" I Puritani" Aalto Essen,29.1.2011

yago (03.02.2011, 09:24):
I Puritani 29.1.2011 Aalto Essen


In Essen wurde nicht gekleckst sondern geklotzt .
Das imposante Bühnenbild (Dieter Richter) zeigt mächtige Arkaden ,die die gesamte Bühne im Halbrund einnehmen. Zahlreiche assoziationsreiche Accessoires verdoppeln sozusagen die Figuren,deren Geschichte erzählt werden soll.Das Bühnenbild in Miniatur wird geschickt in die Szene einbezogen.

Stefan Herheim zeichnet für die Regie verantwortlich. Er verlgt die Handlung des englischen Familiendramas in die Zeit der französischen Bourgeoise um 1835.Renate Schmitzer entwirft ihm bombastische Roben,die Lichtregie von Hartmut Litzinger unterstreicht das ganze.Für die Choreographie sorgt Jeremie Leslie-Spinks und für den gutgestimmten Chor
zeichnet,wie immer, Alexander Eberle verantwortlich.


Das Genie Arturo schreibt an einem neuen Stück über die Macht der Liebe.Seine Braut Elvira erwartet ihn sehnsüchtig,doch ehe die beiden vereint sein können,verhilft Arturo,der zum Tode verurteilten Königin zur Flucht,von seinem Rivalen Riccardo gestellt,muss er nun selbst flüchten.
Elvira verfällt dem Wahnsinn.
Am Ende finden Beide doch noch zusammen,aber nicht bevor das gesamte Bühnenbild in sich zusammenbricht.


Dafür fällt der den Hintergrund bildende Vorhang zu Boden,die ganze Bühne kippt nach hinten und übrig bleiben die Miniatur des Bühnenbildes auf dem Soufflierkasten und das Klavier des Genies,das nur knapp nicht mit in den Abgrund rutscht.


Als Arturo lässt sich Shalva Mukeria vor Beginn entschuldigen und bittet um Nachsicht,da er von einem Magenproblem geplagt sei.Er beginnt auch vorsichtig,dieersten beiden hohen Töne kratzt er nur an,gewinnt aber zusehends an Sicherheit und übersteht gut den Abend.

Zur Pause liess sich dann auch noch Petya Ivanova wg. eines wieder akut gewordenen grippalen Infekts entschuldigen und bittet um Nachsicht,wenn sie die grosse Arie im 2. Akt nicht ganz aussingen kann.Zum Schluss des ersten Aktes nahm sie sich schon hörbar zurück,die Bravourarie sang sie aber dennoch,sich zwischendurch schonend durch.

Heiko Trisinger als Riccardo und Almas Svilpa als Giorgio zeigten keinerlei Probleme,weder in Spiel noch in Gesang.


Der musikalische Leiter Volker Perplies dirigierte umsichtig und mit Rücksicht auf den/die angeschlagene/n Sänger/in.


Am Ende belohnte das Publikum alle Mitwirkenden mit langanhaltenden Applaus und Bravis.


Vielleicht zeigt auch,dass die Gelder knapper werden,dass die Premiere im Nov. 2002 von Elena Mosuc und Mario Zeffiri gesungen wurden.

Dennoch war diese letzte Vorstellung der Wieder-Wieder-Aufnahme eine grossartige Leistung für das Essener Aalto.
lg yago
Fairy Queen (03.02.2011, 12:49):
Lieber Yago, wenn man bedenkt, wie selten diese herrliche Oper auf die Bühne gebracht wird und wie schwierig es ist, Sänger dafür zu finden, wird die Leistung für ein mittleres Haus noch grösser! Danke für den Bericht! :thanks
Ich liebe diese Oper unendlich und hatte doch noch nie Gelegenheit sie live zu erleben.
Die Rollen der Elvira und des Arturo sind absolut mörderisch, auch wenn man gesund und munter ist. Bellini hat diese Oper den grössten Sängern seines Zeit in die Kehle komponiert und dann eigens noch eine transponierte Fassung geschrieben, nachdem er Maria Malibran gehört und gesehen hatte. Leider kamen sowohl sein als auch ihr früher tragischer Tod einer Aufführung dieser zweiten Fassung zuvor. Aber es gibt sie, falls ein Theater mal einen weniger hohen Sopran einsetzen will/muss.....

F.Q.
yago (03.02.2011, 21:44):
hallo fairy,
mir hat die oper auch sehr gut gefallen,obwohl ich die geschichte für ein bissl abstruss halte.(ist ja bei vielen opern so) :wink
die musik ist wunderbar und ich empfand es als etwas schade,dass der dirigent nicht in die vollen gehen konnte,trotzdem fand ich sein rücksichtsvolles dirigat richtig den sängern gegenüber.
das alles soll die leistung aller mitwirkenden nicht schmälern,eher im gegenteil,war ichdoch dankbar,dass ich nicht unverrichteter dinge nach hause fahren musste.
lg yago
Severina (07.02.2011, 16:30):
Lieber Yago,
wie Fairy richtig sagt, sind die Partien des Arturo und der Elvira auch für gesunde Sänger mehr als nur eine Herausforderung, selbst bei Flórez merkt man da, dass es auch für ihn einen Plafond gibt.
Übrigens erlebte ich Shalva Mukeria vor vier Jahren als Einspringer in den "Puritani" und er riss als absoluter No-name das Wiener Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Selbst die Grubsi war so beeindruckt, dass sie ihn sich offensichtlich im Vorjahr wieder als Partner wünschte, aber leider fand ich ihn da nicht ganz so phänomenal wie beim ersten Mal. Hoffentlich war er also in Essen wirklich indisponiert und es zeichnet sich nicht vielleicht schon ein stimmlicher Niedergang ab.....
Unsere Puritani-Inszenierung ist übrigens zum Einschlafen, ich gäbe etwas für die von Stefan Herheim!!

lg Sevi :hello
Karolus Minus (07.02.2011, 22:43):
Original von Fairy Queen
Bellini hat diese Oper den grössten Sängern seines Zeit in die Kehle komponiert und dann eigens noch eine transponierte Fassung geschrieben, nachdem er Maria Malibran gehört und gesehen hatte. Leider kamen sowohl sein als auch ihr früher tragischer Tod einer Aufführung dieser zweiten Fassung zuvor. Aber es gibt sie, falls ein Theater mal einen weniger hohen Sopran einsetzen will/muss.....
F.Q.

Von der Malibran-Version existiert ein TV-Mitschnitt der RAI von 1986 aus Bari mit Ricciarelli&Merritt. Die Fassung ist eigentlich das perfekte Beispiel, wie man eine Oper als Starvehikel "erledigt". Die Partie der Elvira ist im großen Ganzen um eine Terz transponiert, worüber man ja noch reden könnte, aber Bellini hat der Dame zuliebe auch noch anderweitig eingegriffen, indem er - der Star kommt jeweils am Schluß - den 2. Akt nach ihrer Arie enden läßt (Suoni la tromba ist ersatzlos gestrichen! - und wäre auch nicht mehr machbar, da Riccardo ebenfalls Tenor ist). Und im großen Ensemble des 3. Aktes hat der Sopran nun etliche der Linien des Tenors, dem damit die Spitzentöne geklaut werden.... also - zumindest für meinen Geschmack - eher ein musikhistorisch interessantes Vehikel über "was tu ich als Komponist nicht alles" als eine musikalisch spannende Variante.
Gruß
Karolus -
Fairy Queen (07.02.2011, 22:59):
Oder besser gesagt: was tut ein verliebter Sizilianer nicht Alles. für seinen Mezzo-Star.. aus Bellinis Briefen an die Malibran geht eindeutig hervor, dass er sie nicht nur als Künstlerin liebte....

Was die Tenorpartie des Arturo angeht, kann die zweite Fassung jedoch nur ein Segen sein: wer soll das denn bitte heutzutage singen??? Florez gibt's leider nur einmal auf diesem Planeten..... um Souni la tromba ist es allerdings ein Jammer.

F.Q. gerade nciht so ganz zurechnungsfähig , da auf Musikwolke 71/2. Ich dachte ja, der Giulio Cesare Häim/McVicar sei nciht mehr steigerungsfähig, aber der derzeitige Giulio Cesare aus dem Palais Garnier Haïm/Pelly ist so unglaublich gelungen, dass ich nciht mehr weiss, was ich sagen soll. Bericht folgt noch, wenn ich wieder nüchtern bin.
Bonne nuit :engel
Karolus Minus (07.02.2011, 23:27):
Original von Fairy Queen
Was die Tenorpartie des Arturo angeht, kann die zweite Fassung jedoch nur ein Segen sein: wer soll das denn bitte heutzutage singen??? Florez gibt's leider nur einmal auf diesem Planeten.....

Also, da fallen mir auf die Schnelle sowohl John Osborn als auch Lawrence Brownlee ein. Beide singen sogar das im Schlußensemble von Bellini komponierte hohe F!!! - und zwar, anstatt wie zu Bellinis Zeiten üblich, als Kopfton, sondern voll durch!!! (früher hat das schon Gregory Kunde gemacht) da traut sich selbst Florez nicht ran, der zumindest bei seinem Debut in Las Palmas auch sicherheitshalber das ganze Ensemble einen halben Ton transponiert sang (wie di Stefano und Pavarotti auch)

Den Cesare aus paris gibt es ja am Samstag auf Mezzo TV....

Gruß
Karolus -
Fairy Queen (08.02.2011, 09:04):
Lieber Karolus, deine frohe tenor-Kunde erfreut mein Bellini-Herz! Leider habe ich ausser Gregory Kunde die genannten Herrn noch nicht erleben dürfen.

OT:
Was den Giulio Cesare angeht:
Den gibt's auf Mezzo? Das ist ja genial! Unbedingt aufzeichnen bzw ansehen wer nur eben kann, das ist wirklich eine Referenzaufführung in so gut wie jeder Hinsicht. :down :down :down
F.Q.

Wir diskutieren dann drüber wenn mehrere von euch mitreden kônnen, Monologe sind ja nicht so spannend..... :D
Man bekommt nciht nur Ohrenschmäuse sondern auch viel Nettes fürs Auge..... die antike Mode wurde z.B. serh ernst genommen, quasi oben ohne bzw mit mindestens einer entblössten Brust ist bei der Verführerin Cleopatra Standard und die wirklich hinreissend singende trauernde Rômerin Cornelia geizt auch nicht mit ihren Reizen in einer halbdurchsichtigen Toga.
aber auch kunstliebhaber kommen vol lauf ihre Kosten. Es gibt lebende Bilder und sogar singende Statuen, denn die ganze Aufführung spielt im Antikenkabinett des Louvre.
Also ansehen, ihr werdet es nicht bereuen und wenn doch... nun ja... darüber reden wir dann! :wink

F.Q.
Karolus Minus (08.02.2011, 23:35):
Liebe Fairy Queen,

wenn Du ein Bellini-Herz hast (obwohl Dein Name ja eher nach Purcell klingt) und Dir obendrein die Cornelia im Cesare so gut gefallen hat, dann solltest Du sehen, daß Du an den Radiomitschnitt der Zaira aus Montpellier 2009 kommst. Da ist die Dame nämlich auch dabei - samt dem von Severina erwähnten Shalva Mukeria. Und das Stück läuft ja auch nicht gerade im Dutzend herum....

Wo wir gerade bei den Puritani sind: auf Youtube gibt es schon ein paar Ausschnitte der laufenden Produktion in Genf (die Inszenierung ist schon in Amsterdam gelaufen, vom dortigen Video stammt meine kenntnis zu Osborn) mit Diana Damrau und Alexey Kudrya, dem Gewinner von Domingos Operalia 2009.
Gruß
Karolus -
Dulcamara (09.02.2011, 00:35):
Karolus, danke für den Hinweis auf die Genfer Youtube-Clips, sehr interessant! Soweit man das auf Grundlage der Mitschnitte sagen kann - die ja wahrlich keinen optimalen Sound haben - gefällt mir der Tenor außerordentlich gut. Das hohe f klingt auch in Ordnung und auch mutig ausgesungen, aber dennoch ich kenne gar keine wirklich schöne Interpretation dieses Tons, der ist einfach zu hoch für einen Tenor.
Karolus Minus (09.02.2011, 10:02):
Lieber Dulcamara,

das F war ja auch nicht zum durchsingen gedacht im Original, schließlich war ja selbst das C damals noch kein "do di petto". Trotzdem kenn ich bei dem F nur die Plattenaufnahme mit Sills/Gedda, wo der Ton mit Kopfstimme gesungen wird. Vielleicht haben die herren heute Angst, daß es bei der stilistisch richtigen Variante gleich heißt "der kann das nicht".
Der einzige, den ich kenn, bei dem das F schlicht ein unglaublicher Ton ist, ist Lawrence Brownlee in einem Mitschnitt aus Seattle, den ich über Internet-Radio mal per Zufall gemacht habe. War Direkt-Übertragung, die aufgrund der Zeitverschiebung hier um 5 Uhr morgens begann....
Gruß
Karolus -
Fairy Queen (09.02.2011, 11:30):
Danke für diese Hinweise, aber ich habe den Tenor leider nciht gefunden, sondern nur einen Trailer zu den Puritani Genf, und merine Lieblingsarie "o rendetemi la speme" mit Diana Damrau.
Ich verstehe auch nciht, warum sich die heutigen Tenöre so sie denn entsprechende Hintergrundbildung haben, nciht erlauben, die dreigestrichenen ds oder fs im Falsett zu singen, aber Tenöre sind halt seltsame Wesen.... Vieleleciht kann man den Arturo ja mal zur Abwechslung oder in Notfällen von einem Haute Contre singen lassen...... :D
Die Inszenirung scheint nicht uninteressant zu sein, hat jemabnd das komplett gesehen und kann etwas dazu sagen? Die Puritani sind wahrlich schwierig auf die Bühne zu bringen und es ist jedensmal ein grosses Verdienst, wenn ein Theater das wagt und der Versuch gelingt.

F.Q.
Karolus Minus (09.02.2011, 14:33):
Liebe Fairy Queen,

hier der Link für den Tenor: http://www.youtube.com/watch?v=omm1iEeQj-Q

Die Produktion kenne ich vom Amsterdamer Video her. Sie ist insofern ganz spannend, als man nicht nur edel herumsteht, sondern Beziehungen der Figuren deutlich werden; Elvira quasi als politische "Verfügungsmasse", Vater und Bass wollen die Heirat mit Arturo zwecks politischen Ausgleichs, Riccardo, der den Verlust Elviras absolut nicht verkraftet, hetzt beständig dagegen - und schießt den Tenor kurz vor dem Schlußensemble nieder. Elvira erlebt das "Happy End" dann nurmehr als Vision hinter einem Gazevorhang. Da mir das "Deus-ex-machina"-Finale mit dem Herold nie wirklich geschmeckt hat, für mich eine logische Lösung.

Was die Spezies Tenor angeht: als Calleja in Wien oben die Töne NICHT durchsang, ist er von entsprechender Publikumsseite ziemlich angegriffen worden (was einiges über die musikalischen Qualitäten diverser sogenannter Belcanto-Fans aussagt...). Er mußte sich allerdings wohl nicht ganz zu Unrecht vorhalten lassen, daß er nicht bewußt stilistisch sondern wohl eher in Richtung für ihn machbar entschieden hatte.

Liebe Grüße
Karolus -
Jürgen (09.02.2011, 14:40):
Original von Karolus Minus
Beide singen sogar das im Schlußensemble von Bellini komponierte hohe F!!! - und zwar, anstatt wie zu Bellinis Zeiten üblich, als Kopfton, sondern voll durch!!! (früher hat das schon Gregory Kunde gemacht) da traut sich selbst Florez nicht ran, der zumindest bei seinem Debut in Las Palmas auch sicherheitshalber das ganze Ensemble einen halben Ton transponiert sang (wie di Stefano und Pavarotti auch)


Ich habe mir dieses Schlussensemble in folgenden Einspielungen angehört:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51G1MJ4P54L._SL500_AA300_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/518fE%2BRTxiL._SL500_AA300_.jpg

Die meintest Du doch?

Eigentlich ein nettes Stück, aber diese Spitzentöne gefallen mir überhaupt nicht, selbst wenn sie einen Halbton tiefer gelegt sind.

Grüße
Jürgen
Karolus Minus (09.02.2011, 17:36):
Hallo Jürgen,

nein, ich meinte Callas/di Stefano aus Mexiko und Pavarotti in mindestens zwei Live-Aufnahmen (Met und RAI).
Bei den Studio-Einspielungen kann man ja immer noch mal einen Ton oder eine Phrase extra aufnehmen und reinschneiden, da geht dann eventuell, was der Sänger in der Aufführung nicht schafft.
Gruß
Karolus -
Severina (09.02.2011, 18:13):
Original von Karolus Minus
Liebe Fairy Queen,

hier der Link für den Tenor: http://www.youtube.com/watch?v=omm1iEeQj-Q

Was die Spezies Tenor angeht: als Calleja in Wien oben die Töne NICHT durchsang, ist er von entsprechender Publikumsseite ziemlich angegriffen worden (was einiges über die musikalischen Qualitäten diverser sogenannter Belcanto-Fans aussagt...). Er mußte sich allerdings wohl nicht ganz zu Unrecht vorhalten lassen, daß er nicht bewußt stilistisch sondern wohl eher in Richtung für ihn machbar entschieden hatte.

Liebe Grüße
Karolus -

Lieber Karolus,

falls Du die letzte Puritani-Serie mit Calleja meinst, ging es dabei bei Gott nicht um nicht ausgesungene Spitzentöne, sondern dass er schlicht und einfach überfordert und schlecht war. Er hat dann ja auch dankenswerter Weise das Handtuch geworfen, und Shalva Mukeria ist für ihn eingesprungen. Der Großteil der Publikums - mich eingeschlossen - hört doch gar nicht, ob das nun ein F oder ein Halbton drunter ist, was man allerdings sehr wohl hört, ob ein Sänger einigermaßen ohne Krampf dort landet, wo er hin wollte. Und bei Calleja bereitete mir damals schon das bloße Zuhören Schmerzen....

lg Sevi :hello (Belcantofan :wink )
Fairy Queen (09.02.2011, 18:17):
Lieber Karolus, danke für den Link beeindruckend- ein grosses Talent und ein guter darsteller obendrein! Mir macht das gar ncihts, wenn das f ein bisschen wie einer Ente auf den Schwanz getreten klingt. ein Arturo der alles hat und kann ist schlechterdings nach Rubini nciht mehr gewesen und DER sang einen halben Ton tiefer und im Falsett. Wenn sich jemand aufregt, wenn ein Tenor das einfach nicht schafft, soll er entweder selber singen oder mal Musikgeschichte studieren. Was Calleja angeht, hat der allerdings wirklich nicht die Höhe für diese Bellini-Partie und ist klug genug, das auch zu wissen. Mein Favorit ist und bleibt der junge Pavarotti- eine so herrliche Stimme- egal ob transponiert oder nicht- und zusammen mit der jungen Freni einfach umwerfend!
Die beste Elvira aller Zeiten ist für michCallas mit ihrer allerersten Aufnahme von "O rendetemi la speme" (ich glaube 1949 oder 50, da muss ich nachsehen. Da bleibt mir die Spucke weg und als ich das zum ersten Mal gehôrt habe, konnte ich nur noch weinen vor Glûck. Diese Arie mit diesem Schockerlebnis Callas war übrigens ein wesentlicher Grund für mich, verspâtet noch intensiv Gesang zu studieren. Ich darf sie nächstes Jahr dann bei der Abschlussprüfung singen, von mir aus auch mit 10 Enten die mir dabei auf den Schwanz treten.. egal! :engel

Was das Inszenierungskonzept angeht: mir leuchtet das total ein und es bestätigt genau das, was ich zu Bellinis Frauenfiguren und dem Schicksals Siziliens gesagt hatte(stammt von Dominique Fernandez, einem Mitglied der Academie Française): die Frau/ die Insel als politische Verfügungsmasse. was bleibt da übrig, als in Wahnsinn zu verfallen und zu resignieren?
Sich wehren hat keinen Sinn, man verliert jede Hoffnung und den glauben in die politischen Machthaber und im Untergrund entseht dann so ganz nebenbei die angeblich volksnâhere Gegenregierung namens Mafia.

F.Q.

P.S. ich sehe dass ich mich mit Sevi gekreuzt habe, allerdings kreizen wir nicht die klingen wegen Calleja...... das ist er mir nciht wert! :D
Severina (09.02.2011, 18:58):
Original von Fairy Queen

P.S. ich sehe dass ich mich mit Sevi gekreuzt habe, allerdings kreizen wir nicht die klingen wegen Calleja...... das ist er mir nciht wert! :D

:D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D

lg Sevi :engel
Karolus Minus (09.02.2011, 19:45):
Liebe Sevi,

ich weiß schlicht nicht mehr, wann das mit Calleja war. Ich weiß nur, daß ich damals anderweitig die Klinge gekreuzt habe aus stilistischen Gründen, weil ihm dort vorgeworfen wurde "wenn nicht im Forte, dann soll er die Partie lassen", was ich in der geäußerten Form einen Blödsinn fand. An das F wird er sich eh nicht getraut haben, wobei er sich in bester Gesellschaft befindet, selbst ein Alfredo Kraus hat da "nur" ein zweites D gesungen, ebenso Chris Merritt.

Liebe Grüße
Karolus -
Dulcamara (10.02.2011, 18:03):
Liebe Fairy und auch Ihr anderen, Ihr scheint alle in Sachen Bellini sehr bewandert. Könnt Ihr ein gutes Buch o.ä. empfehlen? Darf gerne wissenschaftlich sein.
Fairy Queen (11.02.2011, 08:54):
Lieber Dulcamara, es gibt erstaunlich wenig Literatur zu Bellini. Ich bin ein total unwissenschaftlicher Fan, aber habe mir aus diversen Quellen alles mögliche rausgelesen. Von Klavierauszügen, uber die tolle frz. Serie "avant-scène", Büchern über Maria Malibran und den Belcanto und diversen
Abhandlungen zur Romantik oder den Wahnsinn in der Oper. Es gibt eine angebliche Referenz-Monographie"Bellini" von Pierre Brunel beim Fayard Verlag, in frz. Sprache, dazu kann ich noch ncihts sagen. In Italien gibt es sicherlich einiges mehr, ich werde im April in Sizilien sein und auch zu Bellinis Geburtsort pilgern, evtl finde ich da mehr. Wenn Du spezielle Fragen hast, kann ich evtl aus meinem disperaten Fundus schonmal weiterhelfen.

F.Q.
Dulcamara (11.02.2011, 09:17):
Fairy, vielen Dank! Das war nämlich auch mein Eindruck, dass es sehr wenig gibt. Über Donizetti gibt da ja erstaunlicherweise schon mehr, insbesondere das tolle Buch "Donizetti and his operas" von Ashbrook. Ich habe mir gleich mal die von Dir genannte Biografie bestellt, werde nach Lektüre berichten.
Fairy Queen (11.02.2011, 09:25):
O ja, bitte!!!!! :engel
Ich berichte dann live aus Catania :wink
F.Q.
Fairy Queen (18.11.2013, 15:37):
Zwar nicht in Essen aber in Paris(wusste nicht in welchem Thread ich das posten kann...): ich habe heute eine Premierenkarte für Bellinis Puritani in Paris/ Opera Bastille ergattert und bin überglücklich, meine Lieblingsoper endlich mal live auf der Bühne zu sehen. Dazu noch inszeniert von Laurent Pelly!!! Dirigent ist Michele Mariotti und von einem Italiener erwarte ich, auch wenn er mir unbekannt ist, standesgemâssen Belcanto. Ich kann es kaum glauben nachdem ich schon jahrelang darauf warte und gestern rein zufällig in Paris ein Plakat entdeckt habe. Dei Sänger kenne ich zwar überwiegend nicht (Arturo Dmitri Korchak, Elvira Maria Agresta) aber mit Pelly werden sie so schlecht ja nicht sein kônnen, der hat einen Ruf zu verlieren. Falls zufällig jemand auch da ist oder falls ihr einen Bericht wünscht, meldet euch.
liebe belliniselige Grüsse :leb :engel
palestrina (18.11.2013, 17:46):
Liebste Feen Königin,

ja bitte einen Bericht !!!!! :engel

LG palestrina
Severina (18.11.2013, 19:00):
Liebe Fairy,

jaaaa, natürlich einen Bericht!!!! Bin neugierig, wie Du Korchak findest, als Don Ramiro war er leider keine Offenbarung.....
lg Sevi :hello
nikolaus (18.11.2013, 22:37):
Original von Fairy Queen
Elvira Maria Agresta
liebe belliniselige Grüsse :leb :engel

Sie habe ich in Verdis Requiem gehört.
Für meinen Geschmack hat sie eine sehr, sehr schöne, unverbrauchte Stimme; ich bin gespannt, wie sie Dir gefällt (also erwarte ich natürlich einen Bericht… :wink ).

Was man über Pellys Inszenierung auf der homepage der Opéra im Interview hören und im Modell sehen kann, erscheint mir vielversprechend, auf jeden Fall sehr ästhetisch.

Ich hoffe, Du hast einen grandiosen Abend nächste Woche.

Neugierig, Nikolaus.
Fairy Queen (19.11.2013, 10:21):
Danke für eure lieben Beiträge :thanks
Ich habe mir das Interview mit Pelly zu der Inszenieirung angehört und finde die Grundidee, ganz wie du Nikolaus, zumindest schon mal sehr ästhetisch ansprechend. Mich hat es zunâchst etwas gewundert, dass Pelly diese Oper inszeniert und das steigert natürlich noch meine freudige Erwartung. Bellini ist meiner Erfahrung nach sehr schwierig auf die Bühne zu bringen, die Libretti sind oft nicht besonders stimmig in sich und oft nicht gerade von herausragender literarischer Qualität (um es vorsichtig zu sagen... :D.). Alles dreht sich um den Gesang, um die Gesangslinien von einzigartiger Schônheit, die m.E. so kein anderer Komponist erreicht hat. Die Inszenierung muss bei Bellini absolut dem Gesang dienen und das, was ich in dem kurzen Video gesehen habe , deutet darauf hin. Ich bin auch ein grosser Fan von Chantal Thomas - sie schafft meistens das richtige Mass zwischen historischen Anklângen auf die jeweilige Oper und moderner Interpretation. Bellini in hässlichem Ambiente oder unâsthetischen Kostümen ist für mich jedenfalls unvorstellbar.
Pelly sagt, er habe Elvira als Figur zum Ausgangspunkt seiner Arbeit genommen und tatsächlich sind ja bei Bellini immer die Frauenfiguren und ihr unlösbarer Konflikt zwischen Innen-und Aussenwelt der Dreh-und Angelpunkt. Ich werde euch mit Freuden nâchste Woche berichten und natürlich ganz besonders genau bei den Sängern hinhören- bei einer Oper die ich quasi auswendig kenne, ist das nicht allzu schwer. Es handelt sich um eine der am schwierigsten zu besetzenden Opern überhaupt, die damals von den 4 Superstars der Opernszene gesungen wurde. Die Ansprüche sind wirklich gigantisch und allein die Tatsache dass die Puritani aufgeführt werden und man vier Sänger dazu gefunden hat ist für mich schon ein Grund zum Jubeln. Bellinis Musik verzeiht, anders als etwa Puccini ioder Wagner, dem Sänger rein gar ncihts. Man hört Alles und unter dem Diktat absoluter Melodie-Schönheit hilft weder Ausdruck noch Spiel um evtl Schwächen zu kompensieren. Für mich ist Bellini in all seiner melodischen Sanftheit einer der grausamsten Komponisten überhaupt- wer sich dem als Sänger aussetzt, braucht sehr viel Mut.
F.Q.
Severina (19.11.2013, 11:20):
Liebe Fairy,
Du hast es auf den Punkt gebracht. der Arturo z.B. ist die einzige Tenorpartie, die sogar ein Juan Diego Flórez nicht so locker aus dem Ärmel schüttelt, wie man es von ihm gewohnt ist. Da stößt auch er an seine Grenzen.

lg Sevi :hello
palestrina (19.11.2013, 13:46):
Original von Fairy Queen
Die beste Elvira aller Zeiten ist für michCallas mit ihrer allerersten Aufnahme von "O rendetemi la speme" (ich glaube 1949 oder 50, da muss ich nachsehen. Da bleibt mir die Spucke weg und als ich das zum ersten Mal gehôrt habe, konnte ich nur noch weinen vor Glûck. Diese Arie mit diesem Schockerlebnis Callas war übrigens ein wesentlicher Grund für mich, verspâtet noch intensiv Gesang zu studieren.
:down :down :down :down :down :down

Bin eben beim hören der Sutherland/Pavarotti GA , für mich immer noch ein Fest !
Man mag mich STEINIGEN , TEEREN u. FEDERN aber ich stehe dazu!!!!!!!
Mit den beiden fing meine Belcanto LIEBE an !

Weiter oben wurde mal nach Literatur gefragt......

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Das Programmheft der Bayerischen Staatsoper über I PURITANI ist sehr Lesenswert !
Damals 3.Juli 2000 sang Paul Groves den Arturo , und der konnte das !
Elvira , Edita Gruberova .

LG palestrina