Hosenrolle1 (07.02.2016, 02:50): Ein Thema, das mich beschäftigt, ist der Pausen- sowie besonders der Schlussvorhang. Natürlich nicht der Vorhang selbst, sondern das, was passiert, nachdem selbiger gefallen ist.
Ich fange mit dem Pausenvorhang an. Ich habe es in Vorstellungen in der Volksoper früher öfter erlebt, dass bereits in der Pause die Darsteller (ob es alle waren oder nur ein Teil davon weiß ich jetzt nicht mehr, ist aber auch nicht weiter wichtig) vor den Vorhang traten um den Applaus entgegenzunehmen.
Offen gesagt, mich stört so etwas doch, denn obwohl ich natürlich weiß, dass das nur eine Vorführung ist, finde ich es irritierend, wenn die Figuren sozusagen aus ihren Rollen fallen. Nach der Ouvertüre öffnet sich der Vorhang, man sieht eine Handlung, man sieht Figuren – und in der Pause sagen die Sänger Danke, um danach wieder in ihre Rollen zu schlüpfen und das Stück zu Ende zu spielen.
Besonders störend finde ich das beispielsweise bei HUG, wenn die beiden Kinder eingeschlafen sind, um dann plötzlich hellwach vor dem Vorhang stehen – und nach der Pause wieder schlafen. Irgendwie habe ich da das Gefühl, aus dem Stück gerissen zu werden.
Beim Freischütz würde es mich auch stören, wenn Max und Kaspar, die gerade noch halb bewusstlos in der Wolfsschlucht liegen, plötzlich putzmunter vor den Vorhang treten.
Tatsächlich soll es sogar vorkommen, dass Figuren, die gerade nach einer Arie gestorben sind, aufstehen, sich beim Publikum verbeugen, um sich sogleich wieder hinzulegen und weiter tot zu sein.
Und hier meine Frage: was haltet ihr von diesen Dingen? Stört es euch (oder würde es euch stören), wenn schon beim Pausenvorhang die Sänger den Applaus entgegennehmen? Ist es euch egal? Oder habt ihr das Gefühl, dass ein geschlossener Pausenvorhang auch geschlossen bleiben sollte?
Und nun das zweite Thema, nämlich der Schlussvorhang. Ich sehe mir gerne auch von Opernaufführungen, die mich nicht interessieren und/oder die ich nicht kenne den Schluss an, weil ich sehen möchte, was da gemacht wird.
Dabei habe ich jetzt schon öfter gesehen, dass da sozusagen noch eine kleine „Mini-Handlung“ stattfindet, wo die SängerInnen quasi teilweise noch ihre Figuren spielen, statt vollständig sie selbst zu sein.
Das kann natürlich albern sein, bei HUG habe ich das erlebt, dass, nachdem sich alle verbeugt haben, die „Hexe“ spaßhalber bedrohlich auf die Hänsel und Gretel-Darstellerinnen zugegangen ist, woraufhin die „Mutter“ sie mit einer Handtasche verprügelt hat. Das wäre für mich eine Mini-Handlung.
Ein anderes Beispiel habe ich kürzlich beim Figaro gesehen; hier war im Hintergrund ein großer Tisch, um den viele Frauen saßen. Es war eine klassische Inszenierung, mit „alten“ Kostümen. Nachdem ein paar Sänger sich verbeugt haben, schreien ein paar der Frauen beim Tischen hinten auf, und „Cherubino“ kommt darunter hervor, läuft zum Vordergrund, verbeugt sich. Dann verbeugen sich weitere Sänger, „Cherubino“ steht auf der Seite mit einer Rose. Als die Contessa aufsteht und an ihm vorbeigeht, gibt er ihr schmachtend die Rose, sie bedankt sich und wirft ihm einen Kuss zu.
Es muss aber nicht direkt eine Mini-Handlung sein. Manchmal kommen SängerInnen „normal“ auf die Bühne, manchmal (etwa bei HUG) bewegen sie sich auch da noch wie in ihren Rollen, wenn sie auf die Bühne laufen wie Kinder.
Wären es Vorstellungen für Kinder, dann würde ich das schon nachvollziehen können - man möchte die Kleinen um jeden Preis unterhalten und Spaß machen auf der Bühne. Aber diese Mini-Shows betreffen ja keineswegs nur "Kinderopern", sondern eben ganz normales, "erwachsenes" Repertoire.
Vorweg: ich habe rein gar nichts gegen diese Aktionen nach dem Ende der Vorstellung, ich sehe es nicht kritisch oder so. Aber ich frage mich doch, warum wird das gemacht? Möchte man das Publikum damit animieren, nicht sofort raus zu gehen zu den Garderoben, sozusagen eine Analogie zum Abspann im Kino, wo es manchmal noch Outtakes, Gag-Reels und dergleichen gibt, die man nur sieht, wenn man den Saal nicht gleich verlässt?
Oder möchte man das Publikum nicht zu abrupt aus dem Stück reißen, indem sich die Darsteller plötzlich völlig anders verhalten, möchte man sozusagen den „Geist des Stückes“ oder die Stimmung des Stückes noch irgendwie beibehalten? Oder ist das für die Darsteller selbst gedacht, damit die einen Spaß daran haben? Oder soll es vielleicht das an sich relativ unspektakuläre auf-die-Bühne-kommen-und-sich-verbeugen interessanter gestalten, weniger langweilig?
Oft verbeugen sich die Darsteller ja sogar etwa so, wie es die Figuren tun würden. Bei Opern wie dem Figaro werden von den Frauen meist Knickse gemacht, während die Männer sich verbeugen mit einer weit ausholenden Bewegung des Armes, wie man es auch aus Filmen kennt.
Eure Meinung zu diesen Themen würde mich sehr interessieren!
LG, Hosenrolle1
Nicolas_Aine (07.02.2016, 08:15): Original von Hosenrolle1
Und nun das zweite Thema, nämlich der Schlussvorhang. Ich sehe mir gerne auch von Opernaufführungen, die mich nicht interessieren und/oder die ich nicht kenne den Schluss an, weil ich sehen möchte, was da gemacht wird.
Dabei habe ich jetzt schon öfter gesehen, dass da sozusagen noch eine kleine „Mini-Handlung“ stattfindet, wo die SängerInnen quasi teilweise noch ihre Figuren spielen, statt vollständig sie selbst zu sein.
Das kann natürlich albern sein, bei HUG habe ich das erlebt, dass, nachdem sich alle verbeugt haben, die „Hexe“ spaßhalber bedrohlich auf die Hänsel und Gretel-Darstellerinnen zugegangen ist, woraufhin die „Mutter“ sie mit einer Handtasche verprügelt hat. Das wäre für mich eine Mini-Handlung.
Ein anderes Beispiel habe ich kürzlich beim Figaro gesehen; hier war im Hintergrund ein großer Tisch, um den viele Frauen saßen. Es war eine klassische Inszenierung, mit „alten“ Kostümen. Nachdem ein paar Sänger sich verbeugt haben, schreien ein paar der Frauen beim Tischen hinten auf, und „Cherubino“ kommt darunter hervor, läuft zum Vordergrund, verbeugt sich. Dann verbeugen sich weitere Sänger, „Cherubino“ steht auf der Seite mit einer Rose. Als die Contessa aufsteht und an ihm vorbeigeht, gibt er ihr schmachtend die Rose, sie bedankt sich und wirft ihm einen Kuss zu.
Es muss aber nicht direkt eine Mini-Handlung sein. Manchmal kommen SängerInnen „normal“ auf die Bühne, manchmal (etwa bei HUG) bewegen sie sich auch da noch wie in ihren Rollen, wenn sie auf die Bühne laufen wie Kinder.
Wären es Vorstellungen für Kinder, dann würde ich das schon nachvollziehen können - man möchte die Kleinen um jeden Preis unterhalten und Spaß machen auf der Bühne. Aber diese Mini-Shows betreffen ja keineswegs nur "Kinderopern", sondern eben ganz normales, "erwachsenes" Repertoire.
Vorweg: ich habe rein gar nichts gegen diese Aktionen nach dem Ende der Vorstellung, ich sehe es nicht kritisch oder so. Aber ich frage mich doch, warum wird das gemacht? Möchte man das Publikum damit animieren, nicht sofort raus zu gehen zu den Garderoben, sozusagen eine Analogie zum Abspann im Kino, wo es manchmal noch Outtakes, Gag-Reels und dergleichen gibt, die man nur sieht, wenn man den Saal nicht gleich verlässt?
Oder möchte man das Publikum nicht zu abrupt aus dem Stück reißen, indem sich die Darsteller plötzlich völlig anders verhalten, möchte man sozusagen den „Geist des Stückes“ oder die Stimmung des Stückes noch irgendwie beibehalten? Oder ist das für die Darsteller selbst gedacht, damit die einen Spaß daran haben? Oder soll es vielleicht das an sich relativ unspektakuläre auf-die-Bühne-kommen-und-sich-verbeugen interessanter gestalten, weniger langweilig?
Oft verbeugen sich die Darsteller ja sogar etwa so, wie es die Figuren tun würden. Bei Opern wie dem Figaro werden von den Frauen meist Knickse gemacht, während die Männer sich verbeugen mit einer weit ausholenden Bewegung des Armes, wie man es auch aus Filmen kennt.
Eure Meinung zu diesen Themen würde mich sehr interessieren!
LG, Hosenrolle1
da ich kein Opernfan bin und daher selten in die Oper gehe, finde ich das interessant, in den wenigen Vorstellungen, die ich gesehen habe, gabs da alles nicht, es wurde sich einfach nach dem Schlussvorhang ganz normal verbeugt. Ich glaube, in der Pause fände ich es auch nicht so gut, wenn Pause ist, dann ist Pause. Man kann ja gerne noch ein bisschen klatschen, aber das die jetzt alle rauskommen, muss doch nicht sein, oder?
Zum Schlussvorhang: ich fände das glaub ich ganz nett, und meine Theorie ist (ohne das zu wissen), dass es aus den von mir fett markierten Gründen gemacht wird.
Zum letzten Absatz: Dieses spezielle Verbeugen hat, so denke ich, zwei Gründe: Erstens ist die klassische Musikwelt in Abläufen äußerst konservativ (warum spielen Orchester noch im Frack?!), und zweitens setzen sich Sänger gern möglichst dramatisch und effektvoll in Szene... (bitte nicht böse nehmen, falls sich hier ein Sänger rumtreibt :P)
Zefira (07.02.2016, 17:03): Ich habe so einen "Pausenvorhang" noch nie gesehen. Einmal sah ich eine Übertragung aus der MET, Don Pasquale, da haben Pasquale und Malatesta ihr "Plapperduett" bei geschlossenem Vorhang wiederholt. Vermutlich wurde dahinter schon umgebaut. Nach dieser Wiederholung folgte natürlich noch eine Extraverneigung ans Publikum. Ich fand es nett, aber es ist wohl nicht das, was Du meinst.
Wenn nach dem Schlussvorhang noch einige Gesten kommen, die irgendwie mit dem verkörperten Charakter zusammenhängen, ist das wohl meistens eher scherzhaft gemeint. Ich denke, damit signalisieren die Sänger dem Publikum, wieviel Freude es ihnen gemacht hat, die betreffende Rolle zu spielen. Das finde ich in Ordnung, warum nicht? Dabei fällt mir allerdings etwas ein, was mich wirklich manchmal gestört hat: wenn innerhalb der Opernhandlung jemand eines grausamen Todes stirbt und dann nach dem Schlussvorhang barfuß, zerlumpt und dreckig, womöglich blutbefleckt - und mit strahlendem Gesicht zur Verneigung erscheint. Klar würde ich nicht verlangen, dass jemand extra für den Schlussapplaus nochmal das Kostüm wechselt und das Bühnenblut abwäscht, aber solche Momente finde ich immer gruselig.
Grüße von Zefira
Amonasro (07.02.2016, 19:01): Live habe ich auch noch keinen Pausenvorhang gesehen. Auf älteren DVDs (80er/90er) von der Met oder der WSO sieht man allerdings oft, dass die Sänger nach jedem einzelnen Akt, selbst wenn danach ohne richtige Pause weitergespielt wird, vor den Vorhang treten. Ich dachte, dass wäre heute kaum noch üblich. Dass Sänger ihre Rolle auch vor dem Vorhang noch weiterspielen, habe ich noch nie gesehen.
Oft sieht man bei älteren Aufzeichnungen (DVD/YT) von Opern wie Tosca auch, dass ein Hauptrollensänger, der im letzten Akt nicht mehr auftritt (Scarpia), nach dem vorletzten Akt alleine vor den Vorhang tritt und teilweise beim Schlussapplaus gar nicht mehr erscheint. Auch bei Amonasro in Aida und Mime in Siegfried habe ich das schon gesehen. Aus Sicht des Sängers eigentlich sogar verständlich, da das Publikum sicher stärker applaudiert, wenn es noch unter dem unmittelbaren Eindruck des letzten Auftritts steht, und sich dann anschließend vollständig auf die Akteure des letzten Akts konzentriert. Das waren aber alles Aufführungen, bei denen die Sänger sowieso nach jedem Akt nach vorne kamen; da wäre es dann vielleicht etwas komisch gewesen, wenn der Sänger sich nochmal applaudieren lässt, obwohl er gar nicht mehr gesungen hat.
Überhaupt war es früher anscheinend auch die Regel, dass zum Schlussapplaus jeder Sänger einzeln vor den Vorhang tritt. Bei den Aufführungen die ich live oder im Fernsehen gesehen habe, wurde der Vorhang zum Schlussapplaus aufgezogen und die Sänger kamen dann nacheinander auf die Bühne und blieben dort. Das ist mir auch irgendwie sympathischer.
Gruß Amonasro :hello
Hosenrolle1 (07.02.2016, 22:58): Zum Schlussvorhang: ich fände das glaub ich ganz nett, und meine Theorie ist (ohne das zu wissen), dass es aus den von mir fett markierten Gründen gemacht wird.
Wobei ich ergänzend fragen muss, ob die Aktionen beim Schlussvorhang vom Regisseur so bestimmt werden, oder ob die spontan sind? Beim Cherubino, der unter dem Tisch hervorkommt und später eine Rose überreicht hatte ich schon das Gefühl, dass das genau abgesprochen war.
Ich habe so einen "Pausenvorhang" noch nie gesehen.Einmal sah ich eine Übertragung aus der MET, Don Pasquale, da haben Pasquale und Malatesta ihr "Plapperduett" bei geschlossenem Vorhang wiederholt. Vermutlich wurde dahinter schon umgebaut. Nach dieser Wiederholung folgte natürlich noch eine Extraverneigung ans Publikum. Ich fand es nett, aber es ist wohl nicht das, was Du meinst.
Nicht direkt, aber dazu fällt mir ein, dass das Publikum damals wohl nicht wirklich ein gesteigertes Interesse daran hatte, eine Oper sozusagen als geschlossenes Kunstwerk einfach nur so anzusehen, sonst gäbe es nicht die „da capo“-Rufe. Das Uraufführungspublikum vom Freischütz hat mehrere Nummern da capo verlangt, die dann auch nochmal gespielt wurden, statt dass man „einfach nur“ der Handlung folgt. Da wird keiner gedacht haben „Ich möchte nicht, dass die SängerInnen aus ihren Rollen fallen und Stücke zweimal singen, das ist zu unrealistisch, das passt einfach nicht“. Sind wir da zu streng? Haben wir heute eine andere Vorstellung von der Oper? Kam die Veränderung erst mit Wagner?
Wenn nach dem Schlussvorhang noch einige Gesten kommen, die irgendwie mit dem verkörperten Charakter zusammenhängen, ist das wohl meistens eher scherzhaft gemeint. Ich denke, damit signalisieren die Sänger dem Publikum, wieviel Freude es ihnen gemacht hat, die betreffende Rolle zu spielen.
Ich würde da gerne zustimmen, bin mir aber, wie oben schon erwähnt, nicht sicher, ob sie das nicht machen „müssen“, weil es vom Regisseur oder sonst wem so gewollt ist.
Das finde ich in Ordnung, warum nicht?
Ich könnte mir vorstellen, dass es auch Leute gibt, die sagen „Nein, ich finde das nicht gut. Wenn das Stück aus ist, dann soll es auch aus sein, dann sollen die Figuren nicht noch für irgendwelche Scherze weiter gespielt werden. Der Komponist hat für seine Figuren eine bestimmte Handlung und einen bestimmten Text vorgesehen, und hat am Ende „Vorhang zu“ geschrieben. Ab da sollte das Werk und damit seine Figuren auch `weg´ sein, wie wenn man ein Buch schließt.“
Das wäre ein Punkt, den ich nachvollziehen könnte, aber selbst habe ich kein Problem damit. Ich meine, Opernfiguren sind ja jetzt auch keine Heiligtümer, es sind Figuren, die oft genug eindimensional sind. Da ist es doch nicht wirklich schlimm, wenn man die Figuren auch außerhalb des Stückes zum Spaß noch weiter spielt.
Dabei fällt mir allerdings etwas ein, was mich wirklich manchmal gestört hat: wenn innerhalb der Opernhandlung jemand eines grausamen Todes stirbt und dann nach dem Schlussvorhang barfuß, zerlumpt und dreckig, womöglich blutbefleckt - und mit strahlendem Gesicht zur Verneigung erscheint. Klar würde ich nicht verlangen, dass jemand extra für den Schlussapplaus nochmal das Kostüm wechselt und das Bühnenblut abwäscht, aber solche Momente finde ich immer gruselig.
O ja, das stelle ich mir auch eigenartig vor. Da wäre es interessant zu sehen, ob blutbesudeltes Gewand oder ähnliches für den Schlussvorhang ausgezogen wird.
Oft sieht man bei älteren Aufzeichnungen (DVD/YT) von Opern wie Tosca auch, dass ein Hauptrollensänger, der im letzten Akt nicht mehr auftritt (Scarpia), nach dem vorletzten Akt alleine vor den Vorhang tritt und teilweise beim Schlussapplaus gar nicht mehr erscheint.
Da habe ich zwar aus den von dir genannten Gründen Verständnis dafür, aber dennoch finde ich das höchst irritierend, weil für mein Empfinden die Handlung bis zum Schlussvorhang noch nicht abschlossen ist. Erst wenn das Stück zu Ende ist, sollten meiner Meinung nach die Sänger die 4te Wand durchbrechen und sich ans Publikum wenden und verbeugen. Wenn ein einzelner sich schon frühzeitig verbeugt, dann hat das für mich etwas von „Ok, ab jetzt geht das Stück ohne mich weiter, viel Spaß noch mit anderen anderen Sängern, ich verabschiede mich jetzt schon mal von euch“.
Das waren aber alles Aufführungen, bei denen die Sänger sowieso nach jedem Akt nach vorne kamen; da wäre es dann vielleicht etwas komisch gewesen, wenn der Sänger sich nochmal applaudieren lässt, obwohl er gar nicht mehr gesungen hat.
Hmm, naja, würde ich nicht ganz so sehen, beim Schlussapplaus sind ja auch meist Statisten zu sehen, die man nur in einem früheren Akt einmal gesehen hat, oder vielleicht auch Chöre, die nur am Anfang der Oper kurz mal dabei waren.
Überhaupt war es früher anscheinend auch die Regel, dass zum Schlussapplaus jeder Sänger einzeln vor den Vorhang tritt. Bei den Aufführungen die ich live oder im Fernsehen gesehen habe, wurde der Vorhang zum Schlussapplaus aufgezogen und die Sänger kamen dann nacheinander auf die Bühne und blieben dort. Das ist mir auch irgendwie sympathischer.
Finde ich auch, wobei mir die, die hinten stehen, immer leid tun, wenn sie mitbekommen, wie einzelne Sänger besonders viel Applaus und Jubel bekommen. Manchmal habe ich da das Gefühl, dass einige versuchen möglichst freundlich drein zu schauen.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (07.02.2016, 23:04): Ich möchte meine zwei Themen gerne um ein drittes ergänzen, das vielleicht auf den ersten Blick unbedeutend sein mag, aber bei näherer Betrachung doch eine Rolle spielt.
Es geht um den Applaus nach Ouvertüren in einer Opernvorstellung.
Ich selbst finde den ehrlich gesagt irgendwie störend, weil nach meinem Gefühl die Ouvertüre eine Stimmung aufbaut, die direkt in das Werk leitet. Sie steht nicht für sich alleine, sondern ist eine Einleitung.
Wenn danach aber applaudiert wird, und eventuell (auch das habe ich erlebt) auch noch der Orchestergraben heller gemacht wird während dem Applaus, dann denke ich mir, dass die ganze Stimmung wieder weg ist. Wie soll man von der Musik in die Opernhandlung "entführt" werden, wenn man kurz darauf wieder in die Realität gerissen wird?
Wie seht ihr das? Möchtet ihr, dass die Ouvertüre direkt in den 1. Akt übergeht, ohne dass der Applaus beides voneinander trennt? Oder stört euch das weniger?
LG, Hosenrolle1
Amonasro (08.02.2016, 00:00): Gestört hat mich das bis jetzt noch nie. Hier ist aber auch interessant zu erwähnen, dass Komponisten wie z. B. Rossini Ouvertüren ohne musikalischen Bezug zur restlichen Oper geschrieben und auch bei mehreren Opern eingesetzt haben. Diese Ouvertüren stimmen also nicht wirklich auf das folgende ein, sondern stehen eher für sich. Überhaupt sind die Ouvertüren vor Wagner ja i. d. R. klar als eigene "Nummer" abgegrenzt. Das ist dann die selbe Frage, ob man allgemein nach einer Musiknummer klatschen sollte. Bei Wagner oder Pfitzner wird meines Wissens selten (wenn überhaupt) nach einem Vorspiel geklatscht.
Gruß Amonasro
Hosenrolle1 (08.02.2016, 00:33): Gut, bei Nummernopern ist es sicher weniger störend, weil ja da meistens nach jeder Nummer geklatscht wird; warum also nicht auch nach der Ouvertüre?
Ich muss aber klarstellen, dass ich nicht deswegen gegen den Applaus nach der Ouvertüre bin, weil ich finde, dass das Orchester es nicht verdient hätte, nur habe ich etwa nach der HUG-Ouvertüre das Gefühl, dass da gerade eine Nummer gespielt wurde. Da verklingt der leise Akkord, und dann kommt erst einmal ein Applaus. Die Märchenstimmung wird zerrissen, um dann wieder aufgenommen zu werden, der Applaus verursacht eine "Zwangspause", die die gerade heraufbeschwörte Stimmung zerstört, oder zumindest stark abschwächt.
Aber es kommt natürlich immer auf die Oper an. Wie gesagt, bei Nummernopern ist das schon anders, und es gibt ja auch Opern, wo die Ouvertüre nahtlos in den 1. Akt übergeht. Manche haben gleich gar keine Ouvertüre.
Auch der Dirigent spielt da eine Rolle: spielt er nach der Ouvertüre direkt weiter, oder macht er eine Pause?
LG, Hosenrolle1
Jürgen (08.02.2016, 11:14): Original von Hosenrolle1 Ich möchte meine zwei Themen gerne um ein drittes ergänzen, das vielleicht auf den ersten Blick unbedeutend sein mag, aber bei näherer Betrachung doch eine Rolle spielt.
Es geht um den Applaus nach Ouvertüren in einer Opernvorstellung.
Ich selbst finde den ehrlich gesagt irgendwie störend, weil nach meinem Gefühl die Ouvertüre eine Stimmung aufbaut, die direkt in das Werk leitet. Sie steht nicht für sich alleine, sondern ist eine Einleitung.
Wenn danach aber applaudiert wird, und eventuell (auch das habe ich erlebt) auch noch der Orchestergraben heller gemacht wird während dem Applaus, dann denke ich mir, dass die ganze Stimmung wieder weg ist. Wie soll man von der Musik in die Opernhandlung "entführt" werden, wenn man kurz darauf wieder in die Realität gerissen wird?
Wie seht ihr das? Möchtet ihr, dass die Ouvertüre direkt in den 1. Akt übergeht, ohne dass der Applaus beides voneinander trennt? Oder stört euch das weniger?
LG, Hosenrolle1
Also wenn die Oper durchkomponiert ist, erübrigt es sich. Ansonsten hat es der Dirigent in der Hand, gapless zu dirigieren und damit den Applaus gar nicht erst aufkommen zu lassen. Gibt es aber es nach der Ouvertüre eine deutliche Pause, warum nicht?
Bei der Salome würde es mich aber stören :D
Grüße Jürgen
Jürgen (08.02.2016, 11:20): Original von Zefira Dabei fällt mir allerdings etwas ein, was mich wirklich manchmal gestört hat: wenn innerhalb der Opernhandlung jemand eines grausamen Todes stirbt und dann nach dem Schlussvorhang barfuß, zerlumpt und dreckig, womöglich blutbefleckt - und mit strahlendem Gesicht zur Verneigung erscheint. Klar würde ich nicht verlangen, dass jemand extra für den Schlussapplaus nochmal das Kostüm wechselt und das Bühnenblut abwäscht, aber solche Momente finde ich immer gruselig.
Grüße von Zefira
Sieh es doch mal andersherum: Gerade empfindsame Gemüter, denen ein grausamer Bühnentod sehr nahe geht, wird dadurch vor Augen geführt, dass dieser Tod gar nicht real war. War doch nur gespielt. Schau doch mal, wie gut es mir geht!
Grüße Jürgen
Zefira (09.02.2016, 13:23): Diesen Gedanken hatte ich immer, wenn der Bösewicht vor den Vorhang trat und strahlte. Speziell wenn es ein Sänger ist, den ich schätze, freut mich dieser Moment immer. Dann denke ich: Jetzt ist er wieder richtig nett und die Welt ist in Ordnung. :engel
Aber wenn jemand (bildlich gesprochen) den Strick noch um den Hals hängen hat, oder im Armesünderhemd oder mit Folterspuren freundlich lachend vor den Vorhang tritt - es wäre ja Grund zu Freude, aber ich finde es, wie gesagt, eher gruselig.
Ist eine sehr instinktive Empfindung, die mit vernünftigem Denken nicht in den Griff zu bekommen ist.