G.F. Händel "Orlando"- von rasender Liebe und furioser Virtuosität
Fairy Queen (10.10.2010, 19:16): Angesichts einer beispielhaften und furios schönen Aufführung der eher selten gespielten Oper "Orlando"(Premiere an der Opéra de Lille gestern, Dreamteam: Dirigat Emmanuelle Haïm, Regie David McVicars, die das Ganze auch in Paris schon auf die Bühne gebracht haben ) hier schonmal einige Sâtze zu dieser Oper. Fortsetzung folgt nach und nach.
Die Oper entstand 1732, mitten in den schlimmsten Londoner Kabalen und Opernintrigen, und wurde 1733 am King's Theatre Haymarket uraufgeführt. Es war dies die letzte Oper, die Händel seinem Lieblings-Kastraten Senesino in die Kehle komponierte. Die Uraufführung wurde zwar ein Erfolg, der Orlando wurde aber u.A. wegen Erkrankung der weiblichen Protagonistin nur 11mal aufgeführt. Das Libretto von Capece beruht auf dem Versepos "Orlando furioso" (1516) von Ludovico Ariosto , das einer der beliebtesten Opernstoffe überhaupt war. Vorangegangen waren z.B. Vertonungen von Vivaldi, Lully, Scarlatti ( leider verschollen) und Händels Opern Ariodante und Alcina beruhen ebenfalls auf Ariosts Epos, sowie auch sämtliche Armida- Vertonungen und einiges mehr.(Haydn Orlando Paladino soll ebenfalls nicht verschwiegen werden) Der Stoff ist so überreich, dass jede einzelne Episode eine potentielle Oper in sich trägt.
Orlando ist leider weit weniger bekannt als Alcina oder gar Giulio Cesare. Wie ich seit gestern weiss: zu Unrecht! Diese Oper bietet einen unerhörten musikalischen Reichtum und Händel hat ausgetretene Pfade verlassen und sich sehr weit vorgewagt. Die Art und Weise wie der Wahnsinn des Protagonisten in Töne gesetzt wird mutet besonders im dritten Akt sehr modern an- da stellt die Musik aufs Anschaulichtste das Changieren zwischen Raserei und Depression dar:ausdrucksstarke Ariosi, kurze virtuose Ausbrüche, dazwischen melancholische Melodiefetzen- das weist für meine Ohren schon weit in die Zukunft!
Es gibt in dieser Oper nur 5 Sänger: Orlando (ehedem ein hochvirtuoser Kastrat- heute Koloratur-Alt oder Counter), Angelica (Sopran), Dorinda (Sopran mit Soubrettenqualitäten) Medoro (Counter oder Alt) Zoroaste (Koloratur-Bass) Von Orlando werden ganz aussergewöhnliche vokale und darstellerische Fähigkeiten verlangt, die Rolle ist schwierigst zu besetzen. Die beiden Sopranrollen sind ausserordentlich dankbar in Tessitura und Charakter und in ihrer gemässigten Virtuosität gleichwertig- wobei ich die Soubrettenrolle noch etwas anspruchsvoller finde, weil sie gleichzeitig tragische wie komische Elemente verkörpern muss und SEHR viel zu singen hat. Der Bass muss ebenfalls sehr virtuos sein, während Medoro ein echter "secondo uomo" ist, also Orlando in keinster weise die Show stiehlt und zwar etliches an Quantität (das Werk dauert immerhin an reiner Musik knapp 3 Stunden) aber nichts serh Virtuoses zu singen hat
Händels Sujet ist der Konflikt zwischen Liebe und Heldenpflichten, zwischen Mars und Venus, fast paranoidem Wahnsinn aus Leidenschaft und Selbstdisziplin. Orlando hat Angelica das Leben gerettet und sich dabei unsterblich in sie verliebt. Von der Gegenseitigkeit dieser Liebe ist er zunächst fest überzeugt- wie kann frau denn auch ihren Retter nicht lieben und anbeten????? Undenkbar! Angelica aber verliebt sich in Medoro, der wiederum mit der" Pastorella" Dorinda verbandelt war, diese aber wegen der weit besseren Partie verlässt. Es bleibt dabei etwas im Dunkeln, wie opportunistisch seine Gefühlswandlungen sind..... Zoroaste tut alles um Orlando wieder auf den rechten Weg , nämlich weg von Amor und hin zu Mars, dessen Ruhm Jahrhunderte überdauert, zu bringen. Orlando aber wird so von seinem Eifersuchtswahn ûberrollt, dass er den Verstand verliert und im Delirium Angelica und Medoro ermordet. Beide werden am Ende jedoch von den Toten auferweckt und Orlando wird von seiner Raserei geheilt-Zoroaste ist ja glücklicherweise ein Magier.
Das zur Handlung. wie diese von Häim, MCVicars und dem Team umgesetzt wurde, folgt dann noch.
F.Q., mal wieder restlos begeistert, wie lebendig, kurzweilig und wunderschôin Barockoper in den richtigen Händen wird :leb :times10
Heike (10.10.2010, 23:02): Hallo Fairy, hach, Orlando läuft just gerade jetzt im Oktober an der Komischen Oper in Berlin - aber irgendwie passt mir keiner der 3 Termine :-( Was ich schon vor deinem Beitrag bedauert habe, jetzt aber noch mehr. Ich bin schon am Überlegen, ob ich nicht noch was drehen und wenden kann ..... Heike
Fairy Queen (11.10.2010, 09:18): Liebe Heike , auch wenn ich mir im Moment keine andere inszenierung vorstellen kann, die oper an sich ist schôn genug, um dafür Umwege zu machen- wenn Du es einrichten kannst, ist das sicher keine verlorene Zeit! Ich mache aber nun weiter mit meinem Bericht um dir hoffentlich noch mehr Lust zu machen, und sage erstmal etwas zu den Sängern und Rollen.
Erstmal die Sänger und kurze Kritiken:
Orlando: Sonia Prina :down :down :down diese italienische Koloratur-Altistin ist mir bereits serh gut bekannt. Ich habe sie als Giulio Cesare(Händel) gehört und auch in einer serh weiblichen Belcanto-Rolle unter lauter Männern in Rossinis "La pietra die Paragone", sowie als Oratorien-Solistin (Händel Resurrection). Die Frau ist ein Phänomen! Ihre Koloraturfähigkeit in den tiefen Registern der weiblichen Stimme hat einen solchen Seltenheitswert, dass sie bestens geeignet ist, die ehemaligen Kastratenrollen überzeugend zu verkörpern. Das ist kein Mezzo vom Schlage Vivica Genaux oder Joyce di Donato oder Cecilia Bertoli sondern ein waschechter Alt! Als Orlando fand ich sie noch überzeugender als als Giulio Cesare. Niemand konnte auf den ersten Blick sagen , dass es sich um eine Frau handelt- die Travestie war tâuschend echt- sowohl vokal als auch in der Erscheinung. eine Bekannte die mit mir in der Oper war, hat bis zum Ende nciht gewusst, dass eine Frau sang, zumal ja Medoro mit einem Counter besetzt war und Prinas Stimme viel mehr Fleisch und Tiefe hatte, also "viriler" klang. Das was sie an Koloraturen hingelegt hat heisst hier in Frankreich "hallucinant" (muss ichwohl kaum übersetzen...)- man glaubt den Ohren nicht! Senesino, der erste Orlando, muss wirklich ein Ausnahmegenie gewesen sein. Sie hatte darstellerisch eine schwieirge Aufgabe, denn sie musste die verschiedenen Facetten des Wahnsinns verkörpern- von furioso bis depressivo und am Ende sich selbst überwindender Held sein. Mc Vicar verlangt von seinen Sängern auch die hohe Kunst der Bewegung in gesamten Bühnenraum- Prina musste bei der Ohrwurm-Arie "Fammi combattere" zusammen mit einem Trio von fechtenden Rittern tanzen, und bei der sogen. Höllenarie(da werden Cerberus und Proserpina angerufen) ebenfalls. Wie man das mit der vokalen Virtuositât unter einen Hut bringt.... :down Ihre kleine etwas androgyne Gestalt passte hervoragend zur Rolle- mit einem Wort: Idealbesetzung!
Angelica: Henriette Bonde- Hansen Sopran :down :down Ich habe diese dänische Sopranistin zum erszten Mal gehört und bin von ihrem wunderschönen jugendlich-anmutigen Soprantimbre serh angetan. Die Rolle ist umfangreich, aber sehr dankbar. Angenehme Tessitura, nciht zuviel Virtuosität, es gibt weit mehr ruhige Legato-Arien als Koloratur; Angelica ist die vielgeliebte umschwärmte Heldin (und die Prima Donna), wenn auch eher nicht der Publikumsliebling, da ja alle Mitleid mit dem armen Orlando und der armen Dorinda haben. Bonde-Hansen strahlte genau die richtige blonde Schönheit und Kühle für diese Rolle aus und hat serh gut gespielt- perfektes Casting auch hier. Sie tummelt sich in Rollen des betont lyrischen Koloraturfachs wie Juiliette, Nanetta, Gilda, Marcelline etc. Nachreisen lohnt sich m.A., das Timbre ist selten schôn.
Dorinda: Lucy Crowe Sopran :down :down :down Für mich die Entdeckung des Abends und trotz der grossen Qualitâten der Angelica die eigentliche Prima donna. Diese junge Engländerin hat die ideale Händel-Stimme und hat in England bereits unter den grössten Händel-Dirigenten gesungen (Norrington, Pinnock, Mackerras). Etwas lyrischer oder besser vielleicht etwas "fruchtiger" als Bonde-Hansen und mit strahlendem Timbre- im Messias uind anderen Oratorien sicher die Idealbesetzung! Besonders hervorzuhaben ist aber ihr schauspielerishces Talent. Das sind echte Soubrettenqualitäten zusammen mit der Fähgikeit die Tragik dieser Rolle ebenso glaubhaft rüberzubringen. Dorinda muss Händels Liebling gewesen sein- sie hat eindeutig die schôneren und dankbareren Arien abbekommen. Wenn sie ihren Schmerz mit dem der Nachtigall vergleicht :I mir ist es rätselhaft, dass solche Arien nicht im Repertoire der Soprane gelandet sind. Lucy Crowe muss auch viel tanzen und tut das mit einer grossen Selbstverständlichkeit. Ihre hochgewachsene blonde Attraktivitât trägt ebenfalls dazu bei, dass sie neben Sonia Prina Publikumsliebling war. Unbedingt im Auge behalten. Das ist englische Gesangskunst von heute, weder kleine, noch dünne oder körperlose Stimme: hell und klar aber voller Körper und Frucht- ich hoffe, sie noch oft hören und sehen zu können. sie steht als Sophie in München im Programmheft- die Bayern sollten mir dann unbedingt berichten!
Medoro: Stephen Wallace Counter Der Herr hat seine Sache gut gesungen, und den etwas wankelmütigen Lover gut gespielt. Er hat keine besonders aufregende Rolle und da ich englische Counterklänge nciht leiden kann, spare ich mir jeden weiteren (sicherlich eher ungerechten) Kommentar.
Zoroastro: Nathan Berg Bass Neben dem hervoragenden Rest-Ensemble fiel Berg ab, aber da man froh sein muss, überhaupt einen Tieftöner für diese virtuose Rolle zu finden, will ich nicht zu kritisch sein. Unsauberkeiten und Ungenauigkeiten waren nciht zu überhören- als Sopran hâtte der Herr gegen überragende Konkurrenz keine Chance, als Bass kann er dagegen mit den Grössten singen- so ist das Sänger-Geschâft! Sehr viel Koloratur und grosse Tiefen- ein Basso cantante mit Ausflüge nach Sarastro ist hier gefragt- eben ein echter Magier.
Insgesamt war das Casting vorbildlich, sowohl was Stimmen als auch Bühnenprâsenz und rollendeckende Personen angeht. Die Idee Orlando mit einer Frau und Medoro mit einem Mann zu besetzen hat mir erst Fragen aufgegeben. Der Held ist eine Frau, das "Weichei" ein Mann? :haha Es gibt Aufführungen in allen Variationen, zwei Frauen, zwei Counter- alles ist möglich. aber Mc Vicar hat sich dabei etwas gedacht und es passte hervorragend. Neben den Sängern gab es etliche Tänzer, u.A. eine stumme Rolle des blinden Amor in schwarzglitzerndem Conferencier/Lucifer Look und eine stumme Isabella (ebenfalls von Orlando befreite Jungfrau) die fragil und blondlockig in weissem Sonnambula-Gewand und geknebelt immer wieder wie ein schaues gehetztes Reh über die Bühne huscht. Eine weitere Form des Liebeswahns. Dann gibt es noch Tänzer, die die Bestien des Unterbewusstseins im Wahn verkörpern und Tiermasken tragen. Zur Inszenierung als solcher sage ich aber, wenn's interessiert, noch mehr.
F.Q.
Severina (11.10.2010, 16:40): Liebe Fairy, und ob mich die Inszenierung interessiert! Auf die Sänger jedenfalls hast Du mir schon einmal viel Lust gemacht, und was die Oper an sich betrifft, rennst Du bei mir sowieso offene Türen ein! Wenn Du mit Deiner Aufführung durch bist, kann ich vielleicht als Kontrastprogramm etwas über die Züricher erzählen!
lg Sevi :hello
Fairy Queen (11.10.2010, 19:09): Liebe Sevi, mich interessiert natürlich sehr, wie andere Regisseure diese Oper umgesetzt haben. wenn man von einer Inszenierung total begeistert ist, fällt es sehr schwer, sich etwas anderes vorzustellen.
Dann leg ich mal los:
Ich war ehrlicherweise etwas skeptisch, ob das Dreamteam Emmanuelle Haïm und David McVicar meine allzu hohen Erwartugen nach ihrem fulminanten Giulio Cesare würden erfüllen können und rechnete vorsorglich mit Ernüchterung. Besser als giulio Cesare ging zwar nicht mehr, das war eines der Opernhighlights meines Lebens, aber der Orlando war tatsâchlich genauso gut. zur musik nur ganz kurz, die Sängerhbae ich ja bereits oben "kritisiert". Haïm und ihr Concert d'astrée spielen sich immer mehr an die Spitze der heutigen Händel-Spezialisten. Nach dem Giulio Cesare der Ressurection und dem Messiah bot der Orlando dieselbe hohe Qualitât. Frische, Temperament, Spielfreude und ale Nuancen die man aus ienem HIP-Orchester rauskitzeln kann. Da bleibt kein Händel-Wunsch offen. Haïm zeichnet sich besodners durch hochsensible Sängerbegleitugn aus und hat ein Ohr und herz fûr schône stimmen. Ihr Rotschopf am Pult und ihre attraktive erscheinung sind dann noch la cerise sur le gateau (das Tüpfelchen auf dem i).
McVicar versteht die seltene Kunst, Schönheit mit Originalitât und Werktreue zu verbinden. Seine inszenierungen sind oft "multi-sensoriell" und schlagen eine Brücke zwischen allen Künsten. Man fühlte sich gleichermassen in der Oper, im Ballett, im Kino und im Museum- das 3 1/2 Stunden Spektakel war keien Minute langweilig, aber auch niemals nervig "zu viel".
Die Grundidee war eine eher pessimistische aber auch ein wenig augenzwinkernde Sicht auf die Liebe als solche .Liebe macht wahnsinnig, bringt vom rechten Wege ab und lâsst den Verstand und sogar das Leben verlieren. Dazu wurde eien stumme Rolle eingeführt: Amor, ein Tänzer, blind, mit Stock, im schwarzen Glitzerdress- eien Mischung aus Varieté-Lucifer, Confernecier eines Casinos und Dandy. Dieser Amor tauchte immer wieder auf der Bühne auf um sich einzumischen und z.B. je ein glitzerndes Herz während der entsprechenden Arien/Szenen an Orlando, Dorinda, Angelica und Medoro zu verteilen. Die Oberflâchlichkeit der Liebe lâsst sich bereits an diesem Attrbut sehen: Glimmer und Glitter ohne echte Substanz.
Fortsetzung folgt
Fairy Queen (11.10.2010, 20:49): Ein Bühnenbild zur Ouvertüre, das immer wieder zwischendurch heruntergelassen wird ist ein Gemâlde-Druck im Stil von Watteau, Gainsborough und Fragonard, das tändelnde Rokoko-Päärchen zeigt und rechts oben im Bild einen neckischen Amor mit seinen Waffen Die Oper beginnt mit einer etwas unheimlichen Szenerie. Der Magier Zoroastro operiert einer jungen nciht identifizierten Frau, die auf einem Seziertisch liegt, etwas aus der Brust- ihr Herz, wie anzunehmen ist. Er besingt die Nachteile der Liebe im Vergleich zum Heldentum und beschwört Orlando, sich wieder seiner eigentlichen Bestimmung zuzuwenden- "Liebe ist vergänglich, Mars dagegen verspricht ewigen Ruhm." Zur Abschreckung zeigt er Orlando eine Szene aus fernen Götterwelten, in der ein gefesselter Mann in den Fängen Amors und seiner Helferinnen alle Mânnlichkeit verliert und zur effeminierten Marionette wird. Amor sitzt hier schwarzgeflügelt auf dem Thron, um ihn herum einige Kurtisanen und Liebesdienerinnen und man denkt wahrlich sofort mehr an Lucifer und die Hölle als an himmlische Freuden. Orlando aber lâsst sich von solchen Warnungen nicht lange beeindrucken, und besingt das Bildnis von Angelica, schmückt es mit Rosen und meint, dass weder Hercules noch Achilles als Verliebte schwächer gewesen seien denn als Kämpfende. Amor heftet im ein grosses Glitzerherz an die Brust.
Szenenwechsel: Dorinda hängt Wäsche ab und besingt ihre erwachte Liebe zu Medoro in einer Mischung aus Soubrette und Cherubino ("ich weiss nicht, was mit mir ist, mal ist mir heiss mal kalt"... kommt uns irgendwie bekannt vor! :wink) Sie bekommt ein Herz von Amor um den Hals gehängt Orlando befreit unterdessen die Prinzessin Isabella von ihren Entführern und weist ihre selbstverständlich sofort sich manifestierenden liebeavancen sofort zurück.gerettete Prinzessinnen (ausser angelica!) verleiben sich sofort in ihre erlöser- was denn sonst!!!!. Isabella irrt ab sofort fragil, blondgelockt und weissgewandet wie eine Schlafwandlerin über die Bühne, geknebelt und Orlando in unerwiderter Liebe verfallen. Man denkt sofort an Bellini- eine andere Form des Liebeswahns und wieder ein Amor-Opfer. Isabella ist wie Amor eine stumme Figur und Erfindung von Mc Vicar. Szenenwechsel ins Boudoir von Angelica. Ganz im frz. Rokokostil Boucher lâsst grüssen. Nach einer heissen Liebesnacht schlâft Medoro noch und Angelica besingt ihre unsterbliche Liebe zu ihm. Sie verspricht ihm ein Königreich und Medoro, der eigentlich mit Dorinda verbandelt war, lâsst sich liebend gerne auf diese gute Partie ein. Es folgt ein neckisches Liebesduett, dessen Ende Dorinda belauscht und die dann Medoro zur Rede stellt. Er tröstet sie halbherzig oder verlogen- wie man's sehen will. Zoroastro warnt Angelica vor Orlandos Rache und Orlando erscheint auch sogleich, um der Geliebten zu huldigen. Wir befinden uns nun in einem Salon mit Rokokointerieur und entsprechend gewandeten Dienern, die sich wie Marionetten bewegen. Angelica versucht Orlando loszuwerden, indem sie einen Beweis für seine Treue fordert: er soll die befreite Isabella aus dem Wege schaffen und nach Hause bringen und neue Abenteuer bestehen, denn Angelica gibt vor, auf die arme geknebelte Isabella eifersüchtig zu sein. Daraufhin singt Orlando seine Bravour-Arie: "Fammi combattere", zu der ihn drei tanzende Fechter begleiten. Eine Augen-und Ohrenweide!!! Unterdessen wollen Medoro und Angelica Dorinda beschwichtigen und Angelica schenkt ihr ein kostbares Schmuckstück, dass sie von Orlando bekommen hat. Sie singen das herrliche und in der Barockliteratur einzigartige Terzett "Consolati o bella". Rideamus Weihnachts- Râtsel-Kandidaten ist es bereits wohlbekannt! :D Dorinda aber bleibt untröstlich und verflucht in einer Arie mit Besen und Putzeimer tanzend ihre Liebe zu Medoro. Ende des ersten Aktes.
Fairy Queen (12.10.2010, 02:06): Akt 2 beginnt mit einer sehr anrührenden Szene: Dorinda geht in ihrer bescheidenen Bleibe- welch ein Kontrast zum Interieur von Angelica- zu Bett. Eine Art Dienstbotenkammer mit einfachen Holzmöbeln, an einer Wand hängt ein Vogelkâfig. Dorinda singt ihrem Vögelchen eine wunderschöne Arie vom Liebesschmerz und vom Nachtigallen-Gesang- im Orchester hört man ganz deutlich Vogelstimmen und eine Assoziation zu "Sweet bird" der wunderbarsten Arie aus Händels " L'allegro, Il pensierioso ed il moderato" stellt sich sofort bei mir ein. Plötzlich stürmt Orlando hinein und bedrängt Dorinda, ihm zu sagen, was mit Angelica und Medoro sei. Dorinda zegt ihm das Schmuckstück, klârt ihn über die wahren Liebesverhältnisse auf und geht dann mit einer weiteren sehr schônen Arie weinend zu Bett. Am Ende löscht sie ihre Kerze aus und man hört nur noch ihr Schluchzen. Eine Szene, die die ganze Bandbreite dieser Rolle zwischen Soubrette und Tragödin zeigt und die mich in ihrer modernen Intimitât sehr überrascht hat. Soetwas sieht man normalerweise nur in Opern des 20 Jh.
Orlando wird nun zum Orlando furioso und von allen Geistern der Eifersucht und Rachlust heimgesucht. Es folgt eine furiose Arie, in der Tänzer mit Tiermasken- Monster aus Bildern von Hieronymus Bosch- um ihn herumtanzen. Das Unterbewusste nimmt buchstäblich Gestalt an. Angelica und Medoro rüsten derweil zum Aufbruch, sprich zur Flucht- von Zoroastro angetrieben. Schweren Herzens verabschieden sie sich von ihren loecus amoenus, einer Rokokko-Bühne auf der Bühne, voller lieblicher Bäume . Medoro ritzt beider Namen in einen Stamm, Angelica lâsst sich ihr Gepâck richten- eine sehr komische Szene, in der die marionettenartig tanzenden Diener die gesamten Reiseutensilien einer Dame auf der Bühne stapeln. Zuletzt kommt das Schosshündchern- wieder ein Fragonard und Angelica trägt dazu Hut und Kostüm, das einem Bild von Boucher oder Gainsborough entsprungen zu sein scheint. Die Malerei der Epoche ist allezeit präsent. Die Kostüme sind im übrigen wieder einmal Extraklasse(typisch bei Mc Vicar) und das(mein) Auge erfreut sich daran ungemein. Der wahnsinnig gewordene Orlando stürmt nun die Szene, entdeckt die eingeritzten Buchstaben und verfolgt Angelica mit seiner Wut. Medoro erweist sich als feiges Weichei und Zoroastro rettet Angelica im letzten Moment vor den Mordgelüsten Orlandos in eine rauchende Zauberszenerie.
Rideamus (12.10.2010, 07:48): Original von Fairy Queen
Unterdessen wollen Medoro und Angelica Dorinda beschwichtigen und Angelica schenkt ihr ein kostbares Schmuckstück, dass sie von Orlando bekommen hat. Sie singen das herrliche und in der Barockliteratur einzigartige Terzett "Consolati o bella". Rideamus Weihnachts- Râtsel-Kandidaten ist es bereits wohlbekannt! :D
Liebe Fairy,
vielen Dank für diese anschauliche Beschreibung eines offensichtlich ganz besonderen Ereignisses, und danke, dass Du Dich an das Weihnachtsrätsel erinnert hast. Allerdings lief es damals nur bei CAPRICCIO, weshalb ich hier mal den Link zu dem Stichwort einstelle: http://www.capriccio-kulturforum.de/r%C3%A4tselhaftes-und-spielerisches/p52186-tipps-und-l%C3%B6sungen-zum-adventsr%C3%A4tsel-g%C3%A4nsehautensembles/?highlight=Consolati#post52186
Seither habe ich übrigens noch einen weiteren YouTube-Link zu dem Terzett - diesmal mit Countetenor - gefunden: http://www.youtube.com/watch?v=TCNa3wgeX14
Wirklich ein herrliches Terzett und eine wunderschöne Oper, die hoffentlich dereinst mal aufgezeichnet wird.
:hello Rideamus
Fairy Queen (12.10.2010, 10:38): Lieber Rideamus, diese Version gefällt mir persönlich wesentlich besser:
http://www.youtube.com/watch?v=2xBfMutea9k&feature=related Aber der Charakter ist viel ironischer und "bösartiger" als in Lille, was noch dadurch verstärkt wird, dass Dorinda farbig ist und eine Schwesterntracht trägt und Angelica und Medoro als oberflächliche amüsierwütige Dandy-Naturen erscheinen. Dorinda soll hier ja quasi gezwungen werden, sich gefälligst "zu trösten", wenn nicht dann...... :D Musikalisch und gesanglich ist das sehr schôn gemacht, aber eben nur eine mögliche Interpretation. Die Dorinda Lucy Crowe in Lille war dagegen eine echte Konkurrenz in Medoros Gunst zu Angelica, genauso attraktiv und blond und keine barmherzige Loserin a priori. Diese Züricher Inszenierung schient aber in jedem Fall interessant zu sein und eine echte Altenative zu Mc Vicar's Sicht der Dinge. Ich versuche davon, noch weitere Szenen zu ergattern und freue mich auf Sevis Ohren/Augenzeugen-Bericht!
F.Q.
Fairy Queen (12.10.2010, 10:53): P.S. Ich habe bei der Gelegenheit gerade eine Vorschau zum Orlando an der komischen Oper Berlin entdeckt......
Wo McVcar/ Haïm auf Schônheit setzen scheint da nur das Schrille und Groteske zu regieren. Für mich sieht das erstmal zum Abgewöhnen aus, zumal es offenbar in deutscher Sprache stattfindet..... X( Wie der arme Orlando hier wohl seine Koloraturen in deutsch schafft, kann mir dann hoffentlich Heike erzählen :D Die Grundidee, dass einer nicht das bekommt, was er eigentlich liebt und die Geschlechterfrage da vollkommen egal ist (es scheinen alle Rollen bis auf Zoroaste weiblich besetzt zu sein, wobei man allerdings die Aufmachung der weiblichen Wesen mit androgyn noch untertrieben beschreibt) na ja.. Das Einzige was mir gefallen hat, ist die Aussage, dass Dorinda anders als Orlando nciht wahnsinnig wird, sondern sogar geläutert aus dieser Erfahrung hervorgeht. Sie ist m.E. sowieso die interessanteste und vielschichtigste Figur dieser Oper.
Aber wer eine solche Ladung Schônheit abbekommen hat wie ich bei Haïm und McVicar, kann vor diesen grotesken Zerrbildern erstmal gar nicht anders reagieren. Ich hoffe jedenfalls auf Augen/Ohrenzeugen aus Berlin.
F.Q.
Fairy Queen (12.10.2010, 13:18): Abschliessend der dritte und letzte Akt des Orlando: es wird düster und der Irrsinn Orlandos führt nun zu Mord und Totschlag. Wenn da nciht die Magie des Zoroastro wäre, gäbe es am Ende nur noch Dorinda und Orlando. Im übrigen könnte man sich fragen : warum werden diese Beiden an der Liebe so Leidenden eigentlich kein Paar, das wâre eigentlich das Logischste....????
Zu Beginn des Aktes versteckt Dorinda Medoro in ihrer Dienstbotenkammer- er ist von Angelica geschickt worden , auf der Flucht vor Orlando und schämt sich nciht, die arme Dorinda weiter schamlos auszunutzen. Aber Orlando, von allen Monster seiner eigenen Unterwelt gejagt, spürt Medoro auf. Sein Gesang wird immer moderner und fûr Händelsche Verhältnisse geradezu ungeheuerlich. Elegische Melodiefetzen,wirre Ariosi, dann wieder Koloraturausbrüche- der Wahnsinn zwingt hier der Musik seine Logik auf und nciht umgekehrt. Kurz und gut: Orlando brennt Dorindas Behausung nieder, Medoro kommt dabei um. Dann macht er sich auf, Angelica zu suchen und Rache zu nehmen. Auf der Bühne sieht man den loecus amoenus in Qualm und Rauch- mit Schâferspielen und Rokoko- Liebesfreuden ist es vorbei. Dorinda hat nun endgültig der Liebe abgeschworen und das wird ganz wunderbar und witzig vermittelt: in einer Koloraturarie zu der sie auch tanzt, jagt sie Amor jedesmal, wenn der sich wieder nähern will, wütend weg und wirft ihm am Ende das Herz vor die Füsse. Sie schafft es, sich ganz alleine aus den Fängen dieses trügerischen Gottes zu befreien. Ganz im Gegensatz zu Orlando, der nach dem Mord an Angelica in einem tiefen Erschöpfungs-Schlaf fällt, dabei auf einem Tisch liegt, der nach oben gezogen wird und eine Art Hypno-Therapie erlebt. Die Magie des Zoroastro bewirkt jedenfalls, dass er erwachend seinen Wahn erkennt und bereut und beschliesst, nur noch dem Heldentum zu leben und der Liebe abzuschwören. Er zieht eine schwarze Ritterrüstung an und gibt Medoro und Angelica, die der Unterwelt dank Zoroastro entronnen sind, sogar seinen Segen. Selbstüberwindung nennt Zoroastro das.... Katharsis nach überstandenem Wahnsinn. Damit ist die Oper bei Mc Vicar aber noch nciht zu Ende- eine serh wichtige Szene kommt noch: Amor ist seines Glitzerkostïums entledigt und liegt nun seinerseits auf dem Seziertisch, man sieht eine klaffende offene Wunde auf seiner Brust und grosse schwarze Flügel hângen ihm von den Schultern. Was will uns der Dichter damit sagen??????? :wink
F.Q.
Severina (12.10.2010, 14:52): Liebe Fairy, ich wollte gestern Deine farbige Schilderung in Fortsetzung :down :down :down nicht durch Zwischenbemerkungen unterbrechen, aber natürlich habe ich begierig auf jedes weitere Kapitel gewartet :D! Ich bin ja nicht so ein großer McVicar-Fan wie Du (Ich sage nur "Manon" :wink), aber dieser Orlando würde wahrscheinlich auch mich überzeugen. Wie Du es beschreibst, wirkt alles absolut logisch und mitreißend, besonders die Idee mit dem allgegenwärtigen Amor finde ich sehr hübsch. Natürlich steht seine Inszenierung in totalem Kontrast zu Herzogs Arbeit in Zürich, aber genau das finde ich ja immer so faszinierend: Zwei völlig verschiedene Ansätze, und jeder funktioniert! Ich bin im Moment ziemlich im "Kulturstress" (heute Abend Theater, Donnerstag "Ariadne", Freitag GP zu "Cardillac"), möchte mir aber die Orlando-DVD noch einmal anschauen, weil die Vorstellung doch schon einige Zeit zurückliegt und ich mich nicht mehr an jede Szene erinnere, aber eine Besprechung der Herzog-Inszenierung folgt!!
lg Sevi :hello
Heike (12.10.2010, 17:17): Liebe fairy, Ich hoffe jedenfalls auf Augen/Ohrenzeugen aus Berlin. Ich hab mir den 27.10. freigeplant und werde berichten. Ich wollte mir die Oper sowieso ansehen (ich liebe Händel), es gab nur Terminprobleme und die habe ich jetzt ausgeräumt. Danke schonmal für die wunderbare Einführung! Heike P.s. an der KOB wird - wie zu Felsensteins Zeiten - immer und alles in deutsch gesungen.
Fairy Queen (12.10.2010, 19:19): Ich hab ein bisschen lange gebraucht, weil ich immer die freien Zeiten genutzt habe und euch auch nicht alles auf einmal um die Ohren knallen wollte. Nun fehlt aber noch die Moral von der Geschicht und die würde ich gerne im Vergleich mit Sevis Züricher Orlando rausarbeiten. Überwindung der eigenen Leidenschaften? Mars contra Venus? Wahnsinn wird gesellschaftsfähig- zumindest auf der Opernbühne? Liebe macht krank?
Bin sehr gespannt, was die Zürcher und Berliner damit gemacht haben. Warum ist der Orlando nciht so bekannt geworden wie Alcina oder giulio Cesare? F.Q.
Liebe Heike, das mit der KOB und ihrem Übersetzungstick weiss ich ja, aber wie man diese Wahnsinns-Koloratur in deutsch singen will musst du mir dann genau berichten. ?(
Liebe Sevi, fröhlichen Kultur-Stress! :engel
Heike (28.10.2010, 08:50): So, ich habe mir nun gestern den Orlando in der KOB Berlin angesehen:
Musikalische Leitung ... Alessandro De Marchi Inszenierung ... Alexander Mørk-Eidem Deutsche Textfassung von Werner Hintze
Orlando ... Mariselle Martinez Angelica ... Brigitte Geller Medoro ... Elisabeth Starzinger Dorinda ... Julia Giebel Zarathustra ... James Creswell Isabella, Zarathustras Assistent ... Bernd Stempel
Zunächst mal: Das ist sehr schöne Musik, wie so oft bei Händel hat es mich sehr rasch in einen schönen Strudel von Melodien und Stimmungen hineingezogen. Das Orchester hat mir gefallen, es hatte 2 sehr gelungene Continuo- Gruppen mit teilweise alten Instrumenten: 2x Cembalo, Theorbe. Viola d'amore, eine Erzlaute. Die Musiker saßen sehr hoch im Graben, umringt von einer Sitzbank, auf der hin und wieder einzelne Platz nahmen, um solistische Passagen zu spielen.
Die Sänger bis auf Zarathustra alles Frauen. Von der Dame Orlando war ich ein bißchen enttäuscht, da hätte ich vermutlich doch lieber einen Counter oder wenigstens eine dunklere Stimme gehört. Zudem sang Frau Martinez deutsch mit starkem Akzent, was mich störte - weil es unter den anderen auch sehr herausfiel. Die anderen drei Frauen sangen ordentlich, am schönsten Dorinda (auch wenn sie am Anfang gleich den Text vergaß). Bei den Koloraturen merkte man, dass nicht erster Klasse Sänger am Werk waren: das war zwar nicht schlecht, aber auch nicht so, dass man vor Ehrfurcht tief durchatmete. Ich glaube nicht, dass es am deutschen Text lag, das hat mich eigentlich nicht gestört, da es recht stimmig übersetzt war. Zarathustra fiel mir weder positiv noch negativ auf.
Zur Inszenierung: Das Stück ist auf einen schwedischen Campingplatz im Wald verlegt. Zarathustra mutet wie ein Guru an - und er hat eine (männliche) Assistentin im lila 70er Jahre-Kostüm: Isabella. Spätestens hier beginnt das Ärgernis: Isabellas Aufgabe besteht hauptsächlich darin, Papiertaschentücher und Trösterchen zu verteilen und wieder einzusammenln: Alkohol in verschiedener Form, Joints, Pilze, Pillen. So kam es zum Beispiel zu solchen Szenen, dass die wunderschöne Nachtigallen-Arie durch die dahinter mit einem Mülleimer rumschlurfende Isabelle gerahmt wurde. Und als Höhepunkt der Peinlichkeiten läuft Isabella auf der Suche nach dem "göttlichen Wasser" auch noch laut schreiend durch den Saal raus ins Foyer, um vor Freude geifernd mit einem Sixpack Selters wiederzukommen. Dümmliche und völlig überflüssige Rolle. Auch der Rest der Inszenierung hatte nichts, was positiv erwähnenswert war. Also das war mal wieder eine Regie unter der Überschrift "die Leute sind dumm und man muss sich auf ihr Niveau einstellen".
Glücklicherweise war es musikalisch recht gelungen, so dass der Genuss alles in allem nicht zu kurz kam. Heike
Heike (28.10.2010, 08:57): Nun fehlt aber noch die Moral von der Geschicht und die würde ich gerne im Vergleich mit Sevis Züricher Orlando rausarbeiten. Erstmal stellt sich mir hier in dem Stück die Frage: Kann man der Liebe, speziell der unerwiderten, mit Argumenten der Vernunft und Verantwortung begegnen?
Was für ein Bild ergibt ein Ritter bei uns, der die Selbstkontrolle bzw. den Verstand verliert? Macht man das lächerlich (wie in Berlin) oder ist das doch eher tragisch? Heike
Fairy Queen (28.10.2010, 12:46): Liebe Heike, danke für deinen Bericht, der so ziemlich das bestätigt, was ich mir von dem Trailer bereits erwartet hatte. Nach meienr erfahrung Haïm/Mc Vicar und erstklassige Sänger hätte ich vermutlich weit weniger wohlwollend Kritik geübt.....
Unerwiderte Liebe, die bis zur selbstentäusserung, sprich Wahn-Sinn führt, ist niemals lächerlich gewesen und wird es es auch niemals sein. "Doch wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei"- egal ob Ritter oder Hippie! Natürlich fehlt es nicht an Komik, wenn grosse Helden wie Orlando angescihts der Liebe zu Narren werden bzw sich zum Narren machen, aber die Ironiespuren in der Oper bedeuten noch lange nciht, dass das Sujet als solches lächerlich ist. Ich glaube übrigens nicht, dass man Liebes-Leidenschaft mit Argumenten der vernunft begegnen kann. Das einzige Heilmittel in schweren Fällen ist leider die Zeit, im Verbund mit der totalen Desillusionierung seitens des geliebten Subjekt. Und dann hängt es vom Typus des Betroffenen ab, ob er wahnsinnig oder gewaltittätig oder depressiv wird oder sich hineinfügt.
Jedenfalls macht deine Kritik des Orlando meine Vorbehalte gegen die KOB eher grösser, was aber neben solchen Inszenierungen vor allen Dingen auch daran liegt, dass ich keine übersetzten Opern hören will. F.Q.
Heike (28.10.2010, 17:55): Hallo Fairy, ja, so sehe ich das auch. Man hätte doch ganz große Fragen aufwerfen können mit diesen Liebesgeschichten, man hätte den verschiedenen Umgang mit unerfüllter Liebe ausdeuten können, man hätte diese Unmöglichkeit der Vernunftargumente gegen die Größe der Leidenschaften zeigen können. Oder wenn man es schon nicht vielschichtig hinkriegt - hätte man wenigstens die individuelle Tragik darstellen können, da findet sich doch jeder wieder.
Was die KOB angeht, die haben sich in den letzten Jahren, spätestens aber seit dem Weggang von Kirill Petrenko nicht zu ihrem Vorteil entwickelt. Bis auf die zumindest sehenswerte, wenn auch streitbare Armida- Inszenierung von Bielto habe ich da lange nichts wirklich gutes gesehen. Vielleicht wird es ja wieder inniovativer, wenn der jetzige Stab unter Homoki und St. Clair demnächst ausgetauscht wird. Heike
Severina (28.10.2010, 23:28): Original von Heike Was die KOB angeht, die haben sich in den letzten Jahren, spätestens aber seit dem Weggang von Kirill Petrenko nicht zu ihrem Vorteil entwickelt. Bis auf die zumindest sehenswerte, wenn auch streitbare Armida- Inszenierung von Bielto habe ich da lange nichts wirklich gutes gesehen. Vielleicht wird es ja wieder inniovativer, wenn der jetzige Stab unter Homoki und St. Clair demnächst ausgetauscht wird.Heike
Au weia, und in Zürich erhoffen sich viele von Homoki &Co frischen Wind und vor allem innovatives Regietheater!
Sorry für dieses OT - aber meine Besprechung des Züricher Orlando kommt noch!!!!! lg Sevi :hello
Rideamus (12.11.2010, 15:56): Gerade erfahre ich, dass diese Produktion des ORLANDO FURIOSO, und zwar die Aufführung vom 3.11. aus Paris, morgen um 19:00 von Radio France in folgender Besetzung gesendet wird:
Das ersetzt zwar keine DVD der Aufführung, aber wer kann, sollte die Übetragung wohl trotzdem mitschneiden (lassen).
:hello Rideamus
Fairy Queen (12.11.2010, 18:29): Ich schliesse mich Rideamus an: auch rein musikalisch und ohne Szene lohnt das- besonders weil so selten gespîelt und hier hervorragend ausgeführt. Bon plaisir! F.Q.
Jürgen (13.11.2010, 17:30): Original von Rideamus Gerade erfahre ich, dass diese Produktion des ORLANDO FURIOSO, und zwar die Aufführung vom 3.11. aus Paris, morgen um 19:00 von Radio France in folgender Besetzung gesendet wird: