Rachmaninov (08.08.2006, 07:17): Emil Grigorjewitsch Gilels,
gehört ohne jeden Zweifel neben Svjatoslav Richter zu den größten sowjetischen Pianisten seiner Zeit. Oder genauer gesagt zu den größten Pianisten des letzten Jahrhunderts.
Der am 19.10.1916 im Odessa (Ukraine) beborene Gilels erhilet bereits im Alter von 5 Jahren ersten Klavierunterricht und in Alter von acht Jahren tratt er der Musikschule seiner Heimatstadt Odessa bei.
Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er 1929 in seiner Heimatstadt.
Zwischen 1935 und 1938 Studium bei Heinrich Neuhaus am Moskauer Konservatorium.
Am Anfang seiner Jungen Karriere nah Gilels an zahlreichen Klavierwettbewerben teil. 1931 gewann er seinen ersten Wettbewerb in der Ukraine. 1933 war er bei einem renommierten Klavierwettbewerb in Moskau erfolgreich. Drei Jahre später erreicht er in Wien einen zweiten Platz und gewann 1938 den Brüsseler Ysaye-Wettbewerb. Wobei der in Brüssel A.B. Michelangeli auf den zweiten Platz verwies.
Ab 1947 wurden ihm auch Auftritte außerhalb der Sowjetunion gestattet.
Was er zu verschiedensten Auslandaufenthalten nutze.
1952 wurde er Professor am Moskauer Konservatorium.
Am 14.10.1985 verstarb dieser einzigartige Künstler in Moskau.
Sein Klavierton zeichnet sich für mich durch die nahezu einzigartige Gabe aus zwischen unglaublichen kräftigen Anschlägen bis hin zu feinsten Anschlägen alles gestallten zu können.
Seine Aufnahmen der Beethovensonaten sind für mich ein Zeugnis seiner Kunst und ein nahezu vollkommenes Beethovenspiel. Leider nicht vollständig aber eine Aufnahme, von der ich mich nie trennen würde.
Sehr schön auch das Zusammenspiel mit seiner Tochter beim Mozart Konzert für 2 Klaviere.
Aber nicht nur Beethoven und Mozart konnte Gilels traumhaft spielen, auch Medtner, Rachmaninov oder Schostakowitsch gelangen ihm richtig gut.
Holger S. (08.08.2006, 08:21): Hallo Richard,
die Beethoven-Einspielungen von Gilels habe ich auch und bin von ihnen sehr angetan. Sein Klavierspiel klingt sehr ausgewogen und differenziert. Allerdings ist diese Edition bis heute das einzige, was ich von Gilels besitze.
Gilels hat ja auch ausgefalleneres Repertoire eingespielt: Bei jpc findet man u.a. Werke von Alexander Aljabjew, einem russischen Komponisten der Vor-Glinka-Zeit, oder Nikolai Medtner (von dir ja bereits genannt). Angeregt durch deine Gilels-Würdigung habe ich mich an eine andere Einspielung erinnert, die ich immer schon mal gesucht habe: die 4. Klaviersonate von Mieczylaw Weinberg. Dieses Werk kenne ich durch Murray McLachlan (Olympia CD), wobei mich dessen Interpretationen selten völlig zufrieden stellen. Deswegen ist hier ein Vergleich mit Emil Gilels wirklich reizvoll. Wie es der Zufall wollte, war die längst vergriffene CD bei eBay angeboten. Ich habe natürlich gleich zugeschlagen. (siehe hier).
Es gibt übrigens auch eine Brilliant Classics Edition über 10 CDs mit Gilels-Einspielungen.
Viele Grüße Holger
Rachmaninov (08.08.2006, 08:44): @Holger,
glückwunsch zur Ersteigerung!
Genau genommen gibt es ZWEI Boxen bei Brilliant.
Einmal die Gilels Box und noch die Gilels Beethoven Box. :D
AcomA (08.08.2006, 14:17): lieber Sergejewitsch,
herzlichen dank für diesen thread ! emil gilels gehört für mich zu den 10 liebsten pianisten dieser welt ! schon als schüler war ich ein vehementer gilels-fan. und es gibt viele werke, die ich erstmalig in der interpretation dieses 'super-pianisten' hörte. die von dir aufgezeigten aufnahmen sind alle top of the top. ich kenne eigentlich keine schlechte aufnahme mit ihm. ich werde sicherlich noch einiges zusammentragen, verweise aber auf den thread der lisztschen h-moll sonate, um hier ein absolutes highlight zu würdigen !
Herzlichen Dank, Rachmaninov, für diesen Faden! Auch ich bekenne mich dazu, den Pianisten Gilels zu mögen. (Ob ich ihn in jedem Falle auch als Menschen schätzen würde, ist eine andere und im Moment völlig irrelevante Frage.)
Als ersten Ausgangspunkt für ein "Best of Gilels" könnte man Schlimmeres tun als die insgesamt 6 CDs in 3 Alben der "Great Pianists of the 20th Century" (Philips) heranzuziehen. Enthalten sind dort u.a. das zweite Klavierkonzert von Brahms unter Jochum, Auszüge aus seiner Grieg-Platte (DG), das Klavierkonzert No. 27 (siehe oben), die Schubert-Fantasie, die er zusammen mit seiner Tochter spielt (siehe oben), das höchst empfehlenswerte 4. Beethoven-Klavierkonzert unter Ludwig (der beste Transfer mittlerweile in der EMI GROC-Serie), die 3. und 8. Sonate von Prokofiev, Medtner, Weber, Clementi, Liszt, Debussy, Ravel … Leider kein Scarlatti dabei und keine einzige Beethovensonate.
Gruß,
Zelenka
Rachmaninov (08.08.2006, 18:23): @Zelenka,
kennst Du seine BBC Aunahme mit den Scarlatti Sonaten?
Zelenka (08.08.2006, 18:30): Original von Rachmaninov @Zelenka,
kennst Du seine BBC Aunahme mit den Scarlatti Sonaten?
Leider nicht! Ich habe seinen Scarlatti nur auf einer Aufnahme, die in Lugano gemacht worden ist (Ermitage/Aura).
Gruß,
Zelenka
fohlenfanatiker (08.08.2006, 19:41): Seine Aufnahmen der Beethovensonaten sind für mich ein Zeugnis seiner Kunst und ein nahezu vollkommenes Beethovenspiel ....eine Aufnahme, von der ich mich nie trennen würde. So gehts mir auch. Ich bedanke mich ebenfalls für den Thread. Wer kann denn etwas über die zwei Brilliant-Boxen berichten? Ich war schon mehrfach kurz davor, sie mir zu bestellen, habe es aber nicht getan, weil ich befürchte, dass die Klangqualität zu schlecht ist, so wie teilweise bei der Richter-Box. Noch eine kurze und "dumme" Frage,wie spricht man den Namen eigentlich korrekt aus? Französisch "Dschilel" oder wie? ?( ?( ?( ?( ?(
Zelenka (08.08.2006, 19:52): Original von fohlenfanatiker Noch eine kurze und "dumme" Frage,wie spricht man den Namen eigentlich korrekt aus? Französisch "Dschilel" oder wie? ?( ?( ?( ?( ?(
Bestimmt nicht französisch wie "Gilette"! Im Prinzip wie der Name geschrieben ist (Betonung auf der ersten Silbe). Experten können auch noch die l's "weich" aussprechen ...
Gruß,
Zelenka
AcomA (08.08.2006, 20:09): lieber Jan Dismas,
der späte live-mitschnitt des gilels aus lugano ist ein wundervolles dokument mit hervorragender klangqualität ! die scarlatti-sonaten werden herrlich gesungen. die symphonischen etüden werden überlegen gestaltet und in pour le piano glänzt sogar nochmal gilels' technik trotz physischen handicaps.
gruß, siamak :engel
Zelenka (08.08.2006, 20:23): Original von AcomA lieber Jan Dismas,
der späte live-mitschnitt des gilels aus lugano ist ein wundervolles dokument mit hervorragender klangqualität ! die scarlatti-sonaten werden herrlich gesungen. die symphonischen etüden werden überlegen gestaltet und in pour le piano glänzt sogar nochmal gilels' technik trotz physischen handicaps.
gruß, siamak :engel
Du hast völlig recht, Siamak! Trotzdem macht mich natürlich Rachmaninovs BBC-Aufnahme etwas nervös ...
Gruß,
Zelenka
Cosima (08.08.2006, 20:39): Diese hier gehört zu meinem liebsten Gilels-Aufnahmen:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9912753.jpg
Ansonsten kann ich mich meinen Vorschreibern nur anschließen: Alles, was ich bislang von diesem Pianisten hörte, gefiel mir sehr gut. Hervorheben würde ich die Grieg-CD (Lyrische Stücke), die Liszt-Sonate und natürlich die Beethoven-Sonaten. Dann auch das Mozart-Klavierkonzert unter Böhm. (Ja, Mozart und Böhm! :W) Sein 2. Rachmaninov-Konzert ist auch großartig.
Gruß, Cosima
Carola (08.08.2006, 20:53): Original von Cosima
Dann auch das Mozart-Klavierkonzert unter Böhm. (Ja, Mozart und Böhm! :W)
Gruß, Cosima
Ich komme ja heute aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, liebe Cosima. :beer
Zwei der Beethoven-Sonaten gibt es auch in einer Auskoppelung von DG-The Originals - die werde ich mir jetzt noch mal anhören.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3536737.jpg
Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (09.08.2006, 13:01): Original von AcomA lieber Jan Dismas,
der späte live-mitschnitt des gilels aus lugano ist ein wundervolles dokument mit hervorragender klangqualität ! die scarlatti-sonaten werden herrlich gesungen. die symphonischen etüden werden überlegen gestaltet und in pour le piano glänzt sogar nochmal gilels' technik trotz physischen handicaps.
@Siamak,
ist die o.g. Aufnahme überhaupt noch im Handel erhältlich?
Insb. die symphonischen Etüden würden mich sehr interessieren :D
AcomA (09.08.2006, 13:16): lieber Sergejewitsch,
wenn sie bei amazon nicht mehr deklariert wird, ist es sehr schwierig. sie ist von ermitage bzw. aura herausgegeben.
gruß, siamak :)
AcomA (09.08.2006, 16:05): hallo,
da der verweis auf den h-moll-sonaten-faden ziemlich lapidar klingt, hier nun eine ausführlichere besprechung der platte/cd:
diese 'platte' gehört zu den wichtigen dokumenten des klavierspiels des 20. jahrhunderts. sie offenbart die kunst des emil gilels auf dem zenit seines pianistischen könnens. es ist eine frühe stereo-aufnahme mit für damalige verhältnisse sehr transparentem und präsentem klavierklang. emil gilels gehörte zu den wenigen pianisten, die über einen 'eigenen' sonoren anschlag (wie z.b. auch rubinstein oder horowitz) verfügten, was in dieser aufnahme sehr gut herauskommt. die schubert-sonate gehört nicht zu den sehr bekannten, da sie viel schwieriger zu formulieren ist. ein zwar perfektes jedoch zurückgenommenes spiel produziert langeweile, das interesse des hörers schwindet (wie z.b. bei c. zacharias). der lebhafte zugriff gilels rettet dieses werk.
liszts h-moll sonate gehört heute nahezu bei jedem pianisten ins standard-repertoire. damals war das anders. die kombination von pianistischem anspruch und komplexer form schreckte viele davon ab. horowitz, rubinstein, richter und eben gilels hatten sie als erste im repertoire. und diese aufnahme fasziniert durch die organische und straffe beherrschung der form. der vorletzte abschnitt mit dem fugato (allergro energico) hat grandiose durchschlagskraft. überhaupt, man höre sich gilels trillerkunst an ! ich kenne keine so überlegene formale gestaltung dieser sonate außer bei horowitz, richter und in neuerer zeit bei zimerman und pollini. die versionen pogorelichs und pletnevs sind pianistisch auch eindrucksvoll, aber diese interpretationen sind nicht repräsentativ, es sind eigenwillige geschichten. erwähnen möchte ich, dass von gilels ein live-mitschnitt (melodiya) aus dem großen saal des moskauer konservatoriums (mitte der 60er jahre) existiert mit schumanns 1. sonate, chopins 2. sonate und eben liszts h-moll sonate. hier sprengt der pianist die grenzen des ausdrucks (er haut hier auch ein paarmal daneben). wer die möglichkeit hat, sich dieses dokument anzuhören, der sollte es unbedingt tun.
gruß, siamak :engel
Zelenka (09.08.2006, 16:58): Und noch eine CD, auf die hinzuweisen ich mich verpflichtet fühle:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7287370.jpg
Was für ein "Rondo alla zingarese" im Opus 25!
Gruß,
Zelenka
AcomA (09.08.2006, 20:24): hallo Jan Dismas,
ja, eine tolle platte !
gruß, siamak :)
Rachmaninov (15.08.2006, 08:57): Original von Cosima Sein 2. Rachmaninov-Konzert ist auch großartig. Gruß, Cosima
Welche Aufnahme vom zweiten Klavierkonzert hast Du denn?
AcomA (15.08.2006, 11:56): lieber Sergejewitsch,
ich glaube, Cosima meinte das dritte rach (und das 2. saint-saens)
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6989897.jpg
gruß, siamak :)
Cosima (15.08.2006, 12:40): Original von AcomA lieber Sergejewitsch,
ich glaube, Cosima meinte das dritte rach (und das 2. saint-saens)
Hier spielt Emil Gilels übrigens auch Rachmaninov, aber die Klangqualität dieses 1949 eingespielten 3. Klavierkonzertes ist absolut miserabel. Leider, muss man sagen, denn interpretatorisch scheint die Aufnahme wirklich umwerfend zu sein. So weit man es eben beurteilen kann. :(
Gruß, Cosima
Rachmaninov (15.08.2006, 22:13): Original von Cosima Diese hier gehört zu meinem liebsten Gilels-Aufnahmen:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9912753.jpg
Und das sicherlich zurecht! Das nenne ich Beethoven-Spiel nach meinem Geschmack.
Zupackend, kraftvoll und voller Leidenschaft! :down
ab (16.08.2006, 03:19): Original von AcomA lieber Jan Dismas,
der späte live-mitschnitt des gilels aus lugano ist ein wundervolles dokument mit hervorragender klangqualität !
so ist es: Hier erhältlich.
Holger S. (17.08.2006, 16:22): Original von Holger S. Angeregt durch deine Gilels-Würdigung habe ich mich an eine andere Einspielung erinnert, die ich immer schon mal gesucht habe: die 4. Klaviersonate von Mieczylaw Weinberg. Wie es der Zufall wollte, war die längst vergriffene CD bei eBay angeboten. Ich habe natürlich gleich zugeschlagen. (siehe hier).
Mittlerweile ist die CD (Label ist Meschdunarodnaja Kniga) bei mir eingetroffen, heute morgen habe ich sie mir angehört. Enthalten sind folgende Stücke:
Mieczyslaw Weinberg, Klaviersonate Nr.4 h-moll op.56 (1955) Igor Strawinski, Suite aus Petruschka (1911/21, arr. Gilels) Alexander Skrjabin, Klaviersonate Nr.4 Fis-Dur op.30 (1903) Sergei Prokofjew, Klaviersonate Nr.3 a-moll op.28 (1907/17) Nikolai Medtner, Sonata Reminiscenza (Nr.10) a-moll op.38/1 (1918)
Allein vom Repertoire her also bereits eine sehr interessante Zusammenstellung. Es handelt sich um Live-Aufnahmen aus dem Großen Saal des Moskauer Konservatoriums aus den Jahren 1957 und 1968. Leider ist die Klangqualität nicht gerade berauschend, gerade Weinberg und Strawinski klingen recht topfig und entfernt. Gilels' Klavierspiel aber macht die Platte dennoch zu einer äußerst lohnenswerten Anschaffung. Weinbergs Sonate (die übrigens von Gilels uraufgeführt wurde) ist ein sehr interessantes Werk, zwar folkloristisch geprägt, aber dennoch ein konzentriertes, sehr elegisches Stück in vier Sätzen. Gilels spielt diese introvertierte Musik sehr einfühlsam. Seine Interpretation ist der von McLachlan aus meiner Sicht vorzuziehen. Beim Strawinski handelt es sich um eine von Gilels selbst zusammengestellte Suite, in der er Strawinskis Trois mouvements de Petrouchka verwendet. Nach Angaben des Beiheftes durfte Gilels diese Fassung außerhalb der UdSSR aus urheberrechlichen Gründen nicht aufführen. Wie auch bei den Skrjabin- und Prokofjew-Sonaten trumpft Giels hier richtig auf, brennt ein regelrechtes pianistisches Feuerwerk ab. Seine kraftvolle, energische Interpretation gefällt mir sehr gut. Mit der Medtner-Sonate schließt sich der Kreis wunderbar, da diese stimmungsmäßig eher wieder an die von Weinberg anknüpft. Insgesamt eine hervorragende CD!
Viele Grüße Holger
Rachmaninov (02.03.2007, 18:37): Gerade erst gestern kam meine Bestellung mit der Gilels in Salzburg Aufnahme.
Die CD habe ich nun bereits gehört, die Liszt Sonate sogar zwei mal.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6785468.jpg
Wie bereits von "ab" an anderer Stelle vorzüglich und treffend geschrieben:
Original von ab Original von Rachmaninov Schuberts Moments musicaux.
Ein Dokument besonderen Rangs, weil man hier hört, was für eine Art von Musiker Gilels war: Verhaute er den ersten Ton (im musikalischen Sinne), dann findet er kaum mehr zur richtigen Spannung zusammen. Im ersten Ton bereits liegt bei ihm alles enthalten, woraus sich dann der Rest entwickelt.
Die Aufnahme ist wirklich ein fantastisches Dokument eines wahrhaftigen Musikers, der hier drei Werke der Klavierliteratur auf höchstem Niveau einspielt. Technisch sowie in der Interpretation ein Maßstab.
:down :down :down :down
Ganong (26.03.2007, 19:53): Liebe Mitglieder des Forums ,
die beiden Werke von Franz Schubert , diem Emil Gilels 1970 im Salzburger Mozarteum gespielt hat , gehören zum Besten , das ich aus der Schubert - Interpretationsgeschichte kenne ; D 784 noch mehr als die "Monents musicaux" .
Dennoch , hat der Meister nur noch ein weiteres Werk Schuberts eingespielt .
Kenn t jemand von Euch villeicht den Grund ?
Es gibt über 3 000 Aufnahmen , Mitschnitte von Gilels , aber um Schubert hat er seltsamerweise offensichtlich einen weiten Bogen gemacht .
Gab es dafür einen oder mehrere Gründe ?
Grüsse ,
Frank
Amadé (28.03.2007, 21:20): Hallo Frank,
es ist tatsächlich verwunderlich und auch bedauerlich, dass Gilels so wenig Schubert gespielt hat. Wenn ich mich nicht irre, gibt es aus westlichen Gefilden nur 4 Studio-Einspielungen: die Klaviersonate D-dur op.53 D.850 "Gasteiner -Sonate", sie wurde 1960 bei einer Amerika-Tournee von RCA produziert und ist heute noch erhältlich, die a-moll-Sonate D.784 (1964 RCA), dann das Forellenquintett mit Mitgliedern des Amadeus-Quartetts bei der DG sowie eine DG-LP, auf der Gilels mit seiner Tochter Elena 4-händige KLaviermusik von Schubert spielt: die gewichtige Fantasie f-moll D.940, das GRand Rondeau A-dur D.951, das Andante varié h-moll D.823, 2 und 6 Ecossaisen - sehr schön! 1970 brachte dann Eurodisc eine LP heraus mit dem Hinweis "Original-Aufnahmen aus der UdSSR"-Melodya. Es handelt sich hier um eine Studio-Produktion der Moments musicaux, mit auf der Platte noch Schumanns selten gespielte Nachtstücke op.23. Für mich ist sie die schönste Schubert-Platte mit Gilels und die innigste Einspielung der Moments Musicaux D.780. Bei ihrem Erscheinen schrieb Indo Harden damals im FonoForum:
"Der Konzertvirtuose Gilels ist weitgehend vom Musiker Gilels abgelöst worden......Sein Musizieren wirkt im ganzen schlicht ... (und) diese Schlichtheit das Ergebnis eines sehr subtilen und sogar raffinierten Einsatzes aller pianistischen Mittel ist, über die nur ein bedeutender Pianist verfügt."
Diesem Urteil kann ich nur zustimmen. Die LP hat ein Ehrenplatz in meiner SAmmlung, auf CD ist sie leider noch nicht erschienen. Wir müssen uns mit den beiden Mitschnitten von BMG_Melodya aus der Gilels-Edition (Moskau 1965) oder der schon oben erwähnten CD von den Salzburger Festspielen 1970 (mit der a-moll Sonate D.784) bei Orfeo begnügen, die jedoch einige Publikumsgeräusche enthalten, in der Moskauer Aufnahme störend. Die BMG-Melodya Gilels-Edition enthält noch das 1.Impromptu aus D.935. Das sind Gilels bis jetzt veröffentlichten Schubert- Beiträge, vielleicht liegt noch einiges in russischen Archiven.
Gruß Bernd
Rachmaninov (02.04.2007, 18:34): Original von Ganong Liebe Mitglieder des Forums ,
die beiden Werke von Franz Schubert , diem Emil Gilels 1970 im Salzburger Mozarteum gespielt hat , gehören zum Besten , das ich aus der Schubert - Interpretationsgeschichte kenne ; D 784 noch mehr als die "Monents musicaux" .
@Frank, die Aufnahme ist IMo ein MUSS in jedem gut sortierten CD Regal! Wie von Dir geschrieben ist der Schubert großartig!
Kennt jemand von Euch vielleicht den Grund ?
Nein, mir sind keine bekannt! Vor allem verwunderlich wo er doch ebenfalls sehr viel Beethoben gespielt hat! Oder "schätzte" er Schubert einfach nicht ?(
Rachmaninov (08.08.2006, 07:17): Emil Grigorjewitsch Gilels,
gehört ohne jeden Zweifel neben Svjatoslav Richter zu den größten sowjetischen Pianisten seiner Zeit. Oder genauer gesagt zu den größten Pianisten des letzten Jahrhunderts.
Der am 19.10.1916 im Odessa (Ukraine) beborene Gilels erhilet bereits im Alter von 5 Jahren ersten Klavierunterricht und in Alter von acht Jahren tratt er der Musikschule seiner Heimatstadt Odessa bei.
Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er 1929 in seiner Heimatstadt.
Zwischen 1935 und 1938 Studium bei Heinrich Neuhaus am Moskauer Konservatorium.
Am Anfang seiner Jungen Karriere nah Gilels an zahlreichen Klavierwettbewerben teil. 1931 gewann er seinen ersten Wettbewerb in der Ukraine. 1933 war er bei einem renommierten Klavierwettbewerb in Moskau erfolgreich. Drei Jahre später erreicht er in Wien einen zweiten Platz und gewann 1938 den Brüsseler Ysaye-Wettbewerb. Wobei der in Brüssel A.B. Michelangeli auf den zweiten Platz verwies.
Ab 1947 wurden ihm auch Auftritte außerhalb der Sowjetunion gestattet.
Was er zu verschiedensten Auslandaufenthalten nutze.
1952 wurde er Professor am Moskauer Konservatorium.
Am 14.10.1985 verstarb dieser einzigartige Künstler in Moskau.
Sein Klavierton zeichnet sich für mich durch die nahezu einzigartige Gabe aus zwischen unglaublichen kräftigen Anschlägen bis hin zu feinsten Anschlägen alles gestallten zu können.
Seine Aufnahmen der Beethovensonaten sind für mich ein Zeugnis seiner Kunst und ein nahezu vollkommenes Beethovenspiel. Leider nicht vollständig aber eine Aufnahme, von der ich mich nie trennen würde.
Sehr schön auch das Zusammenspiel mit seiner Tochter beim Mozart Konzert für 2 Klaviere.
Aber nicht nur Beethoven und Mozart konnte Gilels traumhaft spielen, auch Medtner, Rachmaninov oder Schostakowitsch gelangen ihm richtig gut.
Holger S. (08.08.2006, 08:21): Hallo Richard,
die Beethoven-Einspielungen von Gilels habe ich auch und bin von ihnen sehr angetan. Sein Klavierspiel klingt sehr ausgewogen und differenziert. Allerdings ist diese Edition bis heute das einzige, was ich von Gilels besitze.
Gilels hat ja auch ausgefalleneres Repertoire eingespielt: Bei jpc findet man u.a. Werke von Alexander Aljabjew, einem russischen Komponisten der Vor-Glinka-Zeit, oder Nikolai Medtner (von dir ja bereits genannt). Angeregt durch deine Gilels-Würdigung habe ich mich an eine andere Einspielung erinnert, die ich immer schon mal gesucht habe: die 4. Klaviersonate von Mieczylaw Weinberg. Dieses Werk kenne ich durch Murray McLachlan (Olympia CD), wobei mich dessen Interpretationen selten völlig zufrieden stellen. Deswegen ist hier ein Vergleich mit Emil Gilels wirklich reizvoll. Wie es der Zufall wollte, war die längst vergriffene CD bei eBay angeboten. Ich habe natürlich gleich zugeschlagen. (siehe hier).
Es gibt übrigens auch eine Brilliant Classics Edition über 10 CDs mit Gilels-Einspielungen.
Viele Grüße Holger
Rachmaninov (08.08.2006, 08:44): @Holger,
glückwunsch zur Ersteigerung!
Genau genommen gibt es ZWEI Boxen bei Brilliant.
Einmal die Gilels Box und noch die Gilels Beethoven Box. :D
AcomA (08.08.2006, 14:17): lieber Sergejewitsch,
herzlichen dank für diesen thread ! emil gilels gehört für mich zu den 10 liebsten pianisten dieser welt ! schon als schüler war ich ein vehementer gilels-fan. und es gibt viele werke, die ich erstmalig in der interpretation dieses 'super-pianisten' hörte. die von dir aufgezeigten aufnahmen sind alle top of the top. ich kenne eigentlich keine schlechte aufnahme mit ihm. ich werde sicherlich noch einiges zusammentragen, verweise aber auf den thread der lisztschen h-moll sonate, um hier ein absolutes highlight zu würdigen !
Herzlichen Dank, Rachmaninov, für diesen Faden! Auch ich bekenne mich dazu, den Pianisten Gilels zu mögen. (Ob ich ihn in jedem Falle auch als Menschen schätzen würde, ist eine andere und im Moment völlig irrelevante Frage.)
Als ersten Ausgangspunkt für ein "Best of Gilels" könnte man Schlimmeres tun als die insgesamt 6 CDs in 3 Alben der "Great Pianists of the 20th Century" (Philips) heranzuziehen. Enthalten sind dort u.a. das zweite Klavierkonzert von Brahms unter Jochum, Auszüge aus seiner Grieg-Platte (DG), das Klavierkonzert No. 27 (siehe oben), die Schubert-Fantasie, die er zusammen mit seiner Tochter spielt (siehe oben), das höchst empfehlenswerte 4. Beethoven-Klavierkonzert unter Ludwig (der beste Transfer mittlerweile in der EMI GROC-Serie), die 3. und 8. Sonate von Prokofiev, Medtner, Weber, Clementi, Liszt, Debussy, Ravel … Leider kein Scarlatti dabei und keine einzige Beethovensonate.
Gruß,
Zelenka
Rachmaninov (08.08.2006, 18:23): @Zelenka,
kennst Du seine BBC Aunahme mit den Scarlatti Sonaten?
Zelenka (08.08.2006, 18:30): Original von Rachmaninov @Zelenka,
kennst Du seine BBC Aunahme mit den Scarlatti Sonaten?
Leider nicht! Ich habe seinen Scarlatti nur auf einer Aufnahme, die in Lugano gemacht worden ist (Ermitage/Aura).
Gruß,
Zelenka
fohlenfanatiker (08.08.2006, 19:41): Seine Aufnahmen der Beethovensonaten sind für mich ein Zeugnis seiner Kunst und ein nahezu vollkommenes Beethovenspiel ....eine Aufnahme, von der ich mich nie trennen würde. So gehts mir auch. Ich bedanke mich ebenfalls für den Thread. Wer kann denn etwas über die zwei Brilliant-Boxen berichten? Ich war schon mehrfach kurz davor, sie mir zu bestellen, habe es aber nicht getan, weil ich befürchte, dass die Klangqualität zu schlecht ist, so wie teilweise bei der Richter-Box. Noch eine kurze und "dumme" Frage,wie spricht man den Namen eigentlich korrekt aus? Französisch "Dschilel" oder wie? ?( ?( ?( ?( ?(
Zelenka (08.08.2006, 19:52): Original von fohlenfanatiker Noch eine kurze und "dumme" Frage,wie spricht man den Namen eigentlich korrekt aus? Französisch "Dschilel" oder wie? ?( ?( ?( ?( ?(
Bestimmt nicht französisch wie "Gilette"! Im Prinzip wie der Name geschrieben ist (Betonung auf der ersten Silbe). Experten können auch noch die l's "weich" aussprechen ...
Gruß,
Zelenka
AcomA (08.08.2006, 20:09): lieber Jan Dismas,
der späte live-mitschnitt des gilels aus lugano ist ein wundervolles dokument mit hervorragender klangqualität ! die scarlatti-sonaten werden herrlich gesungen. die symphonischen etüden werden überlegen gestaltet und in pour le piano glänzt sogar nochmal gilels' technik trotz physischen handicaps.
gruß, siamak :engel
Zelenka (08.08.2006, 20:23): Original von AcomA lieber Jan Dismas,
der späte live-mitschnitt des gilels aus lugano ist ein wundervolles dokument mit hervorragender klangqualität ! die scarlatti-sonaten werden herrlich gesungen. die symphonischen etüden werden überlegen gestaltet und in pour le piano glänzt sogar nochmal gilels' technik trotz physischen handicaps.
gruß, siamak :engel
Du hast völlig recht, Siamak! Trotzdem macht mich natürlich Rachmaninovs BBC-Aufnahme etwas nervös ...
Gruß,
Zelenka
Cosima (08.08.2006, 20:39): Diese hier gehört zu meinem liebsten Gilels-Aufnahmen:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9912753.jpg
Ansonsten kann ich mich meinen Vorschreibern nur anschließen: Alles, was ich bislang von diesem Pianisten hörte, gefiel mir sehr gut. Hervorheben würde ich die Grieg-CD (Lyrische Stücke), die Liszt-Sonate und natürlich die Beethoven-Sonaten. Dann auch das Mozart-Klavierkonzert unter Böhm. (Ja, Mozart und Böhm! :W) Sein 2. Rachmaninov-Konzert ist auch großartig.
Gruß, Cosima
Carola (08.08.2006, 20:53): Original von Cosima
Dann auch das Mozart-Klavierkonzert unter Böhm. (Ja, Mozart und Böhm! :W)
Gruß, Cosima
Ich komme ja heute aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, liebe Cosima. :beer
Zwei der Beethoven-Sonaten gibt es auch in einer Auskoppelung von DG-The Originals - die werde ich mir jetzt noch mal anhören.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3536737.jpg
Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (09.08.2006, 13:01): Original von AcomA lieber Jan Dismas,
der späte live-mitschnitt des gilels aus lugano ist ein wundervolles dokument mit hervorragender klangqualität ! die scarlatti-sonaten werden herrlich gesungen. die symphonischen etüden werden überlegen gestaltet und in pour le piano glänzt sogar nochmal gilels' technik trotz physischen handicaps.
@Siamak,
ist die o.g. Aufnahme überhaupt noch im Handel erhältlich?
Insb. die symphonischen Etüden würden mich sehr interessieren :D
AcomA (09.08.2006, 13:16): lieber Sergejewitsch,
wenn sie bei amazon nicht mehr deklariert wird, ist es sehr schwierig. sie ist von ermitage bzw. aura herausgegeben.
gruß, siamak :)
AcomA (09.08.2006, 16:05): hallo,
da der verweis auf den h-moll-sonaten-faden ziemlich lapidar klingt, hier nun eine ausführlichere besprechung der platte/cd:
diese 'platte' gehört zu den wichtigen dokumenten des klavierspiels des 20. jahrhunderts. sie offenbart die kunst des emil gilels auf dem zenit seines pianistischen könnens. es ist eine frühe stereo-aufnahme mit für damalige verhältnisse sehr transparentem und präsentem klavierklang. emil gilels gehörte zu den wenigen pianisten, die über einen 'eigenen' sonoren anschlag (wie z.b. auch rubinstein oder horowitz) verfügten, was in dieser aufnahme sehr gut herauskommt. die schubert-sonate gehört nicht zu den sehr bekannten, da sie viel schwieriger zu formulieren ist. ein zwar perfektes jedoch zurückgenommenes spiel produziert langeweile, das interesse des hörers schwindet (wie z.b. bei c. zacharias). der lebhafte zugriff gilels rettet dieses werk.
liszts h-moll sonate gehört heute nahezu bei jedem pianisten ins standard-repertoire. damals war das anders. die kombination von pianistischem anspruch und komplexer form schreckte viele davon ab. horowitz, rubinstein, richter und eben gilels hatten sie als erste im repertoire. und diese aufnahme fasziniert durch die organische und straffe beherrschung der form. der vorletzte abschnitt mit dem fugato (allergro energico) hat grandiose durchschlagskraft. überhaupt, man höre sich gilels trillerkunst an ! ich kenne keine so überlegene formale gestaltung dieser sonate außer bei horowitz, richter und in neuerer zeit bei zimerman und pollini. die versionen pogorelichs und pletnevs sind pianistisch auch eindrucksvoll, aber diese interpretationen sind nicht repräsentativ, es sind eigenwillige geschichten. erwähnen möchte ich, dass von gilels ein live-mitschnitt (melodiya) aus dem großen saal des moskauer konservatoriums (mitte der 60er jahre) existiert mit schumanns 1. sonate, chopins 2. sonate und eben liszts h-moll sonate. hier sprengt der pianist die grenzen des ausdrucks (er haut hier auch ein paarmal daneben). wer die möglichkeit hat, sich dieses dokument anzuhören, der sollte es unbedingt tun.
gruß, siamak :engel
Zelenka (09.08.2006, 16:58): Und noch eine CD, auf die hinzuweisen ich mich verpflichtet fühle:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7287370.jpg
Was für ein "Rondo alla zingarese" im Opus 25!
Gruß,
Zelenka
AcomA (09.08.2006, 20:24): hallo Jan Dismas,
ja, eine tolle platte !
gruß, siamak :)
Rachmaninov (15.08.2006, 08:57): Original von Cosima Sein 2. Rachmaninov-Konzert ist auch großartig. Gruß, Cosima
Welche Aufnahme vom zweiten Klavierkonzert hast Du denn?
AcomA (15.08.2006, 11:56): lieber Sergejewitsch,
ich glaube, Cosima meinte das dritte rach (und das 2. saint-saens)
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6989897.jpg
gruß, siamak :)
Cosima (15.08.2006, 12:40): Original von AcomA lieber Sergejewitsch,
ich glaube, Cosima meinte das dritte rach (und das 2. saint-saens)
Hier spielt Emil Gilels übrigens auch Rachmaninov, aber die Klangqualität dieses 1949 eingespielten 3. Klavierkonzertes ist absolut miserabel. Leider, muss man sagen, denn interpretatorisch scheint die Aufnahme wirklich umwerfend zu sein. So weit man es eben beurteilen kann. :(
Gruß, Cosima
Rachmaninov (15.08.2006, 22:13): Original von Cosima Diese hier gehört zu meinem liebsten Gilels-Aufnahmen:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9912753.jpg
Und das sicherlich zurecht! Das nenne ich Beethoven-Spiel nach meinem Geschmack.
Zupackend, kraftvoll und voller Leidenschaft! :down
ab (16.08.2006, 03:19): Original von AcomA lieber Jan Dismas,
der späte live-mitschnitt des gilels aus lugano ist ein wundervolles dokument mit hervorragender klangqualität !
so ist es: Hier erhältlich.
Holger S. (17.08.2006, 16:22): Original von Holger S. Angeregt durch deine Gilels-Würdigung habe ich mich an eine andere Einspielung erinnert, die ich immer schon mal gesucht habe: die 4. Klaviersonate von Mieczylaw Weinberg. Wie es der Zufall wollte, war die längst vergriffene CD bei eBay angeboten. Ich habe natürlich gleich zugeschlagen. (siehe hier).
Mittlerweile ist die CD (Label ist Meschdunarodnaja Kniga) bei mir eingetroffen, heute morgen habe ich sie mir angehört. Enthalten sind folgende Stücke:
Mieczyslaw Weinberg, Klaviersonate Nr.4 h-moll op.56 (1955) Igor Strawinski, Suite aus Petruschka (1911/21, arr. Gilels) Alexander Skrjabin, Klaviersonate Nr.4 Fis-Dur op.30 (1903) Sergei Prokofjew, Klaviersonate Nr.3 a-moll op.28 (1907/17) Nikolai Medtner, Sonata Reminiscenza (Nr.10) a-moll op.38/1 (1918)
Allein vom Repertoire her also bereits eine sehr interessante Zusammenstellung. Es handelt sich um Live-Aufnahmen aus dem Großen Saal des Moskauer Konservatoriums aus den Jahren 1957 und 1968. Leider ist die Klangqualität nicht gerade berauschend, gerade Weinberg und Strawinski klingen recht topfig und entfernt. Gilels' Klavierspiel aber macht die Platte dennoch zu einer äußerst lohnenswerten Anschaffung. Weinbergs Sonate (die übrigens von Gilels uraufgeführt wurde) ist ein sehr interessantes Werk, zwar folkloristisch geprägt, aber dennoch ein konzentriertes, sehr elegisches Stück in vier Sätzen. Gilels spielt diese introvertierte Musik sehr einfühlsam. Seine Interpretation ist der von McLachlan aus meiner Sicht vorzuziehen. Beim Strawinski handelt es sich um eine von Gilels selbst zusammengestellte Suite, in der er Strawinskis Trois mouvements de Petrouchka verwendet. Nach Angaben des Beiheftes durfte Gilels diese Fassung außerhalb der UdSSR aus urheberrechlichen Gründen nicht aufführen. Wie auch bei den Skrjabin- und Prokofjew-Sonaten trumpft Giels hier richtig auf, brennt ein regelrechtes pianistisches Feuerwerk ab. Seine kraftvolle, energische Interpretation gefällt mir sehr gut. Mit der Medtner-Sonate schließt sich der Kreis wunderbar, da diese stimmungsmäßig eher wieder an die von Weinberg anknüpft. Insgesamt eine hervorragende CD!
Viele Grüße Holger
Rachmaninov (02.03.2007, 18:37): Gerade erst gestern kam meine Bestellung mit der Gilels in Salzburg Aufnahme.
Die CD habe ich nun bereits gehört, die Liszt Sonate sogar zwei mal.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6785468.jpg
Wie bereits von "ab" an anderer Stelle vorzüglich und treffend geschrieben:
Original von ab Original von Rachmaninov Schuberts Moments musicaux.
Ein Dokument besonderen Rangs, weil man hier hört, was für eine Art von Musiker Gilels war: Verhaute er den ersten Ton (im musikalischen Sinne), dann findet er kaum mehr zur richtigen Spannung zusammen. Im ersten Ton bereits liegt bei ihm alles enthalten, woraus sich dann der Rest entwickelt.
Die Aufnahme ist wirklich ein fantastisches Dokument eines wahrhaftigen Musikers, der hier drei Werke der Klavierliteratur auf höchstem Niveau einspielt. Technisch sowie in der Interpretation ein Maßstab.
:down :down :down :down
Ganong (26.03.2007, 19:53): Liebe Mitglieder des Forums ,
die beiden Werke von Franz Schubert , diem Emil Gilels 1970 im Salzburger Mozarteum gespielt hat , gehören zum Besten , das ich aus der Schubert - Interpretationsgeschichte kenne ; D 784 noch mehr als die "Monents musicaux" .
Dennoch , hat der Meister nur noch ein weiteres Werk Schuberts eingespielt .
Kenn t jemand von Euch villeicht den Grund ?
Es gibt über 3 000 Aufnahmen , Mitschnitte von Gilels , aber um Schubert hat er seltsamerweise offensichtlich einen weiten Bogen gemacht .
Gab es dafür einen oder mehrere Gründe ?
Grüsse ,
Frank
Amadé (28.03.2007, 21:20): Hallo Frank,
es ist tatsächlich verwunderlich und auch bedauerlich, dass Gilels so wenig Schubert gespielt hat. Wenn ich mich nicht irre, gibt es aus westlichen Gefilden nur 4 Studio-Einspielungen: die Klaviersonate D-dur op.53 D.850 "Gasteiner -Sonate", sie wurde 1960 bei einer Amerika-Tournee von RCA produziert und ist heute noch erhältlich, die a-moll-Sonate D.784 (1964 RCA), dann das Forellenquintett mit Mitgliedern des Amadeus-Quartetts bei der DG sowie eine DG-LP, auf der Gilels mit seiner Tochter Elena 4-händige KLaviermusik von Schubert spielt: die gewichtige Fantasie f-moll D.940, das GRand Rondeau A-dur D.951, das Andante varié h-moll D.823, 2 und 6 Ecossaisen - sehr schön! 1970 brachte dann Eurodisc eine LP heraus mit dem Hinweis "Original-Aufnahmen aus der UdSSR"-Melodya. Es handelt sich hier um eine Studio-Produktion der Moments musicaux, mit auf der Platte noch Schumanns selten gespielte Nachtstücke op.23. Für mich ist sie die schönste Schubert-Platte mit Gilels und die innigste Einspielung der Moments Musicaux D.780. Bei ihrem Erscheinen schrieb Indo Harden damals im FonoForum:
"Der Konzertvirtuose Gilels ist weitgehend vom Musiker Gilels abgelöst worden......Sein Musizieren wirkt im ganzen schlicht ... (und) diese Schlichtheit das Ergebnis eines sehr subtilen und sogar raffinierten Einsatzes aller pianistischen Mittel ist, über die nur ein bedeutender Pianist verfügt."
Diesem Urteil kann ich nur zustimmen. Die LP hat ein Ehrenplatz in meiner SAmmlung, auf CD ist sie leider noch nicht erschienen. Wir müssen uns mit den beiden Mitschnitten von BMG_Melodya aus der Gilels-Edition (Moskau 1965) oder der schon oben erwähnten CD von den Salzburger Festspielen 1970 (mit der a-moll Sonate D.784) bei Orfeo begnügen, die jedoch einige Publikumsgeräusche enthalten, in der Moskauer Aufnahme störend. Die BMG-Melodya Gilels-Edition enthält noch das 1.Impromptu aus D.935. Das sind Gilels bis jetzt veröffentlichten Schubert- Beiträge, vielleicht liegt noch einiges in russischen Archiven.
Gruß Bernd
Rachmaninov (02.04.2007, 18:34): Original von Ganong Liebe Mitglieder des Forums ,
die beiden Werke von Franz Schubert , diem Emil Gilels 1970 im Salzburger Mozarteum gespielt hat , gehören zum Besten , das ich aus der Schubert - Interpretationsgeschichte kenne ; D 784 noch mehr als die "Monents musicaux" .
@Frank, die Aufnahme ist IMo ein MUSS in jedem gut sortierten CD Regal! Wie von Dir geschrieben ist der Schubert großartig!
Kennt jemand von Euch vielleicht den Grund ?
Nein, mir sind keine bekannt! Vor allem verwunderlich wo er doch ebenfalls sehr viel Beethoben gespielt hat! Oder "schätzte" er Schubert einfach nicht ?(
Schade, daß Gilels nicht viel mehr Schubert eingespielt hat. So ein grandioser Musiker wie er hätte sicherlich viel der Schubert Diskographie viel gegeben. Irgendwie hat Gilels ja immer etwas mitzuteilen .... :I
Seine Aufnahme von D784 ist hierfür ein Dokument!
ab (23.05.2008, 18:18): Wer von euch kennt eigentlich die Trio-und Quartett-Aufnahmen mit Leonid Kogan (Violine), Mstislav Rostropovich (Cello),Rudolf Barshai (Viola), die nun bei der DG wieder veröffentlich worden sind?
Haydn: Klaviertrios H15 Nr. 16 & 19 +Beethoven: Klaviertrios Nr. 7 & 9 (op. 97 & WoO. 38) +Schumann: Klaviertrio Nr. 1 d-moll op. 63 +Faure: Klavierquartett Nr. 1 c-moll op. 15
Gieles war hier Klassiker und nicht Romantiker, so mein Soundschnitzeleindruck.
Amadé (23.05.2008, 20:55): Außer Faure gab es das bereits vor 30 Jahren auf 2 französischen LPs von Le chant du monde. Ich muss mir das mal wieder anhören. Das Erzherzogtrio habe ich in guter Erinnerung.
Gruß Amadé
Zelenka (25.05.2008, 08:14): Original von ab Wer von euch kennt eigentlich die Trio-und Quartett-Aufnahmen mit Leonid Kogan (Violine), Mstislav Rostropovich (Cello),Rudolf Barshai (Viola), die nun bei der DG wieder veröffentlich worden sind?
Haydn: Klaviertrios H15 Nr. 16 & 19 +Beethoven: Klaviertrios Nr. 7 & 9 (op. 97 & WoO. 38) +Schumann: Klaviertrio Nr. 1 d-moll op. 63 +Faure: Klavierquartett Nr. 1 c-moll op. 15
Gieles war hier Klassiker und nicht Romantiker, so mein Soundschnitzeleindruck.
Heute morgen wird diese Box übrigens für reichlich unglaubliche EUR 9.05 von dvdlegacy via amazon.de angeboten ...
Gruß, Zelenka
Dr. Schön (07.10.2008, 13:12): Hallo,
Angeregt vom Faden zu Beethovens Klavierkonzerten: Kann jemand Einzel-CDs mit Beethoven Sonaten empfehlen, die Gilels als einen der größten Interpreten dieser Werke zeigen?
Ich kenne bisher nur einzelnes aus seinem DGG Zyklus. Diese Aufnahmen finde ich gut bis sehr gut, jedoch hat es nicht zur Anschaffung der ganzen Box gereicht, so ich mir auch nicht sicher bin, ob ich ihm unrecht tue. Sein Spiel empfand ich als sehr verinnerlicht und differenziert, aber letztlich auch ein wenig glatt. Ich kann mir den Mann auch etwas "wilder" vorstellen.
Die Brilliant Box habe ich bisher wegen Masur nicht anschaffen wollen.
Gruß Dr. Schön
ab (07.10.2008, 14:37): Hallo Dottore,
Gilels live ist völlig anders als er studio war. Hier war er - vor allem in späten Jahren - auf der Suche nach statischer Ruhe, dort aber ging er oft aufs Ganze!
Zur Frage: Das Melodiya-Recital aus dem Moskauer Konservatoriumssaal von 12.12.1968 mit der Mondscheinsonate und der Pathétique ist grandios. :times10
Überhaupt finde ich, ist diese Mondscheinsonate - zusammen mit der von Backhaus vom 10.8.1968 aus Salzburg (Orfeo) - die beste, die ich kenne, sozusagen in einer anderen Liega als all die anderen (die ich bislang kenne). :down
:hello
Dr. Schön (07.10.2008, 14:49): Lieber ab,
bei der Mondschein Sonate suche ich ohnehin noch sowas wie das weitestgehende Optimum. Von Backhaus kenne ich nur die Decca Aufnahme (auf einer Elequence Doppel CD), die ich nicht übel finde.
Die Melodie der ersten Satzes kommt mir oft so popelig vor. :ignore
Bislang wäre Schnabel mein Favorit bei dieser Sonate, da er, wie ich finde, die Atmosphäre/Stimmung gut trifft.
Dr. Schön
ab (07.10.2008, 20:26): Original von Dr. Schön Lieber ab,
bei der Mondschein Sonate suche ich ohnehin noch sowas wie das weitestgehende Optimum. Von Backhaus kenne ich nur die Decca Aufnahme (auf einer Elequence Doppel CD), die ich nicht übel finde.
Die Melodie der ersten Satzes kommt mir oft so popelig vor. :ignore
Bislang wäre Schnabel mein Favorit bei dieser Sonate, da er, wie ich finde, die Atmosphäre/Stimmung gut trifft.
L.Dr.,
Mir geht es mit dem zweiten Satz der 5. Sinfonie so. :A
Doch zurück zum Thema: Die Gilels-Boxbei Brilliant ist das Geld jedefalls wert, auch wenn man nicht die Klavierkonzerte mit Masur sich zu Gemüte führt. Sie stammen aus ähnlicher Zeit wie die Studioaufnahmen und zeigen schön den Unterschied zwischen studio und live.