Brendel, Beethoven und ewige Neueinspielungen - muss das sein???

Jeremias (06.05.2006, 23:34):
Ich war heute bei Saturn und da habe ich gesehen, dass von den vielleicht 8 oder 9 gesamtaufnahmen der Klavierkonzerte von Beethoven allein 3 davon mit Brendel waren. Es dirigierten Levine, Haitink und Rattle. da frage ich mich doch allen ernstes, muss es sein, dass jemand diese Werke, die es in dutzendfachen Ausführungen gibt, immer wieder einspielt? genauso verhält es sich ja mit den Sonaten oder Mozart. Hat ein Künstler, auch wenn er im Laufe seines Lebens Wandlungen durchmacht, doch noch so viel Neues hinzuzufügen? Das betrifft ja nicht nur Brendel. Aber bei ihm fällt es mir besonders auf, zumal er seit Jahren immer nur Beethoven, Schubert, Haydn und Mozart spielt. Dass ich ihn für maximal einen mäßigen Pianisten halte, ist ja allgemein bekannt. Aber da wäre es doch besser, die Firmen würden junge, verheissungsvolle Talente aufbauen!
Karsten (07.05.2006, 09:07):
Alfred Brendel gehört für mich zu den ganz großen Pianisten unserer Zeit. Vielleicht kann man ihm vorhalten, sich nur im begrenzten Umfang für das Standardkonzertrepertoire einzusetzen. Andererseits wird hierdurch meines Erachtens verkannt, daß Beethoven, Mozart, Haydn nach meiner Auffassung in vielfältiger Weise interpretiert werden können, die Interpretationshaltung eines Pianisten sich im Laufe der Jahrzehnte, wie bei Brendel, durchaus ändern, vertiefen kann. Brendel ist deshalb hinsichtlich der Beschränkung des Repertoires nach meiner Auffassung durchaus mit Gould vergleichbar, den ich gleichfalls sehr schätze. Hinzukommt, daß die Interpretationsunterschiede nicht nur erhörbar, sondern zudem literarisch unterlegt - eine weitere Parallele zu Gould - sind. Alfred Brendel ist also jemand, der seine im Laufe seines Lebens sich wandelnde Auffassung von Musik in Töne umwandelt.
Cosima (07.05.2006, 10:09):
Original von Jeremias
Aber da wäre es doch besser, die Firmen würden junge, verheissungsvolle Talente aufbauen!

Besser wäre das aus meiner Sicht auch, aber es ist halt teurer, einen unbekannten Pianisten gewinnbringend zu vermarkten, als einen bereits etablierten mit der x-ten Einspielung eines bekannten Werkes an den Mann zu bringen. Und ich unterstelle einfach mal, dass sich der durchschnittliche Klassikhörer vor allem an wohlklingenden Namen orientiert. Diesen Eindruck bestätigte mir neulich ein Verkäufer bei jpc. Er meinte, dass er es mittlerweile aufgegeben hätte, die Leute von wirklich guten Interpretationen überzeugen zu wollen und ihnen halt das verkaufen würde, was sie wünschen. Man muss doch nur einen Blick in die Klassik-Bestellerlisten werfen (ähnlich ist es bei Literatur, da bekommt man noch mehr das Grausen), um zu sehen, wohin der Trend geht.

Gruß, Cosima
AcomA (07.05.2006, 15:21):
lieber Jeremias,

da hast du also wieder deinen unmut über alfred brendel geäußert, na gut. wie du schon ausführtest, gab es auch andere, welche die beethoven-konzerte mehrfach einspielten. aber wenn du brendel als allenfalls mittelmäßigen pianisten bezeichnest, dann handelt es sich um eine höchst subjektive einschätzung. es gibt viele dokumente, die beweisen, dass brendel schon alleine manual-technisch und von der beherrschung des klangspektrums weit über dem durchschnitt liegt. und es kommt bei brendel noch etwas hinzu, er ist ein intellektueller, der auch musikwissenschaftlich und musiktheoretisch eminent beschlagen ist.

warum soll man ein werk im laufe seines lebens mehrfach einspielen ?

- wenn sich die aufnahmetechnologie deutlich verbessert
- wenn sich eine neue 'musikpartnerschaft' ergibt
- wenn sich die werkauffassung verändert hat

und dann bleibt die frage, ob es sinnvoll ist, ein begrenztes repertoire über jahrzehnte beizubehalten. das gleiche problem ergibt sich in der medizin. die USA haben da häufig vorreiterfunktion gehabt. spezialistentum ist immer von vorteil für den leistungsempfänger ! desto häufiger eine komplexe leistung erbracht wird, desto besser gelingt sie ! letztlich muss der ausführende es selbst für sich entscheiden, ob er universal bleiben möchte, oder sich spezialisiert. wir können diese frage nicht beantworten.

aber mal ehrlich, alle beethoven-konzerte, seine 32 sonaten, seine variationszyklen, die bagatellen, alle mozart-sonaten und konzerte, das ist nicht wenig stoff !

außerdem bin ich davon überzeugt, dass der markt sich auch selbst reguliert. nähmlich wenn in regelmäßigen abständen 'neue stars' erscheinen und die alten verdrängen.

gruß, siamak :)
Ganong (09.05.2006, 13:58):
Lieber Siamak ,

Alfred Brednel ist sicherlich ein gute bsi sehr guter Pinaist auf seinem engen Terrain : Beethoven , Mozart , Haydn . Wobei mir sein Haydn ( Sonaten ) und die e r s t e Aufnahme der 32 Sonnaten Beethovens am meisten Eindruck machen .

Von den drei Aufnahmen der Klavierkonzerte Beethovens überzeugt mich keine einzige GA . Darum geht es . Die mit Rattl eist einfach lieblos im Hauruckverfahren aufgenommen worden . Neue Erkenntnisse ? J a, das Label heisst rattleorientiert EMI .

Brendel selbst , lieber Jeremia s, hat selbst geschrieben ( schon seit Jahren ! ) , dass er körperlich nicht merh in der Lage sei , bestimmte Werke zu spielen .

Brendel war undblieb nach dem Tod von Claudi Arrau d e r Hauspianist der Philips .

in diesem Zusammenhagng sei auf die zum Teil erschreckend schwachen Aufnahmen Brendels ( Schumann !!! oder Liszts h-Moll-Sonate ) hingewiesen .

Brendel lebt seit zig Jahren bei London. Die sbringt immer eine ungerechtfertigt e DauerjubelPresse in "Gramophone" ein . Schrecklich , wenn dies die "Qualitätskriterien" sind . Sie sind es im falle Brendel aber !
Würde er in seiner bömisch-mährischen Heimat leben m, so würde von ihm weniger Notiz genommen als von dem hervorragdnen Ivan Moravec .
Viele Grüsse , Frank
Karsten (09.05.2006, 15:50):
Original von Ganong

Von den drei Aufnahmen der Klavierkonzerte Beethovens überzeugt mich keine einzige GA .



Vielleicht überzeugt Dich ja die VOXBOX-Aufnahme aus den 60ern (übrigens die vierte Gesamtaufnahme) mit Metha, Wallberg?
AcomA (10.05.2006, 08:26):
lieber Frank,

ich kenne seine beethoven-konzerte mit haitink, und die sind mit sicherheit überdurchschnittlich gespielt. wenn ich z.b. das 1. klavierkonzert mit ABM oder pollini vergleiche, stelle ich keinen signifikanten qualitätsunterschied fest !

und dann habe ich das 4. und 5. konzert in der live-aufnahme aus chicago mit levine. das einzige, was ich an der aufnahme schwach finde, ist die aufnahmetechnik bzw. akustik ! interpretatorisch gibt es highlights. z.b. der finalsatz aus dem 'emperor concerto' ! ich kenne keinen vergleichbare interpretation mit diesem schwung und risiko. IMO sogar mit mehr rhythmischem elan als horowitz/reiner !

und das brendel selbst der ansicht ist, körperlich bedingt bestimmte werke nicht mehr spielen zu können, da muss ich erwähnen, dass ich vor wenigen monaten einen live-mitschnitt aus luzern mit dem 3. beethoven-konzert unter abbado sah. wirklich großes, ja perfektes klavier- und beethovenspiel !


gruß, siamak :)
Zelenka (10.05.2006, 13:06):
Original von Ganong
Lieber Siamak ,

Alfred Brednel ist sicherlich ein gute bsi sehr guter Pinaist auf seinem engen Terrain : Beethoven , Mozart , Haydn . Wobei mir sein Haydn ( Sonaten ) und die e r s t e Aufnahme der 32 Sonnaten Beethovens am meisten Eindruck machen .

Von den drei Aufnahmen der Klavierkonzerte Beethovens überzeugt mich keine einzige GA . Darum geht es . Die mit Rattl eist einfach lieblos im Hauruckverfahren aufgenommen worden . Neue Erkenntnisse ? J a, das Label heisst rattleorientiert EMI .

Brendel selbst , lieber Jeremia s, hat selbst geschrieben ( schon seit Jahren ! ) , dass er körperlich nicht merh in der Lage sei , bestimmte Werke zu spielen .

Brendel war undblieb nach dem Tod von Claudi Arrau d e r Hauspianist der Philips .

in diesem Zusammenhagng sei auf die zum Teil erschreckend schwachen Aufnahmen Brendels ( Schumann !!! oder Liszts h-Moll-Sonate ) hingewiesen .

Brendel lebt seit zig Jahren bei London. Die sbringt immer eine ungerechtfertigt e DauerjubelPresse in "Gramophone" ein . Schrecklich , wenn dies die "Qualitätskriterien" sind . Sie sind es im falle Brendel aber !
Würde er in seiner bömisch-mährischen Heimat leben m, so würde von ihm weniger Notiz genommen als von dem hervorragdnen Ivan Moravec .
Viele Grüsse , Frank

Lieber Frank:

Es ist ja wirklich niemand gezwungen, Brendel zu hören oder gar zu kaufen. Der Brendel/Rattle-Zyklus bei Philips ist unter dem Strich sicher etwas enttäuschend, aber es gibt Dinge, über die man sich erheblich mehr ärgern könnte. - Brendel lebt seit Jahren nicht nur "bei London", sondern tatsächlich in London, nämlich im Well Walk in Hampstead. Ob ihm nur diese Tatsache die Ehre verschafft, vom Gramophone häufiger gelobt zu werden? Ich weiß es nicht. (Auch dort wird ihm sein jüngeres Ich zuweilen um die Ohren gehauen.) Eine Rezension des letzten Kalvierkonzert-Zyklus finde ich noch nicht einmal im Gramophone, dafür hat sich aus der deutschen Ferne Peter Cossé unsäglich über ihn gefreut. Aus "seiner böhmisch-mährischen Heimat" ist er schon nach seinen ersten sechs Jahren weggzogen. Und wenn Brendel vor einigen Jahren erklärt hat, daß er namentlich die schwere Hammerklavier-Sonate nicht mehr spielen wird, dann kann man das wohl einfach respektieren. Das heißt wirklich noch nicht, daß Brendel mit mittlerweile 70 Jahren ein Tattergreis ist, der kaum noch die richtigen Tasten findet. Möge er noch lange Klavier spielen können!

Gruß,

Zelenka
Ganong (10.05.2006, 16:59):
Lieber Zelenka ,
lieber Siamak ,

1. Ich habe nie behauptet , das Alfred Brendel nicht mehr Klavier spielen solle ;
2. gerade Konzerte geben doch bekanntermassen die Möglichkeit , das man sich doch iregdnwie verstecken kann ;
3. Brendel selbst wies auf seine biologisch bedingten ( = Alter 9 unfähigkeiten hin , bestimmte Werke ( etwa die Hammerklaviersonate oder die Diabelli - Variationen nicht mehr im Konzert spielen zu können .
4. ob Herr Cossé gerade der "richtige" Rezensent ist , wenn es um Brendel geht , bezweifle ich ;
5. Brendel hat seit über 20 Jahren in England einen nicht überlesbaren enormen (!) Heimvorteil .

Ein eKarrier kann man meiner Meinung nach nur im ganzen betrachten und ggf. beurteilen , sondern auch unter dem eigenen Blickwinkel - und dem einer kritisch - analytischen Beobachtung der PR - Maschinen der Plattenfirmen . Auch da ist Alfred Brendel ganz unangemessen überbewertet . Philips 7 Universal , die ist die Folge , tut dann eben nichts für den künstlerischen Nachwuchs .

Alfred Brednel ist allerdings ein recht guter Musikautor in der "Neuen Zürcher zeitung" . Dier Hinweis hat mir "wonaders " schon einmal üble Schelte in 2005 eingebracht .
damit konnte und kann ich allerdings gut leben . Herr Brendel ist ein - schreibender - sehr intensiver Förderer von künstlerischem Nachwuchs ( NZZ z.B. ) . das ist seh rviel und wird im Gesamtbild Brendels , darum geht es , leider nicht berücksichtigt .

Grüsse ,
Frank
Karsten (10.05.2006, 18:52):
Original von Ganong

4. ob Herr Cossé gerade der "richtige" Rezensent ist , wenn es um Brendel geht , bezweifle ich ;




Ich versuche ja aufgeschlossen zu sein, aber das verstehe ich beim besten Willen nicht. Deswegen meine Frage nach dem WARUM?


?(
AcomA (10.05.2006, 22:00):
hallo, alle brendel-nichtliebhaber,

ich weiß nicht, was das soll ?( warum gönnt man diesem großartigen musiker und intellektuellen nicht seinen erfolg. man sollte bedenken, dass gerade joachim kaiser in den 60er und anfang der 70er jahre schwer zu schaffen machte. nach eigenem bekunden kostete ihm kaiser mindestens 10 jahre seines lebens. und Frank, ich finde deine antwort auf meine antwort, dass man sich bei instrumentalkonzerten auch verstecken kann, ziemlich giftig ! du hast doch den live-mitschnitt aus luzern gar nicht gesehen, vermute ich mal. genauso gut kann man argumentieren, dass ein solches konzert ordentliches 'musizieren und eine durchschlagskraft gegenüber dem orchester erfordert. genau das, was IMO brendel an dem abend offenbarte.

gruß, siamak :)
Rachmaninov (11.05.2006, 08:27):
Nochmal an alle:

Es geht hier ja nicht nur um Brendel, sondern um den Umstand der "Mehrfacheinspielungen" insgesamt.

Das wird doch sicherlich nicht nur bei Brendel so sein, oder? :engel
Jack Bristow (11.05.2006, 10:25):
Original von Rachmaninov
Es geht hier ja nicht nur um Brendel, sondern um den Umstand der "Mehrfacheinspielungen" insgesamt.

Das wird doch sicherlich nicht nur bei Brendel so sein, oder? :engel

Das einzige noch extremere Bsp., das mir einfällt, ist natürlich v. Karajan...Bernstein hat z.B. die Sinfonien von Beethoven, Mahler, Brahms, Schumann und eine Reihe weiterer Werke auch ein weiteres Mal für DG eingespielt. Aber das war ein anderes Label, anderes Orchester, 20 Jahre später und größtenteils Live-Mitschnitte
Unter Pianisten: Rubinstein mit Einschränkung, denn dort geht es wirklich um Schellack (1930er) - mono (1940-50)- stereo (1960er) (abgesehen davon, dass wohl nicht nur ich AR für ein anderes Kaliber als AB halte), während es bei Brendel und Beethoven 3 komplette Sonatenzyklen in stereo sowie viermal die Konzerte gibt...

Ich finde es grundsätzlich auch übertrieben, zumal es in den Fällen AB und HvK sich um Künstler handelt, die gewiß sehr gut sind, aber hauptsächlich von einer ungeheuren Medienmaschine gepusht werden/wurden, die es so aussehen läßt, als seien es die alles überragenden Interpreten ihrer Zeit. Und so etwas geht immer irgendwie zu Lasten anderer hervorragender Künstler. Es gibt z.B bei Philips eine einzelne CD mit 4 Beethovensonaten mit Kocsis. Ich weiß nicht, vielleicht wollte der gar keine Gesamtaufnahme machen. Aber es kann auch gut sein, dass Philips solche Projekte blockte, denn der große Musikdenker AB mußte ja seinen 3., diesmal digitalen Zyklus einspielen, und für Kocsis blieb Bartok und Debussy übrig.

viele Grüße

J. Bristow
AcomA (11.05.2006, 14:08):
lieber Mr. Bristow,

ein sehr erfahrener kollege sagte mal zu mir: 'bedenke, wenn jemand sehr berühmt im positiven sinne ist, es ist nicht umsonst ! er wird in jedem falle nicht ohne grund dazu gekommen sein !' es ging dabei um einen neurochirurgen, aber es ist überall übertragbar.

gruß, siamak :)
Jack Bristow (11.05.2006, 14:34):
Ich habe ja "sehr gut" für AB und HvK zugestanden. Den Grund für die angeblich alles überragende Qualität dieser Interpreten habe ich auch angegeben: eine gut geschmierte Medienmaschine.
Es hat auch im ganzen thread niemand gesagt, das z.B. Brendel Schrott wäre. Sondern nur, dass die zigfachen Neueinspielungen desselben Repertoires übertrieben sind. Ich finde das ebenfalls und bin überdies ziemlich sicher, das diese Strategie zu Lasten der Vielfalt und anderer Künstler, die entsprechende Aufnahmeprojekte ebenso oder noch mehr verdient hätten. Die wirtschaftliche Logik hinter den "ewigen Neueinspielungen" ist simpel und es lohnt sich vermutlich für die Konzerne, eine Marke wie Karajan über alles aufzubauen, weil die dann jeder kennt und dann tatsächlich die dritte Einspielung der Beethovensinfonien kauft (weil sie digital ist oder was immer) und solch ein Projekt weniger Werbung erfordert als das eines noch nicht so bekannten Künstlers...

viele Grüße

J. Bristow
Cosima (11.05.2006, 18:02):
Original von AcomA
ich weiß nicht, was das soll ?( warum gönnt man diesem großartigen musiker und intellektuellen nicht seinen erfolg.

Genau! Ich stand Brendel auch eher zurückhaltend gegenüber, und ich glaube fast, dass sein etwas negatives Image auch mit seinem Äußeren zu tun haben könnte: Mit seinem Dackelblick wirkt er so harmlos. Aber seit ich seine Diabelli-Variationen und die Bach-CD hörte, hat sich mein Verhältnis gegenüber seiner Person gewandelt.

Gruß, Cosima :)
Karsten (11.05.2006, 18:25):
Original von Cosima
etwas negatives Image



Das ist mE eine Legende. Nach meiner Beobachtung hatte B auch in der öffentlichen Wahrnehmung nie ein "etwas negatives Image". Allenfalls hätte man sagen können, daß B vielleicht als eine Art genialischer Sonderling in das Bewußtsein der Klassikkonsumenten eingedrungen ist. Ich hatte bereits weiter oben auf gewisse Parallelen zu Glenn H. Gould hingewiesen.
Cosima (11.05.2006, 18:50):
Original von Karsten
Nach meiner Beobachtung hatte B auch in der öffentlichen Wahrnehmung nie ein "etwas negatives Image".

Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Was ich meine, ist: Mir ist aufgefallen, dass Brendel z.B. in Internet-Foren häufig stark kritisiert wird. Eher im Sinne von: Da muss einer als „Prügelknabe“ herhalten, aus welchen Gründen auch immer… wie eben auch in diesem Thread so angedeutet mit dem "muss das sein?"... Damit wollte ich nicht sagen, dass sein Image generell negativ sei.

Gruß, Cosima
ab (20.05.2006, 15:26):
Im allgemeinen ist es doch wohl nur zu begrüßen, dass Künstler die Möglichkeit bekommen, ihre Weiterentwicklung - in welche Richtung auch immer - dokumentieren zu dürfen! Natürlich muss das nicht sein, aber ich begrüße das sehr. Man muss ja nicht die elitäre Position einnehmen, nur die aller besten dürften Aufnahmen machen, und das auch nur einmal. Oft gefällt mir eine Aufnahme, die ich in verschiedenen Hinsichten weniger gut finde, dennoch besser als jene Aufnahme, die ich besser bewerten würde. Geschmack und Qualität ist doch immer zweierlei.
(Brendel und Schumann ist für mich so ein Besipiel: Halte ich ganz und gar nicht für das Spitzenfeld, gefällt mir aber persönlich sehr, wie ich anderswo bereits ausgeführt habe.)

Ich würde natürlich mehr Konzertmitschnitte begrüßen!

Im besonderen ist Brendel hoch anzurechnen, dass es gerade er selbst ist, der sein Können ganz realistisch einschätzt: Wiederholt hat er geäußert, eigentlich nicht verstehen zu können, weshalb er eine so große Karriere gemacht hat. Das ist ja nicht ihm anzukreiden, dass Philips mit ihm so gut Platten verkauft, oder?
Ganong (20.05.2006, 19:00):
Lieber Siamak ,

natürlich kann ein Künstler sich in einem Konzert ggf. hinter dem Orchester "verstecken" . Die sist nicht persönlich auf Aölfred Brendel bezogen , sondern es ist ein allgemeingültiger Erfahrungssatz .

Alfre dBrendel gönne ich allen Erfolg der Welt - warum auch nicht . Ich finde grundsätzlich bei ihm , dass 1) seine frühen Aufnahmen der Klaviersonaten die interessantesten sind als Gesamtaufnahme , 2) die "Diabelli-Variationen" aus seiner späteren Periode sagen mir eben mehr zu als alle anderen ( er hat sie ja zig mal live gespielt und auch aufgenommen ) , 3) die GA der Klavierkonzerte - wir sprechen über die Gesamtaufnahmen ! - mag ich eben persönlich , subjektiv nicht ( das für viele überraschende Gegenbeispiel ist für mich die GA der Konzerte mit Gilels und Szell und dessen Cleveland orchestra ; EMI ) und 4) ich kann mir kaum vorstellen , dass ausgerechnet Alfred Brendel sich durch Joachim Kaiser hat zurückdrängen lassen , in seiner Karriere beeinträchtigt worden ist . Für meine Meinung sprechen die geradezu übervielen LPs und später CDs bei Philips .

Bei kleineren Namen und weniger interessanten Pianisten als Herr Brendel dies ist , kann ich mir allerdings sehr gut vorstellen , wie der unselige , Übel wollende Einfluss von Joachim Kaiser Karrieren nicht nur behindert hat !!! .

Die Überheblichkeit und Ignoranz von Joachim Kaiser habe ich seit zig Jahren immer wieder angeprangert und geradezu akribisch herausgearbeitet ( die s schliesst seine oft extrem mangelnde Logik wie seinen zum teil sehr schwülstigen Schreibstil mit ein . B e w e i s : Meine umfangreichen Eräuterungen dazu an Matthia sKornmenn , damals RONDO , aus den jahren 1998 - 2002 .

Zur allgemein Beruhigung folgende Tatsache : : es gab vor Jahren ein Art "Gipfeltreffen" der Klassikszene . Dazu war auch Joachim Kaiser ( man stelle sich einmal vor er hiesse Schultze oder Müller und sein Buch dann konsequenterweise der "Klavier Schultze" etc. !!! ) selbstverständlich eingeladen .

Als Herr Kaiser erfuhr , dass der Klavier Papst Harold C. Schonberg - natürlich - als die quasi "letzte Instanz" auch eingeladen war , ist er , Kaiser , n i c h t ienmal gekommen ! Dies sagt für mich alles .

Im übrigen sind Bryce Morrison , Joan Chissel , Natasha Spender , Philip Kennicott unendlich bereicherende , kenntnisreichere , feinfühligere , weltläufige - und nicht weitschweifige ! - Autoritäten in Sachen Klassische Klaviermusik . dazu gehören auch Prof. Piero rattalino oder Norman Lebrecht ( er hat schon den Vorteil der Mehrsprachigkeit ) .

In diesem Sinne : Beste Grüsse , Frank
Karsten (20.05.2006, 19:37):
B e w e i s : Meine umfangreichen Eräuterungen dazu an Matthia sKornmenn , damals RONDO , aus den jahren 1998 - 2002 .


Sollte hierdurch etwa mehr belegt werden als eine, sagen wir einmal, freundlich formuliert, exotische Einzelauffassung? Wenn man sich natürlich permanent selbst bestätigt, ist man irgendwann einmal auch von Meinungen, so abwegig sie auch immer sein mögen, überzeugt.

:hello
Daniel Behrendt (25.05.2006, 10:29):
Liebe Cosima, ieber Karsten,

Zitat Karsten: Das ist mE eine Legende. Nach meiner Beobachtung hatte B auch in der öffentlichen Wahrnehmung nie ein "etwas negatives Image". Allenfalls hätte man sagen können, daß B vielleicht als eine Art genialischer Sonderling in das Bewußtsein der Klassikkonsumenten eingedrungen ist. Ich hatte bereits weiter oben auf gewisse Parallelen zu Glenn H. Gould hingewiesen.

Also, ehrlich gesagt: In mein Bewusstsein ist Herr Brendel weder als Träger eines sonderlich negativen Images, noch als "genialischer Sonderling" eingedrungen. Eher scheint mir, dass er seit 10, 15 Jahren - berechtigt oder nicht sei dahingestellt- als heimlicher Maßstab für Beethoven, Haydn und Schubert (nicht ganz so uneingeschränkt für Mozart) gehandelt wird. Wenn ich Brendel-Rezensionen lese, kommt es mir immer so vor, als sei Brendel der letzte Vertreter einer praktisch ausgestorbenen Spezies, quasi "der letzte Klassiker" (oder so ähnlich). Dieser Status kommt dann auch einem künstlerischen Freifahrtschein gleich - Egal welche Zeitung man aufschlägt: Einen faustdicken Brendel-Verriss habe ich, soweit ich mich erinnern kann, jedenfalls noch nicht gelesen. Aber zugegeben: Seinen Beethoven hat der Mann drauf, da gibt's wirklich nichts dran auszusetzen.

Dass ständig und allüberall betont wird, dass Brendel ein "Tastenintellektueller", also eine Art klavierspielendes Gehirn sei, geht mir allerdings ein wenig auf den Senkel. Ich habe das eine oder andere Brendel-Porträt gesehen und dachte immer wieder: "Mein Gott ist der Mann bieder!" Ich habe ihn für mich in die Schublade "Spleenig im Rahmen des bürgerlich Statthaften" sortiert.
Seine Beethoven-Konzerte halte ich übrigens durchweg für hörenswert. Mein Favorit: Die mittlere Einspielung mit James Levine - nicht so pauschal, wie die Haitink-Einspielung, nicht so zertüftelt wie mit Herrn Rattle.

LG!
Daniel
fohlenfanatiker (25.05.2006, 11:10):
Eine Frage: Wie oft hat Brendel eigentlich den Beethoven Klaviersonatenzyklus eingespielt? Ich weiß es wirklich nicht.
2.Frage: Ist eine markante Veränderung bzw. Entwicklung erkennbar, außer, dass sich die Aufnahmetechnik verbessert hat? Wenn ja, was hat er später anders gemacht, worin besteht die Weiterentwicklung?
Sollte keine wirkliche Entwicklung erkennbar sein, so wäre die Eingangsfrage dieses Threads angeschnitten: Muss das sein?
Ich kenne nur wenige Beethovensonaten von Brendel. Habe mir neulich die späten Sonaten 27-32 als DoppelCd von Anfang der Siebziger ersteigert. Ich finde sie recht solide, mehr aber auch nicht. Die Klangqualität ist recht bescheiden, da gibts aus der selben Zeit sicher wesentlich bessere Aufnahmen. Aber auch interpretatorisch würde ich sie nicht als spektakulär bezeichnen. Somit hätte er genug Grund gehabt, sie später neu einzuspielen. Was hat sich verändert bei späteren Aufnahmen?
Aber wo wir gerade bei Brendel sind: Die Mozartklavierkonzerte mit Marriner gehören für mich zum Kreis der Referenzaufnahmen.
Gruß
Cosima (25.05.2006, 11:47):
Original von Daniel Behrendt
Dass ständig und allüberall betont wird, dass Brendel ein "Tastenintellektueller", also eine Art klavierspielendes Gehirn sei, geht mir allerdings ein wenig auf den Senkel.

Lieber Daniel,

mir ehrlich gesagt auch ein wenig. Ich habe zwar noch keinen seiner Texte gelesen, kann mir also im Grunde kein Urteil erlauben, aber ein wenig riecht mir dieses Betonen seiner geistigen Fähigkeiten nach Rechtfertigung. Dadurch, dass er als Intellektueller gehandelt wird, wird er scheinbar zu einer unantastbaren Person. Dabei haben Intellekt und Klavierspiel ja nur bedingt miteinander zu tun – siehe Horowitz :ignore.

Gruß, Cosima

P.S.: Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen! :)
Gerion (25.05.2006, 12:00):
Hallo Jeremias,

Original von Jeremias
Ich war heute bei Saturn und da habe ich gesehen, dass von den vielleicht 8 oder 9 gesamtaufnahmen der Klavierkonzerte von Beethoven allein 3 davon mit Brendel waren. Es dirigierten Levine, Haitink und Rattle. da frage ich mich doch allen ernstes, muss es sein, dass jemand diese Werke, die es in dutzendfachen Ausführungen gibt, immer wieder einspielt? genauso verhält es sich ja mit den Sonaten oder Mozart. Hat ein Künstler, auch wenn er im Laufe seines Lebens Wandlungen durchmacht, doch noch so viel Neues hinzuzufügen? Das betrifft ja nicht nur Brendel. Aber bei ihm fällt es mir besonders auf, zumal er seit Jahren immer nur Beethoven, Schubert, Haydn und Mozart spielt. Dass ich ihn für maximal einen mäßigen Pianisten halte, ist ja allgemein bekannt. Aber da wäre es doch besser, die Firmen würden junge, verheissungsvolle Talente aufbauen!

Gegenfrage: Mit welcher Berechtigung sollte man Brendel oder anderen die erneute Aufnahme eines Werks, das fast täglich (oder sogar täglich mehrmals?) irgendwo auf der Welt aufgeführt wird, verbieten? Wenn er den Eindruck hat, dass sich in seiner Interpretationshaltung etwas geändert hat - bitteschön. Oder - wenn er der Auffassugn ist, dass zB Rattles Interpretationd es Orchesterparts eine Bereicherung gegenüber Levine und Haitink ist - bitte. Ich muss es mir ja nicht kaufen. Ich bin mit meinen Kempff-Aufnahmen sehr zufrieden.
Jack Bristow (25.05.2006, 12:02):
Original von fohlenfanatiker
Eine Frage: Wie oft hat Brendel eigentlich den Beethoven Klaviersonatenzyklus eingespielt? Ich weiß es wirklich nicht.


Die Sonaten: Vox Anfang der 60er, Philips Anfang/Mitte der 70er, Philips Anfang der 90er
Die Konzerte zusätzlich noch einmal mit Rattle, also 4x


einzuspielen. Was hat sich verändert bei späteren Aufnahmen?
Aber wo wir gerade bei Brendel sind: Die Mozartklavierkonzerte mit Marriner gehören für mich zum Kreis der Referenzaufnahmen.


Ich kenne auch nur vereinzelten Beethoven, halte Brendel aber da für massiv überschätzt. Wie Du sagst, solide, aber nicht viel mehr. Unter lebenden und aktiven Pianisten hätte Stephen Kovacevich viel eher den Titel des Beethoven-Papstes verdient, Von Schnabel, Fischer, Richter, Gulda usw. will ich gar nicht anfangen. Der (oder jedenfalls mein) Punkt, war auch nie das Brendel irgendwie schlecht wäre. Sondern nur eben keinesfalls so allesüberragend, dass er alle 15 Jahre seine nunmehr gereifte ultra-weise Deutung desselben Repertoires verewigen muß. Das ist fast so übles Marketing wie bei Karajan.
Ich weiß natürlich nicht, ob das wirklich die Ursache ist, aber z.B. Zoltan Kocsis hat bei Philips etwa zu der Zeit der letzten Brendelschen Beethovensonaten eine einzelnen CD mit 4 Sonaten gemacht, die für jemanden, der eher energisch-dramatischen Beethoven schätzt, mit Brendel "den Fußboden aufwischt". Hätte der Altmeister nicht noch unbedingt einen dritten Zyklus machen müssen, gäbe es vielleicht mehr Beethoven mit (und Mozart) mit Kocsis. (Vielleicht wollte der allerdings auch gar nicht mehr Beethoven einspielen).

viele Grüße

J. Bristow
Daniel Behrendt (25.05.2006, 12:13):
Lieber Jack B.,

Zitat Jack B.: Ich kenne auch nur vereinzelten Beethoven, halte Brendel aber da für massiv überschätzt. Wie Du sagst, solide, aber nicht viel mehr. Unter lebenden und aktiven Pianisten hätte Stephen Kovacevich viel eher den Titel des Beethoven-Papstes verdient,#

Ich find's ein wenig heikel, einem der verblichenen oder amtierenden Beethoven-Spezis das Krönchen oder den Papsthut (wie heißt das Ding eigentlich?) aufzusetzen - dazu war und ist die Leistungsdichte zu groß. Darüber hinaus ist Beethoven (und nicht nur der) wohl zu reichhaltig um seine Geheimnisse im Alleingang lüften zu können. Ein halbwegs umfassendes Beethoven-Bild ergibt sich wohl erst durch eine Vielzahl von Interpretationen, die einander auch gerne widersprechen dürfen. Was Kovacevich angeht, gebe ich dir allerdings Recht: Ihm wird einfach nicht die Bedeutung beigemessen, die er eigentlich verdient. Sein energetisches, geradliniges und ganz und gar unumwundenes Beethovenspiel ist fraglos absolut top - Ohne Zweifel eine meiner Lieblingseinspielungen.

LG!
Daniel
Jack Bristow (25.05.2006, 12:58):
Original von Daniel Behrendt
Zitat Jack B.: Ich kenne auch nur vereinzelten Beethoven, halte Brendel aber da für massiv überschätzt. Wie Du sagst, solide, aber nicht viel mehr. Unter lebenden und aktiven Pianisten hätte Stephen Kovacevich viel eher den Titel des Beethoven-Papstes verdient,#

Ich find's ein wenig heikel, einem der verblichenen oder amtierenden Beethoven-Spezis das Krönchen oder den Papsthut (wie heißt das Ding eigentlich?) aufzusetzen - dazu war und ist die Leistungsdichte zu groß. Darüber hinaus ist Beethoven (und nicht nur der) wohl zu reichhaltig um seine Geheimnisse im Alleingang lüften zu können. Ein halbwegs


Genau das finde ich auch. Umso absurder und ärgerlicher eben die Vermarktung von (z.B.) Brendel als Papst nicht nur für Beethoven, sondern auch Mozart und Schubert (obwohl es bei diesne Komponisten vielleicht ein wenig eher gerechtfertigt sein mag).
Es scheint indes Hörer zugeben, die dieses "Papsttum", egal bei welchem Künstler, sogar für pflegenswert halten...(man ergänze für sich selbst die möglichen tiefenpsychologische oder soziologische Erklärungen solcher Neigungen :wink) )

:hello

J. Bristow
AcomA (25.05.2006, 14:16):
liebe freunde,

erstmal meine freude, dass Daniel wieder da ist ! :down

dann: gibt es das nicht überall, in jedem metier, dass jemand oder eine institution, gewiss fähig und sehr gut, zum alles überragenden maßstab erhoben wird. auch in der medizin ! das scheint inder natur der medien und des publikums/ der gesellschaft zu liegen. man muss da ja nicht aufspringen.

gruß, siamak :)
Jeremias (06.05.2006, 23:34):
Ich war heute bei Saturn und da habe ich gesehen, dass von den vielleicht 8 oder 9 gesamtaufnahmen der Klavierkonzerte von Beethoven allein 3 davon mit Brendel waren. Es dirigierten Levine, Haitink und Rattle. da frage ich mich doch allen ernstes, muss es sein, dass jemand diese Werke, die es in dutzendfachen Ausführungen gibt, immer wieder einspielt? genauso verhält es sich ja mit den Sonaten oder Mozart. Hat ein Künstler, auch wenn er im Laufe seines Lebens Wandlungen durchmacht, doch noch so viel Neues hinzuzufügen? Das betrifft ja nicht nur Brendel. Aber bei ihm fällt es mir besonders auf, zumal er seit Jahren immer nur Beethoven, Schubert, Haydn und Mozart spielt. Dass ich ihn für maximal einen mäßigen Pianisten halte, ist ja allgemein bekannt. Aber da wäre es doch besser, die Firmen würden junge, verheissungsvolle Talente aufbauen!
Karsten (07.05.2006, 09:07):
Alfred Brendel gehört für mich zu den ganz großen Pianisten unserer Zeit. Vielleicht kann man ihm vorhalten, sich nur im begrenzten Umfang für das Standardkonzertrepertoire einzusetzen. Andererseits wird hierdurch meines Erachtens verkannt, daß Beethoven, Mozart, Haydn nach meiner Auffassung in vielfältiger Weise interpretiert werden können, die Interpretationshaltung eines Pianisten sich im Laufe der Jahrzehnte, wie bei Brendel, durchaus ändern, vertiefen kann. Brendel ist deshalb hinsichtlich der Beschränkung des Repertoires nach meiner Auffassung durchaus mit Gould vergleichbar, den ich gleichfalls sehr schätze. Hinzukommt, daß die Interpretationsunterschiede nicht nur erhörbar, sondern zudem literarisch unterlegt - eine weitere Parallele zu Gould - sind. Alfred Brendel ist also jemand, der seine im Laufe seines Lebens sich wandelnde Auffassung von Musik in Töne umwandelt.
Cosima (07.05.2006, 10:09):
Original von Jeremias
Aber da wäre es doch besser, die Firmen würden junge, verheissungsvolle Talente aufbauen!

Besser wäre das aus meiner Sicht auch, aber es ist halt teurer, einen unbekannten Pianisten gewinnbringend zu vermarkten, als einen bereits etablierten mit der x-ten Einspielung eines bekannten Werkes an den Mann zu bringen. Und ich unterstelle einfach mal, dass sich der durchschnittliche Klassikhörer vor allem an wohlklingenden Namen orientiert. Diesen Eindruck bestätigte mir neulich ein Verkäufer bei jpc. Er meinte, dass er es mittlerweile aufgegeben hätte, die Leute von wirklich guten Interpretationen überzeugen zu wollen und ihnen halt das verkaufen würde, was sie wünschen. Man muss doch nur einen Blick in die Klassik-Bestellerlisten werfen (ähnlich ist es bei Literatur, da bekommt man noch mehr das Grausen), um zu sehen, wohin der Trend geht.

Gruß, Cosima
AcomA (07.05.2006, 15:21):
lieber Jeremias,

da hast du also wieder deinen unmut über alfred brendel geäußert, na gut. wie du schon ausführtest, gab es auch andere, welche die beethoven-konzerte mehrfach einspielten. aber wenn du brendel als allenfalls mittelmäßigen pianisten bezeichnest, dann handelt es sich um eine höchst subjektive einschätzung. es gibt viele dokumente, die beweisen, dass brendel schon alleine manual-technisch und von der beherrschung des klangspektrums weit über dem durchschnitt liegt. und es kommt bei brendel noch etwas hinzu, er ist ein intellektueller, der auch musikwissenschaftlich und musiktheoretisch eminent beschlagen ist.

warum soll man ein werk im laufe seines lebens mehrfach einspielen ?

- wenn sich die aufnahmetechnologie deutlich verbessert
- wenn sich eine neue 'musikpartnerschaft' ergibt
- wenn sich die werkauffassung verändert hat

und dann bleibt die frage, ob es sinnvoll ist, ein begrenztes repertoire über jahrzehnte beizubehalten. das gleiche problem ergibt sich in der medizin. die USA haben da häufig vorreiterfunktion gehabt. spezialistentum ist immer von vorteil für den leistungsempfänger ! desto häufiger eine komplexe leistung erbracht wird, desto besser gelingt sie ! letztlich muss der ausführende es selbst für sich entscheiden, ob er universal bleiben möchte, oder sich spezialisiert. wir können diese frage nicht beantworten.

aber mal ehrlich, alle beethoven-konzerte, seine 32 sonaten, seine variationszyklen, die bagatellen, alle mozart-sonaten und konzerte, das ist nicht wenig stoff !

außerdem bin ich davon überzeugt, dass der markt sich auch selbst reguliert. nähmlich wenn in regelmäßigen abständen 'neue stars' erscheinen und die alten verdrängen.

gruß, siamak :)
Ganong (09.05.2006, 13:58):
Lieber Siamak ,

Alfred Brednel ist sicherlich ein gute bsi sehr guter Pinaist auf seinem engen Terrain : Beethoven , Mozart , Haydn . Wobei mir sein Haydn ( Sonaten ) und die e r s t e Aufnahme der 32 Sonnaten Beethovens am meisten Eindruck machen .

Von den drei Aufnahmen der Klavierkonzerte Beethovens überzeugt mich keine einzige GA . Darum geht es . Die mit Rattl eist einfach lieblos im Hauruckverfahren aufgenommen worden . Neue Erkenntnisse ? J a, das Label heisst rattleorientiert EMI .

Brendel selbst , lieber Jeremia s, hat selbst geschrieben ( schon seit Jahren ! ) , dass er körperlich nicht merh in der Lage sei , bestimmte Werke zu spielen .

Brendel war undblieb nach dem Tod von Claudi Arrau d e r Hauspianist der Philips .

in diesem Zusammenhagng sei auf die zum Teil erschreckend schwachen Aufnahmen Brendels ( Schumann !!! oder Liszts h-Moll-Sonate ) hingewiesen .

Brendel lebt seit zig Jahren bei London. Die sbringt immer eine ungerechtfertigt e DauerjubelPresse in "Gramophone" ein . Schrecklich , wenn dies die "Qualitätskriterien" sind . Sie sind es im falle Brendel aber !
Würde er in seiner bömisch-mährischen Heimat leben m, so würde von ihm weniger Notiz genommen als von dem hervorragdnen Ivan Moravec .
Viele Grüsse , Frank
Karsten (09.05.2006, 15:50):
Original von Ganong

Von den drei Aufnahmen der Klavierkonzerte Beethovens überzeugt mich keine einzige GA .



Vielleicht überzeugt Dich ja die VOXBOX-Aufnahme aus den 60ern (übrigens die vierte Gesamtaufnahme) mit Metha, Wallberg?
AcomA (10.05.2006, 08:26):
lieber Frank,

ich kenne seine beethoven-konzerte mit haitink, und die sind mit sicherheit überdurchschnittlich gespielt. wenn ich z.b. das 1. klavierkonzert mit ABM oder pollini vergleiche, stelle ich keinen signifikanten qualitätsunterschied fest !

und dann habe ich das 4. und 5. konzert in der live-aufnahme aus chicago mit levine. das einzige, was ich an der aufnahme schwach finde, ist die aufnahmetechnik bzw. akustik ! interpretatorisch gibt es highlights. z.b. der finalsatz aus dem 'emperor concerto' ! ich kenne keinen vergleichbare interpretation mit diesem schwung und risiko. IMO sogar mit mehr rhythmischem elan als horowitz/reiner !

und das brendel selbst der ansicht ist, körperlich bedingt bestimmte werke nicht mehr spielen zu können, da muss ich erwähnen, dass ich vor wenigen monaten einen live-mitschnitt aus luzern mit dem 3. beethoven-konzert unter abbado sah. wirklich großes, ja perfektes klavier- und beethovenspiel !


gruß, siamak :)
Zelenka (10.05.2006, 13:06):
Original von Ganong
Lieber Siamak ,

Alfred Brednel ist sicherlich ein gute bsi sehr guter Pinaist auf seinem engen Terrain : Beethoven , Mozart , Haydn . Wobei mir sein Haydn ( Sonaten ) und die e r s t e Aufnahme der 32 Sonnaten Beethovens am meisten Eindruck machen .

Von den drei Aufnahmen der Klavierkonzerte Beethovens überzeugt mich keine einzige GA . Darum geht es . Die mit Rattl eist einfach lieblos im Hauruckverfahren aufgenommen worden . Neue Erkenntnisse ? J a, das Label heisst rattleorientiert EMI .

Brendel selbst , lieber Jeremia s, hat selbst geschrieben ( schon seit Jahren ! ) , dass er körperlich nicht merh in der Lage sei , bestimmte Werke zu spielen .

Brendel war undblieb nach dem Tod von Claudi Arrau d e r Hauspianist der Philips .

in diesem Zusammenhagng sei auf die zum Teil erschreckend schwachen Aufnahmen Brendels ( Schumann !!! oder Liszts h-Moll-Sonate ) hingewiesen .

Brendel lebt seit zig Jahren bei London. Die sbringt immer eine ungerechtfertigt e DauerjubelPresse in "Gramophone" ein . Schrecklich , wenn dies die "Qualitätskriterien" sind . Sie sind es im falle Brendel aber !
Würde er in seiner bömisch-mährischen Heimat leben m, so würde von ihm weniger Notiz genommen als von dem hervorragdnen Ivan Moravec .
Viele Grüsse , Frank

Lieber Frank:

Es ist ja wirklich niemand gezwungen, Brendel zu hören oder gar zu kaufen. Der Brendel/Rattle-Zyklus bei Philips ist unter dem Strich sicher etwas enttäuschend, aber es gibt Dinge, über die man sich erheblich mehr ärgern könnte. - Brendel lebt seit Jahren nicht nur "bei London", sondern tatsächlich in London, nämlich im Well Walk in Hampstead. Ob ihm nur diese Tatsache die Ehre verschafft, vom Gramophone häufiger gelobt zu werden? Ich weiß es nicht. (Auch dort wird ihm sein jüngeres Ich zuweilen um die Ohren gehauen.) Eine Rezension des letzten Kalvierkonzert-Zyklus finde ich noch nicht einmal im Gramophone, dafür hat sich aus der deutschen Ferne Peter Cossé unsäglich über ihn gefreut. Aus "seiner böhmisch-mährischen Heimat" ist er schon nach seinen ersten sechs Jahren weggzogen. Und wenn Brendel vor einigen Jahren erklärt hat, daß er namentlich die schwere Hammerklavier-Sonate nicht mehr spielen wird, dann kann man das wohl einfach respektieren. Das heißt wirklich noch nicht, daß Brendel mit mittlerweile 70 Jahren ein Tattergreis ist, der kaum noch die richtigen Tasten findet. Möge er noch lange Klavier spielen können!

Gruß,

Zelenka
Ganong (10.05.2006, 16:59):
Lieber Zelenka ,
lieber Siamak ,

1. Ich habe nie behauptet , das Alfred Brendel nicht mehr Klavier spielen solle ;
2. gerade Konzerte geben doch bekanntermassen die Möglichkeit , das man sich doch iregdnwie verstecken kann ;
3. Brendel selbst wies auf seine biologisch bedingten ( = Alter 9 unfähigkeiten hin , bestimmte Werke ( etwa die Hammerklaviersonate oder die Diabelli - Variationen nicht mehr im Konzert spielen zu können .
4. ob Herr Cossé gerade der "richtige" Rezensent ist , wenn es um Brendel geht , bezweifle ich ;
5. Brendel hat seit über 20 Jahren in England einen nicht überlesbaren enormen (!) Heimvorteil .

Ein eKarrier kann man meiner Meinung nach nur im ganzen betrachten und ggf. beurteilen , sondern auch unter dem eigenen Blickwinkel - und dem einer kritisch - analytischen Beobachtung der PR - Maschinen der Plattenfirmen . Auch da ist Alfred Brendel ganz unangemessen überbewertet . Philips 7 Universal , die ist die Folge , tut dann eben nichts für den künstlerischen Nachwuchs .

Alfred Brednel ist allerdings ein recht guter Musikautor in der "Neuen Zürcher zeitung" . Dier Hinweis hat mir "wonaders " schon einmal üble Schelte in 2005 eingebracht .
damit konnte und kann ich allerdings gut leben . Herr Brendel ist ein - schreibender - sehr intensiver Förderer von künstlerischem Nachwuchs ( NZZ z.B. ) . das ist seh rviel und wird im Gesamtbild Brendels , darum geht es , leider nicht berücksichtigt .

Grüsse ,
Frank
Karsten (10.05.2006, 18:52):
Original von Ganong

4. ob Herr Cossé gerade der "richtige" Rezensent ist , wenn es um Brendel geht , bezweifle ich ;




Ich versuche ja aufgeschlossen zu sein, aber das verstehe ich beim besten Willen nicht. Deswegen meine Frage nach dem WARUM?


?(
AcomA (10.05.2006, 22:00):
hallo, alle brendel-nichtliebhaber,

ich weiß nicht, was das soll ?( warum gönnt man diesem großartigen musiker und intellektuellen nicht seinen erfolg. man sollte bedenken, dass gerade joachim kaiser in den 60er und anfang der 70er jahre schwer zu schaffen machte. nach eigenem bekunden kostete ihm kaiser mindestens 10 jahre seines lebens. und Frank, ich finde deine antwort auf meine antwort, dass man sich bei instrumentalkonzerten auch verstecken kann, ziemlich giftig ! du hast doch den live-mitschnitt aus luzern gar nicht gesehen, vermute ich mal. genauso gut kann man argumentieren, dass ein solches konzert ordentliches 'musizieren und eine durchschlagskraft gegenüber dem orchester erfordert. genau das, was IMO brendel an dem abend offenbarte.

gruß, siamak :)
Rachmaninov (11.05.2006, 08:27):
Nochmal an alle:

Es geht hier ja nicht nur um Brendel, sondern um den Umstand der "Mehrfacheinspielungen" insgesamt.

Das wird doch sicherlich nicht nur bei Brendel so sein, oder? :engel
Jack Bristow (11.05.2006, 10:25):
Original von Rachmaninov
Es geht hier ja nicht nur um Brendel, sondern um den Umstand der "Mehrfacheinspielungen" insgesamt.

Das wird doch sicherlich nicht nur bei Brendel so sein, oder? :engel

Das einzige noch extremere Bsp., das mir einfällt, ist natürlich v. Karajan...Bernstein hat z.B. die Sinfonien von Beethoven, Mahler, Brahms, Schumann und eine Reihe weiterer Werke auch ein weiteres Mal für DG eingespielt. Aber das war ein anderes Label, anderes Orchester, 20 Jahre später und größtenteils Live-Mitschnitte
Unter Pianisten: Rubinstein mit Einschränkung, denn dort geht es wirklich um Schellack (1930er) - mono (1940-50)- stereo (1960er) (abgesehen davon, dass wohl nicht nur ich AR für ein anderes Kaliber als AB halte), während es bei Brendel und Beethoven 3 komplette Sonatenzyklen in stereo sowie viermal die Konzerte gibt...

Ich finde es grundsätzlich auch übertrieben, zumal es in den Fällen AB und HvK sich um Künstler handelt, die gewiß sehr gut sind, aber hauptsächlich von einer ungeheuren Medienmaschine gepusht werden/wurden, die es so aussehen läßt, als seien es die alles überragenden Interpreten ihrer Zeit. Und so etwas geht immer irgendwie zu Lasten anderer hervorragender Künstler. Es gibt z.B bei Philips eine einzelne CD mit 4 Beethovensonaten mit Kocsis. Ich weiß nicht, vielleicht wollte der gar keine Gesamtaufnahme machen. Aber es kann auch gut sein, dass Philips solche Projekte blockte, denn der große Musikdenker AB mußte ja seinen 3., diesmal digitalen Zyklus einspielen, und für Kocsis blieb Bartok und Debussy übrig.

viele Grüße

J. Bristow
AcomA (11.05.2006, 14:08):
lieber Mr. Bristow,

ein sehr erfahrener kollege sagte mal zu mir: 'bedenke, wenn jemand sehr berühmt im positiven sinne ist, es ist nicht umsonst ! er wird in jedem falle nicht ohne grund dazu gekommen sein !' es ging dabei um einen neurochirurgen, aber es ist überall übertragbar.

gruß, siamak :)
Jack Bristow (11.05.2006, 14:34):
Ich habe ja "sehr gut" für AB und HvK zugestanden. Den Grund für die angeblich alles überragende Qualität dieser Interpreten habe ich auch angegeben: eine gut geschmierte Medienmaschine.
Es hat auch im ganzen thread niemand gesagt, das z.B. Brendel Schrott wäre. Sondern nur, dass die zigfachen Neueinspielungen desselben Repertoires übertrieben sind. Ich finde das ebenfalls und bin überdies ziemlich sicher, das diese Strategie zu Lasten der Vielfalt und anderer Künstler, die entsprechende Aufnahmeprojekte ebenso oder noch mehr verdient hätten. Die wirtschaftliche Logik hinter den "ewigen Neueinspielungen" ist simpel und es lohnt sich vermutlich für die Konzerne, eine Marke wie Karajan über alles aufzubauen, weil die dann jeder kennt und dann tatsächlich die dritte Einspielung der Beethovensinfonien kauft (weil sie digital ist oder was immer) und solch ein Projekt weniger Werbung erfordert als das eines noch nicht so bekannten Künstlers...

viele Grüße

J. Bristow
Cosima (11.05.2006, 18:02):
Original von AcomA
ich weiß nicht, was das soll ?( warum gönnt man diesem großartigen musiker und intellektuellen nicht seinen erfolg.

Genau! Ich stand Brendel auch eher zurückhaltend gegenüber, und ich glaube fast, dass sein etwas negatives Image auch mit seinem Äußeren zu tun haben könnte: Mit seinem Dackelblick wirkt er so harmlos. Aber seit ich seine Diabelli-Variationen und die Bach-CD hörte, hat sich mein Verhältnis gegenüber seiner Person gewandelt.

Gruß, Cosima :)
Karsten (11.05.2006, 18:25):
Original von Cosima
etwas negatives Image



Das ist mE eine Legende. Nach meiner Beobachtung hatte B auch in der öffentlichen Wahrnehmung nie ein "etwas negatives Image". Allenfalls hätte man sagen können, daß B vielleicht als eine Art genialischer Sonderling in das Bewußtsein der Klassikkonsumenten eingedrungen ist. Ich hatte bereits weiter oben auf gewisse Parallelen zu Glenn H. Gould hingewiesen.
Cosima (11.05.2006, 18:50):
Original von Karsten
Nach meiner Beobachtung hatte B auch in der öffentlichen Wahrnehmung nie ein "etwas negatives Image".

Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Was ich meine, ist: Mir ist aufgefallen, dass Brendel z.B. in Internet-Foren häufig stark kritisiert wird. Eher im Sinne von: Da muss einer als „Prügelknabe“ herhalten, aus welchen Gründen auch immer… wie eben auch in diesem Thread so angedeutet mit dem "muss das sein?"... Damit wollte ich nicht sagen, dass sein Image generell negativ sei.

Gruß, Cosima
ab (20.05.2006, 15:26):
Im allgemeinen ist es doch wohl nur zu begrüßen, dass Künstler die Möglichkeit bekommen, ihre Weiterentwicklung - in welche Richtung auch immer - dokumentieren zu dürfen! Natürlich muss das nicht sein, aber ich begrüße das sehr. Man muss ja nicht die elitäre Position einnehmen, nur die aller besten dürften Aufnahmen machen, und das auch nur einmal. Oft gefällt mir eine Aufnahme, die ich in verschiedenen Hinsichten weniger gut finde, dennoch besser als jene Aufnahme, die ich besser bewerten würde. Geschmack und Qualität ist doch immer zweierlei.
(Brendel und Schumann ist für mich so ein Besipiel: Halte ich ganz und gar nicht für das Spitzenfeld, gefällt mir aber persönlich sehr, wie ich anderswo bereits ausgeführt habe.)

Ich würde natürlich mehr Konzertmitschnitte begrüßen!

Im besonderen ist Brendel hoch anzurechnen, dass es gerade er selbst ist, der sein Können ganz realistisch einschätzt: Wiederholt hat er geäußert, eigentlich nicht verstehen zu können, weshalb er eine so große Karriere gemacht hat. Das ist ja nicht ihm anzukreiden, dass Philips mit ihm so gut Platten verkauft, oder?
Ganong (20.05.2006, 19:00):
Lieber Siamak ,

natürlich kann ein Künstler sich in einem Konzert ggf. hinter dem Orchester "verstecken" . Die sist nicht persönlich auf Aölfred Brendel bezogen , sondern es ist ein allgemeingültiger Erfahrungssatz .

Alfre dBrendel gönne ich allen Erfolg der Welt - warum auch nicht . Ich finde grundsätzlich bei ihm , dass 1) seine frühen Aufnahmen der Klaviersonaten die interessantesten sind als Gesamtaufnahme , 2) die "Diabelli-Variationen" aus seiner späteren Periode sagen mir eben mehr zu als alle anderen ( er hat sie ja zig mal live gespielt und auch aufgenommen ) , 3) die GA der Klavierkonzerte - wir sprechen über die Gesamtaufnahmen ! - mag ich eben persönlich , subjektiv nicht ( das für viele überraschende Gegenbeispiel ist für mich die GA der Konzerte mit Gilels und Szell und dessen Cleveland orchestra ; EMI ) und 4) ich kann mir kaum vorstellen , dass ausgerechnet Alfred Brendel sich durch Joachim Kaiser hat zurückdrängen lassen , in seiner Karriere beeinträchtigt worden ist . Für meine Meinung sprechen die geradezu übervielen LPs und später CDs bei Philips .

Bei kleineren Namen und weniger interessanten Pianisten als Herr Brendel dies ist , kann ich mir allerdings sehr gut vorstellen , wie der unselige , Übel wollende Einfluss von Joachim Kaiser Karrieren nicht nur behindert hat !!! .

Die Überheblichkeit und Ignoranz von Joachim Kaiser habe ich seit zig Jahren immer wieder angeprangert und geradezu akribisch herausgearbeitet ( die s schliesst seine oft extrem mangelnde Logik wie seinen zum teil sehr schwülstigen Schreibstil mit ein . B e w e i s : Meine umfangreichen Eräuterungen dazu an Matthia sKornmenn , damals RONDO , aus den jahren 1998 - 2002 .

Zur allgemein Beruhigung folgende Tatsache : : es gab vor Jahren ein Art "Gipfeltreffen" der Klassikszene . Dazu war auch Joachim Kaiser ( man stelle sich einmal vor er hiesse Schultze oder Müller und sein Buch dann konsequenterweise der "Klavier Schultze" etc. !!! ) selbstverständlich eingeladen .

Als Herr Kaiser erfuhr , dass der Klavier Papst Harold C. Schonberg - natürlich - als die quasi "letzte Instanz" auch eingeladen war , ist er , Kaiser , n i c h t ienmal gekommen ! Dies sagt für mich alles .

Im übrigen sind Bryce Morrison , Joan Chissel , Natasha Spender , Philip Kennicott unendlich bereicherende , kenntnisreichere , feinfühligere , weltläufige - und nicht weitschweifige ! - Autoritäten in Sachen Klassische Klaviermusik . dazu gehören auch Prof. Piero rattalino oder Norman Lebrecht ( er hat schon den Vorteil der Mehrsprachigkeit ) .

In diesem Sinne : Beste Grüsse , Frank
Karsten (20.05.2006, 19:37):
B e w e i s : Meine umfangreichen Eräuterungen dazu an Matthia sKornmenn , damals RONDO , aus den jahren 1998 - 2002 .


Sollte hierdurch etwa mehr belegt werden als eine, sagen wir einmal, freundlich formuliert, exotische Einzelauffassung? Wenn man sich natürlich permanent selbst bestätigt, ist man irgendwann einmal auch von Meinungen, so abwegig sie auch immer sein mögen, überzeugt.

:hello
Daniel Behrendt (25.05.2006, 10:29):
Liebe Cosima, ieber Karsten,

Zitat Karsten: Das ist mE eine Legende. Nach meiner Beobachtung hatte B auch in der öffentlichen Wahrnehmung nie ein "etwas negatives Image". Allenfalls hätte man sagen können, daß B vielleicht als eine Art genialischer Sonderling in das Bewußtsein der Klassikkonsumenten eingedrungen ist. Ich hatte bereits weiter oben auf gewisse Parallelen zu Glenn H. Gould hingewiesen.

Also, ehrlich gesagt: In mein Bewusstsein ist Herr Brendel weder als Träger eines sonderlich negativen Images, noch als "genialischer Sonderling" eingedrungen. Eher scheint mir, dass er seit 10, 15 Jahren - berechtigt oder nicht sei dahingestellt- als heimlicher Maßstab für Beethoven, Haydn und Schubert (nicht ganz so uneingeschränkt für Mozart) gehandelt wird. Wenn ich Brendel-Rezensionen lese, kommt es mir immer so vor, als sei Brendel der letzte Vertreter einer praktisch ausgestorbenen Spezies, quasi "der letzte Klassiker" (oder so ähnlich). Dieser Status kommt dann auch einem künstlerischen Freifahrtschein gleich - Egal welche Zeitung man aufschlägt: Einen faustdicken Brendel-Verriss habe ich, soweit ich mich erinnern kann, jedenfalls noch nicht gelesen. Aber zugegeben: Seinen Beethoven hat der Mann drauf, da gibt's wirklich nichts dran auszusetzen.

Dass ständig und allüberall betont wird, dass Brendel ein "Tastenintellektueller", also eine Art klavierspielendes Gehirn sei, geht mir allerdings ein wenig auf den Senkel. Ich habe das eine oder andere Brendel-Porträt gesehen und dachte immer wieder: "Mein Gott ist der Mann bieder!" Ich habe ihn für mich in die Schublade "Spleenig im Rahmen des bürgerlich Statthaften" sortiert.
Seine Beethoven-Konzerte halte ich übrigens durchweg für hörenswert. Mein Favorit: Die mittlere Einspielung mit James Levine - nicht so pauschal, wie die Haitink-Einspielung, nicht so zertüftelt wie mit Herrn Rattle.

LG!
Daniel
fohlenfanatiker (25.05.2006, 11:10):
Eine Frage: Wie oft hat Brendel eigentlich den Beethoven Klaviersonatenzyklus eingespielt? Ich weiß es wirklich nicht.
2.Frage: Ist eine markante Veränderung bzw. Entwicklung erkennbar, außer, dass sich die Aufnahmetechnik verbessert hat? Wenn ja, was hat er später anders gemacht, worin besteht die Weiterentwicklung?
Sollte keine wirkliche Entwicklung erkennbar sein, so wäre die Eingangsfrage dieses Threads angeschnitten: Muss das sein?
Ich kenne nur wenige Beethovensonaten von Brendel. Habe mir neulich die späten Sonaten 27-32 als DoppelCd von Anfang der Siebziger ersteigert. Ich finde sie recht solide, mehr aber auch nicht. Die Klangqualität ist recht bescheiden, da gibts aus der selben Zeit sicher wesentlich bessere Aufnahmen. Aber auch interpretatorisch würde ich sie nicht als spektakulär bezeichnen. Somit hätte er genug Grund gehabt, sie später neu einzuspielen. Was hat sich verändert bei späteren Aufnahmen?
Aber wo wir gerade bei Brendel sind: Die Mozartklavierkonzerte mit Marriner gehören für mich zum Kreis der Referenzaufnahmen.
Gruß
Cosima (25.05.2006, 11:47):
Original von Daniel Behrendt
Dass ständig und allüberall betont wird, dass Brendel ein "Tastenintellektueller", also eine Art klavierspielendes Gehirn sei, geht mir allerdings ein wenig auf den Senkel.

Lieber Daniel,

mir ehrlich gesagt auch ein wenig. Ich habe zwar noch keinen seiner Texte gelesen, kann mir also im Grunde kein Urteil erlauben, aber ein wenig riecht mir dieses Betonen seiner geistigen Fähigkeiten nach Rechtfertigung. Dadurch, dass er als Intellektueller gehandelt wird, wird er scheinbar zu einer unantastbaren Person. Dabei haben Intellekt und Klavierspiel ja nur bedingt miteinander zu tun – siehe Horowitz :ignore.

Gruß, Cosima

P.S.: Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen! :)
Gerion (25.05.2006, 12:00):
Hallo Jeremias,

Original von Jeremias
Ich war heute bei Saturn und da habe ich gesehen, dass von den vielleicht 8 oder 9 gesamtaufnahmen der Klavierkonzerte von Beethoven allein 3 davon mit Brendel waren. Es dirigierten Levine, Haitink und Rattle. da frage ich mich doch allen ernstes, muss es sein, dass jemand diese Werke, die es in dutzendfachen Ausführungen gibt, immer wieder einspielt? genauso verhält es sich ja mit den Sonaten oder Mozart. Hat ein Künstler, auch wenn er im Laufe seines Lebens Wandlungen durchmacht, doch noch so viel Neues hinzuzufügen? Das betrifft ja nicht nur Brendel. Aber bei ihm fällt es mir besonders auf, zumal er seit Jahren immer nur Beethoven, Schubert, Haydn und Mozart spielt. Dass ich ihn für maximal einen mäßigen Pianisten halte, ist ja allgemein bekannt. Aber da wäre es doch besser, die Firmen würden junge, verheissungsvolle Talente aufbauen!

Gegenfrage: Mit welcher Berechtigung sollte man Brendel oder anderen die erneute Aufnahme eines Werks, das fast täglich (oder sogar täglich mehrmals?) irgendwo auf der Welt aufgeführt wird, verbieten? Wenn er den Eindruck hat, dass sich in seiner Interpretationshaltung etwas geändert hat - bitteschön. Oder - wenn er der Auffassugn ist, dass zB Rattles Interpretationd es Orchesterparts eine Bereicherung gegenüber Levine und Haitink ist - bitte. Ich muss es mir ja nicht kaufen. Ich bin mit meinen Kempff-Aufnahmen sehr zufrieden.
Jack Bristow (25.05.2006, 12:02):
Original von fohlenfanatiker
Eine Frage: Wie oft hat Brendel eigentlich den Beethoven Klaviersonatenzyklus eingespielt? Ich weiß es wirklich nicht.


Die Sonaten: Vox Anfang der 60er, Philips Anfang/Mitte der 70er, Philips Anfang der 90er
Die Konzerte zusätzlich noch einmal mit Rattle, also 4x


einzuspielen. Was hat sich verändert bei späteren Aufnahmen?
Aber wo wir gerade bei Brendel sind: Die Mozartklavierkonzerte mit Marriner gehören für mich zum Kreis der Referenzaufnahmen.


Ich kenne auch nur vereinzelten Beethoven, halte Brendel aber da für massiv überschätzt. Wie Du sagst, solide, aber nicht viel mehr. Unter lebenden und aktiven Pianisten hätte Stephen Kovacevich viel eher den Titel des Beethoven-Papstes verdient, Von Schnabel, Fischer, Richter, Gulda usw. will ich gar nicht anfangen. Der (oder jedenfalls mein) Punkt, war auch nie das Brendel irgendwie schlecht wäre. Sondern nur eben keinesfalls so allesüberragend, dass er alle 15 Jahre seine nunmehr gereifte ultra-weise Deutung desselben Repertoires verewigen muß. Das ist fast so übles Marketing wie bei Karajan.
Ich weiß natürlich nicht, ob das wirklich die Ursache ist, aber z.B. Zoltan Kocsis hat bei Philips etwa zu der Zeit der letzten Brendelschen Beethovensonaten eine einzelnen CD mit 4 Sonaten gemacht, die für jemanden, der eher energisch-dramatischen Beethoven schätzt, mit Brendel "den Fußboden aufwischt". Hätte der Altmeister nicht noch unbedingt einen dritten Zyklus machen müssen, gäbe es vielleicht mehr Beethoven mit (und Mozart) mit Kocsis. (Vielleicht wollte der allerdings auch gar nicht mehr Beethoven einspielen).

viele Grüße

J. Bristow
Daniel Behrendt (25.05.2006, 12:13):
Lieber Jack B.,

Zitat Jack B.: Ich kenne auch nur vereinzelten Beethoven, halte Brendel aber da für massiv überschätzt. Wie Du sagst, solide, aber nicht viel mehr. Unter lebenden und aktiven Pianisten hätte Stephen Kovacevich viel eher den Titel des Beethoven-Papstes verdient,#

Ich find's ein wenig heikel, einem der verblichenen oder amtierenden Beethoven-Spezis das Krönchen oder den Papsthut (wie heißt das Ding eigentlich?) aufzusetzen - dazu war und ist die Leistungsdichte zu groß. Darüber hinaus ist Beethoven (und nicht nur der) wohl zu reichhaltig um seine Geheimnisse im Alleingang lüften zu können. Ein halbwegs umfassendes Beethoven-Bild ergibt sich wohl erst durch eine Vielzahl von Interpretationen, die einander auch gerne widersprechen dürfen. Was Kovacevich angeht, gebe ich dir allerdings Recht: Ihm wird einfach nicht die Bedeutung beigemessen, die er eigentlich verdient. Sein energetisches, geradliniges und ganz und gar unumwundenes Beethovenspiel ist fraglos absolut top - Ohne Zweifel eine meiner Lieblingseinspielungen.

LG!
Daniel
Jack Bristow (25.05.2006, 12:58):
Original von Daniel Behrendt
Zitat Jack B.: Ich kenne auch nur vereinzelten Beethoven, halte Brendel aber da für massiv überschätzt. Wie Du sagst, solide, aber nicht viel mehr. Unter lebenden und aktiven Pianisten hätte Stephen Kovacevich viel eher den Titel des Beethoven-Papstes verdient,#

Ich find's ein wenig heikel, einem der verblichenen oder amtierenden Beethoven-Spezis das Krönchen oder den Papsthut (wie heißt das Ding eigentlich?) aufzusetzen - dazu war und ist die Leistungsdichte zu groß. Darüber hinaus ist Beethoven (und nicht nur der) wohl zu reichhaltig um seine Geheimnisse im Alleingang lüften zu können. Ein halbwegs


Genau das finde ich auch. Umso absurder und ärgerlicher eben die Vermarktung von (z.B.) Brendel als Papst nicht nur für Beethoven, sondern auch Mozart und Schubert (obwohl es bei diesne Komponisten vielleicht ein wenig eher gerechtfertigt sein mag).
Es scheint indes Hörer zugeben, die dieses "Papsttum", egal bei welchem Künstler, sogar für pflegenswert halten...(man ergänze für sich selbst die möglichen tiefenpsychologische oder soziologische Erklärungen solcher Neigungen :wink) )

:hello

J. Bristow
AcomA (25.05.2006, 14:16):
liebe freunde,

erstmal meine freude, dass Daniel wieder da ist ! :down

dann: gibt es das nicht überall, in jedem metier, dass jemand oder eine institution, gewiss fähig und sehr gut, zum alles überragenden maßstab erhoben wird. auch in der medizin ! das scheint inder natur der medien und des publikums/ der gesellschaft zu liegen. man muss da ja nicht aufspringen.

gruß, siamak :)