Lauer Beifall und Unverständnis bei der Premiere 22. Januar 1859 in Hannover und ein spektakulärer Mißerfolg wenig später im wichtigeren Leipziger Gewandhaus waren für Brahms erst einmal der Lohn für sein jahrelanges Ringen um die Fertigstellung seines ersten Klavierkonzerts. Material, das später im Konzert verwendet wird, taucht zuerst in einer verworfenen Sonate für zwei Klaviere auf, die nach Schumanns Selbstmordversuch entstand; es ging dann erst in Entwürfe für eine Symphonie ein, bevor es endgültig Bestandteil des Konzerts wurde. Es muß allein schon vonseiten der Schumanns ein ungeheurer Druck auf dem noch jungen Brahms gelastet haben, endlich ein Orchesterwerk zu produzieren.
Ich möchte hier nicht weiter den Konzertführern Konkurrenz machen, erinnert sei hier nur an den wahrhaft desolaten Eingang des Konzerts, der vielleicht ganz direkt an Schumanns Sturz von der Düsseldorfer Rheinbrücke anknüpft, an den zweiten, zärtlich intendierten Satz, der von Clara Schumann handelt und an den dritten, ein wenig enttäuschenden Satz, dessen Coda keineswegs ein Gegengewicht zum horrenden Beginn darstellt. Mit dem Finalsatz hat es sich Brahms offenbar ganz besonders schwer gemacht: Er hat in der Tat kein rechtes Ende finden können und zum Schluß bei Beethovens drittem Klavierkonzert Anleihen machen müssen. Auf mich macht der Schlußsatz nach den teils grausamen, teils zärtlichen Emotionen, die vorausgingen, eher den Eindruck eines unbefriedigenden Kompromisses. Ich will allerdings nicht soweit gehen, ihn banal zu nennen. Vielleicht wird uns auch nur gesagt, daß das Leben weiter geht nach dem unerhörten Chaos am Anfang des Konzerts. Vielleicht tröstlich, aber auch unbefriedigend, das Konzert eben doch ein Meisterwerk mit kleineren Schönheitsfehlern.
Nach einem enttäuschenden Beginn der Aufführungsgeschichte ist das Konzert natürlich dann ein Pfeiler der Konzertliteratur geworden, die Diskographie ist kaum überschaubar. Ich besitze im Moment 13 Aufnahmen, die nur einen verschwindend kleinen Ausschnitt des Verfügbaren darstellen:
Solomon, Philharmonia O, Kubelik (1952) Testament SBT1041 Curzon, Concertgebouw O, van Beinum (1953) Decca Original Masters 4750842 Gieseking, Südwestfunk-O, Rosbaud (1953) Tahra TAH409/412 Kempff, Sächsische Staatskapelle Dresden, Konwitschny (1957) DG Original Masters 4740242
Fleisher, Cleveland O, Szell (1958) Sony Masterworks Heritage MH2K63225 Curzon, LSO, Szell (1962) Decca The Classic Sound 4250822 Arrau, NDR Symphony O, Schmidt-Isserstedt (1966) EMI NDR Klassik CMS5628482 Serkin, Cleveland O, Szell (1968) Sony Essential Classics SBK48166 Gilels, BPO, Jochum (1972) DG Originals 4474462 Brendel, Royal Concertgebouw O, Schmidt-Isserstedt (1973) Philips Trio 4732672
Weissenberg, Philadelphia O, Muti (1983) EMI Nipper Collection 724358579925 Brendel, BPO, Abbado (1986) Philips Great Pianists of the 20th Century 4567332 Kovacevich, LPO, Sawallisch (1991) EMI Double Forte CZS5756552
(Weissenberg habe ich mir speziell aus Anlaß dieses Fadens beschafft nach Recherchen, die mich erwarten ließen, daß er aus dem Forum heraus als Referenzaufnahme empfohlen werden könnte.)
Welche Kriterien lege ich bei der folgenden Besprechung an? Ich gehe erst einmal von der Tatsache aus, daß das Konzert nicht das Werk eines alten Mannes ist. Ich wünsche auch in den lyrischsten Passagen Bewegung nach vorn und kein Stehenbleiben und Auskosten. Wo es geboten ist, verlange ich zupackendes Spiel, das nicht in Tastengedonnere ausarten, sondern stets transparent bleiben sollte. Und ich möchte hier kein sachliches, "objektives" Spiel, ein wenig Romantik muß schon sein.
Mono-Aufnahmen
Solomon: Im Falle meiner ältesten Aufnahme ist es jammerschade, daß die Aufnahmequalität oder der Tansfer nicht besser sind, man hört trotzdem bestens das poetische und gleichzeitig glasklare Spiel des Solisten.
Curzon/van Beinum: Etwas besser als Solomon hinsichtlich der Aufnahmequalität, stellenweise hochpoetisches Spiel, eine sehr gute Orchesterleistung.
Gieseking: Wie zu lesen ist, ein ungeprobter Durchgang … Gieseking spielt sich während des Konzerts ein und wird gegen Ende konkurrenzfähig. Nicht das einzige Mal, daß Gieseking meinte, ohne Proben auskommen zu können.
Kempff: Hier fehlt einfach Spannung, die Orchesterleistung und das Dirigat sind nur durchschnittlich. Kempffs Spiel ist stellenweise erwartungsmäß fast nicht von dieser Welt (in den lyrischen Passagen), aber das reicht leider nicht für eine Empfehlung.
Stereoaufnahmen
Fleisher: Straff geführt von Szell (besonders in den Außensätzen), ein junger Pianist, der bestimmt nicht stehen bleibt, nur der Mittelsatz erscheint mir ein wenig nüchtern. Die Aufnahmequalität ist eher mäßig. Leider!
Curzon/Szell: Wieder unter Szell (aber nicht mit dem Cleveland Orchestra) geht es hier erheblich geruhsamer zu als auf der Fleisher-Aufnahme. Das Spiel Curzons ist mir bei aller Schönheit in den letzten Tagen dann doch stellenweise ein wenig zu statisch erschienen. Bis dahin meine Lieblingsaufnahme.
Arrau: Insgesamt eine gute bis sehr gute Leistung vom Solisten, dem Orchester und dem Dirigenten, aber keineswegs herausragend. Auch hier fehlt Spannung. Ich kenne leider nicht Arraus Aufnahme des Konzerts unter Giulini (EMI).
Serkin: Noch einmal Szell als Dirigent. Die beiden ersten Sätze werden noch ein wenig schneller genommen als auf der Fleisher-Aufnahme. Nicht zu monumental, andererseits auch nicht zurückhaltend-lyrisch. Über Kopfhörer gut wahrnehmbar das schwere Atmen des Solisten.
Gilels: Gilels ist – ob laut, ob lyrisch-leise - durchgehend ausgezeichnet, Jochum sicher ein exzellenter Begleiter. Diese Aufnahme weist den langsamsten ersten Satz aller meiner Aufnahmen auf, eine Folge ist, daß einige Details, die sonst eher untergehen, deutlich zu hören sind. Große Dynamik. Keine Verlust an Spannung.
Brendel/Schmidt-Isserstedt: Brendel ist kein Gilels, der immer noch ein wenig mehr in Reserve hat, ansonsten in jeder Hinsicht eine ausgezeichnete Aufnahme.
Digitale Aufnahmen
Weissenberg: Fingerfertiges (objektives) Spiel von Weissenberg, das mich nicht anrührt und kalt läßt. Gute Begleitung.
Brendel/Abbado: Siehe Brendel/Schmidt-Isserstedt
Kovacevich: In jeder Hinsicht ausgezeichnet, gerade im Mittelsatz sehr beseeltes Spiel, das aber nie in Gefahr kommt, statisch zu werden.
Am Ende werde ich dieses Mal keine eindeutige Spitzenempfehlung nominieren, was vielleicht feige sein mag. Das Wiederhören hat mir jedoch klargemacht, wie abhängig mein Urteil von meiner Tagesbefindlichkeit ist. Die meisten der vorgestellten Aufnahmen sind unbedingt hörenswert. Meine zwei Favoriten sind im Moment jedoch:
In jüngster Zeit sind Aufnahmen des Konzerts mit Krystian Zimerman/BPO/Rattle und Nelson Freire/Gewandhaus O/Chailly erschienen. Ich habe nur den letzten Satz von Freires Aufnahme im Radio gehört. Sehr gut, aber nicht so gut, daß ich gleich bestellt hätte.
Und damit erst einmal ein Ende! Zeit für Einwürfe und alternative Vorschläge!
Gruß,
Zelenka
Cosima (22.06.2006, 18:16): Lieber Zelenka,
Du hast es ja doch getan! Gut - danke! :down
Leider bin ich momentan zu sehr im Banne der WM, weshalb ich erst später auf Details eingehen kann. Werde ich aber nachholen! Ich denke aber, dass Fleisher/Szell meine favorisierte Einspielung ist. (Bzgl. Weissenberg musste ich schmunzeln.)
Apropos Weissenberg: Wo ist eigentlich Frank? ?(
Gruß, Cosima
ab (23.06.2006, 10:37): Original von Zelenka Fleisher: Straff geführt von Szell (besonders in den Außensätzen), ein junger Pianist, der bestimmt nicht stehen bleibt, nur der Mittelsatz erscheint mir ein wenig nüchtern. Die Aufnahmequalität ist eher mäßig. Leider!
Der Klang - so schlecht ist er nun auch wieder nicht! - rührt wohl daher, dass es sich um einen Monomittschnitt verschiedener Bänder handelt, die dann später zu einem quasi Stereo zusammengefügt sein sollen, so weit ich mich entsinne.
Gilels: Gilels ist – ob laut, ob lyrisch-leise - durchgehend ausgezeichnet, Jochum sicher ein exzellenter Begleiter. Diese Aufnahme weist den langsamsten ersten Satz aller meiner Aufnahmen auf, eine Folge ist, daß einige Details, die sonst eher untergehen, deutlich zu hören sind. Große Dynamik. Keine Verlust an Spannung.
Bist Du sicher, dass nicht Gould/Bernstein noch langsamer sind und womöglich auch Buchberger/Harnoncourt?
Völlig unverständlich ist mir, dass Backhaus nicht erwähnt wird!
Mein Favoriten ist im Moment ebenfalls:
Zelenka (23.06.2006, 13:05): Original von ab Original von Zelenka Fleisher: Straff geführt von Szell (besonders in den Außensätzen), ein junger Pianist, der bestimmt nicht stehen bleibt, nur der Mittelsatz erscheint mir ein wenig nüchtern. Die Aufnahmequalität ist eher mäßig. Leider!
Der Klang - so schlecht ist er nun auch wieder nicht! - rührt wohl daher, dass es sich um einen Monomittschnitt verschiedener Bänder handelt, die dann später zu einem quasi Stereo zusammengefügt sein sollen, so weit ich mich entsinne.
Gilels: Gilels ist – ob laut, ob lyrisch-leise - durchgehend ausgezeichnet, Jochum sicher ein exzellenter Begleiter. Diese Aufnahme weist den langsamsten ersten Satz aller meiner Aufnahmen auf, eine Folge ist, daß einige Details, die sonst eher untergehen, deutlich zu hören sind. Große Dynamik. Keine Verlust an Spannung.
Bist Du sicher, dass nicht Gould/Bernstein noch langsamer sind und womöglich auch Buchberger/Harnoncourt?
Völlig unverständlich ist mir, dass Backhaus nicht erwähnt wird!
Mein Favoriten ist im Moment ebenfalls:
Lieber ab:
Besten Dank für Deine Zeilen! Zum Klang der Fleisher/Szell-Aufnahme: Ich habe die Klangqualität als mäßig bezeichnet und bleibe auch dabei. Der Klavierton ist im Prinzip in Ordnung (vielleicht ein wenig zu metallisch), ziemlich verzerrt und dünn klingen allerdings die Geigentutti z.B. Das alles tut der künstlerischen Leistung keinen Abbruch, und ich hätte die Aufnahme nicht als eine von beiden Spitzenempfehlungen genannt, wenn ich den Klang hier nicht einigermaßen akzeptabel gefunden hätte. Solomon z.B. ist einfach wegen des Klangs auf der Strecke geblieben.
Gilels'/Jochums Geschwindigkeit: Ich habe meinen Plattenschrank geöffnet, ich habe keine Aufnahmen berücksichtigt, die ich nicht kenne. Gilels/Jochum benötigen für den ersten Satz 24'15'', sie sind damit mindestens um etwa anderthalb Minuten langsamer als Arrau und die beiden Brendel, die in der Rangliste der Langsamen folgen. Ob Gould/Bernstein und Buchbinder/Harnoncourt (ich nehme an, nicht Buchberger!, es gibt ein Buchberger-Quartett) langsamer sind, müssen leider andere eruieren, ich habe die Aufnahmen nicht zur Hand.
Was Backhaus angeht: Auch ihn kenne ich leider nicht im ersten Konzert, ich besitze nur sein zweites mit Schuricht. So mußte er leider hier fehlen. Meine Sammlung ist leider sehr begrenzt. Mich interessiert aus der frühen Zeit z.B. auch Schnabel. Ich bin natürlich, wie ich am Ende meiner Fadeneröffnung angedeutet habe, sehr dankbar für Hinweise auf andere interessante Aufnahmen, die ich nicht besitze!!! Und beneide Dich natürlich, wenn Du einen volleren Plattenschrank besitzt.
Allerbeste Grüße,
Zelenka
Cosima (23.06.2006, 15:24): Original von Zelenka Ich bin natürlich, wie ich am Ende meiner Fadeneröffnung angedeutet habe, sehr dankbar für Hinweise auf andere interessante Aufnahmen, die ich nicht besitze!!! Und beneide Dich natürlich, wenn Du einen volleren Plattenschrank besitzt.
Liebe Gemeinde,
falls es neuerdings hier darum geht, wer den vollsten Plattenschrank hat, so muss ich wohl zukünftig ganz passen: Ich besitze nicht eine einzige Platte, geschweige denn einen Plattenschrank. Und ich beabsichtige auch nicht, erst sämtliche empfehlenswerte Interpretationen eines Werkes zu hören, bevor ich einen entsprechenden Thread in diesem Forum eröffne.
Zum Thema äußere ich mich später.
Gould/Bernstein ist übrigens momentan im neuen Sony-Gewand auf den Markt gekommen, ich überlegte gestern noch, ob ich sie mir zulegen solle. Allein wegen des einleitenden Kommentars von Bernstein würde sich die Anschaffung ja schon lohnen. :D
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7194487.jpg
Gruß, Cosima
Zelenka (23.06.2006, 16:09): Original von Cosima
Liebe Gemeinde,
falls es neuerdings hier darum geht, wer den vollsten Plattenschrank hat, so muss ich wohl zukünftig ganz passen: Ich besitze nicht eine einzige Platte, geschweige denn einen Plattenschrank. Und ich beabsichtige auch nicht, erst sämtliche empfehlenswerte Interpretationen eines Werkes zu hören, bevor ich einen entsprechenden Thread in diesem Forum eröffne.
Gruß, Cosima
In der Tat sollte das Eröffnen von Fäden nicht von der Größe des CD-Schranks, der Zahl der laufenden Meter CD-Regal oder der Höhe von CD-Stapeln abhängen.
Gruß,
Zelenka
(Gemeindemitglied)
Cosima (23.06.2006, 16:17): Original von Zelenka In der Tat sollte das Eröffnen von Fäden nicht von der Größe des CD-Schranks, der Zahl der laufenden Meter CD-Regal oder der Höhe von CD-Stapeln abhängen.
Apropos Fäden: Ich hätte alternativ einen gut sortierten Nähkasten zu bieten.
Um trotz des Fußball-Fiebers etwas mehr oder weniger Konstruktives zu diesem Thread beitragen zu können, stelle ich schon einmal die Pianisten vor, deren Einspielungen sich bei mir finden: Arrau, Fleisher, Rubinstein, Serkin, Weissenberg, Zimerman. Kein Backhaus weit und breit (aber immerhin das 2. mit ihm ist vorhanden)!
Gruß, Cosima (<
auch Gemeindemitglied, ausgelassen heute) :engel
fohlenfanatiker (23.06.2006, 19:00): Hallo, mir geht es ähnlich wie Cosima: Wegen des WM-Fiebers kommt man kaum dazu, Musik zu hören und erst recht nicht, hier zu schreiben. Meine Sammlung des 1. KK besteht aus: Zimerman/Bernstein Zimeran/Rattle Brendel/Abbado Rubinstein/Leinsdorf Weissenberg/Muti Pollini/Abbado Gould/Bernstein Fleisher/Szell immerhin acht an der Zahl. Aber welche ist die beste? Ich weiß es nicht. Original von Zelenka Das Wiederhören hat mir jedoch klargemacht, wie abhängig mein Urteil von meiner Tagesbefindlichkeit ist genau das ist es. Mal lieb ich es temperamentvoll, mal ruhiger und sanfter. Ich kann mich auch nicht hinsetzen und eine Aufnahme nach der anderen hören, ich bin eben kein "Musikkritiker" sondern nur Genießer. Alle von mir genannten Aufnahmen sind hörenswert. Zu erwähnen ist für mich noch, dass Rubinstein den 2.Satz wirklich vorzüglich spielt. Ich kann es aber nicht so schön (oder vielleicht sollte man es auch maniriert nennen) beschreiben wie Herr Kaiser dies auf der Rubinstein-Cd tut. Hörenswert ist diese Interpretation aber allemal.
Carola (23.06.2006, 21:36): Ich bevorzuge Brahms eher in kammermusikalischen Dosen, deshalb kann ich zu dem Faden hier leider wenig beitragen. Gestern habe ich mir aber noch mal meine einzige Aufnahme der beiden Klavierkonzerte mit Elisabeth Leonskaja angehört:
Ich kann die Aufnahme nicht wirklich beurteilen, dazu kenne ich das Stück zu wenig. Aber was ich höre, gefällt mir. Zumal ich jetzt "Zelenka-amtlich" bestätigt bekommen habe, dass man den 3. Satz ruhig ein wenig seltsam und zerrissen finden kann.
Mit Gruß von Carola
@ Richard: Ja, die Zacharias CDs mit Mozart Klavierkonzerten sind ebenfalls heute bei mir angekommen, habe aber erst kurz reingehört. Zacharias hat die Konzerte mit fünf unterschiedlichen Orchestern eingespielt, ich bin gespannt auf die Unterschiede.
nikolaus (23.06.2006, 21:53): @ Cosima
Apropos Fäden: Ich hätte alternativ einen gut sortierten Nähkasten zu bieten.
:J :J :J Ich liebe deinen Humor, lag fast unter dem Tisch! :rofl :rofl :rofl
Ich kann leider weder mit einem Plattenschrank noch mit einem Nähkasten dienen...
In meiner bescheidenen CD-Sammlung finden sich zwei Aufnahmen mit Brahms 1. Klavierkonzert:
Andsnes/Rattle und Grimaud/Sanderling
Letztere habe ich mir gekauft, nachdem ich Grimaud live unter Metzmacher mit diesem Konzert erlebt habe. Nach etwas schwachem Start sprang Ende des ersten Satzes auf einmal der Funke zwischen Grimaud, Metzmacher, Orchester und dann auch mir über und ich war dann sehr begeistert. Die CD kommt dem nicht gleich, schade. Wenn ich Andsnes und Grimaud (aus der Erinnerung, ich habe sie länger nicht mehr gehört) vergleiche, würde ich Grimaud als die "dunklere" und etwas emotionalere von beiden beschreiben, während Andsnes klarer, vielleicht auch etwas virtuoser spielt. Beide gefallen mir, sind für mich aber noch nicht der Weisheit letzter Schluß, so daß ich mir sicher noch eine Alternative zulegen werde. Anregungen habe ich dank euch ja mehr als genug :wink
:hello Nikolaus.
AcomA (23.06.2006, 23:06): hallo,
ich habe das 1. konzert damals während der schulzeit erst nach dem b-dur konzert kennengelernt undzwar mit pollini/wiener philh./böhm. in der weiteren zeit habe ich dann aufnahmen besessen mit gilels, arrau, gelber, rubinstein, weissenberg, oppitz, zimerman, gutierrez. die aufnahme des jungen pollini mit dem alten böhm gehört für mich immer noch zu den ganz starken aufnahmen. diese interpretation überzeugt in allen sätzen genauso wie die aufnahme des jungen bruno leonardo gelber als auch des jungen krystian zimerman (wenn auch zimerman selbst diese aufnahme nicht gelten lässt). überhaupt bin ich der ansicht, dass das d-moll konzert ideale interpreten in jungen pianisten mit herz findet.
es gibt eine weitere aufnahme, die für mich zum besten gehört: diese aufnahme ist beeindruckend, eine der besten mit alexis weissenberg. weissenberg hat eine teilweise sehr archaische bis gewalttätige art des spiels. muti ist ja eher ein klangästhet mit seinem damaligen philadelphia orchestra. diese paarung ist ein tolles gemisch. ich kenne keine aufnahme, wo die triller im ersten satz so durchschlagend präsentiert werden. und im zweiten satz zwingt sich weissenberg zu ruhig-kantablem spiel.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1028890.jpg
gruß, siamak :engel
Zelenka (24.06.2006, 11:47): Original von Carola
Ich kann die Aufnahme nicht wirklich beurteilen, dazu kenne ich das Stück zu wenig. Aber was ich höre, gefällt mir. Zumal ich jetzt "Zelenka-amtlich" bestätigt bekommen habe, dass man den 3. Satz ruhig ein wenig seltsam und zerrissen finden kann.
Liebe Carola:
Ich darf mich leider nicht mit fremden Federn schmücken: Die Idee, daß Brahms sich im letzten Satz bei Beethoven kräftig bedient habe, geht in diesem Falle auf Charles Rosen zurück ("Influence: Plagiarism and Inspiration," 19th-Century Music 9/1 (1985).
Eher nicht-amtlich,
Zelenka
Rachmaninov (24.06.2006, 12:54): @Zelenka,
schön das der Brahms Klavierthread so gut läuft!
Ein wirklich sehr schönes Klavierkonzert mit genug Raum für Solisten und Orchester sich zu präsentieren.
Die von die favorisierte Aufnahme
steht in meiner Gunst auch ganz oben. Fleisher war ein wunderbarer Pianist und glänzt beim Brahmskonzert.
Die Aufnahe von L. Bernstein mit G. Gould höre ich nur noch wenn ich mir nochmal die Einleitung von Bernstein anhören möchte :rofl
Gilels / Jochum hatte ich vor einiger Zeit gekauft und bisher erst einmal gehört.
Werde ich die kommenden Tage wiederholen.
Die neue Zimerman / Rattle Aufnahme glänzt durch das sehr gut geführte Orchester und den tollen Klang. Mir ist Zimerman aber irgendwie zu "glatt" und lediglich das Konzert auf einer vollpreisigen CD wares mir nichtwert.
Was "sprach" gegen die Freire Aufnahme?
Zelenka (24.06.2006, 13:36): Original von Rachmaninov Was "sprach" gegen die Freire Aufnahme?
Lieber Rachmaninov:
Gegen die Freire-Aufnahme, von der ich nur den letzten Satz gehört habe, spricht im Prinzip nichts. (Die Aufnahmequalität könnte allerdings etwas besser sein, scheint mir.) Es ist nur, daß ich sie wohl nicht unbedingt haben muß, sie würde, habe ich den Verdacht, nichts richtig Neues bringen.
Gruß,
Zelenka
Jeremias (24.06.2006, 15:33): Ich habe das Konzert erstmals mit etwa 16 Jahren gehört, als mein Vater abends eine alte LP auflegte, Pianist war Gary Graffman. sofort hat mich dieses Konzert fasziniert (ebenso wie den 13jährigen Rubinstein, der fürchtete, sein Lehrer würde ihm verbieten dieses Konzert zu spielen, es ihm aber aufgab mit den Worten, es sei großartige Musik). Meine erste Aufnahme war die mit R. Serkin, mittlerweile sind es bestimmt 20 Stück. Zu meinen Favoriten zählen natürlich Zimerman und Pollini, aber auch Oppitz und insbesondere Gutierrez. Ich hatte zudem einmal das große vergnügen, den ersten Satz unter Begleitung meiner hochverehrten Lehrerin an 2 Flügeln aufzuführen. Es war für mich das schönste Konzert, das ich je gespielt habe....
Brahms gehört zu meinen liebsten Komponisten, sein 1. Klavierkonzert zu meinen liebsten Klavierkonzerten. Besonders mag ich den dritten, sehr kraftvollen Satz.
Ich kann nachempfinden, weshalb Clara Schumann so angetan war von diesem Mann und weshalb diese beiden Menschen eine innige Freundschaft bis auf den Tod verband. :) Er muss ein großartiger Mann gewesen sein, auch mit einer herrlichen Art von Humor ausgestattet, die zwischen Selbstbewusstsein und Selbstkritik pendelte. Zelenka wies bereits auf den Misserfolg der Uraufführung hin:
Lauer Beifall und Unverständnis bei der Premiere 22. Januar 1859 in Hannover und ein spektakulärer Mißerfolg wenig später im wichtigeren Leipziger Gewandhaus waren für Brahms erst einmal der Lohn für sein jahrelanges Ringen um die Fertigstellung seines ersten Klavierkonzerts.
Brahms selber schreibt danach an Joachim, der ihm als beratender Freund während der Fertigstellung der Partitur zur Seite stand:
Noch ganz berauscht von den erhebenden Genüssen, die meinen Augen und Ohren durch den Anblick und das Gespräch der Weisen unserer Musikstadt schon mehrere Tage wurden, zwinge ich diese spitze Sahrsche Stahlfeder Dir zu beschreiben, wie es sich begab und glücklich zu Ende geführt ward, dass mein Konzert hier glänzend und entschieden – durchfiel.
Herrlich dieser Stil, nicht wahr!? :down
Zu den Interpretationen:
Meine beiden favorisierten Einspielungen sind:
Fleisher, Cleveland O, Szell (1958) Sony Masterworks Heritage: Sie wurde schon mehrfach genannt, deshalb erspare ich mir weitere Kommentare. Aber die Klangqualität ist doch sehr gut! Ich besitze allerdings auch die remasterte Version.
Weissenberg, Philadelphia O, Muti (1983) EMI Nipper Collection: Ich schließe mich Siamaks Ausführungen zur Gänze an!
An dritter Stelle – mit etwas Abstand - würde ich noch Zimerman / Rattle nennen. Ich schrieb bereits an anderer Stelle, dass mir diese Aufnahme jedoch fast etwas zu perfekt erscheint. Sie ist großartig, aber ich bin mir nach wie unschlüssig, ob ich sie lieben soll oder nicht.
Arrau: Insgesamt eine gute bis sehr gute Leistung vom Solisten, dem Orchester und dem Dirigenten, aber keineswegs herausragend. Auch hier fehlt Spannung. Ich kenne leider nicht Arraus Aufnahme des Konzerts unter Giulini (EMI).
Die Arrau / Giulini-Aufnahme habe ich noch einmal angehört. Obgleich sie mir sehr gut gefällt, reicht sie m.E. nicht ganz an Weissenbergs und Fleishers Einspielungen heran. Rubinstein / Mehta kann ich kaum etwas abgewinnen, dann lieber Serkin / Szell, obgleich mir letztere im direkten Vergleich mit Weissenberg auch eher lau erscheint.
Als ich vor einer Weile im Brahms-Fieber war, überlegte ich, mir die Katchen /Monteux-Aufnahme zuzulegen. Vielleicht kennt sie jemand und überzeugt mich davon, dass man sie unbedingt besitzen muss. Sie soll sehr gut sein.
Gruß, Cosima
P.S. an Jeremias: Respekt vor Deiner Leistung!
Zelenka (24.06.2006, 23:40): Original von Cosima
Ich kann nachempfinden, weshalb Clara Schumann so angetan war von diesem Mann und weshalb diese beiden Menschen eine innige Freundschaft bis auf den Tod verband. :) Er muss ein großartiger Mann gewesen sein, auch mit einer herrlichen Art von Humor ausgestattet, die zwischen Selbstbewusstsein und Selbstkritik pendelte.
Einfach haben es sich die beiden nicht gemacht. Eine wirklich hochkomplizierte Freundschaft (und vielleicht mehr)!
Gruß,
Zelenka
Cosima (24.06.2006, 23:44): Original von Zelenka Einfach haben es sich die beiden nicht gemacht. Eine wirklich hochkomplzierte Freundschaft (und vielleicht mehr)!
'Hochkompliziert' und' innig' müssen einander in Sachen Freundschaft ja nicht ausschließen. :engel
Ich bin aber nur vage im Bilde, da ich lediglich eine etwas dürftige Brahms-Biographie las.
Gruß, Cosima
Zelenka (24.06.2006, 23:50): Original von Cosima Original von Zelenka Einfach haben es sich die beiden nicht gemacht. Eine wirklich hochkomplizierte Freundschaft (und vielleicht mehr)!
'Hochkompliziert' und' innig' müssen einander in Sachen Freundschaft ja nicht ausschließen. :engel
Was unsere Meinungsunterschiede hinsichtlich der Klangqualität von Fleishers und Szells Einspielung des Konzerts angeht, gebe ich mich jetzt 3:1 geschlagen, nachdem ich gesehen habe, daß man bei classicstoday ein :times10 vergeben hat.
Gruß,
Zelenka
fohlenfanatiker (25.06.2006, 16:06): Original von Cosima Ich schrieb bereits an anderer Stelle, dass mir diese Aufnahme jedoch fast etwas zu perfekt erscheint. Sie ist großartig, aber ich bin mir nach wie unschlüssig, ob ich sie lieben soll oder nicht. Das verstehe ich nicht ganz. Wenn man etwas liebt, überlegt man dann vorher ob man es soll oder nicht? Oder nimmt man sich vor, etwas zu lieben? Ich finde die Aufnahme auch großartig, habe sie vor zwei Tagen nochmal gehört und fand sie toll. Ob es sich aber angesichts des Preises lohnt, sie unbedingt anzuschaffen, wenn man schon etliche Aufnahmen besitzt, ist eine andere Frage. Eine durchaus auch gut gelungene Einspielung ist die mit Brendel und Abbado auf Pianists of the century, die wohl mit dieser hier identisch sein dürfte
Die Fleisheraufnahme finde ich klanglich auch gut. Ich besitze sie erst seit kurzem und habe sie erst einmal gehört. Mir kam es vor als habe das Klavier ein bisschen wenig Temperament aber das soll keine besondere Kritik sein, ist halt alles Geschmacksache. Gruß
Cosima (25.06.2006, 20:37): Original von fohlenfanatiker Das verstehe ich nicht ganz. Wenn man etwas liebt, überlegt man dann vorher ob man es soll oder nicht? Oder nimmt man sich vor, etwas zu lieben?
Hallo Günter,
da spricht der Psychiater aus Dir, nicht wahr?! Ich könnte die Fragen wohl beantworten, halte dieses Forum aber nicht für den geeigneten Platz dafür. Demnächst auf Deiner Couch dann mehr von mir. :)
Gruß, Cosima
Cosima (26.06.2006, 19:22): Hallo,
in der aktuellen FF (Sie wird übrigens immer schlechter, ich werde nun mein Abo kündigen. Der Schumann gewidmete Artikel ist fast nichts sagend, sehr ärgerlich.) fand ich einen Hinweis auf die Einspielungen Moravecs der beiden Brahms-Konzerte. Das erste soll eher lyrisch-zart interpretiert sein. Kennt die Aufnahme jemand?
http://www.wom.de/image/cover/front/0/3553017.jpg
Gruß, Cosima
Carola (26.06.2006, 19:36): Original von Cosima Hallo,
in der aktuellen FF (Sie wird übrigens immer schlechter, ich werde nun mein Abo kündigen. Der Schumann gewidmete Artikel ist fast nichts sagend, sehr ärgerlich.) ...
Gruß, Cosima
Liebe Cosima,
interessant, dass Du das auch so wahrnimmst. Ich habe am Sonntag nämlich die Kündigung abgeschickt. Die Partituren werde ich aber behalten. Gerade am Schumann-Thema, das beide Zeitschriften gerade abhandelten, zeigte sich nach meinem Eindruck die höhere Qualität der Partituren.
Bis auf die Rezensionen. Aber dafür haben wir ja das Forum im allgemeinen und Zelenkas internationale Presseschau im besonderen. :beer
Mit Gruß von Carola
Cosima (26.06.2006, 19:41): Original von Carola interessant, dass Du das auch so wahrnimmst. Ich habe am Sonntag nämlich die Kündigung abgeschickt. Die Partituren werde ich aber behalten. Gerade am Schumann-Thema, das beide Zeitschriften gerade abhandelten, zeigte sich nach meinem Eindruck die höhere Qualität der Partituren.
Bis auf die Rezensionen. Aber dafür haben wir ja das Forum im allgemeinen und Zelenkas internationale Presseschau im besonderen.
Liebe Carola,
für den enorm gestiegenen Preis halte ich es für eine Unverschämtheit, was die Macher von FF insgesamt bieten! Ich lese ansonsten nur noch die Piano-News und überlege, ob ich sie stattdessen abonnieren werde.
Bzg. der Rezensionen stimme ich Dir zu: Es gibt viele andere gute Quellen, u.a. dieses Forum.
Gruß, Cosima :)
Zelenka (26.06.2006, 19:46): Original von Carola
Bis auf die Rezensionen. Aber dafür haben wir ja das Forum im allgemeinen und Zelenkas internationale Presseschau im besonderen. :beer
Mit Gruß von Carola
Die internationale Presseschau müßte dann wohl noch erheblich ausgebaut werden ... Aber es gibt ja www.classicstoday.com und www.gramophone.co.uk und wohl sogar immer noch www.klassik-heute.com ... Etc. Und natürlich das Forum. Es wird wohl auch in Zukunft genug Versuchungen geben, CDs zu kaufen ... :beer
Im Moment recht standhaft,
Zelenka
ab (28.06.2006, 10:12):
Gerade dazu etwa hier gelesen.
Cosima (28.06.2006, 12:41): Original von ab Gerade dazu etwa hier gelesen.
Danke für den Link.
"Mit Weichzeichner" - nein, lieber nicht.
Gruß, Cosima
ab (29.06.2006, 21:32): Gehört zwar eigentlich nicht hier her aber dennoch: Was ist davon zu halten?
Zelenka (30.06.2006, 17:51): Original von ab Gehört zwar eigentlich nicht hier her aber dennoch: Was ist davon zu halten?
Lieber ab:
Ich kenne die CD leider nicht, hier zwei Besprechungen:
Cosima (03.07.2006, 13:08): Auf classicstoday wird die Aufnahme Buchbinder/Harnoncourt neben Fleisher/Szell als Referenzaufnahme genannt, der Rezensent vergibt für Interpretation und Klang jeweils die Bestnote. Die CD ist günstig (für 4,99 Euro) zu bekommen:
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7785941.jpg
Vielleicht sollte man doch einmal hineinhören?
Gruß, Cosima
Tangua (04.07.2006, 12:54): Die Apex-CDs werden teilweise für 3,99€ angeboten, und ich finde die Einspielung wirklich sehr gut. Du solltest es riskieren - obwohl die Einspielung in einem anderen Forum nach meiner Erinnerung kontrvers beurteilt wurde.
Cosima (10.07.2006, 17:07): Hallo,
eine tolle Aufnahme des 1. Brahms-Klavierkonzertes ist auch jene mit William Kapell (unter D. Mitropoulos, 1953, live in New York, Music and Arts).
Natürlich ist die Klangqualität nicht mit heutigen Aufnahmen vergleichbar, aber Kapells Klavierspiel entschädigt für dieses Manko. Wieder bin ich beeindruckt von seinem unglaublichen Gefühl für Rhythmus. Kapell spielt intensiv, kraftvoll, lebendig und farbig; Kapell besitzt m.E. so etwas wie eine „natürliche Ästhetik“, besonders schön auszumachen in den langsameren Passagen. Wenn ich Kapell mit diesem Konzert höre, weiß ich wieder ganz genau, was mir z.B. bei Zimerman fehlt.
Ich habe einen richtigen Narren an diesem Pianisten gefressen – alles, was ich bislang von ihm gehört habe, gefällt mir außerordentlich gut! Dennoch möchte ich die Aufnahme – eben wegen des verhältnismäßig bescheidenen Klangs – vorrangig Anhängern dieses Künstlers ans Herz legen, diesen aber sehr eindringlich! Für eine Live-Aufnahme dieses Alters ist sie jedoch ordentlich.
Weiterhin enthalten auf der CD ist das 3. Prokofjew-Klavierkonzert (unter Leopold Stokowski, live in New York, 1949). Ich zitiere aus dem Booklet-Text, der sich mit meinem Eindruck deckt:
„Here is the pianist as Superman – aggressive, powerful, delighting in his own potency – accompanied by the eternally fascinating Stokowksi. “
Auch unbedingt hörenswert! Ich bin ganz hingerissen! :)
Gruß, Cosima
nikolaus (29.07.2006, 14:21): Ich muß nochmal diesen Faden aufnehmen:
Wie ich bereits weiter oben erwähnte, bin ich mit meinen beiden Aufnahmen (Andsnes und Grimaud) nicht 100%ig zufrieden. Heute hörte ich zufällig (wenn es den Zufall überhaupt gibt) den Beginn des Klavierkonzertes im Radio ohne zu wissen, wer spielt. Ich war ziemlich fasziniert, mußte leider aber Mitte des zweiten Satzes aufhören. Trotzdem glaubte ich, "meine" Aufnahme gefunden zu haben, immer noch nicht wissend, wer mich da überzeugt hat. Zu Hause angekommen habe ich sofort im Programm nachgeschaut: ich war ziemlich erstaunt, es war Krystian Zimermann unter Simon Rattle. Diese Aufnahme fand ich, als sie neu erschienen war, beim Probehören bei Saturn zwar gut, aber nicht außergewöhnlich. Jetzt bin ich irritiert: soll ich sie mir doch zulegen? Geht euch das auch manchmal so, daß ihr beim "Blindhören" anders urteilt, und wie geht ich damit um? Kann mir jemand einen Rat geben?
Ein ratloser Nikolaus ?(
Zelenka (29.07.2006, 15:03): Original von nikolaus Ich muß nochmal diesen Faden aufnehmen:
Wie ich bereits weiter oben erwähnte, bin ich mit meinen beiden Aufnahmen (Andsnes und Grimaud) nicht 100%ig zufrieden. Heute hörte ich zufällig (wenn es den Zufall überhaupt gibt) den Beginn des Klavierkonzertes im Radio ohne zu wissen, wer spielt. Ich war ziemlich fasziniert, mußte leider aber Mitte des zweiten Satzes aufhören. Trotzdem glaubte ich, "meine" Aufnahme gefunden zu haben, immer noch nicht wissend, wer mich da überzeugt hat. Zu Hause angekommen habe ich sofort im Programm nachgeschaut: ich war ziemlich erstaunt, es war Krystian Zimermann unter Simon Rattle. Diese Aufnahme fand ich, als sie neu erschienen war, beim Probehören bei Saturn zwar gut, aber nicht außergewöhnlich. Jetzt bin ich irritiert: soll ich sie mir doch zulegen? Geht euch das auch manchmal so, daß ihr beim "Blindhören" anders urteilt, und wie geht ich damit um? Kann mir jemand einen Rat geben?
Ein ratloser Nikolaus ?(
Lieber Nikolaus:
Wahrscheinlich sollte man viel öfter blindhören ... Im konkreten Falle habe ich Vorurteile sowohl gegenüber dem Pianisten als auch und besonders gegenüber dem Dirigenten. Vom Pianisten erwarte ich persönlich eine gewisse seelenlose Überperfektion. Wenn ich weiß, daß Z. spielt, werde ich mit einiger Sicherheit mich auf Dinge konzentrieren, die mein Vorurteil bestätigen sollen. Es ist leider so und wohl fast unvermeidlich. Ob Du die Aufnahme kaufen solltest? Kein Rat von mir, ich kenne sie nicht.
Gruß,
Zelenka
Jeremias (29.07.2006, 16:07): Ich habe mir damals die Zimerman Aufnahme direkt nach ihrem Erscheinen zugelegt. Klar, einige werden sagen, sie ist sogar fast zu perfekt, denn dieses Konzert ist eins, in dem der Pianist auch gerne mal ein wenig zuviel bringen darf, vielleicht hier und da mal ein Akkord zu laut o.ä. Das macht dieses Konzert ja aus. Bei Zimerman ist alles bis ins letzte hinein kalkuliert. Aber es ist hochinteressant, wie sich seine Deutung seit der Aufnahme mit Bernstein vor knapp 25 Jahren geändert hat. Ich werde diese CD hier bei Gelegenheit einmal rezensieren, aber soviel vorab: mit :times10 kommt man hierbei nicht aus. Für mich ist es die beste Aufnahme des Brahms-Konzertes und eine der besten CDs mindestens der letzten 10 Jahre!
AcomA (29.07.2006, 19:07): lieber Jeremias,
ich hörte nur den dritten satz des ersten brahms-konzertes mit krystian zimerman/rattle und verstehe deinen enthusiasmus ! ich muss jetzt eine aufnahme dieses konzertes besprechen, die ich mittlerweile für so stark halte, dass ich sie der auch von mir favorisierten aufnahme mit alexis weissenberg vorziehe !
es handelt sich um einen live-mitschnitt vom januar 1993 aus dallas. es spielen ivan moravec, das dallas symphony orchestra unter der leitung ihres chefdirigenten eduardo mata. der mitschnitt wurde herausgegeben von dorian rec.. die digital-aufnahme ist klanglich vorzüglich, vielleicht etwas untersteuert. ivan moravec vollbringt ein wahres wunder ! er spielt mit großer emphase und viel risiko ! der pedalgebrauch ist ähnlich bei zimerman (siehe dritter satz) sparsam, der symphonische impetus wird vom solisten und dem orchester in transparenter weise ausgeführt. eine IMO sternstunde des klavierkonzertes ! :down
http://www.ivanmoravec.net/images/al-dor90172.jpg
gruß, siamak :engel
fohlenfanatiker (29.07.2006, 20:14): Hallo Nikolaus, warum denn überlegen, wenn die Aufnahme beim Blindhören gefällt?? Wie ich schon weiter oben schrieb, find ich sie auch großartig und ich steh dazu. Ich überlege nicht, ob sie mir gefällt (Gruß an Cosima :haha :haha), sie gefällt einfach. Der einzige Nachteil besteht für mich darin, dass sie nur das eine Konzert enthällt und nicht gerade sehr preisgünstig ist. Aber inzwischen ist sie über marketplace schon relativ günstig zu haben. Also einfach zugreifen :beer :beer
nikolaus (29.07.2006, 20:23): @ fohlenfanatiker
warum denn überlegen, wenn die Aufnahme beim Blindhören gefällt??
Ja, da hast du wohl Recht. Also auf zu amazon!
Besten Dank, Nikolaus! :thanks
Rachmaninov (20.08.2006, 15:30): Zur Aufnahme Zimerman und den von Rattle geleiteten Berliner Philharmonikern habe ich nur in einem vorherigen Thread kurz etwas geschriben, da ich die Aufnahme zum damaligen Zeitpunkt erst einmal gehört hatte.
Mittlerweile besitze ich die Aufnahme selber. Mit einer leicht vorgefaßten Meinung: Berliner top - Rattle zu wenig gehört und Zimerman immer etwas "kalt" im Anschlag habe ich mir die Aufnahme mittlerweile mehrfach angehört.
Die Aufnahme ist einfach top. Hier wird auf höchstem Niveau musiziert und das Ergebniss ist ein fullminante und grandiose Aufnahme der 1. Klavierkonzerts. Zwar mag Zimerman dem einen oder anderen im Anschlag etwas kühl erscheinen, aber man höre sich einfach einmal das Finale des ersten Satzes an. Das ist einfach nur superbe.
Rattle leitet die Berliner schwungvoll und das Gesamtergebniss ist auch, den Aufnahmetechnikern sei dank, richtig gut aufgenommen. Da hört man jedes Instrument und auch in noch so "turbulenten" Phasen ist das Klavier sauber zu hören. :down
:times10
Rachmaninov (28.08.2006, 19:12): Jaja, ich weiß, ich bin thematisch noch etwas "hinten dran"!
Mittlerweile habe ich auch die Aufnahme des 1. Klavierkonzerts mit Freire und dem von Riccardo Chailly geführten Gewandhausorchster mehrfach gehört.
IMO kommt diese Aufnahme an der ebenfalls sehr neuen Aufnahme von Zimerman / Rattle mit den Berlinern nicht ran.
Zwar gefällt mir durchaus der Klavierklang Freires allerings überzeugt das Orchester unter Chailly weniger als die Berliner unter Rattle. Bei der letzt genannten Aufnahme ist das Orchester deutlich agiler, dynamischer und packender in Szene gesetzt.
Auch der Klang reicht bei der Decca Produktion nicht an die Aufnahme der DG ran.
Man höre nur im Finale des ersten Satzes wie Zimerman geradezu den Klavierpart heraus "meisselt". Blitz sauber ist dies zu hören während man bei der Decca Aufnahme doch teilweise an Grenzen stößt, sowohl was den Klavierklang als auch die Differenzierung der Instrumente im Orchester angeht.
Interpretation: 8 Klang: 7-8
Jeremias (07.09.2006, 17:21): Endlich habe ich ein wenig Zeit, ausführlich diese Aufnahme hier aus meiner Sicht zu rezensieren:
Vorab sei angemerkt, dass es schade ist, warum immer nur Netrebko/Villazon als das neue Traumpaar in der Klassikszene gelten. Rattle und Zimerman hätten diesen Titel eher verdient!
Krystian Zimerman ist ein absoluter Perfektionist. Nach den Chopin-Konzerten ist dies das 3. Werk, das er nach 25 Jahren erneut eingespielt hat. Einerseits bleibt er seiner Linie treu, jeder einzelne Ton ist wahrscheinlich hundertfach eingeübt, nichts dem Zufall oder einem spontanen Bauchgefühl überlassen. Andererseits merkt man ihm diese Arbeitsweise nicht mehr an, anders als noch zu Bernsteins Zeiten. Rattle beginnt das Konzert etwas forscher als noch Bernstein, es erscheint etwas homogener, nicht so pompös. Zimerman beginnt ebenfalls etwas verhaltener, aber nach etwa 1 Min. seines Spiels ist es schon wahnsinnig beeindruckend, wie er die Oktavtriller in den Flügel meißelt! Dann aber beginnt er zu singen. Das Konzert erscheint einem wie ein langes Gebet, wie eine Huldigung an Brahms und wie ein Dankeschön an den Schöpfer, dass Brahms und dieses wunderbare Konzert geschenkt hat! Ich kenne keine anderer Aufnahme, in der Pianist und Dirigent derart gut aufeinander abgestimmt sind, in welcher auch die Melodien einzelner Instrumente klanglich derart gut dargestellt werden. Höhepunkte hat der 1. Satz viele, vielleicht ist es aber doch das furiose Finale, in welchem Zimerman dem Orchester und auch dem Instrument alles abverlangt.
Der zweite Satz ist wohl das heimliche Highlight des Konzertes. Zimerman und Rattle nehmen sich weit über eine 1/4 Stunde Zeit um diesen Mittelsatz zu "zelebrieren". Hier merkt man v.a., warum das Konzert eher als eine Sinfonie mit obligatem Klavier anzusehen ist.
Der dritte Satz schließlich ist noch einmal eine Krönung des ganzen. Dieser satz ist technisch der mit Abstand schwerste des ganzen Konzertes, was man Zimerman natürlich nicht anmerkt. Er hat die verschiedenen Stimmungen total verinnerlicht, kann sich binnen Bruchteilen von Sekunden komplett umstellen. Immens schön ist auch sein Klang in der Kadenz. Er weiss es wie kaum ein anderer, die verschiedenen Klangmöglichkeiten des großen Steinway-Flügels auszunutzen.
Ich verneige mich vor einem der größten Pianisten aller Zeiten
:down
und ich gebe eine
:times10 :times10 :times10
daniel5993 (23.05.2008, 21:57): Guten Abend,
Die beiden Klavierkonzerte von Johannes Brahms waren die letzten Wochen meine musikalische Hauptnahrung. Ich besitze folgende Aufnahmen dieses ersten Klavierkonzerts.
Gilels/Jochum (noch versiegelt im Regal, äußere mich später dazu)
ich sehe gerade, dass mir Backhaus/Böhm noch fehlt
Ich kann mich Jeremias Lobeshymnen nur anschließen! Krystian Zimerman meistert auch für mich dieses erste Klavierkonzert am Überzeugensten und damit meine ich beide Aufnahmen, mit Simon Rattle (welche wohl klanglich die Bessere ist) und mit Leonard Bernstein (welche ich von beiden bevorzuge, weil ichs mir viele male auf DVD ansehen konnte und damit durch die Aura behafftet bin). Weniger gelungen halte ich Brendel/Abbado, wo mich das wieder mal zu zaghafte Dirigat Abbados regelrecht aufregt. Entgegen vieler negativer Aussagen, finde ich Glenn Gould in der Bernsteinaufnahme recht überzeugend! Die gemächliche Art im ersten Satz passt aus meiner Sicht sehr gut. Das ergibt ein tolles Bild. Eine aus meier Sicht unmögliche Aufnahme finde ich ist Horowitz/Toscanini (hab ich Probegehört). Eine fluchtartig schnelle und unschöne Aufnahme. Noch einen drauf legt "Tosca" beim zweiten KK. :B
Ohne Frage, dieses erste Klavierkonzert ist himmlisch (auch wenn ich das zweite Klavierkonzert bevorzuge)! Nach den letzten beiden Klavierkonzerten Beethovens dachte ich, dass mir niemand mehr etwas beibringen kann, dass mich nichts mehr so begeistern kann..........und dann hörte ich Brahms :down und Pustekuchen. Jetzt denke ich, dass mir nach den Klavierkonzerten Brahms nichts mehr derart Begeistern kann..........
Seine Klavierkonzerte sind für mich der Gipfel der "Klaviersymphonien"!
Gruß Daniel
ab (24.05.2008, 13:52): An anderer Stelle schrieb ich bereits:
Wollte noch nachtragen, letztes Wochendende im Radio zu Beginn des langsamen Satzes von Brahms 1. Klavierkonzert zugeschaltet zu haben. Da hörte ich erstmals in meinem Leben eine Einspielung, die ganz aus dem Geiste der Klassik, nämlich Beethovens getragen war. Ich war höchst fasziniert und wäre auch - hätte der Solist nur etwas mehr Klangfarben gehabt - höchst begeistert gewesen. Auch das Zusammenspiel zwischen (färbigerem) Orchester und Solisten war sehr erfreulich. Es war dann Cedric Tiberghien und das BBC Symphony Orchestra unter Jiri Belohlavek bei harmonia mundi (HMC 901977). Hört euch das einmal an!
und dann: Bin heute bei einem Laden vorbeigekommen und konnte mich nicht zurückhalten, die Zeit zu investieren, um nach den oben geschilderten Radioerfahrungen nochmals in Brahms 1. Klavierkonzert mit Cedric Tiberghien, BBC So, Jiri Belohlavek hineinzuhören, diesmal auch den 1. Satz. Wirklich die erste sozusagen lyrische Interpretation mit wunderbarer durchsichtiger Durchgestaltung. Höchst interessant!
Wer von euch hat diese Aufnahme gehört und möchte von seinen Eindrücken berichten? :thanks
Rachmaninov (24.05.2008, 14:57): Original von ab An anderer Stelle schrieb ich bereits:
Wollte noch nachtragen, letztes Wochendende im Radio zu Beginn des langsamen Satzes von Brahms 1. Klavierkonzert zugeschaltet zu haben. Da hörte ich erstmals in meinem Leben eine Einspielung, die ganz aus dem Geiste der Klassik, nämlich Beethovens getragen war. Ich war höchst fasziniert und wäre auch - hätte der Solist nur etwas mehr Klangfarben gehabt - höchst begeistert gewesen. Auch das Zusammenspiel zwischen (färbigerem) Orchester und Solisten war sehr erfreulich. Es war dann Cedric Tiberghien und das BBC Symphony Orchestra unter Jiri Belohlavek bei harmonia mundi (HMC 901977). Hört euch das einmal an!
und dann: Bin heute bei einem Laden vorbeigekommen und konnte mich nicht zurückhalten, die Zeit zu investieren, um nach den oben geschilderten Radioerfahrungen nochmals in Brahms 1. Klavierkonzert mit Cedric Tiberghien, BBC So, Jiri Belohlavek hineinzuhören, diesmal auch den 1. Satz. Wirklich die erste sozusagen lyrische Interpretation mit wunderbarer durchsichtiger Durchgestaltung. Höchst interessant!
Wer von euch hat diese Aufnahme gehört und möchte von seinen Eindrücken berichten? :thanks
Die bisherigen Aufnahmen des Pianisten haben mich wenig überzeugt!
ab (24.05.2008, 15:40): Original von Rachmaninov Sind das Zitate Deiner eigenen Postings?
ja, aus dem was höre ich gerade-Faden.
jünter (07.06.2008, 11:42): Die Arrau / Giulini-Aufnahme habe ich noch einmal angehört. Obgleich sie mir sehr gut gefällt, reicht sie m.E. nicht ganz an Weissenbergs und Fleishers Einspielungen heran.
jünter (07.06.2008, 11:55): Hallo verehrte Expertinnen und Experten,
ich bin sowohl hier im Forum als auch in Sachen Brahms Neuling und dachte ich fange mit einem Einkaufstipp an:
Wer die Aufnahmen der Klavierkonzerte mit Arrau/Giulini von 1960/62 sucht, wird hier fündig:
"Brahms Concerto Album", 3er Box von EMI, erst Ende März erschienen (wie man ein Bild einfügt weiss ich leider noch nicht!).
Die Box gibts bei amazon und jpc für nur 11,99.
Grüße, jünter
satie (07.06.2008, 12:16): Hallo Jünther, herzlich willkommen im Forum! Ich freue mich auf interessante Beiträge und Diskussionen.
Herzlich, S A T I E
Zelenka (07.06.2008, 13:07): Lieber Jünter:
Auch von mir, aus dem Rheinland, ein herzliches Willkommen im Forum! Ich hoffe, Dein Exil im märkischen Sand ist einigermaßen erträglich!
Die neue 3 CD-Box ist im Forum schon ein wenig gehört worden, sie ist sicher höchst empfehlenswert. Zu Deinen Vorlieben, was die Aufnahmen des 1. Konzerts angeht: Weissenberg, ich habe es in der Fadeneröffnung geschrieben, gefällt mir hier nicht so sehr, Fleisher dagegen schon. Arrau unter Guilini habe ich erst später kennengelernt und würde ihn ganz weit oben ansiedeln. Ich finde es schön, daß es verschiedene Interpretationsansätze geben kann und gibt.
Eine Gebrauchanweisung, wie man Bilder einfügt, findet sich im Mitgliederbereich.
Gruß, Zelenka
jünter (07.06.2008, 15:49): Hallo Zelenka,
mein erster Beitrag sollte eigentlich ein Zitat am Anfang des zweiten sein (übe noch!).
Gruß jünter
jünter (12.06.2008, 08:47): Hallo allerseits,
habe mir die interpretatorisch wohl unstreitig sehr gelungenen Arrau/Giulini-Aufnahmen der Klavierkonzerte hier
inzwischen mehrmals angehört und muss leider feststellen, dass beim digitalen Remastering 1988 wohl einiges "in die Hose" gegangen ist: Die Streicher klingen z.B. für mein Empfinden stellenweise seltsam unnatürlich, sind wohl irgendwie der Rauschunterdrückung zum Opfer gefallen. Meine Hardware ist (leider?) von der Sorte, die so etwas schonungslos aufdeckt. Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung kann ich demnach leider nicht mehr aussprechen.
Grüße, jünter
ab (12.06.2008, 11:20): Original von jünter inzwischen mehrmals angehört und muss leider feststellen, dass beim digitalen Remastering 1988 wohl einiges "in die Hose" gegangen ist:
:S Danke für die Warnung!
Zelenka (12.06.2008, 18:23): Original von jünter Hallo allerseits,
habe mir die interpretatorisch wohl unstreitig sehr gelungenen Arrau/Giulini-Aufnahmen der Klavierkonzerte hier
inzwischen mehrmals angehört und muss leider feststellen, dass beim digitalen Remastering 1988 wohl einiges "in die Hose" gegangen ist: Die Streicher klingen z.B. für mein Empfinden stellenweise seltsam unnatürlich, sind wohl irgendwie der Rauschunterdrückung zum Opfer gefallen. Meine Hardware ist (leider?) von der Sorte, die so etwas schonungslos aufdeckt. Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung kann ich demnach leider nicht mehr aussprechen.
Grüße, jünter
Lieber Jünter:
Wir sind sicher alle in unterschiedlicher Weise sensibel, was den Klang von Aufnahmen angeht. Grundsätzlich sind die Arrau/Giulini-Versionen schon ganz erträglich, die Qualität der Interpretation sollte immer im Vordergrund stehen. EMI hätte sicher einen neuen Transfer versuchen sollen, aber die Dreierboxen sind halt im Budget-Preissegment angesiedelt ...
Gruß, Zelenka
jünter (13.06.2008, 07:55): Wir sind sicher alle in unterschiedlicher Weise sensibel, was den Klang von Aufnahmen angeht. Grundsätzlich sind die Arrau/Giulini-Versionen schon ganz erträglich, die Qualität der Interpretation sollte immer im Vordergrund stehen. EMI hätte sicher einen neuen Transfer versuchen sollen, aber die Dreierboxen sind halt im Budget-Preissegment angesiedelt ...
Lieber Zelenka,
von mir hierzu kein Widerspruch. Ich finde nur: Wer sich wie ich über „ganz erträgliche“ Klangqualität ärgert, kann zumindest darüber nachdenken, ob er sich nicht auch den Budget-Preis spart.
Schöne grüße, jünter
Zelenka (13.06.2008, 14:46): Original von jünter Wir sind sicher alle in unterschiedlicher Weise sensibel, was den Klang von Aufnahmen angeht. Grundsätzlich sind die Arrau/Giulini-Versionen schon ganz erträglich, die Qualität der Interpretation sollte immer im Vordergrund stehen. EMI hätte sicher einen neuen Transfer versuchen sollen, aber die Dreierboxen sind halt im Budget-Preissegment angesiedelt ...
Lieber Zelenka,
von mir hierzu kein Widerspruch. Ich finde nur: Wer sich wie ich über „ganz erträgliche“ Klangqualität ärgert, kann zumindest darüber nachdenken, ob er sich nicht auch den Budget-Preis spart.
Schöne grüße, jünter
Lieber jünter:
Du kannst Dich natürlich ärgern und Dir Gedanken machen, und ich darf darauf hinweisen, daß klangliche Bedenken niemanden davon abhalten sollten, die wichtigen Arrau-Interpretationen kennzulernen.
Gruß, Zelenka
Amadé (16.09.2008, 20:32): Gestern neu gekauft und gleich aufgelegt:
Steven Hough mit dem BBC Symphony Orchester unter Leitung von Andrew Davis. Das Team präsentiert uns hier einen anderen Brahms als wie so oft, die Musik klingt nicht so vergrübelt sondern spielfreudig, kraftvoll, diesseitiger. Durchsichtiges helles Klangbild, gute Balance zwischen Klavier und Orchester. Man hört, dass sichtlich Spaß macht, dieses Stück zu spielen. Eine wichtige Alternative!! zum Schnäppchenpreis, Label Virgin 1989. Auch das 2. KK ist mit denselben Interpreten wieder lieferbar.
ich habe gerade mal die Beiträge durchgesehen und mich gewundert, warum bei eines meiner Lieblingsklavierkonzerte noch kein Statement von mir vorliegt !?!
Es liegt daran, das ich meinen Senf im Thread zum KK Nr.2 bereits geschrieben habe.
Meine Aufnahmen für beide Klavierkonzerte sind in meiner Rangfolge: 1. Leon Fleisher/ Cleveland Orchestra / G.Szell (SONY) 2. Rudolf Serkin / Cleveland Orchestra / G.Szell (SONY) 3. Rubinstein / Rubinstein / Boston SO / Reiner (RCA) auf LP 3. Vladimir Ashkenazy / Haitink (Decca) 4. Pollini / Berlin PH / Abbado (DG)
Beim KK Nr.1 habe ich ein Problem mit Aufnahmen bei denen der erste Satz in seiner Länge 22Minuten übersteigt. Meine Ashkenazy-Aufnahme (Decca) erfüllt diesen Punkt nur Grenzwertig (das KK Nr.2 ist zudem viel zu ausgewalzt - in einer Kritik stand mal treffend "bleibt im Festlichen hängen") . Sie hat mich aber als die CD- Zeit begann jahrelang zufrieden begleitet, bis ich dann die Fleisher-CBS-Aufnahme auf SONY-CD Heritage bekam. Meine CBS-LP dieser Aufnahmen war hoffnungslos verrauscht, schlecht gepresst, war zudem Linkslastig - kurz eine unzumutbare Katastrophe. Erst auf CD erkannte ich welch ein Klavierwunder Fleisher/Szell hier vollbrachten. Ich habe selten so eine krasse Verbesserung der CD-Übernahme gegenüber der LP erlebt, wie hier.
Auch die Serkin/Szell-Aufnahme (SONY) steht bei mir ganz weit oben. Kllavier und Orchester präzise und ausgewogen mit Szellscher Spannungladung - TOP.
Mit Pollini/Abbado (DG) kann ich mich nicht so 100% anfreunden, wenngleich diese pianistisch perfekt ist und klanglich sehr gut. Aber die Aufnahme kann mich nach Fleisher und Serkin einfach nicht mehr packen.
Die Rubinstein-Aufnahmen (RCA) hatte ich zuerst (LP) und diese haben mir die Brahms-KK erschlossen :thanks. Obwohl Reiner/Rubinstein auch 24Minuten für den ersten Satz benötigen, war es für mich ein fabelhafter Brahms-Einstieg.
Dr. Schön (18.09.2008, 12:21): Hallo,
meine Favoriten bei diesem Konzert sind auch Fleisher & Serkin, jeweils mit George Szell, die ja hier allgemein recht unumstritten sind.
Ich mag das Erste aber nicht ganz so sehr wie das Zweite.
Dr. Schön
kreisler (25.05.2009, 22:27): Darf ich auch noch schreiben, dass Fleisher/Szell mein Favorit bei diesem Konzert ist? Dabei ist es gar nicht mal umbedingt Fleisher, der mich so begeistert, es ist das Gesamtergebnis!
Ich kenne aber noch: Barenboim und Celibidache. Im ersten Satz, "versucht" Barenboim manchmal etwas zu viel Ausdruck. Andererseits fasziniert auch diese (langsame, romantische) Auslegung des Konzertes, was zeigt, das Szell/Fleisher auch nicht nur die Einzigen sind.
Rubinstein bringt mit Szell vielleicht einen Zwischenweg: Energischer Dirigent, ruhiger Pianist (der aber manchmal auch etwas Schwierigkeiten mit seinem Part zu haben scheint, was aber den Gesamteindruck in keinster Weise stört). Soweit ich mich erinnere fällt aber der 3. Satz bei ihm etwas ab, nach dem wunderschönen zweiten Satz. Das macht Fleisher schon noch mal um einiges besser.
lg kreisler
teleton (26.05.2009, 12:50): Mein Favorit ist und bleibt auch Fleisher/Szell (SONY) für die Brahms-KK.
Bei Szells Aufnahmen der KK schätze ich seine Detailarbeit, die trotzdem die große Wucht dieser großen Klavierkonzertpartituren hörbar macht und das die Werke straff und nicht überromantisiert interpretiert werden. Da gibt es vom pianistischen Standpunkt her Stellen die wiederum mit Fleisher noch überzeugender sind, andere wiederum bei Serkin besser.
:times10 Aber seit gestern besitze ich durch ein TOP-Empfehlung die unten abgebildete DG-Doppel-CD mit Pollini / Wiener PH, Böhm (KK Nr.1); Abbado (KK Nr.2) von DG 1980 und 1977.
*** Böhm ist hier einfach der Wahnsinn beim KK Nr.1 DG, 1980, ADD - Orchestral höchst zupackend mit einer Wucht die es in sich hat und Pollini zieht brillant voll mit. :( Ein himmelweiter Unterschied zu Pollinis DG-Live-Aufnahme von 1998 mit den Berliner PH/Abbado (18 Jahre später), die mir viel zu überromantisiert erscheint (mich stellenweise deshalb nervt).
Erfreulich auch beim KK Nr.2, das Pollini mit Abbado und den Wiener PH auch in der Aufnahme von 1977 grandios geraten ist und die Pollini/Abbado-DDD-Live-Aufnahme 20Jahre später mit den Berliner PH von 1997 ebenfalls klar übertrifft. Abbado zeigt sich als fabelhafter Orchesterbegleiter. Dies sowohl vom zupackenden Gestus her, wie auch von der Klangquaität her. Diese ist bei der 1997er-Live-Aufnahme nicht berauschend geraten. Pollini war in den 70er-Jahren wohl in seiner Bestform !?!
Fazit: Die Pollini/Böhm/Abbado - DG-Aufnahmen von 1977/80 erreichen das TOP-Niveau der großen Szell-Aufnahmen mit Fleisher und Serkin durchaus. Ob einem die große "Detailwucht" Szells nun mehr zusagt oder die auf absolute orchestrale Wucht angelegte Sichtweise von Böhm bleibt letzendlich Geschmackssache.
:beer Ich habe jedenfalls seit gestern eine neue Böhm-Lieblings-CD !
ab (26.05.2009, 13:02): Danke für diese Zeilen. Sie motivieren mich, mal wieder bei meienr Mutter die LPs hervorzukramen, die ich - wohl jugendbedingt - in eher schlechter Erinnerung habe.
Thielemann unterstreicht den besonderen Rang der Pauke in der Orchesterexpositon des 1.Satzes. Der bekannt schlanke Klavierklang Pollinis wirkt sich positiv gerade bei den mächtigen Akkordketten aus, die hier nicht bleiern schwer und düster erklingen. Das Maestoso kommt nicht zu kurz, der Allegro-Charakter des Satzes überwiegt jedoch. Sehr gute Interaktion, weniger Ruhepole ansteuernd und genießend. Im 2.Satz kehrt hier viel mehr Licht ein als bei anderen Pianisten, an Arrau müssen wir hier erst gar nicht denken. Thielemann hält auch hier den Orchesterklang sehr durchsichtig. Tiefsinn soll hier keineswegs beschworen werden. Der 3.Satz bestätigt im Großen und Ganzen das zuvor Beschriebene. Wenn ich mich nicht ganz täusche, lese ich hier auch eine gewisse Alterswildweit des Pianisten aus diesem Konzertmitschnitt. Dieser Interpretationsansatz macht deutlich, dass es sich bei op.15 um ein Jugendwerk handelt, was in vielen Aufnahmen nicht so deutlich wird. Insgesamt liegt hier eine hervorragende Aufnahme vor, die mir besser gefällt als ihre Vorgänger aus den letzten drei oder vier Jahren. Im Booklet wird ein neuer Brahms-Zyklus mit Thielemann und der Staatskapelle angekündigt, ich hoffe, dass Pollini bei op.83 wieder mit von der Partie ist!
Gruß Amadé
Gernot (27.02.2013, 14:52): Ich kann Deine Einschätzung voll bestätigen! Ich habe fast 'atemlos' der Sendung auf Arte zugeschaut, zugehört und dann noch dreimal auf Arte+7. Es müßte 'semper', immer, zu sehen und zu hören sein! So könnte es Brahms konzipiert haben. Ein Jugendwerk? Ja, aber welch eine Genialität!
Hier spielt ein Siebzigjähriger den Klavierpart, klar und ohne Pathos; aber 'wissend'. Beim Wechselspiel mit den Bläsern, welch Klanggenuß. Der Dirigent dient perfekt dem Anliegen der Musik, er führt zusammen, was zusammen gehört. So macht Fernsehen Sinn und das Internet Freude!
abendroth (27.02.2013, 21:12): Also ehrlich gestanden: ich habe auch Pollini Thielemann gesehen und hatte das Gefühl, dass sich Pollini verdammt gelangweilt hat. Jedenfalls machte er, vor allem im ersten Satz einen recht gequälten Eindruck und jedenfalls habe ich mich verdammt gelangweilt. Fast jede Aufnahme des Brahms'schen d-moll Konzertes ergreift mich, aber diese lies mich kalt, eiskalt. Nie und nimmer käme ich auf die Idee, diese Aufnahme zu kaufen und ich sehe beim besten Willen nicht, was daran hörenswert ist.. Wobei ich Thielemann noch zubilligen möchte, dass er sich ein bisschen mehr Mûhe gegeben hat. Ich muss dazu sagen, dass das 1. Brahmskonzert zu meinen Lieblingswerken gehört und ich habe wahrscheinlich mindestens 30 Aufnahmen davon. Zwei möchte ich hervorheben: Arrau-Giulini und, wie kann es anders, Fleisher-Szell. Da sieht man mal wieder, wie verschieden die Geschmäcker, Ohren oder was sonst noch eine Rolle spielt, sind.
Amadé (28.02.2013, 18:55): Lieber abendroth,
durch jahrzehntelanges Hören habe ich festgestellt, dass ein und dasselbe Musikstück vom Player gehört bei mir oft einen anderen Eindruck hinterlässt, als wenn ich die Videoaufnahme sehe und höre. Das Bild lenkt mich ab, die Konzentration lässt nach und vermittelt evtl. einen anderen Eindruck der Interpretation. Mag sein, dass Du eine andere Meinung der Pollini-Aufnahme bekommst, wenn Du nur den Ton hörst.
Gruß Amadé
abendroth (28.02.2013, 22:27): Lieber Amadé, damit kannst Du durchaus recht haben. Mir ist auch schon Schlimmeres passiert. Ich schalte das Radio ein, höre ein mir gut bekanntes Stück ohne zu wissen wer's spielt, denke mir, das ist ja ganz phantastisch um nach der "Absage" festzustellen, dass ich es als ganz scheusslich in Erinnerung hatte. Vielleicht war Pollini in Form, aber ich nicht. Am Sonntag hat's mich jedenfalls kein bisschen gereizt. Ich wollte mir es nach den Lobeshymnen hier auch noch einmal anhören, aber auf dem arte +7 web hab ich es nicht gefunden. freundliche Grüsse abendroth
Brahms 1. Klavierkonzert d-moll op.15 - Tzimon Barto, Christoph Eschenbach, Deutsches SO Berlin
Barto und Eschenbach haben eine Neuaufnahme der beiden Brahms-Klavierkonzerte bei Capriccio vorgelegt, dazu hier einige Anmerkungen zum 1. Konzert.
Das Klavier betritt fast wie verstört oder suchend das musikalische Geschehen und findet sich erst nach etlichen Takten zurecht, dabei wird das Tempo signifikant verlangsamt. Das scheint mir bei den mehr als hundert Einspielungen dieses Konzerts ein bedenkenswerter Ansatz zu sein, dem man seine Sympathie nicht versagen sollte. Leider wird diese Interpretation im weiteren Verlauf des Stückes durch eine fortdauernde willkürliche Tempogestaltung – ein Grundtempo lässt sich nicht heraushören – korrumpiert, indem die Interpreten alle Themen und Motive auf ihren (vermeintlichen) Ausdrucksgehalt abklopfen und darauf ihr Tempo abstimmen. Das 2. Thema wird stark abgebremst, nahezu bis zum Stillstand. Der strukturelle Zusammenhang des Satzes wird dabei weitgehend ignoriert.. Das ist interessant, aber bereits beim zweiten Hören wirkt diese Lesart arg manieriert. Der Tempokontrast zwischen den Sätzen 1 und 2 wird eingeebnet, da letzterer in einem gezogenen Tempo dageboten wird. Das Rondo-Finale allein folgt dem gängigen Interpretationsmuster.