manrico (12.05.2007, 02:38): Um es gleich vorwegzunehmen: Don Giovanni gehört für mich zum großartigsten, das je komponiert wurde. Im Allgemeinen wird auch das Libretto da Pontes nicht angezweifelt (zumindest ist mir solche Kritik noch selten untergekommen). Angeregt durch einen Roman von H. Ortheil frage ich mich aber schon, ob man hier mit dem Libretto nicht ein wenig „Des Kaisers neue Kleider“ spielt. Vieles finde ich nicht schlüssig, und ich kann mich da oder dort des Eindrucks nicht erwehren, der gute Abbe hat ein bißchen zu oft des „Deus ex machina“ bedient.
Meine Kritik setzt gleich in der ersten Szene an: Warum bitteschön läuft Don Giovanni vor Donna Anna davon bzw. sie ihm nach, nachdem er versucht hat, sie zu vergewaltigen? Sie geht ins Haus, sobald ihr Vater kommt und kehrt doch etwas später mit Don Ottavio zurück. Wo hat sie den her?? Wohnt im Haus des Commendatore? Schwerlich vorstellbar. Hat sie das Haus über einen Hintereingang verlassen und ihn geholt? Warum weckt sie nicht die Diener? Und ist Don Ottavio tatsächlich so einfach strukturiert, dass er gar nicht wissen will, was hier knapp zwei Minuten zuvor passiert ist (die Erklärung liefert sie ihm ja bekanntlich doch erst eine Weile später)?
Nächste Szene: Nacht. Eine Straße. Wie?? Nix konkretes, einfach ein bisserl irgendwo. Und noch viel unlogischer: Was macht Donna Elvira mitten in der Nacht ohne Begleitung in einer fremden Stadt auf der Straße? Das ist doch in höchstem Maß seltsam. Was sollen wir überhaupt von dieser Dame denken? Ist sie eine tragische Figur oder haben wir hier einfach nur die Sicht des 19. Jahrhunderts übernommen und in Wirklichkeit hat sie eine komische Rolle, vergleichbar der Marzellina in der Nozze? Dann müßte man das Pathos und die Hysterie ihrer Auftrittsarie dementsprechend gestalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im 18. Jahrhundert für eine allein stehende Frau von Rang auch nur ansatzweise schicklich oder denkbar gewesen wäre, einen sattsam bekannten Lüstling irgendwo in Spanien ausfindig zu machen und ihm dann auch noch quer durchs gesamte Land zu jagen, um ihn schlussendlich an die Ehekette zu legen. Das kann Mozart nicht ernst gemeint haben !!
Kaum hat Don Giovanni die Dame erkannt, verschwindet er wie das sprichwörtliche Würstel im Kraut. Und sie, die ihn weiß Gott wie lang gejagt hat, merkt es nicht. Wohin, bitteschön verschwinden in dieser Oper dauernd die Leute?
Dann sind wir schon wieder auf einer Straße. Hochzeitsfest. Donna Elvira entreißt Zerlina den Klauen des Unholds und- richtig: verschwindet mit ihr. Nur um wie in einer Schlafzimmerkomödie gleich wieder aufzutauchen: „Ti ritrovo ancor, perfido mostro?“ No, na, was hat sie denn geglaubt. Zuvor aber haben wir ja noch das Gespräch zwischen Donna Anna, Don Ottavio und Don Giovanni. Daraus dürfen entnehmen, dass sich die drei kennen, denn sie sprechen sich mit Namen an und ersuchen um Freundschaft und Hilfe. Wozu?
Aber jetzt kommt’s ja ganz blöd. Nach dem Quartett erkennt Donna Anna auf einmal den Bösling – und zwar an den letzten Worten, die er gesprochen hat. Die haben aber nix mit dem zu tun, was er ihr auf der Straße vor ihrem Haus zugerufen hat, und im Schlafzimmer scheint der Herr ja auch nicht sehr gesprächig gewesen zu sein. Das behauptet sie zumindest kurz darauf, als sie Don Ottavio erzählt, was in der fraglichen Nacht geschehen ist. Woran also hat die Dame ihn auf einmal erkannt? Weder an den Worten noch am Tonfall. Was hat sich daPonte dabei bloß gedacht? Vermutlich nix.
Dann Finale 1. Akt. Die zu allem entschlossenen Verschwörer lassen einen einzelnen entkommen, der offensichtlich gerade die Braut vergewaltigen wollte!!! Der verschwindet nämlich schon wieder auf kryptische Art und Weise. Und dabei hat er doch das Haus voller Gäste. Wann die wohl gegangen sind?
2. Akt. Eine eifersüchtige Frau wie Donna Elvira sollte Don Giovanni von seinem Diener nicht unterscheiden können? Seltsam. Ach ja, und dann verschwinden die beiden. Ich meine, sie sind doch direkt unterhalb des Balkons von Donna Elviras Zimmer. Warum irren die zwei schon wieder mitten in der Nacht durch Sevilla, anstatt einfach durch die Tür in die Gaststätte zu gehen. Das ist doch völlig unmotiviert und unlogisch. Schlussendlich landen sie im Haus der Donna Anna. Na, ganz bestimmt. Ausgerechnet in die Höhle des Löwen werden sich die zwei zurückziehen. Und.... wie sind die dort überhaupt reingekommen? Dort ist es zappenduster, trotzdem sind alle da (bei einer Verschwörung hat es offensichtlich finster zu sein). In bekannt unerklärlicher Manier verschwindet diesmal Leporello nach seiner Arie durch irgendwelche Türen. Und wieder einmal hat’s keiner rechtzeitig gemerkt.
Im Finale II feiert er allein -sicherlich ziemlich öd-und fährt am Ende zur Hölle. Warum eigentlich? ich persönlich glaube, es waren nicht seine Frauengeschichten (vor allem sind die letzten drei auf der Bühne ja schief gegangen - und von der Zofe Elviras wissen wir nichts Genaues) - da hätte der Teufel schon früher zuschlagen können. Das hätten ihm Mozart und daPonte jederzeit nachgesehen. Ich glaube, der gute Don fährt ausschlielich wegen der Störung der Toten in die Hölle.
Das alles mag vielleicht überkritisch sein, aber ich glaube tatsächlich nicht, dass dieses Libretto auch nur annähernd so gut ist wie die „Nozze di figaro“, wo alles sehr kompliziert ist, aber doch eine strenge Logik hat (ok, die Geschichte mit dem Siegel ist ein bissl ein Kustgriff). Im Gegenteil: Ich halte es bestenfalls für durchschnittlich.
Ich wüßte gern, wie ihr dieses Buch und vor allem die Figur der Donna Elvira bewertet.
Liebe Grüße
Werner
Ganong (12.05.2007, 18:27): Lieber Werner ,
ich gebe Dir in fast allen Punkten ohne jedees Wenn und Aber Recht .
Daher reicht bei "Don Giovanni" völlig , wenn wir die Musik , etwa auf einem Querschnitt , hören . Die ganze Handlung mit dem Finale der Oper als krönendenm Schluss , ist gewollt , gekünstlelt . Das Werk lebt von den Arien .
Das Finale der Oper ist einer der grössten Fehlgriffe der Opernliteratur . Es solte ein Dirigent den Mut haben , es ganz wegzulasen . Etwa dem leeren , hohl-pathethischen "Freude , schöner Götterfunken" in Beethovens keinesswegs bester , wertwollster , wichtigster Symphonie.
Auch bei "Le Nozze di Figaro" geht es schlimm zu . Und je "zeitgemässer" eine Inszenierung zu sein scheint ( zuletzt die mit der erheblich schwächelnden Neu- Österreicherin aus Leningrad . Oh trauririge s Oesterreich ! ) gedht es doch drunter u8nd drüber .
Und auch "Due zauberflöte" ist keineswegs frei von stilistisch inghaltlichen Fehlleistungen .
Man sollte einfach den Mut haben , Mozart auf seine Grossleistungen zu reduzieren , etwwa die Klavierkonzerte mit Sir Clifford Curzon ! Das reicht dann auch .
Vieles ist eher Unterhaltungsmusik der damaligen Zeit .
Viele Grüsse nach Wien !
Frank
satie (12.05.2007, 23:03): Original von Ganong Daher reicht bei "Don Giovanni" völlig , wenn wir die Musik , etwa auf einem Querschnitt , hören . Die ganze Handlung mit dem Finale der Oper als krönendenm Schluss , ist gewollt , gekünstlelt . Das Werk lebt von den Arien .
Ja, am besten sogar einfach als kurzes Potpourri mit den wichtigsten Themen. Den Gesang können wir gleich zusammen mit der Handlung in die ewigen Jagdgründe schicken. Sowieso könnte man nicht nur das Finale, sondern auch die Ouvertüre und das was zwischen beidem liegt weglassen. Das wäre die vernünftigste Alternative.
Das Finale der Oper ist einer der grössten Fehlgriffe der Opernliteratur . Es solte ein Dirigent den Mut haben , es ganz wegzulasen .
Wie mutig aber wäre jener, der die ganze Oper gleich gar nicht dirigiert!
Etwa dem leeren , hohl-pathethischen "Freude , schöner Götterfunken" in Beethovens keinesswegs bester , wertwollster , wichtigster Symphonie.
Genauso hohl und unwichtig wie die "Kleine Nachtmusik", Bruckners Dritte, Schumanns Klavierwerk, Wolfs Lieder, Mahlers seichte Symphonien, eigentlich der ganze klassische Klumpatsch.
Auch bei "Le Nozze di Figaro" geht es schlimm zu . Und je "zeitgemässer" eine Inszenierung zu sein scheint ( zuletzt die mit der erheblich schwächelnden Neu- Österreicherin aus Leningrad . Oh trauririge s Oesterreich ! ) gedht es doch drunter u8nd drüber .
Ach ja, immer dieses ausländische Gesockse. Gut, dass der Mozart selber nur österreichische Librettisten hatte. Vielleicht sollte man mal dem Haider schreiben.
Und auch "Due zauberflöte" ist keineswegs frei von stilistisch inghaltlichen Fehlleistungen .
Sogar der Titel ist ja schon stilistisch völlig daneben: "Due Zauberflöte" ist ein sprachliches Gemisch aus talienisch "Due", also "zwei" und dem deutschen zusammengesetzten Wort "Zauberflöte" (zudem sehr doppeldeutig auffassbar!). Der Titel in reinem Deutsch also "Zwei Zauberflöte" was grammatikalisch doch ein ziemlicher Nonsense ist, nicht wahr?
Man sollte einfach den Mut haben , Mozart auf seine Grossleistungen zu reduzieren , etwwa die Klavierkonzerte mit Sir Clifford Curzon ! Das reicht dann auch .
Ganz genau! Der kurze Clifford und basta! Und eigentlich reicht auch ein einziges Konzert, die sind sich ja sonst doch alle sehr ähnlich, alle mit Klavier und Orchester. Und natürlich die Mozartkugel nicht zu vergessen. Eine seiner größten Leistungen aber war, innerhalb seines kurzen Lebens so viel Kohle zu verjuxen und so früh zu sterben. Hut ab!
Vieles ist eher Unterhaltungsmusik der damaligen Zeit .
Ja, zur Jupitersymphonie tanzte der Pöbel im Suff, und das Requiem wurde schon damals als Fahrstuhlmusik benutzt und in Kaufhäusern dudelten sie immerzu de Haydn-Quartette,, damit die Leute mehr Perücken kauften. Schlimm, schlimm...
S A T I E
daniel5993 (12.05.2007, 23:38): Hallo Satie!
Ich habe deinen Beitrag 3x lesen müssen, ehe ich erst bemerkte, dass sich hier jemand "Glückseelig" auslässt! Als erstes dachte ich, mit welchen Leuten hat dieses Forum zu tun? Spinn ich? An Satie: Das ist ja Steinharter Humor! Ich musste nicht wenig lachen! Jetzt weiß ich jedenfalls, wie ich dich einschätzen kann! :rofl :rofl :rofl
Aber bei Ganong bin ich mir nicht sicher? Ist das ein Scherz? Ich hoffe doch! Oder begreife ich die Ironie des ein oder anderen einfach nicht?? ?( Wenn das Gesagte von Ganong und manrico ernst gemeint ist, fehlen mir echt die Worte! Da bin ich echt mit Weisheit und Verstand am Ende! Jetzt mal im Ernst, klärt mich auf!
Gruß daniel ?(
manrico (13.05.2007, 11:38): Lieber Daniel, lieber Frank !
Ich war mir schon bewußt, dass diese Fragestellung Zündstoff birgt.
Meine Kritik hat sich aber ausschließlich auf da Pontes Arbeit und nicht auf Mozarts Komposition bezogen. Ich würde mir schließlich nicht 14 Don Giovanni-Einspielungen mein Regal stellen (ich habe sie gerade eben nachgezählt), wenn ich diese Oper nicht mögen würde. Aber trotzdem glaube ich, dass man das Libretto hinterfragen darf und sich überlegen muss, ob manche Szenen nicht doch eher ungeschickt aufgelöst werden (textlich, nicht musikalisch, wohlgemerkt!). Die Geschichte mit dem Finale sehe ich anders als Frank: Läßt man die Oper mit Don Giovannis Höllenfahrt enden (so wie das ja auch eine Zeitlang üblich war, z. B. unter Gustav Mahler, wenn ich mich nicht täusche- Frank ist also in allerbester Gesellschaft), stellt man doch ein wenig zu sehr die moralisierende Seite der Oper in den Vordergrund. Die Schlußapotheose mildert diesen Effekt: Don Giovanni war eine Episode im Leben von 6 Menschen, aber das Leben geht weiter. Die Auswirkungen auf die beiden Liebespaare scheinen vordergründig einmal marginal zu sein, nur Donna Elvira und Leporello müssen sich umorientieren. Trotzdem wird es in Wirklichkeit für keine der Personen so weitergehen wie bisher (Das gleiche passiert ja auch bei Cosi fan tutte, nur mit-wie ich glaube-weitaus dramatischeren Folgen). DaPonte legt ihnen den Text in den Mund "Questo il fin di chi fa mal", aber Mozart macht keinen breiten Schlußgesang daraus. Die ganze Szene klingt musikalisch eher gehetzt, die Personen sagen, was von ihnen erwartet wird, aber die flackernden, unruhigen Figuren verraten doch, dass sich alle vermutlich in Wirklichkeit etwas anderes denken. Daher bin ich für das originale Finale.
Ich habe natürlich den Beitrag von Satie gelesen (Hallo Satie!) und finde ihn bis zu diesem Punkt sarkastisch und unterhaltsam, an dem du nicht mehr die Meinung von Frank kritisierst, sondern Dinge schreibst, die für meinen Geschmack zu untergriffig gegenüber Frank sind. Eine künstlerische Leistung zu kritisieren und ausländerfeindlich zu sein sind doch zwei völlig unterschiedliche Dinge. Und gerade, weil Frank den Fall Netrebko angesprochen hat: Die medienwirksame Einnbürgerung von Anna Netrebko war geradezu ein Schlag ins Gesicht aller der Menschen, die sich viele Jahre um eine Aufenthaltsgenehmigung in Österreich bemühen und aufgrund von Schikanen, Bürokratie und Ignoranz ausgewiesen werden. Ihm aufgrund der Bemerkung Neo-Österreicherin Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen (so habe ich deine Bemerkung jedenfalls veerstanden), finde ich billig. Und schließlich muss mir ja nicht alles, was als Meisterwerk gilt, tatsächlich auch gefallen. Viele hier im Forum finden Oper schrecklich (Verdi sei ein Kitschkomponist habe ich irgendwo gelesen - für mich ist er das größte musikalische Genie aller Zeiten) - das akzeptiere ich einfach. Genauso darf halt jemand anderer z.B. Brahms langweilig finden. Mein missionarischer Eifer hält sich da erstens sehr in Grenzen und zweitens ändert sich ja auch musikalischer Geschmack.
Liebe Grüße
Werner
satie (13.05.2007, 12:02): Original von manrico Eine künstlerische Leistung zu kritisieren und ausländerfeindlich zu sein sind doch zwei völlig unterschiedliche Dinge. Und gerade, weil Frank den Fall Netrebko angesprochen hat: Die medienwirksame Einnbürgerung von Anna Netrebko war geradezu ein Schlag ins Gesicht aller der Menschen, die sich viele Jahre um eine Aufenthaltsgenehmigung in Österreich bemühen und aufgrund von Schikanen, Bürokratie und Ignoranz ausgewiesen werden. Ihm aufgrund der Bemerkung Neo-Österreicherin Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen (so habe ich deine Bemerkung jedenfalls veerstanden), finde ich billig.
Lieber Werner, ich entschuldige mich, wenn ich da etwas über die Stränge geschlagen habe. Hatte auch schon ein Bierchen intus und war gerade in Fahrt... Mich störte nur ein wnig die Formulierung "Neu- Österreicherin aus Leningrad", und da hab ich mich hinreissen lassen. Ich bin halt eine sati(e)rische Natur und kenne da nur wenige Grenzen. Daher ist es ganz richtig, mich etwas zu bremsen.
Pardon
S A T I E
manrico (13.05.2007, 17:43): Lieber Satie !
Ich habe mich auch nicht persönlich angegriffen gefühlt, möglicherweise sind aber andere in dein Schußfeld geraten. Im übrigen mag ich Witz und Satire sehr, ich kenn die Leute aus dem Forum halt noch nicht so gut und bin in dieser Hinsicht noch ein wenig zurückhaltend....
Ansonsten freu ich mich, wenn du natürlich auch zu diesem Thread deinen Senf gibst und argumentierst, warum du's ganz anders siehst.
Liebe Grüße
Werner
satie (13.05.2007, 18:24): Lieber Werner, ich möchte nur noch anmerken, dass man wissen muss, wie sehr der gute "Ganong" und ich uns ohnehin lieb haben. Hatten schon so manchen kleinen Disput, daher ist er sichs gewöhnt, dass ich mitunter frech werde. Aber nun zum Don Giovanni: ich finde das Werk nicht unbedingt so irre, dass ich es für nötig halte, es verteidigen zu müssen. Ich habe aber ein Problem damit, wenn ich diesen Kritikerton wahrnehme und behauptet wird, man könne das Finale weglassen oder im gleichen Atemzug das Finale aus Beethovens Neunter als hohl bezeichnet wird. Manche mögen halt keine Hapy Ends. Es ist zu bedenken, dass die Praxis des Opernkomponierens immer eine ziemliche Stümperei gewesen ist (das hört erst später auf). Vieles wurde zusammengestückelt, viele Werke wurden sehr schnell geschrieben, auch war es allgemeine Praxis, eben einiges zu verwursten, was man in der Schublade hatte. Das muss generell gar kein Makel sein, doch ist die italienische Oper dieser Zeit mitunter wirklich Patchwork oder wie man damals sagte "Pasticcio", eine Pastete, bei der oft sogar fremdes material völlig sorglos benutzt wurde. Die Libretti sind doch ohnehin meistens ein ziemlicher Müll, wenn wir mal ehrlich sind, und bei Mozart können wir wenigstens gute musikalische Lösungen finden.
Ich will aber vorsichtig sein mit bewertungen wie "das ist kein wichtiges Werk" oder ähnlichem, denn musikhistorisch sieht der Fall doch ganz anders aus, biografisch erst recht. Dennoch möchte ich generell behaupten, dass es wenige gesamthaft gelungene Opern dieser Zeit gibt, und da hebt sich Mozart dann doch noch ab. Wenn wir etwa die Opern von Haydn betrachten, dann müssen wir wohl erst einmal nachschlagen, welche das denn sind. Sie sind oft dramaturgisch schlecht, einfach ncht spannend anzuschauen, obwohl da sehr schöne Musik ist (etwa die durchkomponierte (!) Oper "L'Isola disabitata"). Ein Deus ex Machina ist ohnehin eine librettistische Notlösung, wenn gar nichts anderes mehr geht. Und wie oft wird der im Barock benutzt! Grauenhaft...
Bewerten muss man also das Werk auch im historischen Kontext, im Vergleich mit dem, was da gang und gäbe war und nicht mit späteren, gesamthaft weit überzeugenderen Opern.
Herzlichst
S A T I E
Ganong (14.05.2007, 16:12): Lieber "Satie" ,
es mir völlig neu , dass wir beide je einen Disput miteinander hatten .
Wir gingen sogar , ohnen einen "intus" zu haben , freudig der Edition der Wigmore Hall , London , entgegen mit der Vorstellungsreihe lebender britischer Komponisten. Persönlich kenne ich , wie Du Dich erinnern magst , leider nur einen , der immerhin "Einzug" hielt in die Berlinerr Philharmonie .Und ich hatte Dir auch seine Londoner Agentur "verraten" .
Vornehmes Interieur .
Darüber könnten wir bei Deiner von mir vemuteteten , nicht unterstellten ! , Neigung zu I..-Purismus aus Sverige , dan sicherlich trefflich disputieren .
Im übrigen hättest Du mir bei soviel Einklang doch eine kleine Probe aus Deinen eigenen Kompositionen zukommen lassen können . Ich garantiere Dir : es wird nie eine Weitergabe geben . Ausser sie ist so überragend , dass ich sie im Vergleich zu weniger interessanten Komponisten , für absolut wert halte , besprochen zu werden .
Die Leser dieses Forums werden sich kaum daran erinnern können , dass wir beide (!= der Meinung waren dass es etwa verglichen zwischen Brahms und Tschaikowsky heute nichts Vergleichhbares gibt .
Ausserdem , das hatte ich hier öffentlich geschriebven , hatte ich under dem Einfluss in London von Haydn bis jetzt konkret u. a. geäussert , dass ich z.B. Morgan Hayes und auch den von mir öfters erwähnten Crossover-Komponistin und Maxi-Entertainer Simon Mulligan .
Um dies zu ergänzen ist Simon inzwischen mit seinem Quartett ( S M Q ) auch vor allem in den USA und dort in California in Mischprogrammen mit Sergey Rachmaninov sensationell erfolgreich .
Dieser Tage ist er an seine Londoner Wurzeln zurückgekehrt , nach Italien gereist u8nd hat gerade heute begonnen , eine exklisive Beethoven - CD aufzunehmen .( s. www.simonmulligan.com ) .
Dass ich davon ausgegangen war , dass Du eine "Ode an den Sieg" ( zu Bremens Meistergewinn ) komponieren wirst ( Du erinnerst Dich ? ) zeigt , wie fast seelsorgerisch wir miteinander umgehen .
"Disput" ist doch etwas ganz anderes .
In diesem ganz friedvoll erfüllten Sinne wünsche ich Dir natürlich Erfolg bei Deinem Schaffen !
( Gelänge uns nur einmal ein "Knaller" wie " La Marseillaise" oder das zutreffende "La donna è mobile" ... . Gerde ketzt , da wir "Sarko" statt"Ségo" haben .lä gen wir immer richtig .
Dir alles Gute , wo immer Du sein magst .
Frank
satie (14.05.2007, 17:22): Lieber Herr Doktor "Ganong",
ich darf gratulieren. Endlich ist es gelungen, dass ich tatsächlich nicht mehr folgen kann.
Darüber könnten wir bei Deiner von mir vemuteteten , nicht unterstellten ! , Neigung zu I..-Purismus aus Sverige , dan sicherlich trefflich disputieren .
?
Die Leser dieses Forums werden sich kaum daran erinnern können , dass wir beide (!= der Meinung waren dass es etwa verglichen zwischen Brahms und Tschaikowsky heute nichts Vergleichhbares gibt .
Wann waren WIR denn dieser Meinung? Selbst ich kann mich nicht erinnern...
Ausserdem , das hatte ich hier öffentlich geschriebven , hatte ich under dem Einfluss in London von Haydn bis jetzt konkret u. a. geäussert , dass ich z.B. Morgan Hayes und auch den von mir öfters erwähnten Crossover-Komponistin und Maxi-Entertainer Simon Mulligan .
Entweder bin ich jetzt ganz stumpfsinnig geworden, oder es fehlt tatsächlich das zum Verständnis notwendige Satzglied...
Gerde ketzt
Klingt lustig. Was meint das?
Bitte um kurze Klärung Monsieur le docteur, danach lassen wir diesen Thread wieder in Ruhe zu seinem Thema kommen.
Von wo immer ich sein mag grüße ich Dich,
S A T I E
Ganong (14.05.2007, 20:50): Cher Satie , quel horreur .
W i r beide hatten uns doch lange über sog.moderne Kompositionen , Komponisten ausgetauscht . Dabei auch über
1. die geplante UK - Serie ( Du hast siekritisch kommentiert !!! ),
2. Morgan Hayex mit der London Sonfonietta ("Port Rhombus" heisst das Werk : M. HJ. war damals nur einmal in Berlin mit seinem Werk vertreten . . Ich hatte Dir doch nicht ironisch berichtet über die Zustimmung in Berlin zu aktuellen Kompositionen ; D u , wer sonst ? , hat mich dann bzgl. der britischen lebenden Lomponisten noch ein wenig heftig kritisiert , was mich deprimierte , weil ich mir s e h r viel Mühe in London gegeben hatte ! . Also kein Dank . ;
3. Barhms und Tschaikowsky waren für mich doch meine immer weider herangezogenen Beispiele . Es gibt , also nun wirklich für uns beide besrtändlich darumn, das es immer verschieden Geschmacksrichtungen gibt und gab . Also auch aktuell . So waren meine Ausführungen , vielleicht nicht ganz einfach verstehbar , ehrlich )!) gemeint gewesen . DSa kannst Du mich , cher ami , doch hier nicht dermasen niedermachen , dass ich fast zu Brukckner greifen muss .
In disem friedfertigen , wohlwollenden Hof - Sinne stets der Deine ,
Frank
satie (14.05.2007, 21:17): Lieber Frank, ich hatte aber wirklich die Formulierungen nicht verstanden... Verzeihung... Es ist manchmal so schwierig... Nichts für ungut.
S A T I E
ab (15.05.2007, 11:34): Lieber manrico,
denkst Du, es wäre möglich, all dies, was Du hier bekritelst, in einer Inszenierung zu einer sinnvollen Einheit zusammenzufügen? (Etwa ein bewusstes Mordkomplott gegen den Vater,und ein benutzter Don Ottavio, um es zu vertuschen...)
manrico (16.05.2007, 01:19): Lieber ab!
Eine höchst interessante Frage, die du da aufwirfst. Vor allem die Idee des bewußten Mordkomplotts hat mich nicht mehr losgelassen.
Ich hätte da schon so meine Ideen, bin aber nicht sicher, ob Mozart das so geplant hätte. Demzufolge hätte also hier ein Vatermord stattgefunden mit Donna Anna als Auftraggeberin und Don Giovanni als gedungenem Mörder. Die Idee gefällt mir, das würde natürlich so manches erklären - zum Beispiel, warum Leporello wirklich Schmiere stehen muss oder warum keiner der Diener, die ja später mit Don Ottavio auftreten, dem Komtur zu Hilfe geeilt ist. Stellt sich natürlich die Frage: Warum sollte Mozart (d.h. Donna Anna) den Vater umbringen lassen (Freud, schau obi!)? Möglicherweise wollte er sie in eine Heirat mit Don Ottavio zwingen, obwohl sie und Don Giovanni ein heimliches Liebespaar waren und vom Komtur überrascht worden sind. Damit flieht Don Giovanni aus Annas Schlafzimmer nicht vor Anna sondern eigentlich vor dem Komtur. Das Duell gibt ihm die Möglichkeit, den Mord am Komtur auszuführen, zu dem ihm Anna schon so lange nötigt. Sie wird damit Alleinerbin und muss sich jetzt nur noch Don Ottavios entledigen. Ihr scheinbares Erkennen Don Giovannis nach dem Quartett und ihr "Or sai chi l'onore" wäre demnach nur dazu angetan, Don Ottavio zu einem Duell mit Don Giovanni zu verleiten. In diesem, da wäre sie sich sicher, würde Don Ottavio getötet werden und damit wäre der Weg für sie und Don Giovanni frei.
Wie aber paßt Donna Elvira ins Bild? Ist sie tatsächlich die verlassene Geliebte und noch auf Zerlina eifersüchtig? Ihr Auftauchen durchkreuzt fürs erste die Pläne der beiden. Sobald Donna Elvira auf der Bildfläche erscheint, verläßt Giovanni eben jene, um Donna Anna über diese unerwartete Entwicklung in Kenntnis zu setzen. Offensichtlich hat Donna Anna irgendein Druckmittel in der Hand, Donna Elvira zu ihrem Werkzeug zu machen. Sie versammelt alle in ihrem verdunkelten Haus und veranlaßt Donna Elvira mit Don Giovanni zu erscheinen, damit er dann von der Meute gelyncht werden kann. Der Mord an ihrem Vater wäre damit zumindest dem Schein nach gerächt. Dass dabei der Meute ein falscher Don präsentiert wird, wissen nur Donna Anna und Giovanni. Die beiden sauberen Herrschaften haben allerdings nicht damit gerechnet, dass Leporello entkommt. Nun gibt es nur noch ein Mittel: Don Giovanni muss von "übernatürlicher Macht" bestraft werden. Die beiden inszenieren ein Höllenspektakel während eines Diners. Es gibt zwar Zeugen - Leporello und Donna Elvira - aber eben nicht allzu viele, die bestätigen können, dass Giovanni zur Hölle gefahren ist. Die scheinbar schutzlose Donna Anna vertröstet ihren Beschützer - er möge doch noch ein Jahr mit der Hochzeit warten. In dieser Zeit kann viel passieren.
Na, das würde mir doch gefallen. Aber ich gebe zu, dass ich meiner Fantasie gerade eben völlig freien Lauf gelassen habe ohne zu überprüfen, ob diese Ideen mit der Musik auch kongruent sind.
Danke, ab, in jedem Fall. Du hast mich zu einem sehr spannenden Gedankenexperiment verleitet.
Liebe Grüße
Werner
ab (16.05.2007, 09:09): Original von manrico
Na, das würde mir doch gefallen. Aber ich gebe zu, dass ich meiner Fantasie gerade eben völlig freien Lauf gelassen habe ohne zu überprüfen, ob diese Ideen mit der Musik auch kongruent sind.
Ganz ähnliche Gedanken kamen mir, als ich letztes Jahr in der Oper beim Dirigat René Jacobs versuchte, dem Liberetto in der genauso für mich enttäuschenden wie von der Presse hochgejubelten Inszenierung selbst einen Sinn zu finden.
LazarusLong (16.05.2007, 13:15): Mein Favorit (ich habe zur Zeit nur 4 Versionen im Regal)
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1831319.jpg
Die Musik genial :down
Die Handlung naja :(
Mag ja sein, daß Mozart diese Stücke als reine Unterhaltungsmusik komponiert hat, oder etwa gar oh Graus um Geld zu verdienen :ignore. Mir egal, mir gefällts und was die Handlung von Opern angeht, habe ich bis heute noch nicht viele mit wirklich kongruenter Handlung erlebt. Spontan fällt mir hier nur Rossinis Barbiere ein, bei dem bin sogar ich mitgekommen. :leb Frank
Heike (05.11.2010, 01:10): Ich krame mal diesen Thread raus, um über meinen heutigen (gestrigen) Besuch in der DOB Berlin zu berichten:
DOB 4.11.2010 Musikalische Leitung Roberto Abbado Inszenierung Roland Schwab
Don Giovanni Ildebrando d'Arcangelo Donna Anna Marina Rebeka Don Ottavio Yosep Kang Der Komtur Ante Jerkunica Donna Elvira Ruxandra Donose Leporello Alex Esposito Masetto Krzysztof Szumanski Zerlina Martina Welschenbach
"Geistreich und beziehungsreich", wie klassik.com in ihrer Kritik schrieb, konnte ich das nun ganz und gar nicht finden. Ich frage mich gar, ob der Rezensent irgendwie an Geschmacksverirrung leidet. Ich fand es ausgesprochen platt. Da bin ich doch weitaus näher bei der rbb-Meinung, wenn ich auch nicht ganz so extrem mit dem Verriss wäre, was den Gesamteindruck angeht.
Doch der Reihe nach, beginnen wir mit dem Positiven:
zu den Sängern: Die waren wirklich das Geld wert, und mehr als das. Allen voran ein großartiger Don Giovanni mit begnadeter Ausstrahlung und wundervoller Stimme. Wenn er mal pur singen konnte ohne dümmliche Aktion drumrum (Fensterszene), war es geradezu zum Dahinschmelzen. Neben ihm ein fast genauso guter Leporello. Da hört man gern zu. Auch die Damen eindeutig von der Sorte, die man gern wieder singen hören möchte. Also an dieser Stelle habe ich eigentlich gar nichts zu kritisieren, das war richtig gut.
zum Orchester Da sieht das schon ganz anders aus. Ich musste mir in der Pause Koffein besorgen, weil das wirklich Schlaftabletten-Mozart war. In der Tat viel zu langsam, ohne Witz und Esprit, einfach nur langweilig. Schade. Ich bin in diesem Punkt absolut einverstanden mit dem rbb-Kritiker, denn ich weiß, woher meine alte Mozart-Abneigung kam; genau von solchen Dirigaten.
zr Inszenierung: Der Herr Schwab verfolgte ein Konzept, was ich prinzipiell gar nicht uninteressant finde: Don Giovanni nicht mehr als Verführer, sondern als sadistischer, kalter Wüstling, der Frauen nur noch benutzt, um Selbstvernichtung zu erreichen. Also als jemand auf der Suche nach Strafe und dem jüngsten Gericht. Seine Innenwelt ist böse, dekadent; sein Ego in viele Don Giovannis gespalten, der Raum um ihn leer und mit Aspekten seiner Innenwelt gefüllt.
So die Theorie, nehme ich mal an, wenn ich Schwabs Äußerungen im Programmheft Revue passieren lasse. Klingt erstmal spannend.
Aber die Umsetzung - grauslig! Das war einfach nur doof, gar nicht schlüssig, komplett inkonsequent und oft sogar völlig unlogisch. Golfschläger sind ein wesentliches Requisit, wogegen im Prinzip nichts zu sagen ist (die Entjungferung Zerlinas mit eben diesem war noch eine der besseren, stimmigen Szenen), Tiger Woods ist auch eine passende Assoziation. Aber bereits die 24 geklonten Don Giovannis wurden oft ungewollt einfach nur zur Staffage oder dümmlichen Karrikatur. Das ganze Konzept war schlicht unstimmig realisiert, die angebliche Innenwelt blieb fahl, nicht nachvollziehbar, langweilig. Psychologisch ist das eine glatte Sechs gewesen, da klafft eine riesige Lücke zwischen Anspruch und Können bzw. Feingefühl bei der Realisierung. Am schlimmsten und dümmlichsten wahrlich die Szene am Abendessentisch, Leporello spielt Dinner for One samt Stolpern und Suff (etliche im Publikum freute dieser inhaltlich komlett sinnlose Slapstick jedoch und es gab Szenenapplaus mitten im Gesang), einfach nur blöd und albern und völlig ohne Sinn.
Das Ganze ist nicht mal aufregend oder wirklich provozierend, also von spannendem Skandal keine Spur. Die Figuren haben weder Seelen noch Charaktere, eigenes Thema verfehlt, Herr Schwab, würde ich sagen. Schade.
Abschließend noch ein Zitat des Regisseurs aus dem Programmheft, was ich sowas von daneben finde wie die ganze Inszenierung, die sich laut ihm darauf aufbaut. Er schreibt: das Frauenverführen sei heute nur noch eine "Fleißaufgabe" im Internet: "Fast jeder Mann, der eine Maus bedienen kann und genügend Geduld hat, kann heute auf Don Giovannis 1003 Frauen kommen." Das bestätigt meinen merkwürdigen Eindruck, den ich schon hatte, als ich Herrn Schwab unlängst im Interview hörte. Ich muss das nicht verstehen, was der sich da ausgedacht hat.