Franz Schubert: Streichquartett Nr. 14 d-Moll D 810 "Der Tod und das Mädchen"

Rachmaninov (20.12.2006, 13:08):
Forianer,

der Tod und das Mädchen ist ein Sujet der bildenden Kunst und der Musik, das sich bereits während der Renaissance bei Hans Baldung Grien findet und vor allem im 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen wurde.

Franz Schubert hat sich mit dieser Thematik in seinem Streichquartett Nr.14 d-Moll D810 auseinandergesetzt. Den Namen verdankt das Quartett dem Thema des zweiten Satzes, der dem Lied "Der Tod und das Mädchen" entstammt.


Das Mädchen:
Vorüber! Ach vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh, Lieber!
Und rühre mich nicht an.

Der Tod:
Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund und komme nicht zu strafen.
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen!

Da mir Schuberts Kammermusik jedoch bisher immer viel Freude bereitet hat würde ich mich über Aufnahme-Empfehlungen freuen.

Danke
Richard
cellodil (20.12.2006, 17:20):
Lieber Rachmaninov,

ich liebe dieses Quartett! Es ist einfach wunderschön, großartig, anrührend, aber doch kraft- und spannungsvoll.

ich finde die Aufnahme mit dem Guarneri Quartet (die zweite, späte von 1996) sehr berührend, ohne schmalzig zu sein. Ich mag allerdings auch deren Ton grundsätzlich sehr, sehr gerne.

Nicht schlecht, aber auch nicht berauschend finde ich die Aufnahme mit dem Leipziger Streichquartett...

Die anderen, die ich kenne, sind mir im Moment nicht sonderlich gewärtig. Meistens höre ich ohnehin nur die Guarneri-Aufnahme...

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Der Text ist ursprünglich meines Wissens (aber ich kann mich täuschen) von Matthais Claudius nicht als Lied, sondern als Gedicht geschrieben.

P.P.S. Ganz interessant finde ich auch, was Arnold Steinhardt in "Mein Leben zu viert: Von der Kunst aufeinander zu hören" (Knaus-Verlag) über der Tod und das Mädchen schreibt. Wenn Du das Buch hast oder in die Hände bekommst, dann lies mal nach.
Rachmaninov (20.12.2006, 17:22):
Original von cellodil

P.S. Der Text ist ursprünglich meines Wissens (aber ich kann mich täuschen) von Matthais Claudius nicht als Lied, sondern als Gedicht geschrieben.



Stimmt! Der ursprüngliche Text stammt aus dem Gedicht von Claudius!
Amadé (20.12.2006, 18:36):
Hallo Rachmininow,

die Spitzenposition nimmt immer noch die Aufnahme mit dem Busch Quartett aus dem Jahre 1936 bei EMI inne. Erfreulicherweise ist sie mit der ebenso hochkarätigen Aufnahme des G-dur Quartetts D.887 gekoppelt. Zugreifen!

Gruß Amadé
:hello
satie (20.12.2006, 18:58):
Original von Amadé
Hallo Rachmininow,

die Spitzenposition nimmt immer noch die Aufnahme mit dem Busch Quartett aus dem Jahre 1936 bei EMI inne. Erfreulicherweise ist sie mit der ebenso hochkarätigen Aufnahme des G-dur Quartetts D.887 gekoppelt. Zugreifen!

Gruß Amadé
:hello

Weils mich nun doch mal wundert: warum ist das eine gute Aufnahme? Oder gar "die Beste"? Was sind Deine Kriterien hier? Ich hörte über das Busch-Quartett nur soviel, dass sie wohl sehr gut intoniert haben (gut im Sinne von intervallischer Intonation, nicht in dem Sinn, dass sie "sauber" gespielt haben). Gehört habe ich die Aufnahmen aber noch nie.

Für eine Antwort bedankt sich

S A T I E
Amadé (20.12.2006, 21:02):
Hallo Satie,

dann wird es aber Zeit!

Das Busch-Quartett spielt sehr natürlich und ungekünstelt, intensiv, ganz dicht bei Schubert, ohne herauszustreichen: ein bedeutendes Streichquartett. Im Spiel setzt es wie damals üblich an vielen Stellen Portamenti ein (Portamento = Hinübergleiuten von einem Ton zum anderen). Portamenti dienen der intensiven Gestaltung einer Melodie/Phrase, sie müssen dezent angebracht werden, nicht aufgetragen, dann klingt es kitschig. Etwa in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg war das Portamentospiel nicht mehr gern gesehen.

Gruß Amadé
Gerion (21.12.2006, 16:42):
Hallo alle,

ich besitze die Aufnahme mit dem Leipziger Streichquartett (aus einer Box mit einer Gesamteinspielung aller Quartette sowie einiger anderer Kammermusik von Schubert). Bezüglich D.810 kann ich die Box eingeschränkt, insgesamt jedoch ohne weiteres Empfehlen. Von "Der Tod und das Mädchen" gibt es sicher noch bessere Aufnahmen, insofern teile ich cellodils Auffassung.

Ich habe das Stück einmal in Köln live vom Alban Berg Quartett gespielt gehört, was mich begeistert hat. Wenn es vom ABQ eine Aufnahme gibt, könntest Du sie evtl. in die engere Wahl nehmen, Rachmaninov.
Amadé (21.12.2006, 22:43):
(Kurwenal): "Darf ich die Antwort sagen?"

Hallo Gerion,
es gibt sie schon längst. Sie ist sehr dramatisch, aber trotzdem diszipliniert gespielt und gehört in die Spitzenklasse. Gekoppelt war sie immer mit dem Streichquartett a-moll D.804 op.29 Nr.1 "Rosamunde", für mich die Spitzenaufnahme dieses Quartetts. Erschienen bei EMI. Bitte zugreifen oder sich schenken lassen.

Gruß Amadé
ab (24.12.2006, 12:47):
Die berückendste Aufnahme bzgl. des zweiten Satzes, die ich kenne, stammt vom Juilliard String Quartet von Anfang der 60er jahren. Inzwischen scheint sie bei Testament wiederveröffentlicht worden zu sein. Die kann ich sehr ans Herz legen!
Die letzten beiden Sätzte (die, wie so oft bei Schubert, selbtsam gegenüber den ersten beiden abfallen) spielen sie aber in ihrer späteren Aufnahme (Sony) in einem schönern, weil langsamern Tempo.)

Sehr schön finde ich auch das Amadeus Quartett, von dem inzwischen zwei Aufnahmen vorliegen.

Am öftensten höre ich wohl die vom Hagen Quartett, wohl auch weil sie mit dem letzten Beethovens gekoppelt ist: mehr perfekter als berückender Schubert.

Die Leipziger finde ich schon wegen des ausgedünnten, dürren höhenbetonten Klangs und insbesondere den fatalen Schwächen des Cellisten sehr ungern. Das Alban Berg Quartett missfällt mir wegen des Schmelz des Primgeigers.
Gerion (17.01.2007, 10:48):
Lieber Amade,

danke für den Hinweis auf die bereits existierende Referenzaufnahme mit dem ABQ. Ich verehre das Ensenble sehr und durfte es schon mehrmals in der Kölner Philharmonie erleben, u.a. auch schon mit D 810, freilich bereits in der neuen Besetzung mit Isabel Charisius als (guter) Ersatz für den (damals erst erkrankten) Thomas Kakuska.

Ich hoffe derzeit, dass D 810 vollständig auf der CD des neuen Bandes der Zeit Klassik-Edition enthalten ist, den ich mir bestellt habe. Ansonsten muss ich nochmal den Saturn hier in Köln aufsuchen. Obwohl das nicht ganz ungefährlich ist, gerade wenn ich mich im kammermusikalischen Bereich bei den ABQs bewege... :D
Amadé (18.05.2008, 20:32):
Zwei neue CDs mit Schubert Quartetten lagen heute in der Schublade meines Players:

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0034571175850.jpg http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0749677137328.jpg
Auf der hyperion-CD spielt das neubesetzte Takacs-Quartett die Quartette a-moll D.804 sowie das in d-moll D.810. Die Testament-CD enthält ebenfalls das d-moll Quartett sowie noch Beethovens op.131 mit dem Juilliard Quartett aus 1959/60, damals noch bei RCA unter Vertrag.
D.810 habe ich in beiden Aufnahmen verglichen. Um es gleich vorweg zu sagen, die gut restaurierte Juilliard-CD gefällt mir wesentlich besser, sie hat in den Ecksätzen mehr Sog, ist vorwärtsdrängender. Das Thema im 2. Satz ist nicht Andante sondern Adagio gespielt, wider Schuberts Vorschrift, aber welche Wirkung zeitigt dies! Dann gehen die Variationen im gewohnten Tempo weiter. Die einzelnen Instrumente sind genau aufeinander abgestimmt, in sehr guter Balance, den dynamischen Vorzeichen hätte man hier und da noch etwas mehr Beachtung schenken können. Überall kann die Musik atmen kann.
Auch beim Takacs-Quartett müsste man bei der Dynamik mehr differenzieren. Schwerer wiegt allerdings, dass die einzelnen Stimmen in ihrem Verlauf nicht genau zu orten sind, da das Klangbild etwas zu komprimiert ausgefallen ist. Die dynamische Bandbreite ist nicht so groß, wie man es heute auf digitalem Tonträger erwarten kann. Der 1. Satz kommt mir etwas einförmig daher, das 2.Thema müsste lyrischer gespielt werden, damit es in den wenigen Sekunden etwas Ruhe in den Satz bringen kann. Diese Stelle lösen die Juilliards viel besser. Im Variationssatz hat jede Variation ihr eigenes Tempo. Beim Trio im 3.Satz wird taktweise die 2.Violine verschluckt, später die Viola, die von der Vl. die Stimme übernimmt. Am besten gefällt mir noch der Schlusssatz. Bei aller instrumentalen Meisterschaft der Takacs-Formation bleibt doch Schuberts gewaltiger Quartett-Aufriss etwas unterbelichtet. Auch das viel heiklere „Rosamunde“ Quartett hinterlässt bei mir keinen vorteilhafteren Eindruck, leider. Die Anschaffung der Testament-CD mit Beethoven und Schubert möchte ich dagegen nachdrücklich empfehlen.

Herzliche Grüße
Amadé
ab (19.05.2008, 09:41):
Original von Amadé

D.810 habe ich in beiden Aufnahmen verglichen. Um es gleich vorweg zu sagen, die gut restaurierte Juilliard-CD gefällt mir wesentlich besser, sie hat in den Ecksätzen mehr Sog, ist vorwärtsdrängender. Das Thema im 2. Satz ist nicht Andante sondern Adagio gespielt, wider Schuberts Vorschrift, aber welche Wirkung zeitigt dies! Dann gehen die Variationen im gewohnten Tempo weiter. Die einzelnen Instrumente sind genau aufeinander abgestimmt, in sehr guter Balance, den dynamischen Vorzeichen hätte man hier und da noch etwas mehr Beachtung schenken können. Überall kann die Musik atmen kann.

Die Anschaffung der Testament-CD mit Beethoven und Schubert möchte ich nachdrücklich empfehlen.

Herzliche Grüße
Amadé

Hallo Amadé,

Kennst du auch die Aufnahmen des Juilliard Quartets aus den 70ern bei CBS/Sony? Dort nehmen sie den dritten und vierten Satz viel langsamer und gewinnen dadurch - wie ich finde - viel größere Eindrücklichkeit. (Ich hätte mir immer eine Mischung aus den ersten beiden Sätzen der alten RCA-Aufnahmen und den beiden Schlusssätzen der jüngeren CBS-Aufnahme gewünscht.)



Ich kenne die alte Aufnahme noch von Schlalplatte - ist eigentlich Beethovens op.131 auch eine alte RCA-Aufnahme?

Das Takacs-Quartett betreffend finde ich das gemeinsam Vibratospiel so unausgegoren, sowie den spitzen Ton des Primgeigers höchst unerfreulich sowie bei Dynamiksteigerung nicht homogen füllig.

:hello
Amadé (19.05.2008, 17:11):
Lieber ab,

ich habe auch die neueren von CBS im Regal, hier spielen sie auch in erneuerter Besetzung: von der älteren Mannschaft ist nur noch der Primarius dabei. Du hast recht, die Spielzeiten des 3. und 4. Satzes sind (etwas) langsamer, zuerst RCA danach CBS: 1.Satz: 11:49/12:02, 2.SAtz: 15:09/14:53, 3.Satz: 3:44/3:58, 4.SAtz: 8:11/9:16, im Scherzo fällt es nicht so auf, der 2.SAtz ist in der älteren Aufnahme noch langsamer. Im Augenblick gefällt mir die RCA/Testament-CD etwas besser, auch klanglich, obwohl sie 10 Jahre älter ist.
Das Quartett op.131 ist ursprünglich auch von RCA. Ob weitere Beethoven-Quartette eingespielt wurden weiß ich nicht, jedoch je eine mit Haydn und Mozart-Quartetten sowie die Debussy/Ravel Kopplung, die ich auch noch auf LP besitze ebenso wie die LP mit Berg (Lyrische Suite) und Webern op.9 und op.5. Eine Kompilation aus Haydn, Mozart und Schuberts Quartettsatz, der mir D.810 gekoppelt war, findet sich hier:
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0749677137229.jpg

Gruß Amadé
Jürgen (19.01.2009, 11:50):
Ich hatte bislang keinen richtigen Zugang zu Schuberts Kammermusik.

Seit drei Monaten habe ich diese Einspielungen der Schubert'schen Kammermusik:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/514fu6Gw4YL._SL500_AA240_.jpg

Der Tod und das Mädchen ist darin in einer Einspielung des Brandis Quartett enthalten.
Ich habe allerdings erst das Forellenquintett gehört, was mir aber irgendwie auf die Nerven gegangen ist. Daraufhin habe ich einen Bogen um die weitere Kammermusik gemacht und lieber wieder Lieder gehört.

Letzte Woche habe ich mir in der Bücherei folgende CD ausgeliehen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41gHvVWB4oL._SL500_AA240_.jpg

Jerusalem Quartet 2007
Zusammen mit dem Quartettsatz D.703

Und siehe da, es hat auf Anhieb gefunkt. Die CD kommt gar nicht mehr aus dem Player. Auch der Quartettsatz ist ganz superb.
Zum Vergleich habe ich mal bei den Brandis reingehört, die ich aber nicht so zwingend und impulsiv fand.

Dies ist übrigens das erste Streichquartett, das mich nicht langweilte.
Ich habe mich über meine kleine Entdeckung riesig gefreut.

Grüße
Jürgen
ab (19.01.2009, 11:55):
Original von Jürgen
Dies ist übrigens das erste Streichquartett, das mich nicht langweilte.
Ich habe mich über meine kleine Entdeckung riesig gefreut.

Grüße
Jürgen

willkommen im Streichquartett-Fan-Club ! :beer
cellodil (19.01.2009, 13:36):
Original von ab
Original von Jürgen
Dies ist übrigens das erste Streichquartett, das mich nicht langweilte.
Ich habe mich über meine kleine Entdeckung riesig gefreut.

Grüße
Jürgen

willkommen im Streichquartett-Fan-Club ! :beer

... da stoße ich doch gleich mit an... :beer

... und, Jürgen, dann versuch's doch mal mit dem späten Beethoven...

Liebe Grüße

Sabine
ab (19.01.2009, 14:12):
Original von cellodil
... und, Jürgen, dann versuch's doch mal mit dem späten Beethoven...


sachte, sachte, nur nichts überstürzen.

Wenn Dir solch Fetziges zusagt, dann womöglich erste einmal solches wie das Grieg Streichquartett (ich empfehle hierbei das Oslo-Quartet bei Naxos) oder Schumanns op 41/1 (natürlich vom Hagen Quartett).
cellodil (19.01.2009, 14:39):
Original von ab
Original von cellodil
... und, Jürgen, dann versuch's doch mal mit dem späten Beethoven...


sachte, sachte, nur nichts überstürzen.

... vielleicht hast Du recht. Obwohl: Ich kenne kaum aufregendere Streichquartette als die späten Beethoven Quartette.

Original von ab
(natürlich vom Hagen Quartett).

:D und :beer und liebe Grüße

Sabine
Heike (19.01.2009, 15:19):
Schöne Aufregungen birgt auch das Schostakowitsch Quartett Nr. 8.
Oder das Amerikanische von Dvorak op. 96.
Heike
Gerion (19.01.2009, 18:18):
@ Jürgen: Bei mir war es genauso, das Quartett hat mir sogar das Tor zur Quartettmusik insgesamt aufgestoßen! :hello
Jürgen (19.01.2009, 23:59):
@ ab, Sabine, Heike, Gerion: Vielen Dank für Eure Vorschläge.

Dvorak und Beethoven habe ich sogar in irgendeiner Brilliant-Kiste.
Das Amerikanische von Dvorak barg beim letzten Hören schon einen Funken von Gefallen (Ich habe es glaube ich schon im "Was höre ich..." Thread erwähnt).

Grieg, Schumann und Schostakowitsch muss ich mir mal ausleihen.

Grüße
Jürgen
kreisler (18.02.2009, 14:10):
Ich habe mich bei diesem Werk zu der Aufnahme mit dem Busch-Quartett entschieden.
Wisst ihr, ob das "Remastering" (oder wie das heißt) bei der EMI Great Recordings of the Century Reihe gelungen ist? Bei anderen alten Aufnahmen wie den Casals Bach-Cellosuiten oder den Beethovensonaten mit Schnabel hatte ich da nicht den Eindruck, das da groß "remastert" wurde. Jedoch habe ich keine Ahnung, wie viel man da überhaupt machen kann...

Es gibt z.B. noch eine CD bei Urania mit den gleichen Aufnahmen. Glaubt ihr da gibt es irgendwelche Tonqualitäts-Unterschiede?
Wollte überhaupt mal Fragen, ob die verschiedenen Labels die gleichen Aufnahmen unterschiedlich gut auf CD überspielen?

Danke,
Kreisler
ab (26.02.2009, 14:22):
Ich würde wohl zum Label Dutton raten, wo dieses Streichquartett mit dem Forellenquintett gepaart ist, gespielt von Artur Schnabel und Pro Artis Quartett-Mitgliedern. (ich habe es in einem History-Transfer)

http://www.duttonvocalion.co.uk/prodimages/9743.gif

(Bei all meiner Liebe zu den Beethoven Quartetten mit den Busch-Brüdern, beim "Tod und das Mädchen" ziehe ich doch das Amadeus Quartett und das Juilliard Quartet vor)

:hello
jünter (04.06.2011, 14:00):
Bin in Sachen D 810 derzeit auf der Suche und über eine Aufnahme des Borodin Quartetts von 1996, gekoppelt mit Schumanns Klavierquintett Op. 44 (S. Richter am Klavier!) gestolpert:

Momentan noch unter dem WB-Elatus-Label

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0809274900227.jpg

auf dem Markt, ab 24.06. auch in der preisgünstigen WB-Apex-Reihe erhältlich

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0825646742981.jpg

Kennt jemand die Aufnahme und hat eine Meinung dazu?

Die Internet-Hörschnipsel klingen vielversprechend.

Ansonsten ist momemtan das ABQ in meiner engsten Wahl:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0077774733328.jpg

Gruß, jünter
Amadé (06.06.2011, 16:57):
Original von Jünter
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0809274900227.jpg

Hallo jünter,
ich habe mir gestern Abend das Quartett nochmals angehört, bin aber mit den Interpretation wenig zufrieden. Der Klang ist kompakt, die 1.Violine führt zu sehr, insgesamt ein holzschnittartiges Musizieren. Interessant ist die Scheibe nur wegen des Klavierquintetts von Schumann mit Richter. Greife lieber zu dieser:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0077774733328.jpg

oder zu der mich noch mehr überzeugenden Aufnahme mit dem Busch Quartett.

Gruß Amadé
jünter (06.06.2011, 19:05):
Lieber Amadé (ich kanns mit dem Accent! :)),

schönen Dank für die "Warnung". Werde mit wohl die ABQ-CD anschaffen, da ich mich von der Unverzichtbarkeit der (leider auch klanglich) historischen Aufnahme des Busch Quartetts erst noch überzeugen muss.

Gruß, jünter
Cetay (inaktiv) (11.09.2014, 10:10):
Seit dieser Faden in den Dornröschenschlaf gefallen ist, hat sich in punkto Neuaufnahmen von D810 einiges getan. Zwei, die mir sehr interessant erscheinen sind die mit dem Doric Quartett und die mit dem Quatuor Terpsycordes. Die Dorics gehören bei den jungen Quartetten zu den Kritikerlieblingen, speziell ihr Schumann wurde mit Lob überhäuft und auch Walton und Korngold -offenbar geht es denen nicht um nur ausgetretenes Repertoire- sehr positiv aufgenommen. Ihr Schubert zeichnet sich durch heftige Attacke und eine eher düstere Leseart aus. Klangschönheit wird der unmittelbaren dramatischen Wucht untergeordnet, statt lyrischer Wärme wird ein bisweilen unterkühltes Klangbild geboten. Das ist vor allem im ersten Satz sehr überzeugend, aber mir scheint der Spannungsbogen im 2. Satz manchmal ein- und in den Schlusssätzen (wie so häufig) vollends abzubrechen, so dass ich es dann doch wieder (wie so häufig) aussitze.
Die Terpsycordes überzeugen vor allem durch ihr Klangbild, sie spielen auf einem -zur Schubertzeit üblichen- tieferen Kammerton (430Hz) und haben auch ihre Instrumente ganz im Sinne der damaligen Gegebenheiten präpariert; es handelt sich also um ein Originalklang-Ensemble, was bei Quartetten immer noch eine Rarität zu sein scheint - weiß jemand warum? Ich empfinde diesen tiefergelegten und Oberton-reichen Klang von Originalquartetten um so viel intensiver, dass ich manchmal sogar interpretatorisch und technisch nicht ganz so überragende Einspielung vorziehe, wenn sie denn bloß Originalklang bieten. Wie auch beim Doric Quartett ist der Zugriff des Ensembles bei aller dramatischen Attacke unterkühlt und das wird durch die Aufnahmetechnik noch unterstrichen. Leider platzt auch hier mit dem Scherzo sämtliche Luft raus (gäbe es nicht die Aufnahmen mit dem Busch- und dem Auryn-Quartett könnte man meinen, das ist sei kompositorische Absicht). Unterm Strich sind beide Aufnahmen sicher nichts für Schöngeister oder auch nur Suchern nach Ausgewogenheit, wohl aber für alle, die das Streichquartett immer noch für eine schnarchige Gattung halten:


http://ecx.images-amazon.com/images/I/81A%2B4nvP9oL._SL500_AA270_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51B0WAY0iPL.SL500_AA270_.jpg
Franz Schubert; Streichquartett Nr. 14 d-Moll, D810 "Der Tod und das Mädchen"
Doric Quartett // Quatour Terpsycordes
palestrina (11.09.2014, 12:34):
Ja, das Streichquartett no.14 ist schon was ganz besonderes , da ich mich ja noch nicht so lange mit Kammermusik beschäftige , war es doch eines der ersten die ich hörte , Borodin ,Guarneri, Melos und das Cherubini Quartett !
Aber keines hat mich im Klang so überzeugt wie die Aufn.des Pavel Haas Quartet , eine rundum sehr gelungene Aufn.! Der Klang ist wunderbar warm , besonders gelungen finde ich den 2ten Satz, den konnte mir keine von den anderen recht machen !
Und auf Cetay zurück zu kommen, ich finde auch die Aufnahme Technik spielt eine große Rolle, manche Aufn. klingen trocken und steril !
Ich werde jetzt mal das Quatour Torpsycordes begutachten ! :wink

https://www.jpc.de/image/w350/front/0/0099925411022.jpg

LG palestrina
Hosenrolle1 (13.05.2015, 23:18):
Ich beschäftige mich gerade ziemlich intensiv mit diesem Werk und versuche (wie ich in einem anderen Thread schon erwähnt habe) es mir so gut es geht draufzuschaffen.

Das Stück hat mich dazu gebracht, meine Gitarre auszupacken und ein paar Sachen nachzuspielen, nicht jedoch aus Freude am musizieren (denn die gibt es bei mir nicht), sondern weil mir dann viele Dinge klarer werden; wenn ich zu einer Aufnahme mitspiele, dann höre ich Details wie das Vibrato auf einzelnen Noten intensiver.

Ansonsten helfen mir die Noten ungemein weiter.


Ich habe mir nun gedacht, ich mache einen kleinen Vergleich von verschiedenen Aufnahmen.

Momentan habe ich zwei kurze Ausschnitte ausgewählt, die ich in mehreren Interpretationen verschiedener Quartette zu verschiedenen Zeiten nacheinander abspielen lasse; passend dazu blende ich den jeweiligen Ausschnitt in Notenform ein (für die Musikwissenschaftler unter uns :J)

Es gibt auf YouTube natürlich noch mehr Interpretationen, jedoch habe ich mich für 7 entschlossen, damit der Rahmen nicht gesprengt wird, außerdem dauert es eine Weile, die Videos herunterzuladen, zu konvertieren und im Videobearbeitungsprogramm so genau wie möglich zu schneiden.


Ich denke, dass so ein Vergleich doch zeigt, wie große Unterschiede es gibt, interpretatorisch, aber auch tontechnisch, so dass man schwer sagen kann, dass es DIE EINE Aufnahme irgendwo gibt. Ich rate ja dazu, möglichst viele verschiedene Aufnahmen zu hören.

Momentan habe ich, wie gesagt, zwei Ausschnitte, ich plane aber noch ein paar mehr, wenn ich mir das Stück weiter erarbeitet habe.

__ __ __ __ __

Der erste Ausschnitt zeigt die Stelle, weswegen ich mich für das Stück interessiert und danach gefragt habe (danke an Satie für die Auskunft an dieser Stelle!).

https://www.youtube.com/watch?v=0zafXk964V4


Natürlich möchte ich auch zu jeder Version etwas sagen, und - was mir besonders wichtig ist - nach eurer Meinung fragen, ob ihr das anders seht, und warum; von anderen Sichtweisen kann man immer dazu lernen!

Version 1: sehr sanftes Cello, die 16tel Note C hört man gar nicht mehr, die Geigen spielen den Akzent im 2. Takt meiner Meinung nach gar nicht, die Melodie wird sehr fließend gespielt, aber, für meinen Geschmack, ein bisschen zu harmlos, zu gleichgültig, mit einem faden Vibrato.


Version 2: deutlich schnelleres Tempo, das Cello betont hier die Taktschwerpunkte (1 und 3) wesentlich mehr, die Viola beginnt richtig überschwänglich, bremst sich aber schnell ein, aber auch hier stört mich der etwas fade Vortrag der beiden Geigen ... vielleicht ist das dem Tempo geschuldet?

Version 3: diese Aufnahme ist von 1956, klangtechnisch leider nicht das Gelbe vom Ei. Die Version ist ziemlich langsam, der "Drive", der von Cello und Viola kommt, geht verloren, die Geigen spielen sehr zurückhaltend, und tragen das Motiv fast schüchtern vor, obwohl es in reinstem Dur erstrahlt.

Version 4: ist auch nicht mein Fall. Gutes Tempo, aber die Geigen vernachlässigen hier ebenfalls den Aktzent auf der 1 jedes Taktes, auch hier reißen mich die Violinen nicht vom Hocker.

Version 5: Cello und Viola spielen hier für meinen Geschmack zu mechanisch, und bei den Geigen kommt es mir vor, als würden sie den Akzent auf der 1 ignorieren und ihn stattdessen auf der 16tel nach der Punktierung spielen; wenn ich mich nicht irre bedeutet der Legatobogen oben, dass die Phrase in einem Bogenstrich gespielt gehört, aber hier klingt es, als würde man die 16tel neu "anstreichen".

Version 6: auch hier geht mir der Akzent ab, dafür gefällt mir die Vortragsweise ganz gut. Die Geigen spielen die Melodie irgendwie vornehm, selbstbewusst, mit einem schönen kontrollierten Vibrato jeweils am Ende.
Diese Vortragsweise hat mich sehr an Schellackaufnahmen der 20er Jahre erinnert, was aber positiv gemeint ist!
Positiv fand ich auch, wie die Bratsche (wie bei den vorangegangenen Versionen) stets präsent war und für Bewegung gesorgt hat, so dass die Haltetöne am Ende der Melodie keine wirklichen Ruhepunkte waren.

Version 7: diese Version gefällt mir sehr gut, doch ich befürchte, dass es sich dabei um mehrere Streicher handelt, nicht um ein Quartett.
Diese Version beginnt schon stark: das Cello betont die Taktschwerpunkte sehr deutlich und drängt stolz vorwärts, ohne dabei zu hetzen. Die Bratschen gehen dann leider, wenn die Geigen spielen, völlig unter - ich fürchte, dass hier durch die Mehrfachbesetzung der Bratschen diese hüpfende Triolenbegleitung zu sehr verschwimmt.

Aber die Geigen! Zumindest an dieser Stelle finde ich diesen Sound herrlich; die Akzente werden hier doch mehr gespielt, nicht zu stark, und das Legato ist ebenfalls herrlich: man hört die 16tel nach der Punktierung, und trotzdem fließt alles dahin. Die Melodie selbst wird stolz und fröhlich vorgetragen, keineswegs kitschig oder süßlich, aber auch nicht übertrieben enthusiastisch.


Über den zweiten Ausschnitt werde ich morgen etwas schreiben.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (13.05.2015, 23:53):
Ergänzung: ich lese gerade auf YouTube, die letzte Version (Nummer 7) ist tatsächlich ein Streichorchester, offenbar ein Arrangement von Mahler :( :(




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (14.05.2015, 12:09):
Mein zweites Video zeigt die Wiederholung des Themas eine Oktave höher, eingeleitet durch einen Triolenlauf der Violinen.

Diese Stelle habe ich nachgespielt auf der Gitarre, und die Herausforderung ist definitiv, dass man durch die Triolen nicht das Gefühl für das Timing verliert, und im nächsten Takt punkt genau auf der 1 landet. Die letzte Triolenachtel wird ja von der 1. Geige nicht mehr Staccato gespielt; das bremst diesen Lauf natürlich etwas aus, jedoch kommt direkt danach der Akzent, damit es gleich weitergeht und das plötzliche Legato nicht den Schwung herausnimmt. Zumindest ist das mein Eindruck.

https://www.youtube.com/watch?v=UrglT5nmkwc




Version 1: auch hier ist der Bass sehr weich, die Bratsche sorgt für Bewegung, die Violinen spielen ganz in Ordnung, jedoch habe ich das Gefühl, dass der zweite Akzent im dritten Takt nicht mehr berücksichtigt wird, außerdem stört mich im 3. Takt ebenfalls, dass sich die 2. Geige mit der ersten nicht mehr so gut mischt

Version 2: diese Version gefällt mir ausgesprochen gut! Wie die Violinen hier diesen Staccato-Triolen-Lauf punkt genau ausführen, perfekt im Timing sind, und den Akzent spielen, um klar zu machen, dass jetzt ein neuer Takt begonnen hat, dazu das sehr, sehr feine Vibrato bei jedem Halteton, das hat schon was!

Version 3: leider wieder die schlechte Klangqualität, aber trotzdem: das Tempo ist immer noch (für meinen Geschmack) zu langsam, und die Geigen spielen hier zu süßlich, der „Drive“ fehlt mir hier einfach.

Version 4: diese Version ist mir – obwohl auch gut getimt – ein wenig zu süßlich, speziell das Vibrato der 1. Violine empfinde ich schon als unschön, es wirkt auf mich schon zu träge, fast leiernd

Version 5: hier stört mich eigentlich nur das Cello, das die 16tel nach jeder Doppelpunktierung für meinen Geschmack schon zu stark betont; es klingt so, als würde der Cellist kurz davor eine Pause machen. Interessant fand ich auch, dass der 1. Geiger die Akzentuierung in Takt 2 mit einem kurzen Vibrato versetzt – auch eine Art, die Note zu betonen. Aber trotzdem, vor allem wegen dem Cello kommt mir diese Version zu ausgebremst, zu schleppend vor.

Version 6: hier gefällt mir das Zusammenspiel von Cello und Bratsche am besten, man hört die Bratsche auch hier gut heraus, ohne dass sie sich unangenehm in den Vordergrund drängen würde, der Bass betont die Taktschwerpunkte, ohne es zu übertreiben. Die Geigen spielen die Melodie vergleichsweise schneller, der Triolenlauf gerät aber nicht gehetzt, sondern wird präzise ausgeführt, das Thema wird nicht überschwänglich, eher grazil und stolz präsentiert.

Version 7: ja, die Orchesterversion … auch hier das Gleiche: durch den satteren Streicherklang wirkt alles gleich opulenter, vielleicht auch fröhlicher, wenig Vibrato.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (15.05.2015, 12:46):
Habe heute ein neues Video erstellt, diesmal geht es um diese Stelle:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/schubert3oaw2eys0fq.jpg

Cello und Bratsche spielen unisono, und es ist doch bemerkenswert, wie unterschiedlich das gespielt wird. Mal mit wenig, dann mit viel Vibrato, mal ist das Cello lauter, dann wieder die Bratsche, mal klingt das Thema fließender, dann wieder abgehakter, usw.


https://youtu.be/Ys-p_8fYLyY





LG,
Hosenrolle1
satie (16.05.2015, 00:17):
Original von Hosenrolle1
Habe heute ein neues Video erstellt, diesmal geht es um diese Stelle:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/schubert3oaw2eys0fq.jpg

Cello und Bratsche spielen unisono

Kleine Korrektur: sie spielen keineswegs unisono, sondern in Terzen:
Vla: g - fis - g - e - c - g - f - e - d - cis - d - cis
Vc: e - dis - e - c - h - e - d - c - b - a - gis - a

unisono würde ja bedeuten, das sie beide genau dieselben Töne spielen.

Ich finde spannend, wie unterschiedlich mit dem Rhythmus umgegangen wird! Manche spielen den Auftakt schon fast als Achtel, andere spielen nach der doppelt punktierten Viertel beinahe eine Achtel... besonders bei der Streichorchester-Version (die meiner Meinung nach echt überflüssig ist)!
Danke für diese Vergleiche, sie sind interessant!
Welche Namen gehören denn zu den verschiedenen Versionen?

Herzliche Grüße

Satie
Hosenrolle1 (16.05.2015, 00:32):
Original von Satie
Kleine Korrektur: sie spielen keineswegs unisono, sondern in Terzen:
Vla: g - fis - g - e - c - g - f - e - d - cis - d - cis
Vc: e - dis - e - c - h - e - d - c - b - a - gis - a

unisono würde ja bedeuten, das sie beide genau dieselben Töne spielen.

Auweh, stimmt natürlich! Da war ich zu vorschnell, danke für den Hinweis :thanks


Ich finde spannend, wie unterschiedlich mit dem Rhythmus umgegangen wird! Manche spielen den Auftakt schon fast als Achtel, andere spielen nach der doppelt punktierten Viertel beinahe eine Achtel... besonders bei der Streichorchester-Version (die meiner Meinung nach echt überflüssig ist)!

Das freut mich, dass es dir gefallen hat!

Ja, schon deswegen würde ich mir schwer tun, irgendeine Aufnahme zu empfehlen, weil es da so viele unterschiedliche Interpretationen gibt, und man letztendlich nicht sagen kann, was derjenige, dem man es empfiehlt, gerne hören würde.

Auf jeden Fall zeigt es doch, wie sich Einspielungen voneinander unterscheiden können, und es sich lohnt, zu vergleichen. (Und auch, mal in die Noten zu sehen, dadurch kann man dann auch bestimmten, ob die Achtel korrekt ist oder nicht :wink)

Die Streichorchesterversion .... ich bin kein Fan davon, und obwohl ich den Klang speziell bei der schönen Melodie doch ansprechend fand, ziehe ich natürlich das echte Streichquartett vor.


Danke für diese Vergleiche, sie sind interessant!

Gerne!

Du hast mich ja erst darauf gebracht mit deinem Hinweis.

Der VLC Player erweist sich da als tolle Hilfe beim Erarbeiten. Ich kann da einen bestimmten Bereich loopen, und in dem Video habe ich schon die Noten drin. So kann ich jede Stimme mitverfolgen und versuchen, mir möglichst viel einzuprägen.

Interessant wäre es ja, das Stück mit Darmsaiten zu hören ...





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (16.05.2015, 00:40):
Original von Satie
Welche Namen gehören denn zu den verschiedenen Versionen?

Muss gestehen, ich habe da nicht nachgeschaut. Meistens stehen die (wenn überhaupt) in der Beschreibung, die ich aber selten gelesen habe.

Mir war auf jeden Fall wichtig, dass man keine "Vorurteile" beim Hören hat, und sich beispielsweise denkt "Ah, jetzt spielt das weltberühmte XY-Quartett, das MUSS super und richtig sein", und mit einer bestimmten Erwartung an die Sache rangeht.

Ich werde aber nachschauen was ich eruieren kann und dir eine PN schicken, wenn ich darf.




LG,
Hosenrolle1
Nicolas_Aine (16.05.2015, 09:16):
Schreib das doch lieber hierhin, mich würde das auch interessieren :)
Hosenrolle1 (16.05.2015, 12:16):
Na gut ... ich habe die Namen rausgesucht, jedoch kann ich sie nicht zuordnen, weil ich die Videos wahllos ausgewählt habe, ohne bestimmte Reihenfolge oder so.

Oben in fett steht der exakte YouTube Titel des Videos, darunter die Besetzung:


Schubert - String Quartet No. 14 in D minor, D. 810

Pražák Quartet : Václav Remeš, Vlastimil Holek, Josef KlusoH and Michal KaHka.

Schubert - String quartet D.810 - Amadeus SQ Cologne 1956

Amadeus String Quartet (Norbert Brainin - Siegmund Nissel - Peter Schidlof - Martin Lovett)

Schubert - Quartetto Italiano - Quartetto in re min. D.810 - La morte e la fanciulla

I Violino: Paolo Borciani
II Violino: Elisa Pegreffi
Viola: Dino Asciolla
Cello: Franco Rossi

Franz Schubert - String Quartet No.14 in D minor, D.810 (Alban Berg Quartett)

Alban Berg Quartett


Schubert - String quartet D.810 - Amadeus SQ 1953

Amadeus String Quartet (Norbert Brainin - Siegmund Nissel - Peter Schidlof - Martin Lovett)


Franz Schubert - String Quartet, in D minor, D 810 _Der Tod und das Mädchen_

Brandis Quartet, Thomas Brandis, violin. Peter Brem, violin. Wilfried Strehle, viola. Wolfgang Boettcher, cello.



Ich plane schon ein neues Video, ich habe da eine sehr interessante Stelle entdeckt, die ebenfalls sehr unterschiedlich interpretiert wird!




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (16.05.2015, 18:57):
Ich habe ein neues Video erstellt:

https://www.youtube.com/watch?v=5SkmhWWblhI


Leider konnte ich nicht den ganzen Notenausschnitt im Video zeigen, weil er in der Partitur nicht in einer Zeile war, sondern in zwei. Deswegen hier die ganze Stelle.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/schuberteinsx4t2g8qe9v.jpg http://www.fotos-hochladen.net/uploads/schubertzweik2n8dojv9as.jpg



In diesem Video geht es um eine Stelle, die mir besonders gut gefällt, weil sich da einiges abspielt, das man genauer unter die Lupe nehmen kann.
Wenn ich mir das ansehe, dann teilen sich 1. Violine, Bratsche und Cello unterschiedliche „Motive“.

Die Bratsche beginnt mit einer Triole, die vom Cello wiederholt wird, die 1. Violine hingegen spielt ein Thema, das vom Cello wiederum aufgenommen wird, während die 1. Violine nun die Triole spielt – ein ständiges hin und her. Und trotzdem kommen im 3. Takt, auf der 1 und der 2 gleich drei Instrumente zusammen, bevor wieder jeder seiner Wege geht.

Es lohnt sich auf jeden Fall, sich diesen Abschnitt öfter anzuhören, und dabei auf jedes Instrument einzeln zu achten, mit den Noten mitzulesen; besonders das Cello gefällt mir hier sehr gut.



Version 1: die Tonqualität finde ich nicht schlecht, keine Stimme geht unter, das Cello finde ich hier vielleicht schon ein bisschen zu „tänzerisch“, die 1. Violine spielt den 3. Takt m.E. zu unsauber, ohne Schwung.

Version 2: besonders positiv finde ich hier, dass man die „Akkordtöne“ von Violine 1, 2 sowie Bratsche sehr deutlich und sauber durchhört, ohne dass sich ein Instrument in den Vordergrund drängt und andere zudeckt. Die Triole des Cellos im 3. Takt scheint aber irgendwie unterzugehen, hier fehlt mir ein bisschen die Dramatik.

Version 3: auch hier hört man die Akkordtöne im 2. Takt gut heraus, wenngleich die Klangqualität viel dumpfer ist. Enttäuschend für mich die 1. Violine, die hier langsam und zierlich herumtänzelt, den Akzent auf der 4 des ersten Taktes gar nicht zu berücksichtigen scheint.

Version 4: eine für mich sehr enttäuschende Version: die 1. Geige ist viel zu laut, von den Akkorden hört man nichts, und überhaupt kommt es mir vor, als ob die 1. Geige recht schlampig spielt.

Version 5: auch hier geht mir die Dramatik ab, mir kommt diese Version, wie die vorangegangene, eher schleppend vor, auch hier ist mir die 1. Violine zu dominant und zu unsauber, zu „trocken“ gespielt, und auch hier finde ich, dass die Akkorde zu weit in den Hintergrund gedrängt werden.

Version 6: zwei kleine Kritikpunkte: 2. Violine und Bratsche gehen ebenfalls ein bisschen unter, und (und das ist erst recht Geschmackssache) mir gefällt dieses Glissando(?) der 1. Violine im 4. Takt nicht.

Ansonsten finde ich, dass diese Version die notwendige Dramatik mitbringt, die 1. Geige spielt nicht so abgehakt wie ein paar der Vorgängerversionen, sondern sehr sauber, trotz des wesentlich schnelleren Tempos, dazu gefällt mir das leichte Vibrato im 2. Takt auf der halben Note.

Das Cello hört man auch bei den Triolen sehr deutlich, wenngleich es vielleicht ein wenig energischer auftreten könnte.

Version 7: gefällt mir generell sehr gut; die 1. Violine (ich bleibe der Übersichtlichkeit halber in der Einzahl) wird dramatisch und sauber gespielt, die halbe Note wird leiser intoniert, damit 2. Violine und Bratsche in den dritten Takt hinabführen können, der dann auch mit einer kleinen Betonung begonnen wird. Der Sound des Streichorchesters ist natürlich Geschmackssache, aber interpretatorisch gefällt mir diese Version sehr gut.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (16.05.2015, 19:06):
Bezugnehmend auf meinen Satz

Original von Hosenrolle1
Die Bratsche beginnt mit einer Triole, die vom Cello wiederholt wird, die 1. Violine hingegen spielt ein Thema, das vom Cello wiederum aufgenommen wird, während die 1. Violine nun die Triole spielt – ein ständiges hin und her.

wollte ich das noch verdeutlichen durch farbliche Markierungen, damit es für jeden nachvollziehbar ist.

Ein Motiv habe ich blau markiert, das andere rot.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/schuberteinsblkr4s7d0u3.jpg


Ich glaube, hier kann man schön sehen, wie das Motiv von einem Instrument zum anderen wandert. Die Reihenfolge bleibt aber immer gleich.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.08.2015, 23:00):
Neben vielen interessanten Hinweisen auf gute Aufnahmen frage ich mich, ob es eigentlich passend ist, wenn Firmen auf das Cover einer Aufnahme des Quartetts D.810 ein Motiv vom Tod und dem Mädchen drucken.

Das Quartett hat ja bekanntlich nichts mit dem Thema zu tun; weder wird der Tod noch das Mädchen in irgendeiner Form musikalisch geschildert, auch gibt es keine "Handlung" in dem Sinne.

Wecken solche Cover falsche Erwartungen beim Zuhörer? Immerhin wird da nicht ein beliebiges Gemälde mit irgendeinem Motiv gezeigt, sondern absichtlich den grimmigen Schnitter und das Mädchen.

Was meint ihr?



LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (18.08.2015, 23:15):
Also, wenn man dem Eröffnungsbeitrag dieses Threads Glauben schenkt, dann hat das Quartett ja schon etwas mit dem Thema zu tun, zumindest wohl der 2. Satz, oder ist das zu widerlegen?

:hello Rk
Hosenrolle1 (18.08.2015, 23:25):
Aus Wiki:

Als absolute Musik hat das Quartett d-Moll programmatisch nichts mit dem Titel zu tun. Das bedeutet, dass hierin nicht etwa der Tod oder das Mädchen musikalisch geschildert werden, sondern der Ablauf rein nach innermusikalischen Gesetzen und Ausdrucksformen gestaltet ist.

Und zum II. Satz:

Das Thema nimmt im ersten Teil die achttaktige Einleitung von Schuberts Lied „Der Tod und das Mädchen“ auf,

Ich persönlich finde hier, dass das Cover mit dem Sensenmann und dem Mädchen ein bisschen irreführend ist, weil das Quartett lediglich den Beinamen "Der Tod und das Mädchen" trägt, inhaltlich aber nichts damit zu tun hat.


EDIT: vielleicht wäre das mit der Situation vergleichbar, dass jemand ein Streichquartett komponiert, und in einem Satz ein paar Takte aus dem Triumphmarsch aus "Aida" musikalisch verarbeitet - und das Quartett bekommt dann den Titel "Aida-Quartett" und auf dem Cover sieht man vielleicht eine Opernszene aus "Aida".

LG,
Hosenrolle1
satie (18.08.2015, 23:50):
Original von Hosenrolle1
Aus Wiki:

Als absolute Musik hat das Quartett d-Moll programmatisch nichts mit dem Titel zu tun. Das bedeutet, dass hierin nicht etwa der Tod oder das Mädchen musikalisch geschildert werden, sondern der Ablauf rein nach innermusikalischen Gesetzen und Ausdrucksformen gestaltet ist.

Und zum II. Satz:

Das Thema nimmt im ersten Teil die achttaktige Einleitung von Schuberts Lied „Der Tod und das Mädchen“ auf,

Ich persönlich finde hier, dass das Cover mit dem Sensenmann und dem Mädchen ein bisschen irreführend ist, weil das Quartett lediglich den Beinamen "Der Tod und das Mädchen" trägt, inhaltlich aber nichts damit zu tun hat.


EDIT: vielleicht wäre das mit der Situation vergleichbar, dass jemand ein Streichquartett komponiert, und in einem Satz ein paar Takte aus dem Triumphmarsch aus "Aida" musikalisch verarbeitet - und das Quartett bekommt dann den Titel "Aida-Quartett" und auf dem Cover sieht man vielleicht eine Opernszene aus "Aida".

LG,
Hosenrolle1

Hier wäre ich vorsichtig. Nicht alles, was in der Wikipedia steht, ist korrekt. Das verwendete Lied hat für das Quartett eine ziemliche Tragweite, immerhin macht Schubert doch daraus einen seiner berückendsten Variationssätze.

Es ist augenfällig, wenn man beides mal vergleicht. Hier das Lied:
http://silence.nils-guenther.de/wp-content/uploads/2015/08/tod_u_das_maedchen_lied.png
Und hier das Thema im zweiten Satz des Streichquartetts:
http://silence.nils-guenther.de/wp-content/uploads/2015/08/tod_u_das_maedchen_strq-1024x528.png

Es sind gerade mal die 11 Takte im schnelleren Tempo, die im Streichquartett nicht verarbeitet werden, fast der komplette Pavanenteil wird übernommen. Von wegen nur die Einleitung!!
Für Schubert ist dieser Pavanenrhythmus übrigens öfters mit Todesthemen verbunden.

Die langsamen Sätze scheinen mir überhaupt bei Schubert oft die stärksten zu sein, weil er sich dort auch oft so extrem reduziert (Paradebeispiel wäre das Streichquintett, überhaupt ein unglaubliches Meisterwerk). Mir scheint auch hier, dass von der Schubertschen erdigen Lyrik des langsamen Satzes viel ausstrahlt in die anderen Sätze. Nicht umsonst wurde auch die Tonart des Liedes übernommen.

Lies Dir mal den englischen Eintrag der Wikipedia dazu durch, der behauptet nämlich, das Thema des zweiten Satzes sei in allen vier Sätzen zu spüren! Interessant, nicht?
Also: das Cover passt!

Herzliche Grüße
Satie
Hosenrolle1 (19.08.2015, 00:10):
Original von Satie
Das verwendete Lied hat für das Quartett eine ziemliche Tragweite, immerhin macht Schubert doch daraus einen seiner berückendsten Variationssätze.

Hmm, ich bin da immer noch skeptisch; wäre das Quartett noch "absolute Musik", wenn es ein "Thema" hätte, oder eine Handlung oder Personen, Gegenstände, etc. schildert?

Ich sehe die Verwendung des Themas aus dem Lied eher als "Materialverarbeitung" (im positiven Sinne gemeint!). Vielleicht hat Schubert eine für ihn passende Stelle aus seinem Lied genommen, um sie musikalisch zu verarbeiten.

Daneben kommt, wenn ich das richtig gesehen habe, diese Musik auch nur im 2. Satz vor, sie beherrscht nicht das ganze Stück.

(Ich erarbeite mir momentan immer noch den I. Satz, was eine Zeit dauert, die anderen habe ich noch nicht so oft gehört, vielleicht 2 oder 3x)

Deswegen fand ich, dass das Cover vielleicht, trotz des Beinamens und trotz der Verwendung (danke für die Notenbeispiele!) des Liedes ein wenig falsche Erwartungen wecken könnte.

Als ich das Stück zum ersten Mal hörte, kannte ich nur den Titel, und ich muss gestehen, dass ich ebenfalls dachte, dass hier eine Handlung geschildert wird, dass hier das Mädchen und der Sensenmann musikalisch beschrieben werden, und versuchte auch entsprechend meiner Erwartung etwas diesbezügliches in der Musik zu entdecken.

Das war, bevor ich etwas über "absolute Musik" wusste und bevor ich etwas über die Entstehlungsgeschichte wusste.




LG,
Hosenrolle1
satie (19.08.2015, 00:39):
Original von Hosenrolle1
Hmm, ich bin da immer noch skeptisch; wäre das Quartett noch "absolute Musik", wenn es ein "Thema" hätte, oder eine Handlung oder Personen, Gegenstände, etc. schildert?


Nein, per Definition nicht. Aber es gibt ja nicht nur Programmmusik und absolute Musik (letztere ist sowieso ein ganz strittiges Thema). Hier denke ich aber, man spürt eben die Aura des Liedes, und dieses hat ein (bildliches) Thema. Das strahlt schon auch auf das Ganze Stück aus, finde ich. Im Scherzo sehen viele eine "Danse macabre", eine gewisse melodische Parallele zum Lied ist auch im Mittelteil des Scherzos vorhanden.
Der letzte Satz ist eine Tarantella, und die wird durchaus auch als rasender Todestanz angesehen (also natürlich sind das alles Interpretationen, ich finde aber, sie sind stimmig). Es gibt hier auch ziemlich deutliche Erlkönig-Anklänge. Insgesamt hat das Stück für mich schon etwas Makabres, allein der furiose Schluss erinnert an den Tod als wilden Fiedler.

Man kann nicht einfach von "Material" sprechen. Ein Komponist hat dazu immer ein ganz anderes Verhältnis (na gut, die meisten Komponisten, gerade in zeitgenössischer Musik ist die Ästhetik natürlich oft eine ganz andere), außerdem darf man nicht vergessen, dass "Der Tod und das Mädchen" genau wie der Totentanz ein Kunstgeschichtlicher Topos ist. Musikalische Topoi gibt es genauso, und die haben halt ihre Konnotation. Die sind nie wirklich absolut, das hieße ohne jeden außermusikalischen Einfluss, so eben beispielsweise die Tarantella am Ende.

Und jetzt kommt mein großes ABER: es ist vollkommen wurscht, ob man all diese Dinge kennt oder hört oder ob man sich vom Bild leiten lässt. Ein großes Stück Musik wie dieses steht letztlich über diesen Fragen und erschließt sich interessanterweise aus jeder Art des Betrachtung. Vielleicht wäre das eine Definition für ein Meisterwerk.
Hosenrolle1 (26.08.2015, 19:11):
Durch dieses Interview mit der Violinistin Julia Fischer bin ich auf Schuberts D.810 überhaupt aufmerksam geworden.

http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/leporello/geigenkasten-julia-fischers-kolumne-streichquartett-ist-das-groesste-100.html

Bitte geht auf 2:16.

Durch meine Beschäftigung mit Schuberts Autograph weiß ich nun, dass derselbe an dieser Stelle gespielte Ausschnitt für das Cello Portato notiert und NICHT Legato.

Nachdem ich nun auch mehrere Aufnahmen kenne, höre ich diesen Ausschnitt natürlich anders als beim ersten Mal, und ich bilde mir ein, dass, unabhängig davon ob einem die Interpretation als Ganzes gefällt, das Cello hier tatsächlich Portato spielt. Sehe ich das richtig?




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.09.2015, 19:55):
Kein Ausschnitt aus einem kritischen Bericht (für den es einen eigenen Thread gäbe), sondern aus dem Vorwort meiner Henle Ausgabe, der die ganze Interpretation betrifft, keine Spieltechniken oder einzelne, bestimmte Takte.

Bei Gegenüberstellung von Triolen und punktierten Rhythmen wird die 2. Note der punktierten Figur entsprechend ihrem Wert hinter die 3. Triolennote gesetzt. Die Frage, ob die Notierungsweise in den Quellen eine triolische Ausführung nahe legt, lässt sich nicht klären. Die Notierung ist ungenau und gibt keinen eindeutigen Hinweis auf die Ausführung. Es bleibt daher dem Spieler überlassen, ob er die punktierte Note gleichzeitig mit der letzten Triolennote spielen will.


Ein interessanter Punkt, dem sich die Interpreten des Werkes stellen müssen!

Eine solche Stelle fällt mir spontan ein:

http://share-your-photo.com/img/5d40574b8a.jpg

Welche Erfahrungen habt ihr hier gemacht bei euren Aufnahmen?




LG,
Hosenrolle1
Wooster (27.10.2015, 10:30):
Das Liedthema des langsamen Satzes höre ich zwar nicht explizit in den anderen Sätzen, aber dass die "Todes-Stimmung" auf die anderen ausstrahlt, finde ich durchaus nachvollziehbar. Jedenfalls hat das Lied m.E. mehr Bedeutung für das Quartett als "Die Forelle" oder "Rosamunde" für die entsprechenden Werke. Daher finde ich die übliche Benennung nicht grob irreführend, selbst wenn man auch nicht zu viel hineininterpretieren sollte.

Nun sind bei diesem Werk (und einigen anderen späten Schuberts) freilich alle Sätze sehr stark. Aber dass im langsame (bzw. meist eher mäßig gehende andante-)Sätze und Variationen besonders lagen, kann ich nachvollziehen. Der eher breiten, melodischen Kompositionsweise kommen diese Sätze entgegen, während manche schnelle Schubertsätze m.E. "zu leicht" (im Werkkontext) wirken oder etwas zu ziellose in die Breite gehen können.
Und während sich Schubert im Kopfsatz und vielleicht auch dem 3. Satz recht deutlich im Gestus an Beethoven (Klopfmotiv aus der 5. Sinf. und Appassionata, ebenso dürfte das f-moll-Quartett ein Einfluss gewesen sein) anknüpft, ist der Variationensatz sehr "schubertsch".
Hosenrolle1 (28.10.2015, 14:39):
Eine interessante Erklärung!

Wenn ich dich richtig verstanden habe, so meinst du, dass das Thema "Der Tod und das Mädchen" eher eine Art Stimmung beschreibt, aber keine konkrete Handlung und/oder Personen?




LG,
Hosenrolle1
Wooster (29.10.2015, 09:57):
Naja, schon in dem Gedicht/Lied ist das natürlich keine "konkrete Handlung", sondern sozusagen ein "Memento Mori"-Bild. Dass Schuberts gesamtes Quartett ein sehr düsteres Werk ist, wird wohl kaum jemand bestreiten. Die "Aufhellungen" in den Seitenthemen, den Dur-Abschnitten des Variationensatzes und dem Trio des 3. Satzes sind immer nur vorübergehend, das Finale, wie schon gesagt wurde, ein rasender "Totentanz". Es ist schon ein wenig mehr als bloße "Stimmung", weil bestimmte musikalische "Gesten" in einem Kontext, der über das Werk hinausgeht, so etwas wie eine Bedeutung bekommen haben.
Etwa der langsame Schreitrhythmus, der sich nicht nur in diesem langsamen Satz (und dem entsprechenden Lied) findet, sondern in zig anderen Schubertsätzen (z.B. im a-moll-Quartett, oder dem Lied "Das Wirtshaus" aus der Winterrreise), oder eben auch im 2. Satz von Beethovens 7. Sinfonie (der auch sehr schnell als "Leichenzug" gedeutet und später sogar mit entsprechenden Texten für Chor bearbeitet wurde) usw.

Da Du Dich meistens eher monomanisch auf ein Werk konzentrierst, fehlt Dir leider dieser Hintergrund. Du würdest ziemlich sicher mehr von dem Stück haben, wenn Du dir zB Schuberts a-moll-Quartett und ein paar andere seiner Werke oder eben auch Beethovens Quartette und Sinfonien mal anhören würdest, anstatt Vergleiche einzelner Passagen zwischen den Druckausgaben und dem Autographen anzustellen. (Du machst sozusagen die Doktorarbeit, ohne ein Grundstudium absolviert zu haben...)
Warum auch immer, folgst Du anscheinend normalerweise einem extremen "Zweige und Blättchen"-Ansatz, daher fällt es schwer die Bäume zu sehen, erst recht den Wald oder die Landschaft.
Hosenrolle1 (29.10.2015, 10:45):
Naja, schon in dem Gedicht/Lied ist das natürlich keine "konkrete Handlung", sondern sozusagen ein "Memento Mori"-Bild. Dass Schuberts gesamtes Quartett ein sehr düsteres Werk ist, wird wohl kaum jemand bestreiten. Die "Aufhellungen" in den Seitenthemen, den Dur-Abschnitten des Variationensatzes und dem Trio des 3. Satzes sind immer nur vorübergehend, das Finale, wie schon gesagt wurde, ein rasender "Totentanz". Es ist schon ein wenig mehr als bloße "Stimmung", weil bestimmte musikalische "Gesten" in einem Kontext, der über das Werk hinausgeht, so etwas wie eine Bedeutung bekommen haben. Etwa der langsame Schreitrhythmus, der sich nicht nur in diesem langsamen Satz (und dem entsprechenden Lied) findet, sondern in zig anderen Schubertsätzen (z.B. im a-moll-Quartett, oder dem Lied "Das Wirtshaus" aus der Winterrreise), oder eben auch im 2. Satz von Beethovens 7. Sinfonie (der auch sehr schnell als "Leichenzug" gedeutet und später sogar mit entsprechenden Texten für Chor bearbeitet wurde) usw.

Das leuchtet mir soweit ein. Interessant wäre jedoch, ob das Quartett nicht theoretisch auch "Der Tod" oder so ähnlich heißen könnte, also ohne Mädchen dazu, denn das Mädchen höre ich gar nicht heraus. (Der fröhliche Teil im 1. Satz erinnert mich viel zu sehr an einen Tanz, mit den Wechselbässen im Cello)

Da Du Dich meistens eher monomanisch auf ein Werk konzentrierst

Wie muss ich das verstehen?

fehlt Dir leider dieser Hintergrund. Du würdest ziemlich sicher mehr von dem Stück haben, wenn Du dir zB Schuberts a-moll-Quartett und ein paar andere seiner Werke oder eben auch Beethovens Quartette und Sinfonien mal anhören würdest,

Ich bin eigentlich kein Freund von Streichquartetten, weil die mich - ohne Streichquartettfans zu nahe treten zu wollen - ob der fehlenden anderen Klangfarben schnell langweilen. Das gilt aber auch etwa für Solokonzerte für Clarinette, Flöte, etc.
Irgendwann möchte ich andere Klangfarben hören, die ein Orchester bietet.

Dieses Streichquartett ist für mich eine absolute Ausnahme, es gibt keinen Punkt wo ich mich eher langweile, mir gefallen die Melodien und die "Begleitstimmen" dazu.
Mir macht das Stück aber sehr viel Freude, auch ohne diese "Vorkenntnisse", wenn man so möchte. Ich muss gestehen, dass ich das gesamte Stück erst 1x gehört habe, weil ich mich immer noch mit dem 1. Satz beschäftige und versuche, ihn so gut es geht auswendig zu lernen, mit seinen Eigenheiten, Begleitstimmen etc.

Wenn ich beispielsweise die HUG Ouvertüre höre, dann bin ich soweit dass ich ohne Partitur denken kann "Jetzt spielen gleich das Horn und das Cello zusammen, wobei das Cello zuerst auf der 1. Viertel eine Oktave höher spielt um dann hinunterzufallen" - und dann kann ich darauf auch besonders achten. Ich denke es mir selbstverständlich nicht in solchen Sätzen, man weiß es einfach. Und das möchte ich beim Schubert jetzt auch tun, was natürlich Zeit braucht.

Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich die anderen beiden Sätze deswegen nicht mehr gehört habe, weil ich da die Henle-Partitur noch nicht hatte, und ich keine fehlerhafte Version zum Mitlesen haben wollte. Deswegen lieber warten und dann hören.

Hinzufügen möchte ich noch, dass ich bei meinen Lieblingsopern aber sehr wohl auch genauer über Entstehungsgeschichten etc. lese, also möglichst viel Sekundärliteratur.

anstatt Vergleiche einzelner Passagen zwischen den Druckausgaben und dem Autographen anzustellen. (Du machst sozusagen die Doktorarbeit, ohne ein Grundstudium absolviert zu haben...)

Naja, Doktorarbeit finde ich zu hoch gegriffen. Ich analysiere ja nichts musiktheoretisches, sondern folge den kritischen Hinweisen um sie selbst in Vergleichen zu überprüfen. Ich finde das generell interessant, weil es zeigt, wie viele Fehler verschiedene Ausgaben beinhalten (können). Gleichzeitig ist das Ganze eine Art Produkttest, so dass der Leser anhand der Vergleiche sich selbst ein Bild davon machen kann, welche Version er sich zulegt, so er das möchte.




LG,
Hosenrolle1
satie (29.10.2015, 11:30):
Ich glaube, was Wooster meint, ist, dass man nicht die einzelnen Partikel betrachten sollte, sondern größere Zusammenhänge, sowohl im Stück als auch außerhalb des Stücks.
Wenn man nur eine Handvoll Eicheln hat und diese aufschneidet, dann kann man zwar genau sehen, was da drin ist, man weiß aber nicht, wie die Eiche aussieht oder wo diese steht oder gar, wie es ist, im Wald zu stehen.
Es gibt in der Musik einen ganzen Haufen Topoi, solche, die allgemein eine Gültigkeit haben (beispielsweise ein Lamento-Bass) oder solche, die man in einer bestimmten Konnotation sehen muss (die Pavane bei Schubert ist anders als bei Tilman Susato).
Du machst beispielsweise gerne den Fehler, Akkorde einzeln zu untersuchen, statt sie in einen tonalen Zusammenhang zu stellen. Das ist nicht schlimm, aber es verhindert das Verständnis des großen Zusammenhangs. Es ist ein wenig so, als wollte man einen Roman verstehen, indem man einzelne Sätze nimmt und sagt: ok, hier haben wir das Verb, hier das Adjektiv, hier den Artikel, der Casus ist der Genitiv, die Zeitform das Präsens... etc., ohne dass man schaut, wer hier mit wem spricht, worüber, welches Bild evoziert wird undsoweiter.
Es ist leider sogar so, dass man an den Hochschulen teilweise auch so verfährt. Man übt endlos, alles zu sezieren und zu bezeichnen. Das ist als Übung zwar nicht verkehrt, aber das ist nur deskriptiv, so als würde man einem Blinden sagen, was alles auf einem Bild zu sehen ist: da ist eine Frau, die sitzt und frontal uns zulächelt. Dahinter ist eine Landschaft zu sehen. Die Frau ist soundso alt und hat ein sowiesofarbenes Kleid an etc. Das taugt als Fahndungsprofil, lässt uns aber nicht die Mona Lisa erkennen, oder? Das geht nur, wenn man das ganze Bild sieht.

Mit der Gattung Streichquartett hat das alles nicht so viel zu tun. Diese Topoi, die ich meine durchziehen die gesamte Musikgeschichte und sind nicht gattungsspezifisch. Es ist nicht uninteressant, die Unterschiede in gedruckten Ausgaben zu zeigen. Diese sind aber eher relevant für die Interpretation im Sinne der "korrekten" Ausführung. Ein Bild des Werks vermitteln sie natürlich nicht, das ist ja wohl auch kaum der Anspruch dabei.

Mich würde einmal interessieren, ob Du Dir die Frage beantworten kannst, warum Dich das Seitenthema des ersten Satzes so sehr anspricht. Ich glaube - abgesehen vom spontanen Gefallen oder Missfallen - kann man durchaus Begriffe dafür finden (persönliche, keine Fachbegriffe).

Herzliche Grüße
Satie
Wooster (29.10.2015, 13:05):
Du kannst das natürlich machen, wie es Dir Spaß macht.

Aber wenn Du, anstatt dutzende winzigster Details in Hänsel und Gretel, Freischütz und vereinzelten anderen Werken zu "analysieren", mal EIN EINZIGES einführendes Buch oder Kapitel eines Buches zur Sonatenform in Sinfonien, Quartetten usw. gelesen hättest, würdest Du Dich zB nicht fragen, ob es irgendwas besonderes ist, wenn ein Seitenthema in einem d-moll-Satz zuerst in F-Dur und später in D-Dur auftaucht. Das steht vermutlich in jedem einspaltigen Artikel eines allgemeinen (nicht einmal Musik-)Lexikons zur Sonatenhauptsatzform drin.

Und in vielen ausführlicheren Kommentaren zu D 810 stünde auch etwas über die Konnotationen, die der Viertel-2Achtel-Viertel-Viertel usw. Rhythmus bei Schubert hat usw.

Du stürzt Dich auf Details, die Du oft kaum einordnen kannst, weil Dir so viel Hintergrund fehlt. Dieser Hintergrund ist zwar nicht von heute auf morgen, aber doch relativ schnell, durch Lektüre und etwas breiteres Hören zu bekommen. Und mir schiene es für ein "tieferes" Erleben von Musik weit sinnvoller, solch einen Hintergrund aufzubauen, anstatt sich auf, oft eher bedeutungslose Details zu stürzen, wie Artikulationsfeinheiten. Das ist alles auch interessant, aber meistens erst lange nach anderen, fundamentaleren Dingen.

Das macht leider die Interaktion etwas frustrierend, weil Du einzelne Details beinahe besser kennst als Experten, man aber so gut wie keine breiteren Kenntnisse voraussetzen kann.
Hosenrolle1 (29.10.2015, 17:11):
"Ich glaube, was Wooster meint, ist, dass man nicht die einzelnen Partikel betrachten sollte, sondern größere Zusammenhänge, sowohl im Stück als auch außerhalb des Stücks. Wenn man nur eine Handvoll Eicheln hat und diese aufschneidet, dann kann man zwar genau sehen, was da drin ist, man weiß aber nicht, wie die Eiche aussieht oder wo diese steht oder gar, wie es ist, im Wald zu stehen. Es gibt in der Musik einen ganzen Haufen Topoi, solche, die allgemein eine Gültigkeit haben (beispielsweise ein Lamento-Bass) oder solche, die man in einer bestimmten Konnotation sehen muss (die Pavane bei Schubert ist anders als bei Tilman Susato)."

Ja, das sind interessante und wissenswerte Dinge; wie gesagt, ich finde Sekundärliteratur etc. ebenfalls sehr hilfreich.

Das Problem für mich dabei ist, dass das natürlich auch aufwändig ist, und schlussendlich würde es sich für mich persönlich nicht wirklich lohnen, mich in Schuberts Schaffen, oder in das Schaffen von von Schubert gemochten Künstlern einzulesen/einzuarbeiten, weil mir an sich nur dieses eine Werk wirklich gefällt.
Ich bin ja mit meinen Opern und den paar Instrumentalstücken, die mir gefallen, schon voll bedient.

Ohne damit jemanden vor den Kopf stoßen zu wollen, ich versuche das Quartett dennoch möglichst als "absolute Musik" zu sehen, mit Themen, Themenverarbeitung, Begleitung etc., nicht aus zweifelsohne interessanten und sicher auch für das Verständnis wichtigen Kontexten heraus.

Mich würde einmal interessieren, ob Du Dir die Frage beantworten kannst, warum Dich das Seitenthema des ersten Satzes so sehr anspricht. Ich glaube - abgesehen vom spontanen Gefallen oder Missfallen - kann man durchaus Begriffe dafür finden (persönliche, keine Fachbegriffe).

Ja, beim ersten Hören gefiel mir die Melodie gut, die da (in Sexten? bin mir jetzt nicht sicher) durch die zweite Geige verdoppelt wurde.

Als ich mir die Noten ansah gefiel es mir noch besser: zu der breiten, legato gespielten Melodie kommen diese antreibenden Triolen der Bratsche und diese Schübe des Cellos, die gemeinsam sozusagen im Untergrund pulsieren.

Aber auch das restliche Stück gefällt mir sehr gut, nicht nur diese Melodie, für mich haben die alle Ohrwurmcharakter; zumindest kann ich sie nachsummen, wenn ich es wollte.




LG,
Hosenrolle1
EinTon (29.10.2015, 17:33):
Original von Hosenrolle1
und schlussendlich würde es sich für mich persönlich nicht wirklich lohnen, mich in Schuberts Schaffen, oder in das Schaffen von von Schubert gemochten Künstlern einzulesen/einzuarbeiten, weil mir an sich nur dieses eine Werk wirklich gefällt.



Kennst Du denn überhaupt viel von Schubert, z. B. auch die anderen späten Quartette??

Wenn Dir das d-moll-Quartett gefällt, höre Dir doch auch einmal den Quartettsatz in c-moll an, der müsste dir eigentlich auch zusagen (und hat auch ein schönes 2. Thema! :wink ):

https://www.youtube.com/watch?v=_kExE2br0jM

Leider hat Schubert dieses Quartett dann nicht weitergeführt...
Hosenrolle1 (29.10.2015, 17:59):
Hab mir den Link gerade angehört.

Leider gefiel mir das Quartett überhaupt nicht, es war keine Stelle dabei, die ins Ohr gegangen wäre, oder die ich interessant fand. Im Gegensatz zum D 810, da war ich von jeder Stelle "gefesselt", wenn man so möchte.

Jedoch, ein paar interessante Effekte waren drin, ich werde mir mal die Begleitung im Seitenthema ansehen. Ich glaube, dass da Triolen gespielt werden, aber mal schauen. Auch wie der Anfang notiert ist würde mich interessieren.

EDIT: muss aber ergänzend dazu sagen, dass mir auch die anderen Werke von R. Strauss (Ausnahme: Alpensinfonie - Elektra weiß ich noch nicht) nicht gefallen. Rosenkavalier finde ich schrecklich, Konzerte für Soloinstrumente recht langweilig. Auch von Humperdincks anderen Kompositionen bin ich nicht wirklich begeistert. Was mir wirklich gefällt ist eine Nummer aus einem Shakespeare-Stück von ihm, die ich mal zufällig im Radio mitgeschnitten habe, aber nicht weiß, von wo sie ist.


LG,
Hosenrolle1
EinTon (29.10.2015, 18:16):
Original von Hosenrolle1
Hab mir den Link gerade angehört.

Leider gefiel mir das Quartett überhaupt nicht, es war keine Stelle dabei, die ins Ohr gegangen wäre, oder die ich interessant fand. Im Gegensatz zum D 810, da war ich von jeder Stelle "gefesselt", wenn man so möchte.



Kann ich zwar ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, aber ok...

Dann versuche es doch einmal mit den beiden anderen "berühmten" Quartetten von Schubert, Nr. 13 in a-moll ("Rosamunde"):

https://www.youtube.com/watch?v=JGO_qd4PTh4

oder seinem letzten Streichquartett, Nr 15. in G-Dur:

https://open.spotify.com/album/0NAaT1aO8jwZL4uJU6R3Gk (auf CD 2 zu finden).

Gruß,

Normann
Hosenrolle1 (29.10.2015, 19:29):
Ich habe mir jetzt mal den ersten Satz von Rosamunde angehört - leider auch nichts für mich, ich fand das Thema nicht wirklich ansprechend, und auch sonst fand ich es eher eintönig. Diesmal war auch keine Stelle dabei, wo ich gesagt hätte, dass ich mir das mal in der Partitur ansehen möchte.

Ich weiß nicht, es hat nur bei D 810 wirklich eingeschlagen bei mir, ich finde das Stück abwechslungsreich, melodiös, spannend.

Mir ging es bei Brahms Sextett op. 18 aber auch nicht anders. Besonders der erste Satz ist für mich herrlich. Danach habe ich mir andere Streichquartette oder Sextette angehört, aber mit dem gleichen Ergebnis wie oben: es gefiel mir nicht mehr, und ich war eher enttäuscht.

Aber es ist eh besser, wenn mir die anderen Werke nicht gefallen, eine kritische Ausgabe zu einem Streichquartett reicht ja erst mal :D




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.11.2015, 05:29):
Ich habe in Wien ein Haus gefunden, in dem Schubert einmal gewohnt hat. (Übrigens gar nicht so weit entfernt vom Dreimäderlhaus).

Das Schild an der Wand habe ich fotografiert:

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/schubertschildn9m03pxk2b.jpg


Spaßhalber habe ich mich auch einmal an die Tür gestellt, und mir gedacht, dass genau hier Schubert schon gestanden hat :)




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (03.12.2015, 23:48):
Weil ja hier auch kurz von der "Rosamunde" die Rede war: ich habe gesehen, dass der Henle-Verlag dieses Werk auch bald rausbringt, es steht "In Vorbereitung".

Dabei stand auch, dass das Autograph zu verschollen ist, und die einzige Quelle nur die Erstausgabe ist.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit dem Vergleich der Erstausgabe und dem Autograph von D810 will ich nicht wissen, was für Fehler da enthalten sein werden .... bin ich froh, dass mir die Rosamunde nicht gefällt, denn das Hören würde mir keinen Spaß machen, wenn ich weiß, dass das, was ich da höre, Schubert womöglich gar nicht so notiert hat.

:A




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (13.12.2015, 16:33):
Es war ja hier die Rede davon, dass Viertel - 2 Achtel - Viertel - Viertel eine Bedeutung haben.

Der 2. Akt Figaro fängt an mit der "trauernden" Gräfin:

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/mozartb5hyg2uask.jpg

Die zwei Viertelnoten fehlen zwar, aber ist dieser Rhythmus hier auch aus diesem Grund gewählt?




LG,
Hosenrolle1
EinTon (13.12.2015, 17:07):
Original von Hosenrolle1
Weil ja hier auch kurz von der "Rosamunde" die Rede war: ich habe gesehen, dass der Henle-Verlag dieses Werk auch bald rausbringt, es steht "In Vorbereitung".

bin ich froh, dass mir die Rosamunde nicht gefällt, denn das Hören würde mir keinen Spaß machen, wenn ich weiß, dass das, was ich da höre,

Meinst Du jetzt das A-moll Streichquartett oder die Schauspielmusik zu "Rosamunde" ?
( https://de.wikipedia.org/wiki/Rosamunde_%28Schauspiel%29 )
Hosenrolle1 (13.12.2015, 17:24):
Das Streichquartett:

http://www.henle.de/de/detail/index.html?Titel=Streichquartett+a-moll+op.+29+D+804+%22Rosamunde%22_9849


Ich habe mir, besonders nach der Erfahrung mit dem kritischen Bericht von "Der Tod und das Mädchen", vorgenommen, keine Werke zu hören, von denen es kein Autograph gibt.

Denn die Fehler, die da drin sein können, sind schon gewaltig, und ich kann dann nie wissen, ob die einzig verfügbare Quelle verlässlich ist oder nicht.

Aus dem Werbetext:

Zum Glück für uns – denn das Autograph dieses beliebten Quartetts ist heute verschollen und die Erstausgabe die einzige Quelle für das Werk. Genau darin liegt aber auch die Herausforderung, denn dieser Stimmendruck weist gerade hinsichtlich Artikulation und Dynamik manche Ungereimtheiten auf, die behutsam geklärt werden müssen (...)

Freilich, auch wenn es ein Autograph gibt heißt das nicht, dass Künstler deswegen alle die korrekten Noten spielen; auch da habe ich jetzt mehrere gehört, die nach falschen Partituren spielen.

Aber dennoch: ohne Autograph ist das nix.




LG,
Hosenrolle1
Amadé (25.11.2016, 09:32):



In der Diskographie der besten Aufnahmen von D.810 leuchtet jetzt ein neuer Stern.

Gruß Amadé
satie (25.11.2016, 10:10):



In der Diskographie der besten Aufnahmen von D.810 leuchtet jetzt ein neuer Stern.

Gruß Amadé
Nach den ersten Eindrücken muss ich sagen: eine schöne Einspielung! Und auch eine schöne Kombination. Danke für den Hinweis!
Amadé (11.05.2020, 11:43):
Streichquartett d-Moll D. 810 in neuem Licht gesehen


Wir wissen, dass Schubert bei der Komposition eines neuen Werkes gern auf ein früher komponiertes Lied zurückgegriffen und als Thema eines Variationssatzes verwendet hat. Ich nenne da seine„Wandererfantasie“ für Klavier, das „Forellenquintett“, die Variationen für Flöte und Klavier über das Lied „Trockene Blumen“ aus „Die Winterreise“ D. 802. Das bekannteste Beispiel ist jedoch sein Streichquartett d-Moll D. 810 mit dem Beinamen „Der Tod und das Mädchen“ (Name nicht von Schubert), in dem vor allem die Klavierbegleitung des 2. Abschnitts des Liedes als Thema des Variationssatzes herangezogen wird, jedoch nicht wörtlich, Ton für Ton, übernommen wird.

Nach jahrelanger Beschäftigung mit dem d-Moll-Quartett ist es mir zur Gewissheit geworden, dass nicht nur das Lied „Der Tod und das Mädchen“ einen großen Rahmen einnimmt, sondern Schubert ein weiteres, noch älteres Lied herangezogen, nämlich „Der Erlkönig“, sein op. 1 im Druck, was aber seltsamerweise in der Schubert-Literatur keinen Niederschlag gefunden hat. Die Thematik bei beiden Liedern ist verwandt. Das ganze 2. Thema des 4. Satzes ist „Erlkönigmusik“: Es beginnt T. 88 mit akkordischem Spiel in d-Moll, wobei die 1. Violine aus dem Lied zitiert „siehst Vater du …“, der vierte Ton der Geige ist hier ein f, wortwörtlich müsste es ein as sein. Einige Takte später bringen es beide Geigen dreimal hintereinander (T. 119-121), danach erscheint es noch zweimal: 2. Geige T. 134 ff. sowie 1. Geige T. 174 ff. Auch in der Reprise hat das Erlkönigzitat seinen (nicht nur formalen) Platz (T. 446 ff.). Ich denke, die Musikwelt hat Schuberts Noten nicht genau studiert, der beeindruckende 2. Satz könnte den Blick für das folgende verstellt haben.


Meine neue Diskographie vom Quartett im Klassik-Prisma findet man hier:


http://www.klassik-prisma.de/Schub.%20D.810.htm


Gruß Amadé