Carlo Alezio Razetti und ein mitreissendes Violinkonzert: ein Tipp für Barock-Fans

Toni Bernet (27.12.2020, 10:29):
Carlo Alezio Razetti (Lebensdaten unbekannt, ab 1727 Geiger in Turin, 1763/64 folgte ihm Pugnani nach). Auch die Entstehungszeit seines Violinkonzertes ist unbekannt, aber für mich war es eine Entdeckung. Mir sind nur zwei CD-Aufnahmen bekannt, die eine mit Marco Pedrona (2009), die andere mit Stefano Montenari (2012).

Kurze Hörbeschreibung:

SATZ 1 (ALLEGRO MA NON PRESTO)

Ein synkopierter Rhythmus im Streichorchester lässt gleich aufhorchen, die Orchestergeigen stürmen voran und erzählen von Leidenschaften, insistieren immer wieder auf diesem rhythmisch ungewohnten, fast etwas aggressiven Anfangsmotiv. Drei Ritornelli rahmen die zwei figurativen und wohl etwas wild zu spielenden Violinsoli ein, das zentrale Ritornello bringt neue thematische Motive, aber zuletzt markiert das rhythmische Anfangsmotiv Präsenz, sich einprägend und in f-moll bohrend insistierend.

SATZ 2 (GRAVE)

Der kurze Grave-Satz, ebenfalls in Moll, dieses Mal ist es c-Moll, schreitet beharrlich voran, die Geige durchschreitet dunklere Regionen, klagt und will gehört werden.

SATZ 3 (ALLEGRO)

Dann aber swingt der Allegro-Satz als Gigue-Tanz voran, ebenfalls in dieser f-Moll-getrübten Stimmung, die auch etwas Aufrührerisches in sich hat. Noch ist es Musik für einen fürstlichen Hof, aber aufgeklärte, durchdachte und anfragende Musik.