Billy Budd (23.09.2011, 15:40): In Wien gibt es neben der hier öfters erwähnten Staatsoper und dem Theater an der Wien noch ein drittes größeres Opernhaus: Die Volksoper. Da ich ein häufiger Besucher dieses Hauses war/bin, habe ich mich entschlossen, einen Thread zu eröffnen, in dem über Aufführungen dieses Hauses berichtet und diskutiert werden kann. Severina hat erst eine Vorstellung der Volksoper behandelt; siehe hier (Der König Kandaules).
Der Großteil der Partien wird aus dem großen Ensemble besetzt, an manchen Abenden werden aber auch Gäste aufgeboten. Der internationalen Opernwelt bekannte Namen sind dort recht selten zu finden (Obwohl: Letzte Saison sang Renato Bruson Germont, Luis Lima Sou-Chong und Ferruccio Furlanetto in dem Musical "South Pacific".), aber einige Künstler (Spontan fällt mir Elisabeth Kulman ein.) begannen ihre Karriere an diesem Haus. Auch wenn die meisten Sänger der Forumsgemeinde unbekannt sein wird, könnte dieser Thread auch für etwaige Wiener Mitleser von Interesse sein. Außerdem tut es mir persönlich gut, nach einer Vorstellung das Erlebte niederzuschreiben. Das Repertoire besteht aus Opern, Operetten, Musicals und Ballettvorstellungen.
Dies ist eine kurze Einleitung; heute besuche ich eine "Fledermaus" und werde morgen darüber berichten.
Billy :hello
Severina (23.09.2011, 21:04): Lieber Billy, eine sehr gute Idee, dieser Thread! Vielleicht machst Du mir mit Deinen Rezensionen ja Lust, mich doch hin und wieder an den Währinger Gürtel zu verirren. An sich bin ich kein Fan der Volksoper, besonders dann nicht, wenn nicht in der Originalsprache gsungen wird. (Rigoletto auf Deutsch - da schüttelt es mich richtig!)
lg Severina :hello
PS: Auch Bo Skovhus' Stern ist vor vielen Jahren an der Volksoper aufgegangen, damals nannte er sich noch Boje!
Solitaire (24.09.2011, 09:19): Original von Severina damals nannte er sich noch Boje! Keine gute Idee für einen Sänger, jedenfalls nicht im deutschsprachigen Raum. :engel Die Versuchung nach einem schlechten Abend blöde witze zu machen ist ZU groß...ich will ja jetzt nicht mit der Heul-Boje kommen :ignore :D Alberner Modus aus. Ich mag Bo Skovhus übrigens sehr und freue mich auf Berichte aus einem weiteren Wiener Haus! :)
Billy Budd (24.09.2011, 11:08): Wiener Volksoper Freitag, den 23. September 2011 DIE FLEDERMAUS Johann Strauss
In der gestrigen „Fledermaus“ wurden zwei Sänger aufgeboten, die kürzlich vom Alfred zum Eisenstein und von der Ida zur Adele wechselten, was für mich ein Anlass war, ein Stück zu besuchen, das ich ansonsten eher umgehe. Angekündigt wurde auch Melba Ramos – eine Sängerin, die ich bis dato nur im dramatischen Sopranfach (Giorgetta u.a.) gehört habe und daher auf ihre Rosalinde gespannt war –, die aber (wie schon so oft) unangekündigt durch die bewährte KS Ulrike Steinsky ersetzt wurde. Frau Steinskys Stimme weist ein ganz leichtes Tremolo in höheren Lagen auf, ansonsten gibt es nichts zu bekritteln. Ihr Wienerisch ist perfekt und sängerisch liegt ihr diese nicht zu unterschätzende Partie sehr gut. Es ist schade, dass diese Künstlerin meines Erachtens seitens der Direktion vernachlässigt wird. Jörg Schneider, den ich als sehr guten Alfred kenne, sang gestern einen mittelmäßigen Eisenstein. Alles klang noch sehr einstudiert und am meisten störten mich seine gequietschten Lacher, aber stimmlich kommt ihm diese Rolle nicht wirklich entgegen (Dazu kommt sein eher teddybärhaftes Aussehen, welches für den Part des Alfred hervorragend passt.). Von Elisabeth Schwarz war ich doch positiv überrascht, zumal sie mich noch nie überzeugt hat. Ihren Auftritt im ersten Akt verpatzte sie; ab der Verlesung des Briefes ging es besser. Die Spitzentöne gelangen unterschiedlich und Koloraturgeläufigkeit kann man ihr nicht attestieren. Auch sie wäre meiner Meinung nach mit der Ida besser aufgehoben. Alexandra Kloose war als Orlofksy aufgeboten und es ist schön, die Fortschritte der Sängerin miterleben zu können; jeden Abend steigert sie sich hörbar. Ihr Timbre wird satter und voller, aber auch der russische Akzent gelang ihr sehr gut. Einschränkend muss bemerkt werden, dass ich in den Gesangspassagen kaum ein Wort verstanden habe. Marco di Sapia, der im Juni einen skandalösen Danilo geboten hatte, wirkte als Falke zu jung (Aber da sowohl Eisenstein und Frank jugendlich wirkten, fiel dies nicht so sehr ins Gewicht.), aber sein Bariton klang gestern wie immer leicht angestrengt. Er hat hörbar an der Artikulation gearbeitet, hin und wieder verschluckte er aber Wortendungen. Martin Winkler als Frank betonte mehr die aggressiven Seiten dieser Rolle (Aber ich höre in dieser Rolle lieber ein „Urgestein“ des Hauses, wie Kurt Schreibmayer und Josef Luftensteiner.) und sein Bass hörte sich gestern extrem knorrig und rau an. Die Sprechpassagen gelangen ihm gut, ohne eigene Akzente zu setzen. Alexander Pinderak stellte als Alfred den Schwachpunkt des Abends dar. Alle Höhen ließ er aus (Besonders schmerzlich wirkt dies bei Zitaten aus Opern, wie „Bella figlia dell amore“ und „Schon sendet nach dem Säumigen der Gral“) und sein schwacher Tenor ging in den Ensemblestellen unter. Gerhard Ernst lieferte als Frosch seine üblichen Witzchen. Mamuka Nikolaishvili war ein außergewöhnlich guter Ivan. Jeffrey Treganza als Blind ergänzte zufriedenstellend. Roberto Paternostro am Pult des Volksopernorchesters ließ jede Wienerische Note vermissen, aber ansonsten gelang es ihm sehr gut, einzelne Passagen herauszuarbeiten. Die Vorstellung war sehr schwach besucht (in über 13 Logen saß niemand und die Galerie war wohlwollend geschätzt zu einen Drittel besetzt.). Das anwesende Publikum spendete kurzen Applaus.
Billy :hello
Billy Budd (24.09.2011, 11:24): Liebe Severina und Solitaire, es freut mich, dass meine Idee hier Anklang findet. Ich besuche die Volksoper nun nicht mehr so oft, wie noch vor ein paar Monaten, was zum ersten mit sehr unerfreulichen Begebenheiten dort und zum zweiten mit dem doch ziemlich uninteressanten Programm (Beispiel September: Die "Lustige Witwe" in dieser Inszenierung interessiert mich nicht, "Hello Dolly" noch weniger, "Wiener Blut" mit solchen Sängern und in einer Regie, bei der ich im Vorhinein sagen kann, dass sie mir nicht gefallen wird und bei "Rigoletto" in deutscher Sprache und doch dazu in dieser Schrott-Inszenierung rollen sich mir die Zehennägel auf (Obwohl Jennifer O'Loughlin sicher eine gute Gilda wäre.); was bleibt denn da noch übrig?) zu tun hat. Jedenfalls freue ich mich auf die "Salome"-Premiere im Oktober, und auch die Wiederaufnahme der "Butterfly" (Originalsprache) gefällt mir. Beide Produktionen sind recht gut besetzt. Letztere könnte übrigens auch für Severina intressant sein; ich zitiere aus dem November-Programm: Den Tod der "Butterfly", die unerschütterlich an ihrer einsamen Liebe zu Leutnant Pinkerton festhält, nahm Regisseur Stefan Herheim zum Anlass, den Komponisten selbst auf die Bühne zu stellen und in die Verantwortung zu nehmen für das Schicksal der Hauptfigur. 2004 feierte "Madama Butterfly" ihre Premiere in der 2-aktigen Urfassung. Das wäre doch ganz nach Deinem Geschmack, oder? :D Mein nächster Besuch wird jedenfalls erst wieder am 15. Oktober sein. Billy :hello
Solitaire (24.09.2011, 11:59): Original von Billy Budd
Den Tod der "Butterfly", die unerschütterlich an ihrer einsamen Liebe zu Leutnant Pinkerton festhält, nahm Regisseur Stefan Herheim zum Anlass, den Komponisten selbst auf die Bühne zu stellen und in die Verantwortung zu nehmen für das Schicksal der Hauptfigur. 2004 feierte "Madama Butterfly" ihre Premiere in der 2-aktigen Urfassung. Das wäre doch ganz nach Deinem Geschmack, oder? :D Mein nächster Besuch wird jedenfalls erst wieder am 15. Oktober sein. Billy :hello
Genau! Puccini ist schuld, der Mistkerl der dreckerte :D Danke für deine Eindrücke der Fledermaus!
Fairy Queen (24.09.2011, 17:25): Lieber Billy Budd, der Herr Regisseur hat wahrscheinlich Helmut Kraussers Roman- Biographie "Die kleinen Gärten des Maestro Puccini " gelesen. (sehr empfehlenswerte Lektüre!!!!) Wenn man sich ein bisshcen mit den Frauengeschichten des Maestro befasst können solche Regie-Ideen shcon mal kommen. Wobei die Liu wahrscheinlich noch nâher als die Butterfly an Biographischem sein dürfte. Frauen die sich in pathetischer Weise für ihrer nciht werte Männer opfern sind jedenfalls aus Puccinis seiner gemâssem Italo-Macho- Kosmos nciht wegzudenken. F.Q.
Billy Budd (25.09.2011, 12:52): Liebe Fairy, das glaube ich weniger, da - wenn mich mein Wissenstand nicht trügt - dieses Buch erst 2008 erschienen ist, aber die Inszenierung aus dem Jahre 2004 stammt. Aber vielleicht stammt diese Idee ja von jemand anderem. Das Buch werde ich mir übrigens aus der Bücherei ausborgen und lesen. Billy :hello
Severina (25.09.2011, 13:02): Lieber Billy, die "Butterfly" werde ich einmal ins Auge fassen, denn da ich diese Oper in einer konventionellen Inszenierung schier unerträglich finde - daher rangiert sie in meiner Aufführungsstatistik auch ganz unten - könnte ich sie in einer Herheim-Regie VIELLEICHT aushalten! Danke für den Tipp!
lg Severina :hello
Billy Budd (16.10.2011, 22:07): Wiener Volksoper Samstag, den 15. Oktober 2011 SALOME Richard Strauss
Als Direktor Robert Meyer bei der Spielplanpräsentation im Frühjahr kundtat, er werde eine „Salome“ spielen lassen, gab es Zweifel im Stammpublikum (mich inbegriffen), ob vor allem das Orchester fähig sei, diese Oper zu spielen und ob gute sich Sänger auftreiben ließen. Beides davon trat ein und ich glaube nicht, dass ich mich zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass gestern die bisher beste Neuproduktion der Ära Meyer über die Bühne ging. Den besten Eindruck hinterließ die holländische Sängerin Annemarie Kremer in der Titelrolle. Ihr Sopran könnte mühelos ein größeres Haus füllen und in Anbetracht der Tatsache, dass sie sowohl die Rolle glaubhaft darstellte, als mir auch ihr weiches Timbre (Ich würde sie gerne als Tosca erleben.) sehr gefällt, verzeihe ich ihr, dass sie einige sehr tief gelegene Töne nicht erreichte und ihr Sopran ein Tremolo aufweist. Sebastian Holecek ist bei dem Großteil des Publikums sehr beliebt, aber ich konnte mich bin jetzt nicht mit ihm anfreunden, denn ich störe mich immer an seiner Art, über Notenwerte schlampig hinwegzusingen. Gestern hat er wohl hauptsächlich im Sinn gehabt, möglichst laut zu brüllen; mit weniger Krafteinsatz wäre er ein guter Jochanaan. Der Hausdebütant Wolfgang Aiblinger-Sperrhacke wurde heftig akklamiert, was sich mir nicht ganz erschloss, denn seinem leichten Tenor fehlt einiges an Durchschlagskraft. Darüber hinaus konnte er die Feigheit des Herodes nicht so recht vermitteln (Zum Beispiel den Satz „Er hat Deinen Namen nicht genannt.“ hätte ich mir ein wenig ausdrucksstärker gewünscht.) und er wirkte manchmal am Geschehen unbeteiligt. Irmgard Vilsmeier verkörperte eine sehr gute Herodias, nur klang die Stimme in den höheren Lagen etwas schrill. Jörg Schneider sang einen soliden Narraboth; ich vermisste ein wenig die Strahlkaft des Tenors. Martina Mikelic war ein exzellenter Page. Stefan Cerny in der kleinen, aber wichtigen Rolle des 1. Nazareners brachte meines Erachtens nach die beste Leistung des Abends. In wenigen Tagen wird er erstmals den Sarastro singen und ich bin gespannt, ob der bisher fast nur in Nebenrollen eingesetzte Sänger den Ansprüchen der Rolle gerecht werden wird. Stephen Chaundy (1. Jude), Paul Schweinester (4. Jude), Florian Spiess (1. Soldat) und Yasushi Hirano (Cappadocier) stachen aus dem restlichen Ensemble positiv heraus; Christian Drescher (2. Jude), JunHo You (3. Jude), Andreas Daum (5. Jude), Anton Graner (2. Nazarener) und Karl Huml (2. Soldat) agierten unauffällig. Roland Böer dirigierte laut dem Programmheft seine erste Salome und hinterließ einen recht zwiespältigen Eindruck. Besonders während dem Tanz der Sieben Schleier hetzte er und ließ durchwegs das Orchester zu laut spielen, worunter vor allem der Darsteller des Herodes zu leiden hatte. Der Besucher, der bei Herrn Böer buhte, verdient meine Anerkennung, denn als ich es vor einiger Zeit wagte, bei dem Schlussvorhang hin und wieder mein Missfallen kundzutun, schrammte ich knapp an einem Hausverbot vorbei. Am Ende wurden die Interpreten außergewöhnlich lange beklatscht. Ich habe es an der Volksoper noch nie erlebt, dass nach zweimaligem Ausgehen des Lichtes die Sänger nochmals an die Bühne zurückgeholt wurden. Ich bin mit Sicherheit von den tollen „Salome“-Vorstellungen an der Staatsoper verwöhnt, weswegen meine Urteile vielleicht zu kritisch ausfallen. An der Volksoper erwarte ich mir jedoch kein so hohes Niveau wie an dem Haus am Ring, weswegen die gestrige Premiere mit gutem Gewissen als Erfolg bezeichnet werden kann.
Billy :hello
Billy Budd (31.10.2011, 11:33): Wiener Volksoper Sonntag, den 30. Oktober 2011 CARMEN (In deutscher Sprache) Georges Bizet
Die seit 2001 dem Volksopernensemble angehörender Adrineh Simonian gab in der gestrigen Nachmittagsvorstellung ihr Rollendebüt in der Titelrolle. Äußerlich ist sie eine ideale Carmen, aber ihre Stimme verstrahlt keinerlei Sinnlichkeit, sondern ließ während der ganzen Vorstellung einen unangenehm rauchigen Beigeschmack hören. Arnold Rutkowski debütierte in der Rolle des José am Haus und hinterließ einen durchschnittlichen Eindruck. Herr Rutkowski stellte einen brutalen Typ auf die Bühne, der Michaëla so bald wie möglich loswerden möchte und auch am Ende keine Skrupel zeigte, Carmen zu ermorden. Schon zu Beginn sang er mit enormen Kraftaufwand, sodass es mich nicht verwunderte, gegen Ende des dritten Aktes leichte Ermüdungserscheinungen zu hören. Auch das Deutsch des aus Polen stammenden Sängers ist verbesserungswürdig. Egils Silins – der in dieser Rolle auch schon an der Staatsoper aufgetreten war – sang einen soliden Escamillo. Viel Ausstrahlung konnte er in einem solchen Kostüm nicht zeigen, weshalb man sich auf die musikalischen Werte konzentrieren musste. Sein Bassbariton ging größtenteils in den Orchesterfluten unter. Caroline Melzer hat sich seit ihrem Rollendebüt am 15. Jänner 2011 stark verbessert. Sie sang und spielte die Michaëla recht berührend, sodass einige Schärfen in höheren Lagen nicht weiter ins Gewicht fielen. Aus dem restlichen Ensemble stachen Thomas Zisterer (Morales und Dancaïro) und Andrea Bogner (Frasquita) hervor. Manuela Leonhartsberger debütierte als Mercedes und hatte stimmlich nicht viel zu bieten; Jan Martinik war ein unauffälliger Zuniga; Stephen Chaundy ein ebensolcher Remendado und Georg Wacks als Lillas Pastia, dem in dieser Produktion auch wenige Sprechpassagen gegeben sind, artikulierte sehr undeutlich. Der Chor agierte gut. Julia Jones schlug recht flotte Tempi an und ließ das Volksopernorchester zu laut spielen, brachte aber den Esprit und Schwung, den die Inszenierung nicht ausstrahlt. Dieselbige stammt von Guy Joosten und ist ein Relikt aus der Holender-Ära. Herr Joosten hat die Handlung in die Gegenwart verlegt, aber sonst keine Änderungen vorgenommen. Dass Escamillo in Anzug und Krawatte auftritt, im ersten und zweiten Akt Spielautomaten aufgestellt sind und sich in Lillas Pastias’ Kneipe ein laufender Fernseher befindet – das sind Ärgernisse, die man verschmerzen kann (Es gibt eben Schlimmeres.). Für entbehrlich halte ich es, dass im ersten Akt neben den Fabrikarbeiterinnen auch Kinder mit Zigaretten hantieren. Freundlicher Applaus beschloss eine ordentliche Repertoire-Vorstellung auf Volksopernniveau.
Billy :hello
Billy Budd (05.11.2011, 23:48): Wiener Volksoper Freitag, den 4. November 2011 SALOME Richard Strauss
Am gestrigen Abend wurde fast die komplette Zweitbesetzung (Mit Ausnahme der ersten vier Juden, des zweiten Nazareners, des ersten Soldaten und des Cappadociers bestand das singende Personal nur aus Rollendebütanten!) aufgeboten, was etliche Stammbesucher in die Volksoper lockte; aber sehr viele Sitze blieben frei, was der Direktion zu denken geben sollte, denn es handelte sich erst um die zweite Reprise der Neuproduktion. Ich möchte keine Sänger besonders hervorheben (Fast alle sangen ausgezeichnet.), weswegen ich in der Reihenfolge des Besetzungszettels vorgehe. Der in der Volksoper vielfältig eingesetzte (Gestern "Salome", heute "Zauberflöte", morgen "Wiener Blut".) Gerrit Prießnitz fiel bis dato hauptsächlich durch langweilige Dirigate auf, doch gestern wuchs er wahrhaftig über sich hinaus. Er dirigierte sehr schnell, doch ich hatte nie den Eindruck, er habe die Kontrolle verloren. Auch das Volksopernorchester habe ich selten so gut gehört. Otoniel Gonzaga war als Zweitbesetzung vorgesehen, aber er wurde durch den Hausdebütanten Andreas Conrad ersetzt, der einen ausgezeichneten Herodes bot. Er vermochte, den Charakter glaubhaft zu vermitteln und auch stimmlich ließ er keine Wünsche offen. Herrn Conrad wurde der größte Publukumszuspruch zuteil. Alexandra Kloose hat mir in keiner Rolle so gut gefallen, wie als Herodias. Sie verkörperte eine schlecht gelaunte und aggressive Frau und gesanglich gestaltete sie den Part hervorragend. Die recht unbekannte Morenike Fadayomi war in der Titelrolle aufegeboten und begeisterte mich auf der ganzen Linie. Ich möchte keine Anspielung auf das Alter der Sängerin machen, aber, wenn man annimmt, dass Salome sechzehn Jahre alt ist, so ist Frau Fadayomi um über dreißig Jahre älter, was in Anbetracht der Tatsache, dass sie den Part so phantastisch verkörperte, erstaunlich erscheint. Ihre Darstellung wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben. Manche Töne gerieten ein wenig schrill, was man dank der sehr guten gesanglichen Leistung getrost außer Acht lassen kann. Ich würde sie gerne als Butterfly und Aida erleben. Ihre Stimme ist groß genug, um auch an der Staatsoper auftreten zu können. Im Gegensatz zu Sebastian Holecek, der sich bei der Premiere durch den Jochanaan gebrüllt hatte, wartete Morten Frank Larsen mit einem viel differenzierteren Charakterportrait auf. Sein angenehm timbrierter Bariton erfüllt alle Ansprüche der Partie. Es ist erstaunlich, wie berührend und ausdrucksstark er Salome aufforderte, sie möge am Ufer des Sees von Galiläa niederknien, um kurz danach mit einem furchterregenden "Sei verflucht!" aufzuwarten. Vincent Schirrmacher ist mir von einem katastrophalen Rosillon im Juni 2011 in Erinnerung, aber gestern bot er einen sehr guten Narraboth. Auf hohem Niveau sei der Einwand gestattet, dass mir sein Tenor für diese Partie ein wenig zu schwer ist; Rusalka-Prinz und Sou-Chong dürften ihm besser liegen. Jan Martinik sang einen unspektakulären Ersten Nazarener. Florian Spiess (1. Soldat) und Yasushi Hirano (Cappadocier) fielen sehr positiv auf. Die fünf Juden agierten durchschnittlich. Positiv hervorzuheben sind Christian Drescher (Zweiter Jude) und JunHo You (Dritter Jude); zufriedenstellend sangen Stephen Chaundy (Erster Jude), Paul Schweinester (Vierter Jude) und Karl Huml (Fünfter Jude). Nicht überzeugend: Lysianne Tremblay (Page, der in dieser Produktion auch die Rolle des Sklaven übernimmt.), Anton Graner (Zweiter Nazarener) und Tamas Patrovics (Zweiter Soldat). Fazit: Eine ausgezeichnete Repertoire-Vorstellung, wie sie in der Volksoper kaum gelingt, was das Publikum mit langem Applaus zu würdigen wusste.
Billy :hello
EDIT/KORREKTUR: Im Bett liegend meinen ausgedruckten Bericht durchlesend ist mir aufgefallen, dass ich den Interpreten des Ersten Nazareners nicht erwähnt habe, was vermutlich meiner Müdigkeit zuzuschreiben ist. Also nochmals den Computer eingeschaltet und ergänzt!
EDIT/KORREKTUR 2 Offensichtlich war ich gestern Nacht nicht ganz bei mir, denn ich muss jetzt auch noch den 1. Soldaten und Cappadocier ergänzen.
Billy Budd (06.11.2011, 13:27): Wiener Volksoper Samstag, den 5. November 2011 DIE ZAUBERFLÖTE Wolfgang Amadeus Mozart
Gestern machte ich mich in die Volksoper auf, um Walter Fink – einen meiner Lieblingssänger – wieder als Sarastro zu erleben. Insgesamt handelte es sich um eine passable Vorstellung. Die Krone des Abends gebührt der für Susanne Elmark eingesprungenen Jennifer O’Loughlin in der Rolle der Königin der Nacht. Es tat gut, keine Soubrette zu hören (wie unlängst an der Staatsoper), sondern eine Koloratursopranistin, die keine Schwierigkeiten mit der anspruchsvollen Partie hat. Die Koloraturen kamen wie gestochen und die lyrischen Passagen („Zum Leiden bin ich auserkoren“) meisterte sie ebenso gut, wie die dramatischen Ausbrüche („Du wirst sie zu befreien gehen“). Auch die akzentfreie Aussprache der Amerikanerin fiel positiv auf. Leider sieht Direktor Robert Meyer sein aus nur als „Sprungbrett für junge Künstler“ (Quelle: „Die Bühne“, Dezember 2008, Seite 15), weshalb es nicht verwundert, dass Frau O’Loughlin in einem Interview andeutete, sie werde der Volksoper nicht mehr lange verbunden sein. Die ansonsten so lobenswerte Kristiane Kaiser sprang für Anja-Nina Bahrmann ein und hinterließ einen zwiespältigen Eindruck. Ihr Sopran besticht durch eine gute Mittellage und ein angenehmes Timbre, klingt aber in der Höhe unangenehm scharf. KS Walter Fink hat bekanntlich sehr schwankende Abende (Er ist allerdings nicht mehr der Jüngste ...). Normalerweise machen ihm tiefe Töne keine Probleme, aber die Höhen brechen weg; gestern war es genau umgekehrt. Von seinem resonanzreichen und herrlich timbrierten Bass war recht wenig zu merken. Die vorbildliche Diktion und gute Darstellung des Sängers sind nach wie vor positiv zu vermerken. JunHo You in der Rolle des Tamino hat sich seit seinem Rollendebüt im April 2011 verbessert. Mir gefällt aber das blechene Timbre des Tenors nicht. Michael Havlicek als Papageno blieb recht unauffällig. Sein hell timbrierter Bariton könnte durchaus etwas mehr Lautstärke vertragen. Yasushi Hirano als Sprecher habe ich besser in Erinnerung; einen sehr guten Eindruck hinterließ Christian Drescher als 2. Priester. Das Damenterzett – bestehend aus Elisabeth Flechl, Sulie Giradi und Alexandra Kloose – machte nicht viel Freude. Drei Wiener Sängerknaben wurden als drei Knaben eingesetzt und sangen sehr falsch. Otoniel Gonzaga und Florian Spiess waren zwei exzellente geharnischte Männer. Karl-Michael Ebner als Monostatos agierte zufriedenstellend; wenig überzeugend war Renée Schüttengruber als Papagena. Von Gerrit Prießnitz hätte ich mir in der Szene Sprecher-Tamino weniger Tempo gewünscht; aber ansonsten sorgte er für eine gute Wiedergabe von Mozarts Oper. Der Jubel des Publikums wurde gleichmäßig auf die Protagonisten verteilt.
Billy :hello
Tisiphone (07.11.2011, 13:04): Original von Billy Budd
"Manuela Leonhartsberger debütierte als Mercedes und hatte stimmlich nicht viel zu bieten"
Wiebitte?! Ich habe schon lange keine Mezzo mit einem so interessanten Timbre und einer so guten Technik gehört. Und auch die teilweise merkwürdige Choreographie/Regie konnte nicht über ihr schauspielerisches Talent hinwegtäuschen. Also für mich war Manuela Leonhartsberger das Highlight des Abends und meiner Einschätzung nach werden wir von dieser jungen Dame noch einiges hören und sehen.
Billy Budd (08.11.2011, 17:08): Lieber Tisiphone, Meinungen sind ja bekanntlich verschieden und so freut es mich für Dich, dass Dir Frau Leonhartsberger gefallen hat. Vielleicht kann ich ja meinen Eindruck in der "Butterfly" revidieren, aber die Kate ist ja nur eine kleine Rolle. Billy :hello
EDIT/ERGÄNZUNG: Wenn Du die Volksoper öfters besuchst, wäre es schön, von Dir mehr zu lesen. Ich freue mich immer über einen Gedankenaustausch!
Billy Budd (30.01.2012, 15:47): Gestern war ich seit längerer Zeit wieder einmal in der Volksoper und zwar bei einer konzertanten Wiedergabe der "Candide" von Leonard Bernstein. Ich bin kein Musical-Fan und deswegen hat mir auch die Musik nicht richtig zugesagt. Ich kann auch wenig über die Sänger sagen. Jedenfalls war der halbe Stehplatz der Staatsoper gestern in der Volksoper versammelt und es hat ihnen gefallen - was für die Qualität der Aufführung spricht. Auf jeden Fall werde ich dieses Haus in Zukunft öfters besuchen. Billy :hello
Billy Budd (10.02.2012, 12:45): Wiener Volksoper Donnerstag, den 9. Feber 2012 DER MANTEL, GIANNI SCHICCHI (In deutscher Sprache) Giacomo Puccini
Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich einen Besuch der beiden Einakter ins Auge fassen sollte. Glücklicherweise habe ich mich dafür entschieden; der Besuch hat sich gelohnt! Aber der Reihe nach: An der Wiener Volksoper wird der Mittelteil des „Trittico“ – die „Suor Angelina“ – ausgelassen. Die Begründung des Direktors war sinngemäß, dieses Stück würde als langweilig empfunden werden (Ich vermute aber eher, dass keine Besetzung zu finden war. Bei der Premiere wurden übrigens alle Rollen aus dem Ensemble besetzt!). Ich kann mich dazu nicht äußern, da ich das Stück nicht kenne. Jedenfalls ist der „Mantel“ (Ich verwende ab jetzt die deutschen Bezeichnungen, da in deutscher Sprache gesungen wurde.) seit gestern meine Puccini-Lieblingsoper. In welcher Oper findet sich noch so eine geballte Menge an Dramatik, Spannung, aber auch „schöne“ Melodien (Noch dazu dauert das Ganze nur eine knappe Stunde!)? Und besonders witzig finde ich es, dass Puccini sich selbst zitiert und Musik aus der „Bohéme“ eingebracht hat. Zu den Sängern: Besonders den Namen des Baritons und des Soprans sollte man sich merken, denn von ihnen wird man vermutlich noch einiges hören. Alik Abdukayumov hat vor etwas über einem Jahr einen ziemlich (sau-)mäßigen Escamillo geboten, sodass ich mir nicht allzu viel erwartet habe. Doch als Michele überzeugte er mich fast zu 100 Prozent. Sein interessant dunkel timbrierter, aber höhensicherer Bariton ist fast schon zu groß für die Volksoper. Besonders unter die Haut gegangen ist mir seine Gestaltung: Ich habe dem jungen Sänger die Verzweiflung ob des Ehebruchs genau so abgenommen, wie seine Rachegedanken. Allein, wie verzweifelt er Giorgetta „Du Hure!“ nachschrie, war bemerkenswert. Auch die Aussprache des Usbeken ist sehr gut. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf seinen Germont Ende März. Eine noch bessere Leistung bot die blutjunge und unbekannte Hyuna Ko als Giorgetta. Ich kann mich nicht erinnern, in letzter Zeit eine so packende Darbietung einer Sängerin erlebt zu haben. Das einzige Manko ist, dass manche Höhen ein bisschen scharf gerieten. Ihre Stimme ist nicht nur laut, sondern auch sehr schön und besticht auch durch klangvolle Tiefen. Ihr warmes und mit Ausnahme in exponierten Höhen nie scharf klingendes Timbre habe ich sowieso gleich ins Herz geschlossen. Ich hatte nie das Gefühl, sie sei mit der Tessitur überfordert – die junge Frau ist eine echte jugendlich-dramatische Sopranistin. Des weiteren ist die Diktion der Koreanerin geradezu vorbildlich. Ich schätze es besonders, dass sie sich nicht auf pures Singen verlegte, sondern wirklich spannendes Musiktheater bot. Jeden Moment, in dem sie sich auf der Bühne befand, tat sie etwas, ohne sich unangenehm in den Vordergrund zu spielen. Besonders packend war das Ende: Sie konnte das abgrundtiefe Entsetzen, den erwürgten Liebhaber zu sehen, vollkommen glaubhaft machen, was aber keineswegs aufgesetzt oder theatralisch wirkte. Fassen wir zusammen: Diese Leistung verdient das Prädikat „Sensationell“. Ich wünsche aus ganzem Herzen, dass Frau Ko ihre Karriere gut aufbaut (Und hoffentlich – ja, ich hoffe es wirklich – wird sie nicht verheizt, wie manche andere!), denn dann wird sie uns sicher noch zahlreiche beglückende Erlebnisse bescheren. Mehrzad Montazeri als Luigi konnte erwartungsgemäß nicht an diese beiden großartigen Leistungen anschließen – aber er agierte auch mehr, als zufriedenstellend. Er verfügt über ein baritonales Timbre, konnte aber mit herrlichen und fast vibratofreien Höhen aufwarten. Bei der Aussprache ist allerdings noch viel Steigerungspotential nach oben gegeben. Von Karl Huml (Maulwurf) habe ich mir nichts erwartet, denn bis jetzt habe ich fast nur inakzeptable Leistungen erlebt (Besonders grauenhaft war sein Sarastro.). Doch gestern schien er wirklich über sich hinauszuwachsen. Er hatte plötzlich eine gut hörbare, wenn auch recht hell timbrierte Stimme. Gerade noch anhörbar – weil sehr schrill – war Sulie Giradi als Hamsterin (bzw. Frettchen). Dagegen bot Karl-Michael Ebner als Hering eine wirklich feine Leistung. Wacker schlug sich Paul Schweinester als Liederverkäufer. Als Liebespaar waren Daniel Strasser und Özlem Bulut zu hören, wobei sie mehr, als er zu überzeugen vermochte. Nach der Pause wurde der Dirigent Stefan Klingele mit einem deutlich hörbaren Buhruf empfangen, was ich nur zum Teil nachvollziehen konnte. Er ließ es sowohl im „Mantel“, als auch im „Gianni Schicchi“ recht laut krachen, aber deckte kaum die Sänger zu. Das Volksopernorchester spielte recht plump. Der zweite Einakter konnte zwar nicht an die hohe Qualität des ersten anschließen, aber er lag durchaus über dem Volksoperndurchschnitt. Für die Titelrolle war Martin Winkler (der unlängst im Theater an der Wien den Gogol gesungen hat) vorgesehen, aber Michael Kraus sprang ein. Den Wiener würde ich gar nicht ungern öfters hören. Sein Bartion ist sehr kraftvoll, allerdings ein bisschen rau. Die Artikulation des Sängers ist sehr deutlich; schauspielerisch bot er ein wenig mehr, als nötig. Die Lauretta hat ja nicht viel mehr zu singen, als „O mio babbino caro“ – eine Arie, die wohl jedem Opernfreund bekannt ist –, insofern ist die Lauretta eine dankbare Partie. Anja-Nina Bahrmann entledigte sich ihrer Aufgabe mit Anstand; allerdings habe ich mir von ihr mehr erwartet. Der Rinuccio war KS Sebastian Reinthaller. Der Sänger polarisiert stark; von Teilen des Publikums wird er geliebt, von anderen Teilen gehasst. Ich kann seiner Stimme durchaus etwas abgewinnen, doch es ist schon beinahe ein Jahr her, als ihn das letzte Mal gehört habe. Doch gestern wurde ich nicht so recht glücklich. Er hatte große Schwierigkeiten vom Übergang von der Mittellage zur Höhe und auch sonst sang er recht leise und kurzatmig. Positiv ist seine Wortdeutlichkeit zu vermerken. Der Rest der Sänger hat bekanntlich nicht viel Gelegenheit, sich zu profilieren; weswegen ich die folgenden Leistungen recht knapp abhandeln kann: Von Christian Drescher (Gherhardo) habe ich mir mehr erwartet; Elisabeth Flechl war eine unauffällige Nella; sehr positiv auffallend war der junge Bassist Florian Spiess als Betto (Rollendebüt; er avancierte vom Doktor zum Betto.); Andreas Daum (Simon) hatte zu Beginn Schwierigkeiten, konnte sich aber steigern (Dass mir sein Timbre nicht gefällt, ist nicht seine Schuld.); Alexandra Kloose war eine junge Zita; Klemens Sander (Marco) agierte unauffällig; die erst 27-jährige Martina Mikelic war eine Cieska mit bemerkenswert großer Stimme und Sokolin Asillani verkörperte einen sehr guten Notar. Heinz Fitzka (Pinellino), Paul Schweinester (Doktor) und Jaroslaw Jadczak (Guccio) blieben unauffällig; nicht akzeptabel war Simon Fischerauer als Gherhardo. Das Haus war ausverkauft (Auch auf dem Stehplatz fanden sich einige von der Staatsoper bekannte Besucher ein.), aber seltsamerweise zeigte das anwesende Publikum wenig Begeisterung. Es gab kaum Bravorufe und der Applaus währte nicht lange. Schade, denn besonders der „Mantel“ hätte kräftiger akklamiert gehört. Alles in allem war es ein lohnender Besuch. In der letzten Szene des „Mantels“ habe ich eine Gänsehaut gespürt, so gefesselt war ich. Solche Momente habe ich nur ganz selten, umso mehr schätze ich sie!
Billy :hello
Billy Budd (14.02.2012, 22:03): Wiener Volksoper Montag, den 13. Feber 2012 LA TRAVIATA Giuseppe Verdi
Überraschend gut geriet die gestrige „Traviata“ an der Wiener Volksoper. Es handelte sich um die erste Vorstellung der Saison, weswegen ich davon ausgehe, dass sich manche Leistungen noch verbessern werden. Im Sommer hat Severina geschrieben, sie werde der Volksopern-Traviata gerne eine Chance geben. Ich hoffe wirklich, dass sie diese Ankündigung wahr macht (Termine gibt es noch einige – ich würde ihr die beiden im März empfehlen – und Karten sind noch zuhauf vorhanden.), denn sie kann diese traumhafte Inszenierung, für die Hans Gratzer verantwortlich zeichnete – sicher besser, als ich beschreiben und ich wette, dass diese ihr sehr gut gefallen wird. Ich möchte daher nur ein paar kleine Anmerkungen machen: Sie schafft nämlich zwei unglaubliche Kunststücke: Zum ersten funktioniert sie nach zehn Jahren noch immer sehr gut (Bei welcher modernen Produktion gibt es das schon?) und zum zweiten befriedigt sie sowohl die Anhänger librettotreuer Umsetzungen, als auch Besucher, die sich eine Interpretation des Regisseurs erwarten (Fans des extremen Regietheaters à la Bieto ausgeklammert, denn perverse Orgien verbunden mit einer Schrottplatzästhetik sucht man in dieser „Traviata“ vergeblich!). Im Vergleich zu unserer alten Schenk-Produktion, die im Prunk und Kitsch erstickte und zu unserem neuen Dreck an der Staatsoper, der schnellstens eingestampft gehört, siegt die Volksopern-Traviata mit Abstand. Die ganze Zeit über ist die Bühne in bläuliches Licht getaucht. Eine halbe Stunde vor Beginn ist der Vorhang bereits oben und Violetta liegt regungslos in ihrer Liegstatt, die sich im vorderen rechten Eck befindet und den ganzen Abend über vorhanden ist. Ein Teil der Bühne ist durch einen durchsichtigen Vorhang vom vorderen getrennt und während des Vorspiels betritt ein Mädchen mit einem Luftballon, dessen Bedeutung erst in der Schlussszene klar wird. Violetta streckt die Arme zu ihn aus (Eine ähnliche Situation findet sich auch im Schlussbild; vielleicht handelt es sich um eine Erinnerung Violettas oder um ihre Seele?). Auch einzelne Szenen sind sehr gut herausgearbeitet, zum Beispiel, als Alfredo Violetta das Geld vor die Füße schmeißt. Am Boden liegt Violetta; Alfredo sucht einen Fluchtweg. Auf die Seite kann er nicht, denn dort stehen die Ballgäste und hinten ist sein Vater aufgetaucht. Also kauert er sich an die Wand und man merkt, dass er seine Tat aufrichtig bereut. Die für mich stärksten Momente hält das vierte Bild bereit. Alfredo und Violetta sinken sich nämlich nicht in die Arme, sondern sind durch den durchsichtigen Vorhang getrennt. Das mag merkwürdig erscheinen, ergibt aber Sinn: Eine Rettung gibt es nicht mehr. Später erscheint noch Germont, der seinen Sohn tröstet und mitnimmt. Auch Alfredos Schwester und deren Bräutigam sind zu sehen; Violettas Opfer hat eine Heirat ermöglicht! Bei ihrem Tod sind alle handelnden Personen verschwunden und das Mädchen mit dem Luftballon betritt die Bühne. Die beiden nähern sich und als Violetta tot umfällt, lässt das Mädchen den Ballon in die Höhe steigen. Die Inszenierung hat eine unglaublich starke Wirkung und ich gestehe, dass ich – obwohl ich sie nicht zum ersten Mal gesehen habe – vom Schlussbild so beeindruckt war, sodass ich mich eine gefühlte halbe Minute nicht rühren konnte. Die Inszenierung erzählt die Geschichte auf eine enorm gefühlvolle Weise, ohne in Kitsch abzudriften. Mit einem Wort: Ich halte diese Produktion für herausragend! Doch auch musikalisch gibt es viel erfreuliches zu berichten (Ja, die Volksoper hat im Vergleich zum Haus am Ring in letzter Zeit oft die Nase vorne!) Für eine ganz große Überraschung sorgte Karl Huml in der kleinen Rolle des Grenvil. Wie schon vor wenigen Tagen in meiner Besprechung zum „Tabarro“ erwähnt, hat sich der Bassist – der früher immer Darbietungen jenseits von Gut und Böse abgeliefert hat – enorm gesteigert. Gestern ließ er seinen warmen Bass hören und verlieh dem letzten Freund der Sterbenden viel Wärme, Ausdruck und Menschlichkeit. Eine hervorragende Darbietung kam vom Rollendebütanten Matthias Klink. Mir gefällt sein leicht metallisches Timbre und die Stimme schafft sowohl die Tiefen, als auch die Höhen exzellent. In der ersten Hälfte der Vorstellung dachte ich mir noch, forcierte er ein bisserl weniger, wäre er ein ganz herausragender Interpret des Alfredo. Nun, in der Szene, als er Violetta sein Geld vor die Füße schmeißt, passierte ihm bei dem hohen Ton ein peinlich hörbares Missgeschick. Als er den letzten hohen Ton erreichte, setzte die Stimme aus und es kam nur ein Krächzen. Gott sei Dank, muss man sagen, denn hernach sang er viel gefühlvoller und mit weniger Kraft, was auch um Häuser besser klang. Morten Frank Larsen ist neben Sebastian Holecek der Hausbariton der Volksoper und bringt üblicherweise solide Leistungen. Als profilloser Scarpia war er eine herbe Enttäuschung, aber der Germont kommt seiner etwas samtigen Stimme viel besser entgegen. Üblicherweise hat er Probleme mit der Aussprache und auch gestern war so manche Akzentsetzung recht abenteuerlich. Sein Bariton besticht durch eine gute Tiefe und ebensolche Mittellage, die Höhe klingt manchmal recht dünn, was sich in erster Linie bei „Di provenza“ störend bemerkbar machte. Ein großer Schauspieler wird er nie, aber dank einer grauhaarigen Perücke konnte er Autorität zeigen. In Summa war das eine gute Leistung eines Sängers, der auch schon an der Staatsoper in Hauptpartien (Jochanaan, Mandryka, Capriccio-Graf, Falke, Eisenstein, Albert und auch in kleineren Rollen, wie Silvio und Harlekin) aufgetreten ist. Meiner Ansicht nach wäre er als Eugen Onegin und Simon Boccanegra typenmäßig goldrichtig besetzt. Melba Ramos ist das, was man eine feste Stütze der Volksoper nennt, denn sie singt an diesem Haus ein großes und breit gefächertes Repertoire, das von der Tosca zur Rosalinde, von der Michaëla zur Butterfly, von der Ariadne zur Pamina reicht. Ich war leichtsinnig genug, am Tag vor der Vorstellung ein Vergleichshören von „E strano“ auf Youtube durchzuführen und es liegt auf der Hand, dass man sich an der Volksoper keine Weltklasse-Violetta erwarten darf. Frau Ramos ist eine gute Hausbesetzung. Ihr voluminöser Sopran besitzt in tiefen Lagen einen durchaus sinnlichen Beiklang, verliert aber in der Höhe an Qualität. Die Koloraturen meisterte sie mit Anstand, zeigten aber doch ihre Grenzen auf. Des weiteren war das „E tardi!“ eher beiläufig, anstatt verzweifelt gesungen. Während der Vorstellung erhielt sie übrigens im Gegensatz zu den anderen beiden Protagonisten keine Bravi. Es sei erwähnt, dass alle drei Sänger die der Premiere (!) an der Staatsoper weit übertroffen haben. Auch das restliche Ensemble zeigte sich in guter Verfassung. Es waren Mara Mastalir (Flora), Heike Dörfler (Annina), Paul Schweinester (Gastone), Florian Spiess (Douphol) und Alexander Trauner (Marquis). Bitte verzeiht mir, dass ich erst in einer weiteren Besprechung auf sie alle eingehe. Nicht glücklich wurde ich mit dem Dirigat von Nicholas Milton. Die Orchestervorspiele zum ersten und letzten Akt dirigierte er recht beiläufig (Und so sehr ich im Herbst Bertrand de Billy verrissen habe, aber das hat er gut gemacht!) und auch den ganzen Abend ließ er sich (manchmal zu viel) Zeit (Aber zu schnelle Tempi sind bei der Traviata tödlich!). Dafür konnte ich Germonts Arien, durch die meinem Geschmack nach immer zu gehetzt wird, endlich adäquat begleitet hören. Des weiteren hätte er manchmal die Lautstärke zurücknehmen sollen. Orchester und Chor agierten in gewohnter Volksopern-Bericht. An der Volksoper ist bedauerlicherweise der Schlussapplaus üblicherweise sehr kurz und wenig enthusiastisch. Gestern war es anders: Wir erklaschten nach den üblichen Solovorhängen noch einen Durchgang. Aber: Als der Eisene Vorhang heruntergelassen wurde, wollte ich schon aufgeben, aber andere Besucher klatschten weiter, sodass ich auch wieder anfing. Aber dann trat ein uniformierter Mann vor den Vorhang und machte dem Publikum unmissverständlich klar, jetzt sei Schluss. Hä??? An dem Gesichtern der Sänger hat man beim zweiten Durchgang gesehen, wie sie sich freuten und dann wird ihnen der Applaus seitens des Hauses verweigert?? Auf die zwei Minuten wäre es auch nicht angekommen, zumal es noch vor zehn Uhr war. Dieses Verhalten ist mir unverständlich! Am Freitag bin ich natürlich wieder drinnen :leb!
Billy :hello
Billy Budd (17.02.2012, 22:39): Wiener Volksoper Freitag, den 17. Feber 2012 LA TRAVIATA Giuseppe Verdi
Bereits zum 100. Mal ging die Inszenierung der „Traviata“ von Hans Gratzer über die Bühne der Wiener Volksoper. Ich liebe sie und verweise diesbezüglich auf meinen Bericht der letzten Vorstellung. Der Alfredo hieß diesmal Oliver Kook, über den meistens schlecht geschrieben wird, sodass ich eine positive Überraschung erleben konnte. Im Gegensatz zu der Stimme von Matthias Klink, die ihren Besitzer eher für das deutsche Fach empfiehlt, weist Herrn Kooks doch einen „italienischen“ Beiklang auf. Er phrasierte sehr schön, hatte aber Schwierigkeiten beim Übergang von der hohen Mittellage zur Höhe. Bei den Spitzentönen war eine Anstrengung unüberhörbar. Melba Ramos hat sich im Vergleich zur letzten Vorstellung sehr gesteigert. Das einzige Manko ist, dass sie die Koloraturarie im ersten Akt etwas – nun ja – eigenwillig abschloss; zumindest waren da ein paar Töne falsch. Ansonsten bot sie eine Violetta, die sie durchaus für ein größeres Haus empfiehlt. Die Darstellung der Person meisterte sie berührend und ihre voluminöse Stimme hat eine sehr gute Tiefe, aber die Höhe wurde doch ein wenig schrill. Morten Frank Larsen sollte sich nur abgewöhnen, die „r“ so überzubetonen und merkwürdig zu rollen. Ansonsten sang er einen berührenden Germont und hatte diesmal weniger Höhenprobleme, als bei der letzten Vorstellung. Auch die Interpreten der Comprimario-Partien fielen positiv auf. Ausnahme hiervon war Alexander Trauner, der sich mit einer heiseren Stimme durch den Marquis brüllte. Katharina Ikonomu war eine Luxus-Annina; Florian Spiess sang mit kräftiger Stimme einen sehr guten Douphol; Paul Schweinester führte mit schöner Stimme Alfredo beim Ball ein; Karl Huml war ein menschlicher Dottore und Mara Mastalir gab mit kleiner und etwas schriller Stimme eine passable Flora. Nicholas Milton gehört zu der Sorte von Taktschlägern, die in Verdis „Traviata“ hauptsächlich Humtata sehen und besonders bei den Chorstellen wähnte ich mich Schrammelmusik hörend beim Heurigen. Freuen wir uns also auf die nächsten Vorstellungen, denn da steht mit Alfred Eschwé wieder ein echter Dirigent am Pult. Chor und Orchester machten brav ihre Pflicht. Das Publikum zeigte sich während der Vorstellung nicht sonderlich begeistert, bedachte die Mitwirkenden aber bei den Schlussvorhängen mit kräftigen und mit einigen Bravi durchsetzten Applaus. Das Haus (inklusive Stehplätze) war sehr voll; es fand sich aber auf der Galerie außer mir nur ein Stammbesucher ein. Zur Klarstellung: Ich bin der letzte, der behauptet, an der Volksoper sei jede Vorstellung exzellent. Im Gegenteil, wie man – um ein Beispiel zu nennen – einen Alexander Pinderak engagieren kann, um ihn im ersten Fach einzusetzen, ist mir schleierhaft. (Von Michael Ende ganz zu schweigen.) Aber die derzeitigen „Traviata“-Vorstellungen sind in der Tat super, sodass ich erwäge, mir die Serie in der Staatsoper zu schenken und mich wegen dieses Werkes öfters ins Haus am Gürtel zu begeben.
Billy :hello
Billy Budd (28.02.2012, 14:45): Wiener Volksoper Montag, den 27. Feber 2012 DER MANTEL (In deutscher Sprache) Giacomo Puccini
Ich war gestern noch einmal im „Mantel“. Der „Gianni Schicchi“ wurde auch gegeben, aber da ich den „Mantel“ für eine großartige Oper halte und mich der „Gianni Schicchi“ mit der Zeit langweilt, beschloss ich, schon in der Pause heimzugehen. Obgleich in den Hauptrollen die selben Sänger, wie bei meinem letzten Besuch aufgeboten waren, hat mich die Aufführung nicht überzeugt. Alle schienen nicht mit dem ganzen Herzen bei der Sache gewesen zu sein. Hier ein paar kurze Anmerkungen: Alik Abdukayumov hatte nicht seinen besten Tag; von Gestaltung konnte im Gegensatz zur letzten von mir besuchten Vorstellung keine Rede sein; er wirkte ausgelaugt. Auch die Leistung von Hyuna Ko hat sich rapide verschlechtert; einiges geriet sehr schrill und von schauspielerischem Totaleinsatz ist diesmal nichts zu vermelden. „Der Tenor ist eine Witzfigur.“, sagte ein Freund über Mehrzad Montazeri. Mit dieser Meinung hat er nicht Unrecht, denn Herr Montazeri brüllte diesmal, was seine Stimmbänder hergaben. Alexandra Kloose war eine sehr schrille Hamsterin (bzw. Frettchen); Andreas Daum (Maulwurf), Christian Drescher (Hering) und Paul Schweinester (Liederverkäufer) waren zufriedenstellend, wobei ersterer auch eine gute schauspielerische Leistung bot; Lidia Peski und Martin Dablander (Liebespaar) waren mit dünnen Stimmchen entbehrlich. Am Pult stand der bewährte Hausdirigent Alfred Eschwé und leitete routiniert die Vorstellung. Sowohl die Sitz-, als auch die Stehplätze waren gut besucht.
Billy :hello
Billy Budd (16.03.2012, 21:26): Wiener Volksoper Freitag, den 16. März 2012 DER MANTEL (In deutscher Sprache) Giacomo Puccini
Heute machte ich mich wieder in die Volksoper auf, um mir Puccinis „Mantel“ – eine meiner Lieblingsopern – wieder einmal anzuhören. Wie auch beim letzten Mal habe ich mir den darauffolgenden „Gianni Schicchi“ geschenkt. Geboten wurde eine durchwachsene Vorstellung. Ich bin kein Fan von Sebastian Holecek, aber zu meiner großen Verwunderung konnte er mich als Michele vollkommen überzeugen und ich habe mich gefragt, weshalb dieser prächtige Bariton nicht schon längst an der Staatsoper engagiert ist und dort in Hauptpartien eingesetzt wird. Herr Holecek bringt für diese Rolle alles Notwendige mit. Sein kraftvoller Bariton sprach in allen Lagen sicher an und bestach durch Wortdeutlichkeit und Ausdruck. Auch schauspielerisch bot er eine sehr gute Leistung. Maida Hundeling hätte wirklich gute Anlagen, aus denen sich etwas machen ließe. Und so stellt sich die Frage, weshalb sie nur auf Lautstärke bedacht war und forcierte, was auf Kosten des doch recht schönen Timbre ging. Mehrazd Montazeri befand sich hörbar in keiner guten stimmlichen Verfassung, was ihn aber nicht hinderte, zu brüllen (wie auch beim letzten Mal). Enttäuschend geriet die Darbietung von Alexandra Kloose (Hamsterin/Frettchen). Hohle Tiefen wechselten einander mit herausgespieenen Höhen. Das Timbre von Andreas Daum (Maulwurf) gefällt mir schlicht und einfach nicht, weswegen ich es dabei bewenden lasse. Eine sehr gute Leistung hingegen bot Christian Drescher als Hering. Paul Schweinester, Özlem Bulut und Daniel Strasser sangen die Nebenrollen mit dünnen Stimmchen. Alfred Eschwé dirigirte das Volksopernorchester etwas zu laut. Die Galerie war äußerst schütter besetzt, aber auf dem Stehplatz fanden sich sehr viele Besucher ein.
Billy :hello
Billy Budd (24.03.2012, 22:32): Wiener Volksoper Samstag, den 24. März 2012 LA TRAVIATA Giuseppe Verdi
Anlass meines Besuchs war die Wiederbegegnung mit Ha Young Lee (oder Hayoung Lee), die im März 2010 als Einspringerin für Kristiane Kaiser am Haus debütierte. Ihre damalige Leistung fand ich großartig, weswegen ich gespannt war, ob sie wieder eine solche bringen könne. Nun – sie konnte es leider nicht. Am meisten störte mich, dass sie jeden Spitzenton herausschrie und zudem ein wenig zu tief ansetzte. Ihre Stimme wies nicht nur in der Höhe ein starkes Vibrato auf. Des weiteren fand ich ihre Schluchzer entbehrlich. Was wiederum für sie spricht, ist, dass ihre Stimme nichts an Volumen vermissen ließ. Sie erbrachte eine einigermaßen überzeugende schauspielerische Leistung. Melba Ramos hat mir unlängst besser gefallen; auf Bernarda Bobro bin ich gespannt. Für eine positive Überraschung hingegen sorgte Alexander Pinderak als Alfredo, zumal ich ihn auch im September 2010 in dieser Rolle gehört hatte. Über die damalige Darbietung möge der Mantel des Schweigens gebreitet werden, aber heute erbrachte er eine zumindest gerade noch akzeptable Leistung. Sein etwas gaumiges Stimmchen gefällt mir schlicht und einfach nicht. Alik Abdukayumov enttäuschte als Germont. Dass der erst 32-jährige Bariton nicht in der Lage war, die Person des Germont dazustellen, sei verziehen (Dazu gehört, dass er in einem beträchtlichen Teil des ersten Aktes eine Hand in der Hosentasche hatte. Dass er beinahe gegen einen Vorhang gerannt war, irritierte mich. Am Skurrilsten war aber, dass er Violetta von hinten umarmte und sein Gesicht an eine ihrer Schultern presste.). Nicht verzeihen kann ich, dass er seinen ganzen Part ohne Ausdruck und Phrasierung herunterbrüllte. Eine Stehplatzbesucherin erzählte mir, als Geisterbote sei er großartig gewesen. In dieser Rolle kann ich ihn mir in der Tat auch gut vorstellen. Unter dem restlichen Ensemble stach Yasushi Hirano (Dottore) sehr positiv; Alexander Trauner (Marquis) allerdings sehr negativ hervor. Alfred Eschwé leitete routiniert das Volksopernorchester. Nach manchen sehr guten Vorstellungen an der Volksoper wurde heute Hausmannskost geboten. Anlass zum Jubeln gab es freilich nicht. Das Publikum tat es trotzdem.
Billy :hello
Billy Budd (28.03.2012, 22:46): Wiener Volksoper Montag, den 26. März 2012 RUSALKA (In deutscher Sprache) Antonín Dvorák
Vorgestern besuchte ich eine Vorstellung der "Rusalka" in der Volksoper. Zumal ich kaum über Vergleichsmöglichkeiten verfüge und zugegebenermaßen nicht die ganze Vorstellung über konzentriert zugehört habe, verfasse ich keinen Bericht, sondern möchte nur ein paar Anmerkungen machen: Grund meines Besuches war die Besetzung des Prinzen mit Vincent Schirrmacher. Wie zu erwarten war, brachte er die beste Leistung. Ich traue mir selten, Prognosen herzustellen, vermute aber stark, dass dieser Sänger das Potenzial hat, in zwanzig Jahren ein wirklich guter Kaiser, Bacchus, Siegfried oder Calaf zu sein. Die laute Stimme verfügt über einen baritonalen Kern, wartet aber mit strahlenden und fast vibratofreien Höhen auf. Leicht enttäuscht war ich von Kristiane Kaiser. Positiv möchte ich ihre überzeugende schauspielerische Leistung erwähnen. Dimitry Ivashchenko sang den Wassermann mit einer sicher geführten, in allen Lagen sicher ansprechenden und akzentfreien Bassstimme, klang jedoch etwas zu leichtgewichtig. Bei Alexandra Kloose hat mich hauptsächlich ein Registerbruch gestört. Ich hatte das Gefühl, sie sänge mit zwei verschiedenen Stimmen. Schwächster Punkt der Aufführung war Ursula Pfitzner als fremde Fürstin, deren Töne in meinem Ohr sehr unangenehm klangen. Unter den kleinen Rollen stach Martina Mikelic als dritte Waldelfe positiv hervor. Ich verstehe nicht, weshalb als Premierendirigent ein Gast geholt wurde, wenn Alfred Eschwé der Volksoper eng verbunden ist. Er vermochte aus dem Volksopernorchester einiges herauszuholen. Billy :hello
Billy Budd (30.06.2012, 13:11): Wiener Staatsoper Freitag, den 29. Juni 2012 DIE ZAUBERFLÖTE Wolfgang Amadè Mozart
Nach über drei Monaten machte ich mich gestern wieder in die Volksoper auf. Ich habe beschlossen, in Zukunft dort wieder öfters hinzugehen (es ist sehr praktisch: Man kauft die Karte im Vorverkauf um 2 Euro, erscheint zehn Minuten vor Beginn und bekommt einen sehr guten Platz) – für September habe ich „Carmen“, „Entführung“, „Salome“ und „Traviata“ eingeplant. Obwohl für die Staatsoper der Juni ein vergleichsweise sehr guter Monat war, dümpeln dort einige Repertoirevorstellungen auf blamablen Niveau dahin, weswegen ich vorerst auf andere Häuser ausweiche. Grund meines Besuchs dieses von mir recht ungeliebten Stücks war die Besetzung des Papageno mit Clemens Unterreiner. Unser lieber Staatsoperndirektor holt seine Sänger großteils aus seinem Pariser Umfeld (das Ergebnis hören wir ja …), aber ich verstehe beim besten Willen nicht, weshalb der völlig unzureichende Kammerer den Papageno seit Jahren gepachtet hat (nur alle paar Jahre gibt es jemanden anderen zu hören), zumal es im eigenen Ensemble mehrere Alternativen gibt. Dass Unterreiner die mit Abstand die beste ist, hat er gestern sehr eindrucksvoll bewiesen. In letzter Zeit ist er mir öfters ziemlich auf die Nerven gegangen, als er in Kleinrollen maßlos übertrieb, aber gestern konnte er (endlich!) sein Potential in einer Hauptrolle unter Beweis stellen. Ich bin mit dem Stellen von Prognosen immer vorsichtig, aber mich dünkt, dass Unterreiners Stimme eindeutig in Richtung Heldenbariton tendiert und er in einigen Jahren vom Alten Diener zum Orest, vom Zweiten Nazarener zum Jochanaan, vom Donner zum Wotan wechseln wird – die Liste ließe sich fortführen. Seine kraftvolle Stimme verfügt sowohl über eine voluminöse Tiefe, als auch über eine sichere Höhe. In den (deutlich gesprochenen) Dialogen wurde nichts steif deklamiert, sondern jedes Wort gestaltet. Schauspielerisch verlegte er sich nicht auf vordergründiges Geblödel. Es erschließt sich mir überhaupt nicht, weshalb er diese Rolle nicht endlich auf der Staatsopernbühne singen darf – dazu ist es höchste Zeit! Jennifer O’Loughlin halte ich für eine unterschätze Sängerin. Das einzige Manko war, dass ihr in der zweiten Arie ein paar Koloraturen verrutschten und da nicht alles lupenrein gelang. Ansonsten war sie eine ideale Interpretin der Königin der Nacht, die mit gestochen scharfen Spitzentönen aufwarten konnte. Ich bedaure es, dass sie demnächst das Ensemble verlassen wird. Die restliche Besetzung hatte Volksopernqualität. Ein wenig enttäuscht war ich von Jörg Schneider, der gelegentlich mit Kraft nach oben drückte. Höhensicherheit gehört im Gegensatz zu Durchschlagskraft nicht zu den Stärken dieses Tenors, dessen schauspielerische Möglichkeiten auch etwas eingeschränkt sind. Andrea Bogner dagegen habe bis gestern nur in Soubrettenrollen (Adele u.a.) wahrgenommen und war ob ihrer gestrigen Pamina positiv überrascht. Für die Volksoper ist ihre kleine Stimme gerade groß genug, aber sie vermochte ein berührendes Rollenportrait zu vermitteln. Es tut mir leid: Mit Andreas Daum kann ich gar nichts anfangen. Als Sarastro war er für Volksopernverhältnisse eine gerade noch akzeptable Besetzung. Seine Stimme lässt Resonanz vermitteln und klingt sehr schroff. Die Tiefen erreichte er nur mit großer Mühe. Schauspielerisch brachte er hingegen eine gute Leistung. Sebastian Holecek war für den Sprecher eine Luxusbesetzung – ich freue mich schon auf den gekürzten Ring, in dem er den Wotan singen wird. Wenig überzeugend hingegen war Thomas Sigwald als zweiter Priester. Elisabeth Flechl, Adrineh Simonian und Alexandra Kloose sangen drei gute Damen. Wolfgang Gratschmaier (Monostatos) nennt eine unverwechselbar timbrierte Stimme sein Eigen, was ihn für mich genrell einnimmt, allerdings hat er einen stärkeren Hang zum Distonieren. Jedenfalls war die körperliche Bewegungsfähigkeit des nicht mehr jungen Sängers beachtlich. Keine Freude machte Renée Schüttengruber als Papagena mit flatternder Stimme. Drei Wiener Sängerknaben sangen besser, als üblich. Ich habe schon einmal geschrieben, dass ich Otoniel Gonzaga für den unterschätztesten Tenor der letzten fünfzig Jahre halte. Seine Stimme ist baritonal timbriert, verfügt aber über strahlende Höhen und Durchschlagskraft. Sein Timbre liebe ich. Da er schon siebzig Jahre alt ist, ist es höchst beachtlich, dass er sich sein Material so lange Zeit erhalten hat. Aber gestern klang er nicht in gewohnter Qualität (in seinem Alter kann das vorkommen!). Leider war auch der über über vierzig Jahre jüngere Florian Spiess nicht in Form. Es ist möglich, dass dieser sich in keiner guten Verfassung befand, da er die letzte Vorstellung abgesagt hat. Ansonsten ist mit den beiden der Choral der geharnischten Männern öfters der musikalische Höhepunkt einer Volksopern-„Zauberflöte“. Enrico Dovico entpuppte sich als verlässlicher Dirigent, ohne besondere Akzente zu setzen. Der Chor (Einstudierung: Thomas Böttcher) hatte einen wackligen Einsatz und agierte ansonsten mittelmäßig. Dem Publikum hat es gefallen.
Billy :hello
Billy Budd (08.10.2012, 21:48): Der heutige Abend hat gezeigt, dass die Volksoper durchaus mehr sein kann als eine unbedeutende Nebenerscheinung zum Haus am Ring. Alle (!) Interpreten der Hauptrollen erbrachten ausgezeichnete Leistungen (wann gabs so etwas zuletzt an der Staatsoper?), sodass ich keinen heraushebe. Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (wenn er sich im hinteren Teil der Bühne aufhielt, war er schwer zu hören, was aber dem sehr sängerunfreundlichem Bühnenbild geschuldet ist), Irmgard Vilsmaier (endlich eine Herodias, die kreischte „wie ein Raubvogel“), Maida Hundeling (Tiefe hatte sie überhaupt keine und vom Text verstanden hat man sehr wenig; letzteres hat mich aber nicht gestört), Egils Silins, Vincent Schirrmacher und Martina Mikelic boten alle tolle Leistungen. Von den kleinen Rollen stachen Stefan Cerny (erster Nazarener) und Yasushi Hirano (Cappadocier) positiv, Andreas Daum (fünfter Jude) aber negativ hervor. Alfred Eschwé machte seine Sache sehr gut. Unverständlich ist mir aber, wie man unmittelbar nach dem Verklingen des letzten Tons zu applaudieren beginnen kann. Es dauerte eine gefühlte halbe Minute, bis ich mich überhaupt rühren konnte. Ich freue mich schon auf die nächsten drei Aufführungen! Billy :hello
Billy Budd (13.10.2012, 22:11): Entgegen meiner Erwartung habe ich mich heute gar nicht gelangweilt, was sicher zumindest teilweise an der tollen Besetzung der Hauptrolle lag. Das Hausdebüt von Jacquelyn Wagner (einspringend für Rebecca Nelsen) gelang ausgezeichnet. (Über eine nervöse Anfangsminute kann hinweggesehen werden.). Zu der hervorragenden gesanglichen Leistung kam auch eine berührende Gestaltung. Der starke Jubel des (nicht zahlreich erschienenen) Publikums war völlig berechtigt. Oliver Kook schummelte sich um die heiklen Stellen gekonnt herum, sodass jedem, der die Rolle des Alfredo nicht kennt, nicht auffiel, dass sie ihn überfordert. Ansonsten gefällt mir seine dunkel timbrierte Stimme gut. (Wennst eine tolle Violetta hast, ist der Rest eh wurscht – also: Schwamm drüber!) Tito You besitzt einen schön (hell) timbrierten Bariton und sang alles richtig. Von Nachteil waren aber sein viel zu jugendliches Aussehen und die fehlende Bühnenpräsenz. Yasushi Hirano war für den Grenvil eine absolute Überbesetzung, aber Christian Drescher wurde als Gastone falsch eingesetzt. Julia Jones dirigierte gelegentlich zu laut, machte aber ansonsten gute Arbeit. Das Orchester spielte ein bisschen unsauber. Billy :hello
Hyacinth (13.10.2012, 23:48): In den STOP-Thread kopiert! :J
Hyacinth (14.10.2012, 10:48): In meiner Begeisterung hab ich diese Kritik doch glatt in den VOP-Thread geschrieben! Tut mir Leid, falls das für Verwirrung sorgen sollte, habe nur "Berichte aus..." gelesen und munter drauflosgetippt :wink
Falls man das rüberkopieren kann, wäre das super.
Hyacinth :hello
Billy Budd (16.10.2012, 22:40): Die Besetzung des Jochanaan mit Sebastian Holecek machte die Vorstellung zum Erlebnis. Dieser Sänger gehört längst an die Staatsoper engagiert! Sehr zufrieden konnte man auch mit Andreas Conrad und Irmgard Vilsmaier sein. Recht grenzwertig sang Morenike Fadayomi, die gewiss eine tolle Sängerin war, aber jetzt eine ziemlich kaputte Stimme, mit der sie aber dennoch Eindruck machen kann, besitzt. Mit Fortdauer des Abends verringerte sich ihr Flackern. Jörg Schneider ließ als Narraboth zwei (schwierig zu singende) Töne aus und hinterließ sonst keinen bleibenden Eindruck. Mit der (erst 26-jährigen) Dorottya Láng war der Page ordentlich besetzt. Ferner fielen Yasushi Hirano (Cappadocier) und Stefan Cerny (Erster Nazarener) positiv auf, aber Tamas Patrovics (Zweiter Soldat), Paul Schweinester (Vierter Jude) und Anton Graner (Zweiter Nazarener) agierten auffallend schlecht. Alfred Eschwé gelang es diesmal nicht so gut, Spannung aufzubauen. Billy :hello
Billy Budd (28.10.2012, 19:40): Andreas Conrad war ein phantastischer Herodes, Morenike Fadayomi steigerte sich im Laufe der Vorstellung, Jörg Schneider hatte einen guten Tag und Gerrit Prießnitz machte es deutlich besser als sein Vorgänger. Soweit zu den Pluspunkten. Egils Silins war ein unspektakulärer Jochanaan, Alexandra Kloose enttäuschte und Martina Mikelic hatte keinen guten Tag. Stefan Cerny fiel im Gegensatz zu Petar Naydenov, Tamas Patrovics (Soldaten) und Paul Schweinester (4. Jude) positiv auf. Nicht dass ich die Uralt-Salome der Staatsoper für das Maß der Dinge halte, aber besser als der Pfusch an der Volksoper ist sie allemal. Billy :hello
Billy Budd (25.01.2013, 22:14): Es war erfreulich, dieses eigentlich sehr witzige Werk in einer durchwegs guten Besetzung (Ausnahme: Morten Frank Larsen, der war fehlbesetzt) hören zu können. Billy :hello
Billy Budd (20.05.2013, 22:19): Sehr spontan habe ich mich heute zu einem Besuch in der Volksoper entschieden, was sich als sehr gute Idee herausgestellt hat, zumal die heutige Vorstellung die beste dieser Oper war, die ich bis jetzt erlebt habe. Nur die drei Damen (Cornelia Horak, Adrineh Simonian und Alexandra Kloose) waren fast nicht anhörbar, JunHo You wartete als Tamino mit einer passablen Leistung auf (seine Stimme ist etwas zu metallisch und die Aussprache grauenhaft, sonst hat aber alles gepasst) und an die Tatsache, dass die drei Knaben stets falsch singen, habe ich mich schon gewöhnt, aber alle anderen Sänger machten ausgezeichnete Arbeit: Beate Ritter, die heute ihr Rollendebüt gab, hat sich von einer sehr guten Papagena zu einer ganz hervorragenden Königin der Nacht entwickelt. Ihre Leistung war großartig; alle Koloraturen kamen gestochen scharf und genau und auch sonst sind nicht die geringsten Abstriche zu machen. Nicht minder erfreulich, aber nicht so unerwartet war die ausgezeichnete Leistung von Anja-Nina Bahrmann in der Rolle der Pamina, was auch über den Papageno von Klemens Sander zu sagen ist. Dass Walter Fink ein exzellenter Sarastro ist, dürfte mittlerweile bekannt sein, weswegen es sich erübrigt, darauf besonders hinzuweisen. Eine Luxusbesetzung war Christian Drescher für den Monostatos, wie auch Otoniel Gonzaga und Petar Naydenov ihre Aufgaben als geharnischte Männer überragend gut erledigten. Yasushi Hirano und Thomas Sigwald waren zwei wohltönende Priester; Johannna Arrouas gab eine kecke Papagena. Roberto Paternostro machte, von einigen zu schlampigen (und damit sängerunfreundlichen) Einsätzen (zum Beispiel in der zweiten Arie der Königin der Nacht) abgesehen, seine Arbeit recht gut. Fazit: Diese Zauberflöte geriet um einiges besser als alle der letzten Zeit im Haus am Ring. Ich weiß, dass keineswegs alles gut ist, was an der Volksoper gespielt wird, aber auch der größte Kritiker dieses Hauses muss gerechterweise zugeben, dass es dort auch gelegentlich bemerkenswert gute Vorstellungen gibt. Billy :hello
Billy Budd (24.05.2013, 17:09): Gestern (ich kann erst heute den Bericht einstellen) war ich in der Volksoper, um mir die Loriot-Kurzfassung vom Ring anzuhören, was in zweierlei Hinsicht zu einem Vergnügen wurde. Zum einen war es wirklich lustig, die sehr witzigen Zwischentexte Loriots (gesprochen von Robert Meyer) zu hören, andererseits gab es auch genügend Anlass, die gesanglichen Leistungen unterhaltsam zu finden. Es liegt freilich auf der Hand, dass man an der Volksoper keinen brauchbaren Wagner-Gesang erwarten darf, aber ein Haus, dass viele Rollen so derartig mies besetzt, sollte sich überlegen, ob es sich lohnt, dieses Stück überhaupt anzusetzen, zumal ich mir auch nicht wirklich im Klaren bin, für welche Zielgruppe diese Produktion geplant war: Leuten, die die Stücke kennen, werden gestern wohl die Ohren geschmerzt haben, aber um wagner-unkundige Opernbesucher zu diesem Komponisten zu verführen, war der gestrige Abend wohl doch zu ulkig. Also: Einzig Sebastian Holecek erbrachte eine gute Leistung, obwohl er, sänge er den Wotan in einer ganzen Produktion, sich wahrscheinlich die Stimme ruinierte. Irmgard Vilsmaier war als Brünnhilde noch halbwegs in Ordnung, obwohl man bedauerlicherweise kein einziges (!) Wort verstanden hat. Endrik Wottrich machte sich mit kehligem, geknödeltem Stimmchen als Siegmund/Siegfried ziemlich lächerlich (ich kann gut verstehen, dass man ihn in Bayreuth während der Vorstellung hinausgebuht hat!), Martin Winkler (Alberich) brülle fünf Minuten lang und war dann heiser, Caroline Melzer war eine Sieglinde mit rauer, flackernder Stimme, Karl-Michael Ebner ist eine schlechte Mime-Karikatur und über die peinliche Fricka von Alexandra Kloose breitet man besser überhaupt den Mantel des Schweigens. Stark unterbesetzt war auch der Hagen mit Petar Naydenov (warum hat das nicht – wie ursprünglich angekündigt – der Fink gemacht??) und was sich sonst noch auf der Volksopernbühne tummelte, bleibt der Höflichkeit wegen besser unerwähnt (besonders lustig waren der röhrende Alexander Trauner als Gunther und die kreischenden Rheintöchter Adrineh Simonian und Sulie Girardi (auch als Waltraute)). Jac van Steen machte es nicht besser als Thielemann letzte Saison an der Staatsoper und das will was heißen (gut, dieses Debakel kann auch dem Volksopernorchester anzulasten sein). Billy :hello
Billy Budd (25.05.2013, 23:02): Obwohl heute großteils die selben Sänger aufgeboten waren, gelang die Vorstellung bei weitem nicht so gut wie die letzte. Mari Moriya (nicht Moriva, wie angeschrieben) ist noch sehr jung und ging die Königin der Nacht recht vorsichtig an, weil sie diese Rolle offenbar überfordert. Ihre technischen Fehler müssen auch noch verschwinden. Dass diesmal Sulie Giradi die dritte Dame gab, veranlasste sogar eine Verschlechterung. Gerrit Prießnitz übertraf am Dirigentenpult aber seinen Vorgänger. Billy :hello
Billy Budd (17.10.2013, 22:37): Diese Vorstellung gelang in brauchbarer Volksopernqualität: Robert Wörle war ein zu leiser Herodes, Morenike Fadayomi warf sich vollkommen in die Titelpartie, Egils Silins gab einen stimmgewaltigen Jochanaan, Alexandra Kloose kreischte und gurgelte nur ein bisschen herum und fiel ansonsten als Herodias nicht auf, und Mehrzad Montazeri (Narraboth) hat wunderbares Stimmaterial, brüllt aber jedesmal, was das Zeug hält. Unter den kleinen Rollen fielen Christian Drescher (2. Jude), Petar Naydenov (1. Soldat) und Yasushi Hirano (Cappadocier) positiv auf; über den Rest darf geschwiegen werden. Das Musikdrama spielte sich also hauptsächlich im Orchester ab, das Alfred Eschwé hervorragend leitete. Billy :hello
Billy Budd (11.03.2014, 23:49): Mit dieser Produktion kann die Volksoper einen Erfolg für sich verbuchen, obwohl in deutscher Sprache gesungen wurde. Daniel Johannsen war ein ausgezeichneter Interpret der Titelrolle, Elisabeth Flechl, die aber nicht ihren besten Tag hatte, eine sehr gute Lady Billows, die Leistung von Alexander Trauner (Pfarrer) fiel passabel aus, und abgesehen von Sulie Girardi (Mrs. Herring) und dem hörbar indisponierten Christian Drescher (Mr. Upfold) boten die restlichen Sänger (Alexandra Kloose/Haushälterin, Cornelia Horak/Lehrerin, Andreas Mitschke/Polizist, Daniel Ochoa/Sid und Christiana Marie Riedl/Nancy Waters) hörenswerte Leistungen. Vanessa Zips, Anna Grobauer und Enzo Gaier waren die Kinder; Gerrit Prießnitz dirigierte gut. Der Besucherandrang war beschämend niedrig, bei den Vorhängen kam gar keine Stimmung auf. Billy :hello
Billy Budd (16.03.2014, 22:06): Neil Shicoff schmiss den ersten Akt (abgesehen vom Schluss) und das „Nessun dorma“, bot aber ansonsten eine mehr als zufriedenstellende Leistung, Melba Ramos gab eine gute Turandot, Anja-Nina Bahrmann enttäuschte im ersten Akt, sang aber im dritten gut, Petar Naydenov fiel als Timur positiv auf, die drei Minister (Klemens Sander, Karl-Michael Ebner und Alexander Pinderak) passten, Jeffrey Treganza war als Altoum eher schwach, von Yasushi Hirano (Mandarin) hätte ich gerne mehr gehört. Dass besonders im ersten Akt Chor und Orchester oft auseinander lagen, ist auf dem Mist von Guido Mancusi gewachsen. Die Inszenierung ist toll. Billy :hello
Billy Budd (23.03.2014, 22:01): Neil Shicoff setzte zwar das "Nessun dorma" in den Sand, bot aber eine ansonsten gute Leistung, Melba Ramos hat besser in die Turandot hineingefunden, auch wenn sie für das sehr geschätzte Ensemblemitglied eine Grenzpartie darstellt, Anja-Nina Bahrmann war verbessert, Petar Naydenov fiel im Vergleich zum letzten Sonntag ab, Yasushi Hirano stach auch heute in der kleinen Rolle des Mandarin positiv hervor. Otoniel Gonzaga (früher ein ganz ausgezeichneter Sänger; man wird halt auch nicht jünger) machte seine Sache als Altoum gut, die drei Minister (Günter Haumer, David Sitka und JunHo You, Ersterer noch am besten) gereichten dem Gelingen der Vorstellung, die Guido Mancusi heute nicht kaputt machte, nicht zum Vorteil. Billy :hello
palestrina (23.03.2014, 23:53): Original von Billy Budd Otoniel Gonzaga (früher ein ganz ausgezeichneter Sänger; man wird halt auch nicht jünger) Billy :hello
Hallo Billy Budd, ob er so ein ausgezeichneter Sänger war möchte ich sehr bezweifeln! Ich habe in sehr oft sehen müssen ....wenn der Rest vom Ensemble der gesehenen Oper o.k. war, (wie bei dir mit Shicoff) . Wir haben uns immer wieder geärgert wenn er im Maskenball angesetzt war, (er war die Alternative für Luis Lima )aber wegen der Zampieri und Zancanaro sind wir doch immer wieder gegangen . Die höhen waren immer gequetscht , und spielen konnte er auch nicht gut ! Er hatt oft in Frankfurt gesungen, war auch eine Zeit lang im Ensemble .
LG palestrina
Billy Budd (27.03.2014, 21:52): Original von palestrina Original von Billy Budd Otoniel Gonzaga (früher ein ganz ausgezeichneter Sänger; man wird halt auch nicht jünger) Billy :hello
Hallo Billy Budd, ob er so ein ausgezeichneter Sänger war möchte ich sehr bezweifeln! Ich habe in sehr oft sehen müssen ....wenn der Rest vom Ensemble der gesehenen Oper o.k. war, (wie bei dir mit Shicoff) . Wir haben uns immer wieder geärgert wenn er im Maskenball angesetzt war, (er war die Alternative für Luis Lima )aber wegen der Zampieri und Zancanaro sind wir doch immer wieder gegangen . Die höhen waren immer gequetscht , und spielen konnte er auch nicht gut ! Er hatt oft in Frankfurt gesungen, war auch eine Zeit lang im Ensemble .
LG palestrina Hmmm ... ich finde schon, dass er eine echt tolle Stimme hat(te).
P.S.: Falls wen anderen eine Aufnahme interessiert: http://www.youtube.com/watch?v=BIShejTy-H8, zum Vergleich: http://www.youtube.com/watch?v=yG51-XIbRPE (mit ca. 70!); bzw: http://otonielgonzaga.com/arias.html .
Billy Budd (29.03.2014, 00:29): wurde erfreulicherweise zu einer hervorragenden Vorstellung. Mit Ausnahme von Jeffrey Treganza (der sich aber seit seinem Rollendebüt als Monostatos vor knapp drei Jahren deutlich verbessert hat) und der passablen Claudia Goebl (Pagagena) erbrachten alle Sänger (Walter Fink/Sarastro (das Maß aller Dinge), Jörg Schneider/Tamino (heute hatte er einen sehr guten Tag), Beate Ritter/Königin der Nacht, Birgid Steinberger/Pamina (sie bewies, dass auch eine nicht mehr junge Sängerin eine wunderbare Pamina singen kann), Klemens Sander/Papageno, Günter Haumer/Sprecher, Christian Drescher/Zweiter Priester, Caroline Melzer, Adrineh Simonian und Martina Mikelic/Damen und Otoniel Gonzaga und Petar Naydenov/Geharnischte Männer) ausgezeichnete bis sehr gute Leistungen; nicht einmal die Sängerknaben nervten und Gerrit Prießnitz erfüllte zu meiner Zufriedenheit seine Pflicht am Dirigentenpult. Billy :hello
Billy Budd (14.06.2014, 22:22): Hoch ist es der Volksoper anzurechnen, daß sie sich im Strauss-Jahr an diese verdammt gute und völlig zu unrecht so selten gespielte Oper gewagt hat. Konzertant wars zwar, aber das hat überhaupt nicht gestört, da die Sänger mitspielten (jeder sang auswendig) und mit Lichteffekten (Ausgehen des Lichtes bei Einsetzen der „Feuersnot“ etc.) beeindruckende Stimmungen erzielt wurden. Außerdem ließ die geniale Musik (bin gespannt, wer die Motive Fafners und des Fliegenden Holländers, sowie die Persiflage auf Faust I entdeckt hat!) eine (womöglich mißglückte) szenische Umsetzung keineswegs vermissen. Mit Hans Graf, den ich an der Staatsoper schmerzlich vermisse, wurde ein ausgezeichneter Dirigent geholt, der aus dem Volksopernorchster das Maximum herausholen konnte. So extrem gut habe ich es noch nie gehört! Großer Schwachpunkt der Aufführung war der mittelmäßige Kunrad von Dietrich Henschel (naja, besser als der ursprünglich angesetzte Larsen hat ers auf jeden Fall gemacht). Zugegeben, die Rolle ist schwierig, aber man sollte sie nur singen, wenn man mit ihren Anforderungen wenigstens einigermaßen zu Rande kommt. (Eiche ist wahrscheinlich die derzeit beste Besetzung , aber sowohl von der heutigen, als auch von der Münchner Aufführung wird eine Aufnahme produziert, und es ist verständlich, daß kurz hintereinander nicht zwei Aufnahmen derselben Oper mit demselben Bariton herausgebracht werden wollen). Ausgezeichnet dagegen waren Kristiane Kaiser (Diemut) und Roman Sadnik (Burgvogt), Andreas Daum (Bürgermeister) sang gut. Elvira Soukop, Martina Mikelic (sehr gut) und Birgid Steinberger waren in der Qualität unterschiedliche Gespielinnen. Unter den kleinen Rollen stach Yasushi Hirano mit einer hervorragenden Leistung hervor, die von Stefan Cerny war auch sehr gut; eher schwach, aber dennoch akzeptabel agierten Alexander Pinderak und Alexander Trauner; Günter Haumer, Alexandra Kloose, Karl-Michael Ebner und Caroline Melzer waren auch noch mit dabei. Unbedingt erwähnenswert sind Chor und Kinder- und Jugendchor, besonders die Kinder übertrafen die an der Staatsoper zu hörenden bei weitem. Fazit: Äußerst hörenswert, unbedingt hingehen! Billy :hello
EDIT: Einen Tippfehler ausgebessert.
Billy Budd (18.06.2014, 23:36): Dietrich Henschel war ganz leicht verbessert, ansonsten wars wie am Samstag. (Auf der Galerie befanden sich nur rund 40 Leute.) Billy :hello
Billy Budd (22.06.2014, 22:08): Gut, daß ich heute nicht in der Staatsoper war (wie ich von Freunden und Bekannten, die in der Walküre waren, erfahren hab, ließ sich Seiffert ansagen und gab nach einem sehr schlechten ersten Akt w.o., worauf Lippert im zweiten sang; Stemme soll aber wahnsinnig gut gewesen sein), denn im Haus am Gürtel gab es eine hervorragende Aufführung dieses viel zu selten gespielten Werkes. Dietrich Henschel hat sich mit jeder Aufführung gesteigert und bot heute einen durchaus guten Kunrad (viele bessere Alternativen weiß ich nicht), und Kristiane Kaiser war nach wie vor ausgezeichnet. Dafür klang Roman Sadnik ein bißchen schwächer, und Andreas Daum war nach wie vor farblos, aber passabel. Unter den kleinen Rollen stachen Yasushi Hirano und Stefan Cerny positiv hervor (ersterer mehr), und Elvira Soukop, Martina Mikelic und Birgid Steinberger haben sich verbessert. Wahrhaft ausgezeichnet waren das von Hans Graf dirigierte Orchester und der Kinderchor. Billy :hello
Billy Budd (01.09.2014, 23:28): Die Staatsoper öffnet erst übermorgen ihre Pforten, aber in der Volksoper hat die Saison schon heute begonnen. Etwas wie „Opernsucht“ ist zwar keine anerkannte Krankheit, aber von irgendwas in die Richtung bin ich offenbar befallen ... natürlich hab ich auch andere Hobbys, aber ich freue mich immer sehr, wenn nach den beiden Sommermonaten die Oper wieder aufsperrt (der Rathausplatz, DVDs und YouTube können eben kein Live-Erlebnis ersetzen). Außerdem hab ich in diesem Sommer meine Klassifizierung von Operetten als Schmarrn etwas überdacht: Freilich, es handelt sich um teilweise veraltete Unterhaltungsmusik (das ist ja noch kein negatives Kriterium, ich hör ja schließlich auch Austropop und ganz schräge Sachen wie Skrillex-Musik), aber auch wenn die Inhalte auf den zweiten Blick gar nicht so albern erscheinen (in der Lustigen Witwe, beispielsweise, geht es ja um zwei tief verletzte Menschen, das ist nur oberflächlich lustig), spricht mich die Musik über weite Strecken wenig an. Aber dennoch hab ich beschlossen, der Operette eine weitere Chance zu geben und hab mich deshalb heute in die Fledermaus aufgemacht. Begeistert war ich nicht, es wurde aber auch deutlich besser, als ich das Stück in Erinnerung hatte (das kann natürlich auch an der furchtbaren Schenkschen Personenführung in der Staatsoperninszenierung liegen). Michael Roider ist in der Staatsoper in letzter Zeit durch hauptsächlich schlechte Leistungen in kleinen Rollen in Erscheinung getreten (seine Rückkehr an die Volksoper hat dort, wie ich aus einer sicheren Quelle weiß, für Verwunderung gesorgt), aber sein Eisenstein war heute sehr brauchbar. Mit seiner Stimme kann er zwar nicht mehr alle Töne erreichen (für einen Tenor seines Alters auch entschuldbar), allerdings ist eine ganz korrekte Tonproduktion (vor allem) bei Operetten nur die halbe Miete, und daß er doch eine recht gute Darbietung ablieferte, ist der sehr guten Gestaltung der Rolle zu verdanken (schöne österreichische Sprachfärbung, kein peinliches Herumgezappel, sondern tolle schauspielerische Leistung etc.). Ulrike Steinsky, die in den 80ern Ensemblemitglied der Staatsoper war, hat die Rosalinde sehr gut gemacht. Im zweiten Akt verrutschten ein paar Töne, aber ansonsten paßte alles (sie verfügt über eine wunderbare österreichische Sprachfärbung, was sie von vielen anderen Interpretinnen dieser Rolle wohltuend abhebt). Josef Luftensteiner gab einen deutlich eleganteren Frank, als es z.B. Alfred Šramek immer tut. Auch er gehört dem Volksopernensemble seit Jahrzehnten an, und seine Stimme ist mittlerweile schon sehr, sehr leise geworden, aber – das klingt unglaubwürdig, ich weiß – obwohl man sehr wenig hörte, verstand man alles (ich nehme an, das lag an seiner vorbildlichen Artikulation). Sein Dialekt und seine schauspielerische Leistung waren außerdem perfekt. Der mit Abstand schwächste Punkt der Aufführung war die Adele der Anita Götz: gesangstechnisch mangelhaft (kreischende und zuweilen quäkende Höhe) und schauspielerisch peinlich übertrieben. Mehrzad Montazeri (Alfred) riß, wenn ichs von der Galerie richtig gesehen hab, den Mund oft sperrangelweit auf, produzierte aber recht gute, wenn auch kehlige Töne. Annely Peebo war ein sehr guter Orlofsky, Daniel Ochoa ein brauchbarer Falke (bei ihm störte sein Nicht-Österreichisch). Der Frosch ist ja an sich eine Gratwanderung, und Gerhard Ernst meisterte diese Aufgabe ganz hervorragend (deutlich besser als bekannte Schauspieler), denn er zog die Rolle weder ins Lächerliche, noch in die Länge, brachte einige Anspielungen auf Aktuelles (Ice-Bucket-Challenge, neuer Sekretär des Finanzministers, Petzner, Heinisch-Hosek, Hypo-Alpe-Adria etc.), reagierte auf Zurufe aus dem Publikum sehr souverän und sprach sehr deutlich. Jeffrey Treganza und Klaudia Nagy waren in den beiden Kleinrollen solide. Wieviel dem Dirigenten bei der Fledermaus noch zu tun bleibt, weiß ich nicht (das Orchester hat sie ja mittlerweile sehr oft gespielt, daß es sie können sollte; es war die 442. Aufführung dieser Inszenierung), aber der 1929 geborene Rudolf Bibl dirigierte sehr gut. Billy :hello
Billy Budd (10.09.2014, 23:05): Unser toller Staatsoperndirektor bringt eine ohnehin im Repertoire vorhandene (Verdi-)Oper nach der anderen heraus, unterläßt es aber, den Troubadour endlich wieder zu spielen (die letzte Aufführung war 2001). Aber das ist ja halb so wild, zumal dieses Werk im Haus am Gürtel im November 2013 als Koproduktion mit dem Theater Bonn in einer Hilsdorf-Regie Premiere hatte, und da auf Italienisch (!!) gesungen wird, habe ich mich heute in die Volksoper aufgemacht, um mit diesem mir fast komplett unbekannten Werk (nur „Di quella pira“ und „Il balen del suo sorriso“ hab ich vorher schon mal gehört, und die Handlung ist mir noch immer schleierhaft) meine Bekanntschaft zu schließen. Ein Verdi-Fan werde ich nicht mehr, aber der Troubadour ist tatsächlich die fetzigste seiner Opern, und deshalb hat sie durchaus was. Ich werde jedenfalls noch ein paarmal hingehen (die dortigen Stehplatzmodalitäten sind sehr bequem), was auch der heutigen Besetzung zu verdanken ist. Da ich aber diesmal über fast keine Vergleichsmöglichkeiten verfüge, kann ich nur eine sehr laienhafte Beschreibung liefern: Chariklia Mavropoulou, die bei der Premiere für Janina Baechle kurzfristig eingesprungen ist, bot eine herausragende Azucena, aber auch George Oniani (Manrico) und Mathias Hausmann (Luna) boten tolle Leistungen. Für dieses Werk braucht man ja bekanntlich nur die vier besten Sänger der Welt, und ich vermute, daß in den Hauptrollen perfekt besetzte Vorstellungen absolute Raritäten darstellen, und so sind bei der Leonora ganz leichte Abstriche zu machen: Kristiane Kaiser sang mehrere Stellen ausgezeichnet, war aber mit so mancher Pianopassage etwas überfordert. Manuela Leonhartsberger viel als Ines sehr positiv auf, und Petar Naydenov und Christian Drescher waren als Ferrando und Ruiz gute Besetzungen. Der vielseitige Alfred Eschwé stand am Pult und entledigte sich seiner Aufgabe sehr gut (Chor und Orchester waren sehr gut drauf). Also, liebe Leute, legt bitte endlich im eigenen Interesse Eure Arroganz gegenüber der Volksoper ab und spart Euch Ausreden wie „Verdi gibts dort nur auf Deutsch, deshalb schau ich mir das Programm gar nicht an.“, denn dort gibts öfters wirklich sehr hörenswerte Aufführungen, die dringend besser besucht gehören (die heutige Auslastung war eine Schande). Wers absichtlich versäumt, ist selber schuld ... wie gesagt: es lohnt sich im eigenen Interesse ... Billy :hello
Billy Budd (20.09.2014, 22:51): Chariklia Mavropoulou, die längst an bedeutendere Häuser engagiert gehört, sang eine fabelhafte Azucena; George Oniani (Manrico) und Yasushi Hirano (Ferrando) waren ausgezeichnet; Melba Ramos gab gegen Beginn eine gute Leonore und steigerte sich nach der Pause zu einer großartigen; Tito You war ein unterdurchschnittlicher Luna (null Ausdruck und zu starkes Vibrato, aber beachtliche Höhe) und somit um Häuser schlechter als die Interpreten der drei anderen Hauptrollen; Renate Pitscheider und Christian Drescher waren gute Stichwortgeber, der Chor machte wie auch Alfred Eschwé am Dirigentenpult seine Sache sehr gut. Billy :hello
Billy Budd (01.10.2014, 22:50): Sehr gefreut haben wir uns auf Vincent Schirrmacher, doch als Manrico ist er nicht richtig besetzt: Als er an die Volksoper engagiert worden ist, hat er eine wahrhaft phantastische Stimme besessen, nur ist er mittlerweile drauf und dran, sie durch ziemlich hirnrissige Rollenwahl (Calaf!!) zu ruinieren. Wirklich schlecht ist singt er natürlich noch lange nicht, aber früher wars besser. Die (zugegeben hundige) Stretta mißlang ziemlich (ein sinnloserweise eingelegter hoher Ton, den er nicht gepackt hat, und am Ende eine Zitterpartie mit Kieckser), aber abgesehen vom wunderbar gesungenen letzten Bild wars eine durchaus gute Leistung. Alexandra Kloose war heute die Azucena und machte es sehr gut (ihre unmittelbare Rollenvorgängerin übertraf sie nicht); Tito You, Melba Ramos, Yasushi Hirano, Christian Drescher und Renate Pitscheider waren wie zuletzt; Alfred Eschwé dirigierte sehr gut. Billy :hello
Billy Budd (05.10.2014, 22:10): Heute war ich noch amal im Troubadour: Vincent Schirrmacher sang die lyrischen Stellen des Manrico wunderschön, betrieb aber an den dramatischen Raubbau an seinem hervorragenden Stimmaterial (glücklicherweise verzichtete er in der Stretta auf den Einlegeton, sang aber, wenn ich mich nicht verhört hab, den Schlußton derselben im Falsett); Melba Ramos war ausgezeichnet; für Alexandra Kloose ist die Azucena eine Grenzpartie, in der sie aber durchaus zu reüssieren vermochte; Tito You hat sich verbessert und gab einen soldiden Luna; Petar Naydenov hatte einen schlechten Tag, in der Höhe klang er sehr wacklig; mit Manuela Leonhartsberger war die Ines ausgezeichnet besetzt; David Sitka war ein halbwegs soldier Ruiz; Lorenz C. Aichner dirigierte mit zuviel Laustärke sehr humptata-mäßig. Billy :hello
Billy Budd (11.10.2014, 22:49): Friedrich Cerha ist ein Komponist, der sich auch im hohen Alter (Geburtsjahr 1926!) kompositorisch betätigt. Erst im Vorjahr wurde seine auf Ferenc Molnárs „Eins, zwei drei“ basierender Oper („Musikalische Farce in einem Vorspiel, einem Okt und Epilog“, eigentlich eine Konversationskomödie) in München uraufgeführt, und daß sie die Volksoper im Rahmen einer Koproduktion auch in Wien zeigt, ist sehr zu begrüßen, denn das Stück ist sowohl hinsichtlich des Textes (zwei Zitate: „Die junge Geliebte singt eine herrliche Arie und stirbt an Schwindsucht. Das Opernhaus ist in Tränen aufgelöst. Wenn das gleiche auf der Straße einer Asylantin passiert, schauen alle weg.“ und „Liebe, meine liebe Moly, passiert nur Leuten, die einander nicht gut kennen.“) als auch hinsichtlich der Musik sehr gut gelungen. Da eine alles in allem wirklich sehr gute Sängerschar (Renatus Mészár/Präsident am besten, Julia Koci/Mely am schlechtesten; ferner David Sitka/Josef Powolny und Walter Fink/Komponist, sowie in den kleineren Rollen die Ensemblemitglieder Martina Dorak, Elvira Soukop, Renate Pitscheider, Stefan Cerny, Marco Di Sapia, Thomas Sigwald, Jeffrey Treganza, Christian Drescher, Andreas Mitschke, Sulie Girardi, Petar Naydenov, Gernot Kranner und Roman Martin) und ein ausgezeichneter Dirigent (Alfred Eschwé) eingesetzt wurden und auch die Inszenierung von Josef Ernst Köpplinger sehr gut gelungen ist, wurde es ein sehr erfreulicher Abend. Auch Komponist und Librettist wurden in den langen Schlußapplaus eingeschlossen. Billy :hello
Billy Budd (13.10.2014, 22:49): Heute fand die 50. (und dem Vernehmen nach auch die letzte) Aufführung des Musicals „Guys and Dolls“ in der sehr gelungenen Inszenierung von Heinz Marecek statt: (Freich können mikrophonverstärkte Stimmen nicht mit Opernmaßstäben beurteilt werden, aber bei Musicals ist der Gesang eh nicht erstrangig.) Robert Meyer und Sigrid Hauser bzw. Axel Herrig und Johanna Arrouas, sowie die restlichen Darsteller boten sehr passende Leistungen. Schön war die Wiederbegegnung mit dem schon seit 1964 aktiven Urgestein Sándor Németh (seit über 30 Jahren im Ensemble der Volksoper). Lorenz C. Aichner dirigierte. Billy :hello
Billy Budd (16.10.2014, 22:20): Heute war ich nochmals im Onkel Präsident, und leider muß ich vermeleden, daß dieses Stück schon beim zweiten Hören ziemlich zach wird (wiewohls beim erstenmal a große Hetz war!). Renatus Mészár war um ein Eitzerl schlechter (aber immer noch sehr gut), die restlichen Leistungen waren wie bei der Premiere. Billy :hello
Billy Budd (22.10.2014, 22:42): Derzeit gibt es eine der letzten Gelegenheiten, die Stimme von Neil Shicoff live in Wien zu hören, da der mittlerweile 65jährige seine Karriere im nächsten Jahr beendet. Von ihm habe ich schon wahrlich schlechte Abende gehört, aber heute erbrachte er eine ausgezeichnete Leistung, denn die Töne wurden mit einer fast freiströmenden und (wie immer) ausdrucksstarken Stimme anstatt mit einer verbrauchten und heiseren produziert. (Sänger er stets auf diesem Niveau, würde ich ihn sehr gern noch länger als Sänger aktiv sehen.) Die Turandot muß man ja nicht unbedingt als hochdramatische Partie auffassen und sie im Brünnhilden/Isolden-Stil singen (sie ist ja eine eher kurze, wenn auch sehr hoch gelegene und oft gegen das volle Orchester ansingende Rolle), was Melba Ramos auch nicht tat. Da sie die Rolle im Rahmen ihrer stimmlichen Möglichkeiten interpretierte, gelang ihr auch eine sehr gute Leistung (das ist keine Schönschreiberei, es war tatsächlich sehr gut!). Sowohl sie als auch Shicoff haben sich seit dem März gesteigert. Caroline Melzer war aber mit der Liù ziemlich überfordert, und dank ihr waren die Liù-Stellen so, als ob es sie gar nicht gegeben hätte. Petar Naydenov gab einen soliden Timur, wirklich gut waren die Minister (Daniel Ochoa, Garrie Davislim und JunHo You), Jeffrey Treganza sang einen eher mickrigen Altoum, Yasushi Hirano (Mandarin) klang heute nicht so gut wie üblich; Guido Mancusi dirigierte solide. Die geniale Inszenierung von Renaud Doucet und André Barbe ist echt super. Billy :hello
stiffelio (23.10.2014, 19:07): Original von Billy Budd ...da der mittlerweile 65jährige seine Karriere im nächsten Jahr beendet.
Hallo Billy, kann man das irgendwo nachlesen?
VG, stiffelio
Billy Budd (23.10.2014, 23:10): Liebe Stiffelio! Das weiß ich nicht, mir wurde aber von mehreren Leuten (unter anderem von einem, der Shicoff persönlich kennt) die Richtigkeit dieses schon länger vorhandenen Gerüchts bestätigt. Außerdem stimmen die Gerüchte am Stehplatz meistens. :wink (Auf Operabase werden außerdem nur Auftritte bis Mai 2015 angeführt, und dieser Liste ist auch zu entnehmen, daß die meisten Auftritte Shicoffs in Wien stattfinden bzw. in den letzten Jahren stattgefunden haben. :ignore ) Billy :hello
--
P.S.: Die letzte hier besprochene Aufführung war natürlich am 22. Oktober, nicht am 16. März! (ich hab die Titelzeile eines alten Berichts kopiert und das Datum versehentlich nicht geändert)
Billy Budd (25.10.2014, 22:16): Die Traviata der Volksoper ist eine gute Alternative zu der des Hauses am Ring, zumal meist sehr brauchbare Sänger aufgeboten werden, die Inszenierung sehr gut ist und auf italienisch gesungen wird. Wenn aber die Interpretin der Hauptrolle den Mindestanforderungen nicht gerecht wird, macht das Zuhören keine Freude: Die Mindestanforderungen definiere ich als Erreichen fast aller Töne – und wenn das nicht geschieht, hat der Interpret – um ausnahmsweise zu zitieren – „versungen und vertan“. Anja-Nina Bahrmann hat heute eine in diesem Sinne völlig ungenügende Violetta abgeliefert, denn fast andauernd sang sie komplett falsch (öfters zu hoch als zu tief). Das waren keine kleinen Intonationsprobleme, sondern ihre Darbietung war für jemanden, der die Rolle im Ohr hat, furchtbar, zumal sie auch sehr laut unterwegs. Am schlimmsten war die lange Arie am Ende des ersten Aktes, denn hier wurde offenbar, daß sie von dieser Rolle auch technisch überfordert wird. An der Staatsoper wäre sie auszubuhen gewesen, an der Volksoper bin ich nachsichtiger, wiewohl auch dort jemand, der so dermaßen distoniert, nichts verloren hat, und schon gar nicht in einer Hauptrolle. Thomas Paul, der bis jetzt hauptsächlich in Operettenpartien in Erscheinung getreten ist, wäre ein guter Alfredo, wenn er gscheit an seiner Technik arbeitete. Seine Stimme hat ein schönes Timbre und ist auch durchaus höhensicher, aber an ein paar heiklen Stellen hats ihren Besitzer zerlegt. Einigermaßen rausgrissen hats Sebastian Holecek: Was für ein Prachtbariton! Gesanglich war alles erstklassig, und auch darstellerisch verkörperte er den Germont perfekt. Unter den Nebenrollen fielen Manuela Leonhartsberger (Flora) und Stefan Cerny (Dottore) sehr positiv auf, über den Rest darf geschwiegen werden. Alexander Joel dirigierte solide. Billy :hello
Und weil mir noch die Ohren weh tun, hör ich mir jetzt eine Aufnahme mit Krassimira Stoyanova an. :cool
Billy Budd (31.10.2014, 22:32): Kristiane Kaiser sang eine wunderbare Liù, Jee-Hye Han eine wirklich sehr gute Turandot, Neil Shicoff einen guten Calaf (am 22. Okt. wars besser). Petar Naydenov war ein recht guter Timur (seine Stimme gefällt mir sehr gut, aber das starke Vibrato ist bedenklich), Otoniel Gonzaga ein sehr guter Altoum, JunHo You ein guter Pong, Günter Haumer und Karl-Michael Ebner waren als die anderen Minister passabel, Yasushi Hirano, der für den Timur angekündigt war, klang als Mandarin wieder nicht so gut wie üblich; Guido Mancusi dirigierte auch heute solide. Billy :hello
Billy Budd (31.10.2014, 22:33): (bitte löschen, da irrtümlich doppelt)
Hosenrolle1 (14.12.2014, 07:13): Die „Salome“ in der Wiener Volksoper habe ich ebenfalls gesehen, und zwar alle 6 Vorstellungen von 2012. Ich fand es schon ziemlich schade, dass man diese Oper nur 6x zeigt, aber man nimmt was man bekommt. Die Wiener Staatsoper zeigt sie ja gleich noch seltener in einer Spielzeit.
Die 1. Salome war zugleich auch MEINE erste Live-Vorstellung der Oper, dementsprechend gespannt war ich natürlich. Zu der Zeit kannte ich schon mehrere Aufnahmen, von denen ich die meisten leider gar nicht mochte, sei es wegen der schlechten Tontechnik, oder wegen der Titelpartie die unangenehm klang.
Es war auch ungewöhnlich – die Vorstellung begann am Nachmittag, und es war ziemlich warm draußen. Als die Oper vorbei war, und ich sie verließ, schien immer noch die Sonne. Auch das war ungewöhnlich für mich, da ich gewohnt war, dass es draußen bereits dunkel ist. Bei meiner ersten Vorstellung war ich mehr als überwältigt – so einen bombastischen, drückenden Sound habe ich noch nie gehört in der Volksoper, bei keinem Freischütz, bei keinem Hänsel und Gretel, bei keinem Figaro, bei keiner lustigen Witwe, usw. Und was mir dabei dann auch positiv auffiel: ging es mir bei Aufnahmen meist auf die Nerven, dass die Sängerinnen so extrem laut zu hören waren, war das Problem hier völlig weg; meist war es sogar so, dass man gerade die hohen Töne noch vernehmen konnte, alles andere wurde vom Orchester verschluckt. Dass das kein Idealzustand ist ist klar, aber dennoch hat es mir gezeigt, dass Spitzentöne live völlig anders klingen und wesentlich erträglicher sind als über Lautsprecher.
In der ersten Vorstellung sang Annemarie Kremer, auf die ich mich schon sehr freute. Ich las im Vorfeld bereits Kritiken ihres Auftrittes von 2011, beispielsweise in der Zeitschrift „Das Opernglas“, wo bemängelt wurde, dass Kremers Stimme gut sei, aber als Salome völlig fehlbesetzt, dass sie sich mit der Partie, wenn sie sie zu oft singt ihre Stimme ruinieren wird. Rein optisch fand ich sie nicht schlecht, sie wirkt jung und kann das jugendliche ihrer Rolle m.E. auch gut rüberbringen – kein Vergleich zu einer Malfitano, die aussieht wie 60!
Als ich ein Interview mit Kremer las, war ich dann verärgert; darin meinte sie, dass sie ausgebildete Tänzerin sei, und es in der Inszenierung in der Volksoper leider keinen richtigen Tanz gibt, so dass sie ihre Künste da nicht zeigen kann! Wie ärgerlich ist das denn! Da gibt es soviele Sängerinnen, die sich beim Tanzen eher ungelenk bewegen, und dann hat man eine, die zusätzlich auch noch tanzen kann, doch man lässt sie nicht, weil die Inszenierung lieber möchte, dass sie herumläuft und sich auf dem Boden wälzt.
In absolut positiver Erinnerung blieb für mich der Sänger des Narraboth – extrem wortdeutlich und sehr laut, und bei der Stelle, wo er plötzlich wieder „Wiiiie schöööön“ singt, bekam ich echt eine Gänsehaut, so eindringlich wurde das gesungen! Vom Jochanaan von Egils Silins hingegen war ich enttäuscht. Er war zu leise, bzw. das Orchester zu laut, es schien eher wie ein Kampf zwischen Sänger und Orchester. Ich freute mich auf Sebastian Holecek, der die Partie zweimal singen sollte (leider war er einmal nicht da, und so sang er es nur einmal). Holecek war auch wirklich ein Wahnsinn, eine sehr laute Stimme, die ich noch ärgsten Orchestergetöse hören konnte! Ich hatte unterschiedliche Sitzplätze, und dabei fiel mir auf, dass die Musik auf der rechten Seite wesentlich lauter und druckvoller war als links. Das Orchester spielte keineswegs auf Weltklasseniveau; fairerweise muss man sagen, dass es sich hier um ein reduziertes Orchester handelt. Es wurde oft bemängelt, dass die Lautstärke zu hoch sei und teilweise schon an der Grenze des Erträglichen. Mir persönlich gefällt sowas ja, aber dennoch ist mir auch wichtig, dass die Lautstärke nicht zu Matsch wird, sondern es transparent bleibt.
So habe ich beispielsweise die Oboe ganz zu Beginn des Schleiertanzes, während dem Trommelwirbel NIE gehört, die ging gnadenlos unter. Es schien mir, dass die Musiker oft nicht wirklich aufeinander abgestimmt sind.
Auch fiel mir auf, wie manche Stellen immer unterschiedlich gespielt wurden. Besonders auffällig war der musikalische Peitschenschlag, wenn Jochanaan singt „denn die Geißel des Herrn“. Einmal kam es zackig rüber, dann wieder kraftlos und verwaschen.
Vor allem aber hat mich EINE Sache besonders gestört, und das war bei JEDER Vorstellung gleich: wenn Jochanaan ruft „Du bist verflucht“, dann muss, laut Partitur, exakt auf „flucht“ das ganze Orchester extrem laut losdonnern. Aus irgendeinem Grund aber ließ der Dirigent den Einsatz jedesmal verzögert spielen. Mir fällt nur eine Möglichkeit ein, wieso er das so gemacht hat: vielleicht wollte er, dass man das Wort „verflucht“ gut hört, dass es nicht von der Musik zugedeckt wird. Sollte das der tatsächliche Grund sein, dann wäre das mehr als lächerlich, denn zum einen hat Jochanaan davon denselben Satz schon zweimal gesagt, zum anderen gab es während der Vorstellung Übertitel, die man mitlesen konnte.
Zur Inszenierung will ich lieber nichts sagen, nur eines: während des Stückes liegt auf dem Boden eine Art riesiges Leintuch auf dem Boden, auf dem die Darsteller herumlaufen. Gegen Ende wird diese Leinwand dann schräg aufgerichtet. Nach ein paar Vorstellungen waren auf der Unterseite mehrere deutliche Klebestellen zu sehen, da das Material offenbar ob der Herumrennerei Schaden genommen hat. Es ist sehr desillusionierend, wenn man plötzlich lauter Klebestreifen sieht.
Billy Budd (19.12.2014, 21:32): Sehr spontan hab ich mich heute zu einem Volksopernbesuch entschieden – und bereut hab ich das gar nicht. Was ich von Hänsel und Gretel zu erwarten hatte, hab ich eh gewußt: überwiegend sehr gute Musik, diese allerdings in Kombination mit einem aus Kindern und deren Eltern bestehenden Publikum und der Uraltinszenierung Karl Dönchs, die zwar noch immer ordentlich ihren Dienst tut, mir aber gar nicht gefällt (sie geht in die Richtung von Schenks Füchslein, ist aber nicht so schlimm wie dieses): Nach Heben des Vorhanges wird man eines geräumigen Hauses ansichtig, in dem es sich allen Anschein nach gemütlich leben läßt – keine Spur von der bitteren Armut der Familie (die Mutter schickt ja aus Hungersnot sogar ihre eigenen KINDER weg!!). Inszenierungstechnisch also ein Paradebeispiel für Turbokitsch, gesanglich machte der Abend aber große Freude. Die Ausnahme hiervon stellte Juliette Mars dar, die in der Staatsoper schon genügend Rollen verhunzt hat. Als Hänsel war sie zwar nicht furchtbar schlecht, fiel aber im Vergleich mit den anderen Sängern stark ab (schrille Höhe, wie immer). Nach der Pause wurde aber mitgeteilt, sie sei kollabiert und befände sich in der Garderobe unter ärztlicher Betreuung, weswegen das in dieser Serie als Sandmännchen eingesetzte Ensemblemitglied Manuela Leonhartsberger statt ihrer fortsetzen werde. Das war wahrhaft ein großes Glück, denn die Einspringerin erbrachte eine wunderbare Leistung (bin gespannt, wie sich diese Sängerin entwickelt und wie lange es sie an der Volksoper hält). Sehr positiv überrascht war ich von Morten Frank Larsen, den ich gute zwei Jahre nicht gehört hatte und dessen inzwischen (scheinbar?) stattgefundener stimmlicher Niedergang („kann nicht mehr singen“, „klingt schlimmer als der alte Peter Weber“ etc.) mir mehrfach (auch aus sicherer Quelle) berichtet wurde. Also war ich auf alles gefaßt, aber schlecht war es nicht. Gut, an ein paar Stellen wackelte die Stimme ziemlich dramatisch, aber ansonsten war alles in Ordnung (allerdings hab ich keine Ahnung, wie es um den Schwierigkeitsgrad dieser Rolle bestellt ist). Rebecca Nelsen war eine sehr gute Gretel, Elisabeth Flechl eine hervorragende Mutter, Ulrike Steinsky (die übrigens bei meinem allerersten Opernbesuch die Mutter gesungen hat und mittlerweile nicht mehr die Rollen bekommt, die sie noch zu singen im Stande wäre) eine wunderbare Hexe; Sera Gösch (Sandmännchen) und Maria Nazarova (Taumännchen) machten gute Arbeit. Eun Sun Kim dirigierte, soweit ich das derzeit beurteilen kann (ich kenne dieses Stück ja kaum), sehr gut. Billy :hello
Wie Robert Meyer in einem Interview bekanntgegeben hat, kommt im nächsten Jahr Borodins Fürst Igor an die Volksoper! Juhuuu!
Hosenrolle1 (20.12.2014, 06:32): Sehr spontan hab ich mich heute zu einem Volksopernbesuch entschieden – und bereut hab ich das gar nicht. Was ich von Hänsel und Gretel zu erwarten hatte, hab ich eh gewußt: überwiegend sehr gute Musik, diese allerdings in Kombination mit einem aus Kindern und deren Eltern bestehenden Publikum und der Uraltinszenierung Karl Dönchs, die zwar noch immer ordentlich ihren Dienst tut, mir aber gar nicht gefällt
Naja, „Uralt“ finde ich ein bisschen hart ausgedrückt – die Inszenierung hatte nur ein paar Tage bevor ich zur Welt kam ihre Premiere :wink
Das war im Dezember 1985, damals sang Dönch selbst die Hexe. In einem Buch zu „Hänsel und Gretel“, das in der Städtischen Bücherei am Urban Loritz Platz erhältlich ist, gibt es auch Bilder davon. Es ist natürlich Geschmackssache was einem gefällt, aber ich persönlich finde, dass die Inszenierung bis auf ein paar kleine Schwächen eine der besten ist.
So wird die Ouvertüre tatsächlich bei geschlossenem Vorhang gespielt, und der Vorhang geht auch so auf, wie Humperdinck es vorgeschrieben hat: im 1. Akt öffnet er sich erst mitten in der Einleitungsmusik zu „Suse, liebe Suse“, und schließt sich am Ende des Aktes schnell wieder. Am Anfang des 2. Aktes öffnet sich der Vorhang langsam, und schließt sich am Ende auch langsam wieder. Am Anfang des dritten Aktes, wo es in der Partitur heißt „Vorhang auf!“ (mit Rufzeichen) wird der Vorhang schnell aufgerissen, usw.
Dönch hält sich auch weitestgehend an die Partitur; auffallend ist, dass die drei Bühnenbilder sehr an die liebevoll gestalteten Bilder einer Märchenbahn erinnern: rundherum ist es dunkel, und die Szene wird stimmungsvoll beleuchtet. Im zweiten Akt gibt es schöne Bäume, und ein Sandmännchen das tatsächlich glitzernden „Sand“ verstreut, und im dritten Akt gibt es ein richtiges Lebkuchenhaus, inklusive einem Backofen links sowie einem Käfig rechts. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Dönch hier von den Illustrationen Ludwig Richters hat beeinflussen lassen.
Schwächen sind für mich ein paar kleine Dinge; beispielsweise finde ich die Engelszene völlig verhaut. Es gibt zwar eine Treppe (die ursprüngliche Regieanweisung Humperdincks, wonach sich aus den Wolken eine Treppe formt lässt sich aber auch schwer umsetzen), und es gibt 14 Engel in weißen Gewändern – aber leider hat sich der Regisseur dafür entschieden, dass die von Kindern gespielt werden, von denen sich beispielsweise zwei um den Erbelkorb „streiten“. Damit nimmt man der Szene den nötigen Ernst, die Erhabenheit, aber auch die Dramatik, die die Musik mit ihren majestätischen Blechbläsereinsätzen ausstrahlt. Hier wäre es besser gewesen, wenn erwachsene Frauen das gespielt hätten. Im dritten Akt habe ich mein größtes Problem mit dem Ritt der Hexe auf dem Besen. Dazu muss ich noch etwas eingehender etwas sagen. In der Inszenierung ist es so, dass die Hexe hinter dem Knusperhaus verschwindet, dann (als Puppe) in die Luft steigt, um dann über dem Publikum (ebenfalls eine Puppe) von einer Loge in die andere zu fliegen, um am Ende wieder hinter dem Knusperhaus aufzutauchen.
An sich tut Dönch auch hier, was in der Partitur steht, wonach die Hexe zeitweilig hinter dem Haus verschwindet, bevor man sie dahinter in der Luft herumfliegen sieht. Es gab einen Briefwechsel zw. Humperdinck und Cosima Wagner, die das Stück inszenieren wollte, und Humperdinck verschiedene Vorschläge machte, was die Inszenierung betrifft. Unter anderem meinte sie auch, dass es eine gute Idee wäre, die Hexe als Puppe hinter dem Haus herumfliegen zu lassen. Ob diese Regieanweisung NACHTRÄGLICH vom Komponisten aufgrund dieses Vorschlags eingetragen wurde weiß ich allerdings nicht. So oder so, ich kann damit gut leben, auch wenn man deutlich merkt, dass es eine Puppe ist, schon weil sie viel zu klein ist. Ich hätte an dieser Stelle als Regisseur darauf verzichtet und die Hexe gar nicht gezeigt, um ihr plötzliches Auftauchen hinter dem Haus noch eindrucksvoller zu gestalten.
Nur der Effekt mit der Hexe, die über das Publikum fliegt, den finde ich ganz und gar unnötig – für Kinder, die sich langweilen könnten sicher ein Highlight, aber für mich persönlich völlig unnötig, zumal besonders im 3. Akt auf der Bühne noch einiges passiert. Aber selbst mit der Puppe könnte ich noch leben – was aber GAR NICHT geht ist, dass während des ganzen Fluges das Gelächter der Hexe über Lautsprecher so laut eingespielt wird, dass man die Musik aus dem Orchestergraben gar nicht mehr hört! Das ist absolut ärgerlich! Die Personenführung finde ich an manchen Stellen auch nicht so besonders, aber das nehme ich gerne in Kauf.
Eindrucksvoll finde ich auch wie der Ofen explodiert, die Lichteffekte und der laute Knall. Davor tun die Titelhelden auch das, was in der Partitur steht – Hänsel läuft in das Haus und wirft Gretel aus dem oberen Fenster Sachen in ihre aufgehaltene Schürze.
Eine Sache hat Dönch aber echt gut gemacht, und ich war froh, als ich nach dem zweiten Mal ansehen merkte, dass das kein Zufall, sondern tatsächlich eine Regieanweisung von ihm war: am Ende ziehen ja die Kinder die tote Hexe aus dem Backofen heraus. Humperdinck lässt hier die Streicher spielen, und dann plötzlich schmettern die Hörner das Hexenmotiv - und EXAKT ab dem Moment, wo das Motiv kommt, wird die tote Hexe von den Kindern aufgerichtet, so dass man sie auch erkennt. In den meisten Inszenierungen sieht man die Hexe schon viel früher, so dass man das Gefühl hat, dass die Musik hinterherhinkt - aber das war super von Dönch! Da merkt man, dass er die Partitur auch gelesen hat und die Musik gut kannte, darauf geschaut hat, wie seine Regiearbeit zur Musik passt, statt einfach darüber hinweg zu inszenieren.
Auch toll der "Auftritt" des Hexenhauses, das man am Anfang des 3. Aktes gar nicht sieht - bis man es plötzlich weit hinten in der Scene, hinter den Bäumen erkennt.
Ja, es ist eher eine "romantische" Inszenierung, von mir aus auch altmodisch - für mich hat sie etwas von einer Märchenbahn, einer Märchengrotte. Ich denke, die Inszenierung ist für erwachsene Kinder gedacht, die sich einfach ein Märchen ansehen wollen, wie sie es von früher kennen.
Nach Heben des Vorhanges wird man eines geräumigen Hauses ansichtig, in dem es sich allen Anschein nach gemütlich leben läßt – keine Spur von der bitteren Armut der Familie
In der Partitur heißt es „Kleine dürftige Stube“, dazu Beschreibungen, wie es dort aussieht. Die Entscheidung, einen zweiten Stock einzubauen finde ich nicht gut, auch sitzen sich Hänsel und Gretel zu Beginn nicht gegenüber. Aber die Einrichtung finde ich alles andere als gemütlich, eher ziemlich karg. Es gibt schon beispielsweise Kochutensilien, aber nichts zu essen. Die Mutter singt auch „Teller leer, Keller leer, und im Beutel ist gar nichts mehr“.
Ich weiß nicht, ob das hier so luxuriös aussieht ...
Hier habe ich mir spontan Autogramme geholt - auf der Vorderseite die von Annely Peebo, die damals den Hänsel sang, sowie Irmgard Vilsmaier, die die Hexe gab. Weil das eben eine spontane Aktion war und ich keine Unterlage hatte, wurden die Autogramme auf meinem rücken geschrieben, was man aber hoffentlich nicht zu deutlich sieht :J
Severina (20.12.2014, 14:53): Liebe Hosenrolle (oder soll ich sagen: Lieber M**? :wink)
von einem Regisseur erwarte ich mir ein bisschen mehr als dass er lesen kann und das Libretto nett bebildert. Inszenieren bedeutet für mich INTERPRETIEREN, und dabei ist es mir ziemlich egal, ob Gretel nun links oder rechts sitzt oder gar, wo sie laut Libretto sitzen sollte. Ihr Sitzen muss Sinn machen, das ist entscheidend. Natürlich soll der Regisseur die Musik nicht ignorieren bzw. völlig gegen sie inszenieren. Ich sage soll, nicht "darf", weil ich ihm das Recht einräume, seine Vorstellungen von einem Stück zu realisieren. Gerade das interessiert mich ja an der Regie: Wie sieht XY das Stück, was macht er daraus/damit? (Im Unterschied zu einem Gemälde ist Oper kein fertiges Kunstwerk, es muss erst aufgeführt/interpretiert werden!) Natürlich muss mir das Ergebnis nicht gefallen, kann ich total bescheuert finden, was der Regisseur daraus gemacht hat und das dann auch dezidiert äußern. (Tu ich auch :wink!)
Aber mit der Prämisse, dass das Libretto wie die Bibel wortwörtlich zu verstehen (Zumindest in den Augen der konsevativen Christen....) und daher 1:1 umzusetzen ist, kann ich gar nichts anfangen.
Und aus "Hänsel und Gretel" kann man wesentlich mehr machen als ein harmloses und ach so romantisches Märchen!! (Wobei ich ein grundsätzliches Problem damit habe, Armut mit Romantik in Verbindung zu bringen....)
lg Severina :hello
Hosenrolle1 (20.12.2014, 15:43): Aber mit der Prämisse, dass das Libretto wie die Bibel wortwörtlich zu verstehen (Zumindest in den Augen der konsevativen Christen....) und daher 1:1 umzusetzen ist, kann ich gar nichts anfangen. Wie gesagt, es ist natürlich Geschmackssache, was man erwartet, und was man gerne sieht (oder nicht sieht).
Bei Humperdinck (und speziell bei Wagner, bei dem sogar Dinge wie Blicke oder Kopfbewegungen genau vorgeschrieben und durchdacht sind!) ist es für mich ein bisschen schwieriger. Er hat zwar im Gegensatz zu seinem Vorbild Wagner nicht so wahnsinnig viele Regieanweisungen, aber wenn man sich die vorhandenen Anweisungen in der Partitur ansieht, dann merkt man schnell, dass er die Musik genau zu dieser Anweisung komponiert hat, bzw. die Anweisung über bestimmte Takte gesetzt hat.
Ein schönes Beispiel ist für mich, wo die Hexe nach ihrem Besenritt hinter dem Haus wieder hervorkommt. Humperdinck schreibt diese Anweisung exakt über den Takt, als die Pauke plötzlich laut einsetzt.
Oder auch eine besonders schöne Szene: am Ende des zweiten Aktes, als die Titelfiguren einschlafen, schreibt Humperdinck vor, dass es immer dunkler wird, bis hin zur „vollkommenen Dunkelheit“. Und die Musik (in den höchsten Registern spielende, immer leiser werdende Streicher) zeigen, dass er auch genau diese Anweisung sorgfältig auskomponiert hat. Insofern denke ich, dass ein Regisseur schon viele Freiheiten hat, was z.B. die Personenführung und andere Details angeht, die NICHT in der Partitur stehen – aber wenigstens die Anweisungen, die drinstehen, sollten zumindest ansatzweise eingehalten werden, weil sie (zumindest bei Wagner und Humperdinck und auch Weber) genau bedacht und auskomponiert sind.
Eine 1:1 Umsetzung kann es eigentlich nicht mal geben, wenn man sich genau an die Anweisungen hält, denn selbst dann gibt es immer noch einen großen Interpretationsspielraum.
Ein Beispiel: in der Partitur steht, dass die Hexe irgendwann einmal aus ihrem Haus zurückkommt, zu Gretel geht und prüft, ob sie immer noch verzaubert ist und starr still steht. Das wird von Humperdinck auch musikalisch so geschildert: schleichende, bedrohliche Musik, die immer spannender wird, und dann abrupt wieder ruhiger wird. Nur: WIE die Hexe das prüft, wie ihre Haltung dabei ist, wie schnell sie geht, wie Gretel dabei dreinschaut etc., das kann immer noch völlig unterschiedlich dargestellt werden.
Ich habe eh auch die für mich negativen Dinge dieser Inszenierung genannt. Aber auch die positiven, wie etwa das Timing beim Herausziehen der toten Hexe aus dem Ofen, das so NICHT in der Partitur steht.
Und aus "Hänsel und Gretel" kann man wesentlich mehr machen als ein harmloses und ach so romantisches Märchen!! (Wobei ich ein grundsätzliches Problem damit habe, Armut mit Romantik in Verbindung zu bringen....)
Ich habe die Oper nie als harmloses Märchen wahrgenommen (wenngleich sie zu meinem Bedauern im Vergleich zur Grimmschen Fassung stark abgemildert wurde), und mich immer dagegen verwehrt, wenn sie als „heitere Oper“ bezeichnet wurde. An sich ist die Oper eigentlich ziemlich tragisch, weil es hier drei Akte lang ständigen Psychoterror gegen zwei junge Kinder gibt. Armut, eine wütende, verzweifelte Mutter, sich im Wald verlaufen, dort fürchten, um dann in die Fänge einer tödlichen Hexe zu geraten.
Wenn man sich nur anhört, wie Humperdinck etwa die Waldszene während dem Kuckuckschrei komponiert … wie da im Abendrot die beiden Kinder alleine im Wald sind und sie nicht merken, dass es immer dunkler und gefährlicher wird … das ist ziemlich gruselig! Im „Hexenritt“, dem Vorspiel zum zweiten Bild, schildert der Komponist den Wald auch (wie Weber im „Freischütz“) alles andere als romantisch. Sicher gibt es da „schöne“ Stellen, gleichzeitig aber auch bedrohliche, wilde chromatische Linien der Blechbläser – der Wald ist da alles andere als kitschig.
LG, Hosenrolle1
Billy Budd (21.12.2014, 00:08): Liebe Hosenrolle! Ich unterschreibe alles, was Dir Severina geantwortet hat, da brauch ich gar nix ergänzen. Ich respektiere Deine Position, was aber nix daran ändert, daß ich ganz andere Erwartungen in Inszenierungen setze. :) Billy :hello
P.S.: Bist Du Dir sicher, ob man Bilder einfach so einsetzen darf? Nur damit weder unser Adimistrator noch Du in Schwieigkeiten (Urheberrechtsverletzung...) geraten... Und glaubst Du ernsthaft, daß Deine Eintrittskarten-Scans auch nur irgendwen interessieren? :wink
Hosenrolle1 (21.12.2014, 00:12): Und glaubst Du ernsthaft, daß Deine Eintrittskarten-Scans auch nur irgendwen interessieren?
Was sollte das jetzt bitte?
Wenn sie dich stören, dann kann ich leider auch nichts dafür.
LG, Hosenrolle1
Jürgen (21.12.2014, 01:51): Original von Billy Budd Und glaubst Du ernsthaft, daß Deine Eintrittskarten-Scans auch nur irgendwen interessieren? :wink
Ja, mich schon. Besonders interessant fand ich, dass man einen Stehplatz schon für 1,50€ bekommt.
Aber lasst es bitte nicht ausufern.
Grüße Jürgen
Billy Budd (21.12.2014, 01:54): Um 1,50 kriegt man sie aber schon lange nicht mehr... mittlerweile kostet derselbe Stehplatz 3 Euro. :) Aber für den Staatsopernstehplatz mußt Du nicht mehr als 1,60 ausgeben! (Fürs Parterre allerdings 4 Euro) :leb :leb Billy :hello
Hosenrolle1 (21.12.2014, 02:18): Wobei ich mich generell auf gute freie Plätze setze, wenn ich einen Stehplatz gekauft habe. Das machen viele Besucher dort, und es werden ja keine Sitzplätze weggenommen dadurch. :wink
LG, Hosenrolle1
Billy Budd (21.12.2014, 02:24): DAS solltest Du nicht im Internet bekanntgeben. Erstens ist es verboten, zweitens ist die Akustik auf allen Sitzplätzen der Galerie (teilweise viel) schlechter als auf den Stehplätzen (damit schaust Du nicht gut aus :wink ), und drittens fürchte ich, daß - wenn das noch mehr einreißt - die Direktion beschließt, die Stehplätze erst nach Verkauf der meisten Sitzplätze zu verkaufen, damit sich niemand einen Sitzplatz krallt, wenn er nur für einen Stehplatz gezahlt hat (soll in deutschen Landen schon so gehandhabt werden!).
Hosenrolle1 (21.12.2014, 02:32): DAS solltest Du nicht im Internet bekanntgeben.
Dann ist das Buch "Opern für Dummies" ja hochkriminell, denn dort wird einem genau DAS geraten. :D
Aber keine Sorge, Stehplätze habe ich nur früher besucht, mittlerweile interessieren die mich nicht mehr. Entweder Loge oder Parterre. Die Akustik ist in der Volksoper generell nicht so berauschend - das Haus wurde als Theater gebaut und später zur Oper umfunktioniert. Alle paar Minuten bebt es dort, weil die Straßenbahn direkt nebem dem Gebäude vorbeibrettert. Ich habs bei der Salome erlebt; wenn man nur ein bisschen weiter links sitzt, klingt die Musik viel leiser und man hört ganz andere Instrumente.
Gruß Hosenrolle1
Rotkäppchen (21.12.2014, 11:36): Hallo zusammen,
auch wenn es etwas OT geht: zu der Frage, ob "billig kaufen -- teuer sitzen" in Ordnung ist oder nicht, gab es im C-Forum mal kontroverse Diskussionen:
Konzerte besuchen, ohne arm zu werden - wo geht's am besten?
bzw.
Umsetzen beim Konzert-, Opern-, Theaterbesuch auf bessere Plätze – erwünscht oder nicht erwünscht?
Offenbar handhaben das die Häuser wirklich unterschiedlich, die einen sehen es nicht gern, in anderen wird man dazu animiert, Lücken zu schließen, damit sich bei schlechter Auslastung nicht so ein trauriger Anblick ergibt.
Die Ticketscans fand ich auch ganz interessant, weniger wegen der Preise, sondern mehr als historische Dokumente.
LG, Rk
Hosenrolle1 (21.12.2014, 14:42): Offenbar handhaben das die Häuser wirklich unterschiedlich, die einen sehen es nicht gern, in anderen wird man dazu animiert, Lücken zu schließen, damit sich bei schlechter Auslastung nicht so ein trauriger Anblick ergibt.
So sehe ich das auch. Natürlich wird das unterschiedlich gehandhabt, aber ich denke mir, dass ein Opernhaus da keinen Verlust macht.
Nehmen wir an, ein Sitzplatz würde regulär 60 Euro kosten, er wurde aber nicht verkauft. Das heißt, der Sitzplatz bleibt auf jeden Fall leer, die 60 Euro kommen nicht mehr herein.
Wenn sich aber jemand einen Stehplatz um sagen wir 3 Euro kauft, und sich dann dort hinsetzt, dann wird ja niemandem ein Platz weggenommen. Bzw. hält der "3-Euro Gast" keinen "60 Euro-Gast" davon ab, den Platz zu belegen.
Ich war seit 2009 auf keinen Stehplätzen mehr, von daher weiß ich nicht ob es sich geändert hat, aber zumindest damals verkaufte die VO leider oft viel zu viele Stehplätze, obwohl der Platz dafür gar nicht da war.
Und ich denke, dass es auch ein paar kleine Vorteile hat, wenn sich die Stehplätze freie Plätze schnappen.
A) das Haus sieht, wie du schon sagst, voller aus für die SängerInnen, was sicher auch motivierender ist, als wenn da lauter Lücken sind
B) wenn die Stehplatzgäste merken, dass man trotz der Stehplatzkarte einen Platz bekommen kann, dann werden die sicher auch öfter kommen
Man darf auch nicht vergessen, dass es in der VO auch Restkarten gibt, die VIEL billiger verkauft werden - auch da bekommt man teure Sitzplätze viel billiger.
Die Ticketscans fand ich auch ganz interessant, weniger wegen der Preise, sondern mehr als historische Dokumente.
Danke, liebes Rotkäppchen, so sehe ich das ebenfalls. Ich finde es interessant zu sehen, wie sich Programmhefte, Eintrittskarten etc. im Laufe der Zeit verändern. Ich sammle auch alte Karten und Programme von vor 30, 40, 50 Jahren und noch älter, weil es spannend ist zu sehen, wie die Opernhäuser damals ihr Programm angeboten haben.
Deswegen habe ich das auch eingescannt. Leben und leben lassen, oder? :wink
Sorry für das OT!
LG, Hosenrolle1
Billy Budd (22.12.2014, 22:26): Auch heute wurde eine von den gesanglichen Leistungen her erfreuliche Aufführung dieses Stückes, das ich zwar lange bescheuerterweise ignoriert hab („Graffl für Gschroppn“), mittleweile aber sehr mag, gebracht: Die mit Abstand beste Leistung kam von Sebastian Holecek in der Rolle des Vaters: Ich versteh nicht, was diesen grandiosen Bariton, der ein Juwel im Volksopernensemble ist, noch länger am Haus am Gürtel hält (schon wenn er normal singt, ist er doppelt so laut als die anderen, er bringt aber stets eine hervorragende Leistung anstatt eines Geplärres). Manuela Leonhartsberger, die am Freitag ab der Pause eingesprungen war, kam heute zu ihrem vollständigen Rollendebüt und machte es ausgezeichnet. Anita Götz, deren Stimme heute ein zu deutliches und ungesund klingendes Vibrato aufwies, war eine passable Gretel (für diese Rolle reichts, für die Fledermaus-Adele nicht). Statt der Hexe gab Ulrike Steinsky heute wieder die Mutter, und der Wechsel zur Hexe hin hat wohl zum genau rechten Zeitpunkt erfolgt. Die Rolle der Mutter ist nicht zu unterschätzen, und obwohl sie sie tadellos hinter sich brachte, merkte man ihrer Stimme die lange Karriere an. Jeffrey Treganza blieb als Hexe sehr blaß; Sera Gösch und Maria Nazarova erfüllten in den kleinen Rollen ihre Aufgaben passabel; Eun Sun Kim dirigierte sehr gut. Billy :hello
Hosenrolle1 (22.12.2014, 23:58): Original von Billy Budd Anita Götz, deren Stimme heute ein zu deutliches und ungesund klingendes Vibrato aufwies, war eine passable Gretel (für diese Rolle reichts, für die Fledermaus-Adele nicht).
Das ist wohl eine Frage der Rollenauffassung; was braucht es denn, um eine passable Gretel zu sein? Und: passabel für wen? Meiner Vorstellung nach widerspricht das von dir geschilderte „ungesunde Vibrato“ der kindlichen Rolle der Gretel. Gretel ist ein junges Mädchen, keine erwachsene Frau, und dem würde doch eher ein möglichst vibratoarmes bis vibratoloses Singen eher entsprechen, oder nicht? Die Adele ist doch schon ein bisschen älter.
Ich finde es schade, dass du dieser Rolle nicht zugestehst, möglichst passend und schön gesungen zu werden, vor allem da du nach eigener Aussage das Stück kaum kennst.
LG, Hosenrolle1
Billy Budd (23.12.2014, 00:12): Original von Hosenrolle1 Original von Billy Budd Anita Götz, deren Stimme heute ein zu deutliches und ungesund klingendes Vibrato aufwies, war eine passable Gretel (für diese Rolle reichts, für die Fledermaus-Adele nicht).
Das ist wohl eine Frage der Rollenauffassung; was braucht es denn, um eine passable Gretel zu sein? Und: passabel für wen? Meiner Vorstellung nach widerspricht das von dir geschilderte „ungesunde Vibrato“ der kindlichen Rolle der Gretel. Gretel ist ein junges Mädchen, keine erwachsene Frau, und dem würde doch eher ein möglichst vibratoarmes bis vibratoloses Singen eher entsprechen, oder nicht? Die Adele ist doch schon ein bisschen älter.
Ich finde es schade, dass du dieser Rolle nicht zugestehst, möglichst passend und schön gesungen zu werden, vor allem da du nach eigener Aussage das Stück kaum kennst.
"Passabel" für mich, weil ich es bin, der meine Berichte schreibt, und was in meinen Berichten steht, bestimme ich... natürlich ist jeder herzlich eingeladen, Gegenmeinungen zu schreiben. :)
Du hast ein grandioses Talent, Dinge falsch zu verstehen (fällt mir nicht zum erstenmal auf)... ich hab nirgendwo geschrieben, daß die Gretel nicht - um Dich zu zitieren - "möglichst passend und schön" gesungen werden soll... die Leistung dieser Sängerin war "passabel" und nicht "sehr gut", weil mir eben zuviel Vibrato dabei war, ansonsten hat alles gepaßt. Billy :hello
satie (23.12.2014, 10:17): @ Billy und Hosenrolle:
Ich möchte hier bitte keine Hahnenkämpfe, deshalb lenke ich lieber jetzt schon ein. Hier ist jedem freigestellt, seine Meinung zu posten, solange man sich nicht gegenseitig angreift. Persönliches könnt ihr per PN ausfechten, wenn es sein muss. Ok?
Bezüglich der Bilder hat Billy nicht unrecht: bitte zumindest die Quelle angeben, sofern die Bilder nicht gemeinfrei sind! (bitte per PN an mich, ich kann das nachträglich noch vermerken)
So, danke, weitermachen! :thanks
Hosenrolle1 (23.12.2014, 12:32): Lieber Satie,
da auf meine sachliche Kritik auf die Bemerkung "für diese Rolle reichts" mit einem
Original von Billy Budd Muahahaha... :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl
sowie mit einer noch unsachlicheren (und nebenbei völlig OT-Ferndiagnose) geantwortet wurde, habe ich kein weiteres Interesse an einem Austausch mit Bully Budd. Von daher wird es keine Hahnenkämpfe geben. :wink
Wegen der Bilder: ok, daran werde ich beim nächsten Mal denken!
LG, Hosenrolle1
Billy Budd (23.12.2014, 13:31): Original von Satie Ich möchte hier bitte keine Hahnenkämpfe, deshalb lenke ich lieber jetzt schon ein. Hier ist jedem freigestellt, seine Meinung zu posten, solange man sich nicht gegenseitig angreift. Persönliches könnt ihr per PN ausfechten, wenn es sein muss. Ok?
So, danke, weitermachen! :thanks Alles klar, danke für diesen Beitrag!
Billy Budd (26.12.2014, 20:43): wurde eine passable Vorstellung: Juliette Mars überzeugte als Hänsel auch heute nicht, Anita Götz war aber eine etwas bessere Gretel als zuletzt. Martin Winkler gab einen guten Vater, Elisabeth Flechl eine sehr gute Mutter (abgesehen davon, daß man sie schlecht verstanden hat). Ulrike Steinsky war eine hervorragende Hexe. Manuela Leonhartsberger fiel als Sandmännchen sehr postiv auf; Sera Gösch war das Taumännchen. Alfred Eschwé bewies wieder, daß er für die Volksoper unverzichtbar ist. Billy :hello
Billy Budd (22.01.2015, 22:38): Es ist sehr zu begrüßen, daß die Volksoper ein selten gespieltes Stück dieses Komponisten zeigt (anstatt im Staatsopern-Stil das gleiche Zeug wiederzukäuen), und über das Resulat kann man geteilter Meinung sein (Aufführung in deutscher und italienischer Sprache - diese Mischung hat genau gepaßt). Ich habe volles Verständnis für Donizetti-Fans, die sich sehr auf dieses seltene Werk gefreut haben und ob das Ergebnisses, das stark mit den Erwartungen differiert (die Ouvertüre wurde beispielsweise ausgespart), verärgert sind; ich bin jedoch ahnungslos hingegangen (grad amal eine Inhaltsangabe hab ich davor überflogen) und hab den heutigen Abend als große Hetz empfunden, er war sehr unterhaltsam. Die Musik halte ich für einen ganz großen Müll - halt typisch Donizetti, das meiste kennt man aus irgendwelchen Belcanto-Opern, und insgesamt ist es eine sehr patscherte Mischkulanz. Daher ist es um so besser, daß mit Rolando Villazón jemand für die Regie sorgte, der echten Humor auf die Bühne stellen kann (wie es bei Proben zugeht, wurde total realitätsnah dargestellt: z.B. kieckst der Tenor, dreht er sich gleich danach zur Seite, um Stimmübungen zu machen) - die zahlreich vorhandenen Gags waren wirklich lustig und hatten nicht den Anflug von halb-lustigen abgelutschten Witzerln. (Vom originalen Textbuch blieb wohl kaum etwas übrig, was aber nicht gestört hat; auch zahlreiche aktuelle Pointen - von den Vorfällen am Wiener Burgtheater über die erbärmliche "Der neue Merker"-Zeitschrift bis hin zur bescheuerten Genderei - wurden eingearbeitet.) Ich habe heute auf die Leistungen der Sänger weniger als üblich geachtet, aber niemand ist mir negativ aufgefallen, alle erfüllten ihre Aufgaben mindestens akzeptabel: Anja-Nina Bahrmann, Ben Connor, Julia Koci, Martin Winkler, Christiane Marie Riedl, JunHo You, Günter Haumer, Daniel Ohlenschläger, Wilfried Zelinka; Kristiina Poska dirigierte.
Rotkäppchen (22.01.2015, 23:06): Hallo Billy,
ich fand Deinen Bericht sehr spaßig! Aber Donizettis Musik soll Müll sein? Gerade erst habe ich die Lucia di Lammermoor beim Staubwischen gehört, das hat diese Tätigkeit enorm aufgewertet -- es war überhaupt nicht mehr langweilig (mit Wagner oder Strauss z.B. würde das nicht funktionieren) :D. Jetzt hätte ich doch glatt Lust, Dich mit einem passenden YT-Clip zu quälen, aber ich weiß nicht, wie sehr ich Deinen Humor strapazieren kann, daher lasse ich es lieber... :wink Ciao, Rk
Billy Budd (22.01.2015, 23:12): Hahahaha, Du kannst mir natürlich soviele Youtube-Links schicken, wie Du magst, aber wenn ich eine Reihe von Links zur Lucia-Wahnsinnsarie krieg und dann auch noch beurteilen soll, ob das Edita Gruberova Anna Netrebko oder Maria Callas besser hinkriegt... das hör ich mir nicht an! :cool :haha :haha
Hier einen Link, damit Du bei der nächsten Putzaktion was zum Lachen hast (so ab 4:00): Michael Schade/Wiener Festwochen :D Billy :hello
Rotkäppchen (23.01.2015, 08:47): Original von Billy Budd Hier einen Link, damit Du bei der nächsten Putzaktion was zum Lachen hast (so ab 4:00): Michael Schade/Wiener Festwochen :D Billy :hello Ziemlich ulkig, in der Tat! Bin zum Glück kein Schade-Fan, sonst müsste ich mir jetzt wieder eine kleine Racheaktion ausdenken :D. Wie wäre es eigentlich mit einem Spezialthread:
Lästern, Lachen, Gruseln: Billy Budds musikalische Feindbilder in Bild und Ton
... oder so ähnlich?
:hello Rk
Billy Budd (23.01.2015, 15:02): Kein Problem, hier das erste Video: Laubbläser
Oder: Formel 1
:D :D :D
Rotkäppchen (23.01.2015, 22:51): Auweia, nun ist der Thread endgültig verdorben :D, wobei ich das Laubgebläse-Video klasse fand.
Bin jetzt gespannt auf den nächsten Opernbericht und darauf, wer dann in Ungnade fällt, ob nur ein paar arme Sänger oder wieder ein Meister der Opernkomposition :cool.
Ciao, Rk
Jetzt doch ein Nachtrag, um den Donizetti noch ein bisschen zu rehabilitieren... Original von Billy Budd aber wenn ich eine Reihe von Links zur Lucia-Wahnsinnsarie krieg und dann auch noch beurteilen soll, ob das Edita Gruberova, Anna Netrebko oder Maria Callas besser hinkriegt... das hör ich mir nicht an! :cool :haha :haha Die kriegen das alle drei sehr gut hin, der Callas nehme ich den Wahnsinn natürlich am besten ab, die Gruberova singt einfach brillant und Netrebko macht es auch sehr gut, für die Ohren ihrer Fans sowieso -- ich bevorzuge Gruberova, zumindest beim Staubwischen :D.
Billy Budd (08.04.2015, 22:24): Juhu, derzeit steht wieder Brittens sehr gelungenes Werk, das ja deutlich mehr als nur eine witzige Komödie ist, auf dem Spielplan der Volksoper. Sehr erfreulich ist, daß heute eine durch und durch stimmige Ensembleleistung geboten wurde: Sebastian Kohlhepp (der im Parterre deutlich besser als auf der Galerie klingt; Albert Herring), Elisabeth Flechl (Lady Billows), Alexandra Kloose (Haushälterin), Cornelia Horak (Schulvorsteherin), Morten Frank Larsen (Pfarrer), Christian Drescher (Bürgermeister), Andreas Mitschke (Polizist), Daniel Ochoa (Sid), Christiane Marie Riedl (Nancy) und Sulie Girardi (Mutter). Gerrit Prießnitz dirigierte gut, und die Inszenierung paßt. Billy :hello