Franz Schubert: Streichquintett C-dur D 956 (op. posth. 163)
satie (03.08.2007, 10:17): Franz Schubert: Streichquintett C-dur D 956 (op. posth. 163)
Meine lieben, ich hoffe mich nicht zu irren... jedenfalls habe ich bisher keinen Thread zu diesem Stück gefunden. Es ist fü mich eines der schönsten und poetischsten Werke überhaupt, daher muss jetzt ein Thread her!
Dieses in Schuberts Todesjahr vor dem "Schwanengesang" entstandene Werk ist in seiner Besetzung interessant, da nicht zwei Bratschen, sondern zwei Celli benutzt werden. Das hat natürlich klangliche Konsequenzen: die hohen und die tiefen Streicher sind doppelt besetzt, die ohnehin leicht untergehende Bratsche ist daher so etwas wie ein Bindeglied, bei einem Komponisten wie Schubert aber natürlich weit mehr als das. Schubert bleibt fast unheimlich transparent in der Instrumentation (ein Grund, warum ich dieses Stück so gern habe).
In seiner Schlichtheit kaum zu übertreffen ist der zweite Satz, der allen bestens bekannt sein dürfte, die damals die Biographie-Verfilmung "Mit meinen heißen Tränen" mit Udo Samel als Schubert gesehen haben. Das Thema wurde da immer als melancholische Untermalung benutzt, fastschon als das "Schubert-Thema". Damit wäre ih vorsichtig, aber ds Thema selbst, eingebettet in diese ebenfalls sehr einfache Harmonik ist tatsächlich so etwas wie ein Portrait insofern, als Schubert sehr oft diese Einfachheit zeigt. Das ist der Grund, warum Schubert unter den Romantikern mein Favorit, noch vor Chopin ist. Es ist die poetische Tiefe dieser Einfachheit und die Gabe, einem Thema sehr viel Raum zu geben. Insbesondere faszinieren mich die lyrischen Seitenthemen, die meiner Meinung nach keinen Vergleich kennen. So auch in diesem Werk. Das Seitenthema des ersten Satzes ist geradezu simpel, rhythmisch wie harmonisch und melodisch. Die Kunst ist, wie es sich dann ausbreitet und variiert wird, das ist eben typisch Schubert. Ungetrübt ist das Werk nicht, das zeigen bereits die einleitenden Akkorde, er letzte Satz zeigt ein Moll--Hauptthema, schließt zwar in einem Unisono-C, dieses wird aber durch die vorangehende kleine Sekunde (neapolitanische Sekunde?) noch stärker eingetrübt als durch die vorangegangenen Kadenzen mit deutlichem Mollcharakter. Warum ist das wichtig? Nun, weil C-Dur die Lichttonart ist, und zwar auch bei Schubert. Und wenn das Licht nicht heller wird, sondern trüber, so können wir daraus immerhin einige Spekulationen ziehen (es ist das umgekehrte Prinzip der Beethovenschen "Durch Nacht zum Licht"-Bewegung, s. 5. Symphoniemit Sonnenhymnus am Ende).
Die Satzfolge:
1. Allegro ma non troppo 2. Adagio 3. Scherzo. Presto – Trio. Andante sostenuto 4. Allegretto
Einige nennenswerte Aufnahmen wären:
Isaac Stern (Violine), Alexander Schneider (Violine), Milton Katims (Viola), Paul Tortelier (Violoncello), Pablo Casals (Violoncello). CBS Masterworks 44853; Vertrieb Sony.
Alban Berg Quartett, Heinrich Schiff (1998). EMI.
Melos-Quartett, Mstislav Rostropowitsch (1978). Deutsche Grammophon.
Emerson-Quartett, Mstislav Rostropowitsch (1992). Deutsche Grammophon.
Nomos-Quartett, Klaus Kämper (2000). Amphion.
Auryn-Quartett, Cristian Poltéra (2002) Tacet.
(Diese Angaben ohne Gewähr, da von Wikipedia übernommen)
Bei mir im Player liegt die Aufnahme mit dem Emerson-Quartett ud Rostropowitsch, die ich ser gern höre. Interessieren würde mich, wie die erste Aufnahme der Liste ist. Ich habeda allerdings meine Zweifel, da es meist nicht funktioniert, fünf große Musiker zusammenzuwürfeln. Die schaffen es für gewöhnlich nicht, ein homogenes Ensemble zu bilden. Aber manchmal ist das vielleicht gerade interessant... Ebenfalls interesieren würde mich das Auryn- und das Mels-Quartett (letztere Aufnahme vor allem, um sie mit der Emerson-Aufnahme, bei der ja auch Rostropowitsch mitspielt zu vergleichen). Bin auch gespannt auf weitere Empfehlungen.Vielleicht schaffe ich es auch, eine ganz kleine Analyse hinzuriegen.
Herzliche Grüße
S A T I E
Amadé (03.08.2007, 21:07): Lieber Satie,
das ist ein Stück für meine einsame Insel, man hört es am besten abends bei Kerzenlicht und einem guten Glas Wein. Deine aufgeführten CDs habe ich alle, außer Nomos, und noch viele andere. Ich kann Deine Befürchtungen zerstreuen, die Mannschaft um Casals legt eine wunderbare Interpretation vor (live 1952), im langsamen Satz steht die Musik fast still, aber die Spannung wird gehalten. Allerdings muss man Casals' Stöhnen und Ächzen in Kauf nehmen. Auf die anderen Interpretationen kann ich aus Zeitgründen jetzt nicht eingehen - die Ferien gehen zu Ende - ich plane aber für www.klassik-prisma.de im nächsten oder übernächstem Jahr eine eigene Seite mit dem Quintett, ca.30 Aufnahmen.
Gruß Amadé
Cosima (03.08.2007, 21:08): Original von Satie Alban Berg Quartett, Heinrich Schiff (1998). EMI.
Ja, diese Aufnahme besitze ich auch, dann noch jene aus 1953 mit Casals, Stern, Tortelier etc. (Sony).
Gleichwohl: Ich höre die Musik, aber mir will sich dieses Werk nicht erschließen. Allerdings habe ich generell Probleme mit Streichquintetten.
Vielleicht wird mir Deine kleine Analyse auf die Sprünge helfen.
Gruß, Cosima
Jeremias (04.08.2007, 00:32): @ Cosima: Mir geht es so ähnlich, aber eher mit Streichquartetten. Das Quintett von Schubert wiederum ist für mich eines der größten Werke der Musikgeschichte!
Cosima (04.08.2007, 08:28): Original von Jeremias @ Cosima: Mir geht es so ähnlich, aber eher mit Streichquartetten. Das Quintett von Schubert wiederum ist für mich eines der größten Werke der Musikgeschichte!
Streichquartette – ja, das gleiche Problem. Wenn ich daran denke, dass ich mit den ganzen Beethoven-Streichquartetten bislang kaum etwas anzufangen wusste, bekomme ich fast ein schlechtes Gewissen.
Sei’s drum, man kann nicht alles mögen. – Aber wenn das Schubert-Streichquintett hier so gelobt wird, werde ich es noch einmal versuchen. Was macht es Deiner/Eurer Meinung nach zu einem der größten Werke der Musikgeschichte?
ab (04.08.2007, 12:03): Lieber Satie,
Die "Casals-Aufnahme" finde ich - trotz mancher Internationstrübungen - für musikalisch wohl die immer noch gelungendste der Discographie, soweit ich sie kenne.
Sie ist derzeit 96 kHtz-Remastert billigst bei Documents erhältlich, muss also nicht überteuert bei Sony erstanden werden.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2585514.jpg
Die vom Alban Berg Quartett finde ich ob des Primgeigers schwülstig. Enttäuschend brav fand ich auch die Aufnahme des sonst bei mir so geschätzten Hagen-Quartetts, ebenfalls mit Heinrich Schiff. (Dort aber mit drauf die gewaltigste "Große Fuge", die ich kenne!) Mit dem Melos-Qaurtett kann ich gar nichts anfangen. Positiv überrascht war ich damals vom Auryn-Quartett! Auf alten Instrumenten gibts eine eher düster interpretierte, virbratosparsame mit L'Archibudelli (Sony), also Anner Bylsmer und Konsorten wie Vera Beeths. Lange Zeit hörte ich auch gerne die vom Lindsay String Quartet mit Cummings (ASV), die einen klassische Zugriff pfelgen, womit ich die Betonung auf den Phrasen-Anfang, statt ein dramatische Hinziehen auf dessen Ende meine.
Einheitlich über alle vier Sätze hinweg empfinde ich die "Casals-Aufnahme" sowie (weitgehend?) die des Alban Berg Quartetts.
Zelenka (29.08.2007, 17:00): Mein Favorit beim Streichquintett ist die Aufnahme mit dem Auryn-Quartett und Poltéra (Tacet) - allein schon wegen des üppigen Klangs :ignore. Hinzuweisen wäre noch auf einen alten Klassiker, nämlich die Einspielung des Hollywood String Quartet (1951, heutzutage bei Testament), die bis auf den heutigen Tag eine der gelungensten bleibt.
Gruß, Zelenka
Gamaheh (05.05.2008, 17:27): Obwohl ich eigentlich eher wenig Kammermusik höre, noch weniger, wenn nicht einmal ein Klavier dabei ist, bin ich diesem Werk gewissermaßen verfallen, als ich die Aufnahme mit dem Amadeus-Quartett gehört habe.
Außer der schon vielfach genannten Aufnahme von Stern, Casals usw. habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten.
Grüße, Gamaheh
Gerion (05.05.2008, 22:42): Weiß jemand zufällig etwas über die neue Aufnahme des Quintetts mit dem Artemis Quartett u. Truls Mörk zu berichten? Ich las eine, wenn ich mich recht erinnere, relativ positive "Rezension" im Fonoforum.
Für mich herausragend ist die Einspielung mit dem Alban Berg Quartett und Heinrich Schiff. Ich glaube, das Quintett steht auch auf dem Abschiedsprogramm hier in Köln am 22.6. - ich freue mich schon darauf.
ab (05.05.2008, 22:49): Höchst indirekt berichtete ich hier von meinem Höreindruck.
ab (13.06.2008, 11:36): Hier eine mehr als wohlwollende Rezension.
meinen Eindruck hatte ich bereits schon auch an anderer Stelle geschildert:
Ebenfalls hörte ich in das Quintett in C Schuberts mit dem Artemis Quartett und Truls Mörk hinein: Der Eindruck war besser als beim Quartettsatz! Insbesondere der letzte Satz hat mir ganz hervorragend gefallen! Sonst ist es mir im Gesamten zu unruhig und dramatisch-nervös, stets vorwärtsdrängend. Der langsame Satz zielt nur auf den Mittelteil. Im Allgemeinen findet sich inzwischen - mehr als in der fürheren Besetzung des Quartetts - die Betonung auf der Primgeigerin. Anders ist es im langsamen Satz, wo mir die Stimmverteilung ausnehmend geglückt vorkam. Der letzte Satz kam mir deutlich besselter vor als alles zuvor. Nervig ist der spitze Ton der ersten Geige.
Carola (31.07.2008, 20:08): Ich kann Schuberts Streichquintett nicht oft hören, zu intensiv, zu schmerzhaft. Andererseits, vor allem den zweiten Satz empfinde ich bei allem Schmerz auch als ungemein tröstlich. Aber nicht auf süßlich- verlogene, sondern auf zutiefst wahrhaftige Weise tröstlich. Das höre ich vor allem so in der langen Überleitung, die vom wilden Schmerz- oder auch Zornausbruch des Mittelteils wieder zurückführt in den A-Teil. Die Musik bleibt fast stehen an dieser Stelle, bis erst das Cello und dann die 1. Geige neu ansetzt - alles auf Anfang.
- bei dieser Aufnahme mit dem Hagen Quartett ist das ab etwa der 7.00 Minute, dann ab 8.11 geht es zurück zum ersten Teil des zweiten Satzes, diese Stelle ist einfach unglaublich! -
Ich bin mir immer aufs Neue unsicher, ob diese Wiederholung des 1. Teils eher müde Resignation oder friedliche Gelassenheit ausdrückt. Wie empfindet Ihr das?
Neben der oben bereits gezeigten Aufnahme besitze ich noch diese:
Sie ist mir aber zu schwer und zu süß, vor allem die für mein Gefühl zu dominante 1. Geige stört mich. Die Hagens klingen auf den ersten Hörblick spröder und vielleicht allzu leichtgewichtig, vor allem im zweiten Satz. Das täuscht aber, der Satz vibriert geradezu vor innerer Spannung.
Gruß, Carola
kreisler (24.01.2009, 23:51): Ich muss umbedingt die Diskussion zu diesem ganz besonderen Werk wieder aufnehmen, da es wirklich mehr Beiträge verdient hätte :)
Ich tue mich bei der bewertung von Kammermusik-Aufnahmen immer viel schwerer, als bei Solo- oder Orchestereinspielungen und deshalb besitze ich eigentlich auch immer nur eine Aufnahme der Werke. Geht es euch da bei Kammermusik auch so?
Folglich kenne ich auch hier nur die berühmte Aufnahme mit dem Alban Berg Quartett und Schiff. Wie findet ihr diese Aufnahme im Vergleich zu anderen? Würde mich echt mal interessieren, da ich dieser Aufnahme seit jeher "vertraue" und nie auch nur an eine andere Interpretation gedacht habe. Sowieso habe ich bei Schubert immer das Gefühl, Aufnahmen, Tempi, Instrumentierung, Sonatenform... wird alles so unwichtig wenn man diese Musik anhört...
Wenn ich ein Kammermusik-Werk von allen heraussuchen müsste (mir fällt zwar kein Grund ein wieso ich das machen müsste, aber gut:)) wenn, dann würde ich sicher dieses Werk nehmen. Ich finde das 2. Thema im Ersten Satz ist wohl das schönste "zweite Thema" das ich kenne. Und ich übertreibe hier keineswegs! Außerdem stelle ich mir "Kammermusik" immer so vor wie den 3. Satz: Kammermusik, das ist für mich genau dieses wunderbare Zusammenspiel der Instrumente. Hier wird Musik zu etwas, das zwischen den Menschen (Musikern) entsteht und nicht (wie ich Musik normalerweise auffasse) als etwas "abstraktes" irgendwo geschrieben steht. Eigentlich ist das wunderschön, wenn man darüber nachdenkt. Geht es euch ähnlich?
Und noch eine Frage zum Hagen-Quartett, da ich hier im Forum durchweg sehr viel Positives über sie gelesen habe: Sind die wirklich so gut? :D
tut mir leid wenn ich wiedermal einen Thread hochhole, aber das verdient er:)
kreisler
cellodil (25.01.2009, 16:50): Original von Amadeus Kreisler Ich tue mich bei der bewertung von Kammermusik-Aufnahmen immer viel schwerer, als bei Solo- oder Orchestereinspielungen und deshalb besitze ich eigentlich auch immer nur eine Aufnahme der Werke. Geht es euch da bei Kammermusik auch so?
Lieber Kreisler,
hast Du eine Idee, warum das so sein könnte? Was macht denn die Bewertung von Kammermusik-Aufnahmen so viel schwerer? Und: Gilt das nur für Aufnahmen?
Vielleicht - ich weiß nicht, ob das stimmt, könnte mir das aber vorstellen - liegt es aber auch genau daran, dass Du wenig Vergleich hast (ist das bei Orchesterwerken anders?).
Original von Amadeus Kreisler Hier wird Musik zu etwas, das zwischen den Menschen (Musikern) entsteht und nicht (wie ich Musik normalerweise auffasse) als etwas "abstraktes" irgendwo geschrieben steht. Eigentlich ist das wunderschön, wenn man darüber nachdenkt.
... dann ist das ja gewissermaßen ein Erweckungserlebnis, das ist doch schön! :engel
Allerdings verstehe ich nicht so ganz, wie Du zu der Auffassung kommst, dass Musik normalerweise etwas Abstraktes sei, was irgendwo geschrieben steht. Geschrieben??? ?( Vielleicht verstehe ich auch einfach nicht so ganz, wie Du das meinst.
Original von Amadeus Kreisler tut mir leid wenn ich wiedermal einen Thread hochhole, aber das verdient er:)
Tsss! Fishing for compliments, das ist doch löblich!
Liebe Grüße
Sabine
P.S. Meine derzeit liebste Aufnahme des Streichquintetts ist die des Artemis Quartet mit Truls Mork. Ich finde die schlicht hin- und mitreißend und höre im Moment, wenn ich das C-Dur-Quintett höre, nur die.
kreisler (25.01.2009, 18:53): So, bei der "Schwierigkeit mit der Bewertung" hast du wahrscheinlich genau ins Schwarze getroffen: Ich habe (nachdem ich mal mein CD-Regal durchsucht habe) gemerkt, dass ich wirklich nur immer jeweils eine Aufnahme von Kammermusik werken habe! und ja, das ist bei Orchesterwerken wirklich nicht so :wink Jedenfalls hab ich mich darum auch nie gekümmert, da ich Kammermusik - und natürlich gerade die von Schubert -immer als "ganz besondere Musik" gehört habe, und mich immer wirklich nur auf die Musik an sich konzentriert habe. Daher mag es kommen, das ich nie auf die Interpretation geachtet habe?
Also das mit dem "geschrieben steht" das ist so eine Sache...kann ich garnicht richtig erklären, was ich damit meine :) Ich kann nur sagen, dass ich Musik in erster Linie als eine "Komposition" ansehe. Soll heißen ich achte meistens beim ersten hören besonders auf Form, da gehört aber für mich auch schon der "Ausdruck" oder sowas dazu... Dann - in der sozusagen höheren Stufe - sehe ich die Musik im Kontext zu ihrer Epoche oder dem Charakter des Komponisten, oder auch besonders seinen Gefühlen, die er ja mit seiner Musik ausdrückt. Besonders bei Schumann und den Romantikern, bei bsp. Beethoven aber auch. Und dann gibt es noch Musik (und das sind meistens die Stücke, die ich schon lange kenne, wo ich mich eben nicht mehr daran erinnern kann sie nicht zu kennen...) wie eben besonders das Meiste von Schubert & Mozart, bei der ich an gar nichts Anderes denke wie an die Musik selber, mit der ich auch nur noch eine ganz bestimmte "Gefühlsstimmung" verbinde und wo die Musik eben irgendwann, irgendwo geschrieben wurde, was für mich dann aber völlig unwichtig ist. Schließlich gibt es sie für mich schon seit jeher. Irgendwie klarer geworden? :D Bei letzterer ist es dann übrigens auch noch so, das ich nur noch der Melodie nachgehe und sowieso schon weiß, was als nächstes kommt...
Aber zurück zum Schubert-Quintett: Was zeichnet die Interpretation vom Artemis-Quartett deiner Meinung nach aus? Ist sie so mitreißend, weil sie sehr leidenschaftlich oder so gespielt wird? Das ABQ ist ja in dieser hinsicht nicht so fesselnd: Bei denen ist es mehr die genaue - ein wenig objektive- Darstellung der Musik, die überzeugt.
Grüße Kreisler
EinTon (25.01.2009, 19:10): Original von Satie
Dieses in Schuberts Todesjahr vor dem "Schwanengesang" entstandene Werk ist in seiner Besetzung interessant, da nicht zwei Bratschen, sondern zwei Celli benutzt werden.
2 Celli sind schon in den Quintetten von Boccherini (Mozart-Zeitgenosse) besetzt - der war nämlich selber Cellist!
kreisler (25.01.2009, 19:17): Ich finde diese Tatsache aber wirklich interessant, weil das zweite Cello dem ganzen mehr "Raum" gibt. Mozarts Streichquntette zum Beispiel wirken durch die 2. Bratsche eher etwas gedrängter und kompakter-sind aber trotzdem auch toll.
Bei Schubert ergeben sich durch das weitere Cello ganz neue Kombinationsmöglichkeiten (z.B. kann ein Cello die Melodie übernehmen, während das andere immer noch den Bass spielt etc.)
Heike (26.01.2009, 10:46): Hallo Amadeus, Aber zurück zum Schubert-Quintett: Was zeichnet die Interpretation vom Artemis-Quartett deiner Meinung nach aus? Ist sie so mitreißend, weil sie sehr leidenschaftlich oder so gespielt wird?
Ich mag diese Aufnahme auch sehr. Mitreißend würde ich das nicht nennen, eher sanft und eindringlich gefühlvoll, ohne je kitschig zu werden. Ich finde, sie haben diese Emotionen wirklich großartig transportiert, die in der Musik ja schon drin sind und nicht noch übertrieben werden müssen. Zudem spielen sie brilliant zusammen, was ich auch bei live-Auftritten schon mit Faszination beobachten konnte.
Noch eine alte Aufnahme des Quintetts möchte ich erwähnen, die ich sehr gern habe:
Heike
ab (26.01.2009, 11:02): Original von Hebre Noch eine alte Aufnahme des Quintetts möchte ich erwähnen, die ich sehr gern habe:
Heike
eine musikalisch wunderbare Aufnahme! die es bei Documents (immer) noch (aber wohl nicht mehr lange) viel billiger gibt: http://www.jpc.de/image/w150/front/0/4011222219190.jpg
Wenn schon Sony, dann versuchen, die viel besser und wärmer klingede ältere CBS-Ausgabe zu bekommen: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41W8JC2QNAL._SL160_AA115_.jpg
(Hatten wir dies nicht schon?)
cellodil (26.01.2009, 12:40): Original von Amadeus Kreisler Was zeichnet die Interpretation vom Artemis-Quartett deiner Meinung nach aus? Ist sie so mitreißend, weil sie sehr leidenschaftlich oder so gespielt wird?
Lieber Kreisler,
was mich am Artemis Quartet allgemein und an dieser Einspielung des Schubert C-Dur Quintetts besonders fasziniert, ist dieses Zusammengehen von Klarheit und Emotion (daherschwall... :wink ). Für mich ist diese Interpretation durchdacht und empfunden, lebendig und durchaus leidenschaftlich. Auweia. Ich glaube, ich lass' das jetzt lieber sein, bevor ich mich hier noch weiter verbal verschwurble...
Liebe Grüße
Sabine
Heike (26.01.2009, 12:45): Zusammengehen von Klarheit und Emotion gut beschrieben! *unterschreib* Heike
kreisler (26.01.2009, 16:35): Original von cellodil bevor ich mich hier noch weiter verbal verschwurble...
Genau, das "verbal verschwurblen" ist nämlich eigentlich mein Fachgebiet :wink
Aber trotzdem schön beschrieben. Ich glaube das wäre auch mal was für mich: Ich mag es bei Schubert viel lieber, wenn es "innig" (so kann mans doch beschreiben?) interpretiert wird und nicht immer nur leidenschaftlich...
Grüße
Kreisler
cellodil (26.01.2009, 17:40): Original von Amadeus Kreisler Original von cellodil bevor ich mich hier noch weiter verbal verschwurble...
Genau, das "verbal verschwurblen" ist nämlich eigentlich mein Fachgebiet :wink
:hello Lieber Kreisler,
na dann sind wir ja schon zu zweit :rofl
Original von Amadeus Kreisler Ich mag es bei Schubert viel lieber, wenn es "innig" (so kann mans doch beschreiben?) interpretiert wird und nicht immer nur leidenschaftlich...
Ja, innig geht wohl schon in die richtige Richtung. Was ich mit "leidenschaftlich" meinte, war so etwas wie ein wohlkalkulierter Spannungsaufbau ohne Kopflastigkeit, sondern eher "mit ganzem Herzen" und auf gar keinen Fall einen romantischen Gefühlssumpf (den nun gerade gar nicht).
Liebe Grüße
Sabine
P.S. Muss die ganze Zeit bei meinen unzulänglichen Versuchen hier an das Zitat von Stephen Fry denken, das ich kürzlich in der Bibliothek abgeladen hatte:
Es fällt mir schwer zu beschreiben, was Musik in mir auslöst, ohne dabei affektiert, aufgeblasen, gefühlsselig, sentimental, maßlos und absurd zu klingen
Stephen Fry, Columbus war ein Engländer: Geschichte einer Jugend (OT: Moab Is My Washpot), Ü: Georg Deggerich, Aufbau Taschenbuch, 1. Auflage (Berlin, 2008), S. 97
Poztupimi (26.01.2009, 19:09): Original von ab Original von Hebre Noch eine alte Aufnahme des Quintetts möchte ich erwähnen, die ich sehr gern habe:
Heike
eine musikalisch wunderbare Aufnahme! die es bei Documents (immer) noch (aber wohl nicht mehr lange) viel billiger gibt: http://www.jpc.de/image/w150/front/0/4011222219190.jpg
Wenn schon Sony, dann versuchen, die viel besser und wärmer klingede ältere CBS-Ausgabe zu bekommen: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41W8JC2QNAL._SL160_AA115_.jpg
(Hatten wir dies nicht schon?)
Wobei man natürlich beachten sollte, daß die drei CDs jeweils eine unterschiedliche Werk-Zusammenstellung enthalten (wenn ich mich jetzt nicht verguckt habe):
Sony: + Symphonie Nr. 5 D485, Prades Festival Orchestra / Casals Documents: + Symphonie Nr. 8 D759, NBS SO / Toscanini CBS: "nur" D956
Eine Neuanschaffung: Die Interpretation des C-dur Quintetts liegt im oberen Bereich, hier und da klingt es jedoch noch wie kürzlich einstudiert, da fehlt es noch an der notwendigen Aufführungspraxis - und Erfahrung. Sehr gut, da tief empfunden, der Abgesang im Adagio, die Stelle hat mich sehr berührt. Das Trio im Scherzo entbehrt allerdings magischer Eindrücke, wie sie sich hier und da, z.B. Casals..., einstellen. Das Ende des Finales, kurz vor dem Presto-Teil, erinnert wieder an den Schluss des 2.Satzes. Im 1.Satz wird die Exposition wiederholt. Ob Valentin Erben vom Alban Berg Quartett das 1. oder 2.Cello spielt, ist nirgends erwähnt. Fast immer übernimmt der Cello-Gast jedoch den Part des 2.
palestrina (06.12.2013, 21:58): Original von Amadé http://ecx.images-amazon.com/images/I/51tsvMsPk1L._SY450_.jpg Gruß Amadé
Sehr sehr gut ! :down
LG palestrina
Hosenrolle1 (03.09.2015, 17:59): Original von Satie Ungetrübt ist das Werk nicht, das zeigen bereits die einleitenden Akkorde, der letzte Satz zeigt ein Moll--Hauptthema, schließt zwar in einem Unisono-C, dieses wird aber durch die vorangehende kleine Sekunde (neapolitanische Sekunde?) noch stärker eingetrübt als durch die vorangegangenen Kadenzen mit deutlichem Mollcharakter.
Ich bin sicher der Letzte, der dazu etwas sagen kann, aber ich versuchs trotzdem mal.
http://share-your-photo.com/img/21f13a2f18.jpg
Ich kenne momentan nur den neapolitanischen Sextakkord, der von der Subdominante der Mollparallele aus gebildet wird.
(Nebenbei, früher habe ich mir den völlig umständlich hergeleitet, indem ich die Töne abgezählt habe. Viel einfacher ist es m.E., ihn über den 2. Ton der Dur-Tonleiter herzuleiten:
Beispiel: C-Dur
C-D ...
D ist also der zweite Ton. Und mit dem mache ich nun einen Dreiklang, und zwar 1-3-b6:
D-e-F-g-a-B)
Von einer neapolitanischen Sekunde habe ich noch nichts gehört. :(
LG, Hosenrolle1
EinTon (03.09.2015, 18:09): Original von Hosenrolle1
(Nebenbei, früher habe ich mir den völlig umständlich hergeleitet, indem ich die Töne abgezählt habe. Viel einfacher ist es m.E., ihn über den 2. Ton der Dur-Tonleiter herzuleiten:
Beispiel: C-Dur
C-D ...
D ist also der zweite Ton. Und mit dem mache ich nun einen Dreiklang, und zwar 1-3-b6:
D-e-F-g-a-B)
Du musst den vierten, nicht den zweiten Ton der Tonleiter nehmen, das wäre also bei der Grundtonart C-Dur der Ton F. Der Akkord wäre dann (von unten nach oben) F-As-Des bzw. Db/F .
Hosenrolle1 (03.09.2015, 18:34): Da liegt ein Missverständnis vor, glaube ich.
Ich habe C-Dur gesagt, meinte aber den in a-moll.
Früher habe ich die jeweilige Molltonleiter abgezählt, was umständlicher war. Jetzt zähle ich einfach vom zweiten Ton der Durtonleiter ab und komme auf das selbe Ergebnis :)
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (03.09.2015, 18:38): Bei Wiki habe ich etwas über den Neapolitaner in Dur gefunden: (Hervorhebungen von mir)
Seine eigentliche Blütezeit erlebte der Akkord im Hochbarock (Bach, Händel) und in der Wiener Klassik (Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert). Ab der Romantik wurde der Neapolitaner in Dur-Tonarten verwendet (Sn). Dazu wird nicht nur die Sexte der Subdominante, sondern auch die Terz tiefalteriert.
Da stimmt F-As-Des natürlich - dann bist du von Dur ausgegangen.
LG, Hosenrolle1
satie (03.09.2015, 18:48): Der Neapolitaner entstammt erst einmal einem MOLL-Zusammenhang, später hat man ihn aber auch in Dur benutzt, so wie man auch die Mollsubdominante in Dur benutzen kann. Der Neapolitaner wird übrigens in der Stufentheorie auch als tiefalterierte II. Stufe aufgefasst (bei anderen aber viel richtiger als IV. mit hochalterierter Quinte).
Hosenrolle1 (03.09.2015, 19:02): Kann ein einzelner Ton (in diesem Fall das Des) auch Teil eines neapolitanischen Akkords sein? Oder muss er zwingend mit anderen Tönen zusammen erklingen?
LG, Hosenrolle1
satie (03.09.2015, 19:28): Er kann allenfalls einen neapolitanischen Charakter haben. Für einen tatsächlichen Neapolitaner brauchen wir alle drei Töne. Es gibt aber nur zwei besonders typische Wendungen mit einem Halbton von oben hin zum Grundton der Tonika (oder auch zur Dominante), und das ist einmal die phrygische Kadenz (in der phrygischen Tonleiter haben wir einen Halbtonschritt am Anfang) oder eben beim Neapolitaner durch die Alteration.
Don Perlimplin (22.06.2017, 22:46): Für mich ist Schuberts Streichquintett ein musikalisches Wunder. Zu meinen bisherigen Versionen hat sich seit gestern diese hier gesellt:
Eine ganz wunderschöne Aufnahme, wie ich finde. Ich würde sie in etwa zwischen die von ABQ/Schiff (EMI) und Melos/Rostropowitsch (DG) einordnen. Was der ersten an Beseelung fehlt und bei Melos vielleicht etwas zu gefühlvoll gerät, wird hier kongenial ausgeglichen. Kennt jemand sonst diese Aufnahme? Sie wurde von Ulrich Schreiber in seinem Schallplattenführer sehr gelobt.
Amadé (23.06.2017, 10:05): Ich kenne sie, möchte aber kein definitives Urteil abgeben, da ich noch nicht alle 40 meiner Aufnahmen nebeneinander verglichen habe. Am Montag kam diese CD dazu:
Gruß Amadé
Don Perlimplin (23.06.2017, 14:18): Hallo Amadé,
danke für Deine Antwort. Was die Juilliard-Aufnahme von D. 956 betrifft, die ich ganz toll finde, so gibt sie mir doch Rätsel auf. Auf meiner CD ist vermerkt "P 1988", ebenso auf der Rückseite des Booklet. Außerdem wird die CD zweimal als DDD-Aufnahme bezeichnet, auf der CD selber und in der Beilage. Ein Aufnahmedatum ist leider nicht genannt. Wenn sie DDD ist, müßte sie nach 1980 entstanden sein. Doch jetzt kommt es: In HiFi-Stereophonie 11/1978 bespricht Wolf Kunold die (damals) neue Aufnahme des Quintetts mit dem Melos-Quartett und Rostropowitsch und bemerkt in seiner Rezension u.a.: .... (das Werk) ist bereits in etlichen hochkarätigen Aufnahmen vorhanden: man denke an die Juilliards mit Bernard Greenhouse ....." Demnach müßte es eine ältere Aufnahme in gleicher Besetzung geben. Dafür spricht auch, daß auf der Rückseite meiner CD-Hülle Noel Smirnoff als Violinist genannt ist. Der ist aber lt. wikipedia erst 1986 zu den Juilliards gekommen. Ich habe nun vergeblich versucht herauszufinden, ob es eine zweite Aufnahme Juilliard/Greenhouse gibt, bin aber nirgends fündig geworden. Es gibt eine solche weder auf LP noch CD, zumindest z.Zt. nicht, weder bei jpc noch bei amazon. Und in den mir vorliegenden Diskographien habe ich auch nichts dergleichen entdecken können.
Kannst Du (oder sonst jemand aus dem Forum) diesen Widerspruch aufklären?
LG, Don Perlimplin
Abendroth (23.06.2017, 18:21): http://ecx.images-amazon.com/images/I/51T-DIKpFSL._SY300_QL70_.jpg Hier ist eine LP mit dem Quintett & Greenhouse. Diese Aufnahme ist wahrscheinlich nie auf CD erschienen. Leider ist kein Aufnahmedatum zu sehen. Auf dem Foto sehen die Herren aber deutlich jünger aus, als auf der neueren CD-Aufnahme.
Abendroth (23.06.2017, 18:29): Die LP ist von 1974. Sie wird z.Zt. 2 x auf ebay Deutschland angeboten. Bei einem der beiden Angebote ist das Datum bei der Produktbeschreibung erwähnt.
Don Perlimplin (23.06.2017, 19:12): Hallo Abendroth,
danke für die Hinweise. Damit ist meine Frage wohl hinreichend beantwortet: es gibt also eine Aufnahme aus den frühen 1970ern (auf die Wolf Kunold sich bezieht) und eine spätere von 1988, die mir auf CD vorliegt, in (fast) gleicher Besetzung. Nun wäre es natürlich interessant, einen Vergleich vorzunehmen. Da ich aber z.Zt. über keinen funktionsfähigen Plattenspieler verfüge, hat sich das für mich erledigt.
Nochmals vielen Dank und
LG, Don Perlimplin
Amadé (23.06.2017, 20:44): Hallo, ich habe gerade bei Discogs nachgeschaut, die sind hilfreich, jedoch nicht immer 100% zuverlässig. Dort ist für die erste Aufnahme 1974 und für die zweite 1986 angegeben, ich denke das könnte hinhauen. Gruß Amadé
Don Perlimplin (23.06.2017, 21:22): Vielen Dank, Amadé, für Deine Bemühungen.
Ich denke auch, dass die Angaben die Discogs in diesem Fall zutreffen. Ich selber hatte auch bei Discogs nachgesehen, aber die ältere Version nicht gefunden. Ehrlich gesagt, ich bin mit der neuen eigentlich restlos glücklich. Sie ist eine schöne Ergänzung zu meinen übrigen Aufnahmen des Werks.