Eine Frage über die Übersetzung von Largo al Factotum
Ali (15.05.2025, 14:17): Ich höre gern klassische Musik und lerne Deutsch, wenn ich nach die Übersetzung von Largo al Factotum suchte, habe ich bemerkt, dass die deutsche Übersetzung ist anders als der originale Text, warum ist es so?
Sfantu (15.05.2025, 20:26): @Ali
herzlich willkommen bei uns!
Abweichungen zwischen dem Original und einer Übertragung in eine andere Sprache sind fast immer unvermeidbar. Vermutlich auch in Deiner Muttersprache findest Du eine zweisprachige Ausgabe der Shakespeare-Sonette, an welcher sich das Phänomen beobachten läßt. Sobald der Text in Reimform steht, steigt die Herausforderung für Übersetzer gewaltig gegenüber einem Prosatext:
1.) Das Versmaß und der Rhythmus müssen beibehalten bleiben 2.) Der Sinngehalt darf dabei nicht verloren gehen 3.) Das Endergebnis sollte stilvoll und ungekünstelt sein 4.) Handelt es sich, wie in Deinem Beispiel, um ein Opern-Libretto, muß der Text sangbar bleiben
All das sind immense Hürden, aus deren Bewältigung freilich unterschiedlich geglückte Ergebnisse resultieren. Opern in Übersetzungen zu hören, bleibt Geschmackssache. Und ich favorisiere im Zweifelsfall immer das Original. Ganz abraten würde ich von Übersetzungen der Libretti zu den Offenbach-und Sullivan-Operetten ("savoy operas"): Der Wortwitz und Charme des Originals kann darunter nur leiden. Abgesehen von der Tatsache, daß die Pointen derart zeitgebunden sind, daß sie meist sogar von den heutigen jeweiligen Muttersprachlern nicht mehr verstanden werden.
Daher meine Empfehlung: Genieße den Figaro im italienischen Original. Und für das Deutsch-Lernen eignet sich, wie ich finde, am ehesten der Vergleich von Original und Übersetzung im Falle von Prosa-Texten.
Die Aussage eines meiner niederländischen Dozenten zum Thema Deutsch lernen:
"Diese Sprache ist einzig zu dem Zweck erfunden worden, jeden Fremden, der sie lernen möchte, zu bestrafen"
Ich wünsche Dir viel Erfolg und daß Du nicht aufgibst! Deutsch ist so überreich an vertrackter Unlogik, daß sich die Haare sträuben. Aber auch überreich an wunderbaren Schätzen, die Du andernorts nicht findest. Bleib' dran!