Jay Greenberg - Zeitgenössischer Mozart oder Savant?
Cetay (inaktiv) (21.02.2008, 15:01): Bei meiner gestrigen Einkaufstour beim Planetenhändler habe ich eine CD mit Werken von Jay Greenberg in die Hände bekommen und fand die Soundclips höchst anregend. Stutzig wurde ich erst, als ich das Geburtsdatum des Komponisten gelesen habe: 1991 (!)
?( Wie bitte sollte das möglich sein, bei einer 5. Symphonie aus dem Jahr 2005? Ein Blick ins Booklet brachte Aufklärung. Greenberg wird als Wunderkind gehandelt, dessen Begabung in einem Atemzug mit der von Mozart, Medelssohn und Saint-Saens genannt wird.
Hat jemand schon einmal etwas über diesen Komponisten gehört? Oder gar etwas von seiner Musik? Wenn ja, wird hier Durchschnittsware über das Alter des Komponisten verkauft oder haben die Werke echte Substanz? Ist er ein Genie oder ein Insel-begabter Blender?
http://de.wikipedia.org/wiki/Jay_Greenberg
http://www.jaygreenbergmusic.com/
satie (21.02.2008, 21:04): Lieber Dox, über den hatten wir uns schon einmal ausgelassen, als die CD rauskam vor einiger Zeit. Ich finde es zwar schön, dass man auch mal Cover mit akneüberfrachteten Bubikonterfeis hat und nicht nur immer diese langbeinigen russischen Sängerinnen, allerdings ist die Musik wie man sich denken kann dem Clearasilstadium leider auch noch nicht entwachsen, sprich sie klingt genau so, wie man sich Mucke vom amerikanischen Teenie vorstellt. Lennie Bernstein lässt ebenso grüßen wie Sousa und Copland, auch könnte man sie zum nächsten Batman-Sequel sicherlich prima mitlaufen lassen, ebenso zum neuen Mel Gibson Beitrag zu ausgestorbenen Sprachen oder als Hintergrundmusik zum amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Ich interessiere mich da weit mehr für Leute, die schon etwas mehr zu sagen haben oder aber sehr viel weniger. Jedenfalls gefällt mir diese neue Generation von Pressköpfen gar nicht. Wodurch ich sicherlich schon wieder ganz viele richtig gehend dazu zwinge, sich die Musik zu kaufen, nicht wahr? :D
Härztliche Vergrüße, S A T I (S F A K T I) E
Cetay (inaktiv) (22.02.2008, 08:26): Original von Satie Lieber Dox, über den hatten wir uns schon einmal ausgelassen, als die CD rauskam vor einiger Zeit. Ich finde es zwar schön, dass man auch mal Cover mit akneüberfrachteten Bubikonterfeis hat und nicht nur immer diese langbeinigen russischen Sängerinnen, allerdings ist die Musik wie man sich denken kann dem Clearasilstadium leider auch noch nicht entwachsen, sprich sie klingt genau so, wie man sich Mucke vom amerikanischen Teenie vorstellt. Lennie Bernstein lässt ebenso grüßen wie Sousa und Copland, auch könnte man sie zum nächsten Batman-Sequel sicherlich prima mitlaufen lassen, ebenso zum neuen Mel Gibson Beitrag zu ausgestorbenen Sprachen oder als Hintergrundmusik zum amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Ich interessiere mich da weit mehr für Leute, die schon etwas mehr zu sagen haben oder aber sehr viel weniger. Jedenfalls gefällt mir diese neue Generation von Pressköpfen gar nicht. Wodurch ich sicherlich schon wieder ganz viele richtig gehend dazu zwinge, sich die Musik zu kaufen, nicht wahr? :D
Härztliche Vergrüße, S A T I (S F A K T I) E
Lieber SATIE, so wie ich das verstehe, ist die Musik von Greenberg aus deiner Sicht weder besonders originell noch substanziell. Bleibt die Frage, wie die Leistung, solch großformatige Musik in einem solchen Alter zu schreiben, dann zu bewerten ist. Wäre jedes Pickelgesicht dazu in der Lage, so etwas zu kreieren, wenn es auf seiner Playstation ab dem 3. Lebensjahr statt mit Ballerspielen mit einer Kompositionssoftware spielen würde?
Man muss sich natürlich fragen, wozu eine solche Begabung heute noch taugt. Zwischen Schubert und Schönberg gab es ja so einige Wunderkinder, aber von wenigen Einzelwerken abgesehen kam da nicht viel - so wie bei allen Komponisten aus dieser Zeit. :P Was kann uns Greenberg also geben, wenn er seinen Personalstil entwickelt und sein Handwerk verfeinert hat? Eine 10te von Beethoven kann kaum der Sinn der Sache sein. (Wir sind uns einig, dass 9 schon hart an der Grenze sind.) Und zeitgenössische Kompositionen - machen wir uns nichts vor - will heute kaum noch jemand hören. Vielleicht kann man Greenberg noch überreden ins Elektro/Tech Milieu zu wechseln. Da tummelt sich auch das eine oder andere Wunderkind und findet dort wenigstens eine Zuhörerschaft.
BTW, bei der Wahl zwischen akneüberfrachteten Bubikonterfeis und langbeinigen russischen Sängerinnen, entscheide ich mich für dralle höllandische Geigerinnen.
:beer Viele Grüße Jochen
uhlmann (22.02.2008, 09:59): Original von Satie allerdings ist die Musik wie man sich denken kann dem Clearasilstadium leider auch noch nicht entwachsen, sprich sie klingt genau so, wie man sich Mucke vom amerikanischen Teenie vorstellt. Lennie Bernstein lässt ebenso grüßen wie Sousa und Copland, auch könnte man sie zum nächsten Batman-Sequel sicherlich prima mitlaufen lassen, ebenso zum neuen Mel Gibson Beitrag zu ausgestorbenen Sprachen oder als Hintergrundmusik zum amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.
klingt nicht viel amerikanische musik so?
ich habe mir die soundschnipsel der fünften angehört. greenbergs musik klingt für mich nicht anders als vieles, was es zb auf naxos american classics gibt. bessere filmmusik. allerdings finde ich es handwerklich für sein alter beachtlich.
talent hat der mann sicher, die frage ist, was er daraus macht. sucht er einen eigenen musikalischen weg oder will er lieber schnelle kohle machen? beides zusammen, behaupte ich mal, geht nicht (oder nur sehr bedingt). in 10 jahren werden wir es wissen.
sony/bmg hat übrigens seine website erstellt/bezahlt. (könnte das schon ein hinweis sein?)
satie (22.02.2008, 14:54): Original von Dox Orkh Und zeitgenössische Kompositionen - machen wir uns nichts vor - will heute kaum noch jemand hören.
Na na, das ist aber schon sehr übertrieben. Gute Musik will man schon hören, egal ob zeitgenössisch oder nicht. Zwar ist es bedenklich, dass Musik unserer Zeit einen vergleichsweise geringen Stellenwert hat, aber sie hat ja scho ihr Publikum. Grundsätzlich muss man sich über eines im Klaren sein: bei praktisch keinem Komponisten, egal ob Wunderkind oder nicht, ist das Jugendwerk besonders interessant (zumindest nicht rein musikalisch, sondern höchstens, um die Entwicklung nachzuvollziehen). Insofern will ich Greenberg nicht verurteilen, sondern ihn einfach mal für 10 Jahre ruhen lassen. Dann ist er immer noch ein junger Komponist, aber ein halbwegs erwachsener Mensch. Ich habe die Ergebnisse meiner ersten 10 Komponistenjahre ja auch aus meinem Werkverzeichnis getilgt... Allerdings ist die Frage, ob der Junge jemals aus der Vermarktungsmaschierie herauskommen wird (Uhlmann hat es schon angedeutet). In der Regel wird da das meiste Potential schon verheizt, bevor es in sinnvolle Bahnen gelenkt werden konnte...
Herzlich, S A T I E
Cetay (inaktiv) (22.02.2008, 15:51): Original von Satie Original von Dox Orkh Und zeitgenössische Kompositionen - machen wir uns nichts vor - will heute kaum noch jemand hören.
Na na, das ist aber schon sehr übertrieben. Gute Musik will man schon hören, egal ob zeitgenössisch oder nicht. Zwar ist es bedenklich, dass Musik unserer Zeit einen vergleichsweise geringen Stellenwert hat, aber sie hat ja scho ihr Publikum. Grundsätzlich muss man sich über eines im Klaren sein: bei praktisch keinem Komponisten, egal ob Wunderkind oder nicht, ist das Jugendwerk besonders interessant (zumindest nicht rein musikalisch, sondern höchstens, um die Entwicklung nachzuvollziehen). Insofern will ich Greenberg nicht verurteilen, sondern ihn einfach mal für 10 Jahre ruhen lassen. Dann ist er immer noch ein junger Komponist, aber ein halbwegs erwachsener Mensch. Ich habe die Ergebnisse meiner ersten 10 Komponistenjahre ja auch aus meinem Werkverzeichnis getilgt... Allerdings ist die Frage, ob der Junge jemals aus der Vermarktungsmaschierie herauskommen wird (Uhlmann hat es schon angedeutet). In der Regel wird da das meiste Potential schon verheizt, bevor es in sinnvolle Bahnen gelenkt werden konnte...
Herzlich, S A T I E
Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich selbst gehöre zu dem dem Publikum für Neue Musik, stelle aber fest, dass die Zahl der Klassik-Hörer an sich immer weniger wird und davon wiederum ein großer Teil ominöse Jahreszahlen (1900 oder 1950) als generelle Akzeptanzgrenze aufführt.
Was Greenberg angeht sehe ich das genau so. Ich denke, dass die Vermarktung als Wunderkind nicht unbedingt förderlich für den Reifeprozess als Komponist ist. Hier heisst es abwarten.
Das mit dem Tilgen könnte der Nachwelt aber noch einiges Wehklagen bereiten, falls du es noch zum Ruhm bringen wirst. Oder wärst du nicht auch mal versessen darauf, zu hören, was Varèse in seinen frühen Jahren komponiert hat? Aber nein, die Herren Komponisten müssen ja alles Unausgereifte sorgfältig vernichten... :wink
satie (22.02.2008, 23:26): Lieber Dox, ganz abgesehen davon, dass ich nicht damit rechne, dereinst wirklich bekannt zu sein, gibt es ja gegebenenfalls genau für solche Sachen Musikwissenschaftler und übereifrige Ensembles, die dann schon lange genug kramen, bis sie noch die unausgegorensten Jugendwerke endlich gefunden haben und zur Aufführung bringen. So geschehen bei Morton Feldman, der einmal zwecks purem Geldverdienst eine Filmmusik zu einem kommerziellen Streifen geschrieben hat (in einemüberhaupt nicht nach Feldman klingenden Stil. Obwohl Feldman schriftilich festgehalten hatte, dass man diesen Schrott niemals wieder aufführen soll, konnte es das Ensemble Recherche nicht lassen und musste das Stück im Berliner Konzerthaus aufführen. Schlimm ist nur, wenn Künstler ihr gesamtes Werk vernichten wollen, so wie Kafka. Wie schade wäre es gewesen, wäre seinem Wunsch wirklich Folge geleistet worden (es war so etwas wie ein letzter Wille, der "Vollstrecker" hatte sich aber widersetzt).