Hans Rott (1858-1884)

Maurice inaktiv (17.04.2013, 02:38):
Ich vermisse hier doch einen separaten Raum für den so tragisch und früh verstorbenen Komponisten Hans Rott.

Hans Rott,geboren am 01.August 1858 in Wien,wurde am Wiener Konservatorium der bevorzugte Schüler Anton Bruckners an der Orgel.

Für den weiteren Lebenslauf möchte ich direkt auf die Webseite der Hans Rott-Stiftung verweisen.Dort ist man am besten aufgehoben,denke ich mal.

http://www.hans-rott.de/indexd.htm

Besonders tragisch ist,dass seine Sinfonie E-Dur runde 110 Jahre verschwunden war,obwohl schon Gustav Mahler damals diese sehr gelobt hatte,da er das Glück hatte,sie einsehen zu können.

Hört man dieses grandiose Werk heute,meint man mehr als nur einmal,dass es sich hier um eine bisher unentdeckte Sinfonie Gustav Mahlers handeln könnte.

Viele Teile der Sinfonie lassen Themen erkennen,die später (runde 10 Jahre später!!!) von Mahler noch deutlicher herausgearbeitet wurden.Als Tendenz aber sind sie doch klar erkennbar.

1989 wurde die Sinfonie dann endlich in den USA uraufgeführt.Es war das Cincinnati Philharmonic Orchestra unter Gerhard Samuel.Dieser hat das Werk auch für Hyperion als erster Dirigent eingespielt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51t40cLQF7L._SL500_AA300_.jpg

Hier die Samuel-Einspielung auf Hyperion/Helios

http://ecx.images-amazon.com/images/I/4152lyyPBrL._SL500_AA300_.jpg

Auch Leif Segerstam hat mit dem Sinfonie-Orchester Norrköping auf BIS eine Einspielung vorgenommen.Sie ist mMn sehr gut gelungen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51RVe8Vj7mL._SL500_AA300_.jpg

Das Münchner Rundfunkorchester hat als erstes deutsches Orchester unter Sebastian Weigle eine mehr als anständige Aufnahme für Arte Nova gemacht,die noch vor den Stellenkürzungen erfolgte.

Hier wurden außerden noch Das "Orchestervorspiel in E-Dur" und "Ein Vorspiel zu Julius Cäsar" mit eingespielt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41E8176381L._SL500_AA300_.jpg

Das Label CPO schickte nahezu zeitgleich das RSO Wien unter Dennis Russell Davies ins Rennen.Er nahm auch das "Pastorale Vorspiel" mit auf.Seine Aufnahme dürfte heute die bekannteste sein,denke ich mal.

Ziemlich neu auf dem Markt ist diese Aufnahme,die Paavo Järvi mit seinem RSO Frankfurt machte.Bei ihm ist die "Suite B-Dur" mehr als nur ein Beiwerk.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71ZxWfAdjgL._AA1500_.jpg

Das RSO Frankfurt macht hier auf mich einen hervorragenden Eindruck.Durch GE von Bruckner und Mahler mit Sicherheit ideal für die Musik Hans Rotts geeignet.

Des Weiteren gibt es noch einige mehr "exotische" Einspielungen,die man über die von mir gennante Seite auch einsehen kann.

VG,Maurice
Maurice inaktiv (01.07.2013, 16:11):
Schade,dass sich noch niemand zu Hans Rott bekannt hat.Immerhin war er nicht nur DER Meisterschüler des großartigen Komponisten und Symphonikers Anton Bruckner,sondern auch in seiner leider einzigen Sinfonie,jener in E-Dur,ein eindeutiger Wegbereiter für Gustav Mahler.

Bereits runde 10 Jahre vor Mahler schrieb er eine Sinfonie,die in vielen Punkten diesen ankündigte.Hier ist es interessant,dass Mahler Rott kannte und diese Sinfonie auch einsehen konnte.

Hier noch eine weitere Einspielung der Sinfonie,die ich insgesamt für gelungen halte.Dieses Mal ist es eine Einspielung aus Frankreich,die bereits einige Jahre auf dem Markt ist,aber kaum beachtet wurde :

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51EpJDyjTAL._SX450_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51a-brZJu4L._SX450_.jpg

Hans Rott : Sinfonie E-Dur

Orchestre National de Montpellier/Friedemann Layer Naive

Es ist immer noch sehr bedauerlich,dass noch kein wirklich großer Dirigent mit einem Spitzenorchester diese Sinfonie eingespielt hat.Bei allem Respekt von den bisherigen Aufnahmen,aber was wohl hier ein Mann wie Barenboim mit den Berlinern (egal,ob Staatskapelle oder Philharmonikern) erreichen könnte,wäre schon interessant zu erfahren.

VG,Maurice
Gelöschter Benutzer (01.07.2013, 19:00):
Mir ist der Name Hans Rott durchaus geläufig. ich besitze aber keine einzige Aufnahme von seiner Sinfonie, geschweige denn anderer Werke von ihm.
Ich kann ja mal schauen, was Spotify mir ermöglicht.

:hello
Maurice inaktiv (01.07.2013, 19:44):
Es lohnt sich wirklich!!Es sind auch einige sehr gute Aufnahmen günstig zu erwerben.Mein Favorit ist jene unter Leif Segerstam und dann jene von CPO mit Dennis Russell Davies.

VG,Maurice
Jeremias (25.06.2014, 14:11):
Ich höre seit einigen Monaten mehrmals im Monat die Aufnahme mit Järvi... die sinfonie ist eine Mischung aus Brahms (warme Streicher im 4. Satz!), Mahler und Bruckner.... inzwischen ist sie fast meine Lieblinssinfonie....
Sfantu (22.07.2025, 23:14):
Während 36 Jahren kamen bei mir gerade mal ganze 5 Tonträger mit Musik von Hans Rott zusammen - der erste kurz vor dem Mauerfall, der letzte vor ein paar Tagen. Kommende Woche Freitag ist Rotts 167. Geburtstag. Und so bekam ich Lust, meine Klangeindrücke aufzufrischen.

Den Anfang machte damals die CD mit der Ersteinspielung der E-dur-Sinfonie, die ich mir gleich nach ihrem Erscheinen kaufte. Ich stand zu der Zeit noch am Anfang meiner Begeisterung für Kunstmusik. Mich fesselten die große Geste und der romantische Überschwang. Da sie auch zeitmäßig ausufernd war, setzte ich das mit großer, bedeutender Musik gleich. Auch, wenn sich dieser Aspekt mit den Jahren relativierte, weiß ich sie weiterhin zu schätzen und höre sie auch heute noch gern (wenn auch nicht oft).



Cincinnati Philharmonia Orchestra - Gerhard Samuel
(CD, hyperion, 1989)

Vergangene Woche fiel mir dann Järvis Frankfurter Aufnahme in die Hände. Für einen Preis, der keinen Widerspruch duldete. Obwohl ich nicht das Gefühl hatte, eine zweite Interpretation des Werks unbedingt haben zu müssen.




hr-Sinfonieorchester Frankfurt - Paavo Järvi
(CD, RCA, 2010)

Es kam mir aber wieder in den Sinn, daß Järvis Aufnahme im Frühjahr 2023 aus dem Vergleichshören in der "Diskothek im Zwei" auf SRF2 Kultur als Siegerin hervorging. Und ich muß schon sagen: die ist wirklich grandios.
Größter Pluspunkt: die kluge Dramaturgie, mit welcher dieses "unfertige" Werk aufpoliert und inszeniert wird. Graziella Contratto sagte: "Er gibt Raum und Weite, läßt diese Musik so spielen, als sei es das Meisterwerk eines erfahrenen Komponisten". Es würde mithin ins bestmögliche Licht gerückt. Silvan Moosmüller betont das Überbordende und den Bombast des Schlußsatzes etwas scherzhaft: "Auf einen imposanten Aufschwung folgt ein Anlauf zu einer Vorbereitung zu einer gewaltigen Steigerung, welche in eine noch größere Steigerung führt, die in eine kolossale Klimax mündet usw. usf. 40 Takte lang schreibt Rott sempre forte fortissimo vor".

Wie erwähnt - in Frankfurt wird nicht gleich alles Pulver verschossen. Dynamische Abstufungen (laut Moosmüller mehr als in der Partitur stehen) lassen immer genug Reserven für markante Steigerungen. Speziell das Scherzo läßt aufhorchen durch kecke Ironie und Doppelbödigkeit bei mitreißendem Schwung. Die Power und Durchhaltekraft des Frankfurter Blechs und die fabelhafte Aufnahmequalität bringen beide Juroren zum Schwärmen. Die Schwächen der Komposition werden hier beinahe vergessen gemacht.

Samuels Erstaufnahme war übrigens ebenfalls mit im Rennen. Ihr wurden einige Eigenwilligkeiten in der Tempogestaltung und nicht die gleiche Spielklasse wie bei den Frankfurtern bescheinigt. Sie belegte Platz 3 hinter den Bamberger Symphonikern mit Jakub Hrůša. Diesem fehlten im Vergleich zu Järvi ein letztes Quäntchen Engagement und Prägnanz.
Früh ausgeschieden dagegen Friedmann Layer und Dennis Russel Davies. Ersterer wegen einer gewissen Gesichtslosigkeit der Gestaltung, Letzterer aus ähnlichen Gründen und wegen unerträglicher Langsamkeit im Kopfsatz, welcher beim Blech zu "Tod durch Ersticken" (Graziella Contratto) führe. Dies sei ein klassisches Beispiel von Orchester spielt gegen Dirigenten resp. Dirigent dirigiert gegen Orchester.

Das schöpferische Potential in dieser Komposition ist kaum zu bestreiten. Die Einflüsse Bruckners und Wagners sind deutlich und doch zeichnet sich etwas Eigenes ab. Die Tatsache, daß Mahler sich eifrig bei Rott "bediente", verleitet in der Wahrnehmung der Nachwelt leicht zu der Annahme, Rott habe Mahlers Weg als Tonschöpfer geebnet. Das muß am Ende freilich Spekulation bleiben, da niemand weiß, welche Entwicklung der 25jährig Verstorbene noch genommen hätte. Noch, welche Entwicklung Mahler ohne die Kenntnis von Rotts Musik genommen hätte.

Dies also meine älteste und meine jüngste Rott-CD.

Dazwischen kam zunächst 2005 die Suite in E-dur dazu:



Philharmonisches Orchester Hagen - Antony Hermus
(CD, living concert series, 2005)

Der kurze, zweisätzige Suiten-Torso wird fast monothematisch von einem Motiv getragen, das im Finale von Mahlers Erster eine wichtige Rolle spielen wird (nicht von ungefähr die Werkkopplung in dieser CD-Ausgabe). Die Hagener Philharmoniker spielen mit Verve bei transparentem Klang.
Die andere unüberhörbare Kopie erlaubte Mahler sich in der fast wortwörtlichen Übernahme des Scherzo-Eingangsthemas aus Rotts E-dur-Sinfonie in das Scherzo seiner Ersten.

2021 folgte das vol. 1 aus Christopher Wards Gesamteinspielung der Orchesterwerke Rotts:



Gürzenich-Orchester Köln - Christopher Ward
(CD, Capriccio, 2020)

Interessant schienen mir vor allem die Shakespeare-Ouvertüren sowie das Pastoral-Präludium.
"Hamlet" ist eine Rekonstruktion durch den Rott-Forscher Johannes Volker Schmidt,
die anderen beiden dagegen Original-Werke Rotts. "Julius Caesar" ist deutlich hörbar von Rotts Wagner-Begeisterung getragen. Sie entstand 1877, nachdem der Komponist gemeinsam mit Anton Bruckner zu den ersten Bayreuther Festspielen gereist war. Kraftvoll die Gestaltung, souveräner Orchestersatz. Das sind die alten Römer in Nibelheim. 2x kurz hintereinander höre ich das Zitat eines Motivs im Orchestervorspiel zur Szene in Alberichs Goldmine heraus. Das Pastoral-Vorspiel ist insofern aufschlußreich, da es während der gesamten kurzen Schaffensphase Hans Rotts entstand (1877 bis 1880). Es zeichnet also den Entwicklungsprozess seiner Erfindung nach. Passend zum Titel gibt es einige reizvolle lautmalerische Stellen im Holz, die Grundstimmung ist entspannt. Gegen Ende dann leider ein recht pompöser Abschluß mit unzähligen Tutti-Akkorden samt Gong und Baßtrommel (Vorsicht mit dem Tiefenregler!!). Hier tut er zuviel des Guten, das Ganze wirkt doch reichlich inkongruent.

Das Beste aber zum Schluß:
Im vergangenen Jahr bestellte ich dieses Album - darauf das für mich herausstechendste Werk aus Rotts Feder:



Sinfonie As-dur für Streichorchester
Streichquartett

Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Mainz - Enrico Delamboye

Mainzer Streichquartett
(CD, living concert series, 2005)

Die dreisätzige Streichersinfonie hat einen klassizistischen Touch, erfreut mit aufgekratzter Spiellaune, ist das wohl optimistischste, das dem Leben am meisten zugewandte Werk Rotts. Und es wirkt neben dem Julius Cäsar gestalterisch am geschlossensten.

Das Quartett aber sucht seinesgleichen, was visionäre Tonsprache und Expressivität angeht. Packend der Kopfsatz. Er hebt mit langsamen Tonrepetitionen des Cellos an. Ist das der Herzschlag? Eine Totenglocke? Ein Pendel? Ein unheimliches, stetes, leises Klopfen? Die erste Geige antwortet mit einer quasi aufschreienden Geste. Mehrmals in diesem zerklüfteten Satz mit jähen Tempo-und Stimmungswechseln kehrt jenes gespenstische Motiv wieder. Die gesanglichen Abschnitte werden immer wieder aufgebrochen durch Schmerz und Resignation. Sind dies Klang gewordene Vorboten der psychischen Störung ihres Verfassers?

Der langsame zweite Satz - ein Adagio, das durch sein Alla breve-Gerüst aber recht bewegt wirkt - bleibt in melancholischer, teils klagender Grundhaltung mit fugiertem Mittelabschnitt.

Atemlos, getrieben, wie der Ritt des Erlkönigs bei Loewe hebt das Scherzo an. Eine kantilenenhafte Idylle in wiegendem Rhythmus versucht zu beschwichtigen, doch der verhetzte A-Teil kehrt zurück und bringt den knappen Satz zu einem verhuschenden, irrlichternen Schluß.

Wie ein Fremdkörper wirkt ein kurzes, seltsames Menuett. Verzopft und altfränksch die Rahmenteile während das Trio schattenhaft säuselnd daher kommt.

Langsam hebt der Schlußsatz mit einer wie unter Hypnose wirkenden Fuge an. Der mit "Lebhaft" überschriebene Mittelabschnitt greift diese Fuge auf, dann eine Rückblende zum zeitlupenhaften Beginn. Sehr farbig und eloquent die Durchführung bis am Ende Haupt-und Seitenthema gleichzeitig erklingen. In der Coda plötzlich überraschende und schrille Sekundreibungen der Geigen, bevor die beiden Schlußakkorde knapp und mit Bravour in C-dur abschließen.
Maurice inaktiv (23.07.2025, 07:16):
Ich dürfte alle Einspielungen der Sinfonie besitzen und auch mehrfach gehört haben. Daher erlaube ich mir mal, dazu ein paar Zeilen zu schreiben. Meine Erstbegegnung war die Einspielung unter Leif Segerstam, die mich auch heute noch vom Sessel reißt. Samuel leistete eine unglaublich wichtige Pionierarbeit, denn ohne seine Einspielung wäre Rott vermutlich noch immer ein Name ohne Gesicht, oder noch nicht mal das. Allerdings wurde er inzwischen überholt.

Hrusa und Paavo Järvi haben das absolut topp eingespielt. Hier etwas zu übertreffen dürfte sehr schwer werden. Layer wurde damals im Fono Forum mit immerhin vier Sternen äußerst positiv bewertet, ist vielleicht unter dem Radar gefahren, aber erinnert mich ein wenig an die "neutralen" Einspielungen von Inbals Bruckner oder Mahler aus Frankfurt damals.

Nicht erwähnt wurden Cathrine Rückwarth mit dem Staatsorchester Mainz, die für ein "Provinz-Orchester" echt gut gelungen ist, Constantin Trincks mit dem Mozarteumorchester aus Salzburg (auch sehr achtbar) und Hansjörg Albrecht mit den Münchner Symphonikern, mit der ich nicht so richtig glücklich geworden bin.

Zum Verhätlnis Rott-Mahler: Mahler kannte Rott persönlich und konnte die Partitur nach Rotts Tod einsehen. Rund 10 Jahre später erst komponierte er seine 1. Sinfonie. Und man muss es so sehen, denn sie wirkt so, wie eine Zweite von Rott, oder umgekehrt, Rotts E-Dur-Sinfonie könnte auch ein frühes Werk Mahlers gewesen sein, etwa vergleichbar mit der Nullten von Bruckner, in der man Bruckner bereits deutlich heraushören konnte. So eigenständig Mahler wurde, so deutlich ist es für mich, dass ohne Rott Mahler anders geschrieben hätte.
Sfantu (23.07.2025, 13:50):
Ein Nachtrag zur in Beitrag 6 erwähnten Sendung:

Das Trompetenthema zu Beginn des Kopfsatzes: Contratto und Moosmüller heben hervor, damit habe Rott mutmaßlich ein Novum geschaffen. Das Instrument werde hier nämlich erstmals nicht im Kontext Drängen, Stürmen und Widerstreit oder zur prunkvollen Repräsentation eingesetzt sondern im Sinne zarter Naturlyrik. Auch dies wird später von Mahler aufgegriffen, nämlich in seiner "Blumine".
Maurice inaktiv (23.07.2025, 14:37):
Das Trompetenthema zu Beginn des Kopfsatzes: Contratto und Moosmüller heben hervor, damit habe Rott mutmaßlich ein Novum geschaffen. Das Instrument werde hier nämlich erstmals nicht im Kontext Drängen, Stürmen und Widerstreit oder zur prunkvollen Repräsentation eingesetzt sondern im Sinne zarter Naturlyrik. Auch dies wird später von Mahler aufgegriffen, nämlich in seiner "Blumine".
Oh, das ist aber recht dünnes Eis. Dem würde ich als Trompeter, der mit solchen Spielphrasen quasi aufgewachsen ist, widersprechen. Nur, weil der Part eher sanft und nicht aggressiv gespielt wird, ist es nicht weniger "prunkvoll", wenn auch auf eine andere Art und Weise. Die Trompete ist ins Klangbild eingebettet, was man heute natürlich auch aufnahmetechnisch viel besser einfangen kann als etwa 1878 oder 1880. Ich stimme aber zu, dass das Thema nicht vorwärts stürmt oder drängt.

Ich denke mal, dass das etwas mit der Qualität des Orchesters, der Aufnahmetechnik und natürlich auch der Auffassung des Dirigenten zu tun hat.
Sfantu (23.07.2025, 14:51):
Im Umkehrschluß war Rott demnach nicht der Erste, der ein Trompeten-Solo verhalten und naturlyrisch einsetzte.
Welches wären dann frühere Beispiele dafür?
Philidor (23.07.2025, 15:11):
Im Umkehrschluß war Rott demnach nicht der Erste, der ein Trompeten-Solo verhalten und naturlyrisch einsetzte.
Welches wären dann frühere Beispiele dafür?
Früher nicht, oder nicht ganz, doch ich denke da immer an das Vorspiel zum ersten Akt des Parsifal. Die Orchesterskizzen stammen aus den Jahren 1877-79. Ich hoffe, dass Wagner damit nicht ebenfalls zum Rott-Epigonen herabgewürdigt wird.

Manchmal lagen bestimmte Dinge aber auch einfach in der Luft, und wurden von mehreren ziemlich gleichzeitig "erfunden".
Maurice inaktiv (23.07.2025, 15:13):
Im Umkehrschluß war Rott demnach nicht der Erste, der ein Trompeten-Solo verhalten und naturlyrisch einsetzte.
Welches wären dann frühere Beispiele dafür?
Wenn Du es genau wissen möchtest, dann höre Dir mal Haydns Trompetenkonzert an. Der langsame 2. Satz ist sehr lyrisch, finde ich. Das ist jetzt kein Orchesterwerk, aber ein gutes Beispiel dafür. Hinzu kommt, dass die Trompeten früher enger gebaut wurden als heute, gerade die im deutschsprachigen Raum eingesetzten "Konzerttrompeten" (das sind jene Trompeten mit Drehventilen).
Sfantu (23.07.2025, 15:25):
"Naturlyrik" impliziert im musikalischen Sinne zu allererst Romantik.
Wenn es nur um leises Spiel ginge, kann man geschichtlich sicher weit zurück gehen.
Es war ja auch nicht meine Argumentation. Aber ich fand sie zunächst einmal schlüssig.