Ganong (30.10.2006, 18:10): Liebe Mitglieder des Forums !
Seit mehreren jahren sind für mich zwei Fakten besonders auffallend :
1. Die geringe Auseinandersetzung mit den Symphonien von Johannes Brahms u n d
2. noch mehr , dass seine Klaviersonaten , also die berühmten ersten Kompositionen , mit dene er hier in Düsseldorf bei der Familie Schumann im Gepäck seine Aufwartung gemacht hatte , nicht nur fast völlig aus den Konzertprogrammen gestrichen worden sind , sondern auch , dass diese de facto nicht mehr erwähnt , besprochen werden .
Angesichts der Bedeutung der Werke , einer reihe wirkich überragender Aufnahmen etwa der Klaviersonate opus 5 durch Rubinstein , Katchen , Wilhelm Kempff ( live in London ; BBC Legends ) , Arrau u.a hat mich dies seit jahren mehr als verwundert .
Kenner der Klaviermusikszene ( Solowerke 9 haben immerhin die ( Hypo- ) These aufgestellt , dass Rubinstein als Brahms - Interpret bedeutender sei den n als Chopinspieler , dass Katchen nicht der eigentkliche Gipfel als Interpret aller Brahmswerke gehöre , sondern Claudio Arrau , das Kempff spätetsens seit seinem oben erwähnten und aufgenommenen Klavierabend als "der poetischste" der Brahsm - Interpreten sei . Eine hochinteressante Auffassung , wenn wir ergänzend die Ausführungen durch Bryce Morrison ( 2000 ) über kempffs einzigartige Kunst des "freien Spieles" mit einbeziehen .
Ich möchte dies hier nicht weiter vertiefen . Dennoch die Anregung geben , dass wir uns vielleicht Gedanken machen sollten , warum viele dieses objektiv falsche Brahms - Bild offe sichtlich haben und wieter "pflegen" .
Der früher renommierte Musikjournalist u nd Brahmsverhrere Matthias Kornemann , jetzt Berlin , hatte bereits in den 1990er Jahren dazu eine umfagngriecher Korrespondenz mit mir über das Brahms- Bild im allgemienn und seine zeit in Düsseldiorf bei den Schumanns , seine Entwicklung als Symphoniker in seiner späteren Zeit und seine Kornemann und mich immer wieder faszinierenden und ergreifenden sog. Werke für Klavier solo , oft als Spätwerke ( aus meiner Sicht zu Unrecht so bezeichnet ! ) geführt .
Herr Kornemann wird noch in diesem Jahr ein Buch über die ersten 30 Lebensjahre von Brahms vorstellen und am 27. November 2006 in Hamburg an einem Gespräch über "Hamburger Köpfe" teilnehemn , das u. a. die "Zeit" - Gruppe organisiert .
Nebenbei : da hier im Forum viele Musikfreunde besonder snahe zu S. Richter stehen , liegt es nahe , desen zwei der drei Brahmssonatenb in eine eventuelle Diskussion miteinzubeziehen . Die Richteraufnahmen sind bei Philuips erschienen .
Viele Grüsse ,
Frank
ab (30.10.2006, 20:30): Lieber Frank,
seit Wochen trage ich mich schon mit dem Gedanken, genau diesen threat zu eröffenen - genau mit der gleichen Verwunderung hätte ich begonnen...
Bald werde ich dann hoffenlich endlich dazu kommen dazu zu schreiben. Dazu möchte ich mich nämlich genauer äußern.
Tangua (31.10.2006, 12:32): Hallo, auf die Beiträge in diesem Thread bin ich auch gespannt. Obwohl ich gerne Klaviermusik höre und die Sonaten z.B. von Beethoven und Schubert sehr mag, habe ich noch keinen rechten Zugang zu denen von Brahms gefunden. Vielleicht komme ich hier auf den Geschmack...
Ganong (31.10.2006, 18:47): Lieber ab ,
seinerzeit , als Matthias Kornemann eine Glosse im RONDO -Internet verfasst hatte ( ca. 1998 / 1999) lag mein erstes Anliegen bei den Symphonien von Brahms u n d Tschaikowsky . Zumindest die letzten drei von Tschaikowsky sind doch recht bis besonders bekannt , aber ausser der "Pathétique" kaum gespielt ( es hat sich daran übrigens bis 2006 n i c h t s geändert ! ) und bei Johannes Brahms , dessen Symphonien etwas häufiger in hiesigen regione interpretiert werden , ergibt sich ein ähnliches Bild . Die F-Dur-Symphonie bildet im gegensatz zu ihrem kompositorischen Rang , ein trauriges Dasein im Konzertalltag . Liegt es vielleicht daran , dass es keine grossen Tschaikowskydigenten wie Mrawinsky ( Du hast die sja ausführlicher beschrieben ) oder Brahmsdirigenten ( wie Giulini oder Toscanini ) mehr gibt ?
Bei den Klaviersonaten sind die seinerzeit vielbeachteten Aufnahmen durch G. Oppitz ( auf Tonträger wie im geschlossenen Zyklus u.a. in der Alten Oper in Frankfurt am Main ) doch längst in Vergessenheit geraten . das "freie Spiel aus dem Moment harus" ( Bryce Morrison über Kempff ) ist ebenso nicht mehr hörbar wie die kammermusikalische Verfeinerung eines Clifford Curzon , die Herbheit eines Solomon oder der grosse , leuchtende Ton eines Arthur Rubinstein .
Ich kenne keine einzigen Aufsatz , kein Booklet , das sich in den letzten zwanzig Jahren mit diesem Phänomen auch nur annäherungsweise befasst hat . Dabei gibt es sicherlich sehr gute Aufnahmen der Sonaten .
Auf Deinen sachkundigen Beitrag bin ich sehr gespannt !
Viele Grüsse ,
Frank
PS.: Gerade auch in diesem Zusammenhang würde ich mich s e h r freuen , wenn "ZELENKA" doch wieder hier mit seine profunden , kenntnisreichen Beiträgen und Hör-- und Denkanstössen vertreten wäre ! Frank
nubar (31.10.2006, 21:58): Liebe Forianer,
ich weiß leider auch keine Antwort, warum Brahms oft so übersehen wird. Vielleicht liegt es daran, dass man ihn für zu bieder hält. Es könnte aber auch sein, dass man aus seiner Musik nicht ein Psychogramm a la Mahler basteln kann. Seine Sonaten sind leider, wie schon gesagt, völlig unterrepräsentiert. Zumindestens bei den Symphonien habe ich in Leipzig keine Mängel zu beklagen. In der letzten Saison gab es die 1. mit Mackerras und die 2. Chailly. In dieser Saison folgen dann die 4. ebenfalls mit Chailly und die 3. mit Blomstedt, der übrigens ein reines Brahms-Programm dirigieren wird (Tragische Ouvertüre + 3. + Haydn-Variationen + Akademische Festouvertüre).
Grüße, nubar
P.S. Von Richter gibt es auch noch einen empfehlenswerten Live-Mitschnitt der 1.Sonate bei RCA.
ab (31.10.2006, 23:40): Original von nubar Von Richter gibt es auch noch einen empfehlenswerten Live-Mitschnitt der 1.Sonate bei RCA.
Hallo nubar,
kannst Du mir sagen, wann dieser Mitschnitt gemacht worden ist?
nubar (01.11.2006, 07:25): Hallo ab,
ich habe die CD zur Zeit leider nicht zur Hand, aber ich meine mich zu erinnern, dass der Mitschnitt Anfang der 90er Jahre gemacht wurde auf einem der für Richter typischen kleinen Konzertfestivals in Deutschland (der Mitschnitt stammt auch nicht von RCA, für die Produktion und die Aufnahme ist eine einzelne Frau verantwortlich gewesen, das Klavier ist sehr direkt aufgenommen). Um folgende CD handelt es sich:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3102071.jpg
Grüße, nubar
Amadé (01.11.2006, 10:43): Hallo ab,
mit S.Richter besitze ich mehrere Aufnahmen der Klaviersonaten: op.1: Decca 1987 aus Mantua, Praga 1988 aus Prag, RCA SHMF 1988 und Philips 1988 wo aufgen?? op.2: Decca 1987 aus Mantua, Praga 1984 aus Pilsen und Philips (keine Angabe von Ort und Zeit im Booklet). Ein vergleichendes Hören war mir aus Zeitgründen bisher noch nicht möglich. Es sieht so aus, dass sich Richter erst sehr spät mit den Frühwerken auseinandergesetzt hat. Eine Aufnahme der f-moll Sonate ist mir nichtbekannt. Richter war sehr kritisch und wählerisch in der Auswahl seines Repertoires, so gibt es selten Gesamt-Aufnahmen, abgesehen vom WTK.
Alle 3 Klaviersonaten haben aufgenommen: Walter Klien (den die wenigsten kennen) bei VOX Julius Katchen bei Decca, die 3. Sonate zweimal Peter Rösel bei Berlin Classics Krystian Zimerman bei DG Anatol Ugorski bei DG Idel Biret bei Naxos Gerhard Oppitz bei Eurodisc/RCA Elisabeth Leonskaja bei Teldec
Arrau hat die 2. und 3. Sonate eingespielt, ebenso Grimaud. Vom erwähnten Wilhelm Kempff existieren 3 Aufnahmen auf dem Markt: Studio-Aufnahme der DG von 1958, der BBC-Mitschnitt sowie eine Aufnahme von den Salzburger Festspielen 1958 bei Orfeo. Ich meine -im Gegensatz zu anderen Äußerungen hier im Forum - , dass Kempff der 3. Sonate nicht in allen ihren Schattierungen gerecht wird. Er spielt zwar poetisch, aber doch trocken, ihm fehlt einfach die Pranke, um das Werk überzeugend darzubieten. Einen ähnlichen Eindruck habe ich auch von seinen Interpretationen des 1. KLavierkonzertes in d-moll (Konwitschny, Kubelik).
In den letzten Jahren hat sich der von mir geschätzte Grygory Sokolov für die 1. Sonate stark gemacht. Bei ihm konnte man die Affinität zur Hammerklaviersonate (gleich zu Beginn) recht deutlich feststellen.
Gruß Amadé
ab (01.11.2006, 13:19): Hallo nubar,
danke für die Info: Dann wird es sich um eine jener Aufnahmen von Frau Maria E. Michel-Beyerle handeln, die sonst unter dem Titel Out of the later years bei LiveClassics veröffentlich worden sind - und die ich (überwiegend, insbesondere Vol 2&3) kaum hoch genug loben kann - vielen Dank für den Tipp, denn die Aufnahmen bei Philips finde ich (wie das meiste dieser Konzertmittschnitte dort) leider eher mäßig.
Alles Gute nach Leipzig!
ab (01.11.2006, 13:28): Original von Amadé
Walter Klien (den die wenigsten kennen) bei VOX
Hallo amadé,
Kennst Du die Klien-Aufnahme? Ist sie empfehlenswert? (Klien schätze ich ja besonders als Begleiter der Mozart-Violinsonaten mit Grumiaux, die ich wesentlich mehr schätze als jene, die er mit mit Clara Haskil aufgenommen hat.)
Danke!.
Ganong (01.11.2006, 17:11): Lieber amadé ,
Deine Hinweise auf die drei Aufnahmen durch Wilhelm Kempff sind sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen . Die "Salzburger Aufnahme" ( ORFEO ) ist wahrscheinlich im Vergleich zu seinen anderen schwächer , aber noch überragend zu den Interpretationen seiner "Mitbewerber" .
Die Aufnahme bei BBC ist doch von einer luziden Kraft , weil diese nicht gewollt ist / klingt , sondern Kempffs spontanen , freinen interpretatorischen Eingebungen , also seinem ganz persönlichen freien Spiel entspringt . Hier ist nichts , kein Ton (zu ) "trocken" . Es ist auch nichts zu hören von einem lange zurecht gelegten Interpretationsschema , gliechsam einem starren gerüst , das wir bei durchgängig den meisten Brahmssonaten - interprten entnehmen können .
Interessant ist der Hinweis auf das b - Moll - Klavierkonzert : Jeremias hat hier bei der Besprechung des Kionzertes mit Zimerman und ratlle doch indirekt gerade diese Lyrismen , die ich im ersten Satz für völlig falsch und in den Sätzen zwei und drei für sehr problematisch halte , als herausragende leistungen dieser Aufnahmen gehalten und beschrieben . Die neue Zimermanaufnahme ist nach meiner Werksicht deutlich (!) schwächer als die frühere Aufnahme . Zimerman dadurch eine künstlerische Reifeenwtciklung zusprechen zu wollen , halte ich nicht nur für kühn und gewollt , sondern sogar für hörbar falsch !
Viele Grüsse ,
Frank
Amadé (01.11.2006, 20:10): Lieber ab,
Im Vergleich zu Richter/Decca ergibt sich folgendes Bild bei der 1. Sonate: KLien betont mehr die lyrische SEite (2.THema), während Richter die vorwärtdrängenden Abschnitte des 1. Themas hervorhebt. Im 3. Satz ist es genau umgekehrt, hier bringt Richter weniger con Fuoco, Klien spielt auch das Trio wie von Brahms verlangt schneller, Richter nimmt sich da mehr Zeit. Im 4.SAtz spielt Richter beim 2. Thema etwas ausdrucksvoller, vielleicht hat die Decca-Technik mehr Obertöne aufgefangen als das VOX-Team. INsgesamt gesehen spielt Richter ein wenig freier als sein jüngerer Kollege, der jedoch eine beachtenwerte Leistung hinlegt. Hier noch die Spielzeiten: Richter 31'27, KLien 30'54
Gruß Amadé
ab (04.11.2006, 21:22): Lieber Amadé,
weshalb betonst Du gerade die Decca-Aufnahme? Hältst du diese für die gelungendste von jenen Richters, die Du genannt hast?
Danke!
Amadé (05.11.2006, 18:20): Lieber ab,
das war reiner Zufall. Ich habe meine 4 Richter-Aufnahmen noch nicht vergleichend gehört, bis jetzt noch keine Zeit und Muse dazu, kommt aber noch. Gruß Amadé
ab (15.11.2006, 21:00): Original von Ganong Kenner der Klaviermusikszene ( Solowerke 9 haben immerhin die ( Hypo- ) These aufgestellt , dass Rubinstein als Brahms - Interpret bedeutender sei den als Chopinspieler
Lieber Frank,
Bist Du auch dieser Ansicht? Was die Sonaten betrifft, hat er wohl nur zwei aufgenommen. Ich sehe, dass es diese nur in der Rubinstein Collection getrennt gibt, nämlich als Vol 21: Sonata No. 3 in F Minor, Capriccio, Intermezzo, Rhapsodies sowie Vol. 63: Sonata, Op. 5, Intermezzo, Romance, Ballades, Op. 10.
Gab es einmal auch die beiden Sonate auf einer CD?!
Bald hoffentlich mehr...
Ganong (16.11.2006, 18:36): Lieber ab ,
ich habe diese meinung über Arthur Rubinsteins Können bei Brahms- und Chopininterpretatioen n i e geteilt . Ich finde seinen Brahms her mit zu leichter Hand gespielt ( besonders das Finale der 3. Klaviersonate ) .
Meines Wissens ist die RCA - Collection auch u. U. einzeln erhältlich , weil der Gesamtpreis doch enorm ist .
Auf einer CD kenne ich die Sonaten nicht .
Persönlich würde ich bei beiden Klaviersonaten andere Interpretationen vorziehen !
Viele Grüsse ,
Frank
PS.: Kennst Du Veröffentlichungen aus qualifizierter Feder zur Musikästhetik von Johannes Brahms ? . F.
ab (16.11.2006, 21:20): Original von Ganong Kennst Du Veröffentlichungen aus qualifizierter Feder zur Musikästhetik von Johannes Brahms ? . F.
Leider nein, damit (und mit dererlei überhaupt) kann ich nicht dienen: Hier bin ich (leider) absoluter Laie: Ich versuche stets, die Werke wie tabula rasa zu ergründen und mir daraus meine eigenen Hörkategorien zu entwickeln (aus wirkungsästhetischer Sicht).
Daher rührt auch mein völlige Inkompetenz gegenüber Fragen zu werkgetreuen Interpretationen...
(Gerade kürzlich erst habe ich zum ersten Mal das Programm von Ravels Gaspard de la nuit gelesen, das ich zuvor stets als Absolute Musik gehört haben - dadurch ergibt sich für mich doch so manch andere Eninschätzung der Güte einer Interpretation aus schöpfungsästhetischer Sicht!)
ab (07.12.2006, 22:39): Endlich komme ich dazu:
Zu Beginn ein persönliches Bekenntnis: Zu Brahms habe ich ein ganz eigenes Verhältnis. Zunächst war seine Musik für mich der Inbegriff romantischen Schwulsts und Kitsches. In meiner Kindheit war das für mich unerträgliche Klangmasse. Bloß sein erstes Klaviertrio, das ich damals natürlich nur in der Spätfassung hörte, konnte mich ansprechen. Der Wandel setzte erst ein, als ich im fortgeschrittenen Studienalter begann – spät aber doch -, mich mit Liedgesang zu befassen. Hier bemerkte ich einen völlig anderen Brahms, einen lyrischen und kammermusikalischen und ganz und gar nicht schwülstigen. Heute gehört Brahms meine heimliche Liebe. Anders als bei Beethoven, meiner offenen Liebe, bei dem ich mehr vom Spätwerk und allem voran der Kammermusik nicht genug bekommen (und nach wie vor mit der Sinfonik außer der Neunten so gut wie gar nichts anfangen) kann, finde ich bei Brahms durch seine ganze Schaffensepoche durchwegs Großartiges vom Solo- bis zum Großwerk. Brahms sehe ich inzwischen musikalisch (nicht kompositorisch) eigentlich weniger als Romantiker als einen späten großen Klassiker an. (Womöglich hat das damit zu tun, was nubar schreibt: "Vielleicht liegt es daran, dass man ihn für zu bieder hält.")
Die Klaviersonaten betreffend, finde ich es eigentlich höchst erstaunlich, dass es sich um (s)ein Frühwerk handelt. (Insopfern könnte ich Matthias Kornemann sogar verstehen...) Meine erste Hörerfahrung war Ugorski (was ich inzwischen ganz vergessen hatte, und mir erst wieder im Zuge der Forendiskussion eingefallen ist): sie hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Alles plätscherte da vor sich hin, alles war unglaublich dicht und wenig faszinierend. Später (?), als die Katchen-Gesamtaufnahme wieder veröffentlicht und raufundruntergelobt worden ist, hörte ich eine Alternative, bei der im umgehend klar war, dass diese zupackende Virtuosität nicht mein Geschmack ist. Damals kreidete ich es noch Brahms und nicht seinen Interpreten an, mich nicht ansprechen zu können. Erst mit meiner Liebe zu Sviatoslav Richter kam mir die erste CD ins Haus, nämlich seine Philips-Aufnahmen. Irgendwie sind da zwar einzelne Stellen, die mich überzeugen, doch im Großen und Ganzen sind diese Aufnahme in ihrer Uneinheitlichkeit wenig zufrieden stellend für mich geblieben. Inzwischen lernte ich die Balladen (Gilels; Benedetti Michelangeli; Sokolov – die live-Aufnahmen) lieben. Backhaus Brahms-Lochkartenaufnahmen ließen mich genauso so kalt, wie mich seine Beethovensontenkonzerte begeisterten. Später, als ich Kempffs Beethoven für mich entdeckte, hörte ich mir auch seinen Brahms (stereo) an, so recht warm bin ich damit aber nicht geworden, weil mich das Spätwerk à la Gould (die ich besonders mag) aber auch Vogt (die ich mir bis heute nicht zu kaufen traute, obwohl sie mir (anders als die Sontaen mit ihm) bei jedem Reinhören sehr gut gefiel) tief berührt und Kempff mir dagegen zu nüchtern wirkt. Ebenso wenig konnten mich Rösler oder Idil Biret, Oppitz oder Leonskaja für die Sonaten gewinnen. Letzte Woche hörte ich auch – thread-belesen – Rubinstein (Spätwerk aus den 40ern sehr mäßiger Klang): dieses glanzpolierte Spiel motiviert mich wenig, auch seine Sonaten anzuhören. Genauso wenig riß mich die (rösler-ähnliche?) VOX-Box mit Walter Klien vom Hocker. Von den jüngeren Piansiten schweige ich lieber.
In Sachen 3. Sonate fiel mir dann eine Gieseking-Aufnahme in Hände, die mich nach wie vor faszinieren kann. Typisch, wie auch seine Aufnahmen französischer Musik, völlig im Moment gespielt mit überraschenden Impulsen sowie schönen Klangfarben und eigenwilligen Linien. Bei dieser Faszination bleibt es aber letztlich - tief zu berühren vermag sie mich dann doch nicht.
Und nun komme ich zu jener Aufnahme, weshalb ich schon seit langem hege, über die Brahms-Sonten hier etwas zu schreiben und wozu mir Frank mit diesem threat zuvor gekommen ist. Für einen Euro fiel mir nämlich jene von Hélène Grimaud aus der Denon-Box bei BrilliantClassics in Hände.
Ich griff zu, weil mich der Preis überzeugte sowie mir ein leipziger Freund (nicht nubar) – selbst Amateur und großer Klavierliebhaber sowie –kenner – von ihren Konzerten in gleichem Maße von ihrer Kunst als auch Schönheit in höchsten Tönen vorgeschwärmt hatte. Ich war skeptisch, weil ich weiß, dass mein Freund weniger die Lyrik wie ich, sondern die große Dramatik und das extrem leidenschaftliche Spiel liebt. Außerdem war ich skeptisch, weil Frank noch einen Tag vor dem Kauf in diesem Forum auf meine Frage nach Grimauds ersten Schumannsonate schrieb, sie sei die am weitesten überschätzte Piansitin unserer Zeit und habe über ihren späten Brahms selbst geurteilt, dass er verfehlt sei. Nicht zuletzt hörte ich auf Zugreise im ICE wiederholt ihre letzte DG-Produktion. Dort macht sie als Kammermuskpartnerin ganz deutlich, dass sie beim Musizieren noch meilenweit entfernt ist von dem, was sie ihrer eigenen Aussage zufolge bei den Wölfen gelernt habe (nämlich völlig offen diesen Gefährten zu begegnen): So wenig habe ich noch kaum einen Solisten auf Sänger oder Cellisten eingehen gehört. Armer Truls Mörk, arme Anne Sopie von Otter! Genauso wenig hat mir ihre Rachmaninov-CD der DG zuvor gefallen.
Dennoch habe ich zugegriffen; und habe es keine einzige Sekunde bereut! Seit Wochen schon liegt diese CD im (schlecht klingenden) Küchenradio und jedes Mal wenn ich hineinkomme, überkommt mich fast so etwas wie eine Sucht nach dieser Musik. Keine andere CD habe ich in letzter Zeit so oft gehört. Sie gerhört inzwischen zu meinen Lieblingsklavieraufnahmen.
Was also charakterisiert diese Brahms-Aufnahme und was ist da anders als bei den DG-Aufnahmen (und auch schon die bei Erato sollen mäßig sein)?
Dazu bald!
nubar (08.12.2006, 12:24): Lieber ab,
ganz herzlichen Dank für deinen Beitrag. Ich habe eigentlich schon lange vor, mir Katchen zuzulegen als Vergleich zu Rösel. Würdest du diese virtuose Spielweise auch bei den anderen Brahms-Werken sehen? Ich bin sehr gespannt auf deine Charaterisierung der Grimaud-Aufnahme, zumal ich mit ihr auch eher negative ERfahrungen gemacht habe (im Fernsehen). Als Kammermusikpartnerin, oh graus, ist sie wirklich schwer hörbar.
Grüße, nuar
Gamaheh (08.12.2006, 21:46): Lieber ab,
das macht mich extrem neugierig. Ich war bisher eher gar nicht von der Grimaud begeistert, auch nicht von ihren Brahms-Interpretationen, soweit ich sie kenne (späte Werke). Als ich sie einmal im Konzert hörte, hatte ich arg mit dem Schlaf zu ringen, obwohl sie mein Lieblingskonzert von Beethoven (das 4.) spielte.
Mit Brahms habe ich auch bis heute äußerste Schwierigkeiten (oft findet er einfach kein Ende), bis auf die kleineren Formen, dann allerdings auch nur von bestimmten Interpreten, wobei ich Glenn Gould wirklich überragend finde: Hier wirkt Brahms geradezu modern, er könnte ein Komponist des 20. Jahrhunderts sein! Es ist jedes Mal wieder ein double take, auch wenn ich weiß, was da läuft.
Auch ich finde Brahms häufig schwülstig und kitschig, ich denke, hier kommt es - wie meinem Empfinden nach auch bei Chopin und Mozart - extrem auf die Interpretation an: Leider werden sie häufig seicht und gefällig gespielt, was sich manche unter romantisch vorstellen.
Grüße, Gamaheh
AcomA (09.12.2006, 20:54): hallo,
auch ich schätze die drei sonaten brahms' sehr. ich bevorzuge die 2. und 3. sonate. IMO stellt die interpretation claudio arraus hinsichtlich der 2. sonate eine art referenz dar. die verbindung von transparenz und klang gelingt hier auf wunderbarer weise. das gilt auch für seine anderen brahms-interpretationen wie den konzerten und den paganini-variationen.
die dritte sonate, da kenne ich eine ganze serie von vorzüglichen bis referenzartigen darstellungen: zimerman (live), hough (live und studio), ashkenazy (DECCA), siirala (ondine).
ich empfehle s e h r die INterpretation der 3. Klaviersonate von J. Brahms durch Solomon ( Label : Testament ; gekoppelt mit Schumanns "Carnaval" ) . Musikalische Wertung : * ( Nach meiner persönlichen Wertungsskala : 9,5 von 10 Punkten ) .
Grüsse ,
Frank
ab (06.02.2007, 11:25): Wer hörte die Aufnahme der Sonate Nr. 3 von Sheila Arnold ? Wie ist die? eine begeisterte Rezension dazu hier. Label: CAvi-music
nikolaus (06.02.2007, 23:03): Original von ab Wer hörte die Aufnahme der Sonate Nr. 3 von Sheila Arnold ? Wie ist die? eine begeisterte Rezension dazu hier. Label: CAvi-music
Das würde mich auch interessieren. Die Rezension ist so positiv, daß man die CD direkt haben möchte. Ich unterstütze ab in seinem Aufruf: kennt jemand die Aufnahme?
nach mehrmaligem Hören muss ich die Aufnahmen der Sonate durch Wilhelm Kempff ( DGG u n d BBC Legends ) unbedingt empfehlen . Grossartiges Deutungen durch eine grossen Pianisten .
Grüsse ,
Frank
PS,; Natürlich bei allen drei Sonaten Julius Katchen ( Decca ) ..
Überzeugend bei der zweiten Sonate , wie Siamak dies schon hervorhob ist Claudio Arrau . F.
ab (11.06.2007, 18:08): Original von Ganong Liebe Forumsmitglieder ,
ich empfehle s e h r die INterpretation der 3. Klaviersonate von J. Brahms durch Solomon Musikalische Wertung : * ( Nach meiner persönlichen Wertungsskala : 9,5 von 10 Punkten ) .
Lieber Frank,
abermals ganz herzlichen Dank, diesmal für diesen kostbaren Hinweis! Ein gleiches Niveau wie auch die späten Beethoven-Sonaten von ihm! Ausgezeichnet! Ich höre sie gerade erstmals mit Genuss in der Carus-Ausgabe (gekoppelt mit Brahms-Werken von Walter Klien).
Auch entdecke ich gerade, ganz vergessen zu haben, noch die Charakterisitk der, um die wie mit den Wölfen geheult wird, nachzutragen. Ich werde gleich Grimaud vergleichhören...
ab (11.06.2007, 20:18): Original von ab Und nun komme ich zu jener Aufnahme, weshalb ich schon seit langem hege, über die Brahms-Sonten hier etwas zu schreiben: Für einen Euro fiel mir nämlich jene von Hélène Grimaud aus der Denon-Box bei BrilliantClassics in Hände. Was also charakterisiert diese Brahms-Aufnahme und was ist da anders als bei den DG-Aufnahmen (und auch schon die bei Erato sollen mäßig sein)?
Grimaud spielt mit einer unglaublichen Jugendlichkeit in bezwingender Hochdramatik. Dabei wirkt sie aber nicht unruhig-gehetzt oder gar fiebrig, sondern dennoch eher wie aus einer Ruhe (gelegentlich eruptiv) heraus. Sie verfügt trotz kräfigem Zugriff über einen spezifischen Ton, tendentiell auf der schlankeren Seite, wo die andere heute fast nur mehr Noten herauszuhämmern versehen. Ihre Virtuosität steht niemals als Selbstzweck im Raum, sondern dient ihr für ihren bezwingenden Ausdruck. Die dynamischen Bögen sind von überzeugender Gleichmäßgkeit. Fort heißt nicht bloß "laut", sondern wird wirklich "kräftig". Die ganze Musik ist von einer Intensität, als stünde sie unter Strom. Ihre Interpretation speist sich insbesondere aus dem Rhythmischen.
Besonders schätze ich ihren polyphonen Zugriff, sprich sie arbeit nicht eine Linie heraus, wozu ihr der Rest als bloße Begleitung dient, sondern mehrere Linien laufen gemeinsam nebeneinander. Auch mag ich so besonders, dass sie die Betonung eher auf den Phrasenanfang legt und somit die Musik nicht nach hinten hin immer weiterfließend oder -drängend gestaltet: dadurch erklärt sich wohl die hereingebrachte Ruhe. Jeder Anspannung folgt auch wieder ihre erfordeliche Entspannung.
Das Grandiose dieser Brahmssonaten Nr. 2 & 3 ist, dass alle Sätze wie eine einzige Einheit aus einem Guss zu sein scheinen. Oftmals erklingt ja Brahms wie in einzelen Teile zerfallend.
Sicher, wer Tiefe und Schwere hören will, kommt hier nicht auf seine Rechnung, aber wer ehrliche Intensität zu schätzen weiß, dem kann ich diese Aufnahme sehr ans Herz legen.
Wie schon an anderer Stelle geschrieben, hörte ich inzwischen auch ihren Erato-Brahms - mit demselben Eindruck wie auch sonst: ich kenne sonst nichts von ihr interpretiert, was mich wirklich überzeugt hätte. Aber dieser Brahms begeistert mich jedes Mal aufs Neue.
ab (19.09.2007, 10:28): Kennt jemand die Aufnahmen von Andreas Boydens bei Oehms, die hier als "Nüchtern, aber spannend" und da als "mit Zurückhaltung musiziert" charakterisiert worden sind?
Ich weiß nie, ob eine Charakterisierung wie "kein sentimentaler Tonfall" dann womöglich ausdruckslos-mechanisch heißt...
Ganong (30.10.2006, 18:10): Liebe Mitglieder des Forums !
Seit mehreren jahren sind für mich zwei Fakten besonders auffallend :
1. Die geringe Auseinandersetzung mit den Symphonien von Johannes Brahms u n d
2. noch mehr , dass seine Klaviersonaten , also die berühmten ersten Kompositionen , mit dene er hier in Düsseldorf bei der Familie Schumann im Gepäck seine Aufwartung gemacht hatte , nicht nur fast völlig aus den Konzertprogrammen gestrichen worden sind , sondern auch , dass diese de facto nicht mehr erwähnt , besprochen werden .
Angesichts der Bedeutung der Werke , einer reihe wirkich überragender Aufnahmen etwa der Klaviersonate opus 5 durch Rubinstein , Katchen , Wilhelm Kempff ( live in London ; BBC Legends ) , Arrau u.a hat mich dies seit jahren mehr als verwundert .
Kenner der Klaviermusikszene ( Solowerke 9 haben immerhin die ( Hypo- ) These aufgestellt , dass Rubinstein als Brahms - Interpret bedeutender sei den n als Chopinspieler , dass Katchen nicht der eigentkliche Gipfel als Interpret aller Brahmswerke gehöre , sondern Claudio Arrau , das Kempff spätetsens seit seinem oben erwähnten und aufgenommenen Klavierabend als "der poetischste" der Brahsm - Interpreten sei . Eine hochinteressante Auffassung , wenn wir ergänzend die Ausführungen durch Bryce Morrison ( 2000 ) über kempffs einzigartige Kunst des "freien Spieles" mit einbeziehen .
Ich möchte dies hier nicht weiter vertiefen . Dennoch die Anregung geben , dass wir uns vielleicht Gedanken machen sollten , warum viele dieses objektiv falsche Brahms - Bild offe sichtlich haben und wieter "pflegen" .
Der früher renommierte Musikjournalist u nd Brahmsverhrere Matthias Kornemann , jetzt Berlin , hatte bereits in den 1990er Jahren dazu eine umfagngriecher Korrespondenz mit mir über das Brahms- Bild im allgemienn und seine zeit in Düsseldiorf bei den Schumanns , seine Entwicklung als Symphoniker in seiner späteren Zeit und seine Kornemann und mich immer wieder faszinierenden und ergreifenden sog. Werke für Klavier solo , oft als Spätwerke ( aus meiner Sicht zu Unrecht so bezeichnet ! ) geführt .
Herr Kornemann wird noch in diesem Jahr ein Buch über die ersten 30 Lebensjahre von Brahms vorstellen und am 27. November 2006 in Hamburg an einem Gespräch über "Hamburger Köpfe" teilnehemn , das u. a. die "Zeit" - Gruppe organisiert .
Nebenbei : da hier im Forum viele Musikfreunde besonder snahe zu S. Richter stehen , liegt es nahe , desen zwei der drei Brahmssonatenb in eine eventuelle Diskussion miteinzubeziehen . Die Richteraufnahmen sind bei Philuips erschienen .
Viele Grüsse ,
Frank
ab (30.10.2006, 20:30): Lieber Frank,
seit Wochen trage ich mich schon mit dem Gedanken, genau diesen threat zu eröffenen - genau mit der gleichen Verwunderung hätte ich begonnen...
Bald werde ich dann hoffenlich endlich dazu kommen dazu zu schreiben. Dazu möchte ich mich nämlich genauer äußern.
Tangua (31.10.2006, 12:32): Hallo, auf die Beiträge in diesem Thread bin ich auch gespannt. Obwohl ich gerne Klaviermusik höre und die Sonaten z.B. von Beethoven und Schubert sehr mag, habe ich noch keinen rechten Zugang zu denen von Brahms gefunden. Vielleicht komme ich hier auf den Geschmack...
Ganong (31.10.2006, 18:47): Lieber ab ,
seinerzeit , als Matthias Kornemann eine Glosse im RONDO -Internet verfasst hatte ( ca. 1998 / 1999) lag mein erstes Anliegen bei den Symphonien von Brahms u n d Tschaikowsky . Zumindest die letzten drei von Tschaikowsky sind doch recht bis besonders bekannt , aber ausser der "Pathétique" kaum gespielt ( es hat sich daran übrigens bis 2006 n i c h t s geändert ! ) und bei Johannes Brahms , dessen Symphonien etwas häufiger in hiesigen regione interpretiert werden , ergibt sich ein ähnliches Bild . Die F-Dur-Symphonie bildet im gegensatz zu ihrem kompositorischen Rang , ein trauriges Dasein im Konzertalltag . Liegt es vielleicht daran , dass es keine grossen Tschaikowskydigenten wie Mrawinsky ( Du hast die sja ausführlicher beschrieben ) oder Brahmsdirigenten ( wie Giulini oder Toscanini ) mehr gibt ?
Bei den Klaviersonaten sind die seinerzeit vielbeachteten Aufnahmen durch G. Oppitz ( auf Tonträger wie im geschlossenen Zyklus u.a. in der Alten Oper in Frankfurt am Main ) doch längst in Vergessenheit geraten . das "freie Spiel aus dem Moment harus" ( Bryce Morrison über Kempff ) ist ebenso nicht mehr hörbar wie die kammermusikalische Verfeinerung eines Clifford Curzon , die Herbheit eines Solomon oder der grosse , leuchtende Ton eines Arthur Rubinstein .
Ich kenne keine einzigen Aufsatz , kein Booklet , das sich in den letzten zwanzig Jahren mit diesem Phänomen auch nur annäherungsweise befasst hat . Dabei gibt es sicherlich sehr gute Aufnahmen der Sonaten .
Auf Deinen sachkundigen Beitrag bin ich sehr gespannt !
Viele Grüsse ,
Frank
PS.: Gerade auch in diesem Zusammenhang würde ich mich s e h r freuen , wenn "ZELENKA" doch wieder hier mit seine profunden , kenntnisreichen Beiträgen und Hör-- und Denkanstössen vertreten wäre ! Frank
nubar (31.10.2006, 21:58): Liebe Forianer,
ich weiß leider auch keine Antwort, warum Brahms oft so übersehen wird. Vielleicht liegt es daran, dass man ihn für zu bieder hält. Es könnte aber auch sein, dass man aus seiner Musik nicht ein Psychogramm a la Mahler basteln kann. Seine Sonaten sind leider, wie schon gesagt, völlig unterrepräsentiert. Zumindestens bei den Symphonien habe ich in Leipzig keine Mängel zu beklagen. In der letzten Saison gab es die 1. mit Mackerras und die 2. Chailly. In dieser Saison folgen dann die 4. ebenfalls mit Chailly und die 3. mit Blomstedt, der übrigens ein reines Brahms-Programm dirigieren wird (Tragische Ouvertüre + 3. + Haydn-Variationen + Akademische Festouvertüre).
Grüße, nubar
P.S. Von Richter gibt es auch noch einen empfehlenswerten Live-Mitschnitt der 1.Sonate bei RCA.
ab (31.10.2006, 23:40): Original von nubar Von Richter gibt es auch noch einen empfehlenswerten Live-Mitschnitt der 1.Sonate bei RCA.
Hallo nubar,
kannst Du mir sagen, wann dieser Mitschnitt gemacht worden ist?
nubar (01.11.2006, 07:25): Hallo ab,
ich habe die CD zur Zeit leider nicht zur Hand, aber ich meine mich zu erinnern, dass der Mitschnitt Anfang der 90er Jahre gemacht wurde auf einem der für Richter typischen kleinen Konzertfestivals in Deutschland (der Mitschnitt stammt auch nicht von RCA, für die Produktion und die Aufnahme ist eine einzelne Frau verantwortlich gewesen, das Klavier ist sehr direkt aufgenommen). Um folgende CD handelt es sich:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3102071.jpg
Grüße, nubar
Amadé (01.11.2006, 10:43): Hallo ab,
mit S.Richter besitze ich mehrere Aufnahmen der Klaviersonaten: op.1: Decca 1987 aus Mantua, Praga 1988 aus Prag, RCA SHMF 1988 und Philips 1988 wo aufgen?? op.2: Decca 1987 aus Mantua, Praga 1984 aus Pilsen und Philips (keine Angabe von Ort und Zeit im Booklet). Ein vergleichendes Hören war mir aus Zeitgründen bisher noch nicht möglich. Es sieht so aus, dass sich Richter erst sehr spät mit den Frühwerken auseinandergesetzt hat. Eine Aufnahme der f-moll Sonate ist mir nichtbekannt. Richter war sehr kritisch und wählerisch in der Auswahl seines Repertoires, so gibt es selten Gesamt-Aufnahmen, abgesehen vom WTK.
Alle 3 Klaviersonaten haben aufgenommen: Walter Klien (den die wenigsten kennen) bei VOX Julius Katchen bei Decca, die 3. Sonate zweimal Peter Rösel bei Berlin Classics Krystian Zimerman bei DG Anatol Ugorski bei DG Idel Biret bei Naxos Gerhard Oppitz bei Eurodisc/RCA Elisabeth Leonskaja bei Teldec
Arrau hat die 2. und 3. Sonate eingespielt, ebenso Grimaud. Vom erwähnten Wilhelm Kempff existieren 3 Aufnahmen auf dem Markt: Studio-Aufnahme der DG von 1958, der BBC-Mitschnitt sowie eine Aufnahme von den Salzburger Festspielen 1958 bei Orfeo. Ich meine -im Gegensatz zu anderen Äußerungen hier im Forum - , dass Kempff der 3. Sonate nicht in allen ihren Schattierungen gerecht wird. Er spielt zwar poetisch, aber doch trocken, ihm fehlt einfach die Pranke, um das Werk überzeugend darzubieten. Einen ähnlichen Eindruck habe ich auch von seinen Interpretationen des 1. KLavierkonzertes in d-moll (Konwitschny, Kubelik).
In den letzten Jahren hat sich der von mir geschätzte Grygory Sokolov für die 1. Sonate stark gemacht. Bei ihm konnte man die Affinität zur Hammerklaviersonate (gleich zu Beginn) recht deutlich feststellen.
Gruß Amadé
ab (01.11.2006, 13:19): Hallo nubar,
danke für die Info: Dann wird es sich um eine jener Aufnahmen von Frau Maria E. Michel-Beyerle handeln, die sonst unter dem Titel Out of the later years bei LiveClassics veröffentlich worden sind - und die ich (überwiegend, insbesondere Vol 2&3) kaum hoch genug loben kann - vielen Dank für den Tipp, denn die Aufnahmen bei Philips finde ich (wie das meiste dieser Konzertmittschnitte dort) leider eher mäßig.
Alles Gute nach Leipzig!
ab (01.11.2006, 13:28): Original von Amadé
Walter Klien (den die wenigsten kennen) bei VOX
Hallo amadé,
Kennst Du die Klien-Aufnahme? Ist sie empfehlenswert? (Klien schätze ich ja besonders als Begleiter der Mozart-Violinsonaten mit Grumiaux, die ich wesentlich mehr schätze als jene, die er mit mit Clara Haskil aufgenommen hat.)
Danke!.
Ganong (01.11.2006, 17:11): Lieber amadé ,
Deine Hinweise auf die drei Aufnahmen durch Wilhelm Kempff sind sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen . Die "Salzburger Aufnahme" ( ORFEO ) ist wahrscheinlich im Vergleich zu seinen anderen schwächer , aber noch überragend zu den Interpretationen seiner "Mitbewerber" .
Die Aufnahme bei BBC ist doch von einer luziden Kraft , weil diese nicht gewollt ist / klingt , sondern Kempffs spontanen , freinen interpretatorischen Eingebungen , also seinem ganz persönlichen freien Spiel entspringt . Hier ist nichts , kein Ton (zu ) "trocken" . Es ist auch nichts zu hören von einem lange zurecht gelegten Interpretationsschema , gliechsam einem starren gerüst , das wir bei durchgängig den meisten Brahmssonaten - interprten entnehmen können .
Interessant ist der Hinweis auf das b - Moll - Klavierkonzert : Jeremias hat hier bei der Besprechung des Kionzertes mit Zimerman und ratlle doch indirekt gerade diese Lyrismen , die ich im ersten Satz für völlig falsch und in den Sätzen zwei und drei für sehr problematisch halte , als herausragende leistungen dieser Aufnahmen gehalten und beschrieben . Die neue Zimermanaufnahme ist nach meiner Werksicht deutlich (!) schwächer als die frühere Aufnahme . Zimerman dadurch eine künstlerische Reifeenwtciklung zusprechen zu wollen , halte ich nicht nur für kühn und gewollt , sondern sogar für hörbar falsch !
Viele Grüsse ,
Frank
Amadé (01.11.2006, 20:10): Lieber ab,
Im Vergleich zu Richter/Decca ergibt sich folgendes Bild bei der 1. Sonate: KLien betont mehr die lyrische SEite (2.THema), während Richter die vorwärtdrängenden Abschnitte des 1. Themas hervorhebt. Im 3. Satz ist es genau umgekehrt, hier bringt Richter weniger con Fuoco, Klien spielt auch das Trio wie von Brahms verlangt schneller, Richter nimmt sich da mehr Zeit. Im 4.SAtz spielt Richter beim 2. Thema etwas ausdrucksvoller, vielleicht hat die Decca-Technik mehr Obertöne aufgefangen als das VOX-Team. INsgesamt gesehen spielt Richter ein wenig freier als sein jüngerer Kollege, der jedoch eine beachtenwerte Leistung hinlegt. Hier noch die Spielzeiten: Richter 31'27, KLien 30'54
Gruß Amadé
ab (04.11.2006, 21:22): Lieber Amadé,
weshalb betonst Du gerade die Decca-Aufnahme? Hältst du diese für die gelungendste von jenen Richters, die Du genannt hast?
Danke!
Amadé (05.11.2006, 18:20): Lieber ab,
das war reiner Zufall. Ich habe meine 4 Richter-Aufnahmen noch nicht vergleichend gehört, bis jetzt noch keine Zeit und Muse dazu, kommt aber noch. Gruß Amadé
ab (15.11.2006, 21:00): Original von Ganong Kenner der Klaviermusikszene ( Solowerke 9 haben immerhin die ( Hypo- ) These aufgestellt , dass Rubinstein als Brahms - Interpret bedeutender sei den als Chopinspieler
Lieber Frank,
Bist Du auch dieser Ansicht? Was die Sonaten betrifft, hat er wohl nur zwei aufgenommen. Ich sehe, dass es diese nur in der Rubinstein Collection getrennt gibt, nämlich als Vol 21: Sonata No. 3 in F Minor, Capriccio, Intermezzo, Rhapsodies sowie Vol. 63: Sonata, Op. 5, Intermezzo, Romance, Ballades, Op. 10.
Gab es einmal auch die beiden Sonate auf einer CD?!
Bald hoffentlich mehr...
Ganong (16.11.2006, 18:36): Lieber ab ,
ich habe diese meinung über Arthur Rubinsteins Können bei Brahms- und Chopininterpretatioen n i e geteilt . Ich finde seinen Brahms her mit zu leichter Hand gespielt ( besonders das Finale der 3. Klaviersonate ) .
Meines Wissens ist die RCA - Collection auch u. U. einzeln erhältlich , weil der Gesamtpreis doch enorm ist .
Auf einer CD kenne ich die Sonaten nicht .
Persönlich würde ich bei beiden Klaviersonaten andere Interpretationen vorziehen !
Viele Grüsse ,
Frank
PS.: Kennst Du Veröffentlichungen aus qualifizierter Feder zur Musikästhetik von Johannes Brahms ? . F.
ab (16.11.2006, 21:20): Original von Ganong Kennst Du Veröffentlichungen aus qualifizierter Feder zur Musikästhetik von Johannes Brahms ? . F.
Leider nein, damit (und mit dererlei überhaupt) kann ich nicht dienen: Hier bin ich (leider) absoluter Laie: Ich versuche stets, die Werke wie tabula rasa zu ergründen und mir daraus meine eigenen Hörkategorien zu entwickeln (aus wirkungsästhetischer Sicht).
Daher rührt auch mein völlige Inkompetenz gegenüber Fragen zu werkgetreuen Interpretationen...
(Gerade kürzlich erst habe ich zum ersten Mal das Programm von Ravels Gaspard de la nuit gelesen, das ich zuvor stets als Absolute Musik gehört haben - dadurch ergibt sich für mich doch so manch andere Eninschätzung der Güte einer Interpretation aus schöpfungsästhetischer Sicht!)
ab (07.12.2006, 22:39): Endlich komme ich dazu:
Zu Beginn ein persönliches Bekenntnis: Zu Brahms habe ich ein ganz eigenes Verhältnis. Zunächst war seine Musik für mich der Inbegriff romantischen Schwulsts und Kitsches. In meiner Kindheit war das für mich unerträgliche Klangmasse. Bloß sein erstes Klaviertrio, das ich damals natürlich nur in der Spätfassung hörte, konnte mich ansprechen. Der Wandel setzte erst ein, als ich im fortgeschrittenen Studienalter begann – spät aber doch -, mich mit Liedgesang zu befassen. Hier bemerkte ich einen völlig anderen Brahms, einen lyrischen und kammermusikalischen und ganz und gar nicht schwülstigen. Heute gehört Brahms meine heimliche Liebe. Anders als bei Beethoven, meiner offenen Liebe, bei dem ich mehr vom Spätwerk und allem voran der Kammermusik nicht genug bekommen (und nach wie vor mit der Sinfonik außer der Neunten so gut wie gar nichts anfangen) kann, finde ich bei Brahms durch seine ganze Schaffensepoche durchwegs Großartiges vom Solo- bis zum Großwerk. Brahms sehe ich inzwischen musikalisch (nicht kompositorisch) eigentlich weniger als Romantiker als einen späten großen Klassiker an. (Womöglich hat das damit zu tun, was nubar schreibt: "Vielleicht liegt es daran, dass man ihn für zu bieder hält.")
Die Klaviersonaten betreffend, finde ich es eigentlich höchst erstaunlich, dass es sich um (s)ein Frühwerk handelt. (Insopfern könnte ich Matthias Kornemann sogar verstehen...) Meine erste Hörerfahrung war Ugorski (was ich inzwischen ganz vergessen hatte, und mir erst wieder im Zuge der Forendiskussion eingefallen ist): sie hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Alles plätscherte da vor sich hin, alles war unglaublich dicht und wenig faszinierend. Später (?), als die Katchen-Gesamtaufnahme wieder veröffentlicht und raufundruntergelobt worden ist, hörte ich eine Alternative, bei der im umgehend klar war, dass diese zupackende Virtuosität nicht mein Geschmack ist. Damals kreidete ich es noch Brahms und nicht seinen Interpreten an, mich nicht ansprechen zu können. Erst mit meiner Liebe zu Sviatoslav Richter kam mir die erste CD ins Haus, nämlich seine Philips-Aufnahmen. Irgendwie sind da zwar einzelne Stellen, die mich überzeugen, doch im Großen und Ganzen sind diese Aufnahme in ihrer Uneinheitlichkeit wenig zufrieden stellend für mich geblieben. Inzwischen lernte ich die Balladen (Gilels; Benedetti Michelangeli; Sokolov – die live-Aufnahmen) lieben. Backhaus Brahms-Lochkartenaufnahmen ließen mich genauso so kalt, wie mich seine Beethovensontenkonzerte begeisterten. Später, als ich Kempffs Beethoven für mich entdeckte, hörte ich mir auch seinen Brahms (stereo) an, so recht warm bin ich damit aber nicht geworden, weil mich das Spätwerk à la Gould (die ich besonders mag) aber auch Vogt (die ich mir bis heute nicht zu kaufen traute, obwohl sie mir (anders als die Sontaen mit ihm) bei jedem Reinhören sehr gut gefiel) tief berührt und Kempff mir dagegen zu nüchtern wirkt. Ebenso wenig konnten mich Rösler oder Idil Biret, Oppitz oder Leonskaja für die Sonaten gewinnen. Letzte Woche hörte ich auch – thread-belesen – Rubinstein (Spätwerk aus den 40ern sehr mäßiger Klang): dieses glanzpolierte Spiel motiviert mich wenig, auch seine Sonaten anzuhören. Genauso wenig riß mich die (rösler-ähnliche?) VOX-Box mit Walter Klien vom Hocker. Von den jüngeren Piansiten schweige ich lieber.
In Sachen 3. Sonate fiel mir dann eine Gieseking-Aufnahme in Hände, die mich nach wie vor faszinieren kann. Typisch, wie auch seine Aufnahmen französischer Musik, völlig im Moment gespielt mit überraschenden Impulsen sowie schönen Klangfarben und eigenwilligen Linien. Bei dieser Faszination bleibt es aber letztlich - tief zu berühren vermag sie mich dann doch nicht.
Und nun komme ich zu jener Aufnahme, weshalb ich schon seit langem hege, über die Brahms-Sonten hier etwas zu schreiben und wozu mir Frank mit diesem threat zuvor gekommen ist. Für einen Euro fiel mir nämlich jene von Hélène Grimaud aus der Denon-Box bei BrilliantClassics in Hände.
Ich griff zu, weil mich der Preis überzeugte sowie mir ein leipziger Freund (nicht nubar) – selbst Amateur und großer Klavierliebhaber sowie –kenner – von ihren Konzerten in gleichem Maße von ihrer Kunst als auch Schönheit in höchsten Tönen vorgeschwärmt hatte. Ich war skeptisch, weil ich weiß, dass mein Freund weniger die Lyrik wie ich, sondern die große Dramatik und das extrem leidenschaftliche Spiel liebt. Außerdem war ich skeptisch, weil Frank noch einen Tag vor dem Kauf in diesem Forum auf meine Frage nach Grimauds ersten Schumannsonate schrieb, sie sei die am weitesten überschätzte Piansitin unserer Zeit und habe über ihren späten Brahms selbst geurteilt, dass er verfehlt sei. Nicht zuletzt hörte ich auf Zugreise im ICE wiederholt ihre letzte DG-Produktion. Dort macht sie als Kammermuskpartnerin ganz deutlich, dass sie beim Musizieren noch meilenweit entfernt ist von dem, was sie ihrer eigenen Aussage zufolge bei den Wölfen gelernt habe (nämlich völlig offen diesen Gefährten zu begegnen): So wenig habe ich noch kaum einen Solisten auf Sänger oder Cellisten eingehen gehört. Armer Truls Mörk, arme Anne Sopie von Otter! Genauso wenig hat mir ihre Rachmaninov-CD der DG zuvor gefallen.
Dennoch habe ich zugegriffen; und habe es keine einzige Sekunde bereut! Seit Wochen schon liegt diese CD im (schlecht klingenden) Küchenradio und jedes Mal wenn ich hineinkomme, überkommt mich fast so etwas wie eine Sucht nach dieser Musik. Keine andere CD habe ich in letzter Zeit so oft gehört. Sie gerhört inzwischen zu meinen Lieblingsklavieraufnahmen.
Was also charakterisiert diese Brahms-Aufnahme und was ist da anders als bei den DG-Aufnahmen (und auch schon die bei Erato sollen mäßig sein)?
Dazu bald!
nubar (08.12.2006, 12:24): Lieber ab,
ganz herzlichen Dank für deinen Beitrag. Ich habe eigentlich schon lange vor, mir Katchen zuzulegen als Vergleich zu Rösel. Würdest du diese virtuose Spielweise auch bei den anderen Brahms-Werken sehen? Ich bin sehr gespannt auf deine Charaterisierung der Grimaud-Aufnahme, zumal ich mit ihr auch eher negative ERfahrungen gemacht habe (im Fernsehen). Als Kammermusikpartnerin, oh graus, ist sie wirklich schwer hörbar.
Grüße, nuar
Gamaheh (08.12.2006, 21:46): Lieber ab,
das macht mich extrem neugierig. Ich war bisher eher gar nicht von der Grimaud begeistert, auch nicht von ihren Brahms-Interpretationen, soweit ich sie kenne (späte Werke). Als ich sie einmal im Konzert hörte, hatte ich arg mit dem Schlaf zu ringen, obwohl sie mein Lieblingskonzert von Beethoven (das 4.) spielte.
Mit Brahms habe ich auch bis heute äußerste Schwierigkeiten (oft findet er einfach kein Ende), bis auf die kleineren Formen, dann allerdings auch nur von bestimmten Interpreten, wobei ich Glenn Gould wirklich überragend finde: Hier wirkt Brahms geradezu modern, er könnte ein Komponist des 20. Jahrhunderts sein! Es ist jedes Mal wieder ein double take, auch wenn ich weiß, was da läuft.
Auch ich finde Brahms häufig schwülstig und kitschig, ich denke, hier kommt es - wie meinem Empfinden nach auch bei Chopin und Mozart - extrem auf die Interpretation an: Leider werden sie häufig seicht und gefällig gespielt, was sich manche unter romantisch vorstellen.
Grüße, Gamaheh
AcomA (09.12.2006, 20:54): hallo,
auch ich schätze die drei sonaten brahms' sehr. ich bevorzuge die 2. und 3. sonate. IMO stellt die interpretation claudio arraus hinsichtlich der 2. sonate eine art referenz dar. die verbindung von transparenz und klang gelingt hier auf wunderbarer weise. das gilt auch für seine anderen brahms-interpretationen wie den konzerten und den paganini-variationen.
die dritte sonate, da kenne ich eine ganze serie von vorzüglichen bis referenzartigen darstellungen: zimerman (live), hough (live und studio), ashkenazy (DECCA), siirala (ondine).
ich empfehle s e h r die INterpretation der 3. Klaviersonate von J. Brahms durch Solomon ( Label : Testament ; gekoppelt mit Schumanns "Carnaval" ) . Musikalische Wertung : * ( Nach meiner persönlichen Wertungsskala : 9,5 von 10 Punkten ) .
Grüsse ,
Frank
ab (06.02.2007, 11:25): Wer hörte die Aufnahme der Sonate Nr. 3 von Sheila Arnold ? Wie ist die? eine begeisterte Rezension dazu hier. Label: CAvi-music
nikolaus (06.02.2007, 23:03): Original von ab Wer hörte die Aufnahme der Sonate Nr. 3 von Sheila Arnold ? Wie ist die? eine begeisterte Rezension dazu hier. Label: CAvi-music
Das würde mich auch interessieren. Die Rezension ist so positiv, daß man die CD direkt haben möchte. Ich unterstütze ab in seinem Aufruf: kennt jemand die Aufnahme?
nach mehrmaligem Hören muss ich die Aufnahmen der Sonate durch Wilhelm Kempff ( DGG u n d BBC Legends ) unbedingt empfehlen . Grossartiges Deutungen durch eine grossen Pianisten .
Grüsse ,
Frank
PS,; Natürlich bei allen drei Sonaten Julius Katchen ( Decca ) ..
Überzeugend bei der zweiten Sonate , wie Siamak dies schon hervorhob ist Claudio Arrau . F.
ab (11.06.2007, 18:08): Original von Ganong Liebe Forumsmitglieder ,
ich empfehle s e h r die INterpretation der 3. Klaviersonate von J. Brahms durch Solomon Musikalische Wertung : * ( Nach meiner persönlichen Wertungsskala : 9,5 von 10 Punkten ) .
Lieber Frank,
abermals ganz herzlichen Dank, diesmal für diesen kostbaren Hinweis! Ein gleiches Niveau wie auch die späten Beethoven-Sonaten von ihm! Ausgezeichnet! Ich höre sie gerade erstmals mit Genuss in der Carus-Ausgabe (gekoppelt mit Brahms-Werken von Walter Klien).
Auch entdecke ich gerade, ganz vergessen zu haben, noch die Charakterisitk der, um die wie mit den Wölfen geheult wird, nachzutragen. Ich werde gleich Grimaud vergleichhören...
ab (11.06.2007, 20:18): Original von ab Und nun komme ich zu jener Aufnahme, weshalb ich schon seit langem hege, über die Brahms-Sonten hier etwas zu schreiben: Für einen Euro fiel mir nämlich jene von Hélène Grimaud aus der Denon-Box bei BrilliantClassics in Hände. Was also charakterisiert diese Brahms-Aufnahme und was ist da anders als bei den DG-Aufnahmen (und auch schon die bei Erato sollen mäßig sein)?
Grimaud spielt mit einer unglaublichen Jugendlichkeit in bezwingender Hochdramatik. Dabei wirkt sie aber nicht unruhig-gehetzt oder gar fiebrig, sondern dennoch eher wie aus einer Ruhe (gelegentlich eruptiv) heraus. Sie verfügt trotz kräfigem Zugriff über einen spezifischen Ton, tendentiell auf der schlankeren Seite, wo die andere heute fast nur mehr Noten herauszuhämmern versehen. Ihre Virtuosität steht niemals als Selbstzweck im Raum, sondern dient ihr für ihren bezwingenden Ausdruck. Die dynamischen Bögen sind von überzeugender Gleichmäßgkeit. Fort heißt nicht bloß "laut", sondern wird wirklich "kräftig". Die ganze Musik ist von einer Intensität, als stünde sie unter Strom. Ihre Interpretation speist sich insbesondere aus dem Rhythmischen.
Besonders schätze ich ihren polyphonen Zugriff, sprich sie arbeit nicht eine Linie heraus, wozu ihr der Rest als bloße Begleitung dient, sondern mehrere Linien laufen gemeinsam nebeneinander. Auch mag ich so besonders, dass sie die Betonung eher auf den Phrasenanfang legt und somit die Musik nicht nach hinten hin immer weiterfließend oder -drängend gestaltet: dadurch erklärt sich wohl die hereingebrachte Ruhe. Jeder Anspannung folgt auch wieder ihre erfordeliche Entspannung.
Das Grandiose dieser Brahmssonaten Nr. 2 & 3 ist, dass alle Sätze wie eine einzige Einheit aus einem Guss zu sein scheinen. Oftmals erklingt ja Brahms wie in einzelen Teile zerfallend.
Sicher, wer Tiefe und Schwere hören will, kommt hier nicht auf seine Rechnung, aber wer ehrliche Intensität zu schätzen weiß, dem kann ich diese Aufnahme sehr ans Herz legen.
Wie schon an anderer Stelle geschrieben, hörte ich inzwischen auch ihren Erato-Brahms - mit demselben Eindruck wie auch sonst: ich kenne sonst nichts von ihr interpretiert, was mich wirklich überzeugt hätte. Aber dieser Brahms begeistert mich jedes Mal aufs Neue.
ab (19.09.2007, 10:28): Kennt jemand die Aufnahmen von Andreas Boydens bei Oehms, die hier als "Nüchtern, aber spannend" und da als "mit Zurückhaltung musiziert" charakterisiert worden sind?
Ich weiß nie, ob eine Charakterisierung wie "kein sentimentaler Tonfall" dann womöglich ausdruckslos-mechanisch heißt...
Die Publikumsgeräusche sind vernachlässigbar, der Klang doch recht gut.
Und die Interpretation? Wunderbar, Sokolov verfügt einfach über alle Fähigkeiten um ein solches Werk zu Interpretieren. Kraftvoller Anschlag und dennoch in der Lage farbiges, seidenweiches Klavierspiel darzubieten. Dadurch erzeugt Sokolov Abgründe und erfaßt den Zuhörer.
Man höre einfach den 2. Satz mal. Einfach zum :down Wie da die Melodieführung ist, feinste Anschlagdifferenzierung in Sinne des Ausdrucks und dieser Fluß der Musik :down
Ein wunderbares Werk. Leider relativ wenig eingespielt wenn man über die Diskographie schaut und dies mit anderen Werken vergleicht.
Zelenka (05.03.2008, 20:25): Original von Rachmaninov Hallo Brahms Freunde,
eben hörte ich nochmals seit langer Zeit die Klaviersonate #3 op.3 in der Liveaufnahme von G. Sokolov von 20. Oktober 1993 aus Paris.
Ein merkwürdiger Zufall, auch ich habe heute abend Brahmsens dritte Klaviersonate op. 5 gehört, zweimal sogar, einmal Arrau live (1978 in einem Konzert aus Anlaß seines 75.) und einmal im Studio (1971, Philips):
Trotz aller merkwürdigen Nebengeräusche bis zum Quietschen hin ist die Live-Aufnahme, in der Arrau die Sonate ein wenig rascher nimmt als im Studio, vorzuziehen. In seinem Überblicksartikel im "Gramophone" 2/2008 hat Distler leider die Version von 1978 unterschlagen, die er auf der Website "classicstoday.com" sehr positiv besprochen hat. Jedenfalls ist dies nicht der Brahms eines alten Mannes … :down
Und ich kann mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, daß Distler Sokolov im "Gramophone" als den King Kong der Brahmsspieler bezeichnet hat ...
Gruß, Zelenka
Cosima (05.03.2008, 20:43): Original von Zelenka Trotz aller merkwürdigen Nebengeräusche bis zum Quietschen hin ist die Live-Aufnahme, in der Arrau die Sonate ein wenig rascher nimmt als im Studio, vorzuziehen. In seinem Überblicksartikel im "Gramophone" 2/2008 hat Distler leider die Version von 1978 unterschlagen, die er auf der Website "classicstoday.com" sehr positiv besprochen hat. Jedenfalls ist dies nicht der Brahms eines alten Mannes … :down
Und ich kann mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, daß Distler Sokolov im "Gramophone" als den King Kong der Brahmsspieler bezeichnet hat ...
Ich freue mich sehr, dass Dir die Live-Aufnahme auch so gut gefällt! :) Die Nebengeräusche hörte ich irgendwann gar nicht mehr, nur dieses Quietsche-Entchen (so klingt es zumindest) ist etwas seltsam. Der herrliche Arrau-Klang macht alles vergessen! Und was für eine Interpretation! :down - Sokolov empfinde ich auch als etwas grob.
Gruß, Cosima
P.S. an Wolfgang: Hattest Du Dir nicht auch die CD bestellt?
Poztupimi (05.03.2008, 21:42): Original von Cosima
P.S. an Wolfgang: Hattest Du Dir nicht auch die CD bestellt?
Seit meiner Bestellung sind zwei Sendungen bei mir eingetroffen, jedesmal mit dem Hinweis "Portofrei nachgeliefert werden ... Claudio Arrau in Con..." ?(
Harre der CD, die hoffentlich bald eintrifft. Vielleicht kaufe ich bei nächster Gelegenheit eine verfügbare Studio-Einspielung. Mal sehen was das Angebot so hergibt.
Viele Grüße, Wolfgang
HenningKolf (06.03.2008, 08:46): @ Wolfgang
hoffentlich nicht bei 2001, denn dann hättest du gute Chancen dass die irgendwann mitteilen, dass das gar nichts mehr wird (hatte ich nämlich bei denen nämlich schon zwei Mal....) Gruß Henning
Absolut (06.03.2008, 10:21): Hallo,
dem Fadenverlauf entnehme ich, daß die eingangs gestellte Frage, warum die Klaviersonaten Brahms' so unterrepräsentiert sind, offen geblieben ist. Ich will einmal einen Versuch wagen, diese Frage zu beantworten.
Ein Grund, warum sie vielleicht live weniger oft als anderes gespielt werden, ist wohl der, daß es sich um technisch eher unbequeme Musik handelt. Nun wäre das allein ganz sicher noch kein Problem, denkt man etwa an die fürchterlich schweren Stücke des frühen Schumann, die trotzdem zum Standardrepertoire gehören. Ein weiterer Ansatzpunkt liegt ganz bestimmt darin, daß es sich um Musik handelt, die sehr monumental daherkommt (eigentlich sprengen alle drei Sonaten den kammermusikalischen Rahmen), ohne dabei die Tiefe des mittleren und späten Brahms zu erreichen. Die drei Klaviersonaten sind also für den Konzertpianisten einfach nicht so attraktiv.
Ich möchte jedoch noch einen anderen Gedankengang wagen. Ganz plakativ gesprochen, hat jede musikalische Epoche doch ihre charakteristischen musikalischen Formen. Bis zum Ende des Barock herrscht die Vokalmusik in all Ihren Ausprägungen eindeutig vor, was bedeutet, daß sich das Problem musikalischer Formbildung noch nicht stellt, da Form durch die Auskomponierung einer Textvorlage gegeben ist. Dies ändert sich schlagartig um 1750, wo die Instrumentalmusik in Mode kommt und sich auf einmal das Problem der sinnvollen Gliederung absoluter Musik stellt. Die Lösung dieses Problems führt zur Entwicklung der Sonatenform als der klassischen Form schlechthin und ist mit Mozart und Haydn eigentlich abgeschlossen. Schon Beethoven arbeitet nicht mehr an der Form, sondern mit Ihr. Die Romantik (und jetzt schließt sich endlich der Kreis) sieht sich vor die Notwendigkeit gestellt, eigene Wege zu gehen, und sie tut das, indem sie der Poesie oder (allgemeiner) außermusikalischen Einflüssen Zugang zur Musik gewährt. Die romantische Gattung ist also im instrumentalen Bereich das Charakterstück (Fantasie, Ncoturne, Prelude u.a.) neben der großen Welt des Liedes. Von daher läßt sich sagen, daß die Sonate innerhalb der Romantik eigentlich einen Anachronismus darstellt, und man merkt dies den Sonaten eines Schumann oder Chopin auch deutlich an. Hier zwängt sich eine musikalische Sprache in eine Form, die ihr nicht angemessen ist, und klingt dadurch oft merkwürdig gebremst oder verzwungen (auch wenn das Ergebnis immer noch wunderschöne Musik ist). Brahms selbst ist vielleicht der letzte, der die Sonatenform in seinen Instrumentalkompositionen nach kreativ behandeln kann. Ich halte es aber nicht für Zufall, daß er nch den frühen Klabiersonaten sich nicht weiter mit dieser Gauttung auseinander setzte, sei es, weil der Schatten Beethovens ihm auch hier zu lang war, oder auch aus dem Empfinden heraus, daß das Klavier in seiner Zeit eher ein Instrument persönlichen Ausdrucks und lyrischer Empfindung sei (man denke etwa an die Klavierstücke op.116 und 119).
Gruß Absolut
Rachmaninov (06.03.2008, 11:16): Original von Absolut
Von daher läßt sich sagen, daß die Sonate innerhalb der Romantik eigentlich einen Anachronismus darstellt, und man merkt dies den Sonaten eines Schumann oder Chopin auch deutlich an. Hier zwängt sich eine musikalische Sprache in eine Form, die ihr nicht angemessen ist, und klingt dadurch oft merkwürdig gebremst oder verzwungen (auch wenn das Ergebnis immer noch wunderschöne Musik ist). Brahms selbst ist vielleicht der letzte, der die Sonatenform in seinen Instrumentalkompositionen nach kreativ behandeln kann. Ich halte es aber nicht für Zufall, daß er nch den frühen Klabiersonaten sich nicht weiter mit dieser Gauttung auseinander setzte, sei es, weil der Schatten Beethovens ihm auch hier zu lang war, oder auch aus dem Empfinden heraus, daß das Klavier in seiner Zeit eher ein Instrument persönlichen Ausdrucks und lyrischer Empfindung sei (man denke etwa an die Klavierstücke op.116 und 119).
Gruß Absolut
@Absolut,
Du hast natürlich recht, es ist sehr auffällig, das Brahms nach der Sonate #3 op.5 sich nicht weiter mit dieser Gattung beschäftigt hat. Durchaus wahrscheinlich, daß er erkannt hatte, das diese Form nicht mehr "passend" ist für den Ausdruck. Ein Problem, daß ja sowohl Rachmaninov als auch Schostakowitsch durchaus eben so empfunden haben müssen. Immerhin beides große Komponisten UND Pianisten. Außer Medtner und Scriabin ist es wohl kaum jemanden noch gelungen hier nennenswert in Erscheinung zu treten ...
P.S.: Zu Medtner und Scriabin gibt es hier auch Threads :wink
ab (06.03.2008, 11:44): Original von Rachmaninov Außer Medtner und Scriabin ist es wohl kaum jemanden noch gelungen hier nennenswert in Erscheinung zu treten ...
Was ist mir Feinberg, Miaskowsky, Prokovieff, um ein paar Russen zu nennen?
Was bei uns mit Hindemith und Berg :down usw. usf.
Und was ist mit den zahlreichen zeitgenössischen Komponisten!? ?( Gerade - um nur einen zu nennen - Boulez drei Sonaten erfahren gerade eine wahre Blütezeit an Neuaufnahmen.
HenningKolf (06.03.2008, 12:04): Szymanowski, Tippet, Bax, Milhaud, Ornstein...................gibt bestimmt noch mehr Sonaten"schreiber" zu nennen.
Rachmaninov (06.03.2008, 12:09): @ab,@henning,
ich ahnte derartige "Kritik" als ich es schrieb! Natürlich gibt es noch zahlreiche Komponisten, die auch Sonaten schrieben .... :cool
ab (06.03.2008, 13:33): Original von Rachmaninov Natürlich gibt es noch zahlreiche Komponisten, die auch Sonaten schrieben .... :cool
Es geht hier weniger darum, dass viele eine Sonate schrieben, sondern dass noch viele wirklich nennenswert sind.
Unbeachtet dessen ist diese Aufzählung aber noch keine Widerlegung des Gedankens unseres Absolut, dass die Sonate nicht mehr der Romantik "ihre charakteristische musikalische Form" wäre. Ich weiß dazu nichts zu sagen, was dafür oder dagegen spräche. Ich bin also gespannt, was dazu noch zu lesen sein wird... :hello
Cosima (06.03.2008, 16:20): Original von Poztupimi Harre der CD, die hoffentlich bald eintrifft. Vielleicht kaufe ich bei nächster Gelegenheit eine verfügbare Studio-Einspielung. Mal sehen was das Angebot so hergibt.
Ach, das ist ja schade. - Die Arrau-Studio-Version ist derzeit wohl nur als Bestandteil der Philips-Heritage-Box zu bekommen. Aber André Laplante wäre eine interessante Alternative.
Gruß, Cosima
Absolut (06.03.2008, 17:04): So, nachdem mich mein Computer zwischenzeitlich rausgeschmissen hat, versuche ich noch einmal zu antworten! :S
Natürlich möchte ich nicht das gesamte Sonatenschaffen von Beethoven bis heute in Bausch und Bogen abtun. Mein Beitrag befaßte sich auschließlich mit der Epoche der musikalischen Romantik einschließlich Spätromantik. Als Beispiel für meine These wären Komponisten wie Schumann, Chopin, Brahms oder etwa auch Sergej Rachmaninow zu nennen, deren musikalische Bedeutung m.E. nicht in erster Linie auf dem Gebiet der Klaviersonate liegt, und ich habe versucht darzulegen, daß dies aus der musikgeschichtlichen Situation der Romantik heraus durchaus eine gewisse Logik hat. Claude Debussy schrieb einmal :" Die Sonate ist tot!" und meinte damit, daß der Sonate in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eigentlich nur noch akademische Bedeutung beikam (was zugegebenermaßen eine Extremposition ist). Dieses Zitat mag verdeutlichen, daß die Bedeutung der Sonate gegen Ende des Jahrhunderts eher im Schwinden war.
Allerdings ändert sich die Situation um die Jahrhundertwende, und es ist völlig richtig, daß Komponisten wie Prokofjeff, Hindemith und andere wieder in der Lage sind, bedeutende Klaviersonaten zu schreiben. Man darf jedoch nicht übersehen, daß sich der Blick auf Form und musikalische Sprache inzwischen verändert hat und beispielsweise Prokofjeff, wenn er eine Klaviersonate schreibt, völlig andere Ziele verfolgt als Haydn oder Beethoven. Dies gilt auch dann, wenn das musikalische Material nicht sehr viel anders geartet ist als in der Klassik. Ein schönes Beispiel dafür (auch wenn es keine Klaviersonate ist) stellt Prokofjeffs erste Sinfonie, die "klassische", dar. Man hört recht schnell, daß es sich nicht um eine Sinfonie der Wiener Klassik handelt, bekommt aber Schwierigkeiten beim Versuch zu benennen, warum. Das liegt daran, daß der Komponist bewußt eine Tonsprache gewählt hat, die der Klassik sehr ähnlich ist. Der entscheidende Unterschied liegt darin, daß der Tonsatz anders verwendet wird, eine andere "Funktion" hat. Ich muß allerdings zugeben, daß ich zu wenig in der Materie zu Hause bin, um erschöpfend zu begründen, ob und warum ein Prokofjeff (um bei diesem Beispiel zu bleiben) im Gegensatz zu Brahms in der Lage ist, Klaviersonaten zu schreiben, die der Idee von Sonate adäquat sind.
Ich fürchte, jetzt herrscht noch mehr Verwirrung als vorher, ich bin daher für kritische Rückfragen immer dankbar! :)
@ab: Danke, Du hast mit Deinem Kommentar den springenden Punkt getroffen. :hello
ich bin nicht – wie Absolut – der Meinung, daß die Sonaten deshalb wenig gespielt werden, weil die Form zur Zeit ihrer Entstehung als altmodisch galt. Das letztere ist sicher richtig, aber z.B. Schumann, der selbst jahrelang mit der Sonatenform gerungen hatte, war – wie wir wissen – von Brahmsens Sonaten begeistert (alle drei waren bereits fertig oder so gut wie, als er sich als Zwanzigjähriger 1853 bei den Schumanns vorstellte, die dritte wurde dort beendet).
Und doch hatte er Jahre vorher geschrieben: „Was die jüngeren Künstler zum Schreiben (von Sonaten) anregt, ist leicht zu erraten: es gibt keine würdigere Form, durch die sie sich bei der höheren Kritik einführen und gefällig machen können; die meisten dieser Sonaten sind daher auch nur als eine Art Spezimina, als Formstudien zu betrachten; aus starkem inneren Drang werden sie schwerlich geboren ... Im übrigen aber scheint es, hat die Form ihren Lebenskreis durchlaufen Also schreibe man Sonaten oder Phantasien (was liegt am Namen!), nur vergesse man dabei die Musik nicht, und das andere erfleht euch vom guten Genius ... (Gesammelte Schriften über Musik und Musiker I, S.394f., zitiert nach Arnfried Edler. Robert Schumann und seine Zeit. Laaber: Laaber Verlag, 1982). (Schumanns Fantasie op.17 sollte ja auch zunächst eine Sonate werden.)
Brahms hatte einen großen Respekt vor dem Schaffen seiner großen Altvorderen, und so lag es nahe, daß er seine ersten Kompositionen gerade (u.a.) in diese Form goß. Im übrigen sind durchaus schon Elemente seiner späteren „Charakterstücke“ in den Sonaten zu erkennen, insbesondere in der 3. Sonate (dort auch sein erstes Intermezzo), und der Name (der Sonate) hat ihn nicht davon abgehalten, allenthalben lyrische Anspielungen in Wort und Ton einzuflechten.
Seine erste Sonate (op.1, nicht chronologisch seine erste) ist so voll von Einfällen, daß man aus dem Staunen überhaupt nicht raus kommt; er hat dort offenbar alles reingepackt (dennoch die Form respektierend), was er in sich hatte – gewissermaßen seine Visitenkarte. (So taucht im 4. Satz eine kurze Pasage auf, die fast Easy-Listening-Charakter hat, gefolgt von einer noch kürzeren, die meiner Meinung nach den Komponisten des Signature Tune der Fernseh-Serie „Nr.6“ – falls das jemand von Euch erinnert – inspiriert hat.) Vielleicht die am wenigsten „brahmsische“ (wie wir ihn kennen), hat sie doch schon typische brahmsische Klänge. Kein Wunder, daß Brahms an dieser Sonate besonders viel lag, so daß er sie als sein op.1 veröffentlichen wollte (Schumann war anderer Meinung).
Es ist richtig, daß Brahms später keine Klaviersonaten mehr geschrieben hat (wenn er auch in der g-moll Rhapsodie 1879 die Sonatenform wieder aufgreift, so Hansjürgen Schaefer. Johannes Brahms, ein Führer durch Leben und Werk. Berlin: Henschel-Verlag, 1997), andererseits hat er auch, als er einmal damit abgeschlossen hatte, nach den Paganini-Variationen (1865) kein Variationen-Werk mehr geschrieben.
Im übrigen kamen Brahms’ 51 Etüden (die ich noch nie gehört habe), ein Übungswerk, ebenso wie sein op.119 1893 heraus, also nicht nur Charakterstücke als letzte Klavierkompositionen.
Warum werden also die opp.116-119 mehr als der Rest gespielt? (Und warum nicht auch op.76, wobei es sich ja auch um „Charakterstücke“ handelt?) Keine Ahnung! Ich kann nur mutmaßen, daß einerseits Pianisten die letzten Stücke, die ja alles in so gedrängter, fast minimalistischer Form bringen, interessanter finden. „Persönlicher Ausdruck“ (sicherlich) und „lyrisches Empfinden“ (streckenweise) sind auch in den allerersten Werken vorhanden. Ich glaube vielmehr, daß die Sonaten nicht den Brahms darstellen, wie er sich dem Publikum eingeprägt hat – man will ihn als melancholischen alten Mann, da passen die Sonaten nicht ins Bild. Im übrigen wird dann die Vernachlässigung zur Gewohnheit. Sehr schade! Ich habe die Sonaten zum ersten (und bisher letzten) Mal vor einem Jahr im Konzert gehört und war begeistert.
Übrigens habe ich den Eindruck, daß Brahms in seinem letzten Werk für Solo-Klavier seine eigene Entwicklung rückwärts durchschreitet. Während Nr. 1 „ausnehmend melancholisch“ ist (Brahms im Mai 1893 an Clara Schumann, und weiter: „Jeder Takt und jede Note muß wie ritard. klingen, als ob man Melancholie aus jeder einzelnen saugen wolle“), ist Nr. 4 durchaus nicht Ausdruck lyrischer Empfindung, sondern da kommt der junge Brahms wieder forsch daher – erstaunlich!
Grüße, Gamaheh
Amadé (16.03.2008, 18:55): Hallo Brahms-Freunde,
auch wenn der Komponist nur in seiner Jugendzeit (Klavier-) Sonaten komponierte blieb die Kompositionsform "Sonate, Sonatenhauptsatz" für ihn zeitlebens ein Thema (Konzerte, Sinfonien, Kammermusik). Noch in den allerletzten Werken (für Klarinette op.114, 115, 120) bediente er sich dieses Formprinzips und entwickelte es auf seine Weise weiter. Daran wird auch ein wichtiger Charakterzug Brahms' sichtbar: nicht einfach das Alte über den Haufen werfen (wie die Neutöner in der LIszt/Wagner-Nachfolge), sondern das Überkommende als Anregung aufnehmen und mit kompositorischer Fantasie und Satzkunst weiterentwickeln.
Grüße Amadé
Absolut (20.03.2008, 09:50): Liebe Brahmsianer,
es besteht kein Zweifel, daß Brahms sich zeitlebens und in äußerst fruchtbarer Weise mit der Sonatenform auseinandergesetzt hat (was ihm allerdings bisweilen den Ruf eintrug, zu akademisch oder zumindest intellektuell zu sein, etwa Hugo Wolf über Brahms: "die Kunst, ohne Einfälle zu komponieren"). Der Stellenwert der Sonate in der Öffentlichkeit wird hngegen durch das von Gamaheh zitierte Schumann-Beispiel sehr treffend charakterisiert.
Dennoch bleibe ich dabei, daß diese Sonaten nicht zu den bedeutendsten Kompositionen Brahms zählen (obwohl es sich um schöne Musik handelt, die ich sehr gerne höre). Dies hat für mich folgende Gründe:
1) Der Klaviersatz ist zumeist sehr wuchtig und vollgriffig, fast sinfonisch (v.a. in den Ecksätzen) und ist noch lange nicht so differenziert wie in späteren Kompositionen auf die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers abgestimmt. 2) Auch musikalisch stehen Brahms noch lange nicht die Möglichkeiten zur Verfügung, die sein Spätwerk so bedeutend machen. Gewiß, die Klaviersonaten sind voller Einfälle, allerdings fehlt die musikalische Tiefe, das Unerklärliche, bisweilen auch Erschreckende, das wirklich große Musik ausmacht (bitte nicht gleichzusetzen mit der zitierten Brahmsschen Melancholie!). Man merkt der Musik an, das es sich noch um einen jungen Komponisten handelt. 3) Dazu kommt weiterhin, daß die drei Sonaten in ihrer Anlage gewisse Ähnlichkeiten aufweisen, die zeigen, daß Brahms in diesen Werken noch nicht in der Lage ist, die Form jeweils aus den musikalischen Bedürfnissen heraus wieder "neu zu erfinden". So beginnen die Kopfsätze aller drei Sonaten mit einer einleitenden großen Geste, sind die langsamen Sätze der ersten und zweiten Sonate sich ziemlich ähnlich, sind die Scherzosätze zumeist wild und oft ein wenig brutal (auch pianistisch). Ich will damit sagen, daß Brahms in vielen Dingen eine Idee von Sonate hat, die er dann dreimal komponiert
Natürlich ist das jetzt verkürzt formuliert, und es ist klar, daß Brahms in jeder Sonate auch nach neuen Möglichkeiten sucht (man denke etwa an das erwähnte Intermezzo aus der f-moll-Sonate), doch meine ich (und habe versucht, Beipiele dafür zu finden), daß dem frühen Brahms einfach noch keine so große Bandbreite an kompositorischen Mitteln zur Verfügung steht.
Bevor jetzt ein großer Aufschrei durch das Forum geht (bitte laßt mich leben, auch ich bin ein großer Brahms-Verehrer :hello), würde ich empfehlen, sich alle drei Sonaten noch einmal anzuhören. Vielleicht werden die Punkte, die ich angedeutet habe, dann wahrnehmbar.
Gruß Absolut
YJ (23.03.2008, 00:17): 2) Auch musikalisch stehen Brahms noch lange nicht die Möglichkeiten zur Verfügung, die sein Spätwerk so bedeutend machen. Gewiß, die Klaviersonaten sind voller Einfälle, allerdings fehlt die musikalische Tiefe, das Unerklärliche, bisweilen auch Erschreckende, das wirklich große Musik ausmacht (bitte nicht gleichzusetzen mit der zitierten Brahmsschen Melancholie!). Man merkt der Musik an, das es sich noch um einen jungen Komponisten handelt. Da bin ich absolut deiner Meinung! Sicher sind die Klaviersonaten von Brahms tolle Werke, vor allem die dritte Sonate, aber verglichen mit seinem Spätwerk (op.116-119, wenn man die Kammermusik dazu nimmt, dann von op.114-120) liegen Welten dazwischen. Die Klaviersonaten sind für mich etwas zu direkt komponiert, es gibt noch keine so große Differenz an Klang und Harmonieren, die die späteren Werke von ihm ausmachen. Es fehlt in den Sonaten halt noch etwas an Brahms' Genialität, die er erst entwickeln musste :P
Zelenka (23.03.2008, 09:15): Original von YJ 2) Auch musikalisch stehen Brahms noch lange nicht die Möglichkeiten zur Verfügung, die sein Spätwerk so bedeutend machen. Gewiß, die Klaviersonaten sind voller Einfälle, allerdings fehlt die musikalische Tiefe, das Unerklärliche, bisweilen auch Erschreckende, das wirklich große Musik ausmacht (bitte nicht gleichzusetzen mit der zitierten Brahmsschen Melancholie!). Man merkt der Musik an, das es sich noch um einen jungen Komponisten handelt. Da bin ich absolut deiner Meinung! Sicher sind die Klaviersonaten von Brahms tolle Werke, vor allem die dritte Sonate, aber verglichen mit seinem Spätwerk (op.116-119, wenn man die Kammermusik dazu nimmt, dann von op.114-120) liegen Welten dazwischen. Die Klaviersonaten sind für mich etwas zu direkt komponiert, es gibt noch keine so große Differenz an Klang und Harmonieren, die die späteren Werke von ihm ausmachen. Es fehlt in den Sonaten halt noch etwas an Brahms' Genialität, die er erst entwickeln musste :P
Wie immer ist auch hier einiges Geschmackssache ... Ein Pianist wie Claudio Arrau mochte das Brahmssche Klavier-Spätwerk wie sein Lehrer Martin Krause nicht sehr und hat nur sehr spät in seinem Leben einzelne Stücke auf seine Programme gesetzt. Dafür spielte er häufig die zweite und dritte Sonate. Sviatoslav Richter hat sich wiederum für die vielgescholtene erste Sonate eingesetzt.
Gruß, Zelenka
Zelenka (03.08.2008, 18:16): Wenn ich recht geschaut habe, ist Annie Fischers Live-Version der 3. Sonate von den Edinburgher Festspielen 1961 (BBC Legends) noch nicht in diesem Faden erwähnt worden:
Trotz aller kleineren Mißgriffe und trotz aller Hustenanfälle im Publikum scheint mir diese Aufnahme nach einem ersten Hören eine der großen des op. 5 zu sein. Die Interpretation ist in sich stimmig und ungeheuer beseelt. Ich fürchte, sie läßt u.a. Arrau deutlich hinter sich.
Gruß, Zelenka
Dr. Schön (03.08.2008, 18:51): Lieber Zelenka,
so einig waren wir uns noch nie. Ich mag diese CD auch sehr gerne.
In irgendeinem BBC Legends Booklet äussert sich Swjatoslaw Richter über die Missgriffe Frau Fischers bei Op. 5 wie folgt: Sie seien "sch*** egal".
Ich stimme euch beiden zu.
Gruß Dr. Schön
Zelenka (03.08.2008, 19:00): Original von Dr. Schön Lieber Zelenka,
so einig waren wir uns noch nie. Ich mag diese CD auch sehr gerne.
In irgendeinem BBC Legends Booklet äussert sich Swjatoslaw Richter über die Missgriffe Frau Fischers bei Op. 5 wie folgt: Sie seien "sch*** egal".
Ich stimme euch beiden zu.
Gruß Dr. Schön
Lieber Herr Dr. Schön:
Ich freue mich natürlich, daß wir uns zur Abwechslung einmal einig sind! Bei mir hat es ja leider etwas länger gedauert, bis ich die CD kennengelernt habe.
Richter hat sich natürlich ein klein wenig gewählter ausgedrückt. In der englischen Fassung des Monsaingeon-Buchs steht folgendes zu ihrer 3. Brahmssonate: "As for a handful of wrong notes, who gives a damn (sorry)!"
Gruß, Zelenka
Dr. Schön (03.08.2008, 19:06): Stimmt. Ich hab nachgesehen. Im Englischen steht "damn", jedoch hat ein Jochen Rudelt das so übersetzt, wie ich das in Erinnerung hatte.
Zelenka (03.08.2008, 19:41): Original von Dr. Schön Stimmt. Ich hab nachgesehen. Im Englischen steht "damn", jedoch hat ein Jochen Rudelt das so übersetzt, wie ich das in Erinnerung hatte.
Für uns Deutsche muß wohl etwas dicker aufgetragen werden ...
Gruß, Zelenka
Dr. Schön (03.08.2008, 20:47): Zu den Sonaten muss ich sagen, dass ich die 2te und 3te sehr mag, sie jedoch kaum höre, weshalb ich hier auch schwach bestückt bin. (Es gibt noch soviel anderes). Das späte Klavierwerk habe ich mir noch völlig aufgehoben.
Neben der Nr. 3 mit Annie Fischer, besitze ich die Philips Einspielungen von Arrau und das gesammte Klavierwerk mit Katchen.
Sehr interessant fand ich mal eine Rezension über die Op. 5 unter Edwin Fischer. Das muss eine frühe Einspielung für EMI gewesen sein. Kennt die jemand?
Zelenka (03.08.2008, 21:34): Original von Dr. Schön Zu den Sonaten muss ich sagen, dass ich die 2te und 3te sehr mag, sie jedoch kaum höre, weshalb ich hier auch schwach bestückt bin. (Es gibt noch soviel anderes). Das späte Klavierwerk habe ich mir noch völlig aufgehoben.
Neben der Nr. 3 mit Annie Fischer, besitze ich die Philips Einspielungen von Arrau und das gesammte Klavierwerk mit Katchen.
Sehr interessant fand ich mal eine Rezension über die Op. 5 unter Edwin Fischer. Das muss eine frühe Einspielung für EMI gewesen sein. Kennt die jemand?
Lieber Herr Dr. Schön:
Ja, es gibt viel anderes ...
Ich besitze zwei Versionen von op. 5 mit Edwin Fischer, eine Radioaufnahme (RAI 1948, Music & Arts) und die EMI-Einspielung von 1949 (Andante). Die Radioaufnahme ist problematisch, die von EMI genießt einen gewissen klassischen Status. Ob er wirklich gerechtfertigt ist? Manuell-technisch scheint Fischer ein wenig überfordert, auch wenn die Kräfte fehlen, muß man aber wohl den Willen anerkennen ...
Gruß, Zelenka
Amadé (04.08.2008, 00:00): Original von Zelenka Ich besitze zwei Versionen von op. 5 mit Edwin Fischer, eine Radioaufnahme (RAI 1948, Music & Arts) und die EMI-Einspielung von 1949 (Andante). Die Radioaufnahme ist problematisch, die von EMI genießt einen gewissen klassischen Status. Ob er wirklich gerechtfertigt ist? Manuell-technisch scheint Fischer ein wenig überfordert, auch wenn die Kräfte fehlen, muß man aber wohl den Willen anerkennen ...
KLassischer Status?? Es gab damals keine andere Platte der 3.Sonate mit einem renommierten Pianisten . Die EMI-Aufnahme war überhaupt die erste , sie wurde 1949 in London unter Aufsicht von Walter Legge erstellt. Im selben Jahr spielte auch Artur Rubinstein seine erste von zwei Aufnahmen, auf pianistisch viel höherem Niveau. Ein paar Jahre später kam dann Solomon mit seiner superben Aufnahme.
Grüße Amadé
Amadé (04.08.2008, 10:27): Ach da habe ich noch vergessen, 1949 kam ein 23 jähriger Amerikaner noch London, später ließ er sich dann in Paris nieder, und durfte als seine erste Platte überhaupt die f-moll Sonate op.5 aufnehmen.
1949 war ein richtiges Brahms-Jahr, was op.5 betraf.
Grüße Amadé
ab (04.08.2008, 13:56): Original von Zelenka Wenn ich recht geschaut habe, ist Annie Fischers Live-Version der 3. Sonate von den Edinburgher Festspielen 1961 (BBC Legends) noch nicht in diesem Faden erwähnt worden:
Trotz aller kleineren Mißgriffe und trotz aller Hustenanfälle im Publikum scheint mir diese Aufnahme nach einem ersten Hören eine der großen des op. 5 zu sein. Die Interpretation ist in sich stimmig und ungeheuer beseelt. Ich fürchte, sie läßt u.a. Arrau deutlich hinter sich.
Gruß, Zelenka
Off Topic: Und der Rest der CD? Ist er genauso empfehlenswert? Danke!
Zelenka (04.08.2008, 16:12): Original von Amadé Original von Zelenka Ich besitze zwei Versionen von op. 5 mit Edwin Fischer, eine Radioaufnahme (RAI 1948, Music & Arts) und die EMI-Einspielung von 1949 (Andante). Die Radioaufnahme ist problematisch, die von EMI genießt einen gewissen klassischen Status. Ob er wirklich gerechtfertigt ist? Manuell-technisch scheint Fischer ein wenig überfordert, auch wenn die Kräfte fehlen, muß man aber wohl den Willen anerkennen ...
KLassischer Status?? Es gab damals keine andere Platte der 3.Sonate mit einem renommierten Pianisten . Die EMI-Aufnahme war überhaupt die erste , sie wurde 1949 in London unter Aufsicht von Walter Legge erstellt. Im selben Jahr spielte auch Artur Rubinstein seine erste von zwei Aufnahmen, auf pianistisch viel höherem Niveau. Ein paar Jahre später kam dann Solomon mit seiner superben Aufnahme.
Grüße Amadé
Lieber Amadé:
Es gibt Leute, die Edwin Fischers EMI-Version für einen Klassiker halten, ich hatte das ein wenig relativiert.
Die Studio-Diskographie der 3. Brahmssonate hat spätestens schon im Jahre 1926 mit Percy Grainger begonnen, 1939 hat sie Harold Bauer aufgenommen (beide Versionen sind bei Biddulph zumindest erhältlich gewesen). 1949 hat sich auch noch Cherkassky im Auftrag von Vox an der Sonate versucht. Katchens Version aus demselben Jahr hast Du nachgetragen, sie ist auch in einer der Katchen-Folgen der "Great Pianists" (Philips) erschienen und dem Stereo-Remake überlegen.
Gruß, Zelenka
Zelenka (04.08.2008, 16:16): Original von ab Original von Zelenka Wenn ich recht geschaut habe, ist Annie Fischers Live-Version der 3. Sonate von den Edinburgher Festspielen 1961 (BBC Legends) noch nicht in diesem Faden erwähnt worden:
Trotz aller kleineren Mißgriffe und trotz aller Hustenanfälle im Publikum scheint mir diese Aufnahme nach einem ersten Hören eine der großen des op. 5 zu sein. Die Interpretation ist in sich stimmig und ungeheuer beseelt. Ich fürchte, sie läßt u.a. Arrau deutlich hinter sich.
Gruß, Zelenka
Off Topic: Und der Rest der CD? Ist er genauso empfehlenswert? Danke!
Lieber ab:
Mir scheinen Bartóks 15 Ungarische Bauernlieder idiomatisch gespielt zu sein, ebenso das kleine Dohnányi-Werklein, aber ich kenne deren Diskographie kaum. Die beiden Liszt-Interpretationen halte ich für wohlgelungen, aber nicht unbedingt für außergewöhnlich.
Gruß, Zelenka
Amadé (04.08.2008, 17:51): Original von Zelenka Die Studio-Diskographie der 3. Brahmssonate hat spätestens schon im Jahre 1926 mit Percy Grainger begonnen, 1939 hat sie Harold Bauer aufgenommen (beide Versionen sind bei Biddulph zumindest erhältlich gewesen). 1949 hat sich auch noch Cherkassky im Auftrag von Vox an der Sonate versucht. QUOTE]
Da bist mir voraus, die von Grainger, Bauer und Cherkassky sind mir unbekannt. :I
Gruß Amadé
Amadé (04.08.2008, 17:55): Original von Zelenka Die Studio-Diskographie der 3. Brahmssonate hat spätestens schon im Jahre 1926 mit Percy Grainger begonnen, 1939 hat sie Harold Bauer aufgenommen (beide Versionen sind bei Biddulph zumindest erhältlich gewesen). 1949 hat sich auch noch Cherkassky im Auftrag von Vox an der Sonate versucht.
Da bist mir voraus, die von Grainger, Bauer und Cherkassky sind mir unbekannt. :I
Gruß Amadé
Zelenka (04.08.2008, 19:56): Original von Amadé Original von Zelenka Die Studio-Diskographie der 3. Brahmssonate hat spätestens schon im Jahre 1926 mit Percy Grainger begonnen, 1939 hat sie Harold Bauer aufgenommen (beide Versionen sind bei Biddulph zumindest erhältlich gewesen). 1949 hat sich auch noch Cherkassky im Auftrag von Vox an der Sonate versucht.
Da bist mir voraus, die von Grainger, Bauer und Cherkassky sind mir unbekannt. :I
Gruß Amadé
:D Kein Grund zum Weinen, ich habe sie auch noch nicht gehört ...
Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf die 1.Sonate in C-dur, die von der Entstehung her jedoch die 2. Ist. Melnikov spielt hier einen Bösendorfer-Flügel aus dem Jahr 1875, die Sonaten lagen 1852/53 vor, man kann also davon ausgehen, das Brahms auf solchen Instrumenten gespielt hat, möglicherweise auch die Sonaten. Der Beginn und gleichzeitig das Thema des 1.Satzes ist dem Thema des 1.Satzes der Hammerklaviersonate entlehnt und vom Komponisten weiter verarbeitet worden. Der Klang ist keinesfalls dick und füllig, eher schlank zu nennen, auch im tiefen Bass noch konturenscharf, auch bei vollgriffigem Klaviersatz bleibt er noch transparent. Brahms‘ Jugendwerk profitiert enorm von diesem lichten Klang, der eher „dicke“ Steinway nivelliert, auch wenn sich der Pianist um Transparenz bemüht. Eine besondere Wärme kann ich nicht feststellen, vielleicht ein Resultat der digitalen Reproduktion. Melnikov ist mit Verve und Klangsinn bei der Sache und geht den Verästelungen der Komposition mit hörbarem Erfolg nach. Im 2.Satz bringt Brahms schon hier einfache Variationen (sic!) über ein altdeutsches Minnelied. Den Schlusssatz bringt der Pianist zum Glühen. Also, insgesamt gesehen eine erfreuliche CD. Ich hoffe sehr, dass er die f-moll-Sonate, vielleicht gekoppelt mit den Balladen oder Variationen, nachschiebt.
Grüße Amadé
Heike (05.05.2012, 23:58): Mir gefällt die Melnikov- CD auch total gut. Über den Flügel ist schon einiges gesagt worden, ich liebe diesen Klang und bin ganz fasziniert davon, wie fein differenziert man da die tiefen Akkorde hört.
Was die Interpretation angeht, ist Melnikov es meiner Meinung nach fast schon behutsam angegangen. Also das Tempo ist nicht sehr hoch, dafür verschachtelt er sehr sorgsam die verschiedensten Stimmen und spürt auch den Brahmsschen depressiven Anklängen fein nach. Die CD gewinnt für mich mit jedem Hören. Heike