mich überrascht, dass in Diesem Forum so gut wie nie der Name Edwin Fischer fällt. Warum ist das so?
Ich selbst kenne nur eine Aufnahme von ihm, nämlich Beethovens letztes Klavierkonzert mit Furtwängler (als auch der Pathetique): ausgezeichnet! Auch entsinne ich mich, dass die Aufnahme von Bachs Wohltemperierten Klavier, die bei Naxos wieder veröffentlicht worden ist, damals recht gelobt und wegen ihrer Einzigartigkeit – ohne genauer auszuführen, worin sie besteht – gepriesen wurde.
Hier im Forum wurde gesagt, dass er sehr menschenscheu gewesen sei, dass er hervorragende Schüler gehabt habe und dass seine Aufnahmen sehr unterschiedlich sein sollen, je nachdem, ob sie live oder studio seien (ich vermute, zugunsten des Konzertaugenblicks).
Daher nun die Frage: Habt ihr eine Vermutung, warum er kaum genannt wird? Was sind die wirklich guten Aufnahmen dieses Pianisten?
Vielen Dank!
Amadé (31.10.2006, 18:40): Lieber ab,
ja, um Edwin Fischer wird es immer stiller, viele der Jüngeren kennen ihn vielleicht nur von der von Dir erwähnten Aufnahme mit Furtwängler, dabei hat er jedoch einiges auf SChallplatten hinterlassen. Übrigens gibt es noch eine andere bekannte CD mit den Freunden Furtwängler/Edwin Fischer aus der Alten Philharmonie mit dem 2. Brahmskonzert. Leider trüben doch sehr viele Fehlgriffe den Genuss. Die Aufnahme ist eher interessant, indem sie Furtwänglers Auffassung dieses Werkes wiedergibt.
MIr gefallen am besten seine Aufnahmen mit Schubert-Werken. In den 30er Jahren spielte er die beiden Impromptu-Zyklen, die WAndererfantasie sowie die Moments musicaux ein, sehr poetisch. Die sollte man kennen, die Wandererfantasie gehört ins absolute Spitzenfeld. Dann hat er noch 1952 eine Platte mit Schubert-Liedern mit Elisabeth Schwarzkopf aufgenommen, die sehr intensiv dargeboten werden, "Du holde Kunst.....", auch diese Platte sollte man haben. Schwarzkopf gefällt mir hier viel besser, da natürlicher, als in späteren Lied- Produktionen.
Von den Beethoven-Sonaten, die teils in den 30er als auch nach dem Krieg entstanden finde ich op.110 gut. Auch einige Mozart-Konzerte sind aufgenommen, teils mit seinem Kammerorchester als auch mit Londoner Orchestern. Da gefällt mir d-moll KV 466 gut (1933),draufgängerisch, hier ist die Konkurrenz jedoch enorm.
Gruß Bernd
Ganong (31.10.2006, 19:00): Lieber ab ,
lieber amadé ,
kein Zweifel kann bestehen , dass Edwin Fischer zu den grossen Pianisten gehört hat . Einige seiner Interpretationen sind hier genannt worden ( allgemein sind wohl das Es-Dur-Konzert von Beethoven und das B-Dur-konzert von Brahms , beide mit Furtwängler , die bekanntesten Aufnahmen ) . Fischers herrlicher Bach ist ein sehr romantisierender . man muss diesen Ansatz mögen . KeinZweifel kann meiner meinung nach bestehen , dass Fischers Bach seine "Mit-Romantiker" deutlich in den Schatten stellt ( also Tureck und ihre Schüler in erster Linie ) . Fischers Impromptus von Schubert zeichnen sich durch sehr subtilen Anschlag aus , durch eher feinsinnige Analyse als durch solistisch zupackneden Interpreattionsstil aus ( EMI ) . Seine Beethovensonaten liegen mir selbst nicht so sehr ohne dass Fischers Interpreattionen nicht in den Betand der Freunde der Beethovensoanten gehörten ( da ist es ähnlich wie bei Gieseking ) .
Wer vergleichend hört und (be) wertet , der wird kaum unhinkommen , Fischer dann doch immer in der Spitzengruppe wiederzufinden . Alfred Brendel hat die CDs in der Philip-Editon mit Geschmack und stilsicher zusammengestllt . Kompliment an beide Künstler .
Grüsse ,
Frank
nubar (31.10.2006, 22:56): Liebe Forianer,
dem Namen Fischer eilt ein legendärer Ruf voraus. So kam ich dann auch dazu, mir seine schon genannte Einspielung des ES-Dur-Konzertes zuzulegen, die ich ebenfalls sehr hoch eonschätze. Auf der CD befindet sich außerdem eine Einspielung der Pathetique, die mich schon mit den Anfangsakkorden unheimlich beeindruckte. Wenn man in die Noten schaut, so steht dort als dynamische Angabe für den c-moll-Akkord ein fp. Die meisten Pianisten lassen deshalb den Akkord einfach verklingen. Doch bei Fischer, welche Unerhörtheit, gibt es einen Scharfen Kontrast zwischen forte und piano, ohne dass der Akkord noch einmal angeschlagen wird - oder vielleicht doch? Technisch habe ich bis jetzt noch keine Erklärung dafür, aber die Wirkung ist gewaltig.
Ich liebäugele schon lange mit Fischers WTK, habe es mir bis jetzt aber noch nicht zugelegt. Ich dachte statt dessen erst einmal an Koroliov oder Gulda.
Grüße, nubar
nubar (31.10.2006, 23:06): Noch eine kleine Anmerkung:
Beethoven-Czerny-Liszt-Eugene d'Albert- Fischer
Eine Linie der Interpreten von Beethovens Musik und deren Schüler; wie aussagekräftig sie ist, lässt sich nur schwer einschätzen, aber sie beeindruckt.
Grüße, nubar
ab (31.10.2006, 23:44): Original von nubar Ich liebäugele schon lange mit Fischers WTK, habe es mir bis jetzt aber noch nicht zugelegt. Ich dachte statt dessen erst einmal an Koroliov oder Gulda.
Grüße, nubar
Statt teuer bei Naxos gibt es sie auf 3 CDs derzeit beim Label Documents auf 3 CDs um etwa 7 EUR http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8951126.jpg
Ganong (01.11.2006, 17:21): Liebe Forianer ,
die bisherigen Beiträge dürften schnell bewiesen haben , dass Edwin Fischer weder vergessen ist , noch er als "mittelmässig" innerhalb der ganz Grossen einzustufen ist .
Das WTK als Geamtaufnahme ist ein wenig romantisierend , es fehlt ihn die Schärfe eines S. Richter ( für mich d i e referenzaufnahme nach wie vor ) . Insgesamt aber eine der absolzut stilsicheren und auch manuell perfekten Aufnahmen ( ohne die schrecklichen retuschen der Jetzt - zeit ) . Sehr empfehlenswert .
ich bin überzeugt , dass wir alleine durch ein aufmerksames Zuhören der Kunst und des Könnens von Edwin Fischer s e h r viel lernen können , um es im Vergleich zu anderen Pianisten in praxis umzusetzen . Auch wenn wir vielleicht seine eigenen Interpretationen nicht immer in der Spitzengruppe sehr subjektiv ansiedeln .
Der Hinweis auf Beethovens "Pathétique" reicht aber aus , um Fischers Sichergheit für eines der heikelsten Werke Beethovens herauszuhören .
Grosses Klavierspiel !
Grüsse ,
Frank
ab (31.10.2006, 14:30): Liebe Klavierfreunde,
mich überrascht, dass in Diesem Forum so gut wie nie der Name Edwin Fischer fällt. Warum ist das so?
Ich selbst kenne nur eine Aufnahme von ihm, nämlich Beethovens letztes Klavierkonzert mit Furtwängler (als auch der Pathetique): ausgezeichnet! Auch entsinne ich mich, dass die Aufnahme von Bachs Wohltemperierten Klavier, die bei Naxos wieder veröffentlicht worden ist, damals recht gelobt und wegen ihrer Einzigartigkeit – ohne genauer auszuführen, worin sie besteht – gepriesen wurde.
Hier im Forum wurde gesagt, dass er sehr menschenscheu gewesen sei, dass er hervorragende Schüler gehabt habe und dass seine Aufnahmen sehr unterschiedlich sein sollen, je nachdem, ob sie live oder studio seien (ich vermute, zugunsten des Konzertaugenblicks).
Daher nun die Frage: Habt ihr eine Vermutung, warum er kaum genannt wird? Was sind die wirklich guten Aufnahmen dieses Pianisten?
Vielen Dank!
Amadé (31.10.2006, 18:40): Lieber ab,
ja, um Edwin Fischer wird es immer stiller, viele der Jüngeren kennen ihn vielleicht nur von der von Dir erwähnten Aufnahme mit Furtwängler, dabei hat er jedoch einiges auf SChallplatten hinterlassen. Übrigens gibt es noch eine andere bekannte CD mit den Freunden Furtwängler/Edwin Fischer aus der Alten Philharmonie mit dem 2. Brahmskonzert. Leider trüben doch sehr viele Fehlgriffe den Genuss. Die Aufnahme ist eher interessant, indem sie Furtwänglers Auffassung dieses Werkes wiedergibt.
MIr gefallen am besten seine Aufnahmen mit Schubert-Werken. In den 30er Jahren spielte er die beiden Impromptu-Zyklen, die WAndererfantasie sowie die Moments musicaux ein, sehr poetisch. Die sollte man kennen, die Wandererfantasie gehört ins absolute Spitzenfeld. Dann hat er noch 1952 eine Platte mit Schubert-Liedern mit Elisabeth Schwarzkopf aufgenommen, die sehr intensiv dargeboten werden, "Du holde Kunst.....", auch diese Platte sollte man haben. Schwarzkopf gefällt mir hier viel besser, da natürlicher, als in späteren Lied- Produktionen.
Von den Beethoven-Sonaten, die teils in den 30er als auch nach dem Krieg entstanden finde ich op.110 gut. Auch einige Mozart-Konzerte sind aufgenommen, teils mit seinem Kammerorchester als auch mit Londoner Orchestern. Da gefällt mir d-moll KV 466 gut (1933),draufgängerisch, hier ist die Konkurrenz jedoch enorm.
Gruß Bernd
Ganong (31.10.2006, 19:00): Lieber ab ,
lieber amadé ,
kein Zweifel kann bestehen , dass Edwin Fischer zu den grossen Pianisten gehört hat . Einige seiner Interpretationen sind hier genannt worden ( allgemein sind wohl das Es-Dur-Konzert von Beethoven und das B-Dur-konzert von Brahms , beide mit Furtwängler , die bekanntesten Aufnahmen ) . Fischers herrlicher Bach ist ein sehr romantisierender . man muss diesen Ansatz mögen . KeinZweifel kann meiner meinung nach bestehen , dass Fischers Bach seine "Mit-Romantiker" deutlich in den Schatten stellt ( also Tureck und ihre Schüler in erster Linie ) . Fischers Impromptus von Schubert zeichnen sich durch sehr subtilen Anschlag aus , durch eher feinsinnige Analyse als durch solistisch zupackneden Interpreattionsstil aus ( EMI ) . Seine Beethovensonaten liegen mir selbst nicht so sehr ohne dass Fischers Interpreattionen nicht in den Betand der Freunde der Beethovensoanten gehörten ( da ist es ähnlich wie bei Gieseking ) .
Wer vergleichend hört und (be) wertet , der wird kaum unhinkommen , Fischer dann doch immer in der Spitzengruppe wiederzufinden . Alfred Brendel hat die CDs in der Philip-Editon mit Geschmack und stilsicher zusammengestllt . Kompliment an beide Künstler .
Grüsse ,
Frank
nubar (31.10.2006, 22:56): Liebe Forianer,
dem Namen Fischer eilt ein legendärer Ruf voraus. So kam ich dann auch dazu, mir seine schon genannte Einspielung des ES-Dur-Konzertes zuzulegen, die ich ebenfalls sehr hoch eonschätze. Auf der CD befindet sich außerdem eine Einspielung der Pathetique, die mich schon mit den Anfangsakkorden unheimlich beeindruckte. Wenn man in die Noten schaut, so steht dort als dynamische Angabe für den c-moll-Akkord ein fp. Die meisten Pianisten lassen deshalb den Akkord einfach verklingen. Doch bei Fischer, welche Unerhörtheit, gibt es einen Scharfen Kontrast zwischen forte und piano, ohne dass der Akkord noch einmal angeschlagen wird - oder vielleicht doch? Technisch habe ich bis jetzt noch keine Erklärung dafür, aber die Wirkung ist gewaltig.
Ich liebäugele schon lange mit Fischers WTK, habe es mir bis jetzt aber noch nicht zugelegt. Ich dachte statt dessen erst einmal an Koroliov oder Gulda.
Grüße, nubar
nubar (31.10.2006, 23:06): Noch eine kleine Anmerkung:
Beethoven-Czerny-Liszt-Eugene d'Albert- Fischer
Eine Linie der Interpreten von Beethovens Musik und deren Schüler; wie aussagekräftig sie ist, lässt sich nur schwer einschätzen, aber sie beeindruckt.
Grüße, nubar
ab (31.10.2006, 23:44): Original von nubar Ich liebäugele schon lange mit Fischers WTK, habe es mir bis jetzt aber noch nicht zugelegt. Ich dachte statt dessen erst einmal an Koroliov oder Gulda.
Grüße, nubar
Statt teuer bei Naxos gibt es sie auf 3 CDs derzeit beim Label Documents auf 3 CDs um etwa 7 EUR http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8951126.jpg
Ganong (01.11.2006, 17:21): Liebe Forianer ,
die bisherigen Beiträge dürften schnell bewiesen haben , dass Edwin Fischer weder vergessen ist , noch er als "mittelmässig" innerhalb der ganz Grossen einzustufen ist .
Das WTK als Geamtaufnahme ist ein wenig romantisierend , es fehlt ihn die Schärfe eines S. Richter ( für mich d i e referenzaufnahme nach wie vor ) . Insgesamt aber eine der absolzut stilsicheren und auch manuell perfekten Aufnahmen ( ohne die schrecklichen retuschen der Jetzt - zeit ) . Sehr empfehlenswert .
ich bin überzeugt , dass wir alleine durch ein aufmerksames Zuhören der Kunst und des Könnens von Edwin Fischer s e h r viel lernen können , um es im Vergleich zu anderen Pianisten in praxis umzusetzen . Auch wenn wir vielleicht seine eigenen Interpretationen nicht immer in der Spitzengruppe sehr subjektiv ansiedeln .
Der Hinweis auf Beethovens "Pathétique" reicht aber aus , um Fischers Sichergheit für eines der heikelsten Werke Beethovens herauszuhören .