Florestan (17.01.2014, 18:52): Das haben wir noch gebraucht:
Neben dem Vogel des Jahres (Grünspecht) und dem Baum des Jahres (Traubeneiche) wurde zum Instrument des Jahres 2014 die Viola, vulgo Bratsche (von Viola da Braccia, also Armgeige im Gegensatz zur Viola da Gamba, also Kniegeige) gekürt. Wer hätte das gedacht von einem Instrument, dessen Spieler so häufig dem Spott ausgesetzt sind. (Warum meiden Bratschisten den Friedhof? -- Zu viele Kreuze). Vielleicht ist die Kür als späte Wiedergutmachung gedacht. Also Freunde, ordentlich Bratschenmusik hören (z.B. Hindemith oder Reger).
Florestan (Pseudonym des Jahres 2010)
Katka (03.10.2015, 16:45): Das Musikinstrument des Jahres 2015 ist übrigens das Waldhorn. Für das Instrument des Jahres (im Allgemeinen) gibt es sogar eine Webseite.
Hosenrolle1 (03.10.2015, 17:17): Ich verstehe sowieso nicht, wieso die Viola irgendwelche Nachteile oder schlechteren Eigenschaften als ihre Streicherkollegen haben sollte. Sie ist doch ein genauso vollwertiges, schönes, herrliches Instrument wie die anderen auch!
Berlioz hat sich damit schon beschäftigt, als er schrieb:
Von allen Instrumenten im Orchester ist die Viola dasjenige, dessen ausgezeichnete Eigenschaften man am längsten verkannt hat. Sie ist ebenso behend wie die Violine, der Ton ihrer tiefen Saiten besitzt einen eigentümlichen, herben Klang, während ihre Töne in der Höhe einen traurig, leidenschaftlichen Ausdruck annehmen; ihr Klangcharakter im allgemeinen ist von tiefer Schwermut und unterscheidet sich merklich von dem der anderen Streichinstrumente. Gleichwohl ist sie lange Zeit unberücksichtigt geblieben, oder nur, ebenso gehalt- wie nutzlos, dazu verwendet worden: die Ballstimme in der höheren Oktave zu verdoppeln. Verschiedene Ursachen vereinigten sich zu dieser ungerechten Dienststellung dieses edlen Instrumentes.
Erstlich wußten die Meister des 18. Jahrhunderts, da sie selten real vierstimmig setzten, zum größten Teile nicht recht, was sie mit der Viola machen sollten; wenn sie nicht gleich einige Noten fanden, die sie ihr zur Ausfüllung der Harmonie geben konnten, so zögerten sie nicht, das leidige col basso hinzuschreiben, und zwar bisweilen mit so großer Unaufmerksamkeit, daß eine Oktavenverdoppelung der Baßstimme daraus entstand, die bald mit der Harmonie, bald mit der Melodieführung, bald mit beiden zugleich in Widerspruch geriet.
LG, Hosenrolle1
Katka (03.10.2015, 17:37): Mir gefällt die Viola auch, hat sie doch einen sanfteren, ruhigeren Klang als z. B. die Violine. Nichts gegen die Violine, aber mir gefallen die tieferen Instrumente vom Klang her meist besser.
Ich kenne das selbst von der süßen kleinen, aber manchmal piepsigen Sopraninoblockflöte. Wenn ich auf ihr viel üben muss, greife ich zwischendurch öfters mal auf auf die Altblockflöte zurück. Beide sind F-Flöten, werden also gleich gegriffen, nur dass die Sopraninoflöte nur etwa halb so groß ist wie die Altblockflöte und deshalb eben eine Oktave höher. Auf Dauer muss man sie zugegebenermaßen schon sehr gut spielen können, damit ihr Klang erträglich ist (Ein prima Beispiel hierfür ist Giovanni Antonini vom Ensemble "Giardino Armonico", es gibt auf Youtube mehrere Aufnahmen - da klingt die Sopraninoflöte wirklich schön). Und so setze ich die Sopraninoflöte bei meinen Kompositionen eher für besondere Effekte ein (etwa "Meerschweinchenquieken").
Die Altblockflöte klingt wesentlich ruhiger. Nicht umsonst war sie im Barock das bevorzugte Soloinstrument der Blockflötenfamilie.
satie (03.10.2015, 18:42): Hallo Katka, an dieser Stelle ein herzliches Willkommen im Forum! Ich habe noch gar nicht alle Beiträge von Dir gelesen, freue mich aber über einen so fleißigen Neuzugang. Die Blockflöte ist ein ebenso verkanntes Instrument wie die Viola, da kann ich vollstens zustimmen.
Herzliche Grüße Satie
EinTon (03.10.2015, 19:25): Original von Hosenrolle1 Ich verstehe sowieso nicht, wieso die Viola irgendwelche Nachteile oder schlechteren Eigenschaften als ihre Streicherkollegen haben sollte. Sie ist doch ein genauso vollwertiges, schönes, herrliches Instrument wie die anderen auch!
LG, Hosenrolle1
Nachdem, was ich so gehört habe, wird (bzw. wurde) sie deshalb nicht so häufig als Soloinstrument eingesetzt (zB bei Sonaten oder Solistenkonzerten) weil sie nicht so virtuos spielbar sei wie die Violine oder auch das Violoncello.
Hosenrolle1 (03.10.2015, 19:53): Original von EinTon Nachdem, was ich so gehört habe, wird (bzw. wurde) sie deshalb nicht so häufig als Soloinstrument eingesetzt (zB bei Sonaten oder Solistenkonzerten) weil sie nicht so virtuos spielbar sei wie die Violine oder auch das Violoncello.
Dazu gibt es auch einen Teil von Berlioz (Stand: 1840er Jahre), wo es auch darum geht:
Ferner war es unglücklicherweise nicht möglich, damals für die Viola irgend eine bedeutsamere Stelle, die selbst ein nur gewöhnliches Talent zur Ausführung erfordert hätte, hinzuschreiben. Die Violaspieler wurden stets aus dem Ausschusse der Violinspieler entnommen. War ein Musiker unfähig, den Violinposten genügend zu bekleiden, so wurde er zur Viola versetzt. Daher kam es, daß die Bratschisten weder Violine noch Viola spielen konnten. Ich muß sogar gestehen, daß dieses Vorurteil gegen die Violastimme auch in unserer Zeit nicht gänzlich erloschen ist, daß es in den besten Orchestern noch Violaspieler gibt, die so wenig die Viola wie die Violine zu behandeln wissen. Doch sieht man neuerdings immer mehr die Mißlichkeiten ein, die aus Duldung solcher Leute entstehen, und so wird die Viola nach und nach, ebenso wie die anderen Instrumente, nur geschickten Händen anvertraut werden.
Über die Virtuosität, die Spielbarkeit weiß ich leider nichts; in der Instrumentation steht aber etwas davon, dass die Dinge, die für die Violine gelten (Spieltechniken etc.) auch für die Viola ihre Gültigkeit haben.
LG, Hosenrolle1
satie (03.10.2015, 20:20): Ich habe in meinen Instrumentenkundestunden gelernt, dass bei der Viola der Korpus im Grunde für den Tonumfang zu klein ist, also für die Tiefe, die sie erreichen kann. Das heißt, dass sie weniger brilliant, weniger voluminös, weniger präsent ist oder wie auch immer man das nennen will. Sie ist als Soloinstrument unter diesen Gesichtspunkten weniger glanzvoll als Violine oder Cello. Vielleicht ist gerade das ein Grund, warum mir das Instrument so gut gefällt...