiderhan, 8 Jahre nach seiner Mono-Einspielung für DG und mit anderer Kadenz auf der Grundlage der von Beethoven selbst für die Klavierkonzert-Fassung geschriebenen: Meiner Meinung etwas gebremster als sein jüngeres Ich, vielleicht auch etwas weniger bereit zum Dialog mit dem Orchester, insgesamt aber sicher zu Recht eine Aufnahme mit klassischem Status. Aufnahmequalität: 6 oder 7 von 10 Punkten.

Nur zwei meiner Versionen stammen aus dem digitalen Zeitalter. Von den beiden ist Kremers Live-Einspielung unter Harnoncourt sicher ein weiterer diskographischer Höhepunkt, auch wenn man sich über die lange (überlange?) Beethoven/Kremer-Kadenz erst einmal etwas wundern oder ärgern mag, für die auch ein Flügel auf die Bühne gefahren wird. Eine letztendlich durchaus sehr heitere (auch Harnoncourt kann heiter sein), dynamische und vorwärtsstrebende Version in sehr guter Aufnahmequalität.

Eher eine Enttäuschung ist für mich die letzte hier zu besprechende Version aus Zürich, die mich nach mehrmaligen Hören immer noch ein wenig kalt läßt. Das Kältegefühl mag vielleicht schon mit den schwächlichen Pauken ganz am Anfang einsetzen (es werden hier "historische" Paukenschlegel eingesetzt). Das Tonhallen-Orchester ist zumindest in diesem Fall ein Kammerorchester, dem ein wenig Durchlagkraft fehlt, dafür aber an Transparenz gewinnt. Tetzlaffs Beitrag ist weiter nicht zu kritisieren, seinen Geigenton finde ich vielleicht ein wenig zu schlank.

Eine Aufnahme, die ich kenne, aber nicht besitze, ist die mit Grumiaux unter Colin Davis, sicher auch ein Klassiker, aber letztlich doch eher unterhalb von Schneiderhan anzusiedeln.

Kreislers, Szigetis und Hubermans Versionen kenne ich leider nicht oder nur vom Hörensagen. Und vieles, das viel später kommt, auch nicht. Es wird Zeit, daß das Forum eingreift und mir auf die Sprünge hilft. Was habt Ihr, was würdet Ihr empfehlen? Gibt es Aufnahmen mit historischen Instrumenten, die Ihr empfehlen könnt? Vor ein paar Jahren hat in "Building a Library" (BBC) diese Aufnahme mit historischen Instrument den Spitzenplatz vor Heifetz belegt:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000023ZEM.01.LZZZZZZZ.jpg

Ein Fehlurteil? Etc. etc. Your turn!

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (13.05.2006, 18:28):
@Zelenka,

schön das Du diesen Thread gestartet hast und gleich mit so einer tollen Einleitung!!!! :down

Original von Zelenka
Auch wenn man das Werk nicht unbedingt heiß und innig lieben mag, man wird es wohl zumindest kennen und respektieren und Einspielungen davon besitzen.


Denke, zu eben jener Gruppe von Klassikliebhabern gehöre ich.

Im grunde mag ich das Konzert, allerdings höre ich es relativ selten wenn ich meine Hörgewohnheiten so betrachte! Da ziehe ich doch eher Mendelssohn, Tchaikovsky und andere aus dem Regal!

Dennoch, sinfonischer Charakter des Konzertes hin oder her, es ist ein der ganz großen Violinenkonzerte und viele große Geiger haben sich hier "versucht"!

In meinem Bestand:

Mullova - Philips
Oistrach - Brilliant
Milstein - EMI
Heifetz/Munch - RCA
Schneiderhan - DG
und
Heifetz (1945 A. Rodzinski)

bisher erst einmal gehört die Aufnahme mit H. Hahn.

Desweiteren besitze ich einen Radiomitschnitt mit Vladimir Khachatryan!

Werde nach und nach hier berichten :D
Zelenka (13.05.2006, 18:40):
@Rachmaninov

Bin gerade auf Deine Mullova-Wertung sehr gespannt!

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (13.05.2006, 18:44):
Original von Zelenka
@Rachmaninov

Bin gerade auf Deine Mullova-Wertung sehr gespannt!



Habe ich mir gedacht und starte eben aus diesem Grund mit eben dieser Aufnahme!
Rachmaninov (13.05.2006, 19:40):
Hallo,

V. Mullova's Aufnahme des Konzerts mit dem Orchestre Revolutionnaire
et Romantique unter John Eliot Gardiner besticht für mich durch eine sehr ausgewogene rangehensweise. Solist sowie das vozüglich geleitete Orchester spielen beide auf hohem Niveau. Dadurch gelingt eine richtig gute Aufnahme, die zusätzlich durch eine sehr gute Aufnahmetechnik sowie richtig guten Klang begeistert.

In der Kadenz zeigt Mullova ihre Klasse!


Sehr stark und überzeugend ist für mich wie Gardiner hier die Feinheiten im Orchesterpart rausarbeitet :)

Sicherlich eine der großen Aufnahmen der "neueren" Zeit!
Zelenka (13.05.2006, 20:09):
Original von Rachmaninov
Hallo,

V. Mullova's Aufnahme des Konzerts mit dem Orchestre Revolutionnaire
et Romantique unter John Eliot Gardiner besticht für mich durch eine sehr ausgewogene rangehensweise. Solist sowie das vozüglich geleitete Orchester spielen beide auf hohem Niveau. Dadurch gelingt eine richtig gute Aufnahme, die zusätzlich durch eine sehr gute Aufnahmetechnik sowie richtig guten Klang begeistert.

In der Kadenz zeigt Mullova ihre Klasse!


Sehr stark und überzeugend ist für mich wie Gardiner hier die Feinheiten im Orchesterpart rausarbeitet :)

Sicherlich eine der großen Aufnahmen der "neueren" Zeit!



Werde die CD auf die Merkliste setzen, auch wenn ich Abfälliges über den Mendelssohn gelesen habe.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (13.05.2006, 20:10):
Original von Zelenka
Werde die CD auf die Merkliste setzen, auch wenn ich Abfälliges über den Mendelssohn gelesen habe.


Höre einfach mal rein und bilde Dir eine Meinung :engel
Zelenka (13.05.2006, 20:12):
Original von Rachmaninov
Original von Zelenka
Werde die CD auf die Merkliste setzen, auch wenn ich Abfälliges über den Mendelssohn gelesen habe.


Höre einfach mal rein und bilde Dir eine Meinung :engel

Mach ich! Und selbst hören ist immer noch am besten. David Hurwitz hat nicht immer recht ...

Gruß,

Zelenka
embe (14.05.2006, 01:00):
Hallo,
darf ich auch am Faden mitweben ?(
Meine Aufnahmen des Konzertes:
Die älteste mit Perlman und Giulini, philharmonisch gewichtig, Perlman kostet den schönen Ton voll aus...

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000024396.03.LZZZZZZZ.gif

Tetzlaff und Gielen, frisch entstaubt, schon recht originalklänglerisch,
Tetzlaff lässt Funken sprühen....

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000025LHL.03.LZZZZZZZ.gif

Chung und Kondrashin, sehr gediegen und zahm...

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000E422.03.LZZZZZZZ.jpg

Kremer und Harnocourt, sehr originell, recht frisch, drahtiges Orchester,
Kremer ist perfekt...

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000000SG9.01.LZZZZZZZ.jpg

Lautenbacher und Reichert, hmpf...hab ich mir nie angehört :haha
vielleichtirgendwann mal. Meine Disc hat ein anderes Cover,aus ner Serie
Grosse Komponisten mit Begleitheft..

http://www.arkivmusic.com/graphics/covers/non-muze/full/126529.jpg

Hm...blöderweise funzen einige Bildchen nicht ?( ?(
Bitte Links anklicken :wink

Gruß
embe
Carola (14.05.2006, 11:38):
Ich höre das Violinkonzert von Beethoven oft und gerne, es hat so gar nichts heroisch-pathetisches an sich sondern wirkt eher kontemplativ auf mich.

Besonders gerne höre ich das Konzert in der schon von Zelenka erwähnten Aufnahme mit Schneiderhan/Berliner Philharmoniker von 1962.

Dann habe ich noch eine Aufnahme mit Zimmermann/English Chamber Orchestra von 1988, die mir aber im Vergleich zu Schneiderhan recht blass und langweilig erscheint.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00092712O.01.LZZZZZZZ.jpg


Noch eine Frage: Beethoven hat das Konzert später eigenhändig für Klavier und Orchester bearbeitet, sagt eins meiner schlauen Bücher. Kennt jemand diese Bearbeitung?


Mit Gruß von Carola
Zelenka (14.05.2006, 12:16):
Original von Carola
Ich höre das Violinkonzert von Beethoven oft und gerne, es hat so gar nichts heroisch-pathetisches an sich sondern wirkt eher kontemplativ auf mich.

Besonders gerne höre ich das Konzert in der schon von Zelenka erwähnten Aufnahme mit Schneiderhan/Berliner Philharmoniker von 1962.

Dann habe ich noch eine Aufnahme mit Zimmermann/English Chamber Orchestra von 1988, die mir aber im Vergleich zu Schneiderhan recht blass und langweilig erscheint.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00092712O.01.LZZZZZZZ.jpg


Noch eine Frage: Beethoven hat das Konzert später eigenhändig für Klavier und Orchester bearbeitet, sagt eins meiner schlauen Bücher. Kennt jemand diese Bearbeitung?


Mit Gruß von Carola

Liebe Carola:

Um vielleicht ein Mißverständnis auszuräumen, das meine Eröffnung nahelegen könnte: Ich selbst höre das Beethoven-Konzert auch sehr gern. Immer schon. Aber ich weiß, daß viele Leute Vorbehalte haben. - Die Fassung für Klavier habe ich leider nie gehört und das, was ich von ihr weiß, ist nur aus zweiter bis dritter Hand. Angeregt bzw. bestellt worden ist sie von Muzio Clementi. Sie soll "unpianistisch" sein. Aber immerhin hat Beethoven für die Klavierfassung Kadenzen geschrieben, die u.a. auch auf Deiner Schneiderhan-Aufnahme modifiziert auftauchen. Greifbar ist die Klavier-Fassung op. 61a u.a. bei Naxos:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000DH4T.01.LZZZZZZZ.jpg

Zu Tate: Möglicherweise hast Du mit der Zimmermann-Aufnahme ähnliche Probleme wie ich mit der Tetzlaff-Aufnahme. Ein Kammerorchester hat in der Regel einfach nicht genug Durchschlagskraft. 1988 ist aber die Aufnahme im Gramaphone durchaus auch gelobt worden und u.a. Frau Mutter vorgezogen worden.

Gruß,

Zelenka
Cosima (14.05.2006, 13:07):
Um mein Versprechen an Zelenka einzulösen, meine vorhandenen Aufnahmen nebst Kurzkommentaren:

Francescatti / Walter / Columbia Symphony Orchestra (1961): Entrückte, klare, schnörkellose, klassisch-zeitlose Aufnahme, Klang gut – sehr empfehlenswert.

Schneiderhan / Furtwängler / Berliner Philharmoniker (1964): Beseelte, leidenschaftliche Orchesterbegleitung; interessant dazu im Verhältnis Schneiderhans klassisches, eher strenges, bodenständiges Violinspiel – empfehlenswert.

Röhn / Furtwängler / Berliner Philharmoniker (1944): Orchester ähnlich wie oben, Röhn besitzt jedoch nicht Schneiderhans Klasse, Klang unterirdisch – keine Empfehlung.

Oistrakh / Ehrling / Orchestre du Festival de Stockholm (1954): Oistrakh warm, brillant und leidenschaftlich, Orchesterbegleitung unter dem Niveau des Solisten – bedingt empfehlenswert.

Heifetz / Barbirolli / London Philharmonic Orchestra (1934): Klangqualität unterirdisch, auch ansonsten kein Highlight – keine Empfehlung.

Repin / Gergiev / Kirov Orchestra (Live-Mitschnitt 2003, nicht auf Tonträger erhältlich): Warmes, erdiges, volles Violinspiel von Repin; Orchesterbegleitung leidenschaftlich, jedoch nicht pathetisch, gutes Zusammenspiel von Solist und Klangkörper – empfehlenswert.


Fazit: Mit der Francescatti-Aufnahme bin ich sehr zufrieden. Sollte ich mir dennoch einmal eine weitere Einspielung zulegen wollen, so müsste es eine neuere sein mit guter Klangqualität, da die Alternativen alle recht alten Datums sind.

Ich höre das Violinkonzert zwar gerne, tendiere aber mittlerweile eher zu Beethovens eigenem Arrangement des Konzertes für Klavier (op. 61 a). Ich besitze eine schöne Aufnahme mit Berezovsky unter Dausgaard, gekoppelt mit dem 4. Klavierkonzert (Simax).

Gruß, Cosima
Carola (14.05.2006, 13:18):
Lieber Zelenka,

ich hatte das auch nicht so verstanden, dass Du das Werk nicht magst - sonst hättest Du wohl kaum 10 Aufnahmen davon.

Was die Aufnahme mit Zimmermann und dem English Chamber Orchestra angeht, könntest Du recht haben - so ein Kammerorchester klingt mir jedenfalls einfach nicht voll und saftig genug. Und wo andere "schlank" und unprätentiös" sagen und hören, muss ich nun mal eher an Knäckebrot denken - bei Gidon Kremer geht es mir so ähnlich.

Danke für den Hinweis auf die Naxos-Aufnahme mit der Klavierkonzertfassung. Die kommt auf jeden Fall auf meine Merkliste.

Mit Gruß von Carola
Jeremias (14.05.2006, 13:30):
Ich würde bzgl. der Klavierkonzertfassung nicht unbedingt Jando nehmen. Es gibt bei der DG eine schöne Aufnahme mit Barenboim, zudem eine mit Pollini oder auch mit Duchable. Diese sind doch lebhafter...
Zelenka (14.05.2006, 13:36):
Original von Carola
Lieber Zelenka,

ich hatte das auch nicht so verstanden, dass Du das Werk nicht magst - sonst hättest Du wohl kaum 10 Aufnahmen davon.

Was die Aufnahme mit Zimmermann und dem English Chamber Orchestra angeht, könntest Du recht haben - so ein Kammerorchester klingt mir jedenfalls einfach nicht voll und saftig genug. Und wo andere "schlank" und unprätentiös" sagen und hören, muss ich nun mal eher an Knäckebrot denken - bei Gidon Kremer geht es mir so ähnlich.

Danke für den Hinweis auf die Naxos-Aufnahme mit der Klavierkonzertfassung. Die kommt auf jeden Fall auf meine Merkliste.

Mit Gruß von Carola

Liebe Carola:

In Sachen Klavierfassung ist wohl eher Cosimas heißem Tip zu folgen. Auch wenn für mich die Fährte erst einmal kalt geworden ist: Bei amazon.de habe ich die von ihr erwähnte CD nicht finden können.

Gruß,

Zelenka
Mime (14.05.2006, 13:44):
Hallo miteinander,

auch wenn die Künstlerin in anderen Foren zur Zeit recht unfein runtergeputzt wird,finde ich die Aufnahme mit Anne Sophie Mutter immer noch beachtenswert und ich höre sie auch sehr gern.
Aber auch Hilary Hahn spielt das Konzert virtuos.
Und Frank Peter Zimmermann . :down :down :down
Zelenka (14.05.2006, 13:48):
Original von Zelenka

In Sachen Klavierfassung ist wohl eher Cosimas heißem Tip zu folgen. Auch wenn für mich die Fährte erst einmal kalt geworden ist: Bei amazon.de habe ich die von ihr erwähnte CD nicht finden können.

Gruß,

Zelenka


jpc bietet die CD noch an (18.99), aber sie scheint bei Simax gestrichen zu sein. Nicht auf der Simax Website zu finden.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (14.05.2006, 13:56):
Original von Zelenka
jpc bietet die CD noch an (18.99), aber sie scheint bei Simax gestrichen zu sein. Nicht auf der Simax Website zu finden.

Gruß,

Zelenka

Wundert mich sehr, hatte die Aufnahme noch vor kurzem im 2006 Katalog gesehen und sie ist doch "frisch" auf dem markt ?(
Cosima (14.05.2006, 14:14):
Original von Zelenka
In Sachen Klavierfassung ist wohl eher Cosimas heißem Tip zu folgen. Auch wenn für mich die Fährte erst einmal kalt geworden ist: Bei amazon.de habe ich die von ihr erwähnte CD nicht finden können.


Aber Achtung: Ich kenne nur diese eine Fassung. Außerdem ist sie vielleicht nicht jedermanns Sache, weil das Orchester (Swedish Chamber Orchestra Örebro) mit 38 Mann eher klein besetzt ist, was dem Ganzen einen intimeren, fast kammermusikalischen Charakter gibt. Dem angepasst klingt das Klavier etwas "dünner" als gewohnt, Berezovsky spielt m.E. jedoch sehr erfrischend und innig. M.E. eine sehr schöne Aufnahme, die aber bereits aus 2001 ist, also nicht mehr frisch auf dem Markt. Einmal eine andere Sicht auf Beethoven, die mir sehr gut gefällt. Unserem "Freund" Hurwitz übrigens auch. :D

Gruß, Cosima
Zelenka (14.05.2006, 14:18):
Original von Rachmaninov
Original von Zelenka
jpc bietet die CD noch an (18.99), aber sie scheint bei Simax gestrichen zu sein. Nicht auf der Simax Website zu finden.

Gruß,

Zelenka

Wundert mich sehr, hatte die Aufnahme noch vor kurzem im 2006 Katalog gesehen und sie ist doch "frisch" auf dem markt ?(


http://images-eu.amazon.com/images/P/B000BM3MMU.01.LZZZZZZZ.jpg


Und amazon.co.uk behauptet, die Aufnahme käme morgen (15.5.) raus ... Ich glaube, das alles übersteigt meine Verstandeskräfte.

Gruß,

Zelenka
Carola (14.05.2006, 15:08):
Ich sehe schon, das ist wieder eher ein Fall für´s Probehören bei Saturn. Jedenfalls vielen Dank erstmal für die vielen Tips.

sagt Carola
Rachmaninov (14.05.2006, 16:09):
Original von Zelenka

Und amazon.co.uk behauptet, die Aufnahme käme morgen (15.5.) raus ... Ich glaube, das alles übersteigt meine Verstandeskräfte.



Nö, absolut üblich das zwischen den VO's hier und in UK Wochen, gar Monate liegen können!
AcomA (15.05.2006, 13:31):
hallo,

von den obengenannten aufnahmen zu diesem edlen konzert bevorzuge ich derzeit die wiederaufgelegte einspielung mit w. schneiderhan, den berl. Ph. und e. jochum. ich bin damals jedoch durch folgende aufnahme geprägt worden, und heute noch finde ich nicht entsprechendes. der geigenton ist extrem betörend. wahrer geigenolymp:

pinchas zukerman/ chicago symphony orch./ d. barenboim

dgg, aufn. 1975

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8402514.jpg

und dann kenne ich noch die LP meiner eltern, die ich auch sehr gut finde:

christian ferras/ berliner philh./ H. v.Karajan

dgg, aufn. 60er jahre

IMO kommt es bei diesem konzert auf eine blitzsaubere intonation und die verwendung von eher zügigen tempi an.

die klavierfassung, ich sehe das ähnlich wie Cosima, hat ihre besondere reize. hier noch eine sehr empfehlenswerte aufnahme des op. 61a gekoppelt mit dem 2. klavierkonzert:

francois-rene duchable, piano

sinfonia warsovia unter yehudi menuhin

emi, DDD, aufn. 90er jahre


der klavierpart ist sehr luzide. pianistischer gipfelpunkt natürlich in den kadenzen. das reizvolle daran ist die tatsache, dass yehudi menuhin dirigiert, der ein leben lang als solist dieses konzert dargestellt hatte. ich finde diese interpretation 'adäquater' phrasiert als bei berezovsky, dessen frisches spiel ich jedoch auch sehr schätze. die aufnahmequalität des berezovsky ist überragend.


gruß, siamak :engel
Ganong (15.05.2006, 18:34):
Lieber Siamak ,

von den zahlreichen Aufnahmen mit Nathan Milstein gefallen mir die mit Wiloiam Steinberg ( EMI ) und Sir Adrian Boult ( BBC Legends ) am besten .

Die Christian - Ferras - Aufnahme mit von HvK zähle ich zu den
"TOP TEN Aufnahmen der DGG " aller Zeiten !

Von den im besten Sinne klassischen Interpretationen sind meine Favoriten die Aufnahmen mit Zino Francescatti , einem grossen Geiger , und die mit Perlman / Giulini .

Die Aufnahme mit dem Pianisten Duachable , den ich sehr schätze , ist schon spektakulär .

Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (15.05.2006, 19:02):
vor wenigen Stunden hörte ich, erstmals, die DG Aufnahme mit Schneiderhan/Jochum.



Mein erster Eindruck: Schneiderhan's Geigenton gefällt mir auf dieser Aufnahme gar nicht! Viel zu "scharf" und "überspitzt" und dadurch insb. bei den hohen Tönen viel zu grell.

Mal gespannt wie mein zweiter Eindruck sein wird.

Wahrscheinlich habe ich mich gerade unbeliebt gemacht :ignore ?(
Zelenka (15.05.2006, 19:06):
Original von Rachmaninov

vor wenigen Stunden hörte ich, erstmals, die DG Aufnahme mit
Mein erster Eindruck: Schneiderhan's Geigenton gefällt mir auf dieser Aufnahme gar nicht! Viel zu "scharf" und "überspitzt" und dadurch insb. bei den hohen Tönen viel zu grell.

Mal gespannt wie mein zweiter Eindruck sein wird.

Wahrscheinlich habe ich mich gerade unbeliebt gemacht :ignore ?(

Hast Du! Schäm Dich!

:D,

Zelenka
Rachmaninov (15.05.2006, 19:08):
Original von Zelenka

Hast Du! Schäm Dich!

:D,

Zelenka

Nö!

Aber ich sprach vom ersten Eindruck :D
Cosima (15.05.2006, 19:14):
Original von Ganong
Die Aufnahme mit dem Pianisten Duachable , den ich sehr schätze , ist schon spektakulär .


Und die gute Nachricht ist: Sie wäre sogar noch erhältlich! Ich werde mal kurz in mich gehen...

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000026D5P.03.LZZZZZZZ.jpg

Gruß, Cosima
AcomA (15.05.2006, 22:50):
lieber Frank,

ich freue mich, dass hier jemand den großartigen musiker und violinisten christian ferras hier noch kennt !

http://www.thirteen.org/publicarts/violin/images/ferras_01.jpg

ich kenne noch seine aufnahmen des konzertes von brahms und tschaikowsky mit den berliner philh. unter HvK, ebenfalls sehr beseelte interpretationen. leider ging er an der alkoholkrankheit zugrunde und verstarb 1982 als 'vergessener' künstler. das beethoven-konzert mit ihm und den o.g. partnern ist wirklich sensationell !

ich wollte nochmals auf die kadenzen des beethovenschen violinkonzertes zu sprechen kommen. welche kennt ihr und welche zieht ihr vor ?

gruß, siamak :)
Ganong (16.05.2006, 12:49):
Lieber Siamak ,

zunächst : ich habe die Funddstelle aus dem "Deutschen Ärzteblatt" für Dich wegen des angeblich bei Mozart vorliegenden "Chronisch subduralen Hämatoms" als Todesursache nicht vergessen . Du warst seinerzeit ja in I./P. .

ich kann nicht beurteuilen , ob es "so etwas" gibt .

Zufällig ist hier in D. vorigen Februar ( 2005 ) ein damals 61jähriger Mann mit allen Risikofaktoren ausgestattet "plötzlich" verstorben , bei dem der V. a. ein chron. subdutales Hämaton n i c h t auszuschliessen war . Er ist obduziert worden aus forensischen Gründen . Die Angehörigen meinten , dass er an einem "herzinfarkt " verstorben sei . Faktum est , dass er lange Zeit immer wieder gestürzt ist und auch kurz vor seinem Exitus noch erneut auf den Kopf gefallen war . Herr G. war gar nicht mehr in der Lage richtig zu gehen und sein motorisches Sptachzentrum war auch stark gestört . Seine Feinmotorik völlig aufgehoben ( zwei Jahre zuvor konnte er noch filigranste handwerkliche Leistungen ausüben ) .

Leider gibt es keine Möglichkeit , das Obduktionsprotokoll ( Uni Düsseldorf ) einzusehen oder anzufordern .

Zu den Kadenzen : ich meine , dass man in aller regekl die kadenzen des Komponisten nehmen sollte als Interpret . Manche Solisten nehmen bei Beethoven die Kadenz von Kreisler , andere haben ihre eigenen . Ich kenne bei Geigern keine Litertaurstelle , warum der eine sich so , der andere sich anders entscheidet .

Christian Ferras hat das Sibelius - Konzert noch aufgenommen und eine sehr , sehr romantische Sicht der 3 Violinsonaten von Brahms aufgenommen . Leider sind in Deutschland die meisten seiner Aufnahmen gestrichen worden . Skandalös , wenn wir lesen , was alles von wem aufgenommen wird ! Wer , bite , ist eine Janine Jansen ???

Ähnliche wie für ferras gilt für Michael Rabin und Mischa Elman ! ! D a s war grösstes Virtuosentum und mindestens in demselben Masse grosse Interpretationskunst .

W o sind heute diese Künstler ???

Beste Grüsse , Frank

PS.: ich wollte es schon in 2005 schreiben . Es gab / gibt in Essen ( früher UFK ) einen Priv-Doz. M o a y e r , der ein glänzneder Operateur war , bei uns Studneten waegen seiness Verständnisses und und seiner Praxisnähe in der Gyn. äusserst beliebt gewesen ist . kennst du ihn noch ? F.
Zelenka (16.05.2006, 13:18):
In meiner Einführung hatte ich nur unvollständig auf die jeweils verwendteten Kadenzen hingewiesen. Hätte ich vielleicht konsequenter tun sollen. In einer besseren Welt würden vielleicht bei jeder Aufführung des Konzerts mehr oder weniger spontan vom Solisten Kadenzen improvisiert. Sicher zu riskant für die meisten, auch zu risikobehaftet später für die Zwecke der Plattenindustrie. Einigen Stunk hat es gegeben, als Gidon Kremer eine Weile lang von Schnittke komponierte Kadenzen gespielt hat. Sie sind wohl auch auf seiner ersten Aufnahme des Konzerts zu hören und wurden überwiegend stark angefeindet. Ein ernster Verstoß gegen die Hörerwartung des Publikums und allein schon ein Grund, auch die CD abzuwerten (die ich leider nicht kenne). Soweit ich gehört habe, sollen die Schnittke-Kadenzen durchaus recht kongenial an Beethoven anknüpfen. In Kremers späterer Aufnahme unter Harnoncourt wird, wie weiter oben gesagt, auf die Kadenzen der Klavierfassung zurückgegeriffen, die wohl wirklich von Beethoven stammen (im Falle der Umschreibung auf Klavier solo weiß man das ja nicht so genau). Hier stört mich das Klavier wirklich sehr (ich habe sonst nichts gegen Klaviere, aber bitte nicht im Violinkonzert). Und das alles dauert einfach zu lang. Schneiderhan (1961) hat es ohne Klavier, aber mit Pauken, am Ende vielleicht doch besser gemacht. Etwas dröge ist das Ganze leider schon. Kreisler oder Joachim dann? Wieder sicher auch Gewohnheitssache, aber ich würde Kreisler vorziehen.

Gruß,

Zelenka
AcomA (16.05.2006, 14:17):
lieber Frank,

es könnte tatsächlich sein, dass der 61-jährige an den folgen eines chronisch-subduralen haematoms verstorben ist. in der regel, gerade bei älteren (aber auch alkoholikern) führt ein eher leichter stoß des kopfes zur entwicklung eines CSDH. es kann dann über wochen zur extremen raumforderung werden. wenn erst mal lähmungserscheinungen auftauchen, dann kann innerhalb weniger tage sich eine 'einklemmung' entwickeln. im zusammenhang mit mozart halte ich das schon sehr abwegig. dann schon eher die ruptur aus einem 'mykotischen' hirnarterienaneurysma bei endokarditis (rheumatisches fieber).

lieber Jan Dismas,

ja, die kremer-interpretation mit den schnittke-kadenzen kenne ich. eine vorzügliche interpretation hinsichtlich tempo und eben diesen IMO gelungenen kadenzen. die spätere aufnahme mit harnoncourt finde ich aufnahmetechnisch schlecht. die beethovenschen klavierkadenzen werden dann ausgerechnet mit einem pianoforte gespielt. furchtbar !

meine lieblingskadenz ist/sind die kreislerschen. elegant, wiener charme und exzellentes aufgreifen des thematischen materials.

gruß, siamak :)
Zelenka (16.05.2006, 14:19):
Original von AcomA
lieber Frank,

es könnte tatsächlich sein, dass der 61-jährige an den folgen eines chronisch-subduralen haematoms verstorben ist. in der regel, gerade bei älteren (aber auch alkoholikern) führt ein eher leichter stoß des kopfes zur entwicklung eines CSDH. es kann dann über wochen zur extremen raumforderung werden. wenn erst mal lähmungserscheinungen auftauchen, dann kann innerhalb weniger tage sich eine 'einklemmung' entwickeln. im zusammenhang mit mozart halte ich das schon sehr abwegig. dann schon eher die ruptur aus einem 'mykotischen' hirnarterienaneurysma bei endokarditis (rheumatisches fieber).


gruß, siamak :)

Und das nach dem Mittagessen ...

X(,

Zelenka
AcomA (16.05.2006, 15:51):
hallo Jan Dismas,

so schlimm ist es eigentlich nicht, nämlich dann, wenn der arzt frühzeitig daran denkt und die diagnostik einleitet. denn die CSDH sind minimal-invasiv sehr gut behandelbar ! beim mykotischen aneurysma sieht das schon anders aus.

gruß, siamak :)
Zelenka (16.05.2006, 16:03):
Original von AcomA
hallo Jan Dismas,

so schlimm ist es eigentlich nicht, nämlich dann, wenn der arzt frühzeitig daran denkt und die diagnostik einleitet. denn die CSDH sind minimal-invasiv sehr gut behandelbar ! beim mykotischen aneurysma sieht das schon anders aus.

gruß, siamak :)

Lieber Siamak:

Danke für Deine beruhigenden Worte!

Gruß,

Zelenka
fohlenfanatiker (16.05.2006, 17:13):
Vielleicht sollte man eine Plauderecke für ärztliche Kollegen einrichten :haha

Bezüglich des Konzertes muss ich sagen, dass ich noch nicht die Aufnahme gefunden habe, die ich wirklich als "meine Aufnahme" bezeichnen würde.
Ich besitze es zweimal von Frau Mutter (mit Karajan und recht neu mit Mazur) Habe letztgenannte Aufnahme neulich gehört und kann ihr nicht viel neues abgewinnen, ich finde sie etwas zu langsam und fast schon langweilig. Die Karajanversion find ich ehrlich gesagt schon besser.

-Harnoncout/Kremer wurde schon einiges drüber gesagt. Das Klavier irritierte mich beim ersten mal Hören schon irgendwie. Ist für mich nicht die Referenzaufnahme.

-Schneiderhahn/Jochum wurde hier viel gelobt. Ich habe sie nur einmal gehört und mich sprach sie nicht an. Das darauf folgende Mozartkonzert hingegen fand ich richtig gut, woraus ich schloss, dass Schneiderhahn wohl besser zu Mozart als zu Beethoven passt. Auch unter der Gefahr, mich wie Richard unbeliebt zu machen schließe ich mich seiner Meinung an. Ich find den Geigenton auch zu schrill, der macht mich richtig nervös.

Heifetz (Stereo) wie immer technisch perfekt, hab ich lange nicht gehört.

Wie sind denn die Tempi bei Ferras/Karajan? Ihr habt mich jetzt ganz neugierig gemacht. Ich find die Tempi bei Karajan/Mutter auch eher etwas langsam.
Gruß
Jack Bristow (16.05.2006, 18:19):
Original von fohlenfanatiker
-Schneiderhahn/Jochum wurde hier viel gelobt. Ich habe sie nur einmal gehört und mich sprach sie nicht an. Das darauf folgende Mozartkonzert hingegen fand ich richtig gut, woraus ich schloss, dass Schneiderhahn wohl besser zu Mozart als zu Beethoven passt. Auch unter der Gefahr, mich wie Richard unbeliebt zu machen schließe ich mich seiner Meinung an. Ich find den Geigenton auch zu schrill, der macht mich richtig nervös.


Ist der Ton bei Mozart weniger schrill, oder macht es dich da nur nicht nervös?
Ich habe unlängst eine ältere Mono-Aufn. des 4. Mozart-Konzertes mit Schneiderhan/Rosbaud gehört und hatte zunächst denselben Eindruck eines aggressiv, fast schneidenden Tons; abgesehen davon fand ich dei Interpretation ziemlich gut. Aber das läßt mich bei Schneiderhan nun auch zögern...


Heifetz (Stereo) wie immer technisch perfekt, hab ich lange nicht gehört.


Lohnt evtl. das Wiederhören; ich teile die Abneigung mancher gegen diese Aufnahme nicht.

viele Grüße

J. Bristow
fohlenfanatiker (16.05.2006, 20:43):
Ist der Ton bei Mozart weniger schrill, oder macht es dich da nur nicht nervös?
Nein, er ist genauso schrill. Das ist natürlich nicht Schneiderhahns Schuld. Aber deshalb höre ich auch eher selten die Mozartkonzerte mit ihm, obwohl sie mir musikalisch gut gefallen.
Ich habe vorhin nochmal das Beethovenkonzert mit Schneiderhahn gehört. Es ist nicht nur der schrille Ton. Ich finde er spielt es irgendwie "korrekt", sauber, Ton für Ton. Aber mir fehlt die Leichtigkeit. Anders kann ich es im Moment nicht erklären.
Das Dirigat von Jochum find ich wiederum ausgezeichnet.
Den Heifetz werde ich bald mal wieder hören. Eine Abneigung hab ich auch nie gehabt.
Gruß
AcomA (16.05.2006, 23:10):
hallo fohlenfanatiker,

die tempi bei ferras/karajan sind vergleichbar mit zukerman/barenboim. also geringfügig langsamer als bei heifetz, aber schneller als bei mutter oder stern.

eine weitere perle bei der interpretation dieses konzertes ist ein live-mitschnitt yehudi menuhins aus moskau ende der 40er jahre. sein verständnis für die 'natürliche phrasierung dieses konzertes ist frappierend. einer der größten musiker, fürwahr ! :down aber dafür grottenschlechte aufnahmequalität. diese interpretation ist umso erstaunlicher, als man ihr das körperliche leid nicht anhört, unter welchem menuhin nach seinen 'kriegseinsätzen' laborierte.

gruß, siamak :)
ab (17.05.2006, 22:11):
Hallo Zelenka,
schöner Beitrag! Ich liebe dieses Violinkonzert!

Gleich vorweg: meine Lieblingsaufnahme ist die von Dir als letztes angeführte mit Thomas Zehetmair. Das mag erstaunen, weil Koopman ja gewöhnlich sehr stehend interpretiert und Zehetmair bekannt ist, drängend jeder musikalische Nuance, sozusagen, hinterher zu hetzen. Dennoch, diese beiden finden hier wundersam und wunderbar zusammen. Der historische Klang des Orchesters ist gepaart mit der „modernen“ Stradivari Zehetmairs, Mullova/Gardiner was ich ja mehr schätze als etwa nur historisches Material wie bei Beths mit der Tafelmusik und Weil (Sony)]. Die Tempi sind zügig, aber das rückt diese Aufnahme ja in die Näher zur Zeit Hubermanns, mit dessen Aufnahme sie übrigens durchaus (wie ich einmal in einem Geschäft kurz auf den ersten Eindruck hören konnte, als die Restauration historischer Klangdokumente noch brennteuer und so gut wie klanglich unerträglich war) zu vergleichen ist!!!

Deine Vermutung zu Grumiaux vs. Schneiderhan würde ich bestätigen. Grumiaux’ Konzertauffassung hätte ich eigentlich nicht romantisch, sondern klassisch erwartet. Klassisch sind dafür die Romanzen gehalten. Diese finde ich schöner, auch wenn meine Lieblingsaufnahme bei diesen belanglosen Nettigkeiten jene von Hanoncourt mit Kremer (Reihenfolge ist hier absichtlich!) ist (wo beide ja durchaus – wenn auch nicht so enthusiastisch wie bei den Mozart-Konzerten – zusammen musizieren, was ja nicht immer der Fall ist, wie zB die Brahms-Violinkonzert-Aufnahme belegt). Diese Kremer-Aufnahme halte ich übrigens für die gelungenste, verglichen mit jener ganz frühe aus den 70ern bei EMI (gabs die jemals auf CD?) und jener mit der grotesken Schnittke-Kadenz bei Philips aus seiner groben Rupfer-Zeit aus den 80ern. Dennoch fehlt mir letztlich auch bei Kremer/Harnoncour der überspannende Zusammenhalt.

Schneiderhan betreffend, schätze ich die letzte Aufnahme mit Jochum am meisten. Die mit Kempen kommt mir so steril vor, und zwar sowohl als Schallplatte als auch nach dem neuen, leider aufgefetteten Remastering in der schönen Box. Furtwängler und er finden jedenfalls nicht im Geringsten auch nur irgendwie zusammen.

Um auf Franks Hinweise einzugehen: Milstein mit Steinberg finde ich sehr geglückt. Ferras kenne ich leider (immer) noch nicht, muss ich gestehen, leider... Francescatti empfinde ich – anders offensichtlich als Cosima und auch Frank – eher etwas als oberflächlich und – nebenbei – gar nicht als klassisch, sondern eher als virtuos.
Als den geradezu paradigmatisch klassischen Zugang schlechthin halte ich eher Menuhin, sofern man bereit ist, die technischen Mängel hinzunehmen. (Ist es eigentlich Zufall, dass er gewöhnlich mit "Der Humanist" statt "Der Geiger" apostrophiert wird?)

Bei Perlman fehlt es mir im langsamen Satz an Ausdruckstiefe – wie bei allem, was ich von ihm kenne. Außerdem widerspricht leider diese spätromantische Interpretation mit dem Dorthy-Delay-Einheits-Vibrato-Ton meinem musikalischen Empfinden. Was er jedoch bietet, ist der überspannende Zusammenhalt, den ich sonst so oft – auch bei Mullova, deren gläserne Kühle mir wenig behagt – vermisse. Guilini ist tadellos...

Zuckermann mit Barenboim waren zu dieser Zeit als Duo-Gespann eindeutig besser als in Konzerten – und Zuckermann hatt(e) einen selten wunderschönen Geigenklang! Auf eine Mischa Elman-Aufnahme warte ich noch sehnsüchtig: das war ein Klang! Wunderbar! Kein Wunder, dass seine Platten Bestseller waren, und das bei den damals enormen Preisen!

Für unbedingt erwähnenswert halte ich die Aufnahme mit Shlomo Mintz (DG), bei der einige Puristen die Nase rümpfen werden. Mintz – obwohl ganz und gar nicht mein subjektiver Geschmack – war wohl nicht nur technisch, sondern vor allem musikalisch einer der begabtesten Geiger in den 80ern (schade dass er diese Inspiration so völlig verloren zu haben scheint!). So durchgehend beseelt und intensiv ist dieses Werk wohl selten von einem Solisten gespielt worden! Zwei Wermutstropfen: Der dumpfe Klang und das desaströse Dirigat Sinopolis! Mintz ist überhaupt jener Geiger gewesen, bei dem meine Wertschätzung und mein persönlicher Geschmack am aller weitesten auseinander klaffen.

Aus einer der jüngsten Einspielungen derzeit, nämlich der von Vengerov & Rostropowitsch, bin ich leider nicht schlau geworden. Diese langsamen, spannungslosen Tempi, aber ohne dafür eine Räumlichkeit aufzuspannen oder dem Schönklang als solchem zu frönen, verstehe ich einfach nicht. Ich glaube, mir ist der „Witz“ dieser Aufnahme trotz vielfachen Versuchs einfach verborgen geblieben, ich weiß nicht, worum es den beiden da geht. Die Romanzen finde ich jenseits der Grenze zu Kitsch, wie inzwischen Vengerov immer öfters. Womöglich liegt das aber an mir...

Nigel Kenedy scheint mir noch sehr erwähnenswert, weil er der erste war, der das heutige Pop-Feeling herein brachte, sprich am Puls der Zeit rotzfrech spielte, ohne je peinlich zu wirken. Leider steht das Dirigat zurück...

Henryk Szeryng und Josef Wolfsthal sowie Josef Suk oder Michael Rabin habe ich nie angehört, genausowenig Julian Sitkovetsky (den Vater von Dmitri (matter Beethoven mit mattem Marriner) mit der so wunderbare ausgeglichenen Stradivari) muss ich nun doch einmal nachholen...

Von Leonid Kogan, (sollte da nicht demnächst sogar eine BrilliantClassics-Box erscheinen?) kenne ich eine russisch-bedrückend-ernste Aufnahme, die es einmal bei EMI USA gab.

Enttäuschend fand ich leider die von Stern / Bernstein, aber das mag dem hohen Alter des Geigers geschuldet sein.

Wer nicht glaubt, dass man dieses Violinkonzert auch im frühromantischen Sinne interpretieren kann, dem sei die abwechslungsreiche, ungestüme Version von Adolf Busch, vom Bruder in N.Y. begleitet, anempfohlen. So etwas sollte man auch einmal gehört haben! – Insbesondere wenn man immer von einer „deutschen Tradition“ spricht und damit akademische Trockenheit im Sinn hat...

Mir fällt auf, dass da Franzosen fehlen. Wieso?

Mehr fällt mir gerade nicht ein (und die deutsche Riege von Zimmermann über Hoelscher bis Tetzlaff scheint mir in einer „Liga“ wie Ughi oder Accardo aber auch Znaider oder Bell zu sein).
ab (17.05.2006, 23:17):
Wo bleiben eigentlich die Frauen bei diesem Konzert?

Das großartigste Konzerterlebnis mit Beethovens Violinkonzert hatte ich mit ASMutter, begleitet – hurra!!! – von ihrem Ehemann und nicht von diesem unsäglichen Masur! Ein Jammer, dass sie das Konzert nicht mit Previn und seinem Orchester aufgenommen hat! Manieriert im allerbesten Sinne zaubert sie einen abwechslungsreichen Klangfarbenreichtum mit schneidend sauberer Intonation und unbändigem Gestaltungswillen. Großartig! Leider nicht die Aufnahme...

Wer kennt die Aufnahme von Ginette Neveu (die ein ganz besonders wunderbares Sibelius-Konzert hinterlassen hat!)? Wie ist die?

Wer kennt die Aufnahme von delikaten Lola Bobesco mit Doneux ?

Wie gefällt euch die jugendliche Unbekümmertheit Hilary Hahns?

Wer kennt die Wienerin Karin Adam mit dem Polish National SO und Wit ?

Wer kann mir etwas zu Katrin Scholz, Kammerorchester Berlin, Michael Sanderling sagen ?

Wer hat schon einmal etwas von Camilla Wicks oder Gioconda de Vito gehört?

Wer hörte bereits Ida Haendel, Philharmonia Orchestra, Kubelik?

Wie spielt es Kyung-Wha Chung?
Cosima (18.05.2006, 17:20):
Hallo,

inzwischen habe ich die Duchable/Menuhin-Aufnahme des op. 61 a gehört. Sie ist sehr gut, dennoch würde ihr nicht eindeutig den Vorzug vor Berezovsky/Dausgaard geben. Ich bin zwiegespalten, da - aufgrund der unterschiedlichen Ansätze – die eine Interpretation nicht als eine Steigerung der anderen betrachtet werden kann. Dausgaard lässt zügiger und frischer spielen, nicht nur wegen der kleineren Besetzung auch transparenter. Berezovskys Klavierspiel ist frech und voller Spielfreude, wiederum spielt Duchable wirklich betörend. Über Menuhins Dirigat bin ich mir noch nicht im Klaren, stellenweise klingt das Orchester etwas schwerfällig. Ich liebe beide Aufnahmen.

Gruß, Cosima
ab (18.05.2006, 22:01):
hallo Siamak,

wer dirigierte den da bei diesem Menuhin-Abend? Wieviele Aufnahmen hat eigentlich Menuhin hinterlassen? Welche sind davon empfehlenswert?
Ganong (19.05.2006, 17:08):
Lieber ab ,

die Aufnahmen von G. Neveu und von I. Haendel gehören sicherlich zu den wichtigen Aufnahmen des Konzerte s.

Bei "Testament" , soviel Werbung darf sein , gab es vor Jahren fast alle Aufnahmen von I. H. !

Grüsse , Frank

PS.: Hilary Hahn ist eine gropssartige Geigerin ! Sie ist , auf eine andere Art , eine Spitzengeigerin wie ASM . Hilary hahn ist vor allem sehr viel mehr als ein Technikwunder ; sie hat Persönlichkeit , Intellekt , Gefühl , Emotionen und ist doch so unglaublich "offen" in ihren eigenne Anmerkungen , die sie selber verfasst ! Vgl.: Hahns Hompage . F.
ab (19.05.2006, 17:26):
Lieber Frank,

ich kann leider Deine Begeisterung für Hilary Hahn nicht so teilen, wobei ich sie nie im Konzert erleben konnte. Aber die Konzertmitschnitte, die wiederholt im Radio gespielt wurden, konnten mich nicht wirklich begeistern, am ehesten noch der des Beethovenkonzerts aus Wien.

Selbst ihre Mozartsonaten, von Dir so gepriesen, hinterlassen bei mir einen etwas schalen Geschmack, trotz ihrer wirklich beeindruckend naiven-jugendlichen Unbekümmertheit.

Jedenfalls stimme ich Dir zu, dass sie nicht bloß "ein Technikwunder" ist, sondern dass sie Persönlichkeit und Intellekt hat und so unglaublich "offen" in ihren eigenen Anmerkungen ist, die sie selber verfasst !"

Ich bin schon sehr gespannt auf ihre musikalische Entwicklung, technisch muss da ja nichst mehr sein. Was ich an ihr wirklich schätze, ist, dass sie einen ganz eigenen Ton hat, was aus den USA ja nicht üblich ist.
Zelenka (23.05.2006, 15:54):
Ich hatte gestern Gelegenheit, nach Intervention von freundlicher Seite :D, zum ersten Mal in meinem Leben die Klavierfassung des op. 61 zu hören (ich habe die Version dann gleich dreimal hintereinander gehört):

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000BM3MMU.01.LZZZZZZZ.jpg

Ich kann nur schwärmen! Erst einmal ist das recht kleine schwedische Kammerorchester (weniger als 40 Mitglieder) für mich eine Entdeckung: ein warmes, expressives Spiel, mit dem das Tonhallen-Orchester in der oben erwähnten Tetzlaff-Aufnahme überhaupt nicht mithalten kann. Auf mich macht die Zürcher Aufnahme im Vergleich eher den Eindruck einer akademischen Pflichtübung. Das schwedische Spiel geht natürlich auch auf das Konto des Dirigenten. Ich vermisse hier nichts, was mir bei Jochum in der Schneiderhan-Aufnahme gefällt. Und Berezovsky erweckt den Eindruck, tatsächlich von der Klavierfassung überzeugt zu sein. Ein ungeheuer flexibles Spiel, zusätzlich scheint er über die Jahre an expressiver Wärme gewonnen zu haben. Habe ich irgendetwas zu meckern? Vielleicht könnten die Pauken etwas saftiger sein ... Nein, die CD ist wirklich ein Ereignis!

Gruß,

Zelenka
AcomA (23.05.2006, 16:22):
hallo Jan Dismas,

ja sie ist ein ereignis. dennoch sollte und kann man dies nicht mit der originalen sprich violinfassung vergleichen. alleine schon violine und klavier als solo-instrumente fallen klanglich und von der phrasierung höchst unterschiedlich aus. ich behaupte mal, die interpretation der schweden mit dem violin-solo-part, klanglich unangenehm !

gruß, siamak :)
Zelenka (23.05.2006, 16:40):
Original von AcomA
hallo Jan Dismas,

ja sie ist ein ereignis. dennoch sollte und kann man dies nicht mit der originalen sprich violinfassung vergleichen. alleine schon violine und klavier als solo-instrumente fallen klanglich und von der phrasierung höchst unterschiedlich aus. ich behaupte mal, die interpretation der schweden mit dem violin-solo-part, klanglich unangenehm !

gruß, siamak :)

Lieber Siamak:

Du hast natürlich recht, man muß Äpfel und Birnen getrennt halten. Es ging mir nur ganz pauschal um das warme Spiel des erstaunlichen kleinen Orchesters. In der Geigenfassung müßte im einzelnen sicher vieles anders aussehen.

Gruß,

J.D.Z.
Zelenka (23.05.2006, 17:05):
Und wenn jemand die Klarinettenfassung (nicht von Meister Beethoven eingerichtet) im Plattenschrank haben sollte, wäre ein Kommentar erwünscht:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004SDNZ.03.LZZZZZZZ.gif

Gruß,

Zelenka
Cosima (23.05.2006, 21:01):
Original von Zelenka
Ich kann nur schwärmen!

Lieber Zelenka,

ich freue mich, dass mein Tipp so gut bei Dir ankommt! Das 4. Beethoven-Konzert ist aber auch schön, nicht wahr?

Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (23.05.2006, 22:08):
Hallo,

die Aufnahme von Milstein Pittsburgh Symphony Orchestra unter W. Steinberg gehört ganz ohne Zweifel zu den TOP Aufnahmen des Konzerts und wurde absolut zurecht bereits mehrfach hier im Thread genannt!

Milsteins Geigenton passt hervorragend zum Charakter des Konzerts und sein packender dynamischer Geigenton läßt das Konzert in einem wunderbar karftvollen Ton erklingen.



Gehört IMO in jede Sammlung :down
Zelenka (24.05.2006, 12:38):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Ich kann nur schwärmen!

Lieber Zelenka,

ich freue mich, dass mein Tipp so gut bei Dir ankommt! Das 4. Beethoven-Konzert ist aber auch schön, nicht wahr?

Gruß, Cosima :)

Doch, das 4. ist genauso schön gespielt!!! Beim "6." kam eben die Entdeckerfreude noch hinzu.

Gruß,

Zelenka :)
Zelenka (06.06.2006, 14:32):
Seit der Eröffnung dieses Fadens hat sich die Zahl meiner Aufnahmen des Konzerts von 10 auf 13 erhöht. Hinzugekommen sind:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS43RQ.08.LZZZZZZZ.jpg

Kogan, O de la Société des Concerts du Conservatoire, Vandernoot (1957) EMI Les Introuvables 094635192223

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000041AE.03.LZZZZZZZ.jpg

Krebbers, Concertgebouw O, Haitink (1974) Philips Duo 4425802

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000419A.03.LZZZZZZZ.gif

Grumiaux, Concertgebouw O, C. Davis (1974) Philips Duo 4422872


Kogan ist bei aller Bewunderung für sein perfektes Spiel und seinen schönen Ton ein wenig zu ernst und unflexibel. Ich würde eigentlich normalerweise ungern vom Gesichtsausdruck auf den Charakter schließen (im Kogan-Faden ist es schon getan worden), aber in diesem Falle ist etwas dran. (Als KGB-Bösewicht wäre Kogan in einem Bond-Film nicht fehlbesetzt gewesen.)

Eine andere Aufnahme mit Kogan unter Sinvestri scheint derzeit unerreichbar. Sie wurde zuletzt wohl als Teil dieser Ausgabe gesehen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000002SC6.01.LZZZZZZZ.jpg

Krebbers/Haitink: Insgesamt überzeugendes Spiel des vormaligen Konzertmeisters des Concertgebouw-Orchesters, gute Unterstützung durch Haitink. Das letzte und entscheidende Gran solistischer Initiative und Spontaneität fehlt bei Krebbers leider.

Grumiaux/C.Davis: Das Wiederhören hat Freude gemacht, was den Solisten angeht, weniger allerdings was den Dirigenten. Mir scheint die Begleitung zu humorlos, unflexibel und stellenweise schlicht zu monumental. Eine andere Einspielung des Konzerts durch Grumiaux unter Galliera (ebenfalls Philips) kenne ich leider nicht.

Gruß,

Zelenka
Jeremias (06.06.2006, 20:25):
Heute via Ebay gekommen:

http://images.amazon.com/images/P/B00000E2NO.03._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

Einerseits ist die Kadenz von Schnittke natürlich mal was anderes, andererseits frage ich mich: Muss das denn sein? Beethoven nahezu verunstaltet, irgendwelche Fetzen aus dem Brahms-Konzert.... nein danke, die Herren Kremer und Schnittke!
AcomA (06.06.2006, 21:21):
lieber Jeremias,

sei doch nicht so nörglerisch. dies ist IMO eine top-interpretation. die schnittke-kadenz ist mal etwas anderes. nicht immer diese kreisler oder gar joachim-kadenzen.

gruß, siamak :)
Jeremias (06.06.2006, 23:27):
Es ist ja auch eine sehr gute Aufnahme, das bestreite ich auch nicht. Aber ich finde einfach, dass die Kadenz nicht zu dem Werk passt. Bei Kremer's Brahms-Aufnahme unter Bernstein sehe ich das zum Beispiel anders, da finde ich den Einschub von Reger höchst interessant und passend, aber hier nunmal nicht....
ab (07.06.2006, 00:06):
Original von Jeremias
Es ist ja auch eine sehr gute Aufnahme, das bestreite ich auch nicht. Aber ich finde einfach, dass die Kadenz nicht zu dem Werk passt. .

So sehr ich Schnittke schätze - und mir die Kadenz für sich auch gefällt -, ich finde ebenfalls, dass diese Kadenz die Einheit des Konzerts zerstört und völlig herausfällt. (Ich finde übrigens nicht, dass es sich um eine sehr gute Aufnahme handelt, weder von Kremer, noch von Beethovens Konzert - gut ist sie aber schon.)
ab (16.08.2006, 01:01):
Original von Ganong

Von den im besten Sinne klassischen Interpretationen sind meine Favoriten die Aufnahmen mit Zino Francescatti , einem grossen Geiger
Lieber Frank,

Meinst Du dabei die Aufnahme mit Bruno Walter (Sony) oder aber jene mit dem Philadelphia Orchestra
und Eugene Ormandy vom 5 November 1950 (Biddulph)?

Vielen Dank!
ab (01.09.2006, 15:42):
Original von Rachmaninov
Mein erster Eindruck: Schneiderhan's Geigenton gefällt mir auf dieser Aufnahme gar nicht! Viel zu "scharf" und "überspitzt" und dadurch insb. bei den hohen Tönen viel zu grell.

Wohl auch eine jittrig klingend Scheibe erwischt? Mir geht es genauso: Ich kenne die Aufnahme aus Kinderzeiten von Schallplatte sowie von der ersten CD-Ausgabe gemeinsam mit Oistrachs Romanzen. Dann kaufte ich sie mir selbst in der Originals-Aufnahme (in der Hoffnung auf Klangsteigerung), die ich mir kaum anhöre, wegen ebendieser Charakterisierung, die aber definitiv nicht am Ton Schneiderhans liegt!
Ganong (01.09.2006, 19:12):
Lieber ab ,

Ida Haendel gehört sicherlich zu den interessantesten Geigern / Geigerinnen überhaupt .

Miss Hahn ist in ihrer "jugendlichen Unbekümmertheit" ( reicht dies ? ) so geigerisch - technisch wie intellektuell analytisch so hervorzuheben , dass eigentlich ein Liebhaber dieses Konzertes wie der Kunst von JMiss Hahn die Aufnahme besitzen sollte . Hilary hahns "Homepage" ist richtig erfrischend , spannend und hochinformativ . Endlich eine Künstlerin , die nicht zu zwei Berliner Fotografen reist / reisen jmuss , sich halbnackt oder in garedezu lächerlichem "outfit" präsentieren muss , um aufzufallen . ( Die Fotografen mit ihrem "Polaroid" - Tick sind auf jeden Fall überwältigende Narzissten ! ) .

Kein weiter Kommentar zu Nagano , dem "mit geschlossenen Augen wachen (K)lang lang ", einem der Kunden der beiden fotografen .

Grüssse ,

Frank

PS.: Wenn ich solchen PR - Unsinn ( unter grösster Mitbeteiligung der DGG ! ) morgend um 6 Uhr hören muss WDR , 3. Hörfunkprogramm ; Indendant : Frit Pleit(g)e(n) , *** ) , dann weiss ich reflexartig wie es um das "InnenSTERBEN" des WDR seit zig Jahren bestellt ist ! F.
Amadé (14.10.2006, 20:45):
Hallo Rachmaninov,

ich finde auch, dass die Kadenz verstört und irgendwie nicht passt. Interessant ist sie schon, da Schnittke hier in musikgeschichtliches Fenster zu Brahms' Violinkonzert öffnet, konsequenterweise hätte er auch eine zu op.77 komponieren müssen, rückblickend zu op.61, das hätte gut zu Brahms gepasst.

Gruß Bernd
Cosima (28.08.2007, 22:35):
Mich begeistert die Aufnahme! Und ich liebe The Prague Philharmonia unter Jirí Belohlávek! Sie spielen herrlich homogen, klar und fein ausbalanciert. Ich würde sogar sagen, dass dies – berücksichtige ich nur die Orchesterleistung – meine liebste Aufnahme des Violinkonzertes ist. Selten habe ich ein Orchester gehört, das solch geschmeidigen Wohlklang erzeugt.

Isabelle Fausts Geigenspiel harmoniert sehr gut mit dem sinfonischen Gegenüber. Das ist alles eine runde Sache, sehr natürlich und frisch musiziert. Sie spielt übrigens die Stradivari „Dornröschen“.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg

Gruß, Cosima
nikolaus (28.08.2007, 22:52):
Original von Cosima
... Das ist alles eine runde Sache, sehr natürlich und frisch musiziert. ...
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg

Gruß, Cosima

Hallo Cosima!

Den Eindruck hatte ich beim Probehören des ersten Satzes auch. Wenn du so davon schwärmst, werde ich sie mir wohl auch zulegen...

:thanks Nikolaus.
ab (14.09.2007, 14:23):
Original von Cosima
Mich begeistert die Aufnahme! Und ich liebe The Prague Philharmonia unter Jirí Belohlávek! Sie spielen herrlich homogen, klar und fein ausbalanciert. Ich würde sogar sagen, dass dies – berücksichtige ich nur die Orchesterleistung – meine liebste Aufnahme des Violinkonzertes ist. Selten habe ich ein Orchester gehört, das solch geschmeidigen Wohlklang erzeugt.

Isabelle Fausts Geigenspiel harmoniert sehr gut mit dem sinfonischen Gegenüber. Das ist alles eine runde Sache, sehr natürlich und frisch musiziert. Sie spielt übrigens die Stradivari „Dornröschen“.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg

Gruß, Cosima

Soeben hörte ich Satz zwei und drei im Radio vorgestellt und ich muss gestehen, dieser Beethoven hat mich gefesselt. Dies ist sicher die erfreulicheste Aufnahme dieses Konzerts seit Zehetmair, die mir untergekommen ist. Der langsame Satz ist zwar ganz im Trend der Zeit sehr langsam genommen. Aber Orchester und Solistin halten die Sapnnung. Das Finale wirkt nicht gerade sehr schnell, was ich durchaus schätze. Die Gestaltung ist sehr schön, der Klang eher auf der schlanken Seite. Die Auffassung nicht dramatisch-kräftig, sondern eher lyrisch, wie ich Beethovens Orchesterwerke besonders mag. Das Zusammenspiel geht weit über das übliche Begleiten hinaus. Der letzte Übergang zum Geigenanstieg beim Ende finde ich überragend gelöst!
Keine andere Aufnahme von Isabelle Faust hat mich bislang so überzeugt.

Mir kommt sie irgendwie vor, wie Schneiderhahn, nur zeitgemäß abgeschlackt. Neue Einsichte (sehe ich vom Ende ab) habe ich keine gewonnen. Aber was wirklich zählt, ist, dass sie Musik machen, und nicht nur Noten spielen!

Gratulation Frau Faust!
:thanks
Zelenka (14.09.2007, 14:44):
Original von ab
Original von Cosima

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg



Soeben hörte ich Satz zwei und drei im Radio vorgestellt und ich muss gestehen, dieser Beethoven hat mich gefesselt. Dies ist sicher die erfreulicheste Aufnahme dieses Konzerts seit Zehetmair, die mir untergekommen ist. Der langsame Satz ist zwar ganz im Trend der Zeit sehr langsam genommen. Aber Orchester und Solistin halten die Sapnnung. Das Finale wirkt nicht gerade sehr schnell, was ich durchaus schätze. Die Gestaltung ist sehr schön, der Klang eher auf der schlanken Seite. Die Auffassung nicht dramatisch-kräftig, sondern eher lyrisch, wie ich Beethovens Orchesterwerke besonders mag. Das Zusammenspiel geht weit über das übliche Begleiten hinaus. Der letzte Übergang zum Geigenanstieg beim Ende finde ich überragend gelöst!
Keine andere Aufnahme von Isabelle Faust hat mich bislang so überzeugt.

Mir kommt sie irgendwie vor, wie Schneiderhahn, nur zeitgemäß abgeschlackt. Neue Einsichte (sehe ich vom Ende ab) habe ich keine gewonnen. Aber was wirklich zählt, ist, dass sie Musik machen, und nicht nur Noten spielen!

Gratulation Frau Faust!
:thanks

Ich bin leider weiterhin in der unglücklichen Lage, nur Fausts Larghetto zur Verfügung zu haben, das mir in jeder Hinsicht, gerade auch was das Zusammenspiel von Solistin und Orchester angeht, bestens gefallen hat und gefällt. 8 Min 57 Sek. sind zwar relativ lang, aber nicht so lang wie die 9 Min. 51 Sek., die Huberman sich 1944 (Arbiter) genehmigte. Das hält nicht mehr zusammen.

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (25.09.2007, 05:37):
Original von ab
Original von Cosima
Mich begeistert die Aufnahme! Und ich liebe The Prague Philharmonia unter Jirí Belohlávek! Sie spielen herrlich homogen, klar und fein ausbalanciert. Ich würde sogar sagen, dass dies – berücksichtige ich nur die Orchesterleistung – meine liebste Aufnahme des Violinkonzertes ist. Selten habe ich ein Orchester gehört, das solch geschmeidigen Wohlklang erzeugt.

Isabelle Fausts Geigenspiel harmoniert sehr gut mit dem sinfonischen Gegenüber. Das ist alles eine runde Sache, sehr natürlich und frisch musiziert. Sie spielt übrigens die Stradivari „Dornröschen“.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/2871989.jpg

Gruß, Cosima

Soeben hörte ich Satz zwei und drei im Radio vorgestellt und ich muss gestehen, dieser Beethoven hat mich gefesselt. Dies ist sicher die erfreulicheste Aufnahme dieses Konzerts seit Zehetmair, die mir untergekommen ist. Der langsame Satz ist zwar ganz im Trend der Zeit sehr langsam genommen. Aber Orchester und Solistin halten die Sapnnung. Das Finale wirkt nicht gerade sehr schnell, was ich durchaus schätze. Die Gestaltung ist sehr schön, der Klang eher auf der schlanken Seite. Die Auffassung nicht dramatisch-kräftig, sondern eher lyrisch, wie ich Beethovens Orchesterwerke besonders mag. Das Zusammenspiel geht weit über das übliche Begleiten hinaus. Der letzte Übergang zum Geigenanstieg beim Ende finde ich überragend gelöst!
Keine andere Aufnahme von Isabelle Faust hat mich bislang so überzeugt.

Mir kommt sie irgendwie vor, wie Schneiderhahn, nur zeitgemäß abgeschlackt. Neue Einsichte (sehe ich vom Ende ab) habe ich keine gewonnen. Aber was wirklich zählt, ist, dass sie Musik machen, und nicht nur Noten spielen!

Gratulation Frau Faust!
:thanks

@ab, @Cosima,

in euren Beiträgen entdecke ich Vieles, was mit bei Hören auch positiv aufgefallen ist.
Die Orchesterleistung, sowie das Zusammenspiel mit Frau Faust gefällt mir ebenfalls richtig gut. Während die Klangtechnick I. Faust gut eingefangen hat empfinde ich allerdings das das Orchester doch etwas "plakativ" wirkt insb. bei vollem Orchestralen-Einsatz. Das fehlt mir doch die räumliche Abbildung!

Insg. empfinde ich die Aufnahme als gut was die künstlerische Leistung angeht. Zu einer Spitzenaufnahme reicht es IMO dann aber doch nicht. Vir allem in Schlusssatz fehlte mir doch das leichte, das spielerische bei I. Faust und gerade dies ist in Schlusssatz wichtig. Hier darf es ruhig etwas "feuriger" sein. Da empfinde ich andere Aufnahmen und vor allem Solisten zwingende. Auch in Satz 1 und 2.

Interpretation: 8
Klang: 8

P.S.: Bin gespannt was Zelenka schreibt sofern er die Aufnahme ganz zu hören bekommt!
teleton (27.09.2007, 14:38):
Hallo Zelenka,

dein Einführungsbeitrag enthält ja schon eine Menge Aufnahmen die wirklich interessant sind und Dich als Beethoven-Violinlonzert-Kenner ausweisen.

Mein jahrelanger Favorit war die CBS-Aufnahme mit Bruno Walter und Zino Francescatti, Violine.
Die reichte mir, denn so oft höre ich das Werk nun auch nicht.

Durch Empfehlung habe ich mir auch die Tetzlaff/Zinmann-Aufnahme (ARTE) zugelegt und war begeistert.
Du sprichst im ersten Beitrag zwar von "schwächlichen Pauken" am Anfang, die durch die offenbar historischen Schlägel ausgelöst werden - das stimmt und das ist, wie so oft bei Beethoven und Zinmann, ungewohnt.
Doch kenne ich keine Aufnahme in der die Pauken im weiteren geschehen so prägnant zu hören sind. Auch Tetzlaffs Violinspiel fastziniert mich, sodaß ich diese Aufnahme als die Beeidruckenste bezeichnen würde und erhebe sie zu meiner Favoritenaufnahme.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS4JRK.03.LZZZZZZZ.jpg
ARTE


Im Rahmen der hervorragenden GA der Beethoven-Sinfonien mit Bernstein / New Yorker PH (SONY) ist in dieser CD-Box auch das Violinkonzert mit Stern / Bernstein enthalten.
Da habe ich bisher mal kurz reingehört - hörte sich "normal" an ohne das ich irgendwelche herausfallenden Hörerlebnisse schilden könnte; der Klang war allerdings nicht übermäßig gut.
Ich muß diese Aufnahme aber mal ganz hören und werde berichten.

Die CBS-Aufnahme Oistrach/Ormandy habe ich auch noch - lange nicht gehört.
Aber das ist auch eine der referenzwürdigsten Einspielungen, die nur wegen des Aufnahmedatums 60er, klanglich nicht so toll ist.
Rachmaninov (27.09.2007, 14:40):
@Wolfgang,

sehr schöner erster Beitrag!
Ein herzliches Willkommen :hello

Richard
Poztupimi (27.09.2007, 23:19):
Hallo Wolfgang,

auch von mir herzlich willkommen hier :hello

Original von teleton
Hallo Zelenka,



Durch Empfehlung habe ich mir auch die Tetzlaff/Zinmann-Aufnahme (ARTE) zugelegt und war begeistert.
Du sprichst im ersten Beitrag zwar von "schwächlichen Pauken" am Anfang, die durch die offenbar historischen Schlägel ausgelöst werden - das stimmt und das ist, wie so oft bei Beethoven und Zinmann, ungewohnt.
Doch kenne ich keine Aufnahme in der die Pauken im weiteren geschehen so prägnant zu hören sind. Auch Tetzlaffs Violinspiel fastziniert mich, sodaß ich diese Aufnahme als die Beeidruckenste bezeichnen würde und erhebe sie zu meiner Favoritenaufnahme.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS4JRK.03.LZZZZZZZ.jpg
ARTE



Diese Aufnahme schätze ich bisher auch durchaus, neben der von Mullova oder Zehetmair bspw.

Da ich inzwischen auch meine Aufnahme mit Isabelle Faust erhalten habe sowie als Rückgabe aus der Verwandschaft auch wieder die mit Menuhin unter Furtwängler von 1947 (Lucerne Festival Orchester), hoffe ich, daß ich es dieses Wochenende endlich mal schaffe, in die von Zelenka zitierten Aufnahmen aus dem Classica-Artikel (sowohl die Endauswahl als auch die Vorauswahl) zumindest reinzuhören. Und dann hoffentlich auch noch in der Lage bin, meinen Eindruck zu schildern.

Grüße,
Wolfgang

PS:
ich wollte eigentlich Links direkt auf zwei Beiträge einfügen, aber irgendwie lande ich immer nur am Top einer Seite des entsprechenden Threads, also belasse ich es dabei.
HenningKolf (28.09.2007, 00:30):
@ Wolfgang


schön dass Du den Weg in dieses Forum gefunden hast


Henning
Zelenka (29.09.2007, 10:01):
Original von teleton
Hallo Zelenka,

dein Einführungsbeitrag enthält ja schon eine Menge Aufnahmen die wirklich interessant sind und Dich als Beethoven-Violinlonzert-Kenner ausweisen.

Mein jahrelanger Favorit war die CBS-Aufnahme mit Bruno Walter und Zino Francescatti, Violine.
Die reichte mir, denn so oft höre ich das Werk nun auch nicht.

Durch Empfehlung habe ich mir auch die Tetzlaff/Zinmann-Aufnahme (ARTE) zugelegt und war begeistert.
Du sprichst im ersten Beitrag zwar von "schwächlichen Pauken" am Anfang, die durch die offenbar historischen Schlägel ausgelöst werden - das stimmt und das ist, wie so oft bei Beethoven und Zinmann, ungewohnt.
Doch kenne ich keine Aufnahme in der die Pauken im weiteren geschehen so prägnant zu hören sind. Auch Tetzlaffs Violinspiel fastziniert mich, sodaß ich diese Aufnahme als die Beeidruckenste bezeichnen würde und erhebe sie zu meiner Favoritenaufnahme.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CS4JRK.03.LZZZZZZZ.jpg
ARTE


Im Rahmen der hervorragenden GA der Beethoven-Sinfonien mit Bernstein / New Yorker PH (SONY) ist in dieser CD-Box auch das Violinkonzert mit Stern / Bernstein enthalten.
Da habe ich bisher mal kurz reingehört - hörte sich "normal" an ohne das ich irgendwelche herausfallenden Hörerlebnisse schilden könnte; der Klang war allerdings nicht übermäßig gut.
Ich muß diese Aufnahme aber mal ganz hören und werde berichten.

Die CBS-Aufnahme Oistrach/Ormandy habe ich auch noch - lange nicht gehört.
Aber das ist auch eine der referenzwürdigsten Einspielungen, die nur wegen des Aufnahmedatums 60er, klanglich nicht so toll ist.

Lieber Wolfgang:

Leider etwas verspätet ein "Herzliches Willkommen" auch von mir! Der Name "Teleton" ist mir keinesfalls unbekannt.

Wenn wir die Pauken einmal beiseite lassen, habe ich Tetzlaffs Einspielung ja nicht weiter gerupft, aber ich bin bis heute nicht warm mit ihr geworden. Ich hoffe, hier in nächster Zeit zu mehreren Versionen noch Stellung zu nehmen, u.a. zu Zehetmair, Faust und Francescatti unter Walter. Ansonsten bringt dieser Herbst noch wenigstens zwei vielleicht sehr interessante Aufnahmen: Repin unter Muti und Schneiderhan unter Kertesz (1964, BBC Legends). Ich bin schon gespannt auf diese Versionen!

Gruß, Zelenka
ab (17.10.2007, 22:56):
Es gibt eine Neuaufnahme, nämlich das DG-Debut von Vadim Repin, den Wiener Philharmonikern und Riccardo Muti.

Die Zeiten sind wie folgt:
1. Allegro ma non troppo 25:28
2. Larghetto - 10:01
3. Rondo (Allegro) 10:20

Wer kann schon davon berichten?

http://cover.universal-music.de/classics/graphics/200/00028947765967.jpg
daniel5993 (18.10.2007, 07:57):
Guten Morgen!

Der Admin kann davon berichten. Hab in Erinnerung, dass er sich genau diese CD gekauft hat!

Gruß
Daniel
Zelenka (21.10.2007, 08:56):
Original von ab
Es gibt eine Neuaufnahme, nämlich das DG-Debut von Vadim Repin, den Wiener Philharmonikern und Riccardo Muti.

Die Zeiten sind wie folgt:
1. Allegro ma non troppo 25:28
2. Larghetto - 10:01
3. Rondo (Allegro) 10:20

Wer kann schon davon berichten?

http://cover.universal-music.de/classics/graphics/200/00028947765967.jpg

Ich habe nur einen kurzen Ausschnitt aus Repins Version während einer Besprechung in "CD Review" (BBC Radio 3, Sendung von gestern) gehört, in der auch Fausts Aufnahme gewürdigt wurde, die schon ein wenig länger auf dem Markt ist. Das Fazit war, daß Repin "weiblicher", romantischer, mit süßerem Ton spiele, Faust "männlicher", zupackender. (In der jeweils gekoppelten Kreutzer-Sonate seien dann Repin/Argerich die energischeren ...)

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (23.10.2007, 17:27):
Hallo,

nun meine Meinung zur neuen Repin mit dem Beethoven VK mit den Wiener Philharmonikern unter Ricardo Muti.

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/4049797.jpg

Noch bevor ich die aufnahme hört las ich in der FF das Interview mit Vadim Repin zu genau dieser Aufnahme.
Hoch interessant zu erfahren, daß er sich zu dem Konzert intensiv mit Y. Menuhin ausgetauscht hat und er sich jetzt erst überhaupt in der Lage fühlt sich diesem Konzert zu widmen.
Aus dem Interview geht hervor, daß er gerade die Wiener Philharmoniker mit Muti als idealen Partner vorgestellt hatte.

Nun, dies machte mich natürlich, neben der Tasache das ich Repin äußerst schätze, höchst neugierig auf die Aufnahme :W

Auch der Beginn des zweiten Satzes! Tiefes Atmen, ruhig fließende Kraft und dann ....... Repin's Einsatz ......... "brutal" schön :I

Direkt nach einigen Klängen wird einiges ziemlich offensichtlich.
Repin hat für dieses Konzert fast einen neuen Klang entwickelt. Als weiblich wie im Posting von Zelenka würde ich ihn nicht beschreiben, aber so eine gewisse "Süße" bringt er in sein Spiel. Wahre Meisterschaft, grandioses Geigenspiel, was für ein Klang, was für eine Deutung jeder Note, jedes Aspekts des Werk, zu tiefst intelektuell durchdacht. Da zeigt sich die Auseinandersetzung, auch mit Menuhin, und die Reife bis hin zur Auseinandersetzung mit dem Werk und der jetztigen Aufnahme. Da wo andere mit ihrer Deutung beginnen fängt sie bei Repin erst an. Und dabei spannt er einen wunderbaren Bogen. Große Kunst..... ein Erlebnis.

Letztlich schrieb "ab", daß ihm aufällt, daß das Konzert im Gegensatz zu den Sinfonien eher zurückhaltend dirigiert wird, und die Sinfonien eher packend. (soweit meine Erinnerung).
Und was macht Muti mit den Wienern?
Er läßt die Wiener brodeln, das ist packend, das ist Kraft. Aber es brodelt "nur", nicht "kocht über". Das wirkt fast konträr zu Repin's Spiel, aber passt irgendwie und ergibt ein grandioses Ganzes.
Man höre nur die Streicher im ersten Satz ........ da höre ich Facetten, die Muit ausarbeitet, die mir teilweise vorher kaum aufgefallen sind.
Eine recht erfreuliche "neue" Sichtweise.

Man muss einfach mal die Kadenz hören! Wer osnst außer Repin verfügt über derartige Fähigkeiten alles "technische" wie ein "Witz" erscheinen zu lassen und nur Musik zu entfalten :down

Eine, oder die Referenz vorher, war immer Heifetz. Aber auch er vermochte es nicht unbedingt mich zum großen Liebhaber dieses VK zu machen, aber Repin und Muti mit den Wienern bringt mich mehr und mehr dazu es zu lieben.

Grandios, unheimliche packelnd, kraft voll und der größte lebende Geiger demonstriert hier sein können. EIn Sitz im Olymp der Geiger bei Heifetz und Kogan ist sicher.

Der Klan ist okay, wirkt aber durchaus "düster"! Hier fehlen mir schön die Höhen irgendwie

:times10 :times10 :times10 :times10 :times10 :times10 :times10
ab (23.10.2007, 21:13):
Wow, was für ein Überschwang! Das habe ich in diesem Forum von Dir noch nicht erlebt.
:W
Rachmaninov (24.10.2007, 07:09):
Original von ab
Wow, was für ein Überschwang! Das habe ich in diesem Forum von Dir noch nicht erlebt.
:W

@ab,
naja, noch nicht, aber doch eher selten.
IMO ein klasse Aufnahme sofern man einen kraftvollen Beethoven schätzt.
Zelenka (24.10.2007, 12:34):
Original von Rachmaninov
Original von ab
Wow, was für ein Überschwang! Das habe ich in diesem Forum von Dir noch nicht erlebt.
:W

@ab,
naja, noch nicht, aber doch eher selten.
IMO ein klasse Aufnahme sofern man einen kraftvollen Beethoven schätzt.

Ich war auch sehr überrascht von Rachmaninovs Enthusiasmus! Aber es muß dann wohl etwas dran sein an Repins Spiel!

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (24.10.2007, 12:35):
Original von Zelenka
Original von Rachmaninov
Original von ab
Wow, was für ein Überschwang! Das habe ich in diesem Forum von Dir noch nicht erlebt.
:W

@ab,
naja, noch nicht, aber doch eher selten.
IMO ein klasse Aufnahme sofern man einen kraftvollen Beethoven schätzt.

Ich war auch sehr überrascht von Rachmaninovs Enthusiasmus! Aber es muß dann wohl etwas dran sein an Repins Spiel!

Gruß, Zelenka

Es ist MEINE Einschätzung. Denke, die Aufnahme hat Potential zu polarisieren.... :D
ab (29.10.2007, 09:13):
am Freitag hörte ich sie im Laden an
http://cover.universal-music.de/classics/graphics/200/00028947765967.jpg
und heute lese ich an anderer Stelle dieses Forums:

Schön, technisch oberste Liga, schöner voller Ton in allen Lagen, in den Höhen fein, aber manchmal etwas verhuscht. Die Begleitung durch die Wiener finde ich persönlich teilweise etwas behäbig bis schwerfällig. Im Tempo sicher eher im Mittelfeld, weit entfernt von den Extrema eines Vengerow oder Heifetz. Aber für mein Geschmack nicht nur im Tempo im Mittelfeld, eigentlich finde ich die gesamte Aufnahme nett zu hören, aber dabei leider ohne den spezifischen Reiz z. B. von Mullova oder Zehetmair. Nichts stellt diese Aufnahme nach meiner Auffassung z. B. über die von Faust, Znaider, Tetzlaff, Scholz, Bell oder Hahn - um mal einige der Aufnahmen aus den letzten Jahren zu nennen, die ich kenne.

Ich komme zu eine ähnlichen Einschätzung. Auch ich fand beim ersten Höre das Orchester etwas behäbig bis schwerfällig, was aber definitiv nicht heißt, dass ich die Begleitung als solche so finde. Es ist halt typisch Muti, einerseits leuchtende italienische Leichtigkeitsleuchten, gepaart mit ein bißchen fien-de-siècle-Schwermütigkeit. Die Tempi fand ich eigentlich durchwegs zu langsam für meinen Geschmack und subjektiv eher schon nahe bei Vengerov. Auch ich finde ich die gesamte Aufnahme nett zu hören. Ich halte sie auch für eine der sehr guten Einspielungen der letzten Jahre und insbesondere für ein sehr gutes DG-Debut. Der Ton ist russisch-virtuos. Eine klassische Aufnahme findet man hier nicht, sondern es präsentiert sich eher ein romantischer Kunstfetzen. "Verhuscht" kam mir gar nichts vor, sondern die dynamisch leisen Stellen eher der extremen Gestaltung geschuldet: Die Gestaltung ist sehr extrem und bringt Repin deutlich näher an ASMutter (aber auch Zehetmair) als an Faust oder Hahn. Etwas enttäsucht war ich über die monochromen Farben. Einzelne Linien fand ich dafür ganz besonders schön gezogen, einzelne Übergänge überragend. An zwei Stellen war ich sogar berührt, sonst - wie gesagt - empfinde ich sie als eher künstlich.

Aber alle Mal würde ich diese Aufnhame über die genannten von Znaider, Tetzlaff, Scholz, Bell oder Hahn stellen! Musikalisch aber nicht über die von Faust - so von meinen kurzen Höreindrücken -, obwohl Repin gestalterisch und technisch weit überlegen ist.

Polarisieren dürfte diese Aufnahme wohl deswegen, weil sie technisch und manual unbestreitbar zu den Einstpielungen ganz, ganz oben gehört. Auch schien mir, dass die Einheitlichkeit gewahrt ist. - Der Rest betrifft dann wohl Fragen, ob man dies für authentischen Beethoven hält oder vor allem, wie es mit dem Geschmack zusammenpasst....
Rachmaninov (29.10.2007, 11:51):
Original von ab

Aber alle Mal würde ich diese Aufnhame über die genannten von Znaider, Tetzlaff, Scholz, Bell oder Hahn stellen! Musikalisch aber nicht über die von Faust - so von meinen kurzen Höreindrücken -, obwohl Repin gestalterisch und technisch weit überlegen ist.

Polarisieren dürfte diese Aufnahme wohl deswegen, weil sie technisch und manual unbestreitbar zu den Einstpielungen ganz, ganz oben gehört. Auch schien mir, dass die Einheitlichkeit gewahrt ist. - Der Rest betrifft dann wohl Fragen, ob man dies für authentischen Beethoven hält oder vor allem, wie es mit dem Geschmack zusammenpasst....

@ab,

das hast Du sehr treffend formuliert!

Es gab wohl kaum Geiger, die gestalterisch und technisch auf diesem Niveau Beethoven's Vk gespielt haben. Und dies ist IMO wie von Dir geschrieben sehr deutlich. Wenn man Repin's Spiel hört fällt einem ersteinmal auf wo viele "froh sind" die Noten zu spielen.

Letztendlich muss man, sofern man die Aussagen Repin's in der FF in Betracht zieht, feststellen das es zumindestens auch seine Sicht ist. Und letztendlich kann man sich damit anfreunden oder nicht. IMO sollte man sich durchaus diesem Intellekt und den wohl größten aller lebenden Geiger durchaus anvertrauen und sich darauf "einlassen".
Poztupimi (30.10.2007, 22:01):
Hallo ab,

Original von ab
am Freitag hörte ich sie im Laden an
http://cover.universal-music.de/classics/graphics/200/00028947765967.jpg
und heute lese ich an anderer Stelle dieses Forums:



Ich komme zu eine ähnlichen Einschätzung. Auch ich fand beim ersten Höre das Orchester etwas behäbig bis schwerfällig, was aber definitiv nicht heißt, dass ich die Begleitung als solche so finde. Es ist halt typisch Muti, einerseits leuchtende italienische Leichtigkeitsleuchten, gepaart mit ein bißchen fien-de-siècle-Schwermütigkeit. Die Tempi fand ich eigentlich durchwegs zu langsam für meinen Geschmack und subjektiv eher schon nahe bei Vengerov. Auch ich finde ich die gesamte Aufnahme nett zu hören. Ich halte sie auch für eine der sehr guten Einspielungen der letzten Jahre und insbesondere für ein sehr gutes DG-Debut. Der Ton ist russisch-virtuos. Eine klassische Aufnahme findet man hier nicht, sondern es präsentiert sich eher ein romantischer Kunstfetzen. "Verhuscht" kam mir gar nichts vor, sondern die dynamisch leisen Stellen eher der extremen Gestaltung geschuldet: Die Gestaltung ist sehr extrem und bringt Repin deutlich näher an ASMutter (aber auch Zehetmair) als an Faust oder Hahn. Etwas enttäsucht war ich über die monochromen Farben. Einzelne Linien fand ich dafür ganz besonders schön gezogen, einzelne Übergänge überragend. An zwei Stellen war ich sogar berührt, sonst - wie gesagt - empfinde ich sie als eher künstlich.

Aber alle Mal würde ich diese Aufnhame über die genannten von Znaider, Tetzlaff, Scholz, Bell oder Hahn stellen! Musikalisch aber nicht über die von Faust - so von meinen kurzen Höreindrücken -, obwohl Repin gestalterisch und technisch weit überlegen ist.

Polarisieren dürfte diese Aufnahme wohl deswegen, weil sie technisch und manual unbestreitbar zu den Einstpielungen ganz, ganz oben gehört. Auch schien mir, dass die Einheitlichkeit gewahrt ist. - Der Rest betrifft dann wohl Fragen, ob man dies für authentischen Beethoven hält oder vor allem, wie es mit dem Geschmack zusammenpasst....

gerade läuft die Aufnahme noch einmal bei mir. Ich war mir bei der Wahl des Begriffs "verhuscht" nicht ganz sicher, vielleicht trifft es eher eine Formulierung wie "wenig strahlend und blaß". Und was das Tempo betrifft, muß ich sagen, daß mir die etwas flottere Gangart bei diesem Konzert meistens etwas besser gefällt. Ich kann mit seiner Tempowahl aber noch leben, eher jedenfalls als z. B. als mit der Vengerovs oder dem Tempo von Mutter/Masur.
Und da gerade der zweite Satz läuft: das ist mir im Orchester doch teilweise zuviel Legato-Seligkeit, dies gefällt mir schon bei Ferras/Karajan überhaupt nicht. Aber hier wird zumindest die von Dir angedeutete extreme Gestaltung wesentlich deutlicher - ich finde wenn überhaupt, dann nur hier.
Womit wir dann beim entscheidenden Punkt sind, der des eigenen Geschmacks. Insgesamt sehr schön, aber für meinen Geschmack eben nicht über die von mir genannten oder einige andere zu stellen - die noch alle auf meinem demnächst-hören-Stapel liegen.

Viele Grüße,
Wolfgang
Poztupimi (12.11.2007, 22:41):
Hallo Daniel,

hat jetzt etwas gedauert - musste zumindest mal ansatzweise in Kubrick/2001 reinschauen. :D

Original von daniel5993



http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6470575.jpg

Yehudi Menuhin
Otto Klemperer

Philharmonia Orchestra

Beethoven Violinkonzert op. 61

Eine Sehr schwere Aufnahme :down, sehr schwer :down, sehr tiefgehend :down, Gewaltig :down, von allen anderen Menuhin - Beethoven

- Aufnahmen die langsamste :down, die gefühlvollste :down voller Wärme :down und Romantik pur :down! Der Absolute Wahnsinn

:engel! :down :down :down :down :down
Seine Beste Aufnahme :down!!! Auch der Klang ist der Beste :down, sehr grollend tief und Bassreich :down!



Guten Abend Wolfgang! :hello

Jedes Wort ist genau überlegt und trifft jedenfalls für mich auf die Aufnahme voll zu! Du kannst mich also beim Wort nehmen!

Die Zeiten sind:

1. Satz 24.24
2. Satz 10.23
3. Satz 10.07


Die Aufnahme hört sich echt langsam, aber wohl überlegt an und diese Action, die durch die Langsamkeit verloren geht, wird durch das Kraftvolle "grollen" und "Beben" des Orchesters ersetzt!Und dann diese Genauigkeit! Besser zusammengefasst: "Langsam aber monumental"!

Ich hab die Aufnahme heut zum ersten mal richtig und ganz bei Sinnen gehört und ich bin hin und weg! Ich mag Musik gern etwas langsamer, oft hab ich erlebt, das die Aufnahme viel mehr von sich preisgibt, es wird viel weniger Überspielt!

Gruß
Daniel


Zunächst mal vielen Dank für die Zeitangabe.

Es sind möglicherweise einige Details, die Dir gefallen, die mich aber gerade stören. Ich will mal versuchen, es zu formulieren.
Vorweg nur dies: ich empfinde meine LP nicht als so grollen tief und baßreich. Gut, die tiefen Streicher sorgen schon für eine ordentliches Fundament, ich muß mal darauf achten ob z.B. in anderen Aufnahmen so wie hier eine Weile vor dem Einsatz der Solovioline (T.43 ff; leider gibt meine LP keine Zeiten her; die Angabe entstammt meiner recht alten Philharmonia-Taschenpartitur von 1960) die Kontrabässe ihr Pizzicato so markant hören lassen. Vielleicht ist der Transfer und das Remastering ein bißchen üppig geraten.

Ich bin weit davon entfernt, vom Solisten ein strenges Kleben am Metrum zu fordern, aber teilweise empfinde ich ihn als sehr frei gestaltend. Und mitnichten genau. Keineswegs immer mit dem Orchester zusammen, nicht immer kann ich entscheiden, ob er jetzt die notierten Achtel-Triolen spielt oder doch schon wieder Sechzentel, es geraten ihm auch schon mal ohne Bindebogen notierte Achtel zu etwas wie zwei "Legato-Viertel". Pausen werden manchmal nahezu verschluckt. Er forciert für meine Empfinden manchmal so, daß ich darin keinen Sinn erkennen kann, was aber - wieder für mein Empfinden - nur den Effekt hat, daß er sich selber in Schwierigkeiten bringt. Denn gerade in schnellen Passagen macht er dann den Eindruck, den man von seinem vollen und und ausdrucksstarken Ton hat, wieder kapputt. Er wird unpräzise und wirkt auf mich bemüht - bloß schnell durch. Auf der anderen Seite Ritardandi, wo ich sie nicht sehe, allenfalls eine Fermate auf der Pause, aber nicht anderthalb Takte vorher schon das Tempo rausnehmen.

Insgesamt kann ich im Gesamtergebnis die Entscheidung der Classica-Radaktion, von den vier Menuhin-Aufnahmen, die mir jedenfalls vorliegen, die von 1947 mit dem Lucerne Festival Orchestra unter Furtwängler auszuwählen, voll und ganz nachvollziehen. Nebenbei bemerkt, mit 24:02/10:52/10:04 ist sie auch gefühlt nicht soviel länger. Und wenn Du mal einen wirklich langsamen ersten Satz hören möchtest, solltes Du versuchen, in die Vengerov Aufnahme reinzuhören (27:20) oder Mutter/Masur (27:09). Womit ich aber - ganz ausdrücklich meine ganz persönliche Meinung![/u) - keine Kaufempfehlung aussprechen möchte. Ich weiß, manch einer mag auch gerade diese beiden Aufnahmen.

Fazit:
ich habe nichts gegen Menuhin, aber das Violinkonzert von Beethoven ist für mich in der Klemperer-Aufnahme eher nicht die Aufnahme meiner Wahl. Aber das liegt vielleicht auch daran, daß für mich dieses Violinkonzert eben nicht ein romantisch-gefühlvoll überbordendes, wuchtiges Werk ist. So sind halt die Geschmäcker verschieden.

Viele Grüße,
Wolfgang
ab (09.01.2008, 09:43):
Wer kennt eigentlich die Aufnahme von Wolfgang Schneiderhan, die er zusammen mit dem London SO unter Istvan Kertesz 1956 aufgenommen hat, was beim Label: BBC-Lebends veröffetnlich wurde?

Wie ist die im Vergleich zu den drei DG-Aufnahmen?

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0684911421729.jpg
Amadé (09.01.2008, 15:48):
Hallo ab,

m.E. die zweitbeste der vier mir bekannten Aufnahmen.
1. Sch - Paul van Kempen, klassisch mit viel Atmosphäre ( also auch ein wenig romantisch)
2. Sch - Kertesz, Konzertsaalatmospäre gut eingefangen
3. Sch - Jochum, dieser ist nicht so streng wie PvK
4. Sch - Furtwängler, Aufnahme leidet unter Intonationsproblemen

Grüße Amadé
ab (09.01.2008, 16:36):
Original von Amadé
Hallo ab,

m.E. die zweitbeste der vier mir bekannten Aufnahmen.
1. Sch - Paul van Kempen, klassisch mit viel Atmosphäre ( also auch ein wenig romantisch)
2. Sch - Kertesz, Konzertsaalatmospäre gut eingefangen
3. Sch - Jochum, dieser ist nicht so streng wie PvK
4. Sch - Furtwängler, Aufnahme leidet unter Intonationsproblemen

Grüße Amadé

Danke für Deine Einschätzung!
Ich ziehe die Jochum- der Kempe-Aufnahme vor, weil sich mir die Strenge Kempes zu sehr auch auf den Solisten überträgt: Ich höre da zuwenig Atmoshäre (wobei dies womöglich auch dem Remastering bei der Box geschuldet sein mag). Beim Konzertmitschnitt mit Furtwängler spielen beide, finde ich, völlig aneinander vorbei.
Amadé (09.01.2008, 20:11):
@ ab

Deine Erwiderung irritiert mich ein wenig :B, Du schreibst
Ich ziehe die Jochum- der Kempe-Aufnahme vor, weil sich mir die Strenge Kempes zu sehr auch auf den Solisten überträgt
ich möchte da leise :ignoreerwähnen, dass es zwei Dirigenten mit ähnlich klingendem Namen gibt: Paul vanKempen und Rudolf Kempe.
Von Paul van Kempen, holländischer Nationalität, sein Wirkungskreis lag eher in Deutschland, existieren leider nicht viele Aufnahmen, die meisten jedoch sind hochkarätig, er hat viel mit Schneiderhan und Wilhelm Kempff zusammen gearbeitet.
Beim später geborenen Rudolf Kempe ist die Schallplattenhinterlassenschaft jedoch riesig. Er tritt auch bei Beethovens Violinkonzert auf, mit Yehudi Menuhin und den Berliner Philharmonikern 1957 EMI.

Grüße Amadé
:hello
ab (09.01.2008, 20:58):
Original von daniel5993
Eigentlich will ich nur sagen, es gibt keine schlechten Aufnahmen, sie sind nur alle anders!


Hallo Daniel,

ich bin da ganz auf Deiner Seite; nur: Deinem letzten Satz kann ich wirklich nicht zustimmen. Natürlich gibt es auch schlechte Aufnahmen oder, genauer gesagt: alles was in einer Hinsicht gut ist, mag zugleich, nämlich in einer anderen Hinsicht, schlecht sein. Natürlich mag man etwas in einer Hinsicht schlecht finden, es aber dennoch gerne hören. Qualitätsurteil und Geschmacksurteil sind nun einmal zweierlei.

Wer Musik nicht nur genießt, sondern auch viel vergleicht und versucht, die Eindrücke in Worte zu fassen, die oder der kommt nicht umhin, solche Hinsichten zu entdecken. Darüber kann man, wenn man gemeinsame Worte dafür findet, dann diskutieren, und Urteile fällen, ob die erklingende Musik in genannter Hinsicht genau richtig, zuviel oder zuwenig entspricht. Liegt großes Zuviel und Zuwenig vor, sprechen wir nun einmal davon, dass die Aufnahme weniger oder gar nicht gut ist. Oder?

Ob uns die Aufnahme dann auch anspricht, sie uns gefällt, ist dann eine ganz andere Frage: De gustibus non est disputandum. Aber dadurch lernen wir jene Hinsichten kennen, in denen uns Musikinterpretationen (in der Regel) gefallen - und richtig: ganz gleichgültig, was der Komponist oder die Komponistin auch immer wollte.
ab (09.01.2008, 21:00):
Original von Amadé
Paul vanKempen und Rudolf Kempe.


sorry :ignore ich dachte tatsächlich stets, Dirigent sei Kempe....
daniel5993 (09.01.2008, 22:02):
Abend ab,

ich bin da ganz auf Deiner Seite; nur: Deinem letzten Satz kann ich wirklich nicht zustimmen. Natürlich gibt es auch schlechte Aufnahmen oder, genauer gesagt: alles was in einer Hinsicht gut ist, mag zugleich, nämlich in einer anderen Hinsicht, schlecht sein. Natürlich mag man etwas in einer Hinsicht schlecht finden, es aber dennoch gerne hören. Qualitätsurteil und Geschmacksurteil sind nun einmal zweierlei.


daniel's Original: Eigentlich will ich nur sagen, es gibt keine schlechten Aufnahmen, sie sind nur alle anders!

Diesen (meinen Satz, oben) möchte ich wenn er so verstanden wird auch nicht so stehen lassen! Ich meinte das ehrlich gesagt ganz Oberflächlich und einfach.
An was ich gedacht habe ist, dass jede entstandene Aufnahme "Respekt" verdient, es wurde ernsthaft und mit Liebe musiziert und nur, weil etwas sagen wir besonders "aus der reihe tanzt", "Gewöhnungsbedürftig" "Eigenwillig" gestaltet, musiziert wurde, ist die Aufnahme doch nicht gleich "schlecht" (Wir drücken es heut freundlich aus)! Selbst wenn wirklich das ein oder andere mal daneben gegriffen wird. In einer Sendung wo es um Artur Schnabel ging, sagte er (Artur), dass das Technische (früher) nicht den "Raum" eines Pianisten eingenommen hat. Fehlgriffe seien durchaus üblich gewesen und führten nicht zu erheblichen Wertminderungen des Konzertabends. Heut entwickelt sich alles auf Technik und Genauigkeit. ab ( :wink)und zu bekommt man ja mit, dass frechdreist die ein oder andere Aufnahme in der Luft zerrissen wird. Mit welchem Recht?
Ob ich diese Aufnahme dann auch mag, ist was anderes. Da kann ich sehr wohl unterscheiden!


Liegt großes Zuviel und Zuwenig vor, sprechen wir nun einmal davon, dass die Aufnahme weniger oder gar nicht gut ist. Oder?
Richtig! Und an dieser Stelle kurz angemerkt: Nachdem ich mir meinen Beitrag oben noch einmal von ferne durchgelesen habe, möcht ich klarstellen, dass die Aussage von Potztumi nur der Auslöser für den Beitrag war, danach hat sich das eher an das gerichtet, was ich irgentwo schon gelesen und mich darüber geärgert habe. Beiträge die man Aufschnappt und nicht vergisst. Dass hat sich dann im Effekt in mehrere Richtungen hin entladen.

Gruß
Daniel
Mime (10.01.2008, 11:37):
Original von Zelenka
Und wenn jemand die Klarinettenfassung (nicht von Meister Beethoven eingerichtet) im Plattenschrank haben sollte, wäre ein Kommentar erwünscht:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004SDNZ.03.LZZZZZZZ.gif

Gruß,

Zelenka

Hallo Zelenka,
ich hab den Beitrag erst heute entdeckt, sonst hätte ich schon früher reagiert.
Die Klarinettenfassung von Beethovens op.61 habe ich und sie ist für den Freund dieses warmen Blasinstrumentes auch nett anzuhören. Doch wie bei vielen Bearbeitungen gilt auch hier: Original ist eben Original. Man hört bei aller Virtuosität des Solisten, daß dieses Werk nicht für die Klarinette komponiert worden ist. Deshalb ist der Besitz dieser Scheibe kein Muß.
:hello
Mime (10.01.2008, 11:55):
Hallo,

anläßlich einer Aufführung des Beethoven-Konzerts vom Okt. 2006 in der Philharmonie Essen schrieb Gerhard Menzel über die Solistin Julia Fischer folgendes:

Die Melodienseeligkeit und Sanglichkeit der Instrumentalstimme wurde in der Interpretation von Julia Fischer ganz besonders deutlich hervorgehoben. Unterstützt wird dieser Eindruck vor allem durch den ungeheuer warmen und weichen, dabei aber immer transparenten und klar konturierten Klang ihrer Violine, einem Instrument von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1750. Allerdings wird dieses edle und wunderbare Timbre nur auf Grund ihrer außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten auch wirklich hörbar, wobei es nicht allein auf eine präzise Spieltechnik ankommt, die viele andere auch besitzen, sondern auf die ganz besondere Art der Tonerzeugung, eben der Bogenbeherrschung und des Fingerspitzengefühls. Bogen, Saiten und Finger bilden bei ihr nicht drei Welten, die aufeinander treffen, sondern eine imaginäre Einheit, aus der heraus die Töne und der jeweils ersonnene Klang strömen.

Abgesehen davon überzeugt Julia Fischer durch ihre musikalisch äußerst feinfühlige Interpretation. Wo großer Ausdruck gefragt ist, gestaltet sie die Musik in herrlich geschwungenen Bögen. Ist Virtuosität gefordert, brennt sie ein funkelndes und strahlendes Feuerwerk ab, das alle Brillanz und Schönheiten aufzeigt, aber niemals die technischen Schwierigkeiten oder Grenzen erkennen lässt. Außerdem wirkt ihre Präsentation nie aufgesetzt oder künstlich, sondern natürlich und immer darauf bedacht, im Kontakt mit den Mitmusizierenden zu stehen. Aus diesem Grund gehört Julia Fischer ganz zu Recht weltweit zu den größten musikalischen Begabungen und Interpretinnen.

Da ich den Namen dieser großartigen Künstlerin hier bisher vermißt habe, bitte ich um Eure Einschätzungen. Wer von Euch hat Frau Fischer schon auf der Konzertbühne erlebt?
:hello
Zelenka (10.01.2008, 16:43):
Original von Mime
Original von Zelenka
Und wenn jemand die Klarinettenfassung (nicht von Meister Beethoven eingerichtet) im Plattenschrank haben sollte, wäre ein Kommentar erwünscht:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004SDNZ.03.LZZZZZZZ.gif

Gruß,

Zelenka

Hallo Zelenka,
ich hab den Beitrag erst heute entdeckt, sonst hätte ich schon früher reagiert.
Die Klarinettenfassung von Beethovens op.61 habe ich und sie ist für den Freund dieses warmen Blasinstrumentes auch nett anzuhören. Doch wie bei vielen Bearbeitungen gilt auch hier: Original ist eben Original. Man hört bei aller Virtuosität des Solisten, daß dieses Werk nicht für die Klarinette komponiert worden ist. Deshalb ist der Besitz dieser Scheibe kein Muß.
:hello

Lieber Mime:

Ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Also eher etwas für ernsthafte Klarinettenfans ...

Gruß, Zelenka
Amadé (10.01.2008, 19:40):
@ Mime
Die Klarinettenfassung von Beethovens op.61 habe ich und sie ist für den Freund dieses warmen Blasinstrumentes auch nett anzuhören. Doch wie bei vielen Bearbeitungen gilt auch hier: Original ist eben Original. Man hört bei aller Virtuosität des Solisten, daß dieses Werk nicht für die Klarinette komponiert worden ist. Deshalb ist der Besitz dieser Scheibe kein Muß.

Ich habe die CD auch seit ca.1 Jahr und bin wie Du der Meinung, dass sie recht intertessant ist, die Transkription für Klarinette besorgte übrigens M. Pletnjew selbst, aber ein Muss für die etwas größere Sammlung, nein.

Wesentlich wichtiger ist jedoch die "Rückseite" der CD: Mozarts Klarinettenkonzert mit M. Collins gehört in die Spitzenklasse der KV 622-Interpretationen!

Nun zu Deiner Frage bzgl. Julia Fischer.
Ich hörte sie vor ca.3 Jahren in Dortmund mit dem Dvorak-Konzert op.53 und war von ihrem Spiel und der Gestaltung sehr angetan, bestens unterstützt wurde sie vom Gewandhausorchester unter der umsichtigen Leitung von Herbert Blomstedt.
Schade dass man das Konzert so selten hören kann.

Grüße Amadé
daniel5993 (10.01.2008, 23:34):
Hallo Wolfgang,

Insgesamt kann ich im Gesamtergebnis die Entscheidung der Classica-Radaktion, von den vier Menuhin-Aufnahmen, die mir jedenfalls vorliegen, die von 1947 mit dem Lucerne Festival Orchestra unter Furtwängler auszuwählen, voll und ganz nachvollziehen
Werd mich mal auf die Suche machen, bisher kenn ich "nur" die Aufnahme von September 53, mit Furtwängler (eine meiner ersten CD's, hab sie noch nie Intensiv gehört :( aber das hol ich nach).

Du hattest doch mal einen Beethoven Violinkonzert-maraton gestartet, welcher sich über einige Tage hinzog. Willst du uns das Ergebnis vorenthalten?

Gruß
Daniel
Poztupimi (11.01.2008, 20:40):
Hallo Daniel,

Original von daniel5993
Hallo Wolfgang,



Du hattest doch mal einen Beethoven Violinkonzert-maraton gestartet, welcher sich über einige Tage hinzog. Willst du uns das Ergebnis vorenthalten?

Gruß
Daniel

Nein, hatte nur in der letzten Zeit etwas wenig Zeit, so intensiv zu hören wie ich das gerne möchte und wie ich das auch tun sollte, um der Sache gerecht zu werden. Oder ich war zu wenig zuhause. Der Marathon ist nur unterbrochen, ich habe das Thema aber keineswegs abgeschrieben.

Grüße,
Wolfgang
Zelenka (24.03.2008, 07:44):
Dringlichst sei auf Amadés diskographisches Pracht-Osterei zum Violinkonzert hingewiesen. Nach meiner Zählung, es ist allerdings früh am Ostermontag, hat er sich durch mindestens 78 Aufnahmen durchgehört und sie eingeordnet. Ich kann - zur Abwechslung fast sprachlos - erst einmal nur herzlichst gratulieren! Erfreulich, daß Wolfsthal und Schneiderhan so gut abgeschnitten haben!

:down, Zelenka
HenningKolf (24.03.2008, 08:52):
Auch von meiner Seite herzlichen Dank an Bernd für seine Ausführungen zu op.61. Ich hoffe das exzessive Vergleichshören verdirbt den Genuss, den Beethovens Violinkonzert bereiten kann, nicht nachhaltig für einen längeren Zeitraum. Schön das die in meinem Besitz befindlichen Aufnahmen mit Francescati, Perlman, Tetzlaff auch vor Bernds Ohren Bestand haben (so drängt sich die Notwendigkeit weiterer Anschaffungen nicht wirklich auf).

Eine Anmerkung sei mir erlaubt: Soweit auf Bernds Seite vermerkt ist, es sei schade dass es keine weitere Aufnahme unter Szell gäbe, widerspricht dem der Eintrag auf dieser Seite:

link

Allerdings ist mein Hinweis wohl ohne praktischen Nutzen, die wohl japanische (?) DoppelCD ist anscheinend auch im Netz nicht zu bekommen.

Gruß
Henning
ab (24.03.2008, 09:59):
Leider geht Amadé nicht genauer auf die Aufführungstradition dieses Konzerts ein, im Laufe der Jahrzehnte immer langsamer geworden zu sein. Womöglich ist sein Urteil bzgl. jener Aufnahmen die s.g. "historisch informiert" spielen - und auch anderer die rascher als üblich spielen -, der Gewohnheit an die Interpretationen der jüngeren Zeit geschuldet.

Wie seht ihr das "Tempoproblem" bei diesem Violinkonzert?
:hello
Amadé (24.03.2008, 18:42):
Hallo,
zunächst einmal Danke :hello für die Glückwünsche.

Die Tempofrage ist m.E. keine Frage der augenblicklichen Gewohnheit, eines aktuellen Trends, sondern entspringt eher der Beschäftigung mit der Aufführungspraxis in der Beethoven-Zeit sowie Beethovens Metronomisierung. 1979 erschien in der Reihe Musikkonzepte der Band 8 unter dem Titel "Beethoven - Das Problem der Interpretation" , der rote Faden in dem Sammelband war die Tempowahl bei der Aufführung Beethovenscher Werke. Ich denke, dass diese Veröffentlichung ein wichtiger Anstoß gegeben hat.
Die schnelleren Tempi sind jedoch noch nicht von den meisten Interpreten angenommen worden, auch nicht bei den jüngsten, z.B. Zimmermann, Znaider, Repin, Hahn (immerhin begleitet von Zinman).

Bei Szell dachte ich an eine Studioeinspielung. Der live-Mitschnitt mit Erica Morini würde ich gern einmal hören, beide Künstler verstanden sich wohl, ich besitze KV 219 mit ihnen, live SAlzburg.

Gruß Amadé
ab (24.03.2008, 18:50):
Original von Amadé
Die Tempofrage ist m.E. keine Frage der augenblicklichen Gewohnheit, eines aktuellen Trends, sondern entspringt eher der Beschäftigung mit der Aufführungspraxis in der Beethoven-Zeit sowie Beethovens Metronomisierung. 1979 erschien in der Reihe Musikkonzepte der Band 8 unter dem Titel "Beethoven - Das Problem der Interpretation" , der rote Faden in dem Sammelband war die Tempowahl bei der Aufführung Beethovenscher Werke. Ich denke, dass diese Veröffentlichung ein wichtiger Anstoß gegeben hat.
Die schnelleren Tempi sind jedoch noch nicht von den meisten Interpreten angenommen worden

Eben, die Tempi, die den Forschungsergebnissen entsprechen, sind von den meisten Interpreten und Interpretinnen nicht aufgegriffen worden und damit ist die augenblickliche Gewohnheit stets weiter verstärkt und gefestigt worden. Dies scheint mir zu belegen, dass die Tempofrage doch eine Frage der augenblicklichen Gewohnheit ist.

Ich persönlich finde ja, dass diese Komposition sowohl langsame als auch schnelle Tempi vertragen kann. Auch finde ich - soweit ich Einspielungen kennen - wobei diese Kenntnis sicher nicht einmal die halbe Anzahl der angeführten umfasst, wenn auch zum Teil andere Einspielungen - dass es mich mehr überzeugende von den langsameren Interpretationen gibt. Leider...
Amadé (24.03.2008, 20:05):
Original von ab
Ich persönlich finde ja, dass diese Komposition sowohl langsame als auch schnelle Tempi vertragen kann.

Das beweisen Schneiderhan, Oistrach, Repin.....

Original von ab
Auch finde ich - soweit ich Einspielungen kennen - wobei diese Kenntnis sicher nicht einmal die halbe Anzahl der angeführten umfasst, wenn auch zum Teil andere Einspielungen - dass es mich mehr überzeugende von den langsameren Interpretationen gibt. Leider...

Ja, da hast Du recht, nicht nur numerisch, auch prozentual.
Möglicherweise hängt das auch von den Dirigenten ab, die oft noch unbeweglicher sind als die Solisten.

Gruß Amadé
ab (24.03.2008, 21:26):
Original von Amadé

Möglicherweise hängt das auch von den Dirigenten ab, die oft noch unbeweglicher sind als die Solisten.

Gruß Amadé

Ich persönlich finde ja das Dirigat bei Zehtmair nicht "unbeweglich".

Und wenn ich an Beeths denke, so finde ich den Solopart hinreichend unatraktiv.
Zelenka (28.03.2008, 15:30):
Original von Amadé
Die Tempofrage ist m.E. keine Frage der augenblicklichen Gewohnheit, eines aktuellen Trends, sondern entspringt eher der Beschäftigung mit der Aufführungspraxis in der Beethoven-Zeit sowie Beethovens Metronomisierung. 1979 erschien in der Reihe Musikkonzepte der Band 8 unter dem Titel "Beethoven - Das Problem der Interpretation" , der rote Faden in dem Sammelband war die Tempowahl bei der Aufführung Beethovenscher Werke. Ich denke, dass diese Veröffentlichung ein wichtiger Anstoß gegeben hat.
Die schnelleren Tempi sind jedoch noch nicht von den meisten Interpreten angenommen worden, auch nicht bei den jüngsten, z.B. Zimmermann, Znaider, Repin, Hahn (immerhin begleitet von Zinman).


Lieber Amadé, lieber ab:

Mit den Tempofragen beschäftigt man sich doch schon spätestens seit den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts (Rudolf Kolisch!). Beethovens Metronomisierungen sind längstens bekannt, meist weiß man es besser oder zweifelt einfach die Qualität der Metronome der Beethovenzeit an (oder behauptet sogar, sein Metronom habe schief gestanden). Letzteres ist einfach Unsinn. Für das Violinkonzert hat Beethoven keine Metronomangaben hinterlassen, aber sein Schüler Czerny hat für die Klavierfassung solche angegeben. Wenn man diese Angaben akzeptiert, und es besteht eigentlich keinerlei Grund, dies nicht zu tun, dann stellt sich vor allem heraus, daß besonders der mittlere Satz (Larghetto) gewöhnlich zu langsam gespielt wird. In den Ecksätzen sind die heute üblichen Abweichungen nicht ganz so eklatant, tendieren aber im ganzen auch in Richtung eines zu langsamen Spiels. Warum sich die rascheren Tempi nicht durchsetzen, kann ich nicht schlüssig erklären. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde im Schnitt noch schneller gespielt, die "Lethargie" hat sich in diesem Konzert erst später breitgemacht. Man wurstelt eben weiter, um das Publikum nicht zu verstören. (In dieselbe Richtung geht es auch im Falle des 2. Brahms-Klavierkonzerts, für das der Komponist zuverlässige Metronomangaben geliefert hat, die gewöhnlich einfach ignoriert werden.)

Gruß, Zelenka
Amadé (28.03.2008, 17:27):
Original von Zelenka:
Mit den Tempofragen beschäftigt man sich doch schon spätestens seit den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts (Rudolf Kolisch!).

Lieber Zelenka

Na klar, nur, (fast) niemand nahm sie ernst. Der von mir erwähnte Musik- Konzepte Band ist ausdrücklich Rodolf Kolisch gewidmet. Er nimmt Bezug auf Kolischs Überlegungen und was daraus geworden ist, er enthält mehrere Aufsätze über Metronomisierung und Beethovens Verhältnis zum Metronom, ein Aufsatz von Schönberg Über Metronomisierung und anderes.

Gruß Amadé
ab (19.04.2008, 13:29):
Zu Neuaufnahme mit Nigel Kennedy habe ich hier ein paar erste Höreindrücke geschildert.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0094639537327.jpg
nikolaus (13.11.2008, 22:19):
Heute im Auto bin ich beim Einschalten des Radios direkt im zweiten Satz von Beethovens Violinkonzert gelandet.
Ich mag diese Art von "Blindhören" sehr gerne und fing an zu überlegen, wer spielt.

Es war ein live-Mitschnitt mit gutem Orchester und gutem Solisten/guter Solistin (ich tendierte tatsächlich eher zu einer Solistin, fragt mich nicht warum).
Bis auf einige etwas dünne Töne hat mir der Solopart gut gefallen: frisches, beherztes Spiel durchaus mit Feuer. Allerdings hatte ich den Eindruck, daß der Solist/die Solistin das Orchester etwas bremst.
Insgesamt aber ein wirklich guter Eindruck.

Auflösung:
Konzertmitschnitt von letzter Woche aus dem Konzerthaus Dortmund
WDR Sinfonieorchester
Andris Nelsons
Arabella Steinbacher

Gruß, Nikolaus.
Cetay (inaktiv) (18.03.2009, 12:39):
Über die Klavierfassung des Violinkonzerts wurde in diesem Faden schon einiges geschrieben. Ich höre sie richtig gerne, seit ich die Einspielung mit Olli Mustonen habe. Ein unfreundlich gesonnener Kritker hat das charakteristische und eigenwillige Spiel von Mustonen als Herumgestochere bezeichnet und auch wenn man es netter formulieren könnte, trifft es das gar nicht mal so schlecht. Mustonen verweigert auch das kleinste Legato und zieht und zerrt so hemmunglos an den Phrasen herum, dass jegliche Melodieseligkeit verloren geht. Es mutet seltsam an, dass ein solcher Ansatz bei dem ursprünglich für das Melodieinstrument Violine geschriebenen und für die Klavierfassung kaum abgeänderten Solopart funktioniert. Fairerweise sei gesagt, dass manche sagen, es funktioniere nicht, aber ich bin da anderer Meinung.
Was diese Aufnahme so richtig interessant macht, ist der Orchesterpart. So würde ich den gerne mal mit Violine hören. Oder die Sinfonien! Mustonens Dirigat und das Spiel der Tapiola Sinfonietta transzendieren sämliche Attribute und Gegensätze. Irgendwie HIP, spritzig, leicht und nüchtern, aber auch irgendwie "philharmonisch", ernst, gewichtig und emotional; irgendwie alles zusammen aber irgendwie auch nichts von alledem. Für diese überaus gelungene Gratwanderung würde ich sogar das Wort Referenz in den Mund nehmen.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0761195112359.jpg
pyrrhon (31.03.2009, 21:46):
Original von Jeremias
Einerseits ist die Kadenz von Schnittke natürlich mal was anderes, andererseits frage ich mich: Muss das denn sein? Beethoven nahezu verunstaltet, irgendwelche Fetzen aus dem Brahms-Konzert.... nein danke, die Herren Kremer und Schnittke!

Die Aufnahme, um die es hier geht, habe ich selber nicht, dafür aber Kremers Einspielung unter dem Dirigat Harnoncourts. Beide Musiker schätze ich außerordentlich, aber auch bei meiner Aufnahme irritiert mich die Kadenz (das ist die mit dem Klavier und der Pauke, falls jemand diese Aufnahme nicht kennen sollte). Ansonsten ist die Aufnahme recht gut.

Nun denke ich, dass es von Kremer beabsichtigt war, das Publikum zu irritieren. Aber irgendwie finde ich das auf der Aufnahme störender als ich es möglicherweise live im Konzertsaal empfinden würde. Die Kadenz kommt dann nicht mehr überraschend und so gelungen ist sie meiner Meinung nach auch nicht, dass ich sie oft hören möchte.

Kennst Du (oder jemand anders) beide Aufnahmen? Welche ist besser? Welche Kadenz stört mehr? Und geht es anderen auch so wie mir, dass ihr letztendlich eher eine andere Aufnahme hört, obwohl diese insgesamt gesehen gar nicht mal schlecht ist?


Beethovens Violinkonzert liebe ich und ich habe viele Aufnahmen sehr gerne. Am liebsten ist mir aber fast die Aufnahme mit Heifetz und Toscanini, wenn ich mich für eine einzige entscheiden müsste.
ab (01.04.2009, 11:31):
Original von pyrrhon





aber auch bei meiner Aufnahme irritiert mich die Kadenz (das ist die mit dem Klavier und der Pauke, falls jemand diese Aufnahme nicht kennen sollte). Ansonsten ist die Aufnahme recht gut.

Nun denke ich, dass es von Kremer beabsichtigt war, das Publikum zu irritieren. Aber irgendwie finde ich das auf der Aufnahme störender als ich es möglicherweise live im Konzertsaal empfinden würde. Die Kadenz kommt dann nicht mehr überraschend und so gelungen ist sie meiner Meinung nach auch nicht, dass ich sie oft hören möchte.

Kennst Du (oder jemand anders) beide Aufnahmen? Welche ist besser? Welche Kadenz stört mehr? Und geht es anderen auch so wie mir, dass ihr letztendlich eher eine andere Aufnahme hört, obwohl diese insgesamt gesehen gar nicht mal schlecht ist?


Was heißt hier störend? ?(
Die Kadenz mit der Pauke ist einer der ganz berühmten und ist von Scheiderhan zurückübertragen worden: Sie stamt original von Beethoven aus seiner eigenen Klavierübertragung des op.61.

Mir persönlich gefällt Kremer/Harnoncourt deultich besser als die bei Philips mit der wirklich herausfallenden Schnittke-Kadenz. Der Höhepunkt bei Kremer /Harnonocurt aber sind die beiden Romanzen!

Ich greife auch lieber zu anderen Einspielungen: Scheiderhan/Jochum haben es mir angetan und vor allen Zehetmair/Brüggen, gelegentlich auch Francescatti/Walter.

Jüngst sind nach dem Vengerov/Rostropovich-Tiefpunkt endlich wieder gute erschienen, etwa Faust/Bélohlávec (aber auch Repin/Muti oder Batiashvili).

:hello
Cetay (inaktiv) (25.10.2009, 18:54):
Was soll ich nur über die neue Einspielung von Patricia Kopatchinskaja schreiben? Da ist zwar das Beethoven Violinkonzert drauf, aber das ist fast nebensächlich. Ich habe noch keine Aufnahme dieses Werks gehört, bei der die Solistin so dermaßen vor das Werk gestellt wird. Ihr Spiel ist einzigartig, der spröde, erdige Ton entbehrt jeglicher Romantik (damit meine ich den satten, vibtatoreichen, mal bald süßlichen, mal bald weinerlichen Ton, der die bekannten großen Aufnahmen von Kreisler bis Schneiderhan ziert); die Klanggestaltung kippt manchmal gar in Richtung des Geräuschhaften, besonders im Pianissimo und in den höchsten Lagen. Es ist faszinierend dieser Künstlerin zuzuhören; wie sie die Klänge aus dem "schmutzigen" Niemandsland zwischen Stille und Ton herausformt, beinahe jeden einzelnen Klang ausgestaltet und aus jeder Geste "etwas macht" (dass sie sich in der Neuen Musik zu Hause fühlt, glaube ich sofort). Kopatchinskaja ist damit der Antityp zu einer Anne-Sophie Mutter, bei welcher die Töne ansatzlos aus dem Nichts entstehen und in höhere Sphären zu entschweben scheinen.

Was macht sie nun aus Beethoven? Sie spielt ihn so, wie es Publikum und Kritik bei der Urauffürung empfunden haben und wie es sich in dem berühmten Artikel aus der Wiener Theaterzeitung niedergeschlagen hat. Kennern gesteht demselben manche Schönheit zu, bekennt aber, dass der Zusammenhang oft ganz zerrissen scheine... . In der Tat erscheint mir das Violinkonzert in dieser Aufnahme als eine zusammenhanglose Ansammlung von Themen und Gestalten. Das schließt den "Dialog" mit dem Orchester ein, der schlichtweg nicht stattfindet. Das Orchestre des Champs-Elysées spielt den symphonischen Charakter des Werks aus, für ein HIP-Ensemble außergewöhnlich klangschön, aber ohne den -scheinbar ohne Zutun des Dirgienten passierenden- charakteristischen Fluß, der Herreweghe sonst auszeichnet. Dabei kommt das Gefühl auf, das Orchester lasse sich von der Anwesenheit der Solistin nicht weiter stören; in meinen Ohren klingt dieses Nebeneinanderher zeitweise regelrecht bizzar.

Soll man die Aufnahme deswegen verdammen? Das wäre zu leicht. Ich sehe hier eine legitime Art, wie man das auch spielen kann und im Sinne einer historisch informierten Praxis schaffen es Kopatchinskaja und Herreweghe wahrscheinlich besser als alle anderen, hörbar zu machen, was die oben beschriebenen Befindlichkeiten des Publikums und der Kritik ausgelöst haben könnte. Und ein Violinkonzert lediglich als Anlaß zu nehmen, um sich als Solistin vorzuführen, legt für mich den Finger in die Wunde: gilt das nicht für viele andere Aufnahmen auch, nur eben nicht so offensichtlich? Dass sie den Mut hat, sich so zu exponieren und dann jegliche "Schönheit" zu verweigern, finde ich großartig.

Fazit: Ich höre mehr Kopatchinskaja als Beethoven aber wenn sich eine aus der neuen Garde der Geigensternchen diese Unverfrohrenheit leisten kann, dann sie.
Risiken und Nebenwirkungen: wer diese CD zum Kennenlernen des Werks in die Finger bekommt, wir schwerlich hinter dessen Faszination kommen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51a6sGitnFL._SL500_AA240_.jpg
nikolaus (25.10.2009, 21:03):
Hey,

vielen Dank für Deine Ehrlichkeit.
Was Du beschreibst, macht mich in der Tat sehr neugierig.
Bei nächster Gelegenheit werde ich versuchen, mir meinen eigenen Eindruck zu verschaffen.

Gruß, Nikolaus.
ab (27.10.2009, 10:28):
Original von Dox Orkh
Ich habe noch keine Aufnahme dieses Werks gehört, bei der die Solistin so dermaßen vor das Werk gestellt wird.

wohl noch nicht die letzte von Nigel Kennedy gehört!?


... beinahe jeden einzelnen Klang ausgestaltet und aus jeder Geste "etwas macht". (dass sie sich in der Neuen Musik zu Hause fühlt, glaube ich sofort)

Dann höre Dir einmal die Aufnahme von Adolf Busch an, die er mit seinem Bruder Fritz am Dirigentenpult in New York gemacht hat! (da gibts viele verschiedenen Ausgaben von Biddulph oder Archipel über Music&Arts bis IDIS) ! (Dort kommt mir das von Dir zitierte Brüchige viel stärker hervor!)

Dertigte Gestaltung, übrigens, findet man weniger in der Neuen Musik als in der Aten Musikszene, wie etwa exemplarisch an Andrew Manze nachzuhören.


Das Orchestre des Champs-Elysées spielt den symphonischen Charakter des Werks aus, für ein HIP-Ensemble außergewöhnlich klangschön, aber ohne den -scheinbar ohne Zutun des Dirgienten passierenden- charakteristischen Fluß, der Herreweghe sonst auszeichnet. Dabei kommt das Gefühl auf, das Orchester lasse sich von der Anwesenheit der Solistin nicht weiter stören; in meinen Ohren klingt dieses Nebeneinanderher zeitweise regelrecht bizzar.

Warum aber findest Du dann diese Aufnahme so hörenswert: Findest Du etwa, dass hier das Aneinandervorbeispielen geglückt ist?

Soll man die Aufnahme deswegen verdammen? Das wäre zu leicht. Ich sehe hier eine legitime Art, wie man das auch spielen kann

Ich habe Deinen Zeilen leider nicht entnehmen können, worin das Legitimierende dieser Aufnahme Deiner Ansicht zufolge besteht. Denn nur eine "Verweigerung von Schönheit" ist wohl dafür zu wenig, oder?

:hello
HenningKolf (27.10.2009, 10:59):
zusammenhangloses Aneinandervorbeispielen = HIP?

na, da kann ich ja meinen (Vor?-)Urteilen bzgl. HIP gleich noch ein weiteres hinzufügen..............

Aber danke für die Warnung (ich bin nun absolut sicher Geld sparen zu können). Aus der gesamten Beschreibung entnehme ich, dass es nach einem höchst durchschnittlichen (ich drücke mich freundlich aus) Geiger (Kennedy) jetzt halt auch noch eine ebensolche Geigerin gibt, über die wir dann denken sollen, alles sei so erfrischend und neu und doch so "Original".......aber dann auch wieder bizarr..............

Gruß
Henning
ab (27.10.2009, 11:14):
Original von HenningKolf
zusammenhangloses Aneinandervorbeispielen = HIP?

na, da kann ich ja meinen (Vor?-)Urteilen bzgl. HIP gleich noch ein weiteres hinzufügen..............


Auch wenn mir das bei Herreweghe/Kopachinskaja oder Weil/Beths leider zuzutreffen scheint, so wäre aber ein solches Urteil im Allgemeinen doch voreilig: Es gibt auch gutes Zusammenspiel zwischen Solisten und Orchester auf alten Instrumenten, wie man etwa bei der von mir so gepriesenen Zehetmair/Brüggen-Aufnahme nachhören kann.

:hello
HenningKolf (27.10.2009, 11:35):
@ ab

Das war jetzt auch ein bißchen flapsig dahingeworfen und bezog sich auf Dox´s Ausführungen. Das Zusammenspiel ist es ja auch nicht das, was mich in aller Regel bei HIP nicht froh werden läßt, ich mag halt den "Original"Klang historischer Instrumente ganz einfach nicht.............

Gruß
Henning
Cetay (inaktiv) (27.10.2009, 11:42):
Original von ab
Original von Dox Orkh
Ich habe noch keine Aufnahme dieses Werks gehört, bei der die Solistin so dermaßen vor das Werk gestellt wird.
wohl noch nicht die letzte von Nigel Kennedy gehört!?

Doch. Aber hier ist es weniger der Geiger Kennedy, sondern mehr der künstlerische Leiter Kennedy, der vor dem Werk steht. Geigerisch ist das für mich nichts besonderes, wohl aber von dem scheinbaren Ansatz her, so zu tun, als sehe man die Partitur zum ersten Mal - und sie aus heutiger Sicht zu interpretieren.

Original von ab
Original von Dox Orkh
... beinahe jeden einzelnen Klang ausgestaltet und aus jeder Geste "etwas macht". (dass sie sich in der Neuen Musik zu Hause fühlt, glaube ich sofort)
Dann höre Dir einmal die Aufnahme von Adolf Busch an, die er mit seinem Bruder Fritz am Dirigentenpult in New York gemacht hat! (da gibts viele verschiedenen Ausgaben von Biddulph oder Archipel über Music&Arts bis IDIS) ! (Dort kommt mir das von Dir zitierte Brüchige viel stärker hervor!)
Dertigte Gesatltung, übrigens, findet man weniger in der Neuen Musik als in der Aten Musikszene, wie etwa exemplarisch an Andrew Manze nachzuhören.

Danke für den Tip, das werde ich mir anhören. Es stimmt, was die Gestaltung angeht ist die Alte Musik Szene ja geradezu berüchtigt. Bei Patricia Kopatchinskaja liegt der Schwerpunkt auf der Gestaltung der Klangentstehung. Exemplarisch sei die Solopassage in der Mitte des langsamen Satzes genannt, wo sie die Töne einzeln aneinanderreiht und jeden Klang irgendwo aus der Grauzone zwischen Geräusch und Sinuston herausformt. Hier ist sie nicht weit von der Klangwelt des späten John Cage entfernt.

Original von ab

Das Orchestre des Champs-Elysées spielt den symphonischen Charakter des Werks aus, für ein HIP-Ensemble außergewöhnlich klangschön, aber ohne den -scheinbar ohne Zutun des Dirgienten passierenden- charakteristischen Fluß, der Herreweghe sonst auszeichnet. Dabei kommt das Gefühl auf, das Orchester lasse sich von der Anwesenheit der Solistin nicht weiter stören; in meinen Ohren klingt dieses Nebeneinanderher zeitweise regelrecht bizzar.
Warum aber findest Du dann diese Aufnahme so hörenswert: Findest Du etwa, dass hier das Aneinandervorbeispielen geglückt ist?
Zuhörenswert finde ich sie in erster Linie wegen der Solistin. Ich habe deshalb zum Auftakt gesagt, dass es fast nebensächlich ist, welches Werk hier gespielt wird.

Soll man die Aufnahme deswegen verdammen? Das wäre zu leicht. Ich sehe hier eine legitime Art, wie man das auch spielen kann

Ich habe Deinen Zeilen leider nicht entnehmen können, worin das Legitimierende dieser Aufnahme Deiner Ansicht zufolge besteht. Denn nur eine "Verweigerung von Schönheit" ist wohl dafür zu wenig, oder?

Anhörenswert (legitim ist unglücklich gewählt, weil es dafür keine verbindlichen Kriterien gibt) ist sie deshalb, weil sie das damals Neue dieses Konzertes dadurch hervorhebt, dass es "unverstanden" umgesetzt wird. Laut historischer Rezeption war es vom Komponisten als Konzert gedacht, bei der der Solist als Gleicher unter Gleichem hervortritt - und wahrscheinlich ist nur so der große Zusammenhang hinzubekommen. Das war für die Virtuosen der damaligen Zeit etwas völlig Neues und das Unverständnis der Solisten, sich in einen sinfonischen Kosmos integrieren zu müssen, könnte ein Grund für die negative Rezeption gewesen sein. Natürlich wissen wir es heute besser, aber wollen wir HIPster es nicht immer so hören, wie es damals war?

:hello
ab (27.10.2009, 11:48):
Original von HenningKolf
ich mag halt den "Original"Klang historischer Instrumente ganz einfach nicht.............


Aha, ich dachte, Dir stieße eher deren Art der Gestaltung, Phrasierung, Tempi oder Ausdrucksgehalt auf. Wer den Klang tief gestimmter Instumrente nicht gefällt, dem kann wirklich nicht geholfen werden.

:wink
ab (27.10.2009, 11:57):
Original von Dox Orkh

Anhörenswert ist sie deshalb, weil sie das damals Neue dieses Konzertes dadurch hervorhebt, dass es "unverstanden" umgesetzt wird.

Als Hörer auch vieler Uraufführungen bin ich da immer höchst skeptisch, weil ich ja nie recht beim ersten Hören weiß, ob es (von der subjektiven Tagesverfassung und meinen Vorurteilen ganz zu schwiegen) die Komposition ist oder aber viel mehr deren Umsetzung, weswegen ich mich mit Unverständnis zurückgelassen fühle . Womöglich hatten sie auch damals nur schlecht geprobt und bei sorgfältigerer Erarbeitung wäre die Kritik anders ausgefallen; wer weiß...
Cetay (inaktiv) (27.10.2009, 12:11):
Original von HenningKolf
@ ab

Das war jetzt auch ein bißchen flapsig dahingeworfen und bezog sich auf Dox´s Ausführungen. Das Zusammenspiel ist es ja auch nicht das, was mich in aller Regel bei HIP nicht froh werden läßt, ich mag halt den "Original"Klang historischer Instrumente ganz einfach nicht.............

Gruß
Henning

Wobei ich das Gefühl habe, dass sich hier in den letzten Jahren einiges geändert hat; das Klangbild von Herreweghes Orchester ist weit von dem früherer HIP-Kapellen entfernt. Neben dem warmen Farbenreichtum (vor allem der Holzbläser und hier besonders der Fagotte) fällt die "philharmonische" Kraft auf, die bei frühen HIP-Ensembles eher selten ist.
nikolaus (22.11.2010, 17:07):
Seit kurzem ist die Aufnahme von Janine Jansen teil meiner "Sammlung":

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947815303.jpg

Ich habe sie mir eigentlich wegen der Begleitung durch die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi und wegen des gekoppelten Britten-Konzerts zugelegt.

Zu Beginn ihrer Karriere hat mir Janine Jansen eigentlich überhaupt nicht gefallen, ich empfand ihr Spiel als penetrant.
Bei einem Mitschnitt aus Verbier - ich glaube 2008- habe ich sie dann kammermusikalisch gehört und war doch sehr angetan von ihrem Engagement und ihrer Gestaltung.

Ihre Beethoven-Aufnahme finde ich - für mich selbst sehr überraschend - hervorragend! Zwar sind auch hier Passagen dabei, bei denen mir ihr Ton nicht unbedingt gefällt, aber sie fügen sich in eine sehr lebendige, kurzweilige, frische Interpretation ein. Sie durchlebt das Werk, ist nie oberflächlich, spielt einerseits kraftvoll, findet andererseits auch überirdische Töne, variiert das Vibrato sehr stimmig...
Sicher tragen auch Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit ihrem flexiblen, inzwischen schon "typischen" Beethoven erheblich zur Qualität dieser Aufnahme bei!

Und die Kopplung mit Britten (dazu an anderer Stelle demnächst mehr) ist grandios!

Nikolaus.
Armin70 (22.11.2010, 19:13):
Original von nikolaus
Seit kurzem ist die Aufnahme von Janine Jansen teil meiner "Sammlung":

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947815303.jpg

Ich habe sie mir eigentlich wegen der Begleitung durch die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi und wegen des gekoppelten Britten-Konzerts zugelegt.

Zu Beginn ihrer Karriere hat mir Janine Jansen eigentlich überhaupt nicht gefallen, ich empfand ihr Spiel als penetrant.
Bei einem Mitschnitt aus Verbier - ich glaube 2008- habe ich sie dann kammermusikalisch gehört und war doch sehr angetan von ihrem Engagement und ihrer Gestaltung.

Ihre Beethoven-Aufnahme finde ich - für mich selbst sehr überraschend - hervorragend! Zwar sind auch hier Passagen dabei, bei denen mir ihr Ton nicht unbedingt gefällt, aber sie fügen sich in eine sehr lebendige, kurzweilige, frische Interpretation ein. Sie durchlebt das Werk, ist nie oberflächlich, spielt einerseits kraftvoll, findet andererseits auch überirdische Töne, variiert das Vibrato sehr stimmig...
Sicher tragen auch Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit ihrem flexiblen, inzwischen schon "typischen" Beethoven erheblich zur Qualität dieser Aufnahme bei!

Und die Kopplung mit Britten (dazu an anderer Stelle demnächst mehr) ist grandios!

Nikolaus.

Hallo,
diese Aufnahme kaufte ich mir im Frühsommer diesen Jahres unmittelbar nach einem Konzert, in dem Janine Jansen mit dem HR-Sinfonieorchester und Paavo Järvi das Violinkonzert von Benjamin Britten spielte. Vor allem das Britten-Violinkonzert hat mich beeindruckt und ehrlich gesagt war das der Hauptgrund für den Kauf dieser CD. Das Beethoven-Violinkonzert ist in dieser Interpretation sehr fulminant. Das liegt vor allem am sehr temperamentvoll gestalteten Orchesterpart aber Janine Jansen schafft es sehr gut, sich von der Bremer Kammerphilharmonie und Paavo Järvi nicht den Schneid abkaufen zu lassen. Diese Aufnahme hat allgemein zu Recht sehr positive Kritiken bekommen, z. B. hier bekommen.

Armin
ab (22.11.2010, 20:16):
sorry
nikolaus (09.09.2011, 10:39):
Ich mache gerade eine seltsame Erfahrung:

Gerade höre ich im Radio die Aufnahme mit Vengerov/Rostropowitsch, die hier ja gar nicht gut ankommt und wegen ihres langsamen Tempos und einer "Spannungslosigkeit" kritisiert wird.

Zugegeben, der Anfang "schleppt" sich ziemlich dahin, aber ungefähr ab der Mitte des ersten Satzes bin ich gefesselt.
Danach empfinde ich das Tempo gar nicht als langsam, und von Spannungslosigkeit kann meiner Meinung nach keine Rede sein. Vengerovs Spiel hat Tiefe und Charakter.
Nach dem Gesetz der Trägheit der Masse wirkt die Orchesterbegleitung - das gebe ich zu - behäbig, aber sie tritt für mich in dieser Aufnahme sowieso in den Hintergrund.

Falls ich mich jemals negativ übe diese Aufnahme geäussert habe, muss ich mein Urteil heute revidieren.

Gruß, Nikolaus.
Cetay (inaktiv) (20.07.2014, 17:39):
Original von AcomA im Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2014? Faden
Lieber Cetay,

diese Aufnahme des Beethoven-Konzertes mit Kremer und Marriner finde ich superb.

LG, Siamak
Uneingeschränkte Zustimmung, wobei mir die rundere Aufnahme mit Harnoncourt am Pult noch einen Ticken besser gefällt, aber die Schnittke-Kadenz würde mich bei der Inselfrage dann doch zu Marriner greifen lassen.

Unter den rund zwei Dutzend gehörten Vergleichsaufnahmen hat sich bei mir eine von Kritik und Publikum gleichsam oft übersehene CD ganz nach vorne gespielt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/512eCf5RVvL._SL500_AA270_.jpg
Ludwig van Beethoven; Violinkonzert D-Dur, op. 61
Mela Tenenbaum, Czech Philharmonic Chamber Orchestra, Richard Kapp

Ich kann nur raten, da trotz der fehlenden Namen ganz genau hinzuhören. Das ist genau das Gegenteil einer Interpretation von der Stange. Freilich erkauft sich die Solistin ihre Individualität nicht durch Manierismen, sondern mit einer überzeugenden Gestaltungskraft, die völlig mühelos und selbstverständlich wirkt. Das feindynamische Zusammenspiel und Kontrastieren dem Orchester ist superb. Dass eine Stimme, die bei diesem Konzert noch etwas zu sagen hat, ihre eigenen Kadenzen spielt, ist nur konsequent.
abendroth (21.07.2014, 13:35):
Tenenbaums Beethoven CD enthält übrigens auch ein von Mozart im 20. Jahrhundert komponiertes Violinkonzert, das man heute kaum noch hört.
Rachmaninov (21.07.2014, 14:45):
Original von abendroth
Tenenbaums Beethoven CD enthält übrigens auch ein von Mozart im 20. Jahrhundert komponiertes Violinkonzert, das man heute kaum noch hört.

Mozart hat im 20. Jahrhundert noch komponiert? Respekt! :D
palestrina (21.07.2014, 15:00):
Original von abendroth
Tenenbaums Beethoven CD enthält übrigens auch ein von Mozart im 20. Jahrhundert komponiertes Violinkonzert, das man heute kaum noch hört.

Hallo abendroth !

Wie, lebte Mozart da noch ? Hab ich was verpasst? :D

Erkläre mir doch bitte wie sich das mit dem Mozart Violinkonzert verhält !
Interessiert mich sehr !
Cetay kann es mir auch bestimmt erklären, also einer von euch beiden :) ! DANKE

LG palestrina
Cetay (inaktiv) (21.07.2014, 15:40):
Ich könnte, bin aber zu faul... :D

Kurz und bündig nachzulesen ist das im "Spiegel" vom 25.07.1977 -> hier
palestrina (21.07.2014, 15:50):
Hallo Cetay, ist doch BESTENS ! :thanks

LG palestrina
abendroth (21.07.2014, 17:16):
Hallo Palestrina,
das Adelaide Konzert, das häufig Mozart zugeschrieben wurde, ist eine bewusste Fälschung von Marius Casadesus, der dies später selbst zugegeben hat. Manche Musikwissenschaftler hielten es für echt (obwohl nie ein Autograph aufgrtaucht ist), andere, z.B. Alfred Einstein, haben immer an der Echtheit gezweifelt. Menuhin hatte es, glaube ich, auch aufgenommen.
mit freundlichen Grüssen
abendroth
nikolaus (24.08.2014, 23:02):
Original von Cetay
Was soll ich nur über die neue Einspielung von Patricia Kopatchinskaja schreiben? Da ist zwar das Beethoven Violinkonzert drauf, aber das ist fast nebensächlich. Ich habe noch keine Aufnahme dieses Werks gehört, bei der die Solistin so dermaßen vor das Werk gestellt wird. Ihr Spiel ist einzigartig, der spröde, erdige Ton entbehrt jeglicher Romantik (damit meine ich den satten, vibtatoreichen, mal bald süßlichen, mal bald weinerlichen Ton, der die bekannten großen Aufnahmen von Kreisler bis Schneiderhan ziert); die Klanggestaltung kippt manchmal gar in Richtung des Geräuschhaften, besonders im Pianissimo und in den höchsten Lagen. Es ist faszinierend dieser Künstlerin zuzuhören; wie sie die Klänge aus dem "schmutzigen" Niemandsland zwischen Stille und Ton herausformt, beinahe jeden einzelnen Klang ausgestaltet und aus jeder Geste "etwas macht" (dass sie sich in der Neuen Musik zu Hause fühlt, glaube ich sofort). Kopatchinskaja ist damit der Antityp zu einer Anne-Sophie Mutter, bei welcher die Töne ansatzlos aus dem Nichts entstehen und in höhere Sphären zu entschweben scheinen.

Was macht sie nun aus Beethoven? Sie spielt ihn so, wie es Publikum und Kritik bei der Urauffürung empfunden haben und wie es sich in dem berühmten Artikel aus der Wiener Theaterzeitung niedergeschlagen hat. Kennern gesteht demselben manche Schönheit zu, bekennt aber, dass der Zusammenhang oft ganz zerrissen scheine... . In der Tat erscheint mir das Violinkonzert in dieser Aufnahme als eine zusammenhanglose Ansammlung von Themen und Gestalten. Das schließt den "Dialog" mit dem Orchester ein, der schlichtweg nicht stattfindet. Das Orchestre des Champs-Elysées spielt den symphonischen Charakter des Werks aus, für ein HIP-Ensemble außergewöhnlich klangschön, aber ohne den -scheinbar ohne Zutun des Dirgienten passierenden- charakteristischen Fluß, der Herreweghe sonst auszeichnet. Dabei kommt das Gefühl auf, das Orchester lasse sich von der Anwesenheit der Solistin nicht weiter stören; in meinen Ohren klingt dieses Nebeneinanderher zeitweise regelrecht bizzar.

Soll man die Aufnahme deswegen verdammen? Das wäre zu leicht. Ich sehe hier eine legitime Art, wie man das auch spielen kann und im Sinne einer historisch informierten Praxis schaffen es Kopatchinskaja und Herreweghe wahrscheinlich besser als alle anderen, hörbar zu machen, was die oben beschriebenen Befindlichkeiten des Publikums und der Kritik ausgelöst haben könnte. Und ein Violinkonzert lediglich als Anlaß zu nehmen, um sich als Solistin vorzuführen, legt für mich den Finger in die Wunde: gilt das nicht für viele andere Aufnahmen auch, nur eben nicht so offensichtlich? Dass sie den Mut hat, sich so zu exponieren und dann jegliche "Schönheit" zu verweigern, finde ich großartig.

Fazit: Ich höre mehr Kopatchinskaja als Beethoven aber wenn sich eine aus der neuen Garde der Geigensternchen diese Unverfrohrenheit leisten kann, dann sie.
Risiken und Nebenwirkungen: wer diese CD zum Kennenlernen des Werks in die Finger bekommt, wir schwerlich hinter dessen Faszination kommen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51a6sGitnFL._SL500_AA240_.jpg

Es hat zwar fast fünf Jahre gedauert, aber jetzt habe ich mich mit dieser Aufnahme beschäftigt und sie mir gleich zugelegt.
Es ist wirklich eine aussergewöhnliche, im besten Sinne exzentrische Aufnahme!
Aber ich muss Dir, Cetay, widersprechen: gerade in ihrer Exposition gegenüber dem Orchester höre ich mehr Dialog zwischen Solistin und Orchester als in anderen Aufnahmen, in denen der Solist mehr in das Orchester eingebettet ist. Man höre nur die Kadenz im ersten Satz, das Wechselspiel zwischen Solistin und Pauke - wenn das kein Dialog ist!
Sicher, Patricia Kopatchinskaja tunt nicht nur die Kadenz im ersten Satz (ein eigenes Arrangement der originalen Beethoven-Kadenz für die Klavierfassung), sondern fügt auch sonst einiges hinzu und überrascht den Hörer auf diese Weise bis zum Schluss immer wieder aufs Neue, aber für mich führt das ganz und gar nicht zu einer "zusammenhanglosen Ansammlung von Themen und Gestalten"; der rote Faden bleibt doch vorhanden.
Ich finde auch nicht, dass sie "jegliche "Schönheit" verweigert". Sie schafft immer wieder "Inseln", in denen sie ihre Sprödheit zu silbrigem Schimmer glättet, und gerade dieses Nebeneinander ist grandios!

Deinem Fazit stimme ich aber voll und ganz zu!

Nikolaus.
Andréjo (24.08.2014, 23:57):
Das Beethoven-Konzert ist mir irgendwann entglitten; ich wollte es nicht mehr hören. Wiedergebracht hat es mir die Einspielung mit Christian Tetzlaff und dem Tonhalle-Orchester Zürich unter Zinman und vor einigen Monaten dann in noch stärkerem Maße die soeben diskutierte Aufnahme mit Patricia Kopatschinskaja.

:hello Wolfgang
abendroth (25.08.2014, 11:13):
Ich verstehe den eher negativen Ton in vielen Besprechungen der Aufnahme mit Kopatchinskaja überhaupt nicht. Was soll heissen "Die Solistin sei vor das Werk gestellt". Es kann gewiss nicht bedeuten, dass es um eine virtuos auftrumpfende Spielweise geht. Im Gegenteil. Oft spielt das Orchester die dominierende Rolle und tritt die Solistin zurecht zurück. Soll es heissen: es ginge bei der Aufnahme mehr um die Solistin, als um Beethoven? Sie mache ihr Ding, und Beethoven komme dabei zu kurz? Im Begleitheft wird jedenfalls recht gut begründet, warum die Aufnahme abweicht (auch was den Ton betrifft).
Was die Frage betrifft, ob die Solistin etwas hinzufügt, muss man beachten, dass Beethoven selbst, vor allem im Kopfsatz, einige Varianten komponiert hat, die in keiner anderen Aufnahme als der Kopatchinkajas gespielt werden. Was Eigensinn der Solistin zu sein scheint, kann durchaus Beethovens eigener Sinn sein.

Es ist übrigens Herreweghes eigener Wunsch gewesen, dieses Konzert mit Kopatchinskaja aufzunehmen, was wegen den 'Bindungen' an verschiedene Produktionsgesellschaften (harmonia mundi / naive) keineswegs selbstverständlich war.

Ich jedenfalls war froh, dass die beiden dieses Konzert einmal aus dem Leichenschauhaus, das der normale Konzert- und Aufnahmebetrieb ja häufig ist, befreit haben. Nirgendwo habe ich übrigens einen Kommentar zu den beiden Romanzen gelesen. Eine der beiden wird so unvergleichlich reizvoll gespielt, dass man keine Lust mehr hat, je eine andere Aufnahme zu hören.
mit freundlichen Grüssen
abendroth
Peter Brixius (13.02.2015, 11:30):
Es gibt sicher unterschiedliche Sichtweisen von Beethovens Violinkonzert. Die eine gegen die andere auszuspielen, bringt wenig, denn gerade die Gleichzeitigkeit der unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten macht den Rang des Werkes aus.

Ich bin relativ spät auf die Einspielung von Patricia Kopatchiskaja gestoßen, habe dann aber im Rundfunk zwei Live-Sendungen, einmal unter Herreweghe mit dem hr-Sinfonieorchester, einmal unter Norrington gehört. Bei einem Konzert gab es in der Konzertpause ein ausführliches Gespräch mit der Solistin, in der sie ihren Ansatz verdeutlichte. Wie schon in den vorhergehenden Beiträgen geschrieben wurde, handelt es sich nicht nur um die nun wahrhaft genialische, an op. 61a orientierte Kadenz, sondern um die modere, provozierende Kunst der Interpretation im gesamten Stück.

Ich möchte ein wenig mehr über den musikalischen Gehalt des Violinkonzertes schreiben, das mE eben eine solche riskante Interpretation verdient. Sie soll ja keine Referenz sein, nicht andere ersetzen, sondern einen eigenständigen Beitrag zum Verständnis des Konzertes liefern. Und das tut sie auf höchstem Niveau.

Kurz: Ich bin be-geist-ert. Unter den vielen Einspielungen des Konzertes hatte lange die mit Stephanie Chase bei mir einen Ehrenplatz, was sicher auch der Tatsache geschuldet ist, dass ich sie live erleben konnte. Aber da ist ein weiterer Stern bei mir am Firmament aufgegangen.

Liebe Grüße Peter
teleton (30.03.2015, 11:00):
Original von Andréjo
Wiedergebracht hat es mir die Einspielung mit Christian Tetzlaff und dem Tonhalle-Orchester Zürich unter Zinman und vor einigen Monaten dann in noch stärkerem Maße die soeben diskutierte Aufnahme mit Patricia Kopatschinskaja.

Mir geht es ziemlich genau so wie Andrejo (Wolfgang).
Dieser kitschig-romantische Tonfall bei einigen klassischen Aufnahmen, dieses Überromantrisieren ging mir irgendwann auf den Keks.

Erst die Tetzlaff/Zinman-Aufnahme hat mich wieder zum VC op.61 zurückgeführt. Und bei Patricia Kopatchinskaja gefällt mir genau das, was Cetay bemängelt - nämlich, dass sie dieses romantische Geplänkel auf ihre geniale Art vermeidet.

Peter hat das schön ausgedrückt:
Aber da ist ein weiterer Stern bei mir am Firmament aufgegangen.
Viola (30.03.2015, 11:16):
Original von teleton

Peter hat das schön ausgedrückt:
Aber da ist ein weiterer Stern bei mir am Firmament aufgegangen.


Oh Gott, und das ist nicht romantisch verkitscht?

So unterscheiden sich die Betrachtungs-Weisen :tongue:
Nicht nur beim Violinkonzert.

Mir ist Kopatschinskaja zu bemüht anders, zu betont "aufgedreht". Mir würde das "Andere" gefallen, was sie vermitteln will, vermute ich, wenn ich es als stimmig empfinden könnte.
Kann ich aber nicht. Im Gegenteil, mir geht ihre "Exklusivität" zunehmend auf den Nerv.

Das teilt sie mit einigen Forums-Schreibern hier.
:ignore

Nichts für ungut!
Viola
Cetay (inaktiv) (30.03.2015, 11:35):
Original von teleton
(..) Und bei Patricia Kopatchinskaja gefällt mir genau das, was Cetay bemängelt - nämlich, dass sie dieses romantische Geplänkel auf ihre geniale Art vermeidet.


Ich habe das nicht bemängelt, sondern nur festgestellt.
Mein Fazit über die Aufnahme fiel insgesamt positiv aus, aber ich stelle auch hier -wie immer öfter- fest, dass ich sie nach der ersten Faszination nie wieder gehört habe. Die "Exklusivität" des "Anderen" kann sich bei mir selten nachhaltig im Hörrepertoire etablieren.
Peter Brixius (30.03.2015, 11:45):
Original von Viola
Original von teleton

Peter hat das schön ausgedrückt:
Aber da ist ein weiterer Stern bei mir am Firmament aufgegangen.


Oh Gott, und das ist nicht romantisch verkitscht?

Was, liebe Viola, ist an der Feststellung, dass man einer in jedem Sinne beeindruckenden Interpretation begegnet ist, romantisch verkitscht? Die Feststellung ist nicht romantisch (im Übrigen ist es gerade das über das Romantische Hinausgehende, was bei besagter Interpretation begeistert) - aber verkitscht? Welches Wörterbuch hat Dir denn dieses Wort geliefert? Willst Du meinem Erlebnis Lügenhaftigkeit unterstellen? Wehe ich mit Weihrauch um mich her? Das, liebe Viola, ist ebenso unfreundlich wie falsch, was Du schreibst.

Doch warum schreibst Du so etwas? Weil eine Interpretation, die Dir nicht passt, von anderen gelobt wird? Das ist doch normal und gut. Zum Kunstpapst haben weder Wolfgang noch ich uns aufgeschwungen. Wir haben uns nur für eine aktuelle Interpretation ausgesprochen. Ist das bei Dir verpönt?

Ich lege auf jeden Fall ebenso viel Wert darauf, dass Du Deinen Geschmack hier äußerst und denke nicht daran, Dir Lügenhaftigkeit (und das ist Kitsch!) zu unterstellen.

Nachdem Du nun ein gutes Beispiel vorgeführt hast, wie man mit anderen Meinungen umgeht, ein wenig zu den Eindrücken, die Du vorbringst:

Mir ist Kopatschinskaja zu bemüht anders, zu betont "aufgedreht". Mir würde das "Andere" gefallen, was sie vermitteln will, vermute ich, wenn ich es als stimmig empfinden könnte.

Das "Aufgedrehtsein" gehört zum Virtuosenkonzert, es ist immer auch ein Stück Grand Guignol. Da ist sicher in der Entwicklung der letzten Jahre auch ein Gutteil des Rhetorischen aus der Erfahrung historischer Musik in HIP-Verständnis in die allgemeine Wahrnehmung geflossen. Es gibt ja spektakuläre HIP-Einspielungen auch des Violinkonzertes. Auch wenn man Gidon Kremer bei dem Violinkonzert live erlebt hat, wird man sich des Eindrucks einer "Aufgedrehtheit" nicht versagen können. Ist das nun wirklich am Violinkonzert Beethovens vorbei? Und ich habe das Violinkonzert doch in einer Vielzahl von Interpretationen live erlebt.

Was empfindest Du denn für stimmig bei dem Violinkonzert?

Kann ich aber nicht. Im Gegenteil, mir geht ihre "Exklusivität" zunehmend auf den Nerv.

Liebe Viola, hier wurden unterschiedliche Meinungen geäußert, ich selbst habe auf eine Gegenmeinung geantwortet. Wo ist denn meine (oder Wolfgangs) Meinung hier exklusiv. Nur weil wir die letzten waren, die sich hier äußerten, sind wir exklusiv?

Das teilt sie mit einigen Forums-Schreibern hier.

Das solltest Du nicht ohne Begründung hier stehen lassen. Und nicht hier "Schreiber" angehen, die Du nicht benennst. Sonst ist das für mich auch nur "aufgeregt" und Stimmungsmache. Mir ginge weit mehr auf den Nerv, wenn hier nicht geschrieben würde - und selbstverständlich gestritten. Wie sollte es auf einem Marktplatz anders sein?

Nichts für ungut!


Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (30.03.2015, 11:54):
Original von Cetay
Original von teleton
(..) Und bei Patricia Kopatchinskaja gefällt mir genau das, was Cetay bemängelt - nämlich, dass sie dieses romantische Geplänkel auf ihre geniale Art vermeidet.


Ich habe das nicht bemängelt, sondern nur festgestellt.
Mein Fazit über die Aufnahme fiel insgesamt positiv aus, aber ich stelle auch hier -wie immer öfter- fest, dass ich sie nach der ersten Faszination nie wieder gehört habe. Die "Exklusivität" des "Anderen" kann sich bei mir selten nachhaltig im Hörrepertoire etablieren.


Lieber Cetay,

ist es nicht schon das Wichtige, dass sie als Stimme mitschwingt, wenn man nun eine andere Aufführung besucht? Mir ging es übrigens damals bei Kremer ähnlich: Außerordentlich beeindruckend - bis in den Gestus hinein, aber die Konserve ein seltener Gast in einem Laufwerk. Und doch höre ich ihn noch immer mit.

Liebe Grüße Peter
Viola (30.03.2015, 13:31):
@ Peter Brixius:

Mein Beitrag bezog sich - sichtlich und ausschließlich - auf jenen teletons.

Meine Meinung zu Patricia Kopatschinskaja ist einzig und allein meine. Meine persönliche. Sie erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Das habe ich auch genau so formuliert. (Nicht gesagt hatte ich, dass ich Kremer bevorzuge. Dem ist nicht so.)
Das bedeutet nicht, dass ich andere Meinungen nicht achte. Im Gegenteil.
Nur missfällt mir mancher Stil. Das darf ich äußern, hoffe ich.
Weiter darüber diskutieren möchte ich an dieser Stelle nicht. Das bitte ich zu respektieren. Es ist meine - persönliche - Entscheidung.

Romantisch verkitscht, auch das hatte ich eindeutig so geschrieben, finde ich nicht die Begeisterung für diese Interpretin und ihr Beethoven-Konzert, sondern die Formulierung, "da ist ein weiterer Stern bei mir am Firmament aufgegangen".
(Ich fand im Gegensatz zu teleton nicht, dass dies "schön ausgedrückt" sei.)

MEHR NICHT.


Viola
Peter Brixius (30.03.2015, 13:57):
Original von Viola
@ Peter Brixius:

Mein Beitrag bezog sich - sichtlich und ausschließlich - auf jenen Teletons.

Deshalb, liebe Viola, stand auch ein Zitat von mir am Anfang Deiner Replik :hello Lassen wir es dabei ...

Meine Meinung zu Patricia Kopatschinskaja ist einzig und allein meine. Meine persönliche. Sie erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Das habe ich auch genau so formuliert. (Nicht gesagt hatte ich, dass ich Kremer bevorzuge. Dem ist nicht so.)

Nein, der Kremer kam nur von mir, für den brauchst Du Dich nicht zu rechtfertigen. Warum solche Interpretationen für mich so reizvoll sind, das werde ich in einem eigenen Beitrag zu begründen versuchen. So ist das eben, der eine regt sich bei Kopatschinskaja auf, der andere vermutet, bei Menuhin einzuschlafen. Dabei ist die Interpretation von Yehudi Menuhin eine der beeindruckendsten, die ich kenne. Ich habe schon immer lieber auf zwei Schultern getragen ...

Das bedeutet nicht, dass ich andere Meinungen nicht achte. Im Gegenteil.
Nur missfällt mir mancher Stil. Das darf ich äußern, hoffe ich.

Natürlich brauchst Du das weder zu begründen noch zu ändern. Da der Stil aber doch eine sehr persönliche Sache ist, neige ich im Regelfall dazu, mich auf die Inhalte zu beschränken. Aber das kann jeder so tun, wie er lustig ist.

Romatisch verkitscht, auch das hatte ich eindeutig so geschrieben, finde ich nicht die Begeisterung für diese Interpretin und ihr Beethoven-Konzert, sondern die Formulierung, "da ist ein weiterer Stern bei mir am Firmament aufgegangen".
(Ich fand im Gegensatz zu Teleton nicht, dass dies "schön ausgedrückt" sei.)

MEHR NICHT.

Aber das war nun meine Äußerung. Da hast Du Dich also doch über meinen Beitrag geäußert - und eben darauf bezog sich mein Beitrag. Nun pflege ich meine Worte doch in der Regel bewusst zu gebrauchen. Das "Firmament" war natürlich ein Bezug auf Beethoven, ein nicht unbekanntes Zitat von ihm enthält diesen Ausdruck. Es war also ein Spiel mit der Sprache, wie ich es mir gerne mal erlaube. Bei Stern -> Star ist der Bezug ja nun auch nicht ungewöhnlich. Aber sowohl das Firmament wie der Star ist sowas von unkitschig. Es sind beides - in Bezug auf Beethoven - wohldefinierte Begriffe seines Naturverständnisses. Und das hat nun mit Kitsch weißGott nichts zu tun. Und bezogen habe ich die beiden Begriffe auf den kommerziellen Bereich, wo es iele Sternchen gibt, aber eben auch einige Sterne, einige Stars. Also bleibt nur noch das unschuldige "aufgegangen" statt dem geläufigeren "erschienen".

Ja, um das Verhältnis von Beethoen zur Natur ging es mir gedanklich schon, die Zeit ist jetzt zu knapp, es zum Ausdruck zu bringen. Ist die Natur das Ruhige, auf sich Bezogene - oder ist sie Quelle von Gefahr und Gefährdung (wie im Gewittersatz der Pastorale). Die Brüche im Gewohnten aufzuzeigen, sie in eine neue Ordnung zu fassen, das macht doch gerade die Kunst Beethovens aus. Und das macht für mich die Interpretation der Kopatschinskaja so faszinierend, weil ich beides darin finde, die Brüche und die Ordnung.

Und so ist auch ein neuer Stern am Firmament eine Bedrohung der alten Ordnung, aber es wird auch eine neue Stabilität auf einem höheren Niveau geschaffen. Da sind wir beim Ästhetischen und bei der Kunsttheorie - weit entfernt von der Sphäre des Kitsches.

Liebe Grüße Peter
AcomA (30.03.2015, 22:18):
Hallo,

ich kann aus meiner Sicht Peters Ausführungen unterstreichen. Ich kenne die Kopchinsksya- Interpretationen nicht, dennoch höre ich derzeit das Beethoven Violinkonzert in zwei unterschiedlichen Interpretationen sehr gerne:

Isabelle Faust/Orchestra Mozart/Claudio Abbado

Vadim Repin/Wiener Philharmoniker/Riccardo Muti

Beide Darstellungen sind konträr, ich möchte beide nicht missen.

LG, Siamak
Peter Brixius (01.04.2015, 12:24):
Ostern kommt auf Arte Beethoven Violinkonzert mit Isabelle Faust. Bernard Haitink dirigiert die Berliner Philharmoniker.

http://concert.arte.tv/de/osterfestspiele-baden-baden

Liebe Grüße Peter
AcomA (01.04.2015, 14:07):
Lieber Peter,

herzlichen Dank für den Hinweis.

LG, Siamak
Cetay (inaktiv) (17.01.2017, 11:25):
Gidon Kremer hat ein Essay Searching for Ludwig verfasst, das ich allen Freunden des Konzerts, des Interpreten und vor allem der Kombination aus beiden zeigen möchte. Es gibt einen schönen Einblick in die Gedankenwelt des Interpreten. Er redet in 9 "Variationen" über die Partnerschaft zwischen Solist und Dirigent, Tempo, Portamento, das Geheimnis der Details, Fermaten, Wettbewerbe, Solo-Kadenzen, Substanz (hinter dem Notentext und der Technik), Persönlichkeit, Authentizität / Aufrichtigkeit / Popularität und im "Finale" über seine persönliche Lieblingsaufnahme.
udabonn (07.01.2020, 15:06):
Hallo, ich bin neu hier ...
Ich suche schon seit langem eine CD-Ausgabe des Vk mit Iona Brown als Solistin und der ASMIF unter Neville Marriner, erschienen bei Decca. Aufgenommen Januar 1980, erschienen 1981 als LP. Laut ASMIF-Discographie gab es einen CD-Transfer in der Decca-Reihe "London Weekend" unter der Nr. 430 133.2LC, aber wohl nur für den US-Markt. Besitzt jemand diese CD-Aufnahme ?
Dank und Gruß
udabonn
satie (07.01.2020, 16:20):
Hallo udabonn,
Willkommen im Forum!

Ich habe den letzten Teil der Anfrage herausgenommen (womit gleichzeitig die Frage beantwortet ist). Ich schalte Dir mal gleich die PN Funktion frei, dann kann sich im Fall der Fälle jemand bei Dir direkt melden.

Herzliche Grüße
Satie
Cetay (inaktiv) (07.01.2020, 16:38):
Die gibt es gerade sehr günstig gebraucht auf der amerikanischen Amazon-Seite. Hier.
Der Verkäufer liefert nach Deutschland.
udabonn (17.01.2020, 11:22):
Das hat tatsächlich geklappt. CD ist heute angekommen. Bin begeistert. Danke für die hilfreiche Info!