Der Welt Anfang und Untergang - Zu Richard Wagners "Ring des Nibelungen"
Nordolf (27.02.2008, 17:06): Hallo!
Die Bedeutung von „Richard, dem Einzigen“ (C. Thielemann) für die deutsche und europäische Kulturgeschichte kann gar nicht überschätzt werden. Richard Wagner (1813 - 1883) hat die ganze Musikwelt revolutioniert. Nach ihm wurde anders komponiert: – ein Großteil der spätromantischen Komponisten wäre ohne ihn nicht denkbar. Auch die spätere Filmmusik blieb ihm verpflichtet (von Korngold bis zu J. Williams „Star Wars“-Musik). Selbst die Literatur blieb nicht unberührt: - die berühmte Fantasy-Romantrilogie "Der Herr der Ringe" von Tolkien bspw. wurzelt in Wagnerianischen Konzepten.
Wagners Musik gilt als Inbegriff der Dramatik. Wagners Klänge wollten in nie gekannter Form aufwühlen, reizen, erregen und den ganzen Menschen mit fortreißen. Und das hat er geschafft: bis heute gibt es - wie zu Lebzeiten des Komponisten - "Wagnerianer", die in seiner Musik einen Teil ihres Lebenssinns entdecken. Bis heute steht der Tempel seiner Kunst: das Opernhaus in Bayreuth - auch wenn der Betrieb dort zwischen profitbewußter Kommerzialität und neumodischen Manierismen ihn vermutlich eher abstoßen würde. Der Tristan-Akkord (aus der Oper "Tristan und Isolde") führte ein neues musikalisches Mittel ein - die fortlaufende "unendliche" Melodie, die nie ihre Auflösung findet und gerade dadurch ein Sehnsuchtsgefühl vermitteln kann. Wagner konzipierte die sogenannte "Leitmotivtechnik" (bzw. machte als erster ein systematisches Konzept daraus), mit der bestimmte Personen oder Symbole in der Oper durch ein herausstechendes musikalisches Thema charakterisiert werden. Die Oper selbst entwickelte er zum Musikdrama weiter, indem er die Anforderungen des Theaterdramas konsequent mit der Musik verband. Darauf beruhte denn auch sein "Gesamtkunstwerk" - ein Werk, das den Anspruch hat, mehrere Kunststile zu vereinen und so exemplarisch eine totale Sicht auf die Welt, eine Idee über die Welt zu bieten. Die Idee, die fast allen Werken Wagners ihre besondere Stimmung gibt, ist der Glauben an die Erlösung durch Liebe - und zwar die sinnliche Liebe zwischen Mann und Frau, der aber eine religiöser "übersinnlicher" Aspekt innewohnt. Selbst im "Parzival" (die Gralsritter leben ja bekanntlich keusch) ist es eine Frau, durch die Parzival sich selbst erkennt.
Eines der ehrgeizigsten und monumentalsten Projekte der Musikgeschichte ist Wagners Opernvierteiler „Der Ring des Nibelungen“, der in dem eigens dafür geschaffenen Konzerthaus in Bayreuth uraufgeführt wurde. Die Idee des „Gesamtkunstwerkes“ bekam im Jahre 1876 ihren Termin für die historischen Annalen. Seitdem war diese Idee kein theoretisches Konstrukt mehr, sondern ein konkretes Ereignis. Das Ereignis ist letztlich langfristig ein Erfolg gewesen - trotz der recht bürgerlichen „Fürstenmenagerie“, die sich einfand (der einzig echte Aristokrat Ludwig II. blieb fern) – trotz der hohlen Empfangsherrlichkeit – trotz des ungeduldig die Würstchenbuden stürmendem Publikums - und auch trotz des mißmutigen Noch-Wagnerianers Nietzsche mit seinen Kopfschmerzen, die ihn vom Platz vertrieben und im Kurort „harte Psychologica“ über Wagner niederschrieben liessen (für Nietzsches geistige Entwicklung war diese Trennung von Wagner allerdings sehr wichtig). Der „Ring des Nibelungen“ blieb bis heute im Gedächtnis der Nachwelt verankert – und er sorgt bis heute für Diskussionen.
Am 11. Februar 1853 schreibt Wagner über die „Ring“-Dichtung an Liszt: „Beachte wohl meine neue Dichtung – sie enthält der Welt Anfang und Untergang!“ Im vierteiligen "Der Ring des Nibelungen" bietet Wagner nicht etwa nur einen Opernzyklus - bestehend aus einem "Vorabend und drei Tagen" - sondern einen Mythos. Er interpretiert die germanischen Götter- und Heldensagen der Edda-Sammlung in neuer Weise. Zentralpunkt ist der Ring der Macht, dessen Gold der Nibelungenfürst Alberich den Rheintöchtern rauben konnte, weil er der Liebe entsagte. Damit kann er nun sein eigenenes Zwergenvolk, das vorher nur aus reiner Freude am Werk Schmuck anfertigte, versklaven und zur Schaffung eines Hortes zwingen, der ihm die Macht über die Welt einbringen soll. Wotan und die anderen Götter sind seine Gegenspieler. Aber auch ihr Fundament ist marode, auch sie können dem Ring nicht widerstehen, auch ihre durch Verträge und Eide gebundene Herrschaft vermag es nicht, Ungerechtigkeiten zu verhindern und ohne Trug auszukommen. Die letzte Hoffnung Wotans ruht auf dem Geschlecht der Wölfinge (Wälsungen), das er gezeugt hat und die an die sonstige von den Göttern kontrollierte Menschenwelt nicht gebunden sind. Sie tragen selbst noch göttliche Schöpferkraft und Wildheit in sich und verachten deshalb das Recht der Menschenordnungen. Im Endeffekt sind es Siegfried und Brünnhilde, die dieses neue freie Menschenpaar verkörpern.
Seinen Zusammenhalt erhält der Ring durch die Leitmotive, welche Wagner hier in bislang nicht dagewesener Fülle verwendet. Im „Rheingold“ werden allein 30 dieser charakterisierenden Klangsymbole eingeführt – in der „Walküre“ und im „Siegfried“ je 20, während die „Götterdämmerung“ noch 10 neue hinzufügt. Der Ring ist wie eine Symphonie aufgebaut. Die Exposition zum Ring-Zyklus leistet der Vorabend: - „Das Rheingold“. Dann folgt in der „Walküre“ sozusagen das Adagio, in deren Mittelpunkt die Beziehungen zwischen Siegmund und Sieglinde sowie Wotan und Brünhilde stehen. Der „Siegfried“ ist in manchem einem derben Scherzo verwandt. Und in der „Götterdämmerung“ gibt es schließlich ein gewaltiges Finale. Umspannt wird das Ganze vom Des-Dur, das beim Auftreten der Götter zu Beginn des 2. Aktes im „Rheingold“ erklingt und am Ende der „Götterdämmerung“ bei ihrem Untergang steht.
Zu Beginn des Rheingoldes hören wir das Wiegenlied der Welt, wie Wagner es nannte. Die berühmte wellenartige Rheinstrom-Melodie in Es-Dur, die im C-Dur endet, verkörpert das Goldene Zeitalter, das Paradies, den Zustand der Unschuld und Geborgenheit. Im Wasser spielen die Rheintöchter im Leuchten des Goldes auf dem Grund. Sie sind übermütige Nixen, die für die urwüchsigen Elementarkräfte stehen. Aus der Tiefe erscheint Alberich, der Nibelung, und verliebt sich in die Nixen. Sie treiben nun ihr Spiel mit ihm. Ihr Übermut und der übermässige Zorn des Zwerges führen zur Zerstörung des ursprünglichen Zustandes. Wagner äußerte einmal sein Mitleid mit Alberich, dem von Natur aus zu-kurz-Gekommenen, der das Schöne beneiden muss. Die Rheintöchter erzählen ihm, das das Gold nur demjenigen höchste Macht verleihen könne, der der Liebe entsagen würde. Und Alberich hat nichts zu verlieren: - durch seine Entsagung kommt der Konflikt zwischen Liebe und Macht in die Welt, deren Prinzipien unversöhnlich gegeneinander stehen.
Macht im negativen Sinne meint bei Wagner die sture, nicht weitreichende Konsequenzen bedenkende Umsetzung unmittelbarer Wünsche, die andere Lebenwesen als Mittel statt als Zweck behandelt. Die Kritik des Monarchisten und Sozialisten Wagner an den Folgen der Industrialisierung und des Kapitalismus ist unüberhörbar. Symbolisch drückt er das in der Hornhaut und Trägheit des in einen Lindwurm verwandelten Riesen Fasolt aus, dessen einziger Lebenszweck im Bewachen des Hortes besteht.
Auch die Götter sind nicht frei von dieser Beschränkung des Blickwinkels: gleich zu Beginn verpfänden sie die Liebesgöttin Freya für den Bau einer Himmelsburg. Anders aber als die Riesen sind sie der Reflexion fähig. Stellvertretend für sie macht Wotan im Laufe der Handlung eine Wandlung durch. Schließlich kommt er zu dem Schluß, das seine alte Weltordnung untergehen und einer Neuen Platz machen muss, die nur von den nach eigenem Willen handelnden Menschen kommen kann, die sich gleichwohl dem Prinzip der Liebe verpflichtet fühlen. Der düstere Untergangswille, die Resignation, die bspw. in Wotans berühmten Monolog aus der „Walküre“ zum Ausdruck kommt, atmet den Geist der für Wagner so entscheidenden Willensmetaphysik Schopenhauers. Diesen Monolog hatte er allerdings vor der Lektüre des eigenwilligen Denkers verfasst – er fühlte hier aber bewußt ausgesprochen, was er künstlerisch geschaffen hatte.
In der Menschenwelt drückt sich der Verfall der Götterordnung besonders eindrucksvoll in den Gibichungen aus, die am Rhein sitzen und deren Machtpolitik den neuen Menschen Siegfried vorerst zu Fall bringen kann. Nur das Opfer der ehemaligen Walküre – also der unbedingte extremste Ausdruck des Liebesprinzips – vereinigt im Tod die beiden freien Menschen Brünnhilde und Siegfried. Wagner verweist auf das Reinkarnationsprinzip, mit dem er sich zur Zeit der „Götterdämmerung“ stark beschäftigt hatte. Das Liebespaar wird in einem Neuen Äon wiedergeboren werden. Hagen und die Gibichungen gehen unter: - ihr Prinzip ist letztlich nicht überlebensfähig. Die Rheintöcher erhalten das Gold zurück.
Musikalisch werden die meisten wohl den "Walkürenritt", "Siegfrieds Trauermarsch", den „Einzug der Götter in Walhall“, den „Feuerzauber“ oder den „Sturm“ vom Beginn der „Walküre“ kennen. Wagner war ja in erster Linie Tondichter. Viele Motive führen uns plastisch Charaktere, Szenen und Landschaften vor Augen. Das reicht etwa von dem schweifend-unsteten Motiv Loges über den martialischen Ritt der Schwertmaiden bis hin zum geheimnisvollen „Waldesweben“. Da Wagner den germanischen Stabreim in den Libretti verwendet, sorgt dieses Stilmittel für eine dezidiert archaische und frühzeitliche Stimmung. Wagner versetzt – geradezu in Vorwegnahme des Kinofilms – mit dieser Plastizität in eine andere ferne Welt der Mythen und Sagen, deren Probleme aber noch für die heutige Gegenwart aktuell geblieben sind.
Nun zu den Themen dieses Threads:
Welche Einspielungen des „Ringes“ empfehlt ihr? Welche Interpreten/Innen haben die Hauptcharaktere des Opernzyklus am besten verkörpert? Welche Aufführungen des „Ringes“ haben euch am besten gefallen? Welche hätten lieber nie das Licht der Bühne erblicken sollen? Was hat der „Ring“ euch zu sagen? Könnt ihr etwas mit dem mythischen, philosophischen, poetischen und politischen Gehalt des Ringes anfangen?
Vielleicht lässt sich hier auch auf die einzelnen Opern noch genauer eingehen.
Herzliche Grüsse! Nordolf
Amadé (27.02.2008, 20:54): Hallo Nordolf,
danke für die Eröffnung dieses m.E. überfälligen Threads. An verschiedenen Stellen dieses Forums habe ich mich schon zu Wagner und speziell des Nibelungen-Rings geäußert. Schade, dass die meisten MItglieder unseres Forums von Opernmusik nicht so angetan sind. Entsprechend gering sind Beiträge in diesem Bereich. Für mich ist Wagner einer der wichtigsten Komponisten, man muss nur aufpassen, dass man sich trotz aller Zuneigung zu seiner Musik eine gesunde Distanz bewahrt. Die Musik ist steht bei mir an vorderster Stelle, die Dichtkunst, seine Schriftstellerei rangiert weiter hinten, zuletzt die Person. Da gibt es doch sehr viele Fragwürdigkeiten, zum Beispiel sein Umgang mit Mitarbeitern, seine Stellung zum Judentum, die mich eher abstoßen. Ich bin kein Wagnerianer, obwohl ich schon mehrmals die Bayreuther Festspiele besucht habe, es war immer ein Erlebnis, auch wenn die Sängerleistungen, die Regie oder die Ausstattung nicht immer überzeugten. Den Ring habe ich nur einmal in Bayreuth sehen können, und zwar die Premiere mit James Levine, ich glaube es war 1993. Vor ein paar Jahren konnte ich ihn noch mal komplett in Köln erleben unter dem Dirigat von Jeffrey Tate, der sich seine Wagner-Sporen als Assistent ebenfalls in Bayreuth holte. Meine Wagner-Diskographie ist reich bestückt, besonders die von Tristan und Ring, hier stehen 16 Gesamtaufnahmen im Regal. Soviel zunächst einmal. Ich hoffe auf rege Beteilung anderer Mitglieder.
Grüße Amadé
uhlmann (28.02.2008, 11:34): ich finde auch, dass dieser thread mal fällig war, zumal richard wagner hier im forum im vergleich zu seiner allgemeinen bedeutung etwas unterrepräsentiert ist (lediglich 4 andere threads gibt es, und die sind nicht sehr erschöpfend).
der ring ist ohne zweifel eine der größten leistungen, die das genre musiktheather hervorgebracht hat. neben der musikalischen komponente ist dies auch auf die kunstvoll gewobene handlung zurückzuführen. die personen in wagners dichtung sind archetypen, gefangen in archetypischen zwängen ihrer lebensumstände. deshalb sind sie nicht an einen bestimmten ort oder eine zeit gebunden, ähnliche situationen können sich überall und jederzeit ereignen. dieser umstand ist wohl für die faszination verantwortlich, die der ring bis heute ausübt - man kann ihm immer neue facetten entlocken.
thomas mann hat einen schönen satz zu dieser thematik geschrieben: "man muss sich darüber klar sein, dass ein werk wie der ring des nibelungen, das wagner nach dem lohengrin konzipierte, im grunde gegen die ganze bürgerliche kultur und bildung gerichtet und gedichtet ist, wie sie seit der renaissance herrschend gewesen war, dass es sich in seiner mischung aus urtümlichkeit und zukünftigkeit an eine inexistente welt klassenloser volklichkeit wendet."
wagner hat den ring nicht als tetralogie geplant. eigentlich wollte er ursprünglich nur "siegfrieds tod" (die spätere götterdämmerung) musikalisch bearbeiten. nachdem er erkannte, dass zuviel vorgeschichte fehlte, schrieb er "der junge siegfried" (der spätere siegfried) als ergänzenden ersten teil. schliesslich setzte er diesem zur besseren verständlichkeit noch "die walküre" und "das rheingold" voran. die dichtung erfolgte also von hinten nach vorne, die komposition, die wagner 1853 mit dem rheingold begann und 1874 mit der götterdämmerung abschloß, jedoch von vorne nach hinten. es ist erstaunlich, dass es wagner gelingt, über einen entstehungszeitraum von mehr als 20 jahren hinweg eine solche musikalische stringenz zu erhalten, wie sie im ring gegeben ist.
seine gewaltigen proportionen und die immensen anforderungen machen den ring zu einem prestigeprojekt für jedes opernhaus, jeden regisseur, jeden dirigenten und jeden sänger einer der hauptrollen. gerade die sänger sind es, die häufig mit ihren rollen im ring quasi identifiziert werden. oft hört man, dass etwa hans hotter DER wotan oder gustav neidlinger DER alberich war.
diskographisch ist der ring gut dokumentiert. neben zahlreichen live-mitschnitten, vielen davon aus bayreuth, gibt es auch eine ganze menge studio-produktionen.
die immer wieder genannten klassiker sind: - solti (studio, 1958-64): london, hotter, nilsson, windgassen, neidlinger,… - böhm (live bayreuth 1967): adam, nilsson, windgassen, neidlinger,… - furtwängler (live scala 1950; live rai 1953): frantz, flagstad, bzw. frantz, mödl, suthaus, windgassen,… - karajan (studio, 1967-69): dernesch, fidi, stewart, thomas, vickers, janowitz,…
daneben gibt es aber noch viele andere, zum teil sehr gute ringe (zb. keilberth, krauss, knappertsbusch, boulez, barenboim, levine, haitink, sawallisch,…). auf die aufnahmen sollten wir natürlich noch genauer eingehen.
Cetay (inaktiv) (29.02.2008, 08:58): @ Nordolf Es ist etwas matt, zu deinem Beitrag nur zu schreiben, dass ich nichts beizutragen habe, aber unbeantwortet lassen kann ich das auch nicht. Das ist rekordverdächtig, was die Informationsdichte angeht. In dieser Kürze das Phänomen Wagner in solcher Breite und Tiefe rüberzubringen, ist eine Glanzleistung. :thanks Ich gehöre leider auch zur Forianermehrheit, die mit Opern (wegen des Gesangs) wenig anfängt. Ich sage leider, weil ich mir bewußt bin, was mir an Großem durch die Lappen geht. Andererseits bin ich froh, weil ich jetzt schon das Gefühl habe, den ganzen Entdeckungen außerhalb der Oper nicht mehr hinterher zu kommen und da verursacht mir der Gedanke an ein vier Abende füllendes Werk Alpträume.
Rachmaninov (29.02.2008, 09:09): @Nordolf,
ich weiß das Du in diesen Beitrag sehr viel zeit und Arbeit investiert hast und wie ich meine hat es sich gelohnt diesen Aufwand zu betreiben. Es hat sich gelohnt da Du hier sehr kompakt alles Wichtige aufführst. Vor allem interessant die Bezüge und Einflüsse (Star Wars, Tolkien). Aus verschiedenen Gründen habe ich mich mit Wagner noch nicht beschäftigt, obwohl mit die Mythen durchaus begeistern, die Wagner aufgreift. Vor allem haben seine Werke so etwas typisch menschliches und er verbindet ja Mythen und psychologische Aspekte, wenn ich richtig informiert bin. Zum einen ist er mir selber als Mensch sehr suspekt und das ganz Drum und Dran in Bayreuth und die Streitigkeiten und Eitelkeiten seiner Erben ist mir zu wider. Und so habe ich mich bis zum heutigen Zeitpunkt, obwohl mich die Nibelungen Sage interessiert, nie mir dem „Ring des Nibelungen“ beschäftigt. Wahrscheinlich scheue ich mich auch vor diesem Werk, den 4 Opern und der Auseinandersetzung mit dem Werk. Vermutlich kann man sich alleine damit über Monate – Jahre beschäftigen, Vergleichen und Beschäftigen. Dazu kommt noch meine grundsätzliche Distanz zur Oper, oder genauer Opernaufnahmen.
Dennoch bin ich sehr gespannt welche Aufnahmen empfohlen werden. Vielleicht weckt ja auch der Thread mein Interesse und ich greife doch mal zu einer Aufnahme des Rings?!
Nordolf (29.02.2008, 19:40): Hallo Amade, Uhlmann, Dox Orkh und Rachmaninov - danke für Eure freundlichen Reaktionen und Ergänzungen! Da deutet sich ja an, das als Thema noch "Wagner als Mensch" hierher gehört. Ich werde mich dazu später äußern.
Ein paar Wagner-Interessierte sind im übrigen schon hier: - Jürgen oder Mime melden sich hoffentlich noch.
Grundsätzlich lässt sich Wagner auch Vokalmuffeln und Opernskeptikern beibringen. Denn gerade seine Opern enthalten neben den Ouvertüren jede Menge Orchesterzwischenspiele. Und sowohl diese Zwischenspiele als auch die Ouvertüren werden gerne eingespielt. Soweit ich es überschaue, gibt es das bei keinem zweiten Opernkomponisten in dieser Fülle.
Die Ring-Musik kann man dementsprechend weniger aufwendig kennenlernen. Für alle Leute, die "Ohne Worte" für ein Qualitätsmerkmal halten oder keine Zeit für Werke haben, die zwei CDs überschreiten, lässt sich folgende Aufnahme empfehlen (Midprice):
Lorin Maazel stellt nur zusammen, er arrangiert nicht neu. Die Musikstücke aus dem Ring gehen ineinander über, wobei Maazel eben Wert darauf legt, das jede Note von Wagner stammt. Die Berliner Philharmoniker spielen mit einem herrlich strahlenden Klang. Die wichtigen Orchesterparts des Ringes finden sich hier alle wieder: der "Einzug der Götter in Walhall", der "Feuerzauber, der unvermeidliche "Walkürenritt" (für manche ja abgenuddelt - aber ich kann mich daran nicht satt hören), das "Waldesweben", "Siegfrieds Trauermarsch" usw. Bei manchem Stück könnte man sagen, das es noch bessere Interpretationen gibt, aber ein gewisses hohes Niveau hält Maazel immer und letztlich zählt der Gesamteindruck. Eine meiner Lieblings-CDs...
Herzliche Grüsse! Nordolf
Poztupimi (01.03.2008, 18:29): Hallo Nordolf,
meine Anerkennung zu diesem gelungenen, umfangreichen Einstieg! Die vier Opern aus diesem Zyklus gehören zu denen, die ich von Wagners Opern immer mal wieder höre (die anderen besitze ich auch so gut wie alle, aber einen echten Zugang habe ich bisher nur zu wenigen gefunden).
Meine erste Begegnung hatte ich mit dem Ring noch während der Schulzeit, als ich mit Freunden Karten für die Premiere der geplanten Neuinszenierung des Rheingolds an der Hamburgischen Staatsoper hatte. Die fiel leider ins Wasser, wegen eines Brandes im Vorfeld, wenn ich mich recht erinnere. Damals haben wir im Vorfeld an mehreren Wochenenden eine Einführung von dem Vater eines der Freunde erhalten. Wir haben die Platten gehört - ich vermute Karajan oder Böhm -, nachdem einer der Brüder die versch. Motive auf dem Klavier angespielt hatte. Und vermutlich gab es noch die entsprechenden Erläuterungen durch den Vater (Altphilologe und Studiendirektor mit einer umfangreichen Bibliothek), aber da erinnere ich mich nicht mehr so genau. Den Text habe ich damals in einem Goldmann-Taschenbuch mitgelesen, in dem die jeweiligen Leitmotive neben dem Text genannt wurden (im Anhang als kurzes Notenbeispiel aufgeführt).
Für mich sehr aufschlußreich fand ich beim Wiedereinstieg nach ziemlich langer Opernpause dann das Buch von Peter Wapnewski "Der Ring des Nibelungen"
in welchem er in die Opern einführt, Szenen und Zusammenhänge erläutert (es gibt auch ein 8 CDs umfassendes Hörbuch, in welchem Wapnewski aus dem Nibelungenlied liest - Original wie Übersetzung -, und somit eine der Quellen näher vorstellt).
Eine weitere Einführung stammt von einem - wie ich irgendwie mal aufgeschnappt habe - großen Liebhaber des Zyklus':
Loriot verwendet für seine Einführung die Karajan-Aufnahme, die ich auf LP besitze. Daneben findet sich in meiner Sammlung noch die Solti-Aufnahme auf CD sowie die erste Stereo-Aufnahme als Mitschnitt von den Bayreuther Festspielen aus dem Jahr 1955 unter Keilberth (bei Testament).
Vielleicht kann ich mich ja im Laufe der weiteren Diskussion an den passenden Stellen hierzu äußern.
Viele Grüße, Wolfgang
Jürgen (02.03.2008, 16:09): Original von Nordolf Hallo Amade, Uhlmann, Dox Orkh und Rachmaninov - danke für Eure freundlichen Reaktionen und Ergänzungen! Da deutet sich ja an, das als Thema noch "Wagner als Mensch" hierher gehört. Ich werde mich dazu später äußern.
Ein paar Wagner-Interessierte sind im übrigen schon hier: - Jürgen oder Mime melden sich hoffentlich noch.
Danke Nordolf für Deine hervorragende Eröffnung. Auch wenn ich diese Musik liebe, wie keine Andere.... allein es fehlen mir die Worte.
Ich hätte schon früher geantwortet, bin aber die letzten 10 Tage durch eine Erkältung ziemlich aus der Bahn geworfen worden.
Nun will ich mal langsam wieder anfangen.
Den "Ring ohne Worte" hatte ich mir in einer Phase besorgt, da Telarc total angesagt war. Ich habe die CD allerdings nicht als Einstiegsdroge gesehen, damals war ich schon absolut abhängig. Maazel hält, wie schon beschrieben ein hohes Niveau und ich höre diese Scheibe recht gerne.
Im Wiesbadener Kurhaus habe ich dieses Programm live erlebt. Es war Maazel, aber nicht mit den Berlinern. Ich hatte einen Platz im 1.Rang direkt über dem Schlagwerk. Kurzum mir sind an vielen Stellen einfach die Ohren weggeflogen. Beeindruckend war es trotzdem, ich bereue den Abend nicht.
Grüße Jürgen
Nordolf (02.03.2008, 16:38): Hallo!
Ich hatte lange Zeit nach einer Ringaufnahme gesucht - schließlich ist der Kauf in der Regel finanziell aufwendig. Die billig (10 Euro) erstandene Box (TIM) mit Günter Neuhold und der Badischen Staatskapelle 1993 - 1995 empfand ich als unbefriedigend: - musikalisch schien sie mir zu flach, das Klangbild für Wagner zu dünn, es war einfach zu wenig vom großen Musiktheater zu spüren. Alles in allem sicher keine schlechte Interpretation - aber sie zeigt eben "Ring-Alltag". Sie klingt wie irgendeine Aufnahme irgendeiner Oper auf irgendeinem Termin-Spielplan. Übigens: - die teurere Box mit Neuhold und demselben Orchester ist nicht identisch mit der TIM-Box und enthält anscheinend etwas bessere Aufnahmen (ich habe daraus den "Siegfried").
Georg Soltis DECCA-Studio-Aufnahmen mit dem WPO (1958 - 1965) begeistern mich dagegen völlig. Sie sind nicht ohne Schwächen, aber vom Gesamteindruck her bleiben sie unerreicht. Um die 90 - 120 Euro muss man hier allerdings einplanen - am günstigsten dürfte die Box bei Zweitausendeins zu haben sein.
Was zuerst bei Solti beeindruckt ist die Plastizität seines Dirigats und die charakteristischen Stimmen. Irgendwie klingt alles "dreidimensional" - man hat das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Den Intentionen Wagners scheint mir das am meisten zu entsprechen. Dieses Theater-Feeling gehört zu einer Wagner-Oper mit dazu: - Wagner hat keine "absolute" Musik komponiert. Da passt es natürlich, wenn auch einiger technischer Aufwand betrieben wird. Das Label DECCA hat damals keine Kosten gescheut, die modernste Aufnahmetechnik zur Verfügung zu stellen. Es wurden extra echte Schmiedehämmer und Stierhörner ins Studio gekarrt. Heutzutage haben sie die Aufnahmen natürlich noch mal von den Originalbändern remastert - und das mehrmals, schließlich ist die Box einer der Longseller von DECCA. Rauschen tut's abundzu, aber das Klangmaterial selbst klingt in meinen Ohren manchmal besser (wärmer, direkter) als manche Digitalaufnahmen.
Und eine Sängerriege wie diese hier, wird es wohl kaum noch einmal geben. Die besten Sänger dieser Zeit - und solche Wagner-Sänger gibt es heute nicht mehr viele - wurden dafür verpflichtet: "Powervoice" Birgit Nilsson und der kraftvolle Tenor Wolfgang Windgassen, die wuchtige Autorität eines Hans Hotter (Wotan) oder der tiefschwarze Bass eines Gottlieb Frick (Hagen). Die Charakterisierung der Zwerge durch Gustav Neidlinger (Alberich) und Gerhard Stolze (Mime) blieb bis heute unerreicht - genau wie der diabolische Loge eines Set Svanholm.
Solti dirigiert hier in seinem klassischen Stil: - wuchtig, dramatisch treibend, mit Schweiß unter den Achselhöhlen und scharf herausgemeiselten Konturen. Er kann die Musik zuzeiten aber auch richtig fliessen lassen, wie der Beginn des "Rheingold"-Vorspiels zeigt.
Besonders beeindruckend finde ich die Szene mit dem Walkürenritt (2. Akt "Die Walküre"), Wotans Monolog und insbesondere den Auftritt Hagens vor seinen Mannen, die er zum Opferfest zusammenruft. Was Gottlieb Frick hier leistet ist schlicht irre! Und ein solcher Effekt wie der Einsatz der Stierhörner kommt nun mal einfach beeindruckend...
Als Kritikpunkt wird immer wieder Hans Hotters Wotan in der "Walküre" angeführt. Hotter hatte zu dieser Zeit aufgrund seines Asthmas Stimmprobleme. Für mich gleicht er das aber mit seiner Intonierung und Ausdrucksfähigkeit wieder aus. Seine tiefe, fast "gruftige" Stimme gibt der Wotanfigur etwas Unirdisches: - so muss für mich ein Gott klingen!
Hier die Daten zur Box (14 CDs):
Das Rheingold Wotan: George London / Loge: Set Svanholm / Alberich: Gustav Neidlinger / Fricka: Kirsten Flagstad / Erda: Jean Madeira // Georg Solti / Wiener Philharmoniker // Wilhelm Pitz / Wiener Staatsopernchor 1958
Die Walküre Siegmund: James King / Hunding: Gottlob Frick / Wotan: Hans Hotter / Sieglinde: Regine Crespin / Brünnhilde: Birgit Nilsson / Fricka: Christa Ludwig // Georg Solti / Wiener Philharmoniker // Wilhelm Pitz / Wiener Staatsopernchor 1965
Siegfried Siegfried: Wolfgang Windgassen / Mime: Gerhard Stolze / Der Wanderer: Hans Hotter / Brünnhilde: Birgit Nilsson // Georg Solti / Wiener Philharmoniker // Wilhelm Pitz / Wiener Staatsopernchor 1962
Götterdämmerung Siegfried: Wolfgang Windgassen / Gunther: Dietrich Fischer-Dieskau / Alberich: Gustav Neidlinger / Hagen: Gottlob Frick / Brünnhilde: Birgit Nilsson // Georg Solti / Wiener Philharmoniker // Wilhelm Pitz / Wiener Staatsopernchor 1964
Als preiswerte Alternative gibt es noch Marek Janowski und die Staatskapelle Dresden (beim Label RCA), die mit ihrer Studioaufnahme deutlich über dem Durchschnitt liegen und mit 50 Euro sehr kulant bepreist sind. Die mythische Faszination des Solti-Geniestreichs können sie allerdings nicht erreichen. Mein Problem mit dieser Aufnahme ist zudem der Wotan Theo Adams, den ich etwas blass finde.
Es gibt die berühmte Aufnahme durch Herbert von Karajan, die ich überhaupt noch nicht kenne. Vielleicht kann jemand etwas dazu sagen... Und dann wären da noch Furtwängler, Böhm und Keilberth, zu dem ja schon etwas im Thread "Aus der internationalen Presse" angemerkt wurde.
Herzliche Grüsse! Jörg
P.S.: Derzeit gibt es die Solti-Box bei jpc für 80 Euro.
Amadé (02.03.2008, 20:32): Lieber Nordolf,
Deinen Ausführungen zum Ring mit Georg Solti stimme ich im Großen und Ganzen zu. Auch ich halte ihn für einen der besten Ring-Produktionen. Hans Hotter hatte als Wotan einen starken Konkurrenten, den ich jedoch in Bayreuther Aufnahmen nicht ausgemacht habe. Vielleicht ist er dort nie aufgetreten, ich meine Ferdinand Frantz. Diesen hervorragenden Sänger mit seiner kernigen Bassstimme – kernig klingt Hotter für meine Ohren nicht gerade – kann man in den Ring-Aufnahmen Wilhelm Furtwänglers aus Mailand 1950, aus Rom 1953 und in Furtwänglers letzter Studio-Aufnahme aus Wien 1954 erleben. Am Rande möchte ich noch auf Kempes bemerkenswerte Meistersinger-Aufnahme von 1957 (EMI) hinweisen, in der Frantz den Hans Sachs singt. Du lobst zu Recht Gottlob Frick als Hagen, auch er hatte einen „Nebenbuhler“: Josef Greindl, in Bayreuth ab 1952 der Hagen vom Dienst. Frick singt etwas gepflegter, Greindl ist der verschlagene Bösewicht.
Weißt Du, dass vor der Rheingold-Aufnahme 1958 bereits ein Vorläufer von John Culshaw in Wien produziert wurde? Im Herbst 1957 wurde der komplette 3. Akt der Walküre mit den Wiener Philharmonikern aufgenommen, Brünnhilde: Kirsten Flagstad, Sieglinde: Marianne Schech und Wotan: Otto Edelmann. Erst im Anschluss daran entschloss sich DECCA mit Solti und Kirsten Flagstad den kompletten Ring aufzuzeichnen.
Grüße Amadé
manrico (02.03.2008, 21:33): Meine Musiklehrerin in der Schule hat gesagt, dass es sich mit Wagner wie mit Buttercremetorte verhält: Ein kleines Stück ist gut, von zu viel bekommt man allerdings fürchterlich Magenschmerzen. Ich kann mich dem Einfluss meiner Musiklehrerin nicht ganz entziehen..... Daher ist meine Wagnerdiskographie eher klein, das Geld fliesst bei mir immer eher in die Italiener und Franzosen als in die Aufnahmen deutscher Komponisten. Aber so ein kleines Stück der Torte hab ich doch. Und da kann ich Amade nur zustimmen, dass für mich auch Ferdinand Frantz der eindrücklichste aller Wotäner ist. Hotter ist würdevoll aber resignativ. Frantz strahlt weit mehr - auch imperative - Autorität aus. Er singt auch den Wotan in einem Ring, der so gut wie keine Erwähnung findet, und der doch turmhoch über so mancher gefeierten Produktion thront: Die Aufnahme von 1949 unter Rudolf Moralt mit den Wiener Symphonikern. Neben Frantz als Wotan bekommt man hier die schönste aller Brünhilden (im Siegfried und der Götterdämmerung): Gertrude Grob-Prandl. In ihrer Hochdramatik vereint sich für mich die Brillianz der Nilsson mit der Liebesfähigkeit der Mödl. Das Ganze wird getragen von einer beinahe lyrisch-belcantesk geführten Stimme (Im Vergleich dazu: Mit der Nilsson hab ich mich nie so recht anfreunden können - sie ist mir zu kalt und schneidend, die Behrens klingt einfältig (ich kann nicht erklären warum, aber das ist das einzige Attribut, das mir zu ihr einfällt), und dann gibt's da noch die emphatische Martha Mödl. Keine leuchtenden Spitzentöne, oft ein zu kurzer Atem - und trotzdem: Was für eine Persönlichkeit, welche Leidenschaft und Innigkeit des Singens!!)
Und Günter Treptow als Siegfried und Siegmund ist ein strahlender Held mit unendlichen Stimmreserven, klingt hier prächtig und nicht so gaumig wie in anderen Aufnahmen - etwa als Rienzi.
Auch der Hagen bietet eine spannende Alternative zu dem superben Josef Greindl: der Wiener Bass Ludwig Weber bietet einen rabenschwarzen, volltönenden Hagen. Keine Spur von Schwäche oder Mitleid - ein würdiger Sohn Alberichs.
lg
Werner
Jürgen (03.03.2008, 16:49): Original von Nordolf Hallo!
Ich hatte lange Zeit nach einer Ringaufnahme gesucht - schließlich ist der Kauf in der Regel finanziell aufwendig. Die billig (10 Euro) erstandene Box (TIM) mit Günter Neuhold und der Badischen Staatskapelle 1993 - 1995 empfand ich als unbefriedigend: - musikalisch schien sie mir zu flach, das Klangbild für Wagner zu dünn, es war einfach zu wenig vom großen Musiktheater zu spüren. Alles in allem sicher keine schlechte Interpretation - aber sie zeigt eben "Ring-Alltag". Sie klingt wie irgendeine Aufnahme irgendeiner Oper auf irgendeinem Termin-Spielplan. Übigens: - die teurere Box mit Neuhold und demselben Orchester ist nicht identisch mit der TIM-Box und enthält anscheinend etwas bessere Aufnahmen (ich habe daraus den "Siegfried").
Georg Soltis DECCA-Studio-Aufnahmen mit dem WPO (1958 - 1965) begeistern mich dagegen völlig. Sie sind nicht ohne Schwächen, aber vom Gesamteindruck her bleiben sie unerreicht. Um die 90 - 120 Euro muss man hier allerdings einplanen - am günstigsten dürfte die Box bei Zweitausendeins zu haben sein.
Was zuerst bei Solti beeindruckt ist die Plastizität seines Dirigats und die charakteristischen Stimmen. Irgendwie klingt alles "dreidimensional" - man hat das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Den Intentionen Wagners scheint mir das am meisten zu entsprechen. Dieses Theater-Feeling gehört zu einer Wagner-Oper mit dazu: - Wagner hat keine "absolute" Musik komponiert. Da passt es natürlich, wenn auch einiger technischer Aufwand betrieben wird. Das Label DECCA hat damals keine Kosten gescheut, die modernste Aufnahmetechnik zur Verfügung zu stellen. Es wurden extra echte Schmiedehämmer und Stierhörner ins Studio gekarrt. Heutzutage haben sie die Aufnahmen natürlich noch mal von den Originalbändern remastert - und das mehrmals, schließlich ist die Box einer der Longseller von DECCA. Rauschen tut's abundzu, aber das Klangmaterial selbst klingt in meinen Ohren manchmal besser (wärmer, direkter) als manche Digitalaufnahmen.
Und eine Sängerriege wie diese hier, wird es wohl kaum noch einmal geben. Die besten Sänger dieser Zeit - und solche Wagner-Sänger gibt es heute nicht mehr viele - wurden dafür verpflichtet: "Powervoice" Birgit Nilsson und der kraftvolle Tenor Wolfgang Windgassen, die wuchtige Autorität eines Hans Hotter (Wotan) oder der tiefschwarze Bass eines Gottlieb Frick (Hagen). Die Charakterisierung der Zwerge durch Gustav Neidlinger (Alberich) und Gerhard Stolze (Mime) blieb bis heute unerreicht - genau wie der diabolische Loge eines Set Svanholm.
Solti dirigiert hier in seinem klassischen Stil: - wuchtig, dramatisch treibend, mit Schweiß unter den Achselhöhlen und scharf herausgemeiselten Konturen. Er kann die Musik zuzeiten aber auch richtig fliessen lassen, wie der Beginn des "Rheingold"-Vorspiels zeigt.
Besonders beeindruckend finde ich die Szene mit dem Walkürenritt (2. Akt "Die Walküre"), Wotans Monolog und insbesondere den Auftritt Hagens vor seinen Mannen, die er zum Opferfest zusammenruft. Was Gottlieb Frick hier leistet ist schlicht irre! Und ein solcher Effekt wie der Einsatz der Stierhörner kommt nun mal einfach beeindruckend...
Als Kritikpunkt wird immer wieder Hans Hotters Wotan in der "Walküre" angeführt. Hotter hatte zu dieser Zeit aufgrund seines Asthmas Stimmprobleme. Für mich gleicht er das aber mit seiner Intonierung und Ausdrucksfähigkeit wieder aus. Seine tiefe, fast "gruftige" Stimme gibt der Wotanfigur etwas Unirdisches: - so muss für mich ein Gott klingen!
Hier die Daten zur Box (14 CDs):
Das Rheingold Wotan: George London / Loge: Set Svanholm / Alberich: Gustav Neidlinger / Fricka: Kirsten Flagstad / Erda: Jean Madeira // Georg Solti / Wiener Philharmoniker // Wilhelm Pitz / Wiener Staatsopernchor 1958
Die Walküre Siegmund: James King / Hunding: Gottlob Frick / Wotan: Hans Hotter / Sieglinde: Regine Crespin / Brünnhilde: Birgit Nilsson / Fricka: Christa Ludwig // Georg Solti / Wiener Philharmoniker // Wilhelm Pitz / Wiener Staatsopernchor 1965
Siegfried Siegfried: Wolfgang Windgassen / Mime: Gerhard Stolze / Der Wanderer: Hans Hotter / Brünnhilde: Birgit Nilsson // Georg Solti / Wiener Philharmoniker // Wilhelm Pitz / Wiener Staatsopernchor 1962
Götterdämmerung Siegfried: Wolfgang Windgassen / Gunther: Dietrich Fischer-Dieskau / Alberich: Gustav Neidlinger / Hagen: Gottlob Frick / Brünnhilde: Birgit Nilsson // Georg Solti / Wiener Philharmoniker // Wilhelm Pitz / Wiener Staatsopernchor 1964
Als preiswerte Alternative gibt es noch Marek Janowski und die Staatskapelle Dresden (beim Label RCA), die mit ihrer Studioaufnahme deutlich über dem Durchschnitt liegen und mit 50 Euro sehr kulant bepreist sind. Die mythische Faszination des Solti-Geniestreichs können sie allerdings nicht erreichen. Mein Problem mit dieser Aufnahme ist zudem der Wotan Theo Adams, den ich etwas blass finde.
Es gibt die berühmte Aufnahme durch Herbert von Karajan, die ich überhaupt noch nicht kenne. Vielleicht kann jemand etwas dazu sagen... Und dann wären da noch Furtwängler, Böhm und Keilberth, zu dem ja schon etwas im Thread "Aus der internationalen Presse" angemerkt wurde.
Herzliche Grüsse! Jörg
P.S.: Derzeit gibt es die Solti-Box bei jpc für 80 Euro.
Hallo Jörg,
ich gebe Dir in nahezu allen Punkten recht. Lediglich die Rolle des Loge empfinde ich alles andere als diabolisch, egal von wem gesungen. Da Loge unter den Göttern nur halb so echt ist, sammelt er bei mir Sympathiepunkte. Er ist zwar der Listenreiche, aber er handelt als Befehlsempfänger. Er scheint der Einzige, der ein Gewissen hat, wenn auch ein schlechtes. ("Fast schäm' ich mich, mit ihnen zu schaffen;") Nein, Loge hat in meinen Augen wenig teuflisches.
Ja, und was Hagen in der Stierhornszene angeht, die habe ich in dieser Qualität nie besser gehört. Frick's schwarzer Bass, der der Rolle auch in dieser Szene gewachsen ist. Ich habe noch eine alte VHS-Cassette mit The making of the ring. Da sind die Aufnahmesitzungen mit den Stierhörnern genau beschrieben, weil die Hörner in einem Nebenraum positioniert wurden (Ich weis gar nicht mehr warum). Naja jedenfalls hatten die ganz schöne Probleme, das synchron zu spielen.
Janowsky hat m.E. das beste Rheingold-Vorspiel. Ich hatte mal einige direktvergleichend gehört, und er hatte die Nase vorn.
Grüße Jürgen
Jürgen (03.03.2008, 17:02): Original von manrico Hotter ist würdevoll aber resignativ.
Hallo Werner,
Du hast vollkommen recht. Und damit trifft Hotter die Rolle des Wotan absolut ins Schwarze.
Seit Wotan Erda getroffen hat, ahnt er das Ende und hat eigentlich schon resigniert.
Grüße Jürgen
manrico (03.03.2008, 19:01): Hallo Jürgen!
Jein. Ich hätte doch gern einen Wotan, der noch ein bisschen mehr kämpft, bevor er resigniert. Das tut er für mich erst, nachdem ihm seine liebreizende Frau die Leviten gelesen hat. Im Rheingold ist er doch noch recht guter Dinge. Und im Siegfried hat er schliesslich ganz aufgegeben. Deshalb mag ich Hotter, aber Frantz ist für mich der vielschichtigere Wotan.
Und mein absoluter Liebling in dem ganzen Gerangel ist sowieso Loge. Ich halte ihn auch überhaupt nicht für diabolisch, ich glaube auch nicht, dass er ein schlechtes Gewissen hat - im Gegenteil. Er bereut nichts, was er tut. Loge ist der Intellektuelle, der Aussenseiter, ein Zyniker vom Feinsten. Wirklich zu schade, dass er im Rest der Tetralogie nicht mehr vorkommt. Der hätte mir bestimmt noch viel Freude bereitet.
Wenn er fragt: "Den werten Göttern, wie geht's?" weiss er natürlich genau, wie es ihnen geht. Purer Zynismus. Sie, die die Macht haben, können ohne faulen Zauber der Äpfel nicht überleben. Loge ist freier, unabhängiger, er überlebt dank seines Geistes. Das Obst, das da faul vom Baum fällt, sind nur in zweiter Linie die Äpfel - in erster Linie meint er wohl die Götter, die innerlich bereits verfault sind, und bei denen es nur noch eine Frage der Politur ist, wie lange sie sich an der Macht bzw. am Baum halten. Auch wenn er singt: "Mich kümmert's wenig", so trägt das doch eine gewisse Portion Neid in sich, aber Loge hat sich wohl schlussendlich damit abgefunden, anders zu sein und das, was seit ewigen Zeiten sein Makel war, gereicht ihm jetzt zum Vorteil. Die Götter - das sieht er ganz deutlich - werden durch die Evolutionsklappe fallen, er, Loge, wird in seiner Unbeständigkeit bestehen bleiben. Er ergötzt sich förmlich an der Dummheit und Berechenbarkeit seiner Umwelt, an der Gier, der Missgunst und den Krämerseelen. Es gibt keinen einzigen, der ihm auch nur annähernd das Wasser reichen kann.
lg
Werner
Jürgen (04.03.2008, 09:59): Original von manrico Hallo Jürgen!
Jein. Ich hätte doch gern einen Wotan, der noch ein bisschen mehr kämpft, bevor er resigniert. Das tut er für mich erst, nachdem ihm seine liebreizende Frau die Leviten gelesen hat. Im Rheingold ist er doch noch recht guter Dinge. Und im Siegfried hat er schliesslich ganz aufgegeben. Deshalb mag ich Hotter, aber Frantz ist für mich der vielschichtigere Wotan.
Dann war es doch ein Geniestreich von Solti, Hotter erst ab der Walküre einzusetzen ? Mir gefällt die Mischung
Original von manrico Und mein absoluter Liebling in dem ganzen Gerangel ist sowieso Loge. Ich halte ihn auch überhaupt nicht für diabolisch, ich glaube auch nicht, dass er ein schlechtes Gewissen hat - im Gegenteil. Er bereut nichts, was er tut. Loge ist der Intellektuelle, der Aussenseiter, ein Zyniker vom Feinsten. Wirklich zu schade, dass er im Rest der Tetralogie nicht mehr vorkommt. Der hätte mir bestimmt noch viel Freude bereitet.
Wenn er fragt: "Den werten Göttern, wie geht's?" weiss er natürlich genau, wie es ihnen geht. Purer Zynismus. Sie, die die Macht haben, können ohne faulen Zauber der Äpfel nicht überleben. Loge ist freier, unabhängiger, er überlebt dank seines Geistes. Das Obst, das da faul vom Baum fällt, sind nur in zweiter Linie die Äpfel - in erster Linie meint er wohl die Götter, die innerlich bereits verfault sind, und bei denen es nur noch eine Frage der Politur ist, wie lange sie sich an der Macht bzw. am Baum halten. Auch wenn er singt: "Mich kümmert's wenig", so trägt das doch eine gewisse Portion Neid in sich, aber Loge hat sich wohl schlussendlich damit abgefunden, anders zu sein und das, was seit ewigen Zeiten sein Makel war, gereicht ihm jetzt zum Vorteil. Die Götter - das sieht er ganz deutlich - werden durch die Evolutionsklappe fallen, er, Loge, wird in seiner Unbeständigkeit bestehen bleiben. Er ergötzt sich förmlich an der Dummheit und Berechenbarkeit seiner Umwelt, an der Gier, der Missgunst und den Krämerseelen. Es gibt keinen einzigen, der ihm auch nur annähernd das Wasser reichen kann.
lg
Werner
Auch wenn Loge nicht mehr singt, hat er doch am Ende der Walküre seinen Feuerzauberauftritt, und der ist doch vom Feinsten.
>Dummheit der Krämerseelen Volltreffer, gib Fricka ihr Goldgeschmeide, Freia bekommt einen neuen Fön und Donner einen neuen Manta, und schon ist die Sippe zufrieden. Ich glaube, Loge mußte ab und an einfach nur ko.
Grüße Jürgen
Nordolf (04.03.2008, 18:31): Hallo Jürgen und Werner!
Oh - hier gibt es also jede Menge Kämpfer aus den Heerscharen Loges *Schwert wetz, Speer streck*... :B :S :J
Naja, diabolisch - ich habe mich zu klischeehaft ausgedrückt. Andererseits finde ich den Vergleich von Wagners Loge mit dem "diabolischen" Mephisto aus Goethes Faust nicht ganz verkehrt. Beide stellen zerstörerische Kräfte dar, die in sich selbst rücksichtslos und unbeständig sind, aber notwendig dafür, das es überhaupt etwas Neues geben kann. Wenn der Mensch zu sehr die liebe Ruh' sucht, sind sie zur Stelle und treiben die Entwicklung weiter.
Ein Außenseiter ist Loge nur in der Gesellschaft der Lichtalben. Ansonsten hat er seinen Platz in der Weltordnung. Als besonders rebellisch empfinde ich ihn nicht, sondern eben als unbeständig. Das Wotan die Fähigkeit besitzt, ihn bspw. im Feuerzauber bannen zu können, ist nötig, sonst würde der pure Zufall - den Loge ja durchaus auch verkörpert - auf der Welt herrschen.
Und einen Menschen, der sich das Loge-Prinzip zu eigen macht, hinterrücks "Wer weiß, was ich tu'..." zu flüstern, möchte man wohl kaum zum Freund haben...
Die Herrschaft der Götter ist bei Wagner seit langem schon dem Machtprinzip verfallen. Aber die Götter können über ihren Tellerrand hinausschauen, sind der Reflektion fähig. Wotan macht stellvertretend für sie eine Entwicklung durch, in der er sich vom Machtprinzip abkehrt und die Erneuerung der Welt in der Zeugung der Wälsungen vorantreibt. Letztlich aber bekommt Wotan bei Wagner einen ziemlich tragischen Anstrich: - der Ordnung, die er selbst geschaffen hat (verkörpert im Speer), muss er sich auch beugen, selbst wenn er in seiner inneren Entwicklung einen ganzen Schritt weiter ist. Die Eide binden ihn, seine Frau erinnert ihn unbarmherzig daran. Deshalb wird Wotan schließlich sein eigenes Ende wollen. Loge führt hingegen einfach das eigene Prinzip aus und zerstört am Schluß der "Götterdämmerung" mit seinem Feuer die Götterburg. Mir erscheint das weder sympathisch noch unsympathisch: - es entspricht eben seiner Natur und Aufgabe. Allerdings taucht er als Gestalt im "Ring" nicht mehr auf und kann also keine Entwicklung durchmachen.
Dem nachdenklichen Wanderer-Wotan fühle ich mich persönlich wesentlich mehr verwandt. Nicht umsonst zeigt mein Avatar-Bild Hans Hotter als Wotan. :engel
Bei Wagner gehen die Götter einfach unter - er sagt nichts über ihr weiteres Schicksal. Reinkarnation gibt es nur für Brünnhilde und Siegfried. In der altnordischen Eddischen "Völuspa" aber wird Wotan-Odin nach dem Untergang und dem Aufgehen einer neuen Welt in Gestalt seiner Zwillingssöhne Vidar und Vali wiedergeboren.
@Werner: Ich denke, George London, der in Soltis "Rheingold" den Wotan singt, dürfte Deiner Forderung nach einem "imperativen" Gott recht gut entsprechen.
Herzliche Grüsse! Nordolf
Nordolf (04.03.2008, 23:52): Hallo Wolfgang!
Original von Poztupimi
Meine erste Begegnung hatte ich mit dem Ring noch während der Schulzeit
Für mich war Wagner und die Ringmusik einer der Einstiege in die klassische Musik. Ich habe sie damals schlicht über den Heavy Metal kennengelernt. Sehr viele Musiker aus diesem Bereich sind Wagner-Fans: - neben Bach und Beethoven ist Wagner einer der meistgenannten außermetallischen Einflüsse, den Gitarristen und Songschreiber dort angeben.
Loriot verwendet für seine Einführung die Karajan-Aufnahme, die ich auf LP besitze. Daneben findet sich in meiner Sammlung noch die Solti-Aufnahme auf CD sowie die erste Stereo-Aufnahme als Mitschnitt von den Bayreuther Festspielen aus dem Jahr 1955 unter Keilberth (bei Testament).
Vielleicht kann ich mich ja im Laufe der weiteren Diskussion an den passenden Stellen hierzu äußern.
Ja - das wäre sehr schön. Mich persönlich würde interessieren, wie Du die Karajan-Aufnahme beurteilst - gerade auch im Vergleich mit Solti...
Herzliche Grüsse! Nordolf
Jürgen (05.03.2008, 11:06): Original von Nordolf Ja - das wäre sehr schön. Mich persönlich würde interessieren, wie Du die Karajan-Aufnahme beurteilst - gerade auch im Vergleich mit Solti...
Ich bin zwar nicht direkt angesprochen, versuche aber mal eine vorsichtige Antwort.
Ich habe Wagner über den Ring kennengelernt. Im Musikunterricht 11. oder 12 Klasse hatten wir das Thema "Programmmusik". Der Lehrer war wohl Wagnerfan und spielte das Rheingoldvorspiel (Böhm). Seit diesem Zeitpunkt bin ich irreversibel infiziert. Ein paar Monate vorher hatte er auch die Holländer-Ouvertüre vorgespielt, die ließ mich damals noch kalt.
In der darauffolgenden Zeit setzte ich alle meine Kröten in Wagnerplatten um. Zuerst den Solti-Ring, danach Böhm und daraufhin Karajan. Da ich Karajan auf CD noch nicht nachgerüstet habe, liegen meine Höreindrücke lange Zeit zurück.
Folgende Geschichte gibt jedoch eine üngefähre Einschätzung: Ich hatte damals den Spleen, meine LPs auf MC zu überpielen, um die Platten im täglichen Gebrauch zu schonen. Fast schon als künstlerische Betätigung empfand ich, wenn ich regelmäßig "Best of" Kassetten zusammenstellte. Da durfte der Ring nicht fehlen. Eine Kassette war zu kurz, daher nahm ich zwei, also 180 Minuten Ringmusik in etwa 40 Ausschnitten. Um herauszufinden, welche Interpretation mir jeweils am besten erschien, nahm ich mir mehrere Wochen Zeit. Das Ergebnis war deutlich. Von Karajan kam nur Siegfrieds Trauermarsch aufs Band. Von Böhm hatte ich immerhin 4-5 Stücke. Ich erinnere mich nur, dass auf jeden Fall Marti Talvela als Fasolt dabei war. M.E eine super Besetzung. Naja, der Rest kam von Solti. Ich lasse einfach mal die Zahlen sprechen.
Grüße Jürgen
Nordolf (05.03.2008, 13:58): Original von Jürgen
Ja, und was Hagen in der Stierhornszene angeht, die habe ich in dieser Qualität nie besser gehört. Frick's schwarzer Bass, der der Rolle auch in dieser Szene gewachsen ist. Ich habe noch eine alte VHS-Cassette mit The making of the ring. Da sind die Aufnahmesitzungen mit den Stierhörnern genau beschrieben, weil die Hörner in einem Nebenraum positioniert wurden (Ich weis gar nicht mehr warum). Naja jedenfalls hatten die ganz schöne Probleme, das synchron zu spielen.
Im Booklet zu Soltis "Götterdämmerung" habe ich etwas dazu gefunden. Wagner hat in der ursprünglichen Bühnenanweisung vorgeschrieben, das beim "Mannenruf" drei Stierhörner zu verwenden seien. Eines wird direkt auf der Bühne von Hagen geblasen (Ton C), das zweite antwortet mit einem Des-Ton von links hinter der Szene. Das dritte soll von rechts in D zu hören sein. Solti und das Aufnahmeteam haben diese Anweisungen genau beachtet.
Gewöhnlich hört man in dieser Szene statt den Stierhörnern Posaunen aus dem Orchestergraben. Dadurch lässt sich dieser "barbarische" Effekt natürlich nicht erreichen. Der Aufnahmeleiter Culshaw schreibt, das sie aufgrund dieser Gewohnheit Schwierigkeiten hatten, echte Stierhörner zu beschaffen. Schließlich kontaktierte man den Instrumentenbauer Otto Mahler, der noch die Originalinstrumente aus dem Festspielhaus gesehen hatte. Diese verschwanden nach dem Krieg als Beute amerikanischer Soldaten. Otto Mahler baute aus der Erinnerung drei dieser Klangerzeuger für die Aufnahme nach.
Und so haben wir jetzt diesen schönen "germanischen" Klang... :W
Herzliche Grüsse! Nordolf
manrico (05.03.2008, 23:55): Hallo Nordolf!
Finde ich interessant, wie unterschiedlich man doch die Figuren / Menschen sehen und bewerten kann. Natürlich ist Loge unstet, aber gerade diese Unruhe, dieses Unberechenbare ist es doch, was ihn und was die Menschen für mich interessant und faszinierend macht. Wenn alles vorhersehbar, planbar, überraschungsfrei ist, welchen Reiz hat das dann noch? Wo sollen hier neue, große Ideen geboren werden? Ein grosser Wurf setzt doch voraus, dass man das Unerdachte denkt, das Unerhörte zu Gehör bringt, dass man sich irren darf und dass man wieder von vorne beginnen kann. In Loges zugleich zerstörender Kraft, in seiner Sprunghaftigkeit liegt auch sein schöpferisches Genie. Wotan ist für mich lediglich ein Verwalter, ein Systemerhalter - einfallslos und mutlos, der wehrlos seinem Ende entgegentreibt. Loge ist der Gestalter - ein "Vor"denker, reflektiert, originell und zielorientiert. Er kennt die Eitelkeit widerwärtigen Alben genau, er weiss, wie er ihn anpacken muss, um zum Ziel gelangen. Er kennt die Dummheit der Riesen und die Eitelkeit der Götter. Wotan hingegen ist der Philosoph, der "Nach"denker ohne Gestaltungskraft, dessen einzige Macht im Verhindern und im Töten liegt. Er ist es doch, der mangels anderer Ideen Siegmund fällt - Loge hätte sicher Rat gewusst, wie den Schlingen des eigenen Geschicks zu entkommen ist.
"Wer weiss, was ich tu..." sind es nicht genau die Originellen, die uns faszinieren, uns zum Lachen bringen, uns überraschen, die Quervernetzungen sehen? Wir gehen immer davon aus, dass Berechenbarkeit gut und Unberechenbar böse ist. Mitnichten!! Wotan führt doch vor, dass auch das Gegenteil wahr sein kann. Mit der Verlässlichkeit eines Beamten amtshandelt er, auch wenn er weiss, dass es falsch ist. Vorschrift ist eben nun mal Vorschrift. Loge kümmert's wenig, er setzt sich problemlos über die Systeme hinweg, um nicht das Vorschriftsmässige sondern das Richtige zu tun. Daher wissen die anderen nicht, was er tut, weil sie - Einspruch, Nordolf - eben nicht über den Tellerrand blicken können. Nie hätten die Herren Froh und Donner Freia freibekommen. Sie sind stumpfe Gefangene der Matrix, der Ständekammer oder von Dolce und Gabbana (die Unterschiede aller dieser sektenartigen Organisationen sind fliessend). Im System wähnt man sich frei, nur weil man seine Fesseln für Schmuck hält. Nur keine eigenen Ansichten entwickeln. Und Wotan ist der Kammerpräsident, der für die Erfüllung der Rechtsnormen nicht aber für Gerechtigkeit sorgt. Nein, um die Freunde würden wir uns hier nicht streiten, ich wäre sicher mit Loge befreundet. :W
lg
Werner
Jürgen (06.03.2008, 09:23): Original von manrico Wotan ist für mich lediglich ein Verwalter, ein Systemerhalter - einfallslos und mutlos, der wehrlos seinem Ende entgegentreibt.
Naja, einfallslos ist er zumindest in einem Punkt nicht. Wenn es nämlich darum geht die eigenen Gesetze zu umgehen. Heutzutage würde man sagen: Er ist einfallsreich darin, sein Gold nach Liechtenstein zu schaffen.
Wotan ist halt, so hat Wagner diese Rolle angelegt, ein Göttervater, aber kein absoluter Herrscher wie etwa ein röm. Kaiser oder Louis XIV. Die hätten einfach ihr eigenes Gesetz übertreten, na und? Das Gesetz bin ich!
Dennoch gebe ich Dir recht: Loge ist auch mir sympathischer.
Grüße Jürgen
Nordolf (13.03.2008, 14:12): Hallo Werner!
In Loges zugleich zerstörender Kraft, in seiner Sprunghaftigkeit liegt auch sein schöpferisches Genie. Wotan ist für mich lediglich ein Verwalter, ein Systemerhalter - einfallslos und mutlos, der wehrlos seinem Ende entgegentreibt.
Gut - das bewerte ich anders. Der "große Wurf" im Ring ist letztlich der Mensch und zwar nicht irgendein beliebiger, sondern die Gottmenschen Siegmund und Sieglinde und endlich Brünnhilde und Siegfried. Loges Prinzipien bleiben ohne große Vision, wie sie Wotan zumindest einmal hatte, als er die "Weltordnung des Speeres", d.h. der Eide und Verträge einrichtete. Neben den Prinzipien des "Zufalls" und der "Zerstörung, um dem Neuen Platz zu machen" könnte man in Loge auch den Verstand im Gegensatz zur Vernunft sehen. Er ist derjenige, der trickreich die Dinge zu nutzen versteht, der z.B. einen Alberich dazu bringt, sich mittels der Tarnkappe in eine Kröte zu verwandeln, um ihn zu fangen. Er verkörpert die praktische Intelligenz. Wieder eine hochnotwendige Sache! Ich bin nicht gegen Loge. Aber ein vorrausschauendes Denken, einen Vernunftentwurf, eine große Sache für die er sich einsetzt, kann ich bei ihm nicht erkennen - es bleibt beim Wer-weiß-was-ich-tu.
Immerhin hat Wotan das Geschlecht der Wälsungen in die Welt gesetzt, die berufen sind, ein Neues Äon heraufzuführen. Das der Gott sich letztlich bei Wagner als "Systemerhalter" betätigt, liegt daran, das er an seine eigene Ordnung gefesselt ist. Es darf nicht vergessen werden, das diese Ordnung einmal ein "großer Wurf" gewesen ist - sie hat sich nur aufgebraucht, ist dekadent und veraltet geworden. Die Eide, an die sich Wotan gebunden sieht, kann er nicht verletzen: diese Eide wirken - im übrigen, ob man sie einhält oder bricht (so werden jedenfalls Eide charakterisiert). Ob es für Wotan besser sei, als Eidbrecher als als resignierter Gefangener seiner Eide zu enden - darüber lässt sich streiten. Vielleicht kennt der eine oder andere solche Situationen auch aus dem Alltag: - egal, was man tut, einem anderen Menschen oder sich selbst oder einem Prinzip schadet man mit seiner Handlung auf jeden Fall. Historisch standen die Verschwörer des 20. Juli vor einer solchen Situation.
Wotan hingegen ist der Philosoph, der "Nach"denker ohne Gestaltungskraft, dessen einzige Macht im Verhindern und im Töten liegt.
Was hast Du gegen die Philosophen? Sie sind meist die Vor-Denker gewesen. Ihre Wirkung hält manchmal länger an als die der großen Feldherren. Sie kommt nur auf leiseren Sohlen daher. Unsere ganze abendlänische Geschichte und Denkweise ruht auf den Fundamenten zweier Philosophen aus dem alten Griechenland: - Platon und Aristoteles. Bis ins Alltagsdenken hinein wirkt ihr Einfluss. Die Gesetze der Logik, unsere Auffassung von Wahr und Falsch, die Trennung von Geist und Materie usw. wurzeln in ihren Konzepten. Und ohne Denker wie Nietzsche, Heidegger oder Sartre gäbe es bestimmte Fragestellungen heute gar nicht...
Nein, um die Freunde würden wir uns hier nicht streiten, ich wäre sicher mit Loge befreundet.
:DKann sein - ein bisserl mehr Verlässlichkeit und Treue als bei Loge bräuchte ich schon...
Herzliche Grüsse! Nordolf
manrico (13.03.2008, 15:35): Hallo Nordolf !
Eine spannende Diskussion, aber eigentlich sollt ich schon längst auf dem Weg zu einem Kongress sein, werd daher erst in ein paar Tagen antworten können. Nur so viel gleich: Die Antike kennt die Trennung zwischen Naturwissenschaft und Philosophie noch nicht, da sind die Philosophen - v.a. Aristoteles - ja auch die Naturwissenschaftler. Diese Trennung erfolgt erst viel später. Trotzdem glaub ich, dass die grossen Vordenker heute fehlen und die Philosophie es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Weiterentwicklung der Welt (und da seh ich v.a. die Naturwissenschaft und Molekularbiologie als den Quantensprung im 21.Jh) retrospektiv zu betrachten und das Rad zurückdrehen zu wollen. Aber ich fürchte, diese Diskussion hat nur am Rande mit Wagner zu tun. Trotzdem ist sie äußerst spannend und ich würd sie gern führen.
lg
Werner
Nordolf (19.03.2008, 14:49): Hallo Werner!
Eine spannende Diskussion, aber eigentlich sollt ich schon längst auf dem Weg zu einem Kongress sein
Kongress? Klingt interessant...
Nur so viel gleich: Die Antike kennt die Trennung zwischen Naturwissenschaft und Philosophie noch nicht, da sind die Philosophen - v.a. Aristoteles - ja auch die Naturwissenschaftler. Diese Trennung erfolgt erst viel später.
Das ist richtig. Man sollte dabei nicht vergessen, das die griechische auf theoreia, d.h. "Schau", ausgerichtete Naturerkenntnis wenig mit der heutigen Naturwissenschaft zu tun hat. Letztere hat ja auf vielen Gebieten das Ziel, die Natur zu entschlüsseln und den menschlichen Zielen zu unterstellen. Daran hätten die Griechen nicht mal im Traum gedacht. Das moderne wissenschaftliche Experiment stellt eines der Hauptkennzeichen der Naturwissenschaft dar. Auch das gab es natürlich noch nicht. Die alten Griechen müsste man eher als Naturforscher oder besser "Naturschauer" bezeichnen. Allerdings beschreibt schon ein Sophokles den Menschen als etwas Mächtiges und Unheimliches, weil er mit seinem Pflug die Erde aufreisst und mit Schiffen den Ozean durchfährt. Und von Aristoteles führt eine lange Linie zu den Grundlagen der modernen Naturwissenschaft.
Trotzdem glaub ich, dass die grossen Vordenker heute fehlen und die Philosophie es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Weiterentwicklung der Welt (und da seh ich v.a. die Naturwissenschaft und Molekularbiologie als den Quantensprung im 21.Jh) retrospektiv zu betrachten und das Rad zurückdrehen zu wollen.
Ich würde die Aufgaben einer Philosophie heute und der Naturwissenschaft getrennt betrachten. Ein Dialog muss natürlich stattfinden. Die Philosophie sollte dazu anregen, sich mit der Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens zu beschäftigen. Sie muss außerdem heutzutage die Grundlagen einer Lebenskunst legen können. In einer Zeit, in der es keine verbindlich gesicherten Werte mehr gibt bzw. diese immer mehr zerbröckeln, sollte sie sich fragen: Wie kann der Mensch in dieser Unsicherheit bestehen? Auf welchen ethischen Grundlagen sollte eine postmoderne Gesellschaft stehen?
Niklas Luhmann hat ja eine Theorie unserer Gesellschaft geliefert, die die funktionale Differenzierung derselben sehr gut beschreibt. Und Michel Foucault hat in seinem Spätwerk ausgehend von der Antike nach einer neuen Lebenskunst gefragt, nach den Möglichkeiten einer Selbsterschaffung. Ganz so düster wie Du sehe ich die Situation nicht: auch wenn Luhmann und Foucault die letzten ganz großen Denker waren, so haben wir doch immer noch einige interessante vordenkende Philosophen wie bspw. Gerold Prauss, Volker Gerhart, Peter Bieri, Wilhelm Schmid oder Günther Figal. Und im Klagenfurter Institut arbeitet man an der Philosophie eines Gotthard Günther, der sich mit den Möglichkeiten der Technik und denen einer neuen die traditionelle Zweiwertigkeit überwindenen Logik beschäftigte.
Herzliche Grüsse! Jörg
WagnerfanHB (29.03.2008, 18:36): Ich habe auch Wagner über den Ring kennengelernt, genauer über Ausschnitte von dem Solti-Ring. Das ganze faszinierte mich derart, dass ich unbedingt den ganzen Ring haben wollte, damals noch mit LPs ein ziemlich teures Unterfangen, gerade für einen Schüler. Zu Weihnachten trotzte ich meinen Eltern die Ring Box von Karajan ab und ward die nächsten Tage nicht mehr gesehen, da ich unter dem Kopfhörer sitzend diese wundervolle Musik genoß.
Daher ist nach wie vor der Karajan Ring einer der Aufnahmen, die ich bewundere. Ähnlich fasziniert bin ich von Knappertsbusch ( Bayreuth 1956 ) und von Boulez ( "Jahrundertring" ).
Bei Karajan finde ich an erster Stelle das Orchester faszinierend und die "symphonischen" Teile des Rings, besonders den Trauermarsch in der Götterdämmerung, für mich absolut unübertroffen :down :down :down
Die Tempi von Karajan sind meistens relativ langsam, wenn er anzieht entsteht dadurch aber auch eine ungeheure Spannung ( ähnlich wie bei Knappertsbusch ), für mich ein unheimlich spannender Ring was das Orchester/Dirigat angeht.
Die Sänger/innen sind zwiespältig, wobei zwiespältig nicht "schlecht" meint.
Extrem positiv finde ich z.B. Gerhard Stolze als Loge und Mime, für mich unübertroffen. Ebenso faszinierend finde ich die Sieglinde von Gundula Janowitz.
Jess Thomas als Jung Siegfried gefiel und gefällt mir, ist aber sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Ebenso Helge Brilioth als Götterdämmerungs-Siegfried. In den tieferen Lagen eine wundervolle warme Stimme, nach oben hin wirds eher schwierig.
DiFiDi als Rheingold Wotan finde ich als "Experiment" spannend, bin aber froh das Thomas Stewart dann den Wotan in der Walküre und den Wanderer im Siegfrid gibt. Bis ich Aufnahmen von Hotter aus den frühen 50ern hörte, war Stewart für mich DER Wotan. Vielleicht nicht die allergrößte Stimme, aber absolut überzeugend in der "Darstellung".
Auch als Gunter ist Thomas Stewart eine Bank.
Helga Dernesch als Brünnhilde ( Siegfrid und Götterdämmerung )ist für mich eine kleine Schwachstelle, Regine Crespin als Brünnhilde in der Walküre einer der Gründe, warum ich den zweiten und dritten Akt hasse und liebe. So sehr mich Thomas Stewart begeistert, so sehr finde ich Regine Crespin als grenzwertig. Wobei immer der Vergleich klar sein muß, der da für mich heißt, Mödl, Nilsson und Varnay.
Kurz und knapp, der Ring von Karajan ist für mich extrem hörenswert, mit einigen kleinen Einschränkungen was die Sänger/innen angeht.
Im Moment höre ich gerade intensiv Knappertsbusch von 1956 ( Bayreuth, live und Mono ), ggf. werde ich die Tage dazu hier noch etwas schreiben.
Nordolf (31.03.2008, 13:14): Halllo WagnerfanHB!
Erstmal herzlich willkommen hier im Forum! :hello Schön, das die Wagner-Fraktion etwas Verstärkung erfährt...
Danke für Deine Eindrücke von der Karajan-Aufnahme!
Original von WagnerfanHB
Extrem positiv finde ich z.B. Gerhard Stolze als Loge und Mime, für mich unübertroffen.
Gerhard Stolze sollte hier wirklich mal gewürdigt werden. Insbesondere die bizarren und skurrillen Rollen hat er unnachahmlich gestaltet. "Schönsang" war seine Sache nicht. Ich kenne kaum einen anderen Sänger, der ähnliche Risiken eingegangen ist.
Im Moment höre ich gerade intensiv Knappertsbusch von 1956 ( Bayreuth, live und Mono ), ggf. werde ich die Tage dazu hier noch etwas schreiben.
Da bin ich gespannt. Was ich per Soundschnipsel von Knappertsbusch (Aufnahme bei Walhall) gehört hatte, klang vielversprechend.
Herzliche Grüsse! Jörg
uhlmann (01.04.2008, 09:17): ich kann mit karajans ring nicht sehr viel anfangen. das liegt weniger an den sängern, obwohl einige natürlich nicht ganz optimal zu nennen sind, sondern am dirigat, das imo wesentlich zu undramatisch ist.
wie wagnerfanhb richtig bemerkt, sind "Die Tempi von Karajan meistens relativ langsam, wenn er anzieht entsteht dadurch aber auch eine ungeheure Spannung". nur bleibt diese spannung auf einzelne momente beschränkt, über eine ganze szene oder einen ganzen akt kann er diese spannung nicht aufrecht erhalten. so entsteht für mich ein bild, das ich auch bei karajans bruckner schon kritisiert habe: einzelne teile, mache steigerungen sind sehr schön und mit viel liebe zum detail ausgearbeitet, dazwischen jedoch fällt die spannung arg ab und die musik plätschert nur so dahin.
ich habe oft den eindruck, dass karajans konzept auf die "schönen stellen" hin ausgerichtet ist (die dann auch wirklich wundervoll kommen - man höre zb. den trauermarsch). das reicht mir aber vor allem beim ring nicht. gerade der ring erfordert einen dramatischen atem über das gesamte werk hinweg, denn wie bei keinem anderen werk wagners geht die handlung hier vom orchester aus. deshalb sind mir ansätze lieber, die weniger deatailverliebt sind, dafür aber das große ganze im blick haben. exemplarisch zu hören etwa bei furtwängler oder böhm.
WagnerfanHB (01.04.2008, 10:52): Original von Nordolf Halllo WagnerfanHB!
Erstmal herzlich willkommen hier im Forum! :hello Schön, das die Wagner-Fraktion etwas Verstärkung erfährt...
Danke :cool
Original von Nordolf Gerhard Stolze sollte hier wirklich mal gewürdigt werden. Insbesondere die bizarren und skurrillen Rollen hat er unnachahmlich gestaltet. "Schönsang" war seine Sache nicht. Ich kenne kaum einen anderen Sänger, der ähnliche Risiken eingegangen ist.
Ja sehe ich auch so, es ist nicht wirklich "schön", speziell wie er den Mime gibt, aber er bringt mich dazu zu verstehen, wieso ihn Siegfried nicht mag. Beim ersten hören bewunderte ich dass Siegfried Nothung nicht an Mimes Kopf testet, sondern nur den Amboß zerschlägt :rofl
In der Wanderer Szene bekomme ich andererseits Mitleid, wie eigentlich auch bei den Szenen mit Siegfried. Sprich Stolze bringt mich dazu mitzufühlen.
Bei Karajan singt Stolze auch mehr als bei Solti, da ist es wirklich teilweise extremer Sprechgesang.
Und als Loge ist er der gewitzte Gott, schneller denkend, wenn auch nicht unbedingt weiter denkend, klüger als die aderen Götter, die ohne ihn hilflos scheinen. Auch das bringt Stolze für mich toll rüber.
Original von Nordolf Da bin ich gespannt. Was ich per Soundschnipsel von Knappertsbusch (Aufnahme bei Walhall) gehört hatte, klang vielversprechend.
Herzliche Grüsse! Jörg
Bisher habe ich die Walküre durch und die macht Lust auf mehr. Vom Dirigat her ähnlich "langsam" wie Karajan, teilweise deutlich langsamer, erzeugt er für moch trotzdem mehr Spannung. Mehr die Tage.
Uwe
WagnerfanHB (01.04.2008, 11:01): Original von uhlmann ich habe oft den eindruck, dass karajans konzept auf die "schönen stellen" hin ausgerichtet ist (die dann auch wirklich wundervoll kommen - man höre zb. den trauermarsch). das reicht mir aber vor allem beim ring nicht. gerade der ring erfordert einen dramatischen atem über das gesamte werk hinweg, denn wie bei keinem anderen werk wagners geht die handlung hier vom orchester aus. deshalb sind mir ansätze lieber, die weniger deatailverliebt sind, dafür aber das große ganze im blick haben. exemplarisch zu hören etwa bei furtwängler oder böhm.
Ja dem kann ich gut zustimmen. Wenn ich einem Neuling Wagner vorstelle, dann zücke ich immer den Karajan Ring, als erstes den Trauermarsch. Die "schönen Stellen" sind einfach genial und Karajan zerstört hier sehr gut das Vorurteil, dass Wagner immer laut und bombastisch ist.
Empfehle ich einen ganzen Ring, dann ist es als DVD der Chereau-Ring, den ich darstellerisch für genial halte und auch den Ansatz von Boulez sehr mag. Als CD würde ich bisher Keilberth von 1953 ( Mödl als Brünnhilde :down) oder wenns denn unbedingt Stereo sein muß, Keilberth von 1955 empfehlen, da wirklich geniale Sänger/innen. Mir scheint allerdings, dass ich bald eher zu Knappertsbusch raten könnte, die gleichen ( naja fast ) Sänger/innen und ich mag wie Kna hier dirigiert.
manrico (01.04.2008, 19:13): Hallo WagnerfanHB !
Ich halte den 53er Ring unter Keilberth auch für einen der gelungensten, den ich kenne (allerdings ist meine Wagner-Diskographie eher bescheiden im Vergleich zu den Italienern oder Franzosen). Die Mödl ist einfach eine der absolut größten, weil innigsten Sängerinnen. Da kann die Nilsson noch fünf Mal die bessere, (auch schneidendere) Höhe haben, vom innigen Pathos der Mödl ist sie Lichtjahre entfernt. Schade, dass diese Aufnahme so schwer erhältlich ist.
Womit du bei Karajan und Wagner sicher recht hast, ist, dass er manche Stellen sehr eindrücklich, weil leise spielen lässt - etwa ein sehr kammermusikalischer Ansatz im Rheingold. Das macht sich beispielsweise auch bei seinem Holländer bemerkbar, wenn Jose van Dam das "Dich frage ich, gepries'ner Engel Gottes" mit nie gehörter Innigkeit singt. Leider folgt aber darauf gleich immer ein lustiges Fortississsimo in Blech, das den ganzen Effekt wieder zerstört.
lg
Werner
WagnerfanHB (01.04.2008, 20:16): Original von manrico Hallo WagnerfanHB !
Ich halte den 53er Ring unter Keilberth auch für einen der gelungensten, den ich kenne (allerdings ist meine Wagner-Diskographie eher bescheiden im Vergleich zu den Italienern oder Franzosen). Die Mödl ist einfach eine der absolut größten, weil innigsten Sängerinnen. Da kann die Nilsson noch fünf Mal die bessere, (auch schneidendere) Höhe haben, vom innigen Pathos der Mödl ist sie Lichtjahre entfernt. Schade, dass diese Aufnahme so schwer erhältlich ist.
Ja wenn ich die Wahl habe zwischen Mödl oder Nilsson, nehm ich sofort die Mödl, nicht nur als Brünnhilde sondern ebenso als Isolde. Martha Mödl ist für mich absolut unübertroffen, zumindest in den hier genannten Rollen und ebenso als Kundry. :down :down :down
Vielleicht müßte ich mal einen Thread über sie eröffnen.
Ach ja, den 53'er Ring von Keilberth gibts beim Dreibuchstabenversand für unter 40 €
Original von manrico Womit du bei Karajan und Wagner sicher recht hast, ist, dass er manche Stellen sehr eindrücklich, weil leise spielen lässt - etwa ein sehr kammermusikalischer Ansatz im Rheingold. Das macht sich beispielsweise auch bei seinem Holländer bemerkbar, wenn Jose van Dam das "Dich frage ich, gepries'ner Engel Gottes" mit nie gehörter Innigkeit singt. Leider folgt aber darauf gleich immer ein lustiges Fortississsimo in Blech, das den ganzen Effekt wieder zerstört.
lg
Werner
Ja wegen dem kammermusikalischen Ansatz im Rheingold kann ja auch DiFiDi da den Wotan singen :rofl
Im Trauermarsch finde ich es z.B. genial, wie das Blech reinhaut, im Falle des Holländers muß ich nochmal reinhören, aber den Holländer mag ich eh nicht sonderlich, weder diese Aufnahme noch den Holländer als solchen.
Grüße Uwe
Travi (02.04.2008, 11:18): Über einen Martha-Mödl-Thread würde ich mich sehr freuen, da sie auch zu meinen Favoritinnen gehört.
In Kürze, Travi :)
Solitaire (30.04.2008, 07:49): Ist vermutlich ein bißchen OT, aber ich will dafür keinen eigenen Faden aufmachen. Nur eine kurze Frage: was sagen unsere Wagnerianer denn zu Wolfgang, der jetzt doch endlich den Platz räumt ? Bin ja kein übermäßiger Wagner-Fan (obwohl ich kürzlich einen wunderbaren Tannhäuser sehr genossen habe), aber dieses Theater habe selbst ich seit Jahren fasziniert verfolgt. Ich habe, das am Rande, gestern dann auch einen Ausschnitt aus einer Bayreuther Inszenierung gesehen (Irgendwas aus dem Ring) in dem Wotan mit Anzug, Kravatte, Augenklappe (Captain Jack Sparrow läßt grüßen :J ) rumgerannt ist und wutentbrannt sein Laptop durch die Gegend gefeuert hat. Also auch die Wagneropern schlachten sie ab...selbst in Bayreuth. :B
Jürgen (30.04.2008, 12:39): Original von Solitaire Ist vermutlich ein bißchen OT, aber ich will dafür keinen eigenen Faden aufmachen. Nur eine kurze Frage: was sagen unsere Wagnerianer denn zu Wolfgang, der jetzt doch endlich den Platz räumt ? Bin ja kein übermäßiger Wagner-Fan (obwohl ich kürzlich einen wunderbaren Tannhäuser sehr genossen habe), aber dieses Theater habe selbst ich seit Jahren fasziniert verfolgt. Ich habe, das am Rande, gestern dann auch einen Ausschnitt aus einer Bayreuther Inszenierung gesehen (Irgendwas aus dem Ring) in dem Wotan mit Anzug, Kravatte, Augenklappe (Captain Jack Sparrow läßt grüßen :J ) rumgerannt ist und wutentbrannt sein Laptop durch die Gegend gefeuert hat. Also auch die Wagneropern schlachten sie ab...selbst in Bayreuth. :B
Hallo Solitaire,
dass Wolfgang seinen Platz räumt, glaube ich erst, wenn er seine Abdankung unterschrieben hat.
Die Leitung als Doppelspitze hat grundsätzlich nichts negatives. Unter Winifred gab es das auch schon. Nur hatte sie in ihrem "Vertrauten" Heinz Tietjen einen künstlerischen Leiter, der mit ihr am gleichen Starng zog. Bei den Halbschwestern bin ich mir da nicht so sicher.
Was das Abschlachten von Wagneropern selbst in Bayreuth angeht, so gibt es das schon seit mindestens 30 Jahren und hat durchaus sehenswerte Inszenierungen hervorgebracht.
Grüße Jürgen
Tranquillo (30.04.2008, 13:08): Original von Jürgen dass Wolfgang seinen Platz räumt, glaube ich erst, wenn er seine Abdankung unterschrieben hat. Das hat er schon - zumindest wurde das gestern in der Tagesschau berichtet. Wer sein Nachfolger wird, entscheidet offiziell der Stiftungsrat, aber hinter den Kulissen dürfte bereits alles geregelt sein :D
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (30.04.2008, 15:25): Wird ja wohl die Katharine werden, wenn ich mich nicht sehr irre. @Jürgen Ich gebe zu, ich kenne mich mit wagner kaum aus, kann Inszenierungen also wirklich nicht beurteilen. Ich frage mich , was mir lieber wäre: Helme mit Hörnern drauf und dicke BDM-Zöpfe bei den Walküren, oder Wotane im Manager-Dress. :ignore Naja, nachdem ich besagten Tannhäuser gesehen habe, bin ich schon heiß auf weitere richtig gute Aufführungen. Die Meistersinger täten mich interessieren.
Tranquillo (30.04.2008, 18:50): Original von Solitaire Wird ja wohl die Katharine werden, wenn ich mich nicht sehr irre. Es wird wohl eher eine Doppelspitze mit seinen beiden Töchtern aus erster (Eva Wagner-Pasquier, 63) und zweiter Ehe (Katharina Wagner, 29) geben, siehe hier. Nike Wagner, die Nichte von Wolfgang Wagner, wird wohl nicht beteiligt werden.
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (30.04.2008, 19:49): Ah ja. Danke für die Info! Ich finde Nike Wagner ja sehr symphatisch, und ich nehme mal an, daß sie auch kompetent ist. (Sie leitet doch dieses Kunstfest in Weimar, oder?)
Amadé (17.05.2008, 22:08): Hallo Forianer,
es ist schon erstaunlich, was uns verwöhnten Sammlern immer wieder aufs neue auf den Plattenteller kommt. Kürzlich erworben und nach und nach durchgehört: http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4035122652161.jpgIMG]http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4035122652161.jpghttp://www.jpc.de/image/w183/front/0/4035122652178.jpghttp://www.jpc.de/image/w183/front/0/4035122652185.jpghttp://www.jpc.de/image/w183/front/0/4035122652192.jpg
Klanglich sehr gut restauriert, meine Ohren melden: Besser als der erste Stereo-Ring mit Keilberth aus 1955, von Decca in Bayreuth produziert, von Testament auf CD veröffentlicht. Bemerkenswertes der "neuen" Veröffentlichung: In der Walküre hören wir erstmals (?) zusammen Birgit Nilsson als Sieglinde sowie Astrid Varnay als Brünnhilde. In der Götterdämmerung wurde auch die Nilsson als 3.Norn eingesetzt sowie Elisaberth Grümmer als Gutrune. Vorher hatte diese im Rheingold die Partie der Freia übernommen. Im selben Jahr sang die Grümmer auch noch das Evchen in den Meistersingern. Allerdings währte ihre Bayreuth-Mitwirkung nicht lange. Die Siegfriedpartie ist geteilt: Jung-Siegfried singt der bewährte Bernd Aldenhoff, Windgassen den Siegfried in der Götterdämmerung. Am Pult: Kna, der schon 1956 den Ring übernommen hatte.
Grüße Amadé
Heike (19.05.2008, 18:21): Hallo, es gibt zur Zeit bei amazon die "Wagner-Edition-Live aus Bayreuth (Lim.Edition) " 33 CDs für wohl sensationelle 43,97 Euro. Vielleicht ist das ja für den einen oder anderen interessant - was den Ring angeht, ist die darauf enthaltene Böhm- Aufnahme sicher bei dem Preis allein fast schon den Kauf wert.
Außerdem möchte ich allen, die sich neu in den Ring einarbeiten möchten, 2 CDs empfehlen, die die Erarbeitung der Leitmotive und des Inhaltes wirklich auch Ring- Einsteigern gut möglich machen: "Der Klassik(ver)führer Sonderband. Wagners Ring-Motive. 2 CDs" Angenehm sachlich und mit Hörbeispiel + Erklärung zu jedem Motiv.
Viele Grüße, Hebre (komisch, dass mein erster Beitrag hier sich um Wagner dreht, ich mag zwar auch Oper, aber eigentlich doch mehr instrumentales :) da ist das Forum ja eine wahre Fundgrube, ich werde mich erst mal ausgiebig einlesen!)
HenningKolf (19.05.2008, 18:34): @ Hebre
Herzlich willkommen und viel Spass beim "Einlesen"
daniel5993 (19.05.2008, 21:02): Auch von mir ein Herzliches Willkommen Hebre!
Dr. Schön (01.12.2008, 19:46): Ich habe mir kürzlich Knappertsbuschs 1956er Bayreuth Ring zugelegt, weil ich noch etwas mehr "Kna" kennenlernen wollte als seinen "Parsifal", der mir trotz anderer Favoriten eben doch immer sehr gut gefallen hat.
Da ich Moment nicht soviel Zeit habe, habe ich ihn mir nur Stückweise anhören können und vor wenigen Stunden beendet. Weil ich den Solti Ring ewig nicht mehr gehört habe, habe ich auch die Gelengenheit genutzt, die eine oder andere Stelle etwas zu vergleichen. Ich habe auch mal wieder etwas in Böhm's Ring reingehört, den ich insgesammt vielleicht am häufigsten gehört habe. Mit dem Ergebnis, dass es den ultimativen Ring wahrscheinlich einfach nicht geben kann.
Knappertsbusch hat mir sehr gut gefallen. Das langsame Tempo stört mich nicht, weil es durch ein hohes Maß an Spannung doch kaum auffällt. Überhaupt kam mir das ganze fast süffig vor, meistens sehr konzentriert, aber nie zu streng, immer angenehm und einfach wunderbar. Mitunter kam etwas der Eindruck von abgespielter Wagner Routine auf, das Meiste aber sehr eindrucksvoll gestalltet und im Gesammten eine hervorragende Leistung. Gegen das Pathos werde ich beizeiten mal wieder Boulez aus dem Schrank hohlen. Bei Solti habe ich immer den Eindruck, dass er von Teil zu Teil besser wird. Zumindest ist es seine "Götterdämmerung", auf die ich am wenigsten verzichten wollen würde. Ansonsten ist es auch hier immer wieder der Solti'sche Dampfhammer, den ich, neigungsbedingt, immer etwas fürchte.
Auffallend Hotter's Wotan. Trotz seines oft, zurecht, kritisierten späten Auftritts bei Solti, hat mich seine Stimme und Präsenz doch immer und auch hier durchaus fasziniert. Nur wo ich ihn jetzt bei besserer Verfassung bei Knappertsbusch kenne, werde ich bei Solti künftig reuelos skippen können. Etwas verschnupft klingt er bei Kna auch, aber es ist schon eine eindrucksvolle Gestalltung. Furtwängler/Frantz habe ich vor langer Zeit nur mal geliehen. Ich würde Frantz gerne nochmal hören.
Auch ansonsten ist die Besetzung bei Knappertsbusch wirklich sehr gut.
Ich schätze Birgit Nilsson, ihre starke Stahl - und Strahlkraft wirklich sehr. Sowohl bei Böhm als auch bei Solti finde ich sie schon sehr sehr gut. Aber irgendwo gibt es das Quentchen Menschlichkeit oder Charakter, das Astrid Varnay (oder auch Kirsten Flagstad) einfach mehr haben.
Wie Amadé weiter vorne schreibt fällt mir auch beim Vergleich der beiden Hagen's Frick/Greindl auf, dass der eine eher gepflegt, der andere eher schurkisch auftritt.
Was ich an der Solti immer am liebsten mochte, ist die Szene in der Götterdämmerung, wo er die Hochzeit bekannt gibt und die Stierhörner ertönenen. Wie sollte man Frick da überbieten? Aber auf der anderen Seite, ich mag Frick sehr gerne, aber ich empfand seinen Hagen nie als wirklich böse. Schwarz ja, aber auch warm. Greindl hat nicht ganz Fricks Kraft, aber er ist böse.
Bei Wagner bin ich immer wieder überrascht, wie gut und überzeugend Karl Böhm sein konnte. Wie uhlmann schon sagte, was den Gesammtzusammenhang, oder den ständigen Blick auf's Ganze betrifft ist er einfach sehr vorbildlich.
Hat Windgassen hier Konkurenten? Ich mag Windgassen, aber ich hörte da gerne mal jemand anderen...
Nordolf (02.12.2008, 21:09): Original von Dr. Schön Ich habe mir kürzlich Knappertsbuschs 1956er Bayreuth Ring zugelegt, weil ich noch etwas mehr "Kna" kennenlernen wollte als seinen "Parsifal", der mir trotz anderer Favoriten eben doch immer sehr gut gefallen hat.
Hallo Dr. Schön,
1956 - meinst du den Ring von Knappertsbusch bei Orfeo? Ich habe mal länger hineingehört und war auch sehr angetan. Allerdings habe ich noch zu viele andere offene CD-Wünsche, als das ich bereit wäre, ca. 80 Euro für Mono-Aufnahmen zu zahlen. Als preiswerte Alternative gäbe es ja noch die in diesem Thread bereits von Amade angesprochenen Aufnahmen bei Walhall.
Zudem erweckt der Dirgent inzwischen bei mir Zweifel, weil ich zuletzt eine fürchterlich eingeebnete, undramatische Bruckner Nr. 8 (1951) von ihm gehört habe: - wobei ich nicht sicher bin, ob dieser Eindruck überhaupt Knappertsbusch und nicht viel eher dem "ich bügel dich glatt, wenn du rauschst"-Remastering des Aura-Labels zu verdanken ist.
Ansonsten ist es auch hier immer wieder der Solti'sche Dampfhammer, den ich, neigungsbedingt, immer etwas fürchte.
Da geht es mir genau anders herum. Ich sehne diesen Dampfhammer und den Pathos herbei - gerade bei Wagner...
Bei Wagner bin ich immer wieder überrascht, wie gut und überzeugend Karl Böhm sein konnte. Wie uhlmann schon sagte, was den Gesammtzusammenhang, oder den ständigen Blick auf's Ganze betrifft ist er einfach sehr vorbildlich.
Zu Böhm: Hier hatte ich beim Probehören ebenfalls sehr positive Eindrücke: - die Klangfarben bringt Böhm wunderbar zum leuchten. Aber Theo Adam als Wotan ist einfach nicht mein Fall - da ist mir für einen Gott zu wenig Volumen, zu wenig "Mächtigkeit" im Bass vorhanden. Und das hatte Hotter immer und auch bei Solti zu bieten...
Herzliche Grüsse! Jörg
Dr. Schön (02.12.2008, 22:06): Original von Nordolf Hallo Dr. Schön,
1956 - meinst du den Ring von Knappertsbusch bei Orfeo? Ich habe mal länger hineingehört und war auch sehr angetan. Allerdings habe ich noch zu viele andere offene CD-Wünsche, als das ich bereit wäre, ca. 80 Euro für Mono-Aufnahmen zu zahlen. Als preiswerte Alternative gäbe es ja noch die in diesem Thread bereits von Amade angesprochenen Aufnahmen bei Walhall.
Zudem erweckt der Dirgent inzwischen bei mir Zweifel, weil ich zuletzt eine fürchterlich eingeebnete, undramatische Bruckner Nr. 8 (1951) von ihm gehört habe: - wobei ich nicht sicher bin, ob dieser Eindruck überhaupt Knappertsbusch und nicht viel eher dem "ich bügel dich glatt, wenn du rauschst"-Remastering des Aura-Labels zu verdanken ist.
Ich meine den, den es auch bei Orfeo gibt. Ich habe mich beim Vergleichen aber für die Ausgabe von Andromeda entschieden. Vielleicht etwas dumpfer, aber sehr dynamisch und ohne irgendwelche Störgeräusche und das "Eiern", dass so manche Billigedition hat.
Teurer hätte ich zz auch nicht gekauft, aber für den Preis von 10,- Euro pro Stück (Rheingold noch günstiger) konnte ich nicht nein sagen und kann ihn als Vergleich uneingeschränkt empfehlen. Allein wegen der Besetzung und dem Aufwand, der damals wohl betrieben wurde, einen Opernabend in Bayreuth zu einem echten und bleibenden Event werden zu lassen.
Werde künftig wohl doch von Zeit zu Zeit noch ein paar ältere Einspielungen bei Wallhall etc. anschaffen. (bin sehr an mehr Hermann Uhde interessiert, der mir als Gunther ausgezeichnet gefallen hat).
Knappertsbusch soll sehr geschwankt haben, was mich von seinem Bruckner (und generell von anderen Aufnahmen dieses Dirigenten) bisher mehr abgehalten hat, als die Fassungen die er verwendet hat. Wobei mich Bruckner vor etwa Wands erstem Zyklus zZ weniger interessiert.
Original von Nordolf
Da geht es mir genau anders herum. Ich sehne diesen Dampfhammer und den Pathos herbei - gerade bei Wagner...
Das ist nicht zu überlesen :)
Ich kann das auch nachvollziehen. Wie gesagt manche Szenen (Stierhörner!!) beeindrucken mich ob der gesammten Produktionsweise des Solti Ringes natürlich auch.
Original von Nordolf Zu Böhm: Hier hatte ich beim Probehören ebenfalls sehr positive Eindrücke: - die Klangfarben bringt Böhm wunderbar zum leuchten. Aber Theo Adam als Wotan ist einfach nicht mein Fall - da ist mir für einen Gott zu wenig Volumen, zu wenig "Mächtigkeit" im Bass vorhanden. Und das hatte Hotter immer und auch bei Solti zu bieten...
Was dem einen sein Adam, dass dem anderen sein Hotter...
Ich schätze Theo Adam, auch wenn er keine Powervoice ist, finde ich bei ihm oft (besonders natürlich als Amfortas, aber auch bei seinem Woton...), trotz vokaler Schwächen, mehr als nur Ansätze einer "intelligenten" (in Anführungszeichen) Portraitierung und Charakterisierung, der dargestellten Figur. Er ist anders als Hotter und Frantz, aber für mich interessant genug.
Gestern hatte ich noch den Dritten Akt der Walküre von Boulez gehört. Mit Hotter im Ohr, kam mir Wotans plötzliches und zorniges Erscheinen etwas vor, als würde der Sänger "nackt" auf die Bühne hüpfen. Kurz bevor Loge sein Werk verrichtet, wird Donald McIntyre an einer Stelle, plötzlich sehr leise, traurig, menschlich, bewegt, was der Szene mal so völlig ohne Pathos ein anderes, aber nicht minder bewegends Ende gibt, und man ist, weil es so ungewohnt kommt doppelt überrascht und gerührt. Das sind so Kleinigkeiten, ob der ich seine Wotandarstellung, trotz anderweitiger Mängel, durchaus sehr schätzen kann.
Wenn wir schon beim Ring sind, möchte ich auch nochmal auf Boulez' Dirigat eingehen. Das klingt hier plötzlich so frisch, lebendig und modern. Und wie er bei dem Tempo das Material wirklich punktgenau abarbeitet und dabei alles voneinander abhebt und quasi alles hörbar macht, ohne mal zu stocken und immer im Fluss bleibt, dass finde ich einfach irre, den schieren Wahnsinn. Wie das alles, was in Wagners Musik an (ich nenne es mal Laienhaft) Handlungstützendem und Personencharaktersierendem enthalten ist, quasi "grafisch" werden lässt, dass finde ich ungeheuer mitreisend. Darob liebe ich Boulez.
Sicher, andere bringen die Musik mit mehr Ausdruck zum klingen. Dafür gibt es Knappertsbusch und Solti. Aber Boulez völlig anderer Ansatz hat für mich daneben, oder knapp darüber, auch einen Ehrenplatz.
Und Wagners Werk trägt und verträgt beides, weil Wagner eben ein Genie war.
Gruß Dr. Schön
uhlmann (03.12.2008, 17:24): hallo dr. schön & nordolf,
ich kenne zwar den 56er-kna-ring nicht, dafür aber den 53er-krauss-ring, der besetzungsmäßig mit erstgenanntem fast identisch ist (zumindest was die protagonisten betrifft). sängerisch gehört dieser ring zum besten, was meine wagner-discographie zu bieten hat (und das ist doch einiges).
hotter ist hier noch weit frischer als später bei solti, quasi auf dem höhepunkt - sein wotan wird für mich aufgrund der grandiosen rollengestaltung immer der maßstab bleiben. freilich kann ich mir aber vorstellen, dass seine näselnde stimme und die etwas eigenartige intonation nicht jedem gefallen mag. als hervorragend, wenn auch nicht unbedingt maßstabsetzend würde ich die leistungen von astrid varnay und wolfgang windgassen einstufen. in beiden rollen gibt es für mich bessere alternativen (flagstadt u. mödl als brünnhilde, melchior als siegfried - leider nur in tontechnisch schlechten aufnahmen).
ganz grandios sind in krauss ring viele der mittleren und kleinen rollen besetzt - welche superben leistungen sind hier zu hören: gustav neidlinger als alberich, paul kuen als mime, hermann uhde als gunther/donner, josef greindl als fafner/hunding/hagen, die selten genannte aber immer verläßliche ira malaniuk als fricka, rita streich als waldvogel, u.s.w. schwachpunkt dieses rings ist imo das wälsungenpaar - ramon vinay und regina resnik. gewiss sind auch sie nicht wirklich gräßlich, aber den ersten akt walküre höre ich doch lieber in anderen aufnahmen.
krauss dirigat würde ich als solide und kompetent bezeichnen. seine tempi sind auf der moderat schnelleren seite, er ist bemüht, die musik natürlich fließen zu lassen. ich habe oft den eindruck, dass die wahl seiner tempi und der dynamik sehr auf das wohl der sänger ausgerichtet ist. so gelingt ihm ein schlüssiges konzept, das ohne extreme auskommt und doch von anfang bis ende spannend ist. freilich erreicht er weder die tiefe eines furtwängler noch die dramatik eines böhm, dafür ist er aber bei weitem nicht so lahm wie levine oder so undramatisch wie karajan.
ich muss bei gelegenheit mal wieder meine ringe hören. furtwängler wurde hier nur so nebenbei erwähnt, das sollte geändert werden.
Dr. Schön (03.12.2008, 18:27): Gibt es eigentlich zwischen den beiden Mitschnitten, die es mit Furtwängler gibt, nennenswerte Unterschiede? Gehört habe ich mal den späteren bei EMI, der wohl besser klingen soll. Ich kann aber nichts mehr dazu sagen und schiebe die Anschaffung schon seit langer Zeit vor mich hin.
Jürgen (04.12.2008, 12:12): Original von Dr. Schön Gibt es eigentlich zwischen den beiden Mitschnitten, die es mit Furtwängler gibt, nennenswerte Unterschiede? Gehört habe ich mal den späteren bei EMI, der wohl besser klingen soll. Ich kann aber nichts mehr dazu sagen und schiebe die Anschaffung schon seit langer Zeit vor mich hin.
Also ich kenne nur den älteren, den man hier nachgeschmissen bekommt.
Ich habe erst einmal reingehört. Der Klang ist jedoch so unterirdisch, dass die Kiste seither verstaubt.
Es ist gigantisch, was sich in den darauf folgenden acht Jahren (bis zu Solti's Rheingold-Aufnahme, z.B.) technisch so verbessert hat. :down
Grüße Jürgen
uhlmann (01.07.2009, 09:23): Die billig (10 Euro) erstandene Box (TIM) mit Günter Neuhold und der Badischen Staatskapelle 1993 - 1995 empfand ich als unbefriedigend: - musikalisch schien sie mir zu flach, das Klangbild für Wagner zu dünn, es war einfach zu wenig vom großen Musiktheater zu spüren. Alles in allem sicher keine schlechte Interpretation - aber sie zeigt eben "Ring-Alltag".
seit letzter woche besitze ich nun auch diesen neuhold-ring (in obiger ausführung von documents). mittlerweile habe ich ihn vollständig durchgehört und ich will hier kurz mal meine meinung dazu kundtun. als "gehobenen ring-alltag" würde ich das bezeichnen, was man da zu hören bekommt. für 15 euro ist dieser ring mehr als ein schnäppchen. ich kann ihn vorbehaltlos jedem einsteiger empfehlen, finde ihn aber auch als ergänzung zu einer schon bestehenden ring-diskographie (wie etwa der meinen, die 9 andere ringe umfasst) interessant genug.
neudholds interpretation ist von einem natürlichem verständnis für wagners musik getragen. er geht keinen weg der extreme, sowohl tempi als auch akzentuierung sind im rahmen des üblichen. was beeindruckt, ist ein natürlicher aufbau von spannung ohne übertriebener effekthascherei. das orchester folgt neuhold akkurat, wirkt an manchen stellen etwas dünn, überzeugt dafür in intimeren passagen mit schön differenziertem klang. für ein provinzensemble ist die leistung allemal beachtlich.
erstaunlich hoch ist im allgemeinen das sängerische niveau. natürlich verbieten sich vergleiche mit den großen wagner-sängern der 40er, 50er und 60er, aber mit den leistungen der neueren ringe (haitink, levine, boulez, etc.) können die meisten der protagonisten aus neuholds produktion durchaus mithalten, und oftmals übertreffen sie diese, obwohl hier keine großen namen aufgefahren werden.
die großen rollen im detail:
wotan/wanderer – john wegner: wegners wotan ist exzellent. die stimme ist zwar etwas unflexibel, dieses manko macht er aber mit einsatz und intelligenter rollengestaltung wett. der mann scheint nie müde zu werden. mir gefällt sein wanderer am besten.
brünnhilde – carla pohl: hervorragende leistung; die stimme hat nicht die größe einer nilsson, ist aber überaus tragfähig und technisch gut geführt. dazu wirkt sie recht jugendlich, was ich persönlich gerne mag (ich hasse diese ältlich eiernden brünnhilden). interpretatorisch gut, wenn auch nicht weltbewegend.
siegfried (siegfried) – wolfgang neumann: der schwächere der beiden siegfrieds. erinnert mich öfter an den späteren windgassen (bei böhm etwa) – wie dieser singt neumann sehr ökonomisch, ist aber stimmlich etwas schwächlich. immerhin ist die interpretation rollendeckend, was ja auch schon was ist.
siegfried (götterdämmerung) – edward cook: cook ist für mich die entdeckung dieses rings. seine stimme hat schmelz, dazu wirkt er glaubhaft und interpretatorisch einfach gut. da ist jeder ton am rechten platz – sehr schön.
alberich – oleg bryjak: eindrucksvolle leistung, sicher einer der besten alberiche nach gustav neidlinger. ungeheuer intensiv und dramatisch, dazu dunkel timbriert, was gut zum alberich passt.
siegmund – edward cook: die walküre ist mit dem wälsungenpaar ein highlight dieses rings. cook schafft eine sehr intelligente interpretation, er singt die rolle weniger sinnlich als glaubhaft. dazu passt der siegmund imo besser zu seiner stimme als der siegfried. klasse.
sieglinde – gabriele maria ronge: ronges sieglinde hat großes format. sie wirkt jugendlich, verfügt aber auch über die nötige dramatik und hat noch ein schöne stimme dazu. eine der besten sieglindes, die ich kenne.
loge – hans-jörg weinschenk: rollendeckend, solide. ordentliche leistung, ohne großartig zu sein. immerhin kein heldentenor, wie öfter mal zu hören (windgassen, jerusalem) und was ich gar nicht mag.
höhepunkte der restlichen besetzung sind die hervorragenden erdas (mette esjing im rheingold, ortun wenkel im siegfried), zlatomira nikolova als fricka (walküre) und waltraute, sowie gabriela maria ronge als gutrune. in ordnung sind die rheintöchter, die walküren und die nornen. leider sind auch einige rollen durchaus weniger aufredend besetzt: donner und froh sind eine vorgabe, ebenso gunther und hagen, was der götterdämmerung nicht gerade gut bekommt.
im allgemeinen fällt bei den sängern auf, dass mehr auf die interpretatorische linie als auf die reine gesangliche schönheit geachtet wurde. hier wird eine geschichte erzählt, kein gesangsfestival zelebriert. ich mag diesen ansatz, deckt er sich doch mit meiner eigenen philosophie zum ring.
mir gefällt neuholds ring – er ist keine konkurrenz für böhm, solti oder furtwängler, kann aber leicht mit den neueren ringen mithalten (und ist mit derzeit 15 euro mit abstand der billigste).
Uhrwerker (22.07.2009, 18:23): Hallo miteinander,
weil in diesem Thread noch nicht erwähnt, möchte ich auf ein kleines Büchlein hinweisen, das jeder Ring-Freund wenigstens einmal gelesen haben sollte:
Erstmals 1908 auf Deutsch erschienen ist es immer noch eine der frechsten, unterhaltsamsten aber auch kompetentesten und somit besten Analysen des Rings. :D
Beste Grüße Uhrwerker
thwinter12 (14.09.2009, 20:56): Original von Jürgen aus „Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2009 ?“ (14.09.2009) Obwohl Soltis Walküre wegen Hotters Textunverständlichkeit (Wobble) oft als der Schwachpunkt seines Rings bezeichnet wird, kann ich die Kritik zwar nachvollziehen, gewichte jedoch Hotters Ausdrucksstärke wesentlich höher.
Einzelne Szenen mögen bei Böhm oder Leinsdorf geringfügig besser sein, in der Summe und insbesondere durch die Dramatik in der Orchesterleistung steht Soltis Walküre bei mir deutlich an erster Stelle.
Drum höre ich nun auch diese Aufnahme ab der Todverkündung. Natürlich wusste ich aufgrund diverser Postings schon vor dem Hören der "Walküre", dass Hans Hotter hier als Schwachstelle gilt und anfänglich war ich über seine stimmliche Leistung auch enttäuscht (ich hatte halt noch George London aus dem "Rheingold" im Ohr), aber diese Eindruck wandelte sich mit der Zeit und wenn ich jetzt so recht zurückdenke, dann ist nicht Nilsson/Brünnhilde, nicht King/Siegmund, sondern eben Hotter/Wotan derjenige aus der "Walküre", der mich am meisten bewegt hat!
Ich finde er gibt einen gefühlvollen, ja fast schon "menschlichen" Gott zum besten, der vergrämt und zerrissen Gefangener seiner eigenen Verträge ist (wohl vor allem dem der Ehe :J) und nun auch noch von seinen beiden liebsten Nachkommen lassen muss: Siegmund und Brünnhilde (zwar nur als Mittel zum Zweck gezeugt, empfindet er - meiner Meinung nach - doch die Liebe eines Vaters für sie; nicht umsonst ist es Brünnhilde, der er seine innere Zerrissenheit offenbart; Siegmund ist wohl wirklich mehr "Werkzeug"...)
Für mich ist der Höhepunkt der "Walküre", als Hotter/Wotan folgende Zeilen singt und das "Thema der Liebesentsagung“ (ich nenne es mal einfach so), welches mir schon im Rheingold Gänsehautschübe verpasst hat, ertönt: :down
Denn so kehrt der Gott sich dir ab, so küsst er die Gottheit von dir!
Hotters Gesang bedient also IMO die "Gefühlsseite" über alle Maßen; vielleicht auch gerade deshalb, weil er stimmlich seinen Zenit bereits überschritten hatte!? Zum Vergleich wären sicherlich seine frühen „Ring-Aufnahmen“ von Interesse…
Ob die Darstellung dieses "mitleidigen" Wotan überhaupt angebracht ist, nachdem er im "Rheingold" doch so kühl berechnend agiert hat, sei dahingestellt. Vielleicht war er ja einfach zu viel mit Erda :D und den Menschen zusammen oder ist sich gar der Ausweglosigkeit seines Schicksals insgeheim bewusst!? Unterm Strich ist er wohl selbst Schuld an seiner "verzwickten" Situation!? Oder ist das zu einfach gedacht?
Nichtsdestotrotz, wenn man über die etwaigen stimmlichen "Mängel" hinwegsieht, finde ich Hotters Darstellung ergreifend und es sind wohl gerade diese von Gefühlen triefenden Dialoge zwischen Siegmund und Sieglinde als auch Wotan und Brünnhilde, die die "Walküre" unter den Hörern/Zuschauern entweder so beliebt machen oder das genaue Gegenteil, nämlich Ablehnung und Langeweile, hervorrufen... Servas, :hello Thomas
Original von Jürgen P.S: Thomas, Du erwähntest, dass Du auf einer Dolby Surround - Anlage hörst. Gewinnt diese Aufnahme dadurch? So ganz stimmt das nicht! Als ich freitags "sturmfreie Bude" hatte, hörte ich das "Rheingold" auf einer solchen Anlage. Bei der "Walküre" mussten wieder meine Kopfhörer herhalten (daher auch die etwas schmerzenden Ohren). Meine "bessere Hälfte" war nämlich zurückgekehrt! :ignore
Grundsätzlich bleibt die Aufnahme auch auf einer Dolby Surround - Anlage ja in Stereo, aber bei mir gibt es da die Funktion (wahrscheinlich hat das auch jede andere Anlage auch!?), dass die Stereo-Ausgabe noch zusätzlich auf die beiden hinteren Lautsprecher gelegt werden kann und die Beschallung ist dann natürlich der Wahnsinn. Als würdest Du mitten auf der Bühne platziert sein. Bei der zeitweise recht stimm- und orchestergewaltigen "Walküre" aber bloß auf die Boxen aufpassen… :J
Jürgen (26.11.2009, 11:07): Ich zitiere aus gegebenen Anlass aus dem "Orkus":
Original von Agravain Original von Jürgen Original von Agravain Original von Jürgen http://ecx.images-amazon.com/images/I/41YJ20FGTML._SL500_AA240_.jpg
Wagner: Die Walküre, Leinsdorf 1961
Mit George London als Wotan höre die letzten 30 Minuten des 3.Akt.
Grüße Jürgen
:times10
Die beste "Walküre", die ich kenne. London singt einen kaum zu toppenden Wotan, Leinsdorf gibt ein rauschendes Dirigat. Immer wenn ich die Platte höre bin ich ein wenig traurig darüber, dass es keinen kompletten Leinsdorf-Ring gibt...
Viele Grüße
Agravain
Ich gebe Dir recht was London angeht. Gesanglich einwandfrei. Aber er lebt und leidet in dieser Rolle nicht so überzeugend wie Hotter. Wenn ich die Walküre nur auf den Wotan reduzieren würde, könnte ich mich schwer zwischen den Aufnahmen von Solti und Leinsdorf entscheiden. Wahrscheinlich würde die Tagesform entscheiden.
Es gibt allerdings einige musikalische Highlights, die mir durch Solti liebgeworden sind, über die Leinsdorf schnell drüberwischt, ohne den von mir so geschätzten Effekt zu erreichen.
Original von Jürgen aus einem früheren Beitrag Obwohl Soltis Walküre wegen Hotters Textunverständlichkeit (Wobble) oft als der Schwachpunkt seines Rings bezeichnet wird, kann ich die Kritik zwar nachvollziehen, gewichte jedoch Hotters Ausdrucksstärke wesentlich höher. Einzelne Szenen mögen bei Böhm oder Leinsdorf geringfügig besser sein, in der Summe und insbesondere durch die Dramatik in der Orchesterleistung steht Soltis Walküre bei mir deutlich an erster Stelle.
Darüber hinaus gefällt mir James King deutlich besser als Jon Vickers. Auch sind Brünnhildes Schwestern bei Solti opulent besetzt.
Grüße Jürgen
Ich finde es schön, wie unterschiedlich man Prioritäten setzen kann. Bei mir ist es Hotter, den ich - bei aller historischer Bedeutung - gesangstechnisch nicht ertrage. Da kommt bei mir wenig Leiden und Leben rüber. Im Grunde berührt er mich überhaupt nicht. James King ist auch nicht meins (nicht nur hier), an Vickers musste ich mich zwar grundsätzlich (also nicht nur in bezug auf diese Aufnahme) gewöhnen, wobei mir im übrigen sein "Peter Grimes" unter Davis ziemlich geholfen hat. Nun ja. Ich weiß auch nicht, am Ende gibt mir - trotz seines quasi-legendären Charakters - der Solti-Ring auch nicht so viel. Allerdings bin ich mittlerweile an dem Punkt angekommen, dass ich denke, ich müsste ihn selbst dirigieren :D, um zufrieden zu sein...
Persönlich höre ich den Haitink-Ring ganz gern und finde, er wird allenthalben unterschätzt (von der Fehlbesetzung des zu diesem Zeitpunkt an die Leistungen seines Zenits schon kaum noch erinnernden Theo Adam als Alberich einmal abgesehen). Haitinks "Tannhäuser" ist ein ähnliches Schicksal widerfahren.
Grüße Agravain
Ich habe mir erlaubt, zwei meiner Beiträge zusammenzufassen und Themenfremde Anteile wegzulassen. Das dient lediglich der Übersichtlichkeit und der Sinn des Meinungsaustausches bleibt erhalten.
Grüße Jürgen
thwinter12 (05.12.2009, 14:15): Original von thwinter12 aus "Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2009 ?" (22.11.2009) Ein "Nachschlag" zum gestrigen Abschluss des Solti-Rings (aus dem Neuzugangsstapel):
Richard Wagner (1813-1883) "Der Ring - An Organ Transcription" Hansjörg Albrecht 2006 Oehms 2006
Für mich als Orgelmusikliebhaber war die Aufnahme natürlich Pflicht...
Grundsätzlich - meine ich - muss man bei Orgeltranskriptionen ja etwas aufpassen, denn da kann einiges „in die Hosen gehen“: Nicht so bei diesem Versuch!
Eine Besonderheit der o.a. Einspielung ist, dass hier getrennt voneinander an zwei Orgeln aufgenommen und diese Mitschnitte dann zusammengeführt wurden. Das hat natürlich auf den Hörer eine ungemein wuchtige und dichte orchestrale Wirkung! Die Orgel ist wohl sowieso das prädestinierteste Instrument um (zu versuchen) einen Orchesterklang "einzufangen", aber wenn nun zwei Orgeln miteinander verschmelzen: Hoiho! Hoiho! :down
Albrecht nimmt sich jedoch bei seinen Transkriptionen nicht nur reinen Orchestervor- oder Zwischenspielen an. Nein - er versucht sich sogar an ganzen Szenen um sie für die Orgel zu "gewinnen". Die Tracks sind folgendermaßen gesetzt:
1. Rheingold – Vorspiel (04:30)
2. Walhallszene (13:48) Transkribiert wurde hier der Schlussteil des „Rheingoldes“: also Gänsehautstellen wie Donner den Nebel vertreibt, der Einzug der Götter in Walhall etc.
3. Walküre – Walkürenritt (06:05) Ein Wahnsinn mit welcher Dynamik das alles an der Orgel rüberkommt!
4. Siegfried – Waldweben (12:32)
5. Götterdämmerung – Trauermarsch (07:10) „Marche funèbre“ und Orgel gehören wohl untrennbar zusammen und das hört man auch!
6. Brünnhildes Abschied (19:48) Für mich das Highlight dieser Einspielung: Der Abschluss der „Tetralogie“ genial für die Orgel eingefangen!
Eine Aufnahme also, die mich als Orgelmusikliebhaber rundherum glücklich gemacht hat und wie ich finde auch eine besondere Bereicherung für die Diskographie von alteingesessenen Wagnerianern sein könnte. Für „Anfänger“, welche das erste Mal in die Klangwelten Wagners schnuppern möchten, sei diese SACD ebenfalls empfohlen.
Meine abschließende Forderung scheint vielleicht etwas kurios: aber ich würde gerne mal eine Orgelfassung des Rings mit Gesang hören… :ignore
Servas, Thomas
P.S.: Das komplette Booklet zur obigen Aufnahme findet sich übrigens hier.
Heike (25.04.2010, 23:52): Die Deutsche Oper Berlin zeigte in diesem Frühjahr zwei Ring- Zyklen mit der Inszenierung aus den 80er Jahren von Götz Friedrich. Den ersten Ring habe ich gesehen, hier einige kurze Eindrücke.
Ich schreibe das hier im Ring-Thread, weil ich die Inszenierung von Götz Friedrich wirklich großartig fand. Da mischte sich etwas Retro-Charme mit intelligenten, zeitlosen Darstellungen des erneuten Untergangs einer morbiden Götterwelt und des wiederholten Einbrechens und Fortbestehens des Bösen bei den Menschen. Das ganze spielt in einem Zeittunnel, mit eher sparsamen aber klug durchdachten Kulissen und großartiger Personenzeichnung. Ich bin begeistert!
Donald Runnicles als Dirigent machte seine Sache fürs erste Mal gut, das Orchester relativ romantisch, manchmal zu bieder, öfter mal zu laut. Was bei den guten, aber nicht herausragenden Sängern natürlich eine gefährliche Sache war, da ging schon einiges unter. Ich will jetzt nicht alle aufzählen, die mitgesungen haben und ich will auch niemanden herausheben - eigentlich gibt es niemanden zum herausheben; es war eine solide Besetzung ohne wirkliche Ärgernisse, aber auch ohne wirkliche Höhepunkte. Am beeindruckendsten und mit großer Bühnenpräsenz vielleicht Evelyn Herlitzius (Brünnhilde in Walküre und Götterdämmerung) - aber wenn die so weitersingt, dann ist sie die nächste Pausenkandidatin, die Stimme klang schon etwas überbeansprucht, wenn auch sehr schön. Ach doch, ein Ärgernis gab es: ein Waldvogel mit ganz miserablem deutsch: Burcu Uyar, soooo viel Text ist das doch wirklich nicht, das muss besser gehen!
Aber wenn irgendwo nochmal diese Inszenierung auf den Spielplan kommt - ansehen - die ist wirklich gut. Heike
Heike (20.06.2010, 11:34): So jetzt bin ich aus Budapest zurück und habe dort folgenden Ring gesehen:
10.-13.6.2010, Müpa: Bartók- Saal Artistic Director and Conductor: Ádám Fischer MR Symphonics
Director, set designer: Hartmut Schörghofer; Dramaturg: Christian Martin Fuchs † Choreographer: Teresa Rotemberg, Gábor Vida; Costumes and puppet designer: Corinna Crome Lighting design: Andreas Grüter; Video: Momme Hinrichs, Torge Moller (fettFilm)
Rheingold: Wotan: Oskar Hillebrandt, Donner: Clemens Unterreiner, Froh: Ladislav Elgr, Loge: Christian Franz, Fricka: Judit Németh, Freia: Ildikó Raimondi, Erda: Annamária Kovács, Alberich: Hartmut Welker, Mime: Michael Roider, Fafner: Walter Fink, Fasolt: Jan-Hendrik Rootering, Woglinde: Eszter Wierdl, Wellgunde: Gabriella Fodor, Flosshilde: Viktória Mester
Siegfried Siegfried: Stephen Gould, Mime: Michael Roider, Wanderer (Wotan): Tomasz Konieczny, Alberich: Hartmut Welker, Fafner: Walter Fink, Erda: Annamária Kovács, Brünnhilde: Catherine Foster, Forest bird: Gabriella Gál
Götterdämmerung Siegfried: Christian Franz, Gunther: Oskar Hillebrandt, Hagen: Kurt Rydl, Alberich: Hartmut Welker, Brünnhilde: Catherine Foster, Gutrune: Vizin Viktória, Waltraute: Cornelia Kallisch, First Norne: Gál Erika, Second Norne: Judit Németh, Third Norne: Tünde Szabóki, Woglinde: Eszter Wierdl, Wellgunde: Gabriella Fodor, Flosshilde: Viktória Mester
(sorry fürs englische, aber ich habs von der müpa-Seite kopiert und nur die Änderungen per Hand geschrieben).
Das war ein absolut gelungener Ring! An 4 Tagen nacheinander gespielt und mit einer rundum gelungenen, halbszenischen Inszenierung (dazu später)
Aber zunächst zum musikalischen: Adam Fischer und das Rundfunkorchester boten eine Glanzleistung, die Akustik im Saal ist fantastisch, der Raumklang beispielhaft. Was die Sänger angeht waren alle Rollen auf sehr hohem Niveau gesungen, soweit ich das beurteilen kann. MIr ist jedenfalls niemand negativ aufgefallen. Besonders gefallen hat mir Christian Franz als Loge, Siegmund und Siegfried (in Götterdämmerung) - mit seinen teilweise direkt lyrischen und sehr ausdrucksstarken Passagen überraschte er mich bei aller Dramatik, die er mühelos draufhatte. Und ebenso klasse war Stephen Gould als Siegfried (in Siegfried) - eine Erscheinung mit großer Bühnenpräsenz und starker Stimme. Catherine Foster, die an 3 Tagen hintereinander die Brünnhilde sang (singen musste, denn für Siegfried war sie eigentlich nicht vorgesehen, sprang aber für eine Erkrankte ein) überzeugte, ich finde es jedoch unglaublich, was die Sänger für einen Marathon leisteten. Hinreißend waren auch die 3 ungarischen Nornen, so wie überhaupt alle Frauengruppen (Rheintöchter, Walküren) so gut waren, wie ich sie live noch nie gehört habe.
Zur Inszenierung: Vor einer ca. 4m hohen Glaswand, die über die Bühne ging und erhöht auch einem (farblich wechselnden) Hügel steht, ist ein Podest für die Sänger. Ich zeige euch später noch ein Foto. Jedenfalls ist das ganz genial umgesetzt, diese Wand dient als Spiegel, für Schattenspiele, Projektionen und Computeranimationen und auch als Tür. Neben den Sängern in Abendkleidung (die ihre Rollen auch schauspielerisch gekonnt umsetzten und auf der gesamten Bühne sowie oben vor der Wand spielten) agierten immer mal wieder 8 BalletttänzerInnen in Kostümen, die das ganze genial minimalistisch illustrieren. Wenige Symbole und Lichteffekte rundeten das Bild ab. Absolut stimmig, klug und spannend!
ein paar Bemerkungen am Rande: Die Tage waren quasi mit Wagner ausgefüllt, bis aufs Rheingold (Start 18 Uhr) wurde um 16 Uhr begonnen und das Ende war gegen 22 Uhr. Diie Texte werden zweisprachig (dt. und ung. nebeneinander) auf Übertitel projeziert, wobei die ungarische Übersetzung sehr frei ist. Die Preise: 2500, 5900, 10900, 14900, 16900 Ft (je Tag) - moderat, also ab knapp 10 Euro bis zu etwas über 60 Euro auf den besten Plätzen. Man kann Einzelkarten kaufen, im Abo für alle 4 Abende gibt es einen Rabatt. Wenn man mag kann man in den einstündigen Pausen für ca 14 Euro ein mehrgängiges Menü essen (süddeutsch anmutendes Büffet an schön eingedeckten Tischen). Wer lieber kleine Snacks mag, findet auch die überall. Das Pausenende wird von einer Blechbläsergruppe mit 3maligen Auftritt an verschiedenen Orten im Foyer/ auf der Empore etc vorangekündigt, wobei die Motive dem bevorstehenden Akt entsprechend nach jeder Pause wechseln.
Also für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Im nächsten Jahr gibt es in Budapest leider keinen Ring, sondern 3 andere Wagneropern. Aber vielleicht wird diese Inszenierung später nochmal gespielt und ist dann für jeden Ring-Fan unbedingt eine Budapest-Reise wert.
Heike
P.s. hier noch en Bild vom letzten Applaus und damit ihr euch die Bühne vorstellen könnt:
klingt nach gelungenen Vorstellungen, die Du da erlebt hast! Man merkt die Nähe von Budapest zu Wien, denn etliche Sänger stehen auch bei uns im Sold! Hillebrandt ist damals für den während der Rheingold-PR erkrankten Juha Uusitalo eingsprungen, Unterreicher, Fink, Raimondi, Roider sind bei uns im Ensemble, Gould hat auch bei uns den Siegfried gesungen und problemlos durchgehalten, was man nicht von vielen Siegfrieds behaupten kann. Oh, und für Tomasz Koniecznys Alberich wäre ich glatt nach Budapest gefahren, hätte ich das gewusst, der hat das bei uns einfach toll gemacht!! Wie waren denn Rydl und vor allem Rootering? Bei denen scheppert es nämlich in letzter Zeit schon arg, aber vielleicht mussten sie in Eurem sicher kleineren Haus nicht so auf die Stimme drücken, wie es speziell Rydl oft tut.
lg Severina :hello
Heike (20.06.2010, 12:57): Hallo Sevi, ja das waren wirklich absolut gelungene Vorstellungen, gut gesungen, tolles Orchester und intelligente Inszenierung!!
Rootering als Fasolt ist mir nicht besonders aufgefallen, denn sein Pendant Walter Fink als Fafner hat mir richtig gut gefallen und sang sich da bei mir sehr in den Vordergrund. Rydl als Hagen wiederum fand ich super, wobei ich nicht so geschult im Hören von stimmlichen Details bin.
Konieczny machte seine Sache als Wanderer! natürlich sehr gut, ich habe ihn auch noch als Kurvenal in Tristan und Isolde einige Tage später gesehen (dazu später mehr). Man kann einfach bei so vielen Sängern gar nicht auf jeden einzeln eingehen, das Gesamtpaket hatte jedenfalls ein sehr hohes Niveau.
So klein ist der Saal übrigens ganz und gar nicht, es gibt 3 Ränge, die weit nach hinten gehen - die Konzerthalle fasst insgesamt 1700 Plätze (wobei die hinter der Bühne diesmal natürlich frei blieben). Hier gibts Fotos von diesem Bartok-Saal, wo der Wagner gespielt wird: http://mupa.hu/en/bartok-bela-nemzeti-hangversenyterem/
Und hier noch ein Bild vom Müpa von außen - am Walküretag mit wechselnden Farben beleuchtet:
1700 Plätze entspricht in etwa der WSO (bei uns kommen dann noch 500 Stehplätze dazu, aber die verteilen sich auf das ganze Haus), also kein Vorteil für schwachbrüstigere Sänger :wink
Dass Kurt Rydl so gut war, freut mich wirklich sehr, denn ich schätze ihn außerordentlich, leider hatte er vor einigen Jahren keine gute Phase, wo er schon verdächtig nach Wobble klang. Aber schon in der "Schweigsamen Frau" im Vorjahr fand ich seine Stimme wieder viel besser fokussiert und ausgeruhter, vielleicht hat ihm die deutliche Reduktion seiner Auftritte wirklich gut getan und erlaubt ihm wieder, auf seinem früheren hohen Niveau zu singen.
lg Sevi :hello
PS: Schön, dass Du wieder da bist, Du bist mir arg abgegangen! :leb
Heike (18.10.2010, 13:54): Das Rheingold - Premiere Staatsoper im Schillertheater 17.10.2010 Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin Inszenierung Guy Cassiers (Es handelt sich bei dieser Ring- Inszenierung um eine Koproduktion der Staatsoper Unter den Linden mit dem Teatro alla Scala di Milano - Rheingold und Walküre werden zuerst in Mailand aufgeführt, Siegfried und Götterdämmerung zuerst in Berlin. )
Wotan Hanno Müller-Brachmann Alberich Johannes Martin Kränzle Donner Jan Buchwald Froh Marco Jentzsch Loge Stephan Rügamer Fricka Ekaterina Gubanova Freia Anna Samuil Erda Anna Larsson Mime Wolfgang Ablinger-Sperrhacke Fasolt Kwangchul Youn Fafner Timo Riihonen Woglinde Aga Mikolaj Wellgunde Maria Gortsevskaya Flosshilde Marina Prudenskaja
zur Inszenierung: Was soll ich sagen, nichts Neues. Ich hatte sogar das Gefühl, ziemlich viel davon schon im Budapester Ring gesehen zu haben: Es gab hier wie da eine große Projektionswand mit Bildern/Videos und mit Schatten (in Berlin zusätzlich noch mit Kameraeinspielungen von der Bühne). Es gab hier wie da zusätzlich Tänzer (wobei die in Budapest kommentierten, in Berlin eher illustrierten und auch inflationärer eingesetzt waren). Es gab in Berlin kein Bühnenbild (in Budapest war es ohnehin halbszenisch angekündigt), in Berlin gab es bis auf den Speer und einen Handschuh (für den Ring) keine Requisiten. Die Requisiten und das Bühnenbild wurden quasi durch die Tänzer gebildet (z.B. bauten sie sich als Tarnhelm um Alberich oder schlungen sich als Fesseln um ihn). Die Sänger waren kostümiert und versuchten auch, ihre Rollen zu spielen - mehr oder weneiger gelungen, eigentlich ist es mir weder positiv noch negativ aufgefallen. Mein besonderes Ärgernis hingegen: Der Bühnenboden war mit Wasser gefüllt, einige cm hoch (ab Bild 2 nur noch Teile der Bühne). Die Tänzer und teilweise die Sänger (nicht nur die Rheinnixen) tapsten darin umher, plantschten lustvoll oder schlitterten teils wohl auch unfreiwillig, Alberich stürzte einmal fast und einmal richtig. Das Wasser sah man immer wieder (es spritzte), aber man hörte es auch: In allen Orchestervorspielen wurde getanzt (was mich sowieso stört), aber wenn es dann noch gluckert und plätschert und schluft, umso schlimmer. Ich möchte doch bitte im Vorspiel und in den Szenenübergängen erstmal die Musik ohne Nebengeräusche hören. Alles in allem viel altbekanntes und ohne wirkliches Konzept. Dafür gab es auch ein Gemisch aus Buh und Bravo vom Publikum.
zur Musik Vom Dirigat her hat es mir eigentlich gut gefallen, kein dicker Wagner-Sound, sondern klares, frisches Musizieren ohne zuviel Dramatik. Die Staatskapelle allerdings wohl noch halb im Sommerurlaub, ich weiß nicht, ob die da mit Aushilfen spielten, jedenfalls waren die Bläser nicht in Bestform. Zur Sängerriege: Die hatten es nach der grandiosen Met-Vorstellung letzte Woche natürlich schwer. Müller-Brachmann als Wotan ist ntürlich bei weitem kein Terfel, aber er hat es solide gesungen, wenn auch ohne jeden aufregenden Wotan-Zauber und mit Mühe hier und da. Aber er hat es gut gespielt und damit einiges wett gemacht. Am besten gefallen haben mir Alberich (Kränzle) und Fricka (Gubanova), die stimmlich überzeugten und so ganz typisch das Wagnerisch- dramatische rüberbringen konnten. Das gelang Loge (Rügamer) leider nicht so gut, da fehlte der Biss und die Power in der Stimme, das diabolische kam auch zu kurz. Grandios und mit dem meisten Applaus bedacht: Kwangchul Youn als Fasolt.
Alles in allem nicht so schlecht, aber mir hat die Budapester Aufführung deutlich besser gefallen. Heike
Heike (09.01.2011, 00:00): "Die verschiedensten Gerüchte kursierten schon länger, und die Zeit drängte. Jetzt ist bei den Bayreuther Festspielen für den „Ring“ im Wagner-Jubiläumsjahr 2013 offenbar eine Lösung gefunden worden: Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, soll der Filmregisseur und Mythenerzähler Wim Wenders.... die Tetralogie inszenieren. Zusammen mit dem jungen russischen Dirigenten Kirill Petrenko (der schon seit zwei Jahren feststeht) und einzelnen ebenfalls bereits fixierten Sängerbesetzungen ist das neue „Ring“-Team damit nahezu perfekt."
Quelle und ganzer Artikel http://www.tagesspiegel.de/kultur/der-himmel-ueber-bayreuth-wim-wenders-soll-2013-den-ring-inszenieren/3689234.html
Heike (06.04.2011, 18:12): Wim Wenders wird nun doch nicht den Bayreuther Jubiläums-"Ring" inszenieren. Zu groß waren die Meinungsverschiedenheiten mit der Festspielleitung: http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-04/wim-wenders-bayreuth-absage
"Der Filmregisseur Wim Wenders (Der Himmel über Berlin) wird nun doch nicht den Jubiläums-Ring bei den Bayreuther Festspielen 2013 inszenieren. Die Festivalleiterinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner, Wim Wenders und der Bühnenbildner Peter Pabst geben "mit Bedauern" bekannt, dass sich die geplante Zusammenarbeit nicht verwirklichen lasse."
Heike (25.04.2011, 23:13): 25.4.2011 Die Walküre Berlin, Staatsoper im Schillertheater
Wotan René Pape Hunding Mikhail Petrenko Siegmund Simon O'Neill Fricka Ekaterina Gubanova Brünnhilde Iréne Theorin Sieglinde Anja Kampe
Staatskapelle Berlin Musikalische Leitung Daniel Barenboim Inszenierung Guy Cassiers
So, nachdem ich schon vor einigen Monaten über die Rheingold- Inszenierung hier in Berlin geschimpft habe, setzte sich dieses Cassiers-Drama heute fort.
Zunächst zum musikalischen: Nachdem Barenboim rasant und äußerst beeindruckend mit dem ersten Vorspiel begann, ließ er im Laufe des Abends stark nach. Das schleppte sich manchmal direkt dahin, es fehlte der Glanz und der Schwung. Mich hat das nicht mitgerissen, da habe ich Barenboim und Wagner schon viel besser gehört. Irgendwie war er mit dem Fuß auf der Bremse, komische Sache.
Zum Glück gab es einige wirklich gute Sänger: Allen voran das Paar Sieglinde und Siegmund, Kampe und O'Neill. Frische, junge Stimmen, mit viel Power, das hat Spaß gemacht. Von Rene Pape als Wotan hatte ich mehr erwartet, natürlich war er alles in allem gut, aber begeistert hat er mich nicht. Manchmal kam er etwas unkonzentriert rüber, in Melodieführung und auch Text. Andrerseits gab es sehr schöne lyrische Passagen. Fast hat ihm aber Fricka die Show gestohlen, denn die Gubanova überzeugte vollauf mit ihrem prägnanten Mezzo und großer Präsenz, so wie auch schon im Rheingold. Theorin als Brünnhilde sang zwar schön, aber leider mit starkem Akzent und auch unsauber artikuliert. Mich stört das. Eher schwach auch die anderen Walküren.
Die Inszenierung: Also das war einfach nur furchtbar langweilig. Grauslige Personenregie, die stehen minutenweise dumm herum oder bewegen sich einfältig. Dazu ein einfallsloses, meist eher stilisiertes Bühnenbild, wobei Videoprojektionen die wesentlichen Effekte darstellten: das habe ich alles schon mal viel besser gesehen (nämlich in Budapest, wo auch Projektionen eingesetzt waren). Die Kostüme waren zwar schön anzusehen, fließende, lange, dunkle Stoffe; aber im Detail sah es unoriginell aus. Brünnhilde zum Beispiel hätte man für Hella von Sinnen halten können; (natürlich) blond, mit einer unselig pomadig zurückgekämmten Frisur und einer unschön am Rücken hochgeschnürten Schleppe, die erst in der Schlussszene aufgemacht wurde. Wotan hätte gut und gern auch Hundings Kostüm anziehen sein können und umgekehrt.
Immer wenn einer stirbt, gibt es einen beleuchteten vertikalen roten Faden auf der Bühne; also zuerst bei Siegmund, dann bei Hunding; dann ganz viele in der Walkürenszene für die toten Krieger - und mir unverständlich bleiben die alle bis zur Schlusszene stehen - wo dann sie dann vom Feuerzauber abgelöst werden: ca. 20 rote, tropfende Spotlights, die von oben runtergelassen werden (völlig unpassend langsam und unbeweglich zur eigentlich lodernden Musik, wobei das bei Barenboim heut auch nicht richtig loderte).
Also, es war nicht mal ärgerlich, es war einfach nur ermüdend einfallslos und fast würde ich sagen lieblos inszeniert. Die Videos haben mich am meisten gelangweilt, nee, das war nix. Alles in allem die langweiligste Walküre, die ich live gesehen habe. Heike
Heike (01.06.2011, 21:52): Ein Artikel in der ZEIT: Nichts ist so schwer zu besetzen wie Brünnhilde im "Ring des Nibelungen
"Nur wenige Sopranistinnen weltweit beherrschen die Partie auf hohem Niveau. Sie hetzen von Premiere zu Premiere – und machen sich kaputt. Ein Krankenbericht"
Heike (26.07.2011, 07:54): Die ZEIT berichtet: "Bayreuther Festspiele 2013 Frank Castorf soll den Jubiläums-"Ring" inszenieren
Wim Wenders hat abgesagt, nun verhandelt die Festspielleitung mit dem Intendanten der Berliner Volksbühne. In zwei Jahren wird Richard Wagners 200. Geburtstag gefeiert."
Seit kurzem wird diese EMI-Box mit Furtwängler angeboten, Ring- und Furtwängler-Freunde lässt sie vielleicht kalt, da kalter Kaffee, man hat sie bereits in anderem Kleid:
Stutzig macht mich die Angabe "live Milano 1953", ich kenne nur seit Jahren die aus Rom von 1953. Ein Blick auf die EMI-Webseite bringt keine Erhellung, die neue Produktion ist da noch nicht einmal erwähnt, Rationalisierung?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass nach den Rom-Konzerten ein paar Tage später die gesamte Sängerschar mit WF nach Mailand gezogen ist, und dort nochmals die einzelnen Ring-Akte aufführten. WF ist m.W. mit dem Mailänder RAI-Orchester nicht aufgetreten, nur Rom und Turin! Allein die Vorbereitung des ihm unbekannten Orchesters hätte jedesmal Tage gedauert!
So ist anzunehmen, dass bei der Neuveröffentlichung schlampig gearbeitet wurde, aus Rom wurde einfach Mailand, da gastierte Furtwängler auch, jedoch an der Skala. Rationalisierung im Hause EMI?
Gruß Amadé
Heike (19.04.2012, 20:17): Neues aus Bayreuth berichtet der Tagesspiegel heute: "Seit Monaten reißen die Hiobsbotschaften aus Bayreuth nicht ab. Jetzt aber geht es den Festspielen ernsthaft an den Kragen. Wie der Tagesspiegel aus verlässlicher Quelle erfuhr, hat die Sopranistin Angela Denoke am gestrigen Mittwoch ihren Vertrag als Brünnhilde im Jubiläums- „Ring“ 2013 gelöst. Die Besetzung war von Anfang an heftig kritisiert worden, Denoke verfüge weder über die stimmlichen Mittel noch über genügend Erfahrung im Wagner-Fach, um der Partie gerecht zu werden. Dass die 51-Jährige (die gerade in Wien als Kundry in Wagners „Parsifal“ auf der Bühne steht) nun selbst die Notbremse zieht, ehrt sie. Die Festspiele aber stellt es vor bedrohliche, ja möglicherweise existenzielle Probleme. ..."
Quelle und ganzer Artikel hier: http://www.tagesspiegel.de/kultur/oper-bayreuth-pleiten-pech-und-pannen/6526308.html
Billy Budd (19.04.2012, 21:42): Diese Nachricht freut mich wirklich. Für Denoke ist die Brünnhilde um drei Nummern zu groß und sie hätte sich nur damit geschadet. Jedenfalls ziehe ich vor dieser Künstlerin meinen Hut, die ihre Fähigkeiten richtig einzuschätzen weiß. Jetzt wird es spannend, wer der Ersatz wird. Die einzig mir bekannte gute Brünnhilde ist Linda Watson. Billy :hello
Billy Budd (27.04.2012, 16:00): Wie ich schon angekündigt habe, werden in Kürze die im November 2011 in der Wiener Staatsoper aufgezeichneten Ring-Übertragungen in Ö1 ausgestrahlt. Wie meinem Kurzbericht zu entnehmen ist, fand ich den Hype maßlos übertrieben. Das waren passable Repertoirevorstellungen - mehr nicht, trotz zwei (meiner Meinung nach) sehr guter Brünnhilden. Dennoch werde ich mir die Übertragungen aufzeichnen. Falls jemand anders mithört und seine Eindrücke niederschreiben möchte, wäre dieser Thread am geeignetesten. Ein Meinungsaustausch würde mich jedenfalls sehr freuen. :)
Hier die Besetzung und die Sendetermine:
DAS RHEINGOLD ... Fr., 27. April 2012 ab 19:30 Aufgenommen am Di., 1. November 2011
Dirigent: Christian Thielemann
Orchester und Bühnenorchester der Wiener Staatsoper
Wotan - Albert Dohmen Donner - Markus Eiche Froh - Herbert Lippert (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Loge - Adrian Eröd Fricka - Janina Baechle Freia - Alexandra Reinprecht Erda - Anna Larsson Alberich - Tomasz Konieczny Mime - Wolfgang Schmidt Fasolt - Lars Woldt (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Fafner - Ain Anger Woglinde - Ileana Tonca Wellgunde - Ulrike Helzel (Hausdebüt an der Wiener Staatsoper) Flosshilde - Zoryana Kushpler
DIE WALKÜRE... Sa., 28. April 2012 ab 19:30 Aufgenommen am So., 6. November 2011
Dirigent: Christian Thielemann
Orchester und Bühnenorchester der Wiener Staatsoper
Siegmund - Christopher Ventris Hunding - Eric Halfvarson (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Wotan - Albert Dohmen Sieglinde - Waltraud Meier Brünnhilde - Katerina Dalayman (Hausdebüt an der Wiener Staatsoper) Fricka - Janina Baechle Helmwige - Donna Ellen Gerhilde - Ildikó Raimondi Ortlinde - Alexandra Reinprecht Waltraute - Aura Twarowska Siegrune - Ulrike Helzel (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Grimgerde - Monika Bohinec (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Schwertleite - Zoryana Kushpler Roßweiße - Juliette Mars
SIEGFRIED ... Di., 1. Mai 2012 ab 19:30 Aufgenommen am Mi., 9. November 2011
Dirigent: Christian Thielemann
Orchester und Bühnenorchester der Wiener Staatsoper
Siegfried - Stephen Gould Brünnhilde - Linda Watson Der Wanderer - Albert Dohmen Alberich - Tomasz Konieczny Erda - Anna Larsson Mime - Wolfgang Schmidt Fafner - Ain Anger Stimme des Waldvogels - Chen Reiss (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper)
Siegfrieds Hornruf - Lars Michael Stransky
GÖTTERDÄMMERUNG ... Sa., 5. Mai 2012 ab 19:30 Aufgenommen am So., 13. November 2011
Dirigent: Christian Thielemann
Orchester, Bühnenorchester, Chor und Zusatzchor der Wiener Staatsoper
Siegfried - Stephen Gould Gunther - Markus Eiche Hagen, 1. und 2. Akt - Eric Halvarson Hagen, 3. Akt - Attila Jun (Hausdebüt an der Wiener Staatsoper; sang vom Bühnenrand aus) Alberich - Tomasz Konieczny Brünnhilde - Linda Watson Gutrune - Caroline Wenborne Waltraute - Janina Baechle Erste Norn - Zoryana Kushpler Zweite Norn - Ulrike Helzel (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Dritte Norn - Ildikó Raimondi Woglinde - Ileana Tonca Wellgunde - Ulrike Helzel (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Flosshilde - Zoryana Kushpler.
Billy :hello
Billy Budd (28.04.2012, 16:47): Ich habe das „Rheingold“ aufgenommen und es heute auszugsweise angehört. Vermutlich werde ich erst im Sommer die ganze Aufnahme konzentriert hören und auch im Klavierauszug mitlesen.
Meine Kurzeindrücke: Dohmen: Der schwächste Punkt der Aufführung. Höhen sind nicht vorhanden, das Timbre ist gequetscht und fahl, die Textverständlichkeit liegt bei null, von Gestaltung ist keine Rede – dieser Wotan ist der Wiener Staatsoper unwürdig Eiche: gefällt mir sehr gut, allerdings habe ich den Donner von ihm schon besser gehört Lippert: besser, als erwartet Eröd: der Bariton ruiniert sich mit dem Loge immer stärker, schade Konieczny: solide, für den Alberich passt sein gequetschtes Timbre perfekt, sein extrem starker Akzent nervt aber Schmidt: gut, leichter Wobble Woldt, Anger, Reinprecht, Larsson: ihre Stellen habe ich nicht gehört Baechle: tolle Leistung Tonca, Helzel: solide Kushpler: reif zum Ausbuhen: einige Töne sind falsch, die Diktion ist abenteuerlich, das Timbre gefällt mir nicht Thielemann: hat zumindest nichts ruiniert.
Billy :hello
Billy Budd (28.04.2012, 20:54): Eben ist der erste Akt in Ö1 verklungen. Ich habe erst kurz vor dem Finale eingeschaltet - hier meine Eindrücke:
Chistopher Ventris gefällt mir besser, als damals live. Etwas störend ist die manchmal gewöhnungsbedürftige Aussprache ("Swester" u.a.), aber darüber kann man hinwegsehen. Das "Wälsungenblut" hielt er so lange, wie vorgeschrieben - nicht länger. Waltraud Meier gehört ja zu meinen Lieblingssängern, aber in diesem Eindruck sehe ich mich da nicht bestätigt. Ihre Stimme flackert dermaßen und ich hatte den Eindruck von ungenauen Höhen. Die "Winterstürme" und das, was folgt, ist wunderbare Musik und da sollte man glauben, dass kein Dirigent in der Lage ist, diese umzubringen. Doch nicht so Thielemann: In der ersten Hälfte des Finales tat er gar nichts, aber interessanterweise versuchte er, ab "Siegmund heiß ich" den Zeitverlust durch die langsamen Tempi wieder einzubringen und in den letzten Takten haute er nur so drauf. Es war exakt so, wie ein Freund nach der Aufführung geschrieben hat: "Am skurrilsten war eindeutig das doppelte Tempo des Finales - war gut gemeint, damit der Ventris nicht zu sehr eingeht, hat aber letztlich zu einem hektischen Dahingestolpere aller Beteiligten geführt, über das in der Pause von den meisten Stehplatzbesucher noch herzlich gelacht wurde - sehr zum Ärgernis der paar Thielemann-Fans." Fazit: Es gibt so viele gute "Ring"-Aufnahmen - weshalb sollte man dann so mittelmäßige aus der Staatsoper anhören bzw. diese archivieren?
Billy :hello
Billy Budd (29.04.2012, 13:32): Original von Billy Budd GÖTTERDÄMMERUNG ... Sa., 5. Mai 2012 ab 19:30 Aufgenommen am So., 13. November 2011
Dirigent: Christian Thielemann
Orchester, Bühnenorchester, Chor und Zusatzchor der Wiener Staatsoper
Siegfried - Stephen Gould Gunther - Markus Eiche Hagen, 1. und 2. Akt - Eric Halvarson Hagen, 3. Akt - Attila Jun (Hausdebüt an der Wiener Staatsoper; sang vom Bühnenrand aus) Alberich - Tomasz Konieczny Brünnhilde - Linda Watson Gutrune - Caroline Wenborne Waltraute - Janina Baechle Erste Norn - Zoryana Kushpler Zweite Norn - Ulrike Helzel (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Dritte Norn - Ildikó Raimondi Woglinde - Ileana Tonca Wellgunde - Ulrike Helzel (Rollendebüt an der Wiener Staatsoper) Flosshilde - Zoryana Kushpler.
KORREKTUR: Die "Götterdämmerung" beginnt schon um 19:05.
Billy :hello
ar (02.05.2012, 17:10): Auch ich habe mich nun durch die bisher vorhandenen Übertragungen gehört (da ich mit Bronchitis zuhause rumliege):
Ich finde Dohmen eigentlich ziemlich gut, mich nerven zwar die Verfärbungen, aber er hat alle (!) Töne und im Rheingold find ich das auch ziemlich gut interpretiert, auch das Ende der Walküre hat mir gefallen. Die Riesen find ich ok, Woldt gefällt mir ein bisschen besser. Auch Baechle als Fricka gefällt mir und Lippert sowie Eiche sind Luxusbesetzungen. Schmidt finde ich persönlich unerträglich, aber das liegt daran, dass ich einen gesungenen Mime hören möchte (aber ihm gelingen einige geniale (!) leise Töne, die ich noch nie bei einem Mime gehört habe). Eröd finde ich eigentlich besser, als erwartet. Auch ich war immer skeptisch zu seinem Loge-Experiment eingestellt und ich bin es immer noch. Eröd verfügt über eine starke Technik und eine geniale Interpretationsgabe, aber einige Passagen Loges sitzen dann doch zu stark im Bariton-Passaggio und das gelingt Erdöd leider nicht ohne Unfälle (kein Bariton könnte das aber besser). Ich bin wirklich froh, dass er den Loge in Wien abgegeben hat (oder abgegeben wurde). Trotzdem gefällt mir Eröds Loge mehr, als Margitas Loge in München. Dalayman muss wirklich einen schlechten Abend erwischt haben: jeder hohe Ton ist gequetscht, beim Hojotoho brechen die beiden langen h'' ab, die c''' kommen meistens gar nicht wirklich. Aber ihre Mittellage ist toll! (Ich habe auch die Übertragung aus München gehört und dort waren die Hojotohos wirklich nur "ein irgendwie geschafft").
Gould ist wahrscheinlich im Moment der beste Siegfried und auch Watson gefällt mir sehr (ich drücke bei den Höhen einfach ein paar Ohren und Augen zu). Ich denke aber, dass Watson, Dohmen und Gould den Bonus haben, diese Partien unter Thielemann in Bayreuth gemacht zu haben. Mit Thielemanns Dirigat kann ich übrigens nicht so viel anfangen, ich bevorzuge hier mehr die analytischen Dirigate.
Meier ist auch nicht mehr die Jüngste, trotzdem aber toll (obwohl ihr die Höhen in "Der Männersippe" beinahe wegbrechen oder ziemlich wackeln) und Ventris ist ein ziemlich starker Siegmund.
Fazit: Eigentlich findet man meistens keine besseren Sänger für diese Partien. ALles in allem also eine tolle Leistung.
Billy Budd (02.05.2012, 21:03): Lieber ar, vielen Dank für Deine interessante Rückmeldung (und auch gute Besserung)! Billy :hello
ar (12.05.2012, 16:38): Habe heute noch die Götterdämmerung nachgehört.
Thielemann überzeugt mich hier wirklich ganz und gar! Gould weicht bei den hohen Tönen Ende des zweiten Aktes in die Kopfstimme aus, naja. Sonst fällt mir aber kein besserer Siegfried ein. Bei Watson muss man wirklich bei den meisten Höhen ein Auge zudrücken, aber sie kommt ziemlich emotional herüber (durchs Radio) und Tiefe bis hohe Mittellage gefallen mir. Beide Hagens gefallen mir nicht so, Eiche aber sehr. Die Nornen fand ich in der Übertragung aus der MET besser, das gleiche zählt auch für die Rheintöchter. Baechle finde ich auch gut (es gibt/gab nun mal nur eine Ludwig).
Ich glaube langsam, dass die Wiener Medien da etwas zu einem Highlight machten, was keines war (aber alles in allem eine sehr gute Wiedergabe des Ringes).
Billy Budd (12.05.2012, 17:12): Original von ar Ich glaube langsam, dass die Wiener Medien da etwas zu einem Highlight machten, was keines war (aber alles in allem eine sehr gute Wiedergabe des Ringes). Ich hab die "Götterdämmerung" noch nicht gehört, aber bei dem obrigen Satz stimme ich Dir vollkommen zu!! Billy :hello
Solitaire (30.07.2012, 09:21): Ich schleiche mich jetzt mal in diesen Thread von dem ich eigentlich überhaupt keine Ahnung habe und zu dem ich auch nichts sinnvolles beisteuern kann. Ich möchte nur mal eben meine Begeisterung loswerden: ich habe am vergangenen Wochenende im Opernkino mit meinem ersten „Ring“ angefangen. Diverse Kinos zeigten und zeigen am letzten und am kommenden Wochenende den kompletten Zyklus als Aufzeichnung aus New York. Da ich die Live-Übertragungen 2011 verpasst habe, habe ich nun die Gelegenheit genutzt, die Aufzeichnungen zu sehen, auch wenn die Anfangszeit (11.30h) m.E. mehr als unpassend ist. Was soll ich sagen: ich bin absolut begeistert und hingerissen, was ich nie gedacht hätte, und kann es bis zum kommenden Wochenende, wo es mit Siegfried und Götterdämmerung weitergeht kaum erwarten. Ich werde vermutlich nie zu denen gehören, die sich vier Stunden Walküre daheim im Wohnzimmer geben können, aber in Theateratmospähre und ohne die Chance fliehen zu können ( :wink ) ist das schon was anderes und die Frage welches Zeug man geraucht haben muß um sich Texte wie „Wagala weia! Wallala, weiala weia!“ oder „Hojotoho! Hojotoho! Heiaha!“ auszudenken stellt sich mir plötzlich nicht mehr. Es hat mich fast ein bisschen erschreckt, wie sehr mich diese Musik und diese Geschichte in ihren Bann gezogen haben, und ich bin geneigt denen zuzustimmen die der Ansicht sind., das Wagners Musik unters Betäubungsmittelgesetz gehört... :engel Aber schön war’s doch. Aber da gibt es diese Frage, die mir schon das ganze Wochenende durch den Kopf geht, und die ich hier ebenfalls gerne loswerden würde: wenn ich die beiden ersten Opern nicht komplett falsch verstanden habe, dann geht es hier wohl auch (oder vor allem?) um Hybris, um Gier, um Machtgeilheit, um unheilige Allianzen, um die Unfreiheit der Mächtigen, und um die Gefahr die von all dem ausgeht ausgeht. So wie ich das Stück verstanden habe (und vielleicht habe ich es ja von der ersten Sekunde an missverstanden...) ist das Werk eine einzige Warnung an die, die sich an die Macht klammern und die bereit sind, für Macht alles andere zu opfern. Wäre ich ein junger, aufstrebender Diktator mit der Absicht die Weltherrschaft an mich zu reißen, hätte ich die Opern verbieten lassen, mir wäre es zu gefährlich gewesen, so was auf den Bühnen zuzulassen. Mich beschäftigt das gerade wirklich sehr: wer hat da was mißvertstanden? Ich? Oder hat sich der Kunstmaler aus Österreich einfach nur von dem Heldengefasel und dem Walhalla-Gedöns einlullen lassen ohne zu merken, worum es eigentlich wirklich geht? Wäre schön, wenn mir jemand der sich mit Wagner und dem Ring besser auskennt als ich mir da mal auf die Sprünge helfen könnte. ?( Wotan wurde damals übrigens von Bryn Terfel gesungen, und nur für den Fall dass ich es noch nicht erwähnt habe: der Mann ist ein Operngott. :D
Billy Budd (30.07.2012, 12:50): Liebe Solitaire, das freut mich aber, dass Du Dir auch den Ring anhörst und er Dir so gut gefällt!! Original von Solitaire wenn ich die beiden ersten Opern nicht komplett falsch verstanden habe, dann geht es hier wohl auch (oder vor allem?) um Hybris, um Gier, um Machtgeilheit, um unheilige Allianzen, um die Unfreiheit der Mächtigen, und um die Gefahr die von all dem ausgeht ausgeht. Ich würde sagen, das hast Du ganz richtig verstanden - so sehe ich es nämlich auch.
Billy :hello
ar (30.07.2012, 13:28): Liebe Solitaire
Ich sehe es wie du und Billy genau so! Dazu kommt noch, dass die Mächtigen nicht nur unfrei, sondern Götter auch nur Menschen sind! Du kannst sonst auch im festspiele.de-Forum dich ein bisschen reinlesen, da stehen zum Teil sehr spannende Sachen drin. zbsp: Die Götter sind eigentlich gar nicht so unsterblich wie wir unsere Götter sehen!
Heike (30.07.2012, 16:50): Klar, es geht um das ewige, zyklische Wechselspiel zwischen Liebe und Reichtum/Macht, aber auch darum, dass man sich zunehmend durch Egoismus, Aufträge und Verträge von der Moral entfernt. Die Menschheit verkommt und die Götter können das nicht aufhalten. Ein endlos modernes Thema um Machtgeilheit, Konkurrenz und Niedergang der Werte. Heike
Severina (31.07.2012, 00:25): Mir hat beim Herantasten an den Ring folgendes Buch sehr geholfen:
Peter Wapnewski, Der Ring des Nibelungen (TB Piper-Verlag) - sehr eng am Libretto, die Leitmotive werden schön herausgedröselt. Wapnewski hat den Wagner'schen Kosmos wirklich verinnerlicht, er schreibt spannend und mit einer gewissen ironischen Distanz dort, wo sie angebracht erscheint.
Vom gleichen Autor und ebenfalls sehr lesenswert finde ich "Der traurige Gott", aber darin geht es auch um andere Opern von Richard Wagner.
lg Severina
Heike (31.07.2012, 07:47): Das Buch von Wapnewski kann ich genau wie Sevi sehr empfehlen, oder für die musikalische Seite (Analyse der Leitmotive im Zusammenhang zum Inhalt) diese Cds
Wenn man die gehört hat, ist man endgültig infiziert. Heike
Solitaire (31.07.2012, 08:08): Guten Morgen! Ganz herzlichen Dank für eure Antworten und die Buch- und CD-Tips. Da ich ja in einer Musikbibliothek arbeite, werde ich wohl ohne größere Probleme an die Bücher rainkommen. "Der traurige Gott" hatten wir sogar mal im Bestand, es mußte dann aber wegen Wasserschaden aussortiert werden. Da waren aber nicht die Rheintöchter schuld dran :cool Ich fürchte, ich bin wirklich ein bißchen infiziert...es ist schon tolle Musik. Gestern habe ich mir auf Youtube nochmal Stephen Frys "Wagner and me" angesehen, Fry gehört ja zu den ganz schwer Erkrankten :wink Wie gesagt, ich war am Wochenende schwer begeistert, auch wenn ich zur Zeit einen guten Wagnersänger nicht wirklich von einem schlechten unterscheiden kann, eine gute Inszenierung nicht von einer bescheuerten. Es hat mich nichtmal gestört, daß so manches Klischee der dicken Opernsängerin mit der mächtigen Stimme bedient wurde... Ich saß da mit offenem Mund und fand alles toll :D
Heike (31.07.2012, 08:14): Ich finde übrigens genau wie du, dass Wagner v.a. mit Bild Spaß macht. Ich würde mir auch keinen Ring auf der CD anhören, kann aber fasziniert stundenlang vor einer DVD sitzen. Noch schöner ist es natürlich live. Viel Spaß weiterhin im Kino! Arbeit in einer Musikbibliothek - was für ein Traumjob :engel :engel :engel :engel :engel Heike
uhlmann (31.07.2012, 08:38): eine "in-depth analysis" von wagners ring gibts übrigens hier: http://www.wagnerheim.com recht praktisch sind die soundschnipsel zu den motiven. allerdings ist der text seeehhhr unfangreich.
Solitaire (01.08.2012, 10:26): So, ich habe gestern mal die Bestände der Bibliothek durchsucht und bin bei einem Buch hängen geblieben, das zwar schon älter, für den Anfang aber wohl recht gut geeignet ist: "Ring-Aspekte: Wagners Tetralogie hundert Jahre nach ihrer Bayreuther Uraufführung. Jahrbuch der Zeitschrift Opernwelt"von, klar, 1976. Da fehlen natürlich fast 40 Jahre Aufführungsgeschichte, dennoch scheint es mir ganz interessant zu sein.
Im Übrigen muß ich mich wohl so nach und nach von dem einen oder anderen liebgewordenen Wagner-Vorurteil verabschieden: den deutschtümelnden Nationalisten habe ich bisher im Ring nicht gefunden. Erschreckt hat mich allerdings, wie sehr mich die Walküren-Erscheinung fasziniert hat, mir ist jedes kriegerische Heldentum suspekt, und ich bin lieber ein lebender Feigling als ein toter Held, aber ich denke schon, daß schwärmerische, empfängliche Gemüter davon auf einen gefährlichen Weg geführt werden können. Ich stelle für mich fest: es ist völlig in Ordnung, sich von Wagner berauschen zu lassen, aber nach der Oper das Hirn wieder einschalten ist auch kein Fehler :cool Aber ich freue mich wie doof auf's Wochenende wenn's weitergeht :D
Jürgen (01.08.2012, 16:08): Liebe Solitaire,
herzlich willkommen an Bord.
Grüße Jürgen
Solitaire (02.08.2012, 17:36): Danke :) Übrigens bin ich fast vom Kinosessel gefallen, als Helmwige "Ruhig, Brauner!" gesungen hat. Ich wußte nicht, das dieser immer wieder gern zitierte Satz von Wagner stammt :rofl
Jürgen (03.08.2012, 10:10): Du siehst, alles nur geklaut.
OT: Du zählst also auch zu dieser Generation, deren Assoziationen beim Hören bestimmter Satzfetzen versaut wurden von Bülow, Waalkes usw ? Bei mir zumindest geht immer ein Zucken durch den Körper, wenn jemand "Da hat man was fürs Leben", "Palim, palim", "Fpenfer Trafy" oder "Einigen wir uns auf unentschieden" sagt.
Grüße Jürgen
Heike (04.10.2012, 16:21): Ich habe es noch nicht gesehen, aber der Ring am Schillertheater geht mit Siegfried wohl so miserabel weiter wie erwartet (ich habe 2010/11 Rheingold und besonders die Walküre ziemlich verrissen).
Hier eine Kritik zum Siegfried: http://www.kulturradio.de/rezensionen/buehne/2012/staatsoper_siegfried.html Wenn ich so die sängerischen Leistungen lese, dann gruselt es mich ja schon vor Sonnabend, wo ich eine Karte habe. Heike
Heike (07.10.2012, 01:25): Heute habe ich diesen Siegfried im Schillertheater gesehen und es war noch schlimmer als befürchtet. Grauslig. einfach grauslig. Der oben verlinkten Kritik ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Lance Ryan war der unerträglichste Siegfried meiner gesamten Ringerfahrungen, die meisten anderen Sänger/innen waren fast ebenso schlecht und die Inszenierung ist so sterbenslangweilig, dass ich nahe am Einschlafen war. Rampensingen gekoppelt mit Null- Aussage. Einzig das Orchester sorgte dafür, dass ich überhaupt dortgeblieben bin. Heike
P.s. aber der Brüller war, dass am Ende doch tatsächlich lautstark applaudiert wurde, sogar einige Leute aufgestanden sind und bravo riefen. Unglaublich.
Billy Budd (07.10.2012, 15:04): Lance Ryan habe ich auch vor ein paar Tagen als Florestan gehört und es war eine der schlimmsten Leistungen, an die ich mich erinnere. Billy :hello
Severina (07.10.2012, 19:07): Original von Heike Heute habe ich diesen Siegfried im Schillertheater gesehen und es war noch schlimmer als befürchtet. Grauslig. einfach grauslig. Der oben verlinkten Kritik ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Lance Ryan war der unerträglichste Siegfried meiner gesamten Ringerfahrungen, die meisten anderen Sänger/innen waren fast ebenso schlecht und die Inszenierung ist so sterbenslangweilig, dass ich nahe am Einschlafen war. Rampensingen gekoppelt mit Null- Aussage. Einzig das Orchester sorgte dafür, dass ich überhaupt dortgeblieben bin. Heike
P.s. aber der Brüller war, dass am Ende doch tatsächlich lautstark applaudiert wurde, sogar einige Leute aufgestanden sind und bravo riefen. Unglaublich.
Das beruhigt mich ja enorm, dass es nicht nur an der WSO Leute mit massiven Hörproblemen gibt. Ich fürchtete nämlich schon, das sei ein spezifisch wienerisches Problem :wink!
lg Sevi :hello
palestrina (08.10.2012, 12:31): Hallo severina!
Ich wohne in der Nähe von Frankfurt dort gab es gibt dieses Jahr den kompletten Ring Zu sehen. Mit zum größten Teil exzellenten Sängern. Allerdings kann ich nur zum Teilzustimmen über deine aussage zu Lance Ryan zustimmen,er wahr hier im Siegfried und in der Götterd. hervorragend . Die gesamte Produktion war einfach schlüssig in der Regie von Vera Nemirova. Also auf nach Frankfurt 2013. Und noch ein Tipp ... die neuen Dvd 's vom Ring aus der Met . Mit einem sensationellen J.Kaufmann .
Bis bald Palestrina.
Über
palestrina (08.10.2012, 19:37): Original von Severina Original von Heike Heute habe ich diesen Siegfried im Schillertheater gesehen und es war noch schlimmer als befürchtet. Grauslig. einfach grauslig. Der oben verlinkten Kritik ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Lance Ryan war der unerträglichste Siegfried meiner gesamten Ringerfahrungen, die meisten anderen Sänger/innen waren fast ebenso schlecht und die Inszenierung ist so sterbenslangweilig, dass ich nahe am Einschlafen war. Rampensingen gekoppelt mit Null- Aussage. Einzig das Orchester sorgte dafür, dass ich überhaupt dortgeblieben bin. Heike
P.s. aber der Brüller war, dass am Ende doch tatsächlich lautstark applaudiert wurde, sogar einige Leute aufgestanden sind und bravo riefen. Unglaublich.
Das beruhigt mich ja enorm, dass es nicht nur an der WSO Leute mit massiven Hörproblemen gibt. Ich fürchtete nämlich schon, das sei ein spezifisch wienerisches Problem :wink!
lg Sevi :hello
palestrina (21.03.2013, 21:31): Den Frankfurter Ring gibt es ab Mitte April im Handel, in der Oper schon jetzt!
erst einmal möchte ich sagen, dass ich es schön finde, dass es diesen interessanten Thread gibt. Ich selbst besitze bislang nur die Solti-Aufnahme mit der ich sehr zufrieden bin. Ich glaube auch das Libretto schon gut verstanden zu haben. Eine Frage, die mich nun schon länger beschäftigt, blieb jedoch offen und auch im Internet war nichts dazu zu finden:
Wer steckt am Ende Walhall in Brand?
Wotan? Loge? Brünnhilde? Alle drei Möglichkeiten bleiben denkbar.
Des zerschlagnen Speeres stechende Splitter taucht einst Wotan dem Brünstigen tief in die Brust: zehrender Brand zündet da auf; den wirft der Gott in der Weltesche zuhauf geschichtete Scheite. (Die dritte Norn, Götterdämmerung)
Der dort noch lodert, weiset Loge nach Walhall! (Brünnhilde, Götterdämmerung)
Die du mir gebarst, Brünnhild', weckt sich hold der Held: wachend wirkt dein wissendes Kind erlösende Weltentat. (Der Wanderer, Siegfried)
So - werf' ich den Brand in Walhalls prangende Burg. (Brünnhilde, Götterdämmerung)
Quelle: www.opera-guide.ch
Kann jemand vielleicht diesen Umstand erklären? Bietet Wagner vielleicht bewusst drei verschiedene Lösungen an?
Gruß Amonasro :hello
stiffelio (08.07.2013, 22:58): Hallo Amonasro,
ich muss zugeben, das ich mich mit dem Ring immer noch nicht so intensiv auseinandergesetzt habe wie mit den meisten anderen Wagneropern, aber ich habe es immer so verstanden, dass Brünnhilde letztlich die Auslösende ist. Loge ist ja nichts anderes als das personifizierte Feuer (Wotan beim Feuerzauber in der WALKÜRE: "Wie zuerst ich dich fand, als feurige Glut, wie dann einst du mir schwandest, als schweifende Lohe;..."), wo es brennt ist er also dabei, kann aber nichts aus sich allein heraus entzünden. Und Wotan hat zwar die Scheite der Weltesche geschichtet und damit die Voraussetzung zum Brand geschaffen oder zumindest begünstigt, aber ich bin bisher davon ausgegangen, dass er danach mehr oder weniger tatenlos auf das Ende wartet (das ist natürlich ein gewisser Widerspruch zur Aussage der dritten Norn, die du zitiert hast).
Beteiligt sind aber letztlich dadurch alle drei. Profundere Ring-Kenner dürfen mich natürlich gerne korrigieren.
VG, stiffelio
Amonasro (08.07.2013, 23:55): Ich denke schon, dass Loge selbst handeln, also etwas entzünden könnte. Wie wäre sonst dieser Ausspruch zu erklären?
zur leckenden Lohe mich wieder zu wandeln, spür' ich lockende Lust: sie aufzuzehren, die einst mich gezähmt, statt mit den Blinden blöd zu vergehn, und wären es göttlichste Götter! Nicht dumm dünkte mich das! Bedenken will ich's: wer weiss, was ich tu'! (Loge, Das Rheingold)
Er bedenkt also, ob er die Götter aufzehren soll oder nicht, ganz so als stünde es in seiner Macht, es selbst zu entscheiden.
Der Ausspruch der dritten Norn sagt zudem klar, dass Wotan das Feuer selbst entzündet. Und eigentlich kann das nicht falsch sein, da die Nornen ja die Zukunft voraussehen und zu diesem Zeitpunkt noch klar sehen, das Seil noch intakt ist. Trotzdem widerspricht dem die Tatsache, dass am Ende alles so dargestellt wird, als wenn Brünnhilde die Initiatorin ist. Die Frage ist auch, ob Loge wirklich erst von den Raben nach Walhall geschickt werden muss - als personifiziertes Feuer wäre er bei einem Brand ja sowieso anwesend. Und wieso kann Brünnhilde den Raben (Wotans Raben) und Loge überhaupt Anweisungen geben? Ihre Göttlichkeit hat sie ja verloren. Fragen über Fragen ... Es wäre schön, wenn ein Ring-Kenner hier für etwas Ordnung sorgen würde.
Gruß Amonasro
Hosenrolle1 (30.04.2015, 21:01): Original von Nordolf Die Bedeutung von „Richard, dem Einzigen“ (C. Thielemann) für die deutsche und europäische Kulturgeschichte kann gar nicht überschätzt werden. Richard Wagner (1813 - 1883) hat die ganze Musikwelt revolutioniert. Nach ihm wurde anders komponiert: – ein Großteil der spätromantischen Komponisten wäre ohne ihn nicht denkbar.
Der "andere Richard" schrieb auch einmal, dass Wagners Partituren den einzig nennenswerten Fortschritt in der Instrumentierungskunst seit Berlioz darstellen.
Auch die spätere Filmmusik blieb ihm verpflichtet (von Korngold bis zu J. Williams „Star Wars“-Musik).
Bestes Beispiel dafür ist wohl das "Tarnhelm-Motiv" aus Wagners Ring, das J. Williams wohl für den "Imperial March" verwendete. Wenn man es im Ohr hat, und dann das Tarnhelm-Motiv hört, hört man sofort Star Wars heraus!
https://www.youtube.com/watch?v=N82zEAbWyT4
Wobei ich das nicht nur auf Star Wars begrenzen würde; die ganze Art, wie Williams seine Scores schreibt, wäre ohne Wagner wohl völlig anders. So muss ich etwa beim Feuerzauber, wenn das wilde Geschwirre der Streicher die auflodernden Flammen quasi "lautmalerisch" darstellt, immer an Williams denken.
LG, Hosenrolle1
Nordolf (01.05.2015, 21:38): Original von Hosenrolle1
Bestes Beispiel dafür ist wohl das "Tarnhelm-Motiv" aus Wagners Ring, das J. Williams wohl für den "Imperial March" verwendete. Wenn man es im Ohr hat, und dann das Tarnhelm-Motiv hört, hört man sofort Star Wars heraus!
Für meine Ohren haben der harte Trauermarsch aus Mahlers Sechster und Williams' "Imperial March" sehr viel Gemeinsamkeiten. Auf jeden Fall stellen beide Ohrwürmer dar, die ich ich mehr aus dem Kopf bekomme, sobald ich sie höre :D
Es ist auch interessant, wenn Klassik-unbewanderte Bekannte, denen ich Wagner oder auch Bruckner, Mahler oder Richard Strauss vorspiele, als Reaktion zurückmelden: "Oh, das klingt ja wie Filmmusik!"
Herzliche Grüße! Nordolf
Hosenrolle1 (01.05.2015, 22:07): Original von Nordolf Es ist auch interessant, wenn Klassik-unbewanderte Bekannte, denen ich Wagner oder auch Bruckner, Mahler oder Richard Strauss vorspiele, als Reaktion zurückmelden: "Oh, das klingt ja wie Filmmusik!"
Weil du das sagst, da fällt mir ein arges Beispiel ein. Da gibt es ja von "Ben Hur" nicht nur den berühmten Film aus den 50er Jahren, sondern auch einen Stummfilm von 1925, der in den 80er Jahren von Carl Davis vertont wurde.
Als ich das "Rheingold" zum ersten Mal hörte, und dann später die Walküre, fiel mir gleich etwas auf.
Leider gibt es auf YouTube aus lizenzrechtlichen Gründen die Suite des Soundtracks nicht mehr, aber JPC hat ein paar Hörschnipsel.
Bitte höre dir zwei Schnipsel an, nämlich zuerst Track 1, die "Opening Titles".
Das Stück beginnt eigentlich genauso wie das Rheingold: tiefe, lange liegenbleibende Bässe, irgendwann kommen die Fagotte dazu.
Was man leider nicht mehr hört sind die schwirrenden Geigen, die ebenfalls bei Wagners Rheingold-Vorspiel kommen.
Und dann bitte Track 5, nur den Anfang davon: hier hört man, sehr schön von den Streichern intoniert, ein Motiv, das sehr häufig im Film auftaucht, denn es ist das Motiv von Ben Hur.
Die ersten 7 Töne dieses Motivs erinnern mich sehr stark an das Nothung-Motiv. Was denkst du?
Generell aber klingt sehr vieles in diesem Score nach Wagner, wie ich finde.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (07.10.2015, 18:48): Zitat von Amonasro Dass Sieglinde ihm völlig egal ist würde ich verneinen. Er lässt von den Wälsungen ja hauptsächlich deswegen ab, weil er durch die äußeren Umstände (Fricka) dazu gezwungen wird.
Da gebe ich dir Recht, und doch erklärt das für mich nicht seinen plötzlichen, übertriebenen Zorn. Brünnhilde handelt ja eigentlich nicht gegen Wotans Willen, sondern gegen Frickas Willen, weil die ganze Idee von ihm kam. Ich fasse es vielleicht nochmal in aller Kürze zusammen:
Wotan möchte dass Siegmund der „freie Held“ wird. Fricka möchte das nicht und fordert, dass Siegmund im Duell mit Hunding sterben soll. Nachdem das passiert ist, hat er eigentlich sein Versprechen Fricka gegenüber erfüllt.
Und doch, wieso ist er auf Brünnhilde derart wütend, weil sie das getan hat, was ER eigentlich wollte? Wieso gleich verstoßen, verbannen und irgendwelchen menschlichen Grobianen ausliefern? Wotan meint an einer Stelle, er sei der „Unfreieste“ unter allen – aber seine Entscheidung, Brünnhilde einfach zu verstoßen, stand in keinem Vertrag. Das ist einzig und allein seine Idee.
Aber von dieser Sache einmal abgesehen habe ich ja generell ein Problem mit Wotan. Soweit ich die Geschichte kenne, lässt er es sich auf Walhall gut gehen, lässt sich von seinen Töchtern bedienen. Als er dann mit seinen Verträgen, mit dem Ring etc. Mist baut, hat er kein Problem damit, zwei Menschen zu zeugen, die für ihn leiden sollen, damit sie später einmal für ihn nützlich sein werden. In meinen Augen ist er ein ziemlicher Egoist. Er sieht zwar seinen Fehler mit dem Ring ein, bemitleidet aber in erster Linie nur sich selbst. Wehwalt bzw. Siegmund ist da für mich ganz anders; er ist kein Egoist, und möchte, wie man seiner Erzählung entnehmen kann, eine ihm fremde Frau vor einer Zwangsverheiratung bewahren. Wotan, der am Anfang des 2. Aktes noch sehr „modern“ diese geschwisterliche Beziehung gegenüber Fricka verteidigt, hat aber kein Problem damit, seine Lieblingstochter einem wildfremden Mann auszuliefern.
Er erinnert mich in gewisser Weise auch an Herodes aus der „Salome“, wobei ich hier vor allem den Herodes aus Oscar Wildes Theaterstück meine, über den man noch mehr erfährt als im stark gekürzten Libretto der Oper. Er ist ein Herrscher, der es sich gut gehen lässt, und wenig für andere übrig hat. Jeder in seiner Umgebung muss fürchten, Opfer seiner Launen zu werden. Und auch Herodes schließt sozusagen einen Vertrag mit Salome, an den er gebunden ist, und auch er und sein Palast wird untergehen wie Walhall, denn er hört schon „die Flügel des Todesengels im Palaste rauschen“. Auch er ahnt, wie Wotan, seinen Untergang voraus.
Hat aber jemand Mitleid mit ihm, weil er nach dem Tanz seinen Vertrag bereut? Oder weil man weiß, dass er untergehen wird? Ich persönlich nicht. (Ok, fairerweise muss man sagen, dass Strauss´ Musik bei seinen Versuchen, sich von seinem Versprechen zu lösen, alles andere als gefühlvoll oder wehmütig ist, vielmehr nervös, fiebrig und überreizt)
"Nie suche bei mir Schutz für die Frau, noch für ihres Schosses Frucht!"
noch bevor ihm bewusst wird, dass sein Wälsungen-Plan vielleicht doch noch gelingen kann. Bei Wotans Abschied ist ihm eindeutig wieder an Sieglindes bzw. Siegfrieds Überleben gelegen
Das meinte ich – es ist ihm WIEDER daran gelegen, weil sie wieder einen Nutzen für IHN haben. Gleichzeitig frage ich mich, wieso sorgt er nicht zumindest dafür, dass es Sieglinde gut geht? Hat sie nicht schon genug durchgemacht? Sein Versprechen war ja nur, dass er dafür sorgt, dass Siegmund den Kampf verliert, aber alles andere liegt ja wieder in seinem Ermessen.
Was ich hier Wotan ein bisschen zugute halte ist, dass er (ob ihm das bewusst ist oder nicht) dadurch, dass er durch seinen Feuerzauber Siegfried und Brünnhilde, die ja Tante und Neffe sind, zusammenführt, eigentlich wiederum etwas macht, was Fricka ziemlich aufregen müsste :D
Zitat von Satie Mach es einfach wie ich: mir sind die ganzen Geschichten derart wurscht, dass ich bei einigen Opern, die ich mag, nicht einmal weiß, was die Handlung ist. Die Musik reicht mir vollkommen.
Hehe, das kann ich auch gut verstehen. Ich muss ja dazu sagen, dass ich eigentlich eh nur den 1. Akt Walküre mag, weil er, wie ich finde, für die damalige Zeit ziemlich gewagt und modern ist, weil die Musik mich teilweise sehr stark an den Freischütz erinnert, aber vor allem auch, weil die Figuren hier die einzigen sind, für die ich mich interessiere, an denen mir sozusagen etwas liegt. Zwerge, Nixen, Götter oder Drachen sind für mich schon zu märchenhaft, aber Siegmund und Sieglinde sind Menschen mit einem durchaus menschlichen Schicksal. Sobald der 1. Akt vorbei ist, geht das Interesse eigentlich schon weg. Interessant sind für mich noch die Worte von Wotan, die ebenfalls ziemlich modern sind: "Stets Gewohntes nur magst du verstehn" sagt er etwa zu Fricka - und das in den 1860er Jahren.
Ich glaube, es war Kurt Pahlen (das müsste ich nochmal überprüfen, also bitte nicht festmachen!) der schrieb, dass im Ring die Paare sich umso weniger lieben und verstehen, je mehr ihre Verbindung von der Gesellschaft geächtet wird.
Siegmund - Sieglinde --> Bruder und Schwester, total geächtet, lieben sich am meisten. Für sie hat Wagner sogar, völlig entgegen seinen Ansichten darüber, eine herrliche Arie geschrieben ("Winterstürme")
Siegfried - Sieglinde --> Tante und Neffe, auch nicht ok, aber wohl nicht mehr so schlimm wie Bruder Schwester (sonst hätte Fricka sicher was gesagt), hier ist die Liebe schon nicht mehr so toll, es gibt Streitereien und andere Probleme
Wotan - Fricka --> Ehemann und Ehefrau, von der Gesellschaft für gut befunden, haben sich aber nichts zu sagen und sind nur am streiten
LG, Hosenrolle1
Amonasro (07.10.2015, 23:00): Lieber Hosenrolle1,
erstmal möchte ich sagen, dass auch für mich Siegmund und Sieglinde die mit Abstand sympathischsten Figuren sind. Sie sind die einzigen, die nicht nur an sich selbst denken. Noch schöner als den 1. Akt, finde ich eigentlich die "Todesverkündigungs-Szene", in der deutlich wird, dass Siegmund selbst die göttlichen Wonnen Walhalls nichts bedeuten, wenn Sieglinde nicht dabei ist. Auch die Musik ist hier unbeschreiblich emotional; meine Lieblingsstelle ist die, wenn Siegmund singt:
"doch Eines sag' mir, du Ew'ge! Begleitet den Bruder die bräutliche Schwester? Umfängt Siegmund Sieglinde dort?"
Original von Hosenrolle1 Brünnhilde handelt ja eigentlich nicht gegen Wotans Willen, sondern gegen Frickas Willen, weil die ganze Idee von ihm kam.
Ganz so einfach sehe ich die Sache nicht. Wotan handelt nicht einfach so, weil Fricka es will, sondern weil er durch Fricka selbst die Notwendigkeit, Siegmund zu beseitigen, und die Tatsache, dass sein Wälsungen-Plan nicht funktionieren kann, einsieht: Siegmund war nie der freie Held und die Weltordnung, die Wotans Herrschaft legitimiert, fordert von ihm, Siegmunds Verbrechen zu strafen. Wotan entscheidet sich also ganz bewusst für Siegmunds Tod, in gewisser Weise will er es also, obwohl seine persönlichen Wünsche in die entgegengesetzte Richtung gehen. Bei der Bestrafung Brünnhildes spielt dann persönliche Enttäuschung eine Rolle. Er hat Brünnhilde sein Innerstes, seinen genauen Gedankengang anvertraut; und sie verrät ihn, indem sie trotzdem seine Entscheidung missachtet. Würde er sie nicht bestrafen, würde er ihre Tat ja wieder indirekt unterstützen.
Natürlich hast du Recht: Wotan ist ein sehr egoistischer Charakter. Die ganze Bredouille entsteht ja erst aus Wotans Streben nach mehr Macht (erst verkörpert durch die Burg, dann den Ring), durch dass er sich immer mehr in Widersprüche verstrickt. Eine sympathische Figur ist er keinesfalls, aber eine sehr stark leidende, was in Verbindung mit der emotionalen Musik, zumindest Mitleid mit ihm empfinden lässt.
Original von Hosenrolle1 Gleichzeitig frage ich mich, wieso sorgt er nicht zumindest dafür, dass es Sieglinde gut geht? Hat sie nicht schon genug durchgemacht? Sein Versprechen war ja nur, dass er dafür sorgt, dass Siegmund den Kampf verliert, aber alles andere liegt ja wieder in seinem Ermessen.
Würde er Sieglinde in irgendeiner Weise unterstützen, entstände wieder genau die selbe Situation, wie bei Siegmund: Siegfried wäre nicht der freie, von den Göttern unabhängige Held. Wie Wotan selbst sagt:
"Nur Einer könnte, was ich nicht darf: ein Held, dem helfend nie ich mich neigte; der fremd dem Gotte, frei seiner Gunst, unbewusst, ohne Geheiss, aus eigner Not, mit der eignen Wehr schüfe die Tat, die ich scheuen muss, die nie mein Rat ihm riet, wünscht sie auch einzig mein Wunsch! Der, entgegen dem Gott, für mich föchte, den freundlichen Feind, wie fände ich ihn? Wie schüf' ich den Freien, den nie ich schirmte, der im eignen Trotze der Trauteste mir? Wie macht' ich den Andren, der nicht mehr ich, und aus sich wirkte, was ich nur will?" (Hervorhebungen von mir)
Die Folge ist, dass Wotan überhaupt nicht mehr eingreifen darf.
Original von Hosenrolle1 Interessant sind für mich noch die Worte von Wotan, die ebenfalls ziemlich modern sind: "Stets Gewohntes nur magst du verstehn" sagt er etwa zu Fricka - und das in den 1860er Jahren.
Original von Hosenrolle1 Wotan - Fricka --> Ehemann und Ehefrau, von der Gesellschaft für gut befunden, haben sich aber nichts zu sagen und sind nur am streiten
Auch ein schönes Beispiel dafür: Auf Frickas "Wann ward es erlebt, dass leiblich Geschwister sich liebten?" antwortet Wotan völlig abgeklärt: "Heut' - hast du 's erlebt!". :D
Original von Satie Mach es einfach wie ich: mir sind die ganzen Geschichten derart wurscht, dass ich bei einigen Opern, die ich mag, nicht einmal weiß, was die Handlung ist. Die Musik reicht mir vollkommen.
Für mich wäre das ehrlich gesagt zu wenig. Ich zumindest frage mich bei jeder Arie, Duett oder sonstigem immer auch, von was sie/er da singt bzw. was sie/ihn zu so einer schönen Arie, die ja in der Regel eine emotionale Ausnahmesituation darstellt, bewegt.
Gruß Amonasro :hello
Hosenrolle1 (08.10.2015, 02:50): erstmal möchte ich sagen, dass auch für mich Siegmund und Sieglinde die mit Abstand sympathischsten Figuren sind. Sie sind die einzigen, die nicht nur an sich selbst denken.
Da kann ich dir nur Recht geben. Besonders Wehwalt hätte ja durchaus auch eher unsympathisch rüberkommen können, vielleicht wie Siegfried oder andere Wagner´sche Heldenfiguren, die man gerne parodiert. Stattdessen aber hat er nicht nur Kampf oder Krieg oder das Frauen-erobern im Kopf, sondern hilft anderen (wie in der erwähnten Erzählung, wo er eine Frau vor ihrer Zwangsverheiratung retten will), und selbst als Hunding bewusstlos da liegt, tötet er ihn nicht, sondern flieht mit Sieglinde, um mit ihr in Ruhe in einer schöneren Zukunft leben zu können. Nebenbei, im letzten Post erwähnte ich das mit den Liebespaaren und dem Grad ihrer Liebe – ich habe nachgesehen, das war nicht Kurt Pahlen, sondern Bernd Oberhoff in seinem fürchterlichen „Psychologischen Opernführer“, den ich nicht besitze, jedoch ausgeliehen und gelesen habe. Zu dem Buch werde ich noch in einem eigenen Thread etwas schreiben.
Er vertritt darin übrigens die (wie ich finde, durchaus interessante) These, dass die Beziehung zwischen Wehwalt und Sieglinde sehr viel von einer Mutter-Sohn Beziehung hat.
Er hat keinen Namen – SIE gibt ihm einen, wie das auch eine Mutter tut.
Sie gibt ihm auch etwas zu essen, probiert es aber vorher selbst – wie eine Mutter die Milch kostet, ob sie nicht zu heiß ist, usw. usw.
Noch schöner als den 1. Akt, finde ich eigentlich die "Todesverkündigungs-Szene"
Die gefällt mir auch gut, bei mir ist es die Stelle, wo Siegmund sinngemäß sagt „Grüß mir Walhall, grüß mir dieses und jenes – zu ihnen folg ich dir nicht“.
in der deutlich wird, dass Siegmund selbst die göttlichen Wonnen Walhalls nichts bedeuten,
Wobei ich anmerken muss, dass ich auch Walhall kritisch sehe. Ich habe nicht den gesamten Ring gehört, geschweige denn aufmerksam gelesen und analysiert, aber nach meinem Kenntnisstand sammelt Wotan dort gefallene Krieger für eine Art Armee? Und die Frauen, "Wunschmädchen" genannt, bedienen dort fleißig. Ich weiß nicht, ob man als gefallener Krieger nach seinem Tod noch weiterverwendet werden will als „Kanonenfutter“, bzw. ob das so ein toller Ort ist. Für mich klingt das fast ein bisschen wie "Hundings Hütte light".
Da gibt es m.E. schönere Darstellungen vom Leben nach dem Tod.
Ich habe mich übrigens auch immer gefragt, ob Brünnhilde hier nur letztendlich zu Siegmund hält, weil dieser damit droht, Sieglinde zu töten, worauf die Walküre dann panisch wird und von ihrem Vorhaben absieht. Ich frage mich, hätte Siegmund NICHT damit gedroht, hätte Brünnhilde trotzdem ihre Meinung geändert?
Ganz so einfach sehe ich die Sache nicht. Wotan handelt nicht einfach so, weil Fricka es will, sondern weil er durch Fricka selbst die Notwendigkeit, Siegmund zu beseitigen, und die Tatsache, dass sein Wälsungen-Plan nicht funktionieren kann, einsieht: Siegmund war nie der freie Held und die Weltordnung, die Wotans Herrschaft legitimiert, fordert von ihm, Siegmunds Verbrechen zu strafen. Wotan entscheidet sich also ganz bewusst für Siegmunds Tod, in gewisser Weise will er es also, obwohl seine persönlichen Wünsche in die entgegengesetzte Richtung gehen.
Naja, er versucht ja dennoch noch, sich herauszureden. Anfangs meint er, dass er von dem Wälsung lässt, und ihn nicht beschützt. Das ist Fricka zu wenig, und sie meint, auch die Walküre darf ihm nicht helfen. Da meint Wotan „Die Walküre walte frei“. Auch hier bleibt Fricka stur. Soweit ich das sehe, ist es Fricka, die hier auf „Der Wälsung fällt meiner Ehre“ besteht und ihn mehr oder weniger erpresst damit, dass er sie betrogen hat, dass wegen ihm die Götter zugrunde gehen etc.
Das Sterben müssen verlangt nur Fricka von ihm, und auch nur wegen dem Ehebruch, weil Hunding kämpfen will.
Warum sollte Wotan ihn tot sehen wollen, nur weil er eingesehen hat, dass er für seinen Plan doch nichts taugt?
Bei der Bestrafung Brünnhildes spielt dann persönliche Enttäuschung eine Rolle. Er hat Brünnhilde sein Innerstes, seinen genauen Gedankengang anvertraut; und sie verrät ihn, indem sie trotzdem seine Entscheidung missachtet. Würde er sie nicht bestrafen, würde er ihre Tat ja wieder indirekt unterstützen.
Auch hier bin ich sehr skeptisch, denn ich sehe es nicht als Entscheidung; Fricka hat Wotan dazu gedrängt, geradezu erpresst, IHREN Willen auszuführen. Ihr Wille war, dass Siegmund stirbt, und ab da, wo Wotan dafür gesorgt hat, hat er seinen Part erfüllt. Er mag nun persönlich enttäuscht sein – aber rechtfertigt das, sich wie ein Berserker aufzuführen und die Lieblingstochter zu verstoßen und irgendjemandem auszuliefern? Noch dazu, wo sie sowieso das getan hat, was ihm lieber gewesen wäre?
War Brünnhilde von IHM enttäuscht, weil er seiner Frau fremdgegangen ist, weil er den Ring einfach gestohlen hat, weil er zwei Kinder gezeugt hat aus Eigennutz? War sie wütend, weil Wotan auf die Erde geht, mit einer Frau zwei Kinder zeugt, die Frau bei einem Überfall erschlagen und die Tochter geraubt wird, während Wotan nach ein paar Jahren einfach verschwindet und ein tolles Leben in Walhall hat?
Natürlich hast du Recht: Wotan ist ein sehr egoistischer Charakter. Die ganze Bredouille entsteht ja erst aus Wotans Streben nach mehr Macht (erst verkörpert durch die Burg, dann den Ring), durch dass er sich immer mehr in Widersprüche verstrickt. Eine sympathische Figur ist er keinesfalls, aber eine sehr stark leidende, was in Verbindung mit der emotionalen Musik, zumindest Mitleid mit ihm empfinden lässt.
Da sprichst du jetzt einen sehr interessanten Punkt an!
Ob nicht die Musik sehr viel damit zu tun hat, wie man diesen Abschied empfindet, und man über diese ganze Wotan-Vorgeschichts-Problematik einfacher hinwegsehen kann. Man stelle sich einmal vor, die Musik wäre hier weniger emotional, vielleicht auch eher dissonant oder ähnliches – vielleicht würde man das auch anders empfinden als Zuhörer, vielleicht würde man ihm seine bisherigen Fehler in dem Moment durchaus anrechnen, eventuell sogar soweit gehen, diesen Abschied kritisch zu hinterfragen, Wotans Worten hier kein Gewicht beizumessen.
Beim Freischütz geht es mir da auch nicht viel anders: ich finde die Figuren da fürchterlich, die Agathe ebenfalls, die ja eigentlich nur herumsitzt und jammert und nichts als das Heiraten im Kopf hat.
Und trotzdem ist besonders die Agathenarie herrlich, die Gesangsmelodien und die Musik, dass ich beim Hören auch nicht über „All meine Pulse schlagen, und das Herz wallt ungestüm süß entzückt entgegen ihm“ nachdenke, dass man auch merkt, ob die Musik bedrückend, ängstlich, fröhlich, überschwänglich etc. klingt.
Wie Kurt Pahlen schon richtig sagt, hat der „Ring“ keine Hauptfigur, sondern deren mehrere. Wotan ist auch nur eine Figur von vielen, und nach der Walküre taucht er nicht mehr in göttlicher Form auf; nur im Siegfried noch kurz als Wanderer. Insofern ist es nicht so, dass Wotan hier im Mittelpunkt der Tetralogie steht. Mit anderen Worten: es gibt so viele Figuren, aus denen man sich seine Lieblinge heraussuchen kann.
Würde er Sieglinde in irgendeiner Weise unterstützen, entstände wieder genau die selbe Situation, wie bei Siegmund: Siegfried wäre nicht der freie, von den Göttern unabhängige Held.
Hmm, da hast du Recht, wobei das mit dem freien Helden ja eigentlich nur für Siegfried gilt, aber nicht für Sieglinde, oder? Er könnte ja Sieglinde ein schöneres Leben ermöglichen, und Siegfried dann weggeben. Wäre natürlich immer noch Mist für alle Beteiligten, aber besser als alleine und schwanger im Wald herumzulaufen ist es allemal.
(Wobei, wenn Sieglinde davon wüsste, würde sie wohl zu Recht fragen, wieso sie Wotans Vorhaben unterstützen soll, denn die zugrunde gehenden Götter sind ja nicht ihr Problem, mit einem Hinweis auf ihr bisheriges Leben, das er ihr eingebrockt hat)
Auch ein schönes Beispiel dafür: Auf Frickas "Wann ward es erlebt, dass leiblich Geschwister sich liebten?" antwortet Wotan völlig abgeklärt: "Heut' - hast du 's erlebt!".
Stimmt, das ist eine ziemlich „lässige“ Antwort, fand ich auch toll :)
LG, Hosenrolle1
EinTon (08.10.2015, 15:00): Original von Hosenrolle1
Bestes Beispiel dafür ist wohl das "Tarnhelm-Motiv" aus Wagners Ring, das J. Williams wohl für den "Imperial March" verwendete. Wenn man es im Ohr hat, und dann das Tarnhelm-Motiv hört, hört man sofort Star Wars heraus!
https://www.youtube.com/watch?v=N82zEAbWyT4
Bei dem sehe ich jetzt außer der Harmonik (Moll-Grundakkord und Mollmedianten, aber das gibt es ja auch abseits von Wagner...) nicht so viel Ähnlichkeiten, auffallend sind aber Kongruenzen von Wagners "Siegfried"-Motiv:
Hosenrolle1 (12.10.2015, 22:21): Zu dem Force-Theme: absolut!
Das kann nur von da entnommen sein ... ich glaube, den Prozess würde Wagner gewinnen :D
Was das Tarnhelm-Motiv angeht: freilich fehlt die Melodie dazu, aber dennoch, die Harmonien sind eigentlich die Gleichen. Und vor allem passt ja auch der TarnHELM zu Darth Vader. Trotzdem natürlich kein Vergleich zu dem Force-Theme von oben!
LG, Hosenrolle1
Cetay (05.01.2022, 04:20): Für mich war Wagner und die Ringmusik einer der Einstiege in die klassische Musik. Ich habe sie damals schlicht über den Heavy Metal kennengelernt. Sehr viele Musiker aus diesem Bereich sind Wagner-Fans: - neben Bach und Beethoven ist Wagner einer der meistgenannten außermetallischen Einflüsse, den Gitarristen und Songschreiber dort angeben. Hier muessen unbedingt noch Berlioz, Paganini und Holst ergaenzt werden. Nordolfs Weg ist nicht ungewoehnlich. Die Verbindung zum Metal ist der einzige Grund, warum ich Wagner nicht schon laengst dem metaphorischen Feuerzauber uebergeben habe. Erst gestern habe ich wieder gelesen, dass man beim Hoeren von z. B. Teilen der Goetterdaemmerung denken koennte, man hoerte Riffs von "Symptom of the Universe", "Megalomania" und "Sabbath Bloody Sabbath" (Titel der Metal-Pioniere Black Sabbath). Das musste nachgehoert werden. Die gezielte Suche nach einem Einzel-Album mit Hoehepunkten fuehrte auf Hans Swarowsky und ... jetzt kommt es: ich fand das gut. Also gut in dem Sinne, dass ich die Stunde ohne Abschaltreflex drangeblieben bin und dann wieder von vorne angefangen habe. Heute morgen habe ich mit dem Rheingold begonnen. Auch nicht schlecht!
Etwas bingen ergab, dass der Ring dieses Drigenten bei der Mehrheit der Wagner-Juenger eher wenig gelitten ist, bisweilen sogar harsch abgelehnt wird, sich aber eine kleine Schar umso enthusiastischer dafuer einsetzt. In letztgenannter Gruppe finde ich mich nicht selten auch im Metal-Bereich und weil es mir in erster Linie um diesen Aspekt geht -nicht um Saengerleistungen, nicht um Welterklaerung, nicht um Theater-, sondern um den Metalhead Wagner-, wird das der erste Ring sein, den ich mir gebe. In Sinne der weiter vorne im Thread genannten Buttercreme-Trope nicht zuviel auf einmal, aber im Laufe der Zeit die ganze Torte. Das ist keine Falschmeldung. Cetay wird den Ring hoeren.
Philidor (05.01.2022, 09:45): Viel Freude am Durchhören des Rings! Ich meine ja, dass es beim ersten Kennenlernen fast egal ist, welche Aufnahme man wählt. Liegt die Präferenz auf der Musik (und nicht auf den vokalen Leistungen), dann umso mehr.
Der Threadtitel machte mich stutzig. DIe Welt geht doch gar nicht unter ... die Götter gehen unter, die Gibichungen werden weitgehend vernichtet, die Wälsungen sind am Ende tot, die Riesen schon früher, Hagen ersäuft, Hunding ist schon lange tot, ... da bleibt außer Alberich, den Rheintöchtern und dem Waldvogel in der Tat nicht viel ...
... aber "Lebbe geht weida" ... insbesondere überlebt der größte Teil der Menschen: "Aus den Trümmern der zusammengestürzten Halle sehen die Männer und Frauen in höchster Ergriffenheit dem wachsenden Feuerscheine am Himmel zu" heißt es in der Partitur.
Ich habe im Thread gelesen, dass Wagner selbst das Wort vom Weltuntergang in die Welt gesetzt hat - na ja, das hat er vielleicht in einer frühen Phase mal so gesehen, aber seine Konzeption auch mehrfach geändert. Der Revolutionär des Jahres 1848 nannte den Schluss noch "Siegfrieds Tod" und fokussierte sich auf die Tragik des reinen Helden, der an bösen Mächten scheitert; als Günstling eines Königs änderte sich offenbar seine Weltanschauung und das Ding hieß plötzlich "Götterdämmerung" ... ein kleiner Perspektivwechsel.
Gruß Philidor
:hello
palestrina (05.01.2022, 13:32): DIe Welt geht doch gar nicht unter ... die Götter gehen unter, die Gibichungen werden weitgehend vernichtet, die Wälsungen sind am Ende tot, die Riesen schon früher, Hagen ersäuft, Hunding ist schon lange tot, ... da bleibt außer Alberich, den Rheintöchtern und dem Waldvogel in der Tat nicht viel ... ......und Gutrune!
Im Ring der Berghaus in FFM sah man ganz zum Schluss Gutrune mit einem Fernrohr in die neue Weltordnung blicken!
LG Fiesco
Philidor (05.01.2022, 14:00): ......und Gutrune! ... und Lügeloge! :beer
Gruß Philidor
:hello
Amonasro (06.01.2022, 17:31): Gutrunes Schicksal wird vom Libretto zwar offen gelassen; bedenkt man aber, dass sie reglos über Gunthers Leichnam liegen bleibt und die Gibichungenhalle anschließend Feuer fängt, dann vom Rhein überschwemmt wird und einstürzt, scheinen mir ihre Überlebenschancen gering...