Beethovens Streichquartette

Carola (21.07.2006, 19:32):
Als Beethoven um 1800 mit seinem op. 18 die ersten sechs Streichquartette vorlegte, hatte diese "Königsdisziplin" der Kammermusik mit den Werken Haydns und Mozarts schon einen ersten Höhepunkt erreicht.

Neben der viersätzigen Form war auch die weitgehende Gleichberechtigung aller vier zum Einsatz kommenden Streichinstrumente (2 Geigen, Bratsche, Cello) bereits als Standard etabliert. Beethoven näherte sich der Herausforderung auf Umwegen, indem er zunächst die Streichtrios op.3 und 9 und das Streichquintett op. 4 komponierte.


http://www.raptusassociation.org/lvb-treuberg_a.jpg


Zwischen 1798 und 1826 schuf Beethoven dann insgesamt 16 Streichquartette, die in drei Gruppen unterteilt werden:

- die frühen Streichquartette op. 18, Nr. 1-6

- die mittleren Streichquartette op. 59, Nr. 1-3, op. 74, op. 95

- die späten Streichquartette op. 127, 130-132, op. 135

Eine Sonderstellung nimmt die sog. "Große Fuge" op. 133 ein, die eigentlich als Finale von op. 130 gedacht war. Auf Bitten seines Verlegers ersetzte Beethoven sie aber durch einen heiter-beschwingten Schlusssatz und gab die Fuge dann als op. 133 gesondert heraus.


Ich selber besitze schon seit einiger Zeit diese, zwischen 1978 und 1983 entstandene Gesamtaufnahme des Alban Berg Quartetts.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7897308.jpg

Im Unterschied zu den Streichquartetten Haydns und Mozarts habe ich Beethovens Quartetten gegenüber jedoch so etwas wie eine "Schwellenangst", die dazu führt, dass ich mich bisher nicht so recht an eine nähere Beschäftigung mit diesen Werken herangetraut habe. Deshalb habe ich beschlossen, die Sache nun systematisch anzugehen und in den nächsten Wochen sämtliche Streichquartette nacheinander, intensiv und mehrmals anzuhören, um anschließend meine Eindrücke, Fragen, eventuelle Ab-und Zuneigungen hier aufzuschreiben. Als grobes Raster habe ich mir pro Woche ein Streichquartett vorgenommen. Bis Weihnachten wird es also nicht (ganz) dauern. :D

Dieser mehr oder weniger kühne Plan ist aber keineswegs als Inklusivveranstaltung gedacht. Alle, die dazu Lust und Zeit haben, sind herzlich eingeladen, sich hier zu beteiligen. Es kann dabei auch ruhig um unterschiedliche Aufnahmen gehen, ich selber werde allerdings ausschließlich die Aufnahmen des Alban Berg Quartetts zugrunde legen. Aus einem ganz einfachen Grund: Ich habe keine anderen.

Am Sonntag geht es dann los mit dem Quartett op. 18 Nr. 1, das ich schon seit Tagen immer mal wieder höre..

Es grüßt Euch Carola
Carola (23.07.2006, 11:33):
Der Tradition folgend legte Beethoven mit seinem Opus 18 einen Werkzyklus von sechs Streichquartetten vor, die sich in ihrer Anlage zwar unterschieden aber auch ergänzten und von denen eines in der Regel eine Moll-Komposition war (hier Op. 18, Nr 4 ).

Die Reihenfolge bei der Entstehung der Opus 18-Quartette war anders als bei der Veröffentlichung. nämlich Nr. 3, 1, 2, 5, 4, 6. Die Werke Nr. 1 und Nr. 2 hat Beethoven nach Fertigstellung der letzten Quartette des Zyklus noch einmal grundlegend überarbeitet.


Opus 18 Nr. 1 in F-Dur, komponiert 1799, vier Sätze, Spieldauer circa 25 Minuten

Der erste Satz wird beherrscht von einem kurzen, aber eindrücklichen Kernmotiv, das gleich zu Beginn von allen Instrumenten gespielt wird und über den gesamten (Sonaten)Satz hinweg immer wieder auftaucht. Bereits hier drängen sich Vokabeln wie "prägnant, energisch, vorwärts stürmend, extrem" auf, die in Bezug auf Beethovens Musik immer wieder zu lesen sind und mir auch durchaus passend erscheinen.

2. Satz: Das d-moll-Adagio, ebenfalls als Sonatensatz konzipiert, ist für mich der wichtigste Satz dieses Streichquartetts. Ich könnte ihn immer wieder hören. Mein Musikführer umschreibt seinen Charakter mit "affektgeladener Hochspannung und schmerzlicher Deklamatorik". Ein Freund Beethovens hat denn auch berichtet, der Satz sei durch die Grabesszene aus Shakespeares "Romeo und Julia" inspiriert worden.

Dieser Satz ist trotzdem überhaupt nicht kitschig, er vibriert über weite Strecken vor Hochspannung. Besonders gut gefällt mir ein musikalisches Motiv, dass in der Durchführung erstmals auftaucht und von meinem Musikführer als "erregt gewundenes Zweiunddreißigstel-Motiv" bezeichnet wird. Dieses Motiv "knallt" förmlich in die getragene Innigkeit hinein und taucht im Verlauf des Satzes immer wieder höchst störend und gleichzeitig höchst passend auf. Sehr spannend!

Der dritte Satz, ein Scherzo, bringt nach der gefühlsgeladenen Intensität der ersten beiden Sätze ein wenig tänzerische und spielerische Entspannung. Bleibende Eindrücke hat er bei mir nicht hinterlassen.

Auch der vierte Satz, laut Musikführer "eine Mischung aus Sonatensatz und Rondo" hat eher unterhaltsamen, verspielt-quirligen Charakter.

Falls jetzt jemand Lust bekommen hat, Beethovens Op. 18, Nr. 1 mal wieder oder zum ersten Mal anzuhören - nur zu! Und vielleicht kennt ja auch jemand noch andere Einspielungen dieses Quartetts. Ich bin gespannt auf Eure Eindrücke, Ergänzungen, Berichtigungen, was auch immer.

Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (23.07.2006, 13:37):
Original von Carola
Die Reihenfolge bei der Entstehung der Opus 18-Quartette war anders als bei der Veröffentlichung. nämlich Nr. 3, 1, 2, 5, 4, 6. Die Werke Nr. 1 und Nr. 2 hat Beethoven nach Fertigstellung der letzten Quartette des Zyklus noch einmal grundlegend überarbeitet.


Im Fall von Nr. 1 kann diese Überarbeitung so weit ich weiß konkret überprüft werden, da ein Stimmensatz oder eine Partitur erhalten sind, die Beethoven von der Erstversion an seinen Freund Amenda geschickt hatte. Es wurden wohl nur Details verändert und insgesamt gestrafft.

Ich will Dir zwar nicht in Dein Projekt hineinreden, aber wäre es nicht vielleicht abwechslungsreicher, die Quartette nicht streng chronologisch dranzunehmen, sondern etwas zu mischen. Also als nächstes oder übernächstes mal ein mittleres oder spätes Q.?


Opus 18 Nr. 1 in F-Dur, komponiert 1799, vier Sätze, Spieldauer circa 25 Minuten

Der dritte Satz, ein Scherzo, bringt nach der gefühlsgeladenen Intensität der ersten beiden Sätze ein wenig tänzerische und spielerische Entspannung. Bleibende Eindrücke hat er bei mir nicht hinterlassen.


Wirklich entspannt finde ich den Satz nicht, sondern auch eher düster bzw. im Mittelteil ruppig (allein weil man kaum sagen kann, ob das jetzt Dur oder Moll sein soll), passend zu diesem dramatischen Quartett, das erst im Finale etwas spielerisch (aber immer noch nicht entspannt) wird.

Das Quartett ist mein Favorit aus op. 18, obwohl sie fast alle außerordentlich sind, habe sie anläßlich deines threads gestern und heute alle 6 gehört, in einer wohl vergriffenen HIP-AUfnahme mit dem Smithsonian Quartet, die ich schon länger im Regal, aber noch nicht richtig gehört hatte. Der 2. Satz ist wie Du hervorhebst, einer der erstaunlichsten frühen Beethovensätze, aber auch der Rest zeigt, wie der junge Beethoven sowohl "Hoppla, jetzt komm ich" zu rufen schient als auch demonstrieren will, dass er Gleichwertiges zu Haydns und Mozarts Spitzenwerken zu schaffen vermag.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (23.07.2006, 13:56):
Original von Jack Bristow

Ich will Dir zwar nicht in Dein Projekt hineinreden, aber wäre es nicht vielleicht abwechslungsreicher, die Quartette nicht streng chronologisch dranzunehmen, sondern etwas zu mischen. Also als nächstes oder übernächstes mal ein mittleres oder spätes Q.?



viele Grüße

J. Bristow

Ja, da ist etwas dran. Es könnte in der Tat abwechselungsreicher sein, in der Reihenfolge zu mischen.

Ich hatte die Vorstellung, so etwas wie eine kompositorische Entwicklungslinie besser verfolgen (und verstehen) zu können, wenn ich sozusagen "klein" anfange und mich Stück für Stück "hocharbeite". Vermutlich auch wieder ein Ausdruck meiner Schwellenangst.

Andererseits, wenn ich mir vorstelle, dass es jetzt sechs Wochen dauern würde, bis wir mit Op. 18 durch sind und zum ersten Quartett aus der mittleren Periode kommen, scheint mir das in der Tat sehr zäh zu sein.

Also gut, mischen wir das Ganze ein bisschen auf. :D

Am nächsten Sonntag geht es dann weiter mit op. 59, Nr. 1.

Es grüßt Euch Carola
Zelenka (24.07.2006, 18:13):
Liebe Carola:

Erst einmal herzlichen Dank für Deine schöne Fadeneröffnung! Und Respekt vor Deinem Engagement, dieses Mammutprojekt furchtlos anzugehen!

Ich habe mir heute nachmittag drei Versionen des F-Dur-Quartetts op. 18, No. 1 angehört. Als erste die schon von Jack Bristow erwähnte Erstfassung des Quartetts, die Beethoven seinem Freund Amenda nach Riga schickte. Beim ersten Hören sind die Unterschiede zur späteren (gestrafften) Fassung noch nicht einmal so groß. Ich habe eine Aufnahme mit dem Hagen Quartett (DG) gehört, das alert und präzise spielt und die Erstfassung sehr ernst nimmt (wie sie es verdient). Im wesentlichen ist hier schon alles da, was an der anderen Fassung gefällt. (Ich stimme übrigens mit Jack B. darin überein, das ich den Scherzo-Satz auch für etwas düster halte, ich mag ihn allerdings sehr.)

Die beiden anderen Aufnahmen des Quartetts, die ich besitze, sind beide als sehr gut bis hervorragend einzustufen. Sowohl das Amadeus Quartet (DG) als auch das Alban Berg Quartett (EMI) haben wohl gerade in den frühen Beethoven-Quartetten ihre beste Arbeit geleistet. Das ABQ wirkt insgesamt schlanker im Ton und vielleicht ausgeglichener. Beim Amadeus Quartet steht Norbert Brainin, der Primarius, ein wenig zu stark im Vordergrund. Da ist auch zuviel (unhistorisches) Vibrato, es mag überhaupt hier alles ein wenig zu dick aufgetragen werden. Hinsichtlich der Aufnahmequalität fällt auf, daß die spätere ABQ-Version 20 Jahre später, überraschend vielleicht, nicht ganz optimal ist.

Gruß,

Zelenka
ab (26.07.2006, 16:36):
Das opus 18 betreffend kann ich auch sehr das Lindsay String Quartet bei ASV empfehlen


(genauso wie vor allem und insbesondere Op. 59 No.1, das ich inniger nie gehört habe :down !)

Bei den späten Quartette treten dann mehr Mängel auf, leider, so musikalisch dieses Quartett ist in ihrem sehr klassischen Zugriff auf Beethoven.

Sehr empfehlenswert ist stets das bereits erwähnte Hagen Quartett!
Carola (30.07.2006, 10:47):
Graf Rasumowsky, der russische Botschafter in Wien, bestellte drei Streichquartette bei Beethoven (op. 59, 1-3) und sorgte auch für angemessene Aufführungen durch das hochrangige Schuppanzigh-Quartett - nur ein professionelles Ensemble war in der Lage, die im Vergleich zu op. 18 beträchtlich gewachsenen Anforderungen dieser neuen Streichquartette zu bewältigen. Als Referenz an den Auftraggeber fügte Beethoven in die ersten beiden Quartette eine russische Volksmelodie ein.


Opus 59 Nr. 1 in F-Dur, komponiert 1806, vier Sätze, Spieldauer circa 40 Minuten

Schon der erste Satz zeigt mit seinem Umfang von genau 400 Takten, aber auch in seiner kompositorischen Dichte große Unterschiede zu den Streichquartetten aus op. 18. Mein Musikführer spricht denn auch schon gar nicht mehr von einzelnen Themen sondern von ausgedehnten Themenkomplexen auf Haupt- und Seitensatzebene.

Eine gewisse Orientierung bietet dabei das gleich zu Beginn vom Cello gespielte und dann von der 1. Violine übernommene Hauptthema, das als musikalische Urzelle des Satzes fungiert. Ein weiteres Element dieses Sonatensatzes ist eine gewisse triolische Unruhe, die oft vom Cello ausgeht und Ansätze von Besinnlichkeit, beispielsweise das von der 1. Violine gespielte Seitenthema, unwirsch unterbricht.

Auch der zweite Satz, ein Scherzo, oder genauer gesagt ein dem Sonatensatz verwandtes Gebilde im Tonfall eines Scherzos ist sehr komplex. Das Cello beginnt mit einem rhythmisch prägnanten Staccato-Motiv, das von der Geige unmittelbar mit einer mehr oder weniger schönen Melodie beantwortet wird. Hat man auf diese Weise das Hauptthema unschwer ausgemacht, wird es mit dem Seitenthema schon schwieriger. Mir ist es jedenfalls erst nach mehrmaligem Hören gelungen. Es ist denn auch nur von einer Art Seitenthema die Rede und Harenberg vermeldet, das formale Gerüst des Satzes sei vom Hörer kaum mehr zu erkennen. Wohl wahr.

Ich bin mit diesem 2. Satz bisher nicht so recht warm geworden, aber so geht es mir oft beim Scherzo.

Ganz anders dagegen der 3. Satz, ein ausgedehntes Adagio in der schon von J.S. Bach bevorzugten Klagetonart f-moll. Ein biographischer Hintergrund ist durch folgende Anmerkung Beethovens angedeutet, die sich auf Skizzen zu diesem Satz findet: "Einen Trauerweiden- oder Akazienbaum aufs Grab meines Bruders" - gemeint ist die Heirat seinen Bruders Carl mit einer von Beethoven abgelehnten Frau, die zum Bruch zwischen den Brüdern führte.

Schon das von der 1. Violine eingeführte und dann vom Cello aufgenommene Hauptthema vermittelt diese Grundstimmung von Trauer, Wehmut, Verlassenheit, die den ganzen Satz durchzieht. Die Musik wirkt wehmütig, melancholisch - nicht aber seicht oder sentimental. Es entfaltet sich vielmehr ein filigraner, unbeschreiblicher Klangzauber, dem man sich schwerlich entziehen kann. Gegen Ende des Satzes hellt die verdunkelte Grundstimmung sich in eine spielerische Violin-Kadenz auf, die mit einem Triller nahtlos in den 4. Satz überleitet.

Dieser Finalsatz beginnt mit dem "Russischen Thema", das dem Auftraggeber Graf Rasumowsky geschuldet ist. Der gesamte Satz steht im starken Kontrast zum vorhergehenden, er wirkt forsch, dynamisch und kraftvoll rhythmisch auf mich.

PS. Alle von mir kursiv hervorgehobenen Passagen sind wörtliche Zitate aus dem Musikführer von Arnold Werner-Jensen: Ludwig van Beethoven, Reclam Leipzig 2001

PS.PS . Meine musikalische Reise durch Beethovens Streichquartette wird als nächstes bei op. 18 Nr. 2 Station machen.

Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (31.07.2006, 13:03):
Original von Carola
Opus 59 Nr. 1 in F-Dur, komponiert 1806, vier Sätze, Spieldauer circa 40 Minuten


Zunächst: Ich liebe dieses Quartett sehr, es ist mein Favorit unter den "Mittleren". Ich betrachte es als eine Art "Eroica" des Streichquartetts, also ein Werk, das in ähnlicher Weise wie diese Sinfonie der Gattung eine ganz neues Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet, dazu paßt auch der bloße Umfang, die ungeheure Weiträumigkeit und Breite. Nicht nur in der musikalischen Entwicklung, auch der Tonraum wird erweitert, in den Noten sieht man (man hört es vielleicht nicht so deutlich), wie häufig die 1. Violine in der Oktave über dem normalen Notensystem herumkrebst.


Schon der erste Satz zeigt mit seinem Umfang von genau 400 Takten, aber auch in seiner kompositorischen Dichte große Unterschiede zu den Streichquartetten aus op. 18. Mein Musikführer spricht denn auch schon gar nicht mehr von einzelnen Themen sondern von ausgedehnten Themenkomplexen auf Haupt- und Seitensatzebene.


Ich finde diese Aussagen etwas übertrieben (im Reclam-Kammermusikführer hat wohl derselbe Autor die Abschnitte zu den Quarteten verfaßt). Das u.g. Hauptthema ist sehr klar, auch in der 4+4taktigen Gliederung als solches zu erkennen. (Der Satz ist wesentlich einfacher und übersichtlicher aufgebaut als der Kopfsatz der Eroica. Eine Gemeinsamkeit ist indes, dass wie in der Sinfonie ein simples Dreiklangs, hier ein ähnlch einfaches Tonleitermotiv den Kern bildet). Es gibt durchaus auch schon Haydn-Quartette, in denen letzlich simple Triolenmotive, die thematisch nicht leicht zu fassen sind, eine wichtigere Rolle spielen als die "eigentlichen" Themen. Auch "dicht" finde ich einen etwas irreführenden Begriff (es sei denn, es ist gemeint, dass op. 18 dichter ist). Verglichen mit der Konzentration und Verdichtung von Stücken wie op.18,1i oder op.59,2i ist dieser Satz ja recht entpannt, dabei sehr weiträumig und großflächig (man dürfte selten sonst im Hauptsatz eines Beethovenquartetts zwei dutzend Takte nacheinander haben, in denen die 1. Vl. oder das Cello eien Melodie spielen und der Rest simple Achtebegleitung hat).


Eine gewisse Orientierung bietet dabei das gleich zu Beginn vom Cello gespielte und dann von der 1. Violine übernommene Hauptthema, das als musikalische Urzelle des Satzes fungiert. Ein weiteres Element dieses Sonatensatzes ist eine gewisse triolische Unruhe, die oft vom Cello ausgeht und Ansätze von Besinnlichkeit, beispielsweise das von der 1. Violine gespielte Seitenthema, unwirsch unterbricht.



Auch der zweite Satz, ein Scherzo, oder genauer gesagt ein dem Sonatensatz verwandtes Gebilde im Tonfall eines Scherzos ist sehr komplex. Das Cello beginnt mit einem rhythmisch prägnanten Staccato-Motiv, das von der Geige unmittelbar mit einer mehr oder weniger schönen Melodie beantwortet wird. Hat man auf diese Weise das Hauptthema unschwer ausgemacht, wird es mit dem Seitenthema schon schwieriger. Mir ist es jedenfalls erst nach mehrmaligem Hören gelungen. Es ist denn auch nur von einer Art Seitenthema die Rede und Harenberg vermeldet, das formale Gerüst des Satzes sei vom Hörer kaum mehr zu erkennen. Wohl wahr.


Das ist einer der erstaunlichsten Beethovensätze überhaupt, ein Unikat meines Wissens. Auch in den späten Quartetten ist mir kein derart durchkomponiertes Scherzo bekannt. Mir ist auch von keinem anderen Komponisten ein ähnlicher Satz bekannt. Jemand hat das Stück mals "kaleidoskopartig" genannt, ein sehr treffendes Bild: einige Elemente, hauptsächlich eben das rhythmische Motiv des Anfangs mit den verschiedenen "Antworten" werden durcheinandergeschüttelt und tauchen in immer neuen Kombinationen auf.
Riezler behauptet, es handele sich um einen wirklichen, allerdings freien Sonatensatz. Die Exposition wird verändert wiederholt (verändert bedeutet hier u.a. andere, neue Nebenthemen) und die Coda ist sehr lang, damit gäbe es 5 Teile: Expo, Expo', Durchführung, Reprise, Coda.
(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)
Der Satz hat (auch wenn das der Reclam-Führer andeuten mag) vom Höreindruck aber ganz und gar nichts rondoartiges, dafür ist das Hauptmotiv viel zu offen, die "Antworten" zu unterschiedlich usw.


Dieser Finalsatz beginnt mit dem "Russischen Thema", das dem Auftraggeber Graf Rasumowsky geschuldet ist. Der gesamte Satz steht im starken Kontrast zum vorhergehenden, er wirkt forsch, dynamisch und kraftvoll rhythmisch auf mich.


dieser Finalsatz erinnert mich stellensweise (die Schlußgruppenthematik oder z.B. die Coda) an Dvorak. Nicht nur das eigentliche theme russe, sondern eben auch dieses prägnante rhythmische Motiv wirken ein wenig "slawisch".

viele Grüße

J. Bristow
Carola (31.07.2006, 13:56):
Original von Jack Bristow

(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)

viele Grüße

J. Bristow


Das wäre sicherlich sinnvoll und zudem sehr nett - am liebsten natürlich unter Zugrundelegung der oben gezeigten Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts.


Mit Gruß von Carola
ab (02.08.2006, 16:09):
Beim op. 59/1 ist meine Lieblingsuafnahme definitiv jene des Lindsay Quartets:


Was die erste Alban Berg Quartett Gesamtaufnahme betrifft, so halte ich gerade diese op.59/1 für das schlechteste des gesamten Zyklus.

Was die mittleren Quarette als Gesamtaufnahme betrifft, würde ich wohl die des Guarneri Quartets empfehlen, was übrigens auch klanglich eine sehr schöne Aufnahme der Digitalaufnahmen der zweiten Generation ist:




Sehr empfehlenswert ist stets - und beim op. 59/1 sehr rasch - das bereits erwähnte Hagen Quartett!
Jack Bristow (02.08.2006, 18:17):
Original von Carola
Original von Jack Bristow
(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)


Das wäre sicherlich sinnvoll und zudem sehr nett - am liebsten natürlich unter Zugrundelegung der oben gezeigten Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts.


Die habe ich leider nicht. Ich habe Melos und Emerson, die benötigen beide gut 8:30, und Hagen und Juilliard, die benötigen etwas über 9 min für den Satz. Die Unterschiede sind also nicht groß, die Stellen sollten sich mit +- ein paar Sekunden finden lassen. Leider habe ich zZt dort wo meine CDs und Noten sind keinen Internetzugang; daher dauert das vielleicht noch ein paar Tage. Ich konnte Riezlers Anmerkungen bis zur Coda allerdings schonmal nachvollziehen.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (02.08.2006, 18:24):
Hallo Jack,

das Alban Berg Quartett benötigt (in der Aufnahme von 1979) für den zweiten Satz 8.44, es liegt also in der Tat alles recht nah beieinander.

Mit Gruß von Carola
Zelenka (04.08.2006, 18:33):
Original von ab
Beim op. 59/1 ist meine Lieblingsuafnahme definitiv jene des Lindsay Quartets:

[Was die erste Alban Berg Quartett Gesamtaufnahme betrifft, so halte ich gerade diese op.59/1 für das schlechteste des gesamten Zyklus.

Was die mittleren Quarette als Gesamtaufnahme betrifft, würde ich wohl die des Guarneri Quartets empfehlen, was übrigens auch klanglich eine sehr schöne Aufnahme der Digitalaufnahmen der zweiten Generation ist:

Sehr empfehlenswert ist stets - und beim op. 59/1 sehr rasch - das bereits erwähnte Hagen Quartett!

Ich habe leider nur beschränkte Vergleichsmöglichkeiten, was das Quartett op. 59/1 angeht: die erste ABQ-Aufnahme und das Emerson Quartett. Ich hoffe, ich werde mit der Zeit auch ab's Empfehlungen folgen können. Im Moment verstehe ich allerdings die Abneigung gegen die erste ABQ-Aufnahme nicht so recht. Insgesamt ist das Spiel auf allerhöchstem Niveau (die Aufnahmequalität mag man anders beurteilen). Niemand braucht sich hier zu schämen, weder das ABQ noch die Käufer. Das Emerson Quartet gefällt mir marginal besser. Es wird etwas zügiger gespielt hier, ich finde die Balance der Instrumente etwas besser, Finckels Cello besser als Erbens. Die Aufnahme ist etwas realistischer. Im übrigen gibt es Passagen oder einzelne Gesten, in denen man jeweils das eine oder andere Ensemble vorziehen würde.

Gruß,

Zelenka
Carola (04.08.2006, 19:04):
Original von Zelenka

Niemand braucht sich hier zu schämen, weder das ABQ noch die Käufer.

Gruß,

Zelenka


Das lese ich gerne... :)

Mit Gruß von Carola
ab (05.08.2006, 13:54):
Original von Zelenka
Im Moment verstehe ich allerdings die Abneigung gegen die erste ABQ-Aufnahme nicht so recht. Insgesamt ist das Spiel auf allerhöchstem Niveau (die Aufnahmequalität mag man anders beurteilen). Niemand braucht sich hier zu schämen, weder das ABQ noch die Käufer.

Damit kein Missverständis auftritt: Ich stimme dem voll und ganz zu - auch ich halte den ABQ-Zyklus für einen der ausgezeichneten. Ihr Spiel ist tatsächlich stets auf allerhöchstem Niveau - und nicht selten technisch und gestalterisch unerreicht.

Aber gerade beim op.59/1 finde ich vor allem den Anfang etwas lieblos heruntergehetzt. Ich persönlich mag den Geigenton des Primarius wenig, was aber nichts über das Quartett aussagt, sondern über mich. (Dies ist auch der Grund, wesahlb ich den zweiten Zyklus nicht kenne, der anlässlich der Videoporduktion entstanden ist. Im Radio hörte ich jüngst einen Ausschnitt eines Satzes und war überwältigt. - Es gäbe so viel anzuhören...)

Ihre musikalisch beste Leistung scheint mir das op.131 bei diesem ersten EMI-Zyklus zu sein. Bei allen anderen Quartetten kenne ich Aufnahmen, die mir nicht nur besser gefallen, sondern die ich auch besser finde - auch wenn sie nicht selten eine weniger hohe technisch Qualität haben - und natürlich nicht wie aus einem Guss klingen, was ja das typische dieser Quartett-Formation ist.

(Meine Lieblingsaufnahme des ABQ ist übrigens das op.77 von Haydn bei der EMI)
Carola (06.08.2006, 11:58):
Opus 18 Nr 2 in G-Dur, komponiert 1799, vier Sätze, Spieldauer circa 22 Minuten

Seinen Beinamen "Komplimentierquartett" verdankt dieses Streichquartett vor allem dem ersten Satz, der von den Zeitgenossen offenbar als recht kapriziös und geziert empfunden wurde, wie unter ständigen gezierten Verbeugungen daherschreitend, ... als verteile Beethoven hier lauter Komplimente an seine klassischen und vorklassischen Vorgänger.

Ich empfinde diesen (Sonaten)Satz trotz aller "Galanterie" als recht komplex und dicht. Und mir gefällt diese Mischung aus Lockerheit und Komplexität gut.

Der zweite, langsame Satz beginnt mit einem von der Violine vorgestellten, sehr getragenem und singendem Thema, das im Mittelteil abgelöst wird von einem in Sechzehntel-Ketten voranstürmenden Allegro. Anschließend kehrt das liedhafte Eingangsthema zurück, das nun vom Cello angestimmt wird.

Der dritte Satz, ein lebenslustiges Scherzo mit einem rhythmisch prägnantem Dreiklangsmotiv gleich zu Beginn und einem "einherstolzierenden" (Harenberg) Trio gefällt mir nicht besonders gut. Vermutlich hat es mit dem zu tun, was mein Musikführer eine etwas mutwillige Heiterkeit nennt.

Der Finalsatz beginnt mit dem vom Cello angestimmten energischen Hauptthema (wieder mit einem einleitenden Dreiklangsmotiv), das umgehend von den drei anderen Streichern beantwortet und anschließend fortgeführt wird. Das Seitenthema ist im Vergleich dazu singender, weicher, allerdings auch sehr rhythmisch (Synkopen). Der gesamte Satz schwankt zwischen lebhafter Munterkeit und plötzlichen Stockungen, geheimnisvollen Fermaten; dieses Kontrastreiche ist interessant anzuhören.

Soweit erst mal von Carola

PS. Nächste Station: Opus 127
Jack Bristow (06.08.2006, 15:42):
Original von Jack Bristow
(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)


(Zeiten nach Emerson Q. (Gesamtspielzeit 8:30), aber meine Angabe sind auch höchstens +- 1-2 sec. genau)
Gilederung des 2. Satzes aus op. 59,1 nach W. Riezler: "Beethoven"

Exposition

"Expo 1" (Takt 1-67)

"2. Thema" (d-moll) (T. 39) ca. 0:42

"Expo 2" (T. 68) ab ca. 1:13

"3. Thema" (f-moll, T. 115) ca. 2:02
(von mir als wesentlicher Seitengedanke des Satzes gehört)

Durchführung (T. 154) ab 2:45 (hörend gut erkennbar sind die Synkopen der 1. Vl. ab T 157)

Reprise (beide Expositionen werden rekapituliert, T. 239) ab ca. 4:16
tatat-tat-tat-Motiv in Vl. 1, neues lyrisches Gegenthema in Vl 2 und Viola (Tonart hier zunächst Ges-Dur)

Coda (T. 392) ab ca. 6:58; beginnt ebenso wie die Durchf. mit Synkopen der Vl. 1, die zuerst in der Ges-Dur-"Reprise" aufgetretene neue Melodie erscheint hier in der Coda nochmal in der Haupttonart B-Dur. Damit ist auch dieses Material harmonisch korrekt rekapituliert/aufgelöst worden.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (06.08.2006, 16:57):
Hallo Jack,

Das war jetzt wirklich hilfreich für mich, vielen Dank.

Die Zeiten lassen sich sehr gut mit der Aufnahme des Alban Berg Quartetts vergleichen.

Dort:

2. Thema: 0.43

3. Thema : 2.04

Durchführung: 2.50

Reprise: 4.19

die Unterschiede im Tempo sind also bis dahin sehr gering - insgesamt ja auch nur 14 Sekunden im zweiten Satz.

Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (07.08.2006, 10:19):
Original von Jack Bristow
Original von Jack Bristow
(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)


(Zeiten nach Emerson Q. (Gesamtspielzeit 8:30), aber meine Angabe sind auch höchstens +- 1-2 sec. genau)
Gilederung des 2. Satzes aus op. 59,1 nach W. Riezler: "Beethoven"

Exposition

"Expo 1" (Takt 1-67)

"2. Thema" (d-moll) (T. 39) ca. 0:42

"Expo 2" (T. 68) ab ca. 1:13

"3. Thema" (f-moll, T. 115) ca. 2:02
(von mir als wesentlicher Seitengedanke des Satzes gehört)

Durchführung (T. 154) ab 2:45 (hörend gut erkennbar sind die Synkopen der 1. Vl. ab T 157)

Reprise (beide Expositionen werden rekapituliert, T. 239) ab ca. 4:16
tatat-tat-tat-Motiv in Vl. 1, neues lyrisches Gegenthema in Vl 2 und Viola (Tonart hier zunächst Ges-Dur)

Coda (T. 392) ab ca. 6:58; beginnt ebenso wie die Durchf. mit Synkopen der Vl. 1, die zuerst in der Ges-Dur-"Reprise" aufgetretene neue Melodie erscheint hier in der Coda nochmal in der Haupttonart B-Dur. Damit ist auch dieses Material harmonisch korrekt rekapituliert/aufgelöst worden.


Noch eine Ergänzung: Die Andeutung des Reclam-Führer, der Satz enthalte Elemente einer ABABA-Rondoform (wie etwa der 3. in op.59,2) ist m.E. Unsinn (es ist auch keineswegs Beethovens "Standardform" für solche Sätze, zwar ist sie häufig, aber das erste Mal kommt sie etwa gleichzeitig in der 4. Sinfonie und in op.59,2 vor, vorher nicht). Es gibt einfach keinen "B-Teil der selbständig genug wäre, auch ist der Hauptiel überhaupt nicht "rondomäßig" vom Thema her (Ein rondomäßiges Thema findet sich z.B. im nachkomponierten Finale zu op.130; ein blockhaft-schematisches Rondo (wie es bei den Klassikern eigentlich selten ist in op.18,4, Finale).
Zwar stehen die oben als "2" und "3" bezeichneten Themen nicht in der Dominante (F-Dur), sondern einmal in der Mollparallele der Dominante (d-moll) bzw. der gleichnamigen Molltonart (f-moll). So etwas kommt aber vereinzelt auch sonst vor (in Mollsätzen ist die Durparallele häufig für das zweite Thema), ebenso ist die doppelte Exposition, wo bei der "2. Exposition" neues Material eingeführt wird, im Prinzip bereits aus Mozartschen Klavierkonzerten vertraut. Schließlich werden in der Reprise die genannten Seitenthemen nach g-moll (Tonikaparallele) und b-moll "aufgelöst", typisch sonatenmäßiges Vorgehen. Die Unsicherheit des Reclam verät vielleicht noch etwas von dem Zerrbild einer starren Sonatenform (einer Art Gefäß, in das man Melodien schüttet), die diesem dynamischen und flexiblen Kompositionsprinzip einfach unangemessen ist.

Ich habe übrigens bei dieser Gelegenheit auch zu allererstenmal den Aufbau des Satzes bewußt mitvollzogen, obwohl ich ihn seit mehr als 15 Jahren kenne und sehr schätze. Wieder mal ein Zeichen, dass es gar nicht unbedingt nötig ist, so etwas genau zu erhören.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (07.08.2006, 12:40):
Original von Jack Bristow

Wieder mal ein Zeichen, dass es gar nicht unbedingt nötig ist, so etwas genau zu erhören.

viele Grüße

J. Bristow

Da stimme ich Dir zu. Aber manchmal macht es einfach Spaß, sich die Strukturen klar zu machen - ein Fall von analytischer Entdeckerfreude vielleicht.
ab (07.08.2006, 14:44):
Weil es dazu passt: Gerade ist das op. 18 vom Borodin Quartett bei Chandos erschienen.
Carola (13.08.2006, 09:55):
Im Jahr 1822 gab der selbst Cello spielende Fürst Galitzin aus Petersburg drei Streichquartette bei Beethoven in Auftrag. Er musste sich mit der Fertigstellung der Werke op. 127, op. 130 und op. 132 dann aber noch drei Jahre gedulden, denn Beethoven arbeitete zunächst an der Missa solemnis und der 9. Sinfonie.

Die drei erwähnten Streichquartette eröffnen die Reihe der fünf letzten Streichquartette des Komponisten.

Opus 127 in Es-Dur, vier Sätze, komponiert zwischen 1822 und 1825, Spieldauer circa 37 Minuten

Der erste Satz setzt ein mit sechs unisono gespielten, majestätisch-machtvollen (Maestoso) Einleitungstakten, gefolgt vom "piano e dolce" zu spielendem geschmeidigen Hauptthema; dem ein weiteres, rhythmisch prägnantes und energisches Motiv unmittelbar nachfolgt. Man kann diesen hinzutretenden Gedanken auch als zweiten Teil des Hauptthemas ansehen. Nach einer kurzen Überleitung folgt dann das chromatisch verhangene, sehr schöne Seitenthema.

Die Durchführung beginnt mit den sechs Maestoso-Takten der Einleitung, gefolgt von den ersten beiden Takten des Hauptthemas (Dreitonmotiv), die nun "bearbeitet" werden. Auf dem Höhepunkt der Durchführung tauchen wieder die massiven Unisono-Takte der Einleitung auf, die in recht kompromisslos rauhe Klangschichten umkippen.

Die Reprise verlegt das Hauptthema eine Oktave höher, der zweite Teil des Themas, das energische Motiv wird diesmal vom Cello eingeführt. Die Coda greift noch einmal das Hauptthema auf.

Beim zweiten Satz, einem enorm anrührenden Adagio, handelt es sich um einen Variationensatz. Vom Cello zart vorbereitet trägt die 1. Violine das in Sekundschritten auf - und abgleitende Hauptthema vor, das in insgesamt 5 Variationen ausgeleuchtet und bearbeitet wird. Bis auf die 2. Variation, die stark rythmusbetont und auf leicht bizarre Weise tänzerisch wirkt, bleibt der gesamte Satz aber seiner innig-abgeklärten Grundstimmung treu - wobei die 3. Variation stellenweise eher expressive als innige Züge trägt. Der Gesamteindruck dieses 2. Satzes bleibt für mich aber dennoch der eines großen Ausatmens und tiefen Loslassens.

Der dritte Satz, ein Scherzo, wird geprägt von einer punktierten, dreifachen Auftakt-Figur, die unmittelbar nach den vier einleitenden Pizzicato(= gezupften)-Akkorden einsetzt und über den gesamten Satz hinweg als Kernmotiv immer wieder auftaucht.

Das Finale wird von Reclam als der diesseitigste Satz des ganzen Werkes bezeichnet. Nach einer viertaktigen, energischen Unisono-Einleitung erklingt das kreisende Hauptthema, unmittelbar gefolgt von einem zweiten, fast banalen musikalischem Gedanken.

Später, im starken Kontrast dazu, folgt ein weiteres, stampfendes Thema, das in den durchführungsartigen Mittelteil führt. Das klingt für meine Ohren streckenweise recht anstrengend, hart und sperrig; gegen Ende heitert sich die Stimmung aber merklich ins Tänzerisch-Beschwingte auf.

Was die sicher reichlich vorhandenen Aufnahmen von Op. 127 angeht - da zähle ich ganz auf Euch. :)

Mit Gruß von Carola

PS. Nächste Station: Opus 18, Nr. 3
Zelenka (13.08.2006, 14:55):
Einen ganz herzlichen Dank für die schöne und sehr ausführliche Einleitung an Carola! -
Auch für das op. 127 ist die Zahl meiner Aufnahmen eigentlich zu bescheiden: Ich habe hier das Quartetto Italiano (Philips), das Alban Berg Quartett (EMI) in seinem ersten Durchgang, das Emerson String Quartet (DG) und das Takács Quartet (Decca). Beim wenigstens teilweisen Wiederhören der Aufnahmen enttäuschten mich das hier oft etwas zu oberflächliche ABQ und das Quartetto Italiano besonders, letzteres vielleicht ein wenig zu verliebt in seinen Wohlklang. Man könnte dies auch dem Emerson Quartett zur Last legen, das natürlich wie stets ganz hervorragend ausbalanciert und ungeheuer sonor musiziert. Weniger Wert auf Schönheit des Klangs legt vielleicht das Takacs Quartet in seiner relativ neuen Aufnahme, das sich, so will es mir im Moment erscheinen, auf Kosten des Wohllauts ein wenig tiefer in die Musik eingräbt. Einiges stört mich auch hier, der Eingang des ersten Satzes schon ist mir zuwenig majestätisch z.B. Ansonsten gilt auch hier wieder, daß alle vier Quartette im Grunde hervorragende Arbeit leisten und daß wohl niemand alles auf einmal zu diesen letzten Quartetten Beethovens sagen kann. "ab" z.B. wird zu Recht auch hier wieder die Lindsays (wohl auch weniger "schön") und die Hagens nennen. Und dann gibt es noch eine Menge anderer Kandidaten mindestens seit den Tagen des Busch-Quartetts …

Gruß,

Zelenka
ab (13.08.2006, 17:34):
Original von Zelenka
"ab" z.B. wird zu Recht auch hier wieder die Lindsays (wohl auch weniger "schön") und die Hagens nennen. Und dann gibt es noch eine Menge anderer Kandidaten mindestens seit den Tagen des Busch-Quartetts …

Gruß,

Zelenka

Ich kann leider das Lindsay String Quartet bei den späten Quartetten nur eingeschränkt empfehlen: manch breites Virbrato gerät nicht übetreinstimmend und geringfügigste Intonationsfreiheiten müssen durch den "klassischen Zugriff" und die musikalische Art, insbesondere von Primgeiger und Cello, wettgemacht werden. Grandios sind beim op. 127 die stimmigen Tempi. Letztlich jedenfalls eine "schöne" Aufnahme. Ob "zu" oder "gerade richtig" muss jede selbst für sich entscheiden. Das op. 2127 jedenfalls ist noch einer der besten bei den späten Quartetten. Ob sie dann später, als sie sich nur mehr The Lindsays nannten, den Beethoven besser auf CD gespielt haben, weiß ich nicht. Im Konzert war ich von der Musikalität hingerissen.

Das Quartetto Italiano finde auch ich wenig zufriedenstellend, wie auch das Amadeus Quartett. Die Emersons finde ich für das romantische Programm einfach passender.

Wie schon anderwo gesagt: Ich empfehle Busch Quartett und Hagen Quartett!
Jack Bristow (13.08.2006, 22:00):
Original von Carola

Opus 127 in Es-Dur, vier Sätze, komponiert zwischen 1822 und 1825, Spieldauer circa 37 Minuten

...

Die Durchführung beginnt mit den sechs Maestoso-Takten der Einleitung, gefolgt von den ersten beiden Takten des Hauptthemas (Dreitonmotiv), die nun "bearbeitet" werden. Auf dem Höhepunkt der Durchführung tauchen wieder die massiven Unisono-Takte der Einleitung auf, die in recht kompromisslos rauhe Klangschichten umkippen.


Ich empfinde diesen Satz wie auch das gesamte Quartett eigentlich als sehr lyrisch, "kompromisslos rauhes" höre ich hier weniger, wenngleich ich vermutlich weiß welche Stelle gemeint ist: Eine Art "Festfahren" auf einem kurzen Motiv, nach dem erneuten Auftreten des maestoso, das NICHT, wie wohl von manch anderen Kommentaren behauptet, die Durchführung beendet. Vermutlich soll der Hörer wie auch sonst bei einer "falschen Reprise" kurz in die Irre geführt werden, aber zum einen stimmt die Tonart nicht, zum andern ist, wie Du schreibst, der eigentliche Repriseneintritt (wörtlich, nur eine Oktav höher) eindeutig.


Der dritte Satz, ein Scherzo, wird geprägt von einer punktierten, dreifachen Auftakt-Figur, die unmittelbar nach den vier einleitenden Pizzicato(= gezupften)-Akkorden einsetzt und über den gesamten Satz hinweg als Kernmotiv immer wieder auftaucht.


Man könnte vielleicht noch das "Trio" (ein vorüberhuschendes presto in Triolen, es kommt kurz vor Ende nochmal angedeutet wieder) und besonders die kurzen etwas unwirschen Einschübe (2/4) erwähnen, die das Spiel des Scherzo-Hauptteils unterbrechen (weil solche seltsamen Einbrüche beim späten Beethoven noch öfters vorkommen).


Das Finale wird von Reclam als der diesseitigste Satz des


ein sehr erhellendes Attribut... :D


ganzen Werkes bezeichnet. Nach einer viertaktigen, energischen Unisono-Einleitung erklingt das kreisende Hauptthema, unmittelbar gefolgt von einem zweiten, fast banalen musikalischem Gedanken.

Später, im starken Kontrast dazu, folgt ein weiteres, stampfendes Thema, das in den durchführungsartigen Mittelteil führt. Das klingt für meine Ohren streckenweise recht anstrengend, hart und sperrig; gegen Ende heitert sich die Stimmung aber merklich ins Tänzerisch-Beschwingte auf.


Ich höre das eher als eine stampfend-rustikalen "Volkstanz"
Die Coda bringt hier einen Takt und Tempowechsel (6/8) und die (rhythmische) Transformation des Hauptmotives nähert dies an das des Kopfsatzes an. Das Ganze kann je nach Interpretation einen eher ätherischen oder auch ekstatischen Eindruck erwecken (16tel-Triolen der Begleitstimmen bilden flirrende Klangflächen)


Was die sicher reichlich vorhandenen Aufnahmen von Op. 127 angeht - da zähle ich ganz auf Euch. :)


Vorhanden: Yale, Juilliard, Melos, Hagen, Petersen vielleicht schaffe ich es nächste Woche mal zwei davon zu hören.

viele Grüße

J. Bristow

(aus Deinem Text geht nicht so richtig hervor, ob Dir das Stück gefallen hat...)
Carola (13.08.2006, 22:29):
Original von Jack Bristow


(aus Deinem Text geht nicht so richtig hervor, ob Dir das Stück gefallen hat...)


Mit Ausnahme des Scherzos gefällt mir dieses Streichquartett außerordentlich gut - wie so oft habe ich auch hier wieder eine besondere Vorliebe für den langsamen Adagio-Satz.

Mit Gruß von Carola
ab (14.08.2006, 10:28):
Original von Jack Bristow

Was die sicher reichlich vorhandenen Aufnahmen von Op. 127 angeht - da zähle ich ganz auf Euch. :)

Vorhanden: Yale, Juilliard, Melos, Hagen, Petersen vielleicht schaffe ich es nächste Woche mal zwei davon zu hören.

Das Yale Quartet kenne ich gar nicht, nicht einmal vom Namen. Von wann ist denn diese Aufnahme, gibts die auch auf CD, wie ist die Interpretation? Ist für Dich die Juilliard-Aufnahme die Referenz?
Jack Bristow (14.08.2006, 15:11):
Original von ab
Original von Jack Bristow

Was die sicher reichlich vorhandenen Aufnahmen von Op. 127 angeht - da zähle ich ganz auf Euch. :)

Vorhanden: Yale, Juilliard, Melos, Hagen, Petersen vielleicht schaffe ich es nächste Woche mal zwei davon zu hören.

Das Yale Quartet kenne ich gar nicht, nicht einmal vom Namen.
Von wann ist denn diese Aufnahme, gibts die auch auf CD, wie ist die Interpretation?
?

Das Yale Quartett bestand nur relativ kurze Zeit (ca. 10 Jahre oder weniger?) in den 60ern und frühen 70ern. Ich weiß nicht genau, wieviele Aufnahmen sie überhaupt gemacht haben; jedenfalls die späten Beethoven-Quartette und noch etwas Mozart. Diese Einspielungen waren ursprgl. bei Vanguard erschienen, sie sind in dieser Reihe (mit recht knappen Beitexten) sehr preiswert wiederveröffentlicht worden:

http://images.amazon.com/images/P/B0000B1A6B.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V1116038565_.jpg

Ich habe die noch nicht so lange; sie spielen wesentlich klangschöner als das Juilliard Q., wohl aber nicht so kompromisslos expressiv.


Ist für Dich die Juilliard-Aufnahme die Referenz?

Meine Referenz (i.S. von Bezugspunkt) ist das Melos Q. (DG), denn damit habe ich das Stück kennengelernt. Daher finde ich z.B. die recht flotte und "trockene" Art mit der das Hagen-Q. die "maestoso" -Abschnitte spielt, etwas befremdlich. Melos und z.B. auch Yale bringen die sehr breit, klangmächtig. Ich muß einfach noch mehr Einspielungen häufiger hören, um mich von dieser "hörbiographischen" Prägung zu lösen.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (20.08.2006, 11:04):
Opus 18 Nr. 3 in D-Dur, komponiert 1798/99, vier Sätze, Spieldauer circa 20 Minuten

Entgegen der Einordnung als Nr. 3 handelt es sich um das erste Streichquartett, dass Beethoven komponiert hat. Im Hinblick darauf hatte ich eigentlich erwartet, eher lockere, leicht zugängliche Musik vorzufinden. So kann man sich täuschen! Ich finde dieses Streichquartett arg sperrig, teilweise etwas langweilig - wie sagt man in diesen Fällen so schön - ich habe noch keinen "Zugang" gefunden.

Auch der Reclam-Musikführer Beethoven, der mir sonst gut gefällt, hat mich in diesem Fall im Stich gelassen bzw. trägt mit Formulierungen wie "die wiederholte, akzentuierte Synkopen-Stauung" oder "Sein d-Moll-Trio verschleiert seine chaconneartige Anlage über einem viertaktig absteigendem Baßthema durch hinzugefügte, viertaktige Achtel-Figurationen" auch nicht gerade zur Klärung bei.

Das Wenige, was ich von diesem Streichquartett verstanden und behalten habe, will ich aber gerne mitteilen.

Gleich zu Beginn des ersten Satzes spielt die 1. Geige eine aufsteigende Septime - das Kernmotiv des gesamten Satzes - gefolgt von einer Achtel-Kette, die das Ganze zum Hauptthema abrundet.. Nach einem "Zwischengedanken", den ich nicht zweifelsfrei verorten konnte, führt eine "sehr dichte, bewegte" Überleitung zum Seitensatz, der durch die bereits oben zitierte "Synkopen-Stauung" charakterisiert sein soll. Nach meinem Verständnis handelt es sich dabei um die Passage ab 1.23 (bei der Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts), ich bin aber keineswegs sicher. Zum weiteren Fortgang des Satzes vermag ich nicht mehr zu sagen, als dass der Durchführung die Reprise und dieser wiederum die Coda folgt, was Euch vermutlich nicht allzu sehr überraschen wird.

Der zweite Satz, ein "lyrisches Intermezzo in Liedform" mit einem "schlichten Hauptthema" klingt in meinen Ohren ein wenig langweilig. "Lyrisch" kann ich ihn nicht finden.

Auch der dritte und vierte Satz vermochten leider nicht mein Interesse zu erregen. Vielleicht können andere hier mehr dazu sagen.

So weit so kurz von Carola

PS. Nächste Station: Opus 59. 2
Zelenka (20.08.2006, 17:37):
Original von Carola

Auch der dritte und vierte Satz vermochten leider nicht mein Interesse zu erregen. Vielleicht können andere hier mehr dazu sagen.

Dabei soll der vierte Satz so witzig sein: "Haydnscher "Witz" ist allgegenwärtig - so wie dieses Finale, nach den drei vorangegangenen Sätzen, in sich ein musikalischer Witz ist." (Ludwig Finscher, Beiheft DG Complete Beethoven Edition vol. 11) Ich habe schon mehr gelacht.

Gruß,

Zelenka
Jack Bristow (20.08.2006, 19:14):
Original von Carola
Auch der dritte und vierte Satz vermochten leider nicht mein Interesse zu erregen. Vielleicht können andere hier mehr dazu sagen.


Das Finale ist doch ein ziemlich spritzig-mitreißender Satz (auch wenn ich die besondere Witzischkeit nach den ersten drei Sätzen nicht nachvollziehen kann). Poste dochmal die Spieldauern der ABQ-Aufnahmen, dann kann ich in Kopfsatz, Finale u. evtl. andante mal grobe Gliederungen und m.E spannende Stellen anhand ungefährer Laufzeiten posten (ich suche mit dann die meiner Aufnahmen die am nächsten an den ABQ-Gesamtdauern dran ist).
Ich kann aus dem Stand jetzt auch nicht viel sagen, nur dass ich dieses Quartett in Jahren nur selten gehört und weitgehend ignoriert habe. Als ich vor ein paar Wochen kurz nach Start diese threads alle op.18 praktisch auf einmal durchgehört habe, war ich sehr (positiv) überrascht, was vielleicht auch einfach an der Überraschung liegen kann, ein Stück, das man oberflächlich kannte, plötzlich erst richtig zu entdecken. Es wird vermutlich nicht meine Favoriten (1 und 6) des Opus ablösen, aber ich finde es inzwischen eines der interessantesten Werke, keineswegs ein "Mozart-Klon" oder sowas.
Ein wichtiges Stilelement scheinen mir im gesamten Stück Klangfarb- und Texturkontraste zu sein, hinter denen griffige motivische und melodische Gestalten eher zurücktreten.

viele Grüße

J Bristow
Carola (20.08.2006, 19:27):
Original von Jack Bristow

Poste dochmal die Spieldauern der ABQ-Aufnahmen, dann kann ich in Kopfsatz, Finale u. evtl. andante mal grobe Gliederungen und m.E spannende Stellen anhand ungefährer Laufzeiten posten (ich suche mit dann die meiner Aufnahmen die am nächsten an den ABQ-Gesamtdauern dran ist).

viele Grüße

J Bristow


Hier also die Zeiten von Op. 18.3 auf der Grundlage dieser Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9704084.jpg

1. Satz: Allegro - 7.40
2. Satz: Andante con moto - 7.53
3. Satz: Allegro -2.59
4. Satz: Presto - 6.32

Mit Gruß von Carola
Carola (27.08.2006, 12:28):
Opus 59 Nr. 2 in e-Moll , komponiert 1806, vier Sätze, Spieldauer circa 32 Minuten

Den Anfang des ersten Satzes wird man auch im Konzert schwerlich verpassen; zwei heftige Akkordschläge mit anschließender Generalpause sorgen für Aufmerksamkeit - direkt gefolgt vom auf- und absteigendem Hauptthema, das sich weiter fortspinnt, bis die bereits zu Beginn erklungenen Akkordschläge den Übergang zum Seitenthema markieren. Dieses recht freundliche Seitenthema wird aber schnell abgelöst durch eine sehr stark rhythmisch geprägte Passage. Die Exposition wird direkt anschließend wiederholt, ihr Beginn kündigt sich wieder durch die beiden Akkordschläge mit anschließender Generalpause an - ein wichtiges Strukturelement des ganzes Satzes, auch der Übergang zur Durchführung wird so markiert; ihr Höhepunkt ist unschwer zu erkennen an einem mächtigen, trillerndem ff-Unisono. Laut Notentext sollen auch Durchführung und Reprise wiederholt werden, das wird aber wohl in den wenigsten Aufnahmen gemacht, in meiner mit dem Alban-Berg-Quartett auch nicht.Der gesamte Satz ist aber auch ohne diese Wiederholungen recht beeindruckend. Reclam beschreibt ihn als licht- und freudlos, für mich steht eher seine wilde Heftigkeit und Herbheit im Vordergrund - die durchaus seinen Reiz hat.

Im starken Kontrast dazu steht der zweite Satz, ein ebenfalls in Sonatenform gefasstes, getragenes Andante. Es beginnt mit einem choralartigen, feierlich-gemessenen Hauptthema, dem nach einer Überleitung ein sehr deutlich abgesetztes, punktiertes Seitenthema folgt. Danach setzt als dritter Abschnitt der Exposition ein weiches, tirolisches Fließen ein, das ich sehr mag, vor allem auch, weil das Cello daran maßgeblich beteiligt ist. Auch Durchführung und Reprise des Satzes wahren seinen dahinströmend-sehnsuchtsvollen Charakter.

Der dritte Satz, der Form nach ein Scherzo, ohne dass es ausdrücklich so bezeichnet wird, macht einen sehr stark rhythmisch geprägten, tänzerischen Eindruck. Besonders gefällt mir, wie die einzelnen Stimmen gegeneinander gesetzt sind, das klingt beschwingt und kraftvoll, aber nicht so forciert munter, wie in manchen anderen Scherzos. Im Mittelteil, dem Trio, wird als Referenz an den Auftraggeber wieder eine russische Volksweise zum Ausgangspunkt genommen - um anschließend höchst kunstvoll verschlungen als Fuge durchgeführt zu werden.

Das abschließende Final-Rondo mit seinem mitreißend-temperamentvoll Hauptthema geht regelrecht in die Beine - man bekommt Lust zu tanzen bei dieser Musik! Reclam weißt auf die Verwandschaft dieses Themas zum Finale der 7. Sinfonie hin, die etwa gleichzeitig entstand. Das durch seine melodiöse Weichheit stark zum Hauptthema kontrastierende Seitenthema ist zwar sehr schön, bleibt aber Episode. Es dominiert der beschwingte Tanzrhythmus bis zum keineswegs bitteren Ende - dieser Satz macht richtig Spaß.

Und wie gefällt Euch dieses Streichquartett?

Mit Gruß von Carola

PS: Nächste Station ist Opus 131
Jack Bristow (27.08.2006, 13:54):
Original von Carola
Opus 59 Nr. 2 in e-Moll , komponiert 1806, vier Sätze, Spieldauer circa 32 Minuten

Den Anfang des ersten Satzes wird man auch im Konzert schwerlich
...

Laut Notentext sollen auch Durchführung und Reprise wiederholt werden, das wird aber wohl in den wenigsten Aufnahmen gemacht, in meiner mit dem Alban-Berg-Quartett auch nicht.


Ja leider. Ich kenne nur eine einzige Aufnahme, die diese Wdh. berücksichtigt: Melos Q. (DG), Emerson, Petersen, Juilliard alle nicht. Zu Plattenzeiten war es noch verständlich, aber heute gibt es eigentlich keine gute Entschuldigung. Beethoven schreibt die Wdh von Durchführung & Reprise so selten vor (und in op.59,1 fehlt sogar die der Expo), dass für micht klar ist, dass er es hier bewußt verlangte.
Der Kontrast dieses sehr dichten und kompakten Satzes nicht nur zum folgenden adagio, sondern auch zum Kopfsatz des F-Dur-Quartetts ist wirklich extrem. In diesen letzten in einem Opus zusammengenfaßten Quartetten scheint es Beethoven darauf anzukommen, auf keinen Fall den Eindruck einer "Serie" entstehen zu lassen.


Im starken Kontrast dazu steht der zweite Satz, ein ebenfalls in Sonatenform gefasstes, getragenes Andante. Es beginnt mit einem

Bei mir heißt es "molto adagio" mit dem wohl einmaligen Zusatz "Si tratta questo pezzo con molto di sentimento" vermutlich meint Beethoven mit "sehr gefühlvoll" etwa das, was er später manchmal auf deutsch "Innigkeit" nennt.


Im Mittelteil, dem Trio, wird als Referenz an den Auftraggeber wieder eine russische Volksweise zum Ausgangspunkt genommen - um anschließend höchst kunstvoll verschlungen als Fuge durchgeführt zu werden.


es könnte sein, dass auch der Hauptteil des allegretto (ähnlich wie das Finale) ein bißchen "slawischen" Charakter haben sollen. Das theme russe hier war übrigens eine Hymne auf den Zaren oder so was, kommt u.a. in Mussorgsky "Boris Godunow" und anderen Werkne russischer Komponisten vor.


Das abschließende Final-Rondo mit seinem mitreißend-temperamentvoll Hauptthema geht regelrecht in die Beine - man bekommt Lust zu tanzen bei dieser Musik! Reclam weißt auf die Verwandschaft dieses Themas zum Finale der 7. Sinfonie hin, die etwa gleichzeitig entstand.


etwa so gleichzeitig wie 1806 und 1812.... :J


Und wie gefällt Euch dieses Streichquartett?


Es war eines der ersten Beethoven-Quartette, die ich näher kennenlernte und ich meine, ich mochte es von Beginn an lieber als das sehr beliebte 59,3 (das auf derselben CD war). Inzwischen sind meine Favoriten unter den mittleren 59,1 und 95, aber ich schätze es immer noch sehr hoch. Es ist vielleicht das Quartett, was am stärkstem dem "heroischen" Beethovenbild, wie man es von der Appassionata oder der 5. Sinfonie (die sind tatsächlich etwa gleichzeitig) her kennt, entspricht. Es wäre wohl auch das Werk, dass ich dem Einsteiger als erstes Beethoven-Quartett nahelegen würde (u. 59,3). Der Kopfsatz ist etwas herb und dicht, aber eben auch sehr energisch und dramatisch, die anderen drei eigentlich sehr eingängig.

(Bzgl. op.18,3 bitte ich um Geduld, wenn ich heute nicht den Nerv dazu habe, werde ich mich erst in ca. 2 Wochen daran machen können, da ich zwischendurch nicht da bin)

viele Grüße

J Bristow
Carola (27.08.2006, 14:09):
Original von Jack Bristow


Im starken Kontrast dazu steht der zweite Satz, ein ebenfalls in Sonatenform gefasstes, getragenes Andante. Es beginnt mit einem

Bei mir heißt es "molto adagio" mit dem wohl einmaligen Zusatz "Si tratta questo pezzo con molto di sentimento" vermutlich meint Beethoven mit "sehr gefühlvoll" etwa das, was er später manchmal auf deutsch "Innigkeit" nennt.

Du hast völlig recht, es muss Adagio heißen, nicht Andante. So steht es auch bei mir, ich habe nur leider nicht richtig hingesehen...


Das abschließende Final-Rondo mit seinem mitreißend-temperamentvoll Hauptthema geht regelrecht in die Beine - man bekommt Lust zu tanzen bei dieser Musik! Reclam weißt auf die Verwandschaft dieses Themas zum Finale der 7. Sinfonie hin, die etwa gleichzeitig entstand.


etwa so gleichzeitig wie 1806 und 1812.... :J

Na, da hat Reclam mir ja einen schönen Bären aufgebunden! :J

(Bzgl. op.18,3 bitte ich um Geduld, wenn ich heute nicht den Nerv dazu habe, werde ich mich erst in ca. 2 Wochen daran machen können, da ich zwischendurch nicht da bin)

Kein Problem, wir haben ja Zeit.



Grüße zurück von Carola
Jack Bristow (27.08.2006, 19:47):
Ein wie ich finde einleuchtender Kommentar (der auch gut zu dem D-Dur-Quartett paßt) einer sehr kundigen und Beethovenquartettbegeisterten Person aus den GoogleGroups-Archiven:

As to which quartet to start with - I don't think it matters that much.
One thing to maybe note: Beethoven is fairly bent on original sounds
(you might not get all this from the Alban Berg, though). The early
and middle quartet finales are often great examples; many of them sound
a bit "weird" to this day. If you don't find those movements
comfortable sounding, you shouldn't be thrown off (probably), but might
want to look for another performance.

it's perhaps best to not expect anything overtly
symphony-like in the quartets. The emphasis in the quartets is largely
not in overall argument, so to say, and there's much less overt drama
and visceral impact of the hefty sort compared to, say, the 3-5-7-9
symphony sequence.

The visceral impact can actually be very strong in these quartets, but
for me it comes from small-scale events and it does require, perhaps,
somewhat close listening - for example, the visceral beauty is very
often in the interplay of the voices and the timbres. Beethoven's
writing is extremely subtle in this area. (Something like the Heiliger
Dankgesang is a good example.)


(http://tinyurl.com/elqom)
Carola (28.08.2006, 20:13):
Dass ist ein interessanter Text, vielen Dank. Als ich ihn las, fiel mir eine Bemerkung von Maarten`t Hart zu Beethoven ein, die er in seinem Buch "Mozart und ich" macht. Dort schreibt er, Beethoven "schüttele einen, als wäre man ein junger Hund, der zur Ordnung gerufen werden muss." Er bezieht sich dabei vor allem auf die Sinfonien, die ihm zu eruptiv, zu ruppig und wüst sind, weshalb er Mozart vorziehe..

Ich kann das ansatzweise nachvollziehen, gerade bei den Sinfonien habe auch ich bei Beethoven manchmal das Gefühl, als würden mir die Töne und Klänge nur so um die Ohren gehauen. Und genau dieses Problem habe ich bei den Streichquartetten eben nicht. Hier höre ich Beethoven auf zwar nicht kleinstem aber doch kleinerem Raum und das hochkonzentriert und auf höchstem Niveau.

Aber wenn ich den englischen Beitrag oben richtig verstanden habe, kann genau dieses im Vergleich zu den Sinfonien subtilere, nicht ganz so spektakuläre und überwältigende für manche zum Problem werden. Bei mir ist es genau umgekehrt.

Mit Gruß von Carola
Cosima (31.08.2006, 16:44):
Falls jemand Angst vor Expressivität hat und es lieber hausbacken, dröge und bieder mag, dem sei diese Gesamt-Aufnahme des Suske-Quartetts ans Herz gelegt. Ich habe einmal versucht, alle 16 Quartette nacheinander zu hören. Ein wirklicher Fehler…

http://www.wom.de/image/cover/front/0/5496141.jpg

Gruß, Cosima
Ganong (01.09.2006, 19:19):
Lieber ab ,

Es soll nicht langweilen :

1. die frühe Aufnahme des Juilliard String Q. , dann die
2. späten Mitschnitte ( in anderer Besetzung ! ) .


Viele Grüsse ,

Frank
Carola (21.07.2006, 19:32):
Als Beethoven um 1800 mit seinem op. 18 die ersten sechs Streichquartette vorlegte, hatte diese "Königsdisziplin" der Kammermusik mit den Werken Haydns und Mozarts schon einen ersten Höhepunkt erreicht.

Neben der viersätzigen Form war auch die weitgehende Gleichberechtigung aller vier zum Einsatz kommenden Streichinstrumente (2 Geigen, Bratsche, Cello) bereits als Standard etabliert. Beethoven näherte sich der Herausforderung auf Umwegen, indem er zunächst die Streichtrios op.3 und 9 und das Streichquintett op. 4 komponierte.


http://www.raptusassociation.org/lvb-treuberg_a.jpg


Zwischen 1798 und 1826 schuf Beethoven dann insgesamt 16 Streichquartette, die in drei Gruppen unterteilt werden:

- die frühen Streichquartette op. 18, Nr. 1-6

- die mittleren Streichquartette op. 59, Nr. 1-3, op. 74, op. 95

- die späten Streichquartette op. 127, 130-132, op. 135

Eine Sonderstellung nimmt die sog. "Große Fuge" op. 133 ein, die eigentlich als Finale von op. 130 gedacht war. Auf Bitten seines Verlegers ersetzte Beethoven sie aber durch einen heiter-beschwingten Schlusssatz und gab die Fuge dann als op. 133 gesondert heraus.


Ich selber besitze schon seit einiger Zeit diese, zwischen 1978 und 1983 entstandene Gesamtaufnahme des Alban Berg Quartetts.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7897308.jpg

Im Unterschied zu den Streichquartetten Haydns und Mozarts habe ich Beethovens Quartetten gegenüber jedoch so etwas wie eine "Schwellenangst", die dazu führt, dass ich mich bisher nicht so recht an eine nähere Beschäftigung mit diesen Werken herangetraut habe. Deshalb habe ich beschlossen, die Sache nun systematisch anzugehen und in den nächsten Wochen sämtliche Streichquartette nacheinander, intensiv und mehrmals anzuhören, um anschließend meine Eindrücke, Fragen, eventuelle Ab-und Zuneigungen hier aufzuschreiben. Als grobes Raster habe ich mir pro Woche ein Streichquartett vorgenommen. Bis Weihnachten wird es also nicht (ganz) dauern. :D

Dieser mehr oder weniger kühne Plan ist aber keineswegs als Inklusivveranstaltung gedacht. Alle, die dazu Lust und Zeit haben, sind herzlich eingeladen, sich hier zu beteiligen. Es kann dabei auch ruhig um unterschiedliche Aufnahmen gehen, ich selber werde allerdings ausschließlich die Aufnahmen des Alban Berg Quartetts zugrunde legen. Aus einem ganz einfachen Grund: Ich habe keine anderen.

Am Sonntag geht es dann los mit dem Quartett op. 18 Nr. 1, das ich schon seit Tagen immer mal wieder höre..

Es grüßt Euch Carola
Carola (23.07.2006, 11:33):
Der Tradition folgend legte Beethoven mit seinem Opus 18 einen Werkzyklus von sechs Streichquartetten vor, die sich in ihrer Anlage zwar unterschieden aber auch ergänzten und von denen eines in der Regel eine Moll-Komposition war (hier Op. 18, Nr 4 ).

Die Reihenfolge bei der Entstehung der Opus 18-Quartette war anders als bei der Veröffentlichung. nämlich Nr. 3, 1, 2, 5, 4, 6. Die Werke Nr. 1 und Nr. 2 hat Beethoven nach Fertigstellung der letzten Quartette des Zyklus noch einmal grundlegend überarbeitet.


Opus 18 Nr. 1 in F-Dur, komponiert 1799, vier Sätze, Spieldauer circa 25 Minuten

Der erste Satz wird beherrscht von einem kurzen, aber eindrücklichen Kernmotiv, das gleich zu Beginn von allen Instrumenten gespielt wird und über den gesamten (Sonaten)Satz hinweg immer wieder auftaucht. Bereits hier drängen sich Vokabeln wie "prägnant, energisch, vorwärts stürmend, extrem" auf, die in Bezug auf Beethovens Musik immer wieder zu lesen sind und mir auch durchaus passend erscheinen.

2. Satz: Das d-moll-Adagio, ebenfalls als Sonatensatz konzipiert, ist für mich der wichtigste Satz dieses Streichquartetts. Ich könnte ihn immer wieder hören. Mein Musikführer umschreibt seinen Charakter mit "affektgeladener Hochspannung und schmerzlicher Deklamatorik". Ein Freund Beethovens hat denn auch berichtet, der Satz sei durch die Grabesszene aus Shakespeares "Romeo und Julia" inspiriert worden.

Dieser Satz ist trotzdem überhaupt nicht kitschig, er vibriert über weite Strecken vor Hochspannung. Besonders gut gefällt mir ein musikalisches Motiv, dass in der Durchführung erstmals auftaucht und von meinem Musikführer als "erregt gewundenes Zweiunddreißigstel-Motiv" bezeichnet wird. Dieses Motiv "knallt" förmlich in die getragene Innigkeit hinein und taucht im Verlauf des Satzes immer wieder höchst störend und gleichzeitig höchst passend auf. Sehr spannend!

Der dritte Satz, ein Scherzo, bringt nach der gefühlsgeladenen Intensität der ersten beiden Sätze ein wenig tänzerische und spielerische Entspannung. Bleibende Eindrücke hat er bei mir nicht hinterlassen.

Auch der vierte Satz, laut Musikführer "eine Mischung aus Sonatensatz und Rondo" hat eher unterhaltsamen, verspielt-quirligen Charakter.

Falls jetzt jemand Lust bekommen hat, Beethovens Op. 18, Nr. 1 mal wieder oder zum ersten Mal anzuhören - nur zu! Und vielleicht kennt ja auch jemand noch andere Einspielungen dieses Quartetts. Ich bin gespannt auf Eure Eindrücke, Ergänzungen, Berichtigungen, was auch immer.

Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (23.07.2006, 13:37):
Original von Carola
Die Reihenfolge bei der Entstehung der Opus 18-Quartette war anders als bei der Veröffentlichung. nämlich Nr. 3, 1, 2, 5, 4, 6. Die Werke Nr. 1 und Nr. 2 hat Beethoven nach Fertigstellung der letzten Quartette des Zyklus noch einmal grundlegend überarbeitet.


Im Fall von Nr. 1 kann diese Überarbeitung so weit ich weiß konkret überprüft werden, da ein Stimmensatz oder eine Partitur erhalten sind, die Beethoven von der Erstversion an seinen Freund Amenda geschickt hatte. Es wurden wohl nur Details verändert und insgesamt gestrafft.

Ich will Dir zwar nicht in Dein Projekt hineinreden, aber wäre es nicht vielleicht abwechslungsreicher, die Quartette nicht streng chronologisch dranzunehmen, sondern etwas zu mischen. Also als nächstes oder übernächstes mal ein mittleres oder spätes Q.?


Opus 18 Nr. 1 in F-Dur, komponiert 1799, vier Sätze, Spieldauer circa 25 Minuten

Der dritte Satz, ein Scherzo, bringt nach der gefühlsgeladenen Intensität der ersten beiden Sätze ein wenig tänzerische und spielerische Entspannung. Bleibende Eindrücke hat er bei mir nicht hinterlassen.


Wirklich entspannt finde ich den Satz nicht, sondern auch eher düster bzw. im Mittelteil ruppig (allein weil man kaum sagen kann, ob das jetzt Dur oder Moll sein soll), passend zu diesem dramatischen Quartett, das erst im Finale etwas spielerisch (aber immer noch nicht entspannt) wird.

Das Quartett ist mein Favorit aus op. 18, obwohl sie fast alle außerordentlich sind, habe sie anläßlich deines threads gestern und heute alle 6 gehört, in einer wohl vergriffenen HIP-AUfnahme mit dem Smithsonian Quartet, die ich schon länger im Regal, aber noch nicht richtig gehört hatte. Der 2. Satz ist wie Du hervorhebst, einer der erstaunlichsten frühen Beethovensätze, aber auch der Rest zeigt, wie der junge Beethoven sowohl "Hoppla, jetzt komm ich" zu rufen schient als auch demonstrieren will, dass er Gleichwertiges zu Haydns und Mozarts Spitzenwerken zu schaffen vermag.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (23.07.2006, 13:56):
Original von Jack Bristow

Ich will Dir zwar nicht in Dein Projekt hineinreden, aber wäre es nicht vielleicht abwechslungsreicher, die Quartette nicht streng chronologisch dranzunehmen, sondern etwas zu mischen. Also als nächstes oder übernächstes mal ein mittleres oder spätes Q.?



viele Grüße

J. Bristow

Ja, da ist etwas dran. Es könnte in der Tat abwechselungsreicher sein, in der Reihenfolge zu mischen.

Ich hatte die Vorstellung, so etwas wie eine kompositorische Entwicklungslinie besser verfolgen (und verstehen) zu können, wenn ich sozusagen "klein" anfange und mich Stück für Stück "hocharbeite". Vermutlich auch wieder ein Ausdruck meiner Schwellenangst.

Andererseits, wenn ich mir vorstelle, dass es jetzt sechs Wochen dauern würde, bis wir mit Op. 18 durch sind und zum ersten Quartett aus der mittleren Periode kommen, scheint mir das in der Tat sehr zäh zu sein.

Also gut, mischen wir das Ganze ein bisschen auf. :D

Am nächsten Sonntag geht es dann weiter mit op. 59, Nr. 1.

Es grüßt Euch Carola
Zelenka (24.07.2006, 18:13):
Liebe Carola:

Erst einmal herzlichen Dank für Deine schöne Fadeneröffnung! Und Respekt vor Deinem Engagement, dieses Mammutprojekt furchtlos anzugehen!

Ich habe mir heute nachmittag drei Versionen des F-Dur-Quartetts op. 18, No. 1 angehört. Als erste die schon von Jack Bristow erwähnte Erstfassung des Quartetts, die Beethoven seinem Freund Amenda nach Riga schickte. Beim ersten Hören sind die Unterschiede zur späteren (gestrafften) Fassung noch nicht einmal so groß. Ich habe eine Aufnahme mit dem Hagen Quartett (DG) gehört, das alert und präzise spielt und die Erstfassung sehr ernst nimmt (wie sie es verdient). Im wesentlichen ist hier schon alles da, was an der anderen Fassung gefällt. (Ich stimme übrigens mit Jack B. darin überein, das ich den Scherzo-Satz auch für etwas düster halte, ich mag ihn allerdings sehr.)

Die beiden anderen Aufnahmen des Quartetts, die ich besitze, sind beide als sehr gut bis hervorragend einzustufen. Sowohl das Amadeus Quartet (DG) als auch das Alban Berg Quartett (EMI) haben wohl gerade in den frühen Beethoven-Quartetten ihre beste Arbeit geleistet. Das ABQ wirkt insgesamt schlanker im Ton und vielleicht ausgeglichener. Beim Amadeus Quartet steht Norbert Brainin, der Primarius, ein wenig zu stark im Vordergrund. Da ist auch zuviel (unhistorisches) Vibrato, es mag überhaupt hier alles ein wenig zu dick aufgetragen werden. Hinsichtlich der Aufnahmequalität fällt auf, daß die spätere ABQ-Version 20 Jahre später, überraschend vielleicht, nicht ganz optimal ist.

Gruß,

Zelenka
ab (26.07.2006, 16:36):
Das opus 18 betreffend kann ich auch sehr das Lindsay String Quartet bei ASV empfehlen


(genauso wie vor allem und insbesondere Op. 59 No.1, das ich inniger nie gehört habe :down !)

Bei den späten Quartette treten dann mehr Mängel auf, leider, so musikalisch dieses Quartett ist in ihrem sehr klassischen Zugriff auf Beethoven.

Sehr empfehlenswert ist stets das bereits erwähnte Hagen Quartett!
Carola (30.07.2006, 10:47):
Graf Rasumowsky, der russische Botschafter in Wien, bestellte drei Streichquartette bei Beethoven (op. 59, 1-3) und sorgte auch für angemessene Aufführungen durch das hochrangige Schuppanzigh-Quartett - nur ein professionelles Ensemble war in der Lage, die im Vergleich zu op. 18 beträchtlich gewachsenen Anforderungen dieser neuen Streichquartette zu bewältigen. Als Referenz an den Auftraggeber fügte Beethoven in die ersten beiden Quartette eine russische Volksmelodie ein.


Opus 59 Nr. 1 in F-Dur, komponiert 1806, vier Sätze, Spieldauer circa 40 Minuten

Schon der erste Satz zeigt mit seinem Umfang von genau 400 Takten, aber auch in seiner kompositorischen Dichte große Unterschiede zu den Streichquartetten aus op. 18. Mein Musikführer spricht denn auch schon gar nicht mehr von einzelnen Themen sondern von ausgedehnten Themenkomplexen auf Haupt- und Seitensatzebene.

Eine gewisse Orientierung bietet dabei das gleich zu Beginn vom Cello gespielte und dann von der 1. Violine übernommene Hauptthema, das als musikalische Urzelle des Satzes fungiert. Ein weiteres Element dieses Sonatensatzes ist eine gewisse triolische Unruhe, die oft vom Cello ausgeht und Ansätze von Besinnlichkeit, beispielsweise das von der 1. Violine gespielte Seitenthema, unwirsch unterbricht.

Auch der zweite Satz, ein Scherzo, oder genauer gesagt ein dem Sonatensatz verwandtes Gebilde im Tonfall eines Scherzos ist sehr komplex. Das Cello beginnt mit einem rhythmisch prägnanten Staccato-Motiv, das von der Geige unmittelbar mit einer mehr oder weniger schönen Melodie beantwortet wird. Hat man auf diese Weise das Hauptthema unschwer ausgemacht, wird es mit dem Seitenthema schon schwieriger. Mir ist es jedenfalls erst nach mehrmaligem Hören gelungen. Es ist denn auch nur von einer Art Seitenthema die Rede und Harenberg vermeldet, das formale Gerüst des Satzes sei vom Hörer kaum mehr zu erkennen. Wohl wahr.

Ich bin mit diesem 2. Satz bisher nicht so recht warm geworden, aber so geht es mir oft beim Scherzo.

Ganz anders dagegen der 3. Satz, ein ausgedehntes Adagio in der schon von J.S. Bach bevorzugten Klagetonart f-moll. Ein biographischer Hintergrund ist durch folgende Anmerkung Beethovens angedeutet, die sich auf Skizzen zu diesem Satz findet: "Einen Trauerweiden- oder Akazienbaum aufs Grab meines Bruders" - gemeint ist die Heirat seinen Bruders Carl mit einer von Beethoven abgelehnten Frau, die zum Bruch zwischen den Brüdern führte.

Schon das von der 1. Violine eingeführte und dann vom Cello aufgenommene Hauptthema vermittelt diese Grundstimmung von Trauer, Wehmut, Verlassenheit, die den ganzen Satz durchzieht. Die Musik wirkt wehmütig, melancholisch - nicht aber seicht oder sentimental. Es entfaltet sich vielmehr ein filigraner, unbeschreiblicher Klangzauber, dem man sich schwerlich entziehen kann. Gegen Ende des Satzes hellt die verdunkelte Grundstimmung sich in eine spielerische Violin-Kadenz auf, die mit einem Triller nahtlos in den 4. Satz überleitet.

Dieser Finalsatz beginnt mit dem "Russischen Thema", das dem Auftraggeber Graf Rasumowsky geschuldet ist. Der gesamte Satz steht im starken Kontrast zum vorhergehenden, er wirkt forsch, dynamisch und kraftvoll rhythmisch auf mich.

PS. Alle von mir kursiv hervorgehobenen Passagen sind wörtliche Zitate aus dem Musikführer von Arnold Werner-Jensen: Ludwig van Beethoven, Reclam Leipzig 2001

PS.PS . Meine musikalische Reise durch Beethovens Streichquartette wird als nächstes bei op. 18 Nr. 2 Station machen.

Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (31.07.2006, 13:03):
Original von Carola
Opus 59 Nr. 1 in F-Dur, komponiert 1806, vier Sätze, Spieldauer circa 40 Minuten


Zunächst: Ich liebe dieses Quartett sehr, es ist mein Favorit unter den "Mittleren". Ich betrachte es als eine Art "Eroica" des Streichquartetts, also ein Werk, das in ähnlicher Weise wie diese Sinfonie der Gattung eine ganz neues Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet, dazu paßt auch der bloße Umfang, die ungeheure Weiträumigkeit und Breite. Nicht nur in der musikalischen Entwicklung, auch der Tonraum wird erweitert, in den Noten sieht man (man hört es vielleicht nicht so deutlich), wie häufig die 1. Violine in der Oktave über dem normalen Notensystem herumkrebst.


Schon der erste Satz zeigt mit seinem Umfang von genau 400 Takten, aber auch in seiner kompositorischen Dichte große Unterschiede zu den Streichquartetten aus op. 18. Mein Musikführer spricht denn auch schon gar nicht mehr von einzelnen Themen sondern von ausgedehnten Themenkomplexen auf Haupt- und Seitensatzebene.


Ich finde diese Aussagen etwas übertrieben (im Reclam-Kammermusikführer hat wohl derselbe Autor die Abschnitte zu den Quarteten verfaßt). Das u.g. Hauptthema ist sehr klar, auch in der 4+4taktigen Gliederung als solches zu erkennen. (Der Satz ist wesentlich einfacher und übersichtlicher aufgebaut als der Kopfsatz der Eroica. Eine Gemeinsamkeit ist indes, dass wie in der Sinfonie ein simples Dreiklangs, hier ein ähnlch einfaches Tonleitermotiv den Kern bildet). Es gibt durchaus auch schon Haydn-Quartette, in denen letzlich simple Triolenmotive, die thematisch nicht leicht zu fassen sind, eine wichtigere Rolle spielen als die "eigentlichen" Themen. Auch "dicht" finde ich einen etwas irreführenden Begriff (es sei denn, es ist gemeint, dass op. 18 dichter ist). Verglichen mit der Konzentration und Verdichtung von Stücken wie op.18,1i oder op.59,2i ist dieser Satz ja recht entpannt, dabei sehr weiträumig und großflächig (man dürfte selten sonst im Hauptsatz eines Beethovenquartetts zwei dutzend Takte nacheinander haben, in denen die 1. Vl. oder das Cello eien Melodie spielen und der Rest simple Achtebegleitung hat).


Eine gewisse Orientierung bietet dabei das gleich zu Beginn vom Cello gespielte und dann von der 1. Violine übernommene Hauptthema, das als musikalische Urzelle des Satzes fungiert. Ein weiteres Element dieses Sonatensatzes ist eine gewisse triolische Unruhe, die oft vom Cello ausgeht und Ansätze von Besinnlichkeit, beispielsweise das von der 1. Violine gespielte Seitenthema, unwirsch unterbricht.



Auch der zweite Satz, ein Scherzo, oder genauer gesagt ein dem Sonatensatz verwandtes Gebilde im Tonfall eines Scherzos ist sehr komplex. Das Cello beginnt mit einem rhythmisch prägnanten Staccato-Motiv, das von der Geige unmittelbar mit einer mehr oder weniger schönen Melodie beantwortet wird. Hat man auf diese Weise das Hauptthema unschwer ausgemacht, wird es mit dem Seitenthema schon schwieriger. Mir ist es jedenfalls erst nach mehrmaligem Hören gelungen. Es ist denn auch nur von einer Art Seitenthema die Rede und Harenberg vermeldet, das formale Gerüst des Satzes sei vom Hörer kaum mehr zu erkennen. Wohl wahr.


Das ist einer der erstaunlichsten Beethovensätze überhaupt, ein Unikat meines Wissens. Auch in den späten Quartetten ist mir kein derart durchkomponiertes Scherzo bekannt. Mir ist auch von keinem anderen Komponisten ein ähnlicher Satz bekannt. Jemand hat das Stück mals "kaleidoskopartig" genannt, ein sehr treffendes Bild: einige Elemente, hauptsächlich eben das rhythmische Motiv des Anfangs mit den verschiedenen "Antworten" werden durcheinandergeschüttelt und tauchen in immer neuen Kombinationen auf.
Riezler behauptet, es handele sich um einen wirklichen, allerdings freien Sonatensatz. Die Exposition wird verändert wiederholt (verändert bedeutet hier u.a. andere, neue Nebenthemen) und die Coda ist sehr lang, damit gäbe es 5 Teile: Expo, Expo', Durchführung, Reprise, Coda.
(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)
Der Satz hat (auch wenn das der Reclam-Führer andeuten mag) vom Höreindruck aber ganz und gar nichts rondoartiges, dafür ist das Hauptmotiv viel zu offen, die "Antworten" zu unterschiedlich usw.


Dieser Finalsatz beginnt mit dem "Russischen Thema", das dem Auftraggeber Graf Rasumowsky geschuldet ist. Der gesamte Satz steht im starken Kontrast zum vorhergehenden, er wirkt forsch, dynamisch und kraftvoll rhythmisch auf mich.


dieser Finalsatz erinnert mich stellensweise (die Schlußgruppenthematik oder z.B. die Coda) an Dvorak. Nicht nur das eigentliche theme russe, sondern eben auch dieses prägnante rhythmische Motiv wirken ein wenig "slawisch".

viele Grüße

J. Bristow
Carola (31.07.2006, 13:56):
Original von Jack Bristow

(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)

viele Grüße

J. Bristow


Das wäre sicherlich sinnvoll und zudem sehr nett - am liebsten natürlich unter Zugrundelegung der oben gezeigten Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts.


Mit Gruß von Carola
ab (02.08.2006, 16:09):
Beim op. 59/1 ist meine Lieblingsuafnahme definitiv jene des Lindsay Quartets:


Was die erste Alban Berg Quartett Gesamtaufnahme betrifft, so halte ich gerade diese op.59/1 für das schlechteste des gesamten Zyklus.

Was die mittleren Quarette als Gesamtaufnahme betrifft, würde ich wohl die des Guarneri Quartets empfehlen, was übrigens auch klanglich eine sehr schöne Aufnahme der Digitalaufnahmen der zweiten Generation ist:




Sehr empfehlenswert ist stets - und beim op. 59/1 sehr rasch - das bereits erwähnte Hagen Quartett!
Jack Bristow (02.08.2006, 18:17):
Original von Carola
Original von Jack Bristow
(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)


Das wäre sicherlich sinnvoll und zudem sehr nett - am liebsten natürlich unter Zugrundelegung der oben gezeigten Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts.


Die habe ich leider nicht. Ich habe Melos und Emerson, die benötigen beide gut 8:30, und Hagen und Juilliard, die benötigen etwas über 9 min für den Satz. Die Unterschiede sind also nicht groß, die Stellen sollten sich mit +- ein paar Sekunden finden lassen. Leider habe ich zZt dort wo meine CDs und Noten sind keinen Internetzugang; daher dauert das vielleicht noch ein paar Tage. Ich konnte Riezlers Anmerkungen bis zur Coda allerdings schonmal nachvollziehen.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (02.08.2006, 18:24):
Hallo Jack,

das Alban Berg Quartett benötigt (in der Aufnahme von 1979) für den zweiten Satz 8.44, es liegt also in der Tat alles recht nah beieinander.

Mit Gruß von Carola
Zelenka (04.08.2006, 18:33):
Original von ab
Beim op. 59/1 ist meine Lieblingsuafnahme definitiv jene des Lindsay Quartets:

[Was die erste Alban Berg Quartett Gesamtaufnahme betrifft, so halte ich gerade diese op.59/1 für das schlechteste des gesamten Zyklus.

Was die mittleren Quarette als Gesamtaufnahme betrifft, würde ich wohl die des Guarneri Quartets empfehlen, was übrigens auch klanglich eine sehr schöne Aufnahme der Digitalaufnahmen der zweiten Generation ist:

Sehr empfehlenswert ist stets - und beim op. 59/1 sehr rasch - das bereits erwähnte Hagen Quartett!

Ich habe leider nur beschränkte Vergleichsmöglichkeiten, was das Quartett op. 59/1 angeht: die erste ABQ-Aufnahme und das Emerson Quartett. Ich hoffe, ich werde mit der Zeit auch ab's Empfehlungen folgen können. Im Moment verstehe ich allerdings die Abneigung gegen die erste ABQ-Aufnahme nicht so recht. Insgesamt ist das Spiel auf allerhöchstem Niveau (die Aufnahmequalität mag man anders beurteilen). Niemand braucht sich hier zu schämen, weder das ABQ noch die Käufer. Das Emerson Quartet gefällt mir marginal besser. Es wird etwas zügiger gespielt hier, ich finde die Balance der Instrumente etwas besser, Finckels Cello besser als Erbens. Die Aufnahme ist etwas realistischer. Im übrigen gibt es Passagen oder einzelne Gesten, in denen man jeweils das eine oder andere Ensemble vorziehen würde.

Gruß,

Zelenka
Carola (04.08.2006, 19:04):
Original von Zelenka

Niemand braucht sich hier zu schämen, weder das ABQ noch die Käufer.

Gruß,

Zelenka


Das lese ich gerne... :)

Mit Gruß von Carola
ab (05.08.2006, 13:54):
Original von Zelenka
Im Moment verstehe ich allerdings die Abneigung gegen die erste ABQ-Aufnahme nicht so recht. Insgesamt ist das Spiel auf allerhöchstem Niveau (die Aufnahmequalität mag man anders beurteilen). Niemand braucht sich hier zu schämen, weder das ABQ noch die Käufer.

Damit kein Missverständis auftritt: Ich stimme dem voll und ganz zu - auch ich halte den ABQ-Zyklus für einen der ausgezeichneten. Ihr Spiel ist tatsächlich stets auf allerhöchstem Niveau - und nicht selten technisch und gestalterisch unerreicht.

Aber gerade beim op.59/1 finde ich vor allem den Anfang etwas lieblos heruntergehetzt. Ich persönlich mag den Geigenton des Primarius wenig, was aber nichts über das Quartett aussagt, sondern über mich. (Dies ist auch der Grund, wesahlb ich den zweiten Zyklus nicht kenne, der anlässlich der Videoporduktion entstanden ist. Im Radio hörte ich jüngst einen Ausschnitt eines Satzes und war überwältigt. - Es gäbe so viel anzuhören...)

Ihre musikalisch beste Leistung scheint mir das op.131 bei diesem ersten EMI-Zyklus zu sein. Bei allen anderen Quartetten kenne ich Aufnahmen, die mir nicht nur besser gefallen, sondern die ich auch besser finde - auch wenn sie nicht selten eine weniger hohe technisch Qualität haben - und natürlich nicht wie aus einem Guss klingen, was ja das typische dieser Quartett-Formation ist.

(Meine Lieblingsaufnahme des ABQ ist übrigens das op.77 von Haydn bei der EMI)
Carola (06.08.2006, 11:58):
Opus 18 Nr 2 in G-Dur, komponiert 1799, vier Sätze, Spieldauer circa 22 Minuten

Seinen Beinamen "Komplimentierquartett" verdankt dieses Streichquartett vor allem dem ersten Satz, der von den Zeitgenossen offenbar als recht kapriziös und geziert empfunden wurde, wie unter ständigen gezierten Verbeugungen daherschreitend, ... als verteile Beethoven hier lauter Komplimente an seine klassischen und vorklassischen Vorgänger.

Ich empfinde diesen (Sonaten)Satz trotz aller "Galanterie" als recht komplex und dicht. Und mir gefällt diese Mischung aus Lockerheit und Komplexität gut.

Der zweite, langsame Satz beginnt mit einem von der Violine vorgestellten, sehr getragenem und singendem Thema, das im Mittelteil abgelöst wird von einem in Sechzehntel-Ketten voranstürmenden Allegro. Anschließend kehrt das liedhafte Eingangsthema zurück, das nun vom Cello angestimmt wird.

Der dritte Satz, ein lebenslustiges Scherzo mit einem rhythmisch prägnantem Dreiklangsmotiv gleich zu Beginn und einem "einherstolzierenden" (Harenberg) Trio gefällt mir nicht besonders gut. Vermutlich hat es mit dem zu tun, was mein Musikführer eine etwas mutwillige Heiterkeit nennt.

Der Finalsatz beginnt mit dem vom Cello angestimmten energischen Hauptthema (wieder mit einem einleitenden Dreiklangsmotiv), das umgehend von den drei anderen Streichern beantwortet und anschließend fortgeführt wird. Das Seitenthema ist im Vergleich dazu singender, weicher, allerdings auch sehr rhythmisch (Synkopen). Der gesamte Satz schwankt zwischen lebhafter Munterkeit und plötzlichen Stockungen, geheimnisvollen Fermaten; dieses Kontrastreiche ist interessant anzuhören.

Soweit erst mal von Carola

PS. Nächste Station: Opus 127
Jack Bristow (06.08.2006, 15:42):
Original von Jack Bristow
(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)


(Zeiten nach Emerson Q. (Gesamtspielzeit 8:30), aber meine Angabe sind auch höchstens +- 1-2 sec. genau)
Gilederung des 2. Satzes aus op. 59,1 nach W. Riezler: "Beethoven"

Exposition

"Expo 1" (Takt 1-67)

"2. Thema" (d-moll) (T. 39) ca. 0:42

"Expo 2" (T. 68) ab ca. 1:13

"3. Thema" (f-moll, T. 115) ca. 2:02
(von mir als wesentlicher Seitengedanke des Satzes gehört)

Durchführung (T. 154) ab 2:45 (hörend gut erkennbar sind die Synkopen der 1. Vl. ab T 157)

Reprise (beide Expositionen werden rekapituliert, T. 239) ab ca. 4:16
tatat-tat-tat-Motiv in Vl. 1, neues lyrisches Gegenthema in Vl 2 und Viola (Tonart hier zunächst Ges-Dur)

Coda (T. 392) ab ca. 6:58; beginnt ebenso wie die Durchf. mit Synkopen der Vl. 1, die zuerst in der Ges-Dur-"Reprise" aufgetretene neue Melodie erscheint hier in der Coda nochmal in der Haupttonart B-Dur. Damit ist auch dieses Material harmonisch korrekt rekapituliert/aufgelöst worden.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (06.08.2006, 16:57):
Hallo Jack,

Das war jetzt wirklich hilfreich für mich, vielen Dank.

Die Zeiten lassen sich sehr gut mit der Aufnahme des Alban Berg Quartetts vergleichen.

Dort:

2. Thema: 0.43

3. Thema : 2.04

Durchführung: 2.50

Reprise: 4.19

die Unterschiede im Tempo sind also bis dahin sehr gering - insgesamt ja auch nur 14 Sekunden im zweiten Satz.

Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (07.08.2006, 10:19):
Original von Jack Bristow
Original von Jack Bristow
(ich werde versuchen, demnächst, die ungefähren Zeiten dieser Abschnitte nachzutragen, dann kann man es vielleicht nachvollziehen)


(Zeiten nach Emerson Q. (Gesamtspielzeit 8:30), aber meine Angabe sind auch höchstens +- 1-2 sec. genau)
Gilederung des 2. Satzes aus op. 59,1 nach W. Riezler: "Beethoven"

Exposition

"Expo 1" (Takt 1-67)

"2. Thema" (d-moll) (T. 39) ca. 0:42

"Expo 2" (T. 68) ab ca. 1:13

"3. Thema" (f-moll, T. 115) ca. 2:02
(von mir als wesentlicher Seitengedanke des Satzes gehört)

Durchführung (T. 154) ab 2:45 (hörend gut erkennbar sind die Synkopen der 1. Vl. ab T 157)

Reprise (beide Expositionen werden rekapituliert, T. 239) ab ca. 4:16
tatat-tat-tat-Motiv in Vl. 1, neues lyrisches Gegenthema in Vl 2 und Viola (Tonart hier zunächst Ges-Dur)

Coda (T. 392) ab ca. 6:58; beginnt ebenso wie die Durchf. mit Synkopen der Vl. 1, die zuerst in der Ges-Dur-"Reprise" aufgetretene neue Melodie erscheint hier in der Coda nochmal in der Haupttonart B-Dur. Damit ist auch dieses Material harmonisch korrekt rekapituliert/aufgelöst worden.


Noch eine Ergänzung: Die Andeutung des Reclam-Führer, der Satz enthalte Elemente einer ABABA-Rondoform (wie etwa der 3. in op.59,2) ist m.E. Unsinn (es ist auch keineswegs Beethovens "Standardform" für solche Sätze, zwar ist sie häufig, aber das erste Mal kommt sie etwa gleichzeitig in der 4. Sinfonie und in op.59,2 vor, vorher nicht). Es gibt einfach keinen "B-Teil der selbständig genug wäre, auch ist der Hauptiel überhaupt nicht "rondomäßig" vom Thema her (Ein rondomäßiges Thema findet sich z.B. im nachkomponierten Finale zu op.130; ein blockhaft-schematisches Rondo (wie es bei den Klassikern eigentlich selten ist in op.18,4, Finale).
Zwar stehen die oben als "2" und "3" bezeichneten Themen nicht in der Dominante (F-Dur), sondern einmal in der Mollparallele der Dominante (d-moll) bzw. der gleichnamigen Molltonart (f-moll). So etwas kommt aber vereinzelt auch sonst vor (in Mollsätzen ist die Durparallele häufig für das zweite Thema), ebenso ist die doppelte Exposition, wo bei der "2. Exposition" neues Material eingeführt wird, im Prinzip bereits aus Mozartschen Klavierkonzerten vertraut. Schließlich werden in der Reprise die genannten Seitenthemen nach g-moll (Tonikaparallele) und b-moll "aufgelöst", typisch sonatenmäßiges Vorgehen. Die Unsicherheit des Reclam verät vielleicht noch etwas von dem Zerrbild einer starren Sonatenform (einer Art Gefäß, in das man Melodien schüttet), die diesem dynamischen und flexiblen Kompositionsprinzip einfach unangemessen ist.

Ich habe übrigens bei dieser Gelegenheit auch zu allererstenmal den Aufbau des Satzes bewußt mitvollzogen, obwohl ich ihn seit mehr als 15 Jahren kenne und sehr schätze. Wieder mal ein Zeichen, dass es gar nicht unbedingt nötig ist, so etwas genau zu erhören.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (07.08.2006, 12:40):
Original von Jack Bristow

Wieder mal ein Zeichen, dass es gar nicht unbedingt nötig ist, so etwas genau zu erhören.

viele Grüße

J. Bristow

Da stimme ich Dir zu. Aber manchmal macht es einfach Spaß, sich die Strukturen klar zu machen - ein Fall von analytischer Entdeckerfreude vielleicht.
ab (07.08.2006, 14:44):
Weil es dazu passt: Gerade ist das op. 18 vom Borodin Quartett bei Chandos erschienen.
Carola (13.08.2006, 09:55):
Im Jahr 1822 gab der selbst Cello spielende Fürst Galitzin aus Petersburg drei Streichquartette bei Beethoven in Auftrag. Er musste sich mit der Fertigstellung der Werke op. 127, op. 130 und op. 132 dann aber noch drei Jahre gedulden, denn Beethoven arbeitete zunächst an der Missa solemnis und der 9. Sinfonie.

Die drei erwähnten Streichquartette eröffnen die Reihe der fünf letzten Streichquartette des Komponisten.

Opus 127 in Es-Dur, vier Sätze, komponiert zwischen 1822 und 1825, Spieldauer circa 37 Minuten

Der erste Satz setzt ein mit sechs unisono gespielten, majestätisch-machtvollen (Maestoso) Einleitungstakten, gefolgt vom "piano e dolce" zu spielendem geschmeidigen Hauptthema; dem ein weiteres, rhythmisch prägnantes und energisches Motiv unmittelbar nachfolgt. Man kann diesen hinzutretenden Gedanken auch als zweiten Teil des Hauptthemas ansehen. Nach einer kurzen Überleitung folgt dann das chromatisch verhangene, sehr schöne Seitenthema.

Die Durchführung beginnt mit den sechs Maestoso-Takten der Einleitung, gefolgt von den ersten beiden Takten des Hauptthemas (Dreitonmotiv), die nun "bearbeitet" werden. Auf dem Höhepunkt der Durchführung tauchen wieder die massiven Unisono-Takte der Einleitung auf, die in recht kompromisslos rauhe Klangschichten umkippen.

Die Reprise verlegt das Hauptthema eine Oktave höher, der zweite Teil des Themas, das energische Motiv wird diesmal vom Cello eingeführt. Die Coda greift noch einmal das Hauptthema auf.

Beim zweiten Satz, einem enorm anrührenden Adagio, handelt es sich um einen Variationensatz. Vom Cello zart vorbereitet trägt die 1. Violine das in Sekundschritten auf - und abgleitende Hauptthema vor, das in insgesamt 5 Variationen ausgeleuchtet und bearbeitet wird. Bis auf die 2. Variation, die stark rythmusbetont und auf leicht bizarre Weise tänzerisch wirkt, bleibt der gesamte Satz aber seiner innig-abgeklärten Grundstimmung treu - wobei die 3. Variation stellenweise eher expressive als innige Züge trägt. Der Gesamteindruck dieses 2. Satzes bleibt für mich aber dennoch der eines großen Ausatmens und tiefen Loslassens.

Der dritte Satz, ein Scherzo, wird geprägt von einer punktierten, dreifachen Auftakt-Figur, die unmittelbar nach den vier einleitenden Pizzicato(= gezupften)-Akkorden einsetzt und über den gesamten Satz hinweg als Kernmotiv immer wieder auftaucht.

Das Finale wird von Reclam als der diesseitigste Satz des ganzen Werkes bezeichnet. Nach einer viertaktigen, energischen Unisono-Einleitung erklingt das kreisende Hauptthema, unmittelbar gefolgt von einem zweiten, fast banalen musikalischem Gedanken.

Später, im starken Kontrast dazu, folgt ein weiteres, stampfendes Thema, das in den durchführungsartigen Mittelteil führt. Das klingt für meine Ohren streckenweise recht anstrengend, hart und sperrig; gegen Ende heitert sich die Stimmung aber merklich ins Tänzerisch-Beschwingte auf.

Was die sicher reichlich vorhandenen Aufnahmen von Op. 127 angeht - da zähle ich ganz auf Euch. :)

Mit Gruß von Carola

PS. Nächste Station: Opus 18, Nr. 3
Zelenka (13.08.2006, 14:55):
Einen ganz herzlichen Dank für die schöne und sehr ausführliche Einleitung an Carola! -
Auch für das op. 127 ist die Zahl meiner Aufnahmen eigentlich zu bescheiden: Ich habe hier das Quartetto Italiano (Philips), das Alban Berg Quartett (EMI) in seinem ersten Durchgang, das Emerson String Quartet (DG) und das Takács Quartet (Decca). Beim wenigstens teilweisen Wiederhören der Aufnahmen enttäuschten mich das hier oft etwas zu oberflächliche ABQ und das Quartetto Italiano besonders, letzteres vielleicht ein wenig zu verliebt in seinen Wohlklang. Man könnte dies auch dem Emerson Quartett zur Last legen, das natürlich wie stets ganz hervorragend ausbalanciert und ungeheuer sonor musiziert. Weniger Wert auf Schönheit des Klangs legt vielleicht das Takacs Quartet in seiner relativ neuen Aufnahme, das sich, so will es mir im Moment erscheinen, auf Kosten des Wohllauts ein wenig tiefer in die Musik eingräbt. Einiges stört mich auch hier, der Eingang des ersten Satzes schon ist mir zuwenig majestätisch z.B. Ansonsten gilt auch hier wieder, daß alle vier Quartette im Grunde hervorragende Arbeit leisten und daß wohl niemand alles auf einmal zu diesen letzten Quartetten Beethovens sagen kann. "ab" z.B. wird zu Recht auch hier wieder die Lindsays (wohl auch weniger "schön") und die Hagens nennen. Und dann gibt es noch eine Menge anderer Kandidaten mindestens seit den Tagen des Busch-Quartetts …

Gruß,

Zelenka
ab (13.08.2006, 17:34):
Original von Zelenka
"ab" z.B. wird zu Recht auch hier wieder die Lindsays (wohl auch weniger "schön") und die Hagens nennen. Und dann gibt es noch eine Menge anderer Kandidaten mindestens seit den Tagen des Busch-Quartetts …

Gruß,

Zelenka

Ich kann leider das Lindsay String Quartet bei den späten Quartetten nur eingeschränkt empfehlen: manch breites Virbrato gerät nicht übetreinstimmend und geringfügigste Intonationsfreiheiten müssen durch den "klassischen Zugriff" und die musikalische Art, insbesondere von Primgeiger und Cello, wettgemacht werden. Grandios sind beim op. 127 die stimmigen Tempi. Letztlich jedenfalls eine "schöne" Aufnahme. Ob "zu" oder "gerade richtig" muss jede selbst für sich entscheiden. Das op. 2127 jedenfalls ist noch einer der besten bei den späten Quartetten. Ob sie dann später, als sie sich nur mehr The Lindsays nannten, den Beethoven besser auf CD gespielt haben, weiß ich nicht. Im Konzert war ich von der Musikalität hingerissen.

Das Quartetto Italiano finde auch ich wenig zufriedenstellend, wie auch das Amadeus Quartett. Die Emersons finde ich für das romantische Programm einfach passender.

Wie schon anderwo gesagt: Ich empfehle Busch Quartett und Hagen Quartett!
Jack Bristow (13.08.2006, 22:00):
Original von Carola

Opus 127 in Es-Dur, vier Sätze, komponiert zwischen 1822 und 1825, Spieldauer circa 37 Minuten

...

Die Durchführung beginnt mit den sechs Maestoso-Takten der Einleitung, gefolgt von den ersten beiden Takten des Hauptthemas (Dreitonmotiv), die nun "bearbeitet" werden. Auf dem Höhepunkt der Durchführung tauchen wieder die massiven Unisono-Takte der Einleitung auf, die in recht kompromisslos rauhe Klangschichten umkippen.


Ich empfinde diesen Satz wie auch das gesamte Quartett eigentlich als sehr lyrisch, "kompromisslos rauhes" höre ich hier weniger, wenngleich ich vermutlich weiß welche Stelle gemeint ist: Eine Art "Festfahren" auf einem kurzen Motiv, nach dem erneuten Auftreten des maestoso, das NICHT, wie wohl von manch anderen Kommentaren behauptet, die Durchführung beendet. Vermutlich soll der Hörer wie auch sonst bei einer "falschen Reprise" kurz in die Irre geführt werden, aber zum einen stimmt die Tonart nicht, zum andern ist, wie Du schreibst, der eigentliche Repriseneintritt (wörtlich, nur eine Oktav höher) eindeutig.


Der dritte Satz, ein Scherzo, wird geprägt von einer punktierten, dreifachen Auftakt-Figur, die unmittelbar nach den vier einleitenden Pizzicato(= gezupften)-Akkorden einsetzt und über den gesamten Satz hinweg als Kernmotiv immer wieder auftaucht.


Man könnte vielleicht noch das "Trio" (ein vorüberhuschendes presto in Triolen, es kommt kurz vor Ende nochmal angedeutet wieder) und besonders die kurzen etwas unwirschen Einschübe (2/4) erwähnen, die das Spiel des Scherzo-Hauptteils unterbrechen (weil solche seltsamen Einbrüche beim späten Beethoven noch öfters vorkommen).


Das Finale wird von Reclam als der diesseitigste Satz des


ein sehr erhellendes Attribut... :D


ganzen Werkes bezeichnet. Nach einer viertaktigen, energischen Unisono-Einleitung erklingt das kreisende Hauptthema, unmittelbar gefolgt von einem zweiten, fast banalen musikalischem Gedanken.

Später, im starken Kontrast dazu, folgt ein weiteres, stampfendes Thema, das in den durchführungsartigen Mittelteil führt. Das klingt für meine Ohren streckenweise recht anstrengend, hart und sperrig; gegen Ende heitert sich die Stimmung aber merklich ins Tänzerisch-Beschwingte auf.


Ich höre das eher als eine stampfend-rustikalen "Volkstanz"
Die Coda bringt hier einen Takt und Tempowechsel (6/8) und die (rhythmische) Transformation des Hauptmotives nähert dies an das des Kopfsatzes an. Das Ganze kann je nach Interpretation einen eher ätherischen oder auch ekstatischen Eindruck erwecken (16tel-Triolen der Begleitstimmen bilden flirrende Klangflächen)


Was die sicher reichlich vorhandenen Aufnahmen von Op. 127 angeht - da zähle ich ganz auf Euch. :)


Vorhanden: Yale, Juilliard, Melos, Hagen, Petersen vielleicht schaffe ich es nächste Woche mal zwei davon zu hören.

viele Grüße

J. Bristow

(aus Deinem Text geht nicht so richtig hervor, ob Dir das Stück gefallen hat...)
Carola (13.08.2006, 22:29):
Original von Jack Bristow


(aus Deinem Text geht nicht so richtig hervor, ob Dir das Stück gefallen hat...)


Mit Ausnahme des Scherzos gefällt mir dieses Streichquartett außerordentlich gut - wie so oft habe ich auch hier wieder eine besondere Vorliebe für den langsamen Adagio-Satz.

Mit Gruß von Carola
ab (14.08.2006, 10:28):
Original von Jack Bristow

Was die sicher reichlich vorhandenen Aufnahmen von Op. 127 angeht - da zähle ich ganz auf Euch. :)

Vorhanden: Yale, Juilliard, Melos, Hagen, Petersen vielleicht schaffe ich es nächste Woche mal zwei davon zu hören.

Das Yale Quartet kenne ich gar nicht, nicht einmal vom Namen. Von wann ist denn diese Aufnahme, gibts die auch auf CD, wie ist die Interpretation? Ist für Dich die Juilliard-Aufnahme die Referenz?
Jack Bristow (14.08.2006, 15:11):
Original von ab
Original von Jack Bristow

Was die sicher reichlich vorhandenen Aufnahmen von Op. 127 angeht - da zähle ich ganz auf Euch. :)

Vorhanden: Yale, Juilliard, Melos, Hagen, Petersen vielleicht schaffe ich es nächste Woche mal zwei davon zu hören.

Das Yale Quartet kenne ich gar nicht, nicht einmal vom Namen.
Von wann ist denn diese Aufnahme, gibts die auch auf CD, wie ist die Interpretation?
?

Das Yale Quartett bestand nur relativ kurze Zeit (ca. 10 Jahre oder weniger?) in den 60ern und frühen 70ern. Ich weiß nicht genau, wieviele Aufnahmen sie überhaupt gemacht haben; jedenfalls die späten Beethoven-Quartette und noch etwas Mozart. Diese Einspielungen waren ursprgl. bei Vanguard erschienen, sie sind in dieser Reihe (mit recht knappen Beitexten) sehr preiswert wiederveröffentlicht worden:

http://images.amazon.com/images/P/B0000B1A6B.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V1116038565_.jpg

Ich habe die noch nicht so lange; sie spielen wesentlich klangschöner als das Juilliard Q., wohl aber nicht so kompromisslos expressiv.


Ist für Dich die Juilliard-Aufnahme die Referenz?

Meine Referenz (i.S. von Bezugspunkt) ist das Melos Q. (DG), denn damit habe ich das Stück kennengelernt. Daher finde ich z.B. die recht flotte und "trockene" Art mit der das Hagen-Q. die "maestoso" -Abschnitte spielt, etwas befremdlich. Melos und z.B. auch Yale bringen die sehr breit, klangmächtig. Ich muß einfach noch mehr Einspielungen häufiger hören, um mich von dieser "hörbiographischen" Prägung zu lösen.

viele Grüße

J. Bristow
Carola (20.08.2006, 11:04):
Opus 18 Nr. 3 in D-Dur, komponiert 1798/99, vier Sätze, Spieldauer circa 20 Minuten

Entgegen der Einordnung als Nr. 3 handelt es sich um das erste Streichquartett, dass Beethoven komponiert hat. Im Hinblick darauf hatte ich eigentlich erwartet, eher lockere, leicht zugängliche Musik vorzufinden. So kann man sich täuschen! Ich finde dieses Streichquartett arg sperrig, teilweise etwas langweilig - wie sagt man in diesen Fällen so schön - ich habe noch keinen "Zugang" gefunden.

Auch der Reclam-Musikführer Beethoven, der mir sonst gut gefällt, hat mich in diesem Fall im Stich gelassen bzw. trägt mit Formulierungen wie "die wiederholte, akzentuierte Synkopen-Stauung" oder "Sein d-Moll-Trio verschleiert seine chaconneartige Anlage über einem viertaktig absteigendem Baßthema durch hinzugefügte, viertaktige Achtel-Figurationen" auch nicht gerade zur Klärung bei.

Das Wenige, was ich von diesem Streichquartett verstanden und behalten habe, will ich aber gerne mitteilen.

Gleich zu Beginn des ersten Satzes spielt die 1. Geige eine aufsteigende Septime - das Kernmotiv des gesamten Satzes - gefolgt von einer Achtel-Kette, die das Ganze zum Hauptthema abrundet.. Nach einem "Zwischengedanken", den ich nicht zweifelsfrei verorten konnte, führt eine "sehr dichte, bewegte" Überleitung zum Seitensatz, der durch die bereits oben zitierte "Synkopen-Stauung" charakterisiert sein soll. Nach meinem Verständnis handelt es sich dabei um die Passage ab 1.23 (bei der Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts), ich bin aber keineswegs sicher. Zum weiteren Fortgang des Satzes vermag ich nicht mehr zu sagen, als dass der Durchführung die Reprise und dieser wiederum die Coda folgt, was Euch vermutlich nicht allzu sehr überraschen wird.

Der zweite Satz, ein "lyrisches Intermezzo in Liedform" mit einem "schlichten Hauptthema" klingt in meinen Ohren ein wenig langweilig. "Lyrisch" kann ich ihn nicht finden.

Auch der dritte und vierte Satz vermochten leider nicht mein Interesse zu erregen. Vielleicht können andere hier mehr dazu sagen.

So weit so kurz von Carola

PS. Nächste Station: Opus 59. 2
Zelenka (20.08.2006, 17:37):
Original von Carola

Auch der dritte und vierte Satz vermochten leider nicht mein Interesse zu erregen. Vielleicht können andere hier mehr dazu sagen.

Dabei soll der vierte Satz so witzig sein: "Haydnscher "Witz" ist allgegenwärtig - so wie dieses Finale, nach den drei vorangegangenen Sätzen, in sich ein musikalischer Witz ist." (Ludwig Finscher, Beiheft DG Complete Beethoven Edition vol. 11) Ich habe schon mehr gelacht.

Gruß,

Zelenka
Jack Bristow (20.08.2006, 19:14):
Original von Carola
Auch der dritte und vierte Satz vermochten leider nicht mein Interesse zu erregen. Vielleicht können andere hier mehr dazu sagen.


Das Finale ist doch ein ziemlich spritzig-mitreißender Satz (auch wenn ich die besondere Witzischkeit nach den ersten drei Sätzen nicht nachvollziehen kann). Poste dochmal die Spieldauern der ABQ-Aufnahmen, dann kann ich in Kopfsatz, Finale u. evtl. andante mal grobe Gliederungen und m.E spannende Stellen anhand ungefährer Laufzeiten posten (ich suche mit dann die meiner Aufnahmen die am nächsten an den ABQ-Gesamtdauern dran ist).
Ich kann aus dem Stand jetzt auch nicht viel sagen, nur dass ich dieses Quartett in Jahren nur selten gehört und weitgehend ignoriert habe. Als ich vor ein paar Wochen kurz nach Start diese threads alle op.18 praktisch auf einmal durchgehört habe, war ich sehr (positiv) überrascht, was vielleicht auch einfach an der Überraschung liegen kann, ein Stück, das man oberflächlich kannte, plötzlich erst richtig zu entdecken. Es wird vermutlich nicht meine Favoriten (1 und 6) des Opus ablösen, aber ich finde es inzwischen eines der interessantesten Werke, keineswegs ein "Mozart-Klon" oder sowas.
Ein wichtiges Stilelement scheinen mir im gesamten Stück Klangfarb- und Texturkontraste zu sein, hinter denen griffige motivische und melodische Gestalten eher zurücktreten.

viele Grüße

J Bristow
Carola (20.08.2006, 19:27):
Original von Jack Bristow

Poste dochmal die Spieldauern der ABQ-Aufnahmen, dann kann ich in Kopfsatz, Finale u. evtl. andante mal grobe Gliederungen und m.E spannende Stellen anhand ungefährer Laufzeiten posten (ich suche mit dann die meiner Aufnahmen die am nächsten an den ABQ-Gesamtdauern dran ist).

viele Grüße

J Bristow


Hier also die Zeiten von Op. 18.3 auf der Grundlage dieser Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9704084.jpg

1. Satz: Allegro - 7.40
2. Satz: Andante con moto - 7.53
3. Satz: Allegro -2.59
4. Satz: Presto - 6.32

Mit Gruß von Carola
Carola (27.08.2006, 12:28):
Opus 59 Nr. 2 in e-Moll , komponiert 1806, vier Sätze, Spieldauer circa 32 Minuten

Den Anfang des ersten Satzes wird man auch im Konzert schwerlich verpassen; zwei heftige Akkordschläge mit anschließender Generalpause sorgen für Aufmerksamkeit - direkt gefolgt vom auf- und absteigendem Hauptthema, das sich weiter fortspinnt, bis die bereits zu Beginn erklungenen Akkordschläge den Übergang zum Seitenthema markieren. Dieses recht freundliche Seitenthema wird aber schnell abgelöst durch eine sehr stark rhythmisch geprägte Passage. Die Exposition wird direkt anschließend wiederholt, ihr Beginn kündigt sich wieder durch die beiden Akkordschläge mit anschließender Generalpause an - ein wichtiges Strukturelement des ganzes Satzes, auch der Übergang zur Durchführung wird so markiert; ihr Höhepunkt ist unschwer zu erkennen an einem mächtigen, trillerndem ff-Unisono. Laut Notentext sollen auch Durchführung und Reprise wiederholt werden, das wird aber wohl in den wenigsten Aufnahmen gemacht, in meiner mit dem Alban-Berg-Quartett auch nicht.Der gesamte Satz ist aber auch ohne diese Wiederholungen recht beeindruckend. Reclam beschreibt ihn als licht- und freudlos, für mich steht eher seine wilde Heftigkeit und Herbheit im Vordergrund - die durchaus seinen Reiz hat.

Im starken Kontrast dazu steht der zweite Satz, ein ebenfalls in Sonatenform gefasstes, getragenes Andante. Es beginnt mit einem choralartigen, feierlich-gemessenen Hauptthema, dem nach einer Überleitung ein sehr deutlich abgesetztes, punktiertes Seitenthema folgt. Danach setzt als dritter Abschnitt der Exposition ein weiches, tirolisches Fließen ein, das ich sehr mag, vor allem auch, weil das Cello daran maßgeblich beteiligt ist. Auch Durchführung und Reprise des Satzes wahren seinen dahinströmend-sehnsuchtsvollen Charakter.

Der dritte Satz, der Form nach ein Scherzo, ohne dass es ausdrücklich so bezeichnet wird, macht einen sehr stark rhythmisch geprägten, tänzerischen Eindruck. Besonders gefällt mir, wie die einzelnen Stimmen gegeneinander gesetzt sind, das klingt beschwingt und kraftvoll, aber nicht so forciert munter, wie in manchen anderen Scherzos. Im Mittelteil, dem Trio, wird als Referenz an den Auftraggeber wieder eine russische Volksweise zum Ausgangspunkt genommen - um anschließend höchst kunstvoll verschlungen als Fuge durchgeführt zu werden.

Das abschließende Final-Rondo mit seinem mitreißend-temperamentvoll Hauptthema geht regelrecht in die Beine - man bekommt Lust zu tanzen bei dieser Musik! Reclam weißt auf die Verwandschaft dieses Themas zum Finale der 7. Sinfonie hin, die etwa gleichzeitig entstand. Das durch seine melodiöse Weichheit stark zum Hauptthema kontrastierende Seitenthema ist zwar sehr schön, bleibt aber Episode. Es dominiert der beschwingte Tanzrhythmus bis zum keineswegs bitteren Ende - dieser Satz macht richtig Spaß.

Und wie gefällt Euch dieses Streichquartett?

Mit Gruß von Carola

PS: Nächste Station ist Opus 131
Jack Bristow (27.08.2006, 13:54):
Original von Carola
Opus 59 Nr. 2 in e-Moll , komponiert 1806, vier Sätze, Spieldauer circa 32 Minuten

Den Anfang des ersten Satzes wird man auch im Konzert schwerlich
...

Laut Notentext sollen auch Durchführung und Reprise wiederholt werden, das wird aber wohl in den wenigsten Aufnahmen gemacht, in meiner mit dem Alban-Berg-Quartett auch nicht.


Ja leider. Ich kenne nur eine einzige Aufnahme, die diese Wdh. berücksichtigt: Melos Q. (DG), Emerson, Petersen, Juilliard alle nicht. Zu Plattenzeiten war es noch verständlich, aber heute gibt es eigentlich keine gute Entschuldigung. Beethoven schreibt die Wdh von Durchführung & Reprise so selten vor (und in op.59,1 fehlt sogar die der Expo), dass für micht klar ist, dass er es hier bewußt verlangte.
Der Kontrast dieses sehr dichten und kompakten Satzes nicht nur zum folgenden adagio, sondern auch zum Kopfsatz des F-Dur-Quartetts ist wirklich extrem. In diesen letzten in einem Opus zusammengenfaßten Quartetten scheint es Beethoven darauf anzukommen, auf keinen Fall den Eindruck einer "Serie" entstehen zu lassen.


Im starken Kontrast dazu steht der zweite Satz, ein ebenfalls in Sonatenform gefasstes, getragenes Andante. Es beginnt mit einem

Bei mir heißt es "molto adagio" mit dem wohl einmaligen Zusatz "Si tratta questo pezzo con molto di sentimento" vermutlich meint Beethoven mit "sehr gefühlvoll" etwa das, was er später manchmal auf deutsch "Innigkeit" nennt.


Im Mittelteil, dem Trio, wird als Referenz an den Auftraggeber wieder eine russische Volksweise zum Ausgangspunkt genommen - um anschließend höchst kunstvoll verschlungen als Fuge durchgeführt zu werden.


es könnte sein, dass auch der Hauptteil des allegretto (ähnlich wie das Finale) ein bißchen "slawischen" Charakter haben sollen. Das theme russe hier war übrigens eine Hymne auf den Zaren oder so was, kommt u.a. in Mussorgsky "Boris Godunow" und anderen Werkne russischer Komponisten vor.


Das abschließende Final-Rondo mit seinem mitreißend-temperamentvoll Hauptthema geht regelrecht in die Beine - man bekommt Lust zu tanzen bei dieser Musik! Reclam weißt auf die Verwandschaft dieses Themas zum Finale der 7. Sinfonie hin, die etwa gleichzeitig entstand.


etwa so gleichzeitig wie 1806 und 1812.... :J


Und wie gefällt Euch dieses Streichquartett?


Es war eines der ersten Beethoven-Quartette, die ich näher kennenlernte und ich meine, ich mochte es von Beginn an lieber als das sehr beliebte 59,3 (das auf derselben CD war). Inzwischen sind meine Favoriten unter den mittleren 59,1 und 95, aber ich schätze es immer noch sehr hoch. Es ist vielleicht das Quartett, was am stärkstem dem "heroischen" Beethovenbild, wie man es von der Appassionata oder der 5. Sinfonie (die sind tatsächlich etwa gleichzeitig) her kennt, entspricht. Es wäre wohl auch das Werk, dass ich dem Einsteiger als erstes Beethoven-Quartett nahelegen würde (u. 59,3). Der Kopfsatz ist etwas herb und dicht, aber eben auch sehr energisch und dramatisch, die anderen drei eigentlich sehr eingängig.

(Bzgl. op.18,3 bitte ich um Geduld, wenn ich heute nicht den Nerv dazu habe, werde ich mich erst in ca. 2 Wochen daran machen können, da ich zwischendurch nicht da bin)

viele Grüße

J Bristow
Carola (27.08.2006, 14:09):
Original von Jack Bristow


Im starken Kontrast dazu steht der zweite Satz, ein ebenfalls in Sonatenform gefasstes, getragenes Andante. Es beginnt mit einem

Bei mir heißt es "molto adagio" mit dem wohl einmaligen Zusatz "Si tratta questo pezzo con molto di sentimento" vermutlich meint Beethoven mit "sehr gefühlvoll" etwa das, was er später manchmal auf deutsch "Innigkeit" nennt.

Du hast völlig recht, es muss Adagio heißen, nicht Andante. So steht es auch bei mir, ich habe nur leider nicht richtig hingesehen...


Das abschließende Final-Rondo mit seinem mitreißend-temperamentvoll Hauptthema geht regelrecht in die Beine - man bekommt Lust zu tanzen bei dieser Musik! Reclam weißt auf die Verwandschaft dieses Themas zum Finale der 7. Sinfonie hin, die etwa gleichzeitig entstand.


etwa so gleichzeitig wie 1806 und 1812.... :J

Na, da hat Reclam mir ja einen schönen Bären aufgebunden! :J

(Bzgl. op.18,3 bitte ich um Geduld, wenn ich heute nicht den Nerv dazu habe, werde ich mich erst in ca. 2 Wochen daran machen können, da ich zwischendurch nicht da bin)

Kein Problem, wir haben ja Zeit.



Grüße zurück von Carola
Jack Bristow (27.08.2006, 19:47):
Ein wie ich finde einleuchtender Kommentar (der auch gut zu dem D-Dur-Quartett paßt) einer sehr kundigen und Beethovenquartettbegeisterten Person aus den GoogleGroups-Archiven:

As to which quartet to start with - I don't think it matters that much.
One thing to maybe note: Beethoven is fairly bent on original sounds
(you might not get all this from the Alban Berg, though). The early
and middle quartet finales are often great examples; many of them sound
a bit "weird" to this day. If you don't find those movements
comfortable sounding, you shouldn't be thrown off (probably), but might
want to look for another performance.

it's perhaps best to not expect anything overtly
symphony-like in the quartets. The emphasis in the quartets is largely
not in overall argument, so to say, and there's much less overt drama
and visceral impact of the hefty sort compared to, say, the 3-5-7-9
symphony sequence.

The visceral impact can actually be very strong in these quartets, but
for me it comes from small-scale events and it does require, perhaps,
somewhat close listening - for example, the visceral beauty is very
often in the interplay of the voices and the timbres. Beethoven's
writing is extremely subtle in this area. (Something like the Heiliger
Dankgesang is a good example.)


(http://tinyurl.com/elqom)
Carola (28.08.2006, 20:13):
Dass ist ein interessanter Text, vielen Dank. Als ich ihn las, fiel mir eine Bemerkung von Maarten`t Hart zu Beethoven ein, die er in seinem Buch "Mozart und ich" macht. Dort schreibt er, Beethoven "schüttele einen, als wäre man ein junger Hund, der zur Ordnung gerufen werden muss." Er bezieht sich dabei vor allem auf die Sinfonien, die ihm zu eruptiv, zu ruppig und wüst sind, weshalb er Mozart vorziehe..

Ich kann das ansatzweise nachvollziehen, gerade bei den Sinfonien habe auch ich bei Beethoven manchmal das Gefühl, als würden mir die Töne und Klänge nur so um die Ohren gehauen. Und genau dieses Problem habe ich bei den Streichquartetten eben nicht. Hier höre ich Beethoven auf zwar nicht kleinstem aber doch kleinerem Raum und das hochkonzentriert und auf höchstem Niveau.

Aber wenn ich den englischen Beitrag oben richtig verstanden habe, kann genau dieses im Vergleich zu den Sinfonien subtilere, nicht ganz so spektakuläre und überwältigende für manche zum Problem werden. Bei mir ist es genau umgekehrt.

Mit Gruß von Carola
Cosima (31.08.2006, 16:44):
Falls jemand Angst vor Expressivität hat und es lieber hausbacken, dröge und bieder mag, dem sei diese Gesamt-Aufnahme des Suske-Quartetts ans Herz gelegt. Ich habe einmal versucht, alle 16 Quartette nacheinander zu hören. Ein wirklicher Fehler…

http://www.wom.de/image/cover/front/0/5496141.jpg

Gruß, Cosima
Ganong (01.09.2006, 19:19):
Lieber ab ,

Es soll nicht langweilen :

1. die frühe Aufnahme des Juilliard String Q. , dann die
2. späten Mitschnitte ( in anderer Besetzung ! ) .


Viele Grüsse ,

Frank
sterniwaf (10.07.2008, 09:26):
Schade, das es hier nicht weiter geht. Ich höre die Streichquartette des Alban Berg Quartetts mit Begeisterung und lese dazu "Beethoven, Interpretationen seiner Werke", herausgegeben von Riethmüller,Dahlhaus, Ringer im Laaber-Verlag.
Dadurch wird das Mysterium Beethoven für mich noch mehr vertieft, ich verstehe fast noch gar nichts, aber es ist herrlich, sich die Musik aufschlüsseln zu lassen. Vielen Dank an den Themenersteller/in, durch ihn/sie habe ich mir die Alban Berg Sammlung zugelegt.
Carola (10.07.2008, 10:27):
Original von sterniwaf
Schade, das es hier nicht weiter geht.


Lieber sterniwaf,

im Prinzip hindert uns ja nichts daran, hier weiter zu machen....

Das von Dir erwähnte Buch kenne ich leider nicht, besitze aber dafür inzwischen die Partitur der Quartette und dann noch dieses vorzügliche Buch von Gerd Indorf

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783793094913.jpg

Ich bin allerdings im Moment zu stark mit anderem beschäftigt, als dass ich mich wirklich reinhängen könnte. Aber wenn auch andere sich interessieren und engagieren, bin ich gerne bereit, mein Scherflein beizutragen.

Gruß, Carola

PS. Gibt es denn schon so etwas wie ein Lieblingsquartett bei Dir? Bei mir ist es im Moment op. 74, das "Harfen-Quartett" ohne Harfe. :D
Amadé (10.07.2008, 12:43):
Soeben lese ich, dass es hier weitergeht möge. Auch ich liebe die Quartette alle, besonders jedoch op.59 NR.2, dem habe ich in meiner homepage auch eine Seite gewidmet, 28 Aufnahmen stehen dort im Vergleich, inzwischen liegen noch drei andere im Regal.
Jack Bristows Einwurf, die Wiederholung der Durchführung und Reprise des 1.Satzes wird meist weggelassen, ist berechtigt. Nach meinen Beobachtungen wird sie gespielt vom: Cleveland Quartett, Gewandhaus Quartett, Auryn Quartett, Melos Quartett, Takasc Quartett, Borodin Quartett sowie die letzte Aufnahme (82) des Juilliard Quartett.

Als nächstes möchte ich mich dem f-moll Quartett op.95 widmen. Die Interpretationsauffassungen liegen da besonders weit auseinander.

Grüße Amadé
EinTon (10.07.2008, 20:24):
Von den Quartetten, die ich kenne mag ich das op. 59/1 am liebsten - möglicherweise bin ich da aber auch "beeinflußt" dadurch, dass ich Cello gelernt habe... :)
Andererseits ist mein Lieblingssatz der langsame, und der ist ohne spektakuläre Cellostellen.

Unabhängig davon gefällt mir die weitausholende Struktur der einzelnen Sätze sehr gut, zB der 1. Satz mit seiner riesigen Durchführung (dieses Detail erinnert an die "Eroica", 1. Satz, hat aber kein drittes Thema sondern ein Fugato eingebaut), und das intellektuell sehr durchdachte Stimmengeflecht.

Ich habe die Aufnahme vom Budapest String Quartet und vom Tokyo String Quartet (mittlere Streichquartette Gesamtaufnahme) - letztere ist sehr schön feingesponnen, mitunter (für meinen Geschmack) aber auch etwas blutleer interpretiert.
Carola (10.07.2008, 22:14):
Original von Amadé

Als nächstes möchte ich mich dem f-moll Quartett op.95 widmen. Die Interpretationsauffassungen liegen da besonders weit auseinander.

Grüße Amadé

Lieber Amade,

eine interessante Homepage hast Du da - ich bin beeindruckt. Spräche denn irgend etwas dagegen, Deine Einschätzung der op. 95-Aufnahmen auch hier einzustellen? Ich könnte dann vielleicht ein wenig über die Struktur des Werks schreiben, soweit das meine Kenntnisse zulassen. An Aufnahmen habe ich nicht viel, Alban-Berg- und Gewandhaus-Quartett. Mehr möchte ich aber auch erst einmal nicht.

Gruß, Carola
Sarastro (10.07.2008, 22:27):
Schön, daß der Faden zu den Beethoven-Streichquartetten nach längerer Pause wiederaufgenommen und weitergesponnen worden ist!
Von den bis jetzt hier besprochenen Werken liebe ich besonders op. 59, Nr. 1 und 2 sowie op. 127.
Es ist aufschlußreich - wenn ich das hier ergänzend nachtragen darf -, die Rezeption dieser Werke durch die Zeitgenossen zu betrachten: Für die herrliche Musik der Razumovsky-Quartette (also op. 59) brachte man damals wenig Verständnis auf. "Schade um das Geld", "das hier ist keine Musik", "Flickwerk eines Wahnsinnigen" hieß es da. Die Spieler des Schuppanzigh-Quartetts glaubten beim Einüben des F-Dur-Quartetts (op. 59 Nr. 1), daß Beethoven sich einen Scherz erlaubt hatte und das gar nicht das bestellte Stück war!
(Angaben nach Siegmar Keil im Booklet der CD mit dem Budapest String Quartet: )

http://ecx.images-amazon.com/images/I/411KFAR16TL._SL500_AA240_.jpg

Auch das Es-Dur-Quartett op. 127 stieß zumindest anfänglich nicht gerade auf breites Verständnis, was aber anscheinend nicht zuletzt an der überstürzten Einstudierung (wiederum durch Schuppanzigh) lag: "Man müßte es mehrmals hören" sagten die Kritiker, denen man diese reservierte Haltung eigentlich nicht verübeln kann ...
(Interessante Angaben zur Rezeptionsgeschichte - darunter obiges Zitat der Kritiker - finden sich im Booklet der Box des LaSalle-Quartetts mit den späten Streichquartetten):

http://i23.ebayimg.com/05/i/000/ef/86/f31f_2.JPG

Grüße,
Sarastro
Carola (10.07.2008, 22:27):
Original von EinTon

Andererseits ist mein Lieblingssatz der langsame, und der ist ohne spektakuläre Cellostellen.



Lieber EinTon,

das ist auch mein Lieblingssatz bei op. 59/1. Allerdings habe ich ohnehin bei fast allen Streichquartetten eine Vorliebe für die langsamen Sätze.

Gruß, Carola
EinTon (10.07.2008, 22:42):
Original von Carola
Allerdings habe ich ohnehin bei fast allen Streichquartetten eine Vorliebe für die langsamen Sätze.

Gruß, Carola

Schmalzlocke! :wink

Aber Spass bei beiseite, ich kann das definitiv nicht sagen, umso weniger, als meine Lieblingsstreichquartette (neben einigen von Beethoven) die späten Bartoks sind, und die sind ganz schön hardcore!
Sarastro (10.07.2008, 22:55):
Original von Carola
Allerdings habe ich ohnehin bei fast allen Streichquartetten eine Vorliebe für die langsamen Sätze.

Gruß, Carola

Liebe Carola,
heißt das also, die langsamen Sätze gefallen Dir im allgemeinen besser als die schnellen? Ich kann es teilweise nachempfinden, an sich kommt es bei mir aber schon auf den Einzelfall an. Stark beeindruckt mich z.B. - um bei den bisher im Mittelpunkt dieses Fadens stehenden Quartetten zu bleiben - der langsame Satz im e-moll-Quartett op. 59 Nr. 2, aber auch in op. 127 (bei op. 59 Nr. 1 habe ich im Augenblick nur die schnellen Sätze in Erinnerung ...).

Herzliche Grüße,
Sarastro
Carola (10.07.2008, 23:56):
Lieber EinTon und lieber Sarastro,

die Schmalzlocke weise ich natürlich aufs Schärfste zurück! :P

Aber gerade bei Beethoven habe ich manchmal Probleme mit dem Ruppigen, den teilweise extrem starken Kontrasten in der Dynamik und so etwas - das geht mir zu sehr an die (strapazierten) Nerven. Was natürlich über die Qualität rein gar nichts aussagt sondern lediglich über mich. Außerdem bemühe ich mich tapfer, mich auch in die anderen Sätze einzuhören. Sobald eine Fuge dabei ist, geht´s mir auch wieder gut.

Zu Bartoks Streichquartetten sag ich mal besser nix...

Gruß, Carola
sterniwaf (11.07.2008, 08:38):
Hallo Carola,
herrlich, das es noch mehr Fans der Streichquartette gibt :engel. Meine Frau fühlt sich auch nur genervt, wenn ich diese Musik höre. Aber ich kann mich dabei total entspannen, mein Kopf saugt förmlich die Musik auf, bin völlig auf die Musik fixiert.
So langsam komme ich auch dahinter, warum. Die einzelnen Sätze sind so voll von Musik. Man hat gerade ein Thema erkannt, hat aber keine Zeit, sich darüber zu freuen, denn da kommt schon das nächste Motiv einfach rein gedonnert, wird fröhlich von einem anderen Instrument aufgenommen und variiert, aber da ist dann plötzlich das Ausgangsthema wieder da usw.. Seeeehr heftig, nie langweilig, Ohren und Kopf kommen kaum nach mit hören und aufnehmen. Geschweige denn verstehen, aber dabei hilft mir jetzt etwas das Buch. Es zeigt mir die Strukturen auf, die Beethoven angewandt hat. Zur Zeit höre ich einfach ein Quartett und lese einfach dazu passend, was der Autor darüber geschrieben hat.
Bis jetzt habe ich noch kein Lieblingsquartett, ich liebe sie alle.
Einzelne Sätze höre ich mir auch nicht an, entweder das ganze Quartett oder gar nicht.
Amadé (11.07.2008, 11:43):
@ Carola

Vielleicht solltest Du auch mal die frühen Quartette aus op.18 hören, etwa Nr.5 A-dur, Nr.2 G-dur oder Nr.1 F-dur, da ist auch herrliche Musik drin, die weniger kompliziert gearbeitet ist als in den mittleren und späten Quartetten. Ich empfehle da die frühe Juilliard-Einspielung.

Grüße Amadé
Carola (11.07.2008, 15:03):
@ Amadé,

mit den 6 Quartetten aus Op. 18 habe ich mich bereits vor einer Weile recht intensiv beschäftigt, mit denen aus Op. 59 und mit dem "Harfenquartett" ebenfalls. So dass für mich Op. 95 als nächstes Quartett das Nächstliegende ist.

Ansonsten sollte sich in diesem Faden natürlich niemand gehindert fühlen, zu welchem der Streichquartette und zu welchem Zeitpunkt auch immer etwas zu schreiben. Es sei denn, wir entschließen uns, zu jedem der Quartette einen eigenen Faden einzufädeln Aber das scheint mir im Moment jedenfalls noch eine Nummer zu groß zu sein - oder?

Wie auch immer, ich werde schon mal anfangen, in Op. 95 ein wenig hinein zu hören, soweit es die Schreiberei zulässt.

Gruß, Carola
sterniwaf (12.07.2008, 07:13):
Op.95 ist heftig. Ich zitiere mal aus dem Buch :
"In Op.95 herrscht eine äußerste, selbst bei Beethoven seltene Konzentration des musikalischen Ausdrucks, es dominiert eine brüske Vermittlungslosigkeit in der Herbeiführung von Kontrastfeldern, so dass die Konventionen der Form streckenweise nur mehr eine Hintergrundsfolie darstellen für eine ungestüme Expression des kompositorischen Subjekts." Autor Hermann Danuser.
Im ersten Satz wird man fast von der Dynamik überrollt, die nur scheinbar im zweiten Satz gebremst wird. Im dritten Satz, der sich nahtlos anschließt mal mit einem erkennbaren Thema beginnt, wird dieses dazu benutzt, die Dramatik noch auszudehnen. Im vierten Satz baut Beethoven wieder ein neues Thema ein, um es mit den Mitteln aus den ersten Sätzen zu variieren und ich sag mal, zu vervielfältigen. Wie seht ihr die Rolle des Cello in dem Quartett? Es wirkt für mich ein bisschen beruhigend, zurücknehmend. Die Akzente werden mit den Violinen gesetzt.
Carola (12.07.2008, 10:11):
Die Heftigkeit oder jedenfalls der Ernst von Op. 95 war Beethoven offenbar auch selbst klar, er hatte es nämlich ursprünglich mit "Quartetto serioso" überschrieben. Außerdem liegen zwischen Komposition (erste Skizzen 1810) und Veröffentlichung (1816) immerhin sechs Jahre. Noch kurz vor der Veröffentlichung schrieb er in einem Brief, das Werk sei "für einen kleinen Kreis von Kennern" geschrieben und solle "niemals öffentlich aufgeführt" werden. (Gerd Indorf, Beethovens Streichquartette S. 328 f).

Beethovens Zurückhaltung könnte allerdings auch damit zusammen hängen, dass schon die drei Quartette aus 0p. 59, aber auch das "Harfenquartett", op. 74, nicht sehr freundlich aufgenommen wurden - um es vorsichtig zu sagen; Sarastro hatte ja für Op. 59 schon auf die allgemeine Ablehnung der Zeitgenossen hingewiesen. Beethoven dürfte klar gewesen sein, dass dieses Werk erst recht auf Unverständnis stoßen würde.

Allgemein wird der düstere Grundton von Op. 95 mit einem abgewiesenen Heiratsantrag in Verbindung gebracht. Darüber hinaus gibt es aus der Entstehungszeit des Quartetts briefliche Äußerungen allgemeiner Art, in denen sich die tiefe Verzweiflung und Einsamkeit Beethovens ausdrückt.

Ich habe mir gestern den wirklich rabiaten und übrigens auch erstaunlich kurzen 1. Satz mehrmals angehört - sehr bewegend.

Soweit für´s Erste von Carola
Sarastro (12.07.2008, 10:54):
Ich habe mir dieses „Quartetto serioso“ eben - nach längerer Zeit wieder einmal - angehört (mit dem Brandis Quartett). Die straffe Konzentration und relative Kürze dieses Quartetts mit seiner pausenlosen hektischen, fast fieberhaften Unruhe ist gewiß sehr bemerkenswert; damit wirklich warm zu werden, fällt mir aber zugegebenermaßen schwer (ganz im Gegensatz z.B. zu den Razumovsky-Quartetten oder, pauschal gesprochen, den ganz späten Quartetten). Was aber kein Werturteil sein soll, sondern nur mein persönliches Empfinden wiedergibt.
Ob und wieweit die Cellostimme beruhigend wirkt, kann ich nur vom Hören ohne Mitlesen in einer Partitur (die ich nicht habe) schlecht sagen, habe dieses Gefühl aber insgesamt eher nicht.

Schöne Grüße,
Sarastro
Carola (12.07.2008, 12:37):
Original von Sarastro

Ob und wieweit die Cellostimme beruhigend wirkt, kann ich nur vom Hören ohne Mitlesen in einer Partitur (die ich nicht habe) schlecht sagen, habe dieses Gefühl aber insgesamt eher nicht.

Schöne Grüße,
Sarastro

Auf den 1. Satz bezogen, kann ich auch beim Blick in die Partitur keine beruhigende Wirkung des Cellos feststellen. Eher finde ich, dass die 1. Violine ab und an mit einem weichen Klagemotiv (Indorf) etwas heilsame Beruhigung und Wärme in den Satz bringt. Man hört es zum ersten Mal ab Takt 6, also relativ früh. Danach taucht es noch mehrmals auf, zum Ende des Satzes (Coda) ist es aber nicht mehr zu hören, da geht es dann wirklich recht trostlos zu.

Gruß, Carola
sterniwaf (13.07.2008, 07:53):
Hallo Carola
Lesen und hören macht Spass, gelle?
Auch in meinem Buch wird auf mögliche Zusammenhänge mit Begebenheiten aus dem Leben Beethovens hingewiesen, aber es werden kaum Rückschlüsse auf die Musik vorgenommen, sondern nur die Konstruktion der Kompositionen untersucht, was ich sehr gut finde. Nur die Noten stehen im Vordergrund.
Jetzt mal was persönliches zu den Quartetten:
Ich brauche absolute Ruhe, um mich ganz auf sie einlassen zu können.
Ich kann mich nicht "überhören", was bei z.B. den Klavierkonzerten absolut eine Gefahr ist. Da muss ich dosiert herangehen, ich will sie auch noch in zwanzig Jahren mit Genuss hören.
Carola (13.07.2008, 09:28):
Original von sterniwaf
Hallo Carola
Lesen und hören macht Spass, gelle?
Auch in meinem Buch wird auf mögliche Zusammenhänge mit Begebenheiten aus dem Leben Beethovens hingewiesen, aber es werden kaum Rückschlüsse auf die Musik vorgenommen, sondern nur die Konstruktion der Kompositionen untersucht, was ich sehr gut finde. Nur die Noten stehen im Vordergrund.
Jetzt mal was persönliches zu den Quartetten:
Ich brauche absolute Ruhe, um mich ganz auf sie einlassen zu können.
Ich kann mich nicht "überhören", was bei z.B. den Klavierkonzerten absolut eine Gefahr ist. Da muss ich dosiert herangehen, ich will sie auch noch in zwanzig Jahren mit Genuss hören.

Hallo sterniwaf

in der Tat, lesen und hören macht Spaß!

Ich denke wie Du, die Musik sollte erst einmal für sich selbst stehen und nicht vorschnell mit biographischen Ereignissen rückgekoppelt werden. Andererseits: Ganz voneinander trennen können wird man es gerade in diesem Fall wohl auch nicht. Der Schmerz in Op. 95 ist ja unüberhörbar.

Auch ich kann diese Streichquartette nur sehr dosiert hören, nebenbei geht es gar nicht. Nicht zufällig bin ich jetzt seit zwei Jahren mit den Quartetten beschäftigt und kenne sie immer noch nicht alle. Es gibt auch Zeiten, in denen ich diese Musik nicht gut haben kann, weil sie mir zu aufwühlend und zu radikal ist. Wenn ich dann nach längerer Pause aber wieder auf sie zurückkomme, ist es immer sehr anregend und spannend.

Gruß, Carola
sterniwaf (13.07.2008, 17:37):
Original von Carola
Original von sterniwaf
Hallo Carola
Lesen und hören macht Spass, gelle?
Auch in meinem Buch wird auf mögliche Zusammenhänge mit Begebenheiten aus dem Leben Beethovens hingewiesen, aber es werden kaum Rückschlüsse auf die Musik vorgenommen, sondern nur die Konstruktion der Kompositionen untersucht, was ich sehr gut finde. Nur die Noten stehen im Vordergrund.
Jetzt mal was persönliches zu den Quartetten:
Ich brauche absolute Ruhe, um mich ganz auf sie einlassen zu können.
Ich kann mich nicht "überhören", was bei z.B. den Klavierkonzerten absolut eine Gefahr ist. Da muss ich dosiert herangehen, ich will sie auch noch in zwanzig Jahren mit Genuss hören.

Hallo sterniwaf

in der Tat, lesen und hören macht Spaß!

Ich denke wie Du, die Musik sollte erst einmal für sich selbst stehen und nicht vorschnell mit biographischen Ereignissen rückgekoppelt werden. Andererseits: Ganz voneinander trennen können wird man es gerade in diesem Fall wohl auch nicht. Der Schmerz in Op. 95 ist ja unüberhörbar.

Auch ich kann diese Streichquartette nur sehr dosiert hören, nebenbei geht es gar nicht. Nicht zufällig bin ich jetzt seit zwei Jahren mit den Quartetten beschäftigt und kenne sie immer noch nicht alle. Es gibt auch Zeiten, in denen ich diese Musik nicht gut haben kann, weil sie mir zu aufwühlend und zu radikal ist. Wenn ich dann nach längerer Pause aber wieder auf sie zurückkomme, ist es immer sehr anregend und spannend.

Gruß, Carola
Radikal ist ein sehr drastischer, aber passender Ausdruck.
nikolaus (13.07.2008, 20:39):
Da ich zu faul zum Selber-Nachschauen bin, mal eine doofe Frage (ich komme mit den Nummerierungen/Opuszahlen ständig durcheinander):

Welches ist denn das Streichquartett No. 14?

Seit ich neulich eine Choreographie von William Forsythe für das damalige Frankfurter Ballett gesehen habe, suche ich eine (natürlich gute (Empfehlungen?)) Aufnahme dieses Quartetts. Nach längerem Suchen konnte ich wenigsten die Nummer, aber keine Opuszahl finden.

Danke, Nikolaus.
Sarastro (13.07.2008, 21:00):
Hallo Nikolaus,
das 14. Streichquartett ist op. 131 in cis-Moll.

Herzliche Grüße,
Sarastro
Carola (13.07.2008, 21:02):
Original von nikolaus
Da ich zu faul zum Selber-Nachschauen bin, mal eine doofe Frage (ich komme mit den Nummerierungen/Opuszahlen ständig durcheinander):

Welches ist denn das Streichquartett No. 14?

Nach längerem Suchen konnte ich wenigsten die Nummer, aber keine Opuszahl finden.

Danke, Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

schon mal was von Wikipedia gehört? Dort einfach mal den Namen Beethoven eingeben und dann unten im Werkverzeichnis bei den Streichquartetten nachgucken? :haha

Gruß, Carola
Gamaheh (13.07.2008, 21:05):
Original von nikolaus
Da ich zu faul zum Selber-Nachschauen bin, mal eine doofe Frage (ich komme mit den Nummerierungen/Opuszahlen ständig durcheinander):

Welches ist denn das Streichquartett No. 14?

Seit ich neulich eine Choreographie von William Forsythe für das damalige Frankfurter Ballett gesehen habe, suche ich eine (natürlich gute (Empfehlungen?)) Aufnahme dieses Quartetts. Nach längerem Suchen konnte ich wenigsten die Nummer, aber keine Opuszahl finden.

Danke, Nikolaus.
Hallo Nikolaus,

ich habe gerade mal nachgesehen: es ist op.131, das ist das mit den ganzen Siebenen: 14 = 2 x 7, das Quartett hat sieben Sätze, und der mittlere Satz hat sieben Teile. Schade, daß sich 131 nicht durch 7 teilen läßt, aber das läßt sich wohl nicht einrichten ...

Ich habe eine Aufnahme mit dem Juillliard (in der Mitte sollen zwei "l" sein, aber ich kann es nicht erkennen) String Quartet (auf Schallplatten), die mir gut gefällt (soweit mir ausgerechnet Streichquartette überhaupt gut gefallen, da bin ich nun wirklich keine Expertin - warte lieber auf die Empfehlung von jemand anderem!).

Grüße,
Gamaheh

Oh - da haben wir alle gleichzeitig geschrieben! (Und ich war mal wieder die letzte!)
Sarastro (13.07.2008, 21:43):
Harfenquartett op. 74


Original von Carola
(...) besitze aber dafür inzwischen die Partitur der Quartette und dann noch dieses vorzügliche Buch von Gerd Indorf

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783793094913.jpg

PS. Gibt es denn schon so etwas wie ein Lieblingsquartett bei Dir sterniwaf] ? Bei mir ist es im Moment op. 74, das "Harfen-Quartett" ohne Harfe. :D

Liebe Carola,
es wäre interessant zu erfahren, was Dein Buch (das ich mir bei Gelegenheit zulegen sollte) über das Harfenquartett sagt. Ich frage deshalb, weil A. Einstein in seinem anregenden Büchlein Größe in der Musik, 1980 (deutsche Erstausgabe 1949), 91 Cherubinis Quartette mit denen Beethovens vergleicht und dazu bemerkt:
"Während man nur bei einem der 17 Quartette Beethovens - dem Quartett op. 74 - sich vielleicht heimlich und ängstlich eingestehen möchte: was für ein schwacher Beethoven! Dies ist der Unterschied." ( nämlich - nach Meinung Einsteins - zu den Cherubiniquartetten, bei denen eines von von allen sechs wahre Meisterschaft verraten soll).
Ich bin übrigens gespannt, wann es in der bekannten Reihe "Wissen" des Beck Verlags ein Bändchen über Beethovens Streichquartette geben wird (Haydn und Mozart sind schon vorhanden).
Ich habe mir Einsteins hartes Urteil über das "Harfenquartett" nicht zu eigen gemacht, habe aber schon den Eindruck, daß op. 74 nicht unbedingt zu den Spitzenwerken unter Beethovens Streichquartetten zählt (persönlich bevorzuge ich, von den Rasumowski- und den "letzten" Quartetten natürlich abgesehen, op. 18 Nr. 1 und 5).

Herzliche Grüße,
Sarastro
nikolaus (13.07.2008, 22:17):
Besten Dank!

Was brauche ich Wikipedia, wenn ich Euch habe?!! :wink

Nikolaus.
EinTon (14.07.2008, 00:20):
Carola (14.07.2008, 10:41):
Original von Sarastro
Harfenquartett op. 74


Original von Carola
(...) besitze aber dafür inzwischen die Partitur der Quartette und dann noch dieses vorzügliche Buch von Gerd Indorf

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783793094913.jpg



Liebe Carola,
es wäre interessant zu erfahren, was Dein Buch (das ich mir bei Gelegenheit zulegen sollte) über das Harfenquartett sagt.

Herzliche Grüße,
Sarastro


Lieber Sarastro,

nach meinem Eindruck laviert Indorf in seiner Einschätzung von op. 74 ein wenig herum. Einerseits wendet er sich ausdrücklich gegen eine Abwertung des Quartetts als bloß gefällig oder problemlos, andererseits räumt aber auch er ein, dass das Werk "strukturell wesentlich einfacher gestaltet" sei als die vorangegangenen Werke (S. 309) und vermutet, dass Beethoven nach seinen zwischenzeitlichen Erfolgen mit diversen Orchesterkompositionen nun auch für seine Kammermusik ein größeres Publikum finden wollte. Indorf spricht von "Kantabilität und Klangreiz", um das Harfenquartett zu charakterisieren. Es sei Beethoven hier weniger um die motivische Arbeit als um das Experimentieren mit Klangflächen gegangen.

Auch dieses Werk wurde von der zeitgenössischen Kritik jedoch als düster und verworren empfunden, was für uns heute nun wirklich schwer nachvollziehbar ist. Indorf bemerkt denn auch, dass Beethovens anschließendes f-Moll-Quartett wie eine "trotzige Antwort" auf diese Kritik wirke, in der er gezeigt habe, zu welch "düsterem Geist" und "harten Dissonanzen" er tatsächlich fähig sei (S. 326).

Falls Beethoven mit op. 74 tatsächlich so etwas wie eine Anbiederung an das Publikum verbunden haben sollte, muss ich zugeben: Bei mir hat es funktioniert. :D

Gruß, Carola
Tranquillo (16.07.2008, 21:13):
Original von Carola
Allgemein wird der düstere Grundton von Op. 95 mit einem abgewiesenen Heiratsantrag in Verbindung gebracht. Darüber hinaus gibt es aus der Entstehungszeit des Quartetts briefliche Äußerungen allgemeiner Art, in denen sich die tiefe Verzweiflung und Einsamkeit Beethovens ausdrückt.

Ich habe mir gestern den wirklich rabiaten und übrigens auch erstaunlich kurzen 1. Satz mehrmals angehört - sehr bewegend.
Am bewegendsten ist für mich der zweite Satz von op. 95 - gerade auch im Kontrast zum schroffen ersten Satz. Es ist einer der bewegendsten langsamen Sätze, die ich überhaupt kenne.

Nach einem eher harmlos klingenden einleitenden Cellosolo, das im wesentlichen aus einer absteigenden Tonleiter besteht, entwickelt sich ein berückender Gesang, der in seiner Schönheit und Innigkeit nicht von dieser Welt zu sein scheint und der nur durch die merkwürdig fahlen, einzelnen unbegleiteten Noten der Bratsche unterbrochen wird. Und dann setzt in der Bratsche ein abgrundtief melancholisches, resigniert wirkendes Fugenthema ein. Zweite Violine, Cello und (mit sforzato auf dem höchsten Ton des Themas) erste Violine folgen. Gleich danach gibt es eine Art Engführung mit dem verkürzten Thema in gleicher Reihenfolge (Bratsche, zweite Violine, Cello, erste Violine), danach nimmt das Cello das Motiv der Einleitung wieder auf, diesmal aber harmonisch sehr ausdrucksvoll begleitet. Plötzlich setzt in der ersten Violine eine unruhige Sechzehntelbewegung ein, die den weiteren Fugensatz bestimmen wird. Wieder wandert das Thema durch alle Stimmen (Bratsche, zweite Violine, Cello, erste Violine). Danach spielt die Bratsche zweimal die Umkehrung (!) des Themas, unmittelbar vom Originalthema im Cello beantwortet und in den Violinen von Sechzehntelbewegungen begleitet. Der Satz strebt auf einen gewaltigen Höhepunkt zu, der aber resigniert in sich zusammenfällt. Danach setzt das Cello - als sei überhaupt nichts gewesen - wieder mit seinem Solo ein, und wieder entfaltet sich dieser berückende Gesang (nun noch dadurch gesteigert, dass die erste Violine eine Oktave höher spielt als beim ersten Mal). Auch das Fugenthema wird wieder aufgenommen, wandert in der bekannten Reihenfolge (Bratsche, zweite Violine, Cello, erste Violine) durch alle Stimmen und wird sozusagen in den Gesang eingewoben.

Es lohnt sich hier wirklich, genau zuzuhören - das ist allerhöchste kompositorische Meisterschaft.

Viele Grüsse
Andreas
sterniwaf (19.07.2008, 08:08):
Super Beschreibung. danke schön.
Partituren zu lesen, Noten zu büffeln ist nicht meine Welt. Ich versuche, Beethovens Kompositionen nur durch hören und lesen zu entschlüsseln und dabei war mir dein Hinweis auf das Fugenthema sehr hilfreich.
Sarastro (19.07.2008, 11:17):
Ich habe mir op. 95 gestern Abend in einer ruhigen Stunde sehr konzentriert angehört und meine Vorbehalte abgebaut. Vielleicht war ich jetzt auch einfach dafür besser aufnahmefähig und empfänglich, jedenfalls ist mir die Größe dieses Werks viel stärker zu Bewußtsein gekommen als bisher (ich muß Dir, Tranquillo, leicht zerknirscht vollkommen recht geben, wenn Du von "allerhöchster kompositorischer Meisterschaft" sprichst!).
Mir ist erst kürzlich aufgefallen, daß die Partitur dieses Quartetts und aller anderen Beethovenquartette wieder im Netz verfügbar ist (beim Googeln über "Beethoven string quartets scores" leicht zu finden).
Das erleichtert mir die Würdigung dieser Werke - ich empfinde es schon als ausgesprochenes ästhetisches Vergnügen, die ausgefeilten Stimmführungen zu betrachten.

Es grüßt euch ein reuiger, bekehrter
Sarastro
Cosima (17.08.2008, 11:39):
Ich überlege, mir eine GA der Streichquartette zuzulegen, um mich endlich einmal intensiver mit diesen Werken zu beschäftigen. Ich glaube nämlich, dass meine Aufnahme des Suske-Quartetts nicht das Nonplusultra darstellt und ich deshalb bislang einfach keinen Zugang finden konnte. (Einzelaufnahmen habe ich ansonsten nur noch mit dem Takács Quartet, die mir schon besser gefallen.) In der aktuellen FF sind nun passend zum Thema zehn Gesamteinspielungen verglichen worden. Aufgrund der Beschreibung tendiere ich zum Budapest String Quartet (1950/51, United Archives). Die Aufnahme wurde hier zwar schon genannt, aber es wurde noch nichts darüber gesagt. Wie sind Eure Eindrücke? Steht hier tatsächlich „der expressive Ton ganz im Dienste einer sorgfältigen, detailgenauen Exegese der Partituren“? (Wobei das natürlich schwer zu beurteilen ist - mir geht es vor allem darum, eine "expressive" Interpretation zu hören, denn die Suskes kamen mir doch recht fade vor.) Und würdet Ihr auch von einem „vollen, edlen“ Klang sprechen, der sich aber nicht in „streicherischer Opulenz“ verliert?

Gruß, Cosima
Tranquillo (17.08.2008, 13:07):
Original von Cosima
In der aktuellen FF sind nun passend zum Thema zehn Gesamteinspielungen verglichen worden. Aufgrund der Beschreibung tendiere ich zum Budapest String Quartet (1950/51, United Archives). Die Aufnahme wurde hier zwar schon genannt, aber es wurde noch nichts darüber gesagt.
Hallo Cosima,

Beethovens Streichquartette stellen hohe Anforderungen an den Hörer, sie erschliessen sich nicht so leicht. Das ist unabhängig von der Aufnahme, die man hört. Ich habe mir vor einiger Zeit eine preisgünstige Partitur aller Quartette besorgt und erst dann - beim wiederholten Hören mit der Partitur - ansatzweise begonnen zu verstehen, was da alles passiert.

Bei der Auswahl der Aufnahme stellt sich die Frage, was man hören will - Beethoven oder einen bestimmten "Sound" und ein bestimmtes Konzept. Bei einigen Aufnahmen wird den Quartetten ein bestimmtes Konzept, ein Interpretationsstil übergestülpt, um sich als Ensemble durch Originalität von der Konkurrenz abzuheben - Beethoven bleibt dabei mehr oder weniger auf der Strecke. Insofern war für mich die neue Gesamtaufnahme des Gewandhaus-Quartetts eine Offenbarung. Dieses Ensemble geht - auf höchstem kammermusikalischen Niveau - ganz uneitel an die Werke heran und lässt Beethoven einfach Beethoven sein. Mir persönlich erleichtert diese Herangehensweise das Verstehen der Werke ganz erheblich.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4019272601293.jpg

Viele Grüsse
Andreas
Carola (17.08.2008, 13:47):
Lieber Andreas,

da ich annehme, dass es lediglich eine Gesamtaufnahme vom Gewandhaus-Quartett gibt, sieht die gesamte Box so aus

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41PDG4VYXHL._SS500_.jpg

und ist für knapp 20 € bei 2001 zu bekommen. Auch mir gefällt diese GA außerordentlich gut, ich habe zum Vergleich allerdings im wesentlichen nur das Alban-Berg-Quartett.

Gruß, Carola
Tranquillo (17.08.2008, 17:22):
Original von Carola
Lieber Andreas,

da ich annehme, dass es lediglich eine Gesamtaufnahme vom Gewandhaus-Quartett gibt, sieht die gesamte Box so aus

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41PDG4VYXHL._SS500_.jpg

und ist für knapp 20 € bei 2001 zu bekommen. Auch mir gefällt diese GA außerordentlich gut, ich habe zum Vergleich allerdings im wesentlichen nur das Alban-Berg-Quartett.
Liebe Carola,

genau diese Aufnahme meine ich - ich habe auf die Schnelle kein Bild der Box gefunden. Die CD's sind auch einzeln erhältlich, bei dem Preis der Box macht das aber wenig Sinn. Die Aufnahme wurde auch von der Kritik durchaus positiv aufgenommen - unter anderem erhielt sie den Preis der deutschen Schallplattenkritik.

Als Vergleichsaufnahmen habe ich die Gesamtaufnahmen mit dem Melos- und dem Guarneri-Quartett. Das Gewandhaus-Quartett gefällt mir eben deswegen so gut, weil es Beethoven einfach Beethoven sein lässt und nicht versucht, sich durch irgendeine Art von "Originalität" von anderen Ensembles abzuheben.

Viele Grüsse
Andreas
Amadé (17.08.2008, 18:26):
Hallo Carola,

die Anschaffung des Gewandhausquartetts ist sicher kein Fehlkauf, eine solide Aufnahme.
Im letzten Jahr habe ich mir die schon erwähnte 2. Aufnahme des Budapester Streichquartetts zugelegt, die mir sehr gut gefallen hat.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/3760138170019.jpg

Für noch gelungener halte ich jedoch die 1. Aufnahme des Juilliard Quartetts 1964-70:

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/5099708788926.jpg

Von dieser Aufnahme bin ich immer wieder begeistert. Ihm auf den Fersen das Alban Berg Quartett:

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0724357360623.jpg

Falls die Klangtechnik auch eine gewichtige Rolle bei der Kaufentscheidung spielt, würde ich zum Auryn Quartett greifen, nicht in einer Box zusammengefasst, sondern in 4 Doppel-CDs.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4009850013006.jpg

Jetzt hast Du die Qual der Wahl, auch der Geldbeutel wird geschont, außer beim Auryn Quartett .

Grüße Amadé
ab (18.08.2008, 16:59):
Warum muss es eine GA sein?

Jedenfalls gerade noch billigst zwischen 4 - 8 EUR bei Quadronamia sind die Aufnahmen der späten des Busch Quartetts zu bekommen: Zugreifen :down :down :down :times10 :times10 :down :down

(auch bei EMI und Dutton)

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4011222221117.jpg

Sehr empfehlenswert ist das Ungarische Streichquartet mit den späten bei Andromeda ab wohl ca. 6 EUR.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51GRR3QM6PL._SL500_AA240_.jpg

Wenn Du etwas mehr Vibrato auch magst (allerdings bestens kontrolliert und durch die Stimmen übereinstimmend), dann ziehe jedenfalls auch die Brilliant Classics Ausgabe (ehemals bei Philips) durch das Guarneri Quartet in Betracht. (Neu auch bei Decca-Eloquenze).

http://www.jpc.de/image/w150/front/0/5028421933238.jpg

http://www.jpc.de/image/w150/front/0/0028944294026.jpg

die Buadpester finde ich persönlich zu süßlich, die Auryns zu wenig tief und die Alban Bergs - nun ja - zu sehr nach Alban Berg klingend. Die Julliards sind sehr zu Herzen gehendens Spiel.

Von der Perfektion her sind die Alban Bergs wohl der Gipfel der Streichquartettkultur: wie aus einem Guss!

Beim op. 18, wie gesagt, gefällt mir am besten das Lindsay String Quartet. Sehnsüchtig warte ich auf dein GA des Hagen Quartetts.

Hagen & Busch ist für mich überagendes Musizieren und tiefste Durchdringen von Beethoven. :engel
Dr. Schön (18.08.2008, 17:30):
Original von ab
Warum muss es eine GA sein?

Jedenfalls gerade noch billigst zwischen 4 - 8 EUR bei Quadronamia sind die Aufnahmen der späten des Busch Quartetts zu bekommen: Zugreifen :down :down :down :times10 :times10 :down :down

(auch bei EMI und Dutton)

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4011222221117.jpg


Wie klingt den die Quadromania Ausgabe? Ich habe die Buschs mit Schubert 14 & 15 bei EMI Greatest Recordings. Klingt noch ok. Aber auch nicht so gut, dass ich mir ihre Beethoven Quartette für viel Geld auch in dieser Serie kaufen würde, so sehr mich diese Einspielungen auch interessieren.

Bin kein Kammermusik Experte und kann mich nicht näher äussern, aber das Hagen Quartett gefällt mir auch am besten. Es begeistert einen richtig. Es kommt mir hier weniger so vor, als hätten sie einen festen "Ensemble" Stil, den sie bei jedem Quartett anwenden. Vielmehr kommt es mir so vor, dass ich jedesmal etwas entdecke und sie jedesmal wieder völlig spannend finde. Vielleicht fehlt mir bei Kammermusik nur der Tiefblick und ich tue anderen Ensembles etwas unrecht.
Ich habe manche der Einzel CDs öffters ausgeliehen.
Gekauft bisher nicht, aber eine GA würde ich sofort ordern. Ist da was angekündigt????????????

Besitzen tue ich Juilliard, die ich sehr geschlossen und gut finde. Guarneri bei Brilliant, die mir etwas zu breit oder pastos vorkommt. Wohl Geschmackssache. Und ein paar dieser Einzel CDs aus einer EMI Günstigserie mit dem Alban Berg Quartett. Haut mich nicht um ist aber schon gut.
Emersons hatte ich mal geliehen. Schon auch gut, aber es muss besseres geben.

Gruß
Dr. Schön
ab (18.08.2008, 18:46):
Hallo Doc!

ich stimme alle Deinen Einschätzungen zu! Die Hagens lehnen leider Gesamteinspielungen ab, las ich einmal irgendwo. Sie nehmen sich Zeit, bis sie etwas freigeben oder im Studio aufnehmen. (So müssen wir wohl noch eine Zeit lang auf die "Kunst der Fuge" von Bach warten, obwohl sie es jetzt schon im Konzert bedeutend tiefer spielen als alles sonst bislang gehörte.)

Das mit dem "fehlenden Ensemble Stil" habe ich hier das "umgekehrte Hase und Igel-Syndrom" genannt.

Der beste Busch-Transfer dürfte wohl sicherlich von Dutton stammen. Ich kenne aber keine der anderen genannten Alternativ-Ausgaben.
Früher gabs aber auch eine bei Perl, und die klang grottenschlecht. Mit der Membran-Ausgabe (Quadromania) kann ich gut leben - für den Preis. (Andante macht besssere Tranfers mit weniger Rauschreduktion :W )

Es sind übrigens nur 3 CDs mit dem Busch Quartett, die erste CD wird vom Budapster Streichquartett bestritten, das ich einfach nicht mag und auch nicht besonders gut finde. Leider...

Es ist höchst interessant, den (gar nicht so wenigen) Gemeinsamkeiten (aber auch den Unterschieden) zwischen den Hagens und Buschs nachzuspüren!

By the way: Buschs Schubert finde ich bei weitem nicht so gut wie deren Beethoven, aber auch besser als ihren Brahms.

Busch mit Beethoven aus den 1930er finde ich überragend! :down

(EMI hat die letzte Zeit viele Aufnahmen ruiniert, indem sie die Feindynamik einem aufgefetteten Klang geopfert hat. Pfui! :S )
Dr. Schön (18.08.2008, 19:11):
Hallo ab,
habe mir eben deinen Eröffnungsbeitrag zu den Hagens gelesen und sehe sie ziemlich genauso.
Leider kenne ich nur die Opp. 127, 130, 132, 133 & 135 sowie "Der Tod & das Mädchen". Der Bartok würde mich jetzte sehr interessieren.

Dann rät es sich wohl doch die Einzel CDs der Hagens zu besorgen, bevor sie alle wieder aus dem Katalog verschwinden. (Dieses Forum kommt mir sehr teuer. Seit Tagen schon.)

EMI Greatest Recording machen keinen Spaß mehr. Meine ersten Klassik CDs waren aus dieser Serie. Aber was in den letzten 2,3 Jahren erschienen ist, ist nicht mehr so doll.

Mit Busch/Schubert habe ich auf einem Andante Set das zweite Klaviertrio und die C-Dur Fantasie jeweils mit Serkin. Das finde ich sehr gut. Von Brahms nur das Klavierquintett, auch mit Serkin. Allerdings bislang ungehört.

Der Doc
ab (18.08.2008, 19:31):
Zum Bartók schrieb ich einmal in einem anderen Forum

Sind die Streichquartette Beethovens das Alte Testament, dann die von Bartók das Neue!

Meine Lieblingsaufnahme ist die des Hagen Quartetts.

Überraschenderweise haben sich die Hagens gerade bei ihren überwältigenden Bartók-Aufnahmen fast verstörend nicht dem Zeitgeist gebeugt, sich durch raue Aggressivität einen fortschrittlichen Anstrich zu geben.

Das beste, was ich jemals im Konzert gehört habe, war das Bartók-Streichquartett Nr. 3 mit dem Zehetmair-Quartett, das damals noch alles auswendig spielte (gemeinsam mit Hartmann und Mozart): Eine solche Expressivität habe ich nie vorher noch nachher erlebt und war für mich überhaupt undenkbar! Ihre ECM-Aufnahme kann ich auch wärmstens empfehlen, wenn es auch nur ein müder Abklatsch im Vergleich zum Konzert ist!

Serkin&Buschs Brahms-Quintett ist phantastisch!
(Von Adolf Busch & Serkin kenne ich sonst noch aus London die Brahms-Sonaten 1&2 (1933&1931) sowie die Frühlingssonate (1932). Beides recht gut (History). Mir schwant, ich könnte auch den Schubert in einer History-Box herumstehen haben.)

Das Problem bei einer Hagen-Beethoven-Box könnte womöglich sein, dass da dann gewisse Aufnahmen fehlen. Die ältere Große fuge finde ich beachtlihcer als die jüngere. Wer weiß, ob sie aber nach vollendung aller Quartette nicht noch einen Konzertmitschnitt auf Lager haben. Teuer,teuer die Sache.

Das Mozartjahr war wohl eine Ausnahme, als auf einmal die ganze Mozart-Box billiger war als die Haydn-Quartette alleine. Und zuvor gabs schon eine CD mit zwei Quartetten, und somit auch noch eines davon doppelt :S
Wooster (19.08.2008, 00:07):
Ich würde, wenn das Suske-Q. als unbefriedigend empfunden wurde, von der Einspielung des Gewandhaus-Q. eher abraten, obwohl das zweifellos eine solide Aufnahme ist. Die kommen aus einer ähnlichen Tradition. Ich hatte mit den Suskes mal 4 der mittleren, unglaublich klangschön gespielt, aber viel zu wenig Energie. Finali aus 59, 2&3 waren einfach viel zu lahm. Vom Gewandhaus-Q. habe ich nur eine CD mit zwei späten. Auch die ist mir, obgleich gewiß nicht schlecht, zu "neutral". Es handelt sich bei ALLEN Quartetten, auch den frühen, um eine in fast jeder Hinsicht extreme Musik. Und man darf das der Interpretation auch anhören. Mäßigung im Ausdruck und goldene Mitte ist für mich keineswegs Beethoven Beethoven sein lassen. Aber was dem einen angemessener Ausdruck, ist für den anderen Übertreibung und Manierismus.

Dennoch würde ich von den günstigen Gesamtaufnahmen am ehesten die schon gezeigte silberne Juilliard-Box empfehlen. Mittelgute Klangqualität (aber stereo und von älteren historischen Aufnahmen würde ich zum Kennenlernen eher abraten), auch keineswegs die Tonschönheit von Suske, aber Ausdruckskraft und Energie.

:hello

Wooster
sterniwaf (19.08.2008, 04:58):
Original von Wooster
Ich würde, wenn das Suske-Q. als unbefriedigend empfunden wurde, von der Einspielung des Gewandhaus-Q. eher abraten, obwohl das zweifellos eine solide Aufnahme ist. Die kommen aus einer ähnlichen Tradition. Ich hatte mit den Suskes mal 4 der mittleren, unglaublich klangschön gespielt, aber viel zu wenig Energie. Finali aus 59, 2&3 waren einfach viel zu lahm. Vom Gewandhaus-Q. habe ich nur eine CD mit zwei späten. Auch die ist mir, obgleich gewiß nicht schlecht, zu "neutral". Es handelt sich bei ALLEN Quartetten, auch den frühen, um eine in fast jeder Hinsicht extreme Musik. Und man darf das der Interpretation auch anhören. Mäßigung im Ausdruck und goldene Mitte ist für mich keineswegs Beethoven Beethoven sein lassen. Aber was dem einen angemessener Ausdruck, ist für den anderen Übertreibung und Manierismus.

Dennoch würde ich von den günstigen Gesamtaufnahmen am ehesten die schon gezeigte silberne Juilliard-Box empfehlen. Mittelgute Klangqualität (aber stereo und von älteren historischen Aufnahmen würde ich zum Kennenlernen eher abraten), auch keineswegs die Tonschönheit von Suske, aber Ausdruckskraft und Energie.

:hello

Wooster

Extreme Musik?
Nö. Keine Weichspüler-Hintergrund-Nebenbei-Dudel-Musik. Spannend, einfallsreich, intensiv, so würde ich sie charakterisieren. Ich brauche keine zehn verschiedenen Aufnahmen, aber weiß vielleicht jemand, ob es in nächster Zeit irgendwo ein öffentliches Konzert gibt?
Tranquillo (20.08.2008, 08:48):
Original von Wooster
Es handelt sich bei ALLEN Quartetten, auch den frühen, um eine in fast jeder Hinsicht extreme Musik.
Welche "Hinsichten" meinst Du und was verstehst Du in diesem Zusammenhang ganz konkret unter "extrem"?

Und man darf das der Interpretation auch anhören.
Ob man das einer Interpretation anhört, hängt von den Hörgewohnheiten und -erfahrungen und der Sensibilität des Hörers ab. Wer (wie Beethovens Zeitgenossen) z. B. Haydns Quartette "im Ohr" hat, wird das "Extreme" auch wahrnehmen können, ohne dass es von den Interpreten noch besonders herausgestellt wird.

Mäßigung im Ausdruck und goldene Mitte ist für mich keineswegs Beethoven Beethoven sein lassen. Aber was dem einen angemessener Ausdruck, ist für den anderen Übertreibung und Manierismus.
Genau, das ist letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Deswegen würde ich auch nicht behaupten wollen, dass eine Interpretation inakzeptabel ist, weil sie das "Extreme" betont - mir sagt das aber eher nicht zu.

Viele Grüsse
Andreas
Cetay (inaktiv) (20.08.2008, 10:21):

Original von Andreas
Ob man das einer Interpretation anhört, hängt von den Hörgewohnheiten und -erfahrungen und der Sensibilität des Hörers ab. Wer (wie Beethovens Zeitgenossen) z. B. Haydns Quartette "im Ohr" hat, wird das "Extreme" auch wahrnehmen können, ohne dass es von den Interpreten noch besonders herausgestellt wird.


Eine sehr treffende Feststellung, die sämtliche Diskussionen um die "Richtigkeit" einer Interpretation ad absurdum führt. Selbst wenn man genau wüßte, wie es zu Beethovens Zeiten gespielt wurde, so wäre doch die Wirkung heute eine andere als damals. Interpreten, die die Extreme herausstellen, kommen vielleicht in diesem Sinne der "Wahrheit" sogar näher als Authentizitätsapostel, aber das werden wir nie herausfinden können. Letzlich hilft uns nichts weiter, als uns auf die Instanz zurückzuziehen, die letzlich als Einzige weiß, ob eine Interpretation "gut" ist - wir selbst. Wenn man eine Aufnahme, die man besitzt, mehrfach gehört hat, dann muß die Interpretation gut sein, denn sonst hätte man sie nicht so oft gehört. Wenn ich nach diesem Kriteruim vorgehe, dann ist die Rangfolge wie folgt (wobei ich nur Einzelaufnahmen kenne, keine GA)
Busch > ABQ > Leipziger > Gewandhaus > Melos.
Wobei der Wunsch nach einer GA bei keiner der genannten aufgekommen ist (Busch gibt es nicht). Ich versuche noch Talich und Julliard.
ab (20.08.2008, 10:34):
Original von Dox Orkh

Eine sehr treffende Feststellung, die sämtliche Diskussionen um die "Richtigkeit" einer Interpretation ad absurdum führt. Selbst wenn man genau wüßte, wie es zu Beethovens Zeiten gespielt wurde, so wäre doch die Wirkung heute eine andere als damals.

Dies aber höchstens nur dann, wenn man Deine stillschweigende Präsupposition mit unterschreibt, dass Teil der Interpretation es sei, wie die Wirkung auf die Hörerin und den Hörer ist. Mir hingegen scheint, Interpretation und Rezeption sind zweierlei Dinge, die man nicht miteiannder vermengen sollte.

Was spricht denn - Deiner Auffasssung nach - dafür, die Rezeption als Teil der Interpretation aufzufassen? (Eine Antwort womöglich im entsprechendn thread?)

:hello
Wooster (20.08.2008, 11:56):
Ich habe ja gar nicht gesagt, daß gemäßigtere Interpretationen 'falsch' seien. Aber die Vorgabe war Tranquillos Andeutung der (m.E. unhaltbaren und widersprüchlichen) Idee, "Beethoven müsse Beethoven bleiben", "die Musik für sich selbst sprechen" und daß einige (ungenannte) Ensembles nur das Augenmerk auf sich selbst lenken wollten (und von Beethoven weg oder was?).
Und eben die Unzufriedenheit von Cosima mit dem, was sie bisher gehört hatte. Nach meinem Eindruck liegen Suske und Gewandhaus von der (eher gemäßigten) Grundhaltung recht nahe beieinander, daher würde ich niemandem eine der Aufnahmen nahelegen, der die andere nicht mag. Dabei kann man fraglos zugestehen, daß es sich um auf ihre Art sehr gute Interpretationen handelt.

Extrem:
Weil nicht nur die späten, sondern auch die mittleren und selbst die frühen Werke noch heute vielen Hörern keineswegs als leicht zugänglich erscheinen (s. auch Aussagen in diesem Forum bzw. weiter oben im thread).
Weil dieser Eindruck gerade auch im Vergleich zu gleichzeitig entstandenen Klavier- und Orchesterwerken besteht. Fraglos sind auch die "Mondscheinsonate" und die Appassionata oder die 5. Sinfonie außerordentlich kühne Werke. Aber sie sind dem heutigen Hörer (warum auch immer) wesentlich eingängiger als etwa gleichzeitig geschriebene op.18 bzw. op.59. Und das liegt nicht nur an den Hörern, sondern auch teilweise an der Kompromißlosigkeit und Dichte der Stücke selbst.

Die mittleren mit dem Suske-Q. gehört wirklich zu den klangschönsten Quartettaufnahmen, die ich gehört habe. Aber in op.59 fehlte allenthalben der "Kick" (op.74 funktionierte besser)

Ich finde es einleuchtend, daß "extreme" Musik nicht von einer nivellierenden Interpretation profitiert. Klar, das habe ich ja schon oben gesagt, sind das oft Nuancen, und was für einen angemessen zugespitzt, ist für den anderen übertrieben. Aber Beethoven hat halt übertrieben. Wen das stört, der höre Dittersdorf oder Spohr :D

Wooster
Tranquillo (20.08.2008, 14:57):
Original von Wooster
Ich habe ja gar nicht gesagt, daß gemäßigtere Interpretationen 'falsch' seien.
Richtig, das habe ich auch nicht behauptet.

Aber die Vorgabe war Tranquillos Andeutung der (m.E. unhaltbaren und widersprüchlichen) Idee, "Beethoven müsse Beethoven bleiben", "die Musik für sich selbst sprechen" und daß einige (ungenannte) Ensembles nur das Augenmerk auf sich selbst lenken wollten (und von Beethoven weg oder was?).
Mir ging es nicht um eine "Idee", sondern darum, einen Eindruck wiederzugeben, der durch eine bestimmte Aufnahme entstanden ist. "Augenmerk auf sich selbst lenken" und "durch Originalität von der Konkurrenz abheben" ist sicher auch zweierlei.

Extrem:
Weil nicht nur die späten, sondern auch die mittleren und selbst die frühen Werke noch heute vielen Hörern keineswegs als leicht zugänglich erscheinen (s. auch Aussagen in diesem Forum bzw. weiter oben im thread).
Wenn Du "extrem" als Gegensatz zu "dem Hörer leicht zugänglich" beschreibst, wäre auch Musik des Mittelalters extrem. Das liegt aber (wie bei Beethoven) nicht in erster Linie an der Musik, sondern am Hörer, seinem musikalischen Wissen und seiner Erfahrung. Seinen Zeitgenossen erschien Beethovens Musik als extrem, weil sie von den kompositorischen Normen abwich. Diese Abweichungen sind aber nicht selten so subtil und uns so selbstverständlich geworden, dass wir sie oft genug nicht einmal wahrnehmen, geschweige denn als extrem nachempfinden können (z. B. die drei Akkordschläge zu Beginn der Eroica).

Weil dieser Eindruck gerade auch im Vergleich zu gleichzeitig entstandenen Klavier- und Orchesterwerken besteht. Fraglos sind auch die "Mondscheinsonate" und die Appassionata oder die 5. Sinfonie außerordentlich kühne Werke.
Die Quartette op. 18 entstanden 1798-1800, die 5. Sinfonie 1808, die Appassionata 1804, die Mondscheinsonate 1801. Die Quartette op. 59 entstanden 1806, liegen also zwischen Appassionata und der 5. Sinfonie. Wenn man hier von "gleichzeitig" redet, nivelliert man die gewaltige kompositorische Entwicklung Beethovens in diesem Zeitraum.

Aber sie sind dem heutigen Hörer (warum auch immer) wesentlich eingängiger als etwa gleichzeitig geschriebene op.18 bzw. op.59. Und das liegt nicht nur an den Hörern, sondern auch teilweise an der Kompromißlosigkeit und Dichte der Stücke selbst.
Das liegt daran, dass Kammermusik Musik für einen kleinen Kreis von Kennern war, an die man als Komponist höhere Ansprüche stellen kann und die Neuem gegenüber aufgeschlossener sind. Deswegen sind die Quartette auch viel "dichter" als die Sinfonien, die für das Konzertpublikum geschrieben waren. Es liegt als an der Gattung - und natürlich an der musikalischen Vorbildung des Hörers. Kompromisslosigkeit ist eher eine allgemeine Eigenschaft der Musik Beethovens - er orientierte sich mit zunehmendem Alter immer weniger an den Erwartungen des zeitgenössischen Publikums.

Ich finde es einleuchtend, daß "extreme" Musik nicht von einer nivellierenden Interpretation profitiert.
Extreme Musik profitiert meiner Meinung nach auch nicht von einer Interpretation, die das Extreme überbetont, als müsse man sozusagen den heutigen Hörer erst mit der Nase darauf stossen, damit er es überhaupt wahrnimmt.

Aber Beethoven hat halt übertrieben.
Nicht immer und schon gar nicht immer so offensichtlich. Manchmal "übertreibt" er sehr subtil - z. B. wenn man bei op. 18 Nr. 2 den Eindruck hat, der erste Satz sei schon nach wenigen Takten zuende. Das kann man als Ensemble mit einem kleinen Ritardando (über-) betonen - man kann aber auch a tempo weiterspielen (und sollte es, weil Beethoven kein Ritardando notiert hat). Das meinte ich mit "Beethoven Beethoven sein lassen".

Viele Grüsse
Andreas
Cosima (27.08.2008, 18:00):
Original von Wooster
Nach meinem Eindruck liegen Suske und Gewandhaus von der (eher gemäßigten) Grundhaltung recht nahe beieinander, daher würde ich niemandem eine der Aufnahmen nahelegen, der die andere nicht mag. Dabei kann man fraglos zugestehen, daß es sich um auf ihre Art sehr gute Interpretationen handelt.


Genau das hatte ich mir gedacht, weshalb das Gewandhaus-Q. erst gar nicht in die engere Auswahl mit kam. Die Juilliards würden mich nun interessieren. Und natürlich – ab’s immerwährende Lobpreisungen tragen Früchte – möchte ich einmal das Hagen Q. hören. Mal sehen…

Gruß, Cosima
sterniwaf (23.12.2008, 07:20):
Hallo wooster,
was ist denn an Beethoven "übertrieben"?
Inzwischen sind die Streichquartette die wichtigsten Musikstücke in meiner Musiksammlung.
Wenn man sich die Quartette regelmäßig anhört, ist es egal, in welcher Reihenfolge. Es ist ein Lernprozess, die einzelnen Stücke zu zuordnen und selber drauf zu kommen, welcher Opus gerade gespielt wird. ( Von einer Unterscheidung der Nummern ganz zu schweigen!)
Heike (23.12.2008, 19:22):
Hallo,
Das liegt daran, dass Kammermusik Musik für einen kleinen Kreis von Kennern war, an die man als Komponist höhere Ansprüche stellen kann und die Neuem gegenüber aufgeschlossener sind.
Darüber hatte ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht, ist das so, historisch gesehen? Ist das heute auch noch so, bedenkt man sowas als Komponist? Wann hat sich diese Entwicklung vollzogen - oder war das schon immer so?
Sorry wenn ich hier offtopic bin, vielleicht kann mir jemand in einem neuen Thread antworten.
Hebre
Amadé (23.12.2008, 20:36):
Hallo Hebre,

das war so, ob es heute zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Man muss Kammermusik vielleicht noch ein bisschen eingrenzen und zwar auf das Streichquartett. Bevor Beethoven sich an Quartette wagte, versuchte er es zunächst mit Streichtrios, op.3, op.8 und die 3 Trios op.9, dann folgte das Klarinettentrio op.11 und dann, einem der besten Quintette von Mozart nachgeahmt, dem Quintett Es-dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott KV 452, das KLavierquintett Es-dur op.16 für dieselbe Besetzung. Aber Beethovens Werk hat nicht das Niveau von Mozart. Erst danach fühlte er sich reif genug, Streichquartette der Musikwelt zu übergeben. Die Messlatte war durch J.Haydn und Mozart ziemlich hoch gesteckt. Bei der Drucklegung der 6 Quartette op.18 war es Beethoven sehr wichtig, nicht nach der Reihenfolge der Entstehung vorzugehen, sondern mit dem wirkungsvollsten Stück zu beginnen.
Franz Schubert übte sich schon in jungen Jahren an der Form des Streichquartetts, erst in seinen letzten Jahren seines kurzen Lebens gelangen ihm 3 Quartette von großer Ausdruckstiefe und Geschlossenheit, die heute zum festen Bestand einer jeden Quartettformation gehören. Johannes Brahms soll 20 Quartettversuche vernichtet haben, ehe er die beiden zu op.51 zusammengefassten Werke als gültig veröffentlichte.
Ein Streichquartett zu komponieren, galt immer als Prüfstein musikalischen Könnens.

Gruß Amadé
Heike (23.12.2008, 22:30):
Hallo und danke für deine Antwort, ich habe jetzt mal in einem neuen Thread weitergeschrieben dazu. Sonst sind wir nicht mehr bei Beethoven.
Heike
sterniwaf (24.12.2008, 06:35):
Original von Amadé
Hallo Hebre,

das war so, ob es heute zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Man muss Kammermusik vielleicht noch ein bisschen eingrenzen und zwar auf das Streichquartett. Bevor Beethoven sich an Quartette wagte, versuchte er es zunächst mit Streichtrios, op.3, op.8 und die 3 Trios op.9, dann folgte das Klarinettentrio op.11 und dann, einem der besten Quintette von Mozart nachgeahmt, dem Quintett Es-dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott KV 452, das KLavierquintett Es-dur op.16 für dieselbe Besetzung. Aber Beethovens Werk hat nicht das Niveau von Mozart. Erst danach fühlte er sich reif genug, Streichquartette der Musikwelt zu übergeben. Die Messlatte war durch J.Haydn und Mozart ziemlich hoch gesteckt. Bei der Drucklegung der 6 Quartette op.18 war es Beethoven sehr wichtig, nicht nach der Reihenfolge der Entstehung vorzugehen, sondern mit dem wirkungsvollsten Stück zu beginnen.
Franz Schubert übte sich schon in jungen Jahren an der Form des Streichquartetts, erst in seinen letzten Jahren seines kurzen Lebens gelangen ihm 3 Quartette von großer Ausdruckstiefe und Geschlossenheit, die heute zum festen Bestand einer jeden Quartettformation gehören. Johannes Brahms soll 20 Quartettversuche vernichtet haben, ehe er die beiden zu op.51 zusammengefassten Werke als gültig veröffentlichte.
Ein Streichquartett zu komponieren, galt immer als Prüfstein musikalischen Könnens.

Gruß Amadé
Oha, hier vergleicht einer das Niveau zweier herausragender Komponisten. Auf jeden Fall ist die Fachwelt sich darüber einig, das die späten Quartette Beethovens Meilensteine in der Musikgeschichte darstellen und einzigartig sind.
Rachmaninov (24.12.2008, 10:40):
Original von sterniwaf
Original von Amadé
Hallo Hebre,

das war so, ob es heute zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Man muss Kammermusik vielleicht noch ein bisschen eingrenzen und zwar auf das Streichquartett. Bevor Beethoven sich an Quartette wagte, versuchte er es zunächst mit Streichtrios, op.3, op.8 und die 3 Trios op.9, dann folgte das Klarinettentrio op.11 und dann, einem der besten Quintette von Mozart nachgeahmt, dem Quintett Es-dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott KV 452, das KLavierquintett Es-dur op.16 für dieselbe Besetzung. Aber Beethovens Werk hat nicht das Niveau von Mozart. Erst danach fühlte er sich reif genug, Streichquartette der Musikwelt zu übergeben. Die Messlatte war durch J.Haydn und Mozart ziemlich hoch gesteckt. Bei der Drucklegung der 6 Quartette op.18 war es Beethoven sehr wichtig, nicht nach der Reihenfolge der Entstehung vorzugehen, sondern mit dem wirkungsvollsten Stück zu beginnen.
Franz Schubert übte sich schon in jungen Jahren an der Form des Streichquartetts, erst in seinen letzten Jahren seines kurzen Lebens gelangen ihm 3 Quartette von großer Ausdruckstiefe und Geschlossenheit, die heute zum festen Bestand einer jeden Quartettformation gehören. Johannes Brahms soll 20 Quartettversuche vernichtet haben, ehe er die beiden zu op.51 zusammengefassten Werke als gültig veröffentlichte.
Ein Streichquartett zu komponieren, galt immer als Prüfstein musikalischen Könnens.

Gruß Amadé
Oha, hier vergleicht einer das Niveau zweier herausragender Komponisten. Auf jeden Fall ist die Fachwelt sich darüber einig, das die späten Quartette Beethovens Meilensteine in der Musikgeschichte darstellen und einzigartig sind.

Für mich ließt sich dies eher wie eine Darstellung eines Sachverhalts als ein Vergleich zweier (dreier) Komponisten....
sterniwaf (25.12.2008, 06:37):
Hallo
Das , was ich bis jetzt von Haydn und Mozart gehört habe, langweilte mich. Auch die Beschreibungen im Hadyn-Streichquartett-Forum schrecken mich eher ab.
Gerade in der Klassik finde ich es bemerkenswert, wie mühelos Komponisten untereinander verglichen werden.
Durch das Hören von Op.133 hat für mich der Begriff Fuge eine Bedeutung bekommen.
Gerion (22.08.2009, 11:59):
Vorgestern fielen mir bei Zweitausendeins zwei Aufnahmen des Endellion Quartetts in die Hände:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0825646343225.jpg

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0825646216123.jpg


Kennt sie jemand von Euch?
Ich bin gespannt.
ab (05.09.2009, 11:56):
Seit Tagen im Ohr: das Budapester Streichquartett von 1951/52. Was die späten Quartette betrifft: Was für eine reine Intonation, was für eine überragende Linienführung: ein ganz, ganz großer Zyklus!
:times10 :down

Leider stark davon abzuraten, weil das Französische Lable united archives die Musik frankensteinmäßig vollständig ruiniert hat, dass es wie eine tote Retorte wirkt. Entweder sind da Technikfreaks am Werk gewesen, die durch vollständiges de-noising keine Ahnung von Musikalität haben; oder es sind schlicht Musikhasser am Werk gewesen. :S
Kaum anhörbar (dabei ist nicht einmal so stark komprimiert worden, aber alles kling dennoch flach mit viel zu wenig Dynamik, es fehlt einfach jegliche Musikalität)!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/417DNRG7RSL._SL500_AA240_.jpg

(Ps.: Stets hatte ich mich bei der ganz frühen Aufnahme des Hagen Quartetts vom op. 135 gefragt, woher sie im zweiten Satz die grandiose Linineführung haben: Nun weiß ich es endlich, sie haben es, bei höherem Tempo, einfach den Budapestern abgelauscht.)
Gerion (05.09.2009, 12:28):
Lieber ab,
würdest Du die Aufnahme denn (wieder) kaufen?
Gruß
Gerion
ab (05.09.2009, 21:32):
Ich habe die Box in Köln beim Saturn für 11 EUR mitgenommen, weil ich von anderen Aufnahmen dieses Labels gelesen hatte, dass sie so toll restauriert worden seinen. Das de-noising ist in der Tat auch ganz ausgezeichent gemacht worden, nur halt mit den zwangsläufigen fast unerträglichen Einbußen.

Ich kannte sonst frühe Beethoven-Quartette dieses Ensembles, einmal von CBS und einmal von History, die mir allesamt interpretatorisch aus persönlichen Geschmacksgründen nicht so zusagten. Diese Aufnahmen klangen trotz des frühen Remasterings alle viel natürlicher! Die Ton-Aufnahme selbst war für ihre Zeit vorzüglich.

De facto sind sie bei united archieves am Rande des Erträglichen, eigentlich machen sie keine Freude beim Anhören.

Zu den mittleren bin ich noch nicht gekommen und besonders gespannt bin ich, wie mir das op.18 inzwischen zusagen wird.
Die späten Quartette aber halte ich für ganz, ganz ausgezeichnet! Den Zyklus finde ich daher interpretatorisch höchst empfehlenswert! Ich kann es aber noch nicht abschätzen, wie oft ich in Zukunft, wenn ich damit gut vertraut sein werden, tatsächlich diese Aufnahmen anhören werde, einfach, weil sie so unsensibel remastert worden sind. Ich fürchte das schlimmste....

Fazit, für 11 EUR würde ich schweren Herzens schwanken, aber letztlich wohl doch wieder zugegriffen haben.
(Den ebenfalls abverkauften Brahms-Zyklus von Bruno Walter aus New York würde ich mir definitiv nicht wieder kaufen.)
Gerion (06.09.2009, 20:54):
Lieber ab,

herzlichen Dank für die Info!

Gruß,
Gerion
Gerion (08.09.2009, 23:50):
Ich habe die Box jetzt auch einmal gekauft und - aufgrund des guten Preises - auch die beim selben Label erschienenen späten Mozart-Quartette und eine CD mit dem Schubertschen Forellenquintett und Streichquintett mitgenommen. Mal sehen. Aber bei 11 Euro für eine Beethoven-GA kann man wirklich schwer nein sagen. Zumal ich auch klanglich vielleicht nicht ganz so differenzierte Ansprüche habe, wie Du, lieber ab, da mein "Brüllwürfel" solche kaum abbildet. :W Ich bin sehr gespannt (hatte noch keine Zeit, um hineinzuhören).

Gute Nacht :hello
Gerion
cellodil (21.01.2010, 01:34):
:hello Ihr Lieben,

kennt von Euch jemand diese Bearbeitung von op. 131 und op. 135 für Streichorchester? Und, wenn ja: Was haltet Ihr davon?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/614KS5DYMXL._SS500_.gif

Ludwig van Beethoven
Streichquartette op. 131 & 135
Wiener Philharmoniker
Leonard Bernstein

Ich bin zufällig bei Lektüre von Steffen Möllers Klassikhörer-Autobiographie Vita Classica auf diese Aufnahme der beiden späten Beethovenquartette aufmerksam und neugierig geworden.

Beide Aufnahmen sind Konzertmitschnitte; der eine (op. 131) von 1979, der andere (op. 135) von 1992.

Als ich die ersten Takte von op. 135 (F-dur) beim ersten Anspielen der CD hörte, da dachte ich nur: Das kann ja wohl nicht wahr sein. Beim weiteren Hören habe ich mich dann zwar an den recht fetten Klang der Orchesterbearbeitung ein wenig gewöhnt (und die Einspielung von op. 131 (cis-moll) ist insgesamt - finde ich - auch etwas feiner und prägnanter), trotzdem überzeugt mich das - zumindest bislang - nicht so richtig. Habe das Gefühl, dass durch die Opulenz viel zu viel zugekleistert wird, dass diese Komplexität und Raffinesse dieser Kompositionen, die Transparenz und Klarheit brauchen, häufig unterzugehen drohen.

Liebe Grüße

Sabine
Armin70 (21.01.2010, 02:03):
Hallo Sabine,

die betreffende Aufnahme mit Bernstein kenne ich nicht aber ich habe folgende Aufnahme:



Darauf ist auch Beethovens op. 131 enthalten. Einerseits ist es schon interessant zu hören, wie die herrlichen Streicher der Wiener Philharmoniker hier klingen. Andererseits werden die kammermusikalischen Strukturen doch etwas zu sehr verdeckt. Das ist dann doch kein Vergleich zur originalen Streichquartett-Fassung.

Ähnlich geht es mir mit Mahlers Streichorchester-Fassung von Schuberts Streichquartett "Tod und das Mädchen", die ich mal im Radio hörte.

Das ist zwar mal interessant, sowas zu hören aber letztlich ziehe ich dann doch die originalen Fassungen vor.

Gruß
Armin
cellodil (21.01.2010, 08:35):
Original von Armin70
Einerseits ist es schon interessant zu hören, wie die herrlichen Streicher der Wiener Philharmoniker hier klingen. Andererseits werden die kammermusikalischen Strukturen doch etwas zu sehr verdeckt.

Lieber Armin,

genau das ist der Punkt, denke ich. Ich frage mich auch, was der tiefere Sinn dieser Bearbeitungen ist. Ich habe nicht den Eindruck, dass das dem Originalwerk irgend etwas Neues abgewinnen würde, im Gegenteil geht in der Masse dann eher ein (wesentlicher) Teil unter.

Original von Armin70
Ähnlich geht es mir mit Mahlers Streichorchester-Fassung von Schuberts Streichquartett "Tod und das Mädchen", die ich mal im Radio hörte.

Das ist zwar mal interessant, sowas zu hören aber letztlich ziehe ich dann doch die originalen Fassungen vor.

Da würde ich Dir generell zustimmen.

Eigentlich kenne ich nur eine solche Aufnahme, wo mir das nicht so geht. Das ist die Einspielung des Stuttgarter Kammerorchesters der Sextett-Sonaten von Brahms in der Version für Streichorchester. Da - finde ich jedenfalls - ist nichts zugekleistert und nichts zu viel. Woran das liegt, weiß ich nicht. Einerseits handelt es sich ohnehin schon um Sextette, die wohl auf einen breiteren, fülligeren Klang konzipiert sind. Und (ich bin mir nicht ganz sicher, aber) es könnte in dem Fall auch sein, dass diese Orchesterbearbeitung schon vom Komponisten selbst stammt. Und dann ist es Brahms und nicht der späte Beethoven...

Liebe Grüße

Sabine
Cetay (inaktiv) (21.01.2010, 10:51):
Ich kann mir vorurteilend nicht vorstellen, dass ausgerechnet Bernstein oder Previn die richtigen für so eine Bearbeitung sind. Den tieferen Sinn kann man natürlich immer hinterfragen, ich denke es geht um mehr Kraft und Expressivität. Gut finde ich die Bearbeitung von Terje Tonnesen, der eine Art Concerto Grosso daraus gemacht hat und so die Tansparenz und Klarheit der Strukturen des Originals weitgehend erhält. Ich habe das allerdings nicht oft und intensiv genug gehört, um fundiert was sagen zu können.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/7332334750249.jpg
Beethoven; Streichquartette 12-16 (opp. 127, 130/133, 131, 132, 135); Camerata Nordica, Terje Tonnesen (Arrangement für Streichorchester)
Gerion (21.01.2010, 12:18):
Lieber Cetay,

Danke für den Tip, das werde ich mir mal anhören!

Grüße
Gerion
cellodil (21.01.2010, 13:25):
:thanks Cetay,

das klingt in der Tat interessant.

Liebe Grüße

Sabine
Cetay (inaktiv) (21.01.2010, 18:22):
In Abwandlung eines Sprichworts: wer regelmäßig mitläse, wäre im Vorteil. :D
Ich habe hier schon auf äußerst interessant klingende Besprechungen zu diesem Projket verlinkt.
cellodil (21.01.2010, 23:15):
Original von Cetay
In Abwandlung eines Sprichworts: wer regelmäßig mitläse, wäre im Vorteil. :D

Wo Du recht hast...

Original von Cetay
Ich habe hier schon auf äußerst interessant klingende Besprechungen zu diesem Projket verlinkt.

... da war ich wohl gerade mal wieder anderswo in der Galaxis

http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Aliens/1d.gif

Danke für den Querverweis!

Und liebe Grüße

Sabine
Wooster (22.01.2010, 14:43):
op.131 unter Bernstein kenne ich schon lange aus dem Radio; seit ein paar Jahren besitze ich auch die CD. Auch wenn ich letztlch Quartettversionen bevorzuge, so ist op.131 durchaus faszinierend, op.135 weniger.

Die Geschichte dahinter ist wohl, dass Mitropoulos das op.131-arrangement erstellte, um das Werk in Bostoner Sinfoniekonzerten aufzuführen. Damals, in den 1940er-50ern war das Stück beim üblichen Abonnementspublikum anscheinend kaum bekannt; es war eine art Popularisierungsmaßnahme. Aus op.135 spielte Toscanini largo und Scherzo (in dieser verkehrten Reihenfolge) im Konzert (es existieren Aufnahmen oder Mitschnitte). Vermutlich, weil er das Stück schätzte, aber frag nicht, warum nicht das gesamte Quartett...

Wooster
cellodil (25.01.2010, 21:53):
Original von Wooster
op.131 unter Bernstein kenne ich schon lange aus dem Radio; seit ein paar Jahren besitze ich auch die CD. Auch wenn ich letztlch Quartettversionen bevorzuge, so ist op.131 durchaus faszinierend, op.135 weniger.

Lieber Wooster,

letzte Nacht habe ich beide Quartette in Quartett- und Streichorchesterversion noch einmal gehört. Mir geht es ganz genauso.

Original von Wooster
... es war eine art Popularisierungsmaßnahme. Aus op.135 spielte Toscanini largo und Scherzo (in dieser verkehrten Reihenfolge) im Konzert (es existieren Aufnahmen oder Mitschnitte). Vermutlich, weil er das Stück schätzte, aber frag nicht, warum nicht das gesamte Quartett...

Das ist ja interessant, gewissermaßen eine Werbeaktion für den späten Beethoven (der ja auch heute noch vielen Konzertgängern, selbst den versierten Kammermusikabonnenten, als "schwierig" gilt).

:thanks und liebe Grüße

Sabine
ab (05.01.2012, 15:33):
Original von ab
Seit Tagen im Ohr: das Budapester Streichquartett von 1951/52. Was die späten Quartette betrifft: Was für eine reine Intonation, was für eine überragende Linienführung: ein ganz, ganz großer Zyklus!
:times10 :down

Leider stark davon abzuraten, weil das Französische Lable united archives die Musik frankensteinmäßig vollständig ruiniert hat, dass es wie eine tote Retorte wirkt. Entweder sind da Technikfreaks am Werk gewesen, die durch vollständiges de-noising keine Ahnung von Musikalität haben; oder es sind schlicht Musikhasser am Werk gewesen. :S
Kaum anhörbar (dabei ist nicht einmal so stark komprimiert worden, aber alles kling dennoch flach mit viel zu wenig Dynamik, es fehlt einfach jegliche Musikalität)!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/417DNRG7RSL._SL500_AA240_.jpg

(Ps.: Stets hatte ich mich bei der ganz frühen Aufnahme des Hagen Quartetts vom op. 135 gefragt, woher sie im zweiten Satz die grandiose Linineführung haben: Nun weiß ich es endlich, sie haben es, bei höherem Tempo, einfach den Budapestern abgelauscht.)

Hier nun rezensiert. :hello
Cetay (inaktiv) (05.01.2012, 18:45):
Jetzt bin ich etwas verwirrt. Der Rezensent berichtet von der Möglichkeit, die exquisiten Instrumente der Library of Congress Washington zu verwenden. Der dort aufgenommene Zyklus entstand aber nicht 1951/52, sondern wurde über mehrere Jahre hinweg eingespielt und von BRIDGE wiederveröffentlicht. Dann müsste es also 3 Beethoven-Zyklen mit den Budapestern geben?!

Wie auch immer: das knallrote Cover mit united artists-Logo drauf ist ein klares Warnsignal, insbesondere in Verbindung mit abs Klangkritik. Ich schrieb über die von united artists (mit gleicher Coveraufmachung) herausgebrachten letzten Mozart-Quartette mit den Budapestern: Für mich ist diese Produktion ein Paradebeispiel für eine völlig mißglückte Restauration. Da ist kein Rauschen, kein Knistern und kein Jaulen zu vernehmen, aber um welchen Preis! Man hat gleich Körper und Schmelz, Farbe und Artikulation mit entfernt und eine leblose Musikimitation geschaffen. Das scheint hier nicht besser zu sein.
Wooster (05.01.2012, 20:15):
Es gibt mit den Budapestern, rückwärts gerechnet, einen Stereo-Zyklus, der um 1960 eingespielt und unlängst sehr preiswert bei Sony wiederveröffentlicht wurde. Dann den in der roten Box anscheinend erstmals auf CD erschienen Zyklus aus den frühen 1950ern (ebenfalls CBS). Dann gab es einige Quartette (u.a. 59/1+2 und 130) aus den 1930ern (EMI/Columbia, teils bei Biddulph o.ä. auf CD erschienen) und op.18, 1/4/6, op.59/3, op.95, op.127, 131,132,135 von Anfang/Mitte der 1940er (CBS, auf zwei vergriffenen Doppel-CDs bei Sony CBS Masterworks Legends oder so? veröffentlicht.)
Dann gibt es die Live-Mitschnitte aus der Library of Congress, anscheinend aus Konzerten der 1940er bis frühen 1960er, die bei Bridge erschienen sind (ich weiß nicht, ob da alle Quartette dabei sind).
Angeblich sind diese live- sowie die Aufnahmen der 1930/40er die besten.
Cetay (inaktiv) (05.01.2012, 20:29):
Original von Wooster
Dann gibt es die Live-Mitschnitte aus der Library of Congress, anscheinend aus Konzerten der 1940er bis frühen 1960er, die bei Bridge erschienen sind (ich weiß nicht, ob da alle Quartette dabei sind).
Angeblich sind diese live- sowie die Aufnahmen der 1930/40er die besten.

Der BRIDGE Live-Zyklus ist komplett. Er ist auf eine Doppel-CD (op. 18) und zwei Dreier-CDs (op. 59, 74, 95 & "late") verteilt. Beispiel-Cover:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41X9B3YBHFL._SL500_AA300_.jpg
Wooster (08.01.2012, 12:15):
Wie ist denn die Klangqualität der Bridge-Boxen?

beim http://www.berkshirerecordoutlet.com gibt es gerade zwei Beethoven-CDs des Budapest SQ aus den Vorkriegsaufnahmen (sowie Brahms, Schubert und Mozart) in der Biddulph-Überspielung (meines Wissens Ende der 1990er, aber von sehr guten Transferningenieuren wie Marston oder Obert-Thorn). für etwa $7 je CD. Leider ziemlich hohe Vers.kosten (und Einfuhrumsatzsteuer kommt auch noch dazu).
op.59/1 ist leider anscheinend nicht dabei, es sind op. 59/2 +130 (ohne op.133) und op.18/2+3 +op.74.
Cetay (inaktiv) (09.01.2012, 10:58):
Original von Wooster
Wie ist denn die Klangqualität der Bridge-Boxen?


Von Werk zu Werk anders. Es findet sich alles von "Leierkasten in der Schuhschachtel" bis hin zu offenen und transparenten Aufnahmen. Interessanterweise korreliert die Qualität nicht immer mit dem Aufnahmedatum. Auch bei diesem Zyklus (genauer bei den mittleren und späten Quartetten; die frühen kenne ich nicht) hat man hier und da zu viel Rauschunterdrückung und Entknacksen auf Kosten der Musik eingesetzt. Beispiel: beim alles entscheidenden Anfang von op. 132 kann man leider nur noch erahnen, was da alles an Atmosphäre mit weggefiltert wurde.
Wooster (09.01.2012, 15:23):
Original von Cetay
Original von Wooster
Wie ist denn die Klangqualität der Bridge-Boxen?


Von Werk zu Werk anders. Es findet sich alles von "Leierkasten in der Schuhschachtel" bis hin zu offenen und transparenten Aufnahmen. Interessanterweise korreliert die Qualität nicht immer mit dem Aufnahmedatum. Auch bei diesem Zyklus (genauer bei den mittleren und späten Quartetten; die frühen kenne ich nicht) hat man hier und da zu viel Rauschunterdrückung und Entknacksen auf Kosten der Musik eingesetzt. Beispiel: beim alles entscheidenden Anfang von op. 132 kann man leider nur noch erahnen, was da alles an Atmosphäre mit weggefiltert wurde.

Vielen Dank! Mal sehen, evtl. muss ich mir die späten der LoC-Reihe irgendwann mal zulegen.
Ich fand im Netz recht positives zum Klang der Biddulphs und habe die mal in USA bestellt.
Der Klang der beiden Doppel-CDs, die in der Sony CBS Reihe erschienen waren, ist für frühe 1940er außerordentlich gut (klingt eher wie frühe 1950er mono) Leider habe ich versäumt, die Folge mit den späten zu kaufen, als sie noch halbwegs günstig war, weil ich die andere Folge etwas "trocken" von den Interpretationen fand. Das sehe ich zwar immer noch ähnlich, hörenswert ist sie aber trotzdem.
Cetay (inaktiv) (26.03.2012, 16:10):
Ich hörte unlängst das Smithson-Quartet mit op. 18 und komme zum gleichen Ergebnis wie schon bei ihren Mozart-Einspielungen: Das ist überragend! Und ich frage mich, warum dieses Quartett kaum wahrgenommen wird (in diesem Forum nicht, auf Amadés Site zu op. 18/1 nicht - und auch sonst ist im Netz verhältnismäßig wenig zu finden).

Der Vierer um Primarius Jaap Schroeder hat sich der historisch informierten Aufführungspraxis verschrieben. Ich bin bestimmt kein Dogmatiker, der nur Aufnahmen, bei denen verlauste Perücken getragen wurden, eine Existenzberechtigung zugesteht. Aber ich tue mich schwer damit, auf den tieferen Kammerton in Verbindung mit dem typischen Obertonreichtum zu verzichten. Wenn man sich erst an diesen sinnlichen, direkt in den Bauch gehenden Sound gewöhnt hat, erscheinen moderne Ensembles dagegen recht dröge - zumindest wenn sie Werke aus der ersten Schaffensperiode Beethovens spielen (so wie auch die 1. Sinfonie von traditionellen Dirigenten und Orchestern gespielt kaum mehr anhörbar ist).

Was die Smithsons auszeichnet, ist eine unglaubliche (wenn man es nicht gehört hat) Ausgewogenheit zwischen Detailarbeit und großem Bogen. Da wird jede Phrase individuell mit Bedeutung aufgeladen, ohne dass manieriert Ecken und Kanten erfunden werden; im Gegenteil das fließt so organisch und entfaltet sich so natürlich, dass ich nicht vermeiden kann, das romantizistische Bild der Musiker als Erfüllungsgehilfen, durch die sich die Komposition wie von selbst entfaltet, zu zeichnen. Form und Inhalt erschaffen sich gegenseitig - es ist atemberaubend dabei "zuzusehen" und das geht nur mit Musikern, die in der Lage (und Willens) sind, sich selbst völlig zurückzunehmen und dem Augenblick das Richtige zu überlassen. Gerade dann, wenn sich die Abgründe auftun, "macht" das Ensemble überhaupt nichts, um das dem Hörer aufs Auge zu drücken und gerade dadurch ist die Wirkung so bezwingend.

Das ist eine erhellende Erfahrung. Viele Ensembles zelebrieren den frühen Beethoven zurückschauend und dramatisieren gewollt und wenig überzeugend durch die Brille der späteren Opera. Andere betonen die Nähe zu Haydn und spielen op. 18 wie Haydn. "Wahr" ist weder das eine noch das andere; wie so oft ist der Mittelweg hier der goldene. Natürlich geht Beethoven über seine Vorgänger hinaus, aber er tut das noch mit der klassischen Geisteshaltung. Die dramatischen Ausdrucksmittel, die das Ringen der Kräfte auf der spirituellen Ebene symbolisieren, werden bis aufs äußerste gesteigert, aber das Ringen des Individuums und seine Seelenzustände bleiben noch außen vor.
Dazu passt der Interpretationsansatz des Smithson-Quartetts wie die Faust aufs Auge. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das noch besser machen sollte. Es sei denn, man bewaffnet sich mit Partitur, Metronom, Stoppuhr und Taschenrechner, um Fehler bei der Umsetzung des Textes zu suchen...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51lBu%2B7PVrL._SL500_AA300_.jpg
Amadé (26.03.2012, 18:43):
Original von Cetay
Was die Smithsons auszeichnet, ist eine unglaubliche (wenn man es nicht gehört hat) Ausgewogenheit zwischen Detailarbeit und großem Bogen. Da wird jede Phrase individuell mit Bedeutung aufgeladen, ohne dass manieriert Ecken und Kanten erfunden werden; im Gegenteil das fließt so organisch und entfaltet sich so natürlich, dass ich nicht vermeiden kann, das romantizistische Bild der Musiker als Erfüllungsgehilfen, durch die sich die Komposition wie von selbst entfaltet, zu zeichnen. Form und Inhalt erschaffen sich gegenseitig - es ist atemberaubend dabei "zuzusehen" und das geht nur mit Musikern, die in der Lage (und Willens) sind, sich selbst völlig zurückzunehmen und dem Augenblick das Richtige zu überlassen. Gerade dann, wenn sich die Abgründe auftun, "macht" das Ensemble überhaupt nichts, um das dem Hörer aufs Auge zu drücken und gerade dadurch ist die Wirkung so bezwingend.

@ Cetay

Das klingt ja äußerst verlockend, ich kenne zwar Jaap Schroeder und die Seinen, auch ihre Art zu musizieren, allerdings noch nicht diese Aufnahme. Für eine Berücksichtigung bei der nächsten Ergänzung von op.18,1 müsste ich sie mir irgendwie an Land ziehen.

Gruß Amadé
Amadé (09.05.2012, 20:11):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51lBu%2B7PVrL._SL500_AA300_.jpg

Der Klang der Aufnahme suggeriert, als säße man unmittelbar neben den Instrumentalisten, im rechten Ohr vernimmt man die Bratsche, im linken das Cello, angenehm. Die Interpretationen können sich hören lassen, allerdings wünschte ich mir hier und da eine Zuspitzung, etwas mehr Attake.

Gruß Amadé
Schroeder (10.06.2013, 01:38):
Auf der Suche nach einer Gesamtaufnahme der Beethovenschen Streichquartette habe ich mich nun auf diese beiden Aufnahmen eingeschossen:



und



Kennt jemand von Euch beide Aufnahmen, und wenn Ihr zwischen beiden wählen müsstet (sagen wir mal behufs der gern genommenen einsamen Insel), für welche würdet Ihr Euch ggf entscheiden?
abendroth (10.06.2013, 21:41):
Zwar würde ich keine der beiden Aufnahmen auf die Insel mitnehmen, aber wenn ich zwischen beiden wählen müsste, dann wohl das Alban Berg Quartett. Das ABQ war zweifellos eine der bedeutensten Quartettformationen in den letzten Jahrzehnten und seine Musiker waren keine Quartettspieler im Nebenberuf. Das ist wohl ein bisschen der Fall beim Gewandhausquartett, denn es wird aus den jeweiligen ersten Pulten des Gewandhausorchesters zusammengestellt. Natürlich sind das Topmusiker, aber ich finde ihre Beethovenquartette ein wenig zu sehr middle of the road. (Aud die einsame Insel würde ich die erste Gesamtaufnahme des Juilliardquartetts aus den 60-er Jahren mitnehmen, aber gerade diese, zurecht viel gepriesen, wird glaube ich nirgendwo mehr angeboten).
freundliche Grüsse
abendroth
Viola (11.06.2013, 12:13):
Hallo, Schroeder,
den Gedanken abendroths schließe ich mich an. Zwischen den beiden von Dir präferierten Quartetten würde ich auch für Alban Bergs plädieren. Ansonsten für die erste Juilliard-Aufnahme UND diejenige der Guarneris - hattest Du in diese auch reingehört? GöttlichST, finde ich. Ebenso wie die historischen Busch-Aufnahme. Die letzten beiden sind die Favoriten bei mir.

NUR NEBENBEI:
Über Erwarten gut gefällt mir die gerade bei Brilliant neu aufgelegte Gesamteinspielung des Suske-Quartetts. Dazu gibt es in der ZEIT eine Besprechung von Mirko Krüger.
Nach dem Hören der ersten zwei CDs kann ich der nur zustimmen: sehr moderne Interpretationen. Und diese Herren der Berliner Staatskapelle waren auch "nur" im Nebenjob. Nein, das muss keine Qualitäts-Trübung sein. Manche können's auch ohne endloses Beisammensein :wink

Pardon, aber das alles wolltest Du gar nicht wissen.

Gute Wahl letztlich
wünscht Viola
Schroeder (11.06.2013, 18:45):
Hallo, Viola (und danke auch Dir, abendroth),

doch, das wollte ich alles wissen. Je mehr Info, desto besser! :wink

Gibt es nur eine komplette Aufnahme der Guarneris? Dann hätte ich die nämlich, und zwar in der Beethoven-Gesamtausgabe von Brilliant, die ich mir vor Jahren zugelegt habe. Entstanden sind diese Einspielungen zwischen 1987 und 1992.

Die Suske-Einspielung klingt in der Tat so interessant (und ist auch preislich so attraktiv), dass ich sie spontan in die enge (und jetzt erweiterte) Auswahl aufgenommen habe. Wenn Alban Berg und Gewandhaus eher mit der (?) Guarneri-Aufnahme zu vergleichen sind, wäre Suske vielleicht die interessantere, weil anders angelegte Alternative, nicht?

Merci und Gruß,

Schroeder
Viola (11.06.2013, 20:52):
Hallo, Schroeder,
habe gerade mal meine Guarneri-Schachtel inspiziert, denn ich glaube, die haben in der Tat auch zwei Gesamteinspielungen vorgelegt.
Ja, wir haben die gleiche Box. Dann HAST Du doch schon das Maximum :wink

Also aus meiner Sicht kann man diesen warmen dunklen Ton der Guarneris keinstenfalls mit jenem der Alban Bergs vergleichen, aber das ist natürlich subjektiv. So gesehen würde ich Dir weiterhin diese Truppe (ABQ) empfehlen. Falls Du nicht zu Suskes überlaufen willst.

Du hast recht: bei dem Preis kann man eigentlich nichts falsch machen.

Und nicht zuletzt: Beethovens Streichquartette kann man nun wirklich nicht oft genug haben.

In diesem Sinne :beer
Schroeder (12.06.2013, 07:13):
Dann werde ich mir über die nächsten Tage mal die Guarneri-Aufnahmen in Ruhe zu Gemüte führen und mir dann noch die Suske-Version gönnen. Über amazon.com könnte ich die als mp3 sogar für (ganz knapp) unter zehn Dollar haben (ich lebe in den USA), aber gerade bei Klassik-Aufnahmen habe ich dann doch immer noch ganz gern die CDs im Regal stehen.

Danke für den Gedankenaustausch!
Viola (12.06.2013, 09:45):
Auch danke! Ja, geht mir mit den Computerdateien ebenso. Ich versuche sie zugunsten von etwas Handfestem zu meiden.
Viele Grüße und so weiter ...
Viola
Florestan (12.06.2013, 14:23):
Original von abendroth

(Auf die einsame Insel würde ich die erste Gesamtaufnahme des Juilliardquartetts aus den 60-er Jahren mitnehmen, aber gerade diese, zurecht viel gepriesen, wird glaube ich nirgendwo mehr angeboten).
freundliche Grüsse
abendroth

Doch, es gibt sie noch gebraucht zu kaufen, am günstigsten momentan bei amazon.co.uk. (Vorsicht: die meisten Angebote beziehen sich auf die 2. Staffel)
Da Sony jetzt aber die ganzen Altbestände zum xten Mal veröffentlicht, muss man nur ein wenig warten bis die Aufnahmen neu herauskommen werden.

Florestan
Viola (13.06.2013, 17:41):
Florestan
Vorsicht: die meisten Angebote beziehen sich auf die 2. Staffel

Berechtigter Hinweis, für mich kommt er nun leider zu spät. Aber ich habe diesen "Fehlkauf" trotzdem nicht bereut. Erstens lagen ihm - hatte ich auch noch nicht erlebt - gebrannte CDs mit einer Einladung zum direkten Vergleichen bei (Juilliard 2 mit ABQ), also abwechselnd ein Satz Juilliard, einer ABQ.

Und zweitens sind es Live-Aufnahmen, und wann immer ich kann, ziehe ich diese den "doppelten Konserven" vor. Man ist eben doch ein klitzeklein wenig in einem Konzert. Dort, wo Musik hingehört :tongue:


Und ...
Was die Suskes betrifft, ich habe jetzt gerade die Rasumowskys gehört. Bin begeistert. Sprühender Charme, als muss das nur so sein!!! :down
Beethovens Humor z. B., höre ich zum ersten Mal. Es ist eine Freude.
Cantus Arcticus (04.10.2013, 17:38):
Hallo Zusammen

ich habe gerade die Gesamteinspielung des Belcea Quartets gekauft:

ImO einsame Spitze!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61t67ZmWMSL._SL1105_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/71MKFX%2B%2BsSL._SL1500_.jpg

Grüsse :hello
Stefan
Viola (05.10.2013, 10:59):
Original von Cantus Arcticus
Hallo Zusammen

ich habe gerade die Gesamteinspielung des Belcea Quartets gekauft:

ImO einsame Spitze!

Grüsse :hello
Stefan

Lieber Stefan,
mit dieser Einschätzung bist Du nicht allein, ich kenne einige weitere begeisterte Hörer, auch wenn ich dieses Gefühl nicht ganz teilen kann. Weiß auch nicht, mir ist es etwas zu "grell", zu "aufgeregt", zu "flirrend" (bestimmt dreimal das falsche Wort).
Das Zusammenspiel ist natürlich auf höchstem Niveau, das stelle ich aber mehr mit dem Kopfe fest :wink

Mein Bauch spricht nach wie vor ganz klar für dieses Quartett:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71nB-XtnhjL._SL1200_.jpg

Kennst Du diese Aufnahmen schon?

Herzliche Grüße
Viola
Cantus Arcticus (09.10.2013, 15:37):
Original von Viola
Original von Cantus Arcticus
Hallo Zusammen

ich habe gerade die Gesamteinspielung des Belcea Quartets gekauft:

ImO einsame Spitze!

Grüsse :hello
Stefan

Lieber Stefan,
mit dieser Einschätzung bist Du nicht allein, ich kenne einige weitere begeisterte Hörer, auch wenn ich dieses Gefühl nicht ganz teilen kann. Weiß auch nicht, mir ist es etwas zu "grell", zu "aufgeregt", zu "flirrend" (bestimmt dreimal das falsche Wort).
Das Zusammenspiel ist natürlich auf höchstem Niveau, das stelle ich aber mehr mit dem Kopfe fest :wink

Mein Bauch spricht nach wie vor ganz klar für dieses Quartett:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71nB-XtnhjL._SL1200_.jpg

Kennst Du diese Aufnahmen schon?

Herzliche Grüße
Viola

Liebe Viola
Nein, diese Aufnahme kenne ich nicht. Bei mir ist noch das Guarneri Quartett in meiner Sammlung vetreten:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028944294026.jpg
Die Aufnahmen datieren zwischen 1988 und 1995

Grüsse :hello
Stefan
ab (09.10.2013, 17:34):
Original von Viola

NUR NEBENBEI:
Über Erwarten gut gefällt mir die gerade bei Brilliant neu aufgelegte Gesamteinspielung des Suske-Quartetts. Dazu gibt es in der ZEIT eine Besprechung von Mirko Krüger.
Nach dem Hören der ersten zwei CDs kann ich der nur zustimmen: sehr moderne Interpretationen. Und diese Herren der Berliner Staatskapelle waren auch "nur" im Nebenjob. Nein, das muss keine Qualitäts-Trübung sein. Manche können's auch ohne endloses Beisammensein :wink



Ich finde diese Suske-Interpretation auch schön zu Hören, gefällt mir besser als die Kollegen des Gewandhaus-Quartetts. Allerdings ziehe ich ihnen dann doch das Budapest Streichquartett (mono) oder auch das Ungarische Streichquartett vor, beide aus den 1950ern.

Diese Neuaufname des Tokyo String Quartets kenn ich nicht, fand aber ihren Mozart 2005 (KV 575, 589 & 590) für mein Empfinden grässlich, so dass ich mir das anzuhören gar nicht dran gedacht hätte.

Meine erfreulichste Entdeckung bei den Beethoven-Quartetten der letzten Zeit war, wie schon einmal gesagt, das Paganini Quartet aus den späten 1940ern.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Ai0sWqVoL._SL500_AA240_.jpg

Ich fürchte, um die Gesamteinspielung des Belcea Quartets werde ich nicht rum kommen; derzeit fehlt mir aber die Zeit, mich ihr näher zu widmen. Ich bin noch nicht einmal mit dem ABQ-Konzerthaus-Zyklus ganz durch, der mir im Allgemeinen besser als deren Studioaufnahme gefällt, der mich immer wieder ob der Qualität staunen macht, auch wenn ich mir die vibratoseligen Guarneris dann letztlich doch lieber anhöre.

Wirklich tief berührt mich nach wie vor wie keine andere das Busch Quartett aus den frühen 1930ern. :down
Eine Klasse für sich, durchaus für viele wohl gelegentlich sperrig und oft befremdend, stellt das Hagen Quartett dar, das ja noch immer keinen gesamten Zyklus auf Tonträger zusammen hat.
:hello
Amadé (10.10.2013, 09:26):
Ganz neu auf dem Markt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51yMXUiRz5L._SY450_.jpg

Drei der eindrucksvollsten Quartette vor den späten Opera: F-dur op.18 Nr.1, e-moll op. 59 Nr.2 und f-moll op.95 gespielt vom noch jungen Quatuor Voce.
Ich habe gestern Abend das erste Quartett gehört und war begeistert von der kontrollierten Spielfreunde, dem sehr homogenen Klang, der eher weich als forciert aus den Boxen kommt. Ich bin gespannt auf die beiden anderen Quartette.
Ich finde es nicht erforderlich, gleich den ganzen Zyklus der 16 Quartette aufzunehmen, dazu braucht es viel Reife, die man vor allem auch im Konzertsaal "erspielt". Warten wir es ab, wie sich das Quartett entwickelt.

Ein anderes junges Quartett, das sich nach oben spielt, ist das Amaryllis Quartett, das bereits Beethovens op.131 aufgenommen hat, daneben aber auch Wiener Schule und Vergessenes (Geza Fried) spielt. Im Konzertsaal hat mich das Quartett sehr beeindruckt.

Belcea Vol.1 besitze ich auch, ebenso die alten Aufnahmen mit dem Paganini Quartett, beeindruckend.

Gruß Amadé
ab (10.10.2013, 16:09):
Danke für diese beiden Hinweise! Beide habe ich noch nicht gehört, ja von den Voces nicht einmal etwas wahrgenommen.
:hello
Cetay (inaktiv) (03.01.2015, 11:09):
So sehr ich die späten Beethoven-Quartette mit dem Busch Quartett als Jahrhundertaufnahme schätze, so wenig kann ich damit leben, dass dort die Große Fuge, Op. 133 nur in einem Kammerarrangement von Felix Weingartener mit drauf ist. Daher suche ich weiter nach einer Alternativ-Einspielung, die den Buschs musikalisch wenigstens so nahe kommt, dass die unvermeidlich verbleibende Differenz durch die Große Fuge und den besseren Klang kompensiert wird - bislang vergeblich. Einer der Scharfrichter ist das Adagio ma non troppo e molto cantabile aus Op. 127, bei dem kein anderes Ensemble, das mir zusagen würde, die Spannung halten kann. Gerade habe ich mich wieder an den Tokyotern, die mir über alles eine sehr gute Wahl zu sein scheinen, mit Op. 127 aus ihrer ersten GA versucht. Wieder nichts! Es scheint einfach keine durchweg gelungene GA der späten Quartette zu geben, oder habe ich etwas verpasst?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71CRMs4927L._SL500_AA270.jpg
Amadé (04.01.2015, 10:44):
LIeber Cetay,
es ist in der Tat schwierig, eine Gesamtaufnahme der späten Quartette zu finden, die in allen Facetten restlos zufrieden stellt. Bei dem einen oder anderen Satz trifft ein sonst hervorragendes Ensemble nicht ganz die gewünschte Vorstellung, sei es im Bereich des Tempos, des Klangs der Instrumente oder der räumlichen Abbildung des Ensembles als Ganzem. Interpretatorische Eigenheiten kommen dazu und vieles mehr.
Bei aller Vergleicherei, wie Du weißt spreche ich da aus Erfahrung, darf auch die subjektive Wahrnehmung nicht unterschätzt werden. Man sollte sich fragen, ob es eine Idealaufnahme überhaupt geben kann, vor allem im Hinblick auf so unterschiedlich konzipierte Werke wie die letzten Quartette? Trösten wir uns mit einzelnen Spitzenaufnahmen, wie die des Busch Quartetts, des Budapester Streichquartetts, des Alban Berg Quartetts, des Juilliard Quartetts oder jüngeren Formationen wie Artemis, Hagen, Auryn, Petersen, Takasz, Prazak, Cremona oder Belcea. Hast Du Dir schon einmal das Berliner Philharmonia Quartett angehört? Mir gefällt es gut, teilweise sogar sehr gut, mir fehlte dabei leider op.132.

GRuß Amadé
Cetay (inaktiv) (04.01.2015, 11:15):
Lieber Amadé,

du hast natürlich Recht. Es ist halt ein bisschen ein Spleen von mir, der idealen Gesamtaufnahme hinterherzujagen - und (völlig sinnlos) zu fragen, welches die eine Aufnahme wäre, die ich wählen würde, wenn ich denn müsste. Das Berliner Philharmonia Quartett habe ich mit Op. 131 gehört, das war mir aber etwas zu -nun ja- philharmonisch. Belcea sind Spitze, kippen mir aber durch über-dramatische Zuspitzung ganz gelegentlich ins nervige. Mit den Cremonesern nimmt sich endlich ein Originalklangensemble den Zyklus vor, aber das ist mir zu einseitig auf Ecken und Kanten getrimmt. Merkwürdigerweise wollen mir meine einstigen Favoriten, die (alten) Juilliards gar nicht mehr gefallen, da kommt mir heute vieles zu gewollt vor. Unterm Strich wären es dann doch die Tokyoter, die wohl ein wenig glatt sind, aber auch am ausgewogensten.

:hello
Jürgen (12.01.2015, 13:55):
Leider habe ich bislang noch keinen Zugang zu Beethovens Streichquartetten gefunden. Ich will nicht behaupten, dass mir das Genre nicht liegt, Debussy, Ravel und Schubert gefallen mir schon.

Ich besitze eine Einspielung aus folgender Box:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51%2BfEu5vOiL.jpg
Sharon- Medici und Yale Quartet

Vielleicht habe ich ja bislang an der falschen Ecke angefangen.

Was meinen denn die Kenner (in Relation zu mir), mit welchem Quartett der Einstieg einfach gelingen könnte?

Oder sind obige Interpretationen einfach *?

Grüße
Jürgen
EinTon (12.01.2015, 14:47):
Original von Jürgen
Ich will nicht behaupten, dass mir das Genre nicht liegt, Debussy, Ravel und Schubert gefallen mir schon.


Dann gefällt dir vielleicht auch Janacek ("Intime Briefe") und vielleicht sogar das 2. von Ligeti (speziell mit dem Artemis Quartett).


Was meinen denn die Kenner (in Relation zu mir), mit welchem Quartett der Einstieg einfach gelingen könnte?

vielleicht mit dem allerersten (op. 18/1) (übrigens das "Beethovenschste" der frühen Quartette, es wurde auch nicht als erstes geschrieben), ich empfehle die Einspielung des Takacs Quartetts.
Cetay (inaktiv) (13.01.2015, 11:31):
Original von Jürgen
Was meinen denn die Kenner (in Relation zu mir), mit welchem Quartett der Einstieg einfach gelingen könnte?

Mit keinem. Nach deinem Hörprofil brauchst du zum Einstieg die hier:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Jd-oYg8ML._SL500_AA270_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/812ae8G0PuL._SL500_AA270_.jpg
opp. 127, 130 (mit großer Fuge), 131, 132, 135, arrangiert für 11-köpfiges Streichorchester von Terje Tönnesen
Camerata Nordica
Jürgen (14.01.2015, 14:21):
Original von Cetay
Original von Jürgen
Was meinen denn die Kenner (in Relation zu mir), mit welchem Quartett der Einstieg einfach gelingen könnte?

Mit keinem. Nach deinem Hörprofil brauchst du zum Einstieg die hier:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Jd-oYg8ML._SL500_AA270_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/812ae8G0PuL._SL500_AA270_.jpg
opp. 127, 130 (mit großer Fuge), 131, 132, 135, arrangiert für 11-köpfiges Streichorchester von Terje Tönnesen
Camerata Nordica

Na dann werde ich mal Spotify bemühen. Danke
EinTon (23.01.2015, 23:52):
Original von Cetay

opp. 127, 130 (mit großer Fuge), 131, 132, 135, arrangiert für 11-köpfiges Streichorchester von Terje Tönnesen
Camerata Nordica

Wenn schon Quartett, dann *richtig*, also dünn, klar und rein und nicht in trüber Streichorchester-Suppe aufgeweicht! :D

(Jedenfalls nicht "für den Einstieg :wink)

MFG,

Norman
Wooster (24.01.2015, 11:12):
Original von EinTon
Original von Cetay

opp. 127, 130 (mit großer Fuge), 131, 132, 135, arrangiert für 11-köpfiges Streichorchester von Terje Tönnesen
Camerata Nordica

Wenn schon Quartett, dann *richtig*, also dünn, klar und rein und nicht in trüber Streichorchester-Suppe aufgeweicht! :D

(Jedenfalls nicht "für den Einstieg :wink)

Dito!

Oder wenn schon, denn schon. Nämlich op.131 alla maniera di Mahler mit Bernstein und 80 Wiener Philharmonikern, nicht mit 11köpfigem Kammerorchester.

Was die Interpretationen der Brilliant-Box betrifft, habe ich von Sharon und Medici noch nie was gehört; die Yale-Aufnahmen genießen einen gewissen Kultstatus und sind jedenfalls nicht verkehrt (auch wenn sie nicht meine Favoriten wären).

Zum Reinhören würde ich auch op.18/1, außerdem op.95, 135 (die haben beide den Vorteil, kurz zu sein) und das sehr emotionale (aber vgl. mit 130 und 131 relativ traditionelle) op.132 empfehlen. Oder vielleicht eins, das mir früher nicht besonders gefallen hat, aber unterhaltsam und farbig ist: op.74 (auch was für die Ravel-Pizzicato-Freunde).
Wooster (24.01.2015, 11:17):
Original von EinTon
Original von Cetay

opp. 127, 130 (mit großer Fuge), 131, 132, 135, arrangiert für 11-köpfiges Streichorchester von Terje Tönnesen
Camerata Nordica

Wenn schon Quartett, dann *richtig*, also dünn, klar und rein und nicht in trüber Streichorchester-Suppe aufgeweicht! :D

(Jedenfalls nicht "für den Einstieg :wink)

Dito!

Oder wenn schon, denn schon. Nämlich op.131 alla maniera di Mahler mit Bernstein und 80 Wiener Philharmonikern, nicht mit 11köpfigem Kammerorchester.

Was die Interpretationen der Brilliant-Box betrifft, habe ich von Sharon und Medici noch nie was gehört; die Yale-Aufnahmen genießen einen gewissen Kultstatus und sind jedenfalls nicht verkehrt (auch wenn sie nicht meine Favoriten wären).

Zum Reinhören würde ich auch op.18/1, außerdem op.95, 135 (die haben beide den Vorteil, kurz zu sein) und das sehr emotionale (aber vgl. mit 130 und 131 relativ traditionelle) op.132 empfehlen. Oder vielleicht eins, das mir früher nicht besonders gefallen hat, aber unterhaltsam und farbig ist: op.74 (auch was für die Ravel-Pizzicato-Freunde).
Jan Van Karajan (04.12.2020, 22:21):
Ich besitze eine Aufnahme mit dem Alban-Berg-Quartett, mit der ich vollkommen glücklich bin :) .

Besonders das 2. Quartett aus dem Opus 18 hat es mir angetan. Ich höre sonst viel Orchestermusik und Klavierstücke, möchte mich aber bald im größeren Umfang Kammermusik und Vokalwerken zuwenden.
Mich fasziniert die enorme Bandbreite dieser Kammerstücke. Das 2. Quartett empfinde ich teilweise gar als heiter, während in den letzten Quartetten ab Opus 130 denkt man bereits an Abschied. Kammermusik ist vielleicht zunächst schwer zugänglich, aber Beethovens frühe Quartette können gewiss auch Einsteiger ansprechen.
Grüße
Jan :hello