nachdem 2008 bereits im November die Frage nach Euren/unseren persönlichen "Highlights" gestellt wurde, scheint sich dieses Jahr irgendwie keiner zu trauen – oder bin ich blind am entsprechenden Faden vorbeigerauscht?
Ich persönlich werde mich bei dieser Frage auf Tonträger beschränken, und zu diesem Zweck habe ich gerade mal meine Neuzugänge gesichtet.
Ettliche CDs haben diese Jahr den Weg in meine Regale gefunden, und mit ganz wenigen Ausnahmen sind auch alle wenigstens einmal gelaufen, so manche auch mehrfach, und diese sind die Anwärter auf den Titel "Mein bester Kauf".
Von den im Jahr 2009 ersschienen Aufnahmen sind da zwei Sängerinnen zu nennen, Simone Kermes und Magdalena Kožená:
Bei beiden Aufnahmen gefällt mir insbesondere, daß sie nicht einfach nur zirzensische Bravourstücke aneinanderreihen, sondern auch den etwas ruhigeren Stücken eine Chance lassen. Und dies machen sie für meinen Geschmack richtig gut.
Dann sind zwei Kammermusik-CDs zu nennen, die jeweils einen "Werkzyklus" zum Abschluß bringen, das Mandelring Quartett und das Duo Rachel Podger, Violine / Gary Cooper, Piano:
Die aus meiner Sicht wirklich hervorragenden Aufnahmen (bei mir dieses Jahr Vol. IV. & V) mit dem Mandelring Quartett haben mich auf den Geschmack der Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch gebracht. Und bei Podger/Cooper imponiert mir, daß sie sich mit nach meinem Eindruck gleichbleibender Intensität und Enrsthaftigkeit auch den "kleineren", vermeintlich manchmal eher als unbedeutend erachteten Werken Mozarts gewidmet haben.
Ganz ausgezeichnet haben mir aber noch ettliche weitere meiner Neuzugänge gefallen, sei es diese
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Sonaten für Klavier und Violine Isabelle Faust / Alexander Melnikov
oder
Georg Philipp Telemann (1681-1767) Brockes-Passion "Der für die Sünde der Welt leidende und sterbende Jesus" – Passionsoratorium für Soli, Chor und Orchester TVWV 5:1 Birgitte Christensen, Lydia Teuscher, Marie-Claude Chappuis, Donát Havár, Daniel Behle, Johannes Weisser / RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin / René Jacobs
oder diese, gerade heute das erste Mal gehörte:
Gustav Mahler (1860-1911) Lieder Elisabeth Kulman, Mezzosopran / Amarcord Wien
Nur wenige Neuzugänge haben die Erwartungen nicht erfüllt (Julia Fischer mit ihrer Interpretation der Violinkonzerte von Bach oder die Winterreise mit Padmore/Lewis), ettliche Aufnahmen könnte ich aber noch nennen, die mich überzeugt haben, der Einfachheit halber zeige ich nur mal ein paar Cover:
Müßte ich mich für eine Aufnahme entscheiden, wäre dies die Aufnahme mit Simone Kermes, da ich hier einerseits neues Repertore, andererseits eine von mir bis dato doch nur am Rande wahrgenommene Künstlerin für mich entdeckt habe.
Viele Grüße, Wolfgang
Heike (28.12.2009, 21:38): na dann mach ich mal weiter und beginne mit meinen schönsten Konzerterlebnissen 2009:
Klavier: - Perahia Recital - Bach Mozart Beethoven Brahms + Schubert Zugaben im Januar - Sokolov Recital - Beethoven Schubert + Chopin Zugaben im Februar
Kammermusik - Belcea Quartett - Haydn, Britten, Beethoven im April - Gipfeltreffen der Streichquartette zum 85. Geburtstag von W.Levin am 6.12.
Konzert: - Konzert im wunderschönen Athenäum in Bukarest - Mozart, Haydn, Mussorgski/ Ravel im April - Berliner Festspiele ("Schostakowitsch: Mania") im September
Oper/ Oratorium: - "Angst" Choroper von Christian Ch. Jost - Komische Oper Berlin im Januar - Matthäuspassion Bach - Orchestra of the Age of Enlightment - konzerthaus Berlin am Karfreitag
sonstiges: Ballett: "Schneewittchen" von Preljocaj - Dt. Oper Berlin im Mai das szenische Weihnachtsoratorium Bach im Radialsystem Berlin im Dezember
so und jetzt meine Lieblings-CD-Käufe aus 2009 (bißchen klavierlastig und eher kammermusikalisch :-) wie immer)
Barock:
Klassik:
Romantik
Moderne:
und zum Schluss die Entdeckungen 2009:
Mozart - man höre- ich habe freiwillig eine reine Mozart-Matinee im Konzerthaus besucht (und es nicht bereut) - ich denke, wir werden uns besser anfreunden!
Janaceks Klavierwerke - danke ab :-) - ich warte immer noch auf die Gelegenheit, eine der Opern zu besuchen!
Glucks Opern - Dank der großartigen Musik in "Armida" in der KOB Berlin (über die Inszenierung kann man streiten) war ich neugierig und bin gerade dabei, mir zwei weitere auf DVD anzuschauen - merci an Peter!
so genug erstmal, bestimmt hab ich was vergessen, mal sehn
achja, auch wenn es keine Musik ist - die beste Theatervorstellung 2009 war am BE Berlin: "Der aufhaltsame Aufsteig des Arturo Ui" von Bert Brecht mit dem großartigen Wuttke in der Titelrolle
die besten Kinoerlebnisse waren für mich "Das weiße Band", Verblendung" und - wobei wir wieder bei Musik wären - die 4 teilige Opern-Konserve im Kino International von Wagners Ring in der Boulez-Inszenierung
Heike
Cetay (inaktiv) (28.12.2009, 22:11): Was CD-Neuerscheinungen in 2009 angeht, war ich extrem zurückhaltend. Der einzige Kauf, Beethovens Violinkonzert mit Patricia Kopatchinskaja, darf sich zumindest mit dem Attribut "außergewöhnlich" schmücken.
Coates Musik erinnert mich stark an Xenakis. Zwar ist sie deutlich abgemildert, weniger roh und brutal, dafür mehr strukturiert; in der archaisch-mythischen und dramatisch-gewaltigen Wirkung steht sie ihm jedoch kein bisschen nach. Als Einstieg eignet sich besonders die 4. Sinfonie ("Chiaroscuro" = Helldunkel), in der Coates ihrem Klangkosmos die Trauermusik von Henry Purcell einverleibt.
Dann hat es mir eine weitere Dame sehr angetan:
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0747313215720.jpg Alla Pavlova; Sinfonien Nr. 1 & 3; Russisches PO, Krimets (1), Verdnikov (3)
(...) die 3. Sinfonie von Alla Pavlova. Die stammt aus dem Jahr 2001, klingt aber knapp 100 Jahre älter. 40 Minuten Spielzeit, 4 Sätze, tonal, romantisch, großorchestral. Pavlovas Sinfonik fehlen die dramatischen Ausbrüche und erschütternd-emotionalen Tiefen eines Schostakowitsch, auch alles Grelle ist ihr fremd. Statt dessen ist sie von einer melancholischen Grundstimmung durchzogen, die der fast schon surrealen Schönheit der Klänge eine tragische Note verleiht. Pavlova arbeitet mit wenigen miteinander verwandten Motiven, die (u.a. von einer solistischen Geige) wiederholt und variiert werden; eine durchführungsgemäße Verarbeitung findet nur rudimentär statt. Das verleiht dem Ganzen leicht minimalistische Züge und ist wahrscheinlich das einzige Merkmal, an dem man diese Sinfonie als "modern" erkennen kann. Es ist fast schon unverschämt, heutzutage so eine Musik zu komponieren; als ob es die Neue Musik nie gegeben hätte! Pallova schreibt im Geist der großen (Spät-)Romantiker, doch heute ohne den Zwang, mit kompositorischer Komplexität und übersteigerten Ausdrucksmitteln irgendwelche Vorbilder übertreffen zu müssen. Was übrig bleibt, ist die Kraft des Schönen und Einfachen. :down (...) dass es noch Komponist(inn)en gibt, die Musik schreiben, die (für mein Empfinden) einfach nur unfaßbar schön ist, so dass es fast schon schmerzt. zu Nr. 1 Das Werk ist für Kammerorechster mit einem "Concertino" aus 2 Vilolinen, Cello, Klavier, Flöte und Piccolo geschrieben. Überirdisch schöne, ungemein farbenreiche Musik von einer fast schon surrealen Seelenruhe, durch die stets eine latente Wehmut durchschimmert. So könnte es klingen wenn man Delius, Ravel und Pettersson in einen Mixer schmeisst.
Eine wunderbare Neuanschaffung war auch diese hier:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41SGJKXPxtL._SL500_AA240_.jpg Maurizio Kagel; Kantrimusik; Nieuw Ensemble, Ed Spanjaard
Herrlich! Und da sage noch jemand, Neue Musik sei verkopft. Die Kantrimusik für Stimmen (Mindestens Sopran, Alt, Tenor und nach Belieben weitere, auch Kinder und Laien - auf dieser Aufnahme sind nur 3 Profis zu hören), Klarinette, Trompete, Tuba, Geige, Klavier und zwei Spieler von diversen Gitarreninstrumenten (Tenorbanjo, Ukulele, Mandoline, Oktavgitarre, Spanische Gitarre, Westerngitarre, Mexikanischer Baß) besteht aus 15 zum Teil vokalen, zum Teil instrumentalen Teilen, in deren Verlauf 4 Tonbandzuspielungen eingeblendet werden. Das ergibt eine pastorale Reise durch verschiedene Länder, dabei ist nicht die echte Folklore Ausgangsbasis für das musikalische Material, sondern die harmlosen volkstümlichen Verfälschungen. Kagel schreibt: Das Stück stellt absichtlich keinen Anspruch auf Authentizität der Quellen, im Gegenteil: es will gewöhnliche apokryphe Tonkunst weiterverarbeiten. Wieviel Parodie und Karikatur oder verselbständigter Ernst hier vorhanden sind, müßte aus jeder akkuraten musikalischen Interpretation deutlich zu hören sein. Ich höre das nicht, aber es ist auch völlig egal. Ob ernst gemeint oder nicht, das ist ein Stück wie aus einem Guss. Es klingt unüberhörbar nach Avantgarde ohne mit Gewalt jeglichen Unterhaltungsanspruch zu leugnen. Ganz große Klasse!
Der absolute Höhepunkt war und ist aber eine Neuerscheinung, die man zumindest in Teilbereichen als zeitgenössische Klassik klassifizieren kann. Alle Kompositionen stammen von Daniel Glatzel, gerade mal 25 Jahre alt. Den Namen sollte man sich merken.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/519rj7OLIZL._SL500_AA240_.jpg Andromeda Mega Express Orchestra; Take off
Das ist der absolute Wahnsinn. Jazz trifft auf Klassische Avantgarde, Swing auf Soundscapes, Zappas Low Budget Orchestra konzertiert mit Sun Ra, Freie Collagen münden in Ligeti'sche Klangflächen... Schon wieder so eine Stilzitat-Combo, die so um das Einreissen von allen Genregrenzen bemüht ist, dass es entspreched klingt, nämlich bemüht? Die sich zwar originell und vielfältig anhört, einem aber kaum mehr als ein "na und" abringt? Etwas, das man nie zuvor gehört hat, aber auch kaum mehr als einmal hören will? WEIT GEFEHLT! Was das 20-köpfige Ensemble (5x Holz, 3x Blech, 7 Streicher, Harfe, Vibraphon, Gitarre, Bass, Drums) abliefert, ist absolut kohärent und konsistent. Die Stilelemente bleiben einzeln wahrnehmbar und verschmelzen gleichzeitig zu etwas völlig Neuem und Eigenständigem. Das Ganze wirkt so dermaßen frisch, unverbraucht und spielfreudig, dass es mir die Freudentränen in die Augen treibt. Entscheidend ist aber die schiere Inspiration, die mich schon nach den ersten Sekunden in den Bann zieht und über die ganze Stunde -mit einer schier überquellenden Fülle an genialen musikalischen Einfällen- nicht mehr los läßt. Hier entfaltet sich ein stimmiges, visionäres Kunstwerk, das zum ungläubigen Staunen einlädt und dabei allerbeste Unterhaltung bietet. Atemberaubendes, ganz großes Ohrenkino! :down
Zitat von arte.tv Inspirationsquellen, die von Computerspielen, der zweiten Wiener Schule, Cartoonmusik, der Polyphonie der Renaissance bis hin zu den weichspülenden Melodien von Dauerwerbesendungen oder von Aufzügen in teuren Hotels reichen.
Armin70 (28.12.2009, 23:31): 2009 hatte einiges musikalisches zu bieten:
Oper:
Ich hatte mir dieses Jahr insgesamt dreimal eine meine Lieblingsopern angesehen bzw. angehört, nämlich Alban Bergs Oper "Lulu". Zweimal in Basel in der spektakulären Baseler Inszenierung von Calixto Bieito mit Marisol Montalvo in der Titelrolle und einmal in der Royal Covent Garden Opera London in der Inszenierung von Christof Loy mit Agneta Eichenholz als Lulu.
Dann sah ich eine schöne Aufführung von Puccinis Oper "Manon Lescaut" im Kasseler Staatstheater, meiner alten Heimat.
Konzert
Ein Konzert in der Kasseler Stadthalle: Lutoslawski (Trauermusik "In memoriam Bela Bartok"), Smetana (Vysehrad, Die Moldau, Sarka aus "Mein Vaterland), Dvorak (8. Sinfonie) Kasseler Staatsorchester, Leitung: Gerd Albrecht
Dieses Jahr besuchte ich einige Sinfoniekonzerte, die im Rahmen vom Rheingau-Musikfestival im Wiesbadener Kurhaus stattfanden:
- Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Solistin: Baiba Skride, Dirigent: Sakari Oramo Programm: Wilhem Stenhammar (Excelsior-Ouvertüre), Brahms (Violinkonzert), Nielsen (4. Sinfonie) + Zugaben (Nielsen: Maskerade-Ouvertüre + Brahms: 1. Ungarischer Tanz)
- Deutsches Sinfonie Orchester Berlin, Solist: Christian Tetzlaff, Dirigent: Ingo Metzmacher Programm: Webern (Passacaglia), Mendelssohn Bartholdy (Violinkonzert), Schreker (Nachtstück aus der Oper "Der ferne Klang), Debussy (La Mer).....leider gabs keine Zugaben
Im August war ich dann noch beim größten europäischen Klassik-Open-Air-Konzert in Nürnberg mit den Nürnberger Sinfonikern mit einem "Romeo und Julia"-Schwerpunkt in Vertonungen von Gounod, Berlioz und Bernstein pluss Ausschnitten aus Gershwins "Porgy and Bess".
Ein Konzert vom Berliner Musikfest 2009:
Bamberger Sinfoniker, Marisol Montalvo (Sopran), Niclas Oettermann (Tenor), Dirigent: Jonathan Nott Programm: Haydn (Sinfonie Nr. 44 "Trauer"), Nono (Canti di vita e d'amore), Schostakowitsch (5. Sinfonie)
Ein Konzert vom Steirischen Herbst 2009 in Graz:
Radio-Sinfonie-Orchester Wien, Marisol Montalvo (Sopran), Antoine Tamestit (Bratsche), Dirigent: Peter Eötvös Programm: Bernhard Gander (Lovely Monsters, Uraufführung), Olga Neuwirth (Remnants of Songs, Uraufführung), Rebecca Saunders (Traces, Österreichische Erstaufführung), Matthias Pintscher (Herodiade-Fragmente, Österreichische Uraufführung).
CD-Aufnahmen:
Von den CD`s, die ich mir dieses Jahr kaufte und die aus der Masse herausragen möchte ich folgende nennen:
Vor allem Ligetis Werke finde ich klasse (vielleicht liegts auch daran, dass ich Kubricks "2001" so gern mag)
Meiner Meinung nach ein vielversprechendes Debüt dieser jungen Pianistin, die hoffentlich einen anderen Weg einschlägt als ihr Landsmann Lang Lang. Von Yuja Wang sah ich vor ein paar Monaten auch bei Live.arte.web drei interessante Konzerte von den Festivals in Lugano und Verbrier.
und dann noch:
Da ich ein "Julia Fischer-Fan" bin, war diese Aufnahme ein absoltes Highlight für mich.
Cetay (inaktiv) (29.12.2009, 08:17): - Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Solistin: Baiba Skride, Dirigent: Sakari Oramo Programm: Wilhem Stenhammar (Excelsior-Ouvertüre), Brahms (Violinkonzert), Nielsen (4. Sinfonie)
Mein Gesicht hat sich eben grün vor Neid verfärbt.
Nicolas_Aine (29.12.2009, 12:27): Original von Cetay - London Symphony Orchestra, Solist: Frank-Peter Zimmermann, Dirigent: Daniel Harding Programm: Schumann (Manfred-Sinfonie), Sibelius (Violinkonzert), Brahms (2. Sinfonie) + Zugabe: Weber (Freischütz-Ouvertüre)
- Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Solistin: Baiba Skride, Dirigent: Sakari Oramo Programm: Wilhem Stenhammar (Excelsior-Ouvertüre), Brahms (Violinkonzert), Nielsen (4. Sinfonie)
Mein Gesicht hat sich eben grün vor Neid verfärbt.
meins hat schon eins drüber angefangen, sich zu verfärben...
Jeremias (29.12.2009, 12:38): Meine Highlights des Jahres waren sicher die Klavierabende von Rafal Blechacz in der Kölner Philharmonie im März, Pollini beim Beethovenfest Bonn sowie von Argerich/Zilberstein beim Ruhrfestival. Aber auch der Abend mit Natalia Gutman in Eriwan/Armenien im Oktober mit Schostakowitsch und Brahms ist mir in Erinnerung geblieben. Im Opernbereich erlebte ich eine tolle Aufführung des Fliegenden Holländers in Düsseldorf und nicht zu vergessen die Kasarova als Carmen in Köln, eine sehr eigenwillige Interpretation.