Rachmaninov als Komponist ist bereits durch einige Threads hier im Forum durchaus immer wieder Gegenstand der Diskussion, oder genauer verschiedene Werke.
Wie die meisten seiner berühmten russischen Kollegen absolvierte Rachmaninov jedoch nicht nur das Fach Komposition, sondern auch das Fach Klavier am Konservatorium. (Ausnahme ist hier ja u.A. Skriabin). Eine der Traditionen in der russischen Musik, die sicherlich auch den einzigartigen Status Quo erklärt, den dieses Land hinsichtlich der Musik darstellt(e?)
Rachmaninov galt als einer der größen, wenn nicht sogar "der" größte Pianist seiner Zeit. Sein musikalisches Verständnis und seine Physis sprechen dafür, denn kaum ein Pianist hat je über derart riesige Hände verfügt und konnte daher derart schwierige Passagen spielen.
Glücklicherweise sind der Nachwelt sogar Aufnahmen von Rachmaninov erhalten geblieben. Dies ist, denkt man an die Selbstzweifel dieses großen Künstlers, schon fast ein Wunder.
So gibt es sogar eine Fotografie Rachmaninov mit eine Schallplatte.
Auf Wikipedia.de findet man zum Thema Medien folgends:
Zu Rachmaninows Lebzeiten gab es bereits viele technische Möglichkeiten, sein Wirken als Musiker durch Aufzeichnungen zu konservieren. Rachmaninow stand dem indessen misstrauisch gegenüber:
„Meiner Meinung nach hat der Rundfunk einen schlechten Einfluss auf die Kunst: Er ist dazu angetan, ihr alles Leben und aufrichtigen Sinn auszutreiben.“ Bei Schallplattenaufnahmen wiederum fürchtete er, der Perfektionist, dass möglicherweise Unvollkommenes festgehalten würde. Er notierte:
„Ich werde sehr nervös bei Einspielungen. (…) Wenn die Probeaufnahmen fertig sind, weiß ich, dass ich sie zurückgehen lassen kann, und dann ist alles in Ordnung. Aber wenn die Schlussaufnahme ansteht und mir bewusst wird, dass dieses Ergebnis jetzt genügen und von Dauer sein soll, werde ich nervös, und meine Hände beginnen, sich anzuspannen.“ Rachmaninow war der letzte Vertreter einer Jahrhunderte alten Tradition. Bis ins späte 19. Jahrhundert hinein waren die (meisten) Komponisten gleichermaßen bedeutende Virtuosen ihrer Zeit. Rachmaninow war der letzte, der diese Doppelfunktion (eigentlich war es sogar eine Tripelfunktion: Komponist, Pianist, Dirigent) ausübte. Er war der erste und letzte seiner Zunft, der ein relativ umfangreiches Zeugnis seines pianistischen Könnens auf Tonträgern hinterlassen hat. Die ersten Aufnahmen (für Edison Records) entstammen dem Jahr 1919, die letzten (für RCA Victor) entstanden 1942. Die Anzahl der von ihm eingespielten Aufnahmen ist beträchtlich, so sind es immerhin 10 CDs, auf denen heute seine glänzenden Fähigkeiten als Musiker der Nachwelt überliefert sind. Außerdem spielte er zwischen 1919 und 1929 auch ca. 35 kürzere (eigene und fremde) Werke für Musikrollen der Firma Ampico ein. Diese wurden u.a. Ende der 1990er Jahre veröffentlicht, gespielt auf einem Bösendorfer SE290 Computerflügel, so daß Rachmaninows Spiel in heutigem Klang und ohne die typischen Nebengeräusche herkömmlich mechanischer Reproduktionsklaviere überliefert ist.
Rachmaninow war in seiner Zeit ein nach heutigen Maßstäben erstaunlich moderner Interpret. Wo andere seiner Zeitgenossen immer noch dem romantisch-manierierten Idiom der musikalischen Auffassung verhaftet waren, interpretierte Rachmaninow eigene Werke genauso wie die anderer mit einer nüchternen Sachlichkeit, die jedem Interpreten der Jetztzeit zur Ehre gereichen würde. Seine Sparsamkeit des Pedalgebrauchs sowie seine Zucht des Ausdrucks, die sich immer am Idiom der Entstehungszeit des jeweiligen Stückes orientiert, weisen ihn als den vielleicht ersten großen Pianisten, wenn nicht als einen der größten Pianisten des 20. Jahrhunderts aus.
Kennt ihr Aufnahmen von rachmaninov als Pianisten? Wenn ja welche, wie ist eure Einschätzung?
Nicolas_Aine (24.03.2009, 13:20): ich hab die Violinsonate Nr. 3 c - moll von Edward Grieg mit Kreisler und Rachmaninov, ist eine wunderbare Aufnahme. Die beiden haben soweit ich weiß öfter zusammengespielt. Soloaufnahmen von ihm hab ich keine.
satie (24.03.2009, 16:28): Ich kenne von Rachmaninov einige Preludes, die er selbst eingespielt hat, außerdem habe ich das dritte Klavierkonzert mit ihm als Solisten. Vor allem bei den Preludes ist auffällig, dass er sich gerne einige kleine Freiheiten genommen hat (z.b. eine Verlängerung des Schlusses um ein-zwei weitere Oktaven oder ähnliches, z.B. im g-moll Prelude). Diese Freiheiten sind übrigens romantisches Erbe, Liszt beispielsweise hat Chopins Walzer laut eigenen Aussagen beliebig verziert beim Spielen, und es ist anzunehmen, dass so etwas gerade bei den eher einfachen Kleinformen Usus war. Wenn der Komponist selber spielt, ist es ohnehin legitim. Ich muss mir die Aufnahmen mit Rachmaninov mal wieder anhören, vielleicht fällt mir dann weiteres auf.
Herzlich, S A T I E
Jürgen (24.03.2009, 16:35): http://ecx.images-amazon.com/images/I/41VT54BA0ZL._SL500_AA240_.jpg
A Window In Time Vol. 1 (Rachmaninoff spielt Rachmaninoff)
Ich habe die Stücke darauf noch nicht vergleichend gehört. Die Reproduktion und die Tonqualität sind jedoch gleichermaßen gut.
Grüße Jürgen
Rachmaninov (28.03.2009, 11:19): Original von Jürgen http://ecx.images-amazon.com/images/I/41VT54BA0ZL._SL500_AA240_.jpg
A Window In Time Vol. 1 (Rachmaninoff spielt Rachmaninoff)
Ich habe die Stücke darauf noch nicht vergleichend gehört. Die Reproduktion und die Tonqualität sind jedoch gleichermaßen gut.
Grüße Jürgen
Die Aufnahme ist natürlich, wenn man überlegt, dass er sich um eine music roll handelt prima. Es befindet sich ja z.B. sein gesamtes Op.3 auf der Aufnahme und viele Stücke, die er nie für die Schallplatte aufgenommen hat. Vor allem finde ich die Sicht eine Koponisten, der ja gezwungendermaßen sein fullminantes ianisteische Können einsetzen musste höchst interessant. Und diese Aufnahme ist sicherlich ein Zeugniss großen Könnens, das jedoch hier nur teilweise wirklich vermittelt werden kann....
Bert (15.10.2010, 18:44): Original von Rachmaninov Kennt ihr Aufnahmen von rachmaninov als Pianisten? Wenn ja welche, wie ist eure Einschätzung?
Hallo Rachmaninov,
nun, ich bin zwar kein großer Rachmaninoff-Liebhaber, aber seine vier KV habe ich in meiner Sammlung in diversen Interpretationen - Ashkenazy (Nr. 1-4), Argerich (Nr. 3), Richter (Nr. 2) - also alles große Namen...
Und dennoch - ich habe diese KV auch mit Rachmaninoff selbst am Klavier und ich höre sie immer wieder gern, obwohl die Tonqualität wahrlich dürftig ist (in der Tat sehr, sehr schlecht), so daß es einem ein großes Stück an Geduld und Filtrationsvermögen abverlangt, die Platte zu hören; dann aber lohnt es sich in der Tat. Für mich, dessen Musikgeschmack auf Romantik (Musikepoche) beschränkt ist, ist es schon eine Seltenheit, ein Werk, das mir in der einen oder der anderen rezenten Interpretation gut gefällt, auch mit der des Komponisten zu vergleichen; dazu kommt, daß dieser Komponist (Rachmaninoff) ein herausragender Pianist war. Von daher ist es nicht nur eine historische Aufnahme, sondern die Referenz schlechthin.
Es handelt sich um diese Aufnahmen:
KV 1 Op. 1; Philadelphia Orchestra; Eugene Ormandy; Jahr 1940 KV 2 Op. 18; Philadelphia Orchestra; Leopold Stokowski; Jahr 1929 KV 3 Op. 30; Philadelphia Orchestra; Eugene Ormandy; Jahr 1940 KV 4 Op. 40; Philadelphia Orchestra; Eugene Ormandy; Jahr 1941
Gruß, Bert
macdowell (02.04.2012, 10:23): Die singuläre Klasse des Pianisten Rachmaninoff läßt sich durch fast alle seine Aufnahmen belegen!! Als Einführung möchte ich aber besonders vier Aufhanmen herausgreifen:
Schumann Carnaval: Rhythmisch elastisch wie keiner sonst und jedes Stück sowohl im Charakter als auch in der Position im Gesamtwerk ideal getroffen!
Chopin Sonate b-Moll von einer Größe und Stimmigkeit die auch Michelangeli und Rubinstein weit übertrifft!
Mendelssohn Etüden F-Dur und a-Moll immer wenn ich meine ich hätte sowas wie Technik kann ich mir hier mein Frusterlebnis abholen, dabei bleibt R. unangestrengt und kann jeden Ton gestalten.
Grieg Violin-Sonate Nr. 3 mit Kreisler schlicht unerreicht; R. hatte wohl einen derartigen Ruf, dass Kreisler übte, auch eine der besten Kreisler Aufnahmen!
Dazu sehr empfehlenswert Die dritte Symphonie von Rachmaninoff mit dem Dirigenten Rachmaninoff! Die Rollenaufnahmen sind dagegen eher weniger interessant, weil die Dymanik nur sehr entstellt eingefangen wird!
Rachmaninov (03.04.2012, 07:15): Original von macdowell
Schumann übertrifft!
Mendelssohn Etüden F-Dur und a-Moll immer wenn ich meine ich hätte sowas wie Technik kann ich mir hier mein Frusterlebnis abholen, dabei bleibt R. unangestrengt und kann jeden Ton gestalten.