Bertelsmann schließt seine Buchclubs

Jürgen (18.06.2014, 16:08):
http://www.derclub.de/INTERSHOP/static/WFS/BC-DECM-Site/-/-/de_DE/src/images/layout/logo.png


Der Spiegel berichtet über dieses Thema.

Das hört sich erstmal etwas off-topic an, aber die Clubs hatten neben Büchern auch Tonträger mit im Programm.

Ich selbst war nie Mitglied in einem dieser Clubs, aber mein Vater. Der Club hieß Europäische Bildungsgemeinschaft (Oh Gott, welch ein elitäres Gehabe. Aber früher hat mich das nicht gestört)
Meine Eltern mussten sich 4 Bücher im Jahr aussuchen und hatten damit ihre Pflicht getan.
Der eigentliche Nutznießer war ich, der insbesondere in den 80er Jahren, als CDs noch richtig teuer waren, regelmäßig das sogenannte Antiquariat abgraste und CDs zum drittel Preis erstand. Im Antiquariat landete alles, was im laufenden Quartal nicht mehr im Katalog gelistet war. Ein nicht unwesentlicher Bestandteil meiner CD-Sammlung entstammt dieser Quelle.

Zum regulären Vollpreis habe ich dort (=im heimatlichen Buchclubladen) fast nie etwas gekauft, insbesondere keine CDs.

Im Laufe der 90er wurde selbst das Antiquariat für mich immer uninteressanter und ich stellte meine Besuche ein.

Was verbindet Euch mit den Bertelsmann Buchclubs? Die Diskussionsbeiträge zum Spiegelartikel sind ja ziemlich negativ geprägt, meine Erinnerungen eher positiver Art.

Grüße
Jürgen
Wooster (29.06.2014, 09:52):
Der Buchclub war eigentlich das Gegenteil von elitär (ungeachtet des Gehabes).

Der Witz war doch, dass die Preisbindung für Bücher (und bis ca. 1970 auch für Schallplatten) umgangen werden konnte. Das Angebot war etwas eingeschränkt, die "Club-Ausgaben" kamen oft ein wenig später ins Club-Programm und waren oft etwas anders designt, aber deutlich günstiger als reguläre Hardcover. Das Angebot reichte von Klassikern bis zu einigen modernen Klassikern und natürlich den damals sehr populären Schinken der Unterhaltungsliteratur von Konsalik, Simmel u.a.
Man muss nur mal auf einem Flohmarkt stöbern. Es wimmelt von Club-Ausgaben solcher Bücher, die wurden in den 60ern/70ern zu hunderttausenden verkauft.

Da Taschenbücher bis in die 1980er oft von schlechter Qualität und Haltbarkeit waren, viel später herauskamen und es von vielen Büchern gar keine Pbck-Ausgaben gegeben hat, war der Club durchaus eine interessante Alternative. Ich schätze, dass ein erheblicher Teil meiner Kinderbücher von Enid Blyton, Ende, Preussler u.a. um 1980 aus dem Club stammte.
Bei CD kann ich mich, wie Jürgen, an vereinzelte Schnäppchen aus der Anfangszeit Ende der 1980er erinnern, sowohl Club-Sonderausgaben als auch Ausverkauf in der lokalen Club-Filiale.
Sobald man aber eine etwas größere Sammlung hatte, war das Programm eher uninteressant und es ist, soweit ich mich daran erinnere, in den 90ern deutlich geschrumpft. Die letzte CD, die ich meine dort gekauft zu haben, war ca. 2001 Pletnevs Carnegie-Hall-Recital.

Was mich wundert, ist, dass immer wieder behauptet wird, der Club habe halt keine Chance gegen die modernen Angebote aus dem Internet usw. Das mag ja sein, ist aber eigentlich nur durch epic fail der Bertelsmann-Strategen zu erklären. Die hatten einen riesigen Vorsprung von Amazon & Co, einen der größten Medienkonzerne der Welt im Rücken, einen großen Kundenstamm + Vertriebs- und Filialnetz. Und jetzt gibt es mit Amazon prime sogar etwas ähnliches wie einen "Club", sogar mit Festbeitrag, nicht nur mit Mindestkauf pro Quartal...
Normalerweise sollte Bertelsmann auf dem Weg zum Medienmonopolisten sein, nicht Amazon.
satie (30.06.2014, 10:13):
Bertelsmann ist dick genug drin im Geschäft: fast 16 Milliarden Umsatz macht der Konzern im Jahr. Da gehören so viele Unternehmen dazu... den Club brauchten die vermutlich einfach nicht mehr. Zum Konzern gehört beispielsweise die komplette Verlagsgruppe Random House (hatte mal mit denen zu tun, als ich im Call Center arbeiten musste). Und nur schon diese Verlagsgruppe ist gigantisch!
Also: gar nicht so weit weg vom Monopol...