Rachmaninov (01.10.2006, 14:31): Auf Wunsch und im Auftrag von Amade eingestellt!
Liebe Musikfreunde,
ich möchte heute in unserem Forum an den Dirigenten Fritz Lehmann erinnern, dessen Bekanntheitsgrad und Ruf leider in keinem Verhältnis zu seiner Bedeutung steht. Am 30. März dieses Jahres starb er vor 50 Jahren. Seine Schallplattenfirma DGG, die ihre weltweite Beachtung und ihren Aufstieg nach dem 2. Weltkrieg u.a. auch dem Dirigenten F. Lehmann zu verdanken hat, hielt eine Würdigung ihres einstigen Stars für unnötig, sic transit... http://www.das-klassikforum.de/images/Bilder-Beitrag/Lehmann 2.jpg
Geboren wurde Lehmann am 17. Mai 1904 in Mannheim als Sohn eines Lehrers und Organisten. Schon sehr früh wird seine außergewöhnliche Musikalität erkannt und nach Kräften gefördert. Noch während der Schulzeit besucht er die Musikhochschule seiner Heimatstadt, weitere Anregungen erhält er in Heidelberg (Hermann Grabner) und Göttingen, wo er sich schnell bei den von Oskar Hagen ins Leben gerufenen Händel-Festspielen unentbehrlich macht. In der Spielzeit 1926/27 erhält er eine Anstellung als 2. Kapellmeister am Göttinger Stadttheater. Weitere Stationen seiner Musikerlaufbahn sind Hannover (1929-38) und Wuppertal (1938-47), dann wieder Göttingen als Intendant und GMD des Stadttheaters (1946-50). Auch als Lehrer ist Lehmann hervorgetreten in Essen und zuletzt in München (1953 bis zu seinem Tode als Leiter der Meisterklasse Dirigieren). In den letzten Jahren seines Lebens ist Fritz Lehmann ein gefragter Dirigent vor allem bei den Berliner Philharmonikern, den Bamberger Symphonikern und bei den Münchner Klangkörpern, aber auch im Ausland. Seine außergewöhnliche Musikalität, der geschickte Umgang mit Orchestermusikern, Sängern und Solisten, sein immenses Repertoire führt zu vielbeachteten Konzerten. Elsa Schiller, Leiterin der Deutschen Grammophon Gesellschaft, bindet Lehmann an das aufstrebende Gelbeetikett, dessen Hauptdirigent er neben Ferenc Fricsay wird. Seine vielen Aufnahmen decken ein breites Spektrum der Musikgeschichte ab, vom Barock bis zur frühen Moderne eines Strawinskys oder Prokofieffs. Hier kann der Schallplattenhörer sein immer sach - und werkbezogenes, aber niemals trocken oder akademisches Musizieren erleben.
Mit Bachs Matthäus-Passion hatte Fritz Lehmann 1949 in Berlin einen großen Eindruck hinterlassen (Evangelist Helmut Krebs, Jesus der junge Fischer-Dieskau). Der Mitschnitt des Konzertes wurde 1950 in Frankreich veröffentlicht und erhielt den Grand Prix du Disques. Music&Arts brachte ihn vor 4 Jahren auf 3 CDs heraus. Die Matthäus-Passion war auch das letzte Werk, dass Lehmann am Karfreitag 1956 dirigierte, jedoch nur den ersten Teil. In der Pause bricht er zusammen und stirbt kurz darauf an einem bisher unerkannten Herzleiden im Krankenhaus.
Seine Aufnahmen nach dem 2. Weltkrieg, außer KV 385 alle bei der DGG, im summarischen Überblick:
Bach Weihnachtsoratorium Kantaten 1-4 (die Aufnahme konnte wegen seines plötzlichen Todes nicht fertiggestellt werden, Chordirektor Günther Arndt spielte die letzten beiden Kantaten nach Lehmanns Vorstellungen ein.) 9 Kantaten, 2.Violinkonzert
Ballettmusiken von Rossini, Delibes, Verdi, Tschaikowsky, Gounod, Strawinsky, de Falla
Sinfonische Dichtungen von Tschaikowsky, Strauss, Franck
Sowie anderes von Beethoven, Brahms, Schubert, Dvorak, Debussy, Chabrier, Prokofieff und de Falla
Auch eine Opernaufnahme, eine gelungene, enthält sein Plattennachlass: Hänsel und Gretel von Humperdinck.
Einige der genannten Aufnahmen sind in den vergangenen Jahren auf CD wiederveröffentlicht worden, vieles schlummert jedoch noch in den Archiven der DGG. Folgende Aufnahmen stehen m.E. im Rang des Außergewöhnlichen:
Bach: Matthäus-Passion, Weihnachtsoratorium Händel: Concerto grosso F-dur op.6 Nr.9, das Trio des Menuetts ist ein Kabinettsstück, am Cembalo: Karl Richter Haydn: Sinfonie Nr.45 und 94 Mozart: Haffner-Sinfonie KV 385 Konzert für 2 Klaviere KV 365 (Orchesterbegleitung!) Serenade B-dur KV 361, seine letzte Aufnahme Schubert: 8. Sinfonie h-moll Brahms. Ein Deutsches Requiem Dvorak: Cellokonzert h-moll (Mainardi)
________ Lit.: Wick, Marianne, Besessen von Musik, der Dirigent Fritz Lehmann, Berlin 1990
Rachmaninov (01.10.2006, 14:31): Auf Wunsch und im Auftrag von Amade eingestellt!
Liebe Musikfreunde,
ich möchte heute in unserem Forum an den Dirigenten Fritz Lehmann erinnern, dessen Bekanntheitsgrad und Ruf leider in keinem Verhältnis zu seiner Bedeutung steht. Am 30. März dieses Jahres starb er vor 50 Jahren. Seine Schallplattenfirma DGG, die ihre weltweite Beachtung und ihren Aufstieg nach dem 2. Weltkrieg u.a. auch dem Dirigenten F. Lehmann zu verdanken hat, hielt eine Würdigung ihres einstigen Stars für unnötig, sic transit... http://www.das-klassikforum.de/images/Bilder-Beitrag/Lehmann 2.jpg
Geboren wurde Lehmann am 17. Mai 1904 in Mannheim als Sohn eines Lehrers und Organisten. Schon sehr früh wird seine außergewöhnliche Musikalität erkannt und nach Kräften gefördert. Noch während der Schulzeit besucht er die Musikhochschule seiner Heimatstadt, weitere Anregungen erhält er in Heidelberg (Hermann Grabner) und Göttingen, wo er sich schnell bei den von Oskar Hagen ins Leben gerufenen Händel-Festspielen unentbehrlich macht. In der Spielzeit 1926/27 erhält er eine Anstellung als 2. Kapellmeister am Göttinger Stadttheater. Weitere Stationen seiner Musikerlaufbahn sind Hannover (1929-38) und Wuppertal (1938-47), dann wieder Göttingen als Intendant und GMD des Stadttheaters (1946-50). Auch als Lehrer ist Lehmann hervorgetreten in Essen und zuletzt in München (1953 bis zu seinem Tode als Leiter der Meisterklasse Dirigieren). In den letzten Jahren seines Lebens ist Fritz Lehmann ein gefragter Dirigent vor allem bei den Berliner Philharmonikern, den Bamberger Symphonikern und bei den Münchner Klangkörpern, aber auch im Ausland. Seine außergewöhnliche Musikalität, der geschickte Umgang mit Orchestermusikern, Sängern und Solisten, sein immenses Repertoire führt zu vielbeachteten Konzerten. Elsa Schiller, Leiterin der Deutschen Grammophon Gesellschaft, bindet Lehmann an das aufstrebende Gelbeetikett, dessen Hauptdirigent er neben Ferenc Fricsay wird. Seine vielen Aufnahmen decken ein breites Spektrum der Musikgeschichte ab, vom Barock bis zur frühen Moderne eines Strawinskys oder Prokofieffs. Hier kann der Schallplattenhörer sein immer sach - und werkbezogenes, aber niemals trocken oder akademisches Musizieren erleben.
Mit Bachs Matthäus-Passion hatte Fritz Lehmann 1949 in Berlin einen großen Eindruck hinterlassen (Evangelist Helmut Krebs, Jesus der junge Fischer-Dieskau). Der Mitschnitt des Konzertes wurde 1950 in Frankreich veröffentlicht und erhielt den Grand Prix du Disques. Music&Arts brachte ihn vor 4 Jahren auf 3 CDs heraus. Die Matthäus-Passion war auch das letzte Werk, dass Lehmann am Karfreitag 1956 dirigierte, jedoch nur den ersten Teil. In der Pause bricht er zusammen und stirbt kurz darauf an einem bisher unerkannten Herzleiden im Krankenhaus.
Seine Aufnahmen nach dem 2. Weltkrieg, außer KV 385 alle bei der DGG, im summarischen Überblick:
Bach Weihnachtsoratorium Kantaten 1-4 (die Aufnahme konnte wegen seines plötzlichen Todes nicht fertiggestellt werden, Chordirektor Günther Arndt spielte die letzten beiden Kantaten nach Lehmanns Vorstellungen ein.) 9 Kantaten, 2.Violinkonzert
Ballettmusiken von Rossini, Delibes, Verdi, Tschaikowsky, Gounod, Strawinsky, de Falla
Sinfonische Dichtungen von Tschaikowsky, Strauss, Franck
Sowie anderes von Beethoven, Brahms, Schubert, Dvorak, Debussy, Chabrier, Prokofieff und de Falla
Auch eine Opernaufnahme, eine gelungene, enthält sein Plattennachlass: Hänsel und Gretel von Humperdinck.
Einige der genannten Aufnahmen sind in den vergangenen Jahren auf CD wiederveröffentlicht worden, vieles schlummert jedoch noch in den Archiven der DGG. Folgende Aufnahmen stehen m.E. im Rang des Außergewöhnlichen:
Bach: Matthäus-Passion, Weihnachtsoratorium Händel: Concerto grosso F-dur op.6 Nr.9, das Trio des Menuetts ist ein Kabinettsstück, am Cembalo: Karl Richter Haydn: Sinfonie Nr.45 und 94 Mozart: Haffner-Sinfonie KV 385 Konzert für 2 Klaviere KV 365 (Orchesterbegleitung!) Serenade B-dur KV 361, seine letzte Aufnahme Schubert: 8. Sinfonie h-moll Brahms. Ein Deutsches Requiem Dvorak: Cellokonzert h-moll (Mainardi)
________ Lit.: Wick, Marianne, Besessen von Musik, der Dirigent Fritz Lehmann, Berlin 1990
Amadé (05.12.2010, 11:59): Interessierte Forianer möchte ich darauf hinweisen, dass beim kleinen französischen Label forgotten records die Aufnahmen der 6. und 8. Beethoven-Sinfonie wieder erschienen sind, sie waren Jahrzehnte nicht mehr greifbar. Die Aufnahmen mit dem Orchestre des Cento Soli, mit dem u.a. auch A.Argenta arbeitete, entstanden 1954 für den französischen Schallplatten-Club "Le Club Français du Disque", wahrscheinlich war den Platten deshalb nur eine begrenzte Verbreitung gegönnt und vielen Musikfreunden damals nicht bekannt geworden. Für denselben Schallplattenclub nahm übrigens Günter Wand mit dem Gürzenich-Orchester seine ersten Platten, die teilweise auf Testament wiederveröffentlicht wurden, auf.
Mozart Sinfonien KV 184, 318 mit den Bamberger Symphonikern, die Haffner-Sinfonie mit den Berliner Philharmonikern, die g-moll Sinfonie KV 550 mit den Wiener Symphonikern, sowie 8 Ouvertüren, wieder mit den Berliner Philharmonikern. Alle Aufnahmen wurden von LPs überspielt, Störungen, die von den Platten herrühren, sind selten. Forgotten records gibt auf allen CDs die ursprünglichen Quellen sowie die Aufnahmedaten an, ein Booklet fehlt jedoch.
Lehmann-Fans und solche, die es vielleicht werden wollen, sollten hier mal reinschauen/-hören.
Grüße Amadé
Waldi (05.12.2010, 12:24): Die Aufzählung ist noch zu ergänzen um die Einspielung von Korngolds Oper "Die tote Stadt" von 1952 (mit Maud Cunitz, Karl Friedrich und Benno Kusche).
Amadé (05.12.2010, 18:57): Hallo Wadi,
einiges hat die DGG mittlerweile wiederveröffentlicht, was fehlt, ist eine Zusammenfassung in einer umfangreicheren Box.
Zum Thema Oper ist auch noch die Musik von Fidelio in Felsensteins Verfilmung beizusteuern, nicht von schlechten Eltern! Sie ist letztes Jahr als DVD auf den Markt gekommen: