J.S. Bach - Cellosuiten

Cosima (21.03.2006, 13:55):
Hallo allerseits,

Josquin brachte mich auf die Idee:

Stimmt, J.S. Bach hat heute Geburtstag (Mussorgsky übrigens auch :D ) – Grund genug, ihm gleich einen Thread in diesem Forum zu widmen.

Es geht also um die 6 Cellosuiten (BWV 1007-1012).

Ich muss gestehen, dass ich sie ziemlich lange vernachlässigt habe, zunächst auch nur eine Aufnahme der ersten drei Suiten mit Paul Tortelier besaß. Erst später entdeckte ich mit der Einspielung durch Janos Starker meine Liebe zu diesen Werken. Die Wieder-Auflage aus der Mercury Living Presence-Reihe als SACD fand ich dann auch gleich so überzeugend, dass ich mich gar nicht mehr nach einer Alternative umschaute. Dies hier ist sie, vielleicht kennt sie jemand?

http://www.wom.de/image/cover/front/0/6387983.jpg

Welches sind Eure liebsten Einspielungen? Und warum?

Gruß, Cosima
josquin (21.03.2006, 17:13):
Hallo Cosima,
die da

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000C2B4.01.LZZZZZZZ.jpg

Die Frage nach dem Warum:

Cosima, falls du selbst ein Instrument spielen solltest. Kennst Du den Unterschied im Vortrag und im Empfinden, wenn Du ein Stück zwar perfekt aber auswendig gelernt spielst zu dem Empfinden, ein Stück frei und völlig selbstvergessen zu improvisieren?

Wispelwey spielt die Suiten so, als fiele ihm diese Musik gerade ein, genial improvisierend wie in großen Momenten des Jazz. Absolut überwältigend.
Alle anderen spielen auf höchstem Niveau, aber eben nur "auswendig".

Gruß
Norbert
Rolf Scheiwiller (21.03.2006, 17:17):
Liebe Cosima.Ich bin alles andere als ein Kenner dieser diversen Interpretationen! Ich kaufte sie mir einfach. Liebe jede gleich.
PS. Ich bin eben ein 150 Prozentiger Opernspezialist....

Freundliche Gruesse.
Rolf.
Cosima (21.03.2006, 18:21):
Original von josquin
Kennst Du den Unterschied im Vortrag und im Empfinden, wenn Du ein Stück zwar perfekt aber auswendig gelernt spielst zu dem Empfinden, ein Stück frei und völlig selbstvergessen zu improvisieren?


Hallo Norbert,

leider spiele ich kein Instrument, aber ich denke, dass ich ganz gut nachempfinden kann, was Du ausdrücken möchtest. Ich habe eine leichte Gänsehaut eben bekommen, als ich das von Dir las – solche Aufnahmen suche ich nämlich, gleichgültig mit welchem Instrument gespielt. Oder besser gesagt: Solche Künstler suche ich, denn eine solche Gabe scheint mir selten geworden zu sein.

Darf ich fragen, ob Du selber Musiker bist? Auf jeden Fall hast Du mich sehr neugierig auf die Wispelwey-Aufnahme gemacht. (Der Name des Cellisten ist mir übrigens bekannt, ich habe sicher eine Aufnahme von ihm hier, ich werde nachschauen…)


Hallo Rolf,

es ist gut zu wissen, dass hier ein Opern-Spezialist mitschreibt. :)

Gruß, Cosima
Rachmaninov (21.03.2006, 18:23):
Original von Cosima

Hallo Rolf,

es ist gut zu wissen, dass hier ein Opern-Spezialist mitschreibt. :)



Der auch gerne hier was zu Opern schreiben darf :ignore
josquin (21.03.2006, 18:43):
>
Darf ich fragen, ob Du selber Musiker bist? Auf jeden Fall hast Du mich sehr neugierig auf die Wispelwey-Aufnahme gemacht. (Der Name des Cellisten ist mir übrigens bekannt, ich habe sicher eine Aufnahme von ihm hier, ich werde nachschauen…)
<

Hallo Cosima,
ja, ich spiele Klavier. Hohes Amateurniveau, also kein Profi. In meiner Jugend waren neben Bach und Beethoven, besonders Jazz und Blues mein pianistisches Feld.

Gruß
Norbert
Ganong (21.03.2006, 19:37):
Liebe Cosima ,
wegen seine runendlichen Musikalität und trotz seiner im Vergleich etwa zu Tortelier schlechtern Technik : Pablo Casals .
Tortelier und Janos Straker beeindrucken durch ein kraftvolleres Speil als dies Casals wohl vermochte .
Akke drei sind geradezu exemplarische Interpreten für höchste musikalitär verbunden mit einem ganz persönlichen Werkverständnis .
Aus der neueren Zeit ist die Aufnahme von Heinrich Schiff sicherlich sehr zu beachten .
Grüsse , Ganong
Karsten (25.03.2006, 11:46):
Heinrich Schiff hängt sie alle ab. Nicht die gefühlsbetonte Ästhetik des Russen Rostropovich wird hier präsentiert, sondern eine wunderbar federnde Rhythmik, was gerade den Tanzsätzen guttut, fein abgestufte Tempi. Nicht die Größe der Komposition, sondern deren Details stehen im Vordergrund
Rolf Scheiwiller (25.03.2006, 15:00):
Tag zusammen.

Hab heute noch eine weitere Einspielung der Cellosonaten Bachs in meiner Sammlung gefunden.

Dies ist eine Einspielung mit Barockcello.

Interpretiert von Anner Bylsma auf SONY.

Gruss R.
Rachmaninov (26.03.2006, 21:51):
Also gerade oft höre ich Bach's Chello Sonaten nu wirklich nicht.

Für mich aber eine Aufnahme, die ich dann doch immer wieder aus dem Regal ziehe: Pierre Fournier

Dieser warme weiche Celloton fasziniert mich einfach .......

Neben dieser Aufnahme besitze ich noch zwei weiter Aufnahmen:
Daniel Shafran und Boris Pergamenschikow
AcomA (26.03.2006, 22:13):
hallo,

als schüler lernte ich die cello-suiten in der früheren aufnahme mischa maiskys (DG) kennen. ich hatte sie auf mc. auch heute noch würde ich diese interpretationen recht hoch einschätzen. es ist eine 'romantische' darstellung mit eher breiten tempi und auskosten seines 'goldenen' wirklich damals sehr substantiellen tons.

kurze zeit später legte ich mir dann die aufnahme heinrich schiffs zu. ja, es stimmt. sehr tänzerisch formuliert. er ließ sich im vorfeld von nikolaus harnoncourt in bezug auf den HIP-stil beraten.

auf cd habe ich nun die von Cosima vorgestellte aufnahme janos starkers (living mercury) und die EMI-aufnahme des späten mstislav rostropowitsch. janos starker überzeugt mit seiner ökonomischen bogentechnik und seiner schlanken phrasierung. dagegen schwelgt rostropowitsch in seinem ton, spielt sehr virtuos im besten sinne. je nach stimmungslage brauche ich beide versionen !

gruß, siamak :)
Rolf Scheiwiller (23.04.2006, 13:33):
Original von Zelenka
Kurioses am Rande: Im heutigen "Sunday Telegraph" lese ich, daß ein walisischer Forscher behauptet, daß die Cello-Suiten nicht von Johann Sebastian, sondern von Anna Magdalena, seiner zweiten Frau, komponiert worden seien. (Ditto übrigens die Arie der Goldberg-Variationen ...) Der Forscher ist derzeit in Australien aktiv. Falls jemand mehr darüber erfahren möchte, sollte z.B. ""Martin Jarvis" Bach" eingoogeln.

Kopfschüttelnd,

Zelenka ?(

Hallo Zelenka.
Ja, wirklich kurios.
Weshalb nicht gar von Anna Odelmann !!!! :rofl

Gruss.
R.
Carola (24.04.2006, 22:05):
Habt Ihr auch eine Lieblings-Suite? Bei mir ist es die 5. in c-moll, BWV 1011. Die 6. Suite bezeichnet Rostropovich übrigens als "Sinfonie für Solocello".


http://www.jpc.de/image/middle/front/0/7364031.jpg


Ich habe die EMI-Aufnahme mit Rostropovich von 1995 und mag ihre dunkle Wärme sehr. Allerdings habe ich die Suiten auch noch nie von einem anderen Interpreten gehört - Pablo Casals würde mich interessieren und von Jacqueline du Pré gibt es auch eine Aufnahme der Suiten, soweit ich weiß.

Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (25.04.2006, 09:31):
Original von Carola
Habt Ihr auch eine Lieblings-Suite? Bei mir ist es die 5. in c-moll, BWV 1011. Die 6. Suite bezeichnet Rostropovich übrigens als "Sinfonie für Solocello".


Die 6. ist natürlich mein Liebling, dann vermutlich die wie mir scheint häufig übersehene 4. (Es-Dur)

viele Grüße

J. Bristow
ab (01.06.2006, 11:28):
Original von Carola
von Jacqueline du Pré gibt es auch eine Aufnahme der Suiten, soweit ich weiß.


Du Pré hatte die ersten beiden Suiten in jungen Jahren, ich meine mich zu erinnern für die BBC, aufgenommen, nämlich in ihrer typischen expressiven Art voller musikalischer Hingabe und ohne Rücksicht auf Verluste (die im Technischen nicht wenige sind - aber das ist bei dieser Musikalität unerheblich.).

Totz romantischen Zugriffs ist dies höchst hörenswert und wesentlich überzeugender als die Uneinheitlichkeit von Rostropovich, dessen Aufnahme mir völlig unverständlich als "Jahrundert-Aufnahme" beworben wurde.

(Jede Cello-Freundin sollte sowieso die Box: Les introuvables de Jacqueline du Pré (6CD) haben!)
ab (12.06.2006, 22:21):
Original von Rachmaninov
Für mich aber eine Aufnahme, die ich dann doch immer wieder aus dem Regal ziehe: Pierre Fournier
Dieser warme weiche Celloton fasziniert mich einfach .......

Neben dieser Aufnahme besitze ich noch zwei weiter Aufnahmen:
Daniel Shafran und Boris Pergamenschikow

Warum, weshalb ziehst Du diese beiden anderen Aufnahmen nicht aus dem Regal?
Rachmaninov (13.06.2006, 14:03):
Original von ab
Original von Rachmaninov
Für mich aber eine Aufnahme, die ich dann doch immer wieder aus dem Regal ziehe: Pierre Fournier
Dieser warme weiche Celloton fasziniert mich einfach .......

Neben dieser Aufnahme besitze ich noch zwei weiter Aufnahmen:
Daniel Shafran und Boris Pergamenschikow

Warum, weshalb ziehst Du diese beiden anderen Aufnahmen nicht aus dem Regal?

Ganz einfach: Die Cellosuiten höre ich grundsätzlich verhältnismäßig wenig. Die Spielweise von Fournier gefällt mir hierbei am besten aufgrund seines warmen Tons. Diese "sanfte" Spielweise finde ich bei den Suiten sehr überzeugend!
Die Pergamenschikow Einspielung ist gut, stellt einen klaren Kontrast dazu dar.
Warum ich die Aufnahme des Meistercellisten Shafran wenig höre kann ich Dir ehrlich gesagt derzeit nicht erklären.
Werde die Aufnahme demnächt aber nochmal in Ruhe anhören :hello
ab (17.06.2006, 00:28):
Die sechs Cellosuiten von Bach sind ausgesprochen wunderbare Musik! Ferner gibt es Einspielungen auf der Gambe, sowie Bearbeitungen für Theorbe, Bratsche als auch für Kontrabass, Marimba oder Barocklaute, sogar von Godowski eine für Klavier.

Mit welchen Unterscheidungen im Hinterkopf soll man sich den Interpretationen nähern?

Man könnte die Interpretationen grob in drei Klassen einteilen, nämlich in die romantischen Interpretationen, in die klassischen und in die historisch informierten, wie es manchmal gerne genannt wird . (Dabei ist die größte Klasse vermutlich immer noch jene der romantischen Interpretationen, obwohl die Zahl der historisch informierten Interpretationen beständig anwächst.
Von den klassischen Interpretationen kenne ich überhaupt nur eine einzige Aufnahme (Julius Berger (die frühere Orfeo-Aufnahme, die ich immer noch gerne höre).

Man könnte aber auch die Zweiteilung zwischen werkdienend und manieriert gestaltend heranziehen.

Möglich wäre es auch, zu unterscheiden zwischen solchen, die versuchen eine ganze Suite als zusammenhängend darzustellen oder aber jenen, bei denen jeder Satz für sich selber abgeschlossen steht .

...na ja, lassen wir das...

Casals Solosuiten sollte man jedenfalls kennen, schon allein wegen der historischen Bedeutung, diese Werke wiedereintdeckt und zum ersten Mal aufgenommen zu haben. Auch ist der sonore Ton und die seine Ausdruckskraft enorm: Casals Musikalität war wirklich einzigartig im 20. Jahrundert (genauso wie jene von Jacqueline du Pré, die ja bloß die ersten beiden Suiten aufgenommen hat.)

Die Aufnahme mit Heinrich Schiff verdient es, als wohl zweite bahnbrechende Interpretationsleistung, nämlich im Dienste der s.g. Alten-Musik-Bewegung, genannt zu werden – mehr noch als jene von Wieland Kuijken. Wie viel hat sich doch geändert seit Nikolaus Harnoncourt sie selbt am Cello aufgenommen hatte (damals im noch ein wenig überzeugende Melange zwischen tratitionell breitem Bach-Tonstrich sowie schon mit dem Ansatz zum Tänzerischen)! Aber, so tänzerisch Schiff auch ist, und wie bahnbrechend seine Bogenhand auch für die weitere Entwicklung war mit ihrem ansatzlosen, knackigen Ton-Aspringen, so fehlt mir doch immer etwas – und nicht nur an Ruhe.

Von den historisch informiereten auf Originalinstrumenten hat mir bislang am besten die von Paolo Beschi am Barock-Cello (Winter&Winter) gefallen. Wer sehr freies Spiel liebt, bei der sich der Rhythums allein durch den Interprten ergibt, wird wohl nicht um Anner Bylsma, herumkommen. Sehr hörenswert ist auch die Gamben-Einspielung der BWV 1011-Suite von Hille Perl. Jaap ter Linden und Balazs Mate sowie insbesondere Hidemi Suzuki sollte ich mir aber endlich auch einmal anhören.

Was romantische Intrpretationen betrifft, so habe ich bislang keine gefunden, die mich besonders überzeugen würde. Ich muß aber auch hier – wie schon bei den Beethoven-Sonten gestehen – dass ich jene von Paul Tortelier wie auch die von Daniil Shafran noch nie gehört habe.

Was die jungen betrifft, so konnte mich Pieter Wispelwey bei beiden seiner Aufnahmen nicht so recht überzeugen, was aber auch an seinem violinesken Ton liegen mag, der mir fürs Cello fremd ist. Das selbe gilt für Daniel Müller-Schott unaufwendig elegantes Cellospiel, das mir aber besser gefallen hat. Jiri Barta und Torleif Thedeen würde ich auch nicht unbedingt empfehlen. Guido Schiefen spielt zwar impulsiv, aber seine gerühmte Musikalität ist mir einfach zu geradlinig.


Grauenhaft fand ich bislang nur drei: Paolo Pandolfo, Mstislav Rostropovich und Julius Berger (Wergo). Lynn Harrell würde ich fast auch dazu zählen.

Die von Truls Mörk und Friedrich Kleinhapl sowei die neue von Maria Kliegel habe ich leider noch nicht gehört.

Im Konzert hörte ich bislang Heinrich Schiff (drei davon), Yo-Yo Ma (sechs), Anner Bylsma (sechs), Beter Bruns (zwei). Außerdem erinnere ich mich gerne an den Bachwettbewerb einst in Leipzig, wo ich mir tagelang alle Cellisten angehört habe. Der Niveau-Unterschied war enorm! (Die Preisvergabe ist dann letzlich ein Politikum und hat mit der Musikalität wenig zu tun.)
Das Entsetzlichste (überhaupt, nicht nur bei den Suiten), was ich jemals im Konzert erleben musste war: „Beckmann spielt Cello“ (jener angebliche Cellist, der auch die Kompositionen von Charlie Chaplin, der selbst Cello gespielt hat, aufgenommen hat), erst in der Pause, nach unendlich langen drei grottenschlechten, unsaubernen Suiten, konnten wir die überfüllte Kirche flüchten. Bereits in der ersten Suite traten eklatante Mängel auf! Eine Frechheit Bach gegenüber, eine Sauerei für das Publikum sowie eine Schande für jene, für die das Spendengeld gedacht war. Pfui!

Abschließend endlich: Meine Lieblingsaufnehme ist definitiv jene von Peter Bruns, (op 111) von der in der amerikanischen Zeitschrift 'Early Music Review' geurteilt wird, sie sei eine der besten CD-Aufnahmen des Jahres - vielleicht sogar des Jahrzehnts. ...
Rachmaninov (17.06.2006, 11:07):
@ab,

in die Hidemi Suzuki Aufnahme habe ich vor ca. einem Jahr einmal reingehört.

Wenn ich mich recht erinnere empfand ich die Aufnahme recht interessant und hatte sie mir vorgemerkt für einen ggf. weiteren Kauf dieser Werke :hello
ab (17.06.2006, 12:03):
Original von Rachmaninov
in die Hidemi Suzuki Aufnahme habe ich vor ca. einem Jahr einmal reingehört.
Wenn ich mich recht erinnere empfand ich die Aufnahme recht interessant und hatte sie mir vorgemerkt für einen ggf. weiteren Kauf dieser Werke

Ich hörte vor längerer Zeit einen Satz im Radio als Lückenfüller, wo sie mir alles andere als ein Lückenfüller vorgekommen ist und ich sehr aufgehört habe. Das Problem ist immer nur die Provinz, wo es keine Anhörmöglichkeiten gibt...
Rachmaninov (17.06.2006, 20:35):
@ab,

soweit ich mich erinnere war die Aufnahme sowohl der Interpretation wegen aber auch klanglich ein highlight!
Rachmaninov (10.08.2006, 10:01):
@ab,

letzten Freitag kaufte ich mir spontan die oben bereits angesprochene Aufnahme nachdem ich sie im Kölner Satur nochmals in kurzen Ausschnitten hörte.



Seit dem habe ich bereits immer wieder einzelne Suiten gehört und muß sagen das mir die Aufnahme bisher richtig gut gefällt und viel Freude bereitet.

Hidemi Suzuki spielt mit einem warmen kraftvollen Celloton und vermittelt ein elegantes souveränes Cellospiel ohne dabei in irgendeiner Weise die Leidenschaft vermissen zu lassen.
cellodil (04.10.2006, 15:23):
Mit den Lieblingssuiten ist es wie mit den Lieblingsaufnahmen der Cello Suiten... Bei mir wechselt das sehr nach Stimmung mal eher Casals, mal eher Müller-Schott und hin und wieder auch Heinrich Schiff, mal was die CD-Sammlung sonst noch hergibt. Kürzlich habe ich die lange verbannte Aufnahme mit Yo-Yo Ma mal wieder rausgeholt und war - vor allem von der C-Dur-Suite - dann ganz entzückt.

Ziemlich interessant finde ich übrigens die Aufnahme mit Jan Vogler, der den beiden ersten Suiten (G-Dur und d-Moll) die Suiten für Violoncello allein Nr. 1 und Nr. 2 von Max Reger (gleichfalls G-Dur und d-Moll) gegenüberstellt.
Jeremias (04.10.2006, 16:07):
Hallo Cellodil und herzlich Willkommen im Forum!

ich besitze lediglich Pergamenschikow, kennst Du die Aufnahme? Ich finde sie recht "schlicht", aber gleichzeitig auch wieder elegant.
cellodil (04.10.2006, 21:23):
Hi Jeremias,

Danke für die freundliche Begrüßung im Forum. :thanks

Bin ja erst seit heute registriert und im Moment vor allem noch dabei, alte Threads, die mich interessieren, zu lesen.

Die Cello-Suiten in der Version von Pergamenschikow habe ich - zumindest bewusst - noch nicht gehört. Aber "schlicht" klingt schon mal gut, vor allem bei Bach. Werde vielleicht gelegentlich mal reinhören (dann kann ich mir vielleicht auch besser vorstellen, was Du mit "elegant" meinst).

Beste Grüße

Cellodil
Jeremias (07.10.2006, 11:01):
Hallo Cellodil!

Stell Dich doch mal im Mitgliederbereich bei Gelegenheit vor!

Was hälst Du denn von den Transkriptionen der Suiten von Godowsky für Klavier? Kennst Du diese? Meines Wissens spielt Scherbakov die derzeit für MarcoPolo ein
cellodil (08.10.2006, 11:30):
Hi Jeremias,

ich bin halt ein Cellodil, deshalb mag ich die Klaviertranskriptionen der Solo-Cello-Suiten nicht so sehr (zumindest die, die ich bislang gehört habe)... Andererseits finde ich aber auch die Streichtrio-Bearbeitung der Goldberg-Variationen von Sitkovetsky nicht sonderlich berauschend (habe ich am Freitag gerade mal wieder im Konzert gehört und mich gefragt, wozu das gut sein soll).

Ich würde mich Euch übrigens gerne im Mitgliederbereich vorstellen, was mir aber bislang nicht gelungen ist, weil mir der Zutritt verweigert wird... Muss ich mich da an einen der Administratoren wenden?

Herzliche Grüße

Cellodil
ab (10.10.2006, 21:07):
Original von cellodil
Ziemlich interessant finde ich übrigens die Aufnahme mit Jan Vogler, der den beiden ersten Suiten (G-Dur und d-Moll) die Suiten für Violoncello allein Nr. 1 und Nr. 2 von Max Reger (gleichfalls G-Dur und d-Moll) gegenüberstellt.

Hallo Cellodil,

findest Du diese Vogler-Aufnahme wegen der Zusammenstellung so interessant, oder (aber) auch wegen seiner Interpretation?

Ich selbst kenne die Reger-Suiten mit Peter Wispelway, die ich einst bei ChannelClassics gewonnen habe. Er pflegt ja einen sehr violonesken Ton, den ich persönlich nichts so beim Cello schätze.
cellodil (11.10.2006, 23:42):
Hi ab,

ich finde die Gegenüberstellung Bach-Reger ziemlich spannend, aber ich schätze auch Jan Vogler als Cellisten sehr (ganz sicher kein violinesker Ton!). Die Bach-Reger-Aufnahme ist eine relativ alte (das Cover ist auch entsprechend schrecklich...) und er spielt da auch noch nicht das wunderbare Montagnana-Cello, das selbst für diese "Liga" meiner Meinung nach außergewöhnlich im Ton ist (das hat er erst seit Sommer 2005), aber ich finde, dass seine Ausdrucksfähigkeit schon in dieser Aufnahme spürbar ist.
Wispelwey (ich dachte jedenfalls, dass der sich nicht mit a schreibt) habe ich im Konzert noch nicht gehört, aber die Aufnahme (das war - glaube ich jedenfalls - auch die Bach-Aufnahme), in die ich reingehört habe, hat mich nicht wirklich überzeugt.

Grüße

Cellodil
ab (11.10.2006, 23:46):
Inzwischen gibt es zwei Aufnahmen von Wispelwey bei ChannelClassics (so wie auch bei den Beethoven Sonaten).

Vogler habe ich leider nie im Konzert gehört; seine Platte rissen mich nie vom Hocker.

Kennst Du die von mir präferierte von Peter Bruns, der ja ebenfalls aus den jungen Bundesländern stammt und auch im Dresdner Klaviertrio (BerlinClassics) mitgespielt hat?
cellodil (11.10.2006, 23:56):
Original von ab
Inzwischen gibt es zwei Aufnahmen von Wispelwey bei ChannelClassics (so wie auch bei den Beethoven Sonaten).

Vogler habe ich leider nie im Konzert gehört; seine Platte rissen mich nie vom Hocker.

Kennst Du die von mir präferierte von Peter Bruns, der ja ebenfalls aus den jungen Bundesländern stammt und auch im Dresdner Klaviertrio (BerlinClassics) mitgespielt hat?


Hi ab,

da hast Du was versäumt, im Konzert finde ich Jan Vogler großartig. Deshalb mag ich wohl auch einige seiner CD-Einspielungen sehr (kennst Du die Shostakovich/De Falla/Weill- und die Mendelssohn-CD?).

Über Peter Bruns bin ich bisher noch nicht gestolpert, weder im Konzert, noch auf CD.

Bei meinen Lieblings-Bach-Einspielungen schwanke ich im Moment zwischen Müller-Schott und der lange verbannten und ungehörten und kürzlich wiederentdeckten Yo-Yo Ma-Einspielung.

Grüße

Cellodil
cellodil (19.10.2006, 22:20):
Original von Jeremias
Hallo Cellodil!

Stell Dich doch mal im Mitgliederbereich bei Gelegenheit vor!


@Jeremias

Hab' ich inzwischen gemacht.

Grüße

Cellodil
ab (12.04.2007, 10:26):
Gerade hier gefunden.

Jaap ter Linden
Cellosuiten BWV 1007-1012
Brilliant classics

http://magazin.klassik.com/records/covers/9751_400x400.jpg
cellodil (12.04.2007, 13:09):
Lieber ab,

klingt interessant - zumindest der Artikel. Kennst Du die Aufnahme?

Herzliche Grüße

Sabine
ab (12.04.2007, 14:01):
Leider nein, aber es ist schons seine dritte Aufnahme und die (zweite?) bei Harmonia Mundi wird sehr gelobt. Es scheint eine Originalaufnahme für das Billiglabel zu sein. Leider habe ich ihn auch noch nie im Konzert gehört...
cellodil (05.05.2007, 00:10):
Habe die Aufnahme inzwischen geschenkt bekommen. Ich finde sie zwar ungewöhnlich (vor allem auch in den Tempi) und durchaus klangschön, aber insgesamt auch - naja, wie soll ich sagen... - etwas in eine Interpretationssauce getunkt. Wird wohl kaum in die Reihe meiner Lieblingsinterpretationen Aufnahme finden.

Grüße

Sabine
ab (06.05.2007, 11:17):
Original von cellodil
Wird wohl kaum in die Reihe meiner Lieblingsinterpretationen Aufnahme finden.

Ich hörte sie auch übers Erstemaiwochenende im Laden an und war auch verblüfft ob der langsamen Tempi, der seltsam, auf mich manieriert wirkenden Linineführung sowie der eigenwilligen Spannungslosigkeit. Aber ein solcher erster Eindruck kann ja trügen. Jedenfalls war ich nicht gewillt, dieses Geld auszugeben.
cellodil (06.05.2007, 20:38):
Original von ab
Jedenfalls war ich nicht gewillt, dieses Geld auszugeben.

Kluge Entscheidung. Wird auch beim zweiten Hören nicht besser (bin auf halber Strecke eingeschlafen)...

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (30.05.2007, 21:12):
Zur neuen Aufnahme von S. Isserlis gibt es eine sehr positive Besprechung der Cellosuiten hier

http://www.musicweb.uk.net/classrev/2007/May07/Bach_cello_cda67541.jpg

Vielleicht kann jemand hier etwas dazu berichten?

Gruß
cellodil (19.06.2007, 13:08):
Original von Rachmaninov
Zur neuen Aufnahme von S. Isserlis gibt es eine sehr positive Besprechung der Cellosuiten hier

http://www.musicweb.uk.net/classrev/2007/May07/Bach_cello_cda67541.jpg

Vielleicht kann jemand hier etwas dazu berichten?

Gruß

Die Besprechung klingt nicht schlecht. Werde bei Gelegenheit beim CD-Händler meines Vertrauens mal reinhören (falls er die da hat). Allerdings gehört Isserlis nicht unbedingt zu den von mir favorisierten Cellisten (sein Cello ist allerdings großartig und das Jugendbuch, das ich von ihm gelesen hatte, fand ich auch recht amüsant). Mal sehen...

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (19.06.2007, 13:13):
Original von cellodil
Original von Rachmaninov
Zur neuen Aufnahme von S. Isserlis gibt es eine sehr positive Besprechung der Cellosuiten hier

http://www.musicweb.uk.net/classrev/2007/May07/Bach_cello_cda67541.jpg

Vielleicht kann jemand hier etwas dazu berichten?

Gruß

Die Besprechung klingt nicht schlecht. Werde bei Gelegenheit beim CD-Händler meines Vertrauens mal reinhören (falls er die da hat). Allerdings gehört Isserlis nicht unbedingt zu den von mir favorisierten Cellisten (sein Cello ist allerdings großartig und das Jugendbuch, das ich von ihm gelesen hatte, fand ich auch recht amüsant). Mal sehen...

Liebe Grüße

Sabine

Du meinst das "de Munck" von Stradivari?
cellodil (19.06.2007, 17:45):
Ich habe ihn auf dem "ex Feuermann" (auch ein Stradivari) gehört. Habe aber keine Ahnung, seit wann er das spielt....

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (24.06.2007, 08:35):
P.S. das "de Munck" ist übrigens das Ex-Feuermann....

Grüße

Sabine
Poztupimi (28.06.2007, 16:10):
Original von cellodil

Die Besprechung klingt nicht schlecht. Werde bei Gelegenheit beim CD-Händler meines Vertrauens mal reinhören (falls er die da hat). Allerdings gehört Isserlis nicht unbedingt zu den von mir favorisierten Cellisten (sein Cello ist allerdings großartig und das Jugendbuch, das ich von ihm gelesen hatte, fand ich auch recht amüsant). Mal sehen...

Sabine

Vorhin liefen auf drkultur zwei Ausschnitte (Nr. 2/Allemande, Nr. 5/Allemande) im Rahmen einer Besprechung der Aufnahme. Ich war im Auto unterwegs, da fällt mir ein Urteil eher schwer. Kann die Kritik im Internet nicht finden, konnte mir aber auf einer Tankquittung als Stichpunkte "schlicht, geradlinig und klangschön ... interessant, sehr subjektiv ... schlüssiger Zugang" notieren. Kritik insgesamt positiv.

Grüße
Wolfgang
cellodil (28.06.2007, 16:29):
Original von Poztupimi
Vorhin liefen auf drkultur zwei Ausschnitte (Nr. 2/Allemande, Nr. 5/Allemande) im Rahmen einer Besprechung der Aufnahme. Ich war im Auto unterwegs, da fällt mir ein Urteil eher schwer. Kann die Kritik im Internet nicht finden, konnte mir aber auf einer Tankquittung als Stichpunkte "schlicht, geradlinig und klangschön ... interessant, sehr subjektiv ... schlüssiger Zugang" notieren. Kritik insgesamt positiv.

Grüße
Wolfgang

Lieber Wolfgang,

ich habe über die Isserlis-Einspielung ja inzwischen mal kurz (aber wirklich nur oberflächlich) drübergehört. Allerdings im Direktvergleich zu der Einspielung von Gavriel Lipkind. Und da fand ich den Isserlis dann (was nicht wundert, denn subjektiver als Lipkind geht - meiner Meinung nach - kaum, ist an manchen Stellen schon ziemlich an der Grenze zwischen Interpretation und "Variation über...") vergleichsweise konventionell... Merke allerdings jetzt, wo ich Deine Einschätzung von Isserlis lese, dass das vielleicht nicht so günstig war, die beiden Einspielungen nebeneinander zu hören.

Lipkinds Ton finde ich sehr ausdrucksvoll und doch auch sehr fein differenziert. Warm und schön.

Auf jeden Fall habe ich die Suiten so noch nicht gehört. Ganz sicher: interessant. Und die Einspielung ist in sich konsequent und konsistent.

Ich bin allerdings immer noch zu keiner klaren Haltung zu der Lipkind-Version gekommen - es ist übrigens diese:
http://ec1.images-amazon.com/images/I/51fLa1sBdOL._SS400_.jpg

Sie ist sehr speziell. Teils wirklich mitreißend, teils - naja - etwas verschnörkelt. Ich ringe vielleicht da ein bisschen zu sehr mit dem Bach-Puristen in mir, um sie wirklich spontan zu lieben. Aber Gavriel Lipkind gewinnt den Suiten - auch jenseits der Schnörkel - neue Facetten ab und das finde ich dann doch wieder spannend.

Naja. Ich werde weiter mit mir ringen und vielleicht gelegentlich doch noch einmal in den Isserlis hineinhören.

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (28.06.2007, 16:49):
Liebe Sabine,

Original von cellodil

ich habe über die Isserlis-Einspielung ja inzwischen mal kurz (aber wirklich nur oberflächlich) drübergehört. Allerdings im Direktvergleich zu der Einspielung von Gavriel Lipkind. Und da fand ich den Isserlis dann (was nicht wundert, denn subjektiver als Lipkind geht - meiner Meinung nach - kaum, ist an manchen Stellen schon ziemlich an der Grenze zwischen Interpretation und "Variation über...") vergleichsweise konventionell... Merke allerdings jetzt, wo ich Deine Einschätzung von Isserlis lese, dass das vielleicht nicht so günstig war, die beiden Einspielungen nebeneinander zu hören.



Sie ist sehr speziell. Teils wirklich mitreißend, teils - naja - etwas verschnörkelt. Ich ringe vielleicht da ein bisschen zu sehr mit dem Bach-Puristen in mir, um sie wirklich spontan zu lieben. Aber Gavriel Lipkind gewinnt den Suiten - auch jenseits der Schnörkel - neue Facetten ab und das finde ich dann doch wieder spannend.



Da habe ich mich vielleicht etwas mißverständlich ausgedrückt: die von mir genannten Stichworte waren Formulierungen aus der genannten Kritik. Wie gesagt, bei doch relativ kurzen Ausschnitten (Nr. 5/Allemande wurde ausgeblendet) - dann auch noch im Auto - fällt mir eine Einschätzung immer schwer.

Aber da ich schon seit einiger Zeit meinen beiden vollständigen Aufnahmen (Maisky 1985, Wispelwey 1990) eine weitere an die Seite stellen wollte, werde ich - wenn ich mal wieder in einer Stadt mit einem vernünftigen CD-Laden bin - in die verschiedenen, hier in letzter Zeit genannten Aufnahmen reinhören.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (28.06.2007, 20:30):
Original von Poztupimi
Da habe ich mich vielleicht etwas mißverständlich ausgedrückt: die von mir genannten Stichworte waren Formulierungen aus der genannten Kritik. Wie gesagt, bei doch relativ kurzen Ausschnitten (Nr. 5/Allemande wurde ausgeblendet) - dann auch noch im Auto - fällt mir eine Einschätzung immer schwer.

Lieber Wolfgang,

da hatte ich Dich wohl wirklich falsch verstanden (dachte, dass Du Dir Deine Eindrücke beim Hören notiert hättest)...

Original von Poztupimi
Aber da ich schon seit einiger Zeit meinen beiden vollständigen Aufnahmen (Maisky 1985, Wispelwey 1990) eine weitere an die Seite stellen wollte, werde ich - wenn ich mal wieder in einer Stadt mit einem vernünftigen CD-Laden bin - in die verschiedenen, hier in letzter Zeit genannten Aufnahmen reinhören.


Da würde ich Dir doch meine aktuelle Lieblingseinspielung von Antonio Meneses sehr ans Herz legen (den haben allerdings leider die Läden meistens nicht vorrätig, den musste sogar mein ansonsten so gut bestückter CD-Händler bestellen).... oder - je nach Stimmungslage - auch mal Daniel Müller-Schott.

Auszüge aus der Einspielung von Gavriel Lipkind sind übrigens auf dessen Homepage zu hören
http://www.forum.lipkind.info/viewtopic.php?t=27&sid=

Liebe Grüße

Sabine
Poztupimi (28.06.2007, 23:22):
Liebe Sabine,

Original von cellodil
Auszüge aus der Einspielung von Gavriel Lipkind sind übrigens auf dessen Homepage zu hören
http://www.forum.lipkind.info/viewtopic.php?t=27&sid=


vielen Dank für den Hinweis.
Ich habe mal reingehört. Atemberaubend im Vergleich zu meinen beiden Aufnahmen. Die werde ich mir in jedem Fall mal intensiver anhören.
Daniel Müller-Schott steht schon seit einiger Zeit auf meiner immer länger werdenden "Reinhör-Liste".

Viele Grüße und einen schönen Abend,
Wolfgang
ab (05.07.2007, 11:14):
Original von Poztupimi
Aber da ich schon seit einiger Zeit meinen beiden vollständigen Aufnahmen (Maisky 1985, Wispelwey 1990) eine weitere an die Seite stellen wollte, werde ich - wenn ich mal wieder in einer Stadt mit einem vernünftigen CD-Laden bin - in die verschiedenen, hier in letzter Zeit genannten Aufnahmen reinhören.

Versuche doch unbedingt, die von Peter Bruns zum Anhören zu bekommen! (Inzwischen ein anderes, noch hässlicheres Cover als bei meinem posting dazu viel weiter oben)
:down

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8182814.jpg
Poztupimi (05.07.2007, 12:34):
Original von ab
Versuche doch unbedingt, die von Peter Bruns zum Anhören zu bekommen! (Inzwischen ein anderes, noch hässlicheres Cover als bei meinem posting dazu viel weiter oben)
:down

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8182814.jpg

Hallo ab,

vielen Dank für den Tip. Da ich am WE in Potsdam bin, werde ich versuchen, einen Ausflug zu meinem Lieblings-Kulturkaufhaus in Berlin zu machen. Und dann die Öffnungszeiten bis 24:00 zu einem ausgiebigen Probehören dieser CD - so vorhanden - sowie wenigstens eines Teils meiner "Unbedingt-Reinhör-Liste" nutzen.

Grüße,
Wolfgang
Poztupimi (11.07.2007, 14:07):
Ich habe mir am vergangenen Freitag Bachs Cellosuiten in relativ hoher Dosierung zugeführt sprich: ich habe einen Teil meiner Zeit bei Dussmann mit dem Hören verschiedener Aufnahmen verbracht:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/31ME47KCVBL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/51wwXIbSUrL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/51iwcYg4rvL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/31VTSVWX9QL._AA240_.jpg

http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/51fLa1sBdOL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/51VMZVDG3KL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/41WWDSYFBZL._AA240_.jpg http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/41MNNKXW26L._AA240_.jpg

Das Angebot war noch umfangreicher (u. a. Maisky 2, Beschi, Imai, Harrell, Schiff, Tortelier, Rostropovich), da meine Liste aber auch noch andere Werke umfaßte, habe ich mich auf diese beschränkt, und hier auch nur einige wenige Stücke (zufällige Auswahl; I: 1 & 6, III: 3 & 4, VI: 1, 3 & 4).
Nicht da hatten sie von meiner Liste leider Daniel Müller-Schott. Außerdem habe ich vergessen, nach Maria Kliegel zu schauen, da die Naxos-CDs gesondert stehen und sie nicht auf meiner Liste stand.

Ich tue mich immer etwas schwer damit, meine Höreindrücke in die passenden Worte zu fassen, werde es aber mal versuchen.
Etwas aufdringlich finde ich beim Hören solistischer Werke mit Kopfhörer immer die unvermeidbaren Atemgeräusche.

Am wenigsten zugesagt hat mir die Aufnahme mit Knaizev. Teilweise fand ich ihn sehr oberflächlich, es kam mir vor, als ob er mit viel zu hohem Tempo über die schnellen Passgen hinweghuscht.

Einen sehr gemischten Eindruck hat Isserlis bei mir hinterlassen, teilweise sehr schöner voller Ton, vielleicht am ehesten mit lyrisch zu beschreiben. Und dann wieder knallig, mit einer extrem lauten linken Hand im Vergleich zu den anderen oder auch irgendwie töpfern. Insgesamt nicht so mein Fall.

Bruns kam mir teilweise sehr hallig vor, sonst ein ganz angenehmer Ton, auch wenn ich ihn selber manchmal sehr arg schnaubend im Ohr hatte.

Wispelwey fand ich eher farblos, hat bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Meneses und Kenedy haben mir insgesamt ganz gut gefallen, jeder mit angenehmen Ton, ohne in positivem wie negativem Sinne aufzufallen oder herauszuragen. Einzige Einschränkung auch bei Meneses wie bei Bruns sein teilweise sehr lautes Atmen, aber daß stört mich beim Hören über Lautsprecher normalerweise weniger.

Suzuki hat wie ich finde einen sehr runden, weichen Ton, der mir gut gefällt. Dabei sind seine Tempi durchaus flott, ohne so gehetzt oder oberflächlich auf mich zu wirken wie Knaizev oder Isserlis. Diese Aufnahme habe ich dann auch mitgenommen (Lipkind hatte ich letzte Woche schon im Internet gekauft). Wenn ich von den genannten eine weitere Aufnahme kaufen würde, würde ich vorher noch mal in Kenedy, Meneses und Bruns reinhören. Und außerdem in Kliegel, Müller-Schott, Tortelier ...

Manches bei Lipkind finde ich nach wie vor irritierend und wie mir scheint schon über eine notengetreue Interpretation hinausgehend, er scheint sich deutlich mehr gestalterische Freiheiten zu nehmen als die anderen von mir gehörten Interpreten.

Grüße,
Wolfgang
ab (11.07.2007, 15:43):
Original von Poztupimi
Wispelwey fand ich eher farblos, hat bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.


Von Wispelwey ist bereits eine dritte Einspielung bei seinem Label ChannelClassics geplant, wenn nicht gar schon "im Kasten"!
Rachmaninov (11.07.2007, 17:48):
Original von Poztupimi
http://ec1.images-amazon.com/images/I/41WWDSYFBZL._AA240_.jpg

Ich tue mich immer etwas schwer damit, meine Höreindrücke in die passenden Worte zu fassen, werde es aber mal versuchen.

Suzuki hat wie ich finde einen sehr runden, weichen Ton, der mir gut gefällt. Dabei sind seine Tempi durchaus flott, ohne so gehetzt oder oberflächlich auf mich zu wirken wie Knaizev oder Isserlis. Diese Aufnahme habe ich dann auch mitgenommen (Lipkind hatte ich letzte Woche schon im Internet gekauft). Wenn ich von den genannten eine weitere Aufnahme kaufen würde, würde ich vorher noch mal in Kenedy, Meneses und Bruns reinhören. Und außerdem in Kliegel, Müller-Schott, Tortelier ...


@Wolfgang,

gerade hörte ich nochmals die Suite I in der von Dir neu erworbenen Aufnahme.
Zunächst glückwunsch zu dieser Neuerwerbung. Atemgeräusche sind ja auch hier zu hören, allerdings ist diese Aufnahme klanglich verzüglich, der Celloton des Instruments sehr schön und, wie ich meine, hast Du das Spiel von H. Suzuki sehr gut beschrieben!

Höre die Suiten eher selten und bin sehr zufrieden mit dieser Aufnahme!
Hoffe Du wirst es auch dauerhaft bleiben :hello
Poztupimi (11.07.2007, 18:37):
Original von Rachmaninov

@Wolfgang,

gerade hörte ich nochmals die Suite I in der von Dir neu erworbenen Aufnahme.
Zunächst glückwunsch zu dieser Neuerwerbung. Atemgeräusche sind ja auch hier zu hören, allerdings ist diese Aufnahme klanglich verzüglich, der Celloton des Instruments sehr schön und, wie ich meine, hast Du das Spiel von H. Suzuki sehr gut beschrieben!

Höre die Suiten eher selten und bin sehr zufrieden mit dieser Aufnahme!
Hoffe Du wirst es auch dauerhaft bleiben :hello

@Rachmaninov

Wie gesagt, mit Atemgeräuschen habe ich an sich keine Probleme, gehört ja dazu, wenn Menschen musizieren oder anderweitig tätig sind. Ist nur über Kopfhörer nach meinem Empfinden manchmal störender als über Lautsprecher. Allerdings hatte ich bei der einen oder anderen Aufnahme den Eindruck, als ob man hier des Guten zuviel davon mit aufgenommen hat. Ansonsten denke ich, werde ich diese Aufnahme deutlich öfter hören als meine jetzt in die zweite Reihe gerückten mit Maisky und Wispelwey (jeweils die erste Einspielung).

Grüße,
Wolfgang
cellodil (11.09.2007, 10:17):
Hier, wie angekündigt, die Kopie aus dem "Was höre ich gerade jetzt"-Thread...

Original von ab
Original von cellodil
http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/41YJ1HVaYML._SS400_.jpg

:D


Dazu heute hier etwas gefunden.

Lieber ab,

:thanks für den Hinweis! Ich kann die Einschätzung des Rezensenten teilen: :down

Die Einspielung von Queyras hat für mich etwas (Be-)Zwingendes. Es ist ein Neu-Hören der Suiten, eine sehr frische, sehr authentische und klare Interpretation ohne Manierismen, bei dem ich zugleich auch das Gefühl hatte, dass das alles genauso gehört, dass man den Bach eigentlich nur so spielen kann. Die Queyras-Einspielung hat gute Chancen - auch langfristig - einen festen Platz in der Riege meiner Lieblingseinspielungen der Suiten zu bekommen.

Hatte am Freitag das Glück, die Suite No. 2 (zusammen mit der zweiten Suite von Britten) live von ihm zu hören: Großartig! Je öfter ich Queyras höre, desto mehr schätze ich ihn. Mittlerweile kann ich sogar der Haydn-Einspielung, von der ich anfänglich nicht so angetan war, doch einiges abgewinnen.

Wenn Dir die CD mal in die Hände fällt, dann hör' doch rein. Würde mich sehr interessieren, wie Du das empfindest.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (11.09.2007, 10:27):
Original von cellodil
Wenn Dir die CD mal in die Hände fällt, dann hör' doch rein. Würde mich sehr interessieren, wie Du das empfindest.


Mich auch! Habe es unbedingt vor, wenn ich endlich wieder einmal an einen Ort komme, wo (CD-)Kultur herrscht ;-)
cellodil (11.09.2007, 10:34):
Original von ab
Original von cellodil
Wenn Dir die CD mal in die Hände fällt, dann hör' doch rein. Würde mich sehr interessieren, wie Du das empfindest.


Mich auch! Habe es unbedingt vor, wenn ich endlich wieder einmal an einen Ort komme, wo (CD-)Kultur herrscht ;-)

... mach doch eine Exkursion nach Stuttgart zu Einklang. Die haben von Queyras so ziemlich alles vorrätig und Du musst zum Hören nicht einmal einen Kopfhörer aufsetzen, weil es gemütliche Kabinen zum Probehören gibt...

Herzliche Grüße

Sabine
Cosima (24.10.2007, 19:01):
Welche Casals-Aufnahme ist eigentlich besser? Jene auf EMI oder die Naxos-Version? Kann das jemand beurteilen? Oder vielleicht eine von beiden zumindest beschreiben, was den Klang angeht. (Oder sind das gar ganz unterschiedliche Einspielungen?)

Ich hatte erst kürzlich Pech mit einer historischen Aufnahme auf Naxos, die sehr dumpf klang, weshalb ich jetzt lieber vorher nachfrage.

Danke und Gruß, Cosima
Zelenka (24.10.2007, 19:59):
Original von Cosima
Welche Casals-Aufnahme ist eigentlich besser? Jene auf EMI oder die Naxos-Version? Kann das jemand beurteilen? Oder vielleicht eine von beiden zumindest beschreiben, was den Klang angeht. (Oder sind das gar ganz unterschiedliche Einspielungen?)

Ich hatte erst kürzlich Pech mit einer historischen Aufnahme auf Naxos, die sehr dumpf klang, weshalb ich jetzt lieber vorher nachfrage.

Danke und Gruß, Cosima

Es handelt sich bei EMI und Naxos um dieselben Einspielungen aus den 30ern. Ich besitze nur den Naxos-Tranfer, den Ward Marston immerhin besorgt hat. Er sollte für Qualität bürgen ... Naxos hat gegenüber EMI auch noch ein paar Bonus-Aufnahmen mit Casals aus den 20ern hinzugefügt. HiFi ist das leider alles nicht. Eine Besprechung findet sich hier.

Gruß, Zelenka
ab (02.11.2007, 23:54):
Heute in einem anderen Forum gefunden: Bachs Suiten sollen nicht von ihm selbst komponiert worden sein. Siehe dazu hier.
satie (03.11.2007, 00:18):
Lieber ab,
es ist auch gar nicht wichtig. Man darf bei Bach nicht vergessen, dass Bach eine Schule ist und nicht nur ein einzelner Komponist. So hat man über die Jahrhunderte Werke von seinen Schülern Krebs und Petzold für Werke aus der Feder Johann Sebastians gehalten. Die Werke von Krebs stehen denen seines Lehrers tatsächlich in nichts nach. Und es ist sogar noch weit extremer: selbst in den Kompositionen J.S. Bachs dürften durchaus Passagen sein, die seine Schüler vervollständigt haben, und das ist nicht verwerflich, sondern es war einfach normal. Viele Stücke von Bach sind auch Gebrauchsmusik gewesen (Kantaten etwa). Bach hätte niemals die Zeit gehabt, das alles zu schreiben. Zwar hatte er durchaus die Idee, aber es gibt Stellen, wo er mit Sicherheit einem Schüler gesagt hat: hier will ich einen Kanon, schreib mir den mal fertig, bitte. Denn Schüler sein bedeutete einerseits, die theoretischen Grundlagen zu lernen und komponieren zu lernen, es bedeutete aber auch, dem Meister unter die Arme zu greifen und ihm Arbeit abzunehmen. Gerade im Barock, wo die Zahlenkunst Musik noch auf sehr genauen Regeln beruhte, ging das prima.
Man muss es sich so vorstellen, wie in einer Malerwerkstatt. Rubens hat auch nicht jedes Detail seiner Bilder selber gemalt, sondern nur die wichtigsten Dinge. Einen Faltenwurf hatte ja schon ein Lehrling gelernt, also konnte der den dann auch bei einem Bild, welches dann als Rubens verkauft wurde anwenden. Entscheidend ist, dass beim Meister gelernt wurde, und zwar so gut, dass man seine Handschrift kannte und es zumindest so ähnlich wie er konnte. Von wem die Cellosuiten auch immer sein mögen: es ist eine wahnsinnig gute Musik.
Erwähnte ich schon, dass die Aufnahme mit Anner Bylsma mich total umgehauen hat? Kaufen, sage ich, kaufen!

S A T I E
ab (03.11.2007, 10:47):
Original von Satie
Lieber ab,
es ist auch gar nicht wichtig. Man darf bei Bach nicht vergessen, dass Bach eine Schule ist und nicht nur ein einzelner Komponist.

Von wem die Cellosuiten auch immer sein mögen: es ist eine wahnsinnig gute Musik.

Erwähnte ich schon, dass die Aufnahme mit Anner Bylsma mich total umgehauen hat? Kaufen, sage ich, kaufen!

S A T I E

Schule hin oder her, von der 5. suite gibts in Lautenfassung ein Manuskript, das aus Bachs Hand stammt, las ich heute... soviel nur zu dieser Behauptung, die dort ja durch nichts belegt ist.

Bylsma höre ich an zwei Abenden mit allen Suiten vor vielen Jahren im Konzert. Ich brauchte fast einienhalb dieser Abende, um endlich seinen Atem und seine freie Phrasierung zu verstehen. Zuvor kam es mir unsäglich vor. Und dann war es schon fast zu spät, um den Wert seiner Interpretation gebührlich würdigen zu können. So lernt man erst langsam mit der Zeit dazu...
cellodil (03.11.2007, 10:57):
Original von ab

Bylsma höre ich an zwei Abenden mit allen Suiten vor vielen Jahren im Konzert. Ich brauchte fast einienhalb dieser Abende, um endlich seinen Atem und seine freie Phrasierung zu verstehen.

Das kann ich mir gut vorstellen. Das hat zunächst einmal etwas Irritierendes.

Ich hatte da auch ein Erlebnis eigener Art. Bei der Masterclass im Sommer haben einige Studenten Bylsma dann recht unreflektiert einfach imitiert, was dann beim Abschlusskonzert, bei dem Bylsma leider nicht spielen konnte, in der Häufung ziemlich albern anmutete. Da musste ich an Busch denken: "Wenn einer, der mit Mühe kaum geklettert ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär, so irrt sich der." oder anders: quod licet Iovi, non licet bovi...

Original von ab

Zuvor kam es mir unsäglich vor. Und dann war es schon fast zu spät, um den Wert seiner Interpretation gebührlich würdigen zu können. So lernt man erst langsam mit der Zeit dazu...

Das ist doch das Schöne, dass sich da plötzlich wieder Türen öffnen, wenn man sich erst einmal einlässt... Finde ich jedenfalls....

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (03.11.2007, 20:31):
Lieber ab,

was mir gerade noch eingefallen ist: Hattest Du inzwischen eigentlich mal Gelegenheit, die Queyras-Einspielung zu hören?

Herzliche Grüße

Sabine
ab (04.11.2007, 12:09):
leider nein, genauso wenig die Menenses-Aufnahme...
cellodil (04.11.2007, 13:22):
Lieber ab,

so viel Musik und so ein kurzes Leben... Das Dilemma werden wir wohl alle nicht auflösen können.

Aber berichte doch auf jeden Fall von Deinen Eindrücken, falls Du mal reinhören kannst. Da bin ich nämlich sehr gespannt.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (04.11.2007, 14:51):
Original von cellodil
Lieber ab,

so viel Musik und so ein kurzes Leben... Das Dilemma werden wir wohl alle nicht auflösen können.

Aber berichte doch auf jeden Fall von Deinen Eindrücken, falls Du mal reinhören kannst. Da bin ich nämlich sehr gespannt.

Herzliche Grüße

Sabine

Gerne!

einmal, so meine ich , habe ich doch schon berichtet, zwischen Tür und Angel beim Hausverlassen einen Ausschnitt von Queyras, wie ich später auf der WEBseite nachgelesen habe, gehört zu haben, der mich überrascht hat ob des fülligen Cellokolangs, den ich nicht erwartet hätte. Ich dacht in der Eile eher, Lipkind zu hören...
cellodil (04.11.2007, 16:03):
... der zwischen-Tür-und-Angel-Eindruck muss mir irgendwie entgangen sein (vielleicht war das auch während der Zeit meiner Forums-Abstinenz...)...

Grüße

Sabine
Rolf Scheiwiller (25.03.2006, 15:00):
Tag zusammen.

Hab heute noch eine weitere Einspielung der Cellosonaten Bachs in meiner Sammlung gefunden.

Dies ist eine Einspielung mit Barockcello.

Interpretiert von Anner Bylsma auf SONY.

Gruss R.
Rachmaninov (26.03.2006, 21:51):
Also gerade oft höre ich Bach's Chello Sonaten nu wirklich nicht.

Für mich aber eine Aufnahme, die ich dann doch immer wieder aus dem Regal ziehe: Pierre Fournier

Dieser warme weiche Celloton fasziniert mich einfach .......

Neben dieser Aufnahme besitze ich noch zwei weiter Aufnahmen:
Daniel Shafran und Boris Pergamenschikow
AcomA (26.03.2006, 22:13):
hallo,

als schüler lernte ich die cello-suiten in der früheren aufnahme mischa maiskys (DG) kennen. ich hatte sie auf mc. auch heute noch würde ich diese interpretationen recht hoch einschätzen. es ist eine 'romantische' darstellung mit eher breiten tempi und auskosten seines 'goldenen' wirklich damals sehr substantiellen tons.

kurze zeit später legte ich mir dann die aufnahme heinrich schiffs zu. ja, es stimmt. sehr tänzerisch formuliert. er ließ sich im vorfeld von nikolaus harnoncourt in bezug auf den HIP-stil beraten.

auf cd habe ich nun die von Cosima vorgestellte aufnahme janos starkers (living mercury) und die EMI-aufnahme des späten mstislav rostropowitsch. janos starker überzeugt mit seiner ökonomischen bogentechnik und seiner schlanken phrasierung. dagegen schwelgt rostropowitsch in seinem ton, spielt sehr virtuos im besten sinne. je nach stimmungslage brauche ich beide versionen !

gruß, siamak :)
nubar (18.04.2006, 22:32):
Liebe Fangemeinde,

obwohl ich die Cellosuiten sehr mag, besitze ich nur eine Aufnahme. Dies liegt daran, dass ich bis jetzt noch nicht die Notwendigkeit einer Alternative sah zu Fourniers legendärer Einspielung. Starker, Schiff, Kliegel und Casals hatte ich schon einmal ins Auge gefasst, es aber dann doch bei dieser einen Aufnahme belassen. Für Anregungen betreffs einer notwendigen Erweiterung (oder auch nicht) bin ich gerne offen.

MfG
nubar
nikolaus (18.04.2006, 23:03):
Hallo nubar,

ob eine Erweiterung notwendig ist, kannst eigentlich nur du selber entscheiden.
Ich habe mich nach intesivem Vergleichs-Hören für eine relativ neue Aufnahme mit dem russischen Cellisten Alexander Kniazev entschieden. Er spielt allerdings sehr eigenwillig, so dass er in den Kritiken eher schlecht wegkommt.
Ich möchte die Aufnahme dennoch empfehlen und dies mit einem Bild begründen: in einer Kritik hieß es sinngemäß: es klingt, als ob Kniazev einsam in einem Zimmer sitzt und nur für sich spielt. Das trifft es, und daher ist in meinen Augen (oder bessser Ohren) diese Interpretation durchaus eine Ergänzung zu den "klassischen".

Viele Grüsse, Nikolaus.
Ganong (19.04.2006, 17:29):
Lieber Nikolaus , diese "Kritik" des allein in einem Zimmer sitzen empfiehlt doch gerade diese Interpretation .
Man dies Bild erweitern : Wie herrlich wäre es , wenn wir Gelegenheit hätten alleine mit einem interpretn in einem Konzertsaal zu sitzen !
Der Cellist muss tief nachgedacht haben .
Grüsse , Frank
nikolaus (19.04.2006, 18:04):
Da bin ich ganz deiner Meinung, deshalb finde ich diese Aufnahme auch so gut. Ich hatte nur das Gefühl, alleine mit dieser Meinung dazustehen!

Gruss, Nikolaus.
Zelenka (23.04.2006, 12:56):
Kurioses am Rande: Im heutigen "Sunday Telegraph" lese ich, daß ein walisischer Forscher behauptet, daß die Cello-Suiten nicht von Johann Sebastian, sondern von Anna Magdalena, seiner zweiten Frau, komponiert worden seien. (Ditto übrigens die Arie der Goldberg-Variationen ...) Der Forscher ist derzeit in Australien aktiv. Falls jemand mehr darüber erfahren möchte, sollte z.B. ""Martin Jarvis" Bach" eingoogeln.

Kopfschüttelnd,

Zelenka ?(
Zelenka (23.04.2006, 13:04):
Nachtrag:

Der Artikel ist auch on line zu lesen:

"http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml?xml=/news/2006/04/23/nacad123.xml"

Immer noch kopfschüttelnd,

Zelenka ?(
Zelenka (23.04.2006, 13:41):
Original von Rolf Scheiwiller

Hallo Zelenka.
Ja, wirklich kurios.
Weshalb nicht gar von Anna Odelmann !!!! :rofl

Gruss.
R.

Hihi!

:rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl

Gruß,

Zelenka
Jack Bristow (25.04.2006, 09:31):
Original von Carola
Habt Ihr auch eine Lieblings-Suite? Bei mir ist es die 5. in c-moll, BWV 1011. Die 6. Suite bezeichnet Rostropovich übrigens als "Sinfonie für Solocello".


Die 6. ist natürlich mein Liebling, dann vermutlich die wie mir scheint häufig übersehene 4. (Es-Dur)

viele Grüße

J. Bristow
ab (01.06.2006, 11:28):
Original von Carola
von Jacqueline du Pré gibt es auch eine Aufnahme der Suiten, soweit ich weiß.


Du Pré hatte die ersten beiden Suiten in jungen Jahren, ich meine mich zu erinnern für die BBC, aufgenommen, nämlich in ihrer typischen expressiven Art voller musikalischer Hingabe und ohne Rücksicht auf Verluste (die im Technischen nicht wenige sind - aber das ist bei dieser Musikalität unerheblich.).

Totz romantischen Zugriffs ist dies höchst hörenswert und wesentlich überzeugender als die Uneinheitlichkeit von Rostropovich, dessen Aufnahme mir völlig unverständlich als "Jahrundert-Aufnahme" beworben wurde.

(Jede Cello-Freundin sollte sowieso die Box: Les introuvables de Jacqueline du Pré (6CD) haben!)
ab (12.06.2006, 22:21):
Original von Rachmaninov
Für mich aber eine Aufnahme, die ich dann doch immer wieder aus dem Regal ziehe: Pierre Fournier
Dieser warme weiche Celloton fasziniert mich einfach .......

Neben dieser Aufnahme besitze ich noch zwei weiter Aufnahmen:
Daniel Shafran und Boris Pergamenschikow

Warum, weshalb ziehst Du diese beiden anderen Aufnahmen nicht aus dem Regal?
Rachmaninov (13.06.2006, 14:03):
Original von ab
Original von Rachmaninov
Für mich aber eine Aufnahme, die ich dann doch immer wieder aus dem Regal ziehe: Pierre Fournier
Dieser warme weiche Celloton fasziniert mich einfach .......

Neben dieser Aufnahme besitze ich noch zwei weiter Aufnahmen:
Daniel Shafran und Boris Pergamenschikow

Warum, weshalb ziehst Du diese beiden anderen Aufnahmen nicht aus dem Regal?

Ganz einfach: Die Cellosuiten höre ich grundsätzlich verhältnismäßig wenig. Die Spielweise von Fournier gefällt mir hierbei am besten aufgrund seines warmen Tons. Diese "sanfte" Spielweise finde ich bei den Suiten sehr überzeugend!
Die Pergamenschikow Einspielung ist gut, stellt einen klaren Kontrast dazu dar.
Warum ich die Aufnahme des Meistercellisten Shafran wenig höre kann ich Dir ehrlich gesagt derzeit nicht erklären.
Werde die Aufnahme demnächt aber nochmal in Ruhe anhören :hello
ab (17.06.2006, 00:28):
Die sechs Cellosuiten von Bach sind ausgesprochen wunderbare Musik! Ferner gibt es Einspielungen auf der Gambe, sowie Bearbeitungen für Theorbe, Bratsche als auch für Kontrabass, Marimba oder Barocklaute, sogar von Godowski eine für Klavier.

Mit welchen Unterscheidungen im Hinterkopf soll man sich den Interpretationen nähern?

Man könnte die Interpretationen grob in drei Klassen einteilen, nämlich in die romantischen Interpretationen, in die klassischen und in die historisch informierten, wie es manchmal gerne genannt wird . (Dabei ist die größte Klasse vermutlich immer noch jene der romantischen Interpretationen, obwohl die Zahl der historisch informierten Interpretationen beständig anwächst.
Von den klassischen Interpretationen kenne ich überhaupt nur eine einzige Aufnahme (Julius Berger (die frühere Orfeo-Aufnahme, die ich immer noch gerne höre).

Man könnte aber auch die Zweiteilung zwischen werkdienend und manieriert gestaltend heranziehen.

Möglich wäre es auch, zu unterscheiden zwischen solchen, die versuchen eine ganze Suite als zusammenhängend darzustellen oder aber jenen, bei denen jeder Satz für sich selber abgeschlossen steht .

...na ja, lassen wir das...

Casals Solosuiten sollte man jedenfalls kennen, schon allein wegen der historischen Bedeutung, diese Werke wiedereintdeckt und zum ersten Mal aufgenommen zu haben. Auch ist der sonore Ton und die seine Ausdruckskraft enorm: Casals Musikalität war wirklich einzigartig im 20. Jahrundert (genauso wie jene von Jacqueline du Pré, die ja bloß die ersten beiden Suiten aufgenommen hat.)

Die Aufnahme mit Heinrich Schiff verdient es, als wohl zweite bahnbrechende Interpretationsleistung, nämlich im Dienste der s.g. Alten-Musik-Bewegung, genannt zu werden – mehr noch als jene von Wieland Kuijken. Wie viel hat sich doch geändert seit Nikolaus Harnoncourt sie selbt am Cello aufgenommen hatte (damals im noch ein wenig überzeugende Melange zwischen tratitionell breitem Bach-Tonstrich sowie schon mit dem Ansatz zum Tänzerischen)! Aber, so tänzerisch Schiff auch ist, und wie bahnbrechend seine Bogenhand auch für die weitere Entwicklung war mit ihrem ansatzlosen, knackigen Ton-Aspringen, so fehlt mir doch immer etwas – und nicht nur an Ruhe.

Von den historisch informiereten auf Originalinstrumenten hat mir bislang am besten die von Paolo Beschi am Barock-Cello (Winter&Winter) gefallen. Wer sehr freies Spiel liebt, bei der sich der Rhythums allein durch den Interprten ergibt, wird wohl nicht um Anner Bylsma, herumkommen. Sehr hörenswert ist auch die Gamben-Einspielung der BWV 1011-Suite von Hille Perl. Jaap ter Linden und Balazs Mate sowie insbesondere Hidemi Suzuki sollte ich mir aber endlich auch einmal anhören.

Was romantische Intrpretationen betrifft, so habe ich bislang keine gefunden, die mich besonders überzeugen würde. Ich muß aber auch hier – wie schon bei den Beethoven-Sonten gestehen – dass ich jene von Paul Tortelier wie auch die von Daniil Shafran noch nie gehört habe.

Was die jungen betrifft, so konnte mich Pieter Wispelwey bei beiden seiner Aufnahmen nicht so recht überzeugen, was aber auch an seinem violinesken Ton liegen mag, der mir fürs Cello fremd ist. Das selbe gilt für Daniel Müller-Schott unaufwendig elegantes Cellospiel, das mir aber besser gefallen hat. Jiri Barta und Torleif Thedeen würde ich auch nicht unbedingt empfehlen. Guido Schiefen spielt zwar impulsiv, aber seine gerühmte Musikalität ist mir einfach zu geradlinig.


Grauenhaft fand ich bislang nur drei: Paolo Pandolfo, Mstislav Rostropovich und Julius Berger (Wergo). Lynn Harrell würde ich fast auch dazu zählen.

Die von Truls Mörk und Friedrich Kleinhapl sowei die neue von Maria Kliegel habe ich leider noch nicht gehört.

Im Konzert hörte ich bislang Heinrich Schiff (drei davon), Yo-Yo Ma (sechs), Anner Bylsma (sechs), Beter Bruns (zwei). Außerdem erinnere ich mich gerne an den Bachwettbewerb einst in Leipzig, wo ich mir tagelang alle Cellisten angehört habe. Der Niveau-Unterschied war enorm! (Die Preisvergabe ist dann letzlich ein Politikum und hat mit der Musikalität wenig zu tun.)
Das Entsetzlichste (überhaupt, nicht nur bei den Suiten), was ich jemals im Konzert erleben musste war: „Beckmann spielt Cello“ (jener angebliche Cellist, der auch die Kompositionen von Charlie Chaplin, der selbst Cello gespielt hat, aufgenommen hat), erst in der Pause, nach unendlich langen drei grottenschlechten, unsaubernen Suiten, konnten wir die überfüllte Kirche flüchten. Bereits in der ersten Suite traten eklatante Mängel auf! Eine Frechheit Bach gegenüber, eine Sauerei für das Publikum sowie eine Schande für jene, für die das Spendengeld gedacht war. Pfui!

Abschließend endlich: Meine Lieblingsaufnehme ist definitiv jene von Peter Bruns, (op 111) von der in der amerikanischen Zeitschrift 'Early Music Review' geurteilt wird, sie sei eine der besten CD-Aufnahmen des Jahres - vielleicht sogar des Jahrzehnts. ...
Rachmaninov (17.06.2006, 11:07):
@ab,

in die Hidemi Suzuki Aufnahme habe ich vor ca. einem Jahr einmal reingehört.

Wenn ich mich recht erinnere empfand ich die Aufnahme recht interessant und hatte sie mir vorgemerkt für einen ggf. weiteren Kauf dieser Werke :hello
ab (17.06.2006, 12:03):
Original von Rachmaninov
in die Hidemi Suzuki Aufnahme habe ich vor ca. einem Jahr einmal reingehört.
Wenn ich mich recht erinnere empfand ich die Aufnahme recht interessant und hatte sie mir vorgemerkt für einen ggf. weiteren Kauf dieser Werke

Ich hörte vor längerer Zeit einen Satz im Radio als Lückenfüller, wo sie mir alles andere als ein Lückenfüller vorgekommen ist und ich sehr aufgehört habe. Das Problem ist immer nur die Provinz, wo es keine Anhörmöglichkeiten gibt...
Rachmaninov (17.06.2006, 20:35):
@ab,

soweit ich mich erinnere war die Aufnahme sowohl der Interpretation wegen aber auch klanglich ein highlight!
Rachmaninov (10.08.2006, 10:01):
@ab,

letzten Freitag kaufte ich mir spontan die oben bereits angesprochene Aufnahme nachdem ich sie im Kölner Satur nochmals in kurzen Ausschnitten hörte.



Seit dem habe ich bereits immer wieder einzelne Suiten gehört und muß sagen das mir die Aufnahme bisher richtig gut gefällt und viel Freude bereitet.

Hidemi Suzuki spielt mit einem warmen kraftvollen Celloton und vermittelt ein elegantes souveränes Cellospiel ohne dabei in irgendeiner Weise die Leidenschaft vermissen zu lassen.
cellodil (04.10.2006, 15:23):
Mit den Lieblingssuiten ist es wie mit den Lieblingsaufnahmen der Cello Suiten... Bei mir wechselt das sehr nach Stimmung mal eher Casals, mal eher Müller-Schott und hin und wieder auch Heinrich Schiff, mal was die CD-Sammlung sonst noch hergibt. Kürzlich habe ich die lange verbannte Aufnahme mit Yo-Yo Ma mal wieder rausgeholt und war - vor allem von der C-Dur-Suite - dann ganz entzückt.

Ziemlich interessant finde ich übrigens die Aufnahme mit Jan Vogler, der den beiden ersten Suiten (G-Dur und d-Moll) die Suiten für Violoncello allein Nr. 1 und Nr. 2 von Max Reger (gleichfalls G-Dur und d-Moll) gegenüberstellt.
Jeremias (04.10.2006, 16:07):
Hallo Cellodil und herzlich Willkommen im Forum!

ich besitze lediglich Pergamenschikow, kennst Du die Aufnahme? Ich finde sie recht "schlicht", aber gleichzeitig auch wieder elegant.
cellodil (04.10.2006, 21:23):
Hi Jeremias,

Danke für die freundliche Begrüßung im Forum. :thanks

Bin ja erst seit heute registriert und im Moment vor allem noch dabei, alte Threads, die mich interessieren, zu lesen.

Die Cello-Suiten in der Version von Pergamenschikow habe ich - zumindest bewusst - noch nicht gehört. Aber "schlicht" klingt schon mal gut, vor allem bei Bach. Werde vielleicht gelegentlich mal reinhören (dann kann ich mir vielleicht auch besser vorstellen, was Du mit "elegant" meinst).

Beste Grüße

Cellodil
Jeremias (07.10.2006, 11:01):
Hallo Cellodil!

Stell Dich doch mal im Mitgliederbereich bei Gelegenheit vor!

Was hälst Du denn von den Transkriptionen der Suiten von Godowsky für Klavier? Kennst Du diese? Meines Wissens spielt Scherbakov die derzeit für MarcoPolo ein
cellodil (08.10.2006, 11:30):
Hi Jeremias,

ich bin halt ein Cellodil, deshalb mag ich die Klaviertranskriptionen der Solo-Cello-Suiten nicht so sehr (zumindest die, die ich bislang gehört habe)... Andererseits finde ich aber auch die Streichtrio-Bearbeitung der Goldberg-Variationen von Sitkovetsky nicht sonderlich berauschend (habe ich am Freitag gerade mal wieder im Konzert gehört und mich gefragt, wozu das gut sein soll).

Ich würde mich Euch übrigens gerne im Mitgliederbereich vorstellen, was mir aber bislang nicht gelungen ist, weil mir der Zutritt verweigert wird... Muss ich mich da an einen der Administratoren wenden?

Herzliche Grüße

Cellodil
ab (10.10.2006, 21:07):
Original von cellodil
Ziemlich interessant finde ich übrigens die Aufnahme mit Jan Vogler, der den beiden ersten Suiten (G-Dur und d-Moll) die Suiten für Violoncello allein Nr. 1 und Nr. 2 von Max Reger (gleichfalls G-Dur und d-Moll) gegenüberstellt.

Hallo Cellodil,

findest Du diese Vogler-Aufnahme wegen der Zusammenstellung so interessant, oder (aber) auch wegen seiner Interpretation?

Ich selbst kenne die Reger-Suiten mit Peter Wispelway, die ich einst bei ChannelClassics gewonnen habe. Er pflegt ja einen sehr violonesken Ton, den ich persönlich nichts so beim Cello schätze.
cellodil (11.10.2006, 23:42):
Hi ab,

ich finde die Gegenüberstellung Bach-Reger ziemlich spannend, aber ich schätze auch Jan Vogler als Cellisten sehr (ganz sicher kein violinesker Ton!). Die Bach-Reger-Aufnahme ist eine relativ alte (das Cover ist auch entsprechend schrecklich...) und er spielt da auch noch nicht das wunderbare Montagnana-Cello, das selbst für diese "Liga" meiner Meinung nach außergewöhnlich im Ton ist (das hat er erst seit Sommer 2005), aber ich finde, dass seine Ausdrucksfähigkeit schon in dieser Aufnahme spürbar ist.
Wispelwey (ich dachte jedenfalls, dass der sich nicht mit a schreibt) habe ich im Konzert noch nicht gehört, aber die Aufnahme (das war - glaube ich jedenfalls - auch die Bach-Aufnahme), in die ich reingehört habe, hat mich nicht wirklich überzeugt.

Grüße

Cellodil
ab (11.10.2006, 23:46):
Inzwischen gibt es zwei Aufnahmen von Wispelwey bei ChannelClassics (so wie auch bei den Beethoven Sonaten).

Vogler habe ich leider nie im Konzert gehört; seine Platte rissen mich nie vom Hocker.

Kennst Du die von mir präferierte von Peter Bruns, der ja ebenfalls aus den jungen Bundesländern stammt und auch im Dresdner Klaviertrio (BerlinClassics) mitgespielt hat?
cellodil (11.10.2006, 23:56):
Original von ab
Inzwischen gibt es zwei Aufnahmen von Wispelwey bei ChannelClassics (so wie auch bei den Beethoven Sonaten).

Vogler habe ich leider nie im Konzert gehört; seine Platte rissen mich nie vom Hocker.

Kennst Du die von mir präferierte von Peter Bruns, der ja ebenfalls aus den jungen Bundesländern stammt und auch im Dresdner Klaviertrio (BerlinClassics) mitgespielt hat?


Hi ab,

da hast Du was versäumt, im Konzert finde ich Jan Vogler großartig. Deshalb mag ich wohl auch einige seiner CD-Einspielungen sehr (kennst Du die Shostakovich/De Falla/Weill- und die Mendelssohn-CD?).

Über Peter Bruns bin ich bisher noch nicht gestolpert, weder im Konzert, noch auf CD.

Bei meinen Lieblings-Bach-Einspielungen schwanke ich im Moment zwischen Müller-Schott und der lange verbannten und ungehörten und kürzlich wiederentdeckten Yo-Yo Ma-Einspielung.

Grüße

Cellodil
cellodil (19.10.2006, 22:20):
Original von Jeremias
Hallo Cellodil!

Stell Dich doch mal im Mitgliederbereich bei Gelegenheit vor!


@Jeremias

Hab' ich inzwischen gemacht.

Grüße

Cellodil
ab (12.04.2007, 10:26):
Gerade hier gefunden.

Jaap ter Linden
Cellosuiten BWV 1007-1012
Brilliant classics

http://magazin.klassik.com/records/covers/9751_400x400.jpg
cellodil (12.04.2007, 13:09):
Lieber ab,

klingt interessant - zumindest der Artikel. Kennst Du die Aufnahme?

Herzliche Grüße

Sabine
ab (12.04.2007, 14:01):
Leider nein, aber es ist schons seine dritte Aufnahme und die (zweite?) bei Harmonia Mundi wird sehr gelobt. Es scheint eine Originalaufnahme für das Billiglabel zu sein. Leider habe ich ihn auch noch nie im Konzert gehört...
cellodil (05.05.2007, 00:10):
Habe die Aufnahme inzwischen geschenkt bekommen. Ich finde sie zwar ungewöhnlich (vor allem auch in den Tempi) und durchaus klangschön, aber insgesamt auch - naja, wie soll ich sagen... - etwas in eine Interpretationssauce getunkt. Wird wohl kaum in die Reihe meiner Lieblingsinterpretationen Aufnahme finden.

Grüße

Sabine
ab (06.05.2007, 11:17):
Original von cellodil
Wird wohl kaum in die Reihe meiner Lieblingsinterpretationen Aufnahme finden.

Ich hörte sie auch übers Erstemaiwochenende im Laden an und war auch verblüfft ob der langsamen Tempi, der seltsam, auf mich manieriert wirkenden Linineführung sowie der eigenwilligen Spannungslosigkeit. Aber ein solcher erster Eindruck kann ja trügen. Jedenfalls war ich nicht gewillt, dieses Geld auszugeben.
cellodil (06.05.2007, 20:38):
Original von ab
Jedenfalls war ich nicht gewillt, dieses Geld auszugeben.

Kluge Entscheidung. Wird auch beim zweiten Hören nicht besser (bin auf halber Strecke eingeschlafen)...

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (30.05.2007, 21:12):
Zur neuen Aufnahme von S. Isserlis gibt es eine sehr positive Besprechung der Cellosuiten hier

http://www.musicweb.uk.net/classrev/2007/May07/Bach_cello_cda67541.jpg

Vielleicht kann jemand hier etwas dazu berichten?

Gruß
cellodil (19.06.2007, 13:08):
Original von Rachmaninov
Zur neuen Aufnahme von S. Isserlis gibt es eine sehr positive Besprechung der Cellosuiten hier

http://www.musicweb.uk.net/classrev/2007/May07/Bach_cello_cda67541.jpg

Vielleicht kann jemand hier etwas dazu berichten?

Gruß

Die Besprechung klingt nicht schlecht. Werde bei Gelegenheit beim CD-Händler meines Vertrauens mal reinhören (falls er die da hat). Allerdings gehört Isserlis nicht unbedingt zu den von mir favorisierten Cellisten (sein Cello ist allerdings großartig und das Jugendbuch, das ich von ihm gelesen hatte, fand ich auch recht amüsant). Mal sehen...

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (19.06.2007, 13:13):
Original von cellodil
Original von Rachmaninov
Zur neuen Aufnahme von S. Isserlis gibt es eine sehr positive Besprechung der Cellosuiten hier

http://www.musicweb.uk.net/classrev/2007/May07/Bach_cello_cda67541.jpg

Vielleicht kann jemand hier etwas dazu berichten?

Gruß

Die Besprechung klingt nicht schlecht. Werde bei Gelegenheit beim CD-Händler meines Vertrauens mal reinhören (falls er die da hat). Allerdings gehört Isserlis nicht unbedingt zu den von mir favorisierten Cellisten (sein Cello ist allerdings großartig und das Jugendbuch, das ich von ihm gelesen hatte, fand ich auch recht amüsant). Mal sehen...

Liebe Grüße

Sabine

Du meinst das "de Munck" von Stradivari?
cellodil (19.06.2007, 17:45):
Ich habe ihn auf dem "ex Feuermann" (auch ein Stradivari) gehört. Habe aber keine Ahnung, seit wann er das spielt....

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (24.06.2007, 08:35):
P.S. das "de Munck" ist übrigens das Ex-Feuermann....

Grüße

Sabine
Poztupimi (28.06.2007, 16:10):
Original von cellodil

Die Besprechung klingt nicht schlecht. Werde bei Gelegenheit beim CD-Händler meines Vertrauens mal reinhören (falls er die da hat). Allerdings gehört Isserlis nicht unbedingt zu den von mir favorisierten Cellisten (sein Cello ist allerdings großartig und das Jugendbuch, das ich von ihm gelesen hatte, fand ich auch recht amüsant). Mal sehen...

Sabine

Vorhin liefen auf drkultur zwei Ausschnitte (Nr. 2/Allemande, Nr. 5/Allemande) im Rahmen einer Besprechung der Aufnahme. Ich war im Auto unterwegs, da fällt mir ein Urteil eher schwer. Kann die Kritik im Internet nicht finden, konnte mir aber auf einer Tankquittung als Stichpunkte "schlicht, geradlinig und klangschön ... interessant, sehr subjektiv ... schlüssiger Zugang" notieren. Kritik insgesamt positiv.

Grüße
Wolfgang
cellodil (28.06.2007, 16:29):
Original von Poztupimi
Vorhin liefen auf drkultur zwei Ausschnitte (Nr. 2/Allemande, Nr. 5/Allemande) im Rahmen einer Besprechung der Aufnahme. Ich war im Auto unterwegs, da fällt mir ein Urteil eher schwer. Kann die Kritik im Internet nicht finden, konnte mir aber auf einer Tankquittung als Stichpunkte "schlicht, geradlinig und klangschön ... interessant, sehr subjektiv ... schlüssiger Zugang" notieren. Kritik insgesamt positiv.

Grüße
Wolfgang

Lieber Wolfgang,

ich habe über die Isserlis-Einspielung ja inzwischen mal kurz (aber wirklich nur oberflächlich) drübergehört. Allerdings im Direktvergleich zu der Einspielung von Gavriel Lipkind. Und da fand ich den Isserlis dann (was nicht wundert, denn subjektiver als Lipkind geht - meiner Meinung nach - kaum, ist an manchen Stellen schon ziemlich an der Grenze zwischen Interpretation und "Variation über...") vergleichsweise konventionell... Merke allerdings jetzt, wo ich Deine Einschätzung von Isserlis lese, dass das vielleicht nicht so günstig war, die beiden Einspielungen nebeneinander zu hören.

Lipkinds Ton finde ich sehr ausdrucksvoll und doch auch sehr fein differenziert. Warm und schön.

Auf jeden Fall habe ich die Suiten so noch nicht gehört. Ganz sicher: interessant. Und die Einspielung ist in sich konsequent und konsistent.

Ich bin allerdings immer noch zu keiner klaren Haltung zu der Lipkind-Version gekommen - es ist übrigens diese:
http://ec1.images-amazon.com/images/I/51fLa1sBdOL._SS400_.jpg

Sie ist sehr speziell. Teils wirklich mitreißend, teils - naja - etwas verschnörkelt. Ich ringe vielleicht da ein bisschen zu sehr mit dem Bach-Puristen in mir, um sie wirklich spontan zu lieben. Aber Gavriel Lipkind gewinnt den Suiten - auch jenseits der Schnörkel - neue Facetten ab und das finde ich dann doch wieder spannend.

Naja. Ich werde weiter mit mir ringen und vielleicht gelegentlich doch noch einmal in den Isserlis hineinhören.

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (28.06.2007, 16:49):
Liebe Sabine,

Original von cellodil

ich habe über die Isserlis-Einspielung ja inzwischen mal kurz (aber wirklich nur oberflächlich) drübergehört. Allerdings im Direktvergleich zu der Einspielung von Gavriel Lipkind. Und da fand ich den Isserlis dann (was nicht wundert, denn subjektiver als Lipkind geht - meiner Meinung nach - kaum, ist an manchen Stellen schon ziemlich an der Grenze zwischen Interpretation und "Variation über...") vergleichsweise konventionell... Merke allerdings jetzt, wo ich Deine Einschätzung von Isserlis lese, dass das vielleicht nicht so günstig war, die beiden Einspielungen nebeneinander zu hören.



Sie ist sehr speziell. Teils wirklich mitreißend, teils - naja - etwas verschnörkelt. Ich ringe vielleicht da ein bisschen zu sehr mit dem Bach-Puristen in mir, um sie wirklich spontan zu lieben. Aber Gavriel Lipkind gewinnt den Suiten - auch jenseits der Schnörkel - neue Facetten ab und das finde ich dann doch wieder spannend.



Da habe ich mich vielleicht etwas mißverständlich ausgedrückt: die von mir genannten Stichworte waren Formulierungen aus der genannten Kritik. Wie gesagt, bei doch relativ kurzen Ausschnitten (Nr. 5/Allemande wurde ausgeblendet) - dann auch noch im Auto - fällt mir eine Einschätzung immer schwer.

Aber da ich schon seit einiger Zeit meinen beiden vollständigen Aufnahmen (Maisky 1985, Wispelwey 1990) eine weitere an die Seite stellen wollte, werde ich - wenn ich mal wieder in einer Stadt mit einem vernünftigen CD-Laden bin - in die verschiedenen, hier in letzter Zeit genannten Aufnahmen reinhören.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (28.06.2007, 20:30):
Original von Poztupimi
Da habe ich mich vielleicht etwas mißverständlich ausgedrückt: die von mir genannten Stichworte waren Formulierungen aus der genannten Kritik. Wie gesagt, bei doch relativ kurzen Ausschnitten (Nr. 5/Allemande wurde ausgeblendet) - dann auch noch im Auto - fällt mir eine Einschätzung immer schwer.

Lieber Wolfgang,

da hatte ich Dich wohl wirklich falsch verstanden (dachte, dass Du Dir Deine Eindrücke beim Hören notiert hättest)...

Original von Poztupimi
Aber da ich schon seit einiger Zeit meinen beiden vollständigen Aufnahmen (Maisky 1985, Wispelwey 1990) eine weitere an die Seite stellen wollte, werde ich - wenn ich mal wieder in einer Stadt mit einem vernünftigen CD-Laden bin - in die verschiedenen, hier in letzter Zeit genannten Aufnahmen reinhören.


Da würde ich Dir doch meine aktuelle Lieblingseinspielung von Antonio Meneses sehr ans Herz legen (den haben allerdings leider die Läden meistens nicht vorrätig, den musste sogar mein ansonsten so gut bestückter CD-Händler bestellen).... oder - je nach Stimmungslage - auch mal Daniel Müller-Schott.

Auszüge aus der Einspielung von Gavriel Lipkind sind übrigens auf dessen Homepage zu hören
http://www.forum.lipkind.info/viewtopic.php?t=27&sid=

Liebe Grüße

Sabine
Poztupimi (28.06.2007, 23:22):
Liebe Sabine,

Original von cellodil
Auszüge aus der Einspielung von Gavriel Lipkind sind übrigens auf dessen Homepage zu hören
http://www.forum.lipkind.info/viewtopic.php?t=27&sid=


vielen Dank für den Hinweis.
Ich habe mal reingehört. Atemberaubend im Vergleich zu meinen beiden Aufnahmen. Die werde ich mir in jedem Fall mal intensiver anhören.
Daniel Müller-Schott steht schon seit einiger Zeit auf meiner immer länger werdenden "Reinhör-Liste".

Viele Grüße und einen schönen Abend,
Wolfgang
ab (05.07.2007, 11:14):
Original von Poztupimi
Aber da ich schon seit einiger Zeit meinen beiden vollständigen Aufnahmen (Maisky 1985, Wispelwey 1990) eine weitere an die Seite stellen wollte, werde ich - wenn ich mal wieder in einer Stadt mit einem vernünftigen CD-Laden bin - in die verschiedenen, hier in letzter Zeit genannten Aufnahmen reinhören.

Versuche doch unbedingt, die von Peter Bruns zum Anhören zu bekommen! (Inzwischen ein anderes, noch hässlicheres Cover als bei meinem posting dazu viel weiter oben)
:down

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8182814.jpg
Poztupimi (05.07.2007, 12:34):
Original von ab
Versuche doch unbedingt, die von Peter Bruns zum Anhören zu bekommen! (Inzwischen ein anderes, noch hässlicheres Cover als bei meinem posting dazu viel weiter oben)
:down

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8182814.jpg

Hallo ab,

vielen Dank für den Tip. Da ich am WE in Potsdam bin, werde ich versuchen, einen Ausflug zu meinem Lieblings-Kulturkaufhaus in Berlin zu machen. Und dann die Öffnungszeiten bis 24:00 zu einem ausgiebigen Probehören dieser CD - so vorhanden - sowie wenigstens eines Teils meiner "Unbedingt-Reinhör-Liste" nutzen.

Grüße,
Wolfgang
Poztupimi (11.07.2007, 14:07):
Ich habe mir am vergangenen Freitag Bachs Cellosuiten in relativ hoher Dosierung zugeführt sprich: ich habe einen Teil meiner Zeit bei Dussmann mit dem Hören verschiedener Aufnahmen verbracht:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/31ME47KCVBL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/51wwXIbSUrL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/51iwcYg4rvL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/31VTSVWX9QL._AA240_.jpg

http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/51fLa1sBdOL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/51VMZVDG3KL._AA240_.jpg http://ec1.images-amazon.com/images/I/41WWDSYFBZL._AA240_.jpg http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/41MNNKXW26L._AA240_.jpg

Das Angebot war noch umfangreicher (u. a. Maisky 2, Beschi, Imai, Harrell, Schiff, Tortelier, Rostropovich), da meine Liste aber auch noch andere Werke umfaßte, habe ich mich auf diese beschränkt, und hier auch nur einige wenige Stücke (zufällige Auswahl; I: 1 & 6, III: 3 & 4, VI: 1, 3 & 4).
Nicht da hatten sie von meiner Liste leider Daniel Müller-Schott. Außerdem habe ich vergessen, nach Maria Kliegel zu schauen, da die Naxos-CDs gesondert stehen und sie nicht auf meiner Liste stand.

Ich tue mich immer etwas schwer damit, meine Höreindrücke in die passenden Worte zu fassen, werde es aber mal versuchen.
Etwas aufdringlich finde ich beim Hören solistischer Werke mit Kopfhörer immer die unvermeidbaren Atemgeräusche.

Am wenigsten zugesagt hat mir die Aufnahme mit Knaizev. Teilweise fand ich ihn sehr oberflächlich, es kam mir vor, als ob er mit viel zu hohem Tempo über die schnellen Passgen hinweghuscht.

Einen sehr gemischten Eindruck hat Isserlis bei mir hinterlassen, teilweise sehr schöner voller Ton, vielleicht am ehesten mit lyrisch zu beschreiben. Und dann wieder knallig, mit einer extrem lauten linken Hand im Vergleich zu den anderen oder auch irgendwie töpfern. Insgesamt nicht so mein Fall.

Bruns kam mir teilweise sehr hallig vor, sonst ein ganz angenehmer Ton, auch wenn ich ihn selber manchmal sehr arg schnaubend im Ohr hatte.

Wispelwey fand ich eher farblos, hat bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Meneses und Kenedy haben mir insgesamt ganz gut gefallen, jeder mit angenehmen Ton, ohne in positivem wie negativem Sinne aufzufallen oder herauszuragen. Einzige Einschränkung auch bei Meneses wie bei Bruns sein teilweise sehr lautes Atmen, aber daß stört mich beim Hören über Lautsprecher normalerweise weniger.

Suzuki hat wie ich finde einen sehr runden, weichen Ton, der mir gut gefällt. Dabei sind seine Tempi durchaus flott, ohne so gehetzt oder oberflächlich auf mich zu wirken wie Knaizev oder Isserlis. Diese Aufnahme habe ich dann auch mitgenommen (Lipkind hatte ich letzte Woche schon im Internet gekauft). Wenn ich von den genannten eine weitere Aufnahme kaufen würde, würde ich vorher noch mal in Kenedy, Meneses und Bruns reinhören. Und außerdem in Kliegel, Müller-Schott, Tortelier ...

Manches bei Lipkind finde ich nach wie vor irritierend und wie mir scheint schon über eine notengetreue Interpretation hinausgehend, er scheint sich deutlich mehr gestalterische Freiheiten zu nehmen als die anderen von mir gehörten Interpreten.

Grüße,
Wolfgang
ab (11.07.2007, 15:43):
Original von Poztupimi
Wispelwey fand ich eher farblos, hat bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.


Von Wispelwey ist bereits eine dritte Einspielung bei seinem Label ChannelClassics geplant, wenn nicht gar schon "im Kasten"!
Rachmaninov (11.07.2007, 17:48):
Original von Poztupimi
http://ec1.images-amazon.com/images/I/41WWDSYFBZL._AA240_.jpg

Ich tue mich immer etwas schwer damit, meine Höreindrücke in die passenden Worte zu fassen, werde es aber mal versuchen.

Suzuki hat wie ich finde einen sehr runden, weichen Ton, der mir gut gefällt. Dabei sind seine Tempi durchaus flott, ohne so gehetzt oder oberflächlich auf mich zu wirken wie Knaizev oder Isserlis. Diese Aufnahme habe ich dann auch mitgenommen (Lipkind hatte ich letzte Woche schon im Internet gekauft). Wenn ich von den genannten eine weitere Aufnahme kaufen würde, würde ich vorher noch mal in Kenedy, Meneses und Bruns reinhören. Und außerdem in Kliegel, Müller-Schott, Tortelier ...


@Wolfgang,

gerade hörte ich nochmals die Suite I in der von Dir neu erworbenen Aufnahme.
Zunächst glückwunsch zu dieser Neuerwerbung. Atemgeräusche sind ja auch hier zu hören, allerdings ist diese Aufnahme klanglich verzüglich, der Celloton des Instruments sehr schön und, wie ich meine, hast Du das Spiel von H. Suzuki sehr gut beschrieben!

Höre die Suiten eher selten und bin sehr zufrieden mit dieser Aufnahme!
Hoffe Du wirst es auch dauerhaft bleiben :hello
Poztupimi (11.07.2007, 18:37):
Original von Rachmaninov

@Wolfgang,

gerade hörte ich nochmals die Suite I in der von Dir neu erworbenen Aufnahme.
Zunächst glückwunsch zu dieser Neuerwerbung. Atemgeräusche sind ja auch hier zu hören, allerdings ist diese Aufnahme klanglich verzüglich, der Celloton des Instruments sehr schön und, wie ich meine, hast Du das Spiel von H. Suzuki sehr gut beschrieben!

Höre die Suiten eher selten und bin sehr zufrieden mit dieser Aufnahme!
Hoffe Du wirst es auch dauerhaft bleiben :hello

@Rachmaninov

Wie gesagt, mit Atemgeräuschen habe ich an sich keine Probleme, gehört ja dazu, wenn Menschen musizieren oder anderweitig tätig sind. Ist nur über Kopfhörer nach meinem Empfinden manchmal störender als über Lautsprecher. Allerdings hatte ich bei der einen oder anderen Aufnahme den Eindruck, als ob man hier des Guten zuviel davon mit aufgenommen hat. Ansonsten denke ich, werde ich diese Aufnahme deutlich öfter hören als meine jetzt in die zweite Reihe gerückten mit Maisky und Wispelwey (jeweils die erste Einspielung).

Grüße,
Wolfgang
cellodil (11.09.2007, 10:17):
Hier, wie angekündigt, die Kopie aus dem "Was höre ich gerade jetzt"-Thread...

Original von ab
Original von cellodil
http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/41YJ1HVaYML._SS400_.jpg

:D


Dazu heute hier etwas gefunden.

Lieber ab,

:thanks für den Hinweis! Ich kann die Einschätzung des Rezensenten teilen: :down

Die Einspielung von Queyras hat für mich etwas (Be-)Zwingendes. Es ist ein Neu-Hören der Suiten, eine sehr frische, sehr authentische und klare Interpretation ohne Manierismen, bei dem ich zugleich auch das Gefühl hatte, dass das alles genauso gehört, dass man den Bach eigentlich nur so spielen kann. Die Queyras-Einspielung hat gute Chancen - auch langfristig - einen festen Platz in der Riege meiner Lieblingseinspielungen der Suiten zu bekommen.

Hatte am Freitag das Glück, die Suite No. 2 (zusammen mit der zweiten Suite von Britten) live von ihm zu hören: Großartig! Je öfter ich Queyras höre, desto mehr schätze ich ihn. Mittlerweile kann ich sogar der Haydn-Einspielung, von der ich anfänglich nicht so angetan war, doch einiges abgewinnen.

Wenn Dir die CD mal in die Hände fällt, dann hör' doch rein. Würde mich sehr interessieren, wie Du das empfindest.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (11.09.2007, 10:27):
Original von cellodil
Wenn Dir die CD mal in die Hände fällt, dann hör' doch rein. Würde mich sehr interessieren, wie Du das empfindest.


Mich auch! Habe es unbedingt vor, wenn ich endlich wieder einmal an einen Ort komme, wo (CD-)Kultur herrscht ;-)
cellodil (11.09.2007, 10:34):
Original von ab
Original von cellodil
Wenn Dir die CD mal in die Hände fällt, dann hör' doch rein. Würde mich sehr interessieren, wie Du das empfindest.


Mich auch! Habe es unbedingt vor, wenn ich endlich wieder einmal an einen Ort komme, wo (CD-)Kultur herrscht ;-)

... mach doch eine Exkursion nach Stuttgart zu Einklang. Die haben von Queyras so ziemlich alles vorrätig und Du musst zum Hören nicht einmal einen Kopfhörer aufsetzen, weil es gemütliche Kabinen zum Probehören gibt...

Herzliche Grüße

Sabine
Cosima (24.10.2007, 19:01):
Welche Casals-Aufnahme ist eigentlich besser? Jene auf EMI oder die Naxos-Version? Kann das jemand beurteilen? Oder vielleicht eine von beiden zumindest beschreiben, was den Klang angeht. (Oder sind das gar ganz unterschiedliche Einspielungen?)

Ich hatte erst kürzlich Pech mit einer historischen Aufnahme auf Naxos, die sehr dumpf klang, weshalb ich jetzt lieber vorher nachfrage.

Danke und Gruß, Cosima
Zelenka (24.10.2007, 19:59):
Original von Cosima
Welche Casals-Aufnahme ist eigentlich besser? Jene auf EMI oder die Naxos-Version? Kann das jemand beurteilen? Oder vielleicht eine von beiden zumindest beschreiben, was den Klang angeht. (Oder sind das gar ganz unterschiedliche Einspielungen?)

Ich hatte erst kürzlich Pech mit einer historischen Aufnahme auf Naxos, die sehr dumpf klang, weshalb ich jetzt lieber vorher nachfrage.

Danke und Gruß, Cosima

Es handelt sich bei EMI und Naxos um dieselben Einspielungen aus den 30ern. Ich besitze nur den Naxos-Tranfer, den Ward Marston immerhin besorgt hat. Er sollte für Qualität bürgen ... Naxos hat gegenüber EMI auch noch ein paar Bonus-Aufnahmen mit Casals aus den 20ern hinzugefügt. HiFi ist das leider alles nicht. Eine Besprechung findet sich hier.

Gruß, Zelenka
ab (02.11.2007, 23:54):
Heute in einem anderen Forum gefunden: Bachs Suiten sollen nicht von ihm selbst komponiert worden sein. Siehe dazu hier.
satie (03.11.2007, 00:18):
Lieber ab,
es ist auch gar nicht wichtig. Man darf bei Bach nicht vergessen, dass Bach eine Schule ist und nicht nur ein einzelner Komponist. So hat man über die Jahrhunderte Werke von seinen Schülern Krebs und Petzold für Werke aus der Feder Johann Sebastians gehalten. Die Werke von Krebs stehen denen seines Lehrers tatsächlich in nichts nach. Und es ist sogar noch weit extremer: selbst in den Kompositionen J.S. Bachs dürften durchaus Passagen sein, die seine Schüler vervollständigt haben, und das ist nicht verwerflich, sondern es war einfach normal. Viele Stücke von Bach sind auch Gebrauchsmusik gewesen (Kantaten etwa). Bach hätte niemals die Zeit gehabt, das alles zu schreiben. Zwar hatte er durchaus die Idee, aber es gibt Stellen, wo er mit Sicherheit einem Schüler gesagt hat: hier will ich einen Kanon, schreib mir den mal fertig, bitte. Denn Schüler sein bedeutete einerseits, die theoretischen Grundlagen zu lernen und komponieren zu lernen, es bedeutete aber auch, dem Meister unter die Arme zu greifen und ihm Arbeit abzunehmen. Gerade im Barock, wo die Zahlenkunst Musik noch auf sehr genauen Regeln beruhte, ging das prima.
Man muss es sich so vorstellen, wie in einer Malerwerkstatt. Rubens hat auch nicht jedes Detail seiner Bilder selber gemalt, sondern nur die wichtigsten Dinge. Einen Faltenwurf hatte ja schon ein Lehrling gelernt, also konnte der den dann auch bei einem Bild, welches dann als Rubens verkauft wurde anwenden. Entscheidend ist, dass beim Meister gelernt wurde, und zwar so gut, dass man seine Handschrift kannte und es zumindest so ähnlich wie er konnte. Von wem die Cellosuiten auch immer sein mögen: es ist eine wahnsinnig gute Musik.
Erwähnte ich schon, dass die Aufnahme mit Anner Bylsma mich total umgehauen hat? Kaufen, sage ich, kaufen!

S A T I E
ab (03.11.2007, 10:47):
Original von Satie
Lieber ab,
es ist auch gar nicht wichtig. Man darf bei Bach nicht vergessen, dass Bach eine Schule ist und nicht nur ein einzelner Komponist.

Von wem die Cellosuiten auch immer sein mögen: es ist eine wahnsinnig gute Musik.

Erwähnte ich schon, dass die Aufnahme mit Anner Bylsma mich total umgehauen hat? Kaufen, sage ich, kaufen!

S A T I E

Schule hin oder her, von der 5. suite gibts in Lautenfassung ein Manuskript, das aus Bachs Hand stammt, las ich heute... soviel nur zu dieser Behauptung, die dort ja durch nichts belegt ist.

Bylsma höre ich an zwei Abenden mit allen Suiten vor vielen Jahren im Konzert. Ich brauchte fast einienhalb dieser Abende, um endlich seinen Atem und seine freie Phrasierung zu verstehen. Zuvor kam es mir unsäglich vor. Und dann war es schon fast zu spät, um den Wert seiner Interpretation gebührlich würdigen zu können. So lernt man erst langsam mit der Zeit dazu...
cellodil (03.11.2007, 10:57):
Original von ab

Bylsma höre ich an zwei Abenden mit allen Suiten vor vielen Jahren im Konzert. Ich brauchte fast einienhalb dieser Abende, um endlich seinen Atem und seine freie Phrasierung zu verstehen.

Das kann ich mir gut vorstellen. Das hat zunächst einmal etwas Irritierendes.

Ich hatte da auch ein Erlebnis eigener Art. Bei der Masterclass im Sommer haben einige Studenten Bylsma dann recht unreflektiert einfach imitiert, was dann beim Abschlusskonzert, bei dem Bylsma leider nicht spielen konnte, in der Häufung ziemlich albern anmutete. Da musste ich an Busch denken: "Wenn einer, der mit Mühe kaum geklettert ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär, so irrt sich der." oder anders: quod licet Iovi, non licet bovi...

Original von ab

Zuvor kam es mir unsäglich vor. Und dann war es schon fast zu spät, um den Wert seiner Interpretation gebührlich würdigen zu können. So lernt man erst langsam mit der Zeit dazu...

Das ist doch das Schöne, dass sich da plötzlich wieder Türen öffnen, wenn man sich erst einmal einlässt... Finde ich jedenfalls....

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (03.11.2007, 20:31):
Lieber ab,

was mir gerade noch eingefallen ist: Hattest Du inzwischen eigentlich mal Gelegenheit, die Queyras-Einspielung zu hören?

Herzliche Grüße

Sabine
ab (04.11.2007, 12:09):
leider nein, genauso wenig die Menenses-Aufnahme...
cellodil (04.11.2007, 13:22):
Lieber ab,

so viel Musik und so ein kurzes Leben... Das Dilemma werden wir wohl alle nicht auflösen können.

Aber berichte doch auf jeden Fall von Deinen Eindrücken, falls Du mal reinhören kannst. Da bin ich nämlich sehr gespannt.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (04.11.2007, 14:51):
Original von cellodil
Lieber ab,

so viel Musik und so ein kurzes Leben... Das Dilemma werden wir wohl alle nicht auflösen können.

Aber berichte doch auf jeden Fall von Deinen Eindrücken, falls Du mal reinhören kannst. Da bin ich nämlich sehr gespannt.

Herzliche Grüße

Sabine

Gerne!

einmal, so meine ich , habe ich doch schon berichtet, zwischen Tür und Angel beim Hausverlassen einen Ausschnitt von Queyras, wie ich später auf der WEBseite nachgelesen habe, gehört zu haben, der mich überrascht hat ob des fülligen Cellokolangs, den ich nicht erwartet hätte. Ich dacht in der Eile eher, Lipkind zu hören...
cellodil (04.11.2007, 16:03):
... der zwischen-Tür-und-Angel-Eindruck muss mir irgendwie entgangen sein (vielleicht war das auch während der Zeit meiner Forums-Abstinenz...)...

Grüße

Sabine
daniel5993 (04.03.2008, 22:53):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724356287822.jpg

Kennt jemand Tortelier's späte EMI-Aufnahme (1982)?
Auch hier bleiben meine Blicke des öffteren hängen und die JPC-Schnipsel genügen mir nicht zur Überzeugung. Hat hierzu jemand einen Rat für mich?


an ab:

Du Pre ist einer meiner ersten Gedanken gewesen, aber (nur) Cellosuiten 1 und 2 ? Ich weiß nicht.

Rostropowistch klingt arg zu schnell und überhastet. Kam bei mir eher weniger Gut rüber.



Danke für eure Hilfe!

Gruß
Daniel
ab (05.03.2008, 11:13):
Original von daniel5993
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724356287822.jpg

Kennt jemand Tortelier's späte EMI-Aufnahme (1982)?
Auch hier bleiben meine Blicke des öffteren hängen und die JPC-Schnipsel genügen mir nicht zur Überzeugung. Hat hierzu jemand einen Rat für mich?


an ab:

Du Pre ist einer meiner ersten Gedanken gewesen, aber (nur) Cellosuiten 1 und 2 ? Ich weiß nicht.

Rostropowistch klingt arg zu schnell und überhastet. Kam bei mir eher weniger Gut rüber.

Ich muss gestehen, Torteliers Aufnahme nicht zu kennen, :ignore war ja längere Zeit nicht erhältlich. Befreundeten Cellisten von mir, die zwar Tortelier sehr schätzen, sind nicht ganz so begeistert. Mehr kann ich leider nicht dazu sagen.

Du Prés Aufnahmen sind ganz frühe von der BBC, wo sie auch noch deutlich weniger harmonische Bogenführung pflegte - aber sehr expressiv, daher meine Empfehlung an Dich. (Überhaupt bekommt man derzeit ihre GA bei der EMI sehr, sehr billig. Eine Ausnahmemusikerin...) Anhören solltest Du sie jedenfalls!

Ich mag Rostropovich bei Bach auch nicht. Sie ist mir viel zu wenig einheitlich und zu manieriert. Aber expressiv spielte er stets... Diese Aufnahme habe ich ja auch nur bedingt angeführt, denn manche mögen das sehr. (selbst sein ködeliges Vibrato :ignore )
daniel5993 (05.03.2008, 13:45):
Du Prés Aufnahmen sind ganz frühe von der BBC, wo sie auch noch deutlich weniger harmonische Bogenführung pflegte - aber sehr expressiv, daher meine Empfehlung an Dich. (Überhaupt bekommt man derzeit ihre GA bei der EMI sehr, sehr billig.

Eine Ausnahmemusikerin...)

Volle Zustimmung! Bei dem was ich von Ihr kenne (Cellokonzerte Schumann + Dvorak) Da schlägt Sie jede Konkurrenz in meinem CD-Regal.

:J


Hab mir mehrmals und ausführlich die Hörschnipsel bei JPC angehört, von sämtlichen Aufnahmen. Eine Aufnahme stach herraus und hat mich sofort überzeugt. Gavriel Lipkind's Einspielung der Cellosonaten! Den Namen hattest du ja auch schon genannt (empfohlen).

https://www.jpc.de/image/w600/front/0/0782124161323.jpg

Die Aufnahme sprießt nur so von Wärme! Das Spiel kommt oft sehr tänzerisch rüber, dazu ein toller Klang.
Absolut überzeugender Gesamteindruck, trotz Schnippsel.

Neben dieser Einspielung hab ich mich noch für Pablo Casals entschieden, da ich von diesem "großen" Musiker noch nichts habe.

Ich werde bei Zeiten über meine Eindrücke berichten.

Bestellverbot vorrübergehend außer Kraft gesetzt

Gruß
Daniel
:hello
ab (05.03.2008, 18:53):
Hier ein Artikel von Tim Janof mit dem Titel:
INTERPRETATIONAL ANGST
AND
THE BACH CELLO SUITES

vielleicht interessierts die eine oder den anderen..
Tranquillo (29.03.2008, 12:44):
Original von cellodil
Die Einspielung von Queyras hat für mich etwas (Be-)Zwingendes. Es ist ein Neu-Hören der Suiten, eine sehr frische, sehr authentische und klare Interpretation ohne Manierismen, bei dem ich zugleich auch das Gefühl hatte, dass das alles genauso gehört, dass man den Bach eigentlich nur so spielen kann. Die Queyras-Einspielung hat gute Chancen - auch langfristig - einen festen Platz in der Riege meiner Lieblingseinspielungen der Suiten zu bekommen.
Hier kann ich mich nur anschliessen - ich habe die Queyras-Aufnahme vor einiger Zeit gekauft, bin aber erst gestern dazu gekommen, sie intensiv zu hören. Eigentlich wollte ich nur die erste Suite hören, fand seine Interpretation dann aber so ansprechend und fesselnd, dass ich alle sechs hintereinander gehört habe.

Queyras spielt sehr ausdrucksvoll und abwechslungsreich, aber niemals manieriert. Man hat wirklich spontan den Eindruck: So und nicht anders muss diese Musik gespielt werden. Das Cello klingt sehr sonor und farbig, Nebengeräusche sind so gut wie gar nicht zu hören, der Klang ist tadellos mit natürlichem Hall, der das Instrument sehr schön trägt.

Auf der beiliegenden Bonus-DVD findet sich ein sehr interessantes "Making Of", wo man einen Eindruck vom Aufnahmeraum und der Aufnahmetechnik gewinnen kann. Die Aufnahmen wurden in einer romanischen Kirche in Sulzburg (Schwarzwald) gemacht. Die Tonmeisterin verwendet nur zwei Mikrofone, die in mehreren Metern Abstand zum Solisten stehen. Das eigentliche Aufnahmegerät sieht aus wie eine externe Festplatte und wird von ihr über einen Laptop angesteuert - LKW's für das Equipment waren hier wohl nicht erforderlich. Die Aufnahme dauerte sechs Tage, wobei pro Tag eine Suite aufgenommen wurde - erst am Stück und später ggf. noch einzelne Sätze oder Satzteile.

Viele Grüsse
Andreas
cellodil (01.04.2008, 22:57):
Lieber Tranquillo,

freut mich, dass Dir Queyras' Interpretation gefällt. Ich finde sie auch nach wie vor sehr, sehr schön und in sich schlüssig und konsequent.

Im Moment höre ich wieder häufiger die Einspielung von Yo-Yo Ma, die lange Jahre meine Lieblingsversion war und es im Moment (zumindest in der Tendenz) auch wieder ist, seit ich Yo-Yo Anfang des Jahres endlich auch mal Bach-Suiten im Konzert hören konnte. Was mir an der Yo-Yo Ma Aufnahme sehr gut gefällt, das ist, dass er das Polyphone deutlich herausarbeitet, ohne dass das Insgesamt zerfallen würde (was ich bei Maisky zum Beispiel so empfinde).

Liebe Grüße

Sabine
Tranquillo (02.04.2008, 20:28):
Original von cellodil
Lieber Tranquillo,

freut mich, dass Dir Queyras' Interpretation gefällt. Ich finde sie auch nach wie vor sehr, sehr schön und in sich schlüssig und konsequent.

Im Moment höre ich wieder häufiger die Einspielung von Yo-Yo Ma, die lange Jahre meine Lieblingsversion war und es im Moment (zumindest in der Tendenz) auch wieder ist, seit ich Yo-Yo Anfang des Jahres endlich auch mal Bach-Suiten im Konzert hören konnte. Was mir an der Yo-Yo Ma Aufnahme sehr gut gefällt, das ist, dass er das Polyphone deutlich herausarbeitet, ohne dass das Insgesamt zerfallen würde (was ich bei Maisky zum Beispiel so empfinde).
Liebe Sabine,

ich muss gestehen, dass ich Bachs Cellosuiten bisher fast nur in Bearbeitungen gehört habe, in denen die oft nur angedeutete Mehrstimmigkeit dieser Werke auch tatsächlich ausklingt (Bach selbst hat ja eine Suite für Laute bearbeitet). Mein Favorit dabei ist diese Aufnahme:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0743216752225.jpg

Wenn ich versucht habe, die Suiten im Original zu hören, kam meist schon nach wenigen Minuten Langeweile auf - aber nicht bei Queyras! Das war wirklich spannend von der ersten bis zur letzten Note.

Viele Grüsse
Andreas
cellodil (02.04.2008, 23:09):
Lieber Andreas,

Gitarre... hm... klingt interessant (übrigens auch zusammen mit dem Cello). Ich habe die Cello-Suiten noch nie ohne Cello gehört. Asche auf mein Haupt... Habe mir Deine Empfehlung notiert und werde - falls der CD-Händler meines Vertrauens die Einspielung vorrätig hat - demnächst mal reinhören.

Herzliche Grüße

Sabine
Tranquillo (03.04.2008, 13:22):
Original von cellodil
Gitarre... hm... klingt interessant (übrigens auch zusammen mit dem Cello). Ich habe die Cello-Suiten noch nie ohne Cello gehört. Asche auf mein Haupt... Habe mir Deine Empfehlung notiert und werde - falls der CD-Händler meines Vertrauens die Einspielung vorrätig hat - demnächst mal reinhören.
Liebe Sabine,

da Du vermutlich selbst Cello spielst, verstehe ich Deine Skepsis gegenüber einer Bearbeitung der Suiten durchaus - sie sind ja gewissermassen Kernrepertoire des Cellos. Es lohnt sich aber trotzdem, mal in diese Aufnahme hineinzuhören.

Viele Grüsse
Andreas
cellodil (08.04.2008, 09:09):
Lieber Andreas,

werde ich auf jeden Fall - as soon as... und wenn ich sie in die Hand bekomme - tun.

Ich bin bei Bearbeitungen übrigens nicht nur, wenn etwas dem Cello entrissen wird, skeptisch. Die GBV für Streichquartett finde ich zum Beispiel auch einigermaßen befremdlich...

Herzliche Grüße

Sabine
Tranquillo (08.04.2008, 12:01):
Original von cellodil
Ich bin bei Bearbeitungen übrigens nicht nur, wenn etwas dem Cello entrissen wird, skeptisch. Die GBV für Streichquartett finde ich zum Beispiel auch einigermaßen befremdlich...
Liebe Sabine,

das kann ich durchaus nachvollziehen - allerdings hat Bach selbst jeweils eine Suite für Cello und für Violine für die Laute bearbeitet, während von den Goldberg-Variationen keine Bearbeitungen von eigener Hand bekannt sind.

Viele Grüsse
Andreas
cellodil (08.04.2008, 20:59):
Lieber Andreas,

das war mir schon klar (auch, wenn ich gerade "Klassik für Dummies" lese :D ), dass es sich bei den Suiten anders verhält als bei den GBV-Bearbeitungen. Trotzdem: Danke für den Hinweis...

Herzliche Grüße

Sabine
Tranquillo (09.04.2008, 09:05):
Original von cellodil
das war mir schon klar (auch, wenn ich gerade "Klassik für Dummies" lese :D ), dass es sich bei den Suiten anders verhält als bei den GBV-Bearbeitungen. Trotzdem: Danke für den Hinweis...
Hallo Sabine,

vielleicht sollte ich auch mal "Klassik für Dummies" lesen - ich habe erst etwas gerätselt, für was "GBV" steht. Gesamtbetriebsvereinbarung? Gemeinsamer Bibliotheksverbund? Grundbuchverfügung? Gefahrgutbeauftragtenverordnung? Guided By Voices? Grundbesitz-Verwaltungsgesellschaft?

:D

Viele Grüsse
Andreas
cellodil (09.04.2008, 22:00):
Autsch... Hab' ich mich schon wieder in die Nesseln gesetzt... Wo ich doch selber nicht weiß, was GBV eigentlich heißen soll... Hmmm werde wohl ein paar Jahre mit "Klassik für Dummies" nachsitzen müssen.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (10.04.2008, 10:16):
Original von cellodil
Die GBV für Streichquartett finde ich zum Beispiel auch einigermaßen befremdlich...

Herzliche Grüße

Sabine

Liebe Sabine,

ich kenne von den Goldbergvariationen nur eine Fassung für Streichtrio, nämlich die von Dmitry Sitkovetsky. Ich wäre höchst interessiert an einer Fassung für Streichquartett, insbesondere auch, weil ein Bekannter von mir selbst eine zusammengebastelt hat und mich die Unterschiede interessieren würden. Wo gibts denn die?
Danke!
cellodil (10.04.2008, 13:12):
Original von ab
Original von cellodil
Die GBV für Streichquartett finde ich zum Beispiel auch einigermaßen befremdlich...

Herzliche Grüße

Sabine

Liebe Sabine,

ich kenne von den Goldbergvariationen nur eine Fassung für Streichtrio, nämlich die von Dmitry Sitkovetsky. Ich wäre höchst interessiert an einer Fassung für Streichquartett, insbesondere auch, weil ein Bekannter von mir selbst eine zusammengebastelt hat und mich die Unterschiede interessieren würden. Wo gibts denn die?
Danke!

Lieber ab ( :hello ),

ich habe diese Version bislang auch nur einmal gehört - im Konzert an der örtlichen Hochschule, deshalb kann ich Dir leider nicht sagen, von wem die Bearbeitung stammt. Sorry.

Herzliche Grüße

Sabine
satie (28.01.2009, 06:14):
Zum Jahresbeginn legte Sigiswald Kuijken eine Neuaufnahme vor.

Sigiswald Kuijken? Moment mal, der spielt doch eigentlich Violine? Umgesattelt? Nein:

"Wissen Sie wirklich, wie das Instrument aussieht, für das Bach seine Suiten für Violoncello schrieb? Sigiswald Kuijken belegt in seinen Nachforschungen, dass es sich möglicherweise nicht um das heute bekannte (zwischen den Beinen gehaltene) Cello handelt, sondern um ein Violoncello da spalla (Schulter-Cello). Ein überzeugendes Argument für Kuijkens These ist sicherlich die vorliegende Einspielung auf einem eigens für Kuijken angefertigten Instrument, das diese Werke mehr als nur überzeugend darzustellen weiß. "

Kuijken ist scheinbar sogar der Meinung, dass das meiste Repertoire aus dieser Zeit (ca. 1600 bis 1710) für jenes Schulter-Cello geschrieben worden sei. Dazu kann ich auch nichts sagen, aber: die Aufnahme ist, soweit mir die Hörschnipsel verraten, sehr schön und kommt auf meine Wunschliste.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4015023241961.jpg
Poztupimi (28.01.2009, 17:55):
Original von Satie
Zum Jahresbeginn legte Sigiswald Kuijken eine Neuaufnahme vor.

Sigiswald Kuijken? Moment mal, der spielt doch eigentlich Violine? Umgesattelt? Nein:

"Wissen Sie wirklich, wie das Instrument aussieht, für das Bach seine Suiten für Violoncello schrieb? Sigiswald Kuijken belegt in seinen Nachforschungen, dass es sich möglicherweise nicht um das heute bekannte (zwischen den Beinen gehaltene) Cello handelt, sondern um ein Violoncello da spalla (Schulter-Cello). Ein überzeugendes Argument für Kuijkens These ist sicherlich die vorliegende Einspielung auf einem eigens für Kuijken angefertigten Instrument, das diese Werke mehr als nur überzeugend darzustellen weiß. "

Kuijken ist scheinbar sogar der Meinung, dass das meiste Repertoire aus dieser Zeit (ca. 1600 bis 1710) für jenes Schulter-Cello geschrieben worden sei. Dazu kann ich auch nichts sagen, aber: die Aufnahme ist, soweit mir die Hörschnipsel verraten, sehr schön und kommt auf meine Wunschliste.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4015023241961.jpg

Lieber Satie,

Hier kann man den Erbauer des Instruments, den Geigenbauer Dmitry Badiarov sehen und hören (Suite Nr. 1, BWV 1007, etwa ab 2:30). Leider sind seine Erläuterungen etwas sehr leise (aber immer noch deutlicher als auf dieser Seite).

Grüße,
Wolfgang
cellodil (28.01.2009, 18:32):
Original von Poztupimi
Hier kann man den Erbauer des Instruments, den Geigenbauer Dmitry Badiarov sehen und hören (Suite Nr. 1, BWV 1007, etwa ab 2:30). Leider sind seine Erläuterungen etwas sehr leise (aber immer noch deutlicher als auf dieser Seite).

Lieber Wolfgang,

Danke für den Link! Das Instrument (vor dem Begriff Cello schrecke ich da doch ein bisschen zurück) scheint ja tatsächlich wie ein Cello zu klingen... Allerdings wird auch ziemlich schnell klar, wenn man Badiarov beim Spielen zuschaut, warum sich dieses Instrument nicht so richtig durchsetzen konnte...

Liebe Grüße

Sabine
satie (28.01.2009, 20:34):
Vorsicht: einem Geigenbauer beim Spielen zuzuschauen ist etwa so, als ob sich der Kostümbildner im Theater selber als Othello auf die Bühne stellt. Sprich: nicht so toll. Wenn es aber Laurence Olivier tut?

Herzlich,
S A T I E
satie (28.01.2009, 20:40):
Ok,
ich war zu streng. Der Typ spielt gar nicht schlecht! Etwas schmalzig vielleicht, aber nicht schlecht. Trotzdem glaube ich, dass Kuijken schon noch eine Klasse besser ist. Ich finde, das sieht gar nicht so unbequem aus. Aber er hat ja auch einen Riemen, der dabei entlastet...
cellodil (28.01.2009, 23:06):
Original von Satie
Ok,
ich war zu streng. Der Typ spielt gar nicht schlecht! Etwas schmalzig vielleicht, aber nicht schlecht. Trotzdem glaube ich, dass Kuijken schon noch eine Klasse besser ist. Ich finde, das sieht gar nicht so unbequem aus. Aber er hat ja auch einen Riemen, der dabei entlastet...

Lieber Satie,

mir ging es nicht so sehr um die Qualität des Spiels, sondern darum, wie man auf diesem Schulter-Cello spielt (das konnte ich mir nämlich so gar nicht vorstellen). Und für mich sieht das auf dem Video nach Nackenverspannungen und sonstigen Verkrampfungen allerübelster Sorte aus (Badiarov stabilisiert das Cello ja schon mit dem Kinn). Andererseits hatten "richtige" Celli damals noch gar keinen Stachel und mussten zwischen die Unterschenkel geklemmt werden, was ja auch schon fast Gymnastik und nicht gerade rückenfreundlich ist...

Liebe Grüße

Sabine

P.S. Falls Du Dir die CD kaufen solltest, dann berichte doch mal, wie sie Dir gefällt.
satie (29.01.2009, 06:08):
Ich habe schon richtig verstanden und musste natürlich - wie üblich - meinen unsinnigen Kommentar abgeben. Sicherlich ist es nur all zu verständlich, dass man eine Spielweise, bei der man ein Instrument so abstützen muss, dass der Bogenarm in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, auf Dauer nicht kultivieren konnte. Das ist ja ganz klar.
Was mir an dem Ding gefällt ist schlicht und einfach der Klang. Ich mag es schlank, und bei so einer kleinen Mensur wie diesem Baby-Cello hat das für mich einen besonderen Reiz. Der wird auf jeden Fall gekauft, fragt sich nur wann und wo, denn momentan ist die CD doch noch etwas sehr teuer.

Herzliche Grüße,
S A T I E
cellodil (29.01.2009, 07:28):
Original von Satie
Was mir an dem Ding gefällt ist schlicht und einfach der Klang. Ich mag es schlank, und bei so einer kleinen Mensur wie diesem Baby-Cello hat das für mich einen besonderen Reiz.

Lieber Satie,

wollen wir uns auf diesen Namen einigen? Der klingt nicht nur niedlich, sondern birgt ja zumindest die Aussicht, dass das Kleine, wenn es nur genügend gehätschelt wird, noch wachsen könnte und dann nicht mehr so wirbelsäulenstrapazierend durch die Gegend gefiedelt werden müsste...

Ich habe die fünfte Suite mal in einem Konzert auf einem historischen "violoncello piccolo" (der Begriff ist ja nicht ganz eindeutig, deshalb die Anführungszeichen) mit sechs Saiten gehört, das war kaum oder gar nicht größer als das Säuglingscello, wurde aber in der üblichen Cellohaltung gespielt. Der Klang war etwas gewöhnungsbedürftig, eher dünn als schlank, was aber in diesem Fall tatsächlich am Spieler gelegen haben mag, der das Instrument nur für kurze Zeit für einen Wettbewerb geliehen bekommen hatte und damit wohl nicht so wirklich klar kam.

Liebe Grüße

Sabine
ab (16.03.2009, 17:04):
Es gilt eine interessante Neuaufname hier zu verzeichenen: Der Italienische Cellist Enrico Bronzi hat sie beim ganz neuen Label Fregolimusic in Italien aufgenommen. Unter dem angegebenen Link sind Ausschnitte sowie ein Interview zu sehen.

http://www.fregolimusic.com/Fregoli_Music/Enrico_Bronzi_files/fronte_suites-20.jpg

Bronzi wird manchem womöglich ein Begriff sein von seiner sehr gelobten Aufnahme der Boccherini-Konzerte, die er bei Brilliant Classics herausgebracht hat. Am 5. Mai 2009 wird er in Salzburg mit dem Hagen Qaurtett Schuberts Quintett in C zum besten geben.

:hello
Heike (21.03.2009, 15:15):
morgen 22.03.2009 Thema der Sendung "Interpretationen"
DRadio Klutur, 15 uhr


"Sechs Gebirge aus Tönen"
Johann Sebastian Bachs Suiten für Cello solo
Kein großer Cellist, der sich nicht an ihnen versucht hätte, wenige, die sie nicht aufgenommen haben und viele, die an ihnen verzweifelten: an den sechs Suiten für Solocello von Johann Sebastian Bach.

Man weiß weder, wann genau Bach diese Werke komponiert hat, noch für wen oder weshalb - und bei der letzten Suite noch nicht einmal, für welches Instrument sie eigentlich gedacht war. Trotzdem zählen die sechs Suiten zu den absoluten Höhepunkten der Celloliteratur.

Dass sie ihren Weg vom stillen Kämmerlein in den Konzertsaal gefunden haben, ist der Verdienst von Pablo Casals - seine legendäre Aufnahme wird in den Interpretationen zu hören sein, neben denen anderer Künstlern wie Pierre Fournier, Boris Pergamenschikow, Paul Tortelier, Gavriel Lipkind, Nikolaus Harnoncourt, Anner Bylsma oder Heinrich Schiff.

Quelle http://www.dradio.de/
cellodil (21.03.2009, 15:49):
Liebe Heike,

Danke für den Hinweis!!! Hoffe mal, dass ich die Zeit finden werde, reinzuhören in die Sendung.

Liebe Grüße

Sabine
Frido (01.06.2012, 11:14):
http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/Johann-Sebastian-Bach-1685-1750-Cellosuiten-BWV-1007-1012-f%FCr-Viola/hnum/1154306.jpg
Da bisher anscheinend in diesem Thread noch niemand etwas zu einer neuen Aufnahme der Cellosuiten von Gérard Caussé auf der Bratsche (Entschuldigung: Viola) notiert hat, hier einige Anmerkungen zu der im Dezember 2011 bei Virgin Classics (EMI) erschienenen Doppel-CD. Bisher hatte ich in meiner Sammlung nur die Casals-CDs mit Aufnahmen von 1936-1939 und weil ich diese Aufnahmen im Ohr hatte, verglich ich die Bratschen-Interpretation unwillkürlich damit.
Mein erster Eindruck:
Die Bratschenfassung läßt die Bachschen Suiten neu, ganz frisch erleben, durch ein Instrument mit anderem Eigencharakter und einer höheren Tonlage. Es bleibt die Frage, wie weit der Charakter der Tonarten gewahrt ist, z.B. bei der Transkription der Suite Nr. 6 durch Gérard Caussé.

In seiner Interpretation ist Caussée typisch französisch, weicher, Casals wirkt dagegen zum Teil sehr ruppig, hart.
In schnellen Sätzen trifft Caussé den Tanzcharakter der Sätze mit dem "leichteren" Instrument leichter, wo Casals manchmal bäurisch wirkt.
In langsamen Sätzen hält Casals die durchgehende Linie, den Faden, Caussé zerfließt da zu leicht, extrem in der Allemande von Suite Nr. 6, sicher auch mit einem meditativen Ansatz, über dessen Berechtigung man diskutieren könnte, da schließlich Bachs Suitensätze insgesamt manchmal nur noch im Namen an die Tänze erinnern.

Interessant ist auf den Caussé-CDs der Wechsel von Bach mit den (natürlich französisch) rezitierten Rilke-Texten. Es sind wohl die letzten Aufnahmen des mit Gérard Caussé befreundeten Schauspielers Laurent Terzieff, wodurch die Zusammenstellung von Musik und Text auf den CDs noch eine eigene Symbolik bekommt. Sicher nicht ganz zufällig haben einige der Rilketexte einen Todesbezug. Extrem auch entsprechend Caussés Interpretation der Sarabande von Suite Nr. 5, die wie ein Requiem auf den toten Freund wirkt.

Um am Text interessierten Käufern der Caussé-Aufnahme das Suchen etwas zu erleichtern:
Folgende Rilketexte bzw. Auszüge daraus sind auf den beiden CDs enthalten (über die Links findet man den deutschen Originaltext):
1) "Les Cahiers de Malte Laurids Brigge" = "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"
http://www.digbib.org/Rainer_Maria_Rilke_1875/Die_Aufzeichnungen_des_Malte_Laurids_Brigge?showall=1
2) "Chant de l'amour et de la mort du cornette Christoph Rilke = "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke"
http://www.gutenberg.org/catalog/world/readfile?fk_files=705256&pageno=2
3) "Le livre des images" = "Das Buch der Bilder" (1898-1906). Daraus: "Le garçon" = "Der Knabe"
http://www.zeno.org/Literatur/M/Rilke,+Rainer+Maria/Gedichte/Das+Buch+der+Bilder/Des+ersten+Buches.+Erster+Teil/Der+Knabe
4) "Poésies nouvelles" = "Neue Gedichte". Daraus: "Le Caroussel = "Das Karussell (Jardin du Luxembourg) (Paris Juni 1906)
http://www.textlog.de/6708.html
5) "Le livre des images" = "Das Buch der Bilder" Daraus: "Heure grave" = "Ernste Stunde"
http://www.textlog.de/17656.html
6) "Le livre d'Heures" = "Das Stunden-Buch" Daraus: "Le Livre de la pauvreté et de la mort" = "Das Buch von der Armut und vom Tode"
http://www.rilke.de/gedichte/das_buch_von_der_armut_und_vom_tode.htm
Das sind jetzt spontane Eindrücke.
Sieht man von den Interpretationen auf Guitarre ab, könnte man vielleicht auf die Version von Kuijken auf Violoncello da spalla (Schulter-Cello) verweisen. ich finde seine Darstellung recht ansprechend, vielleicht nicht ganz so virtuos wie die der "echten" Cellisten. Das Instrument klingt schon sehr nach normalem Cello, ganz im Gegensatz zur Bratsche mit Caussé.

Vielleicht noch eine Anmerkung, um meine Sympathien innerhalb Cello-Interpretationen nach Probehören zu charakterisieren: Mir gefallen am ehesten Tortelier (souverän ruhig, aber nicht zerfließend, sehr differenziert, weich, wo nötig tänzerisch) und Queyras (unprätentiös, ausgeglichen, präzise).

Mich würde interessieren, was fachkundigere und speziell mit dem Thema Cello-Suiten vertraute Forumsbesucher zu der Viola-Interpretation von Caussé meinen.
Kalli (01.06.2012, 13:29):
kann es sein, dass diese tolle aufnahme noch nicht gennant wurde ?
http://www.amazon.de/S%C3%A4mtliche-Cellosuiten-Bwv-1007-1012-Ga/dp/B000V3OKW0/ref=sr_1_4?s=music&ie=UTF8&qid=1338549953&sr=1-4

ich mag das ruhige spiel von Pierre Fournier sehr - genauso gut gefällt mir aber auch suzuki. starker werde ich mir noch anhören .

gruss

kalli
Kalli (01.06.2012, 17:33):
Original von Rachmaninov
Also gerade oft höre ich Bach's Chello Sonaten nu wirklich nicht.

Für mich aber eine Aufnahme, die ich dann doch immer wieder aus dem Regal ziehe: Pierre Fournier

Dieser warme weiche Celloton fasziniert mich einfach .......

Neben dieser Aufnahme besitze ich noch zwei weiter Aufnahmen:
Daniel Shafran und Boris Pergamenschikow

da hört ja doch jemand fournier.....ich hatte es überlesen - genau so sehe ich es auch !

kalli
Frido (03.06.2012, 02:04):
Entschuldigung! Ich hatte mich mit dem Einsetzen des Bildes verkämpft. Hier also die CD-Front zu meinem Beitrag vom 1.6.2012. (Anfänger-Glück)

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5099990766527.jpg
Schroeder (27.05.2013, 03:16):
Ich bin auf meinem Streifzug kreuz und quer durch die Klassik just bei Bachs Cellosuiten gelandet, weil ein Auszug daraus unlängst in der Folge einer Fernsehserie ("Hannibal", wen' interessiert) Verwendung fand.

Weil amazon.com die Autorip-Funktion (man bestellt die CD, kann aber sofort die mp3-Version herunterladen) für diese Aufnahme anbot, aber auch, weil ich durchaus positive Besprechungen dazu fand, war diese meine erste Wahl:



Außerdem bestellt habe ich mir diese Aufnahme von Heinrich Schioff, weil mir auf Anhieb, man verzeihe mir meine laienhafte Ausdrucksweise, der "flotte Auftakt" gefiel:



Nun freue ich mich gespannt darauf, beide Aufnahmen insgesamt miteinander zu vergleichen!

Vorgemerkt habe ich mir noch die in diesem Faden mehrfach gelobte Aufnahme von Queyras, wobei amazon.de hier zusätzlich noch den Namen Maria Kliegel angibt. Weiß jemand, was es damit auf sich hat?

Außerdem sind nach der Lektüre dieses Forums und anderer Quellen folgende Aufnahmen auf meiner Vielleicht-Einkaufsliste gelandet:



Hier hält mich momentan eigentlich nur der Preis von über 30 Euro vom Zuschlagen ab.




Im Fall Jan Vogler kann ich nur aus einer Rezension zitieren und mich dieser Auffassung anschließen (so weit das nach dem Anhören von ein paar Auszügen eben möglich ist): "Natürlich, intensiv, kraftvoll."

Interessant finde ich außerdem das Arrangement fürs Bariton-Saxophon, und das obendrein noch zum Schnäppchenpreis:



Trotzdem, nach meinen beiden Erstanschaffungen (Fournier und Schiff) will ich erst mal warten; ich kann mir vorstellen, dass diese Stücke nach einer Weile schnell langweilig werden könnten, vorübergehend jedenfalls, und dann werde ich mein Interesse gegebenenfalls und zu gegebener Zeit mit dem Kauf einer weiteren Aufnahme neu wecken.
Katka (03.10.2015, 14:54):
Die Aufnahme von Jean-Guihen Queyras besitze ich auch. Sie gefällt mir sehr gut, und überhaupt ist Queyras einer meiner Lieblingscellisten. Ich habe die Suiten mal live von ihm spielen gehört, da hat er zusätzlich ein "Präludium vor dem Präludium", das moderne Komponisten extra für ihn komponiert hatten, zu Anfang jeder Suite gespielt. Insgesamt habe ich sechs CD-Alben von ihm; alle habe ich damals signieren lassen. Muss Ende letzten oder Anfang diesen Jahres gewesen sein, definitiv in der Kölner Philharmonie.