Die Musikwissenschaft (elm e musighi) als Zweig der Mathematik stand im alten Iran immer in hohem Ansehen. Der Epiker Nizami (12. Jh.) berichtet von der Aufführung der dreißig Gesangsweisen (alhan) und hundert Melodien (dastan-ha) an den sassanidischen Höfen (vorislamische Zeit). Im 9. und 10. Jahrhundert schreiben die Musikwissenschaftler großartige, systematische Abhandlungen über Musik, deren Gültigkeit bis heute unbestritten ist. Diese Musik ist jahrhundertelang weitgehend oral tradiert worden (sineh be-sineh: „von Brust zu Brust“). Im 19. Jh. entwickelt sich eine Art traditionelle Kunstmusik (radif), deren umfangreiche Melodien und Improvisationsmodelle durch Notation und Transkription festgehalten werden. Der radif ist in verschiedene Modi (dastgah-ha) eingebettet. Dastgah – ein tonales Zentrum der traditionellen Kunstmusik – besteht aus „dast“ (Hand) und „gah“ (Ort, Zeit). d.h. je nach der Reihenfolge – wie oder wo man die Hand anlegt oder welche Zeit für eine Musik ausgewählt ist – werden geistige Reflexionen oder seelische Bindungen und emotionale Reaktionen induziert. Eine Wanderung durch die zahlreichen filigranen Ecken und Winkel (gushe-ha) macht uns mit dem Spektrum des dastgah vertraut, wobei diese gushe-ha sich nur auf drei bis vier Töne stützen, sich aus ihnen entfalten und wieder an ihrem Ausgangspunkt (forud) landen. Ohne Ansammlung und Koordinierung dieser Bausteine ist die Aufführung eines dastgah nicht möglich. Ein wesentlicher Bestandteil der iranischen Musik ist die Improvisation. Im Grunde genommen hat der Vortrag eines dastgah, der spontan improvisiert wird, mit der inneren Stimmung der Vorführenden und mit der Sensibilität der Zuhörenden zu tun: ein reziproker Dialog zwischen Meditation des Klanges und der Stille. „Wie viele Worte möchtest du noch, o Sa’di, über die Wissenschaft der Musik verlieren, Geheimnisse des Herzens offenbaren sich doch nur dem Ohr der Seele“ (Saadi, 13. Jh.). Es existieren sieben Haupt-dastgah-ha sowie fünf davon abgeleitete Modi (awaz-ha): dastgah-e Shur awaz-e Abu‘ata awaz-e Bayat-e Tork awaz-e Dashti awaz-e Afshari dastgah-e Homayun awaz-e Esfahan dastgah-e Segah dastgah-e Chahargah dastgah-e Nawa dastgah-e Mahur dastgah-e Rastpandjgah. Selbstverständlich kann man verschiedene dastgah-ha miteinander mischen, was man als morakkab-chani und morakkab-nawazi bezeichnet. Jeder dastgah hat seine spezifische Klangfarbe, die den Sinn zum Singen und das Gefühl zum Tanzen bringt: Mahur vermittelt eine heitere Kühnheit, Chahargah eine verhaltene Freude. Shur – ein breit angelegter dastgah – ist majestätisch und ernst, während Dashti und Afshari eine tiefe Trauer darstellen. Segah führt in eine mystische Dimension und Homayun versetzt in eine süße Melancholie. Ein dastgah besteht aus fünf Formteilen, die beliebig variiert werden können: pishdaramad (Einleitung), chaharmezrab (metrisierter Teil), awaz (Gesang), tasnif (Lied), reng (Tanz). Die wichtigsten traditionellen iranischen Instrumente sind tar, setar (Langhalslauten), barbat (Krummlaute), kamancheh (Spießgeige, Schoßgeige), ney (Hirten-Flöte), santur (Trapezzither), tonbak (Bechertrommel) und daf (Rahmentrommel). Das Musikleben beinhaltet Hofmusik, ländliche Spielleute (motreb), mystische Gesänge im Derwischkloster (khaneqah), vor allem Volksmusik und religiöse Musik: Passionsspiele (ta’ziyeh), Erzählungen der Leidensgeschichten der Märtyrer (rouzeh und nouheh). All diese sind miteinander verwachsen, befruchten sich gegenseitig, nähren sich voneinander und sind mit dem dastgah eng verwandt. Diese vielseitige Verwandtschaft macht die iranische Musik zu einer der klangvollsten unserer Zeit : „Kein Spielmann spielt diese Melodie, keine Nachtigall kann so schlagen“ (Saadi). Diese Grundlagen der persischen Harmonik und Tonsysteme, welche auch Vierteltonschritte beinhalten und hier eine Verwandtschaft mit der indischen Musik aufweisen, bilden auch die Basis für die traditionelle aserbeidjanische Musik.
Die Revolution 1979 löste eine Renaissance der persischen klassischen Musik aus, die nationale Größen wie Parisa (Gesang), Parviz Meshkatian (santur), Dshamshid Andalibi (ney), Keihan Kalhor, Mohammad Reza Lotfi, Hossein Alizadeh (tar), Schahram Nazeri und der berühmte Mohammad-Reza Schadsharian (Gesang). Gerade Meshkatian hat die klassische Musik sowie instrumentellen Möglichkeiten enorm weiterentwickelt.
Jeremias (29.05.2006, 22:49): Wo hast Du das denn nun schon wieder alles her? Kennst Du denn zufällig auch interessante Werke für Klavier solo?
AcomA (29.05.2006, 23:08): lieber Jeremias,
du weißt doch, dass ich auch die klassische persische Musik liebe !
Javad Maroufi war es, der das Klavier in die klassische persische Musik einführte, solistisch und kammermusikalisch. er temperierte teilweise das klavier auf die dastgah ! ein sehr aufwendiger schritt, denn der normale klavierstimmer beherrscht das nicht ! allerdings hat mMaroufi auch im persischen stil für das wohltemperierte klavier geschrieben. sehr bekannt: fantasie gila. ich spiele sie übrigens auch. J. Maroufi verstarb 1993. dann gab es auch noch Anoushirvan Rohani, der phantastische Musik in den dastgah für elektro-orgel schrieb.
http://www.soroush.co.uk/catalog/shurha.jpg
gruß, siamak :engel
Jeremias (29.05.2006, 23:22): Ich weiss, dass Du die Musik liebst, aber ich wollte wissen, woher Du die Infos hast....
Kannst Du mir die Noten geben? Ich glaube, ich sollte das üben....
Nordolf (29.05.2006, 23:22): Hallo AcomA!
Ich fand Deine Ausführungen hochinteressant. Nun habe ich von persischer Musik überhaupt keine Ahnung. Aber immerhin hat es seit der Begegnung der alten Griechen mit den Persern einen Austausch zwischen persischer und abendländischer Kultur gegeben. Vor Jahren erzählte mir eine Freundin, das sie gerade sehr gepflegte Musik hören würde - etwas Iranisches mit Klavier und einem Streicher.
Mich würde sehr interessieren, was es da via CD auch hier zu erwerben gibt. Diese Sache mit der Elektro-Orgel z.B. fände ich reizvoll...
Herzliche Grüsse! Nordolf
AcomA (29.05.2006, 23:24): hallo,
nun die ersten cd-empfehlungen, und was für welche ! IMO einige der großartigsten dokumentationen von kunstmusik überhaupt ! es handelt sich hierbei 1. um dastgah segah und dastgah homayun* mit p. meshkatian, santur, n. farhangfar, tonbak und j. mohebi*, tonbak. die aufnahmen wurden 1982 gemacht.
2. dastgah shur und dastgah mahur mit dem großartigen dariush talai, tar, und djamshid chemirani, tonbak, ebenfalls anfang der 80er aufgenommen (paris). es ist einzigartig, resonanz von seele und körper ! :engel
danke für Deinen Beitrag. Es ist gar nicht so leicht zu verstehen. Ich verstehe natürlich, daß Dir als Iraner die iranische Musik besonders am Herzen liegt.
Letzlich müßte man solche Musik zunächst einmal einfach mal hören. Möglich, daß sie einem dann trotzdem fremd bleibt. Manchmal ist es auch das verdammte Geld. Ich war letztes Jahr in der Türkei, wollte ein musikalische Mitbringsel aus der Türkei mitbringen, klassische türkische Musik. Aber das war verdammt teuer, da habe ich es gelassen.
Insgesamt - wenn mir auch mal eine allgemeine Bemerkung erlaubt ist - finde ich es äußerst bedenklich, daß zwischen der christlichen und islamischen Kultur ( die vielleicht gar nicht einmal so besonders christlich oder islamisch ist) ein solches Verhältnis vollkommener Ignoranz herrscht - in erster Linie aber wohl von Seiten der christilichen Seite ( den Ausdruck "westlich" habe ich nie verstanden, Marokko liegt nun wirklich weiter westlich als Ungarn oder Bulgarien). Was kennt man eigentlich als Deutscher von diesen Kulturen? Verdammt wenig, manchmal geradezu nichts. Irgendwie schwirrt in meinem Kopf der Name Hafis als bedeutendem iranischen Dichter herum, gelesen habe ich ihn nie.
Ins Gespräch darüber zu kommen ( warum nicht auch mal über iranische Dichter, dann eben im Mitgliederbereich) ist eines. Das auch wirklich mal zu hören und zu lesen etwas anderes. Aber das beinhaltet sicherlich auch eine Eingewöhnung, einem Menschen außerhalb Europas, der nie etwas von abendländischer Musik gehört hat, einfach mal so eine Beethovensonate vorzusetzen, bedeutete sicherlich auch einen Kulturschock.
Herzliche Grüße Martin
Holger S. (30.05.2006, 07:12): Hallo Siamak!
Hoch interessantes Thema! Da kenne ich mich bis jetzt noch gar nicht aus. Die am stärksten arabisch geprägte Musik, die ich kenne, sind die Orchesterwerke von Fikret Amirow bzw. Fikrät Ämirov (1922-1984) aus Aserbaidschan, das ist aber eher eine Synthese aus russischen und arabischen Einflüssen. Er hat u.a. drei mugamen (Singular mugam) für Orchester komponiert. Der (die? das?) erste heißt bezeichnenderweise "Shur", der zweite "Kürd Ovshari" - einige Sätze daraus tragen ebenfalls Titel, die du unten auch erwähnt hast (reng, tasnif). Viele Passagen klingen recht improvisatorisch (sind aber offenbar exakt notiert, da ich von manchen Werken zwei Aufnahmen besitze, die sich von den gespielten Noten her nicht unterscheiden). Die von dir erwähnten Parallelen dieser Musikkulturen werden hier wohl recht deutlich. Übrigens sehr hörenswerte Musik! Zur persischen Musik: Kennst du eigentlich diese CD-Veröffentlichung: http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/hnum/3669877. Da hatte ich schon vor ein paar Monaten mal ein Auge drauf geworfen. Ist das empfehlenswert?
Viele Grüße Holger
AcomA (30.05.2006, 08:43): lieber Holger,
die basis der aserbeidjanischen musik, auch bei f. amirov, ist nicht arabisch sondern persisch !
die komponisten, die bei den nürnberger symphonikern mit ihrem dirigenten alexander rahbari auf dem programm stehen, sind iranische komponisten, welche persische elemente der dastgah in die abendländische kompositionstechnik integrierten. alexander rahbari war übrigens schüler/assistent herbert von karajans. ich kenne diese platte und werke nicht, aber als interessent von musik kaukasischer komponisten dürfte es für dich in frage kommen.
gruß, siamak :)
Holger S. (30.05.2006, 08:52): Hallo Siamak,
vielen Dank für die Einschätzung. Ich werde mir die CDs bei meiner nächsten jpc-Bestellung mal zulegen, scheint mir eine interessante Sache zu sein. Werde meine Eindrücke und Meinungen zu den eingespielten Werken dann gerne hier äußern!
Viele Grüße Holger
AcomA (30.05.2006, 09:09): lieber Holger,
ich freue mich schon auf deine zukünftige einschätzung, vielleicht werde ich mir diese cd dann auch zulegen.
gruß, siamak :)
Engelbert (30.05.2006, 12:21): Aus dem SCHAHNAME
Die Geburt Rustam’s
Nicht lange Zeit verstrich, da spürte Rodabe in ihrem Herzen einen frühlingshaften Trieb.
Dann schwoll ihr edler, schlanker Leib und wurde feist. Die Purpurwangen färbten sich wie Safran gelb.
Die Mutter sprach zu ihr:“ O deiner Mutter Seele! Was ist mit dir geschehn? Fahlgelb sind deine Wangen!“
Sie seufzte tief und sprach: „Ich öffne Tag und Nacht die Lippen nur vor Schmerz und nur zum Hilfeschrein.
Denn meine Zeit ist da, das sich gebären sollte, doch nichts nimmt mir die Last, von der ich frei sein wollte.“
Ihr schwerer Leib war fest und hart als wie Stein, und was ihn füllte, schien aus Eisen gar zu sein.
:wink
Nach Überwindung aller Hindernisse können Zal und Rodabe den Ehebund schließen, gerade rechtzeitig genug für Rodabe, um Zals Kind als seine Frau zur Welt zu bringen. Die ungewöhnlich schwere Geburt deutet bereits auf die Leibesstärke des Kindes hin: es ist Rustam, der größte Sagenheld des Iran.
CD von Rostam & Sohrab, Inhaltsangabe und ausführungen in englisch
Über einen afghanischen Freund werde ich hin und wieder mit klassischer persischer Musik konfrontiert. Meistens singt eine äußerst melodische und wohlklingende Baritonstimme die Strophen eines nichtendenwollenden Liedes. Die Vokalharmonien bereiten mir keine Schwierigkeiten. Der literarische Gehalt des Vortrages auch nicht, weil ich vermute, dass es sich um Poesie der großen persischen Klassiker bzw. Mystiker handelt. Die Geschichten von Leila und Madschun oder Chosrou und Schirin dürften im Iran den Platz von Romeo und Julia oder Tristan und Isolde einnehmen.
Die modernen persischen Komponisten haben im westlichen Ausland studiert. Sie bedienen sich in ihren Kompositionen des Klangapparates unseres klassischen Sinfonieorchesters, lassen aber ihre Vokalharmonien und ihr Klangverständnis einfließen. Die Resultat sind oftmals überwältigend. Es gibt eine ganze Reihe Komponisten, die bereits Fuß fassen konnten. Für das im westlichen Ausland bedeutsamste Werk halte ich die Oper „Rostam & Sohrab“ des persischen Komponisten, armenischer Abkunft, Loris Tjeknavorian.
Engelbert :engel
AcomA (30.05.2006, 13:00): hallo Engelbert,
der große persische Dichter Ferdowsi wurde 935 in Tus, in der nähe des heutigen mashad geboren. die shahname, das buch der könige, ist ein extensives werk, wie du es schon beschrieben hast. die saga behandelt einen vorgeschichtlichen zeitraum, also vor der achämenidenzeit. das besondere an dem literarischen werk ist, dass ferdowsi es zustande brachte, ein werk im persischen zu verfassen, ohne ein arabisches wort zu benutzen, gewissermaßen eine 'entislamisierung' der persischen sprache !
Holger S. (12.06.2006, 10:45): http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3669877.jpg
Diese Doppel-CD ist vor kurzem bei mir angekommen. Es handelt sich um Aufnahmen aus dem Jahre 1980, die früher auf drei Schallplatten erhältlich waren. Letztes Jahr sind die Aufnahmen auf CD übertragen worden. Die Nürnberger Symphoniker spielen unter der Leitung von Alexander Rahbari.
Zunächst ist anzumerken, dass sich auf dieser Einspielung keineswegs nur sinfonische Dichtungen befinden - um genau zu sein, ist sogar keines der eingespielten Werke ausdrücklich als sinfonische Dichtung bezeichnet. Den Charakter der meisten Stücke trifft diese Bezeichnung dennoch ganz gut. Mitgeliefert ist ein umfangreiches Beiheft mit generellen Anmerkungen zur persischen Musik, aber auch den Lebensläufen der sechs Komponisten und Anmerkungen zu den hier vertretenen Werken. (Im einführenden Text sind allerdings zwei Namen vertauscht!) Sogar Bilder eines jeden Komponisten sind enthalten. Die Produktion ist also mit einiger Sorgfalt gemacht.
Zu den einzelnen Stücken (in der Reihenfolge der CDs):
Alexander Rahbari (*1948) - Persiche Mystik um G Es beginnt mit einem Stück des Dirigenten. Seine 12-minütige Persische Mystik umspielt den Ton G in sehr abwechslungsreicher Art und Weise. Man sollte sich durch den Titel nicht so sehr in die Irre führen lassen, das Stück zeichnet sich durch rapide Stimmungswechsel aus, es beginnt gleich mit einem kernigen Paukensolo. Rahbari versucht die persische Musik recht unverfälscht einzufangen, er verwendet improvisatorisch anmutende Elemente auf Basis der Dastgah. Das eigentlich für die persische Musik typische Umspielen eines Tones verwendet Rahbari eigentlich als einziger der Komponisten dieser Produktion als wichtigstes Gestaltungsmittel. Seine Musik ist polyphon und baut auf kleinen, stets modifizierten Motiven auf.
Ahmad Pejman (*1935) - Tanz aus der Oper Samandar - Ballett-Impressionen - Rhapsodie Pejman ist hier mit drei Werken vertreten. Der Tanz aus der Oper Samandar ist im Wesentlichen rhythmisch inspiriert, ein kraftvolles Stück. Die beiden anderen Orchesterwerke sind dagegen recht dramatisch und impulsiv. Pejman orientiert sich zwar auch am persischen Tonsystem, er greift aber eher auf Melodien zurück statt auf die von Rahbari vorgestellte Improvisation.
Aminollah Hossein (1908-1983) - Sheherazade Hosseins Sheherazade ist ein Ballett, aus dem hier wohl eine Suite zusammengestellt ist. Sie hat sieben Sätze, die neben Tänzen auch Landschaftsbilder ("Wüste") liefern. Natürlich greift Hossein hier auf 1001 Nacht zurück. Die Mittel, die Hossein verwendet, sind ein Stück konventioneller als die der anderen Komponisten dieser Sammlung. In einer Rezension habe ich gelesen, diese Musik klinge viel eher arabisch als persisch. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich mich in diesem Gebiet (noch) nicht auskenne.
Hossein Dehlavi (*1927) - Bijan und Manijeh Abermals eine Ballettsuite, diesmal in 6 Sätzen. Sie zeichnet annähernd den Handlungsverlauf des Ballettes nach. Dehlavi ist auch eher an Melodien innerhalb des persischen Tonsystems interessiert, die er vor einem farbigen Hintergrung präsentiert. Erinnert ein wenig an Chatschaturjan (Pejman und Hossein auch, jedenfalls teilweise). Dehlavis Musik ist kraftvoll und impulsiv, ungefähr mit Pejman zu vergleichen.
Houchang Ostovar (*1928) - Suite Iranienne Ostovars Suite ist das modernste Stück dieser Sammlung. Die drei Sätze verwenden alle den gleichen Modus (Dastgah Chahargah), sie sind betitelt mit Pishdaramad, Avaz und Reng. Die persischen Einflüsse verbindet Ostovar jedoch mit recht modernen (klangfarblichen) Effekten, manchmal auch ziemlich dissonant. Auffällig die intensive Verwendung des Schlagwerkes.
Mohammad Taghi Massoudieh (1927-1999) - Mouvement Symphonique Kurios, obwohl Massoudieh als "Vater der persischen Musikethnologie" gehandelt wird, hat sein hier eingespieltes Stück am wenigsten Nationalkolorit. Es ist in Sonatenform geschrieben. Massoudieh hält sich nicht streng an die Modi, sondern schreibt recht chromatisch. Persische Elemente sind nach Beiheft v.a. in der Melodiebildung und Rhythmik / Metrik zu finden. Das Stück hat eine langsame Einleitung. Insgesamt wirkt dieser Sinfonische Satz mit nur 8 Minuten Spieldauer fast ein wenig kurz, der Schluss kommt unvermittelt und ist vielleicht etwas unbefriedigend.
Insgesamt ist das eine sehr facettenreiche Produktion. Alle Stücke haben eine gewisse Exotik und eine große klangfarbliche Palette gemeinsam. In der Tat, wer Musik aus dem Kaukasus schätzt, findet wohl auch an dieser Produktion Gefallen. Auch muss ich darauf hinweisen, dass man die Musik des 20. Jahrhunderts nicht unbedingt uneingeschränkt begrüßen muss, um die CDs gut zu finden. Insgesamt betrachtet, ist die Tonsprache dieser Komponisten tendenziell konservativ. Fazit: eine interessante Entdeckung. Ich finde sie sehr gut, es lohnt sich auf jeden Fall, die CDs zu kaufen.
Viele Grüße Holger
Cosima (12.06.2006, 12:44): Original von Holger S. In der Tat, wer Musik aus dem Kaukasus schätzt, findet wohl auch an dieser Produktion Gefallen. Auch muss ich darauf hinweisen, dass man die Musik des 20. Jahrhunderts nicht unbedingt uneingeschränkt begrüßen muss, um die CDs gut zu finden. Insgesamt betrachtet, ist die Tonsprache dieser Komponisten tendenziell konservativ. Fazit: eine interessante Entdeckung. Ich finde sie sehr gut, es lohnt sich auf jeden Fall, die CDs zu kaufen.
Hallo Holger,
eine schöne Besprechung der CD mit einem interessanten Fazit, das mich aufhorchen ließ! Ich werde auf jeden Fall einmal in die Aufnahmen hineinhören! Danke Dir.
Gruß, Cosima
Engelbert (12.06.2006, 14:35): Hallo Holger,
Du bist mir mit Deiner Besprechung der sechs persischen Komponisten zuvorgekommen. Ich kann aber alles unterstreichen, was Du sagst. Ich hatte mit schon Anfang der 80er Jahre die Kassette mit den 3 LPs zugelegt, als Alexander Rhabari sich - als unbeschriebenes Blatt - noch Ali Rhabari nannte.
Mir hat es gefallen, einmal eine Alternative zu Rimsky-Korssakows Scheherazade zu hören. Im ausführlichen Textbuch ist allerdings nicht davon die Rede, daß es sich bei dem 22 Minuten Stück um eine Suite handelt. Es kann sich aber durchaus so verhalten, wie Du sagst.
Das andere Ballett "Bijan & Manijeh", mit 23 Minuten angegeben, ist auch als komplettes Ballett gekennzeichnet. Aber auch hier würde ich Dir zustimmen, dass es scih um eine für den Konzertsaal gestutzte Kurzfassung handelt.
Loris Tjeknavorian, Armenier mit iranischem Elternhaus, fehlt in der Anthologie. Er hat eine Ballettmusik "Otello" komponiert, seinerzeit bei EMI als Suite zu bekommen. Der Genannte hat sich vorzeigsweise als Dirigent einen Namen gemacht und ist bei ASV mit Khatchaturian vertreten.
:tongue:
Ich finde es hervorragend, wenn Tonschöpfer außereuropäischer Länder, ihre Wurzeln nicht verleugnen, aber sich der Stilmittel des Westens bedienen, um aus beiden eine Einheit zu schaffen.
Prominentes Beispiel die Konzerte für Sitar und Orchester von Ravi Shankar. Nicht bekannt ist der vietnamesische Komponist Quang Hai mit seinem Konzert für Dan-Chan und Sinfonie-Orchester.
Worauf ich warte, wäre ein Instrumentalkonzert für Didgeridoo und Orchester. Vielleicht gibt es das auch schon. Grundsätzlich sehe ich die Zukunft der sogenannten ernsten Musik darin, dass Ost und West zusammenrückt und sich nicht arrogant abgrenzt. Die Gefahr besteht allerdings, dass Folklore zu dick aufgetragen wird.
Gruß Engelbert :engel
AcomA (12.06.2006, 15:45): lieber Holger,
herzlichen dank für deine engagierte beschreibung der doppel-cd.
hallo Engelbert,
die z.b. iranische klassische musik hat mit folklore genauso wenig zu tun wie die klassische musik des occidents !
gruß, siamak :)
Holger S. (12.06.2006, 15:56): Original von Engelbert Im ausführlichen Textbuch ist allerdings nicht davon die Rede, daß es sich bei dem 22 Minuten Stück um eine Suite handelt. Es kann sich aber durchaus so verhalten, wie Du sagst.
Das andere Ballett "Bijan & Manijeh", mit 23 Minuten angegeben, ist auch als komplettes Ballett gekennzeichnet. Aber auch hier würde ich Dir zustimmen, dass es scih um eine für den Konzertsaal gestutzte Kurzfassung handelt.
Hallo Engelbert,
ja, die beiden Stück werden als "Ballette" geführt. Anhand der kurzen Spieldauern halte ich es in beiden Fällen aber für eher unwahrscheinlich, dass es sich um die ganzen Ballette handelt, zumal ich bei Hossein die im Text wiedergegebene Handlung auch in der Musik so nicht unbedingt wiederfinde. Daher lag für mich die Vermutung nahe, dass es sich um Suiten handelt. Hier hätte das Beiheft vielleicht ein wenig mehr zur Klärung beitragen können.
Es ist im übrigen wirklich nicht einfach, sich über die Komponisten dieser CD umfassend zu informieren, man findet recht wenig. Hinzu kommen noch die unterschiedlichen Transkriptionen, die im Umlauf sind. - Tjeknavorian ist mir (durch seine Chatschaturjan-Einspielungen) natürlich ein Begriff, Werke von ihm kenne ich noch nicht. Übrigens gefallen auch mir Kompositionen, die eine Synthese aus der Musik anderer Kulturen und westlichen Stilmitteln darstellen, außerordentlich. Im außereuropäischen Raum kenne ich mich allerdings bis jetzt nicht so gut aus...
Viele Grüße Holger
Landowski (12.06.2006, 18:35): Loris Tjeknavorians opus 1 ist im Übrigen ein Violinkonzert. Man hört deutlich den armenischen Einfluss und es erinnert entfernt an Khachaturians Violinkonzert. Tjeknavorian ist allerdings weniger dunkel und düster (was ich immer bei Khachaturian empfinde) und harmonischer und melodischer. Eine schöne Ergänzung zu den Violinkonzerten von Khachaturian und Babadjanian.
Landowski (12.06.2006, 19:19): Es gibt noch ein kleines, feines Concertino für Violine und Orchester in einem Satz von Parviz Mahmoud. Laut Booklet kombiniert es persische und westliche Tonsysteme miteinander, dem Endprodukt hört man das allerdings als musikalischer Laie nicht an. Klingt für mich durch und durch "westlich" (Mahmoud wanderte einige Jahre vor der Komposition nach Amerika aus - vielleicht liegts daran.)
Aktuelle persische Komponisten gibt es in meinem Blick nicht gerade viele, da fällt mir nur Behzad Ranjbaran und sein Violinkonzert ein. Er ist vermutlich der bekannste zeitgenössische Komponist. Das Violinkonzert wurde immerhin von Joshua Bell uraufgeführt und mit guten Kritiken aufgenommen. Ranjbaran verließ mit 19 den Iran und lebt seitdem ebenfalls in den USA. Hier sind die östlichen Wurzeln aber noch deutlich zu spüren. Das Werk ist exotisch und emotional - sehr spannend zu hören! Sehr schön finde ich auch die Werke für Violine und Orchester von Hossein Dehlavi und gerade von Morteza Hannaneh . Sie spiegeln für meinen Geschmack noch mehr das Östliche in der Musik wider.
AcomA (12.06.2006, 20:34): hallo Landowski,
aktuelle persische Komponisten gibt es sogar sehr viele ! meshkatian (oben erwähnt), h. alizadeh (oben erwähnt), kalhor, f. paivar, zolfonun etc.. es sind dies die komponisten, welche rein im dastgah arbeiten und 'westliche' techniken und harmonien meiden.
gruß, siamak :)
Landowski (12.06.2006, 21:58): Original von Landowski Aktuelle persische Komponisten gibt es in meinem Blick nicht gerade viele, da fällt mir nur Behzad Ranjbaran und sein Violinkonzert ein. Er ist vermutlich der bekannste zeitgenössische Komponist.
Das ist mir klar gewesen, dass es noch jede Menge aktuelle persische Komponisten gibt. Aber ich meinte ja "bekannte Komponisten". Und diejenigen, die die westlichen Kompositionstechniken meiden haben vermutlich auch weniger Chancen im Westen aufgeführt zu werden. Und so jemand wie Ranjbaran wird dann vielleicht eher im Westen wie im Osten gehört. Daher meine Überlegung. Von den Namen, die du nennst, kenne ich nämlich nur noch Alizadeh dem Namen nach. Der Rest ist mir unbekannt.
AcomA (12.06.2006, 23:17): hallo Landowski,
dann hätte man sagen müsen, im westen bekannte komponisten. die von dir genannten sind im iran unbekannt, die von mir aufgeführten sind dort regelrechte institutionen !
gruß, siamak :)
AcomA (19.06.2006, 23:55): hallo,
hier ein highlight klassischer iranischer musik. es ist eine aufzeichnung aus dem jahre 1973.
folgende tonarten werden kombiniert: bayate esfahan, homayun, segah und mokhalef segah.
die ausführenden: nuroddin razavi-sarvestani (gesang), dariush talai (tar), jalal zofonun (setar), davoud ganjei (kemantshe), mohammad-ali haddadian (ney), marta manizadeh (santur), morteza ayan (tonbak) und jamshid shemirani (tonbak). den gesängen liegen gedichte von hafez und saadi zugrunde. instrumental und gesangskunst vom feinsten. im klassischen persischen gesang wird nicht mit vibrato-technik gesungen, sondern es kommt die natürliche stimme 'unmanipuliert' zum ausdruck.
herausgeber: mahoor institute of culture and art, schweiz
gruß, siamak :engel
AcomA (29.05.2006, 22:40): hallo,
Die Musikwissenschaft (elm e musighi) als Zweig der Mathematik stand im alten Iran immer in hohem Ansehen. Der Epiker Nizami (12. Jh.) berichtet von der Aufführung der dreißig Gesangsweisen (alhan) und hundert Melodien (dastan-ha) an den sassanidischen Höfen (vorislamische Zeit). Im 9. und 10. Jahrhundert schreiben die Musikwissenschaftler großartige, systematische Abhandlungen über Musik, deren Gültigkeit bis heute unbestritten ist. Diese Musik ist jahrhundertelang weitgehend oral tradiert worden (sineh be-sineh: „von Brust zu Brust“). Im 19. Jh. entwickelt sich eine Art traditionelle Kunstmusik (radif), deren umfangreiche Melodien und Improvisationsmodelle durch Notation und Transkription festgehalten werden. Der radif ist in verschiedene Modi (dastgah-ha) eingebettet. Dastgah – ein tonales Zentrum der traditionellen Kunstmusik – besteht aus „dast“ (Hand) und „gah“ (Ort, Zeit). d.h. je nach der Reihenfolge – wie oder wo man die Hand anlegt oder welche Zeit für eine Musik ausgewählt ist – werden geistige Reflexionen oder seelische Bindungen und emotionale Reaktionen induziert. Eine Wanderung durch die zahlreichen filigranen Ecken und Winkel (gushe-ha) macht uns mit dem Spektrum des dastgah vertraut, wobei diese gushe-ha sich nur auf drei bis vier Töne stützen, sich aus ihnen entfalten und wieder an ihrem Ausgangspunkt (forud) landen. Ohne Ansammlung und Koordinierung dieser Bausteine ist die Aufführung eines dastgah nicht möglich. Ein wesentlicher Bestandteil der iranischen Musik ist die Improvisation. Im Grunde genommen hat der Vortrag eines dastgah, der spontan improvisiert wird, mit der inneren Stimmung der Vorführenden und mit der Sensibilität der Zuhörenden zu tun: ein reziproker Dialog zwischen Meditation des Klanges und der Stille. „Wie viele Worte möchtest du noch, o Sa’di, über die Wissenschaft der Musik verlieren, Geheimnisse des Herzens offenbaren sich doch nur dem Ohr der Seele“ (Saadi, 13. Jh.). Es existieren sieben Haupt-dastgah-ha sowie fünf davon abgeleitete Modi (awaz-ha): dastgah-e Shur awaz-e Abu‘ata awaz-e Bayat-e Tork awaz-e Dashti awaz-e Afshari dastgah-e Homayun awaz-e Esfahan dastgah-e Segah dastgah-e Chahargah dastgah-e Nawa dastgah-e Mahur dastgah-e Rastpandjgah. Selbstverständlich kann man verschiedene dastgah-ha miteinander mischen, was man als morakkab-chani und morakkab-nawazi bezeichnet. Jeder dastgah hat seine spezifische Klangfarbe, die den Sinn zum Singen und das Gefühl zum Tanzen bringt: Mahur vermittelt eine heitere Kühnheit, Chahargah eine verhaltene Freude. Shur – ein breit angelegter dastgah – ist majestätisch und ernst, während Dashti und Afshari eine tiefe Trauer darstellen. Segah führt in eine mystische Dimension und Homayun versetzt in eine süße Melancholie. Ein dastgah besteht aus fünf Formteilen, die beliebig variiert werden können: pishdaramad (Einleitung), chaharmezrab (metrisierter Teil), awaz (Gesang), tasnif (Lied), reng (Tanz). Die wichtigsten traditionellen iranischen Instrumente sind tar, setar (Langhalslauten), barbat (Krummlaute), kamancheh (Spießgeige, Schoßgeige), ney (Hirten-Flöte), santur (Trapezzither), tonbak (Bechertrommel) und daf (Rahmentrommel). Das Musikleben beinhaltet Hofmusik, ländliche Spielleute (motreb), mystische Gesänge im Derwischkloster (khaneqah), vor allem Volksmusik und religiöse Musik: Passionsspiele (ta’ziyeh), Erzählungen der Leidensgeschichten der Märtyrer (rouzeh und nouheh). All diese sind miteinander verwachsen, befruchten sich gegenseitig, nähren sich voneinander und sind mit dem dastgah eng verwandt. Diese vielseitige Verwandtschaft macht die iranische Musik zu einer der klangvollsten unserer Zeit : „Kein Spielmann spielt diese Melodie, keine Nachtigall kann so schlagen“ (Saadi). Diese Grundlagen der persischen Harmonik und Tonsysteme, welche auch Vierteltonschritte beinhalten und hier eine Verwandtschaft mit der indischen Musik aufweisen, bilden auch die Basis für die traditionelle aserbeidjanische Musik.
Die Revolution 1979 löste eine Renaissance der persischen klassischen Musik aus, die nationale Größen wie Parisa (Gesang), Parviz Meshkatian (santur), Dshamshid Andalibi (ney), Keihan Kalhor, Mohammad Reza Lotfi, Hossein Alizadeh (tar), Schahram Nazeri und der berühmte Mohammad-Reza Schadsharian (Gesang). Gerade Meshkatian hat die klassische Musik sowie instrumentellen Möglichkeiten enorm weiterentwickelt.
Jeremias (29.05.2006, 22:49): Wo hast Du das denn nun schon wieder alles her? Kennst Du denn zufällig auch interessante Werke für Klavier solo?
AcomA (29.05.2006, 23:08): lieber Jeremias,
du weißt doch, dass ich auch die klassische persische Musik liebe !
Javad Maroufi war es, der das Klavier in die klassische persische Musik einführte, solistisch und kammermusikalisch. er temperierte teilweise das klavier auf die dastgah ! ein sehr aufwendiger schritt, denn der normale klavierstimmer beherrscht das nicht ! allerdings hat mMaroufi auch im persischen stil für das wohltemperierte klavier geschrieben. sehr bekannt: fantasie gila. ich spiele sie übrigens auch. J. Maroufi verstarb 1993. dann gab es auch noch Anoushirvan Rohani, der phantastische Musik in den dastgah für elektro-orgel schrieb.
http://www.soroush.co.uk/catalog/shurha.jpg
gruß, siamak :engel
Jeremias (29.05.2006, 23:22): Ich weiss, dass Du die Musik liebst, aber ich wollte wissen, woher Du die Infos hast....
Kannst Du mir die Noten geben? Ich glaube, ich sollte das üben....
Nordolf (29.05.2006, 23:22): Hallo AcomA!
Ich fand Deine Ausführungen hochinteressant. Nun habe ich von persischer Musik überhaupt keine Ahnung. Aber immerhin hat es seit der Begegnung der alten Griechen mit den Persern einen Austausch zwischen persischer und abendländischer Kultur gegeben. Vor Jahren erzählte mir eine Freundin, das sie gerade sehr gepflegte Musik hören würde - etwas Iranisches mit Klavier und einem Streicher.
Mich würde sehr interessieren, was es da via CD auch hier zu erwerben gibt. Diese Sache mit der Elektro-Orgel z.B. fände ich reizvoll...
Herzliche Grüsse! Nordolf
AcomA (29.05.2006, 23:24): hallo,
nun die ersten cd-empfehlungen, und was für welche ! IMO einige der großartigsten dokumentationen von kunstmusik überhaupt ! es handelt sich hierbei 1. um dastgah segah und dastgah homayun* mit p. meshkatian, santur, n. farhangfar, tonbak und j. mohebi*, tonbak. die aufnahmen wurden 1982 gemacht.
2. dastgah shur und dastgah mahur mit dem großartigen dariush talai, tar, und djamshid chemirani, tonbak, ebenfalls anfang der 80er aufgenommen (paris). es ist einzigartig, resonanz von seele und körper ! :engel
danke für Deinen Beitrag. Es ist gar nicht so leicht zu verstehen. Ich verstehe natürlich, daß Dir als Iraner die iranische Musik besonders am Herzen liegt.
Letzlich müßte man solche Musik zunächst einmal einfach mal hören. Möglich, daß sie einem dann trotzdem fremd bleibt. Manchmal ist es auch das verdammte Geld. Ich war letztes Jahr in der Türkei, wollte ein musikalische Mitbringsel aus der Türkei mitbringen, klassische türkische Musik. Aber das war verdammt teuer, da habe ich es gelassen.
Insgesamt - wenn mir auch mal eine allgemeine Bemerkung erlaubt ist - finde ich es äußerst bedenklich, daß zwischen der christlichen und islamischen Kultur ( die vielleicht gar nicht einmal so besonders christlich oder islamisch ist) ein solches Verhältnis vollkommener Ignoranz herrscht - in erster Linie aber wohl von Seiten der christilichen Seite ( den Ausdruck "westlich" habe ich nie verstanden, Marokko liegt nun wirklich weiter westlich als Ungarn oder Bulgarien). Was kennt man eigentlich als Deutscher von diesen Kulturen? Verdammt wenig, manchmal geradezu nichts. Irgendwie schwirrt in meinem Kopf der Name Hafis als bedeutendem iranischen Dichter herum, gelesen habe ich ihn nie.
Ins Gespräch darüber zu kommen ( warum nicht auch mal über iranische Dichter, dann eben im Mitgliederbereich) ist eines. Das auch wirklich mal zu hören und zu lesen etwas anderes. Aber das beinhaltet sicherlich auch eine Eingewöhnung, einem Menschen außerhalb Europas, der nie etwas von abendländischer Musik gehört hat, einfach mal so eine Beethovensonate vorzusetzen, bedeutete sicherlich auch einen Kulturschock.
Herzliche Grüße Martin
Holger S. (30.05.2006, 07:12): Hallo Siamak!
Hoch interessantes Thema! Da kenne ich mich bis jetzt noch gar nicht aus. Die am stärksten arabisch geprägte Musik, die ich kenne, sind die Orchesterwerke von Fikret Amirow bzw. Fikrät Ämirov (1922-1984) aus Aserbaidschan, das ist aber eher eine Synthese aus russischen und arabischen Einflüssen. Er hat u.a. drei mugamen (Singular mugam) für Orchester komponiert. Der (die? das?) erste heißt bezeichnenderweise "Shur", der zweite "Kürd Ovshari" - einige Sätze daraus tragen ebenfalls Titel, die du unten auch erwähnt hast (reng, tasnif). Viele Passagen klingen recht improvisatorisch (sind aber offenbar exakt notiert, da ich von manchen Werken zwei Aufnahmen besitze, die sich von den gespielten Noten her nicht unterscheiden). Die von dir erwähnten Parallelen dieser Musikkulturen werden hier wohl recht deutlich. Übrigens sehr hörenswerte Musik! Zur persischen Musik: Kennst du eigentlich diese CD-Veröffentlichung: http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/hnum/3669877. Da hatte ich schon vor ein paar Monaten mal ein Auge drauf geworfen. Ist das empfehlenswert?
Viele Grüße Holger
AcomA (30.05.2006, 08:43): lieber Holger,
die basis der aserbeidjanischen musik, auch bei f. amirov, ist nicht arabisch sondern persisch !
die komponisten, die bei den nürnberger symphonikern mit ihrem dirigenten alexander rahbari auf dem programm stehen, sind iranische komponisten, welche persische elemente der dastgah in die abendländische kompositionstechnik integrierten. alexander rahbari war übrigens schüler/assistent herbert von karajans. ich kenne diese platte und werke nicht, aber als interessent von musik kaukasischer komponisten dürfte es für dich in frage kommen.
gruß, siamak :)
Holger S. (30.05.2006, 08:52): Hallo Siamak,
vielen Dank für die Einschätzung. Ich werde mir die CDs bei meiner nächsten jpc-Bestellung mal zulegen, scheint mir eine interessante Sache zu sein. Werde meine Eindrücke und Meinungen zu den eingespielten Werken dann gerne hier äußern!
Viele Grüße Holger
AcomA (30.05.2006, 09:09): lieber Holger,
ich freue mich schon auf deine zukünftige einschätzung, vielleicht werde ich mir diese cd dann auch zulegen.
gruß, siamak :)
Engelbert (30.05.2006, 12:21): Aus dem SCHAHNAME
Die Geburt Rustam’s
Nicht lange Zeit verstrich, da spürte Rodabe in ihrem Herzen einen frühlingshaften Trieb.
Dann schwoll ihr edler, schlanker Leib und wurde feist. Die Purpurwangen färbten sich wie Safran gelb.
Die Mutter sprach zu ihr:“ O deiner Mutter Seele! Was ist mit dir geschehn? Fahlgelb sind deine Wangen!“
Sie seufzte tief und sprach: „Ich öffne Tag und Nacht die Lippen nur vor Schmerz und nur zum Hilfeschrein.
Denn meine Zeit ist da, das sich gebären sollte, doch nichts nimmt mir die Last, von der ich frei sein wollte.“
Ihr schwerer Leib war fest und hart als wie Stein, und was ihn füllte, schien aus Eisen gar zu sein.
:wink
Nach Überwindung aller Hindernisse können Zal und Rodabe den Ehebund schließen, gerade rechtzeitig genug für Rodabe, um Zals Kind als seine Frau zur Welt zu bringen. Die ungewöhnlich schwere Geburt deutet bereits auf die Leibesstärke des Kindes hin: es ist Rustam, der größte Sagenheld des Iran.
CD von Rostam & Sohrab, Inhaltsangabe und ausführungen in englisch
Über einen afghanischen Freund werde ich hin und wieder mit klassischer persischer Musik konfrontiert. Meistens singt eine äußerst melodische und wohlklingende Baritonstimme die Strophen eines nichtendenwollenden Liedes. Die Vokalharmonien bereiten mir keine Schwierigkeiten. Der literarische Gehalt des Vortrages auch nicht, weil ich vermute, dass es sich um Poesie der großen persischen Klassiker bzw. Mystiker handelt. Die Geschichten von Leila und Madschun oder Chosrou und Schirin dürften im Iran den Platz von Romeo und Julia oder Tristan und Isolde einnehmen.
Die modernen persischen Komponisten haben im westlichen Ausland studiert. Sie bedienen sich in ihren Kompositionen des Klangapparates unseres klassischen Sinfonieorchesters, lassen aber ihre Vokalharmonien und ihr Klangverständnis einfließen. Die Resultat sind oftmals überwältigend. Es gibt eine ganze Reihe Komponisten, die bereits Fuß fassen konnten. Für das im westlichen Ausland bedeutsamste Werk halte ich die Oper „Rostam & Sohrab“ des persischen Komponisten, armenischer Abkunft, Loris Tjeknavorian.
Engelbert :engel
AcomA (30.05.2006, 13:00): hallo Engelbert,
der große persische Dichter Ferdowsi wurde 935 in Tus, in der nähe des heutigen mashad geboren. die shahname, das buch der könige, ist ein extensives werk, wie du es schon beschrieben hast. die saga behandelt einen vorgeschichtlichen zeitraum, also vor der achämenidenzeit. das besondere an dem literarischen werk ist, dass ferdowsi es zustande brachte, ein werk im persischen zu verfassen, ohne ein arabisches wort zu benutzen, gewissermaßen eine 'entislamisierung' der persischen sprache !
Holger S. (12.06.2006, 10:45): http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3669877.jpg
Diese Doppel-CD ist vor kurzem bei mir angekommen. Es handelt sich um Aufnahmen aus dem Jahre 1980, die früher auf drei Schallplatten erhältlich waren. Letztes Jahr sind die Aufnahmen auf CD übertragen worden. Die Nürnberger Symphoniker spielen unter der Leitung von Alexander Rahbari.
Zunächst ist anzumerken, dass sich auf dieser Einspielung keineswegs nur sinfonische Dichtungen befinden - um genau zu sein, ist sogar keines der eingespielten Werke ausdrücklich als sinfonische Dichtung bezeichnet. Den Charakter der meisten Stücke trifft diese Bezeichnung dennoch ganz gut. Mitgeliefert ist ein umfangreiches Beiheft mit generellen Anmerkungen zur persischen Musik, aber auch den Lebensläufen der sechs Komponisten und Anmerkungen zu den hier vertretenen Werken. (Im einführenden Text sind allerdings zwei Namen vertauscht!) Sogar Bilder eines jeden Komponisten sind enthalten. Die Produktion ist also mit einiger Sorgfalt gemacht.
Zu den einzelnen Stücken (in der Reihenfolge der CDs):
Alexander Rahbari (*1948) - Persiche Mystik um G Es beginnt mit einem Stück des Dirigenten. Seine 12-minütige Persische Mystik umspielt den Ton G in sehr abwechslungsreicher Art und Weise. Man sollte sich durch den Titel nicht so sehr in die Irre führen lassen, das Stück zeichnet sich durch rapide Stimmungswechsel aus, es beginnt gleich mit einem kernigen Paukensolo. Rahbari versucht die persische Musik recht unverfälscht einzufangen, er verwendet improvisatorisch anmutende Elemente auf Basis der Dastgah. Das eigentlich für die persische Musik typische Umspielen eines Tones verwendet Rahbari eigentlich als einziger der Komponisten dieser Produktion als wichtigstes Gestaltungsmittel. Seine Musik ist polyphon und baut auf kleinen, stets modifizierten Motiven auf.
Ahmad Pejman (*1935) - Tanz aus der Oper Samandar - Ballett-Impressionen - Rhapsodie Pejman ist hier mit drei Werken vertreten. Der Tanz aus der Oper Samandar ist im Wesentlichen rhythmisch inspiriert, ein kraftvolles Stück. Die beiden anderen Orchesterwerke sind dagegen recht dramatisch und impulsiv. Pejman orientiert sich zwar auch am persischen Tonsystem, er greift aber eher auf Melodien zurück statt auf die von Rahbari vorgestellte Improvisation.
Aminollah Hossein (1908-1983) - Sheherazade Hosseins Sheherazade ist ein Ballett, aus dem hier wohl eine Suite zusammengestellt ist. Sie hat sieben Sätze, die neben Tänzen auch Landschaftsbilder ("Wüste") liefern. Natürlich greift Hossein hier auf 1001 Nacht zurück. Die Mittel, die Hossein verwendet, sind ein Stück konventioneller als die der anderen Komponisten dieser Sammlung. In einer Rezension habe ich gelesen, diese Musik klinge viel eher arabisch als persisch. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich mich in diesem Gebiet (noch) nicht auskenne.
Hossein Dehlavi (*1927) - Bijan und Manijeh Abermals eine Ballettsuite, diesmal in 6 Sätzen. Sie zeichnet annähernd den Handlungsverlauf des Ballettes nach. Dehlavi ist auch eher an Melodien innerhalb des persischen Tonsystems interessiert, die er vor einem farbigen Hintergrung präsentiert. Erinnert ein wenig an Chatschaturjan (Pejman und Hossein auch, jedenfalls teilweise). Dehlavis Musik ist kraftvoll und impulsiv, ungefähr mit Pejman zu vergleichen.
Houchang Ostovar (*1928) - Suite Iranienne Ostovars Suite ist das modernste Stück dieser Sammlung. Die drei Sätze verwenden alle den gleichen Modus (Dastgah Chahargah), sie sind betitelt mit Pishdaramad, Avaz und Reng. Die persischen Einflüsse verbindet Ostovar jedoch mit recht modernen (klangfarblichen) Effekten, manchmal auch ziemlich dissonant. Auffällig die intensive Verwendung des Schlagwerkes.
Mohammad Taghi Massoudieh (1927-1999) - Mouvement Symphonique Kurios, obwohl Massoudieh als "Vater der persischen Musikethnologie" gehandelt wird, hat sein hier eingespieltes Stück am wenigsten Nationalkolorit. Es ist in Sonatenform geschrieben. Massoudieh hält sich nicht streng an die Modi, sondern schreibt recht chromatisch. Persische Elemente sind nach Beiheft v.a. in der Melodiebildung und Rhythmik / Metrik zu finden. Das Stück hat eine langsame Einleitung. Insgesamt wirkt dieser Sinfonische Satz mit nur 8 Minuten Spieldauer fast ein wenig kurz, der Schluss kommt unvermittelt und ist vielleicht etwas unbefriedigend.
Insgesamt ist das eine sehr facettenreiche Produktion. Alle Stücke haben eine gewisse Exotik und eine große klangfarbliche Palette gemeinsam. In der Tat, wer Musik aus dem Kaukasus schätzt, findet wohl auch an dieser Produktion Gefallen. Auch muss ich darauf hinweisen, dass man die Musik des 20. Jahrhunderts nicht unbedingt uneingeschränkt begrüßen muss, um die CDs gut zu finden. Insgesamt betrachtet, ist die Tonsprache dieser Komponisten tendenziell konservativ. Fazit: eine interessante Entdeckung. Ich finde sie sehr gut, es lohnt sich auf jeden Fall, die CDs zu kaufen.
Viele Grüße Holger
Cosima (12.06.2006, 12:44): Original von Holger S. In der Tat, wer Musik aus dem Kaukasus schätzt, findet wohl auch an dieser Produktion Gefallen. Auch muss ich darauf hinweisen, dass man die Musik des 20. Jahrhunderts nicht unbedingt uneingeschränkt begrüßen muss, um die CDs gut zu finden. Insgesamt betrachtet, ist die Tonsprache dieser Komponisten tendenziell konservativ. Fazit: eine interessante Entdeckung. Ich finde sie sehr gut, es lohnt sich auf jeden Fall, die CDs zu kaufen.
Hallo Holger,
eine schöne Besprechung der CD mit einem interessanten Fazit, das mich aufhorchen ließ! Ich werde auf jeden Fall einmal in die Aufnahmen hineinhören! Danke Dir.
Gruß, Cosima
Engelbert (12.06.2006, 14:35): Hallo Holger,
Du bist mir mit Deiner Besprechung der sechs persischen Komponisten zuvorgekommen. Ich kann aber alles unterstreichen, was Du sagst. Ich hatte mit schon Anfang der 80er Jahre die Kassette mit den 3 LPs zugelegt, als Alexander Rhabari sich - als unbeschriebenes Blatt - noch Ali Rhabari nannte.
Mir hat es gefallen, einmal eine Alternative zu Rimsky-Korssakows Scheherazade zu hören. Im ausführlichen Textbuch ist allerdings nicht davon die Rede, daß es sich bei dem 22 Minuten Stück um eine Suite handelt. Es kann sich aber durchaus so verhalten, wie Du sagst.
Das andere Ballett "Bijan & Manijeh", mit 23 Minuten angegeben, ist auch als komplettes Ballett gekennzeichnet. Aber auch hier würde ich Dir zustimmen, dass es scih um eine für den Konzertsaal gestutzte Kurzfassung handelt.
Loris Tjeknavorian, Armenier mit iranischem Elternhaus, fehlt in der Anthologie. Er hat eine Ballettmusik "Otello" komponiert, seinerzeit bei EMI als Suite zu bekommen. Der Genannte hat sich vorzeigsweise als Dirigent einen Namen gemacht und ist bei ASV mit Khatchaturian vertreten.
:tongue:
Ich finde es hervorragend, wenn Tonschöpfer außereuropäischer Länder, ihre Wurzeln nicht verleugnen, aber sich der Stilmittel des Westens bedienen, um aus beiden eine Einheit zu schaffen.
Prominentes Beispiel die Konzerte für Sitar und Orchester von Ravi Shankar. Nicht bekannt ist der vietnamesische Komponist Quang Hai mit seinem Konzert für Dan-Chan und Sinfonie-Orchester.
Worauf ich warte, wäre ein Instrumentalkonzert für Didgeridoo und Orchester. Vielleicht gibt es das auch schon. Grundsätzlich sehe ich die Zukunft der sogenannten ernsten Musik darin, dass Ost und West zusammenrückt und sich nicht arrogant abgrenzt. Die Gefahr besteht allerdings, dass Folklore zu dick aufgetragen wird.
Gruß Engelbert :engel
AcomA (12.06.2006, 15:45): lieber Holger,
herzlichen dank für deine engagierte beschreibung der doppel-cd.
hallo Engelbert,
die z.b. iranische klassische musik hat mit folklore genauso wenig zu tun wie die klassische musik des occidents !
gruß, siamak :)
Holger S. (12.06.2006, 15:56): Original von Engelbert Im ausführlichen Textbuch ist allerdings nicht davon die Rede, daß es sich bei dem 22 Minuten Stück um eine Suite handelt. Es kann sich aber durchaus so verhalten, wie Du sagst.
Das andere Ballett "Bijan & Manijeh", mit 23 Minuten angegeben, ist auch als komplettes Ballett gekennzeichnet. Aber auch hier würde ich Dir zustimmen, dass es scih um eine für den Konzertsaal gestutzte Kurzfassung handelt.
Hallo Engelbert,
ja, die beiden Stück werden als "Ballette" geführt. Anhand der kurzen Spieldauern halte ich es in beiden Fällen aber für eher unwahrscheinlich, dass es sich um die ganzen Ballette handelt, zumal ich bei Hossein die im Text wiedergegebene Handlung auch in der Musik so nicht unbedingt wiederfinde. Daher lag für mich die Vermutung nahe, dass es sich um Suiten handelt. Hier hätte das Beiheft vielleicht ein wenig mehr zur Klärung beitragen können.
Es ist im übrigen wirklich nicht einfach, sich über die Komponisten dieser CD umfassend zu informieren, man findet recht wenig. Hinzu kommen noch die unterschiedlichen Transkriptionen, die im Umlauf sind. - Tjeknavorian ist mir (durch seine Chatschaturjan-Einspielungen) natürlich ein Begriff, Werke von ihm kenne ich noch nicht. Übrigens gefallen auch mir Kompositionen, die eine Synthese aus der Musik anderer Kulturen und westlichen Stilmitteln darstellen, außerordentlich. Im außereuropäischen Raum kenne ich mich allerdings bis jetzt nicht so gut aus...
Viele Grüße Holger
Landowski (12.06.2006, 18:35): Loris Tjeknavorians opus 1 ist im Übrigen ein Violinkonzert. Man hört deutlich den armenischen Einfluss und es erinnert entfernt an Khachaturians Violinkonzert. Tjeknavorian ist allerdings weniger dunkel und düster (was ich immer bei Khachaturian empfinde) und harmonischer und melodischer. Eine schöne Ergänzung zu den Violinkonzerten von Khachaturian und Babadjanian.
Landowski (12.06.2006, 19:19): Es gibt noch ein kleines, feines Concertino für Violine und Orchester in einem Satz von Parviz Mahmoud. Laut Booklet kombiniert es persische und westliche Tonsysteme miteinander, dem Endprodukt hört man das allerdings als musikalischer Laie nicht an. Klingt für mich durch und durch "westlich" (Mahmoud wanderte einige Jahre vor der Komposition nach Amerika aus - vielleicht liegts daran.)
Aktuelle persische Komponisten gibt es in meinem Blick nicht gerade viele, da fällt mir nur Behzad Ranjbaran und sein Violinkonzert ein. Er ist vermutlich der bekannste zeitgenössische Komponist. Das Violinkonzert wurde immerhin von Joshua Bell uraufgeführt und mit guten Kritiken aufgenommen. Ranjbaran verließ mit 19 den Iran und lebt seitdem ebenfalls in den USA. Hier sind die östlichen Wurzeln aber noch deutlich zu spüren. Das Werk ist exotisch und emotional - sehr spannend zu hören! Sehr schön finde ich auch die Werke für Violine und Orchester von Hossein Dehlavi und gerade von Morteza Hannaneh . Sie spiegeln für meinen Geschmack noch mehr das Östliche in der Musik wider.
AcomA (12.06.2006, 20:34): hallo Landowski,
aktuelle persische Komponisten gibt es sogar sehr viele ! meshkatian (oben erwähnt), h. alizadeh (oben erwähnt), kalhor, f. paivar, zolfonun etc.. es sind dies die komponisten, welche rein im dastgah arbeiten und 'westliche' techniken und harmonien meiden.
gruß, siamak :)
Landowski (12.06.2006, 21:58): Original von Landowski Aktuelle persische Komponisten gibt es in meinem Blick nicht gerade viele, da fällt mir nur Behzad Ranjbaran und sein Violinkonzert ein. Er ist vermutlich der bekannste zeitgenössische Komponist.
Das ist mir klar gewesen, dass es noch jede Menge aktuelle persische Komponisten gibt. Aber ich meinte ja "bekannte Komponisten". Und diejenigen, die die westlichen Kompositionstechniken meiden haben vermutlich auch weniger Chancen im Westen aufgeführt zu werden. Und so jemand wie Ranjbaran wird dann vielleicht eher im Westen wie im Osten gehört. Daher meine Überlegung. Von den Namen, die du nennst, kenne ich nämlich nur noch Alizadeh dem Namen nach. Der Rest ist mir unbekannt.
AcomA (12.06.2006, 23:17): hallo Landowski,
dann hätte man sagen müsen, im westen bekannte komponisten. die von dir genannten sind im iran unbekannt, die von mir aufgeführten sind dort regelrechte institutionen !
gruß, siamak :)
AcomA (19.06.2006, 23:55): hallo,
hier ein highlight klassischer iranischer musik. es ist eine aufzeichnung aus dem jahre 1973.
folgende tonarten werden kombiniert: bayate esfahan, homayun, segah und mokhalef segah.
die ausführenden: nuroddin razavi-sarvestani (gesang), dariush talai (tar), jalal zofonun (setar), davoud ganjei (kemantshe), mohammad-ali haddadian (ney), marta manizadeh (santur), morteza ayan (tonbak) und jamshid shemirani (tonbak). den gesängen liegen gedichte von hafez und saadi zugrunde. instrumental und gesangskunst vom feinsten. im klassischen persischen gesang wird nicht mit vibrato-technik gesungen, sondern es kommt die natürliche stimme 'unmanipuliert' zum ausdruck.
Persische Trilogie: Sieben Wege Seemorgh Das Blut des Seyavash
Joann Falletta / London Symphony Orchestra 2003
Diese effektvolle, flirrende Musik ist ein wahrer Ohrenschmaus für den Freund großangelegter Symphonik, der besondere Freude findet am Einsatz der Orchesterfarben in einer Komposition. Solopassagen einzelner Instrumente werden vom Orchester grundiert, dann beginnen die Einzeltöne sich in Bewegung zu setzen, das Orchester rauscht auf und entlädt sich in heftigen Ausbrüchen. Ständig kreist, wirbelt, donnert und glitzert es in der Musik.
Über alle drei Tondichtungen hinweg tauchen bestimmte Motive in vielfältiger Wandlung auf: - Ranjabaran hat seine Musik hier eindeutig an Wagner geschult. Durch diese Leitmotivtechnik und ebenso durch die mächtigem, dramatischen Gesten fühle ich mich an Filmmusik erinnert – allerdings sind diese Kompositionen um einiges komplexer als vieles, was heute in diesem Bereich geschaffen wird. Die "Persische Trilogie" liegt für mich musikalisch und atmosphärisch in der Nähe von Rimsky-Korsakoffs Suite "Scheherazade", den symphonischen Werken von Rangström und Bax, der "Römischen Trilogie" von Respighi sowie der "Feuervogel"-Suite und dem "Le Sacre du Printemps" von Strawinsky. Dominant bleibt aber ein spezifisches, fernöstlichen Kolorit.
Dieses Kolorit wurde sicherlich durch den inhaltlichen Hintergrund der Tondichtungen geprägt. Denn der iranische, in Amerika lebende Komponist Behzad Ranjbaran bezieht sich auf die Helden aus dem persischen Nationalepos "Shanameh" (Buch der Könige) aus dem 10./11. Jahrhundert, welches altpersische, mythologische Geschichten zur Vorlage hat und den Komponisten schon als Kind beeindruckte. Die "Sieben Wege" erzählen von den sieben Prüfungen des Helden Rostam, der sich gegen Löwen, Drachen, Zauberer und Krieger zur Wehr setzen muss, um schließlich seinen größten Feind, den "Weißen Dämon" zu bekämpfen. Der "Seemorgh" ist ein riesiger, mythischer Vogel, der ein wenig an den antiken Phoenix erinnert. Dieses heilige Tier lebt auf einem großen Berg und tritt als Retter und Beschützer von Rostams Vater auf. Im "Blut Seyavashs" geht es um den gleichnamigen Prinzen, der von Rostam im Waffenkampf ausgebildet und durch Verrat und Intrigen auf tragische Weise zu Tode kommt. Wie stark Ranjbaran hier auf der literarischen Vorlage aufbaut, zeigt seine deutliche Kennzeichnung der drei Motive, die in der Musik dem Prinzen Seyavash zugeordnet werden: - er nennt die Motive "Schicksal!", "Menschlichkeit" und "Verschwörung".
Der Komponist spricht im Booklet häufig vom "massive climax", was ich nur bestätigen kann: - die Orchester- und Schlagwerkausbrüche sind von einiger Heftigkeit. Ebenso beeindruckt die Vielfalt und Verwobenheit der Themen und ihrer Wandlung in der Musik – es passiert faktisch ständig etwas im musikalischen Klangraum. Trotz der tiefen Verwurzelung von Ranjbarans Trilogie in der europäischen, symphonischen Dichtung und Balletmusik des ausgehenden 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bringen diese Unruhe, die Auffächerung der Töne und die zeitweise brutalen Ausbrüche eine deutlich moderne Klanglichkeit in die Musikbilder des iranischstämmigen Komponisten.
Die Dirigentin Joann Falletta und das LSO interpretieren intensiv, glutvoll und mit hoher Durchschlagskraft.
Herzliche Grüße! Nordolf
ab (22.08.2012, 11:13): Original von AcomA hallo,
nun die ersten cd-empfehlungen, und was für welche ! IMO einige der großartigsten dokumentationen von kunstmusik überhaupt ! es handelt sich hierbei 1. um dastgah segah und dastgah homayun* mit p. meshkatian, santur, n. farhangfar, tonbak und j. mohebi*, tonbak. die aufnahmen wurden 1982 gemacht.
2. dastgah shur und dastgah mahur mit dem großartigen dariush talai, tar, und djamshid chemirani, tonbak, ebenfalls anfang der 80er aufgenommen (paris). es ist einzigartig, resonanz von seele und körper ! :engel