Lebensberichte berdühmter Pianistinnen Von Clara Schumann bis Clara Haskil insel taschenbuch isbn 3-458-33414-9 €10,00
Ich bin noch nicht ganz durch, finde es aber bisher sehr interessant, aus dieser Sicht die damalige Musikwelt kennenzulernen!
Gruß, Nikolaus.
Carola (06.06.2006, 09:30): Danke für den Tipp!
Buch ist bestellt.
Mit Gruß von Carola
Carola (15.06.2006, 16:16): Ich habe das Buch inzwischen gelesen und möchte es hier kurz besprechen:
Die 1996 erschienenen "Lebensberichte berühmter Pianistinnen" (so der Untertitel), bestehen aus autobiographischen Skizzen, Briefen und Tagebucheinträgen. Dabei ist jedem Kapitel ein von der Herausgeberin Monica Steegmann verfasster kurzer Lebensabriß sowie ein Photo der jeweiligen Künstlerin vorangestellt.
Neben den Tagebucheintragungen Clara Schumanns sind insbesondere die auch stilistisch hervorragenden Briefe von Amy Fay hervorzuheben, deren Veröffentlichung in den USA sie noch zu Lebzeiten ebenso berühmt machte wie ihr Klavierspiel. Fay hielt sich von 1869-1875 in Berlin auf, wo sie unter anderem Unterricht bei Franz Liszt nahm. Ihre Beschreibung der damaligen Konzert- und Kulturszene, aber auch der deutschen Sitten und Gebräuche im allgemeinen, ist höchst interessant und stellenweise umwerfend komisch.
Auch die Lebensbeschreibungen von Mathilde Verne sind sehr spannend. Wie Amy Fay kam sie als junge Frau nach Deutschland, um ihre pianistische Ausbildung zu vervollkommnen. Als Schülerin Clara Schumanns ging sie jahrelang in deren Haus ein und aus und erlebte so neben den Unterrichtsstunden auch zahlreiche Konzerte sowie kammermusikalische Aufführungen mit Werken von Robert Schumann oder auch Johannes Brahms, die von Clara Schumann, Johannes Brahms und anderen in ihrem musikalischen Salon veranstaltet wurden
Auch die anderen Pianistinnen wissen durchweg interessant von sich, ihrer musikalischen Ausbildung und ihrer Karriere zu erzählen.
Eingeleitet wird das Buch von einem höchst lesenswerten Vorwort von Monika Steegmann, die von 1978 bis 1991 als Leiterin der Redaktion Kammermusik beim Süddeutschen Rundfunk tätig war. Steegmann schreibt unter anderem von den "Vorurteilen und Wahrnehmungsstörungen", mit denen sich jede Pianistin auseinandersetzen musste (oder muss?). Schlagendes Beispiel für diese Vorurteile ist ein dem Buch vorangestelltes Zitat Anton Rubinsteins von 1890, in dem er die "Überhandnahme der Frauen in der Musikkunst" wortreich beklagt und Frauen kurzerhand jede Fähigkeit zu (künstlerischer) Subjektivität und Initiative rundweg abspricht. Dies war das geistige Klima, in dem sich Pianistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts behaupten mussten, wollten sie erfolgreich sein - und sie waren erfolgreich! Wie, das kann man in diesem Buch auf unterhaltsame Weise nachlesen.
Mit Gruß von Carola
nikolaus (15.06.2006, 16:40): Vielen Dank, Carola, für die hervorragende Besprechung!
Ich habe das Buch inzwischen auch durch, und möchte nur ergänzend besonders auf die Briefe Clara Haskils hinweisen. Die Verzweiflung und Unzufriedenheit mit sich selber hat mich tief erschüttert. Was für eine außergewöhnliche Frau (wie eigentlich alle erwähnten!).
Viele Grüße, Nikolaus.
Carola (15.06.2006, 17:38): Hallo Nikolaus,
ja, die Briefe von Clara Haskil können einem wirklich unter die Haut gehen. Und trotz aller Selbstzweifel und Depressionen hat sie immer noch eine sarkastischen Humor, der mir besonders an ihr gefällt. Ich bin froh, dass ich die schöne Aufnahme mit Mozarts Klavierkonzerten und der Sonate mit ihr besitze.
Aber auch Moura Lympany fand ich beeindruckend, die auf einer Pressekonfernez während einer Konzertreise allen Ernstes von einem Journalisten aufgefodert wird, ihre Beine zu zeigen. Ihre Antwort: "Ich bin Konzerpianistin und kein Showgirl". :D
Rosalyn Tureck hat übrigens 1999, mit 85 Jahren, noch mal die Goldbergvariationen eingespielt.