Filme die unsere musikalische Entwicklung beeinflusst haben
PeerGynt (13.01.2008, 20:27): Hallo alle zusammen,
Vor vielen Jahren, als ich zum ersten Mal Mahler gehört habe (es war die Symphonie Nr. 6), habe ich davon nichts verstanden, hat mir nicht gefallen und habe danach Mahler vermeidet.
Nach etwas Zeit aber, habe ich zufällig „Tod in Venedig“ gesehen, das Meisterwerk von Visconti, wo das Adagietto von der 5. Symphonie so natürlich integriert wurde. Der Film hat mich extrem beeindruckt, besonders das Ende. Ich glaube bis heute, dass es zu den schönsten und rührendesten Bildern gehört... Aschenbach hat die Vision der Perfektion, es könnten keine andere passendere Schauspieler geben, keine andere passendere Landschaften und keine andere passendere Musik...
http://www.youtube.com/watch?v=FTP7XFVGnxQ
Später habe ich auch die Novelle von Thomas Mann gelesen und den Film nochmal gesehen.
Wichtiger ist es aber, dass ich am nächsten Tag schon unterwegs war, um CDs mit Mahler zu finden. Keine Ahnung wie es passiert ist, aber diesmal hat sich Mahlers Welt für mich geöffnet!... Wahrscheinlich hatte ich damals schon etwas mehr Erfahrung beim Hören, aber ich möchte lieber glauben, dass es mehr mit Viscontis Meisterwerk zu tun hat. Ich erinnere mich, ich habe damals mit Symphonien 1 & 5 angefangen. Heute bin ich ein totaler Mahler-Fan, und bin immer noch auf der Reise, die seine kolossale Musik anbietet.
Kurz erzählt, das war meine Geschichte, wie ein Film meine geistliche Leben geändert hat.
Habt ihr auch Filme, die eure musikalische Entwicklung beeinflusst haben?
Jürgen (14.01.2008, 08:49): Nun, "Tod in Venedig" hätte mir Mahler nahebringen können, es geschah aber auf einer anderen Schiene.
Es gibt noch ein paar andere Filme, die das Potential haben, jemandes musikalische Entwicklung zu beeinflussen, die aber zu spät kamen oder von mir zu spät gesehen wurden: Carmen, als Opernverfilmung mit Maazel Nosferatu, Herzog/Kinski (schöne Bilder kombiniert mit romantischer Musik)
Mir fallen aber auch zwei Filme ein, die bei mir Wirkungstreffer hinterlassen haben. 1. Excalibur, so habe ich die Carmina Burana kennen gelernt (Wagner kannte ich vorher schon, der wird in diesem Film auch viel gespielt) 2. 2001 - Odyssee im Weltraum
Mein Einstiegspunkt bei Richard Strauss Donauwalzer - Kubrick hat es geschafft, dass ich mir 2-3 Stücke von Johann Strauss sogar ernsthaft anhören kann. (Cimono mit "Heaven's Gate" hat es mit dem Kaiserwalzer genauso gut gemacht) Ligeti - Lux Aeterna, im Film finde ich es genial. Aber nur zum genüßlich Musikhören habe ich so meine Schwierigkeiten. Anderes von Ligeti ist allerdings noch krasser.
Soweit Jürgen
Kleiner Nachtrag, bevor mir Klagen kommen: Wenn ich hier (oder woanders) schreibe, die Stücke des Komponisten XY sind krass, übel oder wasauchimmer, dann ist das lediglich Ausdruck meines persönlichen Geschmacks. Andere Hörer mögen und sollen das auch gerne anders empfinden.
Cosima (14.01.2008, 14:34): Als ich seinerzeit den Film „Shine“ (über das Leben des australischen Pianisten David Helfgott) gesehen hatte, kaufte ich mir anschließend meine erste Aufnahme des 3. Rachmaninov-Klavierkonzertes. Wenn ich mich recht erinnere, zeigte der Film den psychischen Zusammenbruch Helfgotts während eines Konzertes oder danach, in dem er eben dieses Klavierkonzert spielte. Ich war damals sehr beeindruckt.
Gruß, Cosima
HenningKolf (15.01.2008, 12:59): Ca. 1985 (?) sah ich "Zimmer mit Aussicht". Dies brachte mich - weil mich die von TeKanawa dargebotenen Arien ("O Mio Babbino Caro" und "Chi Il Bel Sogno Di Doretta") so sehr berührten - dazu, mir einen Opernsampler zuzulegen und hin und wieder Opernaufführungen zu besuchen (damals wohnte ich in Köln). Auch wenn Opern in meinem CD-Schrank bzw. auf meiner Festplatte nicht die herausragende Stellung zukommt, hat mich dieser Film an ein bis dahin vollkommen unbeachtetes Genre herangeführt.
"Koyaanisquatsi" hatte ein oder zwei Jahre zuvor dazu geführt, mich mit Glass und anderen modernen Amerikanern zu beschäftigen. Das war in der Rückschau das eigentliche Sprungbrett zur Klassik (Minimalistisches höre ich heute - ebenso wie Rock und Pop - so gut wie gar nicht mehr)
Gruß Henning
Cetay (inaktiv) (16.01.2008, 13:07): Ich hätte noch den 5-Teiler "Wild Palms" anzubieten. Der lief vor ca. 15 Jahren als ich nach langer Pause wieder begonnen hatte, mich "ernsthaft" mit Klassischer Musik zu beschäftigen. Bis dahin habe ich geglaubt, dass es wohl keinen großen Unterschied ausmacht, wer dirigiert. Dann hörte ich dort den langsamen Satz von Beethovens 7. und der klang völlig anderes als auf der Aufnahme, die ich auf CD hatte (logischerweise Kleiber, denn wenn es eh egal ist, hat man das, was jeder empfiehlt :D). Also machte ich mich auf die Suche nach einer Aufnahme, die so wuchtig und getragen klingt wie die im Film. Damit war die Lust am Interpretationsvergleich geboren und ich habe viel über Dirigenten und Interpretationen gelernt, dabei neue Werke entdeckt... und war ständig Pleite. :cool
Jimi (16.01.2008, 15:25): Original von Bjorn Woll aus Fono Forum 9/2007
Fast 15 Jahre ist es her, dass Jonathan Demme mit seinem Film „Philadelphia“ für Furore sorgte. Zum ersten Mal setzte sich ein großer Hollywoodfilm mit dem Thema der gesellschaftlichen Akzeptanz von Aids auseinander und brachte Tom Hanks einen Oscar für seine Darstellung des erkrankten homosexuellen Anwalts Andrew Beckett. Der Film, von vielen bejubelt, stieß allerdings nicht nur bei christlichen Verbänden auf harsche Kritik: Als zu einseitig und vorurteilsbehaftet wurde das Werk auch von Teilen des liberalen Lagers abgelehnt. Im Verlauf des Films ereignet sich jedoch eine Szene, die für den Klassikliebhaber durchaus von Bedeutung ist; enthüllt sie doch etwas von der Magie der Sängerstimme. Eine kurze Zusammenfassung: Dem dahinsiechenden Beckett wird von seinem Freundeskreis eine Kostümparty im privaten Rahmen veranstaltet, zu der auch sein Anwalt Joe Miller eingeladen ist. Dieser soll Becketts Klage wegen Diskriminierung gegen seinen Arbeitgeber durchboxen. Nach all dem schrill-bunten Trubel drängt Miller seinen Mandanten zu einer letzten Vorbereitungssitzung für die anstehende Verhandlung. Ermattet von Party und Krankheit steht diesem der Sinn jedoch nach seelischer Entspannung.Kurzum: Eine CD wird in den Player geschoben. Es ertönen die ersten Takte von Maddalenas „La mamma morta“ aus „Andrea Chénier“. Schon mit den ersten Takten verliert sich Beckett in der Musik,vergisst Schmerz, Leid und Todeserwartung, lässt sich umfluten von den aufwogenden Orchesterwellen, die eine Singstimme von irritierendem emotionalen Sendungsbewusstsein tragen. Nach einem finalen Aufschrei endet diese mit dem Worten „l’amor“ – und die Zeit scheint stillzustehen. Natürlich ist die ganze Szenerie mit reichlich Pathos aufgeladen. Doch trotz sämtlicher cineastischer Kunstgriffe bezieht die Episode ihre außergewöhnliche Wirkung vor allem durch die Sängerin der Arie. Ihre Töne von „tränenschimmernder Herrlichkeit“ (Thomas Mann) sind es, die so etwas wie die Aufhebung der Endlichkeit bewirken. Der Augenblick wird zur Ewigkeit. Ich gestehe, dass mich diese Stimme hier traf wie ein seismischer Schock. Vergessen war der Film – und das Warten begann. Das Warten auf den Abspann, der den Namen der Sängerin verraten sollte. Mit diesem bewaffnet folgte einen Tag später der Gang in die Klassikabteilung des nächsten Kaufhauses –die erste Callas- CD wurde der damals noch übersichtlichen Klassiksammlung einverleibt. Schnell entwickelte sich so etwas wie eine Liebesbeziehung, an deren Intensität sich bis heute nichts geändert hat. Ja, die sogar gefährliche Züge annahm. Die Droge „Callas“ hatte Einzug gehalten.
Als ich den Film "Philadelphia" das erste Mal gesehen habe, hatte ich im Gegensatz zu Bjorn Woll zwar schon eine oder zwei Callas CD's Zuhause stehen(ohne "La mamma morta"), habe aber gerade erst damit begonnen mich intensiver mit Oper zu beschäftigen, damals zunächst mit Verdi. "Andrea Chenier" kannte ich zu dem Zeitpunkt nicht, also bin auch ich, beeindruckt von der Filmszene, am folgenden Tag in den nächsten CD-Laden. Allerdings habe ich nicht nach der Filmmusik oder einer Callas Cd gesucht, sondern nach einerGesamtaufnahme.
Ich habe mir dann mehr oder weniger zufällig diese Aufnahme gekauft :
Eigentlich ist die gar nicht übel, aber als dann "La mamma morta", von Renata Scotto gesungen, erklang war ich doch enttäuscht (Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatte sie Ihre "beste Zeit" schon hinter sich). Die Faszination der Filmszene blieb jedenfalls aus. Ich dachte das liegt an den fehlenden visuellen Eindruck, ich war wirklich so naiv(oder besser unerfahren) zu glauben es wäre relativ egal welche/er Sänger/in eine Arie singt. Als ich mir dann doch die Callas Aufnahme (Lyric&Coloratura Arias Maria Callas) der Arie zulegte, wurde ich eines besseren belehrt, die Faszination war auch ohne den Film wieder da.
PeerGynt (13.01.2008, 20:27): Hallo alle zusammen,
Vor vielen Jahren, als ich zum ersten Mal Mahler gehört habe (es war die Symphonie Nr. 6), habe ich davon nichts verstanden, hat mir nicht gefallen und habe danach Mahler vermeidet.
Nach etwas Zeit aber, habe ich zufällig „Tod in Venedig“ gesehen, das Meisterwerk von Visconti, wo das Adagietto von der 5. Symphonie so natürlich integriert wurde. Der Film hat mich extrem beeindruckt, besonders das Ende. Ich glaube bis heute, dass es zu den schönsten und rührendesten Bildern gehört... Aschenbach hat die Vision der Perfektion, es könnten keine andere passendere Schauspieler geben, keine andere passendere Landschaften und keine andere passendere Musik...
http://www.youtube.com/watch?v=FTP7XFVGnxQ
Später habe ich auch die Novelle von Thomas Mann gelesen und den Film nochmal gesehen.
Wichtiger ist es aber, dass ich am nächsten Tag schon unterwegs war, um CDs mit Mahler zu finden. Keine Ahnung wie es passiert ist, aber diesmal hat sich Mahlers Welt für mich geöffnet!... Wahrscheinlich hatte ich damals schon etwas mehr Erfahrung beim Hören, aber ich möchte lieber glauben, dass es mehr mit Viscontis Meisterwerk zu tun hat. Ich erinnere mich, ich habe damals mit Symphonien 1 & 5 angefangen. Heute bin ich ein totaler Mahler-Fan, und bin immer noch auf der Reise, die seine kolossale Musik anbietet.
Kurz erzählt, das war meine Geschichte, wie ein Film meine geistliche Leben geändert hat.
Habt ihr auch Filme, die eure musikalische Entwicklung beeinflusst haben?
Jürgen (14.01.2008, 08:49): Nun, "Tod in Venedig" hätte mir Mahler nahebringen können, es geschah aber auf einer anderen Schiene.
Es gibt noch ein paar andere Filme, die das Potential haben, jemandes musikalische Entwicklung zu beeinflussen, die aber zu spät kamen oder von mir zu spät gesehen wurden: Carmen, als Opernverfilmung mit Maazel Nosferatu, Herzog/Kinski (schöne Bilder kombiniert mit romantischer Musik)
Mir fallen aber auch zwei Filme ein, die bei mir Wirkungstreffer hinterlassen haben. 1. Excalibur, so habe ich die Carmina Burana kennen gelernt (Wagner kannte ich vorher schon, der wird in diesem Film auch viel gespielt) 2. 2001 - Odyssee im Weltraum
Mein Einstiegspunkt bei Richard Strauss Donauwalzer - Kubrick hat es geschafft, dass ich mir 2-3 Stücke von Johann Strauss sogar ernsthaft anhören kann. (Cimono mit "Heaven's Gate" hat es mit dem Kaiserwalzer genauso gut gemacht) Ligeti - Lux Aeterna, im Film finde ich es genial. Aber nur zum genüßlich Musikhören habe ich so meine Schwierigkeiten. Anderes von Ligeti ist allerdings noch krasser.
Soweit Jürgen
Kleiner Nachtrag, bevor mir Klagen kommen: Wenn ich hier (oder woanders) schreibe, die Stücke des Komponisten XY sind krass, übel oder wasauchimmer, dann ist das lediglich Ausdruck meines persönlichen Geschmacks. Andere Hörer mögen und sollen das auch gerne anders empfinden.
Cosima (14.01.2008, 14:34): Als ich seinerzeit den Film „Shine“ (über das Leben des australischen Pianisten David Helfgott) gesehen hatte, kaufte ich mir anschließend meine erste Aufnahme des 3. Rachmaninov-Klavierkonzertes. Wenn ich mich recht erinnere, zeigte der Film den psychischen Zusammenbruch Helfgotts während eines Konzertes oder danach, in dem er eben dieses Klavierkonzert spielte. Ich war damals sehr beeindruckt.
Gruß, Cosima
HenningKolf (15.01.2008, 12:59): Ca. 1985 (?) sah ich "Zimmer mit Aussicht". Dies brachte mich - weil mich die von TeKanawa dargebotenen Arien ("O Mio Babbino Caro" und "Chi Il Bel Sogno Di Doretta") so sehr berührten - dazu, mir einen Opernsampler zuzulegen und hin und wieder Opernaufführungen zu besuchen (damals wohnte ich in Köln). Auch wenn Opern in meinem CD-Schrank bzw. auf meiner Festplatte nicht die herausragende Stellung zukommt, hat mich dieser Film an ein bis dahin vollkommen unbeachtetes Genre herangeführt.
"Koyaanisquatsi" hatte ein oder zwei Jahre zuvor dazu geführt, mich mit Glass und anderen modernen Amerikanern zu beschäftigen. Das war in der Rückschau das eigentliche Sprungbrett zur Klassik (Minimalistisches höre ich heute - ebenso wie Rock und Pop - so gut wie gar nicht mehr)
Gruß Henning
Cetay (inaktiv) (16.01.2008, 13:07): Ich hätte noch den 5-Teiler "Wild Palms" anzubieten. Der lief vor ca. 15 Jahren als ich nach langer Pause wieder begonnen hatte, mich "ernsthaft" mit Klassischer Musik zu beschäftigen. Bis dahin habe ich geglaubt, dass es wohl keinen großen Unterschied ausmacht, wer dirigiert. Dann hörte ich dort den langsamen Satz von Beethovens 7. und der klang völlig anderes als auf der Aufnahme, die ich auf CD hatte (logischerweise Kleiber, denn wenn es eh egal ist, hat man das, was jeder empfiehlt :D). Also machte ich mich auf die Suche nach einer Aufnahme, die so wuchtig und getragen klingt wie die im Film. Damit war die Lust am Interpretationsvergleich geboren und ich habe viel über Dirigenten und Interpretationen gelernt, dabei neue Werke entdeckt... und war ständig Pleite. :cool
Jimi (16.01.2008, 15:25): Original von Bjorn Woll aus Fono Forum 9/2007
Fast 15 Jahre ist es her, dass Jonathan Demme mit seinem Film „Philadelphia“ für Furore sorgte. Zum ersten Mal setzte sich ein großer Hollywoodfilm mit dem Thema der gesellschaftlichen Akzeptanz von Aids auseinander und brachte Tom Hanks einen Oscar für seine Darstellung des erkrankten homosexuellen Anwalts Andrew Beckett. Der Film, von vielen bejubelt, stieß allerdings nicht nur bei christlichen Verbänden auf harsche Kritik: Als zu einseitig und vorurteilsbehaftet wurde das Werk auch von Teilen des liberalen Lagers abgelehnt. Im Verlauf des Films ereignet sich jedoch eine Szene, die für den Klassikliebhaber durchaus von Bedeutung ist; enthüllt sie doch etwas von der Magie der Sängerstimme. Eine kurze Zusammenfassung: Dem dahinsiechenden Beckett wird von seinem Freundeskreis eine Kostümparty im privaten Rahmen veranstaltet, zu der auch sein Anwalt Joe Miller eingeladen ist. Dieser soll Becketts Klage wegen Diskriminierung gegen seinen Arbeitgeber durchboxen. Nach all dem schrill-bunten Trubel drängt Miller seinen Mandanten zu einer letzten Vorbereitungssitzung für die anstehende Verhandlung. Ermattet von Party und Krankheit steht diesem der Sinn jedoch nach seelischer Entspannung.Kurzum: Eine CD wird in den Player geschoben. Es ertönen die ersten Takte von Maddalenas „La mamma morta“ aus „Andrea Chénier“. Schon mit den ersten Takten verliert sich Beckett in der Musik,vergisst Schmerz, Leid und Todeserwartung, lässt sich umfluten von den aufwogenden Orchesterwellen, die eine Singstimme von irritierendem emotionalen Sendungsbewusstsein tragen. Nach einem finalen Aufschrei endet diese mit dem Worten „l’amor“ – und die Zeit scheint stillzustehen. Natürlich ist die ganze Szenerie mit reichlich Pathos aufgeladen. Doch trotz sämtlicher cineastischer Kunstgriffe bezieht die Episode ihre außergewöhnliche Wirkung vor allem durch die Sängerin der Arie. Ihre Töne von „tränenschimmernder Herrlichkeit“ (Thomas Mann) sind es, die so etwas wie die Aufhebung der Endlichkeit bewirken. Der Augenblick wird zur Ewigkeit. Ich gestehe, dass mich diese Stimme hier traf wie ein seismischer Schock. Vergessen war der Film – und das Warten begann. Das Warten auf den Abspann, der den Namen der Sängerin verraten sollte. Mit diesem bewaffnet folgte einen Tag später der Gang in die Klassikabteilung des nächsten Kaufhauses –die erste Callas- CD wurde der damals noch übersichtlichen Klassiksammlung einverleibt. Schnell entwickelte sich so etwas wie eine Liebesbeziehung, an deren Intensität sich bis heute nichts geändert hat. Ja, die sogar gefährliche Züge annahm. Die Droge „Callas“ hatte Einzug gehalten.
Als ich den Film "Philadelphia" das erste Mal gesehen habe, hatte ich im Gegensatz zu Bjorn Woll zwar schon eine oder zwei Callas CD's Zuhause stehen(ohne "La mamma morta"), habe aber gerade erst damit begonnen mich intensiver mit Oper zu beschäftigen, damals zunächst mit Verdi. "Andrea Chenier" kannte ich zu dem Zeitpunkt nicht, also bin auch ich, beeindruckt von der Filmszene, am folgenden Tag in den nächsten CD-Laden. Allerdings habe ich nicht nach der Filmmusik oder einer Callas Cd gesucht, sondern nach einerGesamtaufnahme.
Ich habe mir dann mehr oder weniger zufällig diese Aufnahme gekauft :
Eigentlich ist die gar nicht übel, aber als dann "La mamma morta", von Renata Scotto gesungen, erklang war ich doch enttäuscht (Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatte sie Ihre "beste Zeit" schon hinter sich). Die Faszination der Filmszene blieb jedenfalls aus. Ich dachte das liegt an den fehlenden visuellen Eindruck, ich war wirklich so naiv(oder besser unerfahren) zu glauben es wäre relativ egal welche/er Sänger/in eine Arie singt. Als ich mir dann doch die Callas Aufnahme (Lyric&Coloratura Arias Maria Callas) der Arie zulegte, wurde ich eines besseren belehrt, die Faszination war auch ohne den Film wieder da.
Mein Forumsname deutet es schon an: Stanley Kubricks Meisterwerk "A Clockwork Orange" hat mich in jungen Jahren vollends auf Klassik gebracht. Ich habe diesen komplett durchkomponierten "Alptraum aus Sex, Gewalt und Beethoven" im Laufe der Zeit an die 15 mal im Kino gesehen und schau ihn mir auch jetzt noch mit großem Vergnügen immer wieder mal auf DVD an. Und ich bereue nichts!
Beste Grüße Uhrwerker
daniel5993 (02.10.2008, 23:57): Mein bisher größtes und auch intensivstes Erlebnis war in dem Film "Die Verurteilten" von Frank Darabont, das Duett "Che soave zeffiretto". Ist übrigens mein Lieblingsfilm (unangefochten). Die Arie stach ins Herz, wahrgenommen hab ich mich erst wieder, als es zu Ende war, dazwischen war ich wohl im klassischen Himmel :engel. Dies war für mich das größte klassische Erlebnis welches ich je hatte. Die Folge war, dass die Oper (vorher kaum beherzigt) Einzug in meine Regale gehalten hat und sich stetigen Zuwachses erfreut. Ich kann sogar sagen, dass dieses Duett der beiden Italienerinnen das Tor zur Oper für mich aufgeschlagen hat. In einem Film voller Dunkelheit, Hass, Gewalt, trostlose Mauern, auf einmal dieses LICHT.......... :I :engel
Mozart - Le Nozze De Figaro - Canzonetta sull'aria
Schwärmerische Grüße Daniel
Heike (03.10.2008, 00:45): Das fällt mir spontan "Hilary and Jackie" ein. Der Film erzählt die Geschichte der Geschwister Hilary and Jacqueline Du Pré.
Einerseits ein wenig melodramatisch, vielleicht auch nicht im Detail historisch korrekt (auch technisch nicht sonderlich erfreulich) - aber andererseits wirklich wunderbar gespielt, psychologisch hochinteressant, berührend und musikalisch extravagant.
Hebre
ab (15.10.2008, 14:58): Gute Filmmusik ist in der Regel solche, die überhaupt nicht auffällt. Daher kann ich kaum sagen, was mich hier hätte beeinflussen können.
Eine Ausnahme der Regel waren für mich immer die Zusammenarbeiten von Peter Greenaway mit Michael Nyman, wo die Musik zu der optischen Farbenpracht das ihre akkustisch hinzutat.
Beeindruck hat mich der Musik-Film Bring on the Night von Sting mit den wunderbaren Jazz-Musikern von Bradford Marsalis bis Kenny Kirkland (den ich noch live mit Miles Davis erleben durfte), insbesondere die Szene, wo im französischen Schloss geprobt wird und dann mit wuchtigem Bass in den Konzertsaal geschnitte wurde. Da kann man grandios am Kontrast den Unterschied zwischen Kammermusik und Konzert-Atmosphäre über die Leinwand miterleben.
Beeindruckt hat mich auch die englische Fassung der Mozartoper im Film Amadeus: Das hat den Wunsch geweckt, einmal Mozart ganz in dieser Sprache gesungen zu hören!
:hello
LazarusLong (15.10.2008, 16:27): Ich traue mich fast gar nicht hier zu antworten, andererseits: Ist der Ruf erst ruiniert....
Meine Filmerfahrungen mit klassischer Musik gehören mittlerweile zur proletarischen Allgemeinbildung:
Richard Strauss - Also sprach Zarathustra - Star wars Walkürenritt - Apocalypse now Donauwalzer - 2001 Odysee im Weltraum
Mit Sicherheit gabs da noch mehr, aber das sind die Titel, die mir spontan einfallen.
Frank
Bitte keine Charakteranalyse anhand der von mir hier präsentierten Filme durchführen. Ich weiß sowieso schon, was dabei rauskommt. :leb
cellodil (15.10.2008, 18:46): Original von LazarusLong Bitte keine Charakteranalyse anhand der von mir hier präsentierten Filme durchführen. Ich weiß sowieso schon, was dabei rauskommt. :leb
Vielleicht brauchen wir doch irgendwo unser kleines Selbsterfahrungsgruppeneckchen?? :J
Liebe Grüße
Sabine
Rachmaninov (15.10.2008, 19:09): Apropos, in Metroplis hört man auch Schostakowitsch :D
cellodil (16.10.2008, 08:46): .... und in Out of Africa zwar kein Shostakovich, aber Klassik ... Eine wunderschöne Szene mit Mozarts Klarinettenkonzert, an die ich seither bei dieser Musik immer denken muss.
Liebe Grüße
Sabine
ab (16.10.2008, 09:18): Mir fallen gerade Spielfilme ein, bei denen es um Musikerinnen und Musiker geht. Etwa:
Die siebte Saite Ein Herz im Winter Das Piano Der Pianist (Den Helfgott-Film habe ich gar nicht gesehen)
Eigentlich fand ich bei diesen Filmen die Präsentation der Musik ziemlich wenig begeisternd. Wie war das bei euch? :hello
LazarusLong (16.10.2008, 09:28): Original von ab Mir fallen gerade Spielfilme ein, bei denen es um Musikerinnen und Musiker geht. Etwa:
Die siebte Saite Ein Herz im Winter Das Piano Der Pianist (Den Helfgott-Film habe ich gar nicht gesehen)
Eigentlich fand ich bei diesen Filmen die Präsentation der Musik ziemlich wenig begeisternd. Wie war das bei euch? :hello
Ich wollte dieses Machwerk eigentlich nicht erwähnen :S
Begeistert von Film und Musik drückt eigentlich nicht das aus, was ich hier empfunden habe.
Frank
cellodil (16.10.2008, 09:31): Original von ab Mir fallen gerade Spielfilme ein, bei denen es um Musikerinnen und Musiker geht. Etwa:
Die siebte Saite Ein Herz im Winter Das Piano Der Pianist
... dazu gibt's hier einen etwas in Vergessenheit geratenen Thread.
Liebe Grüße
Sabine
Heike (16.10.2008, 09:39): In "The Village" (meiner Meinung nach ein psychologisch äußerst gelungener Film zum Thema Angst und Manipulation) spielt Hilary Hahn die sehr eindrucksvolle Filmmusik von James Newton Howard.
Achtung, das ist kein Horrorshocker, wie im Trailer fälschlich angekündigt.
P.s. ich seh, grad, zum Threadtitel passt das nicht, aber zum Thema "gute Filmmusik", das gerade auch diskutiert wurde. Hebre
nikolaus (16.10.2008, 22:09): Original von cellodil .... und in Out of Africa zwar kein Shostakovich, aber Klassik ... Eine wunderschöne Szene mit Mozarts Klarinettenkonzert, an die ich seither bei dieser Musik immer denken muss.
Liebe Grüße
Sabine
:down
Solitaire (17.10.2008, 19:13):
Es war 1982 und es herrschte Heulen und Zähneklappern. :down :down :down Außerdem habe ich damals die unsäglichen Spielfilme von Gigli gesehen und geliebt. Ja ich weiß. Aber diese Stimme!