Haydn's World - Adalbert Gyrowetz (1763-1850) und Giovanni Paisiello (1740-1816)

Markus S (30.09.2025, 14:42):
Haydn's World

Nachdem die Heidelberger Sinfoniker die Gesamteinspielung der Haydn-Sinfonien abgeschlossen haben, widmen sie sich nun dem CD-Projekt „Haydns Welt“, was die vielfältigen Beziehungen Haydns zu anderen Musikern seiner Zeit, zu seinen Kollegen, Freunden, Schülern und Konkurrenten näher beleuchten soll. Siehe Haydns-Welt

Die erste CD wurde gerade veröffentlicht und enthält neben Werken von Haydn Werke der folgenden Komponisten.

Haydn's World Volume 1 - Heidelberger Sinfoniker - Johannes Klumpp

Adalbert Gyrowetz (1763-1850)
Sinfonia concertante op. 34
I. Allegro moderato
II. Larghetto
III. Rondo

Giovanni Paisiello (1740-1816)
Overture to Pirro
Allegro vivace - FIRST RECORDING

Ausführliche Informationen zur CD, siehe Heidelberger Sinfoniker.

Aus meiner Sicht entsteht hier eine sehr interessante Reihe.
Philidor (30.09.2025, 19:42):
Solche Projekte finde ich sehr löblich, da die Musik aus der fraglichen Zeit gerne auf Haydn und Mozart reduziert wird. Ein paar Namen kennt man noch, aber wer kennt dazugehörige Werke? (Nachtrag - ähem - bei Gyrowetz reden wir freilich eher über gemeinsame Lebenszeit mit Beethoven und späteren.)

Concerto Köln hatte vor ca. 25 Jahren einige CDs mit Werken jener Zeit vorgelegt. Spannend.

Die Heidelberger haben bei Haydn ihre Kompetenz hinlänglich bewiesen. Bin gespannt, wie es da weitergeht!
Maurice inaktiv (30.09.2025, 22:11):
Nachdem die Heidelberger Sinfoniker die Gesamteinspielung der Haydn-Sinfonien abgeschlossen haben, widmen sie sich nun dem CD-Projekt „Haydns Welt“, was die vielfältigen Beziehungen Haydns zu anderen Musikern seiner Zeit, zu seinen Kollegen, Freunden, Schülern und Konkurrenten näher beleuchten soll.
Aus meiner Sicht entsteht hier eine sehr interessante Reihe.
Ja, aber mit gerade mal 46 Minuten Spielzeit ist noch deutlich Luft nach Oben. Mir sagt z.B. diese seltsame Koppelung überhaupt nicht zu. Ja, ich finde die Idee klasse, ja, es ist super, wenn sich ein Orchester mit so einer Qualität solchen Werken widmet, die weitgehend unbekannt sind, aber ich finde die Zusammenstellung nicht wirklich gelungen. Und Nein, ich kaufe mir die CD nicht zu diesem Preis.

Gyrowwetz hat übrigens auch Matthias Bamert damals auf seiner Reihe für Chandos eingespielt. Und CPO hat dieses Jahr mit den London Mozart Players (mit denen auch Bamert oftmals aufnahm) unter Howard Griffiths eine CD veröffentlicht (eine Sinfonie, eine Sinfonia Concertante und ein Klavierkonzert).

Paisiello ist im symphonischen Bereich kaum vertreten, aber dafür mit seinen Klavierkonzerten und Opern.
Markus S (01.10.2025, 13:37):
Ja, aber mit gerade mal 46 Minuten Spielzeit ist noch deutlich Luft nach Oben.
Das Projekt ist auf 5 CDs ausgelegt.

Und Nein, ich kaufe mir die CD nicht zu diesem Preis.
Musst du ja auch nicht, wobei ich 15€ für eine CD als durchaus günstig empfinde.
Maurice inaktiv (01.10.2025, 14:36):
Das Projekt ist auf 5 CDs ausgelegt.
Wenn die immer so kurze Spielzeiten haben ist das für einige mögliche Interessenten echt ein Grund nicht zu kaufen.


Musst du ja auch nicht, wobei ich 15€ für eine CD als durchaus günstig empfinde.
Zur Zeit sind es 15 Euro, aber das dürfte sich nach 14 Tagen ändern auf bestimmt 17,99 €. Dazu die kurze Spielzeit. Sowas kann man heutzutage nicht mehr bringen.
Markus S (01.10.2025, 14:57):
Zur Zeit sind es 15 Euro, aber das dürfte sich nach 14 Tagen ändern auf bestimmt 17,99 €
Nicht im Shop der Heidelberger Sinfoniker. (Ausgehend von der aktuellen Preisgestaltung)

CDs aus dem Pop/Rock Bereich sind bei gleicher und selbst bei weniger Spielzeit in der Regel deutlich teurer.
Maurice inaktiv (01.10.2025, 16:29):
CDs aus dem Pop/Rock Bereich sind bei gleicher und selbst bei weniger Spielzeit in der Regel deutlich teurer.
Die kaufe ich nicht, weil mich dieser Bereich nicht interessiert.

Ich will auch nicht die Serie irgendwie abwerten, dafür schätze ich die Einspielungen der HS zu sehr. Hier wurde bestimmt mal wieder hervorragende Arbeit abgeliefert (wie bereits unter TF), doch bei so einer kurzen Spielzeit wurde Platz verschenkt für weitere, vielleicht kürzere Werke der Komponisten. Und deshalb auch meine Kritik. Ich hatte vor Kurzem auch so eine CD mit einer sehr kurzen Laufzeit. Darüber habe ich mich auch geärgert. Wäre das 1981 oder so gewesen, okay, aber in 2025 weiß man um die Länge von CDs. Das hätte man einfach besser lösen können.
Sfantu (02.10.2025, 12:15):
@Markus S

Danke für den Impuls. Wie schon erwähnt - das Konzept ist nicht ganz neu. Aber es bleibt ein Spannendes.
Ich hab' sie bestellt.
Sfantu (31.10.2025, 15:09):
Hoch erfreulich ist sie ausgefallen, diese erste von insgesamt 5 CDs der Reihe "Haydn's world"!



Markus S
hatte weiter oben bereits die Angaben zu Gyrowetzens und Paisiellos Werken geliefert.
Zusätzlich enthalten sind auf diesem Album:

Franz Joseph Haydn

Ouvertüre zu "L'Anima del filosofo" 4'23
und
Notturno C-dur Hob. II: 32:

Allegro moderato 7'52
Andante cantbile 2'24
Molto vivace 2'10

Mir sagt z.B. diese seltsame Koppelung überhaupt nicht zu. Ja, ich finde die Idee klasse, ja, es ist super, wenn sich ein Orchester mit so einer Qualität solchen Werken widmet, die weitgehend unbekannt sind, aber ich finde die Zusammenstellung nicht wirklich gelungen.
Das war zuerst auch mein Gedanke.
Wenn man sich aber in das Konzept dieser Reihe einliest, erscheinen die Kopplungen schlüssig. Sie erzählen nämlich von Haydns Begegnungen und Erlebnissen in England. Paisiellos Oper "Pirro" (Klumpp liefert hier die Ersteinspielung der Ouvertüre) und Haydns "L'anima del filosofo" (ossia Orfeo ed Euridice) waren Auftragswerke zur Wiedereröffnung des King's Theatre am Haymarket 1790. Da der Auftraggeber, der Prince of Wales und sein Vater, King George III. als Freizeitbeschäftigung sich mit dem Intrigieren gegen die vom jeweils Anderen protégierten Opernprojekte verlustierten, fielen Paisiellos wie Haydns fertiggestellte und bereits erfolgreich geprobte Bühnenwerke dem Einschreiten des Königs gegen das Gesamtprojekt seines Sohnes zum Opfer. So erfuhr Haydns Oper ihre Uraufführung erst 1951.

Die Originalbesetzung der Notturni Hob II: 32 lautet:
2 Lyras, 2 Hörner, 2 Klarinetten, 2 Violas und Cello oder B. c. (Quelle: klassika.info)

Der Weg, den diese Stücke von Neapel (Auftragswerke des dortigen Königs Ferdinand IV.) nach London nahmen, beschreibt der Booklet-Text wie folgt:
Offenbar waren einige der Notturni bereits mit Hinblick auf eine Zweitverwertung komponiert worden, denn hinsichtlich der musikalischen Substanz übertreffen sie die eher anspruchslos gehaltenen Konzerte deutlich. Für London arrangierte Haydn die Solostimmen für Flöte und Oboe bzw. 2 Flöten, ersetzte die Klarinetten durch 2 Violinen und komponierte für einige der Werke eine neue Kontrabass-Stimme.
Haydn schlug nämlich das Angebot des Königs von Neapel für den Posten des Hofkomponisten aus und folgte stattdessen Johann Peter Salomon nach London.


Zur verhältnismäßig großen Gemeinde der deutschsprachigen Musiker und Komponisten, die Haydn 1791 in London empfingen und ihn dabei unterstützten, wichtige Verbindungen zur englischen Gesellschaft zu knüpfen, gehörte auch der in Böhmen geborene Adalbert Gyrowetz. Dieser befand sich seit 1786 auf einer längeren Europareise und war im Herbst 1789 wegen der französischen Revolution von Paris nach London ausgewichen, wo er bis 1792 ebenfalls für die Salomon's Concerts tätig war.
So schließt sich der Kreis dieses schönen Konzept-Albums.

Hübsch die kleine Paisiello-Ouvertüre mit ihren reizvollen Holzbläser-Soli.

Mehr Beachtung verdienen sicherlich Haydns Notturni - das ist geschmackvoll und souverän gefügte groß besetzte Kammermusik.

Gleich die Fanfaren zu Beginn von Haydns Ouvertüre fahren durch Mark und Bein. Herrlich vibrierend und mit Theaterinstinkt kosten die Heidelberger ihren Haydn aus. Bei Leopold Hager und dem Münchner Rundfunkorchester (in der Gesamtaufnahme (Orfeo)) wirkt dasselbe Stück satt, breit, pastos - ohne Behäbigkeit nota bene. Hier gebührt die Palme für mich ganz knapp der Haydn Sinfonietta Wien mit Manfred Huss (Koch). Sie vereinen das Beste aus den beiden anderen Versionen. Auch gewinnt sie noch einen Farbtupfer durch das von mir geliebte Cembalo.

Das Filetstück dieser CD bleibt freilich Gyrowetzens Sinfonia concertante.
Soloinstrumente sind Geige, Cello, Flöte, Oboe und Fagott. Diese Angaben muß man sich erhören (nicht immer einfach, da auch weitere Instrumente hie und da solistisch hervortreten) oder aus der Liste der Orchestermusiker + Indizes heraussuchen. Auch zur Besetzung des Haydn-Notturnos (Ursprungsbesetzung -als auch die hier gespielte Eigenbearbeitung) muß man andernorts recherchieren. Dies nur um ein kleines Manko hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit anzuführen.
Tapsig, hüpfend, zögernd eröffnen einzelne Bläser den Kopfsatz (mein erster Gedanke: das Duett "La stessa, la stessissima" aus Salieris Falstaff). Darauf stürmt das volle Ensemble mit Grandeur paukengrundiert voran. Ein heiteres Soli-Tutti-Pingpong erfreut rundum - das ist feinste akustische Unterhaltung.
Im generösen, prachtvollen Mittelsatz antworten an zwei Stellen auf zwei Tutti-Schläge im Forte die Soli mit einer Abwärts-Tonleiter, die quasi stotternd/zitternd beginnt und dann schneller wird - eine köstliche kleine Pointe.
Salomon übernahm bei der Premiere den Violin-Solopart. Nicht zuletzt durch den affirmativen, mit Ohrwurmqualität für sich einnehmenden Schlußsatz erfreute sich dieses Werk beim Londoner Publikum auf Anhieb großer Beliebtheit.

Formidables Spiel allerseits bei klarem, plastischem Klang.

@Markus S
nochmals danke für diese Empfehlung!
Sfantu (31.10.2025, 15:18):
Übrigens soll laut Booklet-Text Adalbert Gyrowetz eine Art roten Faden in der Gesamt-Serie bilden.
Ich kenne bisher nur diese Concertante, drei Streichquartette und eine kleine Sache für Flöte & Klavier. Es sind aber weitere CDs bestellt. Und ich glaube langsam, Gyrowetz hätte einen eigenen Faden verdient.
Mal sehen...