Heike (14.01.2009, 08:06): Stellt euch mal vor, ihr kommt nach vielen vielen Jahren irgendwann mal in den Himmel. Und weil ihr vorher auf Erden gute Menschen gewesen seid, erteilt euch der liebe Gott das Privileg, auf eine Musikerwolke zu kommen.
Musikerwolken sind Wolken, auif denen neben anderen Leuten jeweils EIN berühmter Komponist wohnt. Ihr könnt dort mit ihm reden, er macht dort seine Musik, regelmäßig kommen Solisten, Ensembles oder Orchester zu Gast um diese Musik zu spielen. Er unterrichtet, lehrt und erklärt.... und das beste: er komponiert dort auch weiter neues bis in die Ewigkeit.
Auf wessen Wolke würdet ihr am liebsten einziehen und was würdet ihr dort erwarten, erhoffen? Heike
Jürgen (14.01.2009, 09:07): Hallo Heike,
das ist ein interessantes Thema.
Mein erster Impuls war: Richard Wagner Weil ich seine Musik so mag. Ohne allzu falsch zu liegen nehme ich mal an, dass mir auf dieser Wolke mein Musikequipment (Plattensammlung, wenigstens auf FP und Anlage) zur verfügung steht, damit man den Herren Komponisten auch was zu bieten hat. Was der Richard zu den Wagner-Interpretationen der letzten 60 Jahre zu sagen hat, würde mich schon interessieren. Doch halt. Ich befürchte, was seine weiteren Kompositionen angeht wird das noch ein paar Jahre gutgehen, dann aber in eine Sättigung laufen (ist nur so ein Bauchgefühl). Ein anderer Komponist, der der Welt noch nicht alles mitgeteilt hat, weil zu früh verstorben, hätte da doch wesentlich mehr Potential. OH, da fällt mir noch was Wichtiges ein. Ich hatte vor Jahren mal einige Briefe Wagners gelesen. Mit diesem Geschreibsel bin ich überhaupt nicht warm geworden. Meine Befürchtung ist daher, dass ich es mit diesem Herrn und seinem selbstherrlichen Gesabbel nicht länger als ein paar Wochen (oder Tage?) aushalten könnte. Und das mit der Wolke sollte ja schon etwas längerfristig angelegt sein.
Also doch kein Wagner.
Ich werde weiter darüber nachdenken.
Grüße Jürgen
Gerion (14.01.2009, 09:16): Davon ausgehend, dass sein Temperament angesichts der himmlischen Aussicht etwas abgemildert wird: Ludwig van Beethoven!
Jürgen (14.01.2009, 09:21): Original von Gerion Davon ausgehend, dass sein Temperament angesichts der himmlischen Aussicht etwas abgemildert wird: Ludwig van Beethoven!
Hoffentlich kann der auf der Wolke wieder gut hören, sonst werden die Gespräche etwas einseitig.
Grüße Jürgen
Dr. Schön (14.01.2009, 12:33): Original von Jürgen Mein erster Impuls war: Richard Wagner
Meiner natürlich auch.
Aber eigentlich sollte es heißen: Lieber mit Wagner in der Hölle schmoren, als das Harfespiel des tauben Beethoven hören zu müssen.
Ich glaube nämlich, dass er eher dort zu finden ist.
LadyMacbeth (14.01.2009, 12:40): In Anbetracht der derzeitigen Außentemperaturen emfinde ich die Aussicht, in der Hölle zu schmoren, nicht mehr als Bestrafung :rofl
Ich habe auch eine starke Wagner-Tendenz, nehme aber auch Poulenc, Sibelius oder Dvorak.
cellodil (14.01.2009, 13:12): Original von Jürgen Mein erster Impuls war: Richard Wagner
...ähem geht es hier nicht eigentlich um den Himmel? Für mich persönlich wäre Wagner in alle Ewigkeit eher perpetuiertes Fegefeuer, wenn nicht gar Schlimmeres... :ignore :ignore :ignore :ignore !!!! (bitte nicht persönlich nehmen, aber Wagner ist mein frühkindliches Trauma)
Eine Entscheidung für die Ewigkeit? Bei mir kommen eigentlich nur zwei in Frage: Bach oder Mozart. Mit Bachs Musik werde ich mich - auch wenn er keine einzige neue Note im Himmel schreiben sollte - bis in alle Ewigkeit nicht langweilen. Und mit dem Wolferl wär's vermutlich auch sonst ganz vergnüglich.
Liebe Grüße
Sabine
Cetay (inaktiv) (14.01.2009, 16:58): Ich finde, es gibt bei allen großen Musikern ein passendens Verhältnis von Alter und Produktivität. Jeder wird gerade so alt, wie er werden muss, um sein Werk zu vollenden. Zu spekulieren, wie Mozart weitergemacht hätte, wenn er 70 geworden wäre ist müßig. Wäre es ihm bestimmt gewesen 70 zu werden, hätte er die Jupitersinfonie halt erst mit 64 komponiert. Auch Bruckner war "fertig mit der Welt" bevor er das Finale der 9. vollenden konnte, deswegen interessiert es mich auch nicht weiter, wie es letzlich geworden wäre. Wenn ich mich auf dieser Wolke tatsächlich nur mit EINEM Komponisten begnügen müsste und auch nur nur dessen Musik gespielt würde, dann wäre es wohl John Cage. Bereits mit seiner vorhandenen Musik würde es nie langweilig, weil sie immer wieder anders klingt. Weil er aus diesem Grund nicht komponieren muss, könnte man die Zeit für philosphische Gespräche oder das Abhalten einer Tee-Zeremonie nutzen. Andererseits soll das ja bis in die Ewigkeit gehen, da spielt Zeit keine Rolle. Was für eine schauderhafte Vorstellung! Die wische ich schnell damit weg, dass alle bekannten Prozesse in der Natur den Gesetzen von Polarität, Rhythmus und Schwingung zu unterliegen scheinen. Nur vom Leben glaubt man, dass es schlagartig im Nichts endet oder dass es ewig währt - ich weiß nicht welche der beiden Vorstellungen ich höllischer finde.
Rachmaninov (14.01.2009, 19:21): Original von Hebre Stellt euch mal vor, ihr kommt nach vielen vielen Jahren irgendwann mal in den Himmel. Und weil ihr vorher auf Erden gute Menschen gewesen seid, erteilt euch der liebe Gott das Privileg, auf eine Musikerwolke zu kommen.
Ich komme wohl nur in den Himmel weil die Hölle wohl schon ziemlich voll sein wird :P
Später mehr :times10
Heike (14.01.2009, 19:52): Mein erster Impuls wäre Bach gewesen - schon mal deshalb, weil er so viele Genre bedient, vom bombastischen Oratorium bis zur intimen Klavierstündchen. Außerdem ist mir sein genießerischer Lebensstil sympatisch.
Andererseits, wahrscheinlich würde es mir mit so viel Barock auf die Dauer arg langweilig werden??? Und überhaupt, gibts dann nur noch HIP? Das wäre mir auch nicht recht. Ob Bach mir wohl das Klavierspielen beibringen könnte (Orgel oder Cembalo oder sonstige Uralt-Tasteninstrumente will ich doch gar nicht lernen)? Worüber soll ich mit dem reden, werde ich vielleicht dann ganz fromm? Ich muss auch noch weiter darüber nachdenken. Heike
Heike (14.01.2009, 20:06): Was der Richard zu den Wagner-Interpretationen der letzten 60 Jahre zu sagen hat, würde mich schon interessieren. Also, elektrischen Strom gibts natürlich da oben keinen (und somit auch keine irdische Plattensammlung)
die himmlischen Licht- und Wärmequellen sind andere, da braucht es keine Steckdosen
aber da man sich ja hin und wieder gegenseitig auf den Wolken besuchen kann, dürfte man damit nach und nach auch anderen Komponisten und ihren Werken begegnen.
Von daher ist die Frage interessant, was Wagner ganz allgemein zu den späteren Musikergenerationen sagen würde. Und nicht nur er, ich frag mich grad, ob Bach wohl völlig erschreckt schon bei der Tristan-Ouvertüre aus dem Saal rennen würde??? Heike
Heike (14.01.2009, 20:23): Hallo, Ich finde, es gibt bei allen großen Musikern ein passendens Verhältnis von Alter und Produktivität. Jeder wird gerade so alt, wie er werden muss, um sein Werk zu vollenden. Ich glaube das nicht, meiner Meinung nach gibt es in allen großen Künsten zu früh gestorbene Genies. Sowas wie Vollendung, ich weiß nicht, ob es das überhaupt gibt, vielleicht konstruieren wir uns das nur zurecht, weil wir es als so perfekt empfinden.
Ich wäre zum Beispiel sehr neugierig darauf, was ein Schubert oder ein Mozart als alter Mann geschrieben hätten. Oder nehmen wir Georg Büchner, der mit Anfang zwanzig in nur wenigen Wochen ein perfektes Drama über die französische Revolution schrieb - meine Güte, den würde ich auch gern bis in die Ewigkeit weiterschreiben sehen ;-)
Davon abgesehen, dass ich gern ganz simpel wüsste, wie Puccini sich seine (meiner Meinung nach großartige) Turandot zuende gewünscht hätte !!!
Heike
Gamaheh (14.01.2009, 22:35): Original von Hebre Davon abgesehen, dass ich gern ganz simpel wüsste, wie Puccini sich seine (meiner Meinung nach großartige) Turandot zuende gewünscht hätte !!!
Liebe Heike,
wie wünschst Du sie Dir denn? Das ist doch schön, da kann sich jeder sein Wunschende konstruieren - und jeden Tag anders! (Manchmal lese ich Bücher, die ich besonders mag, nicht zuende, weil ich keine Lust auf ein Ende habe ... Im Moment lese ich gerade ein Buch, über das ich viellieicht mal im Bibliotheks-Faden schreiben werde; ich werde es ganz bestimmt zuende lesen, weil ich weiß, daß es keins hat. Es ist nur schwer, darüber zu schreiben, weil ich immer vergesse, was gerade passiert ist - alles ist so völlig absurd, daß es auch auf hundert andere Arten weitergehen könnte.)
Ich tendiere hier nicht nur zu Dox Orkhs Sicht, sondern vertrete sie ebenfalls ganz entschieden (jedenfalls den ersten Absatz). Darüberhinaus würde ich für cloud hopping plädieren - ich glaube nicht, daß ich mit nur einem Komponisten - egal welchem - für die Ewigkeit auf einer Wolke sitzen möchte... (Schon gar nicht Wagner!)
Grüße, Gamaheh
Heike (14.01.2009, 22:52): Hallo Gamaheh, Ich tendiere hier nicht nur zu Dox Orkhs Sicht, sondern vertrete sie ebenfalls ganz entschieden (jedenfalls den ersten Absatz). Das ist doch schön, wie verschiedener Meinung man hier sein kann :beer Ich glaub, da hat jeder seine eigene Philosophie und wer weiß, vielleicht bin ich ja in 10 Jahren eurer Meinung - oder umgekehrt. Ich finde es trotzdem grundsätzlich interessant, ganz andere Standpunkte zu lesen, auch wenn sie mich nicht überzeugen.
Was das cloud hopping angeht: NEIN NEIN, das ist nicht erlaubt, das gibt ja totales Chaos, jeder muss sich für eine Wohn-Wolke entscheiden!!! So sind die Regeln und wer diese nicht einhalten will, der kommt eben auf gar keine Musikerwolke und darf nur alle Jubeljahre mal zu uns zu Besuch :J
Heike
daniel5993 (16.01.2009, 18:47): Original von Rachmaninov Original von Hebre Stellt euch mal vor, ihr kommt nach vielen vielen Jahren irgendwann mal in den Himmel. Und weil ihr vorher auf Erden gute Menschen gewesen seid, erteilt euch der liebe Gott das Privileg, auf eine Musikerwolke zu kommen.
Ich komme wohl nur in den Himmel weil die Hölle wohl schon ziemlich voll sein wird :P
Ja, gefüllt mit Menschen, die alle diese Sprüche abgelassen haben! :ignore Ich kann dir garantieren, dass all denen und dir so etwas nicht passieren wird! An beiden Orten ist genug Platz um jeden dahin zu befördern, nach dessen Weg, welcher jeder selbst gewählt hat! :ignore
Da kannst du ganz getrost sein! :ignore
:ignore
cellodil (16.01.2009, 20:17): Original von Gamaheh Ich tendiere hier nicht nur zu Dox Orkhs Sicht, sondern vertrete sie ebenfalls ganz entschieden (jedenfalls den ersten Absatz). Darüberhinaus würde ich für cloud hopping plädieren - ich glaube nicht, daß ich mit nur einem Komponisten - egal welchem - für die Ewigkeit auf einer Wolke sitzen möchte...
Liebe Gamaheh,
dem kann ich mich auch nur anschließen.
Mir scheint, dass ohne cloud hopping das Ganze eher eine höllische als eine himmlische Veranstaltung werden würde - ganz egal auf welcher Wolke man so landet....
Wobei ich mich dem... Original von Gamaheh (Schon gar nicht Wagner!)
.... trotzdem 100%ig anschließen kann (siehe auch oben).
Liebe Grüße
Sabine
cellodil (16.01.2009, 20:19): Original von Hebre So sind die Regeln und wer diese nicht einhalten will, der kommt eben auf gar keine Musikerwolke und darf nur alle Jubeljahre mal zu uns zu Besuch :J
... das wäre doch wirklich eine attraktive Variante!
Liebe Grüße
Sabine
cellodil (16.01.2009, 21:13): Original von Gamaheh Im Moment lese ich gerade ein Buch, über das ich viellieicht mal im Bibliotheks-Faden schreiben werde; ich werde es ganz bestimmt zuende lesen, weil ich weiß, daß es keins hat. Es ist nur schwer, darüber zu schreiben, weil ich immer vergesse, was gerade passiert ist - alles ist so völlig absurd, daß es auch auf hundert andere Arten weitergehen könnte.
Liebe Gamaheh,
das klingt - für mich jedenfalls - vielversprechend... Wäre schön, wenn Du was darüber schreiben würdest!