Bruckner als Symphoniker dienen- Der Dirigent Günter Wand
Jan Van Karajan (09.11.2020, 14:05): Liebe Musikfreunde, In diesem Faden soll es um Günter Wand gehen, den Meisterinterpreten des großen Anton Bruckner. Ich besitze von ihm diese Aufnahme:
Ein Meisterstück! Der Start meiner Leidenschaft für Anton Bruckner. Auf YouTube hörte ich unter anderem seinen Beethoven und war begeistert davon. Ganz oben auf meinem Wunschzettel steht diese Box:
Ich kenne diese Symphonien nicht wirklich(Asche auf mein Haupt :rofl ) und hoffe, dass die Wand mir da helfen kann. Was sind eure Gedanken zu diesem Dirigenten?
Sfantu (09.11.2020, 15:04): Hallo Jan, in Sachen Bruckner ist & bleibt Günter Wand eine Instanz. Du wirst hier aber auch Kommentare lesen, die seinem Zugang eine gewisse Glätte & Nüchternheit zuschreiben. Nimm ihn als Referenz & erforsche, wenn Du magst, mit der Zeit andere Interpretationen. So komplettierst Du Dein Bild & kannst vorherige Eindrücke eventuell revidieren. Vielleicht auch nicht. In beiden Fällen - bei Bruckner und Schubert lohnt sich auch ein Vergleich mit seinen späteren Einspielungen mit den Berliner Philharmonikern bzw. dem NDR-Symphonieorchester Hamburg. Speziell mit dem NDR-SO gelingt Wand bei Schuberts grosser C-Dur nochmal ein Plus an Sorgfalt in den Details - ein Erlebnis!
Jan Van Karajan (09.11.2020, 15:25): Mein lieber Sfantu, Vielen Dank für deine Anregungen. Das klingt alles sehr spannend. Auf Dauer möchte ich mich auch noch genauer mit den Interpretationen von Karajan, Jochum und Celi auseinandersetzen. Das, was ich im Netz bereits gehört hab, gefällt mir ebenfalls sehr gut. Was kannst du mir denn noch schönes von Wand empfehlen? :) LG Jan
Philidor (09.11.2020, 15:47): Ein Meisterstück! Der Start meiner Leidenschaft für Anton Bruckner. Hallo Jan,
erst einmal herzlich willkommen an diesem virtuellen Ort! Mögest Du finden, was Du suchst und vielleicht noch etwas darüber hinaus.
Die Meinungen zu Wand, auch zu seinen Bruckner-Darbietungen, sind in der Tat geteilt.
Jenseits von Geschmacksfragen meine ich, dass Wands Aufnahmen so etwas Ähnliches wie ein Normalnull darstellen, an welchem man die Eigenheiten anderer Interpretationen ganz gut erkennen kann. - Vielleicht gingen Sfantus Worte "Nimm ihn als Referenz" (im Sinne von Bezugspunkt) in dieselbe Richtung.
Beim ersten Kennenlernen solcher Meisterwerke spielt es mMn ohnehin kaum eine Rolle, wie gut die Interpretation ist - die Musik ist einfach gut genug. Erst, wenn man das Werk besser kennt, bekommt man eine Idee, welcher Dirigent die Architektur noch besser auf den Punkt bringt, die Farben noch sorgfältiger abmischt, die dynamischen Balancen noch geschickter herstellt usw. usw.
Bei Wand habe ich mal drei Aufnahmen von Bruckner 8 miteinander verglichen, die in deiner Box bei WDR SO, eine live 1987 mit dem NDR SO in Lübeck und eine live 2001 mit den Berliner Philharmonikern. DIe erste beim WDR hat mir am besten gefallen.
Da wünsche ich Dir viel Spaß mit Deiner Bruckner-Box! Und lasse Dir nix von Kritikern und selbsternannten Experten einreden ... Dein Ohr entscheidet.
Gruß Philidor
:hello
Jan Van Karajan (09.11.2020, 15:54): Lieber Philidor, Vielen Dank für diese wohlgewählten Worte. Am ehesten interessieren mich im Moment tatsächlich außer Wand die Aufnahmen von meinem Namensgeber und Eugen Jochum, der mein Regal mit den Bruckner-Messen und der Carmina Burana bestücken durfte. Ich bewundere immer wieder die Fachkenntnisse in diesem Forum :down und habe hier schon so manche Anregung bekommen. Und da freue ich mich immer sehr :) . Grüße Jan
Sfantu (09.11.2020, 16:42): Vielleicht gingen Sfantus Worte "Nimm ihn als Referenz" (im Sinne von Bezugspunkt) in dieselbe Richtung. Ja, exakt so war es gemeint.
Lieber Jan, Wand ist jetzt nicht gerade ein Repertoire-Monster, will sagen, seine Bandbreite an Komponisten ist überschaubar. Für mich interessant ist nach wie vor die unten abgebildete CD, die aktuell aber nicht mehr im Katalog greifbar zu sein scheint. Hier hört man eine gute Auswahl an Musik des 20. Jahrhunderts, wenn man einen Einstieg in modernere Klänge sucht. Möglicherweise findet man sie aber gebraucht ganz günstig. Wenn ich's richtig sehe, gibt es, was Fortner angeht, von Wand momentan "nur" eine Gesamtaufnahme der "Bluthochzeit" - das ist dann vielleicht doch etwas starker Tobak. Ich tippe gerade aus meiner Zvieri-Pause & habe daher nicht die nötige Zeit, genauer zu recherchieren. Seine Heimathäfen sind aber sicher eher Mozart, Schubert, Beethoven, Brahms & natürlich Bruckner. Eine sehr gute 76. Sinfonie von Haydn hatte er ebenfalls mit "seinem" NDR-Orchester eingespielt - leider wohl der einzige Haydn von ihm (?).
Anton Webern - Orchesterstücke op. 10 Igor Strawinskij - Dumbarton Oaks-Conceto Wolfgang Fortner - 4 Zwischenspiel aus "Bluthochzeit" Frank Martin - Petite Suite Concertante
NDR-Sinfonieorchester Hamburg - Günter Wand
Viel Erfolg beim Suchen & Entdecken!
Jan Van Karajan (09.11.2020, 17:05): Lieber Sfantu, Das klingt toll. Ich hatte nicht die Absicht, deine Pause zu stören. Ich werde mal sehen, was die Internetseiten meines Vertrauens dazu ausspucken
Sfantu (09.11.2020, 17:20): Hallo Jan, kein Ding. Es ist eher umgekehrt: die Arbeit stört meine Beschäftigung mit der Musik. Gib mir den Jackpot & das Problem ist bereinigt :cool
Jan Van Karajan (09.11.2020, 17:42): Das ist auch mein Wunsch :D . Wenn die Pflichten nicht wären...
Maurice inaktiv (09.11.2020, 22:33): Ein Meisterstück! Der Start meiner Leidenschaft für Anton Bruckner. Günter Wand ist auch mein Favorit bei Bruckner. Er wurde vor allem im Alter immer "besser", aber auch die Orchester wurden es, zu denen er eingeladen wurde. Bei Bruckner sollte man wissen, dass er nur EINMAL alle neun anerkannte Sinfonien eingespielt hat, also die Nr.1-9. Die Nummern 3-9 gibt es auch aus Hamburg mit dem NDR-RSO. Sie sind schon eine Steigerung zu seinen Einspielungen aus Köln.
In den 1990-er Jahren fing er an in Berlin mit dem Deutschen SO Berlin und den Berliner Philharmonikern zu arbeiten und auch aufzunehmen. Hier sollten sich die Sinfonien Nr. 4-9 finden lassen, die ebenfalls hervorragend wurden. Vor allem mit den Philharmonikern (Nr. sind ihm exemplarische Einspielungen gelungen. Ebenfalls war er bei den Münchner Philharmonikern zu Gast. Auch HIER findet man exzellente Live-Einspielungen mit den Bruckner-Sinfonien (Nr.4,5,8 und 9, meine ich aus München).
Alternativen zum Wand-Bruckner sind ebenfalls zu finden: Etwa die ganze Bandbreite von der "Studiensinfonie" bis zur "Neunten" mit Stanislav Skrowaczewski (Arte Nova, dann Oehms) und Tintner (hier sind vor allem die frühen Sinfonien interessant). Dannis Russell Davies (Arte Nova), Ivor Bolton (Oehms) und ich finde auch Den CPO-Zyklus unter Mario Venzago von Ansatz her hochinteressant, aber auch sehr gut gelungen. Allerdings muss man sich hier auf die Interpretation einlassen können.
Ich hatte mal den DGG-Zyklus von Eugen Jochum. Das war damals eine Pionier-Leistung gewesen, aber vielleicht dann doch vom Katholiken Jochum ein wenig zu "weihevoll" eingespielt.
Herbert von Karajan war bei den großen Sinfonien natürlich ganz in seinem Element gewesen. Etwa die Vierte, Fünfte, Achte und Neunte.
Bei Schubert würde ich heute vielleicht nicht mehr zu Wand direkt greifen, aber seine Einspielungen waren damals sicher mit das Beste gewesen, was es zu erwerben gab. Inzwischen sehe ich hier die Einspielungen von Abbado, Sir Colin Davis, Harnoncourt, Sandor Vegh, Mackerras, Norrington.
Auch bei Brahms gibt es sehr viel Auswahl. Hier sollte man auch Günter Wand mit ins Rennen schicken. Hier bevorzuge ich seinen Live-Zyklus aus den 1990-er Jahren von Profil mit dem NDR-SO. Dieser scheint mir von seinen drei Zyklen als der "rundeste".
Jan Van Karajan (09.11.2020, 22:44): Lieber Maurice, Seit meiner Zeit als stiller Leser bewundere ich dein riesiges musikalisches Wissen :down . Mir war bekannt, dass Wand auch in Berlin aufgenommen hat, ich kenne diese Aufnahmen allerdings nicht. Auf vielen Gebieten habe ich noch großen Nachholbedarf :rofl . Wenn man doch täglich Geburtstag haben könnte... Abbado habe ich bei Schubert auch schon auf dem Zettel, wo er sich den Platz mit Wand teilen muss. Ich will mir die Überraschung ja nicht selbst verderben :D . Auch Brahms mit Wand werde ich natürlich im Hinterkopf behalten. Ich staune wieder einmal heute über diese tolle Gemeinschaft hier, die auch einen Grünschnabel wie mich mit offenen Armen aufnimmt. :) . Hier kann ich noch viel lernen. LG Jan
Maurice inaktiv (09.11.2020, 22:57): Lieber Maurice, Seit meiner Zeit als stiller Leser bewundere ich dein riesiges musikalisches Wissen Danke, aber ich bin doch eigentlich Jazzer. Wenn auch mit einer klassischen Ausbildung. Doch ich kann nicht mal mehr das Trompetenkonzert von Joseph Haydn mehr spielen.
Sfantu (10.11.2020, 07:20): Hallo Jan, wenn Du auf Entdeckungsreisen zu Bruckner, abseits von Günter Wand, gehst - zögere nicht, Deine Eindrücke in einem der Bruckner-Fäden unter "Instrumentalmusik" mit uns zu teilen - bspw hier:
In "Was höre ich gerade jetzt" geht es immer schnell unter. In den entsprechenden Fäden aber kann man gezielt drauf zugreifen. Also - immer nur zu! Es muss nicht tiefschürfend & theoretisch fundiert sein. Schildere einfach, was Dir gefällt. & was nicht - wie Philidor bereits schrieb: Dein Ohr entscheidet. Wünsche Dir spannende Hörerlebnisse!
Gruß, Sfantu
Jan Van Karajan (10.11.2020, 10:08): Lieber Maurice, Seit meiner Zeit als stiller Leser bewundere ich dein riesiges musikalisches Wissen Danke, aber ich bin doch eigentlich Jazzer. Wenn auch mit einer klassischen Ausbildung. Doch ich kann nicht mal mehr das Trompetenkonzert von Joseph Haydn mehr spielen. Lieber Maurice, Ich spiele nicht mal ein Instrument :D . Das Haydn-Konzert ist aber auch harter Tobak für den Solisten.
Jan Van Karajan (10.11.2020, 10:11): Hallo Jan, wenn Du auf Entdeckungsreisen zu Bruckner, abseits von Günter Wand, gehst - zögere nicht, Deine Eindrücke in einem der Bruckner-Fäden unter "Instrumentalmusik" mit uns zu teilen - bspw hier:
In "Was höre ich gerade jetzt" geht es immer schnell unter. In den entsprechenden Fäden aber kann man gezielt drauf zugreifen. Also - immer nur zu! Es muss nicht tiefschürfend & theoretisch fundiert sein. Schildere einfach, was Dir gefällt. & was nicht - wie Philidor bereits schrieb: Dein Ohr entscheidet. Wünsche Dir spannende Hörerlebnisse!
Gruß, Sfantu Lieber Sfantu, Danke für die Anregung :) . Werde mich beizeiten mit Celibidache und Karajan auseinandersetzen. Ein hoch auf das Internet! :D . Neugier ist der größte Antreiber. Grüße Jan
Maurice inaktiv (10.11.2020, 11:15): Das Haydn-Konzert ist aber auch harter Tobak für den Solisten. Nein, eigentlich nicht. Es ist eigentlich nur die Länge. Ich bin kein "Langstreckenspieler" mehr. Die Tonhöhe wäre auch nicht das Problem. Der höchste Ton ist ein klingendes Des, das liegt auf der handelsüblichen B-Trompete ganz gut (kommt auf das Instrument an). Technisch ist es mit einer modernen Trompete auch nicht das Problem. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass es "leicht" wäre, aber da gibt es ganz andere Konzerte. Doch das ist ein anderes Thema.
Jan Van Karajan (10.11.2020, 11:20): Wenn man selber absolut unmusikalisch ist, kommt einem alles wie ein harter Brocken vor :D . So bald werde ich leider auch kein Instrument lernen können. Da kommen aber mehrere Aspekte zusammen. Aber auch so kann ich hier ja viel lernen. Grüße jan
Andréjo (10.11.2020, 11:54): Falls hier unpassend, bitte melden oder verschieben!
Meister Maurice - da ich schon so manches Trompetenkonzert vom Hören her kenne, würden mich mal Namen interessieren von Konzerten, die Du für schwer oder schwerer als Haydn erachtest.
Ist zum Beispiel der Hummel schwerer? Ich habe ihn für einen Freund, der ihn bei der Prüfung an der Musikhochschule einstudieren musste, mal privat begleitet. Natürlich mehr recht als schlecht, denn weder bin ich am Klavier mittlerweile mehr sonderlich geübt noch ist der Part (wie viele Klaviertranskriptionen) bei aller Phrasenhaftigkeit angenehm zu spielen. Aber darum ging es nicht, denn der Bekannte hatte natürlich auch eine professionelle Korrepetitorin, wenn nötig.
PS: Sei gegrüßt hier, Herr (und Meister) von Karajan!
:) Wolfgang
Jan Van Karajan (10.11.2020, 12:41): Vielen Dank, lieber Wolfgang :)
Andréjo (10.11.2020, 13:41): Gerne, Jan!
Der große Bruckner-Spezialist bin ich nicht, obwohl mich die Musik dann eigentlich immer packt, wenn ich sie höre - aber einfach aufgrund der breiten Streuung dessen, was ich hören möchte, kommt das nicht so oft vor. Man braucht ja auch Muse dazu, allein schon wegen Umfang und Wucht ...
Neben wenigen einzelnen Einspielungen besitze ich dann doch drei Integralen, nämlich Wand mit den Kölnern, Jochum mit den Dresdnern und Haitink mit dem Concertgebouw. Ich bin als Hörer gerne bereit, mich auf Unterschiedliches einzustellen und davon anregen zu lassen, und im Großen und Ganzen mit den drei Einspielungen zufrieden. Bei Bruckner geht es auch ein wenig mehr für mich um den Klang und ich hätte es schon gerne transparent genug - wobei ich weiß, dass es andere Präferenzen geben mag, die nicht von der Hand zu weisen sind.
Selbst wenn sich mittlerweile denn auch die parallelen Aufnahmen vermehren, sammle ich lieber in die Breite und mag oft das wenig Bekannte. Im Übrigen bin ich - meiner Begeisterung für Mozart zum Trotze - eher jemand, der das 20. (und mittlerweile auch 21.) Jahrhundert schätzt - quasi von Debussy bis Lachenmann. (Letzteren nicht täglich ... :P :P )
Eine Bruckner-Integrale habe ich noch vor, mir zuzulegen. Da schwingen mit neben der Kenntnisnahme positiver Kritiken das Bedürfnis, Fassungen zu besitzen, die ich nicht oder kaum je (bewusst) gehört habe, und ein klein wenig Lokalmatadoren-Hinwendung. .
Maurice inaktiv (10.11.2020, 13:55): Meister Maurice - da ich schon so manches Trompetenkonzert vom Hören her kenne, würden mich mal Namen interessieren von Konzerten, die Du für schwer oder schwerer als Haydn erachtest. Ach, ich kenne ja nicht alle Konzerte, daher wäre das überhaupt nicht hilfreich. Die Anforderungen sind bei einem durchaus bekannten Werk wie etwa Alexander Arutjunians Trompetenkonzert an den Solisten ungleich höher, da man hier etwa einen Satz lang mit dem Dämpfer spielen muss, dazu rhythmisch auch völlig anders von den Anforderungen her. Das Werk ist eine Mischung aus Spätromantik, Moderne russische Musik und Jazz. Alleine die Solo-Kadenzen sind technisch weitaus schwieriger zu spielen, aber auch die Tonintervalle, die man bei diesem Konzert hat, sind schon extrem.
Ist zum Beispiel der Hummel schwerer? Das kann ich Dir nicht mal im Ansatz sagen. Grundsätzlich sicher nicht, aber ich habe weder das Notenbild vor mir, noch musste ich es je einstudieren.
Was ich persönlich nie hätte spielen können, wären Werke mit der Piccolo-Trompete. Ich habe das mal versucht, aber das war alleine schon durch das kleine Instrument ein völlig "bescheuertes" Halten des Instrumentes. Dir ist das Instrument auf einmal viel zu nahe, und aber auch viel zu klein. Wer mal zum Spaß sich eine Taschentrompete gekauft oder darauf gespielt hat, wird da schon feststellen, dass einem das Ding völlig suspekt vorkommt - und die sind ja vom Ton her exakt dem einer Standard -B-Trompete.
Mir persönlich sind die Längen solcher Werke alleine schon viel zu viel Aufwand. Ich hätte keine Lust, jemals so ein Stück aufführen zu wollen. Ich bewundere also die ganzen Solisten, die sich dann nicht nur die Standardwerke, sondern auch noch mit allerlei Rand-Repertoire oder Kammermusik beschäftigen wollen oder müssen. Das ist Wahnsinn, aber der reine Zuhörer kann die Arbeit, die ein Solist hier reingesteckt hat, nicht mal erahnen. Du musst Dir ja selbst überlegen, WIE man das Stück am Ende aufführen will. Dazu kommen später die Proben mit dem Pianisten (denn wer hat schon immer gleich das ganze Orchester zur Verfügung?), der nicht nur seinen Part beherrschen muss, sondern auch das des Solisten zumindest so kennen sollte, dass er spürt, wo er nun wie laut, schnell oder kräftig spielen muss.
Ich bin da wirklich nicht der richtige Ansprechpartner für.
Jan Van Karajan (10.11.2020, 14:09): Lieber Wolfgang, Wie könnte ich nur Haitink vergessen?! 8o . Seine letzte Siebte mit den Wienern hat mich sehr berührt. Hier hat man wirklich gemerkt, dass ein großer Musiker Abschied nimmt. Ich besitze eine "Schöpfung" mit ihm und die Symphonien von Tschaikowsky, die mir erstaunlich gut gefällt, vor allem die Fünfte. Vielleicht kaufe ich mir mal Bruckner mit ihm. Zu Weihnachten hoffe ich sehr auf seinen Schostakowitsch, über den ich nur gutes gelesen habe. Grüße Jan
Maurice inaktiv (10.11.2020, 14:27): Vielleicht kaufe ich mir mal Bruckner mit ihm. Zu Weihnachten hoffe ich sehr auf seinen Schostakowitsch, über den ich nur gutes gelesen habe. Grüße Jan Ich hatte beide GE, aber dann wieder verkauft. Bei Bruckner sind mir die Einspielungen klanglich nicht so gut gelungen, sie entstanden vor ewigen Zeiten. Da gibts moderne Einspielungen, die besser geeignet wären. Bei DSch. würde ich weitaus eher zu Barschais GE aus Köln tendenzieren. Sie sind viel harscher als Haitinks Ansatz. Barschai stand DSch auch persönlich sehr nahe, was vielleicht dann doch hin udn wieder hilfreich sein kann. Doch das musst Du entscheiden.
Jan Van Karajan (10.11.2020, 14:56): Lieber Maurice, Vielen Dank für deine Anregungen!
Jan Van Karajan (10.11.2020, 14:58): Werde mal Hörproben vornehmen, ich glaube allerdings, dass mein Händler momentan nur Haitink führt. Außerdem lässt sich das Geburtstagsgeschenk nicht immer selbst bestimmen :D . Beste Grüße Jan
Andréjo (10.11.2020, 16:32): Danke Dir für Deine Antwort, Maurice!
Den Arutjunjan kenne ich, das ist eine sehr eingängige und eher einfach gestrickte Musik. Ich glaube Dir sofort, dass das wohl schwerer zu spielen ist. Und wahrscheinlich ist etwa das zweite Konzert von André Jolivet - quasi mein Nickname-Partner - noch einmal schwerer. Aber ganz exzellente Musik!
:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (10.11.2020, 17:34): Den Arutjunjan kenne ich, das ist eine sehr eingängige und eher einfach gestrickte Musik. Genau DAS ist sie eben NICHT, lieber Wolfgang. Da sind Taktwechsel dabei, und auch das Orchester hat da einige Nüsse zu knacken. Hier liegst Du dann doch nicht richtig. Ich habe zu dem Stück eine durchaus interessante Verbindung, daher diese Geschichte noch dazu. Mein Trompetenlehrer war sehr gut mit dem Widmungsträger des Konzertes, Timofeij Doshitzer (viele Jahrzehnte Solo-Trompeter des Boschoi-Theaters Moskau) befreundet. Er hatte mir damals die Originalpressung (!!!) Aus Moskau zum Studieren zur Verfügung gestellt. Da war das Konzert hier noch nicht auf einem Tonträger zu finden. (1985/86 herum war das gewesen). Später hätte ich Doshitzer fast noch persönlich kennen gelernt, als er einen Workshop in meiner Nähe gab, aber leider die Plätze bereits alle belegt waren. Er war sowas wie der "Maurice André des Ostens", und er ist mir musikalisch auch näher als André, den ich ebenfalls sehr schätze, und auch live gesehen UND in Frankfurt auf der Musikmesse persönlich kennen gelernt hatte (Das Autogramm auf seiner Visitenkarte habe ich immer noch unter Verschluss).
Andréjo (10.11.2020, 18:36): Danke, werter Maurice! Die Nüsse nehme ich Dir natürlich ab. Ich habe einen Höreindruck wiedergegeben und der ist auch nicht mehr topaktuell. Die Musik klingt nicht komplex, aber mir ist schon klar, dass man sich sehr täuschen kann, vor allem wenn man nicht einmal die Noten kennt. Da habe ich schon manche Überraschung erlebt - quasi in beide Richtungen.
Der Trompeter heißt aber Doks(c)hitzer, oder? Gewöhnungsbedürftiger Name ...
Ich werde mir das Konzert wieder mal anhören; vielleicht finden sich bei yt Noten dazu.
:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (10.11.2020, 18:47): Danke, werter Maurice! Die Nüsse nehme ich Dir natürlich ab. Ich habe einen Höreindruck wiedergegeben und der ist auch nicht mehr topaktuell. Die Musik klingt nicht komplex, aber mir ist schon klar, dass man sich sehr täuschen kann, vor allem wenn man nicht einmal die Noten kennt. Es sind teilweise superschöne, romantische Melodien, etwa der Dämpferteil im zweiten Satz. Das ist übrigens mit einem Cup-Dämpfer gespielt.
https://www.youtube.com/watch?v=TGi3Mlh4esk
Das ist meine absolute Topp-Einspielung des Stückes. Es ist durch die auch bessere Klangtechnik Doksitzers Aufnahme überlegen.
https://www.youtube.com/watch?v=NorgTEhSM9U
Allerdings ist Dokshitzers Einspielung für MICH "authentischer", wenn ich das mal so schreiben kann. Da kann man den "Ostblock" noch greifen. Das ist massiver, eckiger, weniger geschönt wie bei Nakariakov. Es ist aber nicht die "Ur-Einspielung. Die wurde noch auf ganz schweren Platten aus der alten UDSSR gemacht, und sie hat gerauscht wie eine Schellackplatte von 1925.