Rolf Scheiwiller (29.03.2006, 10:19): Counter sind in! Nie in den letzten Jahrzehnten waren sie so gefragt wie derzeit.
Auf Tonträger herrscht fast Hochkonjunktur. Wieder ein neuer entdeckt! Jetzt kommen sie sogar aus Südamerika. ( Fagioli ) Alles hat im letzten Jahrhundert mit einem Engländer begonnen. Alfred Deller. Dann folgten andere. Meistens ehemalige Choristen aus engl. Kathedralen. Ihre Technik war eine andere als die der nachkommenden aus andern Ländern.
Einer der Grossen ist der Deutsche Jochen Kowalski. Keiner hat weltweit mehr Erfolg gehabt als er. Bis ein Amerikaner auftrat. David Daniels! Mein Favorit, wenn es um Händelopern geht. Dieses Timbre und die phänomenale Technik ! Er stand schon einige male auf der Bühne der MET. Mit tollem Erfolg. Auch seine CDs bei VIRGIN oder DECCA, und DVDs sind weltweit ein Erfolg.
Schätzt ihr diese Stimmakrobaten, oder sind sie euch eher gleichgültig ?
Gruss.
Rolf.
Carola (29.03.2006, 11:26): Mir sind Countertenöre hauptsächlich von Gardiners Bachkantaten bekannt, Michael Chance zum Beispiel oder Daniel Taylor.
Aus Deutschland kenne ich eigentlich nur Andreas Scholl, den ich noch vergleichsweise gut anhören kann.
Ich will ganz offen sein: Sobald ich auf einem CD Cover das Wort "Countertenor" oder "Altus" lese, ist das für mich inzwischen ein Grund, diese CD nicht zu kaufen, egal, was sonst noch drauf steht. Ich mag diese Stimmen einfach nicht sondern bevorzuge das nach meinem Eindruck sehr viel wärmere und auch weniger forcierte Timbre von (guten) Altistinnen wie Bernarda Fink zum Beispiel, die ebenfalls bei einigen Gardiner Aufnahmen mitwirkt.
Mit Gruß von Carola :)
P.S. Darf ich fragen, warum die Countertenöre bei den "Persönlichkeiten" stehen, die Charaktertenöre aber bei "Vokales"?
Eure ordnungsliebende Carola
Rolf Scheiwiller (29.03.2006, 11:45): Original von Carola Mir sind Countertenöre hauptsächlich von Gardiners Bachkantaten bekannt, Michael Chance zum Beispiel oder Daniel Taylor.
Aus Deutschland kenne ich eigentlich nur Andreas Scholl, den ich noch vergleichsweise gut anhören kann.
Ich will ganz offen sein: Sobald ich auf einem CD Cover das Wort "Countertenor" oder "Altus" lese, ist das für mich inzwischen ein Grund, diese CD nicht zu kaufen, egal, was sonst noch drauf steht. Ich mag diese Stimmen einfach nicht sondern bevorzuge das nach meinem Eindruck sehr viel wärmere und auch weniger forcierte Timbre von (guten) Altistinnen wie Bernarda Fink zum Beispiel, die ebenfalls bei einigen Gardiner Aufnahmen mitwirkt.
Mit Gruß von Carola :)
P.S. Darf ich fragen, warum die Countertenöre bei den "Persönlichkeiten" stehen, die Charaktertenöre aber bei "Vokales"?
Eure ordnungsliebende Carola @ Carola.
Das war unabsichtlich. Bitte um Entschuldigung.
R.
Mime (02.04.2006, 15:36): Hallo miteinander,
mir ist dieses unnatürliche Gekeife auch zuwider und ich höre lieber einen richtigen Tenor oder eine schöne weibliche Altstimme.
Engelbert (06.05.2006, 20:25): Nicht nur die Barockoper, sondern auch das Musiktheater der Gegenwart hat Verwertung für Counter-Tenöre.
Ein Einziger reicht nicht immer. Manchmal treten sie auch im Rudel auf. In der Oper "Drei Schwestern" des Ungarn Eötvos werden die Frauen von Personen männlichen Geschlechts dargestellt.
Die Hamburger Staatsoper hat das Stück kürzlich herausgebracht. Allerdings konnte ich mich nicht entschließen, hinzugehen. Zwei Stunden nichts anderes als Herren in hoher Stimmlage zu hören, war mir zu viel. Ich dachte auch, dass man sich einen Gag ausgedacht hat. Da in Lyon aber auch Counters eingesetzt werden, ist vom Komponisten das offenbar so festgelegt worden, um die Oper interessant zu machen
Kennt jemand die Oper?
:engel
Es gibt allerdings Fälle, dass ältere Damen durch einen dunklen Bass vertreten werden. Zum Beispiel die Partie der Mutter in dem Stück von Kurt Weill: Die 7 Todsünden des Kleinbürgers.
martin (28.05.2006, 17:05): Tut mir leid, ich habe diesen Thread erst etwas später entdeckt. Ich wollte heute eigentlich zu diesem Thema heute einen ähnlichen Thread aufmachen, bis ich diesen entdeckt habe.
Mir kam der Gedanke mich zu diesem Thema zu äußern, als ich den Countertenor James Bowman mit Liedern von Dowland hörte. Da dachte ich nämlich: Natürlich hat die Countertenorstimme schon einen Reiz. Aber irgendwie wars doch beim Bowman schon ein gewisses Gejaule. Die Stimme hat mich nicht überzeugt. Hätte es nicht mit einem Alt besser geklungen? Gerade der Alt ist eigentlich eine meiner liebsten Stimmlagen, ich mag ihn sehr. Also besser geklungen hätte es mit Sicherheit, nur hat der Countertenor wohl grundsätzlich ihren Reiz.
Allerdings habe ich Purcell CDs mit Deller. Dellers Stimme gefällt mir besser.
Aber woher kommt eigentlich dieser angebliche Boom für den Countertenor? Ein wichtiger Punkt ist ganz sicher der Authentizitätstrend in der klassischen Musik. Manche barocke Musik war allerdings für eine Countertenorstimme, oder für eine Kastratenstimme.
Bei Kastratenstimmen erscheint mir allerdings der Einsatz von Countertenören fragwürdig. Denn wie Kastraten geklungen haben, weiß man nicht. Diese Unsitte starb anfang des letzten Jahrhunderts aus, es gibt wohl noch irgendwelche Aufnahmen aus den Anfängen der Tonaufzeichnung, aber daraus kann man sich wohl kein Bild machen. Der Countertenor hat eine hoch "gepreßte Stimme", der Kastrat eine "natürlich" ( sofern man diese auf einem barbarischen Akt beruhende Stimme noch natürlich nennen kann) hohe Stimmlage.
Allerdings habe ich gehört ( ohne genaueres zu wissen) daß der Countertenor wohl doch keine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist, sondern daß es Countertenöre wohl auch schon in der Zeit des Barocks gab ( ich glaube dann aber wohl in England). Ich lasse mich gerne darüber belehren, ob diese Information, die ich vage im Gedächtnis habe, stimmt. Kamen bei den entsprechenden Opern Purcells Countertenöre zum Einsatz? Nicht einmal das weiß ich. Allerdings weiß ich wohl, daß in Händelopern tatsächlich Kastraten zum Einsatz kamen.
Der Film "Farinelli", den ich mal sah, beleuchtet das Schicksal dieser im Dienste der Kunst verstümmelten. Soweit ich informiert bin, hat man aber um die Stimmlage eines solchen Kastraten im Film wiederzugeben, auch zu gewissen Hilfsmitteln gegriffen, wie den Gesang wohl auch teils durch eine männliche, teils durch eine weibliche Stimme wieder zu geben.
Gruß Martin
Carola (28.05.2006, 19:21): Über barocke Opern weiß ich nichts aber für den Bereich der Bachkantaten dürfte ein Countertenor ungefähr so "authentisch" sein wie ein CD-Spieler. Wollte man sich da wirklich den historischen Aufführungsbedingungen anpassen, müsste man einen Knaben-Alt und einen Knaben-Sopran für die Soli nehmen, dazu einen Knabenchor. Chor und Orchester müsste man dann am besten auch noch im Ausbildungsstand künstlich absenken, denn Bach hat sich oft über seine schlechten Arbeitsbedingungen in dieser Hinsicht beschwert. Aufgeführt werden dürfte das Ganze dann ausschließlich in einer Kirche und zwar im Rahmen eines evangelischen Gottesdienstes an dem dafür vorgesehenen Sonn- oder Feiertag des Kirchenjahres..
Was immer also der Grund für den Einsatz von Countertenören bei Bachkantaten sein mag - mit "Authentizität" kann es nichts zu tun haben, auch wenn dies immer wieder behauptet wird.
Mit Gruß von Carola
Janina (28.05.2006, 20:42): Das wieder vermehrt Countertenöre ausgebildet werden, ist auf jeden Fall richtig. Mich hat diese Stimmlage bisher nicht so begeistert. Als ich jedoch Gilulio Cesare einmal in Bariton-Lage hören musste, habe ich mich dabei ertappt, wie ich mir den Countertenor der usprünglichen Version herbei gewünscht habe. Die Leichtigkeit und Flexibilität der Stimme passt einfach hervoragend zu barocker Musik. Ansonsten stehe ich eigentlich mehr auf dunklere Stimmen, ich mag die Baritonlage auch lieber als Tenöre. Das hat was mit meinem Männlichkeitebild zu tun, denke ich. Deswegen finde ich auch immer sehr wichtig, dass die Inszenierung in irgendeiner Art und Weise mit dieser für das Publikum doch immernoch eher ungewohnten Stimmlage umgeht. Wenn man die Figur als "Weichei" oder in irgendeiner Form "metrosexuell" (schreckliches Wort!) darstellt, finde ich es köstlich. Ich möchte auch an dieser Stelle wieder auf Gilulio Cesare von Peter Sellars hinweisen... :wink Was Kastraten angeht wird vermutet, dass sie sicherlich ziemlich anders geklungen haben als unsere Countertenöre. Zu ihrer hohen, weiblichen Stimmlage kamen nämlich die Vorteile eines ausgewachsenen männlichen Körpers. Weil die Kastraten nicht im Falsett singen mussten, konnten sie wie ein Sopran mit ihrer Stimme richtig in den Körper gehen, hatten aber durch den männlichen Brustkorb eine ganz andere Kraft. Daher glaube ich auch nicht, dass ein Knaben-Sopran bzw. -Alt eine authentischere Lösung wäre. Aber man weiß das ja wirklich leider alles nicht. Der letzte Kastrat, der uns noch bekannt ist, war leider nicht so ein guter, dass es wirklich repräsentativ für die damaligen Kastraten wäre. Der Countertenor hat eine hoch "gepreßte Stimme" Dem stimme ich absolut nicht zu. Countertenöre haben einfach eine eigene Stimmtechnik. Es ist eine Kategorie wie Brust- oder Kopfstimme. Das kann man nicht pauschal werten. Man kann höchstens werten wie gut diese Technik, beim ein oder anderen ist. Ich muss auch sagen, ich habe schon mehr knödelnde Tenöre gehhört als "gepreßte" Countertenöre. Die Unnatürlichkeit war schon im Barock der wichtigste Faktor. Deswegen wurden oft die Herrscher- oder Götterfiguren in dieser Stimmlage komponiert. Ein Beispiel für den wirklich auch wieder beliebten Einsatz von Countertenören im Musiktheater des 20. Jahrhunderts ist "Echnaton" von Philipp Glass. Und auch da muss ich sagen, dass der Einsatz eines Countertenors echt stimmig war. Auch wenn ich immer ein Bariton-Fan bleiben werde! :D
Jimi (10.06.2006, 14:43): Hallo zusammen,
bei dem erwähnten (vermutlich) letzten Kastraten handelt es sich um Alessandro Moreschi(1858-1921), der lange Jahre Solist der Sixtinischen Kapelle war. Die eine Aufnahme (von 1904)die ich besitze ist wirklich nicht gerade berauschend und allerhöchstens musikhistorisch interessant. Die Stimme hat ein heftiges weinerliches Vibrato und klingt wirklich nicht gerade schön. Hier währe es IMO eher angebracht von Gejaule zu reden als bei manchen Countertenor. Wie auch immer, wenn man den Schilderungen über die Gesangskunst von Farinelli und Co Glauben schenkt kann diese Aufnahme damit nicht allzu viel zu tun haben.
Original von Janina Der letzte Kastrat, der uns noch bekannt ist, war leider nicht so ein guter, dass es wirklich repräsentativ für die damaligen Kastraten wäre. Der Countertenor hat eine hoch "gepreßte Stimme" Dem stimme ich absolut nicht zu. Countertenöre haben einfach eine eigene Stimmtechnik. Es ist eine Kategorie wie Brust- oder Kopfstimme. Das kann man nicht pauschal werten. Man kann höchstens werten wie gut diese Technik, beim ein oder anderen ist. Ich muss auch sagen, ich habe schon mehr knödelnde Tenöre gehhört als "gepreßte" Countertenöre.
@ Janina , Martin
Ich kann hier Janina nur zustimmen, ich habe mich ja weiter oben schon ähnlich geäußert. Bei Countertenören generell von einer hoch “gepressten Stimme“ zu sprechen, ist genauso als würde man behaupten Sopranistinnen klingen schrill, was ja in einzelnen Fällen zutreffen mag, aber nicht verallgemeinert werden kann.
Als Beispiel möchte ich auf ein Stück von der oben vorgestellten Cd „Beata Vergine“ von Philippe Jaroussky hinweisen:
Nr. 3 O quam suavis, von Cavalli.
Eine derart mühelose Tonproduktion in allen Lagen hört man wirklich selten. Von gepresst, forciert oder Gekeife kann kein Rede sein.
Original von Martin Der Film "Farinelli", den ich mal sah, beleuchtet das Schicksal dieser im Dienste der Kunst verstümmelten. Soweit ich informiert bin, hat man aber um die Stimmlage eines solchen Kastraten im Film wiederzugeben, auch zu gewissen Hilfsmitteln gegriffen, wie den Gesang wohl auch teils durch eine männliche, teils durch eine weibliche Stimme wieder zu geben.
Wenn ich mich recht erinnere wurden für den Farinelli Film der Gesang aus Aufnahmen des Countertenor Derek Lee Ragin und einer Sopranistin (Namen hab ich vergessen) zusammengestückelt. Gibt’s den eigentlich als DVD ?
Viele Grüße
Jimi
Cosima (10.06.2006, 15:02): Original von Jimi Wenn ich mich recht erinnere wurden für den Farinelli Film der Gesang aus Aufnahmen des Countertenor Derek Lee Ragin und einer Sopranistin (Namen hab ich vergessen) zusammengestückelt. Gibt’s den eigentlich als DVD ?
Hallo Jimi,
ich schaue gelegentlich, ob der Film inzwischen auf DVD erhältlich ist, leider ist das immer noch nicht der Fall (zumindest nicht in deutscher Sprache). Ich hatte ihn mir vor geraumer Zeit auf VHS ausgeliehen und war sehr begeistert!
Gruß, Cosima
Jimi (10.06.2006, 18:57): Hallo Jimi,
ich schaue gelegentlich, ob der Film inzwischen auf DVD erhältlich ist, leider ist das immer noch nicht der Fall (zumindest nicht in deutscher Sprache). Ich hatte ihn mir vor geraumer Zeit auf VHS ausgeliehen und war sehr begeistert!
Gruß, Cosima
Hallo Cosima,
ich habe jetzt auch noch mal nachgeforscht und bin zum gleichen Ergebnis gekommen. Es gibt anscheinend nur eine Import-DVD in französischer Sprache. Keine Ahnung ob deutsche Untertitel dabei sind(Englische auf jeden Fall). Wenn sich da was Neues ergibt werde ich es auf jeden Fall hier kundtun.
Viele Grüße
Jimi
monteverdi (21.09.2007, 21:32): Hallo,
ich zitiere einmal aus Wikipedia:
Als Countertenor (v. lat.: contratenor), auch: Altus (von lat. altus = „hoch, hell“) wird ein männlicher Sänger bezeichnet, der mit Hilfe einer durch Brustresonanz verstärkten Kopfstimmen- bzw. Falsett-Technik in Alt- oder sogar Sopran-Lage singt.
Es gibt Versuche, zwischen Countertenor und Altus zu unterscheiden (z. B. nach den eingesetzten Anteilen von Brust- und Kopfresonanz), aber die vorhandenen Sänger weisen eine derart hohe Individualität auf, dass eine solche Differenzierung fragwürdig erscheint. Die Bezeichnung „Altus“ bezieht sich eher auf die Lage, der Begriff „Countertenor“ auf die verwendete Technik.
Ein sehr bekannter belgischer Countertenor, heute ein hervorragender Dirigent: “Rene Jacobs” erläuterte in einem Interwiv mit “Arte” zu der Fragestellung eines Altus-Countertenors wie folgt:
- Mal heißt es, Sie seien ein Countertenor, mal ein Altus. Können Sie uns den genauen Unterschied erklären? -
Es gibt eigentlich keinen Unterschied nur Verwirrung. Countertenor gibt es als deutschen Begriff gar nicht. Die Mehrstimmigkeit entstand im Mittelalter so: die Hauptstimme, der Tenor, wurde zunächst von einer, dann von zwei Stimmen umspielt. Die eine sang höher, man nannte sie Contratenor altus, die andere tiefer also Contratenor bassus.
Dann kam noch eine Vierte, die höher war, dazu, die hieß Cantus. So entstanden die Begriffe Alt und Bass. Insofern hat es keinen Sinn das Wort Contratenor zu verwenden. Rein theoretisch können erwachsene Männer Alt singen; dann singen sie im Falsett-Register und da gibt es zwei verschiedene Techniken. Diejenigen, die alles im Falsettregister singen und diejenigen, die das Falsettregister mit der Bruststimme verbinden. Ich habe immer die zweite Technik verwendet.
Alle renomierten Interpreten in der “Historischen Aufführungspraxis” setzen Counter-Tenöre” mittlerweile ein wie: Sir John Eliot Gardiner, Philippe Herreweghe, Christopher Hogwood, René Jacobs, Ton Koopman, Gustav Leonhardt, Paul McCreesh, Trevor Pinnock, Masaaki Suzuki, etc.
Gruß monteverdi
manrico (22.09.2007, 02:28): Hallo Jimi!
Wer den Counter-Tenor bei Farinelli gesungen hat, weiss ich nicht mehr - das ist nicht die Art des Singens, die mich vom Hocker reisst, und zu Musik vor Mozart habe ich (noch) so gut wie gar keinen Zugang. Ich glaube mir aber zufällig gemerkt zu haben, dass die Sopranistin im Farinelli-Film Eva Godlewska war (das weiss ich nur deshalb, weil es kurz vor diesem Film eine Opernübertragung des Don Carlo aus Orange gegeben hat - das war einer meiner ersten Operneindrücke - und Eva Godlewska dort die Stimme vom Himmel gesungen hat). Ich habe nicht recherchiert, ob die Schreibweise der Sopranistin korrekt ist, bin mir aber ziemlich sicher, dass sie damals den Sopranpart gesungen hat.
Liebe Grüße
Werner
Jimi (02.10.2007, 19:14): Hallo Werner,
stimmt genau, ich habe vor kurzen im Fernsehen einen Bericht über den Farinelli-Film gesehen, da wurden Eva Godlewaka und Derek Lee Ragin als die Sänger/in genannt, aus deren Stimmen die Farinellistimme "zusammengebastelt" wurde. Andere Aufnahmen habe ich von ihr aber noch nicht gehört, bez. kann mich nicht daran erinnern.
@monteverdi
Zur Unterscheidung von Counter-Tenor, Altus oder Falsettist kann man in der Tat sehr unterschiedliche Meinungen zu hören bekommen. Noch besser wird es wenn die Fachleute darüber diskutieren wie die Counter-Tenöre ihre hohen Töne nun eigentlich produzieren, da ist dann die Rede von Falsett , Kopfstimme oder Fistelstimme, oder ist es doch ein gestütztes Falsett oder vielleicht Kopfstimme mit verstärkter Resonanzausnützung usw. ?(
Einen interessanten Artikel, der etwas Licht ins Dunkel bring, finde man hier :
Kastraten, Falsettisten und Counter-Tenöre:
Eines ist jedenfalls klar, bei den Sängern die "über dem Tenor" singen gibt es jedenfalls genauso große Unterschiede wie bei anderen Sänger/innen auch. Sehr schön nachvollziehen kann man das an dem folgenden Videoclip. Es singen (nacheinander) eine Mezzosopranistin, ein Falsettist ,ein Knabensopran und ein Sopranist (im Englischen: male soprano) :
http://www.youtube.com/watch?v=3049G2il9X8
:hello Jimi
ab (02.11.2007, 14:59): Musikalisch am berührendesten habe ich bislang Michael Chance singen gehört - aber das hängt starkt von dessen Tagesverfassung aus, denn öfter hörte ich ihn recht unmotiviert und steril. Die schönste Stimme, die ich kenne, hat wohl Andreas Scholz, dessen Musikalität ich aber stets knapp vor der Ödess empfinde. Das größte kommödiantischste Talent mit unübertroffener Bühnenpräsenz, ist wohl immer noch Dominique Viss mit der wohl am wenigsten schönsten Stimme.
Rolf Scheiwiller (29.03.2006, 10:19): Counter sind in! Nie in den letzten Jahrzehnten waren sie so gefragt wie derzeit.
Auf Tonträger herrscht fast Hochkonjunktur. Wieder ein neuer entdeckt! Jetzt kommen sie sogar aus Südamerika. ( Fagioli ) Alles hat im letzten Jahrhundert mit einem Engländer begonnen. Alfred Deller. Dann folgten andere. Meistens ehemalige Choristen aus engl. Kathedralen. Ihre Technik war eine andere als die der nachkommenden aus andern Ländern.
Einer der Grossen ist der Deutsche Jochen Kowalski. Keiner hat weltweit mehr Erfolg gehabt als er. Bis ein Amerikaner auftrat. David Daniels! Mein Favorit, wenn es um Händelopern geht. Dieses Timbre und die phänomenale Technik ! Er stand schon einige male auf der Bühne der MET. Mit tollem Erfolg. Auch seine CDs bei VIRGIN oder DECCA, und DVDs sind weltweit ein Erfolg.
Schätzt ihr diese Stimmakrobaten, oder sind sie euch eher gleichgültig ?
Gruss.
Rolf.
Carola (29.03.2006, 11:26): Mir sind Countertenöre hauptsächlich von Gardiners Bachkantaten bekannt, Michael Chance zum Beispiel oder Daniel Taylor.
Aus Deutschland kenne ich eigentlich nur Andreas Scholl, den ich noch vergleichsweise gut anhören kann.
Ich will ganz offen sein: Sobald ich auf einem CD Cover das Wort "Countertenor" oder "Altus" lese, ist das für mich inzwischen ein Grund, diese CD nicht zu kaufen, egal, was sonst noch drauf steht. Ich mag diese Stimmen einfach nicht sondern bevorzuge das nach meinem Eindruck sehr viel wärmere und auch weniger forcierte Timbre von (guten) Altistinnen wie Bernarda Fink zum Beispiel, die ebenfalls bei einigen Gardiner Aufnahmen mitwirkt.
Mit Gruß von Carola :)
P.S. Darf ich fragen, warum die Countertenöre bei den "Persönlichkeiten" stehen, die Charaktertenöre aber bei "Vokales"?
Eure ordnungsliebende Carola
Rolf Scheiwiller (29.03.2006, 11:45): Original von Carola Mir sind Countertenöre hauptsächlich von Gardiners Bachkantaten bekannt, Michael Chance zum Beispiel oder Daniel Taylor.
Aus Deutschland kenne ich eigentlich nur Andreas Scholl, den ich noch vergleichsweise gut anhören kann.
Ich will ganz offen sein: Sobald ich auf einem CD Cover das Wort "Countertenor" oder "Altus" lese, ist das für mich inzwischen ein Grund, diese CD nicht zu kaufen, egal, was sonst noch drauf steht. Ich mag diese Stimmen einfach nicht sondern bevorzuge das nach meinem Eindruck sehr viel wärmere und auch weniger forcierte Timbre von (guten) Altistinnen wie Bernarda Fink zum Beispiel, die ebenfalls bei einigen Gardiner Aufnahmen mitwirkt.
Mit Gruß von Carola :)
P.S. Darf ich fragen, warum die Countertenöre bei den "Persönlichkeiten" stehen, die Charaktertenöre aber bei "Vokales"?
Eure ordnungsliebende Carola @ Carola.
Das war unabsichtlich. Bitte um Entschuldigung.
R.
Mime (02.04.2006, 15:36): Hallo miteinander,
mir ist dieses unnatürliche Gekeife auch zuwider und ich höre lieber einen richtigen Tenor oder eine schöne weibliche Altstimme.
Jimi (17.04.2006, 12:33): Hallo Carola , Mime und Rolf,
wer mag schon Stimmen mit forciertem Timbre oder gepresste hohe Töne. Ich jedenfalls nicht. Aber ist das ein spezifisches Problem von Countertenören ? Wohl eher nicht.
Gerade im Bereich Sopran bez. Tenor gibt es genügend negative Beispiele: z.B. wenn für die Stimme zu dramatische Rollen oder solche mit zu hoher Tessitura gewählt werden (IMO Guiseppe di Stefano in I Puritani von Bellini).
Natürlich gibt es auch von Countertenören Aufnahmen die mir weniger zusagen, wie z.B. Graham Pushee in der Barockoper Croesus von Reinhard Keiser. Allerdings möchte ich mir über diesen Sänger kein abschließendes Urteil bilden, da ich keine weiteren Aufnahmen von Ihm kenne.
Jetzt noch einige, aus meiner Sicht, positive Beispiele von Counter-Aufnahmen: :leb
Den Franzosen den Du hier vorstellst, kenne ich erst seit letztem Jahr. Die Vivaldi CD hab ich und sie ist wirklich hochvirtuos gesungen.
Aber mein absoluter Favorit, wenn es um Händel geht, bleibt David Daniels. Kennst Du ihn nicht ? Auf VERGIN ist er bei Soloplatten exclusiv.
Händel singt er mit einer Technik sondergleichen,und seiner wunderbaren, warmen Stimme -unvergleichlich !
Sicher, es gibt viele Counterstimmen die eine Qual sind. Ich denke an zwei Franzosen. Oder R. Jacobs von früher. Oder Brian Asawa, Drew Minter u. a. Oder viele Engländer, mit ihren winzigen Stimmchen. Vielmals eine Zumutung.
Aber gottlob auch einige herausragende, die zurecht Weltkarriere machen.
klar kenn ich David Daniels, er hat mich aber gar nicht so vom Hocker gehauen als ich ihn erstmals hörte(ich glaube in Rinaldo mit Bartoli). Muss ich wohl noch mal reinhören. Sein Solodebüt mit Händelarien hat mich dann jedenfalls voll überzeugt. Für die dramatischeren Händelrollen die für Counter geeignet sind, ist er momentan wohl die erste Wahl. Ich habe bisher nur die eine Solo-CD von ihm. Vielleicht stellst du ja noch ein paar andere vor.
Viele Grüße Jimi
Engelbert (06.05.2006, 20:25): Nicht nur die Barockoper, sondern auch das Musiktheater der Gegenwart hat Verwertung für Counter-Tenöre.
Ein Einziger reicht nicht immer. Manchmal treten sie auch im Rudel auf. In der Oper "Drei Schwestern" des Ungarn Eötvos werden die Frauen von Personen männlichen Geschlechts dargestellt.
Die Hamburger Staatsoper hat das Stück kürzlich herausgebracht. Allerdings konnte ich mich nicht entschließen, hinzugehen. Zwei Stunden nichts anderes als Herren in hoher Stimmlage zu hören, war mir zu viel. Ich dachte auch, dass man sich einen Gag ausgedacht hat. Da in Lyon aber auch Counters eingesetzt werden, ist vom Komponisten das offenbar so festgelegt worden, um die Oper interessant zu machen
Kennt jemand die Oper?
:engel
Es gibt allerdings Fälle, dass ältere Damen durch einen dunklen Bass vertreten werden. Zum Beispiel die Partie der Mutter in dem Stück von Kurt Weill: Die 7 Todsünden des Kleinbürgers.
martin (28.05.2006, 17:05): Tut mir leid, ich habe diesen Thread erst etwas später entdeckt. Ich wollte heute eigentlich zu diesem Thema heute einen ähnlichen Thread aufmachen, bis ich diesen entdeckt habe.
Mir kam der Gedanke mich zu diesem Thema zu äußern, als ich den Countertenor James Bowman mit Liedern von Dowland hörte. Da dachte ich nämlich: Natürlich hat die Countertenorstimme schon einen Reiz. Aber irgendwie wars doch beim Bowman schon ein gewisses Gejaule. Die Stimme hat mich nicht überzeugt. Hätte es nicht mit einem Alt besser geklungen? Gerade der Alt ist eigentlich eine meiner liebsten Stimmlagen, ich mag ihn sehr. Also besser geklungen hätte es mit Sicherheit, nur hat der Countertenor wohl grundsätzlich ihren Reiz.
Allerdings habe ich Purcell CDs mit Deller. Dellers Stimme gefällt mir besser.
Aber woher kommt eigentlich dieser angebliche Boom für den Countertenor? Ein wichtiger Punkt ist ganz sicher der Authentizitätstrend in der klassischen Musik. Manche barocke Musik war allerdings für eine Countertenorstimme, oder für eine Kastratenstimme.
Bei Kastratenstimmen erscheint mir allerdings der Einsatz von Countertenören fragwürdig. Denn wie Kastraten geklungen haben, weiß man nicht. Diese Unsitte starb anfang des letzten Jahrhunderts aus, es gibt wohl noch irgendwelche Aufnahmen aus den Anfängen der Tonaufzeichnung, aber daraus kann man sich wohl kein Bild machen. Der Countertenor hat eine hoch "gepreßte Stimme", der Kastrat eine "natürlich" ( sofern man diese auf einem barbarischen Akt beruhende Stimme noch natürlich nennen kann) hohe Stimmlage.
Allerdings habe ich gehört ( ohne genaueres zu wissen) daß der Countertenor wohl doch keine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist, sondern daß es Countertenöre wohl auch schon in der Zeit des Barocks gab ( ich glaube dann aber wohl in England). Ich lasse mich gerne darüber belehren, ob diese Information, die ich vage im Gedächtnis habe, stimmt. Kamen bei den entsprechenden Opern Purcells Countertenöre zum Einsatz? Nicht einmal das weiß ich. Allerdings weiß ich wohl, daß in Händelopern tatsächlich Kastraten zum Einsatz kamen.
Der Film "Farinelli", den ich mal sah, beleuchtet das Schicksal dieser im Dienste der Kunst verstümmelten. Soweit ich informiert bin, hat man aber um die Stimmlage eines solchen Kastraten im Film wiederzugeben, auch zu gewissen Hilfsmitteln gegriffen, wie den Gesang wohl auch teils durch eine männliche, teils durch eine weibliche Stimme wieder zu geben.
Gruß Martin
Carola (28.05.2006, 19:21): Über barocke Opern weiß ich nichts aber für den Bereich der Bachkantaten dürfte ein Countertenor ungefähr so "authentisch" sein wie ein CD-Spieler. Wollte man sich da wirklich den historischen Aufführungsbedingungen anpassen, müsste man einen Knaben-Alt und einen Knaben-Sopran für die Soli nehmen, dazu einen Knabenchor. Chor und Orchester müsste man dann am besten auch noch im Ausbildungsstand künstlich absenken, denn Bach hat sich oft über seine schlechten Arbeitsbedingungen in dieser Hinsicht beschwert. Aufgeführt werden dürfte das Ganze dann ausschließlich in einer Kirche und zwar im Rahmen eines evangelischen Gottesdienstes an dem dafür vorgesehenen Sonn- oder Feiertag des Kirchenjahres..
Was immer also der Grund für den Einsatz von Countertenören bei Bachkantaten sein mag - mit "Authentizität" kann es nichts zu tun haben, auch wenn dies immer wieder behauptet wird.
Mit Gruß von Carola
Janina (28.05.2006, 20:42): Das wieder vermehrt Countertenöre ausgebildet werden, ist auf jeden Fall richtig. Mich hat diese Stimmlage bisher nicht so begeistert. Als ich jedoch Gilulio Cesare einmal in Bariton-Lage hören musste, habe ich mich dabei ertappt, wie ich mir den Countertenor der usprünglichen Version herbei gewünscht habe. Die Leichtigkeit und Flexibilität der Stimme passt einfach hervoragend zu barocker Musik. Ansonsten stehe ich eigentlich mehr auf dunklere Stimmen, ich mag die Baritonlage auch lieber als Tenöre. Das hat was mit meinem Männlichkeitebild zu tun, denke ich. Deswegen finde ich auch immer sehr wichtig, dass die Inszenierung in irgendeiner Art und Weise mit dieser für das Publikum doch immernoch eher ungewohnten Stimmlage umgeht. Wenn man die Figur als "Weichei" oder in irgendeiner Form "metrosexuell" (schreckliches Wort!) darstellt, finde ich es köstlich. Ich möchte auch an dieser Stelle wieder auf Gilulio Cesare von Peter Sellars hinweisen... :wink Was Kastraten angeht wird vermutet, dass sie sicherlich ziemlich anders geklungen haben als unsere Countertenöre. Zu ihrer hohen, weiblichen Stimmlage kamen nämlich die Vorteile eines ausgewachsenen männlichen Körpers. Weil die Kastraten nicht im Falsett singen mussten, konnten sie wie ein Sopran mit ihrer Stimme richtig in den Körper gehen, hatten aber durch den männlichen Brustkorb eine ganz andere Kraft. Daher glaube ich auch nicht, dass ein Knaben-Sopran bzw. -Alt eine authentischere Lösung wäre. Aber man weiß das ja wirklich leider alles nicht. Der letzte Kastrat, der uns noch bekannt ist, war leider nicht so ein guter, dass es wirklich repräsentativ für die damaligen Kastraten wäre. Der Countertenor hat eine hoch "gepreßte Stimme" Dem stimme ich absolut nicht zu. Countertenöre haben einfach eine eigene Stimmtechnik. Es ist eine Kategorie wie Brust- oder Kopfstimme. Das kann man nicht pauschal werten. Man kann höchstens werten wie gut diese Technik, beim ein oder anderen ist. Ich muss auch sagen, ich habe schon mehr knödelnde Tenöre gehhört als "gepreßte" Countertenöre. Die Unnatürlichkeit war schon im Barock der wichtigste Faktor. Deswegen wurden oft die Herrscher- oder Götterfiguren in dieser Stimmlage komponiert. Ein Beispiel für den wirklich auch wieder beliebten Einsatz von Countertenören im Musiktheater des 20. Jahrhunderts ist "Echnaton" von Philipp Glass. Und auch da muss ich sagen, dass der Einsatz eines Countertenors echt stimmig war. Auch wenn ich immer ein Bariton-Fan bleiben werde! :D
Jimi (10.06.2006, 14:43): Hallo zusammen,
bei dem erwähnten (vermutlich) letzten Kastraten handelt es sich um Alessandro Moreschi(1858-1921), der lange Jahre Solist der Sixtinischen Kapelle war. Die eine Aufnahme (von 1904)die ich besitze ist wirklich nicht gerade berauschend und allerhöchstens musikhistorisch interessant. Die Stimme hat ein heftiges weinerliches Vibrato und klingt wirklich nicht gerade schön. Hier währe es IMO eher angebracht von Gejaule zu reden als bei manchen Countertenor. Wie auch immer, wenn man den Schilderungen über die Gesangskunst von Farinelli und Co Glauben schenkt kann diese Aufnahme damit nicht allzu viel zu tun haben.
Original von Janina Der letzte Kastrat, der uns noch bekannt ist, war leider nicht so ein guter, dass es wirklich repräsentativ für die damaligen Kastraten wäre. Der Countertenor hat eine hoch "gepreßte Stimme" Dem stimme ich absolut nicht zu. Countertenöre haben einfach eine eigene Stimmtechnik. Es ist eine Kategorie wie Brust- oder Kopfstimme. Das kann man nicht pauschal werten. Man kann höchstens werten wie gut diese Technik, beim ein oder anderen ist. Ich muss auch sagen, ich habe schon mehr knödelnde Tenöre gehhört als "gepreßte" Countertenöre.
@ Janina , Martin
Ich kann hier Janina nur zustimmen, ich habe mich ja weiter oben schon ähnlich geäußert. Bei Countertenören generell von einer hoch “gepressten Stimme“ zu sprechen, ist genauso als würde man behaupten Sopranistinnen klingen schrill, was ja in einzelnen Fällen zutreffen mag, aber nicht verallgemeinert werden kann.
Als Beispiel möchte ich auf ein Stück von der oben vorgestellten Cd „Beata Vergine“ von Philippe Jaroussky hinweisen:
Nr. 3 O quam suavis, von Cavalli.
Eine derart mühelose Tonproduktion in allen Lagen hört man wirklich selten. Von gepresst, forciert oder Gekeife kann kein Rede sein.
Original von Martin Der Film "Farinelli", den ich mal sah, beleuchtet das Schicksal dieser im Dienste der Kunst verstümmelten. Soweit ich informiert bin, hat man aber um die Stimmlage eines solchen Kastraten im Film wiederzugeben, auch zu gewissen Hilfsmitteln gegriffen, wie den Gesang wohl auch teils durch eine männliche, teils durch eine weibliche Stimme wieder zu geben.
Wenn ich mich recht erinnere wurden für den Farinelli Film der Gesang aus Aufnahmen des Countertenor Derek Lee Ragin und einer Sopranistin (Namen hab ich vergessen) zusammengestückelt. Gibt’s den eigentlich als DVD ?
Viele Grüße
Jimi
Cosima (10.06.2006, 15:02): Original von Jimi Wenn ich mich recht erinnere wurden für den Farinelli Film der Gesang aus Aufnahmen des Countertenor Derek Lee Ragin und einer Sopranistin (Namen hab ich vergessen) zusammengestückelt. Gibt’s den eigentlich als DVD ?
Hallo Jimi,
ich schaue gelegentlich, ob der Film inzwischen auf DVD erhältlich ist, leider ist das immer noch nicht der Fall (zumindest nicht in deutscher Sprache). Ich hatte ihn mir vor geraumer Zeit auf VHS ausgeliehen und war sehr begeistert!
Gruß, Cosima
Jimi (10.06.2006, 18:57): Hallo Jimi,
ich schaue gelegentlich, ob der Film inzwischen auf DVD erhältlich ist, leider ist das immer noch nicht der Fall (zumindest nicht in deutscher Sprache). Ich hatte ihn mir vor geraumer Zeit auf VHS ausgeliehen und war sehr begeistert!
Gruß, Cosima
Hallo Cosima,
ich habe jetzt auch noch mal nachgeforscht und bin zum gleichen Ergebnis gekommen. Es gibt anscheinend nur eine Import-DVD in französischer Sprache. Keine Ahnung ob deutsche Untertitel dabei sind(Englische auf jeden Fall). Wenn sich da was Neues ergibt werde ich es auf jeden Fall hier kundtun.
Viele Grüße
Jimi
monteverdi (21.09.2007, 21:32): Hallo,
ich zitiere einmal aus Wikipedia:
Als Countertenor (v. lat.: contratenor), auch: Altus (von lat. altus = „hoch, hell“) wird ein männlicher Sänger bezeichnet, der mit Hilfe einer durch Brustresonanz verstärkten Kopfstimmen- bzw. Falsett-Technik in Alt- oder sogar Sopran-Lage singt.
Es gibt Versuche, zwischen Countertenor und Altus zu unterscheiden (z. B. nach den eingesetzten Anteilen von Brust- und Kopfresonanz), aber die vorhandenen Sänger weisen eine derart hohe Individualität auf, dass eine solche Differenzierung fragwürdig erscheint. Die Bezeichnung „Altus“ bezieht sich eher auf die Lage, der Begriff „Countertenor“ auf die verwendete Technik.
Ein sehr bekannter belgischer Countertenor, heute ein hervorragender Dirigent: “Rene Jacobs” erläuterte in einem Interwiv mit “Arte” zu der Fragestellung eines Altus-Countertenors wie folgt:
- Mal heißt es, Sie seien ein Countertenor, mal ein Altus. Können Sie uns den genauen Unterschied erklären? -
Es gibt eigentlich keinen Unterschied nur Verwirrung. Countertenor gibt es als deutschen Begriff gar nicht. Die Mehrstimmigkeit entstand im Mittelalter so: die Hauptstimme, der Tenor, wurde zunächst von einer, dann von zwei Stimmen umspielt. Die eine sang höher, man nannte sie Contratenor altus, die andere tiefer also Contratenor bassus.
Dann kam noch eine Vierte, die höher war, dazu, die hieß Cantus. So entstanden die Begriffe Alt und Bass. Insofern hat es keinen Sinn das Wort Contratenor zu verwenden. Rein theoretisch können erwachsene Männer Alt singen; dann singen sie im Falsett-Register und da gibt es zwei verschiedene Techniken. Diejenigen, die alles im Falsettregister singen und diejenigen, die das Falsettregister mit der Bruststimme verbinden. Ich habe immer die zweite Technik verwendet.
Alle renomierten Interpreten in der “Historischen Aufführungspraxis” setzen Counter-Tenöre” mittlerweile ein wie: Sir John Eliot Gardiner, Philippe Herreweghe, Christopher Hogwood, René Jacobs, Ton Koopman, Gustav Leonhardt, Paul McCreesh, Trevor Pinnock, Masaaki Suzuki, etc.
Gruß monteverdi
manrico (22.09.2007, 02:28): Hallo Jimi!
Wer den Counter-Tenor bei Farinelli gesungen hat, weiss ich nicht mehr - das ist nicht die Art des Singens, die mich vom Hocker reisst, und zu Musik vor Mozart habe ich (noch) so gut wie gar keinen Zugang. Ich glaube mir aber zufällig gemerkt zu haben, dass die Sopranistin im Farinelli-Film Eva Godlewska war (das weiss ich nur deshalb, weil es kurz vor diesem Film eine Opernübertragung des Don Carlo aus Orange gegeben hat - das war einer meiner ersten Operneindrücke - und Eva Godlewska dort die Stimme vom Himmel gesungen hat). Ich habe nicht recherchiert, ob die Schreibweise der Sopranistin korrekt ist, bin mir aber ziemlich sicher, dass sie damals den Sopranpart gesungen hat.
Liebe Grüße
Werner
Jimi (02.10.2007, 19:14): Hallo Werner,
stimmt genau, ich habe vor kurzen im Fernsehen einen Bericht über den Farinelli-Film gesehen, da wurden Eva Godlewaka und Derek Lee Ragin als die Sänger/in genannt, aus deren Stimmen die Farinellistimme "zusammengebastelt" wurde. Andere Aufnahmen habe ich von ihr aber noch nicht gehört, bez. kann mich nicht daran erinnern.
@monteverdi
Zur Unterscheidung von Counter-Tenor, Altus oder Falsettist kann man in der Tat sehr unterschiedliche Meinungen zu hören bekommen. Noch besser wird es wenn die Fachleute darüber diskutieren wie die Counter-Tenöre ihre hohen Töne nun eigentlich produzieren, da ist dann die Rede von Falsett , Kopfstimme oder Fistelstimme, oder ist es doch ein gestütztes Falsett oder vielleicht Kopfstimme mit verstärkter Resonanzausnützung usw. ?(
Einen interessanten Artikel, der etwas Licht ins Dunkel bring, finde man hier :
Kastraten, Falsettisten und Counter-Tenöre:
Eines ist jedenfalls klar, bei den Sängern die "über dem Tenor" singen gibt es jedenfalls genauso große Unterschiede wie bei anderen Sänger/innen auch. Sehr schön nachvollziehen kann man das an dem folgenden Videoclip. Es singen (nacheinander) eine Mezzosopranistin, ein Falsettist ,ein Knabensopran und ein Sopranist (im Englischen: male soprano) :
http://www.youtube.com/watch?v=3049G2il9X8
:hello Jimi
ab (02.11.2007, 14:59): Musikalisch am berührendesten habe ich bislang Michael Chance singen gehört - aber das hängt starkt von dessen Tagesverfassung aus, denn öfter hörte ich ihn recht unmotiviert und steril. Die schönste Stimme, die ich kenne, hat wohl Andreas Scholz, dessen Musikalität ich aber stets knapp vor der Ödess empfinde. Das größte kommödiantischste Talent mit unübertroffener Bühnenpräsenz, ist wohl immer noch Dominique Viss mit der wohl am wenigsten schönsten Stimme.