Eduard Tubin (1905-1982): Sinfonien, Sinfonische Werke und Instrumentalkonzerte

Rachmaninov (10.10.2011, 15:30):
Forianer,

in letzter Zeit ist zu beobachten, dass immer mehr sich gerne und mit wachsender Begeisterungbder Werken von Eduard Tubin beschäftigen

Damit die oftmals sehr interessanten Beiträge nicht im "Was höre ich gerade jetzt" Thread unter gehen erlaube ich mir diesen Thread zu eröffnen.

Kurz etwas zum Komponisten selber:


Eduard Tubin (* 18. Juni 1905 in Torila, heute Gemeinde Alatskivi bei Kallaste, Estland; † 17. November 1982 in Stockholm) war ein estnischer Komponist, der ab 1944 in Schweden lebte.

Aufgewachsen in dörflicher Umgebung, erlernte er autodidaktisch verschiedene Instrumente wie Flöte, Balalaika, Geige und Klavier. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Lehrer besuchte er ab 1924 die Musikschule in Tartu, wo er eine Ausbildung in Komposition bei Heino Eller erhielt. Später war er als Kapellmeister und Dirigent tätig. Erste Kompositionen folgten, bei denen hauptsächlich Einflüsse nationaler Volksweisen erkennbar sind. In seinen nachfolgenden sinfonischen Dichtungen folgt er kompositorischen Anregungen von Jean Sibelius, Anton Bruckner und Carl Nielsen.

Am 20. September 1944 floh Tubin vor der heranrückenden Roten Armee an Bord des Seglers „Triina“ nach Schweden. Nach zweitägiger Fahrt fanden er, seine Frau Erika und die beiden Söhne zunächst Aufnahme in einem Stockholmer Flüchtlingslager. Nach dem Krieg blieb er in Schweden und ließ sich in einem Stockholmer Vorort nieder. Er war unter anderem als Chordirigent und Musikarrangeur am Theater in Drottningholm tätig. Als Komponist sollte er sich hier allerdings vorerst keinen Namen machen können. Im Jahre 1961 erwarb er die schwedische Staatsbürgerschaft. Aufgrund staatlicher Förderung war er ab 1966 wieder in der Lage, sich ganz der Komposition zuzuwenden. Er verstarb im Jahre 1982 an einer Krebserkrankung.

Sein kompositorisches Schaffen umfasst u.a. 10 Sinfonien (eine 11. Sinfonie blieb unvollendet), Instrumentalwerke, Suiten, Elegien und Sonaten sowie Chorwerke, Ballette und Opern. Seine Werke waren lange im sowjetisch beherrschten Estland verboten. Er galt als der bedeutendste Symphoniker Estlands.

Obwohl ihm in seinem Exil Schweden anfangs die Anerkennung verwehrt blieb, wurde ihm später der Kulturpreis der Stadt Stockholm zuerkannt; kurz darauf wurde er zum Mitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie ernannt. -- Der estnische Dirigent Neeme Järvi leitete in den 1980er Jahren eine Tubin-Renaissance ein.
Quelle: Wikipedia


Auf Wikipedia sind scheinbar nicht alle Werke aufgeführt.
So vermisse ich in der dortigen Übersicht die beiden Violinkonzerte Tubin's.

So, jetzt ist es an euch niederzuschreiben welche Werke euch begeistern und welche Aufnahmen ihr empfehlen würdet.
Nordolf (10.10.2011, 22:51):
Die von mir am meisten geliebte Symphonie Tubins ist seine Zweite, die im Jahre 1937 entstand. Zu dieser Zeit war Tubin ein durchaus anerkannter Orchester- und Chordirigent. Die sowjetische Besatzungsmacht stand noch nicht im Land. Die spätere Emigration des Komponisten und seiner Familie nach Schweden lag noch in weiter Ferne. Die Musik ist allerdings von einiger martialischer Wucht und gehört zu den heftigsten Klängen, die der Komponist geschrieben hat. Der romantische Impressionismus seines Lehrers Heino Eller hat die ruhigeren Passagen der Symphonie beeinflusst.

Nach ersten, sehr ernsten, lyrischen,von den Streichern getragenen Klängen zeigt die Musik bald rhythmische Schärfe. Die Kriegsfurie tobt in dramatischen Klängen über das Land. Elegische Lyrismen übernehmen dann das Feld, die aber bald wieder in tragisch-heroische, stampfenden Märsche übergehen, die an dominanter Stringenz nichts zu wünschen übrig lassen. Folkloristisches Kolorit bringen die Violinen besonders deutlich im 2. Satz zu Gehör. Ein dumpf brütender Rhythmus bleibt dabei immer präsent. Ein heroisches Signal läutet den 3. Satz ein. Perkussive Klavierklänge und fahle Bläser verbreiten eine unheilschwangere Stimmung. Alsbald toben wieder agressive Stürme in der Musik - die Hörner rufen zum Kampf. Die Blechbläser tönen immer schärfer und greller. Die Beckenschläge sind von einer solch schneidenden Bösartigkeit, das man willkürlich zusammenzuckt. Die Musik lässt die Märsche nachhallen und versinkt in vergrübelte, nach innen gerichtete Gesten, die hauptsächlich von Klavier, Bratsche und Violine getragen werden. Ein kurzes, paukendes Aufbäumen: - und schließlich beenden romantische, sehr empfundene Streicherklänge das Werk.

Ich habe im Netz nach den Begleitumständen der Symphonie recherchiert, aber wenig gefunden. Der Beiname "Die Legendäre" deutet ja auf ein Konzept, Programm oder wenigstens auf eine konkrete Stimmung hin, die mit dem Werk verbunden ist: - Tubin scheint sich dazu aber nicht geäußert zu haben. Mein Booklet zu den Einspielungen von Neeme Järvi schweigt sich ebenso aus. Ich kann nur vermuten, das Tubin sich entweder mit alten, estnischen Sagen beschäftigt oder bestimmte Zeitstimmungen und Kriegsvorahnungen seiner Zeit aufgegriffen hat. Die Härten und Grübeleien der Musik sind kaum anders zu erklären.

Neeme Järvis Interpretation mit dem Swedischen Radio-Symphonie-Orchester aus dem Jahre 1985 (BIS; Dauer: ca. 30 min.) scheint mir in jeder Hinsicht gelungen: - radikal, kompakt, räumliches Klangbild. Es soll noch eine andere, vergriffene Einspielung der 2. Symphonie mit dem Dirigenten Peeter Liljes bei Melodiya geben, die weniger wuchtig, dafür lyrischer als Järvi sein soll. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, das es diesem Werk gut tut, wenn man seine tragische Schärfe beseelt glättet oder sie überspielt.

Herzliche Grüße!
Nordolf
teleton (11.10.2011, 11:59):
Hallo Rachmaninov und Nordolf,

ich habe mich eigendlich gewundert, dass noch kein Tubin-Beitrag von mir im KLASSIKFORUM vorhanden ist.

Wie kommt man an einen relativ unbekannten Komponisten wie Eduard Tubin (1905-1982) ?
Antwort: Im Jahre 2003 war in der Stereoplay eine Rezension einer Telarc-CD mit dem Dirigenten Paavo Järvi (dem Sohn des Dirigenten Neeme Järvi) und den Werken Sibelius-Sinfonie Nr.2 und Tubin-Sinfonie Nr.5. Die Rezension war so interessant und positiv geschrieben und es wurde auf Werkinhalte der Sinf.Nr.5 erwähnt, daß man den Wunsch verspürte, den bis dahin für mich unbekannten Tubin näher kennenzulernen.

Preisbewusst wie ich bin habe ich mich gleich nach einer Gesamtaufnahme aller 10Sinfonien umgesehen. Bei jpc bin ich wiedermal fündig geworden:
Sinfonien Nr.1-10 mit Neeme Järvi/Gothenburg SO (BIS) für ca.40,-€ (5CD´s), die Nordolf in seinem Beitrag auch nennt.
Ich denke da es auch die einzige GA ist, wird man kaum eine bessere und eine feuerige ohnehin nicht finden !

http://ecx.images-amazon.com/images/I/11JCRAWXNXL._SL500_AA300_.jpg
BIS, 5CD, 70er-90er, ADD/DDD


Nachdem ich mich nun seit 2003 mit den Sinfonien beschäftigt habe (natürlich zuerst mit Nr.5), muß ich sagen das sich für mich hier eine neue lohnenswerte Musik eines estländischen Komponisten erschlossen hat. Was Sibelius für Finnland, Schostakowitsch für Russland, Nielsen für Dänemark, Pettersson für Schweden, das war Eduard Tubin für Estland.

Es gibt von den Sinfonien nur wenige Vergleichsaufnahmen. Wie ich auch anderenorts gelesen habe soll Jarvi bei seinen Aufnahmen eine flott zupackende Art an den Tag legen, die die martialisch wuchtige Seite überbetonen soll - ich persönlich finde das gut und würde das anders ausdrücken: schwächen der Kompositionen werden überspielt, sodaß die Werke noch spannender und interessanter werden.
:times10Die Järvi - GA ist uneingeschränkt zu empfehlen und bietet Järvi in gewohnter Qualität sowie klanglich in sehr guter BIS-Qualität (die Aufnahmen sind größtenteils Digitalaufnahmen, was nätürlich nicht heißen soll das ADD schlechter sein muß).

Hier eine Internetadresse mit mehr INFO zu Tubin:
http://www.musikmph.de/rare_music/composers/s_z/tubin_eduard/1.html

*** Eine weitere gute APEX-CD (4,99€) möchte ich auch empfehlen, da man ja nach den Sinfonien auch seine Solokonzerte kennenlernen möchte:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51TMwBVbqhL._SL500_AA300_.jpg
Eduard Tubin: Concertino für Klavier & Orchester
+Flötenkonzert; Music for Strings
Väinmaa, M. Järvi, Estonian National SO,
Ostrobothnian Chamber Orchestra, Tallinn
Chamber Orchestra, Volmer, Kangas, K. Järvi
APEX, DDD

:beer Besser als die APEX - CD ist das Concertino aber auf dieser BIS-CD:

Die BIS-CD enthält die Sinfonietta über Estonische Motive und das Concertino für Klavier und Orchester .
Das Thema passt gut, weil wir zur Zeit über die Sinfonietta von Janacek schreiben.
Diese Sinfonietta verarbeitet heimatliche Klänge/Motive aus Estland.
Die heimatliche Nähe haben damit beide Sinfonietta gemeinsam.
Die Verarbeitung des Themenmaterials wird ducrh Tubin kunstvoll umgesetzt - ein Punkt der bei Janacek kritisiert wird.
Ich meine das Ergebnis zählt und finde beide Sinfonietta höchst hörenswert.

Die Apex-CD mit dem Estonian SO, meine Erstaufnahme, ist gut und als Einstieg voll OK.
Aber diese BIS-Aufnahme mit Roland Pontinen am Klavier ist einfach vorzuziehen, weil sowohl Solist als auch Orchester das Werk wesentlich emotionaler begreifen. Der Klavieranschlag ist ungleich kräftiger und das Orchester begleitet sehr detailreich ohne an Spannung zu verlieren. Das Gothenborg SO ist vergleichsweise in TOP-Form. Dieser positive Eindruck wird schon bei den ersten Takten klar, wenn die Pauken das Werk leise aber prägnant einleiten.
Ein lohnender Kauf für alle die nicht nur die Sinfonien kennenlernen wollen.

Die Sinfonie Nr.7 wird man kaum irgendwo besser hören. Es ist die gleiche Aufnahme wie in der BIS-GA-Box mit Järvi.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51EXJTqTKNL._SL500_AA300_.jpg
Eduard Tubin:
Sinfonietta über Estonische Motive
Concertino für Klavier und Orchester (1945)
Sinfonie Nr.7 (gleiche Aufnahme wie in der BIS-GA-Box)
Roland Pontinen, Klavier / Gothenborg SO, Neeme Järvi
BIS, 1996, DDD
Armin70 (11.10.2011, 17:35):
Meine Begenung mit Tubins Musik war rein zufällig: Vor einigen Jahren schaltete ich das Radio ein und es erklang große Orchestermusik, die ich nicht kannte. Während ich der Musik lauschte, dachte ich die ganze Zeit nach, was das sein könnte. Ich hatte irgendwie den Verdacht, dass es sich um einen Komponisten aus Nordeuropa handeln könnte. Sibelius und Nielsen hatte ich aber ausgeschlossen, vielleicht ein Komponist, der eine Generation später lebte aber ich hatte keine Idee. Deshalb hörte ich der Musik weiter gebannt zu und ich war natürlich sehr neugierig darauf, was das war. Nun, es stellte sich heraus, dass es sich um Eduard Tubins 1. Sinfonie handelte in der Aufnahme mit Neeme Järvi. Bis dahin kannte ich Tubin nur dem Namen nach, weil ich Anfang der 1990er Jahre mal einen BIS-Katalog hatte und darin Järvis Aufnahmen als Einzelausgaben aufgelistet waren.

Am nächsten Tag kaufte ich mir sogleich die Järvis Aufnahme von Tubins 1. Sinfonie:


Die Box mit Neeme Järvis Tubin-Aufnahmen war zu jener Zeit noch nicht erschienen. Bis Anfang diesen Jahres blieb dies meine einzige Aufnahme mit Tubins Musik und ich weiss gar nicht so genau, weshalb ich mir damals nicht weitere CD`s mit Tubins Musik zulegte aber dann kaufte ich mir besagte Järvi-Box und habe es nicht bereut, denn interpretatorisch und klanglich ist das meiner Meinung nach erstklassig.

Ich selbst kann jetzt gar nicht sagen, welche Sinfonie ich am meisten schätze, denn ich tue mich damit immer schwer, da irgendwelche Reihenfolgen festzulegen. Allerdings höre ich die Sinfonien Nr. 1 - 5 doch mehr als die späteren Sinfonien. Warum das so ist, kann ich nicht so genau sagen.
teleton (12.10.2011, 10:47):
Als Tubin-Fan, der ich nach den 10 Sinfonien und des fabelhaften Concertinos für Klavier und Orchster (1945) geworden bin, habe ich immer Aussschau nach weiteren Konzerten und Werken gehalten. Das CD-Angebot ist ja in unseren Breiten nicht besonders nicht riesig.

Vor einem Jahr fiel mir die BIS-CD mit dem Violinkonzert Nr.2 (1945) in die Hände. Das Werk dauert 26Minuten, hat wie üblich 3Sätze. Aber die große Begeisterung blieb bei mir eigendlich aus. Ein ganz nettes Stück, aber ohne den Anspruch zu haben wirklich begeistern zu können; genauso die Ballade für Violine und Orchester; beides zu brav, zu wenig Gehalt ... welch ein Unterschied dagegen das packende Concertino aus dem gleichen Jahr !

Auf der CD befindet sich das Konzert für Kontrabass und Orchester (1948), das mir mit seinen impressionistschen Farbernreichtum ungleich besser gefällt; sowie das Kurzstück Valse Triste; und die Estonian Dance Suite (1938 in drei Sätzen, in der Tubin folkloristische Themen verwendet - diese letzgenannten Werke machen die CD somit doch noch empfehlenswert und erweitern die Tubin-CD-Sammlung.

Eine große und ehrenwerte Aufgabe hat sich Neeme Järvi da gestellt, alles von TUBIN auf CD einzuspielen und dem Hörer bekannt zu machen ... und ...
:thanks er meistert seine Aufgabe perfekt mit großem Interesse und Hingabe.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61ejqNWcRIL._SL500_AA300_.jpg
BIS, 1986-1987, DDD
Rachmaninov (13.10.2011, 10:06):
Original von Cetay
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51HH-PB%2BaiL._SL500_AA300_.jpg
Tubin; Sinfonie 5; Järvi

Die Tubin-Tour war sicher nicht repräsentativ, aber ausreichend, um festzustellen, dass ich ihn kaum zu meinen favorisierten Komponisten rechnen werde. Das Problem: ich fühle mich an Vieles erinnert, etwa Sibelius (wie soll man die erste Hälfte des ersten Satzes der 4. Tubins hören, ohne ständig in gedanklich in die 5. von Sibelius abzugleiten?), Pettersson, Shostakovich, Nystroem, Hovhannes, höre aber keinen Personalstil, kaum großformatige Entwicklungen und vor allem fehlen mir die Großen Momente (man höre zum Vergleich Nystroems 3.), die ich bei diese Art von spät/post/neo-romantisch-expressiver Musik brauche, um nicht schnell ermüdet zu werden.
Respekt: ja, Liebe: nein.

Hallo Cetay,
durchaus eine legitime Meinung.
Erinnerungen an Sibelius lassen sich oft nicht vermeiden, hat Sibelius doch auch massgeblich unser musikalisches Empfinden hinsichtlich nordischer Musik geprägt.

:hello
teleton (13.10.2011, 10:44):
Hallo Rachmaninov und Cetay,

da kann man mal wieder sehen wie unterschiedlich die musikalischen Eindrücke zu den Werken sein können.
Cetay´s Eindrücke sind natürlich voll zu akzeptieren.

:engel Aber gerade die Sinfonie Nr.5, die mir auch den Weg zu Tubin geebnet hatte (ich berichtete) gehört zu meinen Tubin-Lieblingssinfonien.
Ich finde gerade die 5te hat jede Menge sich entwickelnde Höhepunkte. Mich hat die Sinfonie gleich von Anfang an vom Hocker gehauen. In meiner GA greife ich öfter zu der CD mit der 5, als zu den Anderen. Aber nicht falsch verstehen - ich schätze alle 10 Sinfonien, die auch gerne gehört werden und die weiteren in den Vorbeitragen genannten Tubin-Werke.


@ Cetay
Ich denke die Sinfonie Nr.5 alleine zu hören reicht nicht aus, um beurteilen zu können ob der ganze Komponist Tubin zu deinen favorisierten Komponisten zuzurechnen ist. Ich empfehle Dir weitere Versuche mit seinen Sinfonien und uch seinen Konzerten - ganz besonders das Concertino für Klavier und Orchester (1945) !
Cetay (inaktiv) (13.10.2011, 12:09):
Original von Rachmaninov
Original von Cetay
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51HH-PB%2BaiL._SL500_AA300_.jpg
Tubin; Sinfonie 5; Järvi

Die Tubin-Tour war sicher nicht repräsentativ, aber ausreichend, um festzustellen, dass ich ihn kaum zu meinen favorisierten Komponisten rechnen werde. Das Problem: ich fühle mich an Vieles erinnert, etwa Sibelius (wie soll man die erste Hälfte des ersten Satzes der 4. Tubins hören, ohne ständig in gedanklich in die 5. von Sibelius abzugleiten?), Pettersson, Shostakovich, Nystroem, Hovhannes, höre aber keinen Personalstil, kaum großformatige Entwicklungen und vor allem fehlen mir die Großen Momente (man höre zum Vergleich Nystroems 3.), die ich bei diese Art von spät/post/neo-romantisch-expressiver Musik brauche, um nicht schnell ermüdet zu werden.
Respekt: ja, Liebe: nein.

Hallo Cetay,
durchaus eine legitime Meinung.
Erinnerungen an Sibelius lassen sich oft nicht vermeiden, hat Sibelius doch auch massgeblich unser musikalisches Empfinden hinsichtlich nordischer Musik geprägt.

:hello

Ich muss drauf hinwiesen, dass meine Meinung über Tubin auf dem ein- bis zweimaligen Hören von wenigen Werken (Sinfonien 1, 4, 5, 9, Balalaika-Konzert, Altsaxophonsonate) beruht und daher als rein geschmäcklerischer Ersteindruck zu sehen ist - deswegen hab ich es im Geradehörfaden gepostet und nicht hier. :wink

Du hast recht, für viele dürfte Sibelius die erste Erfahrung mit nordischer Musik sein, deswegen wird er auch oft als Referenzpunkt hergenommen.
Gegen stilistische Anleihen oder Zitate ist nichts einzuwenden, es geht um den mal mehr, mal weniger kreativen Umgang damit. Ein überragendes Beispiel dafür, wie man ganz bewußt auf das Sibelius-Erbe blickt und es gleichzeitig überwindet, hat Lindberg mit seinem Violinkonzert geschaffen.
Rachmaninov (13.10.2011, 14:40):
Original von Cetay
Original von Rachmaninov
Original von Cetay
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51HH-PB%2BaiL._SL500_AA300_.jpg
Tubin; Sinfonie 5; Järvi

Die Tubin-Tour war sicher nicht repräsentativ, aber ausreichend, um festzustellen, dass ich ihn kaum zu meinen favorisierten Komponisten rechnen werde. Das Problem: ich fühle mich an Vieles erinnert, etwa Sibelius (wie soll man die erste Hälfte des ersten Satzes der 4. Tubins hören, ohne ständig in gedanklich in die 5. von Sibelius abzugleiten?), Pettersson, Shostakovich, Nystroem, Hovhannes, höre aber keinen Personalstil, kaum großformatige Entwicklungen und vor allem fehlen mir die Großen Momente (man höre zum Vergleich Nystroems 3.), die ich bei diese Art von spät/post/neo-romantisch-expressiver Musik brauche, um nicht schnell ermüdet zu werden.
Respekt: ja, Liebe: nein.

Hallo Cetay,
durchaus eine legitime Meinung.
Erinnerungen an Sibelius lassen sich oft nicht vermeiden, hat Sibelius doch auch massgeblich unser musikalisches Empfinden hinsichtlich nordischer Musik geprägt.

:hello

Ich muss drauf hinwiesen, dass meine Meinung über Tubin auf dem ein- bis zweimaligen Hören von wenigen Werken (Sinfonien 1, 4, 5, 9, Balalaika-Konzert, Altsaxophonsonate) beruht und daher als rein geschmäcklerischer Ersteindruck zu sehen ist - deswegen hab ich es im Geradehörfaden gepostet und nicht hier. :wink

Du hast recht, für viele dürfte Sibelius die erste Erfahrung mit nordischer Musik sein, deswegen wird er auch oft als Referenzpunkt hergenommen.
Gegen stilistische Anleihen oder Zitate ist nichts einzuwenden, es geht um den mal mehr, mal weniger kreativen Umgang damit. Ein überragendes Beispiel dafür, wie man ganz bewußt auf das Sibelius-Erbe blickt und es gleichzeitig überwindet, hat Lindberg mit seinem Violinkonzert geschaffen.

Ich würde Dir aber dennoch noch die Violinkonzerte ans Herz legen! :hello
Sully (25.10.2011, 12:28):
Hallo Alle,

ich habe eure Beiträge zu Tubin mit Aufmerksankeit gelesen.
Alle Werke, die hier aufgeführt wurden, habe ich.

Was ich schon immer gesagt habe: Musik muß mir gefallen und berühren - und das tut Tubin's Musik.
Ich will für mich auch keine Vergleiche zu anderen Komponisten - z.B. Sibelius - ziehen.
Ich will Musik nur genießen.
Das ist meine unmaßgebliche Meinung.

Gruß Sully
Pollux (24.01.2012, 16:51):
Eines muß ich schon sagen: was Großsinfonik angeht ist für meine Ohren auf Nordolf und insbesondere Wolfgang (teleton) stets Verlass. Deshalb habe ich auch auch ohne lange nachzudenken oder vorheriges Probehören die Tubin-Box mit Neeme Järvi erworben. Die erste Sinfonie hat mir dann auch erwartungsgemäß gut gefallen, allerdings auch nicht gerade in Extase versetzt. Die zweite Sinfonie hat mich dann aber umstandslos aus den Schuhen gehauen, wenn ich das mal so flapsig formulieren darf. Dito die sechste. Usw. Alles ganz große Klasse. Und wer meint, Bruckner sei laut, sollte erst mal Tubin hören. Glücklich diejenigen, die ein alleinstehendes Haus oder wenigstens einen schallisolierten Hörraum ihr eigen nennen, denn in angemessener Lautstärke gehört - also volles Rohr - führt Tubin hören garantiert zu Ärger mit den Nachbarn.