Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 "Titan"

daniel5993 (30.05.2008, 07:35):
Guten Morgen Mahler-Freunde,


Gustav Mahler (1860 - 1911)

Geboren: * 7. Juli 1860 in Kalischt, Böhmen
Gestorben: † 18. Mai 1911 in Wien
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http://data.foxytunes.com/artist_images/180/000/000/180-large.jpg


Gustav Mahler - Symphonie Nr. 1 "Der Titan"

Jetzt, wo dieses Forum wieder eine Zukunft hat bin ich doch gleich moiviert mit Neuem loszulegen :).

Die erste Symphonie war erst 10 Jahre nach der eigentlichen fertigstellung in Mahlers Augen vollendet. Von 1984 - 1988 komponierte er diese Symphonie, welche schon früh den Beinahmen "Der Titan", von Mahler selbst bekam, nach dem gleichnamigen Roman "Der Titan" von Mahlers Lieblingsschriftsteller. Später zog er diesen Beinahmen wieder zurrück, was unser eins aber kaum registriert, auch heut heißt sie bei uns noch "Der Titan" Ich möchte mich nicht länger mit den Umgrabungen der Symphonie in den Jahren 1889 - 1899 aufhalten. Bei weitergehendem Interesse ist sind diese (ausführlichen) Link'a sinnvoll:

wikipedia

Im November 1989 wurde dieses Werk Uraufgeführt. Leider ist mir über die Reaktion des Publikums nichts bekannt. Es wäre interessant zu wissen, wie die Konzertbesucher damals dieses Werk beim ersten Mal aufgefasst haben. Beim ersten mal Hören fand ichs interessant, dann hab ich diese Symphonie im Konzert (Staatsorchester Braunschweig, dir. Alexander Joel) gehört und war hin und weg. Welche Gigantische Orchesterbesetzung diese Symphonie erfordert, ein Schauspiel von großer Klasse. Und dann diese Musik, als ob jemand einen Roman erzählt, oder als ob jemand sein Leben vor einem Ausbreitet.
Ich war total fasziniert und erinnere mich noch Gut, dass ich kaum zu halten war, als die letzten Takte dieser Symphonie verklangen. Aus mir Sprach keine Vernunft mehr, so betäubt war ich. Begeisterung Pur! Aber was ist es was mich so begeistert hat? Dieser "Mahler"ische lange Atem dieser Symphonie, das erzählerische, die gebundenheit zur Natur, die Aufgehende Sonne im ersten Satz, die darauffolgenden Vogelstimmen"Vogelgezwitscher", die böhmischen Volksklänge u.a. "Frere Jaques", der Atemberaubende Ausklang, mit Donner, Trommeln und Trompeten. Mahler der Geschichtenerzähler, ein Buch aus Noten, lang und doch NIE langweilig! Eine wahrhaft aufwühlende Musik. Und an dieser Stelle kann ich Leonard Bernstein noch viel Besser verstehen, dass er in dieser Art Musik Erfüllung finden konnte. Wer Ihn beim dirigieren von Maler einmal zugesehen hat, weis wovon ich rede. Wie Hefeteig der bei der bestimmten Temperatur, aufgeht. Bernstein Mahler 1 (Teilstück) Faszinierend!


...über den letzten Satz der Symphonie, welcher wie ein Gewitter über den Hörer herreinplatzt....

"Wie der Blitz aus dunkler Wolke" bricht der Schlußsatz mit schneidenden Dissonanzen herein, ein "Aufschrei eines im Tiefsten verwundeten Herzens" (Mahler)

"Das Inferno symbolisiert die Hölle des Daseins, das Paradiso Überwindung des Elends und Leids. Mahler meinte, der ‚Held‘ seines Werkes erringe den Sieg erst im Tode." (Constantin Floros)

Ja, dieser Schlusssatz hat auch so manchen Mahlerunverständigen Konzertbesucher unsanft aus dem Schlaf gerissen, wie ich beobachten konnte und welches ich mit Freuden registrierte :D

Videobeispiel - Claudio Abbado, 1990, Mahler Symphonie Nr. 1 "Titan"

Videobeispiel - Claudio Abbado, 1990, Mahler Symphonie Nr. 1 "Titan" Teil 2

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f9/Schwind_Begraebnis.jpg/800px-Schwind_Begraebnis.jpg
Man vermutet, dass Mahler in diesem "Holzschnitt" seine Anregung zur komposition des (wunderschönen) 3. Satzes bekam.

Ich besitze zwei Aufnahmen dieses Werkes:

https://www.jpc.de/image/w600/front/0/5099706073222.jpg
New Yorker Philharmoniker, Leonard Bernstein, 1966

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947582304.jpg
Chicago Symphonie Orchestra, Sir Georg Solti, 1983


Ich bin noch an weiteren Aufnahmen dran und werde dann bei Zeiten darüber berichten über z.B Bernsteins späte Wiener Aufnahme....

Oder könnt Ihr mir eine "Haben muss!" Aufnahme nennen?
Abschließend würde mich jetzt interessieren, wie Ihr dieser Symphonie Gegenübersteht?
Löst sie auch solch eine Begeisterung in euch aus?

Ich hoffe auf interessante Diskussionen!

Gruß
Daniel
ab (30.05.2008, 11:32):
Ich finde, Mahler hat erst in seiner zweiten Sinfonie so richtig zu sich gefunden. Mich begeistert die seine erste nicht so richtig.

Aber ich nütze wieder einmal die Gelegenheit, um folgenden Geheimtipp loszuwerden:
Gustav Mahler, Sinfonie 1, der Titan, Denis Zsoltay, Süddeutsche Philharmonie

Sie ist 1976 bei Intercord herausgekommen und ist immer noch die mir liebste Interpretation, die ich von dieser Sinfonie kenne! Nicht zuletzt auch deshalb, weil in ihr - noch lange vor den Experimenten eines Uri Canes (Winter&Winter) - die jüdischen Wurzeln Mahlers offen gelegt werden.
:down
(Da nehme ich selbst den 70er-Jahre-Klang in Kauf.) Unbedingt anhören!

Inzwischen unter diesem Cover:
http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000024YNF.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1056655287_.jpg
teleton (30.05.2008, 11:55):
Hallo Daniel,

Danke für Deinen schönen Mahler-Beitrag.
Die Mahler: Sinfonie Nr.1 war mein Mahler-Einstieg.
Ich wählte dazu die von Dir genannte Solti-Aufnahme (Decca) , die ich mir direkt als GA zugelegt hatte, nachdem ich mich vorher lange informiert hatte, wer die Mahlker Kompetenz hat.
Zudem kam ein wichtiger Punkt hinzu - die vorbildliche Decca-Klangqaulität, die diese Aufnahmen nach wie vor an die Spitze stellt. Diese Cd´s werden allerorten als Beispiel- und Vorführaufnahmen verewendet.
Solti´s Interpretation der Sinfonie Nr.1 wirkt auf mich von Anfang bis zum Ende schüssig und spannend - für mich nach wie vor meine Lieblingsaufnahme.
?( Es gibt einige Klassikhörer die Mahler´s Erste als banale Sinfonik bezeichnen. Von solchen Bezeichnungen möchte ich distanzieren.
Wie kann man solch fantastischen und fabelhaften Erfindunbgsreichtum, voller Ohrwurmthemen als banal bezeichnen.
Die Erste gehört zu meinen liebsten Mahler-Sinfonien, zusammen mit der Sinfonie Nr.6 (natürlich auich mit Solti).


Ich habe auch die Bernstein-Aufnahme mit den New Yorker PH (SONY) - ebenfalls als GA.
Bernstein ist für mich ein wunderbarer Mahler-Dirigent mit allen Emotionen. Und seien diese Emotionen laut Aussagen einiger Kritiker noch so übertrieben - ich finde es wunderbar ! Mahler ist für mich Emotional und so soll es auch klingen.
Auch Mahler´s 1 finde ich mit Bernstein voll gelungen und angemessen interpretiert.
Seine wiener Aufnahme (DG) kenne ich nicht - muß ich auch nach dieser nicht mehr, weil die Sony-Aufnahe voll ( im positiven Sinne ) ausreicht.


Meine dritte Aufnahme der Sinfonie Nr.1 ist die Chailly-Aufnahme mit dem CGO Amsterdam (Decca) - ja, auch als GA !
Diese hatte ich mir seinerzeit für das TOP-Angebot beim Nederlands Dagblatt für 20,-Euro bestellt um Interpretaionsvergleiche zu haben. Klanglich in DDD und Decca-Like absolut zufriedenstellend. Trotz DDD aber nicht noch besser als Solti analog - wer will das auch noch toppen ??? Aber interpretatorisch fehlt mir bei Chailly die Emotionalität Bernsteins und der packende Zugriff Solti´s.
Ein Mahler der Mitte, den Chailly bietet, leider mehr nicht.
Ein bekannter Forums-Kritiker (aus dem Nord(erstedt)en Deutschlands) hatte im letzten Jahr mal einen passenden Ausspruch zu Chailly´s Mahler:
"Weder Fisch noch Fleisch !"
ab (30.05.2008, 12:02):
Original von teleton

Die Mahler: Sinfonie Nr.1 war mein Mahler-Einstieg.
Ich wählte dazu die von Dir genannte Solti-Aufnahme (Decca) , die ich mir direkt als GA zugelegt hatte, nachdem ich mich vorher lange informiert hatte, wer die Mahler Kompetenz hat.

Ich dachte in der GA wäre die Londoner Analogaufnahme enthalten gewesen - lieg' ich da falsch?
?(
teleton (30.05.2008, 12:07):
Original von ab
Original von teleton

Die Mahler: Sinfonie Nr.1 war mein Mahler-Einstieg.
Ich wählte dazu die von Dir genannte Solti-Aufnahme (Decca) , die ich mir direkt als GA zugelegt hatte, nachdem ich mich vorher lange informiert hatte, wer die Mahler Kompetenz hat.

Ich dachte in der GA wäre die Londoner Analogaufnahme enthalten gewesen - lieg' ich da falsch?
?(
Hallo ab,

ja, da liegst Du falsch.
In der DECCA-GA sind alle Solti-Aufnahmen mit dem Chicago SO.

Und um Daniels Frage jetzt noch zu beantworten:
Oder könnt Ihr mir eine "Haben muss!" Aufnahme nennen?
Du hast Sie schon - es ist IMO Deine mit Solti !
daniel5993 (30.05.2008, 13:31):
Hallo ab,

Original von ab
Ich finde, Mahler hat erst in seiner zweiten Sinfonie so richtig zu sich gefunden. Mich begeistert die seine erste nicht so richtig.


Zustimmung bei der zweiten Symphonie Mahlers! Vielleicht sogar die größte und Schönste Symphonie in meinen Augen, wohl zusammen mit der Neunten Beethovens. Jedoch finde ich, dass die erste und die zweite Symphonie garnicht so weit auseinander liegen.

Danke für den Denis Zsoltay - Tipp!


Gruß
Daniel
ab (30.05.2008, 13:51):
Original von daniel5993
Danke für den Denis Zsoltay - Tipp!


Womöglich geistert sie sogar als kostenloser Download im mp3 Format zum Kennelernen in den Weiten des Interents herum. Dunkel meine ich mich zu entsinnen, diese Info einmal irgendwo aufgelesen zu haben. ?(
daniel5993 (30.05.2008, 14:40):
Guten Tag Wolfgang,

Danke für Deinen schönen Mahler-Beitrag.
Schön, dass du auch wieder da bist. Ich hatte die Befürchtung, dass du dich hier komplett abgemeldet hast.

Die Mahler: Sinfonie Nr.1 war mein Mahler-Einstieg.
Ich wählte dazu die von Dir genannte Solti-Aufnahme (Decca) , die ich mir direkt als GA zugelegt hatte, nachdem ich mich vorher lange informiert hatte, wer die Mahlker Kompetenz hat.
Mein Einstieg war ebenfalls die erste mit Georg Solti.
Falls du dich erinnern kannst, es war noch im Hifi-Forum und „damals“ hatte ich die Gesamtaufnahme über PN von dir erstanden, damals noch auf Schallplatte.
Kurz darauf kam dann Lenny B. mit der New Yorker GA.

Solti´s Interpretation der Sinfonie Nr.1 wirkt auf mich von Anfang bis zum Ende schüssig und spannend - für mich nach wie vor meine Lieblingsaufnahme.
:beer

Auch Mahler´s 1 finde ich mit Bernstein voll gelungen und angemessen interpretiert.
:beer :beer

Bernstein ist für mich ein wunderbarer Mahler-Dirigent mit allen Emotionen. Und seien diese Emotionen laut Aussagen einiger Kritiker noch so übertrieben - ich finde es wunderbar ! Mahler ist für mich Emotional und so soll es auch klingen.
:beer Was muss ich da noch sagen? Ganz mein reden! :beer

Seine wiener Aufnahme (DG) kenne ich nicht - muß ich auch nach dieser nicht mehr, weil die Sony-Aufnahe voll ( im positiven Sinne ) ausreicht.
Ich kenne die 2. Symphonie von der DGG-GA und diese Symphonie legt noch eine geballte Ladung „Power“ mehr drauf als die der Sony GA, von daher ists für mich schon interessant, wie das wohl bei den anderen Symphonien der DGG-GA aussieht.

Grüße
Daniel
:hello
Amadé (30.05.2008, 15:50):
@ leleton

Die DGG hat Mahlers 1. mit Bernstein nicht mit den Wiener Philharmonikern sondern mot dem Concertgebouw-Orchester produziert.
Die Chailly-Aufnahme, da bin ich ganz Deiner Meinung, ist nicht das Gelbe vom Ei.

@ Daniel u.a.

Auf zwei andere Einspielungen möchte ich noch hinweisen, zunächst auf eine Außenseiter-Aufnahme: Arpád Jóo hat 1983 mit einem weniger renommierten holländischen Orchester, den Amsterdamer Philharmonikern, die 1. produziert von Sefel-Records, jetzt erhältlich bei Arts.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0600554723921.jpg

Er erlaubt dem Hörer wie kaum ein anderer Dirigent den BLick ins Innere des Werkes und arbeitert die verschiedenen Ebenen der Komposition hervorragend heraus.
Gut hat mir immer gefallen wegen ihres Drives, wenn auch nicht so tiefschürfend wie Jóo, die 1. Aufnahme mit James Levine und dem London Symphony Orchestra aus dem Jahr 1974 bei RCA.

Grüße Amadé
Zelenka (30.05.2008, 19:37):
Herzlichen Dank an Daniel für seine Mühen!

Ich kann mich leider nicht zu den Mahler-Kennern zählen, ich werde und will wohl auch kein solcher mehr werden. Entsprechend gering sind meine Bestände:

NYPO, Bernstein Sony SX12K89499
BRSO, Kubelik DG Originals 4497352
Florida Philharmonic O, Judd Harmonia Mundi Classical Express HCX3957118
Tonhalle O Zürich, Zinman RCA Red Seal 82876871562

Überzeugend finde ich hier nur Bernstein, Kubelik ist staubtrocken, Judd merkwürdig, und auch der sorgfältige Zinman hat mich enttäuscht.

Gruß, Zelenka
Cosima (30.05.2008, 21:31):
Original von Zelenka
Überzeugend finde ich hier nur Bernstein, ...

Ja, Bernstein gefällt mir hier auch ganz gut. Die 1. ist neben der 4. meine liebste der Mahler-Symphonien. Herbert Kegel (Edel classics) und Jascha Horenstein (Unicorn) sind meine Favoriten.

Gruß, Cosima
ab (30.05.2008, 22:21):
Original von Cosima
Die 1. ist neben der 4. meine liebste der Mahler-Symphonien. Herbert Kegel (Edel classics) und Jascha Horenstein (Unicorn) sind meine Favoriten.

Gruß, Cosima

Wo sind Kegle und Horenstein nun Deine Favoriten, bei der 1. oder 4.? Oder gar sowohl als auch?
Cosima (30.05.2008, 22:34):
Original von ab
Wo sind Kegle und Horenstein nun Deine Favoriten, bei der 1. oder 4.? Oder gar sowohl als auch?

Sowohl als auch eigentlich... (Szell in der 4. aber nicht zu vergessen).
ab (30.05.2008, 22:44):
Original von Cosima
Sowohl als auch eigentlich... (Szell in der 4. aber nicht zu vergessen).

Danke!
(Ist zwar off topic aber: Horenstein, den ich ja besonders mag, finde ich bei der 4. eher enttäuschend - aber das trifft inzwischen ja auf alles zu, seit ich Mengelberg mit Vincent Jo kenne.)
Cetay (inaktiv) (31.05.2008, 13:42):
Original von Zelenka
Judd merkwürdig

Ich stimme zu, betone aber anders: Merk-würdig.
Ich finde es großartig, mit welch langem Atem Judd riesige Spannungsbögen aufbaut und hält. Er trifft den Mahlerschen Tonfall aus einer recht "objektiven" Sicht heraus. Dazu passt der extrem satte, farbige und dabei dennoch transparente Orchesterklang. Ich schätze -wie auch bei Levi und López Cobos- diese Herangehensweise an Mahler sehr. Mit der Betonung der klanglichen und architektonischen Seite wird jene Emotionalität vermeiden, die gerne mal in Kitsch und Sentimentalität umschlägt (wie in meinen Ohren bei Bernstein/DG).
Zelenka (31.05.2008, 14:33):
Original von Dox Orkh
Original von Zelenka
Judd merkwürdig

Ich stimme zu, betone aber anders: Merk-würdig.
Ich finde es großartig, mit welch langem Atem Judd riesige Spannungsbögen aufbaut und hält. Er trifft den Mahlerschen Tonfall aus einer recht "objektiven" Sicht heraus. Dazu passt der extrem satte, farbige und dabei dennoch transparente Orchesterklang. Ich schätze -wie auch bei Levi und López Cobos- diese Herangehensweise an Mahler sehr. Mit der Betonung der klanglichen und architektonischen Seite wird jene Emotionalität vermeiden, die gerne mal in Kitsch und Sentimentalität umschlägt (wie in meinen Ohren bei Bernstein/DG).

Lieber Dox:

Einiges hat Judd sicher auch einer sehr guten Aufnahmetechnik zu verdanken ... Im ganzen klingt mir seine Interpretation zu unidiomatisch, überlegt und sachlich. Zwischen Judd und dem völligen Kitsch liegen doch noch einige Zwischenstufen, die mir mehr zusagen würden.

Gruß, Zelenka
Cetay (inaktiv) (31.05.2008, 17:53):
Original von Zelenka
Original von Dox Orkh
Original von Zelenka
Judd merkwürdig

Ich stimme zu, betone aber anders: Merk-würdig.
Ich finde es großartig, mit welch langem Atem Judd riesige Spannungsbögen aufbaut und hält. Er trifft den Mahlerschen Tonfall aus einer recht "objektiven" Sicht heraus. Dazu passt der extrem satte, farbige und dabei dennoch transparente Orchesterklang. Ich schätze -wie auch bei Levi und López Cobos- diese Herangehensweise an Mahler sehr. Mit der Betonung der klanglichen und architektonischen Seite wird jene Emotionalität vermeiden, die gerne mal in Kitsch und Sentimentalität umschlägt (wie in meinen Ohren bei Bernstein/DG).

Lieber Dox:

Einiges hat Judd sicher auch einer sehr guten Aufnahmetechnik zu verdanken ... Im ganzen klingt mir seine Interpretation zu unidiomatisch, überlegt und sachlich. Zwischen Judd und dem völligen Kitsch liegen doch noch einige Zwischenstufen, die mir mehr zusagen würden.

Gruß, Zelenka

Lieber Zelenka,

in der Tat erlangte diese Aufnahme durch die Klangtechnik einigen Ruhm. Stereophile gab ihr 1995 das Prädikat "Records 2 Die 4". Was die Dynamik angeht, ist mir das zu gut, denn es ist praktisch unmöglich, diese Aufnahme anzuhören, ohne zwischendurch am Lautstärkeregler zu drehen.
Ich finde deine Sichtweise "zu unidiomatisch, überlegt und sachlich" gar nicht so weit weg von meiner; ich würde lediglich das "zu" weglassen.

Gruß, Jochen
Zelenka (31.05.2008, 18:39):
Original von Dox Orkh

Lieber Zelenka,

in der Tat erlangte diese Aufnahme durch die Klangtechnik einigen Ruhm. Stereophile gab ihr 1995 das Prädikat "Records 2 Die 4". Was die Dynamik angeht, ist mir das zu gut, denn es ist praktisch unmöglich, diese Aufnahme anzuhören, ohne zwischendurch am Lautstärkeregler zu drehen.
Ich finde deine Sichtweise "zu unidiomatisch, überlegt und sachlich" gar nicht so weit weg von meiner; ich würde lediglich das "zu" weglassen.

Gruß, Jochen

Lieber Jochen:

Besten Dank für den Link! Als Leckerbissen für Audiophile habe ich die Aufnahme immer empfunden. Daß die Dynamik nicht komprimiert worden ist, ist ja eher löblich! Aber ich erinnere mich, daß ich auch Schwierigkeiten hatte, die richtige Einstellung der Lautstärke zu finden (falls ich sie gefunden habe).

Was die Interpretation angeht, scheinen wir ja überraschend gar nicht so weit auseinanderzuliegen.

Gruß, Zelenka
HenningKolf (01.06.2008, 21:52):
Hallo Daniel,

wirkliche Begeisterung für Mahler habe ich eigentlich erst ab der 3. Sinfonie aufwärts entwickelt, gleichwohl nenne ich einige Einspielungen der Ersten mein eigen:

Bernstein/NYPO
Giulini/ChicagoSO
Chailly/Concertgebouworkest
Tilson Thomas/SFS
Kondraschin/StaatlSO der Moskauer Philharmonie (oder eine ähnliche Orchesterbezeichnung, ich habe eine in der Ukraine lizensierte Melodyiaausgabe - alles kyrillisch auf dem Cover)

Sowohl Giulini als auch TT leiten Orchester, die sich durch allerhöchste Spielkultur und technische Perfektion auszeichnen, aber für meine Ohren bleibt die Emotion ein wenig auf der Strecke (gleichwohl für viele Klassikfreunde sicher empfehlenswert).

Weder die New Yorker noch das Sowjetorchester zeichnen sich durch obige Eigenschaften aus, aber dafür vermitteln die Einspielungen keine Distanz, sondern emotionales Erleben. Dies gefällt mir bei dieser Art Musik am besten (tatsächlich höre ich, wenn ich die Erste höre, fast immer Kondraschin).

Chailly begeistert nicht nur bei der Ersten nicht...................

Interessieren würde mich, ob jemand - Bernd und ab kennen schließlich fast alles :) - diese Aufnahme


http://ecx.images-amazon.com/images/I/41zBX-EJ2vL._SL500_AA240_.jpg


kennt. Ich bin noch unschlüssig, ob ich mir die CD zulegen soll oder nicht..Mahlers 6. unter Mitrop., die ich früher einmal besaß, finde ich - durchaus im Wortsinne - dämonisch gut. Allerdings liegen zwischen der ersten und sechsten Welten.


Gruß
Henning
Amadé (01.06.2008, 22:03):
Lieber Henning,

sicher liegen zwischen 1 und 3 musikalische Entwicklungen, aber sowohl die erste als auch die zweite haben ihre Meriten. Die 3. übringens auch in den Ecksätzen Längen.
Zur Mitropoulos-CD kann ich nur zuraten, allerdings handelt es sich um kommerzielle! historische Aufnahmen aus den Jahren 1940 Mahler und 45 Rachmaninoff. Das Bandrauschen wurde behutsam weggefildert. Mahler wird keineswegs verschleppt, wie heute so oft, sondern höchst lebendig bis zum Schluss geführt, mit 47'32'' die schnellste meiner Aufnahmen.

Gruß Bernd
HenningKolf (02.06.2008, 00:06):
Hallo Bernd,

gut dass ich gefragt habe...1940..hmm .Meine älteste Aufnahme stammt aus 1952, und ich hatte stillschweigend angenommen, die Sony-CD beinhalte die 1951(?)er-Aufnahme aufbereitet, die auf einigen anderen Labeln kursiert. Für meine bisherigen Hörgewohnheiten hätte ich schon 1951 als äußerst gewagt empfunden.

Ich weiß. Du sagst immer man gewöhne sich an historischen Klang, ich weiß ja auch, dass mir viel entgeht (vieles von Beecham, Toscanini z.B.), aber irgendetwas in meinen Ohren oder im Hörzentrum ist, was historischen Klang betrifft, äußerst störrisch.. :B

Gruß
Henning
uhlmann (02.06.2008, 15:26):
Original von HenningKolf
Chailly begeistert nicht nur bei der Ersten nicht...................


nachdem chailly jetzt schon das zweite mal recht schroff abgetan wird, will ich das doch nicht so stehen lassen. denn sein zyklus ist imo einer der besten, wenn nicht überhaupt der beste momentan erhältliche.

chaillys ansatz, auch bei der ersten, ist ein spielerisch musikantischer, würde ich meinen. im beiheft wird ja auch die nähe mahlers zu verdi angeschnitten (obwohl man über vergleiche dieser art geteilter meinung sein kann). natürlich wird man in solchen interpretationen etwa die emotionalität eines bernstein oder das schroff-fahrige eines solti vergeblich suchen. dafür erhält man über alle symphonien hinweg eine stringente und auf seine weise ganz persönliche sicht der mahler'schen musik - nur eben nicht auf extreme ausgelegt, sondern auf das musikalische element.

man nehme etwa die erste: wo hat man das tänzelnde hauptmotiv des ersten satzes schon mal so natürlich beschwingt und wunderbar unaufgeregt gehört? oder der trauermarsch – perfekt ausgearbeitet und geradezu spielerisch leicht inszeniert, dabei niemals platt oder gar fad. nicht dass ich meine, dass es nicht auch anders möglich ist, aber dieser ansatz hat für mich schon seinen reiz. dazu kommt eine enorme liebe zum detail. da klingt nichts auch nur ansatzweise zufällig, jede kleine stimme ist perfekt balanciert, die steigerungen kommen klar und präzise, auch mit der nötigen wucht. und das concertgebouw orchester spielt den gesamten zyklus absolut grandios, das ist große kunst.

natürlich funktioniert chaillys ansatz bei manchen werken besser als bei anderen, etwa in der grandiosen zweiten, der dritten, der fünften, der siebten oder der neunten. weniger überzeugt mich eigentlich nur die sechste, die ein wenig "underplayed" geraten ist.


übrigens habe ich mahlers erste mit bruno walters aufnahme kennen gelernt. es ist wohl diese hier mit dem cbs symphony orchestra (meine ist gekoppelt mit einer famosen zweiten):



obwohl mich die erste nicht mehr ganz so überzeugt wie früher, ist walter bei mir immer noch eine instanz bei mahler.
HenningKolf (02.06.2008, 20:17):
Original von uhlmann
Original von HenningKolf
Chailly begeistert nicht nur bei der Ersten nicht...................


nachdem chailly jetzt schon das zweite mal recht schroff abgetan wird

.........

so schroff sollte das gar nicht rüberkommen...also gut: Chailly begeistert mich nicht nur bei der ersten nicht.....


natürlich ist die GA von Chailly keine im Wortsinne schlechte Aufnahme..aber besser bleibe ich mal beim Thema des Fadens (btw.: haben wir eigentlich einen zu den Gesamteinspielungen?):

Die Bezugnahme auf Verdi trifft schon etwas, was mir gerade nicht gefällt..Mahler hat ja mit der Ersten eine durchaus collagenhafte Komposition erstellt, die vielfache Deutungen zulässt, aber jedenfalls im 3. Satz ist das Klezmer-Zitat mit "jüdischer Seele" zu spielen, finde ich jedenfalls. Ich habe mal in einer Phase recht intensiv traditionellen und auch modernen Klezmer gehört, und alle 4 von mir genannten anderen Dirigenten vermitteln das "Klezmergefühl" besser, wie ich finde.

Wenn man den Schwerpunkt auf technische Perfektion des Spiels legt, empfinde ich die San Francisco Symphony überzeugender als das Concertgebouw, auch die Aufnahmetechnik ist bei TT/SFS besser, bei der Chaillyeinspielung wirkt der Klang bei Einsatz vieler Instrumentengruppen bzw. den tutti etwas eingedickt und intransparent (um bestimmten Verdachtsmomenten gleich vorzubeugen: Chailly habe ich als CD/FLAC, TT nur als mp3, trotzdem finde ich letztere Aufnahme besser klingend...)

Walters Mahler hab ich übrigens auf der "Liste", wann wurde denn die 1. eingespielt?

Gruß
Henning
uhlmann (02.06.2008, 20:37):
meine walter-aufnahme ist aus 1961, die klangqualität ist erstaunlich gut dafür. was ich gesehen habe, gibt es einige andere aufnahmen der ersten unter walter auf cd.

nochmal zu chailly: ich mag den bezug auf verdi auch nicht wirklich (ich mag eigentlich verdi nicht wirklich). es steht halt im beiheft und soll wohl den spielerischen ansatz chaillys rechtfertigen bzw. unterstützen. na ja...

auch bin ich gar kein übertriebener freund technischer perfektion - falls das so rüber gekommen ist. im gegenteil ist mir immer die interpretation des dirigenten wesentlich wichtiger als das reine orchesterspiel (sonst müsste ich wohl karajan mögen, kleiner scherz). im falle mahler-chailly passen eben für mich beide komponenten zusammen, das ist dann wunderbar.
Jürgen (03.06.2008, 09:53):
Wer mir bei Mahler 1 besonders gut gefällt, hängt wohl davon ab, was mir an Mahler 1 so gut gefällt.
Oft wurde der dritte Satz genannt, bei mir ist es aber der erste Satz. Zum einen, weil er damals, als ich die Sinfonie zum ersten mal hörte, so ganz anders klang, als alle anderen Sinfonien, die ich zuvor gehört hatte (Klassik/Romantik).
Zum anderen gefallen mir besonders die sinfonischen Sätze, die auf zuvor komponierten Liedern basieren. Im Falle der Ersten habe ich ständig die Zeile "Ging heut' morgen übers Feld" im Hinterkopf.
Ich genieße es, wenn sich im ersten Satz aus leisen ersten Tönen langsam eine Melodie entwickelt. Und hier sind natürlich diejenigen Aufnahmen im Vorteil, bei denen die ersten leisen Töne nicht im Rauschen untergehen. So sehr ich z.B. die alte Bernstein Aufnahme mag, bei Mahler 1.1 greife ich auch gerne mal zu Inbal.
Etwas allgemeiner formuliert: Bei Mahler haben auch schwächere Interpretationen am Markt eine Chance, solange sie klangtechnisch Top sind.

Und wie reihe ich Mahler 1 im Vergleich zu seinen anderen Sinfonien ein ?
Einerseits höre ich sie lieber als fast alle andere Sinfonik der Klassik und Romantik, andererseits gibt es noch Mahlers 2, 3, 6 oder 10, die das Potenzial haben, mich gefühlsmäßg mitzureissen und das je nach Stimmungslage auch machen. Solche Stellen hat Mahlers Erste leider nicht aufzuweisen. Zumindest ist es mir noch nicht passiert.

Grüße
Jürgen
daniel5993 (03.06.2008, 14:06):
Original von Jürgen

Oft wurde der dritte Satz genannt, bei mir ist es aber der erste Satz. Zum einen, weil er damals, als ich die Sinfonie zum ersten mal hörte, so ganz anders klang, als alle anderen Sinfonien, die ich zuvor gehört hatte (Klassik/Romantik).

Grüße
Jürgen

Hallo Jürgen,

Lange war mein Lieblingssatz der dritte, heute gefallen mir alle Sätze gleich gut...... bis auf den vierten Satz, den hab ich nun doch etwas lieber.
Der Weg aus dem Sanften, in die Realität. Dieses Spektakel, diese aggressive Gangart...... :down

Gruß
Daniel
Nordolf (03.06.2008, 14:33):
Hallo Daniel und alle anderen!

Danke für Deine Eröffnung! :)

Ich besitze folgende Aufnahmen:

Paul Kletzki / Wiener Philharmoniker 1965
Leonard Bernstein / Concertgebouw Orchestra 1987
Colin Davis / Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks 1988
Yuri Simonov / The Royal Philharmonic Orchestra 1994

Alle vier Aufnahmen haben ihre Qualitäten. "Must Haves" sind die Bernstein- und die Davis-Einspielung. Welche von beiden ich als besser empfinde, wechselt bei mir je nachdem, worauf ich das Hauptaugenmerk lege. Momentan ist eindeutig Bernstein vorn.

Bernsteins Zugang entspricht wohl den Intentionen Mahlers am besten. Die ersten drei Sätze praktizieren einen ironischen Blick auf den "symphonischen Helden", während der letzte wie ein "Aufschrei", wie eine "Anklage gegen Gott" klingen soll. Genauso interpretiert Expressivo-Lenny das Werk. Die Bläser im ersten Satz imitieren hier wirklich einen Naturlaut, der durch den sehr vollen Klang seine durchdringende Wirkung entfalten kann. Den Zweiten kann ich mir gemütlicher und behaglicher kaum vorstellen: - unser "Held" hat hier hörbar seinen gesellschaftlichen Erfolg mit aller "Philisterei", die dazu gehört. Der ironische Trauermarsch wird in einem schnellen Tempo gespielt, was die Satire verstärkt. Davis ist hier im Vergleich viel bedächtiger, sentimentaler, trauriger - was mir persönlich mehr liegt, aber Lenny trifft eben die Idee, die Mahler mit diesem Part verband.
Der letzte Satz zieht eine scharfe Trennlinie zu den drei vorangegangenen: - er bricht mit einer hochfahrenden Geste über den Hörer herein, die deutlich von Beethoven inspiriert ist. Die Ironie - das Als-ob - ist nun endgültig verschwunden: Pathos, Stolz und kämpferische Tragik werden mit vollem Ernst insziniert. Bernstein "tobt" hier ganz in seinem Element: - der Frühlingsweckruf des Beginns ist zum Schlachtensignal geworden, die ca. zwanzigminütige Dauerspannung wird gehalten, die Pauken sind so präsent und gewittrig, das einem Hören und Sehen vergeht.

Im Grunde ist in der 1. Symphonie schon der ganze Mahler präsent: - Trauermarsch, romantische Ironie, Tragik, das "Schütteln der Faust gegen Gott", der Naturlaut usw.

Herzliche Grüsse!
Jörg
uhlmann (09.01.2009, 17:22):
hallo zusammen,

ich habe gestern und heute erstmals die aufnahme der ersten unter roger norrington gehört.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4010276017707.jpg

wie erwartet bevorzugt norrington einen recht nüchtern-kühlen ansatz, er ist auf klare strukturen und klangliche transparenz aus. natürlich läßt er wie immer ohne vibrato spielen (schon fast sein markenzeichen), und er spielt die symphonie mit dem von mahler nachträglich entfernten blumine-satz (als zweiten satz).

die aufnahme hinterläßt bei mir einen zwiespältigen eindruck. das vibratolose klangbild finde ich grundsätzlich ganz interessant (auch wenn ich es nicht unbedingt haben muss). positiv zu vermerken ist die gute durchhörbarkeit und eine prägnante rhythmik, wodurch vor allem das scherzo schön beschwingt daherkommt. allerdings leiden die anderen sätze, allen voran der erste, durch norringtons steife tempi und sein unvermögen, zwischendurch auch mal etwas pathos zuzulassen. so geht doch viel an dramatik und innerer spannung verloren.

angesichts dieser interpretation wundert es mich nicht, dass norringtons mahler so unterschiedlich rezensiert wird (positiv hier, negativ hier). es ist dies sicher keine aufnahme für jedermann.
Gerion (09.01.2009, 17:40):
Original von uhlmann

angesichts dieser interpretation wundert es mich nicht, dass norringtons mahler so unterschiedlich rezensiert wird (positiv hier, negativ hier). es ist dies sicher keine aufnahme für jedermann.

Mich wundern die unterschiedlichen Reaktionen auch nicht - die negative Rezension wurde mal wieder von diesem snobistischen, herablassenden Mr. H. geschrieben, bei dessen Rezensionen mir regelmäßig ganz blümerant wird. Allein schon der Einleitungssatz... :S
Dr. Schön (09.01.2009, 18:31):
Gibt es eigentlich überzeugende Einspielungen der Ersten, die den "Blumine" Satz enthalten? Sind solche Einspielumngen notwendig, oder hat sich Mahler richtig entschieden, diesen Satz zu entfernen? Ich kenne diesen nämlich gar nicht....
ab (09.01.2009, 19:44):
Original von Dr. Schön
Gibt es eigentlich überzeugende Einspielungen der Ersten, die den "Blumine" Satz enthalten? Sind solche Einspielumngen notwendig, oder hat sich Mahler richtig entschieden, diesen Satz zu entfernen? Ich kenne diesen nämlich gar nicht....

Ich kenne keine, auch nicht als Einzeleinspielung. (nach wie vor ist meine Lieblingseinspielung der ersten (ohne Blumine) von der Süddeutschen Philharmonie mit Denis Zsoltay)
Amadé (09.01.2009, 20:53):
Forianer,

wer die "Blumine" mal für wenig Geld kennenlernen möchte, hier sie drauf:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/6148CWVWFSL._SL500_AA240_.gif

Ozawa, Boston Symphony Orchestra

Grüße Amadé
ab (09.01.2009, 22:02):
Original von ab
Original von Dr. Schön
Gibt es eigentlich überzeugende Einspielungen der Ersten, die den "Blumine" Satz enthalten?

Ich kenne keine, auch nicht als Einzeleinspielung.

Ich meinte, ich kenne keine Interpretation von Blumine, die mich überzeugt hätte, und Interpretationen habe ich einige gehört.
cellodil (09.01.2009, 23:15):
Original von uhlmann

angesichts dieser interpretation wundert es mich nicht, dass norringtons mahler so unterschiedlich rezensiert wird (positiv hier, negativ hier). es ist dies sicher keine aufnahme für jedermann.

Lieber Uhlmann,

mich wundert das auch nicht. Ich habe Norrington ja ziemlich oft im Konzert gehört und mich hat er nur ein einziges Mal überzeugt mit einer frühen Mozart-Sinfonie mit kleiner Besetzung und historischen Instrumenten (warum ich trotzdem oft in den Konzerten war, das ist eine andere, längere Geschichte, die einen außermusikalischen Hintergrund hat). Ich habe den Eindruck, dass er - zumindest mittlerweile - seine Interpretation nicht aus dem Werk heraus erarbeitet, sondern jedwedem Werk seine Masche überstülpt. Ich finde das zäh und langweilig und - vor allem - unangemessen.

Liebe Grüße

Sabine

P.S. Ich bin ja kein großer Mahler- und kein großer Sinfonien-Hörer und besitze deshalb nur eine Aufnahme von Mahlers No. 1, für die ich mich beim Vergleichshören entschieden hatte und die mir immer noch gut gefällt. Und zwar diese:

http://sales.codaex.com/rco/images/covers/RCO-07001.jpg
Gustav Mahler - Symphony No. 1
Royal Concertgebouw Orchestra - Mariss Jansons
uhlmann (10.01.2009, 10:09):
Original von cellodil
Ich habe den Eindruck, dass er - zumindest mittlerweile - seine Interpretation nicht aus dem Werk heraus erarbeitet, sondern jedwedem Werk seine Masche überstülpt. Ich finde das zäh und langweilig und - vor allem - unangemessen.

Liebe Grüße
Sabine

das mag heute durchaus so sein, ich kenne aber (angesichts des hohen preises) fast keine neueren einspielungen. viele seiner früheren aufnahmen mit den london classical players finde ich recht gelungen: etwa die symphonien beethovens oder mozarts opern.

neuerdings wird sein bruckner (mit dem swr-orchester) in den höchsten tönen gelobt. ich habe da so meine zweifel...
Gerion (10.01.2009, 16:01):
Ich kenne und schätze Norringtons Beethoven ebenfalls. Aber ich könnte mir nicht vorstellen, dass Mahler "auf die selbe Art" funktioniert...
cellodil (13.01.2009, 18:55):
Original von uhlmann
neuerdings wird sein bruckner (mit dem swr-orchester) in den höchsten tönen gelobt. ich habe da so meine zweifel...

... ich auch.

Liebe Grüße

Sabine

P.S. Ich kenne zwar "den frühen Norrington" nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass er irgendwann in grauer Vorzeit tatsächlich mal Gutes geleistet haben muss. Irgendwoher muss seine Reputation ja stammen und aus dem, was er gegenwärtig (und schon seit längerer Zeit) abliefert (anders kann man das nicht bezeichnen, finde ich), lässt sich das nicht erklären.
kreisler (13.01.2009, 19:33):
Im November 1989 wurde dieses Werk Uraufgeführt. Leider ist mir über die Reaktion des Publikums nichts bekannt. Es wäre interessant zu wissen, wie die Konzertbesucher damals dieses Werk beim ersten Mal aufgefasst haben.

Meines Wissen gab es beim Publikum, und besonders auch bei die Kritikern sofort zwei Lager:

Eben die Einen, die unglaublich begeistert waren und erkannten, was das Werk für ein genialer Erstling ist, der damals in ganz neue Bahnen lenkte.

Die Anderen waren empört. Vermutlich jedoch aus genau den selben Gründen. Denn das neue (und für sie
"skandalöse") war die Verwendung von volkstümlicher und auf den ersten Blick! naiver Musik, so beispielsweise der Ländler (2. Satz). Tatsächlich wird sogar behauptet es gäbe einen regelrechten Skandal bei der Uraufführung. Ich denke die meisten damals Leute haben einfach den dritten Satz nicht verstanden und wurden dann vom vierten niedergeschmettert (mit geschmettere :D)

Aber wie gesagt, wen es jemand gefallen hatte war er wohl hin und weg...
teleton (14.01.2009, 12:52):
Hallo Kreisler und alle Mahlerianer,

ich gehöre zu der Zielgruppe die gerade die Sinfonie Nr.1 von Mahler überaus schätzen. Eime meiner liebsten Mahler-Sinfonien.

:engel Selbst meine Frau, die Klassik heutzutage mehr nebenbei bei mir hört, staunt über die zahlreichen Ohrwürmer in dieser Sinfonie.

Meine Erste und nach wie vor höchstgeschätzeste Aufnahme ist die mit Solti / Chicago SO (DECCA) in meiner Decca-GA-Box.
Fabelhafte Dramaturigie, Spannung pur und audiophile Klangtechnik gehen wunderbar Hand in Hand. (Ich berichtete auch hier bereits von meiner Vorliebe für Solti´s Wahnsinnsaufnahmen).

Eine Ergänzung zu Solti bietet mir die Bernstein-Aufnahme (SONY).
Hierzu hat Nordolf ein voll zutreffendes Statement abgegeben, dem ich mich voll anschließen möchte:
Bernsteins Zugang entspricht wohl den Intentionen Mahlers am besten. Die ersten drei Sätze praktizieren einen ironischen Blick auf den "symphonischen Helden", während der letzte wie ein "Aufschrei", wie eine "Anklage gegen Gott" klingen soll. Genauso interpretiert Expressivo-Lenny das Werk. Die Bläser im ersten Satz imitieren hier wirklich einen Naturlaut, der durch den sehr vollen Klang seine durchdringende Wirkung entfalten kann. Den Zweiten kann ich mir gemütlicher und behaglicher kaum vorstellen: - unser "Held" hat hier hörbar seinen gesellschaftlichen Erfolg mit aller "Philisterei", die dazu gehört. Der ironische Trauermarsch wird in einem schnellen Tempo gespielt, was die Satire verstärkt. Davis ist hier im Vergleich viel bedächtiger, sentimentaler, trauriger - was mir persönlich mehr liegt, aber Lenny trifft eben die Idee, die Mahler mit diesem Part verband.
Der letzte Satz zieht eine scharfe Trennlinie zu den drei vorangegangenen: - er bricht mit einer hochfahrenden Geste über den Hörer herein, die deutlich von Beethoven inspiriert ist. Die Ironie - das Als-ob - ist nun endgültig verschwunden: Pathos, Stolz und kämpferische Tragik werden mit vollem Ernst insziniert. Bernstein "tobt" hier ganz in seinem Element: - der Frühlingsweckruf des Beginns ist zum Schlachtensignal geworden, die ca. zwanzigminütige Dauerspannung wird gehalten, die Pauken sind so präsent und gewittrig, das einem Hören und Sehen vergeht.
:beer Diese Worte schrieb Nordolf zur Bernstein-Aufnahme mit dem CGO (DG)
sie gelten aber auch gleichsam für meine Aufnahme mit den New Yorker PH.



:cool Auf den Blumine-Satz, der die Sinfonie IMO unerträglich lang machen würde (denn Gesang ist ohnehin nicht meine Dömäne) kann ich gerne absolut verzichten.
Jürgen (14.01.2009, 13:43):
Original von teleton
:cool Auf den Blumine-Satz, der die Sinfonie IMO unerträglich lang machen würde (denn Gesang ist ohnehin nicht meine Dömäne) kann ich gerne absolut verzichten.

Also ich kenne nur eine Einspielung der Blumine. Die ist etwa 7:30 Minuten lang und instrumental.
Die Länge der Sinfonie ist für mich kein Argument, die Blumine wegzulassen. Die Erste ist ohnehin eine der kürzesten (wenn nicht sogar die kürzeste) Sinfonien Mahlers, der sogar längere Lieder komponierte :D.

Ich schätze eher, Mahler hatte sie für zu leicht empfunden. Das zumindest ist mein Eindruck, wenn ich sie mit dem Rest der Sinfonie vergleiche. Sie hat einfach nicht mehr hineingepasst.

Grüße
Jürgen
kreisler (02.03.2009, 21:05):
Die 1. kenne ich in folgenden 4 Einspielungen, von denen sicher keine wirklich schlecht ist:

http://www.lpcd.de/18/K1031_01.jpg
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51M76CC684L._SL500_AA240_.jpg
http://gustavmahler.net.free.fr/CD1/solti-1.1964w.jpg
http://images-eu.amazon.com/images/P/B0001KAAAO.03.LZZZZZZZ.jpg

Kubelik (als Platte. gibts aber auch bei Originals)
frühe Bernstein,
Solti, live
Kondrashin, live

Kubelik ist hier so groß geraten, weil ich ihn mal in diesem Thread besonders herausheben will. Eigentlich finde ich seinen Mahler etwas langweilig im Vergleich zu der starken Konkurrenz :D, aber bei dieser Symphonie bringt er genau das was ich haben will; jedenfalls in den ersten beiden Sätzen. Und das ist eine gewisse "Stimmung". Besonders natürlich der Anfang und die Melodie aus "des Knabens Wunderhorn" (weiß grade nicht mehr aus welchem Lied). Das hat so ein bisschen etwas "böhmisches", auch ein wenig "musikantisches" was ich aber eben besonders bei Kubelik toll finde. Freilich ist der letzte Satz einfach viel zu schwach. Dort kann es mir gar nicht zu dramatisch zugehen, und das fehlt halt leider bei Kubelik. Sonst wäre es eine wirlich tolle Einspielung.

Den frühen Bernstein kann ich sowieso bei jeder Mahlersymphonie nur empfehlen, ich wüsste keine, die schlecht geraten ist. Er geht wie immer sehr emotional an die Musik, und ist wohl hin und wieder auch etwas genauer als Kubelik. Sehr gut!

Solti ist natürlich ein exzellenter Dirigent. Mir fehlt allerdings der Zugang zu seinem Mahler etwas. Wahrscheinlich, weil er nicht diese Bernstein-Emotionalität, die meiner Meinung nach sowieso das beste Mahler-Verständnis ist - so empfinde ich Mahler auch selber - hat, und er auch nicht wirklich analytisch (das andere Extrem) an die Symphonien rangeht. Leider kann ich meine Live-Aufnahme nicht mit der von Decca vergleichen, aber mir fehlt hier - trotz live - die oben beschriebene Stimmung, die für mich sowieso das wichtigste bei dieser großartigen Symphonie ist. Das Finale ist hier allerdings unglaublich gut!

Kondrashin geht wiederum ganz anders an diese Symphonie heran als die anderen. Er beginnt viel verhaltener. Ja, beinahe düster. Auch mal ganz interessant. Und nach einem sehr "traurigen" Marsch (an sich ist er ja eher komisch) platzt bei ihm dann schön das "Dall' Inferno" herein.

Alle drei zu empfehlen!
Und Bernstein ist immernoch am besten :wink

Grüße an alle Mahlerfans,
Kreisler
daniel5993 (02.03.2009, 21:17):
Original von kreisler
Und Bernstein ist immernoch am besten :wink


Abend kreisler,

Ebenfalls zur Höchstform auflaufend tut Lenny mit dem Concertgebouw Orchestra.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028942730328.jpg

Ein wahrer Ohrenschmaus!

Grüße
Daniel
:beer
kreisler (02.03.2009, 21:31):
Guten Abend zurück :hello

Kann ich mir gut vorstellen!
Ich kenne leider noch keine Aufnahme von ihm mit dem Concertgebouw. Welche Symphonien hat er da eigentlich bei DGG aufgenommen? War das noch vor seiner GA mit den Wienern?

Grüße,
Kreiser
daniel5993 (02.03.2009, 22:02):
Original von kreisler
Guten Abend zurück :hello

Kann ich mir gut vorstellen!
Ich kenne leider noch keine Aufnahme von ihm mit dem Concertgebouw. Welche Symphonien hat er da eigentlich bei DGG aufgenommen? War das noch vor seiner GA mit den Wienern?

Grüße,
Kreiser

Bernstein hat 3 mal den gesamten Mahler-Symphonien-Zyklus eingespielt.
Die erste mit den New Yorker Philharmonikern in den sechziger Jahren.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5099708949921.jpg

Dann hat er in den siebziger Jahren noch einmal den gesamten Zyklus live eingespielt, mit drei verschiedenen Orchestern, dem London Symphonie Orchestra, den Wiener Philharmonikern und dem Israel Philharmonic Orchestra. Die Aufnahmen sind heute leider nur als DVD erhältlich.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0044007340882.jpg

Ich besitze auch diesen Zyklus und es ist eine Freude Bernstein bei der Arbeit zuzusehen, jedoch sieht man seine Leistung und die des Orchesters dann kaum noch Objektiv, da man in dieses Geschehen hineinversetzt wird und nicht mehr nur von der Musik mitgerissen wird......ich glaub du weißt was ich meine.

Und zuletzt,

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028945908021.jpg

der Zyklus der mir im Gesamten am Besten gefällt, da Lenny dort so herrlich langatmig und Ausschweifend wird, OHNE das die Spannung verloren geht...... :engel
Diesen letzten Zyklus hat er ebenfalls live eingespielt und wieder für die DGG mit folgenden Orchestern: Concertgebouw Orchestra, New Yorker Philharmonic Orchestra, Wiener Philharmoniker. Die Spitze dieses Zykluses ist für mich die 2te Symphonie Mahlers, welche so gewaltig vorgetragen wird dass einem die Freude garnicht ausgehen will.......und oh staune, es spielen die New Yorker Philharmoniker, seine alte Liebe.....

Ich kenne noch nicht alle Mahler Symphonien genau, sondern taste mich von Symphonie zu Symphonie mit verschiedenen Aufnahmen vor, das hält meine Konzentration fürs Werk aufrecht :cool.

Grüße
Daniel
kreisler (02.03.2009, 22:21):

Ich kenne noch nicht alle Mahler Symphonien genau, sondern taste mich von Symphonie zu Symphonie mit verschiedenen Aufnahmen vor, das hält meine Konzentration fürs Werk aufrecht :cool.

Grüße
Daniel

Ich hab die 2. vor noch nicht einmal einem Jahr zum ersten mal angehört. War natürlich entzückt. Ach was, ich war bis in meine musikalischen Grundfesten erschüttert. Ich hätte nicht geglaubt das es so etwas wie den 1. Satz überhaupt geben kann.
Als ich dann neugierig noch die 1. anhörte war ich, und das bin ich immer noch, vollkommen Mahler-infiziert. Und hab mich auf die anderen Symphonien gestürzt und sie so oft gehört, das ich nach alternativen Aufnahmen gesucht habe, zwechs Abwechslung. Der frühe Lenny ist mir aber als ganzes immer noch am liebsten geblieben. Nur die 8. ist noch verschont geblieben.

der Zyklus der mir im Gesamten am Besten gefällt, da Lenny dort so herrlich langatmig und Ausschweifend wird, OHNE das die Spannung verloren geht...... :engel
Diesen letzten Zyklus hat er ebenfalls live eingespielt und wieder für die DGG mit folgenden Orchestern: Concertgebouw Orchestra, New Yorker Philharmonic Orchestra, Wiener Philharmoniker.

Das mit den unterschiedlichen Orchestern war mir neu. Wieder was gelernt, danke :D

Mein Vater hatte mir vom späten Bernstein abgeraten, beim frühen hätte er noch nicht so viel geraucht und getrunken... :tongue: Soll heißen, der erste sei "frischer".
Aber ehrlich gesagt war dann auch der Preis ausschlaggebend.

Und die 2. hab ich mal auf dieser DVD gesehen. Ich versteh was du meinst...

Danke für die fachkundige Antwort:D,
Kreisler
teleton (05.03.2009, 12:59):
Hallo kreisler und daniel,

diesen Thrad nahm ich dieser tage zum Anlass die Mahler 1 wiedermal zu hören.
Ich bediente mich dabei zuerst der Bernstein-Aufnahme mit dem CGBO Amstedam, die man auf der CBO-Seite zusammen mit anderen mit dem CGBO gespielten klassischen Werken als gut aufgelöste MP3-Dateien runterladen kann.
Mit meinem Programm MP3DirectCut habe ich dann gleich die vier Sätze in 4 MP3-Dateien umgewandelt !
((OT: Auch interessant die Mendelssohn 4 mit Kondraschin !))

*** Bernstein geht packend zur Sache und ist alles andere als "nicht frisch, verraucht oder versoffen", wie es Kreislers Vater weiss machen will.
Die letzte Bernstein-Interpretation der Mahler 1 hat für mein Empfinden mehr Tiefe als seine alte mit den New Yorker PH und ist zudem klanglich absolut TOP (auch bei mir als "nur" MP3.)
Eine Aufnahme mit dser man auf Ewig zufrieden sein kann.

:times10 Letztendlich stelle ich aber fest, das mir Solti auch bei bei Mahler 1 wiedermal mehr liegt. Bei Solti habe ich nirgendwo das Gefühl das etwas nicht zusammenhält oder Blöcke aneinandergereiht sind. Solti neben der hohen Dramatik vorwärsdrängender und spricht mich damit einfach mehr an. Auch der erste Satz, der erst am Ende "zur Sache geht" habe ich bei Solti immer als spannender empfunden und das "erst am Ende zur Sache gehen" war mir nie aufgefallen, weil Solti das Werk vom Anfang bis zum Ende spannend gestaltet.
Kreisler schreibt auch von Solti´s alter ORFEO-Aufnahme mit den WPO und erkennt dort, das das Finale unter Solti erstklassig ist; diese Aufnahme wirkt klanglich natürlich historischer. Höre Dir mal die audiophile Decca-Aufnahme mit dem Chicago SO an - die spricht alle Sprachen - in allen Sätzen.
Fazit:
Mahler 1 mit Solti / Chicago SO (Decca)
:down Für mich bleibt es immer noch die beste Aufnahme.
Und ich gebe gerne zu, das ich von dieser geprägt bin - alle anderen müssen sich bei mir an dieser messen.
kreisler (05.03.2009, 16:24):
Original von teleton
*** Bernstein geht packend zur Sache und ist alles andere als "nicht frisch, verraucht oder versoffen", wie es Kreislers Vater weiss machen will.
Die letzte Bernstein-Interpretation der Mahler 1 hat für mein Empfinden mehr Tiefe als seine alte mit den New Yorker PH und ist zudem klanglich absolut TOP (auch bei mir als "nur" MP3.)
Eine Aufnahme mit dser man auf Ewig zufrieden sein kann.

Ist der Download kostenlos? Ich habe ihn nicht gefunden.
Ich glaube immer noch, das mein Vater in sofern schon recht hat, dass die erste GA etwas "authentischer" ist und mit unglaublichen Engagement zur Sache geht. Freilich wird ein Dirigent (oft) auch besser mit dem Alter, und so kann es schon sein, dass die ein oder andere späte Aufnahme von ihm etwas perfekter gelungen ist.
Letztendlich würde ich es mal gerne vergleichen, aber da ich mit der alten Bernstein so sehr zufrieden bin würde ich natürlich noch lieber hier andere Dirigenten kennen lernen.


Fazit:
Mahler 1 mit Solti / Chicago SO (Decca)
:down Für mich bleibt es immer noch die beste Aufnahme.
Und ich gebe gerne zu, das ich von dieser geprägt bin - alle anderen müssen sich bei mir an dieser messen.

Bei mir ist es genau andersherum :)
Ich bin von Bernstein geprägt, und zwar durch und durch. Außerdem habe ich wohl auch ein bisschen sein Mahler-Verständnis, soll heißen: Ich würde es gleich angehen, wäre ich Dirigent.
Natürlich werde ich auch die Decca-Solti anhören, wenn sich mir die Gelegenheit bietet.
Allerdings hab ich ja oben gesagt dass ich (bis auf Ausnahmen) mit Soltis Mahler nicht viel anfangen kann.

Viele Grüße,
Kreisler
teleton (06.03.2009, 12:06):
Hallo Kreisler,

ich habe jetzt eine halbe Stunde nach dem LINK zum Runterladen einiger CGBO-Aufnahmen im entsprechenden Forum gesucht. Kann ihn aber leider nicht mehr finden (ich hatte im Dez08 geloaded und jetzt erst gehört und die MP3-Schnitte in 4Sätzen vorgenommen.)

Die Bernstein-Aufnahme (DG) der MAHLER 1 ist auf jeden Fall emotionaler, ausgehörter und einfach reifer, als seine 60er-Jahre - Aufnahme, die ich ansonsten bei den andern Mahler-Sinfonien auch sehr schätze.

*** Bitte mache Dich von dem Gedanken frei, das Bernstein bei seinen neuen DG-Aufnahmen weniger autenischer (so ein blödsinn :( ) oder mit weniger Engagement zur Sache geht. Im Gegenteil, er vertieft sich mehr denn je in diese Aufnahmen, schlüpft quasi in die Rolle des Komponisten und gestaltet unbändig ohne an Konventionen anzuknüpfen.
:engel Höre Dir auch neben Mahler mal seine jetzten Aufnahmen der Sibelius-Sinfonien (DG) an, welche Eingebungen Bernstein hier umsetzt - der absolute Wahnsinn an Tiefe und Emotion.

Daniel hat es auch schon mehrfach propagiert, das die DG-Mahler - Aufnahmen (auch bei der Nr.2) mit Bernstein ganz große Jahrhundertaufnahmen sind.
Ein Jammer, das ich den Link für Mahler 1 nicht finde, damit Du Dir mal ein Bild von diesem DG-Genie machen kannst. Das dies schon bei CBS(SONY) der Fall ist, hast Du ja schon erkannt.
daniel5993 (06.03.2009, 22:40):
Guten Abend teleton, Kreisler

Original von teleton: * Bernstein geht packend zur Sache und ist alles andere als "nicht frisch, verraucht oder versoffen", wie es Kreislers Vater weiss machen will.

Daniel hat es auch schon mehrfach propagiert, das die DG-Mahler - Aufnahmen (auch bei der Nr.2) mit Bernstein ganz große Jahrhundertaufnahmen sind.

* Bitte mache Dich von dem Gedanken frei, das Bernstein bei seinen neuen DG-Aufnahmen weniger autenischer (so ein blödsinn unglücklich ) oder mit weniger Engagement zur Sache geht. Im Gegenteil, er vertieft sich mehr denn je in diese Aufnahmen, schlüpft quasi in die Rolle des Komponisten und gestaltet unbändig ohne an Konventionen anzuknüpfen.

Ich glaube, dass ich in diesem Forum schon öfter habe durchblicken lassen, wie sehr ich ganz besonders die Aufnahmen aus Lennys letzten 15 Jahren bei der DGG zu schätzen gelernt habe. Ich rede nicht nur von seinem letzten DGG-Mahler Zyklus. Man höre nur mal seinen Brahms, welchen er bei der DGG wie mir bekannt ist vollständig eingespielt hat, VK, KK, Symphonien, Overtüren usw. Man höre seine Mendelssohn Aufnahmen (Symphonien) mit dem Israel Philharmonic Orchestra. Wer hätte zudem gedacht, dass der alte Lenny Mozarts Symphonien so Zauberhaft leichtgewichtig und dennoch tiefgründig rüberzubringen vermag und dass in der letzten Phase seines Lebens? Weiter bewundere ich seinen späten Schumann, die Symphonien und auch die Beethoven GA bei der DGG ziehe ich doch noch einen Tick vor, vor der New Yorker GA, welche zugegeben auch so ihre Vorteile hat........

Zu den größten (seiner vielen) Sternstunden würde ich neben Mahlers 2. Symphonie die 6. Symphonie von Tschaikowsky nennen, die Pathetique.

Was den alten Bernstein so wahnsinnig interessant macht ist, wie Wolfgang schon gesagt hat, wie es Bernstein versteht ein Werk so tiefsinnig zu ergreifen und wiedergeben. Der alte Mann hat sein ganzes gequältes ICH, seine ganze Energie und Liebe in die Musik gesteckt haben müssen, er schmilzt förmlich dahin und es ist mir immer eine große Freude, wie dieser Mann die Musik gelebt hat! Anders kann ich mir seine fesselnden und ergreifenden Aufnahmen, die er gemacht hat nicht erklären.


Original von Kreisler: Bei mir ist es genau andersherum smile Ich bin von Bernstein geprägt, und zwar durch und durch. Außerdem habe ich wohl auch ein bisschen sein Mahler-Verständnis
Wenn dir Lennys Stil wirklich so zusagt, wirst du auf deiner Entdeckungsreise wohl kaum an seinen DGG-Aufnahmen vorbeikommen :D Deine Begeisterung stimmt ja schon........wie bei mir! In diesem Sinne :beer

Grüße
Daniel
kreisler (06.03.2009, 23:07):
Ahhh, gegen Lenny hab ich nichts gesagt, der finde ich schon Klasse:D Meinte nur, dass ich seine alten Aufnahmen sehr gut finde und mir nicht vorstellen kann, dass die späten so viel besser seien... :)

Aber so wie es aussieht, muss ich mich da wohl erst ein mal gehörig vorbilden.:D

Zum Glück habe ich jetzt mit Hilfe von Uhlmann eine Seite gefunden, wo ich dass machen kann. auch wenn der Download etwas dauert... (und sorry teleton, dass du für mich so lange im Internet rumgesucht hast)

Viele Grüße euch beiden,
Kreisler

und noch was: bei dem "authentisch" bleibe ich ganz stur immer noch, und zwar insofern, als dass die alten Aufnahmen den ersten großen Mahlerzyklus auf Schallplatte bilden, und noch dazu von einem jungen Dirigenten, der sich anscheinend vollkommen in Mahler reinversetzt hat. Für mich bleibt sie Referenz, aber ich sag jetzt erstmal nichts mehr gegen die neuen Aufnahmen... :wink
teleton (07.03.2009, 10:54):

Aber so wie es aussieht, muss ich mich da wohl erst ein mal gehörig vorbilden. :D

... als dass die alten Aufnahmen den ersten großen Mahlerzyklus auf Schallplatte bilden, und noch dazu von einem jungen Dirigenten, der sich anscheinend vollkommen in Mahler reinversetzt hat.
Für mich bleibt sie Referenz, aber ich sag jetzt erstmal nichts mehr gegen die neuen Aufnahmen...

Hallo kreisler,

beim "gehörig vorbilden" mit den DG-Mahler-Bernstein-Aufnahmen wünsche ich Dir viel Hörspaß, denn den wirst Du haben.
:wink Aber Referenz kannst Du den ersten Bernstein-Mahler-CBS-Zyklus nicht nennen, weil Du die neueren DG-Aufnahmen gar nicht kennst ! :D
:beer Ja, referenzwürdig sind die Alten, aber vorsicht mit dem Begriff Referenz !
kreisler (07.03.2009, 12:56):
Will mit referenz nur sagen, dass ich von diesen (alten) Aufnahmen ausgehe, und jede andere mit ihnen vergleiche.
Ist ein bisschen subjektiv in dem Fall...

Und ich habe immer Spaß am Mahler-Hören

:D
lg Kreisler
ab (07.03.2009, 14:00):
Original von kreisler
Die 1. kenne ich in folgenden 4 Einspielungen, von denen sicher keine wirklich schlecht ist:


Nach soviel Lobgehudel auf Bernstein möchte ich doch gerne einmal wirklich wissen, welche Aufnahme von Mahlers 1. "wirklich schlecht" ist. Auch bei Rezensionen von Mahler-Sinfonien die ganzen letzten Jahre über wird alles immer mehr oder weniger über den günen Klee gelobt. Sicher: Mahlers Sinfonien sind offensichtlich auch in mittelmäßigen und womöglich sogar schlechten Interpretation nicht umzukriegen und erzielen große Wirkung. Schön so! Aber: Welche Aufnahmen sind denn nun die mittelmäßige oder schlecht?

Jezt rückt mal raus, bekennt Farbe in dieser Hinsicht. Danke!

:hello
kreisler (07.03.2009, 17:31):
:hello

Berechtigte Frage!

Und mir fällt da auf Anhieb auch gar nichts ein, da es oft so ist, wie bsp. bei der ein oder anderen Abbado-CD, dass die Ausführung und so ziemlich perfekt gelungen ist, dafür aber sehr viel an Tiefe Gefühl oder ähnlichem fehlt.

Nicht gerne mag ich bsp. Chailly.

Seinen Mahler habe ich auch nur kurz gehört und fand ihn im Vergleich zu meinen anderen CD´s zu sehr nur auf Klang und weniger auf Musik bedacht. deswegen hab ich ihn mir auch nicht gekauft.

Aber bis jetzt kenne ich noch nicht genug Aufnahmen von Mahler 1, um mehr Beispiele zu nennen.

lg Kreisler
uhlmann (07.03.2009, 18:43):
Original von ab
...möchte ich doch gerne einmal wirklich wissen, welche Aufnahme von Mahlers 1. "wirklich schlecht" ist.

richtig schlecht fand ich vor kurzem norrington, auch der sonst so oft gelobte boulez gefällt mir bei mahler nicht besonders (die erste ist aber noch besser als seine unfassbar langweilige zweite).
ansonsten gibts unter meinen aufnahmen einige, die ich als mittelmäßig einstufe, die aber sicher nicht "wirklich schlecht" sind: gergiev, inbal, kondraschin (ndr-orchester), neumann, rattle, solti, tabakov (der leider ein sehr schwaches orchester hat, dessen interpretationen mir aber ganz gut gefallen).
richtig gute erste sind imo: barbirolli, bernstein, chailly, kubelik, walter
die eine wirkliche top-aufnahme, die ich klar über alle anderen stelle, habe ich offenbar noch nicht gefunden.
kreisler (10.03.2009, 21:34):
@ teleton, daniel,

ich muss umbedingt noch was zum "späten Bernstein" - insgesamt zur GA sagen.
Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich schrieb, mein Vater fände die frühen Aufnamhen viel besser, sie hätten etwas echteres...

Also, nachdem ich mir jetzt auch die 1., 3., 5. und 6. angehört habe, musste ich sie ihm natürlich auch vorspielen :)
Und er konnte nicht bestreiten, dass diese Aufnahmen im Vergleich zu den Sony´s um einiges "gewaltiger", sicher auch genauer und wenn man so will, besser sind. Sie verdient schon die "1" die ich ihr bei der 3. Symphonie gegeben habe.
Allerdings, und da muss ich ihm zustimmen, manchmal ist sie etwas "zu perfekt".
Er weiß ganz genau, welche Effekte er erzielt, er legt es gewissermaßen drauf an, dass man sagt: Das ist perfekt, genau das wollte Mahler. Aber manchmal beschleicht mich das Gefühl, er machts nur für die anderen, weil die Mahler noch nicht so gut kennen wie er, er steht ja schon beinah über der Musik. Ich weiß nicht ob es euch auch ganz bisschen so geht?

Soll heißen:
Mein Fazit bei Mahler und Bernstein: Ich ziehe letztendlich, nachdem ich aus beiden Zyklen etwas kennen und schätzen gelernt habe immer noch den alten Zyklus vor. Hier musiziert er voll für die Musik, auch für eine damals neue, auch für ihn unglaublich aufregende Musik. Mag nicht überall alles so perfekt sein wie später, solche Stimmung ist mir dann doch wichtiger!

lg kreisler
kreisler (21.09.2009, 22:22):
Heureka! Ich habe endlich etwas verstanden, oder glaube es jedenfalls...

Dieses Gefühl ist bei mir sehr selten der Fall, da ich nicht gerne etwas in die Musik hineininterpretiere, aber als ich das letzte Mal diese Symphonie gehört habe ist mir irgendwie etwas aufgegangen:

Zu dem Trauermarsch (3. Satz) gibt es das - durchaus von Mahler selber überlieferte - Bild der Tiere im Wald, die den toten Jäger begraben (dazu gibt es übrigens auch einen Holzschnitt von Moritz von Schwind der angeblich Mahler zu genau diesem Satz inspiriert haben soll.)
Das ist ein typisches Märchen oder Fabelbild, aber ich mag gerade diese Mischung aus Skurrillem und Fantastischem. Jedenfalls konnte ich mir fast noch nie eine Szenerie so gut zu einer Musik vorstellen. Ich meine nicht, dass Mahler hier Programmmusik schreibt (was er nie macht) sondern das er diesen Gedanken wunderbar einfängt und ihn sozusagen "durch Musik aufwertet".

Das ist alles noch schön und gut (und vielleicht noch halbwegs verständlich :wink) aber im Verlauf der Symphonie bekommt dieser Satz noch eine übergeordnete Bedeutung (und das ist wieder ein Beweis, das Mahler weit über jeglicher Programmmusik steht!):

Ein großer Komponist (oder Künstler), so denke ich, versucht immer etwas darzustellen, was es so in der Form auf der Welt gar nicht gibt. Zum Beispiel eine ideologisierte Vorstellung von Natur. Das diese Natur etwa von der richtigen Natur weit abweicht, tut gar nichts zur Sache.
Ich würde das ganze etwa mit "ungreifbaren Ideen oder Vorstellungen" beschreiben, die der Mensch hat.
Diese "Ideen" sind wie ferne Galaxien-Nebel, von denen man wies, das es sie gibt, die man sich aber nicht richtig vorstellen kann, nicht greifen kann, und die, wenn man tatsächlich (mit irgendwelchen Raumschiffchen:D) dort landen würde, all ihren Reiz verlierne würden, denn gerade dieses Unangreifbare macht sie ja aus. (Sehr gewagter Vergleich, ich weis :J)
Ich denke jeder normale Mensch wäre vielleicht über die wortwörtlich galaktischen Ausmaße irgendeiner Galaxie erstaunt, oder müsste sogar zugeben, das sie doch recht schön aussehen, solche Andromeda-Nebel. Ich denke aber den Künstler würde gerade das faszinieren, was ich eben versucht habe zu erklären.

Nun, zurück zum Trauermarsch: Ich denke er steht auch allgemein genau für diese abgehobene mystische Welt, die eigentlich nur im Kopf eines Menschen existieren kann.
Aber das Erstaunliche und Überraschende kommt dann: Der letzte Satz macht all das zunichte!
Auf mich wirkte der Übergang schon immer wie ein Wechsel in der Kompositionsweise, und ich denke ich weiß warum: Er ist viel deutlicher und echter. Diese Verzweiflung, Steigerungen aber auch das schöne zweite Thema, das ist Musik die wir wirklich emotionell fassen können. Vielleicht versucht Mahler hier dieses "Dilemma", dass sich eben aus der "Unwirklichkeit" besonders des 3. Satzes, durch eine schon fast andere Art von Musik zu lösen. Jedenfalls fand ich eindeutig, dass hier im 4. Satz der Mensch selber "erwacht", und die Musik nicht mehr aus flüchtigen Ideen bestehend wirkt, sondern versucht den Hörer direkt anzusprechen.

Ich weis, dass das alles viel zu viel in die Musik hineingelegt ist, und das ich ganz viele Aspekte nicht beachte, aber mich faszinieren solche zugegebenermaßen etwas abstruse Gedankengänge immer - selbst wenn sie von mir sind :D

lg kreisler
Cetay (inaktiv) (22.09.2009, 06:31):
Original von kreisler

Ich weis, dass das alles viel zu viel in die Musik hineingelegt ist, und das ich ganz viele Aspekte nicht beachte, aber mich faszinieren solche zugegebenermaßen etwas abstruse Gedankengänge immer - selbst wenn sie von mir sind :D

lg kreisler
Mich auch ... immer nur nur her damit! :D :hello
Wooster (24.09.2009, 16:00):
Original von kreisler
Heureka! Ich habe endlich etwas verstanden, oder glaube es jedenfalls...

Dieses Gefühl ist bei mir sehr selten der Fall, da ich nicht gerne etwas in die Musik hineininterpretiere, aber als ich das letzte Mal diese Symphonie gehört habe ist mir irgendwie etwas aufgegangen:

Zu dem Trauermarsch (3. Satz) gibt es das - durchaus von Mahler selber überlieferte - Bild der Tiere im Wald, die den toten Jäger begraben (dazu gibt es übrigens auch einen Holzschnitt von Moritz von Schwind der angeblich Mahler zu genau diesem Satz inspiriert haben soll.)
Das ist ein typisches Märchen oder Fabelbild, aber ich mag gerade diese Mischung aus Skurrillem und Fantastischem. Jedenfalls konnte ich mir fast noch nie eine Szenerie so gut zu einer Musik vorstellen. Ich meine nicht, dass Mahler hier Programmmusik schreibt (was er nie macht) sondern das er diesen Gedanken wunderbar einfängt und ihn sozusagen "durch Musik aufwertet".



Nun, zurück zum Trauermarsch: Ich denke er steht auch allgemein genau für diese abgehobene mystische Welt, die eigentlich nur im Kopf eines Menschen existieren kann.
Aber das Erstaunliche und Überraschende kommt dann: Der letzte Satz macht all das zunichte!
Auf mich wirkte der Übergang schon immer wie ein Wechsel in der Kompositionsweise, und ich denke ich weiß warum: Er ist viel deutlicher und echter. Diese Verzweiflung, Steigerungen aber auch das schöne zweite Thema, das ist Musik die wir wirklich emotionell fassen können. Vielleicht versucht Mahler hier dieses "Dilemma", dass sich eben aus der "Unwirklichkeit" besonders des 3. Satzes, durch eine schon fast andere Art von Musik zu lösen. Jedenfalls fand ich eindeutig, dass hier im 4. Satz der Mensch selber "erwacht", und die Musik nicht mehr aus flüchtigen Ideen bestehend wirkt, sondern versucht den Hörer direkt anzusprechen.


Beinahe noch wichtiger als des Jägers Leichenbegängnis scheint mir der Bezug auf Mahlers eigene Lieder zu sein. Das Hauptthema des Kopfsatzes stammt aus "Ging heut morgen übers Feld", das Scherzo oder das Trio hängt mit einem der ganz frühen Lieder zusammen und der Mittelteil des Bruder-Jakob-Satzes entspricht einer Episode aus dem letzten der Gesellen-Lieder "Die zwei blauen Augen". Zwar besteht ein Unterschied zwischen dem ebenfalls schreitenden, marschähnlichen Hauptteil des letztgenannten Liedes, aber sicher eine Verwandtschaft. Das Lied ist eher eine melancholische Nachtwanderung (Vorbild dürften Lieder Schuberts sein, z.B. das erste aus der Winterreise), der Abschied von der unerfüllten Liebe usw. Der Sinfoniesatz ist wesentlich grotesker, was durch die zwischen Melancholie und wieherndem Spott changierende "Klezmer-Episode" verstärkt wird. Die "Lindenbaum-Traum"-Musik (im Lied heißt es "Auf der Straße steht ein Lindenbaum, da hab ich zum ersten Mal im Schlaf geruht") ist jedesmal der schärfste Kontrast. Einmal die Flucht in den Traum vor Einsamkeit und Liebeskummer, einmal vor einer allgemeiner gefaßten Art Weltekel.
Die Rolle des Finales wage ich nicht zu beurteilen. Der Satz folgt ja mehr oder minder einer Art per-aspera-ad-astra-Schema, wovon vorher in der Sinfonie, ungeachtet des ironisch-resignativen 3. Satzes nicht viel zu merken war. Der Beginn hat wieder eine gewisse Gemeinsamkeit mit dem dramatischsten der Gesellenlieder "Ich hab ein glühend Messer". Ich kann aber nicht behaupten, daß ich dieses Finale besonders gut verstehen würde, weder für sich noch im Rahmen der Sinfonie.

Wooster
jünter (02.03.2010, 08:18):
Besitzt jemand von euch diese CD

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0828768876022.jpg

aus der Esprit-Reihe? Da hat doch bei amazon jemand geschrieben, dass es sich tatsächlich gar nicht um Bruno Walters auf dem Cover angegebene Aufnahme von 1961 mit dem Columbia SO, sondern um die ältere New Yorker Einspielung von 1954 handelt.

Stimmt das wirklich? Einen solchen Irrtum/Etikettenschwindel kann ich mir fast nicht vorstellen.

Gruß, jünter
Armin70 (02.03.2010, 16:55):
Von den Aufnahmen, die ich von Gustav Mahlers 1. Sinfonie habe, höre ich eine immer wieder besonders gerne.

Es handelt sich um eine Live-Aufnahme vom "Gustav-Mahler-Fest Kassel" aus dem Jahr 1989 aus der Kasseler Stadthalle. Dieses "Gustav Mahler-Fest" fand 1989 zum ersten Mal in Kassel statt. Zu diesem Anlass wurde ein Festspielorchester gegründet, dessen Musikern/innen aus Orchestern und Städten kommen, in denen Gustav Mahler zu Lebzeiten selbst gewirkt hat bzw. wo es schon immer eine große Gustav Mahler-Tradition gab.

Die Musiker/innen kamen u. a. aus folgenden Orchestern: Wiener Philharmoniker, Wiener Symphoniker, RSO Wien, Ungarische Nationalphilharmonie, Budapester Staatsoper, Prager Kammerorchester, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Berliner Philharmoniker, Concertgebouw Orchester und das Orchester des Staatstheaters Kassel.

Wichtige Positionen wurden mit Musikern/innen besetzt, die bereits aufeinander eingespielt waren. Auch auf typische Klangfarben wurde geachtet, z. B. wurden bei den Holz- und Blechbläsern ausschliesslich die sog. Wiener Oboe und das Wiener Horn verwendet.

Die musikalische Leitung hatte Adam Fischer.

Die Spieldauern der einzelnen Sätze sind:

1. Satz: 17:06 / 2. Satz: 8:16 / 3. Satz: 11:44 / 4. Satz: 21:06

Als ehemaliger Nordhesse schwingt bei mir beim Anhören dieser Aufnahme immer so eine Art "Lokalpatriotismus" mit. Nüchtern betrachtet ist dies sicherlich eine ordentliche aber keine herausragende Aufnahme aber sie eine interessante Alternative zu den Aufnahmen von Bernstein, Solti, Abbado, Kubelik, Walter, Maazel, Sinopoli, Boulez etc....

Man merkt dieser Aufnahme die Leidenschaft beim Orchester und Dirigenten an, die damals bei der Premiere des 1. "Gustav-Mahler-Festes" in Kassel herrschte.

Die Aufnahme erschien bei dem kleinen nordhessischen Label "AMU-Records" (AMU-Records Nr. 073-2) aus Kassel und die Klangqualität ist für eine Live-Aufnahme durchaus in Ordnung. Ausserhalb Kassels bzw. von Nordhessen war/ist diese Aufnahme aber nicht weit verbreitet und bei den verschiedenen Internet-Kaufhäusern dürfte sie auch nicht erhältlich sein. Daher habe ich auch kein CD-Cover dieser Aufnahme im Internet gefunden.
Wooster (04.03.2010, 13:42):
Original von jünter
Besitzt jemand von euch diese CD

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0828768876022.jpg

aus der Esprit-Reihe? Da hat doch bei amazon jemand geschrieben, dass es sich tatsächlich gar nicht um Bruno Walters auf dem Cover angegebene Aufnahme von 1961 mit dem Columbia SO, sondern um die ältere New Yorker Einspielung von 1954 handelt.

Stimmt das wirklich? Einen solchen Irrtum/Etikettenschwindel kann ich mir fast nicht vorstellen.


Ich kann mir bei der Schlampigkeit der Plattenfirmen alles mögliche vorstellen, wage das hier aber kaum zu hoffen. Wenn das jemand bestätigen könnte, würde ich die CD sofort kaufen; die New Yorker Aufnahme ist nämlich schwer zu kriegen, höchstens in "grauen" Überspielungen.
(Sie war wenn ich recht erinnere, ebenso wie Mitropoulos' Einspielung mal in einer historischen Reihe der Sony/CBS erhältlich.)

Wooster
Amadé (04.03.2010, 20:05):
Lieber Jünter,

höchstwahrscheinlich stimmen Cover-Angabe und Inhalt (CSO) überein. CDs der Esprit-Serie wenden sich vorrangig nicht an den Sammler und Kenner, sondern an Musikhörer, die das betreffende Werk besitzen möchten, aber auf bestimmte Interpreten nicht unbedingt reflektieren. Wichtig für sie ist auch ein akzeptabler Stereo-Klang, damit kann die ältere Walter-Aufnahme mit dem NYPO von 1954 jedoch nicht aufwarten.
Ich würde deshalb zugreifen.
Gruß Amadé
jünter (05.03.2010, 18:43):
Original von Amade´
Lieber Jünter, höchstwahrscheinlich stimmen Cover-Angabe und Inhalt (CSO) überein. CDs der Esprit-Serie wenden sich vorrangig nicht an den Sammler und Kenner, sondern an Musikhörer, die das betreffende Werk besitzen möchten, aber auf bestimmte Interpreten nicht unbedingt reflektieren. Wichtig für sie ist auch ein akzeptabler Stereo-Klang, damit kann die ältere Walter-Aufnahme mit dem NYPO von 1954 jedoch nicht aufwarten. Ich würde deshalb zugreifen. Gruß Amadé

Habe soeben mal bei jpc in die MP3-Schnipsel reingehört und bin mir danach sicher, dass es sich um eine Mono-Aufnahme handelt! Es scheint tatsächlich zu stimmen, was der Amazon-Kunde geschrieben hat.

Gruß, jünter
Amadé (05.03.2010, 20:17):
?( Hmm ?(

Vielleicht kann man mittels der Laufzeiten, sofern man ihrer habhaft werden kann, weiterkommen. NYPO 48:37, CSO 52:19

Gruß Amadé
jünter (06.03.2010, 13:10):
Original von Amade´
Vielleicht kann man mittels der Laufzeiten, sofern man ihrer habhaft werden kann, weiterkommen. NYPO 48:37, CSO 52:19

Wenn ich die Gesamtlaufzeit auf der Cover-Rückseite richtig entziffere, steht da 51:51.

Wie auch immer: Ich höre derzeit wieder sehr gerne Mahler, bin aber keiner der Ober-Mahlerianer und dachte, man könnte mit der Esprit-CD für 6 Euro ein Schnäppchen mit hohem Authentizitätswert machen (Bruno Walter soll Mahler ja noch gut persönlich gekannt haben).

Immerhin habe ich mir bei 2001 ein anderes Schnäppchen für 9 Euro (ansonsten noch überall Hochpreis-CD) gesichert, nämlich dieses hier:

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028942730328.jpg

Gruß, jünter
teleton (08.03.2010, 09:36):
Hallo jünter,

diverse Aufnahmen mit dem Concertgebouw Orchestra Amsterdam konnte man gratis runterladen.
Darunter auch die von Dir abgebildete Bernstein-Aufnahme.

Obwohl ich ansonsten mit Solti (Decca) absolut zufrieden bin, habe ich mir diese Bernstein-Aufnahme mal angehört. Ich empfinde Bernstein hier, ganz im Gegensatz zu seinen sonstigen Aufnahmen und auch seiner Aufnahme mit den New Yorker PH (SONY), recht zurückhaltend. Auch die Klangtechnik wirkt etwas gedeckt, was diesen Eindruck noch unterstützt. Freilich insgesamt, wie bei Bernstein und Mahler nicht anders zu erwarten, keine schlechte Aufnahme.
Man höre aber dagegen mal Swetlanow (die ich auch als Download probiert habe), wie umwerfend man das Werk auch gestalten kann.
:cool Aber letztendlich hat es sich wiedereinmal bestätigt:
Ich brauche eingendlich nur die Solti-Aufnahme mit dem Chicago SO um bei der Sinfonie Nr.1 wirklich zufrieden zu sein !
jünter (08.03.2010, 10:03):
Original von teleton
Ich brauche eingendlich nur die Solti-Aufnahme mit dem Chicago SO um bei der Sinfonie Nr.1 wirklich zufrieden zu sein !

Hallo teleton,

die Solti/CSO-Aufnahme war bisher meine einzige Version von Mahlers 1., und nachdem ich mich in jüngster Zeit wieder intensiv mit Mahler befasse muss ich gestehen, dass Soltis messerscharfer, sehr blechbläserlastiger Sound und die teilweise sehr schnellen Tempi für mein Empfinden überhaupt nicht zu Mahlers Musik passen bzw. dass dies zumindest nicht die Art der Interpretation ist, in der ich diese Musik hören möchte.

Aber wie heisst es so schön: Über Geschmack lässt sich nicht streiten!

Gruß, jünter
Wooster (08.03.2010, 13:23):
Ich habe Bernstein in der Concertgebouw-Einspielung, die meine erste CD des Werks gewesen ist, ebenfalls als etwas zahm in Erinnerung (gleichwohl sicher nicht schlecht). Die Alternative muss aber nicht Solti sein, sondern z.B. Kubelik/DG oder Walter. Gleich ob es sich bei der ominösen Esprit um die New Yorker oder die spätere handelt, abgesehen vom Klang würde ich die Bernstein/DG vorziehen. (Wobei ich zugeben muss, dass ich den Walter nur mal in grauer Vorzeit gehört habe, aber damals eben überrascht war, dass er das Groteske im langsamen Satz viel deutlicher herausbringt als Lennie)


:hello

Wooster
ab (08.03.2010, 13:46):
Warum eigentlich wird hier die Kubelik-Aufnahme aus München so wenig geschätzt?

?(
Wooster (08.03.2010, 14:22):
Original von ab
Warum eigentlich wird hier die Kubelik-Aufnahme aus München so wenig geschätzt?


Meinst Du die DGG oder die Live-Audite? Die DGG ist meinem Eindruck nach eine Standardempfehlung, die andere kennt vermutlich kaum jemand. (Ich z.B. nicht und da mich das Werk nicht so wahnsinnig interessiert, wird sich das auch kaum ändern, da ich bereits eine Reihe anderer Aufnahmen besitzte.)

Wooster
ab (08.03.2010, 20:57):
Original von Wooster
Original von ab
Warum eigentlich wird hier die Kubelik-Aufnahme aus München so wenig geschätzt?


Meinst Du die DGG oder die Live-Audite? Die DGG ist meinem Eindruck nach eine Standardempfehlung, die andere kennt vermutlich kaum jemand.

Ich meinte Studio dgg, ja eine Standardempfehlung; aber hier im Forum nie erwähnt. Warum nur?
Agravain (09.03.2010, 09:12):
Original von ab
Original von Wooster
Original von ab
Warum eigentlich wird hier die Kubelik-Aufnahme aus München so wenig geschätzt?


Meinst Du die DGG oder die Live-Audite? Die DGG ist meinem Eindruck nach eine Standardempfehlung, die andere kennt vermutlich kaum jemand.

Ich meinte Studio dgg, ja eine Standardempfehlung; aber hier im Forum nie erwähnt. Warum nur?

Ich denke, das erklärt die oft zu lesende Einschätzung, Kubeliks Mahler sei nicht emotional, vor allem nicht schwärmerisch genug. Das sei zwar alles sehr genau, sehr buchstabengetreu, aber dabei eben auch etwas trocken.
:hello
Wooster (09.03.2010, 13:47):
Original von Wooster
Ich habe Bernstein in der Concertgebouw-Einspielung, die meine erste CD des Werks gewesen ist, ebenfalls als etwas zahm in Erinnerung (gleichwohl sicher nicht schlecht). Die Alternative muss aber nicht Solti sein, sondern z.B. Kubelik/DG oder Walter. Gleich ob es sich bei der ominösen Esprit um die New Yorker oder die spätere handelt, abgesehen vom Klang würde ich die Bernstein/DG vorziehen.


Das muss natürlich heißen, dass ich beide Walters, vom Klang abgesehen, der Bernstein/DG vorziehen würde...

Man höre mal die "Klezmer-Passagen" im langsamen Satz. Die sind bei Walter und Kubelik wesentlich charakteristischer als bei Bernstein/Concertgebouw.

Wooster
kreisler (10.03.2010, 01:55):

Ich denke, das erklärt die oft zu lesende Einschätzung, Kubeliks Mahler sei nicht emotional, vor allem nicht schwärmerisch genug. Das sei zwar alles sehr genau, sehr buchstabengetreu, aber dabei eben auch etwas trocken.
:hello


Ich muss zugeben, dass das im Prinzip auch immer meine (vielleicht auch etwas vorgefasste) Meinung zu dieser Standart-Aufnamhe gewesen ist.

Trocken würde ich das ganze allerdings nicht beschreiben, dazu musiziert Kubelik viel zu "atmosphärisch" und besonders in den Mittelsätzen trifft er den Klang recht gut, da hat Wooster ganz recht...

Allerdings kommt es bei einer Mahlereinspielung (meiner Meinung nach) eben nicht nur drauf an die Stimmung wiederzugeben, sondern auch die innere Entwicklung der Musik herauszustellen und da bei Kubelik besonders der letzte Satz einfach nicht genügend "Durchschlagshärte" und Konsequenz besitzt fällt die Aufnahme dann doch etwas ab und es wird deutlich das hier vielleicht mehr Wert auf das "Wie solls klingen?" als auf das "Warum klingst so? gelegt wurde...

Grüße,
Kreisler
ab (10.03.2010, 10:21):
Schon gehört? Diese hymnische Rezension macht mir jedenfalls aller größte Lust darauf, sie zu hören:

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 1 D - Dur
Pittsburgh Symphony Orchestra
Manfred Honeck
Exton

http://magazin.klassik.com/records/covers/17218_400x400.jpg
Cetay (inaktiv) (10.03.2010, 13:34):
Honeck hab ich erst am Wochenende mit Sibelius und Strawinsky lebendig erleben dürfen; Überwältigend!
Leider muss es ausgerechnet die von mir am zweitwenigsten geliebte Mahlersinfonie sein. X(
ab (10.03.2010, 14:50):
Vielleicht kommt ja die 8. als nächstes ? :haha
Cetay (inaktiv) (10.03.2010, 15:01):
:rofl
jünter (10.03.2010, 19:24):
Original von Wooster
Ich habe Bernstein in der Concertgebouw-Einspielung, die meine erste CD des Werks gewesen ist, ebenfalls als etwas zahm in Erinnerung (gleichwohl sicher nicht schlecht).

Die Bernstein/Concertgebouw-CD ist gestern bei mir eingetroffen und ich muss gestehen, dass ich von der etwas zurückhaltenden Aufnahme auch überrascht bin. Um so mehr, als diese ( Oktober 1987) und Lennys an Ausdruckskraft und Emotion wohl kaum zu toppende Live-Einspielung der 5. mit den Wienern (September 1987) zeitlich sehr nah beieinander liegen.

Enttäuscht bin ich aber keineswegs: Für mich persönlich klingt Bernsteins Erste mit dem CGO um ein Vielfaches mehr nach Mahler als Soltis Chicagoer Version.

Gruß, jünter
Wooster (11.03.2010, 17:58):
Original von jünter
Original von Wooster
Ich habe Bernstein in der Concertgebouw-Einspielung, die meine erste CD des Werks gewesen ist, ebenfalls als etwas zahm in Erinnerung (gleichwohl sicher nicht schlecht).

Die Bernstein/Concertgebouw-CD ist gestern bei mir eingetroffen und ich muss gestehen, dass ich von der etwas zurückhaltenden Aufnahme auch überrascht bin. Um so mehr, als diese ( Oktober 1987) und Lennys an Ausdruckskraft und Emotion wohl kaum zu toppende Live-Einspielung der 5. mit den Wienern (September 1987) zeitlich sehr nah beieinander liegen.

Enttäuscht bin ich aber keineswegs: Für mich persönlich klingt Bernsteins Erste mit dem CGO um ein Vielfaches mehr nach Mahler als Soltis Chicagoer Version.


Das wäre ja kein Widerspruch dazu, dass Walter, Kubelik u.a. Bernstein übertreffen... :wink
(kenne Soltis Aufnahme nicht und wie gesagt, interessiert mich das Werk auch nicht mehr genügend, um momentan bewußt noch mehr Alternativen aufzusuchen. Außer vielleicht Mitropoulos oder Scherchen, wenn ich sie mal in ordentlichen Überspielungen bezahlbar finde...)

Wooster
jünter (11.03.2010, 18:19):
Original von Wooster
Das wäre ja kein Widerspruch dazu, dass Walter, Kubelik u.a. Bernstein übertreffen.

Keineswegs! Hier wird Kubelik auch sehr hoch gelobt und außerdem steht dort zu lesen, dass seine Studio-Einspielung mit dem BayRSO von 1970 aufnahmetechnisch reichlich "suboptimal" und die Live-Audite von 1979 mit dem gleichen Orchester klanglich wesentlich besser ist.
Letztere werde ich mir noch genauer anhören und dann wahrscheinlich auch zulegen.

Gruß, jünter
jünter (11.11.2012, 15:25):
@alle Mahlerianer und solche die es werden wollen:

Amadés Rangliste ist just fertig geworden, siehe hier
Gelöschter Benutzer (11.11.2012, 16:11):
Danke für die Info.

:hello
Heike (12.11.2012, 18:35):
Danke auch von mir für die Info!
Heike

p.s. editiert, weil der Rest war falsch gemerkt
Stonie (12.11.2012, 19:25):
Dachte mein Favorit Kegel mit den Dresdnern bekommt eine glatte 5 :wink
Amadé (14.11.2012, 18:16):
Lieber Stonie,

nach mehrmaligem Vergleichshören habe ich ihn dann doch nicht in die höchste Stufe gesetzt. Trotzdem gehört die Interpretation zu den besten der 1.Sinfonie.

Gruß Amadé
Stonie (14.11.2012, 22:39):
Lieber Amadé,

mein Beitrag war ja auch mit einem Augenzwinkern bedacht!
Bei Kegel bin ich vielleicht etwas befangen, da ich durch seine Platten zur E-Musik gefunden habe.
Von den Besserplatzierten kenne ich leider nur die Mitropoulos-Aufnahme!
Da ich von deiner Bewertung sehr viel halte, macht es immer spaß die höher eingestuften Aufnahmen zu jagen! :)

(Off topic)
Übrigens, ich warte sehnsüchtig auf deine Beurteilung der Einspielungen der 5.Sinfonie e-moll op.64 von Tschaikowsky! :wink

Gruß Stonie
palestrina (18.09.2014, 16:50):
Ich habe heute zum was weis ich , wie vieltem male , diese ganz fantastische 1te mit Hengelbrock gehört, dabei ist mir diese Beschreibung von Mahler aufgefallen .....

https://www.jpc.de/image/w350/front/0/0888430505421.jpg

Im Beiheft zu der neuen GA der 1rsten Smphonie von Gustav Mahler ...



IV . "Gestrandet!" (ein Todtenmarsch in "Callot's Manier).

ist zum 4ten Satz (3ter Satz) zu lesen, G.Malers Kommentar : "Zur Erklärung dieses Satzes diene Folgendes: Die äussere Anregung zu diesem Musikstück erhielt der Autor durch das in Oesterreich allen Kindern wohlbekannte parodistische Bild:" Des Jägers Leichenbegräbnis" , aus einem alten Kindermärchenbuch: Die Thiere des Waldes geleiten den Sarg des gestorbenen Jägers zu Grabe; Hasen tragen das Fähnlein, voran eine Kapelle von böhmischen Musikanten, begleitet von musicierenden Katzen, Unken, Krähen, etc.und Hirsche, Rehe, Füchse und andere vierbeinige und gefiederte Thiere des Waldes geleiten in possirlichen Stellungen den Zug .An dieser Stelle ist das Stück als Ausdruck einer bald ironisch lustigen, bald unheimlichen brütenden Stimmung gedacht " , auf welche dann sogleich

V "Dall'Inferno" folgt, als der plötzliche Ausbruch der Verzweiflung eines im Tiefsten verwundeten Herzens !

noch ein Bild zum Begräbnis des Jägers .....das andere ist im Thread schon zu sehen !

"http://1.1.1.1/bmi/www.wildmaler.ws/j_versch-gemaelde/leichenzug.jpg"

Ich hatte das vorher noch nie irgendwo bewusst gelesen , bei div . Beschreibungen der 1rsten !

LG palestrina
Peter Brixius (29.03.2015, 22:11):
Liebe Mahlerfreunde,

man liest es immer wieder, es gibt Leute, die halten kindisch daran fest, weil sie es schon immer so geschrieben haben, aber die Bezeichnung

"Der Titan"

für Mahlers Erste ist definitiv falsch. Mahler bezieht sich auf den genialen Roman Jean Pauls - und der heißt nun "Titan" und nicht "Der Titan". Dem Kenner des Romans dürfte es leicht fallen, hier die Begründung zu schreiben, ist doch die Hauptfigur des Romans eben kein Titan, die anderen Protagonisten bemühen sich um titanisches handeln, scheitern aber alle. Der Titan - das würde auf den Falschen dazu noch gegen jede Intention des Dichters weisen.

Aber uns Mahlerfreunde müsste doch auffallen, dass gerade die Brüchigkeit, die Widersprüchlichkeit das Thema der Sinfonie ist - und nicht das Titanische. Deshalb liebte Mahler doch auch die Jean Paulsche Dichtung ... Könnte eine liebe Seele den direkten Artikel aus dem Subject entfernen? Muss ja nicht jeder wissen ...

Liebe Grüße Peter
palestrina (13.04.2019, 14:22):
Hallo, Peter + hatte 2015 schon darauf aufmerksam gemacht, die 1. Symphonie "Titan".heißt!

Kann bitte jemand den Thread Titel ändern, ich habe eben nach was geschaut bei Google und sehe die Seite hier, das ist peinlich für das Forum!

LG palestrina
Nicolas_Aine (13.04.2019, 15:17):
:thumbup: danke für den Hinweis
Amadé (19.04.2019, 10:19):
Liebe Forianer,
Mahler war sich bei der Benennung seines Erstlings wenig sicher und konnte sich erst spät zur Gattungsbezeichnung Sinfonie - bei der Drucklegung 1899 - durchringen, vorher nannte er sie u. a. Symphonische Dichtung. Anlässlich einer Aufführung in Hamburg (1893) fügte er den Titel Titan hinzu und formulierte weitere Erläuterungen zu den einzelnen Sätzen, im Sinne einer Programmusik. Drei Jahre später fragt der mit Mahler befreundete Berliner Kritiker Max Marschalk an, warum die Symphonie nun aller zusätzlichen Erklärungen beraubt sei und nicht mehr den Titel Titan trage, sondern nur noch als Symphonie in D-Dur für großes Orchester bezeichnet würde. Mahlers Antwort: die Zusätze seien auf auf Drängen seiner Freunde beigefügt worden, hätten aber mehr Missverständnisse nach sich gezogen als zum Verständnis beigetragen. Daraus ist zu folgen, dass der Beiname Titan spätestens ab 1896 auf Mahlers Wunsch keine Verwendung finden sollte. Leider kümmert man sich wenig darum, ein Beiname passt doch so gut in die Reihe Eroica, Pastorale, Unvollendete ... . (Vgl. Jens Malte Fischer: Gustav Mahler, der fremde Vertraute, Wien 2003, S. 192-195)

Gruß Amadé