Händels Messias Das größte Oratorium der Musikgeschichte?

karajan (15.11.2007, 14:09):
Werkbeschreibung:
http://www.jadu.de/musikgeschichte/text/oratorien.html

Ich habe vier Aufnahmen vom Messias davon 2 in Deutsch und 2 in Englisch. Hogwood-Christie-Marriner-Rilling. Müsste ich mich für eine Aufnahme entscheiden würde ich die Christie Aufnahme nehmen.
Was habt ihr für eine Beziehung zum Messias, wann hört ihr das Oratorium, Lieblingsaufnahmen und alles andere dazu??

Gruß Karajan
daniel5993 (15.11.2007, 14:23):
Hallo Andreas!

Überfordere uns doch nicht! Zwei große Werke hintereinander :wink :wink!
Allerdings kenne ich diesmal dieses Werk und schätze es sehr! Ich besitze diese Aufnahme hier: (In der Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 572)! Diese doppel CD habe ich von meinem Opa geerbt, welcher gern solche Musik gehört hat. Bei Ihm lief stehts Vokalmusik aus dem Barock! Eine schöne Erinnerung :J Die Kirchenmusik schien im Barock eine Zentrale Musikform zu sein, zum Glück :engel!

http://www.haenssler-classic.de/fileadmin/mediafiles/scm_shopproduct2/Bilder/gross/098434000.jpg (Gleiche Aufnahme, anderes Cover)


Georg Friedrich Händel - Der Messias (in Bearbeitung Mozarts, KV 572):
Donna Brown (Sopran 1), Cornelia Kallisch (Sopran 2), Roberto Sacca (Tenor), Alastair Miles (Bass)
___Gächinger Kantorei Stuttgart + Bach Collegium Stuttgart____Helmut Rilling, 1991

Ich liebe dieses Werk in Deutscher Sprache, ich verstehe, was gesungen wird und es geht direkt zum Herzen :Iund ich muss sagen, das ich mit dieser Aufnahme voll zufrieden bin!
Was bedeutet eigentlich "in der Bearbeitung von W.A.Mozart"? Weicht das Werk vom eigentlichen Werk ab? Und in wiefern ist es anders? ?(

Am Liebsten höre ich dieses Werk, wenn ich viel Zeit habe und wenn es schlechtes Wetter ist und Kalt! Dieses Werk ist enorm Kraftvoll! Allegemein höre ich bei solch trostlosem Wetter in erster Linie Musik aus dem Barock, meistens die Kantaten Bachs, den Messias, Requiem aber auch Instrumentalkonzerte von Telemann, Vivaldi, Händel, Bach usw. Wie schon gesagt, hat die Musik des Barock eine Kraftvolle Ausstrahlung, welche einen wieder schnell und neu mit Energie und Leben füllt :engel!


Danke für die Eröffnung dieses Threads :thanks
Diese Werke haben besonders in der Weihnachtszeit bei mir Ihr Hoch!

Gruß
Daniel
:hello
satie (15.11.2007, 14:50):
Original von karajan

Im Jahre 1741 komponierte Händel innerhalb weniger Tage den Messias, der im folgenden Jahr unter seiner Leitung in einer Konzerthalle in Dublin uraufgeführte wurde. Das Werk wurde nicht für den gottesdienstlichen Gebrauch verfaßt, doch dienten, auch später in England, zu Händels Lebzeiten die Aufführungen stets wohltätigen Zwecken. Der Text wurde wahrscheinlich von seinem Freund und Gönner Charles Jennens, sicher unter Händels entscheidender Mitwirkung, höchst feinsinnig aus Worten des Alten und Neuen Testaments zusammengestellt.
Der Messias ist kein Oratorium im herkömmlichen Sinne. Die Hautfigur tritt nicht als handelnde Person auf; vielmehr wird dem biblischen Messias-Gedanken, der Idee der Erlösung durch den liebend opfernden Heiland, in hoch vergeistigter Form Ausdruck verliehen. Das Werk besteht aus drei Teilen. In ersten werden Prophezeiungen des Alten Testaments, in denen dem Volk Gottes das Kommen des Erlösers verheißen wird, auf Jesus bezogen, von dessen Geburt in der Stadt Davids erzählt wird. Der zweite Teil berichtet von Leiden, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Christi, er schließt mit dem vielleicht berühmtesten Stück Händelscher Musik, dem grandiosen "Halleluja"-Chor, der in England solche Verehrung genießt, daß er bis heute stehend angehört wird. Im dritten Teil endlich wird der Sieg des Lebens über den Tod besungen und christlicher Heilszuversicht Ausdruck verliehen.
Die Komposition ist von größtem Reichtum der musikalischen Erfindung und Gestaltung. Sie vereint von englischen und deutschen Traditionen bis hin zu italienischen und opernhaften Zügen, von Rezitativ und Arie bis zu neu gefundenen Formen solistischer wie chorischer Art die verschiedensten Elemente.


Quelle ist übrigens diese interessante Seite:
http://www.jadu.de/musikgeschichte/text/oratorien.html
Dort findet man auch eine historische Übersicht der Oratorien vom Hochbarock bis hin zu Schostakowitsch.
karajan (15.11.2007, 15:21):
Original von daniel5993
Hallo Andreas!

Überfordere uns doch nicht! Zwei große Werke hintereinander :wink:wink!
Allerdings kenne ich diesmal dieses Werk und schätze es sehr! Ich besitze diese Aufnahme hier: (In der Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 572)! Diese doppel CD habe ich von meinem Opa geerbt, welcher gern solche Musik gehört hat. Bei Ihm lief stehts Vokalmusik aus dem Barock! Eine schöne Erinnerung :J Die Kirchenmusik schien im Barock eine Zentrale Musikform zu sein, zum Glück :engel!

(Gleiche Aufnahme, anderes Cover)


Georg Friedrich Händel - Der Messias (in Bearbeitung Mozarts, KV 572):
Donna Brown (Sopran 1), Cornelia Kallisch (Sopran 2), Roberto Sacca (Tenor), Alastair Miles (Bass)
___Gächinger Kantorei Stuttgart + Bach Collegium Stuttgart____Helmut Rilling, 1991

Ich liebe dieses Werk in Deutscher Sprache, ich verstehe, was gesungen wird und es geht direkt zum Herzen :Iund ich muss sagen, das ich mit dieser Aufnahme voll zufrieden bin!
Was bedeutet eigentlich "in der Bearbeitung von W.A.Mozart"? Weicht das Werk vom eigentlichen Werk ab? Und in wiefern ist es anders? ?(

Am Liebsten höre ich dieses Werk, wenn ich viel Zeit habe und wenn es schlechtes Wetter ist und Kalt! Dieses Werk ist enorm Kraftvoll! Allegemein höre ich bei solch trostlosem Wetter in erster Linie Musik aus dem Barock, meistens die Kantaten Bachs, den Messias, Requiem aber auch Instrumentalkonzerte von Telemann, Vivaldi, Händel, Bach usw. Wie schon gesagt, hat die Musik des Barock eine Kraftvolle Ausstrahlung, welche einen wieder schnell und neu mit Energie und Leben füllt :engel!


Danke für die Eröffnung dieses Threads :thanks
Diese Werke haben besonders in der Weihnachtszeit bei mir Ihr Hoch!

Gruß
Daniel
:hello

Hallo Daniel

Ja Mozart hat das Werk schon stark gekürzt und für kleinere Besetzungen umgeschrieben. Der Orgelpart wurde verändert und für Cembalo umgeschrieben. Baron van Swieten hat das bei Mozart in Auftrag gegeben denn der Aufführungssaal war nicht so groß wie sonst üblich für die eigentliche Aufführungsbesetzung. Mozart hat die Überarbeitung des Messias aus der Sicht eines Interpreten gemacht nicht aus der Sicht eines Komponisten.
Ich habe die gleiche Aufnahme auch aber sie zählt nicht zu meinen Favoriten. Die Originalversion ist deutlich schöner.
Gruß Andreas
daniel5993 (15.11.2007, 15:52):
Original von karajan

Hallo Daniel

Ja Mozart hat das Werk schon stark gekürzt und für kleinere Besetzungen umgeschrieben. Der Orgelpart wurde verändert und für Cembalo umgeschrieben. Baron van Swieten hat das bei Mozart in Auftrag gegeben denn der Aufführungssaal war nicht so groß wie sonst üblich für die eigentliche Aufführungsbesetzung. Mozart hat die Überarbeitung des Messias aus der Sicht eines Interpreten gemacht nicht aus der Sicht eines Komponisten.
Ich habe die gleiche Aufnahme auch aber sie zählt nicht zu meinen Favoriten. Die Originalversion ist deutlich schöner.
Gruß Andreas

@Andreas "Karajan"
Dank für die Aufklärung!

Na dann bitte ich euch freundlichst um eine Empfehlung der echten Version Händels! :J Bitte auf Deutsch und bitte eine Aufnahme, welche gut zu verstehen ist.

Gruß
Daniel
karajan (15.11.2007, 15:58):
Original von daniel5993
Original von karajan

Hallo Daniel

Ja Mozart hat das Werk schon stark gekürzt und für kleinere Besetzungen umgeschrieben. Der Orgelpart wurde verändert und für Cembalo umgeschrieben. Baron van Swieten hat das bei Mozart in Auftrag gegeben denn der Aufführungssaal war nicht so groß wie sonst üblich für die eigentliche Aufführungsbesetzung. Mozart hat die Überarbeitung des Messias aus der Sicht eines Interpreten gemacht nicht aus der Sicht eines Komponisten.
Ich habe die gleiche Aufnahme auch aber sie zählt nicht zu meinen Favoriten. Die Originalversion ist deutlich schöner.
Gruß Andreas

@Andreas "Karajan"
Dank für die Aufklärung!

Na dann bitte ich euch freundlichst um eine Empfehlung der echten Version Händels! :J Bitte auf Deutsch und bitte eine Aufnahme, welche gut zu verstehen ist.

Gruß
Daniel

Hallo Hibü

Schau mal was ich gerade höre die Aufnahme mit Marriner und dem Stuttgarter Orchester in Deutsch. Leider gibt es momentan nicht die Aufnahme unter Richter in Deutsch die hatte ich damals auf LP. Aber ich hoffe das diese wieder einmal auf CD rauskommt die kaufe ich mir sofort.

Gruß Andreas
karajan (23.11.2007, 22:49):
heute bekommen von Amazon
Messias in Deutsch mit Richter. Bestimmt 10 Jahre nicht mehr gehört diese Aufnahme.
Hatte sie als LP freue mich jetzt auf die CD

Gruß Karajan
daniel5993 (24.11.2007, 07:56):
Original von karajan
heute bekommen von Amazon
Messias in Deutsch mit Richter. Bestimmt 10 Jahre nicht mehr gehört diese Aufnahme.
Hatte sie als LP freue mich jetzt auf die CD

Gruß Karajan

Hoffentlich kommst du mit der deutschen Sprache klar!
karajan (02.12.2007, 18:03):
Original von daniel5993
Original von karajan
heute bekommen von Amazon
Messias in Deutsch mit Richter. Bestimmt 10 Jahre nicht mehr gehört diese Aufnahme.
Hatte sie als LP freue mich jetzt auf die CD

Gruß Karajan

Hoffentlich kommst du mit der deutschen Sprache klar!

Hallo Daniel

Wie meinst das mit der Deutschen Sprache???

Gruß Karajan
karajan (02.12.2007, 18:07):
Original von karajan
heute bekommen von Amazon
Messias in Deutsch mit Richter. Bestimmt 10 Jahre nicht mehr gehört diese Aufnahme.
Hatte sie als LP freue mich jetzt auf die CD

Gruß Karajan

Hallo

Trotz Christie und Jacobs muss ich sagen die Aufnahme ist nach 42 Jahren immer wieder schön. Ich habe sie jetzt schon mehrmals gehört und sie gefällt mir immer besser.
Also nicht für das Abstellgleiß sondern immer erreichbar.
Gruß Karajan
daniel5993 (02.12.2007, 19:04):
Original von karajan
Original von daniel5993
Original von karajan
heute bekommen von Amazon
Messias in Deutsch mit Richter. Bestimmt 10 Jahre nicht mehr gehört diese Aufnahme.
Hatte sie als LP freue mich jetzt auf die CD

Gruß Karajan

Hoffentlich kommst du mit der deutschen Sprache klar!

Hallo Daniel

Wie meinst das mit der Deutschen Sprache???

Gruß Karajan

Guten Abend Andreas,

Ich meinte damit, dass du ja 2 Aufnahmen hast auf Englisch, welche du öffter gehört hast und dann kam die deutsche Richteraufnahme!
Das hätte doch zu Problemen führen können! :wink

Gruß
Daniel
Rachmaninov (11.05.2008, 16:43):
Dox,

wenn ich mich recht erinnere hast Du diese Aufnahme.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MAR36N6AL._SL500_AA240_.jpg

Könntest Du etwas zu dieser Aufnahme berichten und zu den unterschiedlichen EVrsionen (Dublin!?) etwas schreiben?
Tranquillo (11.05.2008, 21:04):
Original von Rachmaninov
Dox,

wenn ich mich recht erinnere hast Du diese Aufnahme.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MAR36N6AL._SL500_AA240_.jpg

Hallo Rachmaninov,

wenn Dir Mozarts Requiem mit Hogwood zugesagt hat, solltest Du vielleicht diese Aufnahme in Erwägung ziehen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/613BTEQEZML._SL500_AA240_.gif

Meiner Meinung nach eine der besten Aufnahmen mit historischen Instrumenten und mein persönlicher Favorit.

Könntest Du etwas zu dieser Aufnahme berichten und zu den unterschiedlichen EVrsionen (Dublin!?) etwas schreiben?

Der "Messiah" wurde damals häufiger aufgeführt und immer wieder von Händel an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst (z. B. bestimmte Sänger, die für die Aufführung zur Verfügung standen). Leider ist bei den verschiedenen Aufnahmen nicht immer sofort ersichtlich, welche Version verwendet wurde (und selbst wenn, wüsste allenfalls ein Händel-Experte, worin sie sich von den anderen Versionen unterscheidet).

Viele Grüsse
Andreas
Cetay (inaktiv) (12.05.2008, 00:14):
Original von Rachmaninov
Dox,

Könntest Du etwas zu dieser Aufnahme berichten und zu den unterschiedlichen EVrsionen (Dublin!?) etwas schreiben?

Die CD konkurriert mit einer ganzen Latte an gehört-sein-wollenden Neuanschaffungen, deswegen kann das noch etwas dauern. Ich hab sie bislang einmal nebenher gehört :ignore und war sehr angetan, aber fundiert kann ich noch nichts sagen.
Cetay (inaktiv) (12.05.2008, 06:53):
Bezüglich der Dublin Version gibt der Booklettext, der hier nachzulesen ist, erschöpfend Auskunft
Rachmaninov (13.05.2008, 06:43):
Original von Tranquillo

Hallo Rachmaninov,

wenn Dir Mozarts Requiem mit Hogwood zugesagt hat, solltest Du vielleicht diese Aufnahme in Erwägung ziehen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/613BTEQEZML._SL500_AA240_.gif

Meiner Meinung nach eine der besten Aufnahmen mit historischen Instrumenten und mein persönlicher Favorit.

Ja, wäre schon sehr reizvoll, aber derzeit ist wohl nur die DVD erhältlich....
Cetay (inaktiv) (13.05.2008, 08:24):
Original von Rachmaninov
Original von Tranquillo

Hallo Rachmaninov,

wenn Dir Mozarts Requiem mit Hogwood zugesagt hat, solltest Du vielleicht diese Aufnahme in Erwägung ziehen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/613BTEQEZML._SL500_AA240_.gif

Meiner Meinung nach eine der besten Aufnahmen mit historischen Instrumenten und mein persönlicher Favorit.

Ja, wäre schon sehr reizvoll, aber derzeit ist wohl nur die DVD erhältlich....

Hier gibt es die CD.
Nelson und Kirkby sind ein absolutes Dreamteam. Selten ist sich die Klassikwelt bei einer "Referenz" so einig, wie hier. Aus diesem Grund hält sich sich die Aufnahme schon seit 30 Jahren mit ordentlichen Stückzahlen im Hochpreissegment.
Rachmaninov (13.05.2008, 08:27):
Original von Dox Orkh
Hier gibt es die CD.
Nelson und Kirkby sind ein absolutes Dreamteam. Selten ist sich die Klassikwelt bei einer "Referenz" so einig, wie hier. Aus diesem Grund hält sich sich die Aufnahme schon seit 30 Jahren mit ordentlichen Stückzahlen im Hochpreissegment.

Oha, das nenne ich aber TEUER

Dürfte auch in dieser BOX sein, oder?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51ZCC53AW1L._SS500_.jpg
Tranquillo (17.05.2008, 22:29):
Original von Dox Orkh
Nelson und Kirkby sind ein absolutes Dreamteam. Selten ist sich die Klassikwelt bei einer "Referenz" so einig, wie hier. Aus diesem Grund hält sich sich die Aufnahme schon seit 30 Jahren mit ordentlichen Stückzahlen im Hochpreissegment.
Ich habe noch einige andere Aufnahmen des Messiah (u. a. Christie, Higginbottom, The Scholars Baroque, Marriner und Richter), aber die Hogwood-Aufnahme gefällt mir nach wie vor am besten. Bei Christie sind mir die Tempi teilweise zu gehetzt, bei Higginbottom sagen mir die Gesangssolisten nicht zu, The Scholars Baroque haben des öfteren Intonationsprobleme, Marriner und besonders Richter sind nach meinem Geschmack zu pathetisch. Bei der Hogwood-Aufnahme dagegen stimmt einfach alles.

Die Aufnahme dürfte auch in der 8-CD-Box enthalten sein.

Viele Grüsse
Andreas
HenningKolf (18.05.2008, 06:00):
Ich muss gestehen, dass derzeit nicht eine Messias-Einspielung meinen Fundus schmückt.

Zu LP-Zeiten hatte ich - mit anderem Cover - diese

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41476PT5JVL._SL500_AA240_.jpg

aus dem Jahre 1959, die jedem HIP-Anhänger Schmerzensschreie entlocken dürfte. Riesige Besetzung, opernhafter Gesang, Opulenz und Pathos

ich bekomme richtig Lust mir die CD zuzulegen :W

und diese - auf deutsch gesungen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41H1SQ1FYBL._SL500_AA240_.jpg

die ich als durchaus ansprechend in Erinnerung habe, wenn auch diese aufgrund Zeitablaufs schon reichlich verblasst ist

Gruß
Henning
Carola (17.06.2008, 15:34):
Ich besitze Mozarts Bearbeitung in dieser Aufnahme mit der Rheinischen Kantorei:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41NJEFKZY6L._SL500_AA240_.jpg

Der Unterschied zur englischen Originalversion ist schon sehr groß, das Beiheft zu dieser Aufnahme spricht denn auch davon, dass Mozarts Bearbeitung eher als "persönliche Interpretation" des Werks denn als reine Anpassung an veränderte Aufführungsbedingungen zu verstehen sei. Für mich am auffälligsten ist die Ausweitung der Bläserstimmen. Mozart hat Flöten, Klarinetten, Fagotte und Posaunen hinzugefügt, das gibt der Musik eine ganz andere Klangfarbe.

Das deutsche Libretto ist von Klopstock, ich finde es gar nicht so schlecht, wie es oft gemacht wird. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich das Werk zuerst in der deutschen Version kennen gelernt habe.

Mit Gruß von Carola
Gamaheh (30.06.2008, 00:56):
Original von daniel5993
Na dann bitte ich euch freundlichst um eine Empfehlung der echten Version Händels! :J Bitte auf Deutsch und bitte eine Aufnahme, welche gut zu verstehen ist.
l
Lieber Daniel,

der Messias ist meiner Meinung nach ein Werk, welches fest in der englischen Kultur verankert ist. Ich habe mich auch gelegentlich über die Engländer geärgert, die den Hallenser Händel für sich reklamieren, und dann Purcell "Purzel" genannt, aber der Messias ist dort ein fester Bestandteil der Kultur, ganz anders als hier. Darüberhinaus erachte ich die Sprache der King-James-Bible für unübertroffen poetisch und gleichzeitig verständlich. Diese Sachen lassen sich leicht in einer deutschen Version der Bibel nachlesen.

Ich habe nur eine Gesamtaufnahme des Werkes mit dem Concentus musicus unter Harnoncourt, die mir nicht gefällt. Die AAM-Aufnahme war mir zu teuer, und so habe ich daraus nur die Chöre, die ich auch gut kenne, da ich diverse Male Gelegenheit hatte, die Altstimme zu singen. Im Konzert habe ich das Werk auch einige Male gehört.

Vielleicht schaffe ich mir irgendwann einmal die Gesamtaufnahme mit der AAM an, die allgemein bei diesen Barockwerken in meiner Ansicht nach unübertroffener Weise die Lebensnähe und -freude des Barock interpretiert.

Grüße,
Gamaheh
Uhrwerker (21.10.2008, 10:56):
Hallo!

Carola sagt:
Das deutsche Libretto ist von Klopstock, ich finde es gar nicht so schlecht, wie es oft gemacht wird.

dem möchte ich grundsätzlich beipflichten, aber auch gleichzeitig darauf hinweisen, dass Klopstock nicht davor zurückgeschreckt ist, ein Bibel-Zitat zu zensieren:

Arie Nr. 29 der Mozart-Bearbeitung:

Warum entbrennen die Heiden und toben im Zorne,
und warum halten die Völker stolzen Rat?
Die Hölle steht auf vor Empörung
wider den Herrn und wider seinen Gesalbten.

Englisches Original:

Why do the nations so furiously rage together,
why do the people imagine a vain thing?
The kings of the earth rise up and the rulers take counsel together,
against the Lord and His annointed.

Bibel, Psalm 2.1-2

Einheitsübersetzung:

(1) Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne?
(2) Die Könige der Erde stehen auf, und die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten.

Elberfelder Übersetzung:

(1) Warum toben die Nationen und sinnen Eitles die Völkerschaften?
(2) Es treten auf Könige der Erde und Fürsten tun sich zusammen gegen den HERRN und seinen Gesalbten.

Verständlich, wenn man bedenkt, dass man in Frankreich gerade begonnen hat, die Gitarre zu stimmen, mit der dann den diversen Gräfchen später zum Tanz aufgespielt werden sollte.

Beste Grüße
Uhrwerker
Sarastro (30.10.2008, 00:41):
Hier noch ein weiterer informativer Link zum "Messias".

Oben nicht genannt wurde diese respektable Aufnahme mit Stephen Cleobury, die bei Brilliant für ein Spottgeld zu haben ist:

http://ec2.images-amazon.com/images/I/51YNGV8JYML._SS500_.jpg

(Version von 1752)

Grüße,
Sarastro
Heike (23.09.2010, 20:31):
Hallo Cetay,
ich wechsle mal vom Chöre- Ranking nach hier für eine Frage:
Den Messias mochte ich nie sonderlich bis ich das Dunedin Consort gehört habe;
Kannst du mal was zu der Aufnahme schreiben? Ich habe nämlich auch so meine Schwierigkeiten mit dem Messias und mag oft ähnliche Interpretationen wie du, also vielleicht wäre das für mich interessant.
Merci! Heike
Cetay (inaktiv) (23.09.2010, 22:31):
Ich greife mal wieder zum Selbstzitat:

Original von Cetay
Original von Cetay
http://ecx.images-amazon.com/images/I/61kih6MTLLL._SL500_AA240_.jpg
Händel; Messiah; Dunedin Consort & Players und John Butt

So Britisch wie es nur geht. Null Maniriertheit, kein Geträllere und Geschmettere, keine monumentale Oppulenz. Ein verinnerlichter, unaufdringlicher Messias von kontemplativer Kraft.
Ich kann diese Einspielung gar nicht genug loben. Hier wird nichts aufgeführt, sondern Chor und Orchesterdienen als Medium für das Mysterium dieser großen Musik. :down


Mehr dazu zu sagen oder gar in die Analytik einzusteigen, würde am Kern vorbeigehen. Passenderweise schreib ich heute Morgen: Das ist (...) wodurch sich für mich absolute Spitzenaufnahmen "auszeichnen" - dass ich für das, was sie über den Rest hinaushebt, keine Worte finde, die dem Gegenüber helfen, sich das vorzustellen.
Heike (24.09.2010, 19:18):
Danke! Kommt auf meinen Wunschzettel, bis der Preis mal etwas fällt.
Heike
Agravain (10.01.2015, 15:21):
In der nächsten Zeit gedenke ich, einige historische bzw. traditionelle Aufnahmen des "Messiah" zu besprechen. Mit dieser will ich beginnen:

https://www.jpc.de/image/w300/front/0/0765387501020.jpg https://www.jpc.de/image/w300/front/0/0825646341214.jpg

Sargent (1946) – Isobel Baillie, Gladys Ripley, James Johnston, Norman Walker, Huddersfield Choral Society, Liverpool Philharmonic Orchestra ; (Arr. Malcolm Sargent)

Malcolm Sargents erste Einspielung des Händel’schen „Messiah“ war eine der erfolgreichsten ihrer Zeit. Schon kurz nach der Veröffentlichung der ursprünglichen 78rpm Ausgabe wurde diese alleine in den USA 120.000 Mal verkauft und man muss bedenken, dass so eine Anschaffung damals eine erhebliche Investition darstellte. Auch wenn Sargents Auffassung des „Messiah“ vielleicht nicht ganz so exzentrisch war wie die seines „Kollegen“ Thomas Beecham, so vertrat doch auch er, der das Werk in ganz Großbritannien wahrlich ausgesprochen häufig dirigierte, die aus dem 19. Jahrhundert herkommende Vorstellung davon, wie Händels größtes Oratorium zu klingen habe. Groß, festlich, feierlich, üppig im Klang und mit sehr gemessenem Duktus. Selbst der deutlich nüchternere Adrian Boult präsentierte dem Publikum 1954 und dann noch einmal 1960 Aufnahmen, die diese Sicht auf das Werk vertraten. Doch Boult – und dies war neu - ließ ohne Striche und ohne von Händels Partitur abweichende Instrumentierung spielen. Sargent kürzte meist (er ganz am Ende seines Lebens führte er das komplette Werk auf) und erstellte sogenannte „Concert versions“, die auf der Instrumentierung Mozarts und des britischen Musikwissenschaftlers und Komponisten Ebenezer Prout (1835-1909) basierten. „Flash Harry“ war, das zu leugnen wäre unsinnig, durchaus ein Mann des Effektes und der großen Geste. So kommt dann auch sein Händel daher, ein Händel, der demjenigen, der glaubt, den „wahren Händel“ und seine Seligkeit vielleicht bei Mr Butt oder Madame Haïm gefunden zu haben, eventuell nichts als ein müdes Schütteln des weisen Hauptes abringen könnte.

Und doch: Sargents erster „Messiah“ auf Tonträger ist nicht nur ein schnödes Dokument. Das ist es sicher auch, aber die Interpretation wirft nicht nur einen Blick auf die einstige Rezeption der Musik des „Charming brute“; sie ist in vielen Teilen auch ausgesprochen be- und anrührend.

Gut, die Ouvertüre kommt zunächst ausgesprochen zäh daher, das hier notierte „Grave“ ist wirklich enorm schwer und dazu ausgesprochen laut. Die Musik scheint kaum vorwärts zu kommen. Doch wie hinreißend einfach und wirkungsvoll der Effekt bei der Widerholung. Eben noch ein sehr sattes symphonisches Forte (schließlich ist das Liverpool Philharmonic Orchestra üppigst besetzt), nun ein kaum hörbares Pianissimo im gesamten Orchesterapparat. Das hat schon die berüchtigte „Gänsehautqualität“.

Nach dem dann kräftig und verhältnismäßig straff musizierten Allegro moderato folgt James Johnston mit dem „Comfort ye“. Sargent wählt für das Accompagnato ein ruhiges Tempo, das dennoch fließt, und Johnston setzt wunderbar zart ein. So soll es sein. Er hat einen ganz freien Tenor, klar und mit schönem Kern. In „Ev’ry valley“, bewegt genommen von Sargent, zeigt sich, dass Johnston insgesamt eine schöne Fülle mitbringt und dass er auch in hohen Lagen locker klingt. Auch im Verlauf überzeugt er mich ohne Abstriche. Kraftvoll und mit Emphase in „All they that see Him“ (auch wenn Sargent die punktierte Figur der Violinen „legato“ spielen lässt, was sich anhört, als würde eine LP eiern), glaubhaft zerknirscht und ohne hohles Pathos in „Thy rebuke“ und „Behold, and see“, zupackend in „Thou shalt break them“: Johnston macht stets eine gute Figur.

Überzeugend auch die Gestaltung der Alt-Partie durch Gladys Ripley. Ihr schnell flackernder, eher hell timbrierter Alt, strahlt eine schöne Wärme aus, ohne dabei dicklich oder matronenhaft zu klingen. Die Stimme trägt auch in tieferer Lage, kein Ton ist gedrückt. Sehr freudig gelingt ihr das „O thou, that tellest“ und das „He was despised“ gestaltet sie zurückhaltend, verinnerlicht und berührend. Ganz besonders schade ist es an dieser Stelle, dass Sargent die Arie kürzt und nur den A-Teil bringt. Auch ihren Teil des Duettes „He shall feed his flock“ finde ich aufgrund ihrer schlichten, kitschfreien Darstellung gelungen, auch wenn Sargent hier ein schon fast unglaublich langsames Tempo anschlägt, das bestens dazu geeignet wäre, sich im Sentimentalen zu suhlen. Das geht sogar so weit, dass er in den letzten vier Takten vor dem Einsatz des Soprans und dem Wechsel nach B-Dur, noch einmal so stark ritardiert, das die Musik förmlich zum Erliegen kommt.

Ihre Partnerin hier ist Dame Isobel Baillie, die noch heute vielen Briten als Ikone des Oratoriengesangs gilt, und auch heute noch manch einen Hörer in verzückte Zustände treibt. Warum das so ist, bleibt mir ein echtes Rätsel, kann ich mir ihrer Gesangskunst doch so überhaupt nichts anfangen. Gar nichts. Ich höre eine kleine, sehr kindliche Sopranstimme ohne Kraft und Kern, mit flachem Ton und piepsiger Höhe („And there were angels“). In „Rejoice greatly“ klappert die erste Koloratur, in „He shall feed his flock“ entbehrt ihr Gesang jeglicher Wärme und auch ihre Spitzentöne scheinen mir nicht immer ganz koscher zu sein. Dass es hier nicht zu einem Schwingen kommt, mag Sargents Schneckentempo geschuldet sein. Aber auch ihr „I know that my redeemer liveth“, von dem man 1996 im „Gramophone“ lesen konnte, dass es auf Tonträger niemals eine schönere Wiedergabe gegeben hätte, empfinde ich als körperlos, ohne klangliche Attraktivität und Charisma. Well, Dame Isobel does nothing for me.

Norman Walkers kraftvoller Bassbariton hingegen gefällt mir ausgesprochen gut. Kein Wobble, hervorragende Stimmbeherrschung, überzeugend und ohne Manierismen in der Gestaltung. Ein angenehmer Gegenpol zu anderen Bässen der Epoche, beispielsweise Owen Brannigan. Schon das erste Accompagnato „Thus saith the Lord“ bezeugt Walkers Qualitäten, denn da klingt es majestätisch und packend, ohne dass er im Ausdruck überziehen müsste. Im anschließenden „But who may abide“ nimmt er sich in den Larghetto-Abschnitten sehr schön zurück, in den schnellen Abschnitten zeigt er erstmals, wie beweglich und geschmeidig seine Stimme trotz ihrer Größe ist. Das kommt ihm natürlich in dem von Sargent enorm rasant genommenen „Why do the nations“ zugute, denn die geradezu wilden Triolenketten machen ihm keinerlei Probleme. Angemessen festlich gelingt auch sein „The trumpet shall sound“ und auch hier ist es schade, dass Sargent nur den A-Teil musizieren lässt.

Schließlich noch en paar Worte zum Chor. Sargent hat ja gern und oft mit der Huddersfield Choral Society zusammengearbeitet. An anderer Stelle schrieb ich einmal, dieser Chor sei „ein Massenensemble, das sich wie ein großer, prächtiger Lindwurm durch die Chorsätze windet“. Im Grunde gibt diese Formulierung auch den Eindruck wieder, den ich bei dieser Aufnahme habe. Im Gegensatz zu der Aufnahme, auf die sich diese Worte ursprünglich bezogen („Israel in Egypt“ unter Sargents Leitung), wirkt das Ensemble trotz seiner veritablen Größe (und der muffigen Bässe) hier allerdings flexibler und immer präzise, beispielsweise in den Koloraturen solcher Chorsätze wie „And He shall purify“, „For unto us a child is born“ oder „All we like sheep“, die großen Chören nicht immer so rhythmisch exakt gelingen. Daneben kann klanglich natürlich immer auf die schiere Masse zurückgegriffen werden, sodass das „Hallelujah“ und das „Worthy is the lamb/Amen“ zwar nicht so hypertroph wie bei Beecham 1959, aber doch mit ordentlich Schmackes daherkommen. Sargents Lesart der Chöre ist – wie die Tradition es vorgab – u.a. von eher ruhigen Tempi geprägt, doch will das nicht immer überzeugen. So fehlt es dem „Glory to God“ doch ziemlich an Enthusiamus und auch das „Surely, He hath borne our grief“ könnte entschlossener klingen, das „The Lord gave the word“ wirkt schlicht träge. Eindrucksvoll – hier schimmert gewissermaßen ein wenig Oberammergau durch – gelingt auf diese Weise das „Behold the Lamb of God“.

Das Liverpool Philharmonic Orchestra ist – wie schon gesagt – ausgesprochen üppig besetzt und interpretiert den Orchestersatz mit jenem dickem Pinsel, den Sargent geschwungen sehen wollte.

Neben den genannten Strichen fehlen:

Nr. 30: Unto which of the angels
Nr. 31: Let all the angels of God
Nr. 32: Thou art gone up on high
Nr. 43 Rez im Anschluss an die Arie: Then shall be brought to pass
Nr. 44: O death, where is thy sting
Nr. 45: But thanks be to God

:hello Agravain
Agravain (11.01.2015, 10:57):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/515KAH1P5ML._SX300_.jpg

Boult (1954) – Jennifer Vyvyan, Norma Procter, George Maran, Owen Brannigan, London Philharmonic Choir, London Philharmonic Orchestra

Während Boults zweite Aufnahme des Händel’schen „Messiah“ auch heute noch ausgesprochen populär ist, so ist seine erste Aufnahme doch historisch gesehen seine bedeutendere, markiert sie doch (wie auch die im selben Jahr entstandene Scherchen-Aufnahme) eine erste Abkehr von der älteren britischen Händel-Tradition, wie sie von Sir Malcolm Sargents und Sir Thomas Beecham vertreten wurde. Boult präsentierte zwar gestalterisch einen „Messiah“, wie man ihn sich auf den britischen Inseln traditionell wünschte, aber er wandte sich ab von Uminstrumentierungen, Arrangements und Kürzungen.

Auch aus heutiger Perspektive lässt sich ein Gutteil dieser Aufnahme gut hören, wobei es natürlich hilft, kein Händel-Purist zu sein. Im Jahre 1954 war es natürlich beim „Messiah“ – ähnlich wie im Falle der Bach’schen Passionen“ – vollkommen gängig, die Größe und die Würde, die das Werk ausstrahlt, durch üppige Besetzung und eine eher ruhige, vermeintlich „Bedeutung“ ausstrahlende Tempowahl zu verdeutlichen. Das ist hier nicht anders. Der London Philharmonic Choir ist ein satt besetztes Ensemble, im Klang ein echter „Volkschor“. Es ist ein voller und recht üppiger Chorklang, der dem Hörer hier entgegenflutet, wobei das Ensemble nie Gefahr läuft massiv und unbeweglich zu wirken. Boult lässt die Choristen selten so recht schmettern, er legt stattdessen viel mehr Wert auf leichte Artikulation, rhythmische Akkuratesse und Wohlklang im Piano (ganz wunderbar zurückhaltend, ja fast ehrfurchtsvoll das „Glory to God“). Oft sind es ja gerade jene Sechzehntelläufe („Ha shall purify“ oder „For unto us a child is born“), die anfällig für ein zuviel an Saft und Kraft. Hier nichts dergleichen. Erleichternd kommt für den Chor hinzu, dass Boults Tempi in den Chören nie wirklich rasant sind. Selten sind sie unerwartet zäh, beispielsweise bei „The Lord gave the word“ (das wie gegen die Musik musiziert wirkt) oder im ziemlich trägen „Their sound is gone out“. An sich jedoch schwingen Boults Tempi, alles fließt. Tatsächlich kommen mir die meisten Stücke freundlich beschwingt und enorm selbstverständlich vor, nie entsteht hier der Eindruck eines Zielens auf oberflächliche Darstellung der virtuosen Leistungsfähigkeit eines Ensembles (wie ich es bisweilen in jüngeren Aufnahmen wahrzunehmen glaube). Zudem ist Boult ist kein „Haudrauf“ wie Beecham, der die Feierlichkeit des Stückes mit reichlich Bummsfallera förmlich in die Zuhörer hineingeprügelt. Boult lässt – zumindest in den vielen Chorsätzen, dezent, aber voller Ausdruck und mit einer gewissen Lässigkeit, die man klischeehaft man vielleicht als „britisches Understatement“ beschreiben mag.

Zu den Solisten.

Von den Damen bin ich rundum angetan. So hat Jennifer Vyvyan eine kristallklare, flexible und doch auch warme und körpervolle Stimme, die m.E. für die Sopran-Partie im „Messiah“ fast schon idealtypisch ist. Mit strahlender Freude und schon fast hipper Leichtigkeit gestaltet sie die Koloraturen in „Rejoice greatly“, nimmt sich dann aber enorm eindrucksvoll zurück, wenn es – Boult reduziert hier deutlich das Tempo – heißt „he shall speak peace unto the heathens“. Ganz zart gestaltet sie dann gemeinsam mit Norma Proctor das „He shall feed his flock“, das „How beautiful are the feet“ bringt sie ungeheurer verinnerlicht und ihr „I know that my redeemer liveth“, für das sie einen kaum schlagbaren kindlich-gläubigen Ton parat hat, ist allein schon das Hören der gesamten Aufnahme Wert.

Auch Norma Procter gefällt mir ausgesprochen gut. Zunächst einmal freue ich mich darüber, dass sie ein „echter“ Alt ist, mit voller und warmer Stimme, die auch im tiefen Register – ganz ohne jedes Pressen - hervorragend klingt (z.B. „O thou that tellest“). Das gibt es m.E. gar nicht mehr so oft. Das von Boult ausgesprochen ruhig genommene „He was despised“ gestaltet sie liedhaft schlicht, ohne irgendwelchen interpretatorischen Schnickschnack, dafür voll von Mitgefühl und Wahrhaftigkeit. Das ist so eine überzeugende Leistung, dass ich ihre ab und an etwas spezielle Artikulation problemlos vergessen kann.

Die Gestaltung der Tenor-Partie obliegt dem amerikanischen Tenor George Maran. Bekanntermaßen bringt das Accompagnato „Comfort ye, my people“ die ersten gesungenen Töne im „Messiah“ und entsprechend hoch ist hier – so geht es mir zumindest – die Erwartungshaltung. Trotz des ziemlich langsamen Tempos, das Boult hier anschlägt, offenbaren sich unmittelbar Marans Qualitäten. Das ist eine ganz leichte, im Kopf angesiedelte, schwebende Stimme, die sich am besten im Piano und Pianissimo anhört (z.B. in „But thou didst not leave“). Wenn dann aber mehr Brust und Kraft hinzugegeben werden, dann gewinnt die Stimme nicht unbedingt an tenoraler Strahlkraft, sondern eher eine gewisse Härte („Ev’ry valley shall be exalted“). Leider geht damit dann keine zunehmende Entschlossenheit im Ausdruck einher, wie Marans Wiedergabe der Arie „Thou shalt break them“ deutlich zeigt. Während Boult und das London Philharmonic Orchestra, das überhaupt durchweg überzeugend musiziert, die ruppige Tonsprache der Arie, das Zerschlage und Zerbrechen so recht ausreizen, bleibt Maran zu blass, steif und kraftlos.

Bassist Owen Brannigan ist nach meinem Empfinden der ganz deutliche Schwachpunkt der Aufnahme. In seinem Falle frage ich mich immer, wie der Mann einst in Großbritannien eine solche Karriere machen konnte (Geraint Evans ist noch so ein Fall). Sicher, es herrschte ein anderes Sängerideal als heute. Aber trotzdem. Es muss wohl die Bühnenpräsenz gewesen sein. Was man heute per Tonträger – und eben auch hier - hören kann, ist eine nach meinem Dafürhalten unkultivierte, geradezu grobschlächtige Stimme, groß und dunkel zwar, aber enorm schlecht geführt und in der Färbung oft sehr nach ganz heißer Kartoffel klingend. Dazu gesellen sich ein Hang zu fettigem Pathos, artikulatorischen Manierismen und Schwächen in der Intonation (insbesondere bei Melismen). Und das bei der herrlichen Partie. Schade.

Insgesamt ist dies – ich lasse Brannigan einmal außen vor – eine durchaus hörenswerte Aufnahme, die nicht nur dokumentarischen Charakter hat. Interpretatorisch verändert Boult bis zu seiner 1960er Aufnahme nur wenig. Dort indes ist die Leistung des Solistenquartettes homogener, auch wenn ich Vyvyan und Procter den Damen Sutherland und Bumbry tatsächlich vorziehe. Deutlicher Pluspunkt der jüngeren Einspielung ist – da beißt die Maus keinen Faden ab – der dort exquisite Klang. Hier tönt es dann doch bisweilen etwas muffig.

:hello Agravain
Agravain (25.01.2015, 13:30):


Scherchen (1953) – Margaret Ritchie, Constance Shacklock, William Herbert, Richard Standen, London Philharmonic Choir, London Symphony Orchestra

Dass Hermann Scherchen nie die stromlinienförmigsten aller Interpretationen musikalischer Werke abgeliefert hat, ist kein Geheimnis. Bis heute gibt es Fans der idiosynkratischen Deutungen, die Scherchen der Nachwelt hinterlassen hat und das ist ja durchaus gut und schön. Ich für meinen Teil gehöre – speziell, was Scherchens Lesarten des „Messiah“ angeht – nicht für 10 Pfennig dazu. Selten habe ich Aufnahmen gehört, die mir unmittelbar so abwegig erschienen sind, wie seine beiden Einspielungen (1953 & 1959) dieses Werkes. Der unüberhörbare Wille, sich von der (britischen) Deutungslinie abzuwenden und alles ganz anders zu machen, diese Exegese mit dem Holzhammer und die Extremisierung der Händel’schen Partitur vermitteln mir weder Innigkeit noch das Ergebnis einer quintessentiellen Auseinandersetzung mit dem (Geist des) Werk(es), sondern lediglich den Eindruck, dass es hier einer glaubte, es in Sachen „Messiah“ ganz besonders gut zu wissen. Nie hätte ich gedacht, dass ich das einmal so sagen würde, aber wenn ich jemals „eitle“ Einspielungen eines Werkes gehört habe, denn sind es diese. Diese penetrante Idee, die tradierte Deutungslinie dadurch zu konterkarieren, indem man in weiten Teilen die gängige Dynamik und die gängigen Tempi entweder umkehrt oder übersteigert, sie will mir weder nahe gehen noch mich überzeugen. Im Gegenteil, ich empfinde dergleichen sowohl als ermüdend, dabei aber auch höchst aufdringlich und mich beim Hören bevormundend. Scherchen, so scheint es mir, vertraut weder auf die aktive Rolle noch auf die Sensibilität des Hörers beim Rezeptionsprozess. Doch ist dieser m. E. durchaus in der Lage dazu, sich in Musik und Thematik des Werkes zu versenken, ohne dass der Interpret in einer Tour mit dem ganzen Zaun winkt. Scherchens Lesart wirkt auf mich, als wolle sie seine Botschaft vom Erlöser Christus ohne jede Widerrede ins Herz des Hörers zwingen. Problem ist bloß, dass als Instrument hierfür der Eichenpflock gewählt wird.

Wie sieht das Ganze nun aus? Die Prinzipien habe ich schon genannt und sie durchziehen die gesamte Einspielung. Schon das „Comfort ye“ wird von William Herbert im Dauerpianissimo präsentiert, auch wenn nach der Tröstung der Rufer in der Wüste ruft und nicht flüstert. Herberts Stimme klingt im Pianissimo übrigens recht schön, sehr ätherisch. „Ev’ry valley“ erklingt dann wieder im Pianissimo (Text?), nur nach „the crooked straight“ lässt Scherchen die Streicherfigur, die diese Zeile abbildet im Fortissimo spielen. Sonst ist diese Beziehung ja auch nicht feststelbar. Später („All they that see him“) darf Herbert auch mächtig aus sich herausgehen, doch wird dann doch deutlich, dass Kraft seine Sache nicht ist. Tatsächlich hat die Stimme im Forte etwas Hartes und wird („Thou shalt break them“) schnell unbeweglich.

Margaret Ritchie klingt ganz herrlich. Hell im Ton, angemessen kraftvoll, nie zu dick, zudem auch immer ausgesprochen involviert, und zwar in in einem überzeugenden Maß (z.B. in „Rejoice greatly“ und „How beautiful are the feet“). Doch auch hier begegnet der Hörer immer wieder Scherchens Holzhammer, besonders bei der Tempowahl. Ein Beispiel: „And lo, the angel of the Lord“ kommt kaum vom Fleck (Viertel = 37), dafür wird in „And suddenly there was with the angel“ so richtig gerast (Viertel = 140). Spannend. Immerhin kommt Miss Ritchie kaum hinterher und das Zusammenspiel mit den Streichern klappert. Und die Antwort darauf, ob man „I know that my Redeemer liveth“ ernsthaft in über 10 Minuten (Viertel = 49) entfalten muss, möchte ich einmal dahingestellt lassen. Margeret Ritchie macht wirklich das Beste daraus. Chapeau!

Altistin Constance Shacklock gefällt mir wegen ihres schönen Timbres ausgesprochen gut, auch wenn sie ein sehr schnelles Vibrato mitbringt, was sonst meine Sache nicht so recht ist. Und sie hat Glück: Scherchens Auffassung der die Alt-Partie ich von Exzentrik weitgehend frei. Gut, in den Prestissimo-Abschnitten von „But who may abide“ schlurt sie in den Läufen etwas, dafür stahlt sie eine schöne Wärme in „O Thou that tellest“ aus. Besonders das wirklich bescheidene und verinnerlichte vorgetragene „He was despised“, das hier noch nicht (wie 1959) auf eine gute Viertelstunde zerdehnt wird, sondern trotz einiger starker Rubati insgesamt angenehm fließt, kann mich ergreifen.

Richard Standen ist einer jener englischen Bässe jener Epoche, der mich überhaupt nicht anspricht. Dass er kräftig vibriert ist da nicht einmal mein größtes Problem. Es eher sind die substanz- und körperlose Stimme, das muffige Timbre und die kartoffelige Tongebung, die dafür sorgen, dass die Accompagnati und Arien für Bass hier doch einigermaßen blass bleiben. Dennoch: „Why do the nations“ meistert Standen recht ordentlich. Aber in den Accompagnati hat er zu kämpfen, denn hier will Scherchen wieder das Un- und Außergewöhnliche. Speziell im kaum vom Fleck kommenden „For behold, darkness shall cover the earth“ kann er nicht mit Leben füllen. Gleiches gilt für „Behold, I tell you a mystery“ und das wenig glanzvolle „The trumpet shall sound“.

Und dann die Chorsätze. Diese sind im Grunde die eigentliche Spielwiese Scherchens, der hier nach meinem Empfinden so oft gegen Text, Gestus und Affekt musizieren lässt, dass ich es kaum auflisten kann. „And the glory of the Lord“ im Pianissimo. Na gut, das kann man ja als ehrfurchtsvolle Freude empfinden. „Glory to God“ wieder zu großen Teilen ganz leise. Nun gut. Das „Hallelujah“ auch. Well, freudige Freude angesichts der Geburt des Erlösers muss ja auch nicht sein. Das mag der ein oder andere ja nachvollziehen könen. Aber „Let us break their bonds asunder“ ganz leise und zurückhaltend? Textdeutung? Seltsam. Dafür gibt es dann Chöre, die in einem Tempo durchexerziert werden, dass sogar ein Minkowski die Ohren anlegen würde. Ich spreche von dem vollkommen atemlosen „And He shall purify“, dem hektischen „O Thou that tellest“, dem mehr als windschnittigen „For unto us a child is born“ und dem an Asphyxie denken lassenden „His yoke is easy“. Aber immerhin: der London Philharmonic Choir kommt recht gut durch. Auf der anderen Seite aber werden besonders jene Chöre, die im Passionszusammenhang stehen, fast bis zur Unkenntlichkeit aufgebläht. Schon das „Behold the lamb of God“ ist enorm langsam (Viertel = 27), sodass der Satz ununterbrochen vom Auseinanderfallen bedroht ist. Dass man dergleichen aber noch steigern kann, beweisen das vollkommen überdehnte „Surely“ und das sich moribund dahinschleppende „And with his stripes“ (Halbe = 42). Vom finalen „Amen“ möchte ich gar nicht sprechen.

Eindruckvoll ist indes durchweg die Entschlackung des Orchesterklanges. Da blicken ein moderner Klangcharakter und die oft sehr knackige Artikulation (speziell der Streicher) schon in Richtung der historisierenden Interpretationsschule.

Eingefleischte Scherchen-Fans werden das sicher alles ganz anders sehen und eine hohe Kunst entdecken, die sich mir offenkundig nicht erschließt. Sei’s drum, denn „everyone is entitled to his own opinion“. Auf überzeugende Hinweise, die meinen Horizont erweitern, warte ich gern. Bis dahin stelle ich die Aufnahme ohne große Reue zurück ins Regal.

:hello Agravain
Agravain (25.01.2015, 17:48):
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Klemperer (1965) – Elisabeth Schwarzkopf, Grace Hoffman, Nicolai Gedda, Jerome Hines, Philharmonia Chorus, Philharmonia Orchestra

Schon seit geraumer Zeit war Otto Klemperers Aufnahme des „Messiah“ nicht mehr zu haben. In der oben gezeigten Box ist sie nun wiederveröffentlicht worden. Anlässlich dieses Wiederauftauchens habe ich das Werk nun noch einmal in Klemperers Deutung gehört und muss sagen, dass mich seine Lesart nicht so richtig überzeugt, auch wenn im Booklet noch einmal Roger Fiskes Besprechung im „Gramophone“ auftaucht, der ehedem voll der Bewunderung schrieb: „Wenn man einmal beginnt, sich Klemperers Interpretation anzuhören, muss man bis zum Ende dabei bleiben. Der Effekt ist ein kumulativer und unwiderstehlicher.“ Nun, dieser Effekt hat sich bei mir nicht eingestellt. Stattdessen höre ich eine Interpretation, die allerhand ausgesprochen „unenglisch“ macht, sich also in England von der englischen Aufführungstradition abwendet. Für eine Beschreibung dieser Darstellung könnte man jetzt beginnen, die alten Klemperer-Klischees herauszuholen: groß, erhaben, ernst, in Stein gemeißelt. Und das stimmt auch hier irgendwie.
Zentraler scheint mir aber doch zu sein, dass diese Abkehr von der Tradition im unangenehmen Sinne gewollt wirkt. Sicher, das Ungewohnte kann (auch) aufrütteln und dafür sorgen, dass Gewohntes überprüft wird. Und auch hier kann man sich hier tatsächlich nicht so recht zurücklehnen und das Werk wie üblich „genießen“. Doch Klemperer wendet sich nur halbherzig von der Tradition ab und die von ihm so provozierten „Brüche“ machen in ihrer Gesamtheit auf mich einen nur wenig sinnhaften Eindruck. Das Andere, es führt hier ziemlich ins Leere. Sicher, hier und da wird ein Chor mal zackiger genommen als üblich („And the glory of the Lord“), das „He was despised“ wird nicht als meditativer Ruhepunkt gespielt, das „Hallelujah“ entbehrt in der Schlusskadenz praktisch vollkommen des Ritardandos und wirkt auf diese Weise wie abrupt abgebrochen; ab und an schleicht sich das Gefühl ein, man lausche einem Bach’schen Turba-Chor („He trusted in God“), manches nimmt Klemp flotter, manches wiederum zäher als es ehedem Usus war. Ein kohärentes Bild ergibt das aber in meinen Ohren nicht. Allerdings gelingt Klemperer der Passionsabschnitt des Werkes ausnehmend gut. Dort, wo es um die Tragik des Passionsgeschehens geht, wo die Musik erschüttern soll, dort erschüttert sie. Mit monumentaler Geste tönen das „Behold the Lamb of God“ und auch das „Surely, He hath borne our griefs“. Ein Wunder, dass Mel Gibson diese Musik in dieser Lesart nicht auch irgendwo in seinem Passionsstreifen untergebracht hat, denn das geht wahrhaft ins Mark und wirkt bei Weitem nicht so aufgesetzt wie bei Scherchen. Doch alles andere klingt nach wenig durchdachtem Stückwerk. Hier mal was ganz traditionell, dort mal nicht. Aber ein Konzept?

Das Solistenquartett macht mich rundum nicht so recht glücklich.

Da wäre zunächst Elisabeth Schwarzkopf, der die Gestaltung der Sopran-Partie anvertraut ist. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihre Stimme nicht und ihren Habitus oft gar nicht schätze. Ausnahmen gibt es natürlich – gegen ihre Marschallin oder ihr „Ich will euch trösten“ in Karajans 1947er-Aufnahme des „Deutschen Requiem“ will ich nichts gesagt haben. Hier höre ich indes alles, was ich an Dame Schwarzkopf nicht schätze. Da klingt im „Rejoice“ vieles ziemlich manieriert, die Atemtechnik versagt in den Läufen (Nachatmer), das schnelle und sehr intensive Vibrato lässt vieles unpräzise wirken. Und dann der Habitus. Die Interpretin tritt hier nicht einen Ton lang hinter den Text, hinter das Werk zurück, die Verinnerlichung in „He shall feed His flock“ wirkt aufgesetzt und einstudiert, dem „I know that my Redeemer liveth“ fehlt es an Schlichtheit und Bescheidenheit. Jedes Accompagnato klingt nach „Hoppla, jetzt komm’ ich“ oder wahlweise nach „Dame Schwarzkopf singt…“. Denke ich da an die Darstellungen dieser Stücke von Jennifer Vyvyan, Arleen Augér, Felicity Palmer, Carolyn Sampson oder Emma Kirkby, dann ist mir noch klarer, warum Elisabeth Schwarzkopf mich hier keine Sekunde lang überzeugt.

Grace Hoffmann nun bringt jene Art von Altstimme mit, die ich nicht eben schätze. Sicher, die dunkle Färbung ist im Prinzip schön, aber dennoch klingt sie sehr dicklich, matronenhaft, schwerfällig. Kurz: Wobble. Hinzu kommt, dass mir vieles doch ziemlich unbeteiligt durchgesungen vorkommt. Das „O thou that tellest“ habe ich selten freudloser gehört, dem „He was despised“, durch das Klemperer ja eher flott hindurchmarschiert, verleiht auch ihre Gestaltung wenig Verinnerlichung. Sollte Klemperer im Auge gehabt haben, die übliche Meditation angesichts der Qualen Christi durch einen Ansatz abzulösen, der mehr auf die Darstellung innerer Bewegung zielt, so wurde dies Ziel in meinen Augen – auch wegen Grace Hofmanns einigermaßen öden Gesanges – nicht erreicht.

Nicolai Gedda höre ich im Prinzip gern. Seine klare, seidige, geschmeidige und doch kraftvolle Stimme spricht mich unmittelbar an, doch von seiner Darstellung des Tenor-Parts bin ich nicht wirklich begeistert. Schon im „Comfort ye“ stören mich allerhand sprachliche Manierismen und Unzulänglichkeiten. Ich kann mir nict helfen, aber es heißt nicht „peopOll“, es steht „saith“ und nicht „saieth“ im Text und das R wird im „Queen’s English“ in der Regel nicht retroflex gesprochen. Na gut, wird manch einer denken, das ist Gejammere auf sehr speziellem Niveau. Es stört mich dennoch. Das „Ev’ry valley“ wirkt – nicht zuletzt wegen Klemperer – ziemlich betulich und wenig freudig erregt. In „All they that see him“ dreht Gedda für meinen Geschmack schon recht deutlich an der Pathos-Schraube, in „Thy rebuke“ kann er die Schluchzer nur schwer unterdrücken. Das zufassende „Thou shalt break“ them versöhnt mich wieder etwas.

Es gibt ja Leute, die sich in Pinnocks Aufnahme des „Messiah“ daran stören, dass John Tomlinson mit bestem Wagner-Bass durch die Partie wabert. Jenen Händel-Hörern möchte ich ans Herz legen, einmal Jerome Hines’ Darstellung das Gehör zu schenken. Hines war schließlich nicht nur körperlich ein Hüne. Auch seine Stimme war geradezu riesig. Verdis Grande Inquisitor, Mussorgskys Boris Godunow und natürlich Wotan: das waren seine Partien. Händel klingt bei Hines indes schon etwas grenzwertig. So ist die Stimme so schwer(fällig), dass er immer wieder schleppt („But who may abide“; „The people that walked in darkness“), was mich schlicht stört. Stellenweise drängt sich mir aber der Verdacht auf, dass Hines’ Schleppen gar nicht auf die unflexible Stimme zurückzuführen ist, sondern dass dies als – vermeintlich - ausdruckssteigerndes Moment bewusst von ihm eingesetzt wird. Seltsam. Und dann solche Stellen wie „But he Lord shall arise“. Da macht Hines die Stimme auf, als müsse er „Lebwohl, Du kühnes, herrliches Kind“ anstimmen. Was für ein Klang! Und so vollkommen „over the top“! Gleiches gilt für „The trumpet shall sound“. Titanisch, Jeroichoesk, die Boxen an ihre Grenzen führend, vollkommen überdimensioniert. Beim „Why do the nations“ kommt Klemperer Hines übrigens mit einem ziemlich ruhigen Tempo entgegen, damit er zwar zyklopisch, aber doch ohne rhythmische Wackler durch die Triolenketten rumpeln kann.

Schließlich der Philharmonia Chorus. Roger Fiske fand ja, „dass die Chorpassagen auf diesen Aufnahmen besser gesungen sind, als auf irgendeinen anderen Version.“ Bestätigen kann ich das, obschon der berühmte Wilhelm Pitz das Ensemble einst vorbereitet hatte, nicht. Der Chor klingt riesig und in den Stimmgruppen – besonders in den Tenören und Bässen - nicht wirklich rund, was besonders deutlich bei Einzeleinsätzen zu hören ist. Auch der Gesamtklang wirkt auf mich nicht wirklich ausgewogen. Da gefallen mit beispielsweise die Huddersfield Choral Society und der London Philharmonic Choir deutlich besser. Klemperers Ideen zu den Chorsätzen werden recht ordentlich umgesetzt, insgesamt empfinde ich die Darstellung der Chöre aber eher als durchschnittlich.

Das Philharmonia Orchestra ist üppig besetzt und klingt nicht selten ziemlich fett. Bester Klang in Doppelrahmstufe quasi und das nicht nur im „Hallelujah“. Doch bisweilen wird auch abgespeckt. In manch einem Chorsatz („For unto us a child is born“) nimmt Klemperer das Orchester doch deutlich zurück und lässt ganz licht und leicht artikulieren.
Auch hier gilt: ein Deutungsprinzip erkenne ich hier nicht. Der „Messiah-Guide“ gibt (trotz Kürzungen) 9/10. Würde man mich fragen, ich könnte mich kaum zu einem 5/10 hinreißen lassen.

:hello Agravain