Earl Wild

Cosima (23.03.2006, 16:52):
Earl Wild

1915 in Pittsburgh geboren, ist er nach wie vor in den USA sehr viel bekannter und angesehener war als in Europa. Seinen Stil kann man als US-typisch brillant, objektiv bis leicht unterkühlt beschreiben - gerade deshalb wundert es mich, dass ich so angetan von ihm bin. Kennen gelernt habe ich ihn mit dieser CD, die er im Alter von 88 Jahren aufnahm:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000A2L4L2.01.MZZZZZZZ.jpg

Die Aufnahmen klingen in meinen Ohren sehr frisch und farbig. Angenehm unsentimental und klar sein Schumann, lebhaft und natürlich sein Bach. Insgesamt nie belanglos oder nur routiniert, da hat er tatsächlich für jeden Komponisten eine eigene Sprache gefunden. Was dieser alte Herr in den Fantasiestücken teilweise zaubert, ist beachtlich. Die „Traumes-Wirren“ legt er genauso rasant hin wie Richter in seinen besten Zeiten, sogar IMO klarer und akzentuierter.

Sind zufällig Earl Wild-Fans hier? :D

Gruß, Cosima
Rolf Scheiwiller (23.03.2006, 17:32):
Guten Abend Cosima.
Ein Fan von Wild bin ich nicht gerade. Aber ich liebe seine Interpretationen der amerikanischen Komponisten. Hab einiges auf TELARC und RCA Living. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals in Europa aufgetreten wäre. Genau wie im Opernsektor der berühmte Starbariton der MET Robert Merrill.
Es stimmt schon, dass er von der europäischen Musikkritik nicht für voll genommen wurde.
Gruss. Rolf.
korngold (28.03.2006, 23:23):
Hallo,

ich bin ein großer Wild-Fan.
Er war überhaupt der erstem Pianist, den ich als kleines Kind auf Schallplatten hörte.
Er wurde und wird mit einem perfekt eingestellten Ferrari verglichen, seine Oktav-Technik ist legendär und er ist einer der größten Meister der Klaviertranskription.
Er ist übrigens auch als Komponist und Dirigent hervorgetreten.

Zu meinen Lieblingsaufnahmen mit ihm gehören u.a. die folgenden Aufnahmen:

Das Konzert und die Fantasie über polnische Themen von Paderewski.
Umwerfend brilliant und m.e. überhaupt nicht zu toppen.
Wundervolle Musik übrigens....LSO, Arthur Fiedler.

Mit Einschränkungen, da "Schnellschüsse" und an nur zwei Tagen für Readers Digest aufgenommen, die Rachmaninow-Konzerte plus der Paganini-Rhapsodie mit dem Royal P.O. unter Horenstein.
Die Aufnahme des ersten Konzertes finde ich nach wie vor umwerfend, ebenso die des vierten.

Dann gibt es da seine legendäre Einspielung des Gershwin-Konzertes mit dem Boston Pops Orchestra unter Fiedler.

Auf Vanguard gab es das schöne Konzert von Menotti, gekoppelt mit einer sehr guten Aufnahme des Copland-Konzerte.

Ich könnte die Liste noch länger fortsetzen, aber ich beende sie hier jetzt erstmal mal und möcht noch einmal meiner großen Bewunderung für diesen Pianisten Ausdruck geben.

Er verfügt über großes Temperament, perfektes "Timing", spielt niemals nur donnernd, bei ihm findet man größte Klarheit, unter anderem erzielt mit einer virtuosen Beherrschung des mittleren Pedals, es gibt so gut wie keine verwaschenen Stellen bei ihm.

Allerdings hat er meines Wissens nie für Telarc aufgenommen.

Er wird in Europa leider tatsächlich wohl nicht für voll genommen, dies ist mir völlig unverständlich.
Es wurde ihm vorgeworfen, mit seinen Transkriptionen nur zeigen zu wollen, wie toll er spielt.
Ich möchte dazu empfehlen, sich seine für Chesky aufgenommenen Gershwin-Transkriptionen, vor allem von Porgy and Bess, einmal anzuhören.
Die enormen technischen Schwierigkeiten fallen erst einmal überhaupt nicht auf, da er seine Bearbeitung ganz in den Dienst der Musik stellt.
Irgendwann aber denkt man "Wie verdammt noch mal hat er das jetzt geschafft?"
Ein großer Künstler!

Viele Grüße,


Michael
Cosima (30.03.2006, 20:13):
Hallo Michael,

freut mich, dass sich ein Wild-Fan zu Worte meldet. Ich habe ja noch nicht so viele Eindrücke sammeln können, kann aber unbedingt diesem hier zustimmen:

Er verfügt über großes Temperament, perfektes "Timing", spielt niemals nur donnernd, bei ihm findet man größte Klarheit, unter anderem erzielt mit einer virtuosen Beherrschung des mittleren Pedals, es gibt so gut wie keine verwaschenen Stellen bei ihm.

Es ist merkwürdig, dass er hier so wenig populär wurde. Vielleicht liegt es daran, dass sein Stil als „US-typisch“ charakterisiert wird, was dann gleich für Voreingenommenheit sorgt. (So ähnlich werden russische Pianisten ja manchmal in die Schublade der „Tastendonnerer“ gesteckt.)

Du hast ja schon einiges aufgezählt, was interessant wäre. Da ich momentan gerne Medtner höre, würde ich gerne wissen, ob Du diese CD aus 1988 kennst:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/5773183.jpg

Second Improvisation op. 47;Sonate-Idylle op. 56;
Vergessene Weisen op. 39

Ich möchte nämlich gerne mal etwas von dem etwas jüngeren Wild hören.

Schönen Gruß,
Cosima
korngold (30.03.2006, 23:06):
Hallo Cosima,
zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich diese CD von Wild nicht besitze.
Das muß ich selber noch nachholen, aber ich bin mir ganz sicher, daß es sich lohnt.
Ich kenne nur eine Aufnahme mit Wild-und ich habe alle seine Konzerteinspielungen, die mich etwas enttäuschte, und diese ist kurioserweise das Tschaikowsky-b-moll-Konzert.
Dies ist die enzige Aufnahme, bei der bei mir der Funken nicht überspringt.

Die Tatsache, daß er hierzulande nicht so populär ist, hängt vielleicht doch eher damit zusammen, daß er hier anscheinend niemals aufgetreten ist.
Übrigens ist vor einiger Zeit eine CD mit historischen Aufnahmen des jungen Wild aus den 40ern erschienen, u.a.mit einer, wenn der Kritiker recht hat, unglaublichen Einspielung der Liszt-Sonate.
Ich glaube dem Kritiker hier einmal unbesehen und diese CD steht auf meiner Wunschliste ganz oben.
Erschienen ist sie bei Ivory Classic.

Medtner hat tolle Werke komponiert, für Orchester leider nur die Klavierkonzerte, die ich sehr schätze.
Kennst Du sie?

Viele Grüße,

Michael
Cosima (30.03.2006, 23:18):
Hallo Michael,

da horche ich doch sofort auf! Earl Wild und die Liszt-Sonate! Wo ist die denn erhältlich? Beim Versand mit den 3 Buchstaben ist sie nicht im Angebot, habe sie nicht gefunden eben. Die wäre mir genauso lieb wie Medtner. Überhaupt würde ich Wild mit Liszt gerne kennen lernen. Ich glaube, dass diese viel gepriesenen Gershwin-Sachen mir nicht so liegen.

Die Klavierkonzerte von Medtner kenne ich auch. Und ein paar Sonaten usw. Wir sollten wirklich einen Thread zu diesem interessanten Komponisten eröffnen. Hättest Du nicht Lust dazu?

Viele Grüße,
Cosima
korngold (31.03.2006, 01:56):
Hallo Cosima,

Also, der Liszt ist Teil einer CD mit dem Titel "Earl Wild at 30"oder so ähnlich.

Erschienen ist sie bei Ivory Classics, dem Hauslabel von Wild in den USA.

Gib Ivory Classics bei googel ein, auf der Hauptseite von Ivory ist es die CD ganz rechts.
Ich versuche in solchen Fällen immer erst mal mein Glück bei dem
Versand mit dem subtropischen Wald im Namen, den auch(den Wald)Villa Lobos vertont hat.

Die Klangqualität soll leider bescheiden sein(40er Jahre Rundfunkmitschnitt)aber die Kritik überschlägt sich(darf ich hier eigentlich Links angeben?
Das würde es etwas vereinfachen.)

Zu einem gemeinsamen Thread zu Medtner hätte ich schon Lust, wobei ich, wie Du sicher schon gemerkt hast, leider ein Fachidiot mit Schwerpunkt Klavierkonzerte bin. :D

Medtner, der deutsche Vorfahren hatte, hatte meines Wissens einen Bruder, der Philosoph war und eine recht antisemitische Einstellung vertrat, aber so weit muß unser Thread ja nicht unbedingt gehen, obwohl mich die Zusammenhänge, so sie denn Nikolai Medtner betreffen, auch sehr interessieren würden.

Ja, laß uns mal anfangen! :beer

Möchtest Du den Thread eröffnen?

Schade, daß Du nicht am Gershwin interessiert bist, es gibt aber z.Bspl.
auch eine tolle Aufnahme der Chopin-Etuden, zwar vom "alten"Wild, aber ziemlich beeindruckend.
Nur leider, wie alle seine neuesten Aufnahmen, auf einem Baldwin-Flügel aufgenommen.
Er scheint diesen zu bevorzugen, aber er hat m.e. nicht die Klangfülle eines Steinway's.

Viele Grüße,
korngold (31.03.2006, 02:07):
Hallo Cosima,

man kann auf der Ivory-Seite auch Ausschnitte anhören.
Das habe ich gerade getan......
Der Liszt-Ausschnitt ist sagenhaft.......

Allerdings so gemastert, daß ich, wenn ich ihn nicht schon gehabt hätte, einen Hörsturz erleiden würde. :(

Viele Grüße,
Cosima (31.03.2006, 14:19):
Original von korngold
man kann auf der Ivory-Seite auch Ausschnitte anhören.


Hallo Michael,

jetzt habe ich sie gefunden, danke Dir. Man kann ja sogar etwas längere Ausschnitte hören. Klingt wirklich klangtechnisch nicht so dolle, aber interpretatorisch sehr spannend. Ich habe mir die Aufnahme aber trotzdem bestellt über den Krokodil-Händler. Das passt mir so ganz gut, dann habe ich schon mal eine Aufnahme vom sehr alten und eine vom jungen Wild.

Wenn man direkt über die Ivory-Seite vier oder mehr CDs bestellt, bekommt man übrigens die Living-History-Aufnahme gratis dazu. Auch eine interessante Marktstrategie.

Es wäre mir ganz lieb, wenn Du einen Medtner-Thread in Angriff nehmen könntest, da ich an diesem Wochenende ein bisschen unter Zeitdruck bin, weil ich noch lernen muss. Es macht doch nichts, wenn Du noch nicht so viele Infos zu Medtner hast, die können wir doch alle gemeinsam zusammen tragen. Dazu ist ja so ein Forum auch da; es muss ja nicht immer einer allein alles vorgeben, nur weil ihn etwas interessiert.

Viele Grüße,
Cosima
Cosima (11.04.2006, 21:41):
Etwas zu der „Earl Wild at 30“-CD, genauer zur Liszt-Sonate:

Das ist schon ein Hammer, sehr speziell! Sie klingt irgendwie flirrend und unruhig, nervös könnte man sagen. Dabei für mich sehr spannend! Wild spielt die Sonate sehr kraftvoll und virtuos, mit brillanten Akzenten und scharfen Kontrasten; in den ruhigen Passagen sehr ästhetisch. Man wird mitgerissen, im Finale stellt sich bei mir eine Gänsehaut ein!

Dieser etwas selbstverliebte und melodramatische Tastenlöwenstil (wie ich ihn auch so ähnlich bei Cziffras Interpretation ausmachte) passt m.E. gut zu diesem Liszt-Werk. Liszt war ja auch ein Salonlöwe, weniger auf Tiefgang als auf Effekte bedacht.

Die Klangqualität ist natürlich nicht so toll, aber für eine derart alte Aufnahme ist sie wirklich gut remastert, d.h. wenn ich sie höre, fällt mir nach kurzer Zeit das Rauschen und Knistern als gar nicht mehr so störend auf.

Ich will sie wirklich niemandem empfehlen, aber ich höre sie mit Begeisterung! Ich versuche noch zu ergründen, warum mir Wilds Klavierspiel gefällt. Vielleicht empfinde ich seinen Stil als sehr männlich und „potent“, aber in anderem Sinne als z.B. bei Richter, der viel mehr emotionale Ausdruckstärke besaß…. ?(

Gruß, Cosima
Cosima (21.04.2006, 16:11):
Dann will ich meinen Monolog in diesem Thread mal weiter führen... :rofl

Nachdem ich zwei weitere Wild-Aufnahmen gehört habe, kann ich genauer benennen, was mich an seinem Stil anzieht: Es sind diese großen Gesten, die ohne Affektiertheit zu fließen scheinen. Ich würde sagen, dass er eine natürlich-romantische Virtuosität besitzt. Er hat einen klaren, sehr sauberen und zuweilen perlenden Stil. Oft ist es die pure Spielfreude, die man aus seinen Interpretationen heraushört. Er ist nicht der Typ des Grüblers und Tüftlers, er setzt sich scheinbar einfach hin und legt unverdrossen los. Dass es dabei zuweilen an Tiefe fehlt, würde ich als Manko bezeichnen.

Die 1940-er-Aufnahme der Liszt-Sonate habe ich ja bereits oben erwähnt. Alternativ habe ich mir seine Einspielung aus 1985 (Ivory Classics – The 1985 Sessions) angehört. Nein, das ist kein Vergleich. Mit 30 Jahren war Wild noch ungezügelter, eigenwilliger und setzte dramatische Akzente. Später wirkt er zahmer und überlegter, hat auch nicht mehr diese flirrende Unruhe, was seine Interpretation für mich insgesamt langweiliger macht. Ich würde sie als sehr solide bezeichnen, aber ohne speziellen Reiz.

Ganz gut gefiel mir die zweite CD, ein Recital aus 2003 (Ivory Classics) mit dem 88-jährigen Wild. Er spielt u.a. die Mozart-Sonate KV 332. Ich war sehr skeptisch, bin jetzt aber recht angetan. Ein Gegenpol zu Pletnevs zergrübelter, manierierter Interpretation. Wilds Spielfreude steht im Vordergrund; da klingt auch nichts klebrig oder plüschig (nicht auf Pletnev bezogen), sondern brillant und klar. Als großen Mozart-Spieler würde ich Wild dennoch nicht bezeichnen.

Das Highlight auf der CD sind für mich die 32 Beethoven-Variationen. Hier scheint Wild mehr zuhause zu sein; beeindruckend seine Kraft, Dynamik und die virtuosen Spielereien.
Zum Schluss spielt Wild noch einige Chopin-Impromptus. Nicht schlecht, technisch wieder sehr sauber, aber sein Mangel an Tiefe wirkt sich hier m.E. negativ aus.

Das waren meine Ausflüge in die Earl Wild-Gefilde. Er ist kein Pianist, den ich rundum mag, aber seine alte Aufnahme der h-Moll-Sonate möchte ich nicht missen.

Gruß, Cosima :)
Ganong (21.04.2006, 16:30):
Liebe Cosima , liber Michael ,
ich möchte eure "wild(e)" Diskussion nicht stören , aber auf zwei Sachverahlte aufmerksam machen :
1. matthias Kornemanns vernichtenede Zwei-Sätze-kritik zu der Edition "Great Pianists of the century" ( RONDO ( 1998/ 1998 ; dort nachlesbar ) und
2. Wilds Aufnahmen der 2. und 3. Klavierkonzertes von Rachmaninov
mit Jascha Horesntein am Pult .
Dies ist eben auch eine Sicht der Werke .
kennt Ihr beiden die Aufnahme ?
Viele Grüsse , Frank
Cosima (21.04.2006, 16:47):
Lieber Frank,

danke für den Hinweis, ich habe gerade die Kornemann-Rezension gelesen. Ich zitiere: „Mit Earl Wild (456 991-2) würde sie sich wohl nicht verstehen: der spielt, wie er heißt. Wie ein übriggebliebener Saurier der alten romantischen Virtuosenzeit stampft er vergnügt und unaffektiert durch ein absurd schweres Transkriptionen-Programm, was sehr vergnüglich ist.“

Das deckt sich fast genau mit meinen Eindrücken, wobei ich sie eher positiv deuten würde!
Die Schlagworte sind: Saurier, vergnügt, romantisch, Virtuose, unaffektiert. :rofl
Ich habe auch das Gefühl, als ob Wilds Stil heute nicht mehr zeitgemäß ist. Aber das wird ja z.B. über Magaloff auch gesagt, wenn auch in anderem Zusammenhang. (Wobei ich Magaloff deutlich lieber höre als Wild!)

Die Rachmaninov-Konzerte kenne ich nicht. Sollte man sie kennen lernen?

Viele Grüße,
Cosima
Zelenka (21.04.2006, 16:47):
Ist das eine vernichtende Kritik?

Mit Earl Wild (456 991-2) würde sie sich wohl nicht verstehen: der spielt, wie er heißt. Wie ein übriggebliebener Saurier der alten romantischen Virtuosenzeit stampft er vergnügt und unaffektiert durch ein absurd schweres Transkriptionen-Programm, was sehr vergnüglich ist.

?(

Zelenka
Cosima (21.04.2006, 16:52):
Original von Zelenka
Ist das eine vernichtende Kritik?


Aus Kornemanns Feder klingt es m.E. schon so… :D

Grundsätzlich liegt er ja ganz richtig, allerdings „stampft“ Wild überhaupt nicht. Vielleicht mag Kornemann diesen alten unbeschwerten Virtuosen-Stil nicht. Eventuell kann Frank hier Auskunft geben.

Gruß, Cosima
Zelenka (21.04.2006, 16:55):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Ist das eine vernichtende Kritik?


Aus Kornemanns Feder klingt es m.E. schon so… :D

Grundsätzlich liegt er ja ganz richtig, allerdings „stampft“ Wild überhaupt nicht. Vielleicht mag Kornemann diesen alten unbeschwerten Virtuosen-Stil nicht. Eventuell kann Frank hier Auskunft geben.

Gruß, Cosima

Okay, ich bin mit Kornemanns Credo nicht so vertraut. Schreibt er heutzutage noch irgendwo?

Gruß,

Zelenka
Cosima (21.04.2006, 17:01):
Original von Zelenka
Okay, ich bin mit Kornemanns Credo nicht so vertraut. Schreibt er heutzutage noch irgendwo?


Weiß ich leider nicht, aber Frank kann hier bestimmt Auskunft geben.

Gruß, Cosima
Ganong (22.04.2006, 17:25):
Liebe Cosim a,
ohn eEinschränkung : ja . Gründe : Du hattest Wilds Spiel als zeitbezogen ( ich formukliere dies etwas um ) bezeichnet . Ich fand Kornemanns Gesammtetikettierung nicht glücklich , weil ews eben die 4 Rach - Konzerte gibt . Mit einem grossartigen Jascha Horenstein .
Matthoas Kornemann ( = MK ) hat in der grossen rensionsserie , die ich umfangreich begleitet habe , noch mehrer solcher "Schnitzer" geschriebn . Zum Beispiel den Vergleich Haebler versus Radu Lupu ! da sind mir fast die Ohren abgefallen .Und ne neue Brille war fast nötig .
Insgesamt ist die Serie aber wirklich gelumngen , weil MK so wenig Platz hatte . Aber dies ist ein anderes Thema .Beste Grüsse , Frank
PS.: "Woanders" wurde 2005 der versuch gestartet , einen Parallelkommentar zu schreiben . Ist gescheitert . Dies könte man als ( späte ) Nachlese machen . . Gib mi rbitte Deinen Rat . Danke . F.
Cosima (22.04.2006, 18:17):
Original von Ganong
PS.: "Woanders" wurde 2005 der versuch gestartet , einen Parallelkommentar zu schreiben . Ist gescheitert . Dies könte man als ( späte ) Nachlese machen . . Gib mi rbitte Deinen Rat . Danke . F.

Lieber Frank,

danke nochmals für den Hinweis auf Wild/Horenstein – ich überlege es mir.

Ich weiß, welches „gescheiterte Projekt“ Du meinst. Grundsätzlich ist mein Interesse eher gering, weil ich nur ganz wenige Aufnahmen aus der Serie besitze und dementsprechend auch wenig beizutragen hätte. Leider ist die Great-Pianist-Edition ja auch nicht mehr offiziell erhältlich, und ich bin wenig geneigt, die teilweise horrenden Preise auf dem Gebrauchtmarkt dafür zu zahlen.

Vielleicht sehen die anderen Mitglieder dies ja anders, aber ich würde ein solches Thema zunächst aufschieben. Andere Themen hätten m.E. Priorität. Du weißt schon, welche ich meine… :wink

Zu Kornemann: Ich finde seine Einschätzung auch unglücklich formuliert. Etwas eigentlich Positivem gibt er einen sehr negativen Beigeschmack und würdigt es herab. Wild mag nicht die große innere Ausdruckstiefe manch anderer Pianisten haben, klingt aber m.E. nie banal und hat mehr zu bieten, als bloß „vergnüglich“ zu wirken.

Viele Grüße,
Cosima
Zelenka (22.04.2006, 18:29):
Original von Ganong

Matthoas Kornemann ( = MK ) hat in der grossen rensionsserie , die ich umfangreich begleitet habe , noch mehrer solcher "Schnitzer" geschriebn . Zum Beispiel den Vergleich Haebler versus Radu Lupu ! da sind mir fast die Ohren abgefallen .Und ne neue Brille war fast nötig .
Insgesamt ist die Serie aber wirklich gelumngen , weil MK so wenig Platz hatte . Aber dies ist ein anderes Thema .Beste Grüsse , Frank
PS.: "Woanders" wurde 2005 der versuch gestartet , einen Parallelkommentar zu schreiben . Ist gescheitert . Dies könte man als ( späte ) Nachlese machen . . Gib mi rbitte Deinen Rat . Danke . F.

In der Tat, Kornemanns Kommentare zu "Great Pianists of the Twentieth Century" entpuppen sich beim Wiederlesen als voll von Heulern und "Schnitzern", vieles ist aus meiner Sicht einfach barer Unsinn. Andere seiner Bemerkungen treffen den Nagel auf den Kopf. Kornemanns Schreibe ist, wohl eben aus Platznot, plakativ und aufmüpfig ganz im Sinne des geschätzten alten "Rondo", dessen Personal vor ein paar Jahren offenbar komplett gefeuert worden ist. (Die Gründe sind mir unbekannt, das heutige Produkt ist jedenfalls nur noch stinklangweilig.) Immerhin hat "Rondo" es geschafft, die komplette Philips-Edition irgendwie bis zum Ende zu besprechen, renommierte Organe wie das englische "Gramophone" hatte da schon längst aufgegeben. Und die prospektiven Käufer sind die lange Distanz auch nicht mitgegangen. Um auf Wild zurückzukommen: ein Marketplace-Händler bei amazon.de versucht seine Folge in der Edition für über EUR 102 zu verhökern:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000IIYU.03.LZZZZZZZ.jpg

Das mag oder mag nicht auf einen gewissen Kultstatus des alten Sauriers hinweisen.

Ich habe mir auch den kurzen gescheiterten Thread zur Philips-Edition "woanders" angeschaut. Ein großer Teil der Teilnehmer an diesem Faden scheint inzwischen Mitglied dieses Forums zu sein, Mitte des letzten Monats hat ein jetziges Mitglied dieses Forums noch versucht, den altenThread wiederzubeleben. Ohne Erfolg. Eine Neuauflage ist wohl auch hier eher zum Scheitern verurteilt. Wer hat hier die komplette Philips-Edition zur Hand? (Ich besitze etwa zwei Drittel, vieles lohnte sich damals nicht zu kaufen, Paderewski und Larrocha z.B. habe ich abgestoßen.)

Mit der Bitte um Verzeihung für die Einmischung,

Zelenka
Rachmaninov (24.05.2006, 13:41):
Original von Cosima
Du hast ja schon einiges aufgezählt, was interessant wäre. Da ich momentan gerne Medtner höre, würde ich gerne wissen, ob Du diese CD aus 1988 kennst:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/5773183.jpg

Second Improvisation op. 47;Sonate-Idylle op. 56;
Vergessene Weisen op. 39


Cosima,

bisher habe ich die Aufnahme einmal gehört und sie hat mich (leider) nicht wirklich überzeugt beim ersten Hören :I
Cosima (24.05.2006, 16:21):
Original von Rachmaninov
bisher habe ich die Aufnahme einmal gehört und sie hat mich (leider) nicht wirklich überzeugt beim ersten Hören :I

Lieber Richard,

das mag daran liegen, dass Wild insgesamt nicht sehr "überzeugt" (was immer das bedeuten soll). Die Liszt-Sonate aus „Earl Wild at 30“ finde ich sehr hörenswert, alles Weitere kann man sich, aus meiner Sicht, getrost schenken, da es eine Menge besserer Alternativen gibt. Er spielt zwar brillant, aber ohne rechten Tiefgang. Das bleibt alles seltsam an der Oberfläche verhaftet, gleichgültig, um welchen Komponisten es sich handelt. Eben ein alter Romantiker, ein wenig selbstverliebt. Aber ich hatte Dich ja gewarnt. :engel

Gruß, Cosima
ab (24.05.2006, 17:09):
Original von Cosima

Nachdem ich zwei weitere Wild-Aufnahmen gehört habe, kann ich genauer benennen, was mich an seinem Stil anzieht: Es sind diese großen Gesten, die ohne Affektiertheit zu fließen scheinen. Ich würde sagen, dass er eine natürlich-romantische Virtuosität besitzt. Er hat einen klaren, sehr sauberen und zuweilen perlenden Stil. Oft ist es die pure Spielfreude, die man aus seinen Interpretationen heraushört. Er ist nicht der Typ des Grüblers und Tüftlers, er setzt sich scheinbar einfach hin und legt unverdrossen los. Dass es dabei zuweilen an Tiefe fehlt, würde ich als Manko bezeichnen.


Hallo Cosima,

danke für solche Charakterisierungsversuche! Ich werde das nächste Mal, wenn ich die Gelegenheit haben werde, Wilde anzuhören, versuchen, herauszufinden, ob sie zutreffen! So wünsche ich mir das!
Danke!
Cosima (24.05.2006, 17:19):
Hallo ab!

Ich sehe gerade mit Erstaunen, dass ich Wild vor kurzem noch mit mehr Begeisterung darstellte, als ich es heute empfinde. Aber nein, man soll nicht in solchen Kategorien denken. Ich stehe zu meinem Urteil: Wild ist ein sehr guter Pianist! Nicht ohne Grund ist er so beliebt – außer eben in Europa. Und die CDs, die er im hohen Alter noch einspielte, sind technisch wirklich auf hohem Niveau! Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Mich würde Dein Urteil sehr interessieren.

Gruß, Cosima
ab (24.05.2006, 17:23):
Original von Cosima
Mich würde Dein Urteil sehr interessieren.


Mich auch! Möge ich bald eine Aufnahme in Händen bekommen! Insbes. sein Rach würde mich interessieren, weil ich ja Horenstein ganz besonders schätze!
korngold (28.03.2006, 23:23):
Hallo,

ich bin ein großer Wild-Fan.
Er war überhaupt der erstem Pianist, den ich als kleines Kind auf Schallplatten hörte.
Er wurde und wird mit einem perfekt eingestellten Ferrari verglichen, seine Oktav-Technik ist legendär und er ist einer der größten Meister der Klaviertranskription.
Er ist übrigens auch als Komponist und Dirigent hervorgetreten.

Zu meinen Lieblingsaufnahmen mit ihm gehören u.a. die folgenden Aufnahmen:

Das Konzert und die Fantasie über polnische Themen von Paderewski.
Umwerfend brilliant und m.e. überhaupt nicht zu toppen.
Wundervolle Musik übrigens....LSO, Arthur Fiedler.

Mit Einschränkungen, da "Schnellschüsse" und an nur zwei Tagen für Readers Digest aufgenommen, die Rachmaninow-Konzerte plus der Paganini-Rhapsodie mit dem Royal P.O. unter Horenstein.
Die Aufnahme des ersten Konzertes finde ich nach wie vor umwerfend, ebenso die des vierten.

Dann gibt es da seine legendäre Einspielung des Gershwin-Konzertes mit dem Boston Pops Orchestra unter Fiedler.

Auf Vanguard gab es das schöne Konzert von Menotti, gekoppelt mit einer sehr guten Aufnahme des Copland-Konzerte.

Ich könnte die Liste noch länger fortsetzen, aber ich beende sie hier jetzt erstmal mal und möcht noch einmal meiner großen Bewunderung für diesen Pianisten Ausdruck geben.

Er verfügt über großes Temperament, perfektes "Timing", spielt niemals nur donnernd, bei ihm findet man größte Klarheit, unter anderem erzielt mit einer virtuosen Beherrschung des mittleren Pedals, es gibt so gut wie keine verwaschenen Stellen bei ihm.

Allerdings hat er meines Wissens nie für Telarc aufgenommen.

Er wird in Europa leider tatsächlich wohl nicht für voll genommen, dies ist mir völlig unverständlich.
Es wurde ihm vorgeworfen, mit seinen Transkriptionen nur zeigen zu wollen, wie toll er spielt.
Ich möchte dazu empfehlen, sich seine für Chesky aufgenommenen Gershwin-Transkriptionen, vor allem von Porgy and Bess, einmal anzuhören.
Die enormen technischen Schwierigkeiten fallen erst einmal überhaupt nicht auf, da er seine Bearbeitung ganz in den Dienst der Musik stellt.
Irgendwann aber denkt man "Wie verdammt noch mal hat er das jetzt geschafft?"
Ein großer Künstler!

Viele Grüße,


Michael
Cosima (30.03.2006, 20:13):
Hallo Michael,

freut mich, dass sich ein Wild-Fan zu Worte meldet. Ich habe ja noch nicht so viele Eindrücke sammeln können, kann aber unbedingt diesem hier zustimmen:

Er verfügt über großes Temperament, perfektes "Timing", spielt niemals nur donnernd, bei ihm findet man größte Klarheit, unter anderem erzielt mit einer virtuosen Beherrschung des mittleren Pedals, es gibt so gut wie keine verwaschenen Stellen bei ihm.

Es ist merkwürdig, dass er hier so wenig populär wurde. Vielleicht liegt es daran, dass sein Stil als „US-typisch“ charakterisiert wird, was dann gleich für Voreingenommenheit sorgt. (So ähnlich werden russische Pianisten ja manchmal in die Schublade der „Tastendonnerer“ gesteckt.)

Du hast ja schon einiges aufgezählt, was interessant wäre. Da ich momentan gerne Medtner höre, würde ich gerne wissen, ob Du diese CD aus 1988 kennst:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/5773183.jpg

Second Improvisation op. 47;Sonate-Idylle op. 56;
Vergessene Weisen op. 39

Ich möchte nämlich gerne mal etwas von dem etwas jüngeren Wild hören.

Schönen Gruß,
Cosima
korngold (30.03.2006, 23:06):
Hallo Cosima,
zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich diese CD von Wild nicht besitze.
Das muß ich selber noch nachholen, aber ich bin mir ganz sicher, daß es sich lohnt.
Ich kenne nur eine Aufnahme mit Wild-und ich habe alle seine Konzerteinspielungen, die mich etwas enttäuschte, und diese ist kurioserweise das Tschaikowsky-b-moll-Konzert.
Dies ist die enzige Aufnahme, bei der bei mir der Funken nicht überspringt.

Die Tatsache, daß er hierzulande nicht so populär ist, hängt vielleicht doch eher damit zusammen, daß er hier anscheinend niemals aufgetreten ist.
Übrigens ist vor einiger Zeit eine CD mit historischen Aufnahmen des jungen Wild aus den 40ern erschienen, u.a.mit einer, wenn der Kritiker recht hat, unglaublichen Einspielung der Liszt-Sonate.
Ich glaube dem Kritiker hier einmal unbesehen und diese CD steht auf meiner Wunschliste ganz oben.
Erschienen ist sie bei Ivory Classic.

Medtner hat tolle Werke komponiert, für Orchester leider nur die Klavierkonzerte, die ich sehr schätze.
Kennst Du sie?

Viele Grüße,

Michael
Cosima (30.03.2006, 23:18):
Hallo Michael,

da horche ich doch sofort auf! Earl Wild und die Liszt-Sonate! Wo ist die denn erhältlich? Beim Versand mit den 3 Buchstaben ist sie nicht im Angebot, habe sie nicht gefunden eben. Die wäre mir genauso lieb wie Medtner. Überhaupt würde ich Wild mit Liszt gerne kennen lernen. Ich glaube, dass diese viel gepriesenen Gershwin-Sachen mir nicht so liegen.

Die Klavierkonzerte von Medtner kenne ich auch. Und ein paar Sonaten usw. Wir sollten wirklich einen Thread zu diesem interessanten Komponisten eröffnen. Hättest Du nicht Lust dazu?

Viele Grüße,
Cosima
korngold (31.03.2006, 01:56):
Hallo Cosima,

Also, der Liszt ist Teil einer CD mit dem Titel "Earl Wild at 30"oder so ähnlich.

Erschienen ist sie bei Ivory Classics, dem Hauslabel von Wild in den USA.

Gib Ivory Classics bei googel ein, auf der Hauptseite von Ivory ist es die CD ganz rechts.
Ich versuche in solchen Fällen immer erst mal mein Glück bei dem
Versand mit dem subtropischen Wald im Namen, den auch(den Wald)Villa Lobos vertont hat.

Die Klangqualität soll leider bescheiden sein(40er Jahre Rundfunkmitschnitt)aber die Kritik überschlägt sich(darf ich hier eigentlich Links angeben?
Das würde es etwas vereinfachen.)

Zu einem gemeinsamen Thread zu Medtner hätte ich schon Lust, wobei ich, wie Du sicher schon gemerkt hast, leider ein Fachidiot mit Schwerpunkt Klavierkonzerte bin. :D

Medtner, der deutsche Vorfahren hatte, hatte meines Wissens einen Bruder, der Philosoph war und eine recht antisemitische Einstellung vertrat, aber so weit muß unser Thread ja nicht unbedingt gehen, obwohl mich die Zusammenhänge, so sie denn Nikolai Medtner betreffen, auch sehr interessieren würden.

Ja, laß uns mal anfangen! :beer

Möchtest Du den Thread eröffnen?

Schade, daß Du nicht am Gershwin interessiert bist, es gibt aber z.Bspl.
auch eine tolle Aufnahme der Chopin-Etuden, zwar vom "alten"Wild, aber ziemlich beeindruckend.
Nur leider, wie alle seine neuesten Aufnahmen, auf einem Baldwin-Flügel aufgenommen.
Er scheint diesen zu bevorzugen, aber er hat m.e. nicht die Klangfülle eines Steinway's.

Viele Grüße,
korngold (31.03.2006, 02:07):
Hallo Cosima,

man kann auf der Ivory-Seite auch Ausschnitte anhören.
Das habe ich gerade getan......
Der Liszt-Ausschnitt ist sagenhaft.......

Allerdings so gemastert, daß ich, wenn ich ihn nicht schon gehabt hätte, einen Hörsturz erleiden würde. :(

Viele Grüße,
Cosima (31.03.2006, 14:19):
Original von korngold
man kann auf der Ivory-Seite auch Ausschnitte anhören.


Hallo Michael,

jetzt habe ich sie gefunden, danke Dir. Man kann ja sogar etwas längere Ausschnitte hören. Klingt wirklich klangtechnisch nicht so dolle, aber interpretatorisch sehr spannend. Ich habe mir die Aufnahme aber trotzdem bestellt über den Krokodil-Händler. Das passt mir so ganz gut, dann habe ich schon mal eine Aufnahme vom sehr alten und eine vom jungen Wild.

Wenn man direkt über die Ivory-Seite vier oder mehr CDs bestellt, bekommt man übrigens die Living-History-Aufnahme gratis dazu. Auch eine interessante Marktstrategie.

Es wäre mir ganz lieb, wenn Du einen Medtner-Thread in Angriff nehmen könntest, da ich an diesem Wochenende ein bisschen unter Zeitdruck bin, weil ich noch lernen muss. Es macht doch nichts, wenn Du noch nicht so viele Infos zu Medtner hast, die können wir doch alle gemeinsam zusammen tragen. Dazu ist ja so ein Forum auch da; es muss ja nicht immer einer allein alles vorgeben, nur weil ihn etwas interessiert.

Viele Grüße,
Cosima
Cosima (11.04.2006, 21:41):
Etwas zu der „Earl Wild at 30“-CD, genauer zur Liszt-Sonate:

Das ist schon ein Hammer, sehr speziell! Sie klingt irgendwie flirrend und unruhig, nervös könnte man sagen. Dabei für mich sehr spannend! Wild spielt die Sonate sehr kraftvoll und virtuos, mit brillanten Akzenten und scharfen Kontrasten; in den ruhigen Passagen sehr ästhetisch. Man wird mitgerissen, im Finale stellt sich bei mir eine Gänsehaut ein!

Dieser etwas selbstverliebte und melodramatische Tastenlöwenstil (wie ich ihn auch so ähnlich bei Cziffras Interpretation ausmachte) passt m.E. gut zu diesem Liszt-Werk. Liszt war ja auch ein Salonlöwe, weniger auf Tiefgang als auf Effekte bedacht.

Die Klangqualität ist natürlich nicht so toll, aber für eine derart alte Aufnahme ist sie wirklich gut remastert, d.h. wenn ich sie höre, fällt mir nach kurzer Zeit das Rauschen und Knistern als gar nicht mehr so störend auf.

Ich will sie wirklich niemandem empfehlen, aber ich höre sie mit Begeisterung! Ich versuche noch zu ergründen, warum mir Wilds Klavierspiel gefällt. Vielleicht empfinde ich seinen Stil als sehr männlich und „potent“, aber in anderem Sinne als z.B. bei Richter, der viel mehr emotionale Ausdruckstärke besaß…. ?(

Gruß, Cosima
Rachmaninov (24.05.2006, 13:41):
Original von Cosima
Du hast ja schon einiges aufgezählt, was interessant wäre. Da ich momentan gerne Medtner höre, würde ich gerne wissen, ob Du diese CD aus 1988 kennst:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/5773183.jpg

Second Improvisation op. 47;Sonate-Idylle op. 56;
Vergessene Weisen op. 39


Cosima,

bisher habe ich die Aufnahme einmal gehört und sie hat mich (leider) nicht wirklich überzeugt beim ersten Hören :I
Cosima (24.05.2006, 16:21):
Original von Rachmaninov
bisher habe ich die Aufnahme einmal gehört und sie hat mich (leider) nicht wirklich überzeugt beim ersten Hören :I

Lieber Richard,

das mag daran liegen, dass Wild insgesamt nicht sehr "überzeugt" (was immer das bedeuten soll). Die Liszt-Sonate aus „Earl Wild at 30“ finde ich sehr hörenswert, alles Weitere kann man sich, aus meiner Sicht, getrost schenken, da es eine Menge besserer Alternativen gibt. Er spielt zwar brillant, aber ohne rechten Tiefgang. Das bleibt alles seltsam an der Oberfläche verhaftet, gleichgültig, um welchen Komponisten es sich handelt. Eben ein alter Romantiker, ein wenig selbstverliebt. Aber ich hatte Dich ja gewarnt. :engel

Gruß, Cosima
ab (24.05.2006, 17:09):
Original von Cosima

Nachdem ich zwei weitere Wild-Aufnahmen gehört habe, kann ich genauer benennen, was mich an seinem Stil anzieht: Es sind diese großen Gesten, die ohne Affektiertheit zu fließen scheinen. Ich würde sagen, dass er eine natürlich-romantische Virtuosität besitzt. Er hat einen klaren, sehr sauberen und zuweilen perlenden Stil. Oft ist es die pure Spielfreude, die man aus seinen Interpretationen heraushört. Er ist nicht der Typ des Grüblers und Tüftlers, er setzt sich scheinbar einfach hin und legt unverdrossen los. Dass es dabei zuweilen an Tiefe fehlt, würde ich als Manko bezeichnen.


Hallo Cosima,

danke für solche Charakterisierungsversuche! Ich werde das nächste Mal, wenn ich die Gelegenheit haben werde, Wilde anzuhören, versuchen, herauszufinden, ob sie zutreffen! So wünsche ich mir das!
Danke!
Cosima (24.05.2006, 17:19):
Hallo ab!

Ich sehe gerade mit Erstaunen, dass ich Wild vor kurzem noch mit mehr Begeisterung darstellte, als ich es heute empfinde. Aber nein, man soll nicht in solchen Kategorien denken. Ich stehe zu meinem Urteil: Wild ist ein sehr guter Pianist! Nicht ohne Grund ist er so beliebt – außer eben in Europa. Und die CDs, die er im hohen Alter noch einspielte, sind technisch wirklich auf hohem Niveau! Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Mich würde Dein Urteil sehr interessieren.

Gruß, Cosima
ab (24.05.2006, 17:23):
Original von Cosima
Mich würde Dein Urteil sehr interessieren.


Mich auch! Möge ich bald eine Aufnahme in Händen bekommen! Insbes. sein Rach würde mich interessieren, weil ich ja Horenstein ganz besonders schätze!