Beethovens Kosmos der 9 Sinfonien zieht immer wieder die Aufmerksamkeit der meisten Musikfreunde auf sich. Seit nahezu hundert Jahren können Liebhaber Beethovens Musik via Tonträger immer wieder hören, 1913 spielte Artur Nikisch mit den Berliner Philharmonikern die 5. Sinfonie zum erstenmal ein. Seitdem hat sich die Aufnahme- als auch die Wiedergabetechnik schrittweise enorm gewandelt. Es ist heute nicht abzusehen, ob die herkömmlichen Formen der Musikverbreitung Bestand haben oder durch andere Medien abgelöst werden. In diesem Thread möchte ich alle erschienenen Gesamtaufnahmen der 9 Sinfonien auflisten, soweit sie mir bekannt sind. Es geht hier ausdrücklich nur um Gesamteinspielungen, Diskussionen einzelner Sinfonie sollten in gesonderten Threads abgehandelt werden.
Felix Weingartner, Wiener Philharmoniker, London Symphony Orchestra, EMI, 1927-1938 Arturo Toscanini, NBC Symphony Orchestra, diverse Labels, 1939 Wilhelm Mengelberg, Concertgebouw Orchester Amsterdam, Philips, 1940 Arturo Toscanini, NBC Symphony Orchestra, RCA, 1949-1953 Bruno Walter, New York Philharmonic Orchestra, Philadelphia Orchestra (6.), CBS, 1946-1952 Josef Krips, London Symphony Orchestra, Pye, ~ 1950 Herbert von Karajan, Philharmonia Orchestra London, EMI, 1951-1955 Eugen Jochum, Berliner Philharmoniker, Sinf.Orch.des Bayer.Rundfunks, DGG, 1952-1961 Hermann Scherchen, Orch.der Wiener Staatsoper, Royal Philharm.Orch., Westminster, 1952-1958 Carl Schuricht, Conservatoire Orchester Paris, EMI, 1957-1959 Otto Klemperer, Philharmonia Orchestra London, EMI, 1957-1960 Stereo-Aufn., 1955-57 auch mono Produktionen, jedoch kein vollständiger Zyklus Günter Wand, Gürzenich Orchester Köln, jetzt Testament, 1955-1957 Andre Cluytens, Berliner Philharmoniker, EMI, 1957-1960 Bruno Walter, Columbia Symphony Orchestra, CBS, 1958-1959 George Szell, Cleveland Orchestra, CBS, 1958-1966 Franz Konwitschny, Gewandhausorchester Leipzig, Berlin classics, 1960-1961 William Steinberg, Pittsburgh Symphony Orchestra, Command classics, ~ 1960 René Leibowitz, Royal Philharmonic Orchestra, Chesky, 1961 Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker, DGG, 1961-1962 Leonard Bernstein, New York Philharmonic Orchestra, CBS, 1961-1969 Erich Leinsdorf, Boston Symphony Orchestra, RCA, 1962-1969 Paul Kletzki, Tschechische Philharmonie, Supraphon, 1964-1968 Hans Schmidt-Isserstedt, Wiener Philharmoniker, Decca, 1965-1969 Eugen Ormandy, Philadelphia Orchestra, CBS, 1966 Eugen Jochum, Concertgebouw Orchester Amsterdam, Philips, 1967-1969 Karl Böhm, Wiener Philharmoniker, DGG, 1971 Janos Ferencsik, Ungarische Staatsphilharmonie, Hungaroton, 1971-1975 Georg Solti,Chicago Symphony Orchestra, Decca, 1972-1974 Kurt Masur, Gewandhausorchester Leipzig, Philips, 1972-1974 Rudolf Kempe, Münchner Philharmoniker, EMI, 1973 Rafael Kubelik, neun verschiedene Orchester, DGG 1973-1975 Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker, DGG, 1975-1977 Herbert Blomstedt, Sächsische Staatskapelle Dresden, Berlin classics, 1975-1980 Eugen Jochum, London Symphony Orchestra, EMI, 1976-1977 Leonard Bernstein, Wiener Philharmoniker, DGG, 1977-1979 Lorin Maazel, Ceveland Orchestra, CBS, 1979 Kurt Sanderling, , Philharmonia Orchestra London, EMI, 1980 Otmar Suitner, Staatskapelle Berlin, Denon, 1980-1983 Herbert Kegel, Dresdner Philharmonie, Capriccio, 1982-1983 Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker, DGG, 1982-1985 Roy Goodman, The Hanover Band, Nimbus, 1982-1988 Christoph von Dohnanyi, Cleveland Orchester, Telarc, 1983-1988 Christopher Hogwood, Academy of Ancient Music, Decca, 1983-1989 Peter Maag, Orchestra di Padova e del Veneto, Arts, 1994-1995 Günter Wand, Sinfonie-Orchester des NdR, DHM/EMI/RCA, 1985-1988 Bernard Haitink, Concertgebouw Orchester Amsterdam, Philips, 1985-1987 Claudio Abbado, Wiener Philharmoniker, DGG, 1985-1988 Riccardo Muti, Philadelphia Orchestra, EMI, 1985-1988 Roger Norrington, London Classical Players, Virgin, 1986-1988 Wyn Morris, London Symphony Orchestra, Pickwick, 1986-1988 Michael Gielen, Sinfonie-Orchester des Südwestfunks, Intercord/EMI, 1986-1994 Kurt Masur, Gewandhausorchester Leipzig, Philips, 1987-1992 Richard Hickox, Nothern Sinfonia, ASV, 1988 Walter Weller, City of Birmingham Symphony Orchestra, Chandos, 1988 Frans Brüggen, Orchester des 18. Jahrhunderts, Philips, 1989-1992 Nikolaus Harnoncourt, Chamber Orchestra of Europe, Teldec, 1990-1991 Wolfgang Sawallisch, Concertgebouw Orchester Amsterdam, EMI, 1991-1993 Colin Davis, Sächsische Staatskapelle Dresden, Philips, 1991-1993 John Eliot Gardiner, Orch. Revolutionaire et Romantique, DGA, 1991-1994 David Zinman, Tonhalle Orchester Zürich, Arte Nova, 1997-1998 Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Teldec, 1999 Claudio Abbado, Berliner Philharmoniker, DGG, 1999-2000 Simon Rattle, Wiener Philharmoniker, EMI, 2002 Jaap van Zweden, Residenz Orchester Den Haag, Philips, 2002-2003 Roger Norrington, SWR Sinfonie-Orchester Stuttgart, hänssler, 2002-2003 Bernard Haitink, London Symphony Orchestra, LSO, 2005-2006 John Nelson, Ensemble Orchestral de Paris, naïve, 2005-2006 Stanislaw Skrowaczewski, Radio Sinfonie-Orchester Saarbrücken, Oehms, 2006 Charles Mackerras, Scottish Chamber Orchestra, hyperion, 2006 Michail Pletnjew, Russisches National Orchester, DGG, 2006
Einige Forianer werden Wilhelm Furtwängler vermissen, da doch EMI eine CD-Box mit allen 9 Sinfonien anbietet. Hier handelt es sich jedoch um eine Sammelkassette aus live- und Studio-Aufnahmen mit verschiedenen Orchestern, aufgenommen zwischen 1948-1953. Bei der Jochum-Ausgabe der DGG verhält es sich ähnlich. Die Firma nahm in den frühen 50er Jahren die Sinfonien mit Fricsay (1+8), Lehmann (2) und Böhm (5) auf. Jochum dirigierte die Sinfonien Nr.3, 4, 6, 7 und 9, alle Aufnahmen, außer 9., mit den Berliner Philharmonikern. Mit Beginn der Stereo-Aufzeichnung vervollständigte Jochum seinen Zyklus mit den Sinfonien 1, 2, 5 und 8, die 4. wurde nochmals 1961, kurz vor Karajan, aufgezeichnet. Auch mit Pierre Monteux gibt es die 9 Sinfonien. Nr.1-8 mit den Wiener Philharmonikern und dem London Symphony Orchestra bei Decca, 1957-1961. Die 9. wurde von Westminster mit dem London Symphony Orchestra 1962 aufgezeichnet, Arturo Toscaninis Hinterlassenschaft aus 1939 sind eigentlich Rundfunkmitschnitte öffentlicher Konzerte aus der Nachweihnachtszeit, im CD-Zeitalter wurden sie wiederentdeckt und auf den Markt gebracht.
Irrtümer nicht auszuschließen.
Grüße Amadé
teleton (08.10.2007, 08:04): Hallo Rachmaninov,
Du interessiert Dich für Solti´s Beethoven.
Ich habe diese GA auch vor mehr als 15Jahren auf meine ehemalige Anonce als CD-Suchender (in der ANNONCE Bonn) superpreiswert von einem Nichtklassikhörer gekauft.
Die Aufnahmen finde ich rundum gut und angemessen; sie wurden in der Kritik sogar schon als Referenzeinspielungen bezeichnet. Solti dirigiert ja auch sauber mit nicht fehlender Dramatik. Leider bietet Solti bei Beehoven insgesamt nicht dieses aussergewöhnliche seiner sonstigen Interpretationnen - mich stört auch die im Vergleich zu Karajan (DG1962, 1977, 1984), Szell (SONY) und Bernstein (SONY und DG) seine wesentlich langsamere Tempowahl. Meine Solti-Favoriten sind die Sinfonien Nr.1 und 2; weniger mag ich die Nr.5 mit ihm da mir hier eindeutig die Dramatik fehlt - verwunderlich gerade bei Solti. Er hat auch gerade diese Sinfonie Nr.5 dann auch danach nochmal mit den Wiener PH neu aufgenommen, vermutlich weil er selbst die Defizite erkannt hat - soll eine TOP-Aufnahme sein.
:beer Meine Favoriten für die Beethoven Sinfonien sind zunächst mal die Karajan-Aufnahmen. Karajan´s Interpretationen haben sich (zum Glück) von 1962-1984 nicht grundlegend geändert. Nicht nur aus klangtechnischen Gründen finde ich daher die DG-Aufnahmen von 1977 am besten, die wenig im vergleich zur 62er-Aufnahme rauschen. Den Aufnahmen von 1984 wirft man oft den unnatürlichern DDD-Klang vor - dies trifft sicher nicht auf alle zu - die Sinfonie Nr.6 (DG-Karajan 1984) ist astrein. Ich meine den natürlichsten Klang bieten seine 1977er-DG-Aufnahmen, denen ich amnahesten stehe. Für die Sinfonie Nr.5 gibt es für mich keine bessere Aufnahme als Karajan (DG1977).
Meine weiteren Favoriten sind Szell / Cleveland Orchestra (SONY) und Bernstein / New Yorker PH (SONY), die ich erst dieses Jahr kennengelernt habe. Seit vielen jahren schätze ich Bernsteins Wiener-GA, besonders die Nr.3 und 6 sind dort meine Lieblinge, aber was bernstein an jugendlicher frische mit aller nötigen Dramatik in New York an den Tag legte ist einmalig. Trotz fast gleicher Aufnahmedaten mit Szell ist Bernstein´s Aufnahme mit hervorragendem SONY-Remastering klanglich TOP gelungen und was Bernstein Emotionen liefern ist Gänsehaut pur. :beer Müßte ich mich heute für eine GA für die Insel entscheiden - ich würde die SONY-Box mit Bernstein nehmen.
teleton (11.10.2007, 12:32): Hallo Beethoven - Freunde,
als ich mir den Thread gerade durchgelesen habe, hatte ich lange Karajan vermisst, der erst auf der 2.Seite durch Rachmaninov´s Beitrag wurde Karajans 1963er-Aufnahme gelobt.
:beer Karajan und Beethoven gehört für mich seit meiner frühesten Jugend zu einer festen Einheit ! Inzwischen haben sich bei mir alle DG-Karajan-Aufnahmen vom 1963er, - 1977er und 1884erDDD-Zyklus angesammmelt. Da er sein Interpretationskonzept (zum Glück) nicht grundlegend geändert hat schätze ich aus klangtechnischen Gründen die 1977er-Aufnahme am höchsten ein, da ich diese für die klanglich natürlichste halte und diese nicht so rauscht wie die aus den 60ern.
Meine weiteren GA sind Solti (Decca), Zinmann (Arte), Blomstedt (Brillant)-nur Nr.8 behalten, Szell (SONY) - TOP, aber klanglich nicht so gut wie Bernstein (SONY), Bernstein (DG). Einzelaufnmahmen nur Nr.5 und 7 Kleiber(DG).
Die Beethoven-Sinfonien mit Leonard Bernstein sind auch ein sehr schönes und wichtiges Thema für diesen Thread.
:) Die DG-Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern nenne ich seit fast 20Jahren zu meinen oft gehörten CD´s. Besonders die Sinfonie Nr.3 und 6 gehören hier zu den ganz herausragenden Einspielungen.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3656606.jpg Wiener Philharmoniker / Leonard Bernstein DG, Aufnahmen 1977-1979, ADD
In der Stereoplay wurde diese DG-Aufnahme als Klangbeste Beethoven-Sinfonien-GA überhaupt bezeichnet.
Aufgrund von Kritiken, Besprechnungen und guten Beurteilungen zur CBS-Aufnahme Sinfonie Nr.3 mit den New Yorker PH habe ich mir alle Beethoven - Sinfonien auch in dieser Aufnahme zugelegt, die ich seit einigen Monaten zu Hause habe. Diese enthaltenen 6CD´s gibt es alle als SONY-Einzel-CD´s in mehreren unterschiedlichen Auflagen bei SONY (Royal-Edition und Bernstein-Edition).
http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/619aQZSUbYL._SS500_.jpg New Yorker PH / Leonard Bernstein SONY, Aufnahmen 1957(Violinkonzert), 1961-1967 ADD
:down Welche eine positive Überraschung ! Die Aufnahmen klingen natürlicher als die so toll beurteilten DG-Aufnahmen und diese CBS-Aufnahmen von 1961-1964 (Sinfonien) haben einen noch jugendlicherern Schwung als Bernsteins spätere Aufnahmen.
:W Zu meiner Freude möchte ich bemerken: Die Spielzeiten sehr vieler Beethoven-Sätze sind denen der Karajan-Interpretationen nicht unähnlich, was ich ausdrücklich begrüße. Die CBS-Aufnahmen aus New York finde ich insgesamt besser und diese sind für meinen Geschmack den DG-Aufnahmen von Bernstein sogar noch vorzuziehen !
Während die Sinf.Nr.5 bei DG auf mich eher harmlos wirkt (da ziehe ich :wink Herbert weit vor), ist die alte Bernstein-Aufnahme von einer aufwühlenden Emphase gekennzeichnet, die auch im 1.Satz das langsamer als gewohnete Tempo hier in diesem Falle verträgt.
Die Sinfonie Nr.3 ist in ihrem dramatischen Gestus genau so fantastisch, wie die DG-Aufnahme.
Die Sinfonien Nr.1, 2 und 8 begeistern mich voll. Meine favorisierten Szell-Aufnahmen aus Cleveland klingen lange nicht so natürlich und sind klangtechnisch eindeutig schlechter und verrauscht, obwohl fast gleiche Aufnahmedaten gegeben sind. :engel Das bedeutet, auch von der Interpretation, eine Favorisierung Richtung Bernstein !
In der Sinfonie Nr.4 läßt Bernstein zu Beginn es nicht so ruhig angehen, wie es sein sollte - er hat gleich Allegro im Kopf. Aber was dann folgt ist eine wunderbare Nr.4.
Die Sinfonie Nr.9 steht zusammen mit Karajan (1977) fortan an der Spitze meiner Aufnahmen - kurz und bündig: Eine Wucht !
:beer Das könnte der "beste Kauf 2007" bei mir werden !
daniel5993 (11.10.2007, 14:34): Hallo Wolfgang!
Während die Sinf.Nr.5 bei DG auf mich eher harmlos wirkt (da ziehe ich icon_wink Herbert weit vor), ist die alte Bernstein-Aufnahme von einer aufwühlenden Emphase gekennzeichnet, die auch im 1.Satz das langsamer als gewohnete Tempo hier in diesem Falle verträgt.
Der erste Satz der fünften strotzt nur so von Tragik und Schmerz, diese langsam und drohend ausgeführten Schläge, die man bei keinem anderen findet als bei Bernstein, sind schockierend! Irgentwo meintest du mal, das dir darin komplett die Dramatik fehlt, welchen Eindruck ich nicht teile! Recht hast du dabei, das Karajan (1977) die Dramatik stärker aufkommen lässt! Für mich ist genau dieser langsame erste Satz, die Schläge langsam und bedrohlich ausgeführt, der "wahre" "Schicksalsschlag -Kopfsatz"! So muss es meiner Meinung nach klingen! allerdings bin ich noch nicht mit Bernsteins Sony Zyklus voll vertraut! Würde mich brennend interessieren, wie dort der erste Satz der 5 ausfällt!
Wie ist dein Eindruck von Beethovens 7 unter dem DGG - Bernstein? Mein absoluter TOP-Favourit, weit vor Herbert, 1963 und 1977! Bernstein voller Laune, unheimlich Kraftvoll!!! Die Besten und schönsten gespielten Klarinettensolos (oder Fagott, Oben .. weiß ich nicht so genau), welche ich je vernommen habe! Irgentwie hast du dich zur 7 garnicht geäußert.
Die 3 unter DGG, Bernstein ist auch für mich die geliebteste!
Gruß Daniel :J
teleton (12.10.2007, 08:08): Hallo Daniel,
es freut mich, dass Du meine Bernstein-Vorliebe teilst - :wink :D aber damit stehen wir garantiert nicht alleine da !
Die Beethoven: Sinfonie Nr.5 hat mir in der DG-Bernstein-Aufnahme nicht dieses wuchtige des Karajan. Sicher auch eine große Aufnahme, aber mein Eindruck die durch das langsamere Tempo ausgelöste verringerte Dramatik ist bei der SONY-Aufnahme mit den New Yorker PH nicht gegeben. Obwohl das Tempo für Beethoven 5 auch dort ungewöhnlich langsam ist, so erzielt er hier einen schicksaalshaften Ausdruck, der Deinen Worten für die DG-Aufnahme entspricht - phänomenal. Diese SONY-Aufnahme solltest Du unbedingt kennen lernen, da Dich die DG-Aufnahme schon begeistert, dann wirst Du hier "vom Hocker fallen".
Die Sinfonie Nr.7 ist mit Bernstein, Deinen Worten zustimmend eine toille, kraftvolle Interpretation. Hier schätze ich Karajan mit seinem höllischen Tempo, besonders im letzten Satz natürlich auch. Allerdings gehen dadurch Details verloren, die bei Bernstein (DG und SONY) präzise hörbar sind. Auch hier ziehe ich wegen der jugendlicheren frische die New Yorker Aufnahme vor, die zu meinen absoluten Favoriten der Nr.7 gehört (erst seit 2007). Wie er den letzten Satz von seinen New Yorker fetzen läßt ist "der Wahnsinn". Warscheinlich liegt es auch daran, dass mir die New Yorker besser leigen, als die Wiener PH. Der Klang ist bei beiden Aufnahmen, trotz des Altersunterschiedes sehr gut. Ein Jammer, das die von mir ebenfalls hochgeschätzten Szell-Aufnahmen (SONY) mit sehr zeitnahen Aufnahmedaten wie Bernstein (SONY) technisch um so viel schlechter und verrauschter ist.
-
Ich besitze seit vielen Jahren zum Interpretationsvergleich die vielgelobte Kleiber-Aufnahme der Sinfonien Nr.5 und 7 (DG). Nicht zuletzt wegen den vielen Empfehlungen. Die Einspielungen sind gut - ohne jede Kritik. Aber so umwerfend und herausfallend, wie einige schreiben finde ich diese Aufnahmen nicht. Da gehen meine Vorlieben klar Richtung Bernstein, Karajan und Szell.
Solti mit dem CSO (Decca) ist bei der Sinfonie Nr.5 zu konservativ und für ihn ungewöhnlich (für meinen Eindruck) zu soft. Warscheinlich hat er dieses Manko selber später empfunden und hat bei Decca die Nr.5 mit den Wiener PH nachgeholt - hier dann so wie es sein soll. Bei der Solti-GA (Decca), die in der Kritik als Referenz bezeichnet wurde (er beachtet auch alle WDH-Zeichen) stört mich persönlich das langsame Tempo. Klar - ich bin durch Karajans rasanten Beethoven geprägt.
Obwohl das Tempo für Beethoven 5 auch dort ungewöhnlich langsam ist, so erzielt er hier einen schicksaalshaften Ausdruck, der Deinen Worten für die DG-Aufnahme entspricht - phänomenal.
Darauf bin ich gespannt!
Diese SONY-Aufnahme solltest Du unbedingt kennen lernen, da Dich die DG-Aufnahme schon begeistert, dann wirst Du hier "vom Hocker fallen".
Das ist doch n Wort! Das nenne ich Überzeugungsarbeit! Gegen Ende dieses Monats habe ich "Diese" bei mir im Regal stehen und dann melde ich mich hier wieder! :J
Gruß Daniel :beer
Amadé (12.10.2007, 17:13): @ teleton
Hallo Wolfgang,
die Beethoven-Sinfonien mit den Wiener Philharmonikern und Solti für Decca wurden nicht nach, sondern vor der DG-Aufnahme produziert, und zwar Nr.5 und 7 1958, Nr.3 ein Jahr später im Wiener Sophiensaal. Das war die Zeit, als Solti mit dem Ring des Nibelungen begann. http://ecx.images-amazon.com/images/I/41EWXGVSSHL._AA240_.jpg
Auf eine andere 5. mit Bernstein und dem SO des Bayer.Rundfunks möchte ich noch aufmerksam machen, die anlässlich eines Benefizkonzerts 1977 im Münchner Herkulessaal mitgeschnitten wurde. Sie wurde vor kurzem in einer neuen Bernstein-Box wiederveröffentlicht. http://ecx.images-amazon.com/images/I/41LFYKVl9sL._AA240_.jpg
Gruß Bernd
Amadé (14.10.2007, 21:06): Forianer,
nun liegen auch die 9 Beethoven-Sinfonien mit dem Russischen National Orchester unter Leitung von M.Pletnjew vor.
Wer seine Klavieraufnahmen mit Sonaten etc. von Mozart, Beethoven, Schumann ....kennengelernt hat, wird hier nicht überrascht sein, dass manch Vertrautes anders als gewohnt aus seinen Lautsprecherboxen erklingt. Der Dirigent bleibt sich treu als Musikerklärer, so wie jedenfalls er die Partituren versteht. Das dies nicht immer mit den Hörgewohnheiten/-Erfahrungen konform geht, ist sicher beabsichtigt. Hier einige Anmerkungen zu einzelnen Sinfonien:
1.Sinfonie: Die sehr intertessante Einleitung zum 1.Satz erklingt bei Pletnjew sachlich, unbeteiligt, spannungslos, so als hätte sie mit dem Folgenden nichts zu tun. 3.Sinfonie: Erhebliche Temposchwankungen in den Ecksätzen, das Orchester erklingt zuweilen so, als wären es die London Classical Players. Das Scherzo wird behände gespielt, dann erfolgt eine Generalpause von mehreren Sekunden und anschließend dürfen die 3 Hörner das Trio viel langsamer beginnen. 5.Sinfonie: Im 1.Satz wird das 2.Thema von den Hörnern gespielt, in der Reprise möchte Beethoven da 2 Fagotte hören. Viele Dirigenten, deren Wurzeln noch im 19.Jahrhundert liegen, lassen hier auch 2 Hörner spielen, da diese in Konzertsälen besser durchdringen, also blieb man bei Schallplattenaufnahmen auch bei Hörnern. Wie geht nun Pletnjew diese Stelle an? Er respektiert Beethovens Willen, aber mit einer kleinen Vebesserung! Beim letzten (tiefsten) Ton verstärkt er die Fagotte durch das Horn. Im Konzertsaal würde ich da nicht rummäkeln, aber hier auf CD sehe ich da keine Notwendigkeit. Die Überleitung vom 3. zum 4.Satz ist nicht besonders spannend ausgefallen, die Pauke könnte mit (harten) Schlägeln etwas präsenter sein. 6.Sinfonie: Im 1. Satz wird zu Beginn das Thema in gemächlichem Tempo vorgestellt, dann geht es aber Allegro molto weiter. Zu Beginn des Schlusssatzes spielen Klarinette und danach das Horn das Thema ganz langsam, danach geht es im gewohnten Tempo weiter, teilweise mit Tempobeschleunigung. 9.Sinfonie: 1. Satz: einzelne Abschnitte, kein richtiger Zusammenhang. Im 2. Satz spielt die Pauke mehrmals hintereinander meist laut „dam da daa“, bei Pletnjew darf der Paukist nur vernuschelt „dam ded“ anschlagen! Der Chor im 4. Satz singt kein akzentfreies Deutsch. Der Gerechtigkeit halber muss ich gestehen, dass in den Sinfonien auch gelungene Stellen aufhorchen lassen. Pletnjews explizierter Gestaltungswille ist am wenigsten in den Sinfonien 2, 4, 7 und 8 spürbar. In letzterer gefällt mir besonders der nicht wie so oft zu schnell abgespulte 2.Satz. Insgesamt lässt er aber recht zügig spielen. Ich habe den Eindruck gewonnen, Pletnjew konzentriert sich auf bestimmte Stellen, die ihm wichtig erscheinen, wo er etwas demonstrieren möchte, verliert aber dabei den Blick auf’s Ganze. Das Orchester folgt ihm willig auf hohem Niveau. Mir drängt sich da noch die Frage nach der Rolle des Produzenten des ganzen Unternehmens auf. Es gab mal Zeiten, da stellten diese im Produktionsprozess ein Korrektiv zu den Künstlern dar, wenn eine Interpretationshaltung zu individualistisch daherkam. Man diskutierte und fand eine Lösung, manchmal auch nicht, dann wurde die Aufnahme abgebrochen. In den frühen 50er wollte Ferenc Fricsay alle 9 Beethoven Sinfonien für die DGG aufnehmen, die damalige Chefin Prof.Elsa Schiller ließ es jedoch nicht zu mit der Begründung, der junge Dirigent müsse erst noch mit den Sinfonien wachsen. So blieb es bei der einen LP mit der 1. und 8. Sinfonie. Erst etliche Jahre später gab es dann weitere Aufnahmen. Mancher Produzent sollte dies öfters bedenken!
Grüße Amadé
teleton (15.10.2007, 08:09): Hallo Amade,
die fast historischen Solti-Beethoven-Aufnahmen mit den Wiener PH kenne ich gar nicht - ich besitze nur die bekannte Solti-GA (Decca 70er-Jahre) mit dem Chicago SO. Es wäre schon interessant Solti´s frühe Sicht von 1958 zu hören............... wenn man nicht schon so viele gute Beethoven-Sinfonien hätte (Bernstein, Karajan....).
Es gibt aber auch mit Solti eine Decca-Einzel-Aufnahme der Sinfonie Nr.5 in DDD. Das ist die Aufnahme die ich als Verbesserung zur Interpretation in seiner GA meinte.
Zelenka (15.10.2007, 12:48): Lieber Amadé:
Ich habe über den Pletnev-Zyklus Negatives und Positives gelesen: Negatives hier und hier, Positives in zwei englischen Tageszeitungen (Guardian, Times), in denen jeweils 4 von 5 Sternen vergeben wurden.
Gruß, Zelenka
Amadé (15.10.2007, 18:46): Original von Zelenka Lieber Amadé:
In der zweiten negativen Besprechung der Pletnev-GA (classicstodayfrance.com) ist übrigens von einem Zyklus die Rede (es geht um die Frage nach der schlechtesten GA aller Zeiten), der in Deiner Liste nicht erscheint: Ein gewisser David Porcelijn hat mit einem tasmanischen Orchester alle Symphonien mit obligatem Klavier eingespielt (ABC).
Gruß, Zelenka
Hallo Zelenka
und danke für Deine Hinweise. Na, dann haben wir noch ne Gesamtaufnahme mehr, aber wer will sie hören? Der Hinweis, es spiele ein obligates Klavier mit, deutet eher auf ein kammermusikalische Besetzung. Das gab es zu Lebzeiten von Haydn bis Beethoven häufig, wenn kein größeres Orchester zur Verfügung stand, spielte man Arrangements, teilweise von den Komponisten selbst oder deren Umfeld hergestellt. Bei den Verlegern waren sie beliebt, sie verdienten mit diesen "Taschenausgaben" mehr Geld als mit einem vollständigen Orchestersatz. Selbst Beethoven! fertigte eine KLaviertrio-Ausgabe seiner 2. Sinfonie an.
Noch kurz zu PLetnjew: Um die Interpretation hinreichend beurteilen zu können, muss man die Partitur mitlesen, ich glaube dass wird in Rezensionen oft unterlassen. Da wird oft nur ein oberflächliches Statement abgegeben, ich kann da viele Beispiele nennen. PLetnjews Einspielung ist für wirklich erfahrene Hörer interessant, die breite Masse wird keinen Gewinn davon haben.
Grüße Amadé
Zelenka (15.10.2007, 19:28): Original von Amadé
Hallo Zelenka
und danke für Deine Hinweise. Na, dann haben wir noch ne Gesamtaufnahme mehr, aber wer will sie hören? Der Hinweis, es spiele ein obligates Klavier mit, deutet eher auf ein kammermusikalische Besetzung. Das gab es zu Lebzeiten von Haydn bis Beethoven häufig, wenn kein größeres Orchester zur Verfügung stand, spielte man Arrangements, teilweise von den Komponisten selbst oder deren Umfeld hergestellt. Bei den Verlegern waren sie beliebt, sie verdienten mit diesen "Taschenausgaben" mehr Geld als mit einem vollständigen Orchestersatz. Selbst Beethoven! fertigte eine KLaviertrio-Ausgabe seiner 2. Sinfonie an.
Noch kurz zu PLetnjew: Um die Interpretation hinreichend beurteilen zu können, muss man die Partitur mitlesen, ich glaube dass wird in Rezensionen oft unterlassen. Da wird oft nur ein oberflächliches Statement abgegeben, ich kann da viele Beispiele nennen. PLetnjews Einspielung ist für wirklich erfahrene Hörer interessant, die breite Masse wird keinen Gewinn davon haben.
Grüße Amadé
Lieber Amadé:
Leider weiß ich ja nichts Genaueres über das, was die Tasmanier da veranstaltet haben, es klingt aber eher nach vollem Orchester ...
Erfahrene Hörer werden sich sicher an Pletnevs Zyklus sehr reiben. Teils scheint er auch einfach Instrumente vergessen zu haben, die Beethoven eigentlich dabeihaben will, in der 7. z.B. fehlen die Hörner.
Herzliche Grüße, Zelenka
Amadé (15.10.2007, 21:38): @ teleton
Hallo,
auf Grund von Zeitmangel konnte ich nicht näher recherchieren. Aber ich glaube, es gab eine CD-Einspielung eines Konzerts der Wiener Philharmoniker unter Solti mit der 5. Beethoven und der 9. von Schostakowitsch. Vielleicht ist es diese, die Du hast. Mann müsste dann hier und da Publikumsgeräusche hören.
Grüße Amadé
Jeremias (06.11.2007, 10:02): Ich habe mir kürzlich die Neueinspielung von Pletnev bei der DG angeschafft und mittlerweile zumindest die 5. und 7. mehrfach gehört. Also, soviel vorweg: Man muss diese nicht zwingend haben. Dazu gibt es einfach zu viele gute Gesamtaufnahmen! Allerdings ist es schon beeindruckend, zu welcher Leistung das Orchester gerade im Finale der 7. fähig ist! Carlos Kleiber hätte sicher seine Freude gehabt! Mal sehen, was die anderen CDs noch so mit sich bringen!
Rachmaninov (17.11.2007, 11:25): Getsern wurde auf Bayern 4 der neue Zyklus von Sir Mackeras sehr positiv besprochen. Scheint wohl dem aktuellen Tren dzu folgen mnit kleinen Orchestern Beethoven zu dirigieren, wie dies bereits Dausgraard udn Järvi praktizieren. Die 9 SInfonien wurden alks live Konzert eingespielt und sind nun auf dem Markt.
Klang im Radio ganz gut, außer der Versuch des Chors in Sinfonie #9
Jemand schon reingehört?
Mime (17.11.2007, 13:15): Hallo,
ich habe die Einspielung der Beethoven-Symphonien jetzt auch mit Wolfgang Sawallisch und dem Royal Concertgebouw-Orchestra bei Brillant Classics erworben und ich finde die Aufnahmen sehr gelungen. :down
satie (17.11.2007, 13:34): Original von Rachmaninov Getsern wurde auf Bayern 4 der neue Zyklus von Sir Mackeras sehr positiv besprochen. Scheint wohl dem aktuellen Tren dzu folgen mnit kleinen Orchestern Beethoven zu dirigieren, wie dies bereits Dausgraard udn Järvi praktizieren. Die 9 SInfonien wurden alks live Konzert eingespielt und sind nun auf dem Markt.
Klang im Radio ganz gut, außer der Versuch des Chors in Sinfonie #9
Jemand schon reingehört?
Ich habe mal reingehört. Eigentlich ist es klanglich sehr schön und transparent. Am Anfang der 5. Symphonie stört mich, dass das berühmte Kernmotiv zuerst im Tutti langsamer ist als nach den Fermaten, wo es richtig los geht. Das würde meiner Meinung nach nur dann gehen, wenn die Fermaten nicht ausgezählt wären, also die ersten Takte mehr vom Rest abgespaltet wären. Ist aber vielleicht Geschmackssache. Und ich weiß nicht, ob es Absicht ist oder nicht. So wirkt es auf mich, als ob man erst etwas sehr pompöses serviert bekommt, dass nachher diminuiert wird. Aber die Gesamtaufnahme könnte ich erst beurteilen, wenn ich sie komplett gehört hätte.
Rachmaninov (12.12.2007, 07:43): @Henning,
Deine Ausführungen zu den bisherigen Aufnahmen von O.Vänskä habe ich mir erlaubt hier her zu kopieren.
ein, wenn man mal von einem etwas knödelnden Sänger im letzten Satz der 9. absieht, bisher nahezu perfekter Zyklus. Besonders bemerkenswert ist in meinen Augen, dass absolute Transparenz und Durchhörbarkeit auch gelingen kann, ohne dass man HIP zu sich nimmt, Perücken aufzieht, die Orchestergröße halbiert und Furtwängler, Klemperer, Scherchen, Karajan und Bernstein zu Banausen erklärt (ja, ich überziehe gerade etwas, aber das passiert mir immer, wenn ich an HIP denke)
Exaktes Dirigat, bestens aufgelegtes Orchester, die richtige Mischung zwischen Herz und Hirn, Beethovens Musik ihre Größe und Großartigkeit belassend ohne ins Pathos abzugleiten, perfekte Aufnahmetechnik
wenn Szell vom Dirigentenolymp herabblickt hätte er seine helle Freude....
:times10
Gruß Henning
Du hast völlig recht, diese Transparanz ist für mich ebenfalls ein brilliantes Dirigat. Beethoven einmal ganz anders, und das nicht wie von Dir angesprochen durch "schlanke" Orchester oder ähnliches. Für mich entsteht hier ein großer Zyklus. Hoffe bald geht es weiter!
Cetay (inaktiv) (21.12.2007, 09:06): Auch wenn es hier um Gesamteinspielungen geht, darf Heinrich Schiff bei den großen Beethoven-Interpreten nicht fehlen. Man kann nur mutmaßen, warum das Projekt trotz begeisterer Kritiken nach 4/9 eingestampft wurde. Wahrscheinlich machen sich dirigierende Cellisten im Regal nicht so gut wenn der Klassik-Spezi zu Besuch kommt und die Neuzugänge unter die Lupe nimmt. Mit Schweißperlen auf der Stirn beobachtet man sein milde lächendes, wissendes Gesicht und doch entgeht einem das angedeutete Naserümpfen nicht...
Schiff war an vorderster Front der Bewegung, welche die Erkenntnisse und Errungenschafen der Historischen Aufführungspraxis auf den modernen Orchesterapparat übertragen hat. Sein Beethoven ist absolut durchsichtig, klingt aber trotzdem warm und gewichtig. Die Artikulation ist scharf bis heftig, trotzdem bleibt sie immer rund und vermeidet jede Ruppigkeit. Und vor allem wird der Klangaufbau mit präziser Differenzierung nachgezeichnet, ein Element das bei den "herkömmlichen" Beethovendirigenten oft nur eine Nebenrolle spielt. So prononciert wie bei Schiff hat man die Pauken selten zuvor gehört - alleine dafür lohnt sich für Paukenfans die Anschaffung.
Besonders der ersten Sinfonie bekommt der Sturm-und-Drang Ansatz ganz vorzüglich. Aber auch die 2. bis 4. sind in dieser Leseart, die übrigens heute -15 Jahre später- mit Protagonisten wie Paavo Järvi als "aktuell" verkauft wird, völlig neu zu erleben . Das Wesentliche kann man eh nicht in Worten ausdrücken: dieser Beethoven klingt einfach "richtig" und er wird als Dreingabe noch mit einer seltenen Hingabe und Spielfreude musiziert.
Orignalcover (heute gibt es eine Neuauflage): http://ecx.images-amazon.com/images/I/417DCMZHQ7L._AA240_.jpg
Rachmaninov (06.01.2008, 17:26): Die 9 Sinfonien Beethoven's waren auch Thema in der Januar 2008 Ausgabe der FF.
Top Empfehlungen waren dort:
- Karajan, EMI 1951-55 - Klemperer EMI - Szell Sony - Bernstein DG mit den Wienern - Norrington EMI - Harnoncourt Warner
HenningKolf (06.01.2008, 21:28): Original von Rachmaninov @Henning,
Deine Ausführungen zu den bisherigen Aufnahmen von O.Vänskä habe ich mir erlaubt hier her zu kopieren.
ein, wenn man mal von einem etwas knödelnden Sänger im letzten Satz der 9. absieht, bisher nahezu perfekter Zyklus. Besonders bemerkenswert ist in meinen Augen, dass absolute Transparenz und Durchhörbarkeit auch gelingen kann, ohne dass man HIP zu sich nimmt, Perücken aufzieht, die Orchestergröße halbiert und Furtwängler, Klemperer, Scherchen, Karajan und Bernstein zu Banausen erklärt (ja, ich überziehe gerade etwas, aber das passiert mir immer, wenn ich an HIP denke)
Exaktes Dirigat, bestens aufgelegtes Orchester, die richtige Mischung zwischen Herz und Hirn, Beethovens Musik ihre Größe und Großartigkeit belassend ohne ins Pathos abzugleiten, perfekte Aufnahmetechnik
wenn Szell vom Dirigentenolymp herabblickt hätte er seine helle Freude....
:times10
Gruß Henning
Du hast völlig recht, diese Transparanz ist für mich ebenfalls ein brilliantes Dirigat. Beethoven einmal ganz anders, und das nicht wie von Dir angesprochen durch "schlanke" Orchester oder ähnliches. Für mich entsteht hier ein großer Zyklus. Hoffe bald geht es weiter!
es geht weiter!
link
gestern habe ich noch geschrieben, vor März bestelle ich nichts mehr.....
hmmmm :B
Rachmaninov (07.01.2008, 08:06): @Henning,
hatte ich auch bereits drauf hingewiesen. Nun, dann fehlen wohl noch #2 und #7 damit der Zyklus vollständig wird. An die Aufnahme komme ich jedenfalls nicht vorbei.
R
Mime (07.01.2008, 10:58): Hallo,
mir sagen diese Einspielungen der Beethoven-Symphonien besonders zu:
Günter Wand mit dem NDR-Sinfonieorchester und Wolfgang Sawallisch mit dem Royal Concertgebouw Orchestra.
Wer von Euch kennt sie?
:hello
PS: Wie beurteilt Ihr die Tonhalle-Aufnahmen mit David Zinman?
teleton schrieb: :beerDas könnte der "beste Kauf 2007" bei mir werden !
Hat die Box den Preis "Bester Kauf des Jahres 2007" abgeräumt ? Mittlerweile mischt sich meine TOP - Neun aus diesen beiden Interpretationszyklen Bernsteins zusammen. Demnach teilen sich bei mir beide Boxen den Preis "Bester Kauf 2007"
:D
Gruß Daniel
teleton (08.01.2008, 11:26): Hallo Daniel,
ja, diese Beethoven-Bernstein-SONY-BOX und Schostakowitsch-Ashkenazy-Decca-Box sind mein "Bester Kauf des Jahres 2007".
Ich habe lange rumüberlegt, welches von Beiden nun der Beste Kauf ist. Da ich mich nicht entscheiden kann und will und es sich um zwei verschieden Epochen handelt, erwähne ich für die Klassik den Bernstein und für die klassische Moderne den Ashkenazy.
:hello Freut mich, das auch bei Dir die Sony-Box so erfolgreich eingeschlagen hat - :down kein Wunder.
Gerion (09.01.2008, 17:54): Hallo,
Ich habe die Wand-Box und höre seine Aufnahmen sehr gerne. Ich habe den von Rachmaninov erwähnten FonoForum-Artikel ebenfalls gelesen und mir die Norrington-Aufnahmen bestellt. Mal sehen, ob sie mir gefallen. Ich werde berichten. (Irgendwnan :D )
Grüße, Gerion
Rachmaninov (08.10.2007, 07:04): Original von Amadé Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker, DGG, 1961-1962
@Amade,
diese Karajan Gesamtaufnahmen ist bis zum heutigen Tag die einzige überhaupt in meinem Besitz. Sie kann IMO durch die kraftvolle Gestalltung überzeugen! Aber auch der Klang ist durchaus ordentlich wie ich meine!
Georg Solti,Chicago Symphony Orchestra, Decca, 1972-1974
Solti's Beethoven würde mich reizen. Da ich kaum Aufnahmen von ihm besitze wäre dies ein Einstieg....
Welche Aufnahmen sind Deine Favoriten?
Zelenka (15.10.2007, 12:54): Lieber Amadé:
In der zweiten negativen Besprechung der Pletnev-GA (classicstodayfrance.com) ist übrigens von einem Zyklus die Rede (es geht um die Frage nach der schlechtesten GA aller Zeiten), der in Deiner Liste nicht erscheint: Ein gewisser David Porcelijn hat mit einem tasmanischen Orchester alle Symphonien mit obligatem Klavier eingespielt (ABC).
Gruß, Zelenka
Amadé (22.02.2008, 17:52): @ Rachmaninow
Entschuldige bitte, dass ich mich erst jetzt zu Deiner Frage äußere, ich hatte das damals übersehen oder vergessen und stoße erst gerade wieder darauf. Ja, Solti mit Beethoven Sinfonien, keine der Sinfonien halte ich für misslungen, die Aufnahmen klingen in den schnellen Sätzen meist schwungvoll, überhitzt, auch etwas grob und, wie oft bei diesem Dirigenten, etwas bullig. In den langsamen Sätzen vermisse ich ein wenig Hingabe, Innigkeit. Die Eroica überzeugt mich nicht, auch nicht die Vorgänger-Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern aus 1959. Letzere klingt etwas freier als die getüftelte Aufnahme aus Chicago. In beiden Aufnahme könnte das Scherzo etwas schneller sein. Die beste Einspielung ist m.E. die der 9. Sinfonie, die mit einem sehr schönen langsamen Satz aufwarten kann.
Es handelt sich hier um live-Einspielungen, die beim Edinburgh-Festival 2006 mitgeschnitten wurden. Bei den Sinfonien Nr. 1-8 spielt das Schottish Chamber Orchestra, bei der 9. das Philharmonia Orchestra. Historisch informierte Aufführungspraxis, das bedeutet auch in lauten tutti-Passagen herausfallende Trompeten, Hörner und Pauken, allerdings nicht so heftig wie bei Goodman, anderseits nicht so kultiviert (domestiziert) wie bei Gardiner. Das Klangbild ist in der Regel präsent und sehr durchsichtig, sehr schöne Details vor allem der Holzbläser, abgesehen in der Eroica und der 9.. Die schnellen Sätze werden frisch mit hellwachem Sinn gespielt. In den langsamen jedoch könnte sich der Dirigent etwas mehr Ruhe gönnen, der Hörer verspürt nicht den langen Atem. Am besten gefallen mir die Sinfonien Nr.1, 2 und 8. Der 1.Satz der Eroica klingt geschäftig, es gibt kein Verweilen, der 2. Satz wirkt durchgezogen, keine emotionale Note, das poco Andante des 4.Satzes erklingt viel zu schnell. In der 4. Sinfonie sind die Einleitung sowie der 2. Satz zu schnell genommen, am besten gefällt mir hier der Schlusssatz . 5. Sinfonie: In den Marsch-Abschnitten des 2.Satzes drüberweg, im Trio des 3.Satzes kann man das Abwechseln der Instrumentengruppen schlecht verfolgen. 6. Sinfonie: Der 2.Satz überzeugt, hier wurde sehr sprechend artikuliert, sehr lebendig, ein Frühlingsmorgen im Sonnenlicht. Der 3.Satz klingt manchmal gehetzt, der 5. ist zu unruhig genommen, kein Verweilen! Die 9. Sinfonie ist für mich der absolute Schwachpunkt der Box. Wir erleben hier lediglich die Abbildung eines Konzerts, die Musik ist wenig durchgeformt. Bei schnellen Tempi muss die Artikulation ganz genau stimmen, das ist hier nicht der Fall, im 2.Satz müssen die Streicher messerscharf kommen, die Pauke klingt prasselnd verhallt, wenig fokussiert, insgesamt zu viel Getöse. Der 1.Satz wird viel zu schnell gespielt, die Musik kann nicht atmen. Auch der 3.Satz ist zu schnell, stellenweise fast tänzerisch, er sollte eigentlich Ruhe ausstrahlen. Der 4.Satz wird durchgepeitscht. Nach 61’23 ist die Sinfonie „erledigt“. Nur Toscanini (1939) und Leibowitz sind noch etwas schneller. Ich kann nicht zum Kauf der 5 CD-Box von hyperion raten. Falls Einzelveröffentlichungen erfolgen sollten, kann die CD mit den ersten beiden Sinfonien unter den genannten Einschränkungen empfohlen werden.
Grüße Amadé
Poztupimi (23.02.2008, 13:12): Original von Amadé Forianer,
nun liegen auch die 9 Beethoven-Sinfonien mit dem Russischen National Orchester unter Leitung von M.Pletnjew vor.
Gerade lese ich in der aktuellen Fono Forum (03/2008, S. 80) eine wenig schmeichelhafte Kritik (2/4 von 5/5 möglichen). "Sehr unorthodoxer Umgang mit dem Tempo", "viele unmotivierte Ritardandi", "ständige Unterbrechungen des Bewegungsflusses", "übergroße Freizügigkeiten" wie zu Zeiten Mengelbergs, über die man nach Meinung des Autors inzwischen hinweg ist. "Wenig Interessantes", "knallige Akzente", "spult unbarmherzig, beinahe selenlos Noten ab" (Finale 7te), der Chor in der 9ten erfüllt "hinsichtlich Präzision, Qualität und Homogenität der Stimmen nicht ganz die Ansprüche beethovengeschulter Hörer" - das "Seid umschlungen" klingt teilweise nach "Bierlaune". Ein Verriß - über fast zwei Spalten -, der in der Feststellung mündet, daß es den zweiten Stern nur für die Disziplin gibt, mit der die Musiker den Launen ihres Dirigenten folgen (nach FF: 2 Sterne bescheiden, 1 Stern belanglos).
Grüße, Wolfgang
liegnitz (23.02.2008, 13:43): Es gibt bzw. gabs auch:
CD1 Symphonie Nr.1 Wiener Philharmoniker, 30.11.1952 Symphonie Nr. 3 Wiener Philharmoniker, 19-20.12.1944
CD2 Symphonie Nr. 2 Wiener Philharmoniker, London 3.10.1948 Symphonie r. 7 Berliner Philharmoniker, 14.4.1953 Overture Coriolan, Op. 62 Berliner Philharmoniker, 27-30.6.1943
CD3 Symphonie Nr. 4 Wiener Philharmoniker, 4.9.1953 Symphonie Nr. 8 Berliner Philharmoniker, 14.4.1953 Overture Leonore Nr. 3 Wiener Philharmoniker, 2.6.1944
CD4 Symphonie Nr. 5 Berliner Philharmoniker, 25.5.1947 Symphonie Nr. 6 Berliner Philharmoniker, 20-22.4.1944
CD5 Symphonie Nr. 9 Irmgard Seefried Rosette Anday Anton Dermota Paul Schöffler Wiener Singverein Wiener Philharmoniker, 31.5.1953
Live Aufnahmen
Poztupimi (24.02.2008, 17:36): Original von Poztupimi Original von Amadé Forianer,
nun liegen auch die 9 Beethoven-Sinfonien mit dem Russischen National Orchester unter Leitung von M.Pletnjew vor.
Gerade lese ich in der aktuellen Fono Forum (03/2008, S. 80) eine wenig schmeichelhafte Kritik (2/4 von 5/5 möglichen). "Sehr unorthodoxer Umgang mit dem Tempo", "viele unmotivierte Ritardandi", "ständige Unterbrechungen des Bewegungsflusses", "übergroße Freizügigkeiten" wie zu Zeiten Mengelbergs, über die man nach Meinung des Autors inzwischen hinweg ist. "Wenig Interessantes", "knallige Akzente", "spult unbarmherzig, beinahe selenlos Noten ab" (Finale 7te), der Chor in der 9ten erfüllt "hinsichtlich Präzision, Qualität und Homogenität der Stimmen nicht ganz die Ansprüche beethovengeschulter Hörer" - das "Seid umschlungen" klingt teilweise nach "Bierlaune". Ein Verriß - über fast zwei Spalten -, der in der Feststellung mündet, daß es den zweiten Stern nur für die Disziplin gibt, mit der die Musiker den Launen ihres Dirigenten folgen (nach FF: 2 Sterne bescheiden, 1 Stern belanglos).
Grüße, Wolfgang
Hallo zusammen,
Gestern hatte ich die Möglichkeit, in die Box reinzuhören, ich habe mir die 6te und den letzten Satz der 9ten ausgewählt.
Bei der 6ten fand ich das Ergebnis alles andere als berauschend. Insbesondere die Gestaltung der Tempi war für mich daneben, da passte teilweise garnichts zusammen. Aber vielleicht häte ich vorher nicht in die Aufnahme Minnesota/Vänskä (BIS) reinhören dürfen (Klasse!). Die kurzen Einblicke in die 9te waren - was die Tempo-Variationen anging - weniger drastisch. Ich kann aber verstehen, was der Kritiker mit "Bierseeligkeit" ausdrücken will. Schlimmer als das fand ich allerdings, daß für mein Gefühl die Relationen zwischen Orchester, Solisten und Chor überhaupt nicht passten. Abgesehen von der kaum vorhandenen Textverständlichkeit. Ziemlich unbefriedigend und für mich kein Kaufanreiz.
Viele Grüße, Wolfgang
satie (18.06.2008, 08:39): Wer hat schon in diese Aufnahme hineingehört?
Symphonien Nr. 1-9 6 CDs Erscheinungstermin: 11.4.2008
+Ouvertüren: Die Geschöpfe des Prometheus op. 43;Coriolan op. 62;Egmont op. 84;Die Ruinen von Athen op. l13; Die Weihe des Hauses op. 124 Künstler: Anna-Kristiina Kappola, Marianne Beate Kielland, Markus Schäfer, Thomas Bauer, Anima Eterna, Jos van Immerseel Label: ZigZag , DDD, 2005-07
Ich schwanke nämlich gerade total zwischen Norrington und Immerseel hin und her. Eigentlich gefallen mir die Klangfarben bei Immerseel noch besser als bei Norrington, allerdings wurde bei Immerseels Einspielung in einer Rezension bemängelt, dass er keine Bögen spannen könne. Gerade das kann ich nicht beurteilen, da ich nur Ausschnitte gehört habe, die mir aber ausgeprochen gut gefallen haben. Da ich die Symphonien gerne wieder hören würde (ich hatte ja erwähnt, warum ich mich mit ihnen so schwer tue), wäre mir eine HIP-Aufnahme die einzige mögliche Wahl, und eine von beiden soll es sehr wahrscheinlich schon sein... Wer kann hier näheres berichten?
Herzlich, S A T I E
satie (18.06.2008, 15:26): Ich konnte einfach nicht mehr warten...habe sie jetzt gekauft, die Immerseel-Einspielung. Bestärkt wurde ich durch die vielen weiteren Rezensionen, die ganz anders waren als die ziemlich verreissende im FonoForum. Noch habe ich nicht viel gehört davon, aber bis jetzt bereue ich gar nichts! Es ist die vom Orchesterapparat her schlankste Einspielung überhaupt, und daher genau das, was ich hier gebraucht habe. Es klingt so wunderbar! Endlich kann ich die Symphonien wieder genießen. Die kantige Ruppigkeit mancher Stellen wird allerdings vielen gar nicht behagen...mir gefällt gerade dieser "Revoluzzerton" bei Beethoven extrem. Bin gespannt, ob noch jemand die Einspielung hat oder haben möchte!
Herzlich, S A T I E
Zelenka (18.06.2008, 17:43): Ich warte noch immer auf mein bestelltes Exemplar der Immerseel-Box ...
Gruß, Zelenka
Amadé (18.06.2008, 20:09): @ Zelenka
Ich auch, amazon.fr hat mir stattdessen eine völlig falsche CD mit Pop-Musik geschickt!
Grüße Amadé
Zelenka (18.06.2008, 20:24): Original von Amadé @ Zelenka
Ich auch, amazon.fr hat mir stattdessen eine völlig falsche CD mit Pop-Musik geschickt!
Grüße Amadé
Lieber Amadé:
Ich bekam eine CD von Mauricio Kagel, die ich natürlich zurückgeschickt habe. Später gab es auch noch einen EUR 10-Gutschein von amazon.fr für den Ärger. Dann habe ich die Box in den U.S.A. bestellt und warte immer noch ... :S
Gruß, Zelenka
Heike (20.06.2008, 23:09): Hallo, für die Berliner vielleicht interessant: Jos van Immerseel dirigiert diesen Sommer bei Young Euro Classics u.a. das 1. Klavierkonzert von Beethoven (Hist. Aufführungspraxis) http://www.young-euro-classic.de/de/programm/program_detailed.php?date=2008-08-06&city=Berlin&id=1796 Hebre
Sarastro (22.06.2008, 11:06): Lieber Satie, Deine begeisterten Worte haben mir den Mund wäßrig gemacht, so daß ich mir diese Box heute bei Amazon bestellt habe (ist ja mit unter 40 € inkl. Versand für eine Neueinspielung auf 6 CDs nicht teuer!). Ich habe Beethovens Symphonien schon seit langem nicht mehr gehört (nicht zuletzt sicher deswegen, weil ich sie, wie manch anderer auch, in frühen Jahren zu viel und zu oft "konsumiert" hatte), so daß jetzt Zeit und Gelegenheit für einen neuen Zugang ist. Jetzt bin ich gespannt ...
Herzliche Grüße, Sarastro
satie (22.06.2008, 12:32): Lieber Sarastro, ich glaube, Dir wird die Aufnahme gefallen. Ich habe jetzt alles mal durchgehört und bin immer noch begeistert genug, um nichts anderes zu hören. Natürlich sind, wie immer bei Gesamtaufnahmen, einige besser geworden, einige weniger gut. Absolut gelungen finde ich die Symphonien 1-3, 5-8. Die 4. muss ich mir nochmal genauer unter die Lupe nehmen (das ist die Symphonie, die ich am wenigsten kenne). Die 9. kann mir leider auch Immerseel nicht retten, allerdings weiß ich nicht, woran das liegt, vielleicht ist das dann tatsächlich ein Werk, das mir einfach nicht gefällt. Im Gegensatz zu vielen Rezensenten mag ich die Sänger hier nicht, finde allerdings auch den Chor nicht zu schwach (das hatte ein anderer bemängelt). Begeistert bin ich von der 3., 5., 6. und 7. Symphonie. Wenn ich heute eine Lieblingssymphonie von Beethoven nennen müsste, würde ich ohne zu zögern die "Eroica" wählen, und das tatsächlich auf Grund dieser Aufnahme. Übrigens: die Ouvertüren halte ich hier ebenfalls für vorzüglich eingespielt! Schade, dass die Leonoren-Ouvertüren nicht drauf sind...
Herzlich, S A T I E
Sarastro (07.07.2008, 20:55): Lieber Satie, Du hast nicht zuviel versprochen! Vor wenigen Tagen habe ich endlich die bestellte Immerseel-Gesamtaufnahme erhalten, und ich bin von dem, was ich bisher davon gehört habe - d.h. alles bis auf Nr. 1 und 9 - wirklich sehr angetan. Besonders gut gefallen mir Nr. 6-8; Nr. 2, aber auch Nr. 4; letztere werde auch ich mir noch mehrmals anhören, da sie sicher die am wenigsten gespielte und bekannte Beethovensymphonie ist und trotzdem ihren besonderen Reiz hat.
Bei Nr. 8 (und 2), die ich immer schon besonders mochte, liebe ich die Ausgewogenheit von Ausdruckskraft und formaler Geschlossenheit, und beides kommt in dieser Einspielung nach meinem Gefühl sehr gut zur Geltung. Sehr beeindruckt haben mich aber auch Nr. 6 und 7. Bei Nr. 3 und 5 bedarf es für mich wohl noch der rechten Augenblicksstimmung, um damit ganz warm werden zu können. Das liegt ganz bestimmt nicht am Interpreten, es ist auch nicht so, daß mir diese beiden Werke nicht gefallen würden, aber ich tue mir eben mit dem Pathetisch-Heroischen manchmal ein bißchen schwer.
Ich glaube, auch andere werden Deine Empfehlung sehr zu schätzen wissen! Vielen Dank dafür und herzliche Grüße, Sarastro
satie (07.07.2008, 23:09): Lieber Sarastro, vielen Dank für die Rückmeldung! Ich war wirklich sehr gespannt, wie andere auf diese Einspielung reagieren. Erfreulicherweise sind wir uns hier ja erstaunlich einig! :beer
Liebe Beethoven-Freund/innen, die bis jetzt neueste Gesamtaufnahme der 9 Beethoven-Sinfonien hat das kleine französische Label ZigZag herausgebracht. Unter Leitung von Jos van Immerseel spielt das Orchester Anima Eterna auf Originalinstrumenten nach historischer Aufführungspraxis. Einzelheiten zu den Instrumenten, zu den Tempi, der Dynamik sowie Einführungen zu allen Sinfonien unter Berücksichtigung historischer Berichte von E.T.A. Hoffmann, H. Berlioz und R. Schumann erfährt der Hörer in dem sehr informativen Booklet. Immerseel lässt insgesamt sehr hurtig musizieren, man hat aber keinesfalls den Eindruck, die Tempi seien zu schnell, auch nicht in den langsamen Sätzen. Immer wieder besticht die Präsenz der Holzbläser, die auch in den Tutti-Passagen nicht von den Streichern, hier macht sich die kleine Besetzung positiv bemerkbar, oder vom Blech zugedeckt werden. Die Pauke ist sehr präsent, aber nicht aufdringlich. Der Dirigent legt großen Wert auf Details. Hier und da dringen bisher unerhörte Klänge an des Hörers Ohr: z.B. im 2.Satz der 5. T.39-48 und T.88-97 spielen die Fagotte so geheimnisvoll, fast dämonisch, da wird klar, wo C.M.von Weber sich Anregungen für seinen Freischütz geholt hat. Oder im Scherzo: sehr klar aber eindringlich der Teil A’ nach dem Trio sowie der geheimnisvolle Übergang zum Finale mit der präsenten Pauke, die man hier endlich mal nicht vernebelt/verhallt hört. Im 4. Satz derselben Sinfonie kann man erleben, dass die Posaunen nicht nur als Verstärung oder Abrundung des Klanges gedacht sind, sondern selbst melodisch eingreifen (T.69-71 und T.211 ff), nicht oft zu hören die Pizzicati der Celli im pp T.161-175 vor der Reprise. Im 2.Satz der 7.Sinfonie T.75-100 wird ganz deutlich, dass die Bläser die Melodie fortspinnen, die 1. Geigen nur begleiten. In den meisten anderen Aufnahmen müssen sich die Bläser wider Beethovens Absicht unterordnen. Der 4.Satz der 9. wird wie zu erwarten nicht mit dem Nachdruck eines Furtwängler oder Klemperer musiziert, kann aber mit dem Vorteil glänzen, dass endlich einmal textverständlich und klanglich bestens ausgewogen gesungen wird, die Solostimmen sind gut aufeinander abgestimmt, die Stimmverläufe lassen sich (fast) immer genau verfolgen, sehr gut!. Einige Schwächen seien nicht verschwiegen: der Lautstärke zum pp hin hätte Immerseel noch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken können, z.B. in der 9. vor der Doppelfuge die Stelle „..über Sternen muss er wohnen.“ Oder in der Eroica 1.Satz Ende: die Holzbläser, die das meist von den Trompeten triumphierend gespielte 1.Thema spielen, klingen sehr schmalbrüstig, dass haben andere schon viel überzeugender hinbekommen. Im Scherzo derselben Sinfonie könnte das Abwechseln der hohen und tiefen Streicher T.99 ff besser herausgebildet sein. Auch eine Schwäche von Beethovens Instrumentation im 1.Satz der 9. wird von Immerseel aufgedeckt: im T.144 wiederholen jetzt die Fagotte ein zuvor gespieltes Motiv, nach den lauten Akkordschlägen unmittelbar davor werden die zarten Fagotte jedoch nicht so gut wahrgenommen. Klarinetten, Flöten oder Oboen würden hier deutlicher klingen. Besetzung: Sinfonien 1-8: 24 Streicher plus Bläser und Pk, d.h. 37 Spieler, in der 5. 42 Spieler und der 9. 33 Streicher plus Bläser und Schlagwerk insgesamt 50 Spieler. Im extra zusammengestellten Chor wirken 24 Sänger/innen mit.
Fazit: Man fühlt sich wieder an die Anfänge der HIP-Bewegung erinnert, jedoch ohne deren Übertreibungen. Darin sehe ich die Immerseel-Aufnahme als ein gelungenes Gegenstück zur hochpolierten Aufnahme Gardiners. Insgesamt liegt hier eine sehr hörenswerte Interpretation vor, die ihre Höhepunkte in der 2., 3., 4., 5. und 9.Sinfonie erreicht. Wünschenswert wäre eine Einzelveröffentlichung der 6 CDs. Als Zugabe erhält man noch die Ouvertüren zu Prometheus, Coriolan, Egmont, Ruinen von Athen sowie die Weihe des Hauses.
Zuletzt noch die Laufzeiten: 1. 25’05 – 2. 33’17 – 3. 46’51 – 4. 32’06 – 5. 29’52 – 6. 40’27 – 7. 38’41 – 8. 24’08 und 9. 61’19. Immerseel lässt alle Wiederholungen spielen.
Herzliche Grüße Amadé
Dr. Schön (02.08.2008, 23:03): Bei Beethovens Sinfonien mag ich ganz einfach gesagt jene Dirigenten am liebsten, die schon recht früh einen entschlackten und modernen Stil pflegten. Und hier sind für mich Erich Kleiber und Hermann Scherchen einfach die ganz ganz großen, denen ich Fritz Reiner mit seiner 5 & 7, mit Chicago auf RCA, noch gleichberechtigt zur Seite stelle. Wen aus dieser Trias ich jetzte bei welcher Sinfonie bevorzuge spielt für mich gar nicht die Rolle.
Mit einem Abstand möchte ich die Erste unter Ferenc Fricsay, sowie die Nos. 4 & 5 unter Carlos Kleiber nicht missen. Dann gibt es da noch Pierre Monteux.
Cetay (inaktiv) (31.10.2008, 11:37): In der Flut von Neuerscheinungen der jüngeren Zeit geht vielleicht die eine oder andere Aufnahme unter, die eine nähere Beschäftigung durchaus verdient hätte. Ich habe mich Hörschnipsel hörend und Kiritiken lesend an die beiden folgenden Einspielungen angenähert und denke, das sind mehr als nur respektable Me-too Versuche. Ich konstatiere einen hohen Haben-wollen Faktor. Kennt jemand die GAs oder einzelne Sinfonien daraus?
Beethoven; Sinfonien Nr. 1-9 http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4035714100391.jpg HR Sinfonieorchester, Hugh Wolff http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9120031340232.jpg Haydn Orchester Bozen & Trient, Gustav Kuhn
Amadé (01.11.2008, 20:43): Hallo Dox,
ich besitze nur eine Einzel-CD mit der 7.& 8., beide sind nicht zu verachten, ragen aber aus dem Meer der Beethoven-CDs nicht sonderlich heraus. Die 7. habe ich vor ca 10 Jahren live gehört, mir fiel damals auf, das Wolff in seinem "normalen" Orchester Naturtrompeten beschäftigte (Reinhold Friedrich und Kollege).
Gruß Amadé
flixi (01.11.2008, 20:55): Hallo Dox!
Ich besitze die Wolff Aufnahmen seit knapp einem Jahr und bin sehr zufrieden damit. Wolff lässt einen recht feurigen, v.a. sehr angriffslustigen Beethoven spielen. Vereinzelt scheinen mir manche Crescendi und Decrescendi etwas aprubt, aber damit kann ich gut leben. Die antiphonische Sitzordnung der Violinen und der Einsatz von klappen - und ventillosen Trompeten und Hörnern (lt. Booklet) sowie kleinerer Pauken sorgen für einen sehr transparenten, detailreichen Klang, in dem auch die Nebenstimmen zu ihrem Recht kommen. Die Tempi sind insgesamt flott gewählt aber nie gehetzt. Besonders gut gefällt mir die "Neunte", die ja gerade in Gesamtaufnahmen häufig schwächer ausfällt (witzig, gerade jetzt läuft sie bei mir). Das Orchester ist superb, der Chor ist sehr gut und das Solistenquartett kommt zwar nicht an jenes aus der Fricsay Aufnahme heran (für mich auch eine der nicht nur in dieser hinsicht ganz großen Aufnahmen) aber unter den 14 (?) Einspielungen, die ich kenne und der 8, die ich besitze, zählt diese für mich zu den sehr guten. Insgesamt würde ich von einer gelungenen Synthese aus historischer und moderner Aufführungspraxis sprechen. Von den zum teilweise durchwachsenen Kritiken auf der hr Homepage und im klassik magazin würde ich mich an deiner Stelle nicht täuschen lassen und mich eher auf deine positiven me-too versuche verlassen. Im Einzelfall findet man sicher immer wieder bessere Aufnahmen, andererseits stelle ich hier ein hohes Niveau fest, bei dem man schwer von "besser" sondern eher von "anders" sprechen kann. Obwohl ich von den jüngsten Beethoven Aufnahmen eigentlich nur Järvi auszugsweise aus dem Radio kenne (gefiel mir recht gut), bekommt diese Aufnahme von mir eine Empfehlung.
Lg und viel Erfolg bei der Kaufentscheidung, Felix
P.S.: Im Marketplace gibts die Box gerade für 39,95 € anstatt 52,99 € :wink
Cetay (inaktiv) (02.11.2008, 10:15): Hallo Amadé und Felix,
vielen Dank für eure Hinweise. Mir ist das Wort "Attacke" für die Frankfurter Aufnahme in den Sinn gekommen, das deckt sich ganz gut mit der Beschreibung als "angriffslustig". Ich habe mich letzlich für die einen Tick weniger homogen im Klang wirkende, dafür die Simmen noch mehr gleichgewichtende Südtiroler Aufnahme entscheiden. Aufnahmen mit Orchestern aus der dritten Reihe können oft ihren eigenen Reiz haben und ich hege große Sympathie für das Collegno Label. Ich bin jedenfalls gespannt und werde beizeiten berichten. :engel
teleton (24.01.2009, 13:20): Original von Dox Orkh Auch wenn es hier um Gesamteinspielungen geht, darf Heinrich Schiff bei den großen Beethoven-Interpreten nicht fehlen. Man kann nur mutmaßen, warum das Projekt trotz begeisterer Kritiken nach 4/9 eingestampft wurde. Wahrscheinlich machen sich dirigierende Cellisten im Regal nicht so gut wenn der Klassik-Spezi zu Besuch kommt und die Neuzugänge unter die Lupe nimmt. Mit Schweißperlen auf der Stirn beobachtet man sein milde lächendes, wissendes Gesicht und doch entgeht einem das angedeutete Naserümpfen nicht...
Schiff war an vorderster Front der Bewegung, welche die Erkenntnisse und Errungenschafen der Historischen Aufführungspraxis auf den modernen Orchesterapparat übertragen hat. Sein Beethoven ist absolut durchsichtig, klingt aber trotzdem warm und gewichtig. Die Artikulation ist scharf bis heftig, trotzdem bleibt sie immer rund und vermeidet jede Ruppigkeit. Und vor allem wird der Klangaufbau mit präziser Differenzierung nachgezeichnet, ein Element das bei den "herkömmlichen" Beethovendirigenten oft nur eine Nebenrolle spielt. So prononciert wie bei Schiff hat man die Pauken selten zuvor gehört - alleine dafür lohnt sich für Paukenfans die Anschaffung.
Besonders der ersten Sinfonie bekommt der Sturm-und-Drang Ansatz ganz vorzüglich. Aber auch die 2. bis 4. sind in dieser Leseart, die übrigens heute -15 Jahre später- mit Protagonisten wie Paavo Järvi als "aktuell" verkauft wird, völlig neu zu erleben . Das Wesentliche kann man eh nicht in Worten ausdrücken: dieser Beethoven klingt einfach "richtig" und er wird als Dreingabe noch mit einer seltenen Hingabe und Spielfreude musiziert.
Orignalcover (heute gibt es eine Neuauflage): http://ecx.images-amazon.com/images/I/417DCMZHQ7L._AA240_.jpg
Hallo Dox,
mit Deinen Worten, die Du im Betrag zu "Sinfonien für die Ewigkeit" geschrieben zu Heinrich Schiff´s Beethoven-Sinfonien-Aufnahme geschrieben hast, hast Du mich neugierig gemacht. Besonders der Satz: "Für Paukenfans lohnt sich die Anschaffung."
Wenn ich das richtig verstehe, hat Heinrich Schiff nur die Sinfonien Nr.1-4,9 mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen aufgenommen.
Die BERLIN-CD´s werden relativ preiswert bei amazon angeboten - ich denke da werde ich tätig werden. :beer Ich werde berichten.
Es gibt noch eine andere Aufnahme, die mit fabelhaftem Paukenklang gesegnet ist - hier leider nur die Sinfonie Nr.8 mit Blomstedt, Staatskapelle Dresden (Brillant). Den Blomstedt-Zyklus finde ich ansonsten zu langsam und damit insgesamt zu langatmig. Aber die Sinfonie Nr.8 ist eine meiner liebsten Interpretationen dieses Werkes.
Cetay (inaktiv) (24.01.2009, 22:20): Original von teleton
Hallo Dox,
mit Deinen Worten, die Du im Betrag zu "Sinfonien für die Ewigkeit" geschrieben zu Heinrich Schiff´s Beethoven-Sinfonien-Aufnahme geschrieben hast, hast Du mich neugierig gemacht. Besonders der Satz: "Für Paukenfans lohnt sich die Anschaffung."
Wenn ich das richtig verstehe, hat Heinrich Schiff nur die Sinfonien Nr.1-4,9 mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen aufgenommen.
Die BERLIN-CD´s werden relativ preiswert bei amazon angeboten - ich denke da werde ich tätig werden. :beer Ich werde berichten.
Es gibt nur die Nr. 1-4. Ich bin gespannt auf deine Eindrücke.
kreisler (24.01.2009, 23:29): Ich kann zwar leider überhaupt nichts zu der gerade gesprochenen Aufnahme beitragen, aber da ich diesen Thread gefunden habe, will ich mal eine Frage stellen, die mich beschäftigt:):
Gibt es eurer Meinung eine herausragende Gesamteinspielung die es sich lohnen würde anzuschaffen, wenn man zwar alle Symphonien irgendwie zusammen hat, aber nicht auf gleichbleibender Qualität?
(Ich selber besitze die Aufnahmen von Carlos Kleiber von der 4-7 und Fricsay´s 9. und mein Vater hat auch noch die restlichen Symphonien mit Live-Aufnahmen von Leonard Bernstein, die sind gut, aber eben lange nicht auf dem Niveau von Kleiber)
Ich überlege mir eine GA anzuschaffen, wenn sie nicht zu teuer ist und wirklich etwas neues bringen würde. Wen würdet ihr mir empfehlen? Oder gibt es bsp. herausragende einzelaufnahmen der ersten drei Symphonien?
danke kreisler
Gerion (24.01.2009, 23:57): Lieber Kreisler,
ein Denkanstoß: wie wäre es denn mit einer Aufnahme, die eher der historischen Aufführungspraxis zuzuschreiben wäre? Der erste Norrington-Zyklus ist zB nicht teuer, Immerseel geht auch noch. Harnoncourt war eine Weile recht günstig bei Zweitausendeins zu haben, ich weiß nicht, ob es den noch gibt. Gardiner wäre wohl zu teuer.
Ansonsten würde ich, glaube ich, die Lücken eher mit Einzelaufnahmen füllen. Wie wäre zB Nr. 3 & 8 mit Järvi - gerade bei jpc für 9,99 gesehen, also nur noch Mid-Price.
Eine letzte Möglichkeit, die mir einfiele, wären der erste Karajan-Zyklus (Geschmackssache) für ungefähr 35 Euro oder - wie ich finde, wirklich sehr günstig - Bernstein mit den NY Philharmonic für 27 Euro oder zum gleichen Preis - meine persönliche Empfehlung - den Wand-Zyklus bei Zweitausendeins.
Ob das Deinem persönlichen Empfinden nach ebenbürtige Aufnahmen zu C. Kleiber sind, weiß ich natürlich nicht. Ich würde mich nicht darauf versteifen, einen kleiberartigen Zyklus zu kaufen, weil es von Kleiber selbst keinen gibt - sowas wird man kaum finden, denke ich.
Grüße Gerion
Amadé (25.01.2009, 00:02): @ Amadeus Kreisler
Hallo, da kann ich trotz gegenteiliger Meinung hier im Forum zu Blomstedt mit der Staatskapelle Dresden (Berlin classics oder Brilliant) raten. Blomstedt entdeckt Details, die man bei anderen Dirigenten nicht hören kann. Dass er langsam sei, kann ich im Vergleich zu anderen Einspielungen nicht feststellen. Er bringt übrigens alle Wiederholungen, auch die im 3. Satz der 5., die außer Gardiner alle weglassen!
Gerion, ich habe mir insgeheim:) schon gedacht das dieser Vorschlag mit historischer Aufführungspraxis kommen würde, zumal ja oben schon über solche Aufnahmen diskutiert wurde. Dieser Vorschlag ist sehr vernünftig, da es, wie du sagst, wirklich keinen Sinn hat, hier sich dauernd auf Kleiber zu beziehen. Eine Alternativ-Pol wäre wohl das interessanteste. Das Problem ist nur, das ich bis jetzt ziemlich strikt gegen jegliche "Aufführungspraxis" war und ich da auch sicher nicht leicht zu überzeugen bin. Allerdings muss ich mir selber gestehen, dass diese Abneigung nur auf theoretischen Überlegungen zur Interpretation an sich und auf Vorurteilen beruht. Praktisch habe ich damit eigentlich wenig Erfahrung. Doch auch durch deinen Vorschlag sehe ich mich bekräftigt, mich auch mal in diese Richtung zu bilden. Jedoch werde ich wohl vorerst mal meinen Cousin und Harnoncourt-"Spetzialisten" fragen, ob ich in seine CD´s mal etwas hineinhören kann, denn wenn es mir tatsächlich überhaupt nicht gefallen sollte, hat es ja auch keinen Sinn... An Karajan hatte ich auch schon kurz gedacht, doch ist diese GA wirklich so überragend, das man sie sich zulegen sollte? Günstig ist sie auf jeden Fall...
Auch Günter Wand und Blomstedt sind beide sehr interessant, besonders da ich sie noch kaum kenne.
Jedenfalls vielen Dank für die Anregungen,
Grüße kreisler
kreisler (25.01.2009, 00:39): Ich habe gerade noch nach der Järvi Aufnahme gesucht. Habe mir aber nur von den wenigen Hörproben bei jpc einen Eindruck verschaffen können: Die Eroica kommt mir doch etwas sehr leicht vor!
noch gefunden habe ich diese CD hier, wären ja genau die Werke die mir "fehlen":
Cetay (inaktiv) (25.01.2009, 08:30): Original von Amadeus Kreisler
Das Problem ist nur, das ich bis jetzt ziemlich strikt gegen jegliche "Aufführungspraxis" war und ich da auch sicher nicht leicht zu überzeugen bin.
Gerade dann würde ich den Rat zu Harnoncourt bekräftigen, denn er hat bei Beethoven die Vorzüge von "historischer" und "moderner" Aufführungspraxis verbunden. ... Fusionierung von vermeintlichen Gegensätzen wie straffes Tempo vs. Ausloten von Tiefen, mitreißender Vorwärtsdrang vs. breites Aussingen und Plastitzität der großen Bögen vs. Detaillierung der einzelnen Phrasen. Gardiner und Norrington/LCP klingen dagegen viel radikaler nach HIP.
@Gerion Meinst du mit dem ersten Karanjan-Zyklus den mit dem Philharmonia Orchestra auf EMI? Den gibt es nämlich deutlich günstiger.
Cetay (inaktiv) (25.01.2009, 08:30): .
Cetay (inaktiv) (25.01.2009, 08:31): .
Gerion (25.01.2009, 10:02): Original von Dox Orkh
@Gerion Meinst du mit dem ersten Karanjan-Zyklus den mit dem Philharmonia Orchestra auf EMI? Den gibt es nämlich deutlich günstiger.
Hallo Dox,
nein, eigentlich meinte ich den "sagenumwobenen" ersten DGG-Stereo-Zyklus aus den 60ern... Aber die Emi-Aufnahmen wären evtl. auch interessant.
Aber mir scheint auch, dass Harnoncourt für Kreisler evtl. am interesantesten sein könnte.
Viele Grüße :hello
kreisler (25.01.2009, 11:58): Original von Gerion
Aber mir scheint auch, dass Harnoncourt für Kreisler evtl. am interesantesten sein könnte.
Viele Grüße :hello
Dann werde ich wohl mal danach Ausschau halten :) Ich könnte mir beispielsweise die Symphonien 1-3 bei Elatus kaufen?
Und vielen Dank für die kleine Beartungsstunde :D
grüße kreisler
teleton (25.01.2009, 12:53): Hallo Gerion, Dox und Kreisler,
welcher Beethoven-Gesamt-Zyklus der Empfehlenswerteste ist, darüber kann man sich stundenlang auseinandersetzen.
:beer Im Endeffekt sind es die Einzelaufnahmen aus den verschiedenen GA-Zyklen, die sich im Laufe der Zeit als die eigenen Favoriten heraussstellen.
Ich selber bin auch mit dem (wie Gerion schreibt) "sagenumwobenen" Karajan - DG-Stereo-Zyklus (DG, 1962, ADD) aufgewachsen - damals auf DG-LP´s. Diese haben mich immer voll zufriedengestellt. Aus Taschengeldpreisgründen, hatte ich aber auch hier und da mal Einzel-LP´s mit Kletzki, Monteux und anderen vergessenen Dirigenten gekauft (die waren billiger). Später auf CD habe ich mir die Einzel-CD´s des 2.Stereozyklus mit Karajan aus den 70er-Jahren zusammengekauft, die klanglich besser sind und nicht rauschen als der erste Stereozyklus (auf CD stört das bei den 62er-Aufnahmen aber eindeutig weniger - dazu später mehr).
Und man muß jetzt klar sagen und zugeben: Wegen der besseren Klangqualität war ich von den 1977er-DG-Zyklus immer höher angetan, als von den alten DG-Platten aus 1962. Meine erste LP aus dem 1977er-Zylus, war die Sinfonie Nr.7. Ich war derart fastziniert, das ich gleich weitere kaufen wollte, doch die waren damals mit 25,-DM Hochpreis, also recht teuer. Erst als die CD aufkam setzte ich mein Vorhaben um und kaufte die 1977er-Aufnahmen alle als DG-Einzel-CD aus der Galleria-Serie und war damit auf viele Jahre (bis heute) bestens bedient. Es folgten auch weitere CD´s aus Karajan´s 1984er-DG-Zyklus, die mich nicht alle immer zufriedenstellten (wieder meist nur aus klanglichen Gründen). Man hatte ja eine Erwartung an DDD und die wurde nicht immer erfüllt ! Besomders die DG-CD mit der Sinfonie Nr.8 und 3Ouvertüren ist IMO daneben. Dagegen ist die Sinfonei Nr. 5 und 6 in der DDD-Aufnahme wieder TOP.
* Heute stelle ich mit dem Besitz aller drei Karajan - Zyklen (62 - 77 - 84) fest, das es einige Sinfonien Beethovens gibt, die in dem ersten Stereozyklus (der jetzt auf CD ordentlichen Klang hat) einige Interpretationen vorhanden sind, die eine nicht mehr wiederholbare Ummittelbarkeit haben, die einfach fastziniert. Die Sinfonien Nr. 3, 5, und 7 finde ich interpretatorisch in allen 3Zyklen gleich gut. Die Sinfonie Nr.9 ist mir von 1977 am liebsten.
:cool Zu der Erkenntnis, das ich die 1962er-Aufnahmen auch unbedingt als Ergänzung benötige, wäre ich schon eher gekommen, wenn nicht die SACD-BOX der 1962er-Aufnahmen fehlerhaft gewesen wäre. Ich hatte mir vor einigen Jahren (ca.2004) diese SACD-DG-Box gekauft um auch diese 1962er-Karajan - Aufnahme komplett zu haben (ich hatte nur einige Einzelaufnahmen) und damit meine weiteren Beethoven-Karajan-Zyklen (auf Einzel-CD´s) mit Karajan von 1977 und 1984 zu ergänzen. Leider hatten zwei SACD in der DG-Box Aussetzer, sodass ich diese bei SATURN wieder zurückgetauscht hatte. Dabei blieb es. Ich berichtete im TAMINO-Forum schon darüber. * Die SACD hatte einen sehr guten natürlichen Klang, der besonders in den Streichern seidenweich (ohne Härte) klang und sich schon vom CD-Klang und erst Recht vom LP-Klang abgehoben hat - voll empfehlenswert. Mich hat nur gestört, das die SACD nicht Multikanal waren, sondern nur mit zwei Kanälen in Stereo (wo sollen die Reflexionskanäle auch herkommen).
** Die abgebildete DG-GA-5CD-Box reicht somit voll aus und ist klanglich allen Vorgängern (LP und frühere CD-Ausgaben) überlegen. Sie kostet um die 20,-Euro (wenn man an der richtigen Stelle kauft) und nicht wie gerion schreibt 35,-Euro.
- Der EMI-Zyklus aus den 50erm ist für mich uninteressant - er ist in MONO. Warum soll man sich das antun, wenn man Karajan 3 * komplett in Stereo bekommt ?
--
Diesere Tage höre ich mehrere Aufnahmen (10Stück) der Sinfonie Nr.1 aus meinen GA und Einzel-CD´s zum Vergleich an:
:engel Dabei schält sich die Aufnahme aus meiner Bernstein - GA (SONY, 1964, ADD), wieder als Favorit heraus.
Bernstein - diese direkte, präzise, packende, detailreiche und ganz wichtig beethovenwürdige Interpretation muss man einfach schätzen. Auch die DG-Aufnahme ist TOP.
-- Zinman - wenig beethovennah mit auffallend kleiner Besetzung erschien mir Zinman, der zwar detailreich rüberkommt, doch die Themen im 1. Satz der Nr.1 seltsam betont (wie ein Stoßgebet). Das soll Beethoven sein ? - so nicht !
Mrawinsky - nicht übel, sehr klar, packend, aber etwas hintergründiger Paukenklang.
* Szell - straff, beethovenwürdig, leider schlechte Klangqailität (gerade bei Nr.1 weniger gut als bei den Anderen)
* Blomstedt - langsam, dadurch nicht so spannend.
* Karajan - gemäß der eigenen Prägung, so wie es sein soll; doch im vergleich zu Bernstein spüre ich einen klitzekleinen Hang zur Behäbigkeit im ersten Satz (aber wirklich nur da).
** Solti - den sollte man nicht vergessen. Die GA ist mit bei den meisten Sinfonien zu langsam und ausgewalzt geraten (besonders die Nr.3, 7); das ist alles höchst dramatisch, beeethovennah und scheinbar richtig. Doch es reißt mich nicht immer mit. Die Sinfonie Nr.1 gehört aber für mich zusammen mit Bernstein(SONY) zu den schönsten Aufnahmen, die ich kenne - es stimmt einfach alles.
Gerion (25.01.2009, 13:16): @Teleton: Danke für den Hinweis auf die günstigere Beschaffunsmöglichkeit der karajan-cds - ohne Nennung der Bezugsquelle macht er allerdings wenig Sinn. Könntest Du das noch nachholen?
Danke & herzlichen Gruß Gerion :hello
Dr. Schön (25.01.2009, 20:11): Original von Amadeus Kreisler Gibt es eurer Meinung eine herausragende Gesamteinspielung die es sich lohnen würde anzuschaffen, wenn man zwar alle Symphonien irgendwie zusammen hat, aber nicht auf gleichbleibender Qualität?
Jetzt komme ich hoffentlich nicht zu spät, aber wenn es um eine durchgehend hochwertige Sammlung von Beethoven Sinfonien geht, dann muss ich einfach Erich Kleiber und die für mich beste Sammlung ihrer Art empfehlen:
Enthalten sind hier die Sinfonien Nos. 3,5,6,7 & 9 und man kann sie nur anders aber in keiner Weise besser bekommen.
Kleiber überzeugt mit einem sehr flotten, immer sehr klaren und transparentem Dirigat und einer eher klassizistischen Darstellung, bei der auch viel Wert auf die Herausarbeitung der Archtiketur und eine sehr geschliffene Binnenspannung gelegt wird. Eine der geschlossensten 5ten, eine ungeheuer lebendige und farbige Pastorale und, keine Ahnung... einfach dem Besten was es an Beethoven Einspielungen gibt :D (Ich meine auch immer, dass Sohn Carlos mit dem Vater in manchen Details sehr übereinstimmt)
Auch der Rest dieser Box ist höchstwertig. Seine 9te Schubert habe ich im entsprechendem Faden bereits erwähnt. Und Mozarts Nos. 39 & 40 bleiben für mich, nur neben Josef Krips, die überzeugendsten und spannendsten.
Die Klangqualität, nunja, eben 50er. Wenn das kein Problem ist, dann kann man es nicht besser machen.
Bei Karajan finde ich den 50er Zyklus auf EMI überzeugender, weil er mit mehr Innenspannung und einer Entwicklung von Innen heraus einfach mehr überzeugt. Beim 62er Zyklus vermisste ich das im Vergleich etwas. Wenn man alle 9 haben möchte, finde ich den EMI Zyklus diskutabel. Ich könnte es so sagen, dass für mich heute der erste Zyklus neuer/lebendiger/moderner wirkt als der zweite, der für mich heute älter klingt. (freilich unabhängig von der Tontechnik).
Blomstedt finde ich übrigens als Ganzes auch hörenswert, wobei ich vorallem seine Schubert GA mehr schätze.
kreisler (25.01.2009, 20:19): Nun da habe ich jetzt aber ein breites Spektrum an Auswahlmöglichkeiten... vielen Dank!
Natürlich ist der "Vater" Kleiber auch sehr interessant, ich vergesse ihn nur leider manchmal bei meinem (Carlos) Kleiberkult :D. Hat er wirklich nicht verdient!!! und eigentlich wäre es schon mal interessant sich so eine Box von ihm anzuschaffen. Nur schade, dass gerade die frühen Symphonien fehlen, und wenn er sowieso den Beethoven ähnlich wie sein Sohn dirigiert...?
Eine Frage: Wer kennt die Aufnahmen der 1,2 & 3 Symphonie von Klemperer? Ich habe gesehen die gibt es bei der Emi-great Recordings Serie.
kreisler
Cetay (inaktiv) (25.01.2009, 20:24): Original von Dr. Schön
Bei Karajan finde ich den 50er Zyklus auf EMI überzeugender, weil er mit mehr Innenspannung und einer Entwicklung von Innen heraus einfach mehr überzeugt. Beim 62er Zyklus vermisste ich das im Vergleich etwas. Wenn man alle 9 haben möchte, finde ich den EMI Zyklus diskutabel. Ich könnte es so sagen, dass für mich heute der erste Zyklus neuer/lebendiger/moderner wirkt als der zweite, der für mich heute älter klingt. (freilich unabhängig von der Tontechnik).
:hello Damit hast du exakt die Antwort, die ich auf Wolfgangs Frage geben wollte, vorweggenommen.
(...) MONO. Warum soll man sich das antun, wenn man Karajan 3 * komplett in Stereo bekommt ?
Dr. Schön (25.01.2009, 20:29): Original von Amadeus Kreisler Eine Frage: Wer kennt die Aufnahmen der 1,2 & 3 Symphonie von Klemperer? Ich habe gesehen die gibt es bei der Emi-great Recordings Serie.
kreisler
Auf der CD sind meine ich nur die Eroica, und die Leonoren Ouvertüren 1 & 2, oder?
Jedenfalls ist Klemperers Beethoven sehr hörenswert, nur mir für meinen Geschmack etwas zu spezifisch oder klemperisch. Sehr endrucksvoll und eigenwillig finde ich bei Klemperer's Eroica den zweiten Satz. Die beiden Finalsätze sind sehr kompakt und werden sehr straff durchmusiziert. Insgesammt sehr streng und in Granit gemeiselt. Ich mag bei Klemperers Beethoven oft vorallem einzelne Sätze und schätze ihn als Gesammtsicht. Einzeln ist er bei mir nie ganz vorne dabei.
Bei Eroica favorisiere ich eben Kleiber, Scherchen und immer mehr Järvi.
Scherchen finde ich gerade bei Beethoven auch immer sehr hörenswert. In vielem sehr extrem, aber wie spielend er dabei immer die Strukturen durchzeichnet finde ich bemerkenswert.
teleton (26.01.2009, 11:51): Hallo Dr.-Schön,
ich habe schon seit jahren die GA mit Klemperer (EMI) im Auge, gehe im CD-Laden aber immer daran vorbei, weil ich mit 9GA und einigen Einzelaufnahmen nun wirklich voll bedient bin.
Meine erste LP in meinem Leben, die ich mir kaufte war übrigens Beethoven: Sinfonie Nr.3 Klemperer Philharmonia Orchestra (EMI 1960). Eine Aufnahme von der ich bis heute geprägt bin.
Ob ich mich heute allerdings auch an diese, wie ich gelesen habe - sehr ausgewalzten Interpretationen bei den anderen Sinfonien gewöhnen könnte, wage ich nach Bernstein und Karajan zu bezweifeln. * Es kommt noch etwas dazu, was mich abschreckt: Die EMI-Aufnahmen klingen gerade aus der Zeit um 1960 sehr schrill und hart in den Streichern und Bläsern. Die Brahms-Sinfonien mit Klemperer (auch Anfang der 60er) waren für mich große Interpretationen (damals auf LP), mit denen ich Brahms kennenlernte. Aber welche Erlösung für mich, auch in klanglicher Hinsicht, als ich dann Solti (Decca auf CD) bekam.
Die EMI - Box mit Klemperer ist günstig und enthält zusätzlich die KK mit Barenboim.
Hallo Gerion, hier die Quelle für die Beethoven-Sinfonien mit Karajan (DG 1962): amazon-marketplace (dort Beethoven Karajan eingeben). Der Preis ist aber leicht auf 25,99€ gestiegen - ich hatte zu Weihnachten 08 20,-€ bezahlt.
Hallo Dox,
wenn man nur auf die Interpretation achtet, mag der EMI-Zyklus ja TOP sein. Nur - ich bin beim Hören immer klangorientiert und kann mich mit einem MONO-Klang einfach nicht zufriedengeben und halte ein Werk meist nicht bis zum Schluß durch. Kurz: Geht bei mir nicht ! Habe dann keine Freude daran.
Wie gerne hätte ich so einiges von Mrawinsky und auch Furtwängler in Stereo.........
Gerion (26.01.2009, 16:12): @teleton: Danke für die Info! Grüße Gerion
kreisler (26.01.2009, 16:31): Original von teleton wenn man nur auf die Interpretation achtet, mag der EMI-Zyklus ja TOP sein. Nur - ich bin beim Hören immer klangorientiert und kann mich mit einem MONO-Klang einfach nicht zufriedengeben und halte ein Werk meist nicht bis zum Schluß durch. Kurz: Geht bei mir nicht ! Habe dann keine Freude daran. Wie gerne hätte ich so einiges von Mrawinsky und auch Furtwängler in Stereo.........
Mir ist der Klang immer relativ egal (im Gegenteil: frührer fand ichs sogar toll, wenn´s "bisschen gerauscht" hat - die Aufnahme wirkte dann immer sehr "gewichtig" und "ernst" auf mich, das hat mir immer gefallen...) Teurer ist der Emi-Zyklus ja auch nicht, aber ich glaube eh nicht, dass ich mich für Karajan entscheide. Wenn ich mir den Thread durchlese kommt mir Harnoncourt und die Klemperer-Box am interessantesten vor. Noch mal danke für die vielen Vorachläge. Da hab ich ja eine ganz schöne Diskussion verursacht:)...
Aber jetzt habe ich leider gerade erst neue CD´s gekauft (und muss warten bi wieder irgendwo geld herfließt :( :P))
kreisler
Cetay (inaktiv) (13.06.2009, 08:09): Original von Dox Orkh Aufnahmen mit Orchestern aus der dritten Reihe können oft ihren eigenen Reiz haben und ich hege große Sympathie für das Collegno Label. Ich bin jedenfalls gespannt und werde beizeiten berichten. :engel
Zu einem Bericht reicht es trotzdem immer noch nicht. Ich kann maximal ein wenig herumschwafeln, dann fallen Sätze wie: Der Staub, den die HIP-Bewegung noch übrig gelassen hat, wird in dieser Einspielung vollends weggeblasen ohne dass es gewollt spektakulär anders klingt. Frisch, lebendig, energiereich, unverbraucht, erdig, farbig, ausdrucksstark, empfindsam, menschlich; leidenschaftlich musiziert, manchmal wie entfesselt - ohne dass die monumentale Größe auf der Stecke bleibt. Oder ich zitiere einfach aus dem PR-Text, weil er in diesem Falle mal stimmt: Vielmehr geht es darum, diese Musik in all ihrer Lebendigkeit und Menschlichkeit unmittelbar erstehen zu lassen. Sic!
Cetay (inaktiv) (13.06.2009, 08:13): Nachzutragen bleibt noch, dass es sich um Livemitschnitte handelt. Das trägt sicher zu der Vitalität dieser Aufnahmen bei, ich finde es dennoch störend, dass man den Applaus nicht herausgschnitten oder ihm wenigstens eine eigene Tracknummer verpasst hat.
Amadé (15.10.2009, 17:46): Liebe Beethoven-Freunde, das französische Label Tahra hat soeben Hermann Scherchens Gesamtaufnahme der 9 Beethoven-Sinfonien auf CD herausgebracht, die von Westminster Anfang der 50er Jahre in Wien und London aufgezeichnet wurde.
Nr.1 C-dur Orchester der Wiener Staatsoper 1954 Nr.2 D-dur Royal Philharmonic Orchestra 1954 Nr.3 Es-dur Wiener Symphoniker 1951 Nr. 4 B-dur Royal Philharmonic Orchestra 1954 Nr.5 c-moll Royal Philharmonic Orchestra 1954 Nr.6 F-dur Orchester der Wiener Staatsoper 1951 Nr.7 A-dur Orchester der Wiener Staatsoper 1951 Nr.8 F-dur Royal Philharmonic Orchestra 1954 Nr.9 d-moll Chor und Orchester der Wiener Staatsoper 1953
Archipel hatte bereits 2004 diese Aufnahmen herausgebracht, bei denen es jedoch Tonhöhenprobleme gab, außerdem wurde das Londoner Orchester fälschlich als Philharmonic Symphony betitelt.
ALs 1966 die Zeitschrift FonoForum eine Übersicht über gerade neu erschienene Billig-LPs herausbrachte, warnte Joachim Matzner vor den Sinfonien Nr.3, 6, 7 und 9, die er interpretatorisch schwach und eigenmächtig fand. Lobend äußerte er sich über die Londoner Produktionen der 2. 4. und 5., denen er toscaninische Gewalt bescheinigte. Mir ist beim Hören etwas ganz anderes aufgefallen: die Londoner Einspielungen klingen wie eine Vorwegnahme der historisch informierten Aufführungspraxis. Was andere 15 - 20 Jahre später entdeckten und für sich reklamierten, galt für den weitsichtigen aber auch eigenbrötlerischen Scherchen schon als historische Wahrheit.
Die Sinfonien 3 und 6 spielte er 1958 nochmals mit dem Orchester der Wiener Staatsoper in Stereo ein:
Über die Interpretation dieser Eroica siehe klassik-prisma.de
Grüße Amadé
Cetay (inaktiv) (15.10.2009, 20:52): Schade, ich hatte auf die Gesamtaufnahme mit dem Orchestra Della Radio Televisione Della Svizzera Italiana gehofft. Christoph Keller schreibt über diese Aufnahme: Dass Scherchen für sein Beethoven-Vermächtnis kein besseres Orchester zur Verfügung hatte, war künstlerisch keineswegs ein Nachteil – im Gegenteil: die Tessiner Radiomusiker waren unbelastet von der pathetischen Beethoven-Tradition germanischer Provenienz und deshalb offen für Scherchens Konzeption, zu der ein an den Limiten agierendes Orchester ohnehin besser passt als der wohlgenährte, abgerundete Klang eines philharmonischen Spitzenensembles. Ich kenne daraus den ersten Satz der Fünften: Der radikal auf das rhythmisch-strukturelle Element fokussierte Ansatz ist eine echte Offenbarung und in der Tat eine Vorwegnahme von Ideen der historisch informierten Aufführungspraxis.
Wooster (15.10.2009, 21:00): Die mit Abstand besten von Scherchens Beethovensinfonien sind die einzelne Stereo Eroica und die 8.; sie gehören m.E. zu den wichtigsten Aufnahmen der gesamten Beethovendiscographie. Die Pastorale ist in der Tat etwas gehetzt; die anderen habe ich noch nicht oft genug gehört (weil ich diese drei einzeln (MCA/Millenium/Westminster) schon viel länger habe als die GA in der "Archipel"-Version, Tahra ist sicher vorzuziehen!)
Scherchen war, wenn auch heute fast nur Kennern geläufig, einer der wichtigsten Dirigenten des 20. Jhd. Kaum einer dürfte an mehr Uraufführungen zentraler Werke beteiligt gewesen sein und eine erhebliche Zahl hochkarätiger Schüler aufweisen. Dagegen sind Böhm, Karajan etc. wirklich nur "große Namen". Und er war obendrein, wenngleich mitunter exzentrisch, ein grandioser Dirigent, der auch aus drittklassigen Orchestern Erstaunliches herausholen konnte.
Ich hoffe, tahra bringt auch die lange vergriffenen Einspielungen der Johannes bzw. Matthäuspassion mit Scherchen heraus!
Wooster
HenningKolf (15.10.2009, 23:55): Original von Wooster Kaum einer dürfte an mehr Uraufführungen zentraler Werke beteiligt gewesen sein
Glaube dass da Ansermet die "Führungsposition" inne hat.
Gruß Henning
Amadé (17.10.2009, 10:15): Original von Wooster Die mit Abstand besten von Scherchens Beethovensinfonien sind die einzelne Stereo Eroica und die 8.; sie gehören m.E. zu den wichtigsten Aufnahmen der gesamten Beethovendiscographie. Die Pastorale ist in der Tat etwas gehetzt; die anderen habe ich noch nicht oft genug gehört
Lieber Wooster,
ich habe mir gestern Abend nochmals die 8. angehört, sie gefällt mir sehr gut, auch die Frage der Temporelation zwischen Satz 1 und 2 ist hier zufriedenstellend gelöst. Meist wird der 2.SAtz in Relation zum 1. zu schnell gespielt. Es gibt nur ganz wenige gute Lösungen, u.a. Klemperer POL. Der 4. Satz ist mir bei Scherchen ein wenig zu schnell geraten, trotzdem faszinierend. Die Aufnahme ist in sich geschlossen.
Gruß Amadé
Wooster (17.10.2009, 11:32): Mir ist inzwischen klar geworden, daß die Pastorale in dem Mono-set ebenfalls nicht die (im Kopfsatz extrem zügige) ist, die mir schon länger bekannt ist (und die auf der gezeigten Einzel-CD mit der 3. gekoppelt ist). Bei dieser älteren Einspielung der 6. (ebenso bei der Mono-Eroica) bewegen sich die Tempi meist im Rahmen des Üblichen.
Die kürzlich herausgekommene 8. unter Järvi ist teils noch schneller als Scherchens, tendiert aber zur Glätte, die sich bei Scherchen, egal ob er extrem schnell oder sehr langsam (bei einigen Mahler und Haydn-Sätzen) unterwegs ist, eigentlich nie einstellt.
Nur der Vollständigkeit halber...
Wooster
Agravain (25.10.2009, 08:50): Herbert Kegel ist einer der großen und dennoch nicht genug rezipierten deutschen Dirigentenpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sicher, er lebte und wirkte in der DDR, aber das sollte den Zugang zu seinen Interpretationen nicht verstellen. Kegels großes Verdienst liegt nicht nur in seinem Einsatz für die Aufführung von Werken von Komponisten des 20. Jahrhunderts, sondern auch in seinen höchst individuellen Einspielungen von Werken des Repertoires. Dazu gehört seine Aufnahme aller Sinfonien Beethovens aus den Jahren 1982/1983 mit der Dresdner Philharmonie, die er acht Jahre leitete.
Sein Beethoven-Zyklus gilt im Kosmos der Gesamtaufnahmen als Geheimtipp und ich muss sagen, dass da durchaus etwas dran ist. Sicher, die Aufnahme ist nicht perfekt – sie hat Stärken und Schwächen (wie alle anderen auch), doch überzeugt sie insgesamt aufgrund ihrer interpretativen Einheitlichkeit.
Beginnen wir mit den rein technischen Stärken. Da ist zu einen aus technischer Hinsicht erst einmal erfreulich, dass das Label Capriccio die Symphonien als SACDs herausgibt, sodass eine glänzende Durchhörbarkeit gewährleitstet ist. Die Dresdner Philharmonie spielt mit weichem, runden Ton und agiert dynamisch und agogisch sehr flexibel. Dien Instrumentengruppen stehen klanglich in einem sehr natürlichen Verhältnis zueinander, insgesamt entsteht der Eindruck eines gegenseitigen Aufeinander-Hörens. Es geht Kegel – so will es mir zumindest scheinen – wie so oft nicht nur um die Musik an sich, hier erleben wir keinen Klangzauber, kein bloßes „l’arte pour l’arte“, Kegel versucht Beethoven analysierend zu durchdringen und beim Hörer somit nicht nur emotionalen sondern auch intellektuellen Genuss auszulösen. Mir kommt es fast so vor, als sei Kegels Prämisse das Horazsche „prodesse et delectare“ gewesen.
Innerhalb der Einzelaufnahmen gibt es nur wenig, das mir nicht gefällt. So scheint mir der Kopfsatz der ersten Sinfonie etwas zu schwer musiziert, gerade so, als sei sie vom späteren Beethoven her gedacht worden, sodass die schon fast haydnsche Klassizität des Satzes etwas auf der Strecke bleibt. Problematisch erscheint mir auch die Wiedergabe des ersten Satzes der „Pastorale“. Er wird in Minuten geringfügig langsamer als beispielsweise bei Karajan oder Blomstedt musiziert, die „heiteren Empfindungen“ wollen sich jedoch nicht einstellen. Der Satz klingt eher fahrig, ja hektisch und bleibt somit ein Fremdkörper in der Konzeption. Mich beschleicht immer häufiger, wenn ich Kegel-Aufnahmen höre (ich denke da bspw. an das unglaublich düstere Brahms-Requiem), dass die besagten „heiteren Empfindungen“ Kegels Sache u.U. nicht waren. Dem Rauschhaften des Freudengefühls steht der intellektuelle Ansatz hier entgegen – wie es sich auch im Finalsatz der Neunten zeigt, mit dem ich aus diesem Grund (und auch weil die Solisten nicht so recht den Ansprüchen gerecht werden) nicht warm werde. Da fehlt mit mir persönlich das Ekstatische, so wie es bspw. Szell bringt.
Im Gegensatz hierzu ist Kegels Darbietung des Trauermarsches aus der „Eroica“ ein echtes Erlebnis. Selten habe ich diesen Satz so dunkel und tragisch gehört wie hier. Im Angesicht des Tragischen scheint dann auch mit Kegel – ganz lax gesagt – die Emotion durchzugehen und das führt dann zu Höchstleistungen, so wie auch im Allegretto der Siebten, das geradezu Klemperersche Wucht erreicht. Besonders gut liegen Kegel auch die langsamen Sätze der Sinfonien 4 und 9, deren lyrisch-verinnerlichter Ton ganz besonders gut getroffen wird. Dem Kopfsatz der Zweiten gibt Kegel bei aller Spielfreude seine Würde dadurch zurück, dass er das zweite Thema nicht so stark akzentuiert spielen lässt (Beethoven schreibt das Staccato ja vor), sodass es bei weitem nicht so banal klingt, wie in manch anderen Aufnahmen. Auch die Fünfte ist sehr gut anzuhören, und zwar weil der Dirigent bei allem Willen zur Dramatik durchaus vehement musiziert, dabei jedoch jeglicher (zusätzlicher) Effekthascherei aus dem Weg geht.
Insgesamt finde ich, dass es sich um eine durchaus empfehlenswerte Einspielung handelt, die trotz ihres grundsätzlich traditionellen Ansatzes nicht nur „noch eine Beethoven-Aufnahme“ ist, und zwar weil sie in besonderem Maße die Handschrift der Dirigentenpersönlichkeit trägt.
Amadé (26.10.2009, 16:43): @ Dox Orkh
Lieber Dox, gestern hatte ich etws Zeit mich mit der einzigen CD aus der Serie mit dem Orchestra Della Radio Televisione Della Svizzera Italiana zu befassen, und zwar mit der von Dir zitierten 5., es handelt sich um eine live-Aufnahme vom Februar 1965, veröffentlicht vom Labal aura 2000.
Original von Dox Orkh Ich kenne daraus den ersten Satz der Fünften: Der radikal auf das rhythmisch-strukturelle Element fokussierte Ansatz ist eine echte Offenbarung und in der Tat eine Vorwegnahme von Ideen der historisch informierten Aufführungspraxis.
Der von Dir erwähnte HIP-Ansatz äußert sich m.E. vor allem bei der Verwendung der Hörner. Seltsamerweise nur im 1. und 2. Satz, in den anderen 2 Sätzen fiel es mir nicht auf. Der Schluss des 2. Satzes ist mit viel Atmosphäre gespielt, das Zusammenspiel im 3.Satz nicht immer ganz präzise. Negativ fiel mir auf, dass sich Scherchen wie einst Celibidache, da stört es mich oft sehr, mit Zurufen einmischt und bei Höhepunkten das Orchester antreiben möchte. Trotz der Einwände möchte ich die anderen Sinfonien aus dieser Serie gern mal kennenlernen. Meine CD enthält außer der 5. noch Probenausschnitte zu allen 4 Sätzen der 5., ca.43 Min in italienischer Sprache.
Grüße Amadé
Cetay (inaktiv) (27.10.2009, 07:30): Original von Amadé @ Dox Orkh
Lieber Dox, gestern hatte ich etws Zeit mich mit der einzigen CD aus der Serie mit dem Orchestra Della Radio Televisione Della Svizzera Italiana zu befassen, und zwar mit der von Dir zitierten 5., es handelt sich um eine live-Aufnahme vom Februar 1965, veröffentlicht vom Labal aura 2000.
Original von Dox Orkh Ich kenne daraus den ersten Satz der Fünften: Der radikal auf das rhythmisch-strukturelle Element fokussierte Ansatz ist eine echte Offenbarung und in der Tat eine Vorwegnahme von Ideen der historisch informierten Aufführungspraxis.
Der von Dir erwähnte HIP-Ansatz äußert sich m.E. vor allem bei der Verwendung der Hörner. Seltsamerweise nur im 1. und 2. Satz, in den anderen 2 Sätzen fiel es mir nicht auf. Der Schluss des 2. Satzes ist mit viel Atmosphäre gespielt, das Zusammenspiel im 3.Satz nicht immer ganz präzise. Negativ fiel mir auf, dass sich Scherchen wie einst Celibidache, da stört es mich oft sehr, mit Zurufen einmischt und bei Höhepunkten das Orchester antreiben möchte. Trotz der Einwände möchte ich die anderen Sinfonien aus dieser Serie gern mal kennenlernen. Meine CD enthält außer der 5. noch Probenausschnitte zu allen 4 Sätzen der 5., ca.43 Min in italienischer Sprache.
Grüße Amadé
Hallo Amadé, danke für diesen Kommentar. Die Aufnahmen der 9 Sinfonien entstanden 1965 innerhalb von 3 Monaten als Rundfunkmitschnitte. Details hier. Bestätigt dein Höreindruck, dass es Scherchen mit diesem Orchester viel leichter gefallen sein soll, seine für die Zeit radikalen Ideen umzusetzen als bei den Etablierten (besonders den Wienern), wo er viele Widerstände zu überwinden hatte? :hello
Amadé (27.10.2009, 15:43): Original von Dox Orkh Bestätigt dein Höreindruck, dass es Scherchen mit diesem Orchester viel leichter gefallen sein soll, seine für die Zeit radikalen Ideen umzusetzen als bei den Etablierten (besonders den Wienern), wo er viele Widerstände zu überwinden hatte?
Sicher, große bekannte Orchester, besonders die Wiener Ph., wissen doch, wie man Mozart, Beethoven, Brahms... zu spielen hat. :DDa muss ein Dirigent mit einer völlig anderen Auffassung nur störend wirken. :ignore Nur von ihnen anerkannte Maestros konnten sich da durchsetzen, die Resultate sprechen für sich: Schuricht, Karajan, Schmidt-Isserstedt, Böhm, Bernstein (in Bezug auf WPh).
Grüße Amadé
Ps. danke für den Link zu Scherchen
teleton (10.01.2010, 13:31): Ohne meine Favoriten für die Beethoven-Sinfonien (Bernstein, Karajan, Szell, Solti, Leibowitz) jetzt zu vernachlässigen, möchte ich auf kurz auf eine GA eingehen, die mich in den letzten Tagen wieder positiv beschäftigt: Die Zinman - GA (ARTE).
Dazu zitiere ich einen Beitrag von Zelenka aus dem Beethoven-Ouvertüren-Thread von 2007: Lieber Wolfgang:
Ein wenig möchte ich Dir widersprechen, auch wenn es letztlich hier eher um den Geschmack geht, über den sich bekanntlich am allerbesten streiten läßt.
Die einigermaßen preiswerte Doppel-CD, die sehr gut klingt, ist ein sehr brauchbarer Einstieg in die Welt der Beethovenschen Ouvertüren. Zinman hat sich der Mühe unterzogen, genauer in die Partituren zu schauen als viele seiner Vorgänger. Die Tempi sind eher die von Beethoven gewünschten ... Man mag sich etwa im "Egmont" mehr (Bedeutungs-) Schwere wünschen, anderswo stört die schlanke Herangehensweise eigentlich kaum. Es bekommt diesen Werken gut, daß einige Patina entfernt worden ist. Aufführungstraditionen haben vor allem auch mit Schlamperei zu tun. Natürlich höre ich auch Furtwängler, Reiner, Böhm, Karajan und die anderen Alten gern, aber eine andere Sichtweise sei doch gestattet!
Gruß. Zelenka
Lieber Zelenka,
das was Du zu den Beethoven-Ouvertüren geschrieben hast, gilt im Prinzip auch für einige Zinman-Aufnahmen der Beethoven-Sinfonien. Zinman (ARTE), den ich erst gar nicht so geschätzt habe, kommt bei derzeit mir immer mehr ins Rampenlicht der beachtenswerten Aufnahmen, weil bei ihm Details hörbar werden, die bei anderen ungehört bleiben. Das was man bei ihm hört ist zunächst ungewohnt aber hat Klasse. :wink Jedenfalls für meinen Geschmack mehr als der hochgejubelte P.Järvi (RCA) in jüngster Zeit .... der mir zu abgehackt und dünn klingt.
Ich vermute das meine überraschende Beachtung für Zinman aus der intensiven Beschäftigung mit dem klaren und packenden Leibowitz-Zylus herrührt, den ich im Dezember 2009 mit großer Genugtuung erstmalig kennengelernt habe. Beide haben die ähnlich forschen Tempi bei Beethoven gemein, die mir jetzt in Fleisch und Blut übergegangen sind.
Gerion (10.01.2010, 16:14): Lieber teleton,
mit Leibowitz geht es mir gerade genauso - ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus! Zinman werde ich mir wohl auch zulegen müssen.
Grüße Gerion
teleton (14.01.2010, 10:56): Lieber gerion,
die Leibowitz -GA, die Ende Dezember 2009 vor Weihnachten von jpc geliefert wurde, hat dazu geführt mich wiedermal mit der ehemals ungeliebten Zinman-GA zu beschäftigen (heute sehe ich Zinman mit "neuen Ohren"). Von Zelenka können wir leider keine Antwort mehr erwarten. Wie Rachmaninov mir mitteilte, ist er seit über einem Jahr verstorben - das ist bedauerlich und tarurig ....
Zum Leibowitz - Zyklus (Chesky, 1961, ADD) ein paar Zeilen:
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7586127.jpg
Zunächst möchte ich feststellen, das es sich um eine der klarsten und in den sinfonischen Strukturen am besten durchhörbaren GA handelt, die mir je untergekommen sind. Das Orchester klingt nie mulmig oder es ist nie ein Klangbrei zu hören. Vom Klang würde ich diese GA wegen ihrer Deutlichkeit als natürlicher und damit besser einordnen, als die meisten Aufnahmen aus dieser Zeit nach 1960. Eine "Analog-Rauschfahne" ist nur bei leisen Stellen zu hören - stört gar nicht. Chesky hat saubere Arbeit geleistet und klanglich eine TOP-GA hingestellt. Allerdings hat die Aufnahme nicht das dunklere Timbre der Karajan-DG-Aufnahmen, sodaß man zunächst meinen könnte das im Bass etwas fehlt. Aber so ist es nicht- es ist die Klarheit die letztendlich doch überzeugt. Man hat nicht den etwas basslastigen Sound jener Jahre angestrebt !
:cool Nach den ganzen Kritiken und dem großen Lob für Leibowitz über Jahre, war meine Erwartungshaltung natürlich sehr hoch. Die ganz große Revolution blieb zwar aus, aber insgesamt ist das eine der schönsten Beethoven-GA, mit jede Menge packender Momente, die die Anschaffgung auf jeden Fall lohnt. Auch die orchestral normal klassische Besetzung (non HIP) bietet für mich keine Ansatzpunkte zur Kritik.
Die Leibowitz-GA wird von Chesky nicht in einer dämlichen Pappbox, sondern in einem 5CD-Case mit anständigem Textheft in dem auch die ehemaligen Einzel-CD´s dieser Aufnahmen, die hier zusammengefaßt wurden, in ihrer alten Druckmatrize abgebildet sind. Es handlet sich nicht um ein neues Remastering, sondern auf den CD´s steht 1992. Jede CD hat ihr eigenes Schriftbild, es wurde also von der alten Einzel-CD-Veröffentlichung übernommen (es wurden keine neue Druckmatrizen für diese GA erstellt).
Im Textheft der GA steht: Zitat: ...seine klaren, falsche Romatisierungen meidende Interpretationen setzen Maßstäbe ... sowohl in interpretatorischer als auch akustischer Hinsicht eine der herausragensten. Punkte an deren Aussage ich nichts auszusetzen habe.
Ich finde man kann diese TOP-GA nun nicht als Ganzes als Referenz hinstellen und fertig ! Man muß sogar nicht nur die Sinfonien einzeln betrachten, sondern sogar einzelne Sätze. :engel Als Referenz-GA insgesamt sehe ich Leibowitz nicht; aber sehr vieles mit Leibowitz ist wirklich referenzwürdig.
Gerion (14.01.2010, 11:54): Lieber Teleton,
Danke für die Schilderung Deiner Eindrücke. Ich werde mich in nächster Zeit wohl intensiver damit befassen. Der Zinman-Zyklus und der erste Karajan-DGG trafen inzwischen auch ein. Insbes. bin ich auf den Vergleich Karajan-Leibowitz gespannt.
Herzlich grüßt Gerion
Cantus Arcticus (18.01.2010, 14:44): Lieber Gerion Ich habe die Zinman Beethoven GA mit dem Tonhalle-Orchester Zürich auf ARTE vor ein paar Jahren gekauft, weil ich auf die DelMar-Edition gespannt war. Genau genommen ist diese Edition ja nicht ganz unumstritten, da diese zum Teil markant von den Autographen abweicht (wobei das Thema "Autographen von Komponisten" ein Thema ist, an dem man dranbleiben kann, bis der Doktor kommt...). Was aber überrascht an dieser Ausgabe, sind die durchwegs flotten tempi, die Zinman an den Tag legt. Sie sind für meinen Geschmack gewöhnungsbedürftig, aber die Ausgabe an und für sich gehört zu den wirklichen Neuerungen in der Beethovenschen Geschichte.
Deine Meinung dazu würde mich wirklich interessieren, bin sehr gespannt..
Viele Grüsse aus der Schweiz Stefan
Gerion (20.01.2010, 12:16): Ein kurzer Zwischenbericht:
Beethoven #5, Zinman: Packend, manchmal etwas flach. Insgesamt sehr schön.
am nächsten Abend:
Beethoven #5, Karajan '63: enttäuschend! Ich weiß noch nicht genau, was es war, aber es gefiel mir gar nicht :-(
Cantus Arcticus (15.02.2010, 15:57): Hallo Gerion Vielen Dank für den Zwischenbericht, ich war unterwegs in der Zwischenzeit und somit kann ich erst jetzt antworten.
Ich teile Deinen Eindruck zu Zinmans Interpretation der 5ten. Dies ist etwas, das man in einigen Werken dieser Gesamtausgabe feststellen kann.
Was Karajans 63'er DG Einspielungen betrifft, seine 5te Version gefällt mir auch nicht so gut. Ich bin der Meinung, dass er das Werk zu schnell angeht, es ist für meine Begriffe zu hastig, es "atmet" nicht.
Als Vergleiche habe ich dazu genommen:
Historische Aufnahmen: British Symphonie Orchestra, Felix Weingartner, 1932, Naxos, 8.110861 Der erste Satz im Allegro entspricht hier halt schon dem romantischen Geschmack. Nicht schlecht, aber audiotechnisch natürlich wie aus der Schuhschachtel.
Berliner Philharmoniker, Willhelm Furtwängler, 1947, Eloquence, 474728-2 Sehr interessante Aufnahme, allerdings an manchen Stellen zerdehnt er die Struktur des Werkes.
Neuere Aufnahmen: Berliner Philharmoniker, André Cluytens,1958 - 1961; EMI Classics, 0946 367530 2 7 Ausgewogen im Klang und gute Aufnahmequalität. Jedoch ist die "Handschrift" Cluytens - ich sage es mal so - gelassener als die Karajans.
Berliner Staatskapelle, Daniel Barenboim,1999, Warner Classical, 2564 61890-2 Ich stehe Daniel Barenboim ein bisschen ambivalent gegenüber, nicht alles gefällt mir von ihm. Aber die Gesamteinspielung der Symphonien Beethovens hat etwas, das mir sehr zuspricht. Vor allem die 5te, sie ist unter den von mir genannten die beste Aufnahme.
Zum Schluss noch: Beethoven - The Symphonies, Christopher Hogwood, The Academy of Ancient Music, 1986 - 1989, L'Oiseau-Lyre, 452 551-2 Mein Favorit, da sie sehr entschlackt und von klanglichem Ballast befreit ist, kommt aber dadurch vom Klangvolumen her nicht an Barenboim heran. Aber das ist meine persönliche Meinung.
Viele Grüsse Stefan
teleton (15.02.2010, 19:23): Hallo Gerion und Stefan,
ihr hebt jetzt auf Beethoven´s Sinfonie Nr.5 ab, mit einigen Vergleichen zu anderen Aufnahmen. Da verwundert mich dann schon sehr, dass die Aufnahme Karajan (DG, 1962) nicht gut bei Euch ankommt (nicht 1963, die ist von 1962). das war meine Erste, damals auf LP. Ich habe danach so einige ufnahmen gehört und von meinen 10GA komme ich immer wieder gerne auf karajan zurück, weil diese für mich ewig die beste geblieben ist. So dramatisch zupackend, haben es danach nur wenige geschafft, außer Karajan selbst. Seine Aufnahmen von DG, 1977 und DG, 1984 haben noch die durchsichtigere Klangtechnik als Plus für sich zu verbuchen. :times10 Aber Karajan und Beethoven 5, das ist für mich schon immer eine Einheit.
Bernsteins Beethoven-Aufnahmen mit den New Yorker PH (SONY) stehen bei mir auch ganz oben in meiner Wertschätzung. Seine Interpretation ist zwar wesentlich langsamer (was ich gerade nicht immer schätze), aber diese wucht, diese Emotion, die Lenny bietet ist auch bei der 5 erste Sahne. :beer So etwas kann mich begeistern und ansprechen. :P Ganz nebenbei ist seine DG-Aufnahme in Wien später für meine Ohren zu brav geraten - aber nur die Fünfte, seltsamerweise und ausgerechnet mit Bernstein.
Gerion (15.02.2010, 19:35): Original von teleton Hallo Gerion und Stefan,
ihr hebt jetzt auf Beethoven´s Sinfonie Nr.5 ab, mit einigen Vergleichen zu anderen Aufnahmen. Da verwundert mich dann schon sehr, dass die Aufnahme Karajan (DG, 1962) nicht gut bei Euch ankommt (nicht 1963, die ist von 1962). das war meine Erste, damals auf LP. Ich habe danach so einige ufnahmen gehört und von meinen 10GA komme ich immer wieder gerne auf karajan zurück, weil diese für mich ewig die beste geblieben ist. So dramatisch zupackend, haben es danach nur wenige geschafft, außer Karajan selbst.
Lieber teleton,
kannst Du beschreiben, was Du mit "dramatisch zupackend" meinst? Dann kann ich vielleicht sagen, warum mir die Aufnahme auf Anhieb weniger gut gefallen hat. Wie ich oben schrieb, war mein Höreindruck nicht präzise, ich kann noch nicht genau artikulieren, was mir dort gefehlt hat. Es war möglicherweise ein Mix aus Klangqualität, Tempo der Aufführung und evtl. für meinen Geschmack zu wenig herausgearbeiteter Details. Mir kam es so vor, als würde das Werk an mir "vorbeirauschen". Mächtig und bewundernswert sicherlich, aber es ließ mich beteiligungslos, ja fassungslos zurück.
Gruß Gerion
Amadé (16.05.2010, 18:17):
Aus Genf nichts Neues: Beethoven: 9 Sinfonien und 6 Ouvertüren sowie die Große Fuge op.133, Ernest Ansermet, Jg. 1883, dirigiert sein Orchestre de la Suisse Romande, Stereo-Aufnahmen von 1958 - 1963 der Decca, also etwa zeitgleich mit Konwitschny bzw. der ersten Karajan-Serie mit den Berliner Philharmonikern. Die Aufnahmen können jedoch weder in Punkto Spiel- als auch Klangkultur mit der letztgenannten mithalten, helles Klangbild. M.w. zum ersten mal auf CD, ein Dokument von Ansermet, der sich bereits in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts einen Namen als großer Förderer der damaligen Moderne einen Namen machte.
Gruß Amadé
teleton (18.05.2010, 11:04): Hallo Amade,
Dein Beitrag über die Ansermet-Aufnahmen der Beethoven-Sinfonien ist sehr interessant. Zumal er den genauen Gegenpool zu mehreren anders lautenden Meinungen an anderer Stelle darstellt.
*** Ich finde auch, das man die Sinfonien - GA auch nie als Ganzes so schnell bewerten sollte ! :wink Es sind unbedingt Einzelbetrachtungen erforderlich.
Bei Karajan fehlt mir bei der Sinfonie Nr.8 auch etliches an Ecken und Kanten, während ich seine drei Stereo-Aufnahmen der Sinfonie Nr.5 (DG) die Besten und Mitreissensten empfinde, die ich kenne. Seine hochdramatische packende Herangehensweise finde ich einfach genial und keineswegs überhastet (Das auch noch als Antwort auf Gerion, dessen Frage ich erst heute las.)
Hier eine Kritik von anderer Stelle, die genau das Gegenteil deiner Eindrücke wiederspiegelt: Ansermets Aufnahmen sind ca. 50 Jahre alt. Das Beethoven-Bild hat sich seitdem radikal geändert, wobei Ansermet allerdings Beethoven erheblich "moderner" oder "partiturtreuer" auslegte als Karajan zum Beispiel (Konwitschny kenne ich nicht). Karajan "glättet" Beethoven viel mehr als Ansermet. Das ist für jemanden, der gerne schön klingende Musik hört, in Ordnung, aber nicht für jemanden, der einen "überromantisierten Beethoven" nicht unbedingt schätzt.
Ansermets Beethoven ist mir erheblich näher als Karajans, weil Ansermet mehr "Ecken und Kanten" zeigt als Karajan. Ob einer der beiden "entbehrlich" ist oder beide oder keiner, liegt, wie so oft, im Auge des Betrachters...
Ich habe heute mal in die Ansermet-Hörschnipsel bei jpc (leider meine einzige Quelle) hineingehört und festgestellt das da so einiges an den Tag gelegt wird, was neugierig macht - man höre z.Bsp. den Anfang der Fünften - der klingt sehr gelungen ...
:) Die Zweifel an Ansermet´s Beethoven, die deine Worte zunächst bei mir auslösten, sind nun nach meinen ersten Recherchen sehr stark gemindert worden. Ich kenne und habe mittlerweile 10 Beethoven-GA. Trotz meiner nun positiv gewonnenen Eindrücke stellt sich die ernsthafte Frage ob ich Ansermet unbedingt noch zufügen muß ?
jünter (30.08.2010, 18:45): @ teleton:
Hallo Wolfgang, habe soeben bei den Taminos gelesen, dass die vor kurzem in dieser Box
ja, ich bin auch gespannt darauf, ob sich tatsächlich gravierdende klangliche Unterschiede in Richtung positiv durch das neuere 24BIT-Remastering ergeben.
Ich habe dieser Box noch eine Einzel-CD hinzugefügt, auch um bei amazon die Portokosten ganz zu sparen. Die Bestellbestätigung verspricht allerdings erst einen Liefertermin für Ende September - also bis dahin Geduld. Danach werde ich über das Klangergebnis berichten.
Ich habe auch aus diesem Beethoven - Zyklus ein paar SONY-Einzel-CD´s, die auch die hochinteressanten Dokus über die Sinfonien Nr.3 und 5 emthalten; CD´s aus der dunkelblauen Bernstein-Royals-Serie. Diese sind im 20Bit-Remastering, also die Gleichen wie in der brauenen Box.
*** Aus anderer Erfahrung weis ich, das SONY sich mit neuem Remastering verbessert: Ich habe die Bernstein-Sinfonien alle in der GA-Box mit der Serenade, die SONY 1991 herausbrachte. Die Einzel-CD´s der Sinfonien, die SONY 1999 mit 20Bit-SBM herausbrachte klingen deutlich natürlicher !
Da beide CD-Ausgaben anders gekoppelt sind, muss ich alle CD´s behalten !
teleton (19.09.2010, 11:57): Hallo Beethoven und Bernstein-Freunde,
seit Donnerstag habe ich die neue Beethoven-Sinfonien-GA mit Bernstein im 24Bit_Remastering vorliegen und intensive Hörvergleiche mit den 20Bit-Remastering-Ausgaben hinter mir.
* Gleich vorab möchte ich sagen, dass der der die Aufnahmen im 20Bit-Remastering hat voll zufrieden sein kann und die 24Bit-Neuausgabe nicht benötigt (genau wie umgekehrt).
Das man nun mit der 20Bit-GA und der 24Bit-GA nicht zwei völlig gleiche Klangergebnisse vorliegen hat dürfte klar sein. Der Klang ist beim neuen 24Bit-remastring marginal scheinbar klarer, durchsichtiger. Dies wird aber nur über KH wirklich deutlich. An der Klangbalance hat sich zum Glück nichts geändert, denn die ist bei beiden Ausgaben perfekt.
:wink :cool Aber so einfach ist das Ergebnis nicht, denn dort wo ich durch das 24Bit-Remastering wirkliche Verbesserungen vermutete, bei den ältesten Aufnahmen die sich zum Beispiel auf CD6 der GA befinden: das VC (Aufn.1959, Die Weihe des Hauses – Ouvertüre (Aufn 1962) und die Leonore III (Aufn. 1961) ist der Klang zwar über KH ganz geringfügig klarer und ggf auch scheinbar durchsichtiger geworden. Aber gerade dort geht diese Klarheit auch mit einem ganz geringen Verlust im Bassfundament einher. Während bei anderen späteren Aufnahmen keine Unterschiede im Bassfundament vorlagen. Ich habe den Anfang der Weihe des Hauses zigmal verglichen – aber in der 20Bit-Version erschien mir hier die Räumlichkeit sogar durchsichtiger und die Streicherklang ganz geringfügig weniger hart. Die Pauken klangen in der Tat dort im 20Bit-Remastring deutlicher.
Fazit: Das bedeutet, dass man keine eindeutige Aussage zur GA als Ganzes machen kann, ob das 24Bit-Remastering durchweg und einheitlich bei allen Aufnahmen in der GA wirklich besser geworden ist. Beim 24Bit-Remaserting ging mit der Klarheit auch ein ganz geringfügig härterer Streichklang mit einher ! Worte sagen aber mehr als nötig: Der klangliche Unterschied ist einfach sehr gering.
Zuerst habe ich meine Hörtests mit KH (AKG K-500) durchgeführt; dort sind die geringen Unterschiede in Richtung klar-durchsichtig hörbar. Nun höre ich ja lieber über Boxen und da hängt es von der Hörkette ab, wie der Klang sich entwickelt. Da ich sehr analytische Boxen besitze (CANTON) fand ich nun gerade über meine Boxen das ältere 20Bit-Remastering klanglich sogar noch etwas natürlicher und für mich angenehmer !
* Das 20Bit-Remastering wurde laut meinen SONY-Einzel-CD-Ausgaben 1992 durchgeführt (Nicht 2002 wie es auf der braunen SONY- GA steht, denn C2002 ist das Erscheinungsdatum der braunen GA-Box !). Das 24-Bit-Remastring nun 2010. Das sind nun 18Jahre weitere Lagerzeit der Masterbänder, die dadurch bestimmt nicht besser geworden sind, wie sich jeder vorstellen kann.
Wie ich aber erfreulich feststellen mußte hat die Qualität der Masterbänder keinen hörbaren Einfluss auf das Klangergebnis gehabt. Bei den ältesten Aufnahmen auf CD6 hört man an bestimmten Stellen ein Rumpeln und Zirpen (das nur von den Masterbänder stammen kann) bei beiden Remastering-Ausgaben genau an den gleichen Stellen – nicht mehr und nicht weniger.
:cool Irgendwie machte auf mich rein gefühlsmäßig das 20bit-Remastering einen sympathischeren Eindruck, da die Masterbänder 18Jahre weniger lagerten ! Und über meine Boxen ist es mir durch das bei einigen Sinfonien/Ouvertüren höhere Bassfundament auch angenehmer ! Beim Hören über Kopfhörer macht das 24Bit-Remastering durch die gewonnene Klarheit bei den Aufnahmen ab etwa 1962 tatsächlich Sinn !
Rauschverhalten und Dynamik: Diese beiden Punkte hatte ich bisher noch nicht beschrieben. Handwerklich haben die SONY-Ingenieure bereits 1992 bestes geleistet. Beim VC (Auf.1959) wurde in der 24Bit-Version erst exakt zum 1.Paukenschlag eingeblendet, sodass der Eindruck noch höherer Rauschfreiheit des neuen Remasterings entsteht. Der weitere Verlauf zeigt dann aber das in Punkto Rauschverhalten die alte 20Bit-Ausgabe gleichwertig ist. Und das ist auch gut so, das keine Filter verwendet wurden, die eine Höhenabsenkung zur Folge gehabt hätten. Bernstein zeigt bereits in seiner fabelhaften Orchesterbegleitung bevor die Violine im ersten Satz einsetzt, das Beethoven der Hausherr ist. Bei dieser Aufnahme habe ich deutlich den Eindruck, dass die Dynamik bei vollem Orchester in der 20Bit-Ausgabe einfach besser (höher) ist.
Da ich diesen Eindruck auch mehrfach in anderen Beethoven-Werken aus der Box hatte (zum Beispiel auch in der jüngsten Aufnahme, der Egmont-Ouvertüre (Aufn.1970) steht eines für mich fest: :engel Das ich meine SONY-Einzel-CD´s und die braune 20Bit-GA nicht abgeben werde !
Die neue im 24Bit-Remastering aber auch nicht - ich behalte alle ! Die Neuausgabe (ohne Heftchen) hat als INFO auf den Rückseiten der Papphüllen die Info der Aufnahmeorte/Aufnahmedaten etwas abgespeckt und gibt nur das Aufnahmejahr an - damit kann man leben - (zumal ich alle INFOs auf den anderen Ausgaben vorliegen habe).
jünter (20.09.2010, 10:23): Hallo Wolfgang,
recht herzlichen Dank dafür, dass du für die 24Bit-Neuauflage von Lennys New Yorker GA sozusagen die „Vorkoster-Rolle“ übernommen hast.
Deinem ausführlichen Bericht folgend werde ich als Besitzer der „alten“ 20Bit-Kiste auf den Kauf der Neuauflage verzichten, zumal sich bei mir vor kurzem eine (erst!) dritte Beethoven-SymphonienGA hinzugesellt hat: Die BrillantClassics-Box mit Blomstedt/Staatskapelle Dresden, von der mir das bisher gehörte – Nr. 1, 2 und 6 – ausgezeichnet gefällt, nicht zuletzt auch klangtechnisch! Sicher nicht meine letzte Anschaffung von Aufnahmen der Staatskapelle Dresden, deren „Sound“ für mich inzwischen so etwas wie Suchtpotential hat. Auch die Schubert-Symphonien dieses Orchesters, ebenfalls mit Blomstedt am Pult, finde ich sehr gelungen.
Gruß, Wolfgang
Amadé (20.09.2010, 19:01): Original von jünter Die BrillantClassics-Box mit Blomstedt/Staatskapelle Dresden, von der mir das bisher gehörte – Nr. 1, 2 und 6 – ausgezeichnet gefällt, nicht zuletzt auch klangtechnisch! Sicher nicht meine letzte Anschaffung von Aufnahmen der Staatskapelle Dresden, deren „Sound“ für mich inzwischen so etwas wie Suchtpotential hat. Auch die Schubert-Symphonien dieses Orchesters, ebenfalls mit Blomstedt am Pult, finde ich sehr gelungen.
Sehr erfreulich, dass der Dirigent Herbert Blomstedt nun auch hier im Forum die Wertschätzung erfährt, die ihm zusteht. Blomstedt stellt immer das Werk in den Mittelpunkt seines Musizierens, nicht seine "Kunst". Viele seiner auf Tonträgern festgehaltenen Interpretationen muss man als Spitzenleistungen anerkennen, die keinen Vergleich zu denen der allerbekanntesten Dirigenten :D zu scheuen brauchen.
Gruß Amadé
teleton (21.09.2010, 10:42): Hallo Jünter und Amade,
Eure Wertschätzung für Blomstedt in allen Ehren. Den Klang der Staatskapelle Dresden habe ich auch geschätzt. Diese Brillant-GA habe ich auch gehabt, sie gehört aber zu den Aufnahmen, die ich abgegeben habe (sie wäre aber jederzeit für mich erreichbar). Warum ? Mir sind Blomstedts Tempi insgesamt einfach zu langsam ! Da ziehe ich ich eben Bernstein, Karajan, Leibowitz, Szell und oftmals die digitalen Aufnahmen von Solti einfach vor !
:) Mit Blomstedt habe ich aber die umwerfende Aufnahme der Sinfonie Nr.8 zurückbehalten. Solche fabelhaften Paukenstellen finden sich tatsächlich in wenigen Aufnahmen der Sinfonie Nr.8 wieder !
:beer Gestern habe ich mit KH die Sinfonie Nr.6 und 8 mit Bernstein (SONY) im der 24Bit-Remastering gehört (und kurz das 20Bit-Rem verglichen. Das war überigens ein weiteres Positivbeispiel, das in diesem Fall (6 und 8) für das 24Bit-Remasteriung sprach. Die Pauken klangen differenzierter, klarer ohne an Intensität einzubüßen. Da ich gestern Abend hörte, gilt das nur über KH !
:wink Und für meinen Geschack ist Bernstein an spannendem Zugroff dem Blomstedt, auch bei seiner geschätzten Aufnahme der Nr.8, trotzdem weit überlegen !
jünter (21.09.2010, 19:00): Hallo teleton,
wie schön, dass wir nicht alle denselben Geschmack haben. Ich persönlich empfinde- ohne Bernsteins ganz eigene Herangehensweise sowohl bei der New Yorker als auch der späteren Wiener GA kritisieren zu wollen - Blomstedts Beethoven als im besten Sinne "klassische" Aufnahmen, ähnlich denen von Günter Wand (ich glaube den magst du auch nicht sonderlich) mit dem NDR SO.
Von dem von dir so hochgeschätzten Georg Solti besitze ich, nachdem ich seine Mahler #1 (Chicago SO) wegen ausgesprochener Abneigung gegen diese Interpretation verscherbelt habe, nur noch 2 Aufnahmen: Bartoks Konzert für Orchester(CD) und Berlioz´Symphonie Phantastique (LP), und zu diesen Werken passt Soltis Stil wirklich gut. Ansonsten ist Solti nix für mich!
Die Interpretation der 5.Beethoven-Sinfonie durch P.Järvi und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen versetzt den Hörer bei der ersten Begegnung ins Staunen, wie präzise der Notentext bis in die kleinsten Ecken umgesetzt wird. Dahinter kann nur ein Konzept stehen, das von allen Mitwirkenden getragen wird, auch die Klangregie ist einfach super. Järvi ist keineswegs der erste, der versucht, Klarheit in Beethovens Partituren zu bringen, vorher bemühten sich schon mit Erfolg z.B. Klemperer, Monteux, Erich Kleiber und Leibowitz. Nur Järvi setzt noch eins drauf, er putzt die Partitur fast bis zum klinisch Reinen, so dass keine Widerstände, keine Macken, nicht die geringsten Verunreinigungen geduldet werden. Dabei übersieht er m.E. jedoch, dass bei Beethoven nicht nur die Noten bewältigt, sondern auch Beethovens Ideenwelt zum Leben erweckt werden möchte. Hier ein Vergleich, der vielleicht das Manko in dieser Aufnahme der 5. Auf einer anderen Ebene beschreibt: man „sieht“ ein perfekt gebautes Wohnhaus bevor der Eigentümer einzieht und seine Düfte mitbringt, überall knallt und hallt es, da Menschen, Möbel und Gardinen noch fehlen. Resümee: im Konzertsaal und beim ersten Hören der CD faszinierend, beim mehrmaligen Hören etwas zu einseitig, letztlich ist es Geschmaksache, ob es dem Hörer gefällt, aber über Geschmäcker kann man bekanntlich streiten.
Gruß Amadé
Amadé (04.01.2011, 12:05): Agravain macht auf einen "älteren" Zyklus der Beethoven-Sinfonien mit Charles Mackerras und dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra aufmerksam, von deren Existenz ist bisher noch nichts wusste:
Agravain (04.01.2011, 12:27): Original von Amadé Agravain macht auf einen "älteren" Zyklus der Beethoven-Sinfonien mit Charles Mackerras und dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra aufmerksam, von deren Existenz ist bisher noch nichts wusste:
Ich halte die Aufnahme - wie im Übrigen auch seinen zweiten Zyklus - für ausgesprochen gelungen. Lediglich die Neunte will mir aufgrund der etwas sklavischen Umsetzung der Beethovenschen Metronomangaben (im Booklet entsprechend sauber dokumentiert) nicht so recht gefallen, obwohl das philologisch vollkommen in Ordnung ist, wozu sich Mackerras entscheidet. Ich mag's da schlicht etwas traditioneller. Im Übrigen ist auch gerade das Booklet sehr erfreulich, und zwar besonders wegen der editorischen Hinweise von Jonathan Del Mar und den erläuternden Worten zur Tempowahl in der Neunten von Mackerras.
:hello Agravain
Cetay (inaktiv) (19.03.2011, 09:54): In diesem Faden wird Toscanini zwei mal erwähnt, nämlich bei der Listung der GAs im Einführungsbeitrag. Auch im Parallelfaden Alle Neune (ich habe Satie gebeten, beide Fäden zusammenzulegen) findet sich nur ein kurzer Hinweis.
Von Toscanini gibt es zwei Zyklen mit dem NBC-Sinfonieorchester auf dem Markt. Bekannter ist der 1952er RCA Studio-Zyklus. Toscanini trieb (wie auch Scherchen und Leibowitz) Beethoven teutonischen Heroismus und romantisches Pathos schon lange aus, bevor das die HIP-Bewegung für sich in Anspruch nahm. Allerdings schlägt das Pendel manchmal zu sehr in die Gegenrichtung aus, mir fehlen wenigstens hier und da ein paar Andeutungen von Emotion und der immer nur straffe und zackige Vorwärtsdrang kann auf Dauer ermüden. Ganz anders -lebendiger, spannender- sind da die Live-Rundfunktmitschnitte aus den Jahren 1939, die es allerdings lange nur in unterirdischer Klangqualität gegeben hat. Gut gemeinte Restaurationsversuche, bei denen Störgeräusche beseitigt, Gleichlaufschwankungen geglättet und der Frequenzgang entzerrt werden, enden leider allzuoft in völlig leblosen Musikkarikaturen. Nicht so die Arbeit von Music & Arts. Die haben Vitalität und Farbe aus diesen Aufnahmen rausgeholt; das Ergebnis ist regelrecht bestürzend. Endlich kommt ein ganz großer Zyklus (auch) zu seinem (klanglichen) Recht.
teleton (19.03.2011, 11:19): Original von Agravain Original von Amadé Agravain macht auf einen "älteren" Zyklus der Beethoven-Sinfonien mit Charles Mackerras und dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra aufmerksam, von deren Existenz ist bisher noch nichts wusste:
Ich halte die Aufnahme - wie im Übrigen auch seinen zweiten Zyklus - für ausgesprochen gelungen. Lediglich die Neunte will mir aufgrund der etwas sklavischen Umsetzung der Beethovenschen Metronomangaben (im Booklet entsprechend sauber dokumentiert) nicht so recht gefallen, obwohl das philologisch vollkommen in Ordnung ist, wozu sich Mackerras entscheidet. Ich mag's da schlicht etwas traditioneller. Im Übrigen ist auch gerade das Booklet sehr erfreulich, und zwar besonders wegen der editorischen Hinweise von Jonathan Del Mar und den erläuternden Worten zur Tempowahl in der Neunten von Mackerras.
:hello Agravain
Hallo Agravain und Amade,
nach Empfehlung anderenorts hatte ich mich Anfang Marz 2011 für diese Mackerras-Studio-GA mit dem Royal Liverpool PO entschieden und nicht für seine späteren LIVE-GA mit dem Scottiush Chamber Orchestra. Ich glaube das war richtig !
Mit gefällt diese straffe, zügige aber nicht hastige und energiegeladene Sichtweise von Mackerras, bis auf wenige Einschränkungen die Nr.5 und 8 betreffend, unglaublich gut.
Auch und gerade bei der Sionfonie Nr.9 stehe ich überhaupt nicht auf Konventionen (gerade beim 4.Satz nicht, der mir fast überall zu kitschig ist.). Ich empfinde die Sinfonie Nr.9 hier als eine Wahnsinnsaufnahme. :down Nie habe ich die Pauken (gerade im 2.Satz) härter, zupackender und die Interpretation insgesamt ergreifender hehört, als hier mit Mackerras / Royal Liverpool PO (EMI, 1991, DDD).
Auch die forschen Tempi überzeugen mich: 13:50 - 13:41 - 11:55 - 21:33 (5:30 + 16:03) = 61:00
Hier meine zuvor gemachten Eindrücke:
Das ich so dann positiv überrascht werde hätte ich mir nach dem Einstieg nicht ausgemalt: *** Die Sinfonie Nr.9 ist mit Mackerras / Royal Liverpool PO (EMI,1991) der Hammer ! Hier teffen die Ausagen „Sprengstoffgeladen“ und „Unerbittlichleit“ wirklich zu. Die Kritiken besagen allgemein, das die Sinfonie Nr.9 mit Mackerras wenig gefällt. Ich muss sagen, dass ich noch selten so eine spannende Neunte gehört habe; auch die sehr forschen Tempi kommen mir sehr entgegen – 61:00 Gesamtspieldauer ist ohnehin eine der schnellsten Zeiten die ich kenne. Mackerras bietet hier keine konventionelle Aufführung, sondern das was ich gestern beim Ersteindruck bemängelt habe: Er bietet etwas absolut Neues. Mackerras läßt beriets im 1.Satz absolut die Post abgehen – das kesselt, das ist niederschmetternd. Der 2.Satz ist ein Traum: Nie habe ich so präsente und wahnsinnige Pauken gehört (die auch klanglich und räumlich punktmäßig genau ortbar sind) gehört. Einzig die Spieldauer von 13:41 verwundert mich, obwohl der Satz (sonst um 11Minuten üblich) nicht langsam wirkt (Ob es an Wiederholungen liegt, habe ich nicht geprüft.) . Das Adagio klingt nicht lamoyant und wird in 11:55 ohne Langatmigkeiten gemeistert. Das finde ich bei Mackerras generell gut, das er die Adagio-Sätze flott durchzieht, statt sich in Einzelheiten zu verzetteln. Das Finale (auf der EMI-CD in 9Tracks eingeteilt !) dauert nur 19 Minuten. Der Anfang kommt hochdramatisch mit Power gefetzt – Wahnsinn. Nach 5:29 ist das Presto-Recitativo erreicht – was mir schon bei Leibowitz sehr sehr angenehm aufgefallen ist, setzt sich bei Mackerras fort: Er läßt hier bei den Gesangseinlagen keinen Schmalz aus den Lautsprechern laufen (wie in fast allen anderen Aufnahmen) sondern ist wie Leibowitz geradlinig ohne Kitsch ! Der Satz schließt großartig und hochdramarisch fetzend – whow !
Schade das Mackerras die Achte als kleinen Vorläufer der Neuten sieht – diese Pauken, diese Wucht hätte ich mit auch dort gewünscht.
Die Sinfonien Nr.4 läßt einen ähnlichen positiven Eindruck zurück. Mackerras fordert das höchstmögliche vom Orchester ab. Nicht zu glauben, aber Sie wirkt bei ihm dramatischer mit tollen Pauken und fetziger, als die Fünfte.
Die Sinfonie Nr.7 ebenfalls sehr angemessen und mit spannender Dramatik an die grenzen getrieben. Man merkt aber doch, dass die Grenzen des Orchesters durch Detailungenauigkeiten erreicht werden. Der 4.Satz sehr zügig. Die mitreissenden Kontrabässe (Beethoven-Kenner wissen welche Stelle ich meine) sind nicht so prägnant, wie bei Karajan (DG,77), dessen straff-brillante Sichtweise ich noch in keiner anderen Aufnahme wiederholt erlebt habe.
Die Sinfonie Nr.6 wirkt sehr vorwärsdrängend stürmisch mit einer Unruhe, die im äußerst hochgepeitschten Gewittersatz mündet, der sich erstmals auch mit dem besten Gewitter = Karajan (DG, 1984) messen kann. Interessanter und richtiger Interpretationsansatz, dass die Unruhe deutlicher fühlbar als sonst, nach dem Gewitter vorbei ist und das Werk zufrieden endet. Ausgezeichnet !
Als letzte Sinfonie höre ich heute aus der GA die noch ausstehende Sinfonie Nr.3 Eroica. Inzwischen habe ich mich an den schlankeren Orchesterklang gewöhnt, der bei den Sinfonien sehr sinfonisch wirkt. (Beethoven mit Kammerorchester wäre für mich undenkbar !) Auch hier gibt es nichts zu meckern. Die straffen Tempi entsprechen mit 15:27 – 13:00 – 5:19 – 10.42 meinen Vorstellungen von einer fabelhaften Eroica. An zupackender Dramatik spart er genau so wenig wie Bernstein. Das mir die Bernstein-Aufnahme noch mehr liegt, ist bernsteins Emotionalität mit den fabelhaften New Yorker PH zu verdanken.
Bei den Sinfonien Nr.3,4,6,7,9 habe ich auch den Eindruck das er hier eine größere Orchesterbesetzung wählte, als bei Nr.1,2,5 und 8. Die Sinfonie Nr.2 steht mir bei meinen favorisierten Aufnahmen näher. Aber Mackerras zieht auch hier seinen nie langweiligen Beethoven durch.
Es hat sich wiedereinmal gezeigt, das man eine GA nicht als Ganzes bewerten sollte und kann. Der Zufall wollte es, dass ich mit den Sinfonien Nr.5 und 8 ausgerechnet die schwächsten Einspielungen als Einstieg getroffen hatte. Es fällt auf, das gerade die Sinfonie Nr.5 in vielen GA besonders herausfällt: Entweder viel zu brav (Bernstein (DG), Solti (Decca,analog); oder mit Tempomätzchen (Leibowitz 1.Satz zu hastig), Bernstein (SONY, 1.Satz sehr langsam aber trotzdem höchst packend); Blomstedt (Brillant, wirkt langweilig) oder der scheiternde Versuch etwas ganz neues auf die Beine zu stellen (Zinman (Arte) und Mackerras (EMI).
Amadé (19.03.2011, 20:31): Hallo teleton, und danke für diese Hinweise, da bin ich doch mehr als neugierig geworden, aber wo soll ich das alles noch lagern?
Nachdem ich an dieser Box einfach nicht vorbeigehen konnte :down schälen sich beim Hören folgende Eindrücke heraus, die ich hier kurz mitteilen möchte: - festliche Beethoven-Deutung, positivistische Sicht, persönliche Stellungnahme tritt zurück - orchestraler Glanz - weniger die einzelnen Sinfonien in ihrer Besonderheit als das sinfonische Gesamtwerk abgebildet - sehr helles Klangbild, durchsichtig - viel Licht wenig Schatten Die Pastorale ist in meinen Augen ziemlich lieblos, da wenig detailfreudig, abgespult, die Musik muss hier blühen, nicht glänzen! Ich habe die Eroica mit der Gielen-Einspielung, die bekanntlich ja auch schnell daherkommt, verglichen. Welche Vertiefung in das bekenntnishafte Stück, das suche ich bei Mackerras leider vergebens.
Es gibt mit demselben Orchester einen weiteren -lange Zeit gestrichenen- Klemperer-Zyklus mit Live-Aufnahmen von den Wiener Festwochen im Mai/Juni 1960. In diesem Jahr kam er gleich zweimal wieder heraus. Music & Arts (rechts) beruft sich darauf, die besten Quellen zur Verfügung gehabt zu haben. Wie alles von diesem Label ist das sehr teuer zu bezahlen, den Andromeda-Transfer gibt es deutlich günstiger.
den Mitschnitt der 9 Sinfonien mit dem Philharmonia Orchestra von den Wiener Festwochen 1960 gab es bisher noch nie vollständig auf dem legalen Markt, sondern nur als Raubkopien von ORF-Bändern. Ich selbst besitze auch nur einige Einzel-Aufnahmen. Es ist sehr zu begrüßen, dass er nun vollständig zu haben ist, M&A vertraue ich, was Qaulität angeht, mehr als Andromeda, aus deren Boxen bei mir immer einzelne CDs beim Öffnen herausfallen. Eigentlich wäre dieser Zyklus etwas für das Label Testament, sicher hätten deren Leute auch erhellende Hintergrundinfos, die sonst nicht zu haben sind. Übrings singt in der 9. Fritz Wunderlich.
Gruß Amadé
Heike (06.11.2011, 11:12): Meine liebste Gesamtaufnahme fehlt: Jos Van Immerseel, Anima Eterna, Zig Zag (Note 1 Musikvertrieb), 2008
Amadé (06.11.2011, 21:11): Jetzt kommt noch eine Gesamtaufnahme hinzu, die bereits wenige Jahre auf dem Markt ist, aber vermutlich kaum Beachtung findet: wenig bekannter Dirigent, kein gespeicherter Orchesternahme, Nischen-Label:
Die Klangqualität ist spitze. Transparent und klar, sehr gut disponiertes Ensemble!
In den Symphonien 2 und 7 höre ich Details, die mir vorher so nicht aufgefallen sind, muss ich sagen. Aber das kann sehr gut auch an meinem Gehör liegen :rofl
Nein, im Ernst: Diese GA gefällt mir ausserordentlich gut. Bin auch ein bisschen voreingenommen durch die Bruckner-Ausgabe Günther Wands...
Gruss :hello Stefan
Amadé (21.11.2011, 17:41): Viele wissen es bereits, auf Grund des Gesamtüberblicks seien sie hier aufgeführt:
Armin70 (21.11.2011, 18:19): Kennt jemand die Herreweghe-Aufnahmen ? Mir scheint, als wenn man diese fast gar nicht so zur Kenntnis nimmt, denn man liest und hört fast immer nur von Järvi, Vänskä, Dausgaard oder Chailly, wenn über neuere Aufnahmen gesprochen wird.
Interessant finde ich, dass Herreweghe Bruckners Sinfonien mit dem Orchestre des Champs-Elysee auf Originalinstrumenten spielen lässt und bei seinen Beethoven-Aufnahmen dirigiert er mit dem Royal Flemish Philharmonic Orchestra anscheinend ein auf modernen Instrumenten spielendes Orchester oder verwenden die Bläser und Pauken wie in Harnoncourts Beethoven-Aufnahmen Originalinstrumente und die Streicher spielen fast non-vibrato ?
Amadé (22.11.2011, 20:09): Ein Leser meiner Homepage machte mich unlängst auf diese, ich muss gestehen von mir übersehene, Aufnahme aufmerksam:
Ich hatte gemeint, dass es sich um ein und diesselben Aufnahmen handele, zumal die Solisten auf beiden Boxen identisch sind! Das ist jedoch die einzige Gemeinsamkeit! :I
Bei der zuerst abgebildeten Box handelt es sich um live-Aufnahmen der Berliner Philharmoniker vom Februar 2001 aus Rom, allerdings nur von den Sinfonien 1-8, aus Gründen der Vollständigkeit wurde dann die bekannte 9. aus Berlin angehängt, was mich prompt auf die falsche Fährte brachte. Diese Rom-Aufnahmen sind sehr lebendig und zügig musiziert, Details kommen wie selbstverständlich, das Klangbild ist immer durchsichtig und die Holzbläser werden nicht von den Streichern niedergebügelt. Abbado trifft sehr gut die Atmosphäre der einzelnen Sätze. Als Spitzenaufnahme kann die Pastorale gelten. In der 5. ist mir der Kopfsatz etwas zu leichtgewichtig, übriges öffnet Abbado hier die Wiederholung des Scherzos, die von allen mir bekannten Aufnahmen nur Blomstedt und Gardiner beachten. Eine Beschäftigung mit diesen Aufnahmen lohnt sich.
Gruß Amadé
Cantus Arcticus (24.11.2011, 09:09): Nicht in der Gewichtsklasse "Schwergewicht" diese GA:
Herreweghes Aufnahme der Beethoven-Sinfonien mit dem Royal Flemish Philharmonic Orchrestra entstanden sukzessive zwischen 2004 und 2009. Das Orchester verwendet moderne Instrumente, ausgenommen Naturtrompeten und Barockpauken, sie hört man besonders deutlich im Finale der 8. und im Scherzo der 9.Sinfonie. Bei Herrewghes Beethoven-Deutung erlebt man meist ein bis auf den Punkt genaues aber auch lockeres und lebendiges Musizieren. Die Verästelungen der Partitur werden überall aufgezeigt. Bei der 2.Sinfonie spürt man deutlich Beethovens Zufriedenheit über seine nun erreichte Beherrschung des Orchesters sowie der Gattung „Sinfonie“. In der 5. Sinfonie hat das Scherzo wenig Biss, das Trio ist (zu) leichtgewichtig, eine insgesamt entbehrliche Aufzeichnung. Der Einleitung zur 7.Sinfonie fehlt die Spannung, an Klemperer darf man da gar nicht denken, im 2.Satz jedoch klingen die Streicher wie ein erweitertes Streichquartett, schön! In den beiden Trios des Scherzos lässt er beide Wiederholungen spielen, eine sympathische Aufnahme, wie es jedoch bereits sehr viele gibt. Die 9. wird in allen Sätzen schneller als gewohnt gespielt, der 1.Satz ist sehr lebendig, trotzdem gehen die vielen Nebenstimmen nicht unter. Das Ende des Trios im 2.Satz ist ohne Geheimnis, die Feierlichkeit eines Fricsays im langsamen Satz darf man hier nicht erwarten. Erfreulich nun wieder das Finale, nicht so abgehoben, menschlicher, aus der Öffentlichkeit ins Private geleitet. Als die gelungensten Aufnahmen erscheinen mir die 4. und 6.Sinfonie, besonders jedoch die Eroica, vor der ich bisher bei HIP-Produktionen keine solch überzeugende Aufnahme gefunden habe, spitze! Die CDs sind erfreulicherweise auch einzeln erschienen, so dass man nicht auch solche mitkaufen muss, an denen man kein Interesse verspürt.
Liebe Beethoven-Freunde, heiß erwartet, so möchte uns die Musikindustrie weiß machen, liegen nun die 9 Beethoven-Sinfonien nach der DVD- bzw. blu ray-Fassung auch auf CD vor. Sie wurden live im Wiener Musikvereinsgebäude mit den Wiener Philharmonikern aufgenommen. Schafft nun Thielemann eine totale Neudeutung der immer wieder gespielten und aufgenommenen Sinfonien? Keineswegs, einige Sinfonien oder Sätze daraus werden routiniert dargeboten, ohne eine besondere Handschrift des Dirigenten offenbar werden zu lassen. Insgesamt habe ich den Eindruck gewonnen, dass die einzelnen Sinfonien ohne ein geschärftes Profil, ohne (neues) Konzept, erklingen. Ths. Art des Musizierens, das Orchester klingen zu lassen gefällt mir nicht, der Klang ist mir zu unbestimmt, zu wenig fokussiert. Seine Tempi sind nicht zielgerichtet. Ähnlich wie Pletnjew scheint Thielemann Stellen zu suchen, die er interessant machen möchte. Auf Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis scheint sich der Dirigent nicht einlassen zu wollen. Alles ist schon zigmal dagewesen, ist nicht besser als bei anderen Vorgängern. Auch aufnahmetechnisch kann man bei den CDs kein Ruhmesblatt festmachen. Warum der Rummel um Thielemann, der sicher ein guter Dirigent ist und sein Handwerk versteht?
Anmerkungen zu den einzelnen Sinfonien: 1.Sinfonie: 3.Satz rasend schnell, so als wolle Th. beweisen, dass hier entgegen Beethovens Satz-Überschrift nun wirklich ein Scherzo und kein Menuett vorliegt, das Trio wird auch schneller als gewöhnlich gespielt. 2.Sinfonie: 2.Satz etwas breiter als gewohnt genommen, sehr schön: Frage- und Antwortspiel der Bläser oder Bläser-Streicher, stellenweise sehr zart. Insgesamt sind die Holzbläser viel präsenter als in früheren Aufnahmen, das kann man jedoch auch schon bei Järvi u.a. verfolgen. 3.Sinfonie: 1.Satz nach der Klimax auf dem Höhepunkt der Durchführung Temporückung, das hört sich an, als hätte Th. für die Fortführung noch kein richtiges Konzept, als suche er noch an einer überzeugenden Lösung . Auch später geht er recht flexibel mit dem Tempo um. Am Schluss des Satzes mischt er geschickt die Holzbläser mit den Trompeten, dann fällt das Weglassen der Trompeten kaum mehr auf und entbindet den Dirigenten vor der Stellungnahme Trompeten bis zum Schluss oder nicht. Der 2.Satz wird schwer, lastend, bis zum Ende durchgezogen. Der Hörer muss sich schon auf Th. Tempovorstellung einlassen, um Gewinn aus der Interpretation zu ziehen. Sehr gut die Klimax mir der hervorstechenden Pauke. Das „poco Andante“ im Finale lässt der Dirigent Adagio spielen, auch die restlichen Takte bis zum Allegro bleiben in diesem Tempo. Ein Gewinn ist, das Th. den Orchestersatz sehr durchsichtig hält, der die vielen Bläserstellen, aber längst nicht alle, freigibt. 4.Sinfonie: 1. Satz beim Übergang von der Einleitung zum Hauptsatz legt Th. nach dem dreimaligen Anlauf zum Hauptthema eine Pause ein, erst dann beginnt selbiges. Diese Sicht will mir nicht einleuchtend erscheinen, sie erinnert mich ein wenig an Pletnjew. Das 2.Thema ist etwas langsamer, insgesamt vermisse ich hier Spannung. Das Tempo des 2.Satzes ist sehr gedehnt, nach dem kurzen Fagottsolo am Ende der Durchführung steht die Musik fast still. Der 3.Satz wird heruntergerast. Es gibt auch ganz zarte Stellen zu bewundern, am Ende der Durchführung des 1.Satzes sowie während des 2.Satzes. 5.Sinfonie: 1.Satz das ta-ta-ta-taaa ganz entspannt, der ganze Satz nimmt mich an keiner Stelle gefangen, beim 2.Satz ist es ähnlich, fast meine ich, das Orchester spiele ohne Dirigenten. Der 3.Satz klingt wie dem Zufall überlassen, das machte Böhm mit demselben Orchester besser. Das Finale beginnt etwas langsamer als gewohnt, dann geht’s schneller voran. Die Durchführung klingt teilweise wie durchgeknetet. Für mich eine völlig überflüssige Aufnahme. 6.Sinfonie: gute Lautstärkedifferenzierung, lässt sich in den Ecksätzen viel Zeit, der 2.Satz ist zu langsam, fast schleppend, einige kleine Ritardanti bremsen den Fluss der Musik, im 1.Satz lässt er der Wiederholung der Exposition etwas schneller spielen, teilweise überdeutliches Musizieren. 7. Sinfonie: keine neuen Aspekte, nichts, was aufhorchen ließe. In der Sinfonie mit den meisten Wiederholungen lässt Th. diese (meist) aus. 8.Sinfonie: 1.Satz klingt schwerfällig, zieht sich hin, das Trio des 3.Satzes lässt aufhorchen, während der Hauptsatz spannungslos dahinfließt, 4.Satz: gutes Tempo, bester Satz. 9.Sinfonie: 1.Satz bedenkenswert, wie er hier und da Licht auf Nebenstimmen wirft, ohne seine Gesamtlinie zu vergessen. 2.Satz zahme!!! Pauke, einige unmotivierte Ritardandi. 3.Satz langsam, 4.Satz kann gefallen.
Die Eindrücke, die Hörer im großen Musikvereinssaal während der Konzerte gewonnen haben, decken sich meist nicht mit der Musik, die von der CD aus den Lautsprechern dringt. Eine Anmerkung zur Verpackung: die CDs stecken, teils locker, in mit dem Booklet zusammen eingebundenen Papptaschen, beim Herausnehmen einer CD können auch andere leicht herausgleiten. Festsitzende lassen sich schwer herausziehen, da nur auf der Rückseite der Tasche eine „Entnahmestelle“ ausgespart wurde, sehr benutzerunfreundlich!
Gruß Amadé
Rachmaninov (05.01.2012, 16:43): Original von Amadé Ein Leser meiner Homepage machte mich unlängst auf diese, ich muss gestehen von mir übersehene, Aufnahme aufmerksam:
Ich hatte gemeint, dass es sich um ein und diesselben Aufnahmen handele, zumal die Solisten auf beiden Boxen identisch sind! Das ist jedoch die einzige Gemeinsamkeit! :I
Bei der zuerst abgebildeten Box handelt es sich um live-Aufnahmen der Berliner Philharmoniker vom Februar 2001 aus Rom, allerdings nur von den Sinfonien 1-8, aus Gründen der Vollständigkeit wurde dann die bekannte 9. aus Berlin angehängt, was mich prompt auf die falsche Fährte brachte. Diese Rom-Aufnahmen sind sehr lebendig und zügig musiziert, Details kommen wie selbstverständlich, das Klangbild ist immer durchsichtig und die Holzbläser werden nicht von den Streichern niedergebügelt. Abbado trifft sehr gut die Atmosphäre der einzelnen Sätze. Als Spitzenaufnahme kann die Pastorale gelten. In der 5. ist mir der Kopfsatz etwas zu leichtgewichtig, übriges öffnet Abbado hier die Wiederholung des Scherzos, die von allen mir bekannten Aufnahmen nur Blomstedt und Gardiner beachten. Eine Beschäftigung mit diesen Aufnahmen lohnt sich.
Forianerinnen und Forianer, über Chaillys neue Beethoven-Aufnahme lässt sich schnell berichten. Wir mir scheint, und das kann man auch dem Booklet entnehmen, stehen alle Sinfonien unter dem Diktat von Beethovens Metronom-Angaben. Alle Sätze, ausgenommen der Schlusssatz der 9., werden in schnellstem Tempo heruntergespielt, dem einen oder anderen Ecksatz kann das zu passen, aber die langsamen Sätze klingen oft ziemlich einseitig, unterbelichtet und ohne Poesie (z.B. die 4.). Deshalb erhalten viele Stellen in den Sinfonien nicht das Gewicht, das ihnen eigentlich zusteht. Chailly geht schnell darüber hinweg. Alles scheint gleich wichtig, gleich bedeutend zu sein. Musik ohne Überwindung von Widerständen („…und keine Qual rühret ihn an“). Kompromisslos wird Beethovens Musik nur in der Horizontale dargestellt, immer den Blick auf das Ende des Satzes. Das ist mir viel zu einseitig! Man nimmt es zur Kenntnis und wendet sich schnell anderen Interpretationen zu. Der einzige Lichtblick ist für mich die 5., hier passt Chaillys Konzept besser. In der Reprise des 3.Satzes erlebt man plastische Pizzicati und deutliches Holz. Die von Beethoven im Finale erstmals eingesetzte Piccoloflöte kommt an ihren Stellen bestens heraus, das gefällt mir hier von allen bekannten Aufnahmen am besten, ist aber zu wenig für solch ein ambitioniertes Projekt. Hervorheben muss ich noch das virtuose, hellwach agierende Gewandhausorchester, das auch den kleinsten Akzenten gerecht wird, bravo! Über die klangliche Seite der CDs kann ich nicht lästern.
Grüße Amadé
Amadé (13.04.2012, 11:43): Gesamtaufnahmen von den 9 Beethoven-Sinfonien haben auch im Jahr 2012 Konjunktur, hier die erste:
Jan Willem De Vriend dirigiert The Netherlands Symphony Orchestra, ein Ensemble, das sich auf dem Plattenmarkt noch wenig hervorgetan hat. Label Challenge classics, 6 SACDs, Aufnamen zwischen 2008 und 2010, alle auch einzeln erhältlich.
Maazel wird der Größe der Musik in keiner Weise gerecht, das ist ziemlich profillos heruntergespielt, das Orchesterspiel ist nicht auf dem von Szell erreichten und von Dohnanyi bewahrten Niveau, vieles kommt nur beiläufig, die Aufnahme ist für Dirigent wie Orchester geradezu rufschädigend!
Gruß Amadé
Amadé (02.07.2012, 12:05): Barenboim mit neuer Beethoven-Sicht oder nur einem neuem Personal?
Cetay (inaktiv) (04.02.2013, 09:07): http://ecx.images-amazon.com/images/I/512CMY-u6YL._SL500_AA240_.jpg Beethoven; Sinfonien Nr. 1-9; Orchestre de la Francophonie, Jean-Philippe Tremblay
Diese Aufnahme, die schon seit drei Jahren auf dem Markt ist, ist ein echtes Kind unserer Zeit. Das Orchester wurde aus talentierten Absolventen zusammengecastet und durfte mit einem jungen Himmelstürmer von recht präsentablem Äußeren an nur vier Abenden Live den Sinfonien-Himalaya besteigen. Natürlich wurden -wie im Booklet ausgeführt- die musikwissenschaftlichen Forschungen der letzen beiden Dekaden nicht außer Acht gelassen und das Ergebnis kommt vom Herzen und wird mit größter Demut dargeboten. Ich habe den ersten Satz der 1. und die ganze 5. gesampelt (pardon: probegehört). Wie aufgrund der Rahmenbedingungen erwartet sind das sehr engagierte und vitale, straffe und dramatisch zugespitzte Interpretationen. Und sonst? Die Angelsachsen haben ein wunderbar treffendes Wort, das sich nicht ganz adäquat übersetzen läßt, für meinen Eindruck: Ich bin unterwältigt.
Auch von Mariss Jansons ist nun ein Beethoven-Zyklus mit allen 9 Sinfonien auf dem Markt. Die Aufnahmen entstanden 2012 teils in München, teils wärend einer Japan-Tournee im selben Jahr. Den Sinfonien werden kurze Auftragskompositionen des Orchesters (10 Min. sollten nicht überschritten werden), die sich jeweils auf eine Sinfonie beziehen, gegenübergestellt.
Bemerkenswert für mich ist die Tatsache, dass hier zum erstenmal eine Gesamtaufnahme des Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks, einer unsere besten Klangkörper, auf den Markt gebracht wurde. Kubelik, Davis und Maazel, den Vorgängern, war dies nicht vergönnt, obwohl sich sicher jeweils eine Gesamtausgabe hätte zusammenstellen lassen.
Gruß Amadé
Cetay (inaktiv) (21.09.2013, 15:32): Wenn ich nichts übersehen habe, dann gibt es eine weitere Gesamteinspielung, die hier noch nicht genannt wurde.
http://filharmonia.net/pliki/upload/plyty_cd/13.jpg Ludwig van Beethoven; Sinfonien 1-9; Warschau PO, Kazimierz Kord
Viel konnte ich nicht darüber herausbekommen. Die CDs wurden 2000 aufgelegt, über das Aufnahmedatum schweigen sich das Label und das Orchester auf ihren Netzseiten aus. Zum Anhören (bisher 1. 3. und 7.) ist das sehr erfreulich. Die Tempi sind eher gemäßigt, der Orchesterklang warm und rund. Statt auf allerletzte Transparenz zu setzen weden die Hauptstimmverläufe sehr plastisch herausgearbeitet. Irgendwelche interpretatorischen Exzesse sind nicht auszumachen. Titanisiches und heroisches bleiben ebenso außen vor wie Hipesquer Absolutismus. Das ist eine sehr sympathische Einspielung, bei der nichts stört. Das mag lau klingen, ist aber angesichts der Tatsache, dass mir der Großtteil der Beethoven-Sinfonien-Einspielungen unsymphatisch ist, als -freilich rein geschmäcklerisches- Kompliment gemeint.
Amadé (21.09.2013, 20:08): Richtig, eine weitere Gesamtaufnahme,
ich habe auch noch nichts von der Existenz dieser Aufnahmen gehört. War K. Kord nicht einige Jahre beim SWF-Sinfonie-Orchester tätig?
Cetay (inaktiv) (22.09.2013, 07:54): Kord war von 1980-86 beim SWR. Das war mir nicht bekannt, obwohl ich den Sender viel höre, bzw. gehört habe. Archivaufnahmen gibt es meist mit Ernest Bour oder Michael Gielen zu hören. Wenn wir schon beim komplettieren sind:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51PyiSk28AL._SL500_.jpgOrchestre National de Bordeaux Aquitaine; Alain Lombard (1991) http://ecx.images-amazon.com/images/I/51WDz7QAvLL._AA160_.jpgTokyo City Philharmonic Orchestra; Taijiro Iimori (2000-2001)
Iimori ist hier in der Region kein unbeschriebenes Blatt. Er war künstlerischer Leiter der Württembergischen Philharmonie und hat mit ihnen einge Plattenaufnahmen gemacht, unter anderem Mahlers Fünfte. Edit: Ich sehe gerade, dass er mit diesem Orchester auch Beethoven 1 & 3 bei Exton rausgebracht hat.
Cetay (inaktiv) (12.01.2014, 21:54): Original von Amadé 1913 spielte Artur Nikisch mit den Berliner Philharmonikern die 5. Sinfonie zum erstenmal ein. Das ist ein immer wieder zitierter Irrtum, dem ich bis heute auch aufgesessen bin. Tatsächlich stammt die erste Aufnahme der Fünften aus dem Jahr 1910, wenn man diversen Quellen im Internet, u.a. instantEncore glauben kann: (...) Arthur Nikisch's 1913 recording of Beethoven's Fifth Symphony, the first time this orchestra had recorded a complete symphony. That taping is often touted as the first-ever complete symphony of the recording era, but that's not true: that honour goes to Friedrich Kark and the Odeon Symphony Orchestra in 1910, also in Berlin, and also of Beethoven's 5th. Anhören kann man das unter "http://www.youtube.com/watch?v=cjqybFAGGcs".
Amadé (13.01.2014, 09:17): Lieber Cetay, danke für die Mitteilung, das überrascht mich, rein historisch gesehen. Ein Hörgenuss für heutige Hörer ist es jedoch nicht, übrigens Nikischs Aufnahme, die in den letzten Jahren immer wieder neu aufgelegt wurde, auch nicht.
Gruß Amadé :hello
Cetay (inaktiv) (14.01.2014, 18:09): Ein Hörgenuss für heutige Hörer ist es jedoch nicht, übrigens Nikischs Aufnahme, die in den letzten Jahren immer wieder neu aufgelegt wurde, auch nicht. Da stimme ich zu. Zu Informationszwecken v.a. über die damaligen Temporelationen taugt das was, aber selbst ein hartgesottenster Verfechter von historischen Aufnahmen wird sich das kaum mehr als einmal anhören.
Weitere Ergänzungen (gehört habe ich davon nichts):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41WKdXQMF%2BL._SX450_.jpg Osaka PO, Takashi Asahina (2000) Es gibt noch einen anderen Zykus dieses Dirigenten mit dem New Japan Orchestra aus den Jahren 1988-89.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51wobHb1HkL._SX450_.jpg Polnische Kammerphilharmonie, Wojciech Rajski (2007-8) Für absolute Klangmanics. In der gesamten Aufnahmekette befand sich kein einziger Transistor.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/31a-GFZrEXL.jpg Sapporo SO, Tadaaki Otaka (AD unbekannt)
Cetay (inaktiv) (15.02.2014, 16:36): Das Ende der Fahnenstange ist immer noch nicht erreicht. Douglas Boyd, der Oboen-Freunden ein Begriff sein dürfte, hat sein Instrument 2002 zum letzen Mal in den Koffer gelegt und schwingt seither den Stab. Natürlich konnte auch er es nicht lassen, sich zusammen mit der Manchester Camerata dem Wettbewerb zu stellen. Das Ergebnis zeichnet sich nach seiner eigenen Einschätzung durch ein Höchstmaß an Engagement, Energie und Qualität aus. Wenn das mal kein Grund ist, den zwischen Mai 2004 und Februar 2012 entstandenen Zyklus zu erwerben.
Cetay (inaktiv) (06.04.2015, 10:22): Mittlerweile arbeitet auch Michael Tilson Thomas mit dem San Francisco Symphony Orchestra an einem neuen Zyklus. Weniger bekannt -zumindest hier noch nicht erwähnt- ist, dass er schon früher Alle Neune vorgelegt hat. Dem Cover nach handelt sich hierbei um eine "Kammerfassung". Es spielt das Englisch Chamber Orchestra, außer bei der Eroica - da ist das Orchestra of St. Lukes zu hören. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1975 und 1983.
Martin Haselböck hat nun auch seinen Beethoven-Zyklus angefangen. Er geht dazu für jede einzelne Sinfonie (bislang 1&2) an die Original-Schauplätze, d.h zu den Stätten der Uraufführungen oder Darbietungen zu Lebzeiten Beethovens; selbstredend mit bezüglich Größe und Instrumentarium genau den Orchesterbesetzungen, die seinerzeit üblich waren. AHIPAP (As HIP As Possible) sozusagen. Ob das -samt dem zeitgeistigen Projektnamen: Beethoven Re-Sound- ausreicht, um genug Aufmerksamkeit zu erregen, bleibt abzuwarten. Nötig wäre es, denn dass man mit Qualität allein heute nicht mehr weit kommt, beweist die gnadenlos untergegangene Gesamtaufnahme von Jan Willem de Vriend, die sicher die beste ist, die in diesem Millennium abgeliefert wurde.
Mehr traue ich da Lan Shui zu; ein -wenn auch mehr ganz junges- unverbrauchtes Gesicht mit Erfolgsstory (hat wie weiland Rattle ein lokales Allerweltsorchester an die Weltspitze geführt) sowie mit Charisma und Exotenbonus. Ihm zur Seite steht ein Orchester, das die Zeichen der Zeit erkannt hat. Zunächst änderte man den Namen von Hele Sjællands Symfoniorkester in Copenhagen Phil - prägnant, wie es die Hipster des 21. Jahrhunderts mögen. Letztere sind auch eine Zielgruppe für die Aufmerksamkeitsdefizit-freundlichen 60 minutes concerts - Crossover-Treffen mit modernen Musikern. Darüber hinaus hat das Orchester mit einem Flash Mob (ich musste auch erst nachklicken, was das ist) Video einer Darbietung des Anfangs von Peer Gynt in der Metro (wohlgemerkt im Zug, nicht im Bahnhof) über 11 Millionen Zuschauer erreicht. Und die Musik? Beim Orchester haben wir es mit der mittlerweile bewährten Mischung aus modernem Streicherapparat und Holz, sowie originalgetreuem Blech und Pauken zu tun. Dieser Beethoven (bislang 1-4) macht keine Gefangenen. Mit Vollgas und Hochdruck explodiert das förmlich aus den Boxen, vor allem die Pauken hat man selten so prägnant rumsen gehört; eine Geistesverwandtschaft mit Feys Hadyn aus Heidelberg ist nicht von der Hand zu weisen -auch in puncto Transparenz. Zu eruieren, ob es hier neue interpretatorische Einsichten gibt, überlasse ich den Gelehrten; mir genügt mein eigenes allergrößtes Hörvergnügen und die Sympathie für Hörernachwuchsförderung -die ich für effizienter halte als kaiserliche Ergüsse- um die Höchstnote zu vergeben. :times10
nikolaus (28.09.2015, 21:48): Original von Cetay http://ecx.images-amazon.com/images/I/61wdcEH5pnL._SL500_AA325_.jpg
Martin Haselböck hat nun auch seinen Beethoven-Zyklus angefangen. Er geht dazu für jede einzelne Sinfonie (bislang 1&2) an die Original-Schauplätze, d.h zu den Stätten der Uraufführungen oder Darbietungen zu Lebzeiten Beethovens; selbstredend mit bezüglich Größe und Instrumentarium genau den Orchesterbesetzungen, die seinerzeit üblich waren. AHIPAP (As HIP As Possible) sozusagen. Ob das -samt dem zeitgeistigen Projektnamen: Beethoven Re-Sound- ausreicht, um genug Aufmerksamkeit zu erregen, bleibt abzuwarten. ...
Mir als sicher nicht HIP-Anhänger gefällt diese erste Folge sehr gut, sowohl klanglich als auch interpretatorisch. Besonderen Sinn und Spass macht sicher das live-Erlebnis, und das durfte ich glücklicherweise mit der 9. Symphonie haben - s. "gestern im Konzert". Ob dieses Projekt wirklich so herausragend ist und auf Dauer unter den vielen guten Einspielungen Bestand hat, bleibt abzuwarten - da gebe ich Dir Recht. Die erste Folge ist auf jeden Fall sehr vielversprechend...
Nikolaus.
Cetay (inaktiv) (23.04.2016, 10:36): Nicht mehr ganz taufrisch und wegen des Fehlens der Neunten auch keine Gesamtaufnahme, aber seit einer Woche nun auch als Gesamtpaket zu erstehen:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/81uJRnOBfeL._SL500_AA325_.jpg Ludwig van Beethoven; Sinfonien Nr. 1-8 Filarmonica della Scala, Carlo Maria Giulini
Sehr alte Schule mit warmem und und satten Orchesterklang und mit extrem breiten Tempi (die Eroica schrammt knapp an der Stundenmarke vorbei).
Cetay (inaktiv) (25.09.2016, 17:47): https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/91fvy%2BHGmqL._SL500_AA250_.jpghttps://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51AlN5Z6QyL._SL500_AA250_.jpghttps://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51kHBYO%2Bq2L._SL500_AA250_.jpg https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51lFjiq79EL._SL500_AA250_.jpghttps://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/71usgNw5c8L._SL500_AA250_.jpghttps://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51jVPM-433L._SL500_AA250_.jpg Ludwig van Beethoven; Sinfonie Nr. 1-9 Rebecca Evans, Wilke te Brummelstroete, Steve Davislim, Neal Davies, London Symphony Chorus, London Symphony Orchestra, Yondani Butt
Ein weiterer Beethoven-Zyklus ist unter dem Radar der Öffentlichkeit durchgeflogen. Der in Macao geborene Yondani Butt erlangte im letzten Jahrhundert vor allem große Anerkennung für die Einspielung der Sinfonien Alexander Glazunovs. Nach krankheitsbedingter Abstinenz kehrte er aufs Podium 2009 zurück, um sich die Sinfonien-Zyklen der großen Klassiker vorzunehmen, zunächst Brahms, dann Schumann und schließlich Beethoven - als letztes Vermächtnis. Butt starb im Jahr 2014 kurz nach der Fertigstellung.
Nicolas_Aine (25.09.2016, 22:02): Hast du schon reingehört?
Cetay (inaktiv) (26.09.2016, 10:55): Ich habe nur die 1. und 2. gehört und nur nebenher, und mein oberflächlicher Grobeindruck ist: entspannt (Tempi), nüchtern (Artikulation) und trocken (Akustik). Nichts für Gemüter, die Beethoven als Soundtrack zum Schicksal des ewigen Helden, der an der Seite des Lichts im ewigen Kampf von Ordnung und Chaos die finale Schlacht schlägt, begreifen. Wer schon 10 (von denen er 6 nie auflegt) oder 25 (von denen er 21 nie auflegt) Zyklen sein Eigen nennt, wird diesen nicht unbedingt "brauchen". Wer das Werk ohne oktroyierte Interpretationsidee hören will, macht wenig falsch, denn es wirkt keineswegs buchstabiert und der Klangkörper -mit einem tendenziell warmen Klangbild eingefangen- ist nicht der Allerschlechteste. Ich werde mir auf jeden Fall noch die 9. anhören.
Cetay (inaktiv) (02.10.2016, 08:13): Und schon ist der nächste an der Reihe. Frisch aus der Presse purzelte am Freitag:
https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/611-O9LY%2BSL._SL500_AA325_.jpg Sigrid Plundrich, Mary-Ellen Nesi, Colin Balzer, Simon Tischler Tafelmusik Orchester & Kammerchor, Bruno Weil
Damit schreibt man laut PR (-> hier) Geschichte als erstes nordamerikanisches Orchester, das alle Neune auf Originalinstrumenten aufgenommen hat. Zuvor sind erschienen:
von den Gesamtaufnahmen der Beethoven-Sinfonien auf modernen Instrumenten in den letzten 15 Jahren haben mich besonders diese beiden Produktionen begeistert:
Bei diesen Einspielungen (ich habe hier nur das Cover der ersten beiden Sinfonien eingestellt) nimmt die brillante Aufnahmequalität sehr für sich ein. Aber auch was die Musiker des Polish Chamber Philharmonic Orchestra unter Wojciech Rajski zu Gehör bringen lässt sich mehr als hören. Besonders der warme Orchesterklang bleibt mir in guter Erinnerung. Auch die 9. Sinfonie mit den Gesangssolisten ist sehr gut gelungen.
Und die zweite Aufnahme der Sinfonien ist die derzeit aktuellste auf dem Markt:
Künstler: Simona Saturova, Mihoko Fujimura, Christian Elsner, Christian Gerhaher, MDR Rundfunkchor, GewandhausChor Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig, Herbert Blomstedt Label: Accentus, DDD/LA, 2014-2017
Wer hätte je gedacht, dass Herbert Blomstedt noch einmal ein so großer Wurf gelingen würde? Hier ist im wahrsten Sinne die klassische Deutung für die heutige Zeit gelungen: weit ab von überzogenenen Tempis (Chailly mit gleichem Orchester; Järvi), doch nicht langweilig (Jansons). An den bewussten Stellen lässt er es im Orchester auch richtig krachen. Man will nicht aufhören mit dem Hören dieser gelungenen Aufnahmen. Auch wenn die 9. Sinfonie die Einspielung mit Günter Wand mit dem NDR-Sinfonieorchester (-Elbphilharmonieorchester) für mich nicht vom Thron stürzt, ist auch sie sehr hörenswert.
:hello LT
Amadé (08.07.2017, 10:09): Hallo Liebestraum, herzlichen Glückwunsch für die Entscheidung, im Forum mitzuarbeiten.
Die Aufnahmen mit Wojciech Rajski und dem Polnischen Philharm. Kammerorchester finde ich auch sehr beieindruckend, sowohl von der Interpretation als auch vom KLang her, ich habe jedoch noch nicht alle hören können.
Blomstedts zweiten Zyklus der Beethoven-Sinfonien kenne ich noch nicht, ich habe jedoch einzelne Sinfonien sowohl im Konzertsaal als auch als Rundfunkübertragung mit Blomstedt und dem Gewandhausorchester gehört. Es waren gute Aufführungen, jedoch im Detail nicht so durchgearbeitet wie seine hervorragende erste Studio-Einspielung mit der Dresdner Staatskapelle. So lässt er z. B. die selten gespielte Wiederholung im Scherzo der 5. Sinfonie wieder fallen. Auch das Trio im 3. Satz der ersten Sinfonie war nicht so durchgeformt wie früher. Insgesamt geht sein MUsizieren jetzt etwas mehr in die Breite, trotzallem bin ich gespannt auf die neue Edition.
Gruß Amadé
Cetay (inaktiv) (22.07.2017, 11:34): Der Zyklus aus Kopenhagen ist jetzt auch fertig:
Copenhagen Phil, Lan Shui Vol I: Nr. 1-4 Vol II: Nr. 5-8 Vol III: Nr. 9 + Klara Ek, Elisabeth Jansson, Thomas Cooley, Liao Changyong, Ars Nova Copenhagen, The Latvian Radio Choir
Falstaff (14.11.2017, 22:27): An verschiedenen Stellen in diesem Thread fiel bereits der Name Cluytens und auch ich komme immer wieder gerne auf seinen Zyklus zurück.
Von den 'klassisch' gespielten Zyklen einer meiner liebsten. Persönlich steht er mir sogar näher als Leibowitz. Eigentlich bin ich ja ziemlich hemmungsloser Furtwänglerianer :D , der ja aber hier nicht vorkommt (siehe Eingangsstatement). Cluytens ist davon natürlich weit entfernt, aber gerade auch diese Spannbreite ist es, die ich so faszinierend finde. (Wohlgemerkt, ich bewege mich mit all diesen Aussagen nur im Nicht-HIPen-Bereich.)
Was schätze ich nun so an Cluytens? Es ist diese Leichtigkeit, die aber nie oberflächlich ist, diese Eleganz des Musizierens. Das ist alles wunderbar im Fluss, ausgewogen, schwungvoll und durchaus auch mit Humor dirigiert. Aber gleichzeitig schafft es Cluytens, es nicht billig, nichtssagend, nur auf einen schönen Klang absehend, darzubieten. Vielmehr scheint mir hier eine französische Tradition zum Tragen zu kommen, die offensichtlich eine ganz andere Herangehensweise hat, eine vielleicht andere Rhetorik.
Ich wage mich da jetzt einmal auf dünnes Eis, weil ich, was diese Tradition im sinfonischen Bereich angeht, recht wenig Ahnung habe. Aber ich übertrage einfach einmal aus der französischen Gesangsschule. So wie im Gesang der Klang vom Wort und der entsprechenden Behandlung ausgeht (wichtig dabei u.a. so etwas wie Charme, Eloquenz, Esprit, Eleganz, Leichtigkeit der Tongebung), so empfinde ich sein Dirigieren auch hier als ein entsprechendes Ausgehen von Notenbild her, um einen Klang zu entwickeln, der aber immer Charme, Eloquenz usw. aufweisen muss. Anders dabei als ein Furtwängler, der sozusagen zwischen den Noten den dramatischen Sinn gesucht hat. Und das Ergebnis ist dann bei Cluytens eine vordergründig leicht-luftige Interpretation, mit all den 'französischen' Vorzügen und einer immer wieder durchscheinenden 'Tiefe'.
Irgendwie habe ich nicht das Gefühl, dass ich, als musikalischer Laie, das, was ich bei Cluytens höre, richtig ausdrücke. Aber besser kann ich es nicht. ;)
:hello Falstaff
Amadé (21.10.2018, 17:50):
Beethoven als Jungbrunnen
Nach ca, 40 Jahren hat Herbert Blomstedt eine neue Ausgabe von Beethovens 9 Sinfonien mit dem Gewandhausorchester Leipzig erarbeitet, dessen Chefdirigent er von 1998 – 2005 war. Der Grund ist nicht, wie einst bei Karajan, eine inzwischen verbesserte Klangtechnik, sondern eine neue Sicht auf Beethovens Partituren, basierend auf deren Neuausgabe von Jonathan del Mar im Bärenreiter Verlag, wie er es im Booklet darlegt. Ein zentrales Anliegen ist ihm die Beachtung von Beethovens Metronom-Angaben, das bedeutet durchwegs mehr oder weniger schnelle, aber überzeugende Tempi. Die Sinfonien wurden bei Konzerten im Gewandhaus zwischen 2014 und 2017 mitgeschnitten, ohne dass Publikumsstörungen mit eingefangen wurden, vorgelegt hat sie das kleine Label accentus music. Die Interpretationen erinnern mich an die des alten Pierre Monteux, sie sind klangschön eingefangen, locker musiziert, immer auch mit Blick auf Instrumentationsdetails. Auffallend begegnet dem Hörer ein guter Spannungsauf- und –abbau, Heiterkeit und Frische sprechen immer wieder aus den Aufnahmen. Während es bei der Staatskapelle Dresden mehr um die Struktur der Partituren ging, widmet sich Blomstedt mit dem Gewandhausorchester vermehrt auch dem Klang, Dresden war eine Pflicht, Leipzig jetzt die Kür.
Mit Kritik sollte auch nicht gespart werden: Im Trauermarsch der Eroica hebt Blomstedt bei der Peripetie wieder die Pauke mit ihrem Klopfmotiv hervor, mit härteren Schlägeln jedoch klänge es noch überzeugender. Bei aller Akribie ist es mir unverständlich, dass er im 3. Satz der 5. Sinfonie auf die lange Wiederholung verzichtet, die der Komponist ausdrücklich verlangt hatte und die Blomstedt als erster bei der Dresdner Platteneinspielung so eindrücklich und überzeugend vorstellte. Der 4. Satz klingt hier festlicher, deutlich vernimmt man immer wieder auch das Kontrafagott.
Im Finalsatz der 9. Sinfonie wird am Ende bei „wie ein Held zum Siegen“ aufnahmetechnisch geschummelt – wenn man nicht genau hinhört fällt es kaum auf – wenn die Tenorstimme zweimal für einen kurzen Moment herausgehoben wird, kommt auch das akustische Umfeld lauter heraus.
Fazit: ein ganz großer Wurf, der die ältere Aufnahme in einigen Details jedoch nicht vergessen lässt.
Cavaradossi (22.10.2018, 18:46): Ich vermisse in dem Zusammenhang eine GA, die bisher, soweit ich es übersehen kann, noch gar nicht erwähnt wurde:
Antal Dorati mit dem Royal Philharmonic Orchestra (Aufnahmen: ca. 1975/76). Sie erschienen bei uns sporadisch auf LP, unter diversen Labels, vor allem PHILIPS und DG. Ich besitze aus der Reihe auf LP die Symphonien Nr. 4 und 6. Künstlerisch auf hohem Niveau, wie eigentlich bei Dorati nicht anders zu erwarten, und klangtechnisch einwandfreie Aufnahmen. Sie mögen heute, 40 Jahre nach ihrem Entstehen, nicht mehr en vogue sein, aber sie verdienen es, zumindest genannt zu werden. Dorati war wohl hauptsächlich als Interpret osteuropäischer Komponisten (Bartok, Dvorak, Strawinsky, Tschaikowsky) bekannt, aber es gibt von ihm auch eine großartige GA der Brahms-Symphonien (auf Newton-Classics).
Gruß, Cavaradossi
Amadé (23.10.2018, 09:45): Diese Aufnahme ist mir völlig unbekannt, vielleicht wurde sie damals wenig beachtet, weil sie in Einzelaufnahmen bei verschiedenen Labels, kaum bekannten, wie Contour, herauskam. Schon zuvor hat er für Mercury die Sinfonien Nr. 4, 5, 6 und 8 mit dem Lodoner Sinfonie-Orchester produziert. Nr. 5 und 6 besitze ich auf CD. Dorati war wohl der meistbeschäftigte Dirigent, den ich kenne, er nahm mehr auf als Karajan immer wieder mit anderen Orchestern und bei anderen Firmen. Sein Repertoire muss äußerst umfangreich gewesen sein. Auch wenn Beethoven für mich ziemlich abgeschlossen ist, würde ich die CDs gern einmal anhören.
Gruß Amadé
Cavaradossi (23.10.2018, 16:37): Hallo Amadé,
ich habe selbst mehrfach mit dem Gedanken gespielt, mir die Box zu kaufen, aber rd. 85 € (Neuware) bzw. 34 € für gebrauchte CDs waren mir zu viel, zumal ich über ein Dutzend GA in Schrank habe. Ich muss mich übrigens korrigieren, meine LPs sind die Sinfonien 4 & 5, die 5. ist sogar eine Originalausgabe der DG. So sieht sie aus:
Es ist eine Importplatte. Ich weiß gar nicht, ob sie noch im meinem Bestand ist, weil ich viele Platten auslagern musste, um für CDs Platz zu schaffen.
LG Cavaradossi
Abendroth (23.10.2018, 21:41): Wenn Doratis Beethoven so gut ist wie sein Brahms (bei Newton), dann würde mich der Beethoven auch sehr reizen, auch wenn ich schon recht gut mit Beethovensymphonien versorgt bin. Gibt's eigentlich die Firma newton noch (die von den 'grossen' Labels ausrangierte Aufnahmen wiederverwertet hat)?
dewi (24.10.2018, 02:39): https://ibb.co/b3G4MV
Sehr gut gefallen hat mir die etwas gewagte Interpretation der Taschenphilharmonie, da man Bekanntes in neuem Gewand bekommt. Die Klangqualitaet ist ebenfalls sehr gut ... oder was meint ihr?
Amadé (05.03.2020, 15:35): In diesem Faden war es zuletzt etwas ruhig, deshalb ohne Kommentare die letzten Veröffentlichungen der 9 Sinfonien, soweit ich dies überschaue, zuerst noch eine Neuauflge von Blomstedts Dresdner Aufnahme:
als blu-ray Disc
und zuletzt Jansons, aber vielleicht ist er schon früher erwähnt worden.
Gruß Amadé
Amadé (05.03.2020, 19:35): noch ein Nachtrag:
udabonn (08.03.2020, 10:22): Den Zyklus spielen sie gerade in Paris, Hamburg, München, Einzelkonzerte (8. und 3.) in Köln und Baden-Baden. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Aufnahme (live oder im Studio) erst nach der Tournee zu machen, wenn man sich aneinander gewöhnt und aufeinander eingespielt hat. Gleichwohl habe ich in Köln die 8. selten so spannend gehört, das war ein Erlebnis; und fast überzeugender als die 3., bei der das Orchester den Schlussakkord ziemlich schlaff in den Sand gesetzt hat ...
Auf diese Gesamtaufnahme möchte ich noch hinweisen, als Beispiel nur ein Cover:
Insgesamt 6 CD, Nr. 2 und 3 mit Ouverturen aufgefüllt. Klassische Interpretation, aber sehr plastischer Raumklang.
Und das Beethoven Resound Projekt von Martin Haselböck wird gerade mit der 5. und 6. vervollständigt (seit 7.3. lieferbar):
Amadé (29.05.2020, 10:48):
Diese zweite Gesamt-Aufnahme der 9 Beethoven-Sinfonien wurde laut DGG-PR zwischen 1962 bis 1965 auf 35mm-Film vom Sound Engineer Bob Fine (s. Mercury) aufgenommenen. In Bielefelder Katalogen der Jahre 1966/67 wurde sie neu angekündigt vom amerikanischen Label Command Classics, im Vertrieb der DGG. Sie ist nicht zu verwechseln mit den früheren Capitol-Aufnahmen Mitte der 1950er Jahre. Diese früheren Aufnahmen kenne ich, sie sind solide, reißen mich aber nicht vom Hocker. Vielleicht kommt die neuere noch auf meinen Wunschzettel, aber für meine Beethoven-Bücher ist es eh zu spät.
Gruß Amadé
Amadé (19.09.2020, 10:19):
Nur wenigen bekannt ist, dass William Steinberg mit seinem Pittsburgh Symphony Orchestra nach der Mono-Aufnahme beim Label Capitol einen weiteren Zyklus produziert hat. Er entstand 1962-66 für das hierzulande wenig bekannte Label Command Classics. Aufgenommen wurde er auf 35mm Magnetbändern mit verbessertem Signal-Rausch-Verhältnis und größerer dynamischer Bandbreite bei gleichzeitig reduzierter Klangverzerrung auf den Geräten der „Living Presence“-Aufnahmen des Labels Mercury. Toningenieur war der Sohn des legendären C. Robert Fine von Mercury, Thomas Fine. Neben dem Wechsel von Capitol zu Command Classics stand ein Wechsel des Aufnahmesaales an, wobei die „neue“ Akustik sich positiv auf die der Plattenaufnahmen auswirkt. Die DGG hat vor einigen Monaten diese zweite Serie der 9 Sinfonien auf 5 CDs herausgebracht, als Zugabe noch die 3. Leonoren-Ouvertüre.
Steinberg und sein Orchester musizieren mit Herzblut und spürbarer Hingabe. Als Hörer erlebt man ein frisches pulsierendes Musizieren bei angemessenen Tempi. Die langsamen Sätze sind immer belebt und werden nie verschleppt, die Musik fällt kaum ins Grübeln. An vielen Stellen ist man positiv überrascht vom Brio, mit dem hier musiziert wird. Im Vergleich zu Karajan und Leibowitz, die etwa zur selben Zeit ihre 9 Sinfonien herausbrachten, ist auch hier das Klangbild immer präsent, hell und transparent. Steinberg gelingt eine überzeugende Darstellung, auch wenn sie im traditionellen Gewand daherkommt. Ein Wehrmutstropfen, wie bei so vielen anderen Aufnahmen auch: das Solistenquartett überzeugt leider nicht durch Textverständlichkeit und Homogenität. Wer noch einmal eine gute Aufnahme aus den 1960ern hören möchte, aber nicht noch einmal mit den bekannten Pulz-Matadoren, ist hier bestens bedient.
GRuß Amadé
Philidor (19.09.2020, 10:50): Wer hätte je gedacht, dass Herbert Blomstedt noch einmal ein so großer Wurf gelingen würde? Hier ist im wahrsten Sinne die klassische Deutung für die heutige Zeit gelungen: weit ab von überzogenenen Tempis (Chailly mit gleichem Orchester; Järvi), doch nicht langweilig (Jansons). An den bewussten Stellen lässt er es im Orchester auch richtig krachen. Man will nicht aufhören mit dem Hören dieser gelungenen Aufnahmen. Auch wenn die 9. Sinfonie die Einspielung mit Günter Wand mit dem NDR-Sinfonieorchester (-Elbphilharmonieorchester) für mich nicht vom Thron stürzt, ist auch sie sehr hörenswert.
Fazit: ein ganz großer Wurf, der die ältere Aufnahme in einigen Details jedoch nicht vergessen lässt. Den Bemerkungen von Liebestraum und Amadé möchte ich ohne Vorbehalte zustimmen. Blomstedts Beethoven-Zyklus mit dem Gewandhaus-Orchester gehörte zu den allerersten neuen Hörerlebnissen, als ich vom CD-Kauf zu Streaming (weitgehend) umgestellt hatte und nun durch das neu erreichbare, unüberschaubare Hörfutter streifte.
Für mich - alles in Allem - die beste non-HIP-Aufnahme der letzten Jahre und wohl darüber hinaus.
Gruß Philidor
:hello
Amadé (28.07.2022, 19:26): Nach zweijähriger Corona-bedingter Verzögerung bringt die DGG jetzt einen neuen Zyklus mit dem längst arrivierten Yannik Nezet-seguin am Pult des Chamber Orchestra of Europe auf den Markt. Ich traue mich kaum zu fragen, ob es ihm gelingt noch Neues aus der Partitur herauszulesen.
Gruß Amadè
Philidor (28.07.2022, 19:35): Muss denn immer alles neu sein?
Vielleicht nur neu erzählt und das noch schlüssig?
Beethoven neu erzählt, aber kaum schlüssig.Flotte Tempi sind eines der Kennzeichen dieser neuen Eroica-Einspielung. Die Musik läuft wie am Schnürchen, klingt sehr geschäftig, leider wird dabei die Pauke – sehr schlank – vernachlässigt. Alles scheint gleich wichtig zu sein, die Interpretation hat keine Schwerpunkte und auch keine richtigen Höhepunkte, das drückt sich deutlich in der dynamischen Gestaltung aus. Der Aufnahme fehlt die akustische Tiefenstaffelung, alles spielt sich in einer Ebene ab, wie in einem Film. Es gibt keine Berge und Täler, ich vermisse deutlich Phasen der Anspannung und des Loslassens. Instrumente, die nur Begleitstimmen zu spielen haben, werden von den Mikrofonen zu dicht nach vorn geholt und ihnen eine Bedeutung gegeben, die von LvB so nicht vorgesehen war. Es bleibt offen, ob das die Intention des Dirigenten oder des Tonmeisters ist. Man gewinnt den Eindruck, dass die technische Perfektion der Ausführung Beethovens Intension überfährt. Der Aufnahme fehlt das Heroische. Der Höhepunkt mit der Peripetie kulminierend in T. 208 wird vom Dirigenten überfahren, dem Klopfmotiv der Pauke wird dort keine Dringlichkeit zugeteilt, noch schlimmer, man hört sie fast nicht. Ersatzweise bekommt der Hörer auftrumpfende Hörner im Trio des 3. Satzes geboten. Für mich eine enttäuschende Aufnahme, die Beethovens Aufriss in keiner Weise gerecht wird.
Gruß Amadé
Joe Dvorak (07.03.2023, 07:47): Nachdem ich gestern mit fast ehrfuerchtigem Erstaunen mal wieder die Neunte aus meiner bevorzugten GA gehoert habe, will ich einen aelteren Beitrag aus dem Geradehoerfaden von 2021 uebernehmen, weil dieser Zyklus hier ueber die Festellung seiner Existenz hinaus noch nicht gewuerdigt wurde. Das ist ein Unding.
The Immortal - Ludwig van Beethoven - 9 Sinfonien & Missa Solemnis (AD: 1951-53, "UV22"-Remaster 1999) NBC Symphony Orchestra, Arturo Toscanini
Der späte Beethoven Zyklus mit Toscanini hat den von 1939 in meiner Gunst mittlerweile überholt. Durchweg stramme Tempi, metronomisch präzise Rhythmen, abgestossene Artikulation. Das ist eine Interpretation 'Note für Note' mit minimaler Invasion - zu 100% frei von Romantizismen, an der Grenze zur Sprödigkeit. Selbst die lyrischen Holzbläser-Motive in der Coda des 1. Satzes der 1. Sinfonie kommen ungebunden und die abschliessende Trompetenfanfare ist bei aller Energie nicht auftrumpfend. Doch es wirkt nicht sachlich oder gar buchstabiert und es fällt nichts auseinander - das ist bei der furiosen Schlagzahl und -genauigkeit gar nicht möglich. Vielleicht ist das gerade das Geheimnis. Der Notentext wird fast mechanistisch als 'so-sein' hörbar gemacht, daher muss ihm durch die extreme Dirigier-Technik Leben eingehaucht werden. Die Interpretation bleibt dann dem Hörer selbst überlassen. Das gefällt mir.
Der Transfer ist sensationell. Es wird das "UV22"-Verfahren ausgelobt, doch diese Technik war einer der vielen unzulänglichen Versuche, mehr Bit auf einer CD unterzubringen, als drauf passen. Die Klangverbesserung gegenüber den älteren Ausgaben dieses Zyklus ist mehr darauf zurückzuführen, dass bessere Masterbänder aufgetaucht sind; für die Eroica wurde gar eine andere Aufnahme -aus dem Jahr '53- gewählt. Und die Methoden der digitalen Klangbearbeitung waren mittlerweile ausgereifter. Auf der Bonus-Disk werden dazu einige Vorher-Nacher-Beispiele mit -allerdings recht pauschalen- Erläuterungen gebracht. Trotz Mono ist der Klang verblüffend räumlich (etwa wie wenn man in Konzertsaal hinten auf der Empore sitzt), die einst schrillen Streicher sind seidig, die vorher trötigen Hölzblaser haben Körper und Farbe, das Ganze lebt und atmet.
Das einzigartige und meiner Präferenz entsprechende Dirigat und der für das Alter tolle Klang machen das zu meinem Goldstandard der Beethoven-Sinfonien-GAs (genauer: der Sinfonien 1, 2, 5, 6 & 9 - die restlichen mag ich nicht beurteilen).
Joe Dvorak (29.03.2023, 03:47): Freunde, hier kommt ein echter Stunner, wie der Angelsachse zu sagen pflegt. Eine GA, die seinerzeit auf ersten Seite dieses Threads ungehoert weggewischt wurde.
David Porcelijn, der cpo-Fans wohlbekannt sein duerfte, hat von 1999 - 2000 mit dem Tasmanischen Sinfonieorchester alle Neune eingespielt und als USP ein Fortepiano als Continiuo eingesetzt. Selbst die Macher geben zu, dass das fuer die hinteren Nummern fraglich ist, aber interessant ist es allemal. Doch es wird schnell klar, dass das beileibe nicht das Interessanteste an dieser GA ist. Es ist eine Leidenschaft und Hingabe, wie man sie selten zu hoeren bekommt. Die Tempi sind halsbrecherisch, aber das ist kein Selbstzweck, sondern haucht diesen totgespielten Lumpen wieder Leben ein, ohne ihnen Gewalt anzutun. Die Energien, die in den Schlusssaetzen der ersten beiden Sinfonien entfesselt werden, fegen alles weg, was zwischen Lautsprecher und Ohren steht. Vergleichen kann man das lose mit Zinman, der auf mich allerdings teils etwas gewollt wirkt und mich einfach nicht so durchgehend bei der Stange haelt. Zu Huelf, ich hoerte gerade die Eroica ohne Abschaltreflexe! Das mag daran liegen, dass sie vorbei war, bevor ich den Finger heben konnte, aber nochmal: das bedeutet nicht, dass da einfach ueber formale und dramatische Entwicklungen hinwegspielt wird. So und nicht anderes geht Beethoven ... meint Joe. Den Rest habe ich noch nicht gehoert, aber allein die ersten Drei machten das -fuer Streamingveraechter- zu einem Pflichtkauf, wenn es noch Neuware zu einem vernueftigen Preis gaebe. Weil mir keiner glaubt, dass das wenig bekannte Orchester seine Sache nicht nur 'ganz ordentlich' macht, sondern ganz exzellent, verweise ich auf eine Rezension bei MusicWeb.
The Complete Symphonies (AD: 1999-2000) Sharon Prero (Sopran), Elizabeth Campbell (Mezzo), Keith Lewis (Tenor), Bruce Martin (Bariton), Opera Australia Chorus, Geoffrey Lancaster (B.c. Fortepiano), Tasmanian SO, David Porcelijn
Joe Dvorak (30.03.2023, 04:06): David Porcelijn, der cpo-Fans wohlbekannt sein duerfte, hat von 1999 - 2000 mit dem Tasmanischen Sinfonieorchester alle Neune eingespielt und als USP ein Fortepiano als Continiuo eingesetzt. Selbst die Macher geben zu, dass das fuer die hinteren Nummern fraglich ist, aber interessant ist es allemal. Nachdem ich bei Nummer 6 angekommen bin, folgen noch ein paar Worte zum Continuo. Stoert es mich oder nehme ich es als bereichernd wahr? Die Anwort ist weder noch. Daher koennte ich das Argument, dass es 'ueberfluessig' ist, kaum entkraeften. Eine Ausnahme ist vielleicht die Fuenfte, bei der das Fortepiano an einigen Stellen im Kopfsatz -mit voller Kraft gespielt- noch eine entscheidende Schippe an Wucht draufpackt und vor allem den doch etwas droegen Andante-Satz aufwertet. Aber ich betone nochmal, dass die Frage nach der Berechtigung des Geklimpers drittranging ist. Entscheidend ist etwas ganz anderes. Es macht wieder richtig Spass, Beethoven zu hoeren.
Randbemerkung: Ganz im Gegensatz zu den Nummern 1-4 kommt der Finalsatz der Fuenften recht verhalten bis schwachbruestig (Streicher) daher. Hoerern, die den triumphalen Jubel eher pathetisch-aufgeblasen empfinden, duerfte das nicht unsympathisch sein.