Concours Reine Elisabeth 2010

Gamaheh (09.05.2010, 16:21):
... läuft gerade. Die erste Runde war gestern zuende, und die Darbietungen der ca. 60 Kandidaten können hier gehört werden (jeweils ca. 20 Minuten, davon 1x Pr/F aus WTK, Etüden, Werk eigener Wahl). Es sind wirklich hörenswerte junge Pianisten darunter.

Das Halbfinale mit 24 Pianisten beginnt morgen und geht bis zum nächsten Sonnabend, an dessen Ende die 12 Finalisten bekanntgegeben werden. Das Finale dann vom 24. bis zum 29. Mai. Halbfinale und Finale werden im Internet gevideoströmt. Diesmal ist niemand aus Deutschland dabei. Halbfinalisten sind u.a.: Yevgeni Bozhanov, Clarie Huangci, Sean Kennard, Marie Vermeulin.

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (12.05.2010, 19:57):
Die Halbfinaldarbietunge, die bereits stattgefunden haben, sind hier bequem zu hören und zu sehen.

Yevgeni Bozahnov habe ich gerade mit seinem Mozart-Konzert gehört; er hat wirklich einen fantastischen Anschlag und erzeugt einen Ton, der vielleicht was für die Klangmystiker unter uns ist (ich sehe ihn mir aber nicht so gerne beim Spielen an). Seine Interpretation war mir etwas zu geläufig - warten wir sein Recital ab. Anna Petrova habe ich mit ihrem Recital z.T. gehört, sie ist sicher nicht unter meinen Favoriten. Veronika Böhmova hat mir in Runde 1 sehr gut gefallen; sie ist morgen mit dem Konzert dran wie auch Claire Huangci und Sean Kennard, die mich in Runde 1 ebenfalls beeindruckt haben.

Die Konzerte der Runde 1 sind hier als Podcasts zu hören (Halbfinale ebenfalls, aber ohne Video).

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (12.05.2010, 21:07):
Das ist ja überaus interessant.

Ich habe mir gerade Auschnitte mit Christopher Falzone mit Mozart angehört und angesehen (beeindruckende Ringe an den Fingern - stören die nicht?).
Sehr filigranes, in meinen Ohren etwas "spitzes" Spiel; leider ein bisschen langweilig in der Gestaltung und nicht ganz sauber (soweit ich das beurteilen kann).

Er hat dieses Jahr beim Proghetto Martha Argerich ein Rezital, in dem er u.a. Schumanns Carnaval spielt.

Nikolaus.
nikolaus (12.05.2010, 21:22):
Und Denis Kozhukhin habe ich in Lugano bereits 2005 gehört - und soweit ich mich erinnern kann, ganz gut gefunden (ich muss nochmal nach dem Programmheft suchen).
Er spielt hier Mozarts Klavierkonzert No. 24 mit einer Kadenz von Schnittke. Das gefällt mir sehr gut! Korrektur: finde ich super!!

Claire Huangci habe ich auch auschnittsweise gehört, ebenfalls sehr ansprechend (und zupackender als Falzone (allerdings auch das etwas energischere 20. spielend).

Nikolaus.
nikolaus (12.05.2010, 21:38):
Original von Gamaheh
Die Halbfinaldarbietunge, die bereits stattgefunden haben, sind hier bequem zu hören und zu sehen.

Yevgeni Bozahnov habe ich gerade mit seinem Mozart-Konzert gehört; er hat wirklich einen fantastischen Anschlag und erzeugt einen Ton, der vielleicht was für die Klangmystiker unter uns ist (ich sehe ihn mir aber nicht so gerne beim Spielen an). Seine Interpretation war mir etwas zu geläufig - warten wir sein Recital ab.

Grüße,
Gamaheh

Kann gar nicht verstehen, dass Du ihn nicht ansehen magst...

Spaß bei Seite.

Er spielt in der Tat sehr beeindruckend, alleine schon aufgrund seines virtuosen Zugangs. Aber er hat auch wirklich einen sehr differenzierten Anschlag.
Meinst Du mit geläufig "allzu bekannt" oder mehr "gefällig" (oder einfach seine Finger?).

Beste Grüße,

Nikolaus (der eigentlich mit der Steuer anfangen wollte und nun den Abend mit Reine Elisabeth verbringt...)
Gamaheh (12.05.2010, 22:07):
Original von nikolaus
Kann gar nicht verstehen, dass Du ihn nicht ansehen magst...

Spaß bei Seite.

Er spielt in der Tat sehr beeindruckend, alleine schon aufgrund seines virtuosen Zugangs. Aber er hat auch wirklich einen sehr differenzierten Anschlag.
Meinst Du mit geläufig "allzu bekannt" oder mehr "gefällig" (oder einfach seine Finger?).
Ich meine in der Tat beides: Musikalisch finde ich da nicht viel zu entdecken, und gefällig ist es für meine Begriffe auch.

Was Du alles in Lugano schon gehört hast, das ist ja eine wahre Fundgrube!

Nikolaus (der eigentlich mit der Steuer anfangen wollte und nun den Abend mit Reine Elisabeth verbringt...)
Och, die Steuer - die ist auch in zwei Wochen noch da!

Hör Dir mal Anna Volovitch an - meine absolute Favoritin bis jetzt, und ich bin gespannt auf ihr Recital am Freitag abend.

Die anderen, die ich bisher gehört habe, haben mich nicht so begeistert, obwohl sie natürlich alle nicht ohne Grund da sind. Mozart ist schon ein schwerer Brocken, da reichen Virtuosität und ein schöner Anschlag nicht.

Ich mache mir ein wenig Gedanken wegen der armen Koreaner, ein Volk, in dem 90% der Leute Kim, Lee oder Park heißen - wie können die jemals bekannt werden, wenn man nie weiß, mit wem man es zu tun hat? Oder wenn Du einen Namen hast, den kaum jemand außerhalb von Rußland bis zu Ende aussprechen kann, wie Varvara Nepomnyashchaya (puh, das war schon schwer zu schreiben!). Manche Lees nennen sich Ri oder Reh oder lassen den Nachnamen ganz weg und nennen sich nur noch Yundi.

Eigentlich wollte ich auch was anderes machen, mache ich jetzt auch.

Viele Grüße,
Gamaheh

P.S.: Die Konzerte von France Musique kannst Du in der Regel 30 Tage lan nachhören, Bertrand Chamayou auch.
P.P.S.: Muß mir gleich mal Falzone mit seine Ringe anne Finger ansehen - danke für den Tip!
Gamaheh (12.05.2010, 22:57):
Original von nikolaus
Das ist ja überaus interessant.

Ich habe mir gerade Auschnitte mit Christopher Falzone mit Mozart angehört und angesehen (beeindruckende Ringe an den Fingern - stören die nicht?).
Sehr filigranes, in meinen Ohren etwas "spitzes" Spiel; leider ein bisschen langweilig in der Gestaltung und nicht ganz sauber (soweit ich das beurteilen kann).

Er hat dieses Jahr beim Proghetto Martha Argerich ein Rezital, in dem er u.a. Schumanns Carnaval spielt.

Nikolaus.

Da würd' ich hingehen! Ich habe ihn gerade gehört und finde es fabelhaft, wie er seine Technik in Musik umsetzt. Die Gestaltung finde ich sehr gelungen, seine Phrasierungen sprechen mich wirklich an. Ein elegantes Spiel - kein Kraftprotz, aber kraftvoll, ausdrucksstark - und auch noch gut anzusehen! Außerdem ist er immer im Kontakt mit Dirigent und Orchester (und spielt auch noch eine eigene Kadenz). Die Ringe hatte ich mir schlimmer vorgestellt (fast schlagringmäßig), das ist doch sicher nichts Schlimmeres als Phi-Beta-Kappa oder sowas, und sie bringen etwas Abwechslung auf die bleichen, langen Finger, die etwas dekadent wirken. Hast Du gesehen, wie der Ring an der rechten Hand gegen Ende verrutscht? Das könnte ich mir schon als störend vorstellen. Aber: ab auf meine Favoritenliste!

Beste Grüße,
Gamaheh
nikolaus (13.05.2010, 11:48):
Original von Gamaheh
Original von nikolaus
Das ist ja überaus interessant.

Ich habe mir gerade Auschnitte mit Christopher Falzone mit Mozart angehört und angesehen (beeindruckende Ringe an den Fingern - stören die nicht?).
Sehr filigranes, in meinen Ohren etwas "spitzes" Spiel; leider ein bisschen langweilig in der Gestaltung und nicht ganz sauber (soweit ich das beurteilen kann).

Er hat dieses Jahr beim Proghetto Martha Argerich ein Rezital, in dem er u.a. Schumanns Carnaval spielt.

Nikolaus.

Da würd' ich hingehen! Ich habe ihn gerade gehört und finde es fabelhaft, wie er seine Technik in Musik umsetzt. Die Gestaltung finde ich sehr gelungen, seine Phrasierungen sprechen mich wirklich an. Ein elegantes Spiel - kein Kraftprotz, aber kraftvoll, ausdrucksstark - und auch noch gut anzusehen! Außerdem ist er immer im Kontakt mit Dirigent und Orchester (und spielt auch noch eine eigene Kadenz). Die Ringe hatte ich mir schlimmer vorgestellt (fast schlagringmäßig), das ist doch sicher nichts Schlimmeres als Phi-Beta-Kappa oder sowas, und sie bringen etwas Abwechslung auf die bleichen, langen Finger, die etwas dekadent wirken. Hast Du gesehen, wie der Ring an der rechten Hand gegen Ende verrutscht? Das könnte ich mir schon als störend vorstellen. Aber: ab auf meine Favoritenliste!

Beste Grüße,
Gamaheh

Hm, ich habe ihn in den Ausschnitten anders gehört als Du; bei mir wäre er sicher nicht im Finale.
Vielleicht sollte ich doch das ganze Konzert hören, damit mir nichts entgeht.

Was ist denn Phi-Beta-Kappa?
Und was sind dekadente Finger?

Noch bessere Grüße,
Nikolaus.
Gamaheh (13.05.2010, 16:41):
Original von nikolaus
Hm, ich habe ihn in den Ausschnitten anders gehört als Du; bei mir wäre er sicher nicht im Finale.
Vielleicht sollte ich doch das ganze Konzert hören, damit mir nichts entgeht.

Was ist denn Phi-Beta-Kappa?
Und was sind dekadente Finger?
Lieber Nikolaus,

nein, ich glaube nicht, daß Du Dir alles anhören mußt - wenn der Funke nicht überspringt, bleibt er eben, wo er ist.

Phi-Beta-Kappa ist so eine exklusive Studentenvereinigung in den USA; die Mitglieder tragen deren Ringe, die aber - wenn ich mich nicht irre - etwas klobiger sind. Philosophia biou kybernetes - "die Philosophie (oder "die Liebe zur Weisheit") des Lebens Leitgedanke" oder so ähnlich (kybernetes ist eigentlich der Steuermann).

"Dekadent wirkende" - ich dachte an die bleichen Ästheten (außer den Ringen hätte ich mir wenigstens auch noch Rüschen gewünscht).

Beste Grüße,
Gamaheh
nikolaus (13.05.2010, 17:17):
Original von Gamaheh

"Dekadent wirkende" - ich dachte an die bleichen Ästheten (außer den Ringen hätte ich mir wenigstens auch noch Rüschen gewünscht).

Beste Grüße,
Gamaheh

Ja, "bleicher Ästhet" trifft sicher zu. Mit Rüschen wären wir auch schnell bei Dorian Gray, oder?

Nasskalte graue Grüße,

Nikolaus.
Fairy Queen (14.05.2010, 06:12):
Ich habe gestern nun auch einen Auschnitt des Concours im Radio hören können- zwei Mozart-Klavierkonzerte von zwei Koreanern dargeboten. Schon erstaunlich, wie technisch perfekt diese jungen Leute sind, das war serh schön zu hören. Ein Funke ist bei mir nciht übergesprungen, aber das ist per Radio auch ncht so einfach. Haltet uns hier bitte auf dem Laufenden! Ich habe leider kaum die Zeit mir das selbst anzuhören.
Dekadente Finger mit oder ohne Rüschen kann ich mir dagegen bestens vorstellen....... :D

F.Q..
Heike (14.05.2010, 19:33):
Cool, dass man sich das anhören kann - weiß jemand, wie lange die links online sind? Ich hab leider zur Zeit kaum Freiraum (ausräumen - Maler - einräumen).
Heike
Armin70 (15.05.2010, 00:34):
Original von Heike
Cool, dass man sich das anhören kann - weiß jemand, wie lange die links online sind? Ich hab leider zur Zeit kaum Freiraum (ausräumen - Maler - einräumen).
Heike

Wenn ich das auf der Homepage richtig gelesen habe, stehen die Übertragungen bis einschliesslich 15.09.2010 online zur Verfügung.
Heike (15.05.2010, 08:07):
Wunderbar - da freue ich mich aber, danke für die Info :-)
Heike
nikolaus (15.05.2010, 10:29):
Ich muss einfach mal meine Bewunderung loswerden:

Was muss das für eine Anstrengung für alle Teilnehmer - sowohl für die Kandidaten (natürlich!) als auch für die Jury.

Ich habe gestern abend live die beiden Recitals gehört (erst Anna Volovitch, dann noch Evgeni Bozhanov) und hatte das Gefühl, ich werde letzterem gar nicht mehr gerecht.

Anna Volovitch hat mich sehr beeindruckt und gefesselt. Sie verstand es, Atmosphäre zu schaffen mit einem nuancenreichen Spiel. Und ihre Hände!! Einerseits mit viel Spannung, andererseits aber auch ganz flexibel, so dass sie nie verkrampft oder "krallig" wirken. Da schaue ich gerne zu... (ich muss mir nochmal ihr Mozart-Konzert ansehen, das hatte mich beim "durchzappen" nicht so begeistert).

Bei Bozhanov war meine Konzentration ehrlich gesagt schon auf dem absteigenden Ast. Mir erschien es technisch und klanglich zwar fantastisch, aber in der Gestaltung doch irgendwie zu "aufdringlich"? "gewollt"?, einfach too much (aber wie gesagt, vielleicht konnte ich mich nicht mehr richtig darauf einlassen).

Bin gespannt, wie es weiter geht...

Nikolaus.
Gamaheh (15.05.2010, 11:34):
Original von nikolaus
Ich habe gestern abend live die beiden Recitals gehört (erst Anna Volovitch, dann noch Evgeni Bozhanov) und hatte das Gefühl, ich werde letzterem gar nicht mehr gerecht.

Anna Volovitch hat mich sehr beeindruckt und gefesselt. Sie verstand es, Atmosphäre zu schaffen mit einem nuancenreichen Spiel. Und ihre Hände!! Einerseits mit viel Spannung, andererseits aber auch ganz flexibel, so dass sie nie verkrampft oder "krallig" wirken. Da schaue ich gerne zu... (ich muss mir nochmal ihr Mozart-Konzert ansehen, das hatte mich beim "durchzappen" nicht so begeistert).

Bei Bozhanov war meine Konzentration ehrlich gesagt schon auf dem absteigenden Ast. Mir erschien es technisch und klanglich zwar fantastisch, aber in der Gestaltung doch irgendwie zu "aufdringlich"? "gewollt"?, einfach too much (aber wie gesagt, vielleicht konnte ich mich nicht mehr richtig darauf einlassen).

Bin gespannt, wie es weiter geht...
Lieber Nikolaus,

schön, daß wir mal wieder einig sind! Die sich aber nicht unbedingt mit der allgemeinen deckt. Nach dem, was ich hier und da gelesen habe, müßte eigentlich Bozhanov als Gewinner aus dem Wettbewerb hervorgehen. Er würde "die Musik leben", habe ich z.B. gelesen, was sich vermutlich u.a. dadurch ausdrückt, daß er sie pantomimisch begleitet. Aber pianistisch ist er schon klasse !

Leider konnte ich gestern abend nicht live hören und sehen. Ich hatte es mir gerade bequem gemacht, da fiel mir ein, daß ich zu einer völlig ziellosen Diskussion über die Wirtschaftskrise verabredet war (wovon ich nichts verstehe). Jetzt sind sie noch nicht als VOD zu sehen ...

Ich mag ja eher die Musiker, die ein bißchen ernsthaft sind und die Musik vermitteln. Am Nachmittag konnte ich Falzone (diesmal ohne Ringe) live sehen. Der könnte allerdings wirklich noch ein wenig mehr aus sich herausgehen. Er hat u.a. die Appassionata gespielt, etwa als wollte er zeigen, daß man das auch ganz anders machen kann, so ganz ohne knallen und hämmern und ganz zivilisiert. Und ich muß sagen, das hat auch was, zumal ich in der letzten Saison diese Sonate so häufig gehört habe, daß sie mir schon fast zu den Ohren rauskam. Er hat aber auch die für mein Empfinden beste Interpretation bisher des Pflichtstücks geliefert, und La valse von Ravel war wirklich phantastisch ! Das Verbeugen scheint ihm noch ein wenig schwer zu fallen, daran sollte er noch arbeiten !

Ich muss einfach mal meine Bewunderung loswerden:

Was muss das für eine Anstrengung für alle Teilnehmer - sowohl für die Kandidaten (natürlich!) als auch für die Jury.
Ungeheuer - echter Hochleistungssport ! Ich denke auch immer an das Orchester und den Dirigenten, die in sechs Tagen vierundzwanzigmal fünf Mozart-Konzerte spielen müssen, also durchschnittlich jedes vier- bis fünfmal, viermal am Tag ! Bei dem Dirigenten meine ich gelegentlich schon mal einen etwas irren Blick zu gewahren.

Apropos Jury und anstrengend: Der 87jährige Menahem Pressler ist ja auch dabei !

Viele Grüße,
Gamaheh
nikolaus (15.05.2010, 17:38):
Jetzt spielt gerade Denis Kozhukhin.

Das Pflichtstück geht er kontrastreicher an, als ich es bei den anderen gehört habe - fast schon aggressiv in den schnelleren Passagen. Gefällt mir wirklich sehr gut!

Und witzig: Lily Maisky, die Tochter von Mischa Maisky, blättert um...

Nikolaus.
Gamaheh (15.05.2010, 18:25):
Original von nikolaus
Jetzt spielt gerade Denis Kozhukhin.

Das Pflichtstück geht er kontrastreicher an, als ich es bei den anderen gehört habe - fast schon aggressiv in den schnelleren Passagen.
Das kann man wohl sagen - mochte ich überhaupt nicht ! Da gefiel mir Anna Volovitch wirklich gut, wie sie aus dem Klavier eine Combo aus Glockenspiel und Pauke gemacht hat. Ihren Carnaval dagegen fand ich enttäuschend schlaff und fade - ein Stück, das ich zweimal im Konzert von Philippe Bianconi gehört habe, der jede seiner Interpretationen mit seinem Herzblut signiert.

Ebenso enttäuschend fand ich Kozhukins lauwarmen Beethoven op.110 - da hätte ich mir wirklich erheblich mehr Panache gewünscht. Seine Symphonischen Etüden dagegen finde ich undifferenziert und unpoetisch - alles in einem Rutsch durchgespielt, als hätte er es eilig, wieder von der Bühne zu kommen.

Claire Huangci hat mich auch nicht begeistert ... Aber man sieht, wie die Teilnehmer des Chopin-Wettbewerbs schon dafür proben ! Der Japaner, Takashi Sato, hat mir mit seinem Mozart-Konzert dagegen recht gut gefallen; entzückend am Schluß die im Eifer verrutschte Fliege!
Heute abend werden wir wissen, wen die Jury ins Töpfchen, wen ins Kröpfchen befördert hat.

Gamaheh, die eigentlich ihren Garten umgraben sollte - glücklicherweise pausieren die ja morgen
Leachim (15.05.2010, 20:06):
ich bin nun auch auf live (web), mit Mozart pianoconcert,
scheint relativ lang zu sein das Programm, wenn ich richtig gelesen habe. Mehr dann.....
Michael

:leb
PS:derzeit läuft das von mir eingelernte KK von Mozart n. 17,das ich nie mit Orchester gespielt habe, spielt er recht schön der Kandidat.
Gamaheh (15.05.2010, 22:29):
Veronika Böhmová bestätigt den guten Eindruck, den ich seit der 1. Runde von ihr habe, mit einer Sonate von Haydn und einigen von Rachmaninows Etudes-tableaux (den Anfang mit dem Pflichtstück habe ich verpaßt).

Die beiden Mozart-Konzerte ein bißchen früher habe ich übersprungen, vielleicht höre ich sie später ..

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (15.05.2010, 23:42):
Oh, da ist der Ansagerin aber etwas entschlüpft, was sie vermutlich nicht sagen wollte (denn das ist ja die Entscheidung der Jury): "May I ask you to welcome for the last time Sean Kennard". In der Tat hoffe ich ihn im Finale wiederzusehen ! Außerdem würde ich dort gerne sehen (von denen, die ich gehört habe): Veronika Böhmová, Christopher Falzone, Anna Volovitch, Jewgeni Bozhanov; außerdem würde ich vorsichtig wetten, daß die Jury Claire Huanci, Anna Petrova, Olga Kozlova, Takashi Sato und Denis Kozhukhin küren wird. Allerding sind da noch die anderen, die ich nicht oder nur teilweise gehört habe, also mit Sicherheit einige von den von mir Genannten nicht dabei sein werden - morgen früh wissen wir mehr.

Grüße zur Nacht,
Gamaheh
Gamaheh (16.05.2010, 00:19):
Noch ein paar Informationen zum Halbfinale:

Jeder der 24 Kandidaten mußte ein Mozart-Konzert sowie ein Recital spielen. Folgende Mozart-Konzerte wurden gespielt:

n.9 in Es K271 (6mal), Kadenzen von Mozart, lediglich Chr. Falzone spielte eine eigene

no. 17 in G K453 (5mal), Kadenzen von Mozart

no. 20 in d K466 (6mal), Kadenzen - Mozart hat keine hinterlassen - gibt es in Hülle und Fülle, von denen einige auch häufig gespielt werden; hier wurden fast ausschließlich die von Beethoven gespielt, lediglich S. Tierra hat die zweite von Perahia gespielt.

no. 21 in C K. 467 (3mal), Kadenzen von A. Winding, Robert Casadesus und Varvara Nepomnyashchaya

no. 24 in c K. 491 (4mal), Kadenzen von J.N. Hummel, A. Schnittke, Mozart, Brahms

Für das Recital war das Pflichtstück, das Jean-Luc Fafchamps als Auftragswerk des Wettbewerbs geschrieben hatte, "Back to the Sound"; das wurde naturgemäß von allen Kandidaten gespielt, also 24mal.

Desweiteren mußten die Kandidaten eine klassische Sonate spielen; gespielt wurden:

Beethoven (14mal), darunter 4mal die letzte, in c op.111, zweimal die vorletzte in As, op.110, zweimal n.28, 2mal n.26 und je einmal n.21, n. 23, n.18, n.13

Haydn (5mal): in As, (2mal), Es, D, C

Mozart: 3mal (n.9 in D K.311, n.3 in Bes K.281, n.13 in Bes K.333)

Schubert: 1mal, Es, D.568

Clementi: 1mal, fis, op.25/5

Das Recital durften die Kandidaten mit einem oder mehreren Stücken freier Wahl auf ca. 50 Minuten Länge bringen. Folgende Komponisten wurden hierfür gewählt:

Schumann: 4mal (Widmung, Kreisleriana, Carnaval, Symph. Etüden)
Ravel: 4mal (Gaspard, Miroirs, Scarbo (alleine), La valse)
Chopin: 3mal (u.a. Scherzo 2, KS 3)
Liszt: 3mal (u.a. Tannhäuser, Dante, Venezia e N.)
Rachmaninow: 3mal (u.a. KS 2, Et.tableaux)
Brahms: 2mal (Händel, Paganini)
Schubert: 2mal (Wanderer, 2 Impromptus)
Bach: 2mal (Partiten 4 u. 5)
Stravinsky: 2mal (Petruschka)
Messiaen: 2mal
Boucourechliev, Mussorgsky, Prokofjew, Mendelssohn, Bartok, Skrjabin und Schostakowitsch je einmal.

Jetzt ist eine Woche Pause, die Finalrunde beginnt am Montag, dem 24. und endet am 29., jeweils zwei der zwölf Kandidaten müssen eine Sonate von Haydn, Mozart, Beethoven oder Schubert spielen, ein unveröffentlichtes Werk, das erst jetzt ausgewählt wurde (auf das sie sich also nächste Woche vorbereiten dürfen) sowie ein Konzert mit Orchester.

Nunmehr nocturne Grüße,
Gamaheh
nikolaus (16.05.2010, 01:27):
So, ich habe anhand des Pflichtstücks versucht, meine eigene Rangliste zu erstellen.

Währenddessen wurden schon die Finalisten bekannt gegeben.

Meine Liste erscheint mir jetzt unerheblich, nur soviel sei gesagt: die Finalisten sind ganz gleichmäßig über meine Liste verteilt......

Gute Nacht!
Gamaheh (16.05.2010, 02:13):
Original von nikolaus
So, ich habe anhand des Pflichtstücks versucht, meine eigene Rangliste zu erstellen.

Währenddessen wurden schon die Finalisten bekannt gegeben.

Meine Liste erscheint mir jetzt unerheblich, nur soviel sei gesagt: die Finalisten sind ganz gleichmäßig über meine Liste verteilt......
Wie meinst Du das ? Mich hätte es schon interessiert, Deine Liste zu sehen - und eher, wie viele Überschneidungen wir hatten. Von meinen Favoriten ist ja nur Bozhanov dabei, aber damit hatte ich gerechnet, und von den anderen habe ich kaum jemanden gehört ... (Oder heißt das, daß sich Deine Liste mit der der Jury deckt?)

Ein Foto der Gewinner fand ich schon vor 1 Uhr hier - keine Ahnung, wo die das so schnell her hatten.

Naja, irgendjemand hat schon vor Jahren gesagt, in einigen Jahren würden soundsoviel Prozent (eine hohe Zahl, mindestens 50) der Gewinner aller Klavierwettbewerbe aus Asien kommen (leider kann ich mir Zahlen nie merken).

Bonne nuit,
Gamaheh
Fairy Queen (16.05.2010, 06:47):
Danke für eure ausgiebigen Berichte, denn ich habe selbst leider ncihts mehr verfolgen können. Wer sind denn nun die Finalisten?
Zu Gamamehs Link habe ich nämlich nur ein seltsames Forum mit seltsamem englisch gefunden ?(
F.Q.

P.S. Hat sich erledigt, habs gefunden. :hello
Cetay (inaktiv) (16.05.2010, 09:50):
Original von Fairy Queen

Zu Gamamehs Link habe ich nämlich nur ein seltsames Forum mit seltsamem englisch gefunden ?(
F.Q.



:rofl
nikolaus (16.05.2010, 09:50):
Original von Gamaheh

Wie meinst Du das ? Mich hätte es schon interessiert, Deine Liste zu sehen - und eher, wie viele Überschneidungen wir hatten. Von meinen Favoriten ist ja nur Bozhanov dabei, aber damit hatte ich gerechnet, und von den anderen habe ich kaum jemanden gehört ... (Oder heißt das, daß sich Deine Liste mit der der Jury deckt?)

Bonne nuit,
Gamaheh

Nun denn, weil Du danach fragst (wohlgemerkt habe ich mir (noch?) nicht alles anhören können, ich habe mich einfach nur auf das Pflichtstück konzentriert):
(die fett geschriebenen sind im Finale)

1. Kozhukhin
2. Bozhanov
3. Falzone
4. Volovitch
5. Huangci
6. Böhmova
7. Park
8. Kozlova
9. Minnaar
10. Osokins
11. Kennard
12.Vasheruk
13. Vermeulin
14. Nepomnyashchaya (schwieriges Wort)
15. Tierra
16. Sato
17. Sunwoo
18. Kim KY
19. Kim DS
20. Kim TH (konnte ich nicht nur vom Namen her unterscheiden...)
21. Zhou
22. Petrova
23. Favorin
24. Maeyama

Jetzt merke ich gerade, dass im Mittelfeld (ausgerechnet) doch eine Lücke klafft, also so ganz gleichmässig sind sie nicht verteilt.

Und ich kann nicht genug betonen, dass dies eine "Momententscheidung" ist.
Ich habe tatsächlich das ehrgeizige Ziel, mir das ganze Semifinale anzuhören und dann meine ganz persönlichen Favoriten zu küren (dabei werde ich wohl das Risiko eingehen, eine Mahnung wegen der Steuererklärung zu bekommen...)

Einen schönen Sonntag allen (hier ist so ein helles Licht und blauer Himmel, was ist das nur, kenne ich gar nicht...)

Nikolaus.
Gamaheh (16.05.2010, 10:59):
Och, da haben wir ja doch einige Überschneidungen (kaum überraschend, wenn man 12 von 24 wählt - obwohl ich nur 10 hatte). Du hast Dich also doch noch von Falzone überzeugen lassen!

Wen ich bestimmt nicht reingenommen hätte von denen, die die Jury ausgewählt hat: Kozhukhin (Deine nr.1), Minnaar, Osokins, Favorin. Ich habe aber in keiner Weise systematisch gehört, und die Kims und Paks habe ich nur am Rande (bei der Arbeit) wahrgenommen. Aber es war mir klar, daß die Jury andere Ideen hat als ich.

Ist die Jury frauenfeindlich? Von den 63 Kandidaten der ersten Runde (35 Männer, 28 Frauen) sind nur 2 im Finale! Es ist erstaunlich, wie die Koreaner im Vormarsch sind: Von den bereits 15 (fast 25%) in der Vorrunde sind 5 im Finale!! Und die Bulgaren: Bozhanov ist Bulgare, und beim letzten Wettbewerb hat eine Bulgarin (Plamena Mangova) den zweiten Platz gemacht.

Schönen Sonntag allen,
Gamaheh
Gamaheh (16.05.2010, 11:04):
Original von Fairy Queen
Zu Gamamehs Link habe ich nämlich nur ein seltsames Forum mit seltsamem englisch gefunden ?(
Der Link zum Foto war wahrscheinlich am Ende der Seite, und da es offenbar privat eingestellt (und aufgenommen) war, wollte ich es nicht verlinken.

Sonntägliche Grüße,
Gamaheh

P.S.: Die Sprache ist interessant, in mehr als einer Hinsicht ...
Gamaheh (19.05.2010, 15:34):
Und hier ist das Programm für die Finalrunde:

Maandag | Lundi | Monday 24/05

Yury FAVORIN
Ludwig van BEETHOVEN Sonate n. 29 in Bes op. 106 | Sonate n. 29 en si bémol majeur op. 106 | Sonata n. 29 in B flat major op. 106
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Franz LISZT Concerto n. 1 in Es | Concerto n. 1 en mi bémol majeur | Concerto n. 1 in E flat major

KIM Da Sol
Joseph HAYDN Sonate in E Hob. XVI : 31 | Sonate en mi majeur Hob. XVI : 31 | Sonata in E major Hob. XVI : 31
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Johannes BRAHMS Concerto n. 1 in d op. 15 | Concerto n. 1 en ré mineur op. 15 | Concerto n. 1 in D minor op. 15

Dinsdag | Mardi | Tuesday 25/05

PARK Jong-Hai
Franz SCHUBERT Sonate in a op. 143 D 784 | Sonate en la mineur op. 143 D 784 | Sonata in A minor op. 143 D 784
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Sergey PROKOFIEV Concerto n. 3 in C op. 26 | Concerto n. 3 en ut majeur op. 26 | Concerto n. 3 in C major op. 26

SUNWOO Yekwon
Ludwig van BEETHOVEN Sonate n. 24 in Fis op. 78 | Sonate n. 24 en fa dièse majeur op. 78 | Sonata n. 24 in F sharp major op. 78
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Sergey RACHMANINOV Concerto n. 3 in d op. 30 | Concerto n. 3 en ré mineur op. 30 | Concerto n. 3 in D minor op. 30

Woensdag | Mercredi | Wednesday 26/05

Hannes MINNAAR
Ludwig van BEETHOVEN Sonate n. 7 in D op. 10/3 | Sonate n. 7 en ré majeur op. 10/3 | Sonata n. 7 in D major op. 10/3
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Camille SAINT-SAËNS Concerto n. 5 in F op. 103 | Concerto n. 5 en fa majeur op. 103 | Concerto n. 5 in F major op. 103

Takashi SATO
Franz SCHUBERT Sonate in A D 959 | Sonate en la majeur D 959 | Sonata in A major D 959
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Sergey PROKOFIEV Concerto n. 1 in Des op. 10 | Concerto n. 1 en ré bémol majeur op. 10 | Concerto n. 1 in D flat major op. 10

Donderdag | Jeudi | Thursday 27/05

Andrejs OSOKINS
Wolfgang Amadeus MOZART Sonate n. 5 in G KV 283 | Sonate n. 5 en sol majeur KV 283 | Sonata n. 5 in G major KV 283
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Sergey PROKOFIEV Concerto n. 3 in C op. 26 | Concerto n. 3 en ut majeur op. 26 | Concerto n. 3 in C major op. 26

KIM Tae-Hyung
Ludwig van BEETHOVEN Sonate n. 6 in F op. 10/2 | Sonate n. 6 en fa majeur op. 10/2 | Sonata n. 6 in F major op. 10/2
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Johannes BRAHMS Concerto n. 1 in d op. 15 | Concerto n. 1 en ré mineur op. 15 | Concerto n. 1 in D minor op. 15

Vrijdag | Vendredi | Friday 28/05

KIM Kyu Yeon
Ludwig van BEETHOVEN Sonate n. 31 in As op. 110 | Sonate n. 31 en la bémol majeur op. 110 | Sonata n. 31 in A flat major op. 110
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Sergey PROKOFIEV Concerto n. 2 in g op. 16 | Concerto n. 2 en sol mineur op. 16 | Concerto n. 2 in G minor op. 16

Evgeni BOZHANOV
Ludwig van BEETHOVEN Sonate n. 18 in Es op. 31/3 | Sonate n. 18 en mi bémol majeur op. 31/3 | Sonata n. 18 in E flat major op. 31/3
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Sergey RACHMANINOV Concerto n. 2 in c op. 18 | Concerto n. 2 en ut mineur op. 18 | Concerto n. 2 in C minor op. 18

Zaterdag | Samedi | Saturday 29/05

Claire HUANGCI
Ludwig van BEETHOVEN Sonate n. 21 in C op. 53 | Sonate n. 21 en ut majeur op. 53 | Sonata n. 21 in C major op. 53
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Sergey PROKOFIEV Concerto n. 2 in g op. 16 | Concerto n. 2 en sol mineur op. 16 | Concerto n. 2 in G minor op. 16

Denis KOZHUKHIN
Joseph HAYDN Sonate in Es Hob. XVI : 49 | Sonate en mi bémol majeur Hob. XVI : 49 | Sonata in E flat major Hob. XVI : 49
oeuvre imposée / verplicht werk / imposed work
Sergey PROKOFIEV Concerto n. 2 in g op. 16 | Concerto n. 2 en sol mineur op. 16 | Concerto n. 2 in G minor op. 16

Letzterer spielt übrigens auch beim Klavierfest in Lille.

Irgendwo hat sich jemand darüber aufgeregt, daß bei diesem Wettbewerb alle Angaben auch auf englisch gemacht werden statt auf deutsch, obwohl letztere eine der Amtssprachen in Belgien sei (was ich nicht wußte) und die eponyme Königin Deutsche (was ich auch nicht wußte).

Beste Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (24.05.2010, 20:15):
Es geht eben weiter mit dem Finale, zunächst mit Yuri Favorin, gefolgt von Kim Da Sol. Wir erfahren jetzt auch, daß die ausgewählte unveröffentlichte Komposition von Jeon Minje stammt und den Namen "Target" trägt - da bin ich mal gespannt, sie wird ja gleich ihre Welturaufführung erleben.

Grüße,
Gamaheh

Ich bin ja ganz schön blöd: Da suche ich eben herum nach dem Programm und merke erst hinterher, daß ich es neulich schon gepostet habe !
nikolaus (24.05.2010, 23:35):
Die ersten beiden Kandidaten sind durch.

Yuri Favorin hat mir ehrlich gesagt überhaupt nicht gefallen. Mag sein, dass er alles richtig gespielt hat, aber es war so seltsam leblos und mechanisch. Den Beethoven, Sonate Nr. 29, fand ich unerträglich gedehnt und schwerfällig, bei Liszts 1. Klavierkonzert fehlte mir das Feuer.

Kim Da Sol würde bei mir im k.o.-System eindeutig gegen Favorin siegen. Haydn, Sonate Hob 31, fand ich zwar etwas seltsam, aber das kann auch an der Übertragung liegen, bei mir schien der Ton manchmal doppelt zu sein. Bei Brahms 1. Klavierkonzert hat er mich immer wieder gefesselt. Vielleicht war es nicht fehlerfrei, dafür aber kontrastreich und spannend gestaltet, und er war immer durchhörbar.

Ehrlich gesagt schrecklich ist das Orchester. Sicher ist es auch eine gewaltige Leistung, soviele unterschiedliche Konzerte in diesen paar Tagen zu spielen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Intonation insbesondere der Bläser zu wünschen übrig lässt.

Grosses Lobe geht von mir an Marin Alsop, die einerseits mit ihrer fast schon mütterlichen Art sehr sympathisch wirkt, andererseits sich wirklich bemüht, ein bisschen Feuer in das lahme Orchester zu bringen...

Das Pflichtstück finde ich nicht besonders spannend oder herausragend. Für die Pianisten sicher nicht ganz einfach bei der kurzen Vorbereitungszeit (heute war die Uraufführung), und auch hier hat mir der Koreaner besser gefallen weil kurzweiliger.

Nikolaus.
Leachim (25.05.2010, 18:55):
Mir hat Kim Da Sol im KK von Brahms gut gefallen, Fehler konnte ich bei ihm keine entdecken.
Er hat die slawischen Akkordfolgen von Brahms mit dem nötigen Feuer und Innigkeit gespielt, finde ich.

Yuri Favorin habe ich zu wenig lange gehört, gefesselt hat er mich aber nicht mit seinem Beethoven, aber vielleicht war ich auch nicht so in Stimmung für diese Sonate.

Michael
rosa (25.05.2010, 19:57):
Kim Da Sol hat auch den Haydn sehr schön gespielt, luzide, ziemlich entspannt und trotzdem überhaupt nicht als Einspielstück. Ich habe den mal beim letzten Schumannwettbewerb in Zwickau gehört, alle mochten ihn da, vor allem das Publikum ... aber das Pianistenroulette geht jetzt ja schon weiter!

Es grüsst die Rosel
Gamaheh (25.05.2010, 20:00):
Lieber Nikolaus, lieber Leachim

über Favorin habe ich mich ja schon geäußert: Meiner Meinung nach hätte er überhaupt nicht ins Finale kommen dürfen. Aber er war offensichtlich ungeheuer nervös - eigentlich hat es mich gewundert, daß er mit den Fingern nicht ständig von den Tasten abgerutscht ist. Das hat ihn mir immerhin sympathisch gemacht - und sowas zählt ja auch (ist er nicht einer der jüngsten Teilnehmer?), Kim war dagegen doch sehr cool. Und ja, Marin Alsop ist da offenbar genau richtig, um den Kandidaten in dieser Situation so gut wie möglich ihre Nervosität zu nehmen.

Kim Da Sol fand ich auch nicht wirklich interessant. Klar, er hat alles irgendwie "richtig" gemacht, aber sein Brahms ist sicher nicht meiner. Im 1. Satz dachte ich an Fahrstuhlmusik, und mir fehlte insgesamt die innere Glut, das sublimierte Feuer, das ich mir bei Brahms wünsche; mit anderen Worten: MIr fehlte das, was man nicht hören kann. Mal sehen, ob es der andere Kim am Donnerstag hinkriegt.

Grüße,
Gamaheh

Ah, im Hintergrund fängt es an zu rumoren: Offenbar geht es gleich weiter (mit zwei weiteren Koreanern).
Leachim (25.05.2010, 20:02):
PS: wie ich sehe ist Kim Da Sol so ganz unbekannt nicht, 3. Preis in Genf, und 3. beim Schumann Wettberwerb Zwickau.
Link:
http://campus.lvz-online.de/lvzs.site,postext,koepfe,artikel_id,15421.html?PHPSESSID=70ec9449e811cd20f1764600ca6ba1fd

Michael
rosa (26.05.2010, 18:50):
Sag ich doch mit Zwickau! Damals hat er mir gut gefallen.
nikolaus (26.05.2010, 23:05):
Ich musste heute nachsitzen und habe mir vor der live-Übertragung noch die gestrigen Kandidaten angehört:

Jong-Hai Pak: Schubert D 784 war so lala, etwas nüchtern, aber nicht schlecht. Das Pflichtstück hat mir von ihm nicht gefallen, das fiel irgendwie auseinander. Dafür war das 3. Klavierkonzert von Prokofiev wirklich gut.

Yekwon Sunwoo: Beethovens Sonate Nr. 24 gefiel mir gar nicht (so habe ich es mir notiert - ehrlich gesagt habe ich jetzt schon keine Erinnerung mehr daran... es war glaube ich ziemlich mechanisch...). Das Pflichtstück war ganz o.k., besser als Pak. Rach3 habe ich mir gar nicht ganz angehört, das konnte mich überhaupt nicht überzeugen: zu harmlos, zu dünn...

Bei mir liegt Pak vor Sonwoo, aber hinter Kim Da Sol vom ersten Abend.

Nikolaus.
nikolaus (26.05.2010, 23:25):
Jetzt ist auch der heutige Abend zu Ende.

Ich beginne mit dem zweiten Kandidaten des Abends:

Takashi Sato hat wahrscheinlich die bisher beeindruckendste Leistung geboten. Schubert D 959 fand ich sehr schön gestaltet und überzeugend dargeboten. Das Pflichtstück war meiner Meinung nach die bisher beste Interpretation. Nur bei Prokofievs 1. Klavierkonzert konnte er mich nicht restlos überzeugen: ein für mich zu hohes Tempo, dadurch eine gewisse Hektik und phasenweise zu wenig "Volumen". Das grössere Aber: berührt hat er ich überhaupt nicht, sein Spiel empfinde ich nicht als "klangschön".

Hannes Minnaar dagegen hat mir einfach viel Spaß gemacht. Bei Beethovens Sonate Nr. 7 hat es zwar technisch ein bisschen geholpert (meine ich zumindest), aber trotzdem habe ich gerne zugehört. Das Pflichtstück fand ich gut und Saint-Saens 5. Klavierkonzert hat mich phasenweise begeistert. Er spielt so unprätentiös aber nicht oberflächlich und mimt nicht den Viruosen.

Nach der "Halbzeit" sähe meine persönliche, sympathie-orientierte Rangliste so aus:

1. Hannes Minnaar (der wahrscheinlich überhaupt keine Chance am Ende hat)
2. Takashi Sato
3. Kim Da Sol
4. Jong-Hai Pak
5. Yekwon Sunwoo
6. Yuri Favorin

Gut's Nächtle, Nikolaus.
Gamaheh (27.05.2010, 00:50):
Ich habe den heutigen Abend leider verpaßt, stattdessen aber ein Vorspiel der Klavierklasse von Jewgenyi Koroliow gehört, darunter auch eine sehr inspirierte Schubert D.959 von Maria Kovalevskaia (die ich hier schon mal erwähnt habe), eine D.894 von einer japanischen Sumo-Ringerin (schwieriges Stück, das ich schon von ganz anderen gehört habe und ganz unbefriedigt war) und ein gemischtes Bach-Programm, das mich ziemlich beeindruckt hat, von Stepan Simonian.

Irgendwie kann ich auch keine große Begeisterung für diese Finalrunde aufbringen; Takashi Sato hat mir ja im Halbfinale ganz gut gefallen, aber ob ich mir das noch anhöre, weiß ich nicht. Ich bin ohnehin der Meinung, daß der Gewinner längst feststeht, und wenn Bozhanov nicht einen der Juroren tritt oder schlägt, oder aus Versehen "Alle meine Entchen" spielt statt "Target", kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Claire Huangci wird - so mein Tipp - den zweiten oder dritten Platz machen, also: Bozhanov auf Sieg, Huangci "each way" (tax paid), der Dritte muß - allein wegen der Statistik - ein Koreaner sein; ich möchte mich da aber noch nicht festlegen.

Nocturne Grüße,
Gamaheh
Fairy Queen (27.05.2010, 07:04):
Guten Morgen, in meinem derzeitigen Prüfungsstress komme ich leider kaum zum Verfolgen des Wettbewerbs und lese mit grosser Neugier eure Berichte. Die Schubertsonate des Japaners habe ich gestern abend aber gehört(gut gespîelt, aber für mich kein Siegerkandidat) und auch einige Ausschnitte anderer Teilnehmer dieser Tage, wobei ich mir leider die koreanischen Namen nicht merken kann. Eine Beethovensonate (ich hoffe nciht dieselbe die Nikolaus schlecht fand.... :() hat mich sehr berührt, obschon ich eigentlich gar nciht so der Beethovenfan bin.
Haltet mich bitte weiter auf dem Laufenden und ich hoffe, das Finalkonzert dann wirklich auch aufmerksam verfolgen zu kônnen.

F.Q.
nikolaus (27.05.2010, 22:01):
Original von Fairy Queen
... Eine Beethovensonate (ich hoffe nciht dieselbe die Nikolaus schlecht fand.... :() hat mich sehr berührt, obschon ich eigentlich gar nciht so der Beethovenfan bin....

F.Q.

Ich bitte Dich, das ist doch bloß meine Meinung und mein Geschmack!
Ist doch schön, wenn er Dich berührt hat...!

Gruß, Nikolaus.
nikolaus (29.05.2010, 17:31):
Weiter geht es mit dem Nachsitzen (hat sich einiges angesammelt):

Kim Tae-Hyung hatte einen guten Beginn mit einer spritzigen Beethoven-Sonate Nr. 6, schaffte dann aber nur ein in meinen Ohren durchschnittliches Pflichtstück und fiel dann leider mit Brahms 1. Klavierkonzert deutlich ab. Ich hatte das Gefühl, dass er einfach zu viel wollte; es erschien mir immer am Rande des Schaffbaren, und die Tiefe ging dabei verloren. Als er am Ende seine Tränen kaum zurückhalten konnte, hätte ich ihm am liebsten einen Sympathie-Punkt gegeben (wenigsten zeigt einer mal Emotionen...).

Andrejs Osokins begann mit Mozarts Klaviersonate Nr. 5. Für mich so lala, allerdings kann ich mit Mozart nicht so viel anfangen. Das Pflichtstück fand ich auch eher durchschnittlich. Mit Prokofievs 3. Klavierkonzert konnte er mich phasenweise zwar überzeugen, aber insgesamt ging mir sein eher harter, spitzer Anschlag auf die Nerven. Unter dem Strich eine sicher nicht schlechte, aber auch nicht herausragende Leistung.

Nikolaus.
Gamaheh (29.05.2010, 18:37):
Original von nikolaus
hätte ich ihm am liebsten einen Sympathie-Punkt gegeben (wenigsten zeigt einer mal Emotionen...).

Und ausgerechnet ein Asiate! Hast Du Favorin nicht gesehen?

Kim 2 fand ich auch wirklich nicht mehr als durchschnittlich; sein Brahms 1 immerhin etwas weniger sumpfig als von Kim 1 vor ein paar Tagen, aber für mich ebenso wenig überzeugend als Gesamtwerk.

Osokins dagegen, den ich im Halbfinale nicht so gut fand, daß ich ihn im Finale erwartet hatte, hat mich diesmal überzeugt, sogar mit Mozart; mit Prokofiev 3 hat er richtig gepunktet; hier denke ich , daß sein Anschlag der Musik angemessen ist (fand ihn übrigens nicht besonders hart oder spitz) - daß er einen genügend variablen Anschlag hat, hat er ja bereits gezeigt. Kann es sein, daß Du dieses Konzert einfach nicht magst? Heute hast Du ja Gelegenheit, es nochmal von Claire Huangci zu hören. Übrigens macht Osokins auch einen guten professionellen Eindruck. Und für's Auge ist auch was dabei.

Gestern abend habe ich noch die zweite Hälfte von Bozhanov gesehen. Kein Zweifel ...

Heute abend werde ich nicht folgen können, das werde ich vielleicht irgendwann nachhören. Heute abend werden ja auch die Sieger gekürt ...

Viele Grüße,
Gamaheh
Heike (29.05.2010, 20:57):
Endlich habe ich heute abend auch mal live reingehört, oh das ist ja super spannend! Gerade beginnt Claire HUANGCI das Prokofjev - Konzert. Vorher bei dem modernen Werk "Target" hat sie mir gut gefallen (ich hab das zum ersten Mal gehört). Am Beginn die Waldsteinsonate war so lala, gemischt, sie wirkte recht souverän, aber es hat mich nicht so richtig gefesselt; gerade den Anfang spielte sie ein wenig lehrbuchhaft - wenn man das schon oft gehört hat, dann ist es langweilig. Der langsame Satz gefiel mir dann besser.
Leider kann ich den Klang hier am PC schlecht beurteilen, weil ich keine guten Lautsprecher dran habe, also das verfälscht dann doch immer sehr.
Heike
Heike (29.05.2010, 22:18):
Jetzt spielt gerade Denis KOZHUKHIN eine Haydn-Sonate, die mir bisher richtig Spaß macht. Der hat irgendwas schelmisches und zugleich sehr feinfühliges in seinem Ausdruck, was mir gefällt.
Heike

P.s. 22.30 Uhr: er hat den Haydn schön zu Ende erzählt, ein kleiner Geschichtenerfinder ist das, den möchte ich mal gern ungebremst hören! Jetzt also nochmal "Target"

P.s. 23.30 Uhr: Target hat mir mit ihm besser gefallen als vorhin - wobei ich nicht sicher bin, ob das auch zu einem großen Teil an der Wiederholung lag. Das Prokofjev- Konzert fand ich jetzt zum Abschluss richtig gut, wobei ich nicht ganz lückenlos zuhören konnte (war zwischendurch in der Küche zugange), also ich hoffe, er hatte in den Phasen keine Patzer drin.
Gamaheh (29.05.2010, 23:45):
Kozhukhins Prokofiev habe ich noch gehört - der hat ja ganz schön auf das Instrument eingeschlagen ! Meine Sache ist das nicht, aber Prokofievs Klavierkonzerte gehören ohnehin nicht zu meinen Lieblingsmusiken.

Jetzt steigt bei den Kandidaten die Spannung sicher ins Unermeßliche. Die Preise sind ja ganz schön großzügig: Bis zum 6. gibt es noch eine Rangfolge, aber auch die übrigen sechs gehen nicht mit leeren Taschen nach Hause. Für den Publikumspreis von Radio Klara kann man noch hier abstimmen.

Gute Nacht,
Gamaheh
nikolaus (30.05.2010, 00:03):
Original von Gamaheh
Kann es sein, daß Du dieses Konzert einfach nicht magst? Heute hast Du ja Gelegenheit, es nochmal von Claire Huangci zu hören.

Gamaheh

Du irrst, Prokofievs 3. Klavierkonzert gehört zu meinen Lieblingskonzerten!!
Claire spielt doch das 2., oder?

Ich habe heute noch Kim Kyu Yeon gehört (Kim Nr. 3, die weibliche Kim). Sie spielte zuerst Beethovens Sonate Nr. 31; ich den Eindruck eines "individuellen" Zugangs zu der Sonate, was ich ihr positiv anrechne, auch wenn es für meinen Geschmack zu - ich weiss nicht genau - kantig? trocken? - ich kann es nicht beschreiben. Target gefiel mir von ihr ausnehmend gut, und auch Prokofiev Nr. 2 hat sie gut gemeistert, wie ich finde.
Ich bin gespannt auf den Vergleich zu Huangci und Kozhokhin.

Die und Bozhanov werde ich mir aber erst morgen anhören, und ich hoffe, ich bleibe standhaft und verfalle nicht meiner Neugier, wer gewonnen hat...

Nikolaus.
Gamaheh (30.05.2010, 01:57):
Hier sind sie:

http://www2.pic-upload.de/thumb/30.05.10/5wewqkccz6qw.jpg http://www2.pic-upload.de/thumb/30.05.10/heglplduwe2.jpg http://www2.pic-upload.de/thumb/30.05.10/tiy7y9hpz1bs.jpg

http://www2.pic-upload.de/thumb/30.05.10/ptex2t6oeu11.jpg http://www2.pic-upload.de/thumb/30.05.10/eqw17src9mr.jpg http://www2.pic-upload.de/thumb/30.05.10/i7xk1iko8ffe.jpg

http://www2.pic-upload.de/thumb/30.05.10/9swgnek7vcue.jpg http://www2.pic-upload.de/thumb/30.05.10/94ynnzovkci6.jpg

In der Reihenfolge der Ranglistung; seht Euch den Favorin an (den ich dort wirklich nicht erwartet hatte): Der rennt völlig orientierungslos über die Bühne und ist sogleich von Frauen umzingelt !

Nun aber wirklich: Gute Nacht !
Heike (30.05.2010, 08:16):
Schade, dass ich nur die zwei gehört habe vorher, aber immerhin habe ich den Sieger gehört :-)

Hoffentlich kann ich beim nächsten Mal früher dabeisein, das war wirklich spannend
Heike

P.s ich hatte mit mir gekämpft, ob ich bis zur Bekanntgabe wach bleibe, aber es war dann doch zu spät :-(
nikolaus (30.05.2010, 23:29):
Ich habe mir leider die Spannung etwas genommen, weil ich nur durch Zufall im Fernsehen/Videotext den Gewinner gelesen habe (die anderen allerdings nicht).
Ich habe mich bemüht, davon unbeeindruckt die letzten drei Kandidaten zu hören:

Evgeni Bozhanov war souverän in allen drei Teilen, darunter Beethovens Sonate Nr. 18 und Rachmaninovs 2. Klavierkonzert, wahrscheinlich ist er der professionellste von allen. Er hat mir bis dato auch am besten gefallen, aber rückblickend erschien mir alles zwar auf höchstem Niveau gespielt, aber dennoch etwas beliebig und wenig persönlich (und leider kommt er bei mir auch noch arrogant an...).

Claire Huangci hat mir daher besser gefallen als Bozhanov. Auch sie war souverän in allen Teilen (Beethoven Nr. 21, Prokofiev Nr. 2). Im Gegensatz zu Heike gefiel mir der erste Satz der Beethoven Sonate besser als der zweite. Prokofiev war im Vergleich zu Kim Kyu Yeon besser weil technisch so souverän.

Denis Kozhukhin hat mich dann wirklich begeistert. Bei Haydn Hob. XVI:49 habe ich das erste Mal in diesem Wettbewerb so etwas wie "Seele" im Spielen bemerkt, und Heike hat ganz recht, er "erzählt". Sehr schön. "Target" dann gut wie bei den letzten beiden auch, vielleicht etwas durchschlagkräftiger als Huangci. Bei Prokofiev 2. Klavierkonzert war ich überrascht, wie differenziert er die vier Sätze anging. Das war nicht von vorne bis hinten durchgerauscht wie Kim und Huangci (und Yundi Li, dessen Aufnahme ich habe), und wozu das Konzert wohl auch verleitet. Er hat ein langsameres Tempo gewählt und dadurch die Möglichkeit gehabt, Kleinigkeiten hörbar zu machen, Spannungen aufzubauen und immer "Luft" für Steigerungen zu haben; und auch das Poetische kam nicht zu kurz.
Damit war er auch mein Gewinner.

Meine Rangliste sieht nun folgendermaßen aus:

1. Denis Kozhukhin
2. Claire Huangci
3. Evgeni Bozhanov
4. Hannes Minnaar
5. Kim Da Sol
6. Takashi Sato
7. Kim Kyu Yeon
8. Andreijs Osokins
9. Jong-Hai Park
10. Kim Tae Hyung
11. Yekwon Sunwoo
12. Yuri Favorin

Das hat Spaß gemacht und war spannend, aber ich bin froh, dass es vorbei ist, kostet einfach viel Zeit...

Nikolaus.
nikolaus (30.05.2010, 23:56):
Äh, habe gerade das ganze Ergebnis noch angeschaut.
Bei manchen lag ich ja mehr als knapp daneben... :ignore
Gamaheh (30.05.2010, 23:57):
Original von nikolaus
Du irrst, Prokofievs 3. Klavierkonzert gehört zu meinen Lieblingskonzerten!!
Claire spielt doch das 2., oder?
Sicher, Du hast ganz recht - ich hatte nicht richtig hingeguckt.

Kim Kyu Yeon (Kim Nr. 3, die weibliche Kim).
Von jeder Sorte ein Exemplar!
Was Deine Ranglistung angeht: Das würde ich nicht machen können, denn ich habe längst nicht alle gehört, und schon gar nicht ganz oder konzentriert. Davon abgesehen empfinde ich meinen Eindruck immer als unvollständig, wenn ich nicht live dabei bin ...

Denis Kozhukhin hat mich übrigens nie so richtig begeistert; vielleicht wird das ja in Lille anders. Ob es geholfen hat, daß er sich bekreuzigt hat, bevor er auf die Bühne gegangen ist? Ich könnte mir vorstellen, daß Bozhanov die Jury durch seine Mätzchen und Manierismen etwas gegen sich eingenommen hat. Claire Huangci hätte wohl einen besseren Platz verdient; sie sah auch etwas enttäuscht aus.

Beste Grüße,
Gamaheh
Leachim (31.05.2010, 11:39):
Liebe Gamaheh, lieber nikolaus,
vielen Dank für Eure Eindrücke, die ich alle nicht so intensiv live mitverfolgt habe, das regt mich zu sehr auf, weil ich dann auch angespannt bin, sozusagen "mit".

Mein ganz persönlicher Eindruck über VOD:

Denis Kozhukhin fand ich ganz verdient ganz vorne, er ist ein wenig schlapsig, finde ich, was zumindest auffällt, sein Spiel finde ich persönlich wunderschön und ausdrucksvoll.
Die Manierismen, liebe Gamaheh, bei Evgeni Bozhanov finde ich eine Art Tik, für den er nichts kann und seine Beethovensonate fand ich wunderbar.

Claire Huangci, kam im Mozartklavierkonzert bestens durch auch in der Phrasierung, bei der "Waldstein" kam mir vor, daß es jnicht ganz ihre Sonate ist, oder sie war da nicht ganz bei Beethoven, ein wenig zu glatt gespielt, fand ich persönlich, kann mich aber auch irren. Ihr Chopin Andante Spianato, fand ich perfekt, aber mehr auch nicht obwohl sie eine gute Chopininterpretin sein soll. Unbekannt ist sie ja nicht.

Na ja alles im allem fand ich den concour sehr interessant und aufregend.

Liebe Grüße
Michael
Heike (16.08.2010, 08:09):
Claire Huangci, kam im Mozartklavierkonzert bestens durch auch in der Phrasierung, bei der "Waldstein" kam mir vor, daß es jnicht ganz ihre Sonate ist, oder sie war da nicht ganz bei Beethoven, ein wenig zu glatt gespielt, fand ich persönlich, kann mich aber auch irren. Ihr Chopin Andante Spianato, fand ich perfekt, aber mehr auch nicht obwohl sie eine gute Chopininterpretin sein soll. Unbekannt ist sie ja nicht.

Ich habe Claire Huangci gestern im Rahmen des Young Euro Classic in Berlin mit einem Recital live gehört (Bach, Chopin, Ravel). Das war wirklich großartig! Sie hat einen Farbenreichtum und ene Brillianz im Klang, der an meinem Computer bei diesen Wettbewerbsübertragungen so nicht so zu hören war. Im Saal hingegen machte sie auf mich damit einen ganz großen Eindruck, zudem war sie technisch große Klasse (Ravels La Valse - ein Feuerwerk!) und interpretatorisch auch überzeugend. Ein sehr sympathisches Mädchen und erst 19 Jahre alt!
Heike