Erotik und klassische Musik- eine schwierige Frage

andreas (04.08.2006, 20:06):
Liebe Freunde und Freundinnen,

Ich kam auf die Idee zu diesem Thread als ich letztens wieder ein Cover mit Anna Netrebko sah und mich von ihm nicht abwenden konnte, so schön und anregend war sie fotographiert.
Ich war immer dagegen, dass labels mit billiger Erotik oder anspruchsvoller Erotik Kunden für eine Klassik-Cd gewinnen wollen.

Ich hatte folgende Position:
- Musik ist etwas Geistiges, etwas das erhaben und edel ist. man soll das Erhabene nicht mit den rohen Trieben vermischen und habe mir niemals CDs dieser Art gekauft. Wir sind keine wilden Tiere , und vor allem nicht, wenn wir musik hören!!!. da war ich streng.

heute habe ich folgendes gedacht:
Nun ja, : aber, da wir doch sinnliche Wesen sind und gerade wenn wir klassische Musik hören, alle unsere Sinne beteilgt sind (nur nur der Gehörsinn!):
Wieso sollen wir dann nicht auch während des Musikhörens erotische Assoziationen haben? Was ist daran so verwerflich?
Warum sollen wir nicht an Anna Netrebko denken, wenn wir ihre CDs hören?

Also: soll man anspruchsvolle Erotik auf Covern annehmen oder lieber verbieten? Und wie beurteilt ihr das Verhältnis von Erotik und kl. Musik?

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
satie (07.08.2006, 22:25):
Dazu fällt mir ein Zitat aus den Stardust Memories von Woodie Allen ein:
"Ich dachte immer, die Goldberg-Variationen seien das, was Mr. und Mrs. Goldberg in ihrer Hochzeitsnacht getan haben..."

Satie
Jeremias (07.08.2006, 22:27):
Ich dachte, in der Hochzeitsnacht hört man Beethovens Dritte... die "Erotica" :D
satie (07.08.2006, 22:30):
In irgend einer Brahms-Sonate ist ein Gedicht wiedergegeben, welches die Zeile "da saßen zwei Herzen in Liebe vereint" enthält. In einem Konzertprogramm gab es dann den folgenden Druckfehler:
"da saßen zwei HERREN in Liebe vereint"...

Satie
Pollux (17.11.2007, 10:45):
Aus dem sechsten Brief Mozarts ans Bäsle:

" Ma trés cher Cousine!
in gröster Eyl - und mit vollkomenster Reüe und leid, und steifen Vorsatz schreibe ich ihnen, und gieb ihnen die Nachricht, daß ich morgen schon nach München abreise; - liebstes bäsle, sey kein häsle - ich wäre sehr gerne nach augsburg das versichere ich sie, allein der H: Reichs-Prälat hat mich nicht weg-gelassen, und ich kann ihn nicht hassen, denn das wäre wieder das gesetz gottes und der Natur, und wers nicht glaubt ist eine h-r; mithin ist es halt einmal so, - vielleicht komme ich von münchen auf einen sprung nach augsburg; allein es ist nicht so sicher; - wenn sie so viell freüd haben mich zu sehen wie ich ihnen, so kommen sie nach München in die werthe stadt - schauen sie daß sie vorm Neüen jahr noch drinn sind, so will ich sie dann betrachten vorn und hind - will sie überall herum führen, auch wenns nothwendig ist kristiren - doch nur eines ist mir leid, daß ich sie nicht kann logiren: weil ich in keinen wirthshaus bin, sondern wohne bey - ja wo? - das möcht ich wissen; - Nun spassssss a part - just dessentwegen ist es für mich sehr nothwendig daß sie kommen - sie werden vielleicht eine grosse Rolle zu spiellen bekommen - also kommen sie gewis, sonst ist ein schys; ich werde alsdan in eigner hoherperson ihnen Complimentiren, ihnen den arsch Petschieren, ihre hände küssen, mit der hintern büchse schiessen, ihnen Embrassiren, sie hinten und vorn kristiren, ihnen, was ich ihnen etwa alles schuldig bin, haarklein bezahlen, und einen wackeren furz lassen erschallen, und vielleicht auch etwas lassen fallen - Nun
adieu - mein Engel mein herz
ich warte auf sie mit schmerz
schreiben sie mir nur gleich nach München Poste restante
ein kleines briefchen von 24 bögen, aber
schreiben sie nicht hinein wo sie logiren werden,
damit ich sie, und sie mich nicht finden; -
P: S: Scheis = dibitari der pfarer zu Rodempl
hat sein köchin im arsch geleckt, ein andern zum Exempl;

Vivat - vivat

votre sincere Co

W: A... "

Mozart selbst, "allzeit der alte junge Sauschwanz", hatte offenbar kein Problem damit, das Erhabene und das Sinnliche in seinem Leben unter eine Perücke zu kriegen. Daran sollte man die Sachwalter des Guten, Schönen, Wahren gelegentlich erinnern, wenn sie mal wieder den Konzertsaal mit der Kirche verwechseln bzw. das wahre Leben mit ihrer Projektion davon.
cellodil (17.11.2007, 10:55):
Lieber Pollux,

wo hast Du denn diesen Faden gefunden? Den hatte ich bislang schlicht übersehen....

Oder ich habe nur "Netrebko" gelesen und gleich weitergeblättert... :ignore

Für mich hat Musik immer was mit Eros zu tun. Und damit meine ich Eros als Lebendigkeit, Sinnlichkeit. Alles andere ist Musikbeamtentum. Und zumindest mich interessiert das nicht. Und da halte ich es dann mit Döblin und dessen Rat ans Theaterpublikum: "Es ist ja nichts mit der Kunst, geht doch zu Bett oder in den Zirkus".

Deshalb können meiner Meinung nach auch Konzerte, bei denen die Interpreten auch mal beherzt danebengreifen, den Ton nicht treffen, aber die Leidenschaft spürbar ist, bisweilen viel packender sein als ein technisch perfekter Vortrag (wobei ich mich ein bisschen dagegen sträube, das als "perfekt" zu bezeichnen, denn eigentlich ist meiner Meinung nach gerade das alles andere als perfekt), bei dem man den Eindruck hat, der Interpret überlegt sich gerade, ob er nach dem Konzert Rostbraten oder doch lieber Maultaschen essen möchte...

Herzliche Grüße

Sabine
satie (17.11.2007, 11:19):
Liebe Sabine,
danke für diese sehr richtige Ergänzung: Erotik kann ja nun gottseidank auch eine sehr subtile Sinnlichkeit sein und muss nicht unbedingt (wie bei Mozarts Bäsle-Briefen) mit Derbheiten verbunden sein.
Ich würde es sehr interessant finden, einmal Stücke zusammen zu tragen, die inhaltlich tatsächlich etwas mit Erotik zu tun haben. Viele werden Griegs lyrisches Stück mit dem Titel "Erotik" kennen (eins, wo ich nie verstanden habe, was er genau meint, aber das mag an mir liegen). Es gibt von Mauricio Kagel (natürlich, die Südländer wieder...) ein Stück mit Titel "Quod libet", in dem es nur um Sex, Erotik, Sinnlichkeit geht. Das Stück hatte ich im Fernsehen gehört und gesehen, bei einem Gesprächskonzert mit Kagel. Da gab es eine Stelle, wo alle Musiker inklusivfe Gesangssolistin molto vibrato, also richtig bebend, spielen und singen mussten. Gerd Albrecht, der Dirigent, wollte dann den Unterschied zwischen dem geraden Klang und dem molto Vibrato zeigen. Dadie Sängerin Französin war, sagte Albrecht zu ihr: "Maintenant, Madame, une version virginale!" (Jetzt bitte eine jungfräuliche Version!) Nach einer völlig vibratolosen Version spielten es die Musiker dann wieder so, wie Kagel es vorgeschrieben hatte. Darauf sagte Kagel: "Davor war es virginal, jetzt ist es vaginal." Ich staunte nicht schlecht über so viel Offengheit an einem Sonntagmorgen. Gerd Albrecht sagte dann auch gleich:" Also, bei der ARD hätten sie das sicher herausgeschnitten..." Das Stück selber ist mir in sehr guter Erinnerung geblieben, mit typisch kagel'schem Humor und tatsächlich war alles Sinnliche sehr schön nachvollziehbar.
nikolaus (17.11.2007, 14:44):
Original von cellodil
Deshalb können meiner Meinung nach auch Konzerte, bei denen die Interpreten auch mal beherzt danebengreifen, den Ton nicht treffen, aber die Leidenschaft spürbar ist, bisweilen viel packender sein als ein technisch perfekter Vortrag (wobei ich mich ein bisschen dagegen sträube, das als "perfekt" zu bezeichnen, denn eigentlich ist meiner Meinung nach gerade das alles andere als perfekt), bei dem man den Eindruck hat, der Interpret überlegt sich gerade, ob er nach dem Konzert Rostbraten oder doch lieber Maultaschen essen möchte...

Herzliche Grüße

Sabine

:down
cellodil (18.11.2007, 09:30):
Original von Satie
Ich würde es sehr interessant finden, einmal Stücke zusammen zu tragen, die inhaltlich tatsächlich etwas mit Erotik zu tun haben.

Lieber Satie,

bei Frederik Zeller gibt es, ich glaube bei Irma Vep (das ist allerdings eine Oper und da gibt es ja doch häufiger eindeutige Sequenzen), so eine Passage mit einem Geschlechtsverkehr, der mit exakten Metronomangaben versehen ist. Selbst gesehen und gehört habe ich das nicht. Aber der Regisseur, der das vor ein paar Jahren inszenierte, hat heftig (und gänzlich unerotisch) gestöhnt über diesen Sch*** - wie er es nannte...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (18.11.2007, 09:53):
Was mir gerade noch eingefallen ist... Die Coloratur-Arie der Königin der Nacht aus der Zauberflöte weckt ja bei manchen Hörern auch eindeutig-zweideutige Assoziationen (wenn auch wohl eher nicht in der Version mit Florence Foster-Jenkins, die ich gerade anhöre, obwohl... ) und das war, wenn ich mich recht erinnere, auch so vom Wolferl intendiert...

Und dann ist mir noch - andere Baustelle - eingefallen, dass es in Schuberts Streichquartett Der Tod und das Mädchen ja auch um eine Verführungsszene geht - wenn auch um eine spezielle. Andererseits: Liebe und Tod gehen ja auch häufig Hand in Hand - auf jeden Fall in der Kunst.

Herzliche Grüße

Sabine
teleton (21.11.2007, 11:10):
Andres hat es im ersten Beitrag schon angesprochen:
EROTIK auf Klassik-CD-Covern.

Wenn es passend und nett gemacht ist, warum nicht !
Das dies den Kauf der CD fördert schließe ich für mich aus, denn der Inhalt und die Interpretation zählen.
Aber eine nettes Cover nehme ich gerne als Augenschmauß entgegen.

Meine erste Aufnahme von
Strawinsky: Le Sacre mit Swetlanow (Eurodisc)
hatte ein tolles Cover mit dem nudistischen Frühlingsopfer und als Ölbilddarstellung - Klasse Cover !


Hier ein paar nette Beispiele:
http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000CG8EE.01.LZZZZZZZ.jpghttp://www.jpc.de/image/cover/front/0/3676293.jpg
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6139049.jpg
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4220435.jpg
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4906128.jpg
http://images-eu.amazon.com/images/P/B00005V0Y3.03.LZZZZZZZ.jpghttp://www.jpc.de/image/cover/front/0/4116974.jpg
http://ec1.images-amazon.com/images/I/51JTGMVGQ7L._SS400_.jpg


http://ec1.images-amazon.com/images/I/41YQSAP2PDL._SS400_.jpg
http://ec1.images-amazon.com/images/I/4104B8HHZXL._SS400_.jpg
http://ec1.images-amazon.com/images/I/41G163K8TJL._SS500_.jpg

:beer Ich meine alles im Rahmen - oder ?
Jürgen (21.11.2007, 12:21):
Original von Richard Wagner
(Er fährt erschreckt und staunend auf) Das ist kein Mann! -
Original von teleton
http://ec1.images-amazon.com/images/I/41G163K8TJL._SS500_.jpg


Ich fürchte, die Einschätzungen, was erotisch ist, differieren.

Grüße
Jürgen
cellodil (21.11.2007, 22:04):
Original von Jürgen

Ich fürchte, die Einschätzungen, was erotisch ist, differieren.

Grüße
Jürgen

... wie wahr! :rofl :rofl :rofl :rofl

P.S. Wusste gar nicht, dass Theresa Orlowski und Dolly Buster auch Plattenlabels betreiben...
teleton (22.11.2007, 09:02):
Hallo Jürgen und Cellodill,

:D dann haltet Euch doch an den anderen 10 Covern fest.
Mag ja sein, dass dieses eine Mullova-Cover nicht so erotisch rüberkommt.
:leb Auswahl ist ja genaug da.
satie (22.11.2007, 10:45):
Alles eine Frage des Geschmacks. Ich verstehe nur nicht, warum man nicht mehr Wert auf Details gelegt hat und ihr ein anständiges Lederoutfit gegeben hat und eine Peitsche. Das hätte durchaus auch verkaufstechnisch seinen Sinn gehabt (schon aus Angst vor Züchtigung wäre der Kauf fast zwingend gewesen).
Und manch einer würde hier wieder sagen, der Zweck heilige die Mittel (wenn die Prolls so wenigstens mal Mozart hören, darf auch ein scharfes Luder auf der Hülle sein).
Bei Carmen und Cosi fan tutte kann ich die Cover sehr gut annehmen, zumal es Gemälde sind und sie somit weniger Ähnlichkeiten mit gewissen Hochglanzmagazinen aufweisen. Beim Erotica-Trio hätte man ruhig noch etwas mehr Fleisch zeigen können, dafür weniger Zähne. Dass ungarische Cellistinnen ständig auf der Suche nach deutschen heiratswilligen Männern sind, versteht sich von selbst. Leider haben wir nicht die Rückseite des Covers mit den Maßen, Geburtsdaten und Hobbies der Damen abgebildet, auch fehlt das Booklet, welches jede der Cellistinnen noch ganz nackt in jeweils verschiedenen Stellungen präsentiert (sabber...).
Am meisten wundere ich mich eigentlich über die "Evening Passions", zumal das eine DG-Scheibe ist. Bei denen dachte ich immer, dass sie eher deutsche Schäferhunde und so abbilden...aber nun gut, auch die brauchen mal Abwechslung.
ab (22.11.2007, 11:33):
Ich las jüngst im Internet, dass Scriabin selbt in seinen Beschriftungen und Briefen Anhaltspunkte zu den folgen Assoziationen seiner Klavier Sonate Nr. 5 liefert:
Wollust, Exstase und Sex

Ich frage mich dann nur, was die Piansiten, von denen ich Aufnahmen dieser Sonate kenne, für ein Sexualleben oder zumindest -vorstellungen haben..
?(
cellodil (22.11.2007, 13:48):
Lieber satie,
lieber ab,

Kicher!!!! Ihr habt meinen Tag gerettet. Bei der ungarischen Cellistin hatte ich übrigens ähnliche Assoziationen. Gilt das eigentlich auch für ungarische Cellisten, was meint Ihr, vielleicht hätte ich dann ja doch noch bei Herrn Perenyi (der in seinem kleinen Finger mehr Sex hat als die ganzen hüllenarmen Hüllendamen zusammen) gewisse Chancen... Zumindest, so lange ich mein Cello nicht in die Finger nehme...

Herzliche Grüße und

:rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl

Sabine
ab (22.11.2007, 13:55):
Original von cellodil
bei Herrn Perenyi (der in seinem kleinen Finger mehr Sex hat als die ganzen hüllenarmen Hüllendamen zusammen)

Na ja, kleiner Finger... :ignore
cellodil (22.11.2007, 13:57):
:D
Jürgen (22.11.2007, 17:04):
Original von teleton
Hallo Jürgen und Cellodill,

:D dann haltet Euch doch an den anderen 10 Covern fest.
Mag ja sein, dass dieses eine Mullova-Cover nicht so erotisch rüberkommt.
:leb Auswahl ist ja genaug da.


Nein, nein, ich halte mich dann doch lieber am Mullova-Cover fest. Aber nur wegen dem was es bedeckt, schöne Musik nämlich. Dass ich das Cover wenig erotisch finde, stört mich dabei wenig.
Es stört mich schon eher, wenn ein Cover erotisch ist, ohne eine gewisse künstlerische Ästethik zu haben. Wer Pin-Up möchte, hat sicher andere Möglichkeiten.

Interessanter ist, und damit komme ich dem Anfangsthema wieder näher, welche Musik auf "Evening Passions" ist.
Tracklisting von amazon(bearbeitet)
Sinfonie Nr. 4 A-dur op. 90 (Italienische): 3. Satz (Con moto moderato) Komponiert von Felix Mendelssohn-Bartholdy
Dornröschen op. 66: Panorama 2. Akt Komponiert von Peter I. Tschaikowsky
Les Sylphides: Ausschnitte Komponiert von Frédéric Chopin
Serenade für Streichorchester E-dur op. 22: 1. Satz (Moderato) Komponiert von Antonin Dvorak
Ungarischer Tanz Nr. 5 g-moll (Allegro) Komponiert von Johannes Brahms
Impromptus D 899: Nr. 3 Ges-dur Komponiert von Franz Schubert
Adagio For Strings op. 11 Komponiert von Samuel Barber
Ogives: Nr. 1 (a J.P. Contamine de Latour) Komponiert von Erik Satie
Streichquartett Nr. 15 a-moll op. 132: 1. Satz (Assai sostenuto-Allegro) Komponiert von Ludwig van Beethoven
Na also, 5.Ung.Tanz und Evening Passions ?
Welches Paar wird sich davon wohl in erotische Schwingungen versetzen lassen? Ich kenne nur eine Sorte: Karnickel

Aber kann Musik das überhaupt leisten?

Fortsetzung folgt.

Jürgen
ab (22.11.2007, 17:34):
Mir fällt auch gerade der Wunderbare Mandrin von Bela Bartok ein! Dort geht es explizit um Erotik! Überhaupt wird bei Bartok oft die Klarinette für den Ausdruck von Sinnlichkeit eingesetzt.

Gradios erotisch gedeutet ist Gretchen am Spinnrad von Schubert in der Elly Ameling-Interpretation (Philips). "Echt geil", sagt die Jugend heute wohl...

Sofort schweifen dann meine Gedanken zu indirekten Beispielen:

Debussys Pelléas et Mélisande: Dort kommen sexuelle Bedürfnisse in verdrängter Form zum Tragen. (Daher ist Abbados Interpretation so seltsam, in der die Frau eher als Vamp à la Schreker-Opern auftritt - womit neue direkte Beispiele für Erotik in der Musik genannt wären.)

Christa Ludwigs Interpretation von Schuberts Winterreise: Die Interpretation als enttäuschter sinnlich-impulsiver Frau, deren Bedürfnisse und Würde mit Füßen getreten wurden.
Mime (24.11.2007, 18:33):
Beim Fidelio-Cover kommen mir tatsächlich Zweifel, ob die engelsgleich beflügelte Retterin tatsächlich Christa Ludwig ist. :D
andreas (04.08.2006, 20:06):
Liebe Freunde und Freundinnen,

Ich kam auf die Idee zu diesem Thread als ich letztens wieder ein Cover mit Anna Netrebko sah und mich von ihm nicht abwenden konnte, so schön und anregend war sie fotographiert.
Ich war immer dagegen, dass labels mit billiger Erotik oder anspruchsvoller Erotik Kunden für eine Klassik-Cd gewinnen wollen.

Ich hatte folgende Position:
- Musik ist etwas Geistiges, etwas das erhaben und edel ist. man soll das Erhabene nicht mit den rohen Trieben vermischen und habe mir niemals CDs dieser Art gekauft. Wir sind keine wilden Tiere , und vor allem nicht, wenn wir musik hören!!!. da war ich streng.

heute habe ich folgendes gedacht:
Nun ja, : aber, da wir doch sinnliche Wesen sind und gerade wenn wir klassische Musik hören, alle unsere Sinne beteilgt sind (nur nur der Gehörsinn!):
Wieso sollen wir dann nicht auch während des Musikhörens erotische Assoziationen haben? Was ist daran so verwerflich?
Warum sollen wir nicht an Anna Netrebko denken, wenn wir ihre CDs hören?

Also: soll man anspruchsvolle Erotik auf Covern annehmen oder lieber verbieten? Und wie beurteilt ihr das Verhältnis von Erotik und kl. Musik?

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
satie (07.08.2006, 22:25):
Dazu fällt mir ein Zitat aus den Stardust Memories von Woodie Allen ein:
"Ich dachte immer, die Goldberg-Variationen seien das, was Mr. und Mrs. Goldberg in ihrer Hochzeitsnacht getan haben..."

Satie
Jeremias (07.08.2006, 22:27):
Ich dachte, in der Hochzeitsnacht hört man Beethovens Dritte... die "Erotica" :D
satie (07.08.2006, 22:30):
In irgend einer Brahms-Sonate ist ein Gedicht wiedergegeben, welches die Zeile "da saßen zwei Herzen in Liebe vereint" enthält. In einem Konzertprogramm gab es dann den folgenden Druckfehler:
"da saßen zwei HERREN in Liebe vereint"...

Satie
Pollux (17.11.2007, 10:45):
Aus dem sechsten Brief Mozarts ans Bäsle:

" Ma trés cher Cousine!
in gröster Eyl - und mit vollkomenster Reüe und leid, und steifen Vorsatz schreibe ich ihnen, und gieb ihnen die Nachricht, daß ich morgen schon nach München abreise; - liebstes bäsle, sey kein häsle - ich wäre sehr gerne nach augsburg das versichere ich sie, allein der H: Reichs-Prälat hat mich nicht weg-gelassen, und ich kann ihn nicht hassen, denn das wäre wieder das gesetz gottes und der Natur, und wers nicht glaubt ist eine h-r; mithin ist es halt einmal so, - vielleicht komme ich von münchen auf einen sprung nach augsburg; allein es ist nicht so sicher; - wenn sie so viell freüd haben mich zu sehen wie ich ihnen, so kommen sie nach München in die werthe stadt - schauen sie daß sie vorm Neüen jahr noch drinn sind, so will ich sie dann betrachten vorn und hind - will sie überall herum führen, auch wenns nothwendig ist kristiren - doch nur eines ist mir leid, daß ich sie nicht kann logiren: weil ich in keinen wirthshaus bin, sondern wohne bey - ja wo? - das möcht ich wissen; - Nun spassssss a part - just dessentwegen ist es für mich sehr nothwendig daß sie kommen - sie werden vielleicht eine grosse Rolle zu spiellen bekommen - also kommen sie gewis, sonst ist ein schys; ich werde alsdan in eigner hoherperson ihnen Complimentiren, ihnen den arsch Petschieren, ihre hände küssen, mit der hintern büchse schiessen, ihnen Embrassiren, sie hinten und vorn kristiren, ihnen, was ich ihnen etwa alles schuldig bin, haarklein bezahlen, und einen wackeren furz lassen erschallen, und vielleicht auch etwas lassen fallen - Nun
adieu - mein Engel mein herz
ich warte auf sie mit schmerz
schreiben sie mir nur gleich nach München Poste restante
ein kleines briefchen von 24 bögen, aber
schreiben sie nicht hinein wo sie logiren werden,
damit ich sie, und sie mich nicht finden; -
P: S: Scheis = dibitari der pfarer zu Rodempl
hat sein köchin im arsch geleckt, ein andern zum Exempl;

Vivat - vivat

votre sincere Co

W: A... "

Mozart selbst, "allzeit der alte junge Sauschwanz", hatte offenbar kein Problem damit, das Erhabene und das Sinnliche in seinem Leben unter eine Perücke zu kriegen. Daran sollte man die Sachwalter des Guten, Schönen, Wahren gelegentlich erinnern, wenn sie mal wieder den Konzertsaal mit der Kirche verwechseln bzw. das wahre Leben mit ihrer Projektion davon.
cellodil (17.11.2007, 10:55):
Lieber Pollux,

wo hast Du denn diesen Faden gefunden? Den hatte ich bislang schlicht übersehen....

Oder ich habe nur "Netrebko" gelesen und gleich weitergeblättert... :ignore

Für mich hat Musik immer was mit Eros zu tun. Und damit meine ich Eros als Lebendigkeit, Sinnlichkeit. Alles andere ist Musikbeamtentum. Und zumindest mich interessiert das nicht. Und da halte ich es dann mit Döblin und dessen Rat ans Theaterpublikum: "Es ist ja nichts mit der Kunst, geht doch zu Bett oder in den Zirkus".

Deshalb können meiner Meinung nach auch Konzerte, bei denen die Interpreten auch mal beherzt danebengreifen, den Ton nicht treffen, aber die Leidenschaft spürbar ist, bisweilen viel packender sein als ein technisch perfekter Vortrag (wobei ich mich ein bisschen dagegen sträube, das als "perfekt" zu bezeichnen, denn eigentlich ist meiner Meinung nach gerade das alles andere als perfekt), bei dem man den Eindruck hat, der Interpret überlegt sich gerade, ob er nach dem Konzert Rostbraten oder doch lieber Maultaschen essen möchte...

Herzliche Grüße

Sabine
satie (17.11.2007, 11:19):
Liebe Sabine,
danke für diese sehr richtige Ergänzung: Erotik kann ja nun gottseidank auch eine sehr subtile Sinnlichkeit sein und muss nicht unbedingt (wie bei Mozarts Bäsle-Briefen) mit Derbheiten verbunden sein.
Ich würde es sehr interessant finden, einmal Stücke zusammen zu tragen, die inhaltlich tatsächlich etwas mit Erotik zu tun haben. Viele werden Griegs lyrisches Stück mit dem Titel "Erotik" kennen (eins, wo ich nie verstanden habe, was er genau meint, aber das mag an mir liegen). Es gibt von Mauricio Kagel (natürlich, die Südländer wieder...) ein Stück mit Titel "Quod libet", in dem es nur um Sex, Erotik, Sinnlichkeit geht. Das Stück hatte ich im Fernsehen gehört und gesehen, bei einem Gesprächskonzert mit Kagel. Da gab es eine Stelle, wo alle Musiker inklusivfe Gesangssolistin molto vibrato, also richtig bebend, spielen und singen mussten. Gerd Albrecht, der Dirigent, wollte dann den Unterschied zwischen dem geraden Klang und dem molto Vibrato zeigen. Dadie Sängerin Französin war, sagte Albrecht zu ihr: "Maintenant, Madame, une version virginale!" (Jetzt bitte eine jungfräuliche Version!) Nach einer völlig vibratolosen Version spielten es die Musiker dann wieder so, wie Kagel es vorgeschrieben hatte. Darauf sagte Kagel: "Davor war es virginal, jetzt ist es vaginal." Ich staunte nicht schlecht über so viel Offengheit an einem Sonntagmorgen. Gerd Albrecht sagte dann auch gleich:" Also, bei der ARD hätten sie das sicher herausgeschnitten..." Das Stück selber ist mir in sehr guter Erinnerung geblieben, mit typisch kagel'schem Humor und tatsächlich war alles Sinnliche sehr schön nachvollziehbar.
nikolaus (17.11.2007, 14:44):
Original von cellodil
Deshalb können meiner Meinung nach auch Konzerte, bei denen die Interpreten auch mal beherzt danebengreifen, den Ton nicht treffen, aber die Leidenschaft spürbar ist, bisweilen viel packender sein als ein technisch perfekter Vortrag (wobei ich mich ein bisschen dagegen sträube, das als "perfekt" zu bezeichnen, denn eigentlich ist meiner Meinung nach gerade das alles andere als perfekt), bei dem man den Eindruck hat, der Interpret überlegt sich gerade, ob er nach dem Konzert Rostbraten oder doch lieber Maultaschen essen möchte...

Herzliche Grüße

Sabine

:down
cellodil (18.11.2007, 09:30):
Original von Satie
Ich würde es sehr interessant finden, einmal Stücke zusammen zu tragen, die inhaltlich tatsächlich etwas mit Erotik zu tun haben.

Lieber Satie,

bei Frederik Zeller gibt es, ich glaube bei Irma Vep (das ist allerdings eine Oper und da gibt es ja doch häufiger eindeutige Sequenzen), so eine Passage mit einem Geschlechtsverkehr, der mit exakten Metronomangaben versehen ist. Selbst gesehen und gehört habe ich das nicht. Aber der Regisseur, der das vor ein paar Jahren inszenierte, hat heftig (und gänzlich unerotisch) gestöhnt über diesen Sch*** - wie er es nannte...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (18.11.2007, 09:53):
Was mir gerade noch eingefallen ist... Die Coloratur-Arie der Königin der Nacht aus der Zauberflöte weckt ja bei manchen Hörern auch eindeutig-zweideutige Assoziationen (wenn auch wohl eher nicht in der Version mit Florence Foster-Jenkins, die ich gerade anhöre, obwohl... ) und das war, wenn ich mich recht erinnere, auch so vom Wolferl intendiert...

Und dann ist mir noch - andere Baustelle - eingefallen, dass es in Schuberts Streichquartett Der Tod und das Mädchen ja auch um eine Verführungsszene geht - wenn auch um eine spezielle. Andererseits: Liebe und Tod gehen ja auch häufig Hand in Hand - auf jeden Fall in der Kunst.

Herzliche Grüße

Sabine
teleton (21.11.2007, 11:10):
Andres hat es im ersten Beitrag schon angesprochen:
EROTIK auf Klassik-CD-Covern.

Wenn es passend und nett gemacht ist, warum nicht !
Das dies den Kauf der CD fördert schließe ich für mich aus, denn der Inhalt und die Interpretation zählen.
Aber eine nettes Cover nehme ich gerne als Augenschmauß entgegen.

Meine erste Aufnahme von
Strawinsky: Le Sacre mit Swetlanow (Eurodisc)
hatte ein tolles Cover mit dem nudistischen Frühlingsopfer und als Ölbilddarstellung - Klasse Cover !


Hier ein paar nette Beispiele:
http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000CG8EE.01.LZZZZZZZ.jpghttp://www.jpc.de/image/cover/front/0/3676293.jpg
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6139049.jpg
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http://images-eu.amazon.com/images/P/B00005V0Y3.03.LZZZZZZZ.jpghttp://www.jpc.de/image/cover/front/0/4116974.jpg
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http://ec1.images-amazon.com/images/I/41G163K8TJL._SS500_.jpg

:beer Ich meine alles im Rahmen - oder ?
Jürgen (21.11.2007, 12:21):
Original von Richard Wagner
(Er fährt erschreckt und staunend auf) Das ist kein Mann! -
Original von teleton
http://ec1.images-amazon.com/images/I/41G163K8TJL._SS500_.jpg


Ich fürchte, die Einschätzungen, was erotisch ist, differieren.

Grüße
Jürgen
cellodil (21.11.2007, 22:04):
Original von Jürgen

Ich fürchte, die Einschätzungen, was erotisch ist, differieren.

Grüße
Jürgen

... wie wahr! :rofl :rofl :rofl :rofl

P.S. Wusste gar nicht, dass Theresa Orlowski und Dolly Buster auch Plattenlabels betreiben...
teleton (22.11.2007, 09:02):
Hallo Jürgen und Cellodill,

:D dann haltet Euch doch an den anderen 10 Covern fest.
Mag ja sein, dass dieses eine Mullova-Cover nicht so erotisch rüberkommt.
:leb Auswahl ist ja genaug da.
satie (22.11.2007, 10:45):
Alles eine Frage des Geschmacks. Ich verstehe nur nicht, warum man nicht mehr Wert auf Details gelegt hat und ihr ein anständiges Lederoutfit gegeben hat und eine Peitsche. Das hätte durchaus auch verkaufstechnisch seinen Sinn gehabt (schon aus Angst vor Züchtigung wäre der Kauf fast zwingend gewesen).
Und manch einer würde hier wieder sagen, der Zweck heilige die Mittel (wenn die Prolls so wenigstens mal Mozart hören, darf auch ein scharfes Luder auf der Hülle sein).
Bei Carmen und Cosi fan tutte kann ich die Cover sehr gut annehmen, zumal es Gemälde sind und sie somit weniger Ähnlichkeiten mit gewissen Hochglanzmagazinen aufweisen. Beim Erotica-Trio hätte man ruhig noch etwas mehr Fleisch zeigen können, dafür weniger Zähne. Dass ungarische Cellistinnen ständig auf der Suche nach deutschen heiratswilligen Männern sind, versteht sich von selbst. Leider haben wir nicht die Rückseite des Covers mit den Maßen, Geburtsdaten und Hobbies der Damen abgebildet, auch fehlt das Booklet, welches jede der Cellistinnen noch ganz nackt in jeweils verschiedenen Stellungen präsentiert (sabber...).
Am meisten wundere ich mich eigentlich über die "Evening Passions", zumal das eine DG-Scheibe ist. Bei denen dachte ich immer, dass sie eher deutsche Schäferhunde und so abbilden...aber nun gut, auch die brauchen mal Abwechslung.
ab (22.11.2007, 11:33):
Ich las jüngst im Internet, dass Scriabin selbt in seinen Beschriftungen und Briefen Anhaltspunkte zu den folgen Assoziationen seiner Klavier Sonate Nr. 5 liefert:
Wollust, Exstase und Sex

Ich frage mich dann nur, was die Piansiten, von denen ich Aufnahmen dieser Sonate kenne, für ein Sexualleben oder zumindest -vorstellungen haben..
?(
cellodil (22.11.2007, 13:48):
Lieber satie,
lieber ab,

Kicher!!!! Ihr habt meinen Tag gerettet. Bei der ungarischen Cellistin hatte ich übrigens ähnliche Assoziationen. Gilt das eigentlich auch für ungarische Cellisten, was meint Ihr, vielleicht hätte ich dann ja doch noch bei Herrn Perenyi (der in seinem kleinen Finger mehr Sex hat als die ganzen hüllenarmen Hüllendamen zusammen) gewisse Chancen... Zumindest, so lange ich mein Cello nicht in die Finger nehme...

Herzliche Grüße und

:rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl

Sabine
ab (22.11.2007, 13:55):
Original von cellodil
bei Herrn Perenyi (der in seinem kleinen Finger mehr Sex hat als die ganzen hüllenarmen Hüllendamen zusammen)

Na ja, kleiner Finger... :ignore
cellodil (22.11.2007, 13:57):
:D
Jürgen (22.11.2007, 17:04):
Original von teleton
Hallo Jürgen und Cellodill,

:D dann haltet Euch doch an den anderen 10 Covern fest.
Mag ja sein, dass dieses eine Mullova-Cover nicht so erotisch rüberkommt.
:leb Auswahl ist ja genaug da.


Nein, nein, ich halte mich dann doch lieber am Mullova-Cover fest. Aber nur wegen dem was es bedeckt, schöne Musik nämlich. Dass ich das Cover wenig erotisch finde, stört mich dabei wenig.
Es stört mich schon eher, wenn ein Cover erotisch ist, ohne eine gewisse künstlerische Ästethik zu haben. Wer Pin-Up möchte, hat sicher andere Möglichkeiten.

Interessanter ist, und damit komme ich dem Anfangsthema wieder näher, welche Musik auf "Evening Passions" ist.
Tracklisting von amazon(bearbeitet)
Sinfonie Nr. 4 A-dur op. 90 (Italienische): 3. Satz (Con moto moderato) Komponiert von Felix Mendelssohn-Bartholdy
Dornröschen op. 66: Panorama 2. Akt Komponiert von Peter I. Tschaikowsky
Les Sylphides: Ausschnitte Komponiert von Frédéric Chopin
Serenade für Streichorchester E-dur op. 22: 1. Satz (Moderato) Komponiert von Antonin Dvorak
Ungarischer Tanz Nr. 5 g-moll (Allegro) Komponiert von Johannes Brahms
Impromptus D 899: Nr. 3 Ges-dur Komponiert von Franz Schubert
Adagio For Strings op. 11 Komponiert von Samuel Barber
Ogives: Nr. 1 (a J.P. Contamine de Latour) Komponiert von Erik Satie
Streichquartett Nr. 15 a-moll op. 132: 1. Satz (Assai sostenuto-Allegro) Komponiert von Ludwig van Beethoven
Na also, 5.Ung.Tanz und Evening Passions ?
Welches Paar wird sich davon wohl in erotische Schwingungen versetzen lassen? Ich kenne nur eine Sorte: Karnickel

Aber kann Musik das überhaupt leisten?

Fortsetzung folgt.

Jürgen
ab (22.11.2007, 17:34):
Mir fällt auch gerade der Wunderbare Mandrin von Bela Bartok ein! Dort geht es explizit um Erotik! Überhaupt wird bei Bartok oft die Klarinette für den Ausdruck von Sinnlichkeit eingesetzt.

Gradios erotisch gedeutet ist Gretchen am Spinnrad von Schubert in der Elly Ameling-Interpretation (Philips). "Echt geil", sagt die Jugend heute wohl...

Sofort schweifen dann meine Gedanken zu indirekten Beispielen:

Debussys Pelléas et Mélisande: Dort kommen sexuelle Bedürfnisse in verdrängter Form zum Tragen. (Daher ist Abbados Interpretation so seltsam, in der die Frau eher als Vamp à la Schreker-Opern auftritt - womit neue direkte Beispiele für Erotik in der Musik genannt wären.)

Christa Ludwigs Interpretation von Schuberts Winterreise: Die Interpretation als enttäuschter sinnlich-impulsiver Frau, deren Bedürfnisse und Würde mit Füßen getreten wurden.
Mime (24.11.2007, 18:33):
Beim Fidelio-Cover kommen mir tatsächlich Zweifel, ob die engelsgleich beflügelte Retterin tatsächlich Christa Ludwig ist. :D
Cosima (30.03.2008, 12:59):
Claudio Arrau wurde 1976 in einem Interview gefragt „Kennen Sie auch ein physisches Erleben von Musik, das über das unmittelbare Empfinden der Motorik hinausgeht?“

Seine Antwort: „Sie meinen im Sinne von Sinnlichkeit, von Sexualität? O ja – das empfinde ich sehr stark! Die großen ekstatischen Momente im Spiel gleichen sehr den sexuellen Orgasmen. Das empfinde ich auch hin und wieder… manchmal auch im Konzert.“

Wer hätte das von Arrau gedacht? Ich fand diese Aussage ganz köstlich, auch in ihrer Zweideutigkeit… (vielleicht ist sie aber auch nur schlecht übersetzt).

(Claudio Arrau in „Große Interpreten im Gespräch“, Robert C. Bachmann)

Gruß, Cosima :engel
Solitaire (30.03.2008, 19:49):
Jesses sind die cover peinlich.
Ich stelle mir mit Grausen vor was los wäre, wenn die viel gescholtene Anna sich so präsentieren würde, wie die Damen der "Greatest moments ever"-Serie.
Da fehlen mir die Worte, und mit dem was ich unter Sinnlichkeit von Musik verstehe, hat das nun definitv nichts zu tun.

Was nun die Erotik in der Musik angeht, so finde ich, um ein Beispiel zu nennen, "O soave fanciulla" aus Puccinis "La Bohème" in seiner Eindeutigkeit fast schon unanständig :D
Das ist die musikalishce Vorwegnahme dessen, was passieren wird, wenn Rodolfo und Mimì nach dem Besuch im Cafè Momus heimkehren. Unübertroffen natürlich nach wie vor: das "singende Erotikon" (Jürgen Kesting) Luciano Pavarotti und Mirella Freni.

Wenn man Sinnlichkeit anders denn als reine Erotik definiert, dann finde ich auch die Ouvertüre zu Mozarts "Don Giovanni" ausgesprochen sinnlich. Diese Musik hört man nicht nur, man sieht die Höllenflammen die Don Giovanni am Ende verschlingen werden plastisch vor sich.
Zwei Beispiele, die mir zu diesem Thema spontan einfallen.
Holger (25.11.2010, 22:43):
Original von Solitaire

Was nun die Erotik in der Musik angeht, so finde ich, um ein Beispiel zu nennen, "O soave fanciulla" aus Puccinis "La Bohème" in seiner Eindeutigkeit fast schon unanständig :D

So geht's mir mit dem Vorspiel, äh, der Ouvertüre zu "Tannhäuser"! Besonders die pulsierenden Stellen verlangen eigentlich einen Vermerk "FSK 18".

Vielleicht eine ideale Methode, um junge Menschen für die Klassik zu begeistern - verbieten! :tongue:

Liebe Grüße von Holger (der durch Zufall auf diesen alten Thread gestoßen ist)
Fairy Queen (26.11.2010, 06:37):
Lieber Holger, danke , dass du diesen Faden ausgegraben hast-ich wusste bis dato gar nciht , dass es ihn gibt! Ein wahrlich unerschöpfliches Thema, denn für mich ist Musik wie alle anderen Künste auch , nciht von Sinnlichkeit zu trennen. Jede künstlerische Rezeption fidnet über die Sinnenwelt statt, so ist der Mensch nun mal konzipiert. Die Musik ist, wenn man sie auf ihre UR-Materie reduziert, Schwingung. Schallwellen unterschiedlicher Frequenzen, Lautstärken und Farben(Timbres) Diese Schwingung erzeugt aber nicht nur eine emotionale sondern auch eine physische Resonanz. Jeder der mal eine Klangschale auf dem Körper angeschlagen hat oder sich vor einen Gong gesetzt hat, kannb davon eindrucksvoll berichten, aber auch jedes andere Instrument einschliesslich der Stimme vibriert/schwingt, mehr oder weniger "diskret".

Allein schon die Vokabeln Vibration und Schwingung als Urmaterie der Musik dürften den Zusammenhang mit erotik unmissverständlmich klarmachen. und wenn man dann noch das stark imaginative Potentiell mit einschliesst.....


Lieber Holger, um es klar zu sagen: die Tannhäuser-Ouvertüre ist ein komponierter Orgasmus. Als ich dieses Stück mit etwa 16/17 zum ersten Mal bewusst gehört habe, war ich vollkommen berauscht und hatte das Gefühl, es mit einer gefährlichen Droge zu tun zu haben.
Dasselbe gilt für Isoldes Liebestod, wobei da die Worte ausgesprochen störend sind, ohne Text wäre das noch viel eindringlicher.Wagner hates meisterhaft verstanden Erotik zu komponieren, Für meinen Geschmack sogar viel zu meisterhaft, weil plakativ, unentrinnbar und demagogisch. Ich fühle mich da hilflos ausgeliefert und wehrlos- da gibt es nur noch Flucht oder totale Hingabe.

Aber da es gerade 6Uhr 30 ist und ich mich auf meinen Tag vorbereiten muss, lasse ich es einstweilen dabei bewenden- das ist wohl nicht die ideale Uhrzeit um in diese Welten tiefer einzutauchen..... :engel

F.Q.
Jürgen (26.11.2010, 09:20):
In der Tat, Wagner ist ein Meister auf diesem Gebiet.

Im Zusammenhang mit dem Tannhäuser hatte ich bislang jedoch noch keine solche Assoziation.

Bei Tristan & Isolde durchaus. Allein der 2.Akt ist ein durchkomponierter Liebesakt, beginnend mit der Vorfreude bis hin zum Coitus Interuptus beim Auftritt des Königs. Klar stehen in Wagners Regieanweisungen Dinge wie Umarmungen usw., aber die Musik bringt zum Ausdruck, was man (zumindest damals) auf der Bühne noch nicht zeigen durfte.
Den musikalischen Orgasmus in Vollendung bringt dann der Liebestod. Und tatsächlich, der Text ist schon aufgeblasenes Geschwafel. Dennoch ist die Stimme Isoldes ein Bestandteil, den ich nicht missen möchte.
Sowohl die rein instrumentale Version als auch die Klavierfassung von Liszt erzeugen bei mir nicht die halbe Wirkung.

Ein weiteres Beispiel höchster erotischer Dichte ist Wotans Abschied von Brünnhilde. In einer kurzen instrumentalen Sequenz ( hier mit George London 1953, von 2:40 bis zum Höhepunkt bei 3:47 ) liegt soviel erotische Kraft, dass man schon ein Thor sein muss, zu glauben hier handle es sich nur um den Abschiedskummer eines Vaters.
Aber das ist mein subjektiver Eindruck. Ob der Hörer sich nun vorstellt, welche inzestiöse Abschiedshandlung dabei vollzogen wird oder ob Wotan nur Brünnhildes Stirn küsst, bleibt ihm überlassen.

Grüße
Jürgen
Zefira (26.11.2010, 17:05):
Apropos Listzs Klavierwerk, ich habe eine Zeitlang sehr oft die Mephistowalzer gehört. Hauptsächlich auf dem Heimtrainer - da wirken sie sehr anregend.

Irgendwann habe ich bei Wiki darüber nachgelesen und dort steht, der erste Mephistowalzer sei "die erste Darstellung eines Orgasmus in der Musikgeschichte".

Ich glaube, ich habe den großen Moment auch dingfest machen können: Es ist die letzte Phase vor der Beruhigung; in dieser Aufnahme ab Minute 9,04.

Grüße von Zefira
Bert (26.11.2010, 20:10):
Nun, die Bilder finde ich abstoßend bis widerlich; für mich ein Grund, solche CDs nicht zu kaufen. Unter Erotik verstehe ich etwas ganz Anderes als obszöne Bilder oder (halb)nackte Frauen.

Tannhäuser
Ja, die Ouvertüre finde ich auch ergreifend, doch als erotisch würde ich es wahrlich nicht bezeichnen; einfach - wunderschön.

Isoldes letzter Auftritt
Ja, ohne Frage, das ist ein Paradebeispiel für erotische Musik!
Nichtsdestotrotz finde ich viel erotischer Brangänes "Einsam wachend in der Nacht ..." Bei dem zweiten "Habet acht!" spüre ich ein physisches Greifen in der Brust... Auch hier bleibt Wagner (aus meiner Sicht) unerreichbar.
Wobei ich hier einschränken muß, daß die Erotik mehr der Stimme von Christa Ludwig zuzuschreiben ist; eine andere Brangäne wirkt auf mich nicht so eindringlich.


Walküre
Dritter Aufzug, vierte Szene:
Wotan, Brünnhilde
Brünnhilde (kniend/liegend zu Füßen Wotans):
War es so schmählich, was ich verbrach,
daß mein Verbrechen so schmählich du bestrafst?
War es so niedrig, was ich dir tat,
daß du so tief mir Erniedrigung schaffst?

O sag', Vater! Sieh mir ins Auge:
schweige den Zorn, zähme die Wut,
und deute mir hell die dunkle Schuld,
die mit starrem Trotze dich zwingt,
zu verstoßen dein trautestes Kind!

Obwohl ich sehr weit weg vom Wasser gebaut habe, ab dieser Szene und über "Der Augen leuchtendes Paar ..." bis zum
Wer meines Speeres Spitze fürchtet,
durchschreite das Feuer nie!
habe ich bis am tiefsten Grund meiner Gefühle ergriffen unaufhaltsam geweint.

Erotisch finde ich diese Musik überhaupt nicht. In dieser Szene lebte ich meine elterlichen Gefühle; allein die Vorstellung, mein eigenes Kind zu verstoßen, löste in mir eine ausweglose Verzweiflung aus ...
Ich persönlich fand in dieser Szene eine Bestätigung des Grundsatzes meiner Erziehung: Was immer auch mein Kind "verbrochen" hat, ich darf es nie verlassen/verstoßen ...

Dieser Szene Erotik einhauchen zu wollen, halte ich für überinterpretiert. Für mich behandelt diese Szene den ewigen Konflikt zwischen (liebenden) Eltern und ihren eigenwilligen (selbstbewußten) Kindern (Abnabelungsprozeß).

In diesem Zusammenhang eine OT-Frage an Jürgen: Hast du Kinder?

Gruß, Bert
Fairy Queen (26.11.2010, 22:37):
Lieber Bert, die Tannhäuser Ouvertüre ist für mich in ihrer stetigen Steigerung bis zum Nicht-mehr-aushalten ein Paradebeispiel erotischer Musik.
Mindestens ebenso erotisch ist aber Strawinsky "Le sacre du printemps". Überhaupt haben wir noch gar nciht von der Erotik des Rhytmischen gesprochen. Das aufpeitschende Drängen dieser Ballettmusik ist eine ganz andere Art von Erotik als Isoldes Liebestod, aber Erotik ist es so oder so. Hier müsste man auch Stücke wie den leider serh abgenudelten "Bolero" von Ravel einreihen.
Die hier gezeigten Cover finde ich auch total unerotisch- selbst wenn ich ein Mann wâre würde mich das wahrscheinlich eher abstossen oder langweilen.
Was ist schon Erotik ohne Geheimnis und ohne Andeutung?

Ja, die Sopran Stimme im Liebestod hat natürlich ihre eigene Wirkung(Jessye Norman.... :down), aber ich kann leider nciht von Wagners grässlichen Texten abstrahieren- unerotischer als dieses megalomanische Geschwalle geht es für mich kaum noch.

F.Q.
Bert (26.11.2010, 22:50):
Hallo Fairy Queen,

in der erotischen Empfindung ist doch jeder Mensch anders; der/die eine schmilzt beim Tannhäuser, der/die andere bei Brangäne – darum ist es gut, daß es viele Komponisten gab/gibt.
Was Wagners "dichterischen Künste" anbetrifft, teile ich deine Meinung – er war ein einmaliger Komponist, aber seine Texte finde ich auch (linder gesagt) sehr befremdlich.

Gruß, Bert
Armin70 (27.11.2010, 17:13):
Ich weiss nicht, ob diese Beispiele schon genannt wurden aber bei Richard Wagner fallen mir in Bezug auf Erotik in der Musik noch der Schluss des 1. Aufzugs der Walküre ein, wenn Siegmund und Sieglinde quasi übereinander herfallen und das stürmische Orchesternachspiel unmissverständlich ausdrückt, was das Geschwisterpaar da miteinander treibt.
Ein anderes Beispiel bei Wagner ist die Blumenmädchen-Szene im 2. Aufzug des Parsifal.

Bei Jean Sibelius fallen mir auch noch 2 Beispiele ein:

Das ausgedehnte Orchesterzwischenspiel im 3. Satz der Kullervo-Sinfonie, welches auf drastische Art und Weise zeigt, wie Kullervo seine Schwester vergewaltigt.

Ein anderes Beispiel ist der 1. Satz aus der Lemminkäinen-Suite, der schildert, wie der jugendliche Held Lemminkäinen mit den Mädchen der Insel Saari flirtet und noch einiges mehr mit ihnen im Schilde hat. Die Musik steigert sich zum Schluss hin zu einem sich stetig steigernden Liebesreigen bis zum ultimativen Höhepunkt...
Mime (27.11.2010, 17:49):
Original von Fairy Queen
unerotischer als dieses megalomanische Geschwalle geht es für mich kaum noch.
F.Q.

Meinst du damit diesen Text?

ISOLDE
Mild und leise
wie er lächelt,
wie das Auge
hold er öffnet
seht ihr's Freunde?
Seht ihr's nicht?
Immer lichter
wie er leuchtet,
stern-umstrahlet
hoch sich hebt?
Seht ihr's nicht?
Wie das Herz ihm
mutig schwillt,
voll und hehr
im Busen ihm quillt?
Wie den Lippen,
wonnig mild,
süsser Atem
sanft entweht
Freunde! Seht!
Fühlt und seht ihr's nicht?
Hör ich nur
diese Weise,
die so wunder-
voll und leise,
Wonne klagend,
alles sagend,
mild versöhnend
aus ihm tönend,
in mich dringet,
auf sich schwinget,
hold erhallend
um mich klinget?
Heller schallend,
mich umwallend,
sind es Wellen
sanfter Lüfte?
Sind es Wogen
wonniger Düfte?
Wie sie schwellen,
mich umrauschen,
soll ich atmen,
soll ich lauschen?
Soll ich schlürfen,
untertauchen?
Süss in Düften
mich verhauchen?
In dem wogenden Schwall,
in dem tönenden Schall,
in des Welt-Atems
wehendem All
ertrinken,
versinken
unbewusst
höchste Lust!

Wenn schon sterben, dann so! :engel
Bert (27.11.2010, 18:24):
... was ich nicht unbedingt als das Non plus ultra der deutschen Lyrik des 19. Jahrhundert bezeichnen würde ...
Jedoch seine Musik ... ja, da kann man beruhigt sterben.

Gruß, Bert
Holger (28.11.2010, 01:39):
Sehen wir den Tatsachen ins Auge:

Wagner war ein kompositorisches Ferkel! :haha

Züchtige Grüße von Holger
Jürgen (28.11.2010, 08:57):
Original von Holger
Sehen wir den Tatsachen ins Auge:

Wagner war ein kompositorisches Ferkel! :haha

Züchtige Grüße von Holger

Das sehe ich anders. Da musikalische Deutungen nie eindeutig sein können, gilt hier: Im Zweifel für den Angeklagten.

Auf menschlicher Ebene war er aber auf jeden Fall ein Schwein.

Grüße
Jürgen
Fairy Queen (28.11.2010, 09:00):
Lieber Mime, es scheint Geschmackssache zu sein, ob man/frau in diesem wogenden Schwall sterben will . :D
Manche lieben es dann doch etwas unaufdringlicher.....


Lieber Holger, Mozart stand Wagner gewiss in keinster Weise nach- aber "Ferkeleien" mit Humor und Augenzwinkern sind nun mal automatisch um Klassen charmanter und letztlich auch viel raffinierter.

Bin schon weg, bevor Mime mir das Gegenteil beweisen will..... :ignore
Liebe Sonntagsgrüsse ringsum in alle Lande :hello
ab (04.06.2012, 09:23):
Die verlinkte Partitur ist für Instrumente unter 18 Jahren nicht geeignet.

hier
Fairy Queen (04.06.2012, 10:11):
Cosi fan tutte?
Oder eins für jede Instrumentengruppe bzw jedes Stimmfach? Wer sich dann was wählt, wäre gewiss eine Studie wert.... :haha
Hosenrolle1 (30.01.2015, 13:58):
Original von Andreas
Ich kam auf die Idee zu diesem Thread als ich letztens wieder ein Cover mit Anna Netrebko sah und mich von ihm nicht abwenden konnte, so schön und anregend war sie fotographiert.

Wobei man leider sagen muss, dass gerade auch die Anna Netrebko-Cover extrem stark verändert und gephotoshopt wurden. Wie da mit Filtern, Weichzeichnern, Beleuchtungseffekten und anderen Dingen gearbeitet wird, ist meiner Meinung nach alles andere als schön, im Gegenteil, es ist extrem unnatürlich und künstlich.


Warum sollen wir nicht an Anna Netrebko denken, wenn wir ihre CDs hören?

Den Satz verstehe ich inhaltlich nicht ganz; du meinst, warum soll man nicht daran denken, dass Anna Netrebko gerade singt, wenn sie singt?

Ich wollte zur Grundfrage ja schon sagen, dass Erotik m.E. etwas subtileres ist, also nicht bloß nackte Haut oder dergleichen, aber Satie schrieb schon sehr richtig:


Original von Satie
danke für diese sehr richtige Ergänzung: Erotik kann ja nun gottseidank auch eine sehr subtile Sinnlichkeit sein und muss nicht unbedingt (…) mit Derbheiten verbunden sein.
Ich würde es sehr interessant finden, einmal Stücke zusammen zu tragen, die inhaltlich tatsächlich etwas mit Erotik zu tun haben.

Mir fällt da (natürlich) Salomes Tanz ein. Der ist für mich durchaus erotisch, jedoch nicht „billig“, sondern durchaus hintergründig; Richard Specht nennt es ein „Seelengemälde in Tönen“.

Aber dennoch: die Glissandi der Celli, die perlenden, ineinander übergehenden Läufe von Harfe und Celesta, während Flöten und Geigen das Verführungsmotiv spielen, oder der immer wilder werdende Schluss, der von einem unablässig vorwärts drängenden Tamburin eingeleitet wird, haben durchaus etwas erotisches, wie ich finde. Specht schreibt hier, dass man förmlich das „Schleudern der Hüften“ sieht, selbst wenn man es nur im Konzertsaal hört.

Es ist natürlich keine „fröhliche“ oder „leichte“ Erotik, und sie erinnert mich auch an den fantastischen Score von Wojciech Kilar für den Film „Bram Stokers Dracula“, der einerseits dunkel und bedrohlich wirkt, andererseits nicht nur in dem Stück „The Brides“ auch viel Erotik, eigentlich schon Sexualität mitbringt. Überhaupt finde ich, dass die Musik dieses Films sehr opernhaft rüberkommt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71l2I%2BGwfoL._SL1091_.jpg



Original von Cellodil
Was mir gerade noch eingefallen ist... Die Coloratur-Arie der Königin der Nacht aus der Zauberflöte weckt ja bei manchen Hörern auch eindeutig-zweideutige Assoziationen (wenn auch wohl eher nicht in der Version mit Florence Foster-Jenkins, die ich gerade anhöre, obwohl... ) und das war, wenn ich mich recht erinnere, auch so vom Wolferl intendiert...

Die Interpretation habe ich noch nie gehört. Weiß man da genaueres?



Original von Jürgen
Es stört mich schon eher, wenn ein Cover erotisch ist, ohne eine gewisse künstlerische Ästethik zu haben.

100%ige Zustimmung. Sobald es billig wirkt, oder einfach nur bemüht und gewollt rüberkommt (schönes Beispiel für mich, das Coverfoto mit den Strapsen), oder man nackte Haut nur zeigt, um nackte Haut zu zeigen, dann ist das nichts mehr.

Ungarischer Tanz Nr. 5 g-moll (Allegro) Komponiert von Johannes Brahms

Bei dem Stück muss ich immer an Charlie Chaplin als Friseur denken :D


Original von Holger
So geht's mir mit dem Vorspiel, äh, der Ouvertüre zu "Tannhäuser"! Besonders die pulsierenden Stellen verlangen eigentlich einen Vermerk "FSK 18".

In den 70er Jahren gab´s mal eine Schokolade, die hieß „Flavour“, und wurde damit beworben, dass sie ab 18 sei. Hier ein Werbespot dazu, herrlich dämlich!

https://www.youtube.com/watch?v=ZgCCKUIe5yE



Original von Fairy Queen
Die hier gezeigten Cover finde ich auch total unerotisch- selbst wenn ich ein Mann wâre würde mich das wahrscheinlich eher abstossen oder langweilen.Was ist schon Erotik ohne Geheimnis und ohne Andeutung?

Sehr schön gesagt! Ein bisschen Geheimnis muss bleiben.
Vor allem sind die gezeigten Cover auch (wiedermal) extrem künstlich und gephotoshopt, was man auch deutlich sieht. Es sieht völlig unecht aus.



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (30.01.2015, 15:58):
Dieses Bild hier:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6139049.jpg

hat mich irgendwie sehr an dieses Plakat erinnert:

http://properdiscordblog.files.wordpress.com/2009/04/rafal-olbinski-salome.jpg

https://properdiscordblog.files.wordpress.com]



LG,
Hosenrolle1