ab (02.09.2006, 21:04): Liebe Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer,
wie macht ihr das eigentlich, wenn ihr ein Werk nicht kennt und es erstmalig durch eine Aufnahme hört und euch zu erschießen versucht?
In der Regel - in Ermangelung von ausreichend Zeit für das bewusste Hören - mache ich es so, dass ich die CD einlege und sehr oft sozusagen im Hintergrund, während ich anderen Tätigekten nachgehe, einfach laufen lasse. Da bleibt dann mit der Zeit viel hängen, das mir dann das bewusste Hören, wenn es dann denn endlich soweit ist, sehr erleichtert.
Das selbe, übrigens, mache ich auch gerne, wenn ich überhaupt bei jeder neuen CD, also auch bei einer mir neuen Interpretation eines mir bereits bekannten Werks.
Wie erschließt ihr euch die nch nicht bekannte Musik?
claashorst (02.09.2006, 23:12): ausgezeichneter Hinweis ! Ja, ich habe mittlerweile mir dies auch so angewöhnt. Die vielen, hervorragenden Vorstellungen von Aufnahmen hier im Forum helfen mir, schon eine kleine Auswahl dessen zu treffen, was ich meiner Seele Gutes tun kann oder einen schönen Hörgenuss als Gewinn verspricht. Die Werke an sich benötigen oft doch ein Eingewöhnen. ?( Viell. hat es mit dem Programmieren des Hörsinnes bzw- gedächtnisses zu tun, das hier Verknüpfungen zum emotionalen Erleben aufgebaut werden. Als ungeübter Hörer kann ich mich nur an prägnanten Passagen der Aufnahme orientieren und versuche dann peu a peu, die Bindegleider dazwischen nachzuhören. Es gibt also meistens Passagen, die mich als Hörer sozusagen unmittelbar "anspringen" und haften bleiben, das Gesamthafte kommt erst später. Eine meiner ersten bewussten Begegnungen mit der Klaviermusik waren mehrere Interpretationsvorstellungen durch Acoma von Tschakowsky´s 1. Klavierkonzert, wobei ich anfänglich die Einstiegspassage des ersten Satzes als dominierend verinnerlichte. Später kamm dann schon das neugierig werden auf den musikalischen Fortgang der Komposition hinzu. Kleine Details stehen anfänglich für den Gesamteindruck, während das häufige Hören dann die Lücken auffüll´t. Ich gestehe, es macht mir zB gar nichts aus , ein und dieselbe CD zwei-,drei-, viermal hintereinander zu hören. Die wechselnde Alltagssituation und das momentane "Kurz" Hörerlebnis vervollständigen sich mit der Zeit. Ab und an verspüre ich dann sogar "süchtig"machende Hörerlebnisse wie bei Mozarts Streichquartetten u.a.. Dann hat sich sozusagen der Hintergrund gefüllt, die Alltagstätigkeit findet emotional nur noch "nebenbei" statt, das Musikerleben schiebt sich in den Vordergrund (ich schwinge sozusagen in der Musik). :) CH
Holger S. (03.09.2006, 13:17): Hallo,
ich gehe anders vor. Neue Werke höre ich immer mit voller Konzentration und versuche, mir schon beim ersten Hören so viel wie möglich einzuprägen. Generell höre ich Musik fast nie nur "nebenbei", lieber höre ich weniger, aber dafür intensiver. Wichtig sind mir bei neuen Werken übrigens auch Informationen über das entsprechende Werk, evtl. auch über den Komponisten. Ein gut gemachtes Beiheft kann hierbei sehr nützlich und hilfreich sein. Oft gelingt es mir so, bereits nach einmaligem Hören einen nachhaltigen Eindruck zu bekommen. Ein Beispiel dafür: ein paar Monate, nachdem ich mir eine Aufnahme des 17. Streichquartetts von Weinberg gekauft hatte, habe ich mir eine CD mit Weinbergs 4. Sonate für Cello solo zugelegt. Obwohl ich das Quartett zu diesem Zeitpunkt erst einmal gehört hatte, war mir beim Hören der Cellosonate sofort klar, dass das Hauptthema des 1. Satzes mit dem des langsamen Satzes des Quartetts übereinstimmte. Natürlich versuche ich trotzdem, neue Stücke möglichst mehrmals zu hören, aber so viel Zeit habe ich eben nicht immer.
Viele Grüße Holger
Rachmaninov (08.09.2006, 07:58): Üblicherweise gehe ich releativ unvoreingenommen an ein neues Werk ran.
Wenn ich aber ein neues Werk hören will, also nicht wenn es zufällig im Radio läuft, dann nehme ich mir schon bewußt die Zeit und versuche das Werk zunächst einmal in seiner "Gesamtheit" zu erfassen.
Für mich ist es dabei aber wichtig, daß direkt die ersten Töne bei mir ein Interesse an dem Werk wecken. Dies erleichtert es mir deutlich mich weiter auf das Werk "ein zu lassen".
Meist lege ich anschließend die CD beiseite und es kann durchaus 1-2 Wochen vergehen bis ich die Aufnahme erneut höre.
R
Anna-Marie (08.09.2006, 10:24): Hallo, das hier ist mein erster Beitrag in diesem Forum, und ich hoffe, daß ich alles richtig mache. Um ein Werk kennenzulernen, höre ich es grade beim ersten Mal sehr genau an, weil ich den ersten Eindruck wichtig finde. Erst wenn ich die Strukturen verstanden habe, höre ich CD’s auch nebenher bei anderen Tätigkeiten, wie zum Beispiel beim Lesen oder Schreiben am Computer. Danach fange ich dann an, mehrere Aufnahmen zu vergleichen. LG, Anna-Marie
Rachmaninov (08.09.2006, 10:32): Original von Anna-Marie Hallo, das hier ist mein erster Beitrag in diesem Forum, und ich hoffe, daß ich alles richtig mache.
Willkommen im Forum :hello
Zelenka (08.09.2006, 12:23): Original von Rachmaninov Original von Anna-Marie Hallo, das hier ist mein erster Beitrag in diesem Forum, und ich hoffe, daß ich alles richtig mache.
Willkommen im Forum :hello
Auch ein herzliches Willkommen von mir!
Gruß,
Zelenka
Walter (08.09.2006, 13:03): Hallo,
ich möchte diese Frage dazu nutzen mich einmal ganz herzlich bei Euch Allen hier im Forum zu bedanken. Ich beschäftige mich nun seit ca. 3 Jahren mit klassischer Musik und durfte in dieser wirklich viele Entdeckungen machen. Normalerweise versuche ich mir für ein neues Werk Zeit zu nehmen und es bewusst und konzentriert zu hören. Erstaunlicherweise konnte ich aber auch beobachten, dass öfter mal nebenbei hören eben genau diesen Effekt des Kennenlernens bewirkt, den ab beschreibt.
Am schönsten aber ist es für mich, wenn ich mir gemeinsam mit Euren tollen Informationen und Gedanken ein Werk erarbeiten kann. Ich kann durch die Hinweise schon von Anfang an auf die interessanten Punkte achten und es macht Spass die Empfindungen von Euch nachzuvollziehen.
Leider steht mein PC nicht im gleichen Raum wie meine Anlage - aus klangtechnischen, praktischen und ästhetischen Gründen werde ich das auch so lassen!
Gruß :hello
satie (08.09.2006, 21:06): Als Musiker muss ich mich hier auch zu Wort melden. Es ist bei mir so, dass ich extrem selten überhaupt Musik von CDs höre. Selten ist es denkbar, dass ich Musik nebenbei höre. Lustigerweise mache ich das meistens, wenn ich am Computer meine Stücke ins Reine schreibe (wahrscheinlich brauche ich da eine andere Ebene, um mich nicht zu sehr zu konzentrieren...ich weiß es nicht). Wenn ich also neue Werke höre, dann meistens im Konzertsaal. Aufgrund meiner Ausbildung und Erfahrung sind mir gewisse formale Zusammenhänge sehr leicht erschließbar, auch harmonisch kann ich bei Musik bis zur Spätromantik noch vieles sozusagen in Echtzeit registrieren. Allerdings ist fraglich, was die Essenz eines Werkes ist. Manchmal höre ich nur auf den Klang oder auf Entwicklungen, melodische Linien, manchmal kann ich bestimmte intervallische Gesetzmäßigkeiten erkennen. Bei vielen Stücken allerdigs höre ich einfach nur. Mir ist alles greifbare dann vollkommen wurscht. Das ist bei meinen liebsten Stücken der Fall. Da ist einfach eine Art von Resonanz in mir, anders kann ich das nicht ausdrücken. Natürlich: wenn mir ein Stück in diesem Sinne gefällt, dann will ich es auch genauer wissen, mitunter durch genaue Analysen etc. Die Essenz eines Werkes bleibt in meinen Augen allerdings immer dahinter verborgen. Sie ist teilweise beschreibbar, aber analysieren kann ich sei meistens nicht. Wenn ich ein Werk auf CD höre brauche ich Ruhe (oft muss ich Kopfhörer benutzen, weil ich sonst abgelenkt werde). Ansonsten entspricht mein Zugang dem oben erwähnten, nur dass beim Live-Konzert natürlich noch viel mehr Ebenen dazukommen (insbesondere die Optik und auch Gerüche, Nebengeräusche etc.).
Satie
ab (08.09.2006, 21:23): Original von Satie
Da ist einfach eine Art von Resonanz in mir
Die Essenz eines Werkes bleibt in meinen Augen allerdings immer dahinter verborgen. Sie ist teilweise beschreibbar, aber analysieren kann ich sei meistens nicht.
Das mit der "Resonanz" gefällt mir! Ich erlebe das auch so.
Hat das, was Du hier "Essenz" nennst, etwas mit dem Ausdruck der Musik zu tun?
satie (08.09.2006, 22:05): Original von ab Original von Satie
Da ist einfach eine Art von Resonanz in mir
Die Essenz eines Werkes bleibt in meinen Augen allerdings immer dahinter verborgen. Sie ist teilweise beschreibbar, aber analysieren kann ich sei meistens nicht.
Das mit der "Resonanz" gefällt mir! Ich erlebe das auch so.
Hat das, was Du hier "Essenz" nennst, etwas mit dem Ausdruck der Musik zu tun?
Lieber ab, ich weiß nicht genau, ob ich es Ausdruck nennen soll, aber ich bin mir nicht sicher, ob es einen treffenden Begriff gibt. Ich würde vielleicht sagen: die Seele des Werks, die sich zwischen den Klängen, in ihnen (tiefer in ihnen) oder hinter ihnen genauso wie unmittelbar durch sie offenbart. Ausdruck gefällt mir deshalb nicht so gut, weil das auch so etwas wie einen Affekt meinen könnte, der das Stück dominiert. Ich meine etwas ungreifbareres, das noch verborgener ist als der Ausdruck (in diesem Sinne), sich och weniger definieren lässt. Im Grunde einfach "etwas", von dem ich genau weiß, dass es diese Essenz ist, obwohl ich keine Ahnung habe, wie ich es näher beschreiben sollte. Ich hoffe das ist nicht zu esoterisch... Aber ich denke, da ist etwas, das auf einer verborgenen Ebene sich befindet und das Stück zu dem macht, was es ist.Ich habe keine Ahnung, ob einem Komponisten so etwas bewusst sin kann (obwohl ich selbst einer bin). Wenn ich schreibe, habe ich sehr viele Vorstellungen und ich kann doch besser als sonst jemand mein Stück beschreiben und über die Klänge und die Form sprechen. Und trotzdem: selbst bei meinen eigenen Stücken ist da mitunter diese Ebene spürbar. Ich habe das auch von aderen gehört, die sich durch eines meiner Stücke gereinigt oder beruhigt fühlten (andere fanden es vielleicht öde oder auch kalt). Kann man irgendwie nachvollziehen, was ich meine? Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich hier wirr rede... Mancher würde vielleicht von einem poetischen Gehalt sprechen, aber selbst da bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich dasselbe ist. Es mag durchaus auch sein, dass diese Essenz mit der Interpretation stark zusammenhängt und nur ein sensibler Interpret ein Stück daher gut spielen kann. Ich vermute, dass die Wahrnehmung dieser Essenz sehr subjektiv ist. Aber werweiß....
Satie
ab (08.09.2006, 23:29): Um richtig zu verstehen: Meinst du dann wirklich die Essenz eines Werkes, oder nicht viel mehr die Essenz einer Komponistin oder eines Komponisten, die sich dann in ihrem oder seinen Werken (mehr oder wenig deutlich oder gut) zeigt?
satie (09.09.2006, 09:19): Original von ab Um richtig zu verstehen: Meinst du dann wirklich die Essenz eines Werkes, oder nicht viel mehr die Essenz einer Komponistin oder eines Komponisten, die sich dann in ihrem oder seinen Werken (mehr oder wenig deutlich oder gut) zeigt?
Ja, wahrscheinlich meine ich das, bzw. wahrscheinlich ist das für mich identisch.
Gruß Satie
cellodil (14.11.2006, 22:48): Original von Satie Bei vielen Stücken allerdigs höre ich einfach nur. Mir ist alles greifbare dann vollkommen wurscht. Das ist bei meinen liebsten Stücken der Fall. Da ist einfach eine Art von Resonanz in mir, anders kann ich das nicht ausdrücken. Natürlich: wenn mir ein Stück in diesem Sinne gefällt, dann will ich es auch genauer wissen, mitunter durch genaue Analysen etc. Die Essenz eines Werkes bleibt in meinen Augen allerdings immer dahinter verborgen. Sie ist teilweise beschreibbar, aber analysieren kann ich sei meistens nicht.
Original von Satie ich weiß nicht genau, ob ich es Ausdruck nennen soll, aber ich bin mir nicht sicher, ob es einen treffenden Begriff gibt. Ich würde vielleicht sagen: die Seele des Werks, die sich zwischen den Klängen, in ihnen (tiefer in ihnen) oder hinter ihnen genauso wie unmittelbar durch sie offenbart. Ausdruck gefällt mir deshalb nicht so gut, weil das auch so etwas wie einen Affekt meinen könnte, der das Stück dominiert. Ich meine etwas ungreifbareres, das noch verborgener ist als der Ausdruck (in diesem Sinne), sich och weniger definieren lässt. Im Grunde einfach "etwas", von dem ich genau weiß, dass es diese Essenz ist, obwohl ich keine Ahnung habe, wie ich es näher beschreiben sollte. Ich hoffe das ist nicht zu esoterisch... Aber ich denke, da ist etwas, das auf einer verborgenen Ebene sich befindet und das Stück zu dem macht, was es ist.Ich habe keine Ahnung, ob einem Komponisten so etwas bewusst sin kann (obwohl ich selbst einer bin). Wenn ich schreibe, habe ich sehr viele Vorstellungen und ich kann doch besser als sonst jemand mein Stück beschreiben und über die Klänge und die Form sprechen. Und trotzdem: selbst bei meinen eigenen Stücken ist da mitunter diese Ebene spürbar. Ich habe das auch von aderen gehört, die sich durch eines meiner Stücke gereinigt oder beruhigt fühlten (andere fanden es vielleicht öde oder auch kalt). Kann man irgendwie nachvollziehen, was ich meine? Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich hier wirr rede...
Lieber Satie,
eine späte Reaktion auf Deine Beiträge, über die ich - leider - gerade eben erst gestolpert bin. Schade, dass ich sie nicht schon früher gelesen habe. Ich finde das ganz und gar nicht wirr, sondern habe im Gegenteil den Eindruck, dass Du das hier ganz wunderbar benennst, worüber ich bei meinen Annäherungsversuchen an anderer Stelle ("Über Musik reden?") mühsam herumgestottert habe...
Habe, wenn ich Deine Texte lese, das Gefühl: Genau, das ist es!!! Heureka!
Hätte ich mich also gar nicht mit wirrer Thesenbildung über Unbenennbares und eine mögliche Erklärung der Resonanz beim Hörer mühen müssen...
Und das Wort "Essenz" gefällt mir in diesem Zusammenhang doch auch viel besser als mein Gedanke an "Tiefenstruktur".
Ziemlich interessant finde ich die Frage, ob diese "Essenz" dem Komponisten bewusst sein kann. Ich glaube, das ist vielleicht auch noch eine Frage des Zeitpunkts. Würde mal vermuten, wenn überhaupt, dann eher im Rückblick als im aktuellen Schaffensprozess. Zumindest habe ich diese Erfahrung bei der Arbeit an (fiktionalen) Texten (eigenen und fremden) gemacht. Ich vermute auch, dass es in der Regel doch eher etwas Unbewusstes oder Vorbewusstes ist, was da einfließt. Oder vielleicht auch das, was einen zu genau diesem Werk zieht/führt/treibt...
Das, was Du von Deinen liebsten Stücken schreibst, kann ich auch gut nachvollziehen. Mir geht das bei Filmen/Texten so (bei Musik sind meine analytischen Fähigkeiten sehr begrenzt)... Wenn sie mich berühren, packen,... dann schaltet sich die analytische Ebene vorübergehend aus. Analysiert wird dann erst danach oder bei einem zweiten Anlauf. Andersrum ist es mit einem Film/Buch für mich nicht so weit her, wenn ich die ganze Zeit auf der analytischen Ebene bleibe(n kann).
Herzliche Grüße
Sabine
satie (15.11.2006, 20:16): Liebe Sabine,
ich danke Dir herzlich für das Kompliment. Es ist schön, auch nach längerer Zeit wieder eine Reaktion zu älteren Beiträgen zu lesen. Viel zu oft starten wir neue Themen und vergessen die alten. Aber das ist auch ein Problem des Mediums, bzw. kein Problem sondern einfach eine Eigenheit. Diese Essenz kann übrigens durchaus beim Schreiben auch gespürt werden, sofern der Komponist innerlich hörend schreibt (was überhaupt keine Bedingung ist). Das innere Hören lenkt das Schreiben, und während man immer wieder zurückgeht und von neuem versucht, das Stück auszuhören, kann man die Essenz des Stücks fühlen. Ich hatte das Erlebnis auch schon so, dass ich die Essenz (das, was sie für mich persönlich war) vor dem Schreiben spürte und dann irgendwie erfühlen musste, wie ich das aufschreiben kann (nicht die Essenz aufschreiben, sondern das, wodruch sie dann später wieder fühlbar werden sollte). Aber das sind rare Momente, und die stellen sich nur ein, wenn ich ganz ganz tief in der Musik bin. Es bleibt schwer zu beschreiben und geht vielleicht in eine mystisch-religiöse Ebene hinein. Sicher klingen meine Formulierungen hier etwas esoterisch, aber ich lasse mich mal auf das Wagnis ein. Sachlich bin ich oft genug...
Herzlichst
S A T I E
cellodil (16.11.2006, 20:23): Original von Satie Diese Essenz kann übrigens durchaus beim Schreiben auch gespürt werden, sofern der Komponist innerlich hörend schreibt (was überhaupt keine Bedingung ist). Das innere Hören lenkt das Schreiben, und während man immer wieder zurückgeht und von neuem versucht, das Stück auszuhören, kann man die Essenz des Stücks fühlen. Ich hatte das Erlebnis auch schon so, dass ich die Essenz (das, was sie für mich persönlich war) vor dem Schreiben spürte und dann irgendwie erfühlen musste, wie ich das aufschreiben kann (nicht die Essenz aufschreiben, sondern das, wodruch sie dann später wieder fühlbar werden sollte). Aber das sind rare Momente, und die stellen sich nur ein, wenn ich ganz ganz tief in der Musik bin. Es bleibt schwer zu beschreiben und geht vielleicht in eine mystisch-religiöse Ebene hinein. Sicher klingen meine Formulierungen hier etwas esoterisch, aber ich lasse mich mal auf das Wagnis ein. Sachlich bin ich oft genug...
Lieber Satie,
Danke, dass Du diese Erfahrung (mit-)teilst. Ich glaube, ich kann mir das - jedenfalls ahnungsweise - vorstellen und finde diese Vorstellung beim Versuch, etwas über das Unbenennbare zu erfahren, sehr hilfreich.
Wenn ich darf, würde ich Dir bei Gelegenheit dazu gerne noch ein paar Fragen stellen...
Herzliche Grüße
Sabine
Rachmaninov (19.12.2006, 12:05): In den letzten 2-3 Wochen habe ich mich sehr intensiv mit dem 1. Violinenkonzert von D. Schostakowitsch auseinander gesetzt.
Mittlerweile kenne ich es so gut, daß ich behaupte es "beim mithören" auswendig zu kennen.
Dies erleichtert uungemein das Zuhören und ermöglicht eine Konzentration auf die Interpretation. Natürlich besteht die Gefahr das man sich "satt" hört. :B
Ob ich das Konzert nur wirklich kennengelernt habe weiss ich nicht, jedoch führt eine derart intensive Beschäftigung doch an ein Werkverständnis ran und damit mehr und mehr zu einer eigenen "Vision" wie man sich das Werk als Interpretation selber vorstellt!
cellodil (19.12.2006, 12:54): Original von Rachmaninov In den letzten 2-3 Wochen habe ich mich sehr intensiv mit dem 1. Violinenkonzert von D. Schostakowitsch auseinander gesetzt.
Mittlerweile kenne ich es so gut, daß ich behaupte es "beim mithören" auswendig zu kennen.
Dies erleichtert uungemein das Zuhören und ermöglicht eine Konzentration auf die Interpretation. Natürlich besteht die Gefahr das man sich "satt" hört. :B
Ob ich das Konzert nur wirklich kennengelernt habe weiss ich nicht, jedoch führt eine derart intensive Beschäftigung doch an ein Werkverständnis ran und damit mehr und mehr zu einer eigenen "Vision" wie man sich das Werk als Interpretation selber vorstellt!
Liest Du dabei die Partitur?
Ich habe das Gefühl, dass ich beim Mitlesen in der Partitur (zumindest, wenn es sich nicht um Kammermusik handelt, da brauche ich das nicht unbedingt) leichter ein Verständnis (auch für die verschiedenen Interpretationsansätze) entwickeln kann, als wenn ich nur zuhöre. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich da dann wirklich konzentriert zuhöre.
Grüße
Sabine
Rachmaninov (19.12.2006, 12:55): @cellodil,
ich lese nie die Partitur! :D
cellodil (19.12.2006, 13:00): Original von Rachmaninov @cellodil,
ich lese nie die Partitur! :D
Dann scheinst Du ein herausragendes Gehör zu besitzen... Mir entgeht beim "nur" Hören (wobei ich es aber bei den allermeisten Werken aber auch bewenden lasse) doch immer einiges...
Herzliche Grüße
Sabine
Rachmaninov (19.12.2006, 13:02): Original von cellodil Original von Rachmaninov @cellodil,
ich lese nie die Partitur! :D
Dann scheinst Du ein herausragendes Gehör zu besitzen... Mir entgeht beim "nur" Hören (wobei ich es aber bei den allermeisten Werken aber auch bewenden lasse) doch immer einiges...
Herzliche Grüße
Sabine
Denke eher ich besitze ein "normales" Gehör aber bei ~80 Hören des Konzerts sollte man dann so langsam alles mitbekommen :ignore
cellodil (19.12.2006, 13:12): Ich glaube, Du hast recht, das geht da gar nicht ums Hören. Klar ist das ein Werk nach mehrmaligem Hören irgendwie präsent...
Herzliche Grüße (auch an die geschätzten Ohren)
Sabine
ab (02.09.2006, 21:04): Liebe Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer,
wie macht ihr das eigentlich, wenn ihr ein Werk nicht kennt und es erstmalig durch eine Aufnahme hört und euch zu erschießen versucht?
In der Regel - in Ermangelung von ausreichend Zeit für das bewusste Hören - mache ich es so, dass ich die CD einlege und sehr oft sozusagen im Hintergrund, während ich anderen Tätigekten nachgehe, einfach laufen lasse. Da bleibt dann mit der Zeit viel hängen, das mir dann das bewusste Hören, wenn es dann denn endlich soweit ist, sehr erleichtert.
Das selbe, übrigens, mache ich auch gerne, wenn ich überhaupt bei jeder neuen CD, also auch bei einer mir neuen Interpretation eines mir bereits bekannten Werks.
Wie erschließt ihr euch die nch nicht bekannte Musik?
claashorst (02.09.2006, 23:12): ausgezeichneter Hinweis ! Ja, ich habe mittlerweile mir dies auch so angewöhnt. Die vielen, hervorragenden Vorstellungen von Aufnahmen hier im Forum helfen mir, schon eine kleine Auswahl dessen zu treffen, was ich meiner Seele Gutes tun kann oder einen schönen Hörgenuss als Gewinn verspricht. Die Werke an sich benötigen oft doch ein Eingewöhnen. ?( Viell. hat es mit dem Programmieren des Hörsinnes bzw- gedächtnisses zu tun, das hier Verknüpfungen zum emotionalen Erleben aufgebaut werden. Als ungeübter Hörer kann ich mich nur an prägnanten Passagen der Aufnahme orientieren und versuche dann peu a peu, die Bindegleider dazwischen nachzuhören. Es gibt also meistens Passagen, die mich als Hörer sozusagen unmittelbar "anspringen" und haften bleiben, das Gesamthafte kommt erst später. Eine meiner ersten bewussten Begegnungen mit der Klaviermusik waren mehrere Interpretationsvorstellungen durch Acoma von Tschakowsky´s 1. Klavierkonzert, wobei ich anfänglich die Einstiegspassage des ersten Satzes als dominierend verinnerlichte. Später kamm dann schon das neugierig werden auf den musikalischen Fortgang der Komposition hinzu. Kleine Details stehen anfänglich für den Gesamteindruck, während das häufige Hören dann die Lücken auffüll´t. Ich gestehe, es macht mir zB gar nichts aus , ein und dieselbe CD zwei-,drei-, viermal hintereinander zu hören. Die wechselnde Alltagssituation und das momentane "Kurz" Hörerlebnis vervollständigen sich mit der Zeit. Ab und an verspüre ich dann sogar "süchtig"machende Hörerlebnisse wie bei Mozarts Streichquartetten u.a.. Dann hat sich sozusagen der Hintergrund gefüllt, die Alltagstätigkeit findet emotional nur noch "nebenbei" statt, das Musikerleben schiebt sich in den Vordergrund (ich schwinge sozusagen in der Musik). :) CH
Holger S. (03.09.2006, 13:17): Hallo,
ich gehe anders vor. Neue Werke höre ich immer mit voller Konzentration und versuche, mir schon beim ersten Hören so viel wie möglich einzuprägen. Generell höre ich Musik fast nie nur "nebenbei", lieber höre ich weniger, aber dafür intensiver. Wichtig sind mir bei neuen Werken übrigens auch Informationen über das entsprechende Werk, evtl. auch über den Komponisten. Ein gut gemachtes Beiheft kann hierbei sehr nützlich und hilfreich sein. Oft gelingt es mir so, bereits nach einmaligem Hören einen nachhaltigen Eindruck zu bekommen. Ein Beispiel dafür: ein paar Monate, nachdem ich mir eine Aufnahme des 17. Streichquartetts von Weinberg gekauft hatte, habe ich mir eine CD mit Weinbergs 4. Sonate für Cello solo zugelegt. Obwohl ich das Quartett zu diesem Zeitpunkt erst einmal gehört hatte, war mir beim Hören der Cellosonate sofort klar, dass das Hauptthema des 1. Satzes mit dem des langsamen Satzes des Quartetts übereinstimmte. Natürlich versuche ich trotzdem, neue Stücke möglichst mehrmals zu hören, aber so viel Zeit habe ich eben nicht immer.
Viele Grüße Holger
Rachmaninov (08.09.2006, 07:58): Üblicherweise gehe ich releativ unvoreingenommen an ein neues Werk ran.
Wenn ich aber ein neues Werk hören will, also nicht wenn es zufällig im Radio läuft, dann nehme ich mir schon bewußt die Zeit und versuche das Werk zunächst einmal in seiner "Gesamtheit" zu erfassen.
Für mich ist es dabei aber wichtig, daß direkt die ersten Töne bei mir ein Interesse an dem Werk wecken. Dies erleichtert es mir deutlich mich weiter auf das Werk "ein zu lassen".
Meist lege ich anschließend die CD beiseite und es kann durchaus 1-2 Wochen vergehen bis ich die Aufnahme erneut höre.
R
Anna-Marie (08.09.2006, 10:24): Hallo, das hier ist mein erster Beitrag in diesem Forum, und ich hoffe, daß ich alles richtig mache. Um ein Werk kennenzulernen, höre ich es grade beim ersten Mal sehr genau an, weil ich den ersten Eindruck wichtig finde. Erst wenn ich die Strukturen verstanden habe, höre ich CD’s auch nebenher bei anderen Tätigkeiten, wie zum Beispiel beim Lesen oder Schreiben am Computer. Danach fange ich dann an, mehrere Aufnahmen zu vergleichen. LG, Anna-Marie
Rachmaninov (08.09.2006, 10:32): Original von Anna-Marie Hallo, das hier ist mein erster Beitrag in diesem Forum, und ich hoffe, daß ich alles richtig mache.
Willkommen im Forum :hello
Zelenka (08.09.2006, 12:23): Original von Rachmaninov Original von Anna-Marie Hallo, das hier ist mein erster Beitrag in diesem Forum, und ich hoffe, daß ich alles richtig mache.
Willkommen im Forum :hello
Auch ein herzliches Willkommen von mir!
Gruß,
Zelenka
Walter (08.09.2006, 13:03): Hallo,
ich möchte diese Frage dazu nutzen mich einmal ganz herzlich bei Euch Allen hier im Forum zu bedanken. Ich beschäftige mich nun seit ca. 3 Jahren mit klassischer Musik und durfte in dieser wirklich viele Entdeckungen machen. Normalerweise versuche ich mir für ein neues Werk Zeit zu nehmen und es bewusst und konzentriert zu hören. Erstaunlicherweise konnte ich aber auch beobachten, dass öfter mal nebenbei hören eben genau diesen Effekt des Kennenlernens bewirkt, den ab beschreibt.
Am schönsten aber ist es für mich, wenn ich mir gemeinsam mit Euren tollen Informationen und Gedanken ein Werk erarbeiten kann. Ich kann durch die Hinweise schon von Anfang an auf die interessanten Punkte achten und es macht Spass die Empfindungen von Euch nachzuvollziehen.
Leider steht mein PC nicht im gleichen Raum wie meine Anlage - aus klangtechnischen, praktischen und ästhetischen Gründen werde ich das auch so lassen!
Gruß :hello
satie (08.09.2006, 21:06): Als Musiker muss ich mich hier auch zu Wort melden. Es ist bei mir so, dass ich extrem selten überhaupt Musik von CDs höre. Selten ist es denkbar, dass ich Musik nebenbei höre. Lustigerweise mache ich das meistens, wenn ich am Computer meine Stücke ins Reine schreibe (wahrscheinlich brauche ich da eine andere Ebene, um mich nicht zu sehr zu konzentrieren...ich weiß es nicht). Wenn ich also neue Werke höre, dann meistens im Konzertsaal. Aufgrund meiner Ausbildung und Erfahrung sind mir gewisse formale Zusammenhänge sehr leicht erschließbar, auch harmonisch kann ich bei Musik bis zur Spätromantik noch vieles sozusagen in Echtzeit registrieren. Allerdings ist fraglich, was die Essenz eines Werkes ist. Manchmal höre ich nur auf den Klang oder auf Entwicklungen, melodische Linien, manchmal kann ich bestimmte intervallische Gesetzmäßigkeiten erkennen. Bei vielen Stücken allerdigs höre ich einfach nur. Mir ist alles greifbare dann vollkommen wurscht. Das ist bei meinen liebsten Stücken der Fall. Da ist einfach eine Art von Resonanz in mir, anders kann ich das nicht ausdrücken. Natürlich: wenn mir ein Stück in diesem Sinne gefällt, dann will ich es auch genauer wissen, mitunter durch genaue Analysen etc. Die Essenz eines Werkes bleibt in meinen Augen allerdings immer dahinter verborgen. Sie ist teilweise beschreibbar, aber analysieren kann ich sei meistens nicht. Wenn ich ein Werk auf CD höre brauche ich Ruhe (oft muss ich Kopfhörer benutzen, weil ich sonst abgelenkt werde). Ansonsten entspricht mein Zugang dem oben erwähnten, nur dass beim Live-Konzert natürlich noch viel mehr Ebenen dazukommen (insbesondere die Optik und auch Gerüche, Nebengeräusche etc.).
Satie
ab (08.09.2006, 21:23): Original von Satie
Da ist einfach eine Art von Resonanz in mir
Die Essenz eines Werkes bleibt in meinen Augen allerdings immer dahinter verborgen. Sie ist teilweise beschreibbar, aber analysieren kann ich sei meistens nicht.
Das mit der "Resonanz" gefällt mir! Ich erlebe das auch so.
Hat das, was Du hier "Essenz" nennst, etwas mit dem Ausdruck der Musik zu tun?
satie (08.09.2006, 22:05): Original von ab Original von Satie
Da ist einfach eine Art von Resonanz in mir
Die Essenz eines Werkes bleibt in meinen Augen allerdings immer dahinter verborgen. Sie ist teilweise beschreibbar, aber analysieren kann ich sei meistens nicht.
Das mit der "Resonanz" gefällt mir! Ich erlebe das auch so.
Hat das, was Du hier "Essenz" nennst, etwas mit dem Ausdruck der Musik zu tun?
Lieber ab, ich weiß nicht genau, ob ich es Ausdruck nennen soll, aber ich bin mir nicht sicher, ob es einen treffenden Begriff gibt. Ich würde vielleicht sagen: die Seele des Werks, die sich zwischen den Klängen, in ihnen (tiefer in ihnen) oder hinter ihnen genauso wie unmittelbar durch sie offenbart. Ausdruck gefällt mir deshalb nicht so gut, weil das auch so etwas wie einen Affekt meinen könnte, der das Stück dominiert. Ich meine etwas ungreifbareres, das noch verborgener ist als der Ausdruck (in diesem Sinne), sich och weniger definieren lässt. Im Grunde einfach "etwas", von dem ich genau weiß, dass es diese Essenz ist, obwohl ich keine Ahnung habe, wie ich es näher beschreiben sollte. Ich hoffe das ist nicht zu esoterisch... Aber ich denke, da ist etwas, das auf einer verborgenen Ebene sich befindet und das Stück zu dem macht, was es ist.Ich habe keine Ahnung, ob einem Komponisten so etwas bewusst sin kann (obwohl ich selbst einer bin). Wenn ich schreibe, habe ich sehr viele Vorstellungen und ich kann doch besser als sonst jemand mein Stück beschreiben und über die Klänge und die Form sprechen. Und trotzdem: selbst bei meinen eigenen Stücken ist da mitunter diese Ebene spürbar. Ich habe das auch von aderen gehört, die sich durch eines meiner Stücke gereinigt oder beruhigt fühlten (andere fanden es vielleicht öde oder auch kalt). Kann man irgendwie nachvollziehen, was ich meine? Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich hier wirr rede... Mancher würde vielleicht von einem poetischen Gehalt sprechen, aber selbst da bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich dasselbe ist. Es mag durchaus auch sein, dass diese Essenz mit der Interpretation stark zusammenhängt und nur ein sensibler Interpret ein Stück daher gut spielen kann. Ich vermute, dass die Wahrnehmung dieser Essenz sehr subjektiv ist. Aber werweiß....
Satie
ab (08.09.2006, 23:29): Um richtig zu verstehen: Meinst du dann wirklich die Essenz eines Werkes, oder nicht viel mehr die Essenz einer Komponistin oder eines Komponisten, die sich dann in ihrem oder seinen Werken (mehr oder wenig deutlich oder gut) zeigt?
satie (09.09.2006, 09:19): Original von ab Um richtig zu verstehen: Meinst du dann wirklich die Essenz eines Werkes, oder nicht viel mehr die Essenz einer Komponistin oder eines Komponisten, die sich dann in ihrem oder seinen Werken (mehr oder wenig deutlich oder gut) zeigt?
Ja, wahrscheinlich meine ich das, bzw. wahrscheinlich ist das für mich identisch.
Gruß Satie
cellodil (14.11.2006, 22:48): Original von Satie Bei vielen Stücken allerdigs höre ich einfach nur. Mir ist alles greifbare dann vollkommen wurscht. Das ist bei meinen liebsten Stücken der Fall. Da ist einfach eine Art von Resonanz in mir, anders kann ich das nicht ausdrücken. Natürlich: wenn mir ein Stück in diesem Sinne gefällt, dann will ich es auch genauer wissen, mitunter durch genaue Analysen etc. Die Essenz eines Werkes bleibt in meinen Augen allerdings immer dahinter verborgen. Sie ist teilweise beschreibbar, aber analysieren kann ich sei meistens nicht.
Original von Satie ich weiß nicht genau, ob ich es Ausdruck nennen soll, aber ich bin mir nicht sicher, ob es einen treffenden Begriff gibt. Ich würde vielleicht sagen: die Seele des Werks, die sich zwischen den Klängen, in ihnen (tiefer in ihnen) oder hinter ihnen genauso wie unmittelbar durch sie offenbart. Ausdruck gefällt mir deshalb nicht so gut, weil das auch so etwas wie einen Affekt meinen könnte, der das Stück dominiert. Ich meine etwas ungreifbareres, das noch verborgener ist als der Ausdruck (in diesem Sinne), sich och weniger definieren lässt. Im Grunde einfach "etwas", von dem ich genau weiß, dass es diese Essenz ist, obwohl ich keine Ahnung habe, wie ich es näher beschreiben sollte. Ich hoffe das ist nicht zu esoterisch... Aber ich denke, da ist etwas, das auf einer verborgenen Ebene sich befindet und das Stück zu dem macht, was es ist.Ich habe keine Ahnung, ob einem Komponisten so etwas bewusst sin kann (obwohl ich selbst einer bin). Wenn ich schreibe, habe ich sehr viele Vorstellungen und ich kann doch besser als sonst jemand mein Stück beschreiben und über die Klänge und die Form sprechen. Und trotzdem: selbst bei meinen eigenen Stücken ist da mitunter diese Ebene spürbar. Ich habe das auch von aderen gehört, die sich durch eines meiner Stücke gereinigt oder beruhigt fühlten (andere fanden es vielleicht öde oder auch kalt). Kann man irgendwie nachvollziehen, was ich meine? Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich hier wirr rede...
Lieber Satie,
eine späte Reaktion auf Deine Beiträge, über die ich - leider - gerade eben erst gestolpert bin. Schade, dass ich sie nicht schon früher gelesen habe. Ich finde das ganz und gar nicht wirr, sondern habe im Gegenteil den Eindruck, dass Du das hier ganz wunderbar benennst, worüber ich bei meinen Annäherungsversuchen an anderer Stelle ("Über Musik reden?") mühsam herumgestottert habe...
Habe, wenn ich Deine Texte lese, das Gefühl: Genau, das ist es!!! Heureka!
Hätte ich mich also gar nicht mit wirrer Thesenbildung über Unbenennbares und eine mögliche Erklärung der Resonanz beim Hörer mühen müssen...
Und das Wort "Essenz" gefällt mir in diesem Zusammenhang doch auch viel besser als mein Gedanke an "Tiefenstruktur".
Ziemlich interessant finde ich die Frage, ob diese "Essenz" dem Komponisten bewusst sein kann. Ich glaube, das ist vielleicht auch noch eine Frage des Zeitpunkts. Würde mal vermuten, wenn überhaupt, dann eher im Rückblick als im aktuellen Schaffensprozess. Zumindest habe ich diese Erfahrung bei der Arbeit an (fiktionalen) Texten (eigenen und fremden) gemacht. Ich vermute auch, dass es in der Regel doch eher etwas Unbewusstes oder Vorbewusstes ist, was da einfließt. Oder vielleicht auch das, was einen zu genau diesem Werk zieht/führt/treibt...
Das, was Du von Deinen liebsten Stücken schreibst, kann ich auch gut nachvollziehen. Mir geht das bei Filmen/Texten so (bei Musik sind meine analytischen Fähigkeiten sehr begrenzt)... Wenn sie mich berühren, packen,... dann schaltet sich die analytische Ebene vorübergehend aus. Analysiert wird dann erst danach oder bei einem zweiten Anlauf. Andersrum ist es mit einem Film/Buch für mich nicht so weit her, wenn ich die ganze Zeit auf der analytischen Ebene bleibe(n kann).
Herzliche Grüße
Sabine
satie (15.11.2006, 20:16): Liebe Sabine,
ich danke Dir herzlich für das Kompliment. Es ist schön, auch nach längerer Zeit wieder eine Reaktion zu älteren Beiträgen zu lesen. Viel zu oft starten wir neue Themen und vergessen die alten. Aber das ist auch ein Problem des Mediums, bzw. kein Problem sondern einfach eine Eigenheit. Diese Essenz kann übrigens durchaus beim Schreiben auch gespürt werden, sofern der Komponist innerlich hörend schreibt (was überhaupt keine Bedingung ist). Das innere Hören lenkt das Schreiben, und während man immer wieder zurückgeht und von neuem versucht, das Stück auszuhören, kann man die Essenz des Stücks fühlen. Ich hatte das Erlebnis auch schon so, dass ich die Essenz (das, was sie für mich persönlich war) vor dem Schreiben spürte und dann irgendwie erfühlen musste, wie ich das aufschreiben kann (nicht die Essenz aufschreiben, sondern das, wodruch sie dann später wieder fühlbar werden sollte). Aber das sind rare Momente, und die stellen sich nur ein, wenn ich ganz ganz tief in der Musik bin. Es bleibt schwer zu beschreiben und geht vielleicht in eine mystisch-religiöse Ebene hinein. Sicher klingen meine Formulierungen hier etwas esoterisch, aber ich lasse mich mal auf das Wagnis ein. Sachlich bin ich oft genug...
Herzlichst
S A T I E
cellodil (16.11.2006, 20:23): Original von Satie Diese Essenz kann übrigens durchaus beim Schreiben auch gespürt werden, sofern der Komponist innerlich hörend schreibt (was überhaupt keine Bedingung ist). Das innere Hören lenkt das Schreiben, und während man immer wieder zurückgeht und von neuem versucht, das Stück auszuhören, kann man die Essenz des Stücks fühlen. Ich hatte das Erlebnis auch schon so, dass ich die Essenz (das, was sie für mich persönlich war) vor dem Schreiben spürte und dann irgendwie erfühlen musste, wie ich das aufschreiben kann (nicht die Essenz aufschreiben, sondern das, wodruch sie dann später wieder fühlbar werden sollte). Aber das sind rare Momente, und die stellen sich nur ein, wenn ich ganz ganz tief in der Musik bin. Es bleibt schwer zu beschreiben und geht vielleicht in eine mystisch-religiöse Ebene hinein. Sicher klingen meine Formulierungen hier etwas esoterisch, aber ich lasse mich mal auf das Wagnis ein. Sachlich bin ich oft genug...
Lieber Satie,
Danke, dass Du diese Erfahrung (mit-)teilst. Ich glaube, ich kann mir das - jedenfalls ahnungsweise - vorstellen und finde diese Vorstellung beim Versuch, etwas über das Unbenennbare zu erfahren, sehr hilfreich.
Wenn ich darf, würde ich Dir bei Gelegenheit dazu gerne noch ein paar Fragen stellen...
Herzliche Grüße
Sabine
Rachmaninov (19.12.2006, 12:05): In den letzten 2-3 Wochen habe ich mich sehr intensiv mit dem 1. Violinenkonzert von D. Schostakowitsch auseinander gesetzt.
Mittlerweile kenne ich es so gut, daß ich behaupte es "beim mithören" auswendig zu kennen.
Dies erleichtert uungemein das Zuhören und ermöglicht eine Konzentration auf die Interpretation. Natürlich besteht die Gefahr das man sich "satt" hört. :B
Ob ich das Konzert nur wirklich kennengelernt habe weiss ich nicht, jedoch führt eine derart intensive Beschäftigung doch an ein Werkverständnis ran und damit mehr und mehr zu einer eigenen "Vision" wie man sich das Werk als Interpretation selber vorstellt!
cellodil (19.12.2006, 12:54): Original von Rachmaninov In den letzten 2-3 Wochen habe ich mich sehr intensiv mit dem 1. Violinenkonzert von D. Schostakowitsch auseinander gesetzt.
Mittlerweile kenne ich es so gut, daß ich behaupte es "beim mithören" auswendig zu kennen.
Dies erleichtert uungemein das Zuhören und ermöglicht eine Konzentration auf die Interpretation. Natürlich besteht die Gefahr das man sich "satt" hört. :B
Ob ich das Konzert nur wirklich kennengelernt habe weiss ich nicht, jedoch führt eine derart intensive Beschäftigung doch an ein Werkverständnis ran und damit mehr und mehr zu einer eigenen "Vision" wie man sich das Werk als Interpretation selber vorstellt!
Liest Du dabei die Partitur?
Ich habe das Gefühl, dass ich beim Mitlesen in der Partitur (zumindest, wenn es sich nicht um Kammermusik handelt, da brauche ich das nicht unbedingt) leichter ein Verständnis (auch für die verschiedenen Interpretationsansätze) entwickeln kann, als wenn ich nur zuhöre. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich da dann wirklich konzentriert zuhöre.
Grüße
Sabine
Rachmaninov (19.12.2006, 12:55): @cellodil,
ich lese nie die Partitur! :D
cellodil (19.12.2006, 13:00): Original von Rachmaninov @cellodil,
ich lese nie die Partitur! :D
Dann scheinst Du ein herausragendes Gehör zu besitzen... Mir entgeht beim "nur" Hören (wobei ich es aber bei den allermeisten Werken aber auch bewenden lasse) doch immer einiges...
Herzliche Grüße
Sabine
Rachmaninov (19.12.2006, 13:02): Original von cellodil Original von Rachmaninov @cellodil,
ich lese nie die Partitur! :D
Dann scheinst Du ein herausragendes Gehör zu besitzen... Mir entgeht beim "nur" Hören (wobei ich es aber bei den allermeisten Werken aber auch bewenden lasse) doch immer einiges...
Herzliche Grüße
Sabine
Denke eher ich besitze ein "normales" Gehör aber bei ~80 Hören des Konzerts sollte man dann so langsam alles mitbekommen :ignore
cellodil (19.12.2006, 13:12): Ich glaube, Du hast recht, das geht da gar nicht ums Hören. Klar ist das ein Werk nach mehrmaligem Hören irgendwie präsent...