Franz Liszt als Liedkomponist

Fairy Queen (24.03.2010, 00:09):
Ich war heute abend in einem Konzert mit Liedern von Robert Schumann (Etliches aus dem opus 39) und Franz Liszt. Schumann kenne ich inzwischen recht gut als Liedkomponist, Liszt wesentlich weniger und das soll unbedingt anders werden, denn seine Liedkompositionen sind wunderschöne Kleinode und gefallen mir viel besser als die mir oft etwas oberflächlich virtuos erscheineden Klaviersoli.
In dem Konzert heute abend interpretierte mit serh schön timbrierter Stimme die japanischstämmige Sopranistin Nobuko Takahashi virtuos beleitet von Marc Lys (der auch einige Klaviersoli, Valse oubliée, Un sospiro Impromptu)spielte:
Es muss ein Wunderbares sein
Freudvoll und leidvoll
In Liebeslust
O lieb solang du lieben kannst(Liebestraum)
O quand je dors
Die Lorelei

Wenn man den direkten Vergleich, wie hier, mit Schumann hat fällt sofort die dramatischere Gangart und die grosse Emphase auf. Liszt istviel näher an Wagner als an Schubert, dei Klavierbegleitung ist oft deklamatorisch, insbesondere bei "O quand je dors" oder "Die Lorelei" wird das deutlich. Hier entstehen schon fast kleine dramatische Szenen, die sich von der Gattung Lied abzulösen scheinen, aber doch Lieder sind.

Dass der Liebestraum in der ersten Fassung ein Lied für Sopran und kein Klavierstück war, wusste ich auch nciht.
Die sängerischen und pianistischen Anforderungen sind hoch. Liszt hatte eine Vorlibe fûr serh hohe Schlusstöne, die dazu noc him Piano gehalten werden sollen- sowohl die Lorelei als auch O qunad je dors sind sehr schwierig zu singen und verlangen glechermassen serh zarte wie dramatische Aufschwünge. Ein grosser lyrischer Sopran ist damit am besten bedient, scheint mir. Es gibt eine m.E. sehr gute Cd mit Margaret Price, die die passende Stimme dazu mitbringt:





Liszt hat Lieder in vier Sprachen komponiert: deutsch, ungarisch, französisch , italienisch. Seine Textdichter kônnen sich wahrlich sehen lassen: Petrarca, Victor Hugo Alexandre Dumas, Goethe, Heine, Schiller, Uhland, Bürger etc
Seine umfassende polyglotte Bildung ist deutlich zu spûren. Wenn man sich dagegen ansieht was z.B. Brahms oder R.Strauss vertont haben.....
Diese eher unbekannte Seite des Komponisten Franz Liszt gereicht ihm m.E. zu grosser Ehre . Eine sehr schöne Entdeckung! :down
Armin70 (24.03.2010, 06:47):
Hallo,

die angesprochene CD mit Margaret Price und Cyprien Katsaris scheint derzeit vergriffen zu sein.

Es gibt auf dem Markt aber neuere Aufnahmen mit Liedern von Franz Liszt:
Fairy Queen (24.03.2010, 07:12):
Lieber Armin, Ruth Ziesack klingt serh interessant, denn ich frage mich wie Liszt mit einer leichten und hell timbrierten Stimme wohl klingen mag und wie sie mit den oft ziemlcih dramatischen Stellen zurechtkommt. Bei der Lorelei gibt es z.B. eine Stelle bei "den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh", da ist die Stimme sehr tief gesetzt und das Klavier hat ganz fette Akkorde im forte untendrunter. Selbst ein grosser lyrischer Sopran muss da kämpfen. Der liebestraum ist als Ganzes an der grenze zum Dramatischen, und das Klavier immer dick mit dabei- bin gespannt, wie das funktioniert!
Danke fûr die Tipps und deine Art, sie zu präsentieren.
Ic hhabe gerade eben rausgefunden: Liszt hat hat:
57 deutsche lieder
15 frz. lieder
5 italienische Lieder
3 ungarische lieder
1 rusisches Lied
1 englisches Lied
komponiert.
F.Q.
Fairy Queen (15.04.2010, 12:52):
Ich habe gerade die Liszt- Cd(Nr17) aus der phantastsichen Michael Raucheisen Edition gehört (eine riesige Kunstliedsammlung, 66 Cds teils serh alte aufnahmen mit Raritäten noch und noch). Dort gibt es etliche Raritäten , die sonst nirgends dabei sind. Ein lLed interessiert mich besonders. es heisst "Die tote Nachtigall" und klingt so modern, als wâre es viel spâter komponiert worden. Vieles ist rezitativisch oder nur von wenigen Klavierakkorden begleitet Da es sich um ein Koloraturlied handelt, von denen es im Kunstleidrepertoire nciht allzuviel gibt, bin ich besonders an den Noten interessiert. Hat jemand eine idee, wo man die evtl preiswert finden kônnte?
Hier wird das Lied von Erna Berger gesungen.
Imponiert haben mir auf dieser CD auch die Altstimme von Emmi Leisner und der Tenor Karl Erb. Hans Hotter mag ich sowieso besonders gerne: "Wer nie sein Brot mit Tränen ass" oder "Wanderers Nachtlied" werden mit ihm zum Ereignis.
Liedselige Grüsse von F.Q.
Fairy Queen (15.04.2010, 20:15):
Die Noten sind dank eines sehr liebenswürdigen und findigen Forumsmitglieds schon bei mir gelandet!
Man kommt aus dem Staunen nicht heraus bei all der engagierten Hilfsbereitschaft. :thanks

Wer etwas braucht(habe z.B. serh viele Gesangsnoten, kann einige Sprachen für evtl übersetzungen etc.), möge mich bitte auch bitten.

F.Q.