"Ihr habt nun Traurigkeit" - Brahms: Ein deutsches Requiem

Carola (08.04.2006, 16:08):
Als opus 45 veröffentlicht, wurde das Requiem "nach Worten der Heiligen Schrift" im Jahr 1868 in Bremen uraufgeführt. Es ist Brahms erstes großes Werk für Soli, Chor und Orchester.


http://akademisk.kor.dk/brequiem.jpg
http://www.sherwoodphoto.com/press/brahms/brahms_requiem.gif


Die Texte der insgesamt 7 Sätze hat Brahms selbst aus dem Alten und Neuen Testament der Bibel ausgewählt, seine Auswahl weicht dabei stark vom traditionellen, lateinischem Messetext eines Requiems ab. Nicht das "Jüngste Gericht" steht im Vordergrund, sondern Trost und Zuversicht. Reclam spricht in diesem Zusammenhang vom "meditativen und zusprechenden Charakter" des Werks.

Dieser Charakter wird neben der Textauswahl natürlich auch durch die Musik selbst vermittelt. Sie ist unendlich ergreifend, düstere Todesklage und tiefe Erschütterung geht ihm Verlauf des Requiems immer deutlicher in leuchtende Hoffnung und Zuversicht über.

Wie geht es Euch mit diesem Werk? Empfindet Ihr es als eher deprimierend oder letztlich doch als tröstlich? Oder noch etwas ganz anderes?

Was die Aufnahmen angeht, so besitze ich selber nur eine einzige. Diese gefällt mir allerdings so gut, dass ich noch nie das Bedürfnis nach einer weiteren Aufnahme verspürt habe. Es ist die von Gardiner aus dem Jahr 1990.


http://www.jpc.de/image/middle/front/0/6016915.jpg

Aber vielleicht gibt es ja noch andere Spitzeneinspielungen?

fragt Carola
Zelenka (08.04.2006, 16:39):
Ich habe diese Aufnahmen:

Stader, Wiener, Chor der St. Hedwigs-Kathedrale, Berliner Motettenchor, BPO, Lehmann ADD DG Originals 4577102

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001H02.03.LZZZZZZZ.jpg

Grümmer, Fischer-Dieskau, Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin, Forster, BPO, Kempe ADD EMI Références CDH7647052

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000DOCO.03.LZZZZZZZ.jpg

Schwarzkopf, Fischer-Dieskau, Philharmonia Chorus and O, Klemperer ADD EMI Great Recordings of the Century CDM5669032

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00002439A.03.LZZZZZZZ.gif

Price, Ramey, Ambrosian Singers, McCarthy, RPO, Frau Mutters Ehemann DDD

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00005OBR3.03.LZZZZZZZ.jpg

Besonders die ersten drei Aufnahmen sind gewiß kein Hifi. Meist hält man Klemperer für den großen Klassiker, aber die Schwarzkopf hatte hier nicht ihre größte Stunde. E. Grümmer singt besser für Kempe. Bei Lehmann ist vielleicht ein wenig zu langsam. Previns Aufnahme ist überraschend schlüssig und gut.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (08.04.2006, 18:07):
Hallo Carola,

ich mag Brahms deutsches Requiem.
Bisher besitze und schätze ich die Aufnahme von P. Herreweghe



Eine Frage zu der Gardiner Aufnahme.

Wie kommt der Monteverdi Chor mit der deutschen Textvorlage zurecht?

Kenn ihn bisher als hervorragenden Chor.
Carola (08.04.2006, 19:29):
Original von Rachmaninov
Hallo Carola,

Eine Frage zu der Gardiner Aufnahme.

Wie kommt der Monteverdi Chor mit der deutschen Textvorlage zurecht?

Kenn ihn bisher als hervorragenden Chor.


Hallo Rachmaninov,

ich habe gerade noch mal in die Gardiner-Aufnahme reingehört und besonders auf die Textverständlichkeit geachtet. Die ist wirklich sehr gut, ich kann keinerlei Akzent heraushören. Das gilt im übrigen auch für die Sopranistin Charlotte Margiono und den Bariton Rodney Gilfry.

Auch die - wenn man so will - Hauptrisiken bei Gardiner, nämlich das Tempo (manchmal zu schnell) und die nicht immer überzeugenden Solisten sind hier beim Brahms-Requiem beide kein Problem.

Die Aufnahme mit Herreweghe würde mich im Prinzip ebenfalls reizen, aber es gibt einfach noch zu viele Werke, von denen ich bisher noch gar keine (gute) Aufnahme habe.

Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (08.04.2006, 19:31):
@Carola,

danke.

Das hatte ich erwartet und erhofft von diesem hervorragenden (vielleicht besten) Chor.

Richard
Jascha Horenstein (09.04.2006, 23:10):
Meine liebste Aufnahme ist weiterhin jene von Carlo Maria Giulini auf DGG. Eine Aufnahme, die den Transfer in die CD Ära leider bisher nicht geschafft hat.
Telramund (10.04.2006, 01:07):
Original von Zelenka
Besonders die ersten drei Aufnahmen sind gewiß kein Hifi. Meist hält man Klemperer für den großen Klassiker, aber die Schwarzkopf hatte hier nicht ihre größte Stunde. E. Grümmer singt besser für Kempe. Bei Lehmann ist vielleicht ein wenig zu langsam. Previns Aufnahme ist überraschend schlüssig und gut.

Gruß,

Zelenka

Irrtum.
Die Aufnahme mit Klemperer ist 1961 aufgenommen worden und sehr wohl Stereo.
Jascha Horenstein (10.04.2006, 01:21):
HiFi ist keine Bezeichung für Mono oder Stereo. Zumal ich zB. Erstpressungen von György Cziffra besitze, die einiges später datiert sind und dennoch in Mono aufgenommen wurden.

Allerdings besteht natürlich die Möglichkeit, daß die Digitalisierung negative Ergebnisse zollte. Keine seltene Erfahrungen übrigens, erst neulich im Direktvergleich der Debussy Einspielungen von Martinon konnte ich mich dessen mal wieder überzeugen. Die CDs klingen vergleichsweise unhörbar.
Zelenka (10.04.2006, 07:34):
Original von Telramund
Original von Zelenka
Besonders die ersten drei Aufnahmen sind gewiß kein Hifi. Meist hält man Klemperer für den großen Klassiker, aber die Schwarzkopf hatte hier nicht ihre größte Stunde. E. Grümmer singt besser für Kempe. Bei Lehmann ist vielleicht ein wenig zu langsam. Previns Aufnahme ist überraschend schlüssig und gut.

Gruß,

Zelenka

Irrtum.
Die Aufnahme mit Klemperer ist 1961 aufgenommen worden und sehr wohl Stereo.

Lieber Telramund:

Vielen Dank für die Korrektur! Ich hatte allerdings nicht behauptet, daß die Klemperer-Aufnahme eine Mono-Aufnahme sei. Das Klangbild ist hier trotzdem nicht sehr differenziert und durchsichtig (im Vergleich zur Gardiner-Aufnahme, die Carola vorgestellt hatte), und Bandrauschen mag auch den einen oder anderen etwas stören. Ansonsten soll hier nicht am klassischen Status der Aufnahme gekratzt werden.

Gruß,

Zelenka
Telramund (10.04.2006, 22:59):
Hallo Zelenka,

stimmt, da war ich meinem jugendlichen Leichtsinn wohl ein wenig voreilig :wink .

Obwohl, was bedeutet "Hifi" bei CDs? Zwischen Klemperer und Gardiner liegen fast 30 Jahre. Da wäre es geradezu vermessen annehmen zu wollen, daß Klemperer den gleichen klanglichen Ansprüchen genügt wie Gardiner (was auch niemand behauptet hat).
martin (14.04.2006, 12:43):
Was kostet eigentlich der Klemperer? Ich hatte ihn nämlich mal auf LP und er gefiel mir sehr gut! Auf CD habe ich den Previn. Der klingt natürlich besser, aber die Klemperereinspielung ist mir unvergeßlich geblieben.
Rachmaninov (14.04.2006, 13:01):
Original von martin
Was kostet eigentlich der Klemperer? Ich hatte ihn nämlich mal auf LP und er gefiel mir sehr gut! Auf CD habe ich den Previn. Der klingt natürlich besser, aber die Klemperereinspielung ist mir unvergeßlich geblieben.

Martin,
die Aufnahmen aus der great recordings Reihe kosten üblicherweise zwischen 9 -10 €.
martin (14.04.2006, 13:11):
Lieber Rachmaninov,

das habe ich befürchtet. Ich finde das ganz schön teuer für so alte Aufnahmen. Aber ich fand diese Einspielung klasse und ich hole sie mir mal irgendwann. Momentan habe ich sowieso noch einen Berg von CDs, die ich immer noch nicht oder nur unzureichend gehört habe ( daraus könnte man auch mal einen Thread machen, weil das glaube ich vielen so geht!)

Gruß Martin
Jascha Horenstein (21.04.2006, 12:03):
Kennt jemand die Karajan Einspielung von 1964 mit Gundula Janowitz und Eberhardt Waechter?
Carola (08.04.2006, 16:08):
Als opus 45 veröffentlicht, wurde das Requiem "nach Worten der Heiligen Schrift" im Jahr 1868 in Bremen uraufgeführt. Es ist Brahms erstes großes Werk für Soli, Chor und Orchester.


http://akademisk.kor.dk/brequiem.jpg
http://www.sherwoodphoto.com/press/brahms/brahms_requiem.gif


Die Texte der insgesamt 7 Sätze hat Brahms selbst aus dem Alten und Neuen Testament der Bibel ausgewählt, seine Auswahl weicht dabei stark vom traditionellen, lateinischem Messetext eines Requiems ab. Nicht das "Jüngste Gericht" steht im Vordergrund, sondern Trost und Zuversicht. Reclam spricht in diesem Zusammenhang vom "meditativen und zusprechenden Charakter" des Werks.

Dieser Charakter wird neben der Textauswahl natürlich auch durch die Musik selbst vermittelt. Sie ist unendlich ergreifend, düstere Todesklage und tiefe Erschütterung geht ihm Verlauf des Requiems immer deutlicher in leuchtende Hoffnung und Zuversicht über.

Wie geht es Euch mit diesem Werk? Empfindet Ihr es als eher deprimierend oder letztlich doch als tröstlich? Oder noch etwas ganz anderes?

Was die Aufnahmen angeht, so besitze ich selber nur eine einzige. Diese gefällt mir allerdings so gut, dass ich noch nie das Bedürfnis nach einer weiteren Aufnahme verspürt habe. Es ist die von Gardiner aus dem Jahr 1990.


http://www.jpc.de/image/middle/front/0/6016915.jpg

Aber vielleicht gibt es ja noch andere Spitzeneinspielungen?

fragt Carola
Zelenka (08.04.2006, 16:39):
Ich habe diese Aufnahmen:

Stader, Wiener, Chor der St. Hedwigs-Kathedrale, Berliner Motettenchor, BPO, Lehmann ADD DG Originals 4577102

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001H02.03.LZZZZZZZ.jpg

Grümmer, Fischer-Dieskau, Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin, Forster, BPO, Kempe ADD EMI Références CDH7647052

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000DOCO.03.LZZZZZZZ.jpg

Schwarzkopf, Fischer-Dieskau, Philharmonia Chorus and O, Klemperer ADD EMI Great Recordings of the Century CDM5669032

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00002439A.03.LZZZZZZZ.gif

Price, Ramey, Ambrosian Singers, McCarthy, RPO, Frau Mutters Ehemann DDD

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00005OBR3.03.LZZZZZZZ.jpg

Besonders die ersten drei Aufnahmen sind gewiß kein Hifi. Meist hält man Klemperer für den großen Klassiker, aber die Schwarzkopf hatte hier nicht ihre größte Stunde. E. Grümmer singt besser für Kempe. Bei Lehmann ist vielleicht ein wenig zu langsam. Previns Aufnahme ist überraschend schlüssig und gut.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (08.04.2006, 18:07):
Hallo Carola,

ich mag Brahms deutsches Requiem.
Bisher besitze und schätze ich die Aufnahme von P. Herreweghe



Eine Frage zu der Gardiner Aufnahme.

Wie kommt der Monteverdi Chor mit der deutschen Textvorlage zurecht?

Kenn ihn bisher als hervorragenden Chor.
Carola (08.04.2006, 19:29):
Original von Rachmaninov
Hallo Carola,

Eine Frage zu der Gardiner Aufnahme.

Wie kommt der Monteverdi Chor mit der deutschen Textvorlage zurecht?

Kenn ihn bisher als hervorragenden Chor.


Hallo Rachmaninov,

ich habe gerade noch mal in die Gardiner-Aufnahme reingehört und besonders auf die Textverständlichkeit geachtet. Die ist wirklich sehr gut, ich kann keinerlei Akzent heraushören. Das gilt im übrigen auch für die Sopranistin Charlotte Margiono und den Bariton Rodney Gilfry.

Auch die - wenn man so will - Hauptrisiken bei Gardiner, nämlich das Tempo (manchmal zu schnell) und die nicht immer überzeugenden Solisten sind hier beim Brahms-Requiem beide kein Problem.

Die Aufnahme mit Herreweghe würde mich im Prinzip ebenfalls reizen, aber es gibt einfach noch zu viele Werke, von denen ich bisher noch gar keine (gute) Aufnahme habe.

Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (08.04.2006, 19:31):
@Carola,

danke.

Das hatte ich erwartet und erhofft von diesem hervorragenden (vielleicht besten) Chor.

Richard
Jascha Horenstein (09.04.2006, 23:10):
Meine liebste Aufnahme ist weiterhin jene von Carlo Maria Giulini auf DGG. Eine Aufnahme, die den Transfer in die CD Ära leider bisher nicht geschafft hat.
Telramund (10.04.2006, 01:07):
Original von Zelenka
Besonders die ersten drei Aufnahmen sind gewiß kein Hifi. Meist hält man Klemperer für den großen Klassiker, aber die Schwarzkopf hatte hier nicht ihre größte Stunde. E. Grümmer singt besser für Kempe. Bei Lehmann ist vielleicht ein wenig zu langsam. Previns Aufnahme ist überraschend schlüssig und gut.

Gruß,

Zelenka

Irrtum.
Die Aufnahme mit Klemperer ist 1961 aufgenommen worden und sehr wohl Stereo.
Jascha Horenstein (10.04.2006, 01:21):
HiFi ist keine Bezeichung für Mono oder Stereo. Zumal ich zB. Erstpressungen von György Cziffra besitze, die einiges später datiert sind und dennoch in Mono aufgenommen wurden.

Allerdings besteht natürlich die Möglichkeit, daß die Digitalisierung negative Ergebnisse zollte. Keine seltene Erfahrungen übrigens, erst neulich im Direktvergleich der Debussy Einspielungen von Martinon konnte ich mich dessen mal wieder überzeugen. Die CDs klingen vergleichsweise unhörbar.
Zelenka (10.04.2006, 07:34):
Original von Telramund
Original von Zelenka
Besonders die ersten drei Aufnahmen sind gewiß kein Hifi. Meist hält man Klemperer für den großen Klassiker, aber die Schwarzkopf hatte hier nicht ihre größte Stunde. E. Grümmer singt besser für Kempe. Bei Lehmann ist vielleicht ein wenig zu langsam. Previns Aufnahme ist überraschend schlüssig und gut.

Gruß,

Zelenka

Irrtum.
Die Aufnahme mit Klemperer ist 1961 aufgenommen worden und sehr wohl Stereo.

Lieber Telramund:

Vielen Dank für die Korrektur! Ich hatte allerdings nicht behauptet, daß die Klemperer-Aufnahme eine Mono-Aufnahme sei. Das Klangbild ist hier trotzdem nicht sehr differenziert und durchsichtig (im Vergleich zur Gardiner-Aufnahme, die Carola vorgestellt hatte), und Bandrauschen mag auch den einen oder anderen etwas stören. Ansonsten soll hier nicht am klassischen Status der Aufnahme gekratzt werden.

Gruß,

Zelenka
Telramund (10.04.2006, 22:59):
Hallo Zelenka,

stimmt, da war ich meinem jugendlichen Leichtsinn wohl ein wenig voreilig :wink .

Obwohl, was bedeutet "Hifi" bei CDs? Zwischen Klemperer und Gardiner liegen fast 30 Jahre. Da wäre es geradezu vermessen annehmen zu wollen, daß Klemperer den gleichen klanglichen Ansprüchen genügt wie Gardiner (was auch niemand behauptet hat).
martin (14.04.2006, 12:43):
Was kostet eigentlich der Klemperer? Ich hatte ihn nämlich mal auf LP und er gefiel mir sehr gut! Auf CD habe ich den Previn. Der klingt natürlich besser, aber die Klemperereinspielung ist mir unvergeßlich geblieben.
Carola (16.08.2008, 22:25):
Die weiter oben von Rachmaninov erwähnte Herreweghe-Einspielung ist inzwischen in der "hmGold"-Reihe wieder aufgelegt worden


http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0794881852024.jpg

und nun für um die 10 € zu haben. Mir gefällt sie sehr gut. Obwohl es sich um eine Live-Aufnahme handelt, ist glücklicherweise vom Publikum nichts zu hören.

Gruß, Carola
Kantate (20.08.2008, 21:17):
Das Deutsche Requiem ist große Klasse! - Es ist mit Abstand das Beste aller Reqiems, die ich kenne! Habe es im Chor schon viele Male gesungen. Von daher kenne ich es sehr gut!

Ja, die hoch philosophischen Texte aus der Bibel, die Brahms für seine Komposition hergenommen hat, sind grandios!
Es ist der Wechsel von zuerst Verzweiflung, dann Hoffnung.
Der letzte Teil des Werkes stimmt dann wieder musikalisch mit dem Beginn überein. Somit schließt sich der Kreis!

Freundliche Grüße,

Kantate :wink
jünter (24.08.2008, 18:53):
Hallo allerseits,

als großer Brahms-Fan, aber leichter Skeptiker in Sachen Chor-/Vokalmusik habe ich mich nun auch diesem Werk genähert und bin davon sehr angetan.

Bei einem ersten Hörvergleich von

· Giulini/WPh 1987 (DGG)
· Kubelik/BayRSO 1978 (audite)
· Norrington L.Cl.Pl. 1992 (EMI/Virgin)
· Previn RoyalPO 1986 (Apex/Teldec)

hat mir die Aufnahme mit Kubelik eindeutig am besten gefallen.

Meine Frage: Die vielgerühmte Live-Einspielung mit Abbado und den Berliner Philharmonikern von 1992

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028943751728.jpg

wurde hier noch nicht genannt (MP3-Schipsel zum Download habe ich leider nicht gefunden). Was halten die Kenner der Materie von Abbados Requiem?


Grüße, jünter
Amadé (24.08.2008, 20:00):
Hallo jünter,

bitte unten www klicken und dann zu Brahms gehen.

Grüße Amadé
jünter (25.08.2008, 07:26):
bitte unten www klicken und dann zu Brahms gehen.

Hallo Amade´,

auf die Abbado-Einspielung bin ich durch die Liste auf Deiner Webseite aufmerksam geworden.
Trotzdem danke für den Hinweis.

Gruß, jünter
jünter (02.10.2008, 14:18):
Liebe Brahmsianer (oder wie wärs mit „Brahmanen“?),

ich setze meinen obigen Beitrag zum Thema jetzt - da sich mein Angetansein von diesem grandiosen Werk zu heller Begeisterung gesteigert hat - mal fort und berichte über die 2 Aufnahmen,

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028943751728.jpg

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0794881852024.jpg

die ich mir in kurzem Abstand zugelegt habe:

Abbado: „warm“, emotional (ich bin versucht zu sagen „katholisch“), großer Dynamikumfang. Eindringlicher kann man die Tragik einerseits und die Hoffnung andererseits, die das Requiem prägen, wohl kaum musikalisch ausdrücken. Für meinen Geschmack göttlich: der 5. Satz mit Cheryl Studers dunklem, glutvollen Timbre :down :engel.

Herreweghe: eher protestantisch-kühl, um die Stereoplay 11/96 zu zitieren: „...mit heilig-nüchternem Ernst“, treffender kann ich es auch nicht ausdrücken.
Perfekte Balance zwischen Chor und Solisten, klanglich erstklassig.

Wenn ich gezwungen wäre zwischen den beiden zu wählen, würde ich mich wohl für die in sich äußerst stimmige und den „brahmsschen“ Ton des Werks wohl besser treffende Herreweghe-Aufnahme entscheiden.
Aber auch Abbados Einspielung möchte ich– schon allein wegen des für diesen Thread namensstiftenden 5. Satzes mit C. Studer – keinesfalls mehr missen.

Nachtrag zur Kubelik-Aufnahme: die Balance Chor/Solisten scheint mir nicht immer geglückt zu sein (Solistin im 5. Satz viel zu vordergründig).

Grüße, jünter
Leif Erikson (18.11.2008, 22:36):
Von diesem Werk gibt es auch eine Einspielung von Frieder Bernius, die ich für die beste halte.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4009350832008.jpg


Gruß, Leif.
ab (04.12.2008, 10:31):
Zelenka hatte mir einst diese empfohlen:

JOHANNES BRAHMS
Ein deutsches Requiem
Maria Stader · Otto Wiener
Chor der St. Hedwigs-Kathedrale
Berliner Motettenchor
Berliner Philharmoniker
Fritz Lehmann
http://www.deutschegrammophon.com/imgs/s150x150/4577102.jpg

:down :times10 :down :engel

(Hatte Fritz Lehmann eigentlich irgend etwas mit der Sängerin Lotte Lehmann zu tun?)
Agravain (25.10.2009, 14:45):
Wie kann diese Einspielung hier nur fehlen?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61HAHTV8YQL._SS500_.gif
jünter (11.04.2010, 13:38):
Für mich als "Süchtigen" in Bezug auf dieses Werk wird es höchste Zeit, die berühmte Kempe Aufnahme von 1955 mit Elisabeth Grümmer und DiFiDi endlich meiner Sammlung hinzuzufügen.

Ich habe entdeckt, dass es neben der hier schon gezeigten EMIReferences-CD

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0077776470528.jpg

noch eine erst im letzten Jahr erschienene Naxos-Ausgabe

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0747313334223.jpg

gibt.

Ist eine der beiden die klangtechnisch bessere oder ist auch das Remastering bei beiden CDs identisch?
Auf dem Naxos-Cover steht ein gewisser Mark Obert-Thorn als "Reissue Producer and Audio Restoration Engineer", die Angaben auf der im Internet zu sehenden EMI-Rückseite sind leider beim besten Willen nicht zu entziffern.

Gruß, jünter
Heike (12.03.2012, 20:11):
Ich höre gerade mal wieder diese Aufnahme und sehe, dass sie hier noch nicht besprochen wurde:



Der Star dieser CD ist für mich der Rundfunkchor Berlin. Dieses sensationell homogene, saubere piano hat mich live schon ganz oft fast im Sitz anfrieren lassen vor Ehrfurcht, ein wenig davon ist gut auf der CD eingefangen. Auch sonst lupenrein intoniert und doch textverständlich, vor allem mit beeindruckend variiertem Ausdruck gesungen. Es handelt sich um eine live- Aufnahme von 2006 aus der Philharmonie, man hört den typischen, etwas trockenen Klang. Die Philharmoniker klingen für Rattle erstaunlich durchsichtig und fließend. Er nimmt aber die Tempi getragen, fast erhaben. Eine strenge Interpretation, die in ihrer Intensität bei mir passagenweise Betroffenheit erzeugt - weil es mich fesselt. Leider ist es in der Stringenz nicht so ganz durchgehalten, manchmal macht Rattle dann (v.a. dynamisch) schon wieder fast zu viel des Guten, was bei der hervorragenden Intensität von Chor und Orchester gar nicht nötig wäre.

Leider gibt es auch einen richtigen Wermutstropfen für mich: Ich bin sowieso kein großer Quasthoff- Fan, und hier finde ich seine Leistung besonders störend. Das ist ein Requiem, keine Oper. Sein Gesang ist artifiziell, überartikuliert, angestrengt, wenig berührend. Auch manchmal nicht schön intoniert. Demgegenüber kann ich mich an Röschmann etwas mehr erfreuen, aber auch nicht beglücken - sie klingt innig, meistert auch die Höhen und strahllt die nötige Tiefe im Empfinden aus. Schade, dass sie ihr Vibrato nicht etwas mehr zurücknehmen konnte, dann geht doch die Schlichtheit etwas flöten.

Nun, es ist nicht alles Gute beieinander und eine Aufnahme, die mir rundum gefällt, suche ich immer noch weiter.

Heike
Armin70 (12.03.2012, 21:28):
Von dem "Deutschen Requiem" kann ich auch nicht genug Aufnahmen haben. Nach dem ich bereits Einspielungen von Abbado, Gardiner, Masur und Rilling habe, kaufte ich mir Ende letzten Jahres diese Aufnahme:



Von den mir vorliegenden Aufnahmen steht diese ganz klar auf dem 1. Platz, weil die Sopranistin Genia Kühmeier mit einer bewundernswerten und dadurch berührenden Innigkeit, ohne störendes Vibrato singt. Thomas Hampson singt kraftvoll aber nie übertrieben forciert. Der Arnold Schönberg-Chor singt sehr homogen und entfaltet eine tolle Leuchtkraft in seinem Klang und man kann ihn von daher auch als heimliche Star dieser Aufnahme bezeichnen. Dazu kommt der dunkel-goldene aber stets transparente Luxusklang der Wiener Philharmoniker.

Nikolaus Harnoncourt wählt zwar insgesamt langsame Tempi aber er versteht es meiner Meinung nach hervorragend, die Spannung stets zu halten und nie abreissen zu lassen.

Aber ich fürchte, dass ich auch um die in Kürze erscheinende Neuaufnahme, d. h. sie entstand immerhin bereits schon 2007, nicht vorbei kommen werde:



Katherine Fuge, Sopran
Matthew Brook, Bariton
Monteverdi Choir
Orchestre Révolutionnaire et Romantique
John Eliot Gardiner
Heike (12.03.2012, 21:55):
Kann jemand was zu der Aufnahme sagen? Die kenne ich noch nicht, ich finde sie aber allein schon wegen Dessay interessant:



Die Harnoncourt-Aufnahme kenne ich, habe ich aber ewig nicht gehört. Die kommt demnächst mal wieder in den Player, im Moment habe ich die gar nicht mehr mental präsent.
Heike
nikolaus (12.03.2012, 22:00):
Zufall?

Unabhängig von den neuen postings zu diesem thread höre ich gerade die Herrweghe-Aufnahme (weiter oben bereits erwähnt).

Nikolaus.
Heike (13.03.2012, 22:16):
Das ist einfach sehr sehr schöne Musik, die man immer mal wieder hören kann (muss), Zufall oder nicht, egal.

Meine Lieblings- Textstellen sind übrigens die folgenden drei:

Selig sind, die da Leid tragen,
denn sie sollen getröstet werden.
(Matthäus 5,4)

Ich will euch trösten,
wie einen seine Mutter tröstet.
(Jesaja 66, 13)

und

Siehe, ich sage Euch ein Geheimnis:
Wir werden nicht alle entschlafen,
wir werden aber alle verwandelt werden;
und dasselbige plötzlich in einem Augenblick,
zu der Zeit der letzten Posaune.
(1 Korinther 15)

Heike
Heike (13.03.2012, 22:38):
Ein spannendes Thema, für das ich bisher noch keine Muße hatte, ist zweifellos auch die Klavierfassung des Requiems, von der es ja auch einige interessante Einspielungen gibt.

Das Besondere: Brahms selbst hat eine Fassung für Chor und Klavier zu vier Händen erarbeitet, die bei der ersten Aufführung des Werks in London benutzt wurde. Auch der heute normalerweise verwendete Klavierauszug stammt von Brahms selbst.

Ich fürchte (ich weiß), da warten noch einige Entdeckungen. Hat sich schon jemand damit befasst?
Heike
Armin70 (13.03.2012, 22:56):
Original von Heike
Kann jemand was zu der Aufnahme sagen? Die kenne ich noch nicht, ich finde sie aber allein schon wegen Dessay interessant:



Meine Eindrücke nach dem Anhören dieser Aufnahme sind sehr zwiegespalten und ich versuche mal, das zu begründen:

Zunächst ist der Schwedische Rundfunkchor (zusammen mit dem Eric Ericson-Kammerchor wirkte er auch in Abbados Aufnahme mit) wirklich sehr gut aber leider ist für mich die Klangbalance zwischen Chor und Orchester nicht optimal, d. h. gerade in den Fort-/Fortissimostellen ist mir der Chor zu sehr im Hintergrund.

Das Orchester ist dafür sehr transparent von der Klangtechnik eingefangen und man hört Details, die sonst eher untergehen aber das ist mir bei diesem Werk zu wenig, denn da hätte man mehr Augenmerk auf den Chor legen müssen. Fast hatte ich den Eindruck, als wenn Järvi das Orchester wichtiger als der Chor war.

Der Beginn des ersten Satzes "Selig sind, die da Leid tragen" war mir etwas zu vordergründig und bei den Fortissimo-Stellen im zweiten Satz "Denn alles Fleisch es ist wie Gras" fehlte mir die chorale Wucht. Am gelungensten fand ich den letzten Satz "Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben", wo Järvi den würdevollen, tröstenden Charakter dieses Stücks ganz gut trifft.

Mit den beiden Gesangssolisten bin ich ehrlich gesagt nicht zufrieden: Natalie Dessay singt mir mit zu viel Vibrato. Das hat mich sehr irritiert und von ihrer Aufnahme mit Bach-Kantaten kannte ich das so überhaupt nicht. Des weiteren schien sie mir auch Probleme mit der Höhe zu haben, weil es mir zu angestrengt klang. Der Bariton Ludovic Tézier singt mit zu starkem Akzent und im dritten Satz "Herr, lehre doch mich" war er mir auch nicht so ganz intonationssicher.

Mein persönliches Fazit:
Schade, denn mit anderen Solisten wäre mehr drin gewesen, weil man mit einem sehr guten Chor und einem sehr guten Orchester hier gute Voraussetzungen zu einer wirklich guten Aufnahme hatte. Leider verschenkte man dies, weil die Klangtechnik das Orchester etwas zu sehr bevorzugte.
Armin70 (14.03.2012, 22:23):

(Aufnahme: 05./06. Juli 1983, Orchestral Hall, Chicago)

Von dieser Aufnahme bin ich sehr beeindruckt und zwar aus folgenden Gründen:

Der groß besetzte Chor singt saftig-kraftvoll und bedingt auch durch die für meinen Geschmack hervorragende Balance zum Orchester läßt sich der Chor auch in den Fortissimo-Passagen nie vom Orchester klanglich zudecken. Die klanglichen Reserven des Chors sind grandios. Des weiteren ist der Chor aber auch sehr variabel, denn die zurückgenommenen-lyrischen Stellen gestaltet der Chor mit einer schönen Innigkeit.

James Levine versteht es zudem sehr gut, dass das Orchester nie zu vordergründig klingt, sondern das Orchester bildet hier das wohlklingende Fundament, so wie sich Johannes Brahms das wohl auch so vorgestellt hat. Die Tempi sind teilweise sehr langsam aber Levine schafft es meiner Meinung nach die aufgebaute Spannung nicht nur zu halten, sondern diese auch zu steigern, z. B. die abschliessende Fuge des 3. Satzes, die bei anderen Dirigenten eher zum Pflichtstück gerät, wird hier toll gestaltet.

Der Bariton Håkan Hagegård singt sehr textverständlich und im Vergleich zum Bariton in Järvis Aufnahme habe ich bei Hagegård auch den Eindruck, dass er versteht, was er singt.

Wie Kathleen Battle das Sopransolo im 5. Satz singt ist zum Dahinschmelzen. Zwar singt sie mit Vibrato aber das merkt man gar nicht bzw. ich empfinde es nicht als störend, weil ihre Interpretation eine Wärme ausstrahlt, die voll zu Herzen geht. Wenn ich eine für mich persönliche "Ideal-Interpretation" des "Deutschen Requiem" zusammenstellen müsste, wäre Kathleen Battle mit diesem 5. Satz in jedem Fall dabei.

Insgesamt hat mich diese Aufnahme voll gepackt und berührt.
Armin70 (14.03.2012, 22:51):
Original von Heike
Ein spannendes Thema, für das ich bisher noch keine Muße hatte, ist zweifellos auch die Klavierfassung des Requiems, von der es ja auch einige interessante Einspielungen gibt.

Das Besondere: Brahms selbst hat eine Fassung für Chor und Klavier zu vier Händen erarbeitet, die bei der ersten Aufführung des Werks in London benutzt wurde. Auch der heute normalerweise verwendete Klavierauszug stammt von Brahms selbst.

Ich fürchte (ich weiß), da warten noch einige Entdeckungen. Hat sich schon jemand damit befasst?
Heike

Soweit ich weiss, stammt von Johannes Brahms selbst eine Bearbeitung des "Deutschen Requiems" für Klavier zu vier Händen. Diese Bearbeitung ist aber ohne Gesangssolisten und Chor und Brahms hat diese Stimmen geschickt in den vierhändigen Klaviersatz eingearbeitet. Meist wird aber eine vierhändige Bearbeitung mit Gesangssolisten und Chor aufgeführt, wie bei der erstmaligen Aufführung in London 1871. Ob das nun eine weitere Bearbeitung ist oder ob man schlicht und einfach zu Brahms`eigener Bearbeitung die originalen Solisten- und Chorpartien hinzufügte, weiss ich nicht.

Unabhängig davon kann ich mir das schon reizvoll vorstellen, das "Deutsche Requiem" mal in einer kammermusikalischen Version zu hören. Einen Eindruck kann man sich anhand dieses interessanten Ausschnitts mit dem 5. Satzes "Ihr habt nun Traurigkeit" machen:

"http://www.youtube.com/watch?v=oGtdjIMwwWo"
Solitaire (15.03.2012, 07:30):
Ich singe es gerade im Chor, und es ist wirklich wunderbare Musik. Allerdings fürchte ich, daß es eigentlich an der Grenze dessen liegt, was Wald-und Wiesen-Kirchenchöre wirklich, ich meine WIRKLICH hinkriegen. Die Töne sind nicht unüberwindlich schwer, die Höhe ist mit etwas Übung, gutem Einsingen und ab und an einem zugedrückten Auge halbwegs achtbar hinzukriegen. Aber die Dynamik...die hat es wirklich in sich und ich fürchte, dafür fehlt es mir und meinen Mitstreitern dann doch etwas am Können und an der Technik. Aber Freude macht es, und Brahms wird hoffentlich unsere guten Absichten für die Tat nehmen :cool
Heute Abend ist wieder Probe :leb
Heike (15.03.2012, 08:15):
Lieber Armin,
Wie Kathleen Battle das Sopransolo im 5. Satz singt ist zum Dahinschmelzen. Zwar singt sie mit Vibrato aber das merkt man gar nicht bzw. ich empfinde es nicht als störend, weil ihre Interpretation eine Wärme ausstrahlt, die voll zu Herzen geht. Wenn ich eine für mich persönliche "Ideal-Interpretation" des "Deutschen Requiem" zusammenstellen müsste, wäre Kathleen Battle mit diesem 5. Satz in jedem Fall dabei.
Kathleen Battle kenne ich z.B. aus der Aufnahme von Poulencs Gloria - da fand ich sie sooooo phantastisch - quasi engelsgleich - dass ich seitdem ein Fan von ihr bin. Von daher glaube ich sofort, dass sie das Requiem wundervoll singt. Ich klicke die CD mal gkeich auf meinen Merkzettel.

@Solitaire: Respekt! und weiterhin viel Spaß beim proben!
Heike
Solitaire (15.03.2012, 09:54):
Ichhabe Kathleen Battle am Montag mit dem Sopranpart aus der"Schöpfung" gehört und bin hingerissen von ihr! Ich mag sie auch sehr!
Armin70 (15.03.2012, 16:13):
Diese Aufnahme von Haydns "Die Schöpfung" mag ich auch sehr, was auch an Kathleen Battle liegt.

Hier habe ich einen Ausschnitt aus dem "Deutschen Requiem" gefunden, wo Kathleen Battle auch das Sopransolo singt. Zwar wählt HvK ein recht langsames Tempo aber das hat was:
"http://www.youtube.com/watch?v=I_gLcp8-i_8"
Heike (01.04.2012, 13:46):
Ich höre gerade das Requiem in der Klavierfassung hier auf simfy.



Der Rundfunkchor Berlin hat die Klavierfassung beim Label Coviello Classics aufgenommen – mit Philip Mayers und Phillip Moll am Flügel, Marlis Petersen und Konrad Jarnot in den Solopartien und Chefdirigent Simon Halsey am Pult Der Rundfunkchor tritt mit seinem transparenten und homogenen Gesang noch mehr in den Vordergrund. Ganz wunderbar singt auch Marlis Petersen den Solopart. Konrad Jarnot finde ich ok, aber vielleicht einen Tick zu dramatisch. Die Klavierstimmen sind in der Begleitung nicht sehr auffällig, es fehlt mir aber auch absolut nichts. Im Gegenteil, das Werk gewinnt an Intensität. Das geht vermutlich aber nur mit einem so großartigen Chor.
Agravain (10.11.2012, 09:20):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51SDl5ySUCL._SL500_AA300_.jpg

Lucia Popp, Thomas Allen
London Philharmonic Choir
London Philharmonic Orchestra
Klaus Tennstedt

Royal Albert Hall, 26.08.1984

12:30 / 15:04 / 10:19 / 05:37 / 07:21 / 11:52 / 12:48

Dieser Mittschnitt einer Aufführung des Werkes unter der Leitung von Klaus Tennstedt begegnet dem Hörer als Aufnahme der ausgesprochen intensiven Momente. Sie ist geprägt von geradezu himmlischen Augenblicken bei gleichzeitigem Fehlen eines großen Bogens, einer Gesamtschau und eines durchgehenden Gefühls des Trostes. Tennstedt habe sich nichts geschenkt, heißt es in einem kurzen Nachruf auf ihn im "Spiegel" und tatsächlich ist es dieses Moment, das hier ganz stark durchbricht. Es ist eine leidenschaftliche, dabei aber auch eine zerrissene Interpretation.

Ganz und gar begeistert bin ich vom ersten Satz. Da geht Tennstedt mit einem sehr weichen Ton an die Sache. Die tiefen Viertel sind kaum als Einzeltöne vernehmbar, der Chiaroscuro-Charakter des Satzes wird herrlich getroffen, die Momente, in denen das Helle durch das Dunkel scheint sind atemberaubend. Die ungewöhnlich breiten Ritardandi in T. 61 ff. und der Parallelstelle in T. 94 sind höchst eindrucksvoll. Der Chor (obgleich die Vokale bisweilen doch deutlich englisch gefärbt sind) steuert einen schönen, weichen Klang bei und arbeitet die vielen crescendi und decrescendi wunderbar heraus.

Der zweite Satz beginnt vollkommen anders als bspw. bei Levine. Ebnet dieser die marschartige Rhythmik ein, so nimmt Tennstedt das Thema geradezu zackig, die Punktierung (Sechzehntel) wird ausgesprochen spät genommen, sodass es fast wie eine Doppelpunktierung klingt, was das Zackige noch unterstreicht. Der Chor setzt sich sehr schwer auf seine Halben (Denn alles Fleisch es ist wie Gras), was ich auf die Dauer nicht überzeugend finde. Zudem schleicht sich hier etwas ein, das sich durch diesen und die nächsten vier Sätze zieht: das Piano (von den Pianissimi nicht zu sprechen) sind nicht wirklich leise, sondern bewegen sich meist im Bereich des Mezzoforte, was es oft problematisch macht, dynamische Steigerungen umzusetzen, ohne ins Schreien zu kommen. So gefällt mir das recht laut umgesetzte "So seid nun geduldig" auch nur wenig. Dann die Fuge. Selten habe ich dergleichen gehört, denn Tennstedt gestaltet hier keinen vor Freude jubelnden Abschnitt, sondern wählt ein ausgesprochen vehementes Tempo (Allegro non troppo?), entfacht eine wilde Jagd und überschreitet dabei vollkommen die Grenze zwischen Enthusiasmierung und Manie. Hier freut sich einer rasend, schon fast brutal. Ganz eigenartig.

Sehr gut gefällt mir Thomas Allen im dritten Satz, der die aus dem Text sprechende Verzweiflung sehr schön transportiert: "Herr, lehre doch mich..." - hier hört man sehr deutlich, dass der Sprecher dieser Zeilen noch nicht abgeklärt ist, sondern mit dem Gedanken kämpft, dass ein Ende mit ihm haben bzw. er davon muss. Groß auch das Aufbegehren in Takt 142 ff. ("Nun, Herr, wes soll ich mich trösten?"). Hier hört man: Verzweiflung ist Tennstedts Sache, echte Freude nicht so sehr, denn auch die sich anschließende Fuge hat wieder jenen gehetzt-manischen Charakter wie schon im zweiten Satz.

Der vierte Satz ist durchweg zu laut, im Orchester sehr mulmig und überzeugt mich in seiner Gesamtheit am wenigsten.

Wenn Lucia Popp im fünften Satz einsetzt, dann mag man schnell denken, sie sei zu dem Zeitpunkt nicht mehr so ganz auf der Höhe ihrer Möglichkeiten gewesen. Zunächst wirkt ihre Stimme deutlich schwerer als gewohnt und sie neigt dazu, bei Punktierungen oder angebundenen Noten zu treiben. Ich habe die ganze Zeit über das Gefühl, sie war nicht mit Tennstedts Tempo einverstanden. Nach einiger Zeit ist sie eingesungen und liefert besonders in den letzten Takten eine berückend schöne Darstellung.

Der sechste Satz gelingt eher durchschnittlich. Fuge wieder wieder wild.

Höhepunkt ist dann der siebte Satz. Endlich gibt es wieder ein Piano, sogar kaum noch hörbare Pianissimi. Die Verheißung der Ruhe nach den Plagen und Mühen der Welt scheint Tennstedt ausgesprochen inspiriert zu haben. Es reiht sich ein berückender Moment an den nächsten, das Leben verblasst, der Tod verliert seinen Schrecken und die Seele geht glücklich auf in Gott.

:hello Agravain
nikolaus (10.11.2012, 19:52):
Ich kenne die Aufnahme nicht, aber Du hast sie unglaublich anschaulich - oder besser "anhörlich" beschrieben. :down

Danke!

Nikolaus
Agravain (11.11.2012, 08:48):
Original von nikolaus
Ich kenne die Aufnahme nicht, aber Du hast sie unglaublich anschaulich - oder besser "anhörlich" beschrieben. :down

Danke!

Nikolaus

Vielen Dank für den positiven Rücklauf! Ich freue mich immer, wenn meine Texte gelesen werden und andere Forianer erreichen.

:hello Agravain
palestrina (04.04.2013, 10:53):
Hallo zusammen !
Heute morgen gehört , und dann im Thread gelesen !
Brahms "Ein deutsches Requiem"
Da ich im Moment auf dem George London Trip bin!
Die Aufnahme ist von '54 , und ich bin immer noch total begeistert von dieser erhabenen
Einspielung, GL ist immer noch eine Wucht. Und I. Seefried hat beseelten Wohllaut zu bieten.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0074646446928.jpg

Die anderen beiden Aufnahmen habe ich wegen van Dam bei Karajan und die Shaw
Aufnahme wegen A. Auger gekauft .
Die Shaw Aufnahme ist nicht ganz mein Fall, aber A. Auger ist schon besonders gut.
Das Orchester und der Chor bieten dass Requiem wie ein engl .Oratorium dar !
Und R. Stilwell singt völlig Emotionslos seinen Text.
Da ist die Karajan Aufnahme von ganz anderem Kaliber , Chöre super Orchester
fantastisch und B. Hendricks gibt der Traurigkeit eine besondere Tiefe!
Und allen voran Jose van Dam , einfach eine Klasse für sich !!!!!!!
Eine sehr zu empfehlende Aufnahme.
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0089408009228.jpg

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028943165129.jpg

LG palestrina
Falstaff (29.09.2017, 23:37):
Wie geht es Euch mit diesem Werk? Empfindet Ihr es als eher deprimierend oder letztlich doch als tröstlich? Oder noch etwas ganz anderes?
Wir in Hamburg hatten das große Glück zum Buß-und-Bettag im Hamburger Michel (St. Michaelis Kirche) immer eine Aufführung des Brahmschen Requiems in wirklich toller Besetzung hören zu können.

Und ich habe es nie als deprimierend empfunden, sondern immer durch und durch als tröstlich und, wie soll ich es nennen, als 'umarmend'' empfunden. Angefangen von meinem ersten Requiem mit Margaret Price bis hin zu einem der letzten und wirklich überwältigenden mit Varady und Hampson unter der Leitung von Fischer-Dieskau. Immer ging ich 'aufgenommen' und 'angenommen' aus der Kirche wieder heraus.

Von daher liebe ich das Requiem geradezu über alles. Und habe auch entsprechend eine ganze Reihe von Aufnahmen. Der frühe Karajan oder die berühmte Klemperer-Aufnahme. Aber am liebsten ist mir eigentlich diese hier:



Furtwängler - Schwarzkopf, Hotter, Luzern 1947.

Grauenhafte Tonqualität, aber im Unterschied zu seiner Stockholmer Aufnahme hat er hier eben Schwarzkopf und Hotter zur Verfügung. Die ganz junge Schwarzkopf, eben erst unter die durchaus strengen Fittiche von Walter Legge gekommen. Das ist so beseelt und überirdisch!

Furtwängler ist eben Furtwängler. Das ist eigen, ganz persönlich, aber für mich genau die richtige Herangehensweise.

Hier die Sopran-Arie:

https://www.youtube.com/watch?v=ZtJ_sfwjLuU

Wie gesagt, die Tonqualität ist unterirdisch, aber die Schwarzkopf umfängt mich hier, wie keine andere Sopranistin sonst.

:hello Falstaff
Don Perlimplin (30.09.2017, 12:06):
Hallo Falstaff,

das "Deutsche Requiem" habe ich als Schüler kennengelernt, es wurde in der Aula des Gymnasiums aufgeführt. Trotz der mäßigen Akustik hat das Werk sofort einen großen Eindruck auf mich gemacht, und - es war um 1960 - kurz später habe ich mir folgende Aufnahme gekauft:

Sie wurde 1955 aufgenommen, noch in Mono, aber sie ist, trotz der vielen Alternativen, die ich mir später beschafft habe (u.a. Klemperer, Solti, Karajan (3x), Sinopoli, Maazel, Walter) bis heute meine liebste geblieben. Das mag auch nostalgische Gründe haben, aber sie wird ja auch von anderen immer wieder hochgelobt. Ich zitiere hier aus einem Schallplattenführer von 1959, in dem Christoph Ecke schreibt: "Nur selten ragt eine Aufnahme so sehr unter ihresgleichen hervor wie diejenige von Kempe; die Sänger Elisabeth Grümmer und Fischer-Dieskau sind nur zum Teil der Grund, auch der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin, so einzigartig seine Kunst sein mag, ist nicht entscheidend. Aber in der Interpretation von Kempe besitzen wir eine Leistung, wie sie auch diesem großen Dirigenten nicht immer gelingt. Es ist, als ob er den Geist, der die Aufführung beherrscht, aus einer anderen Welt herbeigeholt hätte, um dem Hörer den Ernst, aber auch den Trost, der von dem Werk ausgeht, nachdrücklich zu vermitteln und sie zum bleibenden Gewinn zu machen. Ich zähle diese Aufnahme zu den besten der gesamten deutschen Produktion".
Natürlich muss man berücksichtigen, dass diese Zeilen 1959 geschrieben wurden, und seitdem unzählige Neuaufnahmen auf den Markt gekommen sind. Aber ich finde, dass Kempes Aufnahme trotz der mäßigen Klangtechnik bis heute irgendwie mit der Aura des Besonderen behaftet ist.
Nun zu Furtwängler mit Elisabeth Schwarzkopf von 1947. Ich kannte die Version nicht und habe sie mir eben angehört. Schwarzkopf singt zweifellos betörend und berührend, wesentlich überzeugender und vor allem frischer als in der ansonsten großartigen Klemperer-Aufnahme. Das hängt zum Teil aber auch mit Furtwängler zusammen, der trotz des extrem langsamen Tempos (9.11 min.) eine großartige Spannung aufrecht erhält. Zum Vergleich: Klemperer braucht für den Satz 6.54 min., obwohl er doch allgemein für seine "Langsamkeit" berühmt war. Kempe benötigt immerhin 8.06 min.
Es gibt aber noch eine Aufnahme mit Elisabeth Schwarzkopf, die praktisch gleichzeitig mit der Luzerner Furtwängler-Aufführung entstanden ist, und zwar diese:



aufgenommen 20.-29.10.1947 in Wien, Produzent: Walter Legge.
Karajan benötigt für den Satz "Ihr habt nun Traurigkeit" 7.10 min., ist also um 2 Minuten schneller als Furtwängler. Elisabeth Schwarzkopf singt für meine Begriffe ebenso schön wie unter Furtwängler, trotz der rascheren Zeitmaße. Entscheidend für mich ist, dass die Klangqualität wesentlich besser als als in dem Furtwängler-Mitschnitt, und die Wiener Philharmoniker sind dem Luzerner Festspielorchester deutlich überlegen. Die CD ist übrigens bei Amazon z.Zt. zu einem Spottpreis erhältlich.
Falstaff (30.09.2017, 20:25):
Lieber Don Perlimplin, beide Aufnahmen habe, kenne und schätze ich auch. Aber so wie du mit Kempe sozialisiert wurdest, geschah das bei mir mit Klemperer, weshalb ich an der Aufnahme immer noch hänge. Und dann hängt mein Herz einfach an Furtwängler. Daher mein Hang zu seinen beiden GA und den Ausschnitten aus Wien.

Aber ich kann verstehen, dass man bei der Luzerner Aufnahme wirklich zusammenzuckt.

LG Falstaff
Don Perlimplin (30.09.2017, 21:29):
Lieber Falstaff,

auch ich habe zu der Klemperer-Aufnahme eine besondere Beziehung, und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens zählt Otto Klemperer zu meinen absoluten Lieblingsdirigenten (es gibt kaum eine Nachkriegsaufnahme von ihm, die nicht in meinem Schrank steht), und außerdem war seine Version meine allererste Stereo-Aufnahme des Werks. Zudem bin ich ein Schwarzkopf-Verehrer, aber ich glaube doch, dass sie 1947 unter Furtwängler und Karajan schöner und auch frischer gesungen hat. Mir kommt es so vor, als ob sie während der Klemperer-Aufnahme nicht ihren besten Tag hatte. Aber ich glaube, manche heutige Sopranistin wäre froh, wenn sie an ihrem besten Tag so gut singen würde wie die große Elisabeth bei Klemperer.

LG, Perlimplin
Falstaff (30.09.2017, 21:43):
Zudem bin ich ein Schwarzkopf-Verehrer
:beer
aber ich glaube doch, dass sie 1947 unter Furtwängler und Karajan schöner und auch frischer gesungen hat
Lieber Don Perlimplin, das ist mit Sicherheit so. Ab den frühen Sechzigern schlich sich schon manches Mal etwas leicht 'Säuerliches' in ihr Timbre ein. Etwas, was z.B. bei der ein Jahr später erfolgten Così-Aufnahme doch sehr auffällt.
Aber ich glaube, manche heutige Sopranistin wäre froh, wenn sie an ihrem besten Tag so gut singen würde wie die große Elisabeth bei Klemperer.
Unterschreibe ich sofort. :)

LG Falstaff
Don Perlimplin (30.09.2017, 21:59):
Etwas, was z.B. bei der ein Jahr später erfolgten Così-Aufnahme doch sehr auffällt.
Hallo Falstaff,
volle Zustimmung! Sie hält bei Böhm den Vergleich mit ihrer Karajan-Così von 1954 nicht aus, obwohl sie auch 1962 unter Böhm noch eine Fiordiligi singt, von der sich manch eine heute eine Scheibe abschneiden könnte. Bei Böhm halte ich eigentlich nur Christa Ludwig als Dorabella besser als Nan Merriman bei Karajan. Simoneau und Kraus halten sich die Waage, obwohl ich Simoneau noch um einen ganz kleinen Kick vorziehe. Ein ganz besonderes Lob hat die viel zu wenig beachtete Lisa Otto verdient, die unter Karajan (in meinen Ohren) eine zauberhafte Despina singt. Doch eigentlich gehört das ja gar nicht hierhin .....
Wenden wir uns wieder dem Brahms-Requiem zu: Ganz toll finde ich Gundula Janowitz in der Karajan-Aufnahme von 1964, ebenso die Grümmer unter Kempe. Dagegen hat mich die oft so hoch gelobte Tomowa-Sintow in der Karajan-Version von 1976 enttäuscht, zu laut und zu unsensibel. Aber vielleicht ist das Geschmacksache .....

LG, Perlimplin
Falstaff (30.09.2017, 22:09):
Lieber Don Perlimplin, volle Zustimmung was die Così, aber auch die Sängerinnen im Requiem angeht.
Grümmer ist, eigentlich wie immer, ein Klasse für sich. Ebenso die Janowitz. Tomowa-Sintow ist viel zu wenig beseelt und irgendwie auch hölzern.

Traumhaft finde ich auch:

https://www.youtube.com/watch?v=XsHp_04x96M

Vielleicht v.a., weil sie in meinem allerersten Requiem damals sang und ich völlig entrückt war. Diese Stimme in dem riesigen Kirchengewölbe!

LG Falstaff
Don Perlimplin (30.09.2017, 23:15):
Hallo Falstaff,

ja, die leider bereits verstorbene Margaret Price war eine fantastische Sängerin.
Ich hatte das große Glück, sie einmal hier in der tiefsten Provinz zu erleben, in einem Konzert in der Pfarrkirche von Wassenach (in der Nähe vom Laacher See). Dort hat sich vor Jahren Prof. Rudolf Ewerhart angesiedelt und gab bis vor einigen Jahren regelmäßig Konzerte, zu denen er namhafte Künstler einlud, einmal auch Margaret Price. Das ist allerdings auch schon wieder mindestens 15 Jahre her. Ewerhart hat jahrelang mit dem Collegium aureum zusammengearbeitet und kennt viele bedeutende Künstler persönlich. Dadurch war es ihm möglich, sie hierhin zu locken. Wassenach ist ein Ort mit nicht mal 1000 Einwohnern, aber was der Ewerhart dort über die Jahre an Musik veranstaltet hat, das war schon vom Feinsten.
Auf LP habe ich Margaret Price mit Lieder von Schubert, begleitet wird sie von Wolfgang Sawallisch. Sie singt zauberhaft schön. Sie war international bekannt und berühmt, nicht zuletzt wegen ihrer Isolde in Carlos Kleibers Tristan-Aufnahme. Allerdings fand ich sie in der Rolle schon etwas grenzwertig, aber trotzdem sehr hörenswert.

LG, Perlimplin
Don Perlimplin (30.09.2017, 23:19):
Noch ein kurzer Nachtrag:

Ich werde mir die Price mit Brahms baldmöglichst anhören, heute ist es leider zu spät dafür.
Noch eine Frage. Stammt diese Aufnahme aus ihrer Studioproduktion mit Previn, oder aus dem Mitschnitt unter Sawallisch?

Gute Nacht :hello Perlimplin.
Falstaff (01.10.2017, 00:38):
Auf LP habe ich Margaret Price mit Lieder von Schubert, begleitet wird sie von Wolfgang Sawallisch. Sie singt zauberhaft schön.
Lieber Don Perlimplin, das ist eine ganz starke Lieder-Aufnahme, wirklich wunderschön, ein Highlight.
Sie war international bekannt und berühmt, nicht zuletzt wegen ihrer Isolde in Carlos Kleibers Tristan-Aufnahme. Allerdings fand ich sie in der Rolle schon etwas grenzwertig, aber trotzdem sehr hörenswert.
Gerade bei diesem Tristan mag ich sie auch nicht besonders. Aber das gilt für die ganze Produktion. Sie ist viel zu leicht für eine Isolde. Ihre wirkliche Stärke war wohl Mozart, auch wenn sie in den letzten Jahren ja viel Verdi gesungen hat.

Der Ausschnitt stammt wohl aus der Previn-Aufnahme.

LG Falstaff
Don Perlimplin (03.10.2017, 16:19):
Ich werde mir die Price mit Brahms baldmöglichst anhören
Hallo Falstaff,

das habe ich nun endlich gemacht, und ich bin wirklich begeistert. Eine wunderbar beseelte Interpretation, die sich nicht hinter Janowitz (bei Karajan) oder Cotrubas (bei Maazel) verstecken muss.
Ich habe gesehen, dass man die Previn-Aufnahme bei Amazon für wenig Geld erwerben kann, aber bei mir stehen bereits ca. 10 Brahms-Requiem. Es fehlt die Zeit, es fehlt der Platz ......
Aber ich freue mich, dass Du auf diese Version aufmerksam gemacht hast. Margaret Price war schon eine ganz großartige Sängerin!

LG, Perlimplin
Falstaff (03.10.2017, 21:39):
Margaret Price war schon eine ganz großartige Sängerin!
Oh ja, man vermisst sie doch sehr. Einzig als Isolde finde ich sie nicht optimal. Da habe ich ein anderes Klangbild im Ohr. Aber Kleiber wollte halt die leichte Stimme und ich kann verstehen, dass die Price dem nachgegeben hat.

LG Falstaff
Don Perlimplin (04.10.2017, 10:37):
ich kann verstehen, dass die Price dem nachgegeben hat
Lieber Falstaff,

es gibt sicher nur wenige Sängerinnen, die einer solchen Verlockung nicht erliegen würden. Spontan fällt mir da Christa Ludwig ein, die die Isolde als ihre Traumrolle angesehen hat und vielfach gedrängt wurde, die Partie zu übernehmen, aber letztlich hat sie dem doch widerstanden. Zum Glück, kann man nur sagen. Wer weiß, ob ihre Stimme nicht ernsthaften Schaden genommen hätte. Ihre Aufnahme des "Liebestod" lässt so etwas schon befürchten.
Margaret Price hat wohl die Rolle auch nur für die Kleiber-Aufnahme gesungen, nicht auf der Bühne.

LG, Perlimplin
Leopold (06.06.2021, 13:48):
Hallo alle

Ich bin schon lange mit der vielzitierten Klemperer-Aufnahme von 1961 unterwegs, bei der mich vor allem Fischer-Dieskau immer wieder überzeugt und berührt. Ich finde die von Brahms selbst ausgesuchten Bibelstellen aus dem AT und dem NT sehr gut, sie sind sehr persönlich, weichen vom gängigen Requiem ab und erfüllen weit vor dem heutigen Zeitgeist das Kriterium der Achtsamkeit.

Brahms hat das alles mit 35 gemacht. Die Sätze fangen traurig an, schliessen aber mit tröstenden Worten. So finde ich, dass er, auf seine Art, sehr gut an Bach anschliesst und in ähnliche spirituelle Dimensionen kommt. Wieviel besser ist das doch als Bruckner, wie viel wärmer als Beethoven.

Für mich ist auch die Aufnahme von Kempe sehr gelungen, bei der Fischer-Dieskau ebenfalls im Einsatz steht. Sie fliesst wie aus einem Guss. Elisabeth Grümmer singt wunderbar, geradezu sphärisch. Meine Vinyl von EMI (vermutlich 80er) ist tontechnisch und von der Pressung her ausgezeichnet und praktisch ohne Knackser, obwohl eine Mono von 1955. Das Klangbild ist trotzdem fein differenziert.

Die BP sind grandios, der Chor ist (zeitbedingt?) für meinen Geschmack bei den Frauen sehr schön, bei den Männern etwas dünkelhaft. Das ist aber der einzige winzige Kritikpunkt und nicht entscheidend. Kempe ist unglaublich gut am Pult. Die Aufnahme wirkt noch immer frisch und aktuell. Die „neueren“ Einspielungen von Gardiner und Herreweghe, die sicher sehr gut sind, kenne ich noch nicht.
Philidor (06.06.2021, 13:51):
Die „neueren“ Einspielungen von Gardiner und Herreweghe, die sicher sehr gut sind, kenne ich noch nicht.
Ich kenne keine Aufnahme, die so sehr auf die jenseitigen Aspekte des Werkes hinweist, wie die von Herreweghe. Geradezu transzendent.

Ansonsten empfehle ich Kegels Aufnahme (der durch Selbstmord aus dem Leben schied) für einen geradezu trotzigen Zugang zu Text und Musik.

Gruß
Philidor

:hello
Amadé (06.06.2021, 18:27):
Hallo Leopold,
willkommen in unserem Forum.

Neben Kempe möchte ich noch die Aufnahme des fast vergessenen Fritz Lehmann stellen, die etwa ein Vierteljahr vor der Kempe-Platte in Berlin eingespielt wurde. Mit demselben Orchester und demselben Chor, für die DGG. Bei den Solisten gefällt mir Grümmer besser als Maria Stader, Fischer-Dieskaus Singen gefällt mir weniger, da er sehr viel Ausdruck hineinlegt, da ziehe ich den schlichteren Vortrag von Otto Wiener bei Lehmann vor.
Der Hinweis von Philidor auf Herbert Kegel hat seine Berechtigung, auch was die Sänger anbelangt.

Gruß Amadé