Anton Bruckner und seine 9 Sinfonien ! Das ist eine Welt für sich. Hier sollen die Freunde des Meisters von St. Florian zu Worte kommen. Ich kann im Folgenden nur eine kurze Einführung versuchen. Analyse, Werkbeschreibung und anderes , dafür gibt es genug Konzertführer.
Bruckner erfährt auch heute noch viel Ablehnung. Aus vielerlei Gründen. In den romanischen Ländern wurde er nie populär. Und wird auch wenig im Konzertsaal aufgeführt.Vielen sind seine" sinfonischen Kathedralen " suspekt. Wie bekannt, hat Bruckner um seine Schöpfungen hart gerungen.Von allen möglichen "gutmeinenden " Kritikern liess er sich beeinflussen. Deswegen entstanden von nicht wenigen seiner Sinfonien mehrere Versionen. Er gab auch deswegen nach, weil er so auf eine Aufführung hoffte. Aber selten genug kam eine zustande.
Meine liebsten und meistgehörten Einspielungen seiner Sinfonien sind die 4. , die" Romantische" genannt. Sodann die 5., ,die 7. die 8.,und seine unvollendete Neunte. Auf DVD habe ich eine eindrucksvolle Aufnahme aus St. Florian. Pierre Boulez dirigiert die Wiener Philharmoniker. Aber sowas hab ich noch nicht gesehen. Wenn man Boulez zuschaut! 80 Minuten lang keine Mimik im Gesicht ! Kein Muskel bewegt sich! Kein Mitgehen mit der Partitur. Hat er das richtige Werk dirigiert ? Macht er das überall ? Bruckners Neunte war meine erste Erfahrung mit seinem sinfonischen Schaffen. Das gespenstische Scherzo hatte es mir damals angetan Bernstein dirigierte die N.Y. Philharmonic. Nach und nach kamen dann weitere hinzu.
Bedeutende Bruckner Interpreten in der Vergangenheit waren Bruno Walter, Otto Klemperer, Eugen Jochum,, Günther Wand, Karajan,und andere. Und heute ? Wer kann die Lücken schliessen ? Unsere Bruckner Freunde werden es mir sagen. Nun also schreibt Eure Meinungen, Eure Vorlieben und Vorbehalte. Eure Abneigungen und nicht zuletzt natürlich Eure favorisierten CD Aufnahmen.
Vielen Dank für Euer Mitmachen !
Gruss. Rolf.
Cosima (09.04.2006, 11:57): Hallo Rolf,
Deinetwegen beginnt mein Sonntag mit Bruckner, genauer gesagt mit seiner 7. Symphonie. Ich höre fast alle seine Symphonien ganz gern, habe aber nie viel hin und her verglichen. Als Bruckner-Dirigenten habe ich Celibidache, Skrowaczewski, Tintner (auf Naxos, m.E. wirklich gut), Giulini, Chailly, Boulez (gefiel mir am wenigsten), Furtwängler, Nott und Wand (großartig!) kennen gelernt.
An jeder Symphonie fasziniert mich etwas anderes: Zum Beispiel an der 1. ihre Frische. Das Scherzo ist so beschwingt und erhaben - Bruckners Scherzi finde ich übrigens durchgängig originell und schön. Für mich war die 1. insgesamt am eingängigsten.
Die „Romantische“ muss man einfach mögen, sie spricht mich als Gesamtwerk am meisten an. Sie erinnert mich entfernt an die „Pastorale“, hat wie diese etwas Inniges und Vertrautes mit ihren ländlichen Motiven. Die Aufnahme mit den Berlinern unter Wand ist umwerfend!
Die 5. ist schon ein Klotz! Ich habe etwas in ähnlicher Form gestern zum Britten-Klavierkonzert geschrieben, obgleich natürlich nicht vergleichbar: Es sind diese Steigerungen, die für mich einen fast erotischen Reiz ausmachen. Immer wenn man glaubt, dass es gleich richtig losginge, wird die Stimmung wieder zurück genommen, indem die Klangfarbe wechselt. Die 5. empfinde ich als wirklich sperrig; es ist verdammt schwer, bis zum Schluss am Ball zu bleiben.
Einer meiner Lieblinge ist die 7., auch wieder unter Wand. Das Adagio ist zum Niederknien und für mich der allerschönste Satz, den Bruckner überhaupt komponiert hat! Wem es hier nicht die Tränen in die Augen treibt, der hat kein Gefühl! Dieser 2. Satz ist so erhaben und schön, dass es fast schmerzt. Unglaublich! Celibidache dehnt das Adagio so zähflüssig aus; damit nimmt er m.E. diesem Satz die ganze Würde. Dann doch lieber die empathische Furtwängler-Einspielung, auch wenn der Klang unterirdisch ist. Auf das Adagio folgt ein originelles Scherzo, das nur oberflächlich tänzerisch und heiter erscheint und schnell durch das Bläsermotiv einen bedrohlichen Charakter erhält. Erinnert mich vage an die Zweideutigkeit in Mahlers 4. mit ihrem „Nichts-ist-wie-es-scheint“. Mahler ging aber viel subtiler vor.
Mit der 9. komme ich bis heute nicht klar, vielleicht weil ich Bruckners tiefe Religiosität nicht nachempfinden kann. An der 2. liebe ich auch wieder das kontrastreiche Scherzo, der Rest ist mir kaum in Erinnerung. Soweit meine bescheidenen Erfahrungen mit Bruckner. Nach den Wand-Aufnahmen der 4. und 7. habe ich mich nie mehr nach anderen Dirigenten umgesehen. Sie sind meine beiden Lieblinge, und ich denke, dass Wand hier top ist.
Schönen Gruß, Cosima
Ganong (09.04.2006, 14:52): Liebe Cosima , lieber Rolf , selbst wer Bruckner zunächst nicht "mag" , der wird nicht umhin können , Karajans letzte Aufnahme überhapt ( mit den Winer Philharmonikern ; DGG ) und der 7. Syphonie zu den Sternstunden der Interpretationskunst zu zählen . ich gebe Dir , Cosima , recht , dass die "Romantische" die Symphonie ist , zu der auch ich den schnellsten Zugang gewonnen habe . Neben den legendären Aufnahmen mit Eugen Jochum , dessen Gesamtaufnahme ich wählen würde , müsste ich mich für einen Dirigenten entscheiden - und das Orchester !!! - gibt es ei ne Interpretation von E. Inbal , die die typische Brucknerschwere in den Hintergrund treten lässt . Die letzte Symphonie hat wohl Carlo Maria Giulini überragend ausgelotet . ( Nach Karajans Tod hat er sie mit den berlinber Philharmonikern als eine Art "Lebewohl" in Berlin interpretiert ) . Viele Grüsse , Frank
Tangua (10.04.2006, 11:55): Ich kann mich Cosima's Erfahrungen fast gänzlich anschließen - auch für mich sind die 4. und die 7. die schönsten und sicherlich auch die am leichtesten zugänglichen. Daneben sind mir die 2., 3. und 6. am Liebsten. Und auch ich habe Probleme mit den von Brucknerianern, glaube ich, als "Schlüssel"-Symphonien betrachteten 5. und 9. - auch Günter Wand bezeichnete diese als Bruckners wichtigste Symphonien.
Hervorragende Bruckner-Interpreten gibt es nach meinem Empfinden eine Menge und daher auch jede Menge sehr guter Einspielungen. Berücksichtigen muss man ferner natürlich die vielen unterschiedlichen Fassungen, die es von seinen Symphonien gibt und die auch eingespielt werden. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich nennen:
... aber eigentlich will ich mich gar nicht entscheiden :D
Cosima (10.04.2006, 17:36): Original von Tangua 7.Symphonie Karajan WPO :down
Diese Aufnahme wurde schon so oft genannt… ich komme wohl nicht drum herum. Nun bin ich richtig neugierig! Leider ist sie mal wieder Hochpreis. :( Ist sie wirklich so viel besser als die Wand-Aufnahme? Wie würdet Ihr sie einschätzen im Vergleich?
Gruß, Cosima
Ganong (10.04.2006, 18:00): Liebe Cosima , diese Aufnahme mist sicherlich ganz anders als die Interpretation von G Wand . Aber ich kenne niemanden , der diese karajan - Deutrung nicht für ausserordentlich hält ( zählt bei Norman Lebrecht wie bei mir zu den "100 Top Recordings" ) . Einfach hören . Viele Grüsse , Frank
martin (11.04.2006, 21:25): Hallo!
Ich habe natürlich auch verschiedene Einspielungen der Brucknersinfonien. Ich muß sagen, ich finden den Eugen Jochum immer noch gut. Habe die 4., 7., 8. und 9. aus seinem ersten Zyklus mit dem BPO und ich finde diese Einspielungen immer noch wunderbar. Ich habe mir allerdings, da er bei Brilliant so billig erschienen ist, auch die jüngere Einspielung mit der Staatskapelle Dresden geholt. Auch nicht schlecht, aber was ich vom älteren Zyklus kenne, gefällt mir noch besser. Trotzdem, bei dem Preis für jeden Studenten usw. unbedingt empfehlenswert, zumal da auch eine schöne Einspielung der 0. mit Skrowachewski dabei ist.
Natürlich sind auch die Fassungen ein Problem. Ich empfehle dringend, sich die 3. auch einmal in der Urfassung anzuhören! Das ist die Fassung, die Robert Simpson als die stärkste ansieht. Ich habe von dieser Fassung zwei Versionen: Inbal und Tintner. Der Tintner ist langsam, sehr langsam. Zu langsam? Ich weiß nicht, ich weiß nur, daß mich zu einem bestimmten Zeitpunkt diese Langsamkeit sehr überzeugt hat, zumal die ohnehin längere Urfassung der 3. bei Tintner wirklich zum zeitlich monumentalen wächst.
Bei der F moll sinfonie, der "Doppel Null" ist es erstaunlichweise gerade umgekehrt. Da finde ich den Tintner zu schnell und den Inbal gerade richtig.
Da hier gerade Bruckners 7. mit Karajan und den Wiener Philharmoniker angesprochen wird. Wenn das Karajans letzte Aufnahme ist, kenne ich sie. Hatte sie mir einmal ausgeliehen. Ich habe da mal rein gehört und ich fand sie eher enttäuschend. Irgendwie schaffte es schon der Anfang der Sinfonie nicht, mich zu fesseln ( wie zum Beispiel der Jochum). Ich weiß nicht, woran das liegt.
Was mir allerdings sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, ist eine Aufführung von Bruckners 9. mit Furtwängler. Leider lausiger Klang, aber als Interpretation hervorragend.
Gruß Martin
Rolf Scheiwiller (13.04.2006, 11:21): Original von Ganong Liebe Cosima , diese Aufnahme mist sicherlich ganz anders als die Interpretation von G Wand . Aber ich kenne niemanden , der diese karajan - Deutrung nicht für ausserordentlich hält ( zählt bei Norman Lebrecht wie bei mir zu den "100 Top Recordings" ) . Einfach hören . Viele Grüsse , Frank
Guten Tag Ganong. 1989 nach Karajans Tod erschien ja vieles z. T. zum erstenmal bei EMI auf CD. Dazumal hatte ich einiges, das er Mitte der 1950 Jahre eingespielt hatte. Unter anderm eine fulminante 8. Bruckner mit dem Berl. Ph. Orch. Aufgenommen 1957 ( !!! ). Hervorragender Klang. STEREO.
Kennst Du diese Aufnahme ? Gruss.
Rolf.
PS. Was sind Deine TOP 100 ? Das würde mich schaurig interessieren ! Bitte schreib doch davon. Wenn Du willst. Auch in Raten !
Eric (14.04.2006, 02:44): Ich habe zwar keine Vergleichsmöglichkeit, finde diese beiden Aufnahmen aber sehr gelungen:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8251681.jpg
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2580759.jpg
Liebe Grüße, Eric :wink
Cosima (14.04.2006, 07:53): Original von Rolf Scheiwiller PS. Was sind Deine TOP 100 ? Das würde mich schaurig interessieren ! Bitte schreib doch davon. Wenn Du willst. Auch in Raten !
Mich auch! Allein die Aufgabe bewältigt zu haben, aus der riesigen Anzahl von Werken und Interpretationen nur 100 Top-Aufnahmen auszuwählen, ist bewundernswert. Ich fände es toll, wenn Du, Frank, diese Erfahrung und Deine Einschätzungen weitergeben würdest.
Gruß, Cosima
Jascha Horenstein (17.04.2006, 18:08): Karajans Bruckner Aufnahmen für EMI halte ich für in allen Belangen misslungen.
natürlich etwas überhastet formuliert von mir. Seine EMI Aufnahmen überführen jegliche Komplexität der Werke in einen eintönig dröhnenden Klang. Sie werden meiner Meinung nach den Sinfonien in keinster Weise gerecht. Den Zusammenhalt der verschiedenen "Phasen"(Adorno) eines Bruckner Satzes bewältigt man nicht durch Durchhasten. Wie anders ist seine Siebte auf DGG! Ich bin leider nicht sehr bewandert in den diversen Bruckner-Einspielungen, schätze allerdings folgende Aufnahmen:
Mir leider nicht bekannt sind die Aufnahmen von H. Knappertsbusch.
Rolf Scheiwiller (20.04.2006, 11:15): Original von Jascha Horenstein Lieber Tangua,
natürlich etwas überhastet formuliert von mir. Seine EMI Aufnahmen überführen jegliche Komplexität der Werke in einen eintönig dröhnenden Klang. Sie werden meiner Meinung nach den Sinfonien in keinster Weise gerecht. Den Zusammenhalt der verschiedenen "Phasen"(Adorno) eines Bruckner Satzes bewältigt man nicht durch Durchhasten. Wie anders ist seine Siebte auf DGG! Ich bin leider nicht sehr bewandert in den diversen Bruckner-Einspielungen, schätze allerdings folgende Aufnahmen:
Mir leider nicht bekannt sind die Aufnahmen von H. Knappertsbusch.
@ J. Horenstein. Auch wenn Du noch nicht so bewandert sein solltest. Jedenfalls für Dein jugendliches Alter sehr gut gewählt. Anscheinend haben noch lebende Dirigenten bei Bruckner nichts zu melden. Kommt Zeit, kommt Rat. Gruss.
Rolf.
Wotan (20.04.2006, 19:27): Was haltet ihr denn allgemein von Celibidache und seinen Brucknerinterpretationen? Und was ist mit der 5ten von Thielemann und den Münchnern?
MfG Marco
Eric (22.04.2006, 23:32): Original von Jascha Horenstein Karajans Bruckner Aufnahmen für EMI halte ich für in allen Belangen misslungen.
Diese "überhastete Formulierung" erscheint mir etwas zweifelhaft.. :wink
Gruß, Eric
Rolf Scheiwiller (23.04.2006, 10:01): Original von Wotan Was haltet ihr denn allgemein von Celibidache und seinen Brucknerinterpretationen? Und was ist mit der 5ten von Thielemann und den Münchnern?
MfG Marco
Guten Tag Marco.
Also, die Thielemann Einspielung der 5. Bruckner hab ich mir sofort gekauft. Und rate mal wann ??? Am andern Tag, als die Uebertragung aus dem Vatikan erfolgte. Da hat er neben andern Werken die Tannhäuser - Ouvertüre dirigiert. Einfach meisterhaft !! Diese Bläser !!
Von diesem hervorragenden deutschen Orchester gibt es ja kaum aktuelle Aufnahmen.
Er hat zum Meister von St. Florian wirklich einen Draht.
Kaufte mir auch die Philadelphia Aufnahme der Wagner Sachen. Blendend ! Ansonsten hab ich auf DVD nur noch die " Arabella " aus der MET. Sowie auf SACD die " Alpensinfonie ". In jeder Hinsicht, auch aufnahmetechnisch weit über dem Durchschnitt .
Ich weiss, dass sehr viele ihn in Grund und Boden verdammen.
Aber ich heule nicht mit den Wölfen !
Celibidache kenn ich nur dem Namen nach.
Seine Dirigentenkollegen, lebende und verstorbene, soll er alle ungemein geschätzt haben.
Gruss. Rolf.
Ganong (23.04.2006, 17:43): Lieber Martin , man kann karajan mögen oder ihn sogar verachten . Aber dies e7. Symphonie von Bruckner ist gerade für Karajans Verständnis über Orchesterklang eine geredezu ergreifend eInterpretation . Und nicht , weil es seine letzte Aufnahme in seinem lLeben ist . Beiden Aufnahmen mit Eugen Jochum : Ich würde die Aufnahme mit der damals überragenden Staatskapelle Dresden immer vorziehen . Wenn ich mir eine GA der Symphonie Bruckners zulegen müsste, dann diese - absolut . Un dhochinteressante Interpretationne sind ja die von Tintner ( Norman Lebrecht hat eine Aufnahme in seinen "Top 100 " zu recht aufgenommen ) . Grüsse, Frank
martin (25.05.2006, 13:12): Lieber Frank,
ja ich mag den Karajan nicht sonderlich, das ist wohl wahr. Insofern bin ich dann wohl auch einfach nicht objektiv. Möglich, daß diese Aufnahme der 7. mit den Wienern doch besser ist, als ich denke. Aber den Bruckner von Karajan kenne ich kaum, man kann nicht alles kennen. Ich habe auch gar nicht den Anspruch hier als Weltweiser in Interpretationsfrage aufzutreten - das ist hier ein Forum, wo jeder seinen ganz persönlichen Senf beisteuert und wenn aus dieser Vielzahl von Stimmen beim Leser als Resultat nur ein chaotisches Stimmengewirr herausschaut, hat dies auch seinen pädagogischen Wert.
Schön, daß Dir die Aufnahme mit der Staatskapelle unter Jochum gefällt. Diese GA bei Brilliant ( ehemals EMI) ist in jedem Fall ein Schnäppchen finde ich.
Wobei ich sagen muß, daß ich in Tempofragen bei Bruckner immer noch sehr unsicher bin. Tintner spielt manche Sachen viel langsamer und mir gefällt das auch. Jochum ist da doch schneller, spielt aber auch andere Fassungen. Was ist nun besser? Es gibt ja auch, wie ich schon heraus gefunden habe, in gewissen anderen Foren auch Liebhaber von Georg Solti, die seinen Bruckner über alles stellen. Der soll nun besonders schwungvoll sein. Aber ich könnte mir schon vorstellen, daß mir das dann einfach zu schnell wäre. Solti als großer Brucknerianer? Ich kanns mir nicht vorstellen, aber überprüft habe ich mein Vorurteil nicht.
Der Bruckner Tintners hat auf jeden Fall, nach dem was ich da gesehen habe, die allergrößten Meriten abgeräumt, Preise ohne Ende gewonnen. Und teuer ist er auch nicht. Aber der Skrowajewski ist auch nicht teuer und soll auch sehr gut sein. So komme ich eigentlich in erster Linie schon mal zu dem Resultat, daß Du für wenig Geld ( für mich nicht unwichtig) doch schon sehr gute, sehr anerkannte Interpretationen erwerben kannst.
Gruß Martin
ab (30.05.2006, 23:00): Original von Ganong ich kenne niemanden , der diese karajan - Deutrung nicht für ausserordentlich hält
Lieber Frank,
Von wann ist diese Aufnahme? Ist zu dieser späten Aufnahmen das selbe zu sagen wie von Karajans spätem Brahms, dass dem früheren steten Vorwärtsdrängen (und auch Kontraste Suchen) eine Ruhe gewischen ist sowie ein unglaublich intesiver Strahleklang?
Kann (darf) das sein, dass sie derzeit vergriffen ist?
Jeremias (20.07.2006, 21:26): Liebe Freundinnen und Freunde der großen Orchestermusik der Spätromantik, es wird Zeit, dass wir uns wieder einmal dem Österreicher widmen, der derart intensive Sinfonien geschrieben hat, wie nicht einmal ein Beethoven oder Brahms vor ihm. Es gibt ja auch einige Werke für Chor und Orchester sowie Chor solo, die ich hier aber nicht besprechen möchte. Glücklicherweise hat er fast gar keine Kammer- oder Klaviermusik geschrieben, denn man kann derartiges mit einem einzelnen oder nur wenigen Instrument gar nicht ausdrücken (abgesehen davon ist uns eine Verunstaltung durch Brendel dadurch erspart geblieben :D ).
Celibidache sagte einmal, dass es Bruckner gegeben habe, sei ein Geschenk Gottes.... am Ende einer Sinfonie erlebten wir ein Gefühl der Vollkommenheit, das gefühl, durch alles gegangen zu sein...er hat recht!
Anton Bruckner wurde am 4.9.1824 in Ansfelden. Entscheidend prägten ihn in seiner Jugend die musikalischen und persönlichkeitsbildenden Eindrücke als Singknabe im Stift St. Florian. 1850 wurde er Stiftsorganist an St. Florian, 5 Jahre später Domorganist in Linz. Erst im Alter von knapp 33 Jahren begann er, sich intensiv mit der Kunst des Komponierens zu beschäftigen, und zwar bei Simon Sechter sowie Otto Kinzler. Durch letzteren lernte er die Musik Richard Wagners kennen. 1968 übernahm er eine Professur in Wien und konzertierte weiterhin in Westeuropa als Organist. 1891 verlieh ihm die Wiener Universität den Ehrendoktorgrad.
Der Erfolg seiner Sinfonien, für welche Bruckner heute berühmt ist, setzte sich erst langsam durch. Erst die 7. war es 1884, deren Aufführung ihm endlich den verdienten Erfolg brachte. Da bruckner ein Perfektionist war, arbeitete er seine Werke immer wieder um.
Die "Nullte" sinfonie, ein Studienwerk, soll hier außer Betracht bleiben.
1. Sinfonie Bruckner komponierte die Sinfonie ca. 1865/66. Diese Sinfonie in c-moll entstand zum Abschluss seiner Studien in Formlehre und Instrumentation bei Kintzler. Die Vorbilder Beethoven, Schumann und Mendelssohn sind hier noch sehr deutlich zu hören. Erstaunlicherweise gibt es in dieser Sinfonie doch relativ starke Temperamentsentfaltungen, wie sie in den späteren Werken nicht mehr vorkommen.Die sinfonie wurde erst nach bruckners Tod 1896 aufgeführt. Es existieren relativ wenige Aufnahmen, ich selber habe u.a. diese beiden hier, die mir recht gut gefallen:
2. Sinfonie Bereits hier zeigt sich das "Fassungsproblem". Dieses Werk ist bei weitem nicht so "aufsässig" wie die erste, es befremdet zudem durch viele Generalpausen. Interessanterweise wächst der hauptgedanke des 1. Satzes erstmals aus jenem geheimnisvollen Tremolo, wie es für Bruckner später typisch werden sollte. Wurde das Werk zunächst von den Wiener Philharmonikern als "unspielbar" abgelehnt, so wurde sie 1873 erstmals im Jahr nach seiner Entstehung aufgeführt. Für Bruckner wurde diese aufführung zu einem Triumph. Heute wird sie jedoch nur noch recht selten aufgeführt.
Meine bevorzugte Aufnahme ist die mit Günter Wand:
3. Sinfonie Diese entstand in den Jahren 1872/73 und wurde noch 2x überarbeitet, die letzte Fassung hat sich letztendlich durchgesetzt. Dies ist die erste Sinfonie, in welcher wir von Bruckners "Originalität" sprechen können, welche seine Werke unverwechselbar macht. Zudem ist es das erste Werk, welches eine Spielzeit von einer Stunde erreicht. Das Werk ist Wagner gewidmet, welcher sich aber überhaupt nicht um dieses gekümmert haben soll. Besonders empfehlenswert ist wieder einmal Günter Wand:
4. Sinfonie "Romantische" Auch diese Sinfonie liegt in mehreren Fassungen vor. Die Bezeichnung stammt von Bruckner selbst, der den 1. Satz als "romantisches Bild einer mittelalterlichen Stadt" deutete. Markantes Merkmal dieser Sinfonie ist die große Bedeutung der Hörner, wie sie in der Musikgeschichte wohl bisher nicht vorgekommen war. Der Finalsatz gehört zu Bruckners bedeutendsten Schlusssätzen, sowohl was die Weiträumigkeit als auch die Thematik und den Kontrast angeht. Die Sinfonie gehört zu den am häufigsten gespielten Werken der Spätromantik. Ich selber habe zahlreiche Einspielungen, besonders bevorzuge ich
5.Sinfonie Erstaunlicherweise liegt diese Sinfonie nur in einer Fassung vor und hatte die Werke von Haydn als Vorbild, was sich an dem durchaus heiteren Charakter des Werkes sehr gut verdeutlichen lässt sowie an dem typischen Choralaufbau nach einer langsamen Introduktion. Diese Sinfonie wird jedoch relativ selten gespielt, ich empfehle insbesondere aufgrund der Wirkung des Finalsatzes folgende Einspielungen:
6. Sinfonie Für mich ist es die Sinfonie, zu der ich am schwierigsten Zugang gefunden habe. Im Gegensatz zu 5. erscheint die 6. etwas knapper und konzentrierter. Markant ist insbesondere der "Bruckner-Rhythmus" im 1. Satz, bestehend aus einer Kombination von 3-ern und 2-ern und einem nahezu "scharfen" Hauptthema. "Herzstück" des Werkes ist das Adagio, in welchem insbesondere die Celli zu einem weitschwingenden, empfindungsstarken thema beitragen. Das Werk wurde erst 1935 komplett uraufgeführt. Mein klarer Favorit:
7. Sinfonie Komponiert zwischen 1881 und 83, ist dies wohl die meistgespielteste Sinfonie. Auffallend ist die erstmalige Verwendung der "Ring-Tuben Wagners" insbesondere im Adagio. Höhepunkt des Werke ist wohl der C-Dur-Durchbruch vor der Coda des langsamen satzes und damit die Mitte des Werkes. Das Hauptthema des 1. Satzes zieht sich über sagenhafte 21 Takte und ist eine "unendliche Melodie", bevor mit dem Adagio in cis-moll Bruckner wohl sein schönster satz überhaupt gelang. Wie bereits dargelegt, begründete diese Sinfonie Bruckners Weltruhm - wohl zurecht!
8. Sinfonie Celibidache sagte einmal, diese 8. sei die "krone der Symphonik". Mir selbst hat sie den zugang zu Bruckner ermöglicht. Auch hier existieren mehrere Fassungen und das Orchester erreicht ungeahnte Ausmaße: 3-fache Besetzungen in den holzbläsern, 8 Hörner, 4 Wagner-Tuben... Bruckner selbst stößt hier in harmonisches Neuland vor und erreicht dadurch unglaubliche Klangeffekte. Monumental v.a. das Adagio mit einer Länge von 25 Minuten sowie der Finalsatz, in welchem insbesondere die Blechbläser für ein nahezu"überirdisches" Gefühl sorgen. Man kann diese Sinfonie nicht beschreiben, man muss sie hören und erleben. Meine Favoriten der 8., welche mit über 80 Min. die längste ist:
9.Sinfonie Bruckner schrieb diese, seine letzte Sinfonie, direkt nach der 8. konnte sie aber nach dem Adagio nicht mehr fertigstellen. Für viele ist sie die Krone der Brucknerschen Sinfonik. der Hörer erlebt den Prozess des Entstehens aus der Urzelle eines Einzeltons bis zum Unisono-Sturz über 2 Oktaven, einem Thema über 60 Takte(!). Berühmt ist v.a. das Adagio, Bruckners letzter vollendeter Satz, eine Art "Abschied vom Leben". Ich empfehle:
Rachmaninov (21.07.2006, 20:29): Original von Jeremias Celibidache sagte einmal, dass es Bruckner gegeben habe, sei ein Geschenk Gottes.... am Ende einer Sinfonie erlebten wir ein Gefühl der Vollkommenheit, das gefühl, durch alles gegangen zu sein...er hat recht!
Kennst Du seine Bruckner Aufnahmen? Würde mich interessieren wie Du sie einschätzt bei DIESER Aussage!
Jeremias (23.07.2006, 10:09): Ich kenne nur wenig Bruckner mit ihm. das liegt einfach daran, dass seine Aufnahmen recht teuer sind. Ich denke aber, dass ich sie mir über kurz oder lang anschaffen werde
Rachmaninov (23.07.2006, 16:59): Original von Jeremias 8. Sinfonie Celibidache sagte einmal, diese 8. sei die "krone der Symphonik". Mir selbst hat sie den zugang zu Bruckner ermöglicht. Auch hier existieren mehrere Fassungen und das Orchester erreicht ungeahnte Ausmaße: 3-fache Besetzungen in den holzbläsern, 8 Hörner, 4 Wagner-Tuben... Bruckner selbst stößt hier in harmonisches Neuland vor und erreicht dadurch unglaubliche Klangeffekte. Monumental v.a. das Adagio mit einer Länge von 25 Minuten sowie der Finalsatz, in welchem insbesondere die Blechbläser für ein nahezu"überirdisches" Gefühl sorgen. Man kann diese Sinfonie nicht beschreiben, man muss sie hören und erleben. Meine Favoriten der 8., welche mit über 80 Min. die längste ist:
@Jeremias,
eine sehr treffende Beschreibung.
Habe mir eben die Aufnahme mit Jochum angehört in der DG Einspielung.
Wahrhaft eine klasse Sinonie mit enormen Klangeffekten und schöner Melodik.
:D
Jeremias (23.07.2006, 18:32): Hab ich Dir doch gesagt! Mit dieser habe ich Zugang zu Bruckner gefunden, genauer gesagt mit der oben empfohlenen Einspielung mit Welser-Möst. Eigentlich hatte ich mir die damals v.a. gekauft, weil ein paar Freunde von mir da mitgespielt haben.... bei Amazon ist diese IMO Referenzaufnahme derzeit günstig zu haben.
Als nächstes empfehle ich die 4. und danach die 7.!
Jeremias (05.01.2007, 17:05): Ich habe mir nach langer Zeit mal wieder eine Bruckner-Aufnahme gegönnt, und zwar via Ebay. Leider legt die DG diese CD nicht mehr auf. Sie gehört zu den eindrucksvollsten Tondokumenten, die ich je gehört habe!
embe (05.01.2007, 23:06): Hallo, ich hör grad die 1. Sym.http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7101645.jpg auf Originalinstrumenten...live... hört man fast gar nicht :engel Muss ich doch mal vergleichen mit Inbal oder Skrowaczewski.
Gruß embe
uhlmann (06.01.2007, 10:29): hallo,
weil embe gerade originalinstrumente angesprochen hat: wer einen aussergewöhnlichen, hip-en bruckner hören möchte, greife zur dritten (in originalversion von 1873) mit roger norrington und seinen london classical players.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7406141.jpg
das ist wahrlich "bruckner on speed" (z.b erster satz 18.48 gegenüber 30.34 bei tintner, der allerdings eher langsam ist). wer den herzinfarkt beim ersten hören überlebt :D, kann hier so manche facette neu erfahren. jedenfalls einen versuch wert...
der Bruckner-Thread ruht seit geraumer Zeit. Ist hier schonn alles über Bruckner und seine Interpretationen gesagt ? Nein !
Mein erster Zugang zu Bruckner war durch die Jochum-Aufnahmen auf LP (DG). Wie rachmaninov habe ich diese herrlichen Werke mit diesen Aufnahmen kennen und lieben gelernt. Als später die CD eingeführt wurde wollte ich die Sinfonien auf CD haben. Ich griff zu Einzelaufnahmen (welch ein Fehler vom Preis her) und entschied mich für Karajan (DG). Ich glaube die erste CD war Bruckner: Sinfonie Nr.4(DG) mit Karajan.
Was für eine positive Überraschung - ich war hin und weg - was war das für ein Bruckner ? So hatte ich Bruckner bis dahin noch nie gehört - mit Energie und Durchschlagskraft. Ich kaufte mir so nach ind nach alle Bruckner - Sinfonien einzeln, denn jede dieser Bruckner-Karajan-CD´s hatte neue positive Überraschungen zu bieten. :W das war mein Bruckner. Vorteil bei Einzelaufnahmen ist, das man sich mit den einzelnen CD´s intensiver beschäftigt als bei GA.
Später testete ich auch andere Interpretationen, aber bin über Jahre immer wieder gerne zu Karajan zurückgekehrt. Ich kann mit Dirigenten die die Bruckner-Sinfonien derart in die Länge ziehen nichts anfangen, auch wenn diese bei einigen eine noch so große Fürsprache hervorrufen (Tintner, Celibibache). Tintner gestaltet die Werke für meinen Geschmackzu langatmig, die Spannung reßt ab und es wird langweilig - man sehnt das Ende herbei!
Eines Tages lieh mir ein T-Kollege die CD Bruckner: Sinfonie Nr.6 mit Solti / Chicago SO (Decca). Eine wuchtige präzise Aufnahme mit allen hörbaren Paukenstllen besonders im ersten Satz (gegenüber vielen anderen, die dies vernachlässigen). Auch alle andere Solti-Aufnahmen begeisterten mich, nur Nr.4 nicht ganz so..... Im Jahre 2005 machte ich "Nägel mit Köpfen" und kaufte die Decca-GA mit Solti. Nachdem ich diese durchgehört hatte stellte ich fest, das Solti sogar meinen geliebten Karajan bei einigen Sinfonien ablöste.
Meine Favoriten-Liste:
Nr.00/f-moll Inbal / RSO Frankfurt (Teldec) Nr.0.............Chailly / RSO Berlin (Decca) Nr.1.............Solti / Chicago SO (Decca) Nr.2.............Solti / Chicago SO (Decca) Nr.3 (1873.) .Marthe / European PO Nr.3 (1877)...Karajan / Berliner PH (DG) Nr.4..............Karajan / Berliner PH (DG) - Die Aufnahme aus Chrom und Stahl ! Nr.5..............Karajan / Berliner PH (DG) Nr.6..............Solti / Chicago SO (Decca)** Nr.7..............Karajan / Berliner PH (DG) Nr.8..............Solti / Wiener PH (Decca-Eloquence/andere als in der GA) Nr.9..............Solti / Chicago SO (Decca) und Karajan / Berliner PH (DG)
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5058861.jpg Berliner PH, Herbert von Karajan DG 1976 -1981
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7817603.jpg Chicago SO / Georg Solti Decca, DDD
:hello Was haltet ihr von Soltis und Karajan´s Bruckner ??? Für mich haben sich Beide als größte Bruckner-Dirigenten entwickelt.
teleton (18.10.2007, 12:42): Hallo martin und alle Brucknerianer,
weiter oben in diesem Thread fand ich einen Beitrag als Gegenpool zu meinem Bruckner Geschmack.
Unser geschätzter martin, den ich schon lange aus anderen Klassik-Quellen kenne, hat ohnehin einen anderen Geschmack. Wenn es mal irgendwo "rund" geht ist das schon des guten zuviel. Khatchaturian mag er auch nicht (obwohl nur durch eine Decca-CD mit dem Komonisten begründet). Ja, das ist schon ein totaler Gegensatz.
Er schätzt Karajan wenig und kann sich auch Bruckner mit Solti nicht vorstellen. Dazu sollte man diese Aufnahmen aber auch erst einmal hören und sich nicht von Vorurteilen leiten lassen: Original von martin: Es gibt ja auch, wie ich schon heraus gefunden habe, in gewissen anderen Foren auch Liebhaber von Georg Solti, die seinen Bruckner über alles stellen. Der soll nun besonders schwungvoll sein. Aber ich könnte mir schon vorstellen, daß mir das dann einfach zu schnell wäre. Solti als großer Brucknerianer? Ich kanns mir nicht vorstellen, aber überprüft habe ich mein Vorurteil nicht. Er meinte u.a. natürlich auch mich (in den anderen Foren)! Zu schnell ist Solti nirgendwo, sondern höchst angemessen, denn er hetzt nirgendwo über die Bruckner-Werke hinweg.
:hello Martin, Du solltest Solti´s fantastischen Bruckner wirklich erst einmal hören um ein Urteil zu fällen. :engel Solti ist ein fabelhafter Bruckner-Dirigent. Bei ihm werden die langen Sätze nie langweilig, denn er weiß die Werke sicher und großbogig zu gestalten.
karajan (18.10.2007, 22:45): Original von teleton Liebe Bruckner-Freunde,
:hello Was haltet ihr von Soltis und Karajan´s Bruckner ??? Für mich haben sich Beide als größte Bruckner-Dirigenten entwickelt.
Meine große Bewunderung zu den Werken Bruckners hat sich erst spät Entwickelt. Ich fing erst mitte 30 an Bruckner nach und nach zu hören.....leider wie ich heute weis. Zuerst hörte ich die 4, viel später die 7 und dann die 9. Seit der 9.Symphonie habe ich von Bruckner nicht mehr gelassen. Auch sein Te Deum liebe ich ganz besonders. Für mich ein musikalischer Genuß besonders die Aufführungen und Einspielungen Karajans. Unter seiner Stabführung gibt es ein Bruckner den man nicht mehr loslassen möchte. Mit wenigen Bewegungen ohne Tackstock zaubert Karajan regelrecht. Ein absoluter Klangmagier der auch die Philharmoniker verzaubert. Egal was die ewigen Karajan Widersacher auch hervorbringen er war ein Meister seines Faches. Sein Bruckner ist und bleibt für mich Referenz so lange ich Lebe. Besonders seine 7+8 mit den Wienern DGG ist was besonderes. Auch sein Mitschnitt auf DVD aus der Stiftskirche St.Florian ist großartig. Seine frühen Bruckner-Aufnahmen für Emi die 4-7-8 höre ich auch immer wieder gerne. Vergleicht man die 7 von Emi gegen die 7 von der DGG (Karajans letzte Aufnahme) könnte man meinen Karajan steht vor der Himmelsforte. Ein Klangzauber ganz besonderer Art. Eigentlich schade das A.B. sich immer wieder zu anderen Versionen und Bearbeitungen hingezogen fühlte. Der Spruch was ich geschrieben habe bleibt geschrieben das sagte P.Pilatus hätte Bruckner auch machen sollen, aber nein sobald eine negative Kritik aufkam wurde Bearbeitet. Er war nie zufrieden er selber sein größter Kritiker und immer den lieben Gott vor Augen. Wenn Gott Musik hören kann und will wird er Bruckner bewundern. Der letze große Kapellmeister Sir Georg Solti auch ein spitzen Dirigent, bestimmt kein Dirigent der zweiten Liga wie manche behaupten leider kenne ich von ihm keinen Bruckner. Aber das wird sich in der nächsten Zeit ändern, traue ich einen besseren Bruckner zu als allen noch lebenden Taktstock quälern.
Liebe Grüße Andreas
ab (18.10.2007, 23:14): Original von karajan ..traue ich einen besseren Bruckner zu als allen noch lebenden Tacktstock quälern.
Wen hast Du denn da im Sinn?
Ganz allgemein muss man sich wohl die Gretchefrage stellen: Eher dramatisch oder eher klanglich. Solti und früher Karajan haben sich eindeutig zu ersterer Art bekannt. Man sollte wohl bedenken, dass nicht jeder, der einen eher klanglichen Zugriff wählt, deshalb auch schon ein "lebender Tacktstockquäler" ist.
uhlmann (19.10.2007, 09:19): Original von ab Eher dramatisch oder eher klanglich. Solti und früher Karajan haben sich eindeutig zu ersterer Art bekannt.
sehe ich durchaus nicht so.
solti, ja, der ist dramatisch. mir persönlich bei bruckner wie bei vielen seiner sachen zu fahrig, aber natürlich dramatisch.
aber karajan: dessen ansatz würde ich ohne zögern als klanglich einstufen. bei karajan habe ich meist das gefühl, dass er dramatische überlegungen zugunsten des reinen klangbildes zurück stellt. das gilt imo genauso für seinen wagner als auch für seinen bruckner. ich bin kein großer karajan-freund (und daher auch kein experte), kenne aber recht viel wagner (ring, meistersinger) und bruckner mit ihm. was mir hier immer wieder fehlt, ist der dramatische zugriff, ein durchgängiges schlüssiges konzept im aufbau. vieles ist auf den bloßen effekt hin gespielt, etwa die steigerungen bei bruckner. dazwischen plätschert die musik aber meist nur so dahin, da fehlt der "große bogen", die stringenz über einen ganzen satz oder das ganze werk hinweg. gerade das findet sich aber in großen bruckner-interpretationen - wie bei keinem anderen wohl bei eugen jochum.
ich höre gerade den ersten satz der karajan-wpo-siebten (dg). diese aufnahme (oft gelobt und quasi als karajans vermächtnis gesehen) bestätigt meine aussagen in prototypischer weise. ein mollig weiches, breites klangbild, die phillies spielen wunderschön, die letzte steigerung ist klanglich bis zum letzten ausgereizt. erinnert mich vielfach an barenboims bruckner (den ich auch recht wenig interessant finde). nur die "schönen stellen" bleiben stückwerk, von einem durchgängigen dramatischen aufbau, vom "großen bogen" fehlt jede spur. gewiss sieht sich mancher angesichts des klangs schon im himmel - für mich gehört zu einer schlüssigen bruckner-interpretation jedoch mehr.
alles aber - wie immer - eine frage des geschmacks.
ab (19.10.2007, 09:41): Original von uhlmann Original von ab Eher dramatisch oder eher klanglich. Solti und früher Karajan haben sich eindeutig zu ersterer Art bekannt.
sehe ich durchaus nicht so.
aber karajan: dessen ansatz würde ich ohne zögern als klanglich einstufen. bei karajan habe ich meist das gefühl, dass er dramatische überlegungen zugunsten des reinen klangbildes zurück stellt. das gilt imo genauso für seinen wagner als auch für seinen bruckner.
Ich denke, hier sollte man zwischen früheren und späteren Karajan unterscheiden. Den späten würde ich auch mehr in die klangliche Richtung einstufen. Warum ich die früheren Aufnahmen als dramatisch einstufe ist gerade das, was Du mit "auf bloßen effekt hin gespielt, etwa die steigerungen" charakterisierst die meist in brachiale Blech-Ausbrüche übergingen, ich ich persönlich als völlig inhomogen empfinde. Sein früher Bruckner ist - wie auch sein Brahms - durch ein Vorwärtsdrängen verbunden - auch dies ist für mich ein Aspekt des Dramatischen. Der späte Karajan hat dann zu einer Ruhe gefunden - was Du mit "plätschert die musik aber meist nur so dahin" bezeichnest. Beim früheren Karajan drängt sie higegen "nur so dahin".
Ich selbst verbinde mit dem, was ich mit "klagliche" meine, ein Entstehenlassen aus der Ruhe, wie es exemplarisch bei Celibidache aber auch Skrowaczewski zu finden ist. Lässt man diesen Aspekt beiseite, verstehe ich durchaus, weshalb Du Karajan - selbst bei den früheren Aufnahmen - zu den klanglichen stecken möchtest - und stimme dem zu...
Alles in allem teile ich Deine Charakteristik sowohl von Solti als auch von Karajan, was nicht heißt, dass ich seine letzte Aufnahme der 7. wegen seiner fast unabhängen freien Linienführung und insbesondere der Strahlkraft (wie auch bei seiner letzte DDD-Brahms#1-Aufnahme) nicht dennoch sehr schätze.
Ich kann sogar Deinem Satz oben zustimmen, wenn Du den Ausdruck "dramatische" Überlegungen durch "architektonische" (womöglich sogar "dramaturgische") - oder wie Du selbser schreibst - "konzeptuelle" ersetzt.
uhlmann (19.10.2007, 10:15): hallo ab,
den frühen karajan-bruckner kenne ich nicht, kann mir aber unschwer vorstellen, dass er dramatischer sein kann, als der späte.
was du als "klanglich" bezeichnest, würde ich als "dramatisch" ansehen: die stringente entwicklung eines werks, ein konzept für den klanglichen aufbau, für das herausarbeiten der strukturen eines werks.
ein in meinem sinne dramatischer zugang ist gerade für einen komponisten wie bruckner wichtig, dessen musik zerklüftet und von brüchen durchzogen ist. läßt man hier nur bloß "schön" spielen, verliert sich die musik in einzelteilen, geht der natürliche aufbau der werke verloren. die mangelnde stringenz (quasi die brüche) in seiner musik war ja oft anlaß für kritik an bruckner.
der dirigent hat gerade bei bruckner die aufgabe, die werke "organisch" entstehen zu lassen, die einzelnen komplexe in relation zueinender und in sinnvoller relation zum gesamten werk zu stellen. das bezeichne ich als "den großen bogen spannen". eine aufgabe übrigens, die bei kaum einem anderen komponisten so schwer zu erfüllen ist.
ab (19.10.2007, 10:35): Original von uhlmann was du als "klanglich" bezeichnest, würde ich als "dramatisch" ansehen: die stringente entwicklung eines werks, ein konzept für den klanglichen aufbau, für das herausarbeiten der strukturen eines werks.
Also scheinen wir ja inhaltlich einer Meinung zu sein, und nur konträr die Worte zu verwenden.
der dirigent hat gerade bei bruckner die aufgabe, die werke "organisch" entstehen zu lassen, die einzelnen komplexe in relation zueinender und in sinnvoller relation zum gesamten werk zu stellen. das bezeichne ich als "den großen bogen spannen". eine aufgabe übrigens, die bei kaum einem anderen komponisten so schwer zu erfüllen ist.
Ein anderer Komponist, wie ich finde, ist Sibelius mit seinen Sinfonien.
(Off topic: Lange Zeit dachte ich, Bernstein mit den Wienern (DG) sei bei Sibelius eben daran gescheitert, heute bin ich mir fast schon unsicher: womöglich lässt er dies absichtlich so wie völlig beiläufig dahingleiten, so wie auch unser Leben so spielt: im Übergang von Zeiten des Dahindämmerns zur plötzlichen Konzentration.... Bei Bruckner jedenfalls funktioniert dies nicht...)
den frühen karajan-bruckner kenne ich nicht, kann mir aber unschwer vorstellen, dass er dramatischer sein kann, als der späte.
Karajan in der Analog-Zeit und die späten DDD-Aufnahmen unterscheiden sich gerade darin, dass er im Alter nicht mehr vorwärtsdrängend interpretiert. Ich weiß nicht, wie Du dies benennen willst...
:hello
Dr. Schön (11.01.2009, 12:19): Ich habe mir die letzten Tage 3 Bruckneraufnahmen etwas ausgiebiger angehört.
Zum einen die Vierte unter Karl Böhm (Decca), die mir jedesmal besser gefällt. Eine sehr unaufgeregte und sachliche Deutung. Aber sie ist sehr geschlossen, steht vom ersten Ton an unter einer nüchternen und gleichförmigen Spannung. Viele Details werden sehr sorgfälltig und analytisch abgearbeitet und immer sehr sinnfällig ins Ganze eingegliedert. Daneben lebt diese Aufnahme vorallem vom sehr schönen, klaren und transparenten Spiel der Wiener Philharmoniker. Mir fehlt ein Tick Hysterie, ansonsten eine besten Böhm Aufnahmen die ich kenne.
Wilhelm Furwänglers Achte (Testament). Das ist noch ein Exponent einer älteren oder romantischeren Brucknerauslegung, die Bruckner eher aus einer romantischeren Wagnerauslegung heraus deutet. Dennoch zeigt sie Furtwängler von seiner besten Seite. In den schnelleren Passagen (zweiter Satz zB.) wird's zwar etwas ungenau, was auch an der Akustik liegen kann. Die Stärken liegen eher in den langsammen Passagen. Er lässt organisch, atmend musizieren und spannt große Bögen, die den Atem zum Ende hin halten. Es geht insgesammt eher langsam zu, steht aber immer unter Spannung. Manchmal möchte man schon den Sängern ihre Einsätze geben, bis man merkt: Ach, is ja nicht Wagner. Oder im Adagio kommen einem Siegfrieds Sargträger in den Sinn. Ich weiß immer nicht wieweit ich einen solchen Bruckner noch legitim finden soll. Eindrucksvoll ist diese Aufnahme aber auf jeden Fall.
Ja und jetzte die Neunte unter Jascha Horenstein (BBC), wo mir fast etwas die Worte fehlen. Schon der erste Satz wirkt perfekt durchgeformt, nahezu ideal disponiert und ist zu einer regelrechten übergröße aufgepumpt. Das ganze kommt nie zu massiv, dazu ist Horenstein, wie meist, viel zu flexibel, d.h. in jedem Augenblick sehr beweglich. Der sehr plastische Eindruck kommt zudem durch eine Tempowahl zustande, die ich nicht anders als genial richtig bezeichen kann. Auch den zweiten Satz habe ich so noch nicht gehört. Gerade der Mittelteil klingt sehr lebendig und flott, ich möchte fast sagen etwas jungendlich, dass ich irgendwo an Schubert denken musste. Sehr ungewöhlich, aber mir gefiel das prima. Auch der letzte Satz wirkt wieder sehr räumlich und architektonisch. Ich habe da absolut nichts zu meckern. Es ist auch eine der wenigen Bruckner Einspielungen, wo sich mir nicht die Frage aufdrängt, welcher Auslegung oder welcher Auffassung sie jetzte zuzurechen ist. Sie erscheint mir einfach zu stimmen. Dazu ist sie irgendwo sehr bewegend. Nicht diese direkte Keule, die gleich in den Magen schlägt, sondern schlicht sehr richtig.
Also mir gefällt diese Aufnahme verdammt gut und ich bin völlig begeistert.
Kennt jemand andere Bruckner Aufnahmen Horensteins? Bei BBC gibt es ja noch die 3 & 5. Zudem gibt es in einer Serie mit Aufnahmen der Berliner Philharmoniker eine 7te aus den 20er Jahren. Das alles würde mich jetzt schon sehr reizen.
Rachmaninov (12.01.2009, 18:47): Original von Dr. Schön Kennt jemand andere Bruckner Aufnahmen Horensteins? Bei BBC gibt es ja noch die 3 & 5. Zudem gibt es in einer Serie mit Aufnahmen der Berliner Philharmoniker eine 7te aus den 20er Jahren. Das alles würde mich jetzt schon sehr reizen.
Leider kenne ich keine, aber hier findest Du seine Aufnahmen.
ab (12.01.2009, 18:51): In der Music&Arts-Box der Horensteinschen Radioaufnahmen aus Paris zwischen 1952 und 1966 befindt sich leider keine einzige Bruckner-Aufnahme (und von Mahler leider auch nur die Kindertotenlieder mit Marian Anderson von 1956).
:hello
kreisler (12.01.2009, 19:42): Also mir fällt auf, das Celi hier kaum erwähnt wird. Ich dachte wen ich den Bruckner-Thread lese, lese ich nur noch Celibidache :wink
Also ich bin eigendlich kein Fan von Celi (eher das gegenteil) aber ich denke trotzdem Bei Bruckner hat er eine unglaubliche Teife!
Ich mag zwar auch die 9. mit jochum und habe mal ein paar Aufnahmen von Inbal gehört (diese haben mich jedoch nicht überzeugt),
mittlerweile höre ich da aber nur Celi
kreisler (12.01.2009, 19:47): 1. Sym. auf Orginalinstrumenten
Ach ja, warum muss man Bruckner denn auf Orginalinstrumenten spielen? Ich meine solang ist das auch nicht wieder her, oder?
dagegen:
Wilhelm Furwänglers Achte (Testament). Das ist noch ein Exponent einer älteren oder romantischeren Brucknerauslegung, die Bruckner eher aus einer romantischeren Wagnerauslegung heraus deutet. Dennoch zeigt sie Furtwängler von seiner besten Seite.
Ich kenne Furtwänglers Bruckner zwar nicht aber warum "Dennoch"? Was ist gegen eine romantische Bruckneraulegung zu sagen (oder habe ich da selber ewas fehlinterpretiert?) Bruckner das ist doch ROMANTIK?
Dr. Schön (12.01.2009, 20:29): Original von ab In der Music&Arts-Box der Horensteinschen Radioaufnahmen aus Paris zwischen 1952 und 1966 befindt sich leider keine einzige Bruckner-Aufnahme (und von Mahler leider auch nur die Kindertotenlieder mit Marian Anderson von 1956).
:hello
Wie ist die Box sonst?
Dr. Schön (12.01.2009, 21:35): Original von Amadeus Kreisler
Ich kenne Furtwänglers Bruckner zwar nicht aber warum "Dennoch"? Was ist gegen eine romantische Bruckneraulegung zu sagen (oder habe ich da selber ewas fehlinterpretiert?) Bruckner das ist doch ROMANTIK?
Erstmal auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.
"Dennoch", weil ich Furtwänglers Aufnahme, besonders in den beiden letzten Sätzen, doch sehr eindrucksvoll fand. Das erkenne ich an, so mir sein Ansatz persönlich auch weniger liegt.
Das ich das mit "romantisch" umschrieben habe ist vielleicht etwas problematisch. Da müsste ich wahrscheinlich genauer erklären, was ich darunter verstehe.
Ich meine damit, wenn Bruckner organisch und darin schon etwas eingeebnet ("breig" wäre viel zu hart für das was ich meine) klingt. Und wenn ich eher den Eindruck gewinne, die Sinfonie würde dabei noch großbogig gespannt werden, wie man es bei Wagner kennt, und weniger die Architektur würde geformt werden, was zu Bruckner und seiner brüchigkeit, oder besser blockhaftigkeit, für mich einfach besser passt. Da habe ich dann das Gefühl es ist Bruckner und weniger den Eindruck Bruckner wäre zunächst mal Wagnernachfolge und dann später auch irgendwo auch eigenständig (Übertrieben formuliert!!).
Vielleicht meinte ich eher altmodisch. Zumindest scheint es immer weniger Aufnahmen zu geben, bei denen das als ein Extrem auffällt. Auch bei älteren Aufnahmen ist das schon nicht immer der Fall, wenn ich an Klemperer, Schuricht oder Böhm denke.
Das andere Extrem würde ich dann eher als architektonisch und geformt bezeichen, wobei mir das näher liegt.
Viele sind auch irgendwo dazwischen. Genauso könnte man eben grob zwischen dynamisch, drängend und gemessen, meditativ bis klanglich unterscheiden. Da habe ich aber mit keinem Vorgehen ein generelles Problem.
kreisler (12.01.2009, 22:24): Erstmal Danke für den Willkommensgruß!
Ich hatte mir schon gedacht, dass das auf die etwas altmodische und breite Interpretationsweise Furtwängler´s anspielt (der ich persönlich eigentlich überhaupt nicht abgeneigt bin. Auch achte ich Furtwängler, gerade wegen seinem "atmenden, organischen" Musizieren; aber da zu im eigenen Forum...)
Was du da "übertrieben formulierst" finde ich sehr interessant! Ich habe, wie wohl auch der ein oder andere auch, ein bisschen ein Problem mit Bruckners "Blockhaftigkeit". Jeder einzelne Abschnitt ist in sich so schön und beschwört so unglaubliche Stimmungen herauf, dass es das jedoch wie der aufwiegt. Aber vielleicht ist das einfach so, dass man Bruckner erst vollständig verstehen kann nachdem (oder bevor?) man seine Mahler-Phase :) (die sich natürlch nicht bei jedem einstellt) hatte?
uhlmann (12.01.2009, 23:54): Original von Amadeus Kreisler Also mir fällt auf, das Celi hier kaum erwähnt wird. Ich dachte wenn ich den Bruckner-Thread lese, lese ich nur noch Celibidache :wink
das kannst du ja gerne ändern. es gibt übrigens noch threads zur 4ten und 9ten, dort würde es auch passen. :hello
Dr. Schön (13.01.2009, 10:37): Eine Frage zur "Nullten". Ich kenne sie nicht. Bei JPC finde ich zwei einzelne CDs mit diesem Werk. Einmal Scrowaczewski und einmal Tintner (zusammen mit der 8).
Ich würde Tintner sowieso gerne mal kennenlernen. Empfiehlt sich das? Scrowaczewski kenne ich mit 5 & 7. Das gefiel mir schon gut, aber mit noch etwas Luft nach oben, wobei ja eingentlich geradezu luftig.
Das andere was mir fehlt ist eine wirklich gute Erstfassung der Vierten. Weil günstig, besitze ich die Einspielung von Dennis Russell Davis, die als Anschauungsstück zumindest ihren Dienst tut. Kennt da jemand was geradezu bösartig überzeugendes?
uhlmann (13.01.2009, 11:43): Original von Dr. Schön Eine Frage zur "Nullten". Ich kenne sie nicht. Bei JPC finde ich zwei einzelne CDs mit diesem Werk. Einmal Scrowaczewski und einmal Tintner (zusammen mit der 8).
Ich würde Tintner sowieso gerne mal kennenlernen. Empfiehlt sich das? Scrowaczewski kenne ich mit 5 & 7. Das gefiel mir schon gut, aber mit noch etwas Luft nach oben, wobei ja eingentlich geradezu luftig.
tintner empfiehlt sich eigentlich immer. zur 0ten bekommst du zumal noch eine grandiose originalversion der 8ten dazu. leider muss man beim orchesterspiel kleinere abstriche in kauf nehmen; das national symphony orchestra of ireland ist zwar nicht schlecht, aber eben kein concertgebouw (das gilt auch für seine anderen einspielungen mit dem scottish national orchestra und dem new zealand symphony orchestra). dafür sind imo tintners interpretationen absolut überzeugend - kaum jemand sonst liefert einen so natürlichen und dennoch spannenden bruckner.
kreisler (13.01.2009, 14:16): Original von uhlmann Original von Amadeus Kreisler Also mir fällt auf, das Celi hier kaum erwähnt wird. Ich dachte wenn ich den Bruckner-Thread lese, lese ich nur noch Celibidache :wink
das kannst du ja gerne ändern. es gibt übrigens noch threads zur 4ten und 9ten, dort würde es auch passen.
Nun, wie gesagt bin ich da eigentlich kein Experte ist die frage was ich da groß schreibe ?( :)
und danke für den Hinweis zu den anderen Seiten.
teleton (14.01.2009, 12:28): Hallo Uhlmann, Kreisler und Dr.Schön,
Zitat Uhlmann: tintner empfiehlt sich eigentlich immer. zur 0ten bekommst du zumal noch eine grandiose originalversion der 8ten dazu. leider muss man beim orchesterspiel kleinere abstriche in kauf nehmen; das national symphony orchestra of ireland ist zwar nicht schlecht, aber eben kein concertgebouw (das gilt auch für seine anderen einspielungen mit dem scottish national orchestra und dem new zealand symphony orchestra). dafür sind imo tintners interpretationen absolut überzeugend - kaum jemand sonst liefert einen so natürlichen und dennoch spannenden bruckner.
Wie immer ist das alles Geschmackssache.
Ich habe mehrere Tintner-Naxos-Aufnahmen der Bruckner - Sinfonien getestet und besitze diese bereits nicht mehr.
Zum Beispiel die Sinfonie Nr.3 in der Urfassung 1873.: Ich habe selten soetwas langatmiges und spannungsloses gehört. Tintner liegt meinem Bruckner - Bild überhaupt nicht. Hinzu kommt das Orchesterspiel der Tintner-Orchester - da ist man einfach duch die Berliner PH (Karajan) und genauso perfekt dem Chicago SO (Solti) verwöhnt. Um die Bruckner Sinfonie Nr.3 in der Erstfassung 1873 zu haben, hatte ich mir die Inbal-Aufnahme mit dem Frankfurter RSO (TELDEC) gekauft. Schon die Spielzeiten vorab auf dem Cover versprachen "Besserung" und so war es auch - ein TOP-Aufnahme. Aber erst meine seit Jahrzehnten vorhandene Karajan-Aufnahme (DG) in der Novak-Fassung 1888/89 hat mein Bruckner-Bild für die Dritte wieder vollends gerade gerückt (nach dem Tintner-Schock).
Die Celibidache - Aufnahmen kenne ich nicht wirklich. Da mir dieser Dirigent (ein Ich-Mensch ersten Grades) unsympathisch ist, habe ich mich auch nie dafür intensiv interessiert. Ich weis aber auch das er eher zu ausgereizten Tempi neigt - nichts für mich ! Frage: Wie ist es bei den Bruckner - Sinfonien mit Celi ? Ist er da auch so langatmig unterwegs ?
Die Bruckner-Sinfonien in den fabelhaften Decca-GA mit dem Chicago SO mit Solti unterstreichen das rhytmisch-dramatische Moment dieser Werke. Das ist vielleicht moderner empfunden (fern eins Furtwängler) - auf jeden Fall trifft es immer meinen Geschmack und mein Bruckner-Bild. Da wird nichts zerdehnt, sondern mannhaft stark mit Tiefgang und begeisterungswürdig interpretiert. :hello Auch wenn ich meine Worte von 2007 hier in diesem Thread wiederhole: Diese Worte zu Solti treffen auch auf die Karajan-Aufnahmen (DG) zu, die ich alle auf DG-Einzel-CD´s habe- meine beiden Lieblings - GA.
Wotan (14.01.2009, 12:34): Auch wenn ich mich mit Bruckner immer etwas schwer tue und ihn oftmals langatmig finde, aber wenn, dann bevorzuge ich tatsächlich die Aufnahmen von Celi (auch wenn sie länger und ausladender sind. In der 8ten braucht er für die letzten beiden Sätzen knapp 20min länger als z.B. Karajan). Ich kenne auch einige andere Aufnahmen von Celi (nicht Bruckner), die ich sehr problematisch finde und die mir auch nicht sonderlich gefallen, weil zu langsam - aber bei Bruckner finde ich gerade das unglaublich spannend. Es gibt ja bei der DG auch eine Brucknerbox von Celi mit dem SWR-Orchester, die noch ein Stück schneller und flüssiger sind als die Münchneraufnahmen (ob besser ist sicher Geschmackssache). Fazit: bei Bruckner finde ich die Celiaufnahmen großartig, ansonsten kann ich mit ihm nicht viel anfangen.
Dr. Schön (14.01.2009, 12:49): Zur Weihnachtszeit habe ich einen bekannten Klassikfreund besucht, der mir eine 7te Schostakowitsch aus den späten 40ern vorgespielt hat (Wir spielten sowas wie "blind gehört"). Es war Celibidache und ich war sehr überrascht wie feurig es zur Sache ging, auch wenn eine gewisse Schwerfälligkeit, dh sowas wie ein kleiner Hang zur "Klangklumpenbildung" den späten Meister schon angekündigt hat.
Celibidache's Bruckner habe ich öfters gehört, als ich Bruckner noch kennenlernte. Vielleicht hat seine Herangehensweise etwas, was, so zumindest mir, den Einstieg in den Kosmos Bruckner erleichtert.
Suspekter wurde mir der Mann, als ich dann hörte, wie er bei seinen späten Beethoven und Brahms ähnlich verschleppt zu Werke ging, wo das nun für mich überhaupt nicht passte, bzw. einfach nicht gelungen war. Der Eindruck von einer bei allem übergestülpten Masche hat mich dann wieder von dem Mann abgebracht. Zudem ändern sich mit der Zeit die Hörgewohnheiten.
Seine Vierte brachte ich nicht fertig zu verkaufen. Bei den anderen war ich solange fasziniert, bis ich das Gefühl hatte, die Spannung würde in die Binsen gehen. Wenn dann der Eindruck entsteht das Material würde ich einfach auflaufen.
Aber ich denke irgendwo nach wie vor, dass man seinen Bruckner schon zumindest gehört haben sollte. Der Rest ist dann Geschmackssache, nach dem Motto lieber Celibidache als jemand, der gar nichts zu sagen hat.
uhlmann (14.01.2009, 16:00): @ wolfgang (teleton)
habe mir fast gedacht, dass sowas von dir kommen wird. ich wollte schon fast "auch wenn teleton das anders sehen wird" zu meinem tintner-post dazuschreiben.
ich empfinde gerade die von dir erwähnte aufnahme der originalfassung der 3ten unter tintner als eine der besten der gesamten bruckner-discographie. sie zeugt prototypisch für tintners tiefes verständnis für die musik bruckners - eine eigenschaft übrigens, die ich bei vielen anderen dirigenten, die bruckner spielen, oft schmerzlich vermisse.
Rachmaninov (11.03.2009, 12:23): Also,
ich habe gestern die 8. Sinfonie in der Aufnahme von Giulini gehört (DG) und muss sagen ich bin begeistert von der Leitung Giulinis.
Die Aufnahme ist eine Leihgabe der Stadtbibliothek wird aber sicherlich von mir gekauft!
SO, macht Bruckner viel Freude!
frau baur (11.03.2009, 21:05): Original von Rachmaninov Also,
ich habe gestern die 8. Sinfonie in der Aufnahme von Giulini gehört (DG) und muss sagen ich bin begeistert von der Leitung Giulinis.
Die Aufnahme ist eine Leihgabe der Stadtbibliothek wird aber sicherlich von mir gekauft!
Rachmaninov (12.03.2009, 17:08): Original von frau baur Und was spricht für diese Aufnahmen?
Nichts! Sorry
Praktiziertes Kleinkindverhalten in Vollendung! :ignore
Und Tschüss :hello
Nordolf (12.03.2009, 17:38): Original von Rachmaninov Original von frau baur Und was spricht für diese Aufnahmen?
Nichts! Sorry
Praktiziertes Kleinkindverhalten in Vollendung! :ignore
Und Tschüss :hello
Huch, was ist denn hier schief gelaufen?... ?(
Ich kenne nur Guilinis Neunte, die ich jedoch wärmstens empfehlen kann: - eine ganz wunderbare Aufnahme! Ich will mich mal selbst zitieren:
Guilini leitet die Wiener mit sehr viel Feinsinn, aber auch Freude am laut donnernden Bläserbombast. Da glitzert und schimmert jeder Ton, eine innere Spannung ist noch in der leisesten Passage zu spüren. Meiner Ansicht nach steht und fällt eine Bruckner-Interpretation ja duchaus mit der Qualität des Bläserklangs. Und das Wiener Blech erzeugt hier einen wunderbar strahlenden Klang. Das Scherzo lässt Guilini recht temperamentvoll spielen.
Die Aufnahme läuft gerade im Player und fesselt mich immer noch so stark wie beim ersten Hören. Guilini und die Wiener schaffen es, jedem Ton eine gewisse majestätische Strahlkraft zu verleihen. Das hier ist wohl auratisches Musizieren in Reinkultur. Die bombastischen Höhenpunkte der Symphonie gewinnen dabei eine ganz fantastische Durchschlagskraft. Und das Blech! – aber darüber habe ich diesem Forum ja schon genug geschwärmt....
Schwarmgeistige Grüße! Jörg
Amadé (24.06.2009, 19:14): Ich habe jetzt mal meinen Bestand von Bruckner-Aufnahmen mit Hans Knappertsbusch durchgesehen. Von der 8. stehen drei Aufnahmen im Regal: -Berliner Philharmoniker , live, 08.01.1951 verlegt bei aura, auch von Archipel erhältlich
diese Aufnahme entstand laut Booklet nach einer fesselnden Konzertauffführung in München. Ein inzwischen verstorbener Freund meines Freundes schenkte mir vor Jahren eine von ihm hochgelobte Bandaufnahme eines Konzerts mit der 8. und Kna, auf dem Beiblatt schrieb er nur „Bayerischer Rundfunk“, es bleibt offen, ob es sich um das Sinf.Orch. des BR handelt, oder nur gemeint ist, dass das Konzert vom BR mitgeschnitten wurde, was wahrscheinlich ist, da der Freund in der Nähe Münchens wohnte. Ich muss das Band einmal mit der CD in Ruhe vergleichen, vielleicht gibt es Indizien, dass es sich um dieses Konzert handelt. Die Firma Orfeo gibt erfreulicherweise die Fassung an. Dort lese ich: 2. Fassung 1888/90, Edition Schalk/von Oberleithner 1892, Westminster teilt lediglich mit „Rivised Version“, aura schweigt sich aus. Bermerkenswert sind die Laufzeiten der einzelnen Sätze: aura: 14:53—13:52—26:55—22:32 Orfeo: 12:31—13:01—21:59—22:08 Westminster: 15:50—15:54—27:43—25:59 Die Orfeo-CD ist in den Sätzen 1-3 wesentlich schneller, ich besitze nur die Partiturausgabe von Nowack (1955), nicht die von Schalk/Oberleithner, bzw. Robert Haas, die Furtwängler, Karajan und Celibidache heranzogen, kann somit nicht direkt vergleichen und feststellen, warum es zu den teilweise bemerkenswerten Zeitunterschieden gekommen ist. Andererseits war Knappertsbusch kein Philologe, der um Notentexte rang, sondern eher ein Musikant, dem vor allem ausdrucksvolles Musizieren am Herzen lag. Kann einer aus dem Forum Weiterführendes beitragen?
Grüße Amadé
Sarastro (05.09.2009, 22:25): Noch nicht erwähnt wurden diese zwischen 1997-2006 aufgenommenen Live-Mitschnitte aller Brucknersymphonien einschließlich des Tedeums und der Nullten mit Roberto Paternostro und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen.
Die Box mit 11 CDs (ohne Booklet) ist derzeit für knapp 10 Euro(!) zuzüglich Porto zu haben. Auch wenn die Kritik natürlich einiges auszusetzen hat (vgl. hier und dort) - vielleicht auch deswegen, weil der Dirigent wenig bekannt ist -, bietet sich hier doch eine unschlagbar günstige Möglichkeit, je nachdem einen ersten oder ergänzenden Einstieg in die Welt der Brucknerschen Symphonik zu erlangen.
Ich habe bisher erst einen Teil gehört (dritte, vierte, siebente, neunte); manches klingt etwas anders, als ich es von früher her in Erinnerung habe, aber bei dem Preis kann man eigentlich nichts falsch machen. Was meinen die Brucknerkenner?
Herzliche Grüße, Sarastro
uhlmann (07.09.2009, 11:23): @ sarastro
ich kenne die aufnahme(n) nur vom cover her, habe aber noch nie auch nur ein stück davon gehört.
ein mitglied des brucknerforums, erinnere ich mich, hat sie als "nicht unbedingt meine lieblingsaufnahmen" bezeichnet. wird wohl eine eher durchschnittliche sache sein.
das preisargument zieht imo in diesem falle wenig, da es ganz hervorragende alternativen zu günstigen preisen gibt: - jochum bei brilliant für ca. € 20 - haitink beim nl handelsblatt für € 25
ab (07.09.2009, 11:55): Ein Jammer, dass RSO Saarbrücken, Stanislaw Skrowaczewski durch den Wechsel von Arte Nova zu Oehms so teuer geworden ist!
uhlmann (07.09.2009, 17:52): Original von ab Ein Jammer, dass RSO Saarbrücken, Stanislaw Skrowaczewski durch den Wechsel von Arte Nova zu Oehms so teuer geworden ist!
ja, leider, auch tintner ist mittlerweile nicht mehr gerade billig. dafür gibts jetzt karajan recht günstig (€ 24 bei amazon).
kreisler (07.09.2009, 20:28): Hallo Uhlmann,
jetzt musst ich dich doch noch erstmal fragen, bevor ich die CD´s einfach so bestelle: Würdest du mir den Karajan-Bruckner empfehlen? Ich nehme an du kennst ihn, oder?
Ich meine, ich kenne seine berühmte Aufnahme der 7., und finde die auch sehr gut, aber sind das die anderen Symphonien auch? Ich habe Celibidache nur auf Kopien von meiner Großmutter, und ich glaube auch nicht ganz, dass Karajan insbesondere an die 4, 5 und 8 von ihm heranreichen kann, aber das sind halt nur Kopien und außerdem fehlen ja die ersten beiden Symphonien. Und es kommt noch dazu, dass ich Celibidache zwar ganz großartig finde, ich Bruckner aber auch gerne etwas "dramatischer" höre.
Außerdem gibt es ja Jochum auch für ungefähr diesen Preis (auch den DGG-Zyklus über Amazon-Marketplace). Was meinst du als Brucknerkenner?
Schon mal vielen Dank, Kreisler
uhlmann (08.09.2009, 09:10): Original von kreisler Würdest du mir den Karajan-Bruckner empfehlen?
nö!
wenn du auf celibidache geeicht bist, ist es natürlich schwierig, eine empfehlung zu geben, da dieser recht einzigartig war. im zweifelsfall würde ich jedenfalls jochum (egal welcher zyklus), haitink und tintner dem karajan vorziehen.
dox hat jochums dg-zyklus vor einiger zeit gut beschrieben:
Neu eingetroffen. Bereits gehört: Nr. 1 & 6 & 9. Urteil: Ich kann die Vergleiche von Bruckner-Interpretationen getrost abschliessen. Es hat schon seinen Grund, dass sich manche Aufnahmen über Jahrzehnte als "Referenz" halten, obwohl uns obergescheite Musikakademiker weismachen wollen, dass man heute alles viel besser weiß. Hier stimmt für mich einfach alles, ohne dass ich das begründen könnte. Eine Charakterisierung á la voller und warmer Orchsterklang, gemäßigte bis breite Tempi, große Spannungsbögen, klassisch orientiert, etc. trifft nicht das Wesentliche. Im Begleittext erklärt Jochum detailliert viele Entscheidungen zu Tempo, Dynamik und Klangbalance. So etwas würde ich gern öfters lesen! Man kann erkennen, dass bei Jochum alles bis ins Kleinste und ins Größte schlüssig durchdacht ist. Aber letzlich braucht es diese Erklärungen nicht. Hier greift der berümte Mozart-Spruch: " hie und da - können auch Kenner allein Satisfaktion erhalten - doch so - daß die Nichtkenner damit zufrieden sein müssen, ohne zu wissen warum."
:times10
teleton (08.09.2009, 10:26): Hallo Kreisler,
das ist immer eine Geschmacksfrage - Ich kann mit Bruckner - Interpretaionen, die entsetzlich langgezogen werden, wie Tintner und Celi wenig anfangen - so will ich Bruckner nicht hören.
Mein Favorit als GA ist die hochdramatische und straffe Sicht eines Karajan (DG) und genausogut die von Solti mit hervorragenden Blechbläsern und TOP-Decca-Klang (auch das ist für mich ebendalls wichtig).
Jochum mit den Berliner PH (DG) war meine Erstaufnahme auf LP mit der ich Bruckner schätzen und lieben lernte. Ich habe es schon mehrfach geschrieben ... was war ich begesietert, als ich dagegen später Karajan auf CD hörte, die ich mir alle als Einzelaufnahmen auf CD in kürzster Zeit zugelegt hatte (damals gab es noch keine GA).
Ausschlageben für den Kauf der Solti - GA war zunächst die Sinfonie Nr.6, die ich nie besser gehört habe - - welch eine Spannung, welch famose Pauken, einfach fabelhaft ... da konnte selbst später mal als Interpretationsvergleich gekaufte, vielgelobte Klemperer-Aufnahme, bei der die Pauken absolut unbelichtet bleiben, bei mir nichts ausrichten.
kreisler (08.09.2009, 11:37): Hallo,
da habe wir ja gleich zwei kontroverse Meinungen...
Also ich glaube zu Solti und Haitink würde ich rein subjektiv nicht umbedingt tendieren. (Soltis straffen Mahler mag ich beispielsweise nicht so besonders).
Wie ich mir Tintners Interpretationen Vorstellen muss, weiß ich gar nicht, aber wenn er natürlich auch in die Celi Ecke rutscht, sind für mich dann wohl immer noch Jochum oder Karajan am interessantesten.
Ich meine, ich habe auch einige tolle Einzelaufnahmen: die 3. mit Szell, Thielemanns 5., die 6. mit Günter Wand, die 7. eben mit Karajan, Furtwänglers Berliner 8. und die 9. mit Jochum, aber leider teilweise nur auf Platte, deswegen werde ich mich wohl für einen der beiden Zyklen entscheiden.
Schon mal vielen Dank für die Beschreibungen!
Kreisler
Sarastro (08.09.2009, 19:28): Hallo Ullmann, vielen Dank für den Hinweis auf die sehr preiswerte Edition der Brucknersymphonien bei Brilliant mit Jochum! Das war mir schlichtweg entgangen; ich hatte diese Box leider weder im Laden noch in irgendwelchen Prospekten je gesehen ... Die werde ich mir also bei nächster Gelegenheit unbedingt bestellen. Ich hatte die Brucknersymphonien bisher fast nur als LPs mit verschiedenen Interpreten (teilweise auch Jochum), hörte sie aber in den letzten Jahren aus technischen Gründen eher selten. Den Paternostro hatte ich unlängst zufällig in einem Buchprospekt entdeckt und zusammen mit ein paar Büchern gekauft; verschiedene Symphonien habe ich bereits wiederholt gehört (besonders 3, 4, 9 und auch 8) und kann mich nicht beklagen. Daß manchmal – ich denke speziell an das Finale der Achten – unsaubere Intonationen der Bläser vorkommen können, nehme ich bei einer Life-Aufnahme hin, so lange es nicht zu penetrant wird. Immerhin hat mich Paternostro angeregt, meine alte, aber etwas eingerostete Liebe zu Bruckner wieder aufleben zu lassen, und das bedeutet mir einiges. Daß es sich nicht um die ultimative Neueinspielung aller Symphonien (einschließlich des Tedeum) handelt, glaube ich gern, aber sicher werden auch die Kenner differenzieren müssen: Einige Symphonien werden zwangsläufig, wie das bei Gesamtaufnahmen ja üblich ist, besser bzw. zufriedenstellender eingespielt worden sein als andere.
Herzliche Grüße, Sarastro
Amadé (08.09.2009, 21:43): Hallo Ihr Lieben,
warum nicht Günter Wand versuchen, der für flüssige Tempi bekannt ist und dazu noch für intensives Eindringen in das jeweilige Werk!
Da bietet sich die - nicht mehr ganz taufrische - Gesamtaufnahme mit dem Kölner RSO an, die augenblicklich ganz günstig angeboten wird,
oder Einzelaufnahmen aus Hamburg und Berlin. Als Gesamteinspielung halte ich sie den bereits genannten mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen. Zu Tintner sei noch angemerkt, dass er die frühen Fassungen der Sinfonien bevorzugt, wie einstmals Inbal. Ich bin gern bereit, konkrete Laufzeiten der einzelnen Sätze auf Anfrage per e-mail mitzuteilen, von der 4. 7. 8. und 9. stehen etwa je 30 Aufnahmen bereit, von der 3. u.5 ca 15-20, bei den restlichen weniger.
Grüße Amadé
Gerion (08.09.2009, 21:46): Hallo alle, auch ich wollte auf Wand hinweisen. Amade ist mir zuvorgekommen. Die Empfehlung kann ich unterstützen. Ich habe neben Wand auch den Jochum-Zyklus (EMI). Mir persönlich kommt der Wand-Zyklus als Einstiegszyklus mehr entgegen.
Gruß Gerion
Jürgen (09.09.2009, 12:05): Original von Amadé warum nicht Günter Wand versuchen, der für flüssige Tempi bekannt ist und dazu noch für intensives Eindringen in das jeweilige Werk!
Da bietet sich die - nicht mehr ganz taufrische - Gesamtaufnahme mit dem Kölner RSO an, die augenblicklich ganz günstig angeboten wird,
Hallo Amadé,
schreib doch bitte unter Empfehlenswerte Aufnahmen zum Schnäppchenpreis wo diese Aufnahme günstig angeboten wird.
Danke Jürgen
kreisler (09.09.2009, 16:26): Noch mal einige Eindrücke gesammelt:
Von Günter Wand, der ja eigentlich besonders für seinen Bruckner berühmt ist, war ich beim reinhören stellenweise etwas enttäuscht (Zum Beispiel in der 4. Symphonie), auch wenn ich seine 6. schon seit längerem kenne und recht gut finde.
Jochum´s Bruckner kenne ich von der großartigen 9. bei DGG und durch eine Platte mit einer sehr "architektonischen" 6. Symphonie, was ihr natürlich eigentlich nicht schlecht bekommt.
Die Hörproben bei Karajan haben mich dann noch mal etwas überrascht, schon vom etwas anderen Klang her. Ich muss sagen ich fand diese Eindrücke fast am interessantesten.
Außerdem bin ich auch zu dem Schluss gekommen, dass ich mir wirklich nur einen Zyklus für nicht viel mehr als 25€ kaufen will, da ich sonst lieber in etwas anderes (andere CD´s zum Beispiel mit Werken die ich noch gar nicht auf CD habe :D) investieren will.
Ich dachte, den Wand-Bruckner gibt es erst ab etwa 40€, oder bin ich da schlecht informiert?
Grüße, Kreisler
teleton (10.09.2009, 11:50): Die Hörproben bei Karajan haben mich dann noch mal etwas überrascht, schon vom etwas anderen Klang her. Ich muss sagen ich fand diese Eindrücke fast am interessantesten.
Hallo Kreisler,
sie sind auch wirklich sehr interessant und packend. Ich finde genau der richtige Einstieg um überwältigt von Bruckner zu werden. Und der Preis ist auch sehr akzeptabel und für dein Buget genau angepaßt - die Karajan - GA der Bruckner Sinfonien Nr.1-9 kostet bei amazon nur 23,95€ mit Versand:
kreisler (10.09.2009, 12:02): Ja, du hast ganz recht, wahrscheinlich werde ich mir den Karajan kaufen!
Aber ehrlich: Von Bruckner muss ich nicht mehr überwältigt werden, dass bin ich schon die ganze Zeit :wink
Grüße, Kreisler
kreisler (12.09.2009, 12:34): So, nach langem hin und her und ausführlichen "Hörstudien" habe ich mich dann doch für Jochum und gegen Karajan entschieden!!!
Jochum´s klassisch-dramatischer Ansatz, der besonders durch seine Ausgewogenheit und gleichzeitig innere Spannung beeindruckt, stellt dann doch einen sehr interessanten Kontrast zu Celibidache dar. Während mir Karajan beispielsweise bi der 9. nicht ganz so schlüssig vorkam.
Nach mehrmaligem hören musste ich Jochum´s Aufnahmen dann auch noch ein Bruckner-Gefühl zugestehen (auch was den Klang angeht!), dass Karajan nicht hat, und das mir aber ganz besonders gut gefällt.
Nichts desto trotz bliebt Karajan´s 7. meine Lieblingsaufnahme dieser Symphonie; aber die hab ich ja sowieso schon...
Grüße und noch mal danke für die verschiedenen Einschätzungen, Kreisler
ab (12.09.2009, 14:11): Original von kreisler So, nach langem hin und her und ausführlichen "Hörstudien" habe ich mich dann doch für Jochum und gegen Karajan entschieden!!!
DGG oder Brilliant/EMI?
kreisler (12.09.2009, 14:15): DGG!
Ich kenne nur Aufnahmen von Jochum und der Deutschen Grammophon, die von Emi sind mir komplett unbekannt.
Und der Preis war über Amazon-Marketplace fast identisch...
ab (12.09.2009, 14:16): Original von kreisler DGG!
Ich kenne nur Aufnahmen von Jochum und der Deutschen Grammophon, die von Emi sind mir komplett unbekannt.
Und der Preis war über Amazon-Marketplace fast identisch...
Ich meine mich zu erinnern, dass die einhellige Meinung war, die Dresdner Aufnahmen seien den Berlinern vorzuziehen. :hello
kreisler (12.09.2009, 14:47): Hm, da hab ich wohl was verpasst. :ignore
Dass macht aber gar nichts, denn ich will genau die Aufnahmen in die ich reingehört habe...:D
Und ich glaube kaum, dass die Dresdner Aufnahmen diesen "Klang" haben. (Ein wunderbarer Misch aus Berliner-Philharmoniern, Jochum´s "harter" Linienführung und eher schlechter Aufnahmetechnik :rofl)
Grüße, Kreisler
Amadé (12.09.2009, 17:20): Hallo Forianer,
Jochums Brucker-Einspielungen mit der Dresdner Staatskapelle sind insgesamt als Zyklus ein wenig einheitlicher geraten als die DGG Sinfonien. Das liegt einmal daran, dass sie in zeitlicher Nähe, 1975 (4.) - 1980 (2.&5.), zum andern am selben Ort (Lukaskirche Dresden) aufgenommen wurden. Die Aufnahmen der Deutschen Grammophon erfolgten in München mit seinem Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks (2., 3., 5. und 6.) im Herkulessaal der Residenz sowie in der Berliner Jesus-Christus-Kirche mit den BPh (1., 4, 7.- 9.), die älteste Aufnahme entand 1958 (5.), die Berliner Produktionen fanden zwischen 1964-66 statt, zuletzt wurden Nr.2 und 3 1967/68 eingespielt. Ich kann mich nicht eindeutig zu der einen oder der anderen Serie schlagen, man sollte im Einzelfall abwägen. Für einige wird die fortgeschrittene Klangtechnik bei EMI/VEB Deutsche Schallplatten eine Rolle spielen.
GRuß Amadé
kreisler (21.09.2009, 21:28): So selbstverständlich muss ich jetzt auch etwas zu diesen Einspielungen sagen:
Jochums Ansatz ist genau das was ich nach Celibidache gesucht habe und zeigt mir die Symphonien noch einmal von einem ganz anderen Gesicht. Und zwar mehr traditionsbetont, musikalisch statt "mystisch" oder gar "mediativ". Da erinnern plötzlich Passagen an die wunderbar natürliche schubertsche Tonsprache oder man erkennt ein fast betthovensches Konzept hinter der Symphonie. Und dadurch wird das ganze letztlich auch schlüssiger als etwa ein Celibidache - der zweifelsohne eine tiefere Dimension in dieser Musik entdeckt hat. Aber kann man nicht auch in dem - im besten Sinne symphonischem, kontrast- und stimmungsreichen und trotzdem klaren Ansatz eines Jochums tiefere musikalische Dimensionen finden?
Allerdings bleibt diese Aufnahme auch nicht ganz ohne Manko; Zwar bringt er mir Bruckner noch um einiges Näher, eines will mir immer noch nicht ganz gefallen: Man kann nicht ganz behaupten, dass man, wenn man diese Aufnahmen hört, völlig in der Musik ist bzw. das die Aufnahmen es selber sind. Ich meine, dass ist wie wenn man eine ganz großartige Gebirgslandschaft (Ich weiß. Kein sehr einfallsreicher Vergleich:ignore) hinter einer großen Glasscheibe betrachtet. Man begreift zwar die großartigen Gipfel und Täler, aber man (oder Jochum) lässt sich nicht davon verführen und bricht das Glas nicht, um in dieser Landschaft "herumzutollen": Ich denke übrigens, dass da auch die etwas abweisende Klangtechnik eine Rolle spielt. Ein Dirigent also, der ein das gleiche an Burckner zeigen will nur sich noch etwas mehr "verführen" liesse wäre für mich ein perfekter Brucknerdirigent. Letztendlich ist dieses "Anschauen von Außen" natürlich auch eine große Stärke der Aufnahmen und prägt gerade ihr analytisches Brucknerbild.
Diese Gesamtaufnahme bleibt trotz dieser geringen Beeindrächtigung ein unerhörter Genuss und ist für mich ein großes Erlebnis. Denn konkret gefallen mir jetzt auch plötzlich Passagen und ganze Sätze, die mir zuvor sehr bedenklich vorkamen, ich finde die Symphonien in sich einheitlicher, entdecke neue Stimmungen und verstehe diese Musik einfach viel besser. Und das war es mir wirklich wert, somit ist die Aufnahme ein voller Erfolg.
lg kreisler
Cetay (inaktiv) (22.09.2009, 06:27): Original von kreisler Ich meine, dass ist wie wenn man eine ganz großartige Gebirgslandschaft (Ich weiß. Kein sehr einfallsreicher Vergleich:ignore) hinter einer großen Glasscheibe betrachtet. Man begreift zwar die großartigen Gipfel und Täler, aber man (oder Jochum) lässt sich nicht davon verführen und bricht das Glas nicht, um in dieser Landschaft "herumzutollen"
Hör dir unbedingt mal die 4. Sinfonie mit Esa-Pekka Salonen an. (Leider hat er nichts anderes mehr von Bruckner eingespielt.) Zwar verirrt der sich beim "herumtollen" manchmal, so dass man vom Gebirge gar nichts mehr sieht; aber es geht in die von dir gesuchte Richtung.
jünter (22.08.2010, 14:48): „Warnen“ möchte ich vor dieser CD,
die ich erst kürzlich vom günstigen Preis gelockt erstanden und nach zweimaligem Hören gleich wieder verscherbelt habe. Nichts gegen Ormandy und „sein“ Philadelphia Orchestra in den 60er Jahren, aber der typische „Phillysound“ wirkt hier für mich reichlich deplaziert und klingt viel mehr nach einer Hollywood-Filmmusik als nach Bruckner.
Agravain (22.08.2010, 19:42): Original von jünter „Warnen“ möchte ich vor dieser CD,
die ich erst kürzlich vom günstigen Preis gelockt erstanden und nach zweimaligem Hören gleich wieder verscherbelt habe. Nichts gegen Ormandy und „sein“ Philadelphia Orchestra in den 60er Jahren, aber der typische „Phillysound“ wirkt hier für mich reichlich deplaziert und klingt viel mehr nach einer Hollywood-Filmmusik als nach Bruckner. In der Tat. Diese sechs Euro kann man wesentlich besser anlegen. Selbst wenn die Kritik an Ormandys Interpretationen oft etwas zu stark generalisiert wird, so ist Bruckner wahrhaftig nichts für ihn - und auch nicht für das Philadelphia Orchestra, das beispielsweise bei Tschaikowsky herrlich, bei Bruckner allerdings wirklich eigentümlich klingt. :hello Agravain
uhlmann (18.10.2010, 17:55): mit der veröffentlichung der nullten und fünften ist nun ein weiterer bruckner-zyklus abgeschlossen: jener von dennis russell davies und dem bruckner-orchester linz.
zunächst mal kompliment ans orchester – eine über alle symphonien hinweg tadellose leistung, exzellentes blech, super pauken, schöne, durchaus sonore streicher. machen ihrem namensgeber wirklich alle ehre.
kompliment auch an dirigent dennis russell davies – er bringt einen äußerst homogenen, in sich stimmigen und gut gelungenen bruckner-zyklus zuwege. freilich könnte man einwenden, dass er die urfassungen nicht konsequent durchzieht (warum nicht die dritte?), dass er in einigen tempoentscheidungen recht willkürlich wirkt (wurde anderswo öfter mal bemängelt, stört mich persönlich aber weniger), dass er manchen spannungsaufbau nicht ganz durchhalten kann (das stört mich schon eher). dennoch überwiegen imo die positiven aspekte in seinen interpretationen: klarer, strukturierter, gut durchhörbarer aufbau, trotzdem keineswegs "trocken", sondern durchaus mit pathos gespielt, schöne balance der einzelnen orchesterstimmen, man merkt, dass hier akribisch gearbeitet wurde. dazu werden die höhepunkte meist recht ausgiebig ausgekostet, was mancherorts für wahrhaft grandiose momente sorgt (etwa 3-1, 4-2, 9-1).
persönlich hätte ich mir dort und da ein bisschen mehr "risiko" gewünscht. einige sätze (etwa 7-1, 7-2, 8-4) geraten zu zahm, sind zwar nicht schlecht gespielt, haben aber einfach nicht den nötigen drive, die nötige innere spannung . wie es gehen soll, hört man zb in der ersten.
uneingeschränkt empfehlen kann ich die symphonien 1, 3, 4, 5 und 9, gut sind auch 0, 2, 6, 8, schwächer ist imo nur die siebte, wiewohl auch die durchaus gut hörbar ist.
alle aufnahmen sind konzertmitschnitte aus dem brucknerhaus (ohne applaus übrigens für die puristen), was imo nochmals zu vermehrter spannung durch die live-atmosphäre beiträgt.
die einzelnen symphonien im detail:
s0: 8/10 (schöne nullte, etwas langsam vielleicht im ersten satz, sonst aber stimmig und gut gemacht, recht wuchtig wirkt die symphonie hier, v.a. im finale kracht es ordentlich)
s1 (linzer fassung): 10/10 (sehr fetzige aufnahme, enormer drive, eine der spannendsten ersten überhaupt, hervorragend gelungen)
s2 (1877): 8/10 (tadellose aufnahme, der nur ein bisschen der letzte kick fehlt; v.a. schöner erster satz und ordentliches finale)
s3 (1889): 10/10 (spannende, superb gemachte dritte, schöne spannungsbögen gelingen drd hier, die musik "atmet" richtig, rundum stimmig, eine der besten dritten, zu meinem bedauern wird nicht die erstfassung gespielt)
s4 (1874): 9/10 (exzellente aufnahme der erstfassung, die imo der heute meist gespielten späteren version von 1878/80 unterlegen ist; was für ein höhepunkt im andante – hab ich noch nirgendwo überwältigender gehört; grandios gestaltetes finale auch. wer die urfassung hören will, sollte zu dieser einspielung greifen, imo deutlich besser als inbal)
s5: 10/10 (ein highlight des zyklus; sauberer, präziser, klar strukturierter spannungsaufbau in allen sätzen, gipfelnd in einem grandiosen finale; eine interpretation "aus einem guss")
s6: 7/10 (ich war seinerzeit in jenem mitgeschnittenen konzert. im brucknerforum schrieb ich damals: die sechste reiht sich nahtlos in russell davies bruckner interpretationen ein. die tempi eher auf der moderat langsameren seite (spielzeit ca. 62 minuten), die struktur recht klar herausgearbeitet, steigerungen bis zum ende richtig durchgezogen, damits auch ordentlich krachen kann, das orchester sehr bemüht, wenn auch nicht zur aboluten spitze gehörend. manche großen bögen fehlten etwas (letzte steigerung in satz eins), dafür gelangen andere sehr gut (finale). am ende gab es wohlwollenden applaus für eine solide leistung. eine ältere dame in meiner nähe meinte, es wäre "gigantisch" gewesen.)
s7: 6/10 (mir zu zäh, mit zu wenig spannung musiziert, v.a. satz 1 wirkt arg zerdehnt, gegen ende – scherzo und finale – wird’s besser. trotzdem die schwächste aufnahme des zyklus)
s8 (1887): 7/10 (insgesamt gut gelungen, wenn auch dort und da das letzte quäntchen grandezza fehlt; schöner erster satz, besonders peppig das scherzo, dafür ist mir die coda im adagio viel zu beiläufig und das finale etwas zu langatmig)
s9: 9/10 (exzellente, mit überraschend viel dramatik gespielte neunte, hier läßt drd ordentlich pathos zu; v.a. der erste satz gelingt ganz hervorragend, schönes "feeling" auch im adagio)
Anton Buckner: Symphonie Nr. 2 c-moll WAB 102 (Revidierte Fassung 1877; Nowak)
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Lorin Maazel
Spielzeiten: 21:59 / 17:33 / 07:31 / 22:32
Maazels Einspielung der zweiten Symphonie, die am 27. Januar 1999 live mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aufgezeichnet wurde, vereint mE eine durchweg traditionelle Sicht auf Bruckner mit Maazels Hang zur nicht selten sehr breiten Darstellung spätromantischer Musik.
Besonders in den Ecksätzen lässt sich Maazel viel Zeit - tatsächlich braucht er im Vergleich mit den anderen vorliegenden Aufnahmen des Werkes hier am längsten. Doch wer sich viel Zeit lässt, der muss mit selbiger etwas anzufangen wissen und dies ist das Problem, das diese Einspielung hat: Maazel weiß es nicht. Schon das erste Thema des Kopfsatzes verliert in seiner Lesart seinen drängenden, spannungsvollen Charakter, Punktierungen und Akzente werden sehr weich genommen, die Blech-Fanfaren wirken statuarisch, Phrasen werden zerdehnt und werden nicht auf einen Zielpunkt hin gestaltet. Insgesamt fehlt dem Satz schlicht der Zug nach vorn. Lediglich dort, wo Bruckner noch nach Schubert klingt - also im Seitensatz -, und immer dort, wo es bukolisch klingen darf, dort ist Maazel in seinem Element und trifft den lieblichen ("österreichischen"?) Charme dieser Abschnitte besser als viele andere.
Wenn ich in meine Partitur schaue, so finden sich im Andante keine Notizen, ein Hinweis darauf, dass mich Maazels Darstellung weder die Nase hat rümpfen noch mich in Begeisterungsstürme hat ausbrechen lassen, obwohl letzteres sicher möglich ist, wenn man die Bezüge zu den späteren langsamen Sätze herzustellen in der Lage ist. Am Ende klingt das für mich mächtig nach einem soliden "befriedigend".
Das Scherzo kommt wuchtig, aber auch recht schwerfällig daher. Auch hier würde ich sagen, dass das zu wenig nach vorne drängt, zu vertikal gedacht wird. Ähnlich wie im ersten Satz ist es das zarte Thema des Trios - das rhythmisch dem Hauptthema der "Eroica" nachgebildet ist -, dessen zarten Ton Maazel am besten trifft.
Die Wiedergabe des Finales, den Bruckner gern "Ziemlich schnell" hätte, krankt erneut an Maazels sehr schwerer Gangart und seinem Hang in langen Notenwerten gesetztes im Tempo noch zu verlangsamen (wie z.B. bei Ziffer F ff.). So trifft Maazel den geheimnisvoll-spukhaften, bald an Mendelssohn erinnernden Ton des Beginns schon nicht (2. Violine) und etabliert ihn auch im Zuge des gesamten Satzes nicht, obwohl gerade dieser Charakter weite Strecken des musikalischen Geschehens dominiert. Stattdessen verlegt er sich auf Statik und Masse. Ganz besonders eigenartig klingt im Übrigen die überraschende Forte-Stelle einige Takte nach Q, die misslicherweise tatsächlich so klingt, als würde sie niemand erwartet haben: weder Dirigent noch Musiker. Und so lautet mein Fazit doch deutlich anders als das des enorm enthusiastischen Amazon-Rezensenten: In meinen Augen haben wir hier eine der schwächeren Wiedergaben eines ohnehin durchwachsenen Zyklus.
Spielzeiten: 17:41 / 15:54 / 07:51 / 17:13 22.02.2005, live
Hört man die 2005 im Brucknerhaus Linz unter Dennis Russell Davies' Leitung entstandene Aufnahme der zweiten Symphonie im direkten Vergleich zu Lorin Maazels Einspielung, so kommt einem unweigerlich der Begiff "Entschlackung" in den Sinn.
Nicht nur, dass Davies Vorstellung von "moderato" wesentlich griffiger ist als diejenige Maazels, er lässt auch den gesamten Satz über viel prägnater artikulieren. Wenig Vibrato. Der drängene Charakter des ersten Themas wird bestens umgesetzt und man kann wohl sagen, dass es eben dieses Drängen ist, das Davies als inhaltliches Thema des gesamten Satzes favorisiert. Wenn man damit d'accord ist, dann wird man mit der Darstellung des Satzes vollauf zufrieden sein. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Davies' druckvolle Interpretation macht nämlich keinen Halt vor dem lyrischen Seitensatz, der mE einigermaßen lieblos durchgespielt wird, ohne jenen Charme, den Maazel hier herausholen kann. Auch die liebliche Stelle bei F wird einigermaßen nebensächlich behandelt. Die agogischen Hinweise, die Bruckner notiert, setzt Davies ebenfalls nicht sonderlich deutlich um, besonders wenn Bruckner ein Nachlassen des Tempos notiert. Auch das notierte Rubato (eine Seltenheit für Bruckner) einige Takte nach O findet keine Umsetzung. Was mir regelrecht negativ auffällt, ist der wenig klangvolle Ton der Holzbläser und des Solohorns. Da hält das Linzer Orchester mE mit dem Münchner nicht mit.
Der zweite Satz gelingt Davies ausgesprochen gut. Nach der Vorstellung des ersten in seinem hochromantischen Charakter fast an Mendelssohn gemahnenden Themas zieht Davies zwar zunächst das Tempo an, sodass der Hörer denken mag: Aha, der Dirigent will das weihevolle Bruckner-Klangbad umgehen. Tatsächlich entspinnt sich aber eine ausgesprochen ruhige, ja innige Darstellung dieses Satzes, der mE erstmals jenen Raum aufzieht, den die späteren langsamen Sätz Bruckner durchmessen. Ganz besonders herrlich gelingt Davies die große sich nach H-Dur licht aufschwingende Steigerung nach dem Verstummen der Kontrabässe ab K, dort, wo Bruckner den Takt in 12/8 wechselt. Die Bläser gefallen mir hier deutlich besser.
Gegen das exquisit musizierte Andante fällt das Scherzo ab. Da gibt es kaum einen nenneswerten Unterschied zu Maazels Darstellung. Tatsächlich teilt sie sich deren Schwäche, nämlich ein sehr vertikales Denken und eine wenig einfallsreiche Gestaltung. Das liebliche Trio gelingt Davies nicht so eindringlich wie Maazel.
Das Finale liegt Davies wieder mehr. Enorm druckvoll zu Beginn, schnelle, griffige Artikulation, den länderlerartigen Ton des zweiten Themas wieder nicht so recht treffend. Das ähnelt sehr seiner Vorstellung vom Kopfsatz, was in sich ja nicht unschlüssig ist, da er ja auch musikalisch an diesen anschließt (vgl. B. Rzehulka in R. Ulm). In der sich anschließenden Durcharbeitung aber durchaus überzeugend, mit einigen großartigen Momenten, beispielsweise die Steigerung vor O.
Die von mir erst kürzlich angschaffte Einspielung der zweiten Symphonie mit der Northern Sinfonia (Gateshead) unter Leitung von Mario ist zugleich die außergewöhnlichste in meinem kleinen Bruckner-Regal. Ich hatte im Vorfeld bereits etwas zu Venzagos gegenwärtig entstehenden Brucknerzyklus gelesen, war aber bisher noch nicht versucht, etwas davon anzuschaffen. Dieser Zustand ist nun Vergangenheit, der Zyklus wird peu à peu gekauft.
Venzago Motivation für die Einspielung seines Bruckner-Zyklus' ist es, einen "anderen Bruckner" zu präsentieren, einen Bruckner, der von seiner Aufführungstradition befreit wird:
"Wie man beobachten kann, hat sich bei Bruckner eine Tradition des Massigen etabliert, die sich von Generation zu Generation weiter vererbt. Das Lärmige, Dicke, das Pathetische, das protzige, die sich aufrecht an den Taktstrichen entlang hangelnde Behäbigkeit, eine neoklassizistische Motorik, das alles hat sich erhalten und gilt als Bruckners Stil. Auch wird 'aufgerüstet'. Mit 20 Ersten Violinen kommen die großen Sinfonieorchester daher, wenn es um den Linzer Meister geht. Aber Bruckner hatte für die frühen seiner Sinfonien gerade mal 8 Erste Violinen (für die Linzer gar nur 6) zur Verfügung, die Hörner klangen ungleich leiser als die heutigen Instrumente, Posaunen und Trompeten spielten farbiger, sanft und gesanglich, Fortefortissimi sind relative Werte und meinen nicht brachiale Gewalt, ." (Venzago im Booklet zur gezeigten Aufnahme, S. 5 f.)
Aus den Ausführungen Venzagos - die das gesamte, höchst interessante, weil Einblick in die Dirigentenwerkstatt gewährende Booklet füllen - wird schon vor dem Hören deutlich, was auf den Hörer zukommen wird. Und Venzago scheint ein Mann seines Wortes zu sein, denn er setzt seinen Blick auf Bruckner mit absoluter Konsequenz um.
Schon der erste Einsatz macht das deutlich. Wir hören einen deutlich verschlankten Streicherapparat, die Celli setzen vollkommen virbratolos, mit einem fast barocken Ton ein. Das Tempo ist hoch, der Gesamtklang ausgesprochen durchsichtig, vielleicht sollte man sogar eher sagen: licht. Die Trompetenfanfaren werden nicht herausgeschmettert, sondern sind in den Gesamtklang integriert. Auch bei kompletten Blecheinsätzen im Forte werden die anderen Instrumentengruppen klanglich nie überlagert. Das zweite Thema nimmt Venzago leicht und tänzerisch. Im Verlauf des Satzes wird deutlich, dass sich Venzago sehr genau an die agogischen und dynamischen Vorgaben Bruckners hält, viel genauer als Maazel, noch genauer als Davies. Jeder Abschnitts- und jeder Tempowechel wird hörbar gemacht, oft nutzt Venzago hier ein klares Rubato, wobei das immer höcht organisch und wenig gewollt wirkt. Mit diesen Mitteln formt Venzago ein höchst dramatisches Geschehen.
Im Andante kann Venzago das hohe Niveau halten. Die lichte, kammermusikalische Qualität seines Musizierens kommt dem hochromantischen Chakater dieses Satzes, der hier fast wie ein Notturno gespielt wird, sehr entgegen. Lediglich bei der mE ungeheuer wichtigen und höchst atmosphärischen 12/8-Stelle hätte ich mich dann doch über eine etwas größere Geste, einen Moment des etwas volleren Klanges, einen etwas goldeneren Sonnenaufgang gefreut.
Das Scherzo ist auf den Punkt hin musiziert, endlich einmal horizontal, nicht klobiges Gestampfe, sondern als unter Hochdruck nach vorn strebende Bewegung. Das Trio ist eher langsam und es klingt weniger lyrisch als bei Maazel, sondern eher gehemnisvoll. In der Coda dann erstmals in der ganzen Aufnahme mit sehr starker Pauke. Eindrucksvoller Effekt.
Das Finale ist dann in der Tat "ziemlich schnell". Es geht sozusagen die Post ab. Man überlege sich, dass Venzago sieben Minuten schneller ist als der behäbige Maazel. Dabei ist nicht einfach alles ratzfatz heruntergefiedelt. Venzago ist in den schnellen Passagen einfach nur sehr flott. Das zweite Thema wird - wie es mE sein sollte - angenehm lieblich, ja geradezu sanft angegangen. Dann bricht wieder der Sturm los bis zu der großen drei Takte währenden Pause, auf die Venzago einen ganz herrlich mystisch präsentierten, die Musik der Renaissance evozierenden Choral folgen lässt. Eine wilde Coda beendet diesen Satz und eine Aufnahme, die man mE gehört haben sollte.
was sagt Ihr hierzu ist leider die einzige Bruckner die ich habe, bin aber ja noch Neuling in der Klassik.
Gruß MH
Hörbert (03.11.2012, 07:57): Hallo!
Erstaunlicherweise hat hier noch niemand die Interpretation von Inbal erwähnt, neben den Urfassungen der ersten vier Symphonien enthält die Box auch noch die Erstversion der achten und eine vervollständigte neunte.
Im Interpretationsvergleich mit den ausgezeichneten älteren Interpretationen von Günter Wand mit dem Kölner RSO fallenn vor allem die etwas temperamentvollere Herangehensweise bei den vergleichbaren Symphonien 5-7 auf. Die Originalversionen der 1. 2. 3. und 4. Symphonie sind erstmal überraschend für jeden der nur die letztgültigen Versionen kennt, vor allen die 4. Symphonie präsentiert sich hier als ein völlig anderes Werk.
MFG Günther
Sfantu (29.11.2012, 17:28): Original von Hörbert Erstaunlicherweise hat hier noch niemand die Interpretation von Inbal erwähnt, (...)
Lieber Günther,
meine Zählung weicht von Deiner nur unwesentlich ab: acht statt null Beiträge zu Eliahu Inbal in diesem Faden.
Es stürzen der Erkenntnis Bäche, kratzt man nicht bloss an der Oberfläche... :)
Im übrigen kann ich Dir nur beipflichten: Diese Aufnahmen lohnen sich als Abgleich zu den gängigen Spätfassungen allemal. Das skurrile, eigenwillige Scherzo der Erstfassung der Vierten bspw. ist mir immer wieder ein grosses Hörvergnügen.
Original von Cetay (...) und Manches muss man allein schon wegen der Artwork einfach haben.
Das stammt aus einem anderen Thema und bezog sich auf ein Schallplatten-Cover. Ich erwähne das, weil die Gestaltung der Original-Alben des Inbal-Bruckners durch Holger Matthies für die Teldec originelle optische Leckerbissen sind! & die kommen im Grossformat freilich besser zur Geltung. Selbstredend steht dieser Inbal denn auch in meinen LP-, nicht in den CD-Regalen.
Nachträglich ein herzliches Willkommen und viele Grüsse ins schöne Ländle!
Sfantu
Maurice inaktiv (13.03.2013, 04:52): Ich bin auch ein großer Bruckner-Fan,aber es hat einige Jahre gedauert,bis ich seine Musik so weit verstanden habe,dass ich sie wirklich zu schätzen weiß.
Man kann dies' auch über Gustav Mahler und,als weiteres Beispiel,bei Dmitri Schostakowitsch sagen,die auch nicht gerade "Leichtgewichte" sind.
Meine ersten Bruckner-Aufnahmen waren jene mit der Bruckner-Ikone Eugen Jochum.Zuerst verstand ich den doch sehr religiösen Ansatz von ihm nicht,wie mir der ganze Bruckner doch sehr "weihehaft" rüber kam.
Vielleicht hat mir meine kurze Zeit als Organist weitergeholfen,nachdem ich mich intensiver mit diesem genialen Musiker auseinander gesetzt habe.Auf jedem Fall war es ein klassischer Hornist,der mir in meiner Bundeswehrzeit (ich war im Musikkorps gewesen damals),der mir ebenfalls dabei geholfen hat,mich ihm und auch Gustav Mahler zu nähern.
Heute würde ich vor allem den legendären Günter Wand nennen,ebenso Skrowaczewski,dem ein hervorragender Zyklus gelungen ist.
Tintner scheint mir mit den frühen Sinfonien bis hin zur Vierten eine durchaus willkommene Alternative zu sein,Inbal ebenso.Seinen Zyklus halte ich für sehr wichtig,weil er die Studiensinfonie und die frühen Sinfonien endlich in der Urfassung gespielt hatte.
Karajan ist sicherlich für die Vierte,Siebte,Achte und Neunte ein guter Mann,weil er hier seine Fähigkeiten voll ausspielen kann.
Von Kubelik,Klemperer,Furtwängler,Solti und Carl Schuricht kenne ich eiinige hervorragende Aufnahmen,also sollte man auch sie nicht vegessen.
Barenboim ist doch sehr unausgeglichen,wenn auch ihm manchmal durchaus passable Einspielungen gelungen sind.Ich denke dabei an die Sechste mit den BPO.
Bei Celibidache streuben sich meine Nackenhaare sofort merklich.Auf der einen Seite kann man nicht leugnen,dass er ein unglaubliches Händchen hatte für die Architektur der Werke,aber seine Langsamkeit kommt auf den Aufnahmen bei weitem nicht so gut bei MIR rüber,wie es wohl dem Zuhörer bei Live-Konzerten erging.
Thielemann ist auch so ein Dirigent,der einem entweder von den Sitzen reißt oder zum Einschlafen bringen kann.Seine Fünfte mit den Dresdnern klingt superb,aber bringt nicht annähernd so viel rüber,wie ein Wand mit etwa den BPO oder den Münchner Philharmonikern.
Ich möchte hier einmal eine Lanze für Harnoncourt brechen,der doch einen neuen Ansatz versucht hat.Nicht immer liegt er mMn damit richtig,aber sein unglaubliches Wissen auch hier sollte man einfach niemals unterschätzen.
Über Bernstein oder Solti kann ich hier nicht viel sagen,möchte aber eine Lanze für die Neunte in der rekonstruierten Fassung brechen.Für Mahler oder Elgar gilt das Gleiche.
Ich habe Sir Simons Aufnahme nicht,werde sie mir aber kaufen,wenn der Preis stimmt.Bisher besitze ich nur jene Einspielung mit der Neuen Philharmonie Westfalen unter Johannes Wildner,die scheinbar recht gut gelungen ist.
Doch mit einem Orchester wie den BPO sollte hier doch einiges mehr herauszuholen sein,denke ich mal.
Fazit : Mein Favorit bleibt Wand,was von der Vierten an Gültigkeit hat-und zwar der späte Wand mit dem BPO und den Münchner Philharmonikern.
Maurice inaktiv (13.03.2013, 05:28): Vergessen habe ich Dennis Russel Davies,dem ein sehr spannender Zyklus gelungen ist.
Auch hörenswert erscheint mir Markus Bosch mit dem Aachener Orchester zu sein,so man den Kritiken der Fachpresse trauen mag.....
Cetay (inaktiv) (20.04.2013, 10:08): Original von Maurice André Sollte ich jemanden vergessen haben,nur zu.
Volkmar Andreae hat 1953 mit den Wiener Symphonikern die erste Gesamteinspielung überhaupt vorgelegt. Wegen der durchweg hohen Tempi und exzessivem Rubato ist sie nicht unumstritten, aber die ungekünstelte, lineare, knackige, intensiv-vitale, Mystik und und das pralle Leben verheiratende Interpretation ist weit mehr als nur historisch interessant.
Maurice inaktiv (20.04.2013, 10:22): Danke!!Ich hatte also jemanden vergessen....Andrae kenne ich nur dem Namen nach.Aufnahmen von ihm habe ich noch nie gehört.
Leider sind die Aufnahmen beim großen A nicht gerade preisgünstig zu erwerben.Die Kritiken dort sind auch sehr gemischt,wobei doch auch auf die wohl doch recht hohe Qualität hingewiesen wurde.
Da habe ich wieder was dazu gelernt,super!!
VG,Maurice
palestrina (22.04.2013, 09:55): Hallo zusammen !
Da mich momentan so manches Symphonische interessiert und Bruckner im besonderen , habe ich natürlich hier mal alles gelesen und na ja, jeder hat so seine Lieblings Einspielung. Als GA besitze ich nur den Karajan DG und Paternostro hmm ? , und div. Einzelne. Horenstein Nr.3, Goodall Nr. 8, Kubelik Nr 3+4, Klemperer Nr.6 und Furtwaengler Nr.7. Also da fehlt noch einiges !!
Und gestern war ich in der Bahnhofsbuchhandlung und fand dieses Büchlein ! Habe die halbe Nacht damit zugebracht, und was soll ich sagen , habe interssante Aspekte über die Symphonien entdeckt und in die Tat umgesetzt in dem ich dann, in div. Teile der Symphonien gehört habe. Wenn man also auch mehr darüber weiß , hört man auch anders!! Sollte ich mir jetzt Jochum oder Wand als nächstes zulegen ?
abendroth (22.04.2013, 11:03): Hallo Palestrina, ja, das Büchlein ist gut gemacht. Die texte wurden ja anlässlich der Aufführung sämtlicher Brucknersinfonien mit Lorin Maazel und dem Sinfonieorchester des bayerischen Rundfunks geschrieben. (Idealiter müsste also die Maazel Aufnahme aller Sinfonien mit dem Bayerischen Rundfunk dazu passen).
Jochum oder Wand? Beide haben ja zurecht den Ruf bedeutende Brucknerinterpreten zu sein. Von Jochum gibt es zwei GA's: eine, die ältere (?) mit den Berliner Philharmonikern & dem Sinf. O. des Bay. Rundfunks, die andere mit der Staatskapelle Dresden. Die Dresdner Aufnahme (EMI) wird in der Regel weniger geschätzt als die Aufnahme mit Bay/Bln (DG), ist aber trotzdem recht gut. Viele Kritiker mäkeln an Jochums Tempi herum, die nicht immer den Partiturangaben genau folgen (etwa Beschleunigungen bei crescendi). Mich stört's nicht.
Es gibt aber einen grossen Konsensus, dass Wand/Köln eine bedeutende Aufnahme ist. Und da Wand zZt auch preisgünstig zu haben ist (gilt auch für Jochum/Dresden) spricht viel für Wand. freundliche grüsse Abendroth
Maurice inaktiv (22.04.2013, 13:34): Ich würde Dir zur GE von Eliahu Inbal mit dem RSO Frankfurt raten,weil er die Sinfonien in der Original-Fassung einschließlich der frühen Sinfonien und Studiensinfonien wunderschön eingespielt hat.
Dazu dann Günter Wand,aber hier die NDR-Aufnahmen-oder noch besser-die Berliner Philharmoniker-Einspielungen ans Herz legen.
Leider hat er nur mit dem WDR-SO Köln in den 70-er Jahren Nr.1-9 aufgenommen,dafür sind die späteren Aufnahmen qualitativ hochwerdiger geworden,da auch die Orchester einfach besser waren.
Ebenfalls sehr interessant sind die auf Profil erschienen Aufnahmen mit den Münchner Philharmonikern.DIese sind zwar nicht so bekannt,deshalb aber nicht weniger gut gelungen.
VG,Maurice
uhlmann (22.04.2013, 14:39): Original von palestrina Als GA besitze ich nur den Karajan DG und Paternostro hmm ? , und div. Einzelne. Horenstein Nr.3, Goodall Nr. 8, Kubelik Nr 3+4, Klemperer Nr.6 und Furtwaengler Nr.7. ... Sollte ich mir jetzt Jochum oder Wand als nächstes zulegen ?
im zweifel beide - sind beides sehr lohnenswerte boxen. wobei ich bei jochum eher zur früheren ga raten würde, da der klang der dresdner ga imo etwas hallig geraten ist.
oder du machst folgendes: geh auf abruckner.com, klick auf downloads --> download of the month und lade dir folgende aufnahmen (gratis) runter:
nr 1: volkmar andrae (juni 2008) nr 2: hubert reichert (märz 2009) nr 3: skrowaczewski (jan 2011) nr 4: kurt woess münchner philharmoniker (nov 2010) nr 5: werner albert (okt 2009) nr 6: georg-ludwig jochum (feb 2013) nr 7: max rudolf (okt 2011) nr 8: eugen jochum (aug 2009) oder eduard van beinum (nov 2008) oder takashi asahina (aug 2010) nr 9: hubert soudant (mit finale, feb 2009) oder heinz wallberg (april 2010)
so bekommst du einen bunt gemischten zyklus mit teilweise grandiosen (woess 4, albert 5, rudolf 7, jochum 8), zumindest aber passablen einspielungen, an denen du verschiedene interpretationsansätze vergleichen kannst.
palestrina (22.04.2013, 15:19): Euch allen mal vielen Dank ! Aber irgendwie bin ich jetzt noch verwirrter , habe mal geschaut , die beiden Wand u. Jochum gibt es sehr preiswert ! Also beide ! Inbal ist sehr teuer. Was mich interessieren würde , wäre Mravinsky mit 8 u. 9. ?!
LG palestrina
Maurice inaktiv (22.04.2013, 16:05): Inbal ist sehr teuer
Ich sehe es gerade....Da hatte ich damals viel Glück.Ich habe sie auch nur als Einzel-CDs,aber saugünstig bekommen damals..... :)
Dann alternativ Tintner,oder Skrowaczewksi.Beide haben ebenfalls alle Sinfonien eingespielt.
Bei Tintner lohnen sich die frühen Sinfonien wirklich bis hin zur Vierten.Die sind einzeln günstig zu erwerben.
abendroth (22.04.2013, 18:26): Mir scheint, dass es keinen Grund gibt, Tintner etwa Wand oder Jochum vorzuziehen, auch nicht vom Preis her. Scrowazewsky ist dagegen wirklich gut und bietet auch die O und OO. Die Nullte ist eine prima Sinfonie. Warum sie von den meisten Dirigenten ignoriert wird, ist mir ein Rätsel. Sie ist auch nicht, wie der Name fälschlich suggeriert, vor der Ersten entstanden, sondern zwischen den Nummern 2 und 3. freundliche Grüsse abendroth Es spricht ja nichts dagegen Wand oder Jochum zu nehmen, und die OO und O mit Scrowa... zu ergänzen.
Maurice inaktiv (22.04.2013, 19:49): Mir scheint, dass es keinen Grund gibt, Tintner etwa Wand oder Jochum vorzuziehen
Das ist sicher eine Ermessenssache!!!Tintner sehe ich,wie auch Skrowaczewski,bei den selten eingespielten Sinfonien,aber auch den frühen Sinfonien von der Studiensinfonie bis zur Nr.4 ausgezeichnet gelungen bei diesen beiden Dirigenten.
Warum sollte man diese dann nicht kaufen?
Wand ist ab der Nr.3 in seinem Element,die hat er auch zumindest 2x aufgenommen,die Studiensinfonien und die "Nullte" überhaupt nicht,Eins und Zwei ein einziges Mal.Hier sehe ich andere Dirigenten durchaus im Vorteil.Bei den anderen Sinfonien gibt es natürlich keine Diskussionen,da ist Wand einfach DER Bruckner-Dirigent per excellance.Er hatte ja dann auch endlich Orchester,die seiner ebenbürtig waren....
VG,Maurice
abendroth (22.04.2013, 20:31): Also ich habe Tintner 3 - und die fand ich nun wirklich langweilig (bin offensichtlich nicht der einzige). Es ist wahrscheinlich auch desorientierend, wenn wir auf die Frage Palestrinas Jochum oder Wand mit tausend Gegenvorschlägen antworten. Wand wird offensichtlich von jedem geschätzt. Und die O und OO kann man dann mit Scrowacewski oder meinetwegen Tintner dazukaufen. Und welchen Sinn hat es zu sagen, Wand sei erst ab Nr. 3 gut, und darum Tintner zu empfehlen, weil der bis nr. 4 gut ist.
Es gibt etliche Aufnahmen, gegen die zu kaufen nichts spricht. Nur wird die Empfehlungsliste dann so lange, dass man sich gleich den Katalog von jpc oder amazon anschauen kann. Es wäre vielleicht sinnvoller von manchen Aufnahmen abzuraten. freundliche grüsse abendroth
Maurice inaktiv (22.04.2013, 20:53): Und welchen Sinn hat es zu sagen, Wand sei erst ab Nr. 3 gut, und darum Tintner zu empfehlen, weil der bis nr. 4 gut ist.
Habe ich das gesagt?NEIN!!!Ich schrieb,dass Wand erst ab Nr.3 in seinem Element sei,was er selbst in seiner Biografie geschrieben hat.Deshalb hat er sie auch nur dieses eine Mal eingespielt.
Es gibt etliche Aufnahmen, gegen die zu kaufen nichts spricht
Es wäre vielleicht sinnvoller von manchen Aufnahmen abzuraten.
Genau DAS habe ich getan.Um Deiner Meinung zu folgen,müsste ich beim Abraten vermutlich weitaus mehr Aufnahmen erwähnen,die man bei Amazon überhaupt beziehen könnte.
Deine hier NICHT empfohlene Dritte von Tintner wurde von FÜNF Fachzeitschriften mit der höchsten Bewertung ausgezeichnet ( BBC-Music Magazine,Penguin Guide,Diapason,Classic Today,Classic-CD).
Ich finde,dass Wand und Jochum in ihren Deutungen meilenweit auseinander liegen.Sie sind im Grunde fast noch die gleiche Generation,haben durchaus ein ähnliches Programm dirigiert,gelten als strenge,sehr gewissenhafte Dirigenten der alten "Kapellmeister-Schule",aber das war es dann auch schon.
Ich schätze übrigens beide sehr,Jochums Einspielungen von Orff und Bruckner sind für mich für die Ewigkeit,bei Wand sind es Bruckner,Brahms,Beethoven und Schubert.
Ebenfalls sehr interessant sich auch Harnoncourts Bruckner-Einspielungen.Sicher nicht alle auf dem Wand-Niveau,aber die Vierte,Achte und Neunte sind ganz ausgezeichnet gelungen.
VG,Maurice
Hörbert (23.04.2013, 18:34): Hallo!
Jochums Interpretation war seinerzeit meine erste Begegnung mit Bruckners Symphonien, lange Jahre zog ich Jochums Gesamtaufnahme (damals noch auf Schallplatten) jeder anderen Interpretation vor.
Heute tendiere ich allerdings mehr zu den Interpretationen von Günter Wand und Eliahu Inbal die sich schon durch die unterschiedlichen Versionen der ersten vier Symphonien ideal ergänzen.
Jochums ältere Interpretationen die ich den späteren vorziehe sind zwar insgesamt recht ordentlich geraten aber im Endeffekt kommen sie nicht an die Wand-Interpretationen heran, da wo Wand das Schroffe und Abgründige in Bruckners Musiksprache zuläßt ohne es extra zu betonen hält Jochum in guter alter Kapellmeistertradition eher etwas den Deckel drauf.
Natürlich ist Jochum keinesfalls zu glatt oder zu gefällig aber Wand erscheint mir persönlich doch ein gutes Stück werktreuer zu sein.
Im Zweifelsfalle also plädiere ich für die ältere GA mit Günter Wand mit den Kölnern.
MFG Günther
Maurice inaktiv (24.04.2013, 20:30): Jochums Interpretation war seinerzeit meine erste Begegnung mit Bruckners Symphonien,
So war es bei mir auch,aber da ich die Werke damals nicht verstanden habe,mussten erst ein paar Jahre ins Land ziehen,bis ich von der Qualität dieser Sinfonien und auch Aufnahmen begeistert war und immerhin teilweise noch immer bin.
VG,Maurice
uhlmann (10.05.2013, 17:49): Original von abendroth Also ich habe Tintner 3 - und die fand ich nun wirklich langweilig (bin offensichtlich nicht der einzige).
so unterschiedlich können geschmäcker sein: ich empfinde diese dritte als absolut beste aufnahme dieser symphonie und eine der ganz großen sternstunden der gesamten bruckner-discographie.
tintner gestaltet hier - die urfassung der dritten übrigens - so zwingend, dass man nicht einen augenblick meinen könnte, eine phrase ließe sich nicht nur so, sonders auch anders spielen. die synthese von werk und interpretation - in tintners dritter ist sie beinahe vollkommen. für mich immer wieder ein grandioses erlebnis.
Maurice inaktiv (10.05.2013, 18:44): Ich kann es nur wiederholen : Ich finde Tintner bis zur Vierten weitgehend überzeugend.Wenn man jetzt noch bedenkt,dass er,im Gegensatz zu anderen Dirigenten,keine Topp-Orchester vor sich hatte,ist hier die Leistung nicht hoch genug zu loben.
cpo schreitet mit der Veröffentlichung des höchst individuellen, mit verschiedenen Orchestern aus der "zweiten Reihe" eingespielten Zyklus unter der Leitung von Mario Venzago voran. Vor zwei Wochen kam die Achte heraus. Es fehlt nur noch die Fünfte, die allerdings längst im Kasten ist (mit den Düsseldorfer Symphonikern). Interessanterweise wollte Venzago die Fünfte ursprünglich aus dem Projekt ausklammern. Die Begründung kann man hier hören: "https://www.youtube.com/watch?v=AJj3vtdXlZo"
Cetay (inaktiv) (30.12.2014, 09:41): Der nächste Zyklus ist vollständig. Gerd Schaller startete 2011 mit der von ihm gegründeten, aus diversen Münchener Orchestern zusammengestellten Philharmonie Festiva eine Gesamtaufnahme, teilweise als Ersteinspielungen unbekannter Editionen, namentlich von William Carragan. Gerd Schaller ist Gründer und künstlerischer Leiter des Ebracher Musiksommer, bei dem der Zyklus aufgeführt wurde. Einige der Aufnahmen sind Live-Mitschnitte, die bei ebendiesem Festival im hiesigen Dom entstanden, allerdings war über die dürftige Webseite des Labels nichts genaueres herauszubekommen.
Die ersten beiden Ausgaben erschienen noch jeweils als Dreier-Boxen (4, 7 & 9 und 1, 2 & 3), die restlichen Sinfonien wurden in diesem Jahr als Einzelausgaben herausgegeben, dazu eine alternative Aufnahme der 4. mit dem Volksfestfinale. Irgendwelche Nullen und Doppel-Nullen wurden bislang nicht gesichtet. Classics Today France schrieb (-> hier): eingespielt von einer aus mehreren Münchner Orchestern ausgewählten Besetzung, dirigiert vom Ex-Kapellmeister des Braunschweiger Theaters und Ex-Generalmusikdirektor der Stadt Magdeburg. Nicht unbedingt die Art von Stammbaum, von der man erwarten würde, dass sie auch nur das geringste Gewicht in einer Diskographie haben würde, die von Jochum, Wand und den Top-5-Orchestern Europas dominiert wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass das die Gedanken der breiten Hörerschaft wiedergibt, denn es scheint sich kein Mensch dafür zu interessieren. Da mag freilich auch die Höchstpreispolitik des Labels eine Rolle spielen. In Zeiten, in denen 1001-CDs-Boxen für 1,98€ verramscht werden, kann man für den MP3-Download(!) der Achten keine 20 € verlangen. Doch zumindest die Dreier-Boxen gibt es umsonst im Livestream zu hören. Und ich kann den Brucknerfreunden, -kennern und -liebhabern -wie schon (-> hier) im Dirigenten-Thread begründet- nur nachdrücklich dazu raten, das zu tun.
Cetay (inaktiv) (20.09.2015, 18:14): Auf Jäger und Sammler wartet die nächste Beute:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/71PWBqSclgL._SL500_AA325_.jpg Anton Bruckner; Sinfonien Nr. 1-9 / Messe Nr. 3 Orchestre de la Suisse Romande, Marek Janowski
Cetay (inaktiv) (01.11.2015, 17:57): Weiter im Text:
Auch Simone Young ist inzwischen durch. Seit Juni dieses Jahres liegt der Zyklus mit der Herausgabe Fünften vollständig vor - inklusive der f-Moll "Studiensinfonie" und der Nullten. Alles, was ich bislang daraus gehört habe (1, 2, 4, 8), ist nicht weniger als hervorragend. Ich schrieb (-> hier) zur Vierten tiefschürfend-fundiert: Für mich ist Young die ideale Brucknerinterpretin, weil sie ein halbes Jahrhundert Interpretationsgeschichte aufgesaugt und einfach transzendiert hat. Als ob man alle "Referenz"-Aufnahmen in einen Mixer geschmissen hätte und aus dem entstehenden Brei die wertvolle Essenz herausgezogen und den Rest entsorgt hätte. Jetzt gilt es für den Sammler zu warten, bis das irgendwann als billige Box raus kommt. Ich belasse es bei zwei Beispielen für die Coverbilder - es Bedarf keiner großen Phantasie, sich auszumalen, wie die anderen in etwa aussehen.
Anton Bruckner; Sinfonien Nr. 1-9 Netherlands Radio Philharmonic Orchestra, Jaap van Zweeden
uhlmann (27.01.2018, 19:16): Auch Simone Young ist inzwischen durch. Seit Juni dieses Jahres liegt der Zyklus mit der Herausgabe Fünften vollständig vor - inklusive der f-Moll "Studiensinfonie" und der Nullten. Alles, was ich bislang daraus gehört habe (1, 2, 4, 8), ist nicht weniger als hervorragend. Ich schrieb (-> hier) zur Vierten tiefschürfend-fundiert: Für mich ist Young die ideale Brucknerinterpretin, weil sie ein halbes Jahrhundert Interpretationsgeschichte aufgesaugt und einfach transzendiert hat. Als ob man alle "Referenz"-Aufnahmen in einen Mixer geschmissen hätte und aus dem entstehenden Brei die wertvolle Essenz herausgezogen und den Rest entsorgt hätte. Jetzt gilt es für den Sammler zu warten, bis das irgendwann als billige Box raus kommt. Habe in den letzten Wochen einige der Aufnahmen (0, 1, 2, 3) mit Simone Young gehört, kann aber den positiven Eindruck von Cetay überhaupt nicht teilen. Young spielt Bruckner praktisch nur auf die großen Steigerungen hin. Die kommen (großteils) wirklich mächtig und sehr schön ausgespielt, aber dazwischen breitet sich eine unglaubliche Belanglosigkeit aus, wie ich sie selten gehört habe. Total zerdehnt, fast wie in Zeitlupe, völlig ohne Binnenspannung, direkt ekelhaft. Man höre als Beispiel das Andante der Nullen - musste mich praktisch zwingen, nicht gleich abzuschalten. Man kann mir Bruckner ja praktisch nicht vermiesen, aber die Interpretationen Youngs sind nahe dran und mit das Schwächste, das ich seit Ewigkeiten gehört habe. :thumbdown:
Cetay (inaktiv) (28.01.2018, 11:03): Young spielt Bruckner praktisch nur auf die großen Steigerungen hin. Die kommen (großteils) wirklich mächtig und sehr schön ausgespielt, aber dazwischen breitet sich eine unglaubliche Belanglosigkeit aus (...)
Das kann man so stehen lassen. Seit dem Erkalten meiner Bruckner-Liebe empfinde ich von zwei, drei Sigularitäten abgesehen jede Interpretation so. Ich bin daher geneigt, das für mich umzudeuten: Bruckner komponiert praktisch nur auf die großen Steigerungen hin. Die kommen wirklich mächtig aber dazwischen breitet sich meist Belanglosigkeit aus (...)
satie (28.01.2018, 11:24): Das könnte erklären, warum Bruckner mich bis heute nicht wirklich zu packen vermochte. Es gibt durchaus einige Sätze aus den Symphonien, die ich mir ab und zu anhöre, aber ich könnte ohne Probleme ohne Bruckner leben.
EinTon (28.01.2018, 22:15): Habe in den letzten Wochen einige der Aufnahmen (0, 1, 2, 3) mit Simone Young gehört, kann aber den positiven Eindruck von Cetay überhaupt nicht teilen. Für mich fangen die richtig guten Brucknersinfonien just erst mit Nr. 4 an ;) , was davor kam hat mich bislang relativ kalt gelassen.
Insbesondere die Sinfonien 4, 5 und 9 empfinde ich aber alles andere als langweilig.
Cetay (25.10.2021, 12:04): (...)
Bruckner ist mir gewiss nicht fern, so richtig im Mittelpunkt stand er nie. Wohl eine Zeitfrage im engeren Sinn des Wortes.
Wenn Langes und Schweres, dann bevorzuge ich Allan Pettersson, von dem ich natürlich nicht jede CD besitze, den ich aber komplett abgedeckt habe.
Meinst Du die folgende Bruckner-Sinfonien-Integrale von Schaller? Die habe ich vor nicht langer Zeit gekauft, noch nicht hineingehört, welchem dringend abzuhelfen wäre - aber die ist doch noch recht neu, von 2018?
Die Sechste hat ja einen gewissen Ruf der Nebensächlichkeit respektive der geringeren Bekanntheit. Vermutlich nicht berechtigt. Selber tendiere ich ein wenig dazu, solche Nummern dann bevorzugt zu hören. Das muss nicht immer sinnvoll sein und das kann ich auch nicht recht erklären - oder schon, aber das gehört dann vielleicht doch nicht hierher. Beispiel Beethoven-Klaviersonaten: Lieber op. 54 und op. 27/1 als op. 57 und op. 27/2. Unbedingt op 31/3, aber nicht op. 31/2. Schaller ist recht umtriebig in Sachen Bruckner. Alle Neune (die letzte mit Carragan-Finale) hatte er schon vor ein paar Jahren voll gemacht, dann nahm er die Vierte nochmal mit alternativem Finale auf, meinte sich selbst zu den Neunte-Vollendern gesellen zu muessen und die Neunte neu samt eigenem Finale aufzunehmen, um wenig spaeter eine ueberarbeitete Fassung seines eigenen Finales zum Anlass zu nehmen, die ganze Neunte nochmal einzuspielen. Das ist schon ein wenig ueberspannt und es wurde bereits angekuendigt, dass er bis 2024 nochmal ein kompletten Zyklus 'in einer persoenlichen Sichtweise' nachlegen will. Ich meine, der erste Zyklus reicht voellig.
Die Sechste hat ja einen gewissen Ruf der Nebensächlichkeit respektive der geringeren Bekanntheit. Vermutlich nicht berechtigt. Selber tendiere ich ein wenig dazu, solche Nummern dann bevorzugt zu hören. Das muss nicht immer sinnvoll sein und das kann ich auch nicht recht erklären - oder schon, aber das gehört dann vielleicht doch nicht hierher. Zum Thema Lobpreisung des Normalmasses mache ich demnaechst einen Faden auf und bin auf deine Erklaerung hochgespannt.